Be wegen - Postdienste, Speditionen ...
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be wegen H e f t 1 1 / 2 0 0 7
Fotos: ver.di
Für den Schutz der Beschäftigte bei den Briefdiensten
Der Mindestlohn
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Bubewegen | MENSCHEN MEINUNGEN MELDUNGEN
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INHALT NACHRICHTEN die Arbeitsbedingungen in Entscheidung darüber steht
ihrem Unternehmen offenle- im nächsten Jahr an.
Titelthema BNetzA muss gen müssen. Die Frage nach Einige EU-Staaten experi-
4-5 Tariflicher Mindestlohn Auskunft erhalten Sendungsmengen sei erfor- mentieren mit Gigalinern.
für die Beschäftigten derlich, weil die Beantwor- Nur in Schweden und Finn-
bei den Briefdiensten Der Präsident der Bundes- tung Rückschlüsse auf die land sind sie seit Jahren im
muss kommen netzagentur (BNetzA), Mat- Größe des Unternehmens Einsatz, begünstigt durch
Speditionen und Logistik thias Kurth, hatte im Mai die- und die Zahl der Saisonbe- lange gerade Straßen, gerin-
6-9 DHL präsentiert ses Jahres angekündigt „eine schäftigten zulasse. Die Zahl ge Verkehrsdichte, wenig
Logistiklösungen mit Vollerhebung unter allen der Betriebsstätten könne innerstädtischen Transport-
RFID – Betriebsräte Wettbewerbern“ zu ma- Aufschlüsse über die Größe verkehr und Distributions-
werden tätig chen, um die wesentlichen eines Unternehmens und zentren am Rand der Städte.
Arbeitsbedingungen abzu- dessen flächenmäßige Aus- Von diesen Ausnahmen ab-
Fahrergipfel: Lösungen
fragen. Im Juni versandte die dehnung geben. Der Be- gesehen, sind entsprechend
dringend gesucht
BNetzA an alle aktiven neuen schluss ist nach Angaben des der EU-Richtlinie 96/53/EG
Jugend Briefdienstleister eine Aus- Gerichts unanfechtbar. (Az.: nur Lkw mit bis zu 18,75 Me-
10 Bundes-JAV-Konferenz kunftsanordnung gemäß Pa- 13 B 1428/07). red tern Länge und 40 Tonnen
der Post AG: ragraf 45 des Postgesetzes, Gesamtgewicht erlaubt.
Jungbrunnen sucht um die wesentlichen Arbeits- Keine Gigaliner ver.di lehnt den Einsatz der
Anschluss bedingungen abzufragen. in Deutschland Gigaliner ab. Ein diesbezüg-
Dagegen machten diese, licher Antrag wurde vom
Service
darunter die Pin AG, Wider- Die Verkehrsminister von 2. ver.di-Bundeskongress an-
11 Termine
spruch beim Verwaltungsge- Bund und Ländern sprachen genommen. Die Begrün-
Freizeit-, Kultur- und richt Köln geltend. Das Ge- sich auf ihrer Konferenz im dung: Erstens sei eine Ver-
Gewerkschaftstreffen richt gab dem statt und be- Oktober gegen die Zulas- kehrsverlagerung von der
mängelte, nicht alle Fragen sung von bis zu 25,25 Meter Schiene auf die Straße zu be-
der BNetzA seien relevant, so langen und 60 Tonnen fürchten und zweitens er-
nach den Sendungsmengen, schweren Lkw, sogenannte hebliche Ausgaben zu Lasten
der Zahl der Betriebsstätten Gigaliner, aus. Neue Versu- anderer Verkehrsträger. Bis
und Art der Zustellung (siehe che damit werden nicht zu acht Milliarden Euro
bewegen 08 – 09/2007). mehr zugelassen. Die in drei wären laut Bundesverkehrs-
Dagegen legte die BNetzA Bundesländern laufenden ministerium allein für Um-
beim Oberverwaltungsge- Modellprojekte sollen zu En- baumaßnahmen an Brücken
IMPRESSUM richt in Münster Rechtsmittel de geführt werden. Deren nötig, damit sie den Belas-
bewegen
Nr. 11/2007 ein. Das Oberverwaltungs- Ergebnisse sollen in die Dis- tungen durch Gigaliner
6. Jahrgang gericht entschied unter an- kussionen auf europäischer standhielten. Auch die be-
Herausgeber: derem, dass die privaten Ebene eingebracht werden. stehende Straßeninfrastruk-
Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft Briefzusteller als Wettbewer- Derzeit untersucht die EU die tur müsste angepasst wer-
Bundesvorstand: ber der Deutschen Post AG Voraussetzungen für einen den, wie Kreisverkehre,
Frank Bsirske, Andrea Kocsis der BNetzA auf Nachfrage Einsatz der Gigaliner. Die Kreuzungen, Rastplätze. Zu-
Redaktion:
Dr. Sigrun Schmid (verantwortlich),
Gabriele Sander, Dr. Helma Nehrlich
E-Mail:
bewegen.psl@verdi.de
Online-Ausgabe:
www.verdi-Fachbereiche.de
Redaktionsanschrift:
ver.di Bundesverwaltung
Fachbereich Postdienste,
Speditionen und Logistik
10112 Berlin
Telefon 0 30/69 56-0
Fax 0 30/69 56-37 62
Erscheinungsweise:
9 Ausgaben pro Jahr
Redaktionsschluss:
Heft 12/2007: 22. November 2007
Foto: ver.di
Heft 01-02/2008: 23. Januar 2008
Gestaltung + Layout:
Sabrina Stamm (apm AG)
Druckauflage:
255 200 Vom 15. bis 21. Oktober führten die Internationale Transportarbeiter Föderation und ver.di eine Aktions-
Herstellung + Druck: woche in der Transportbranche durch. Unter dem Motto „Organisieren! – Durchsetzungskraft stärken“
apm AG Darmstadt, wurde in Unternehmen und auf Rastanlagen auf den weltweiten Kampf des Fahrpersonals für bessere
Kleyerstraße 3,
64295 Darmstadt, Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Arbeitsschutz hingewiesen. Bei den Aktionen dabei waren Gewerk-
www.alpha-print-medien.de schafter aus Polen, wie hier auf dem Autohof Swietkow an der deutsch-polnischen Grenze.
2 11/2007 | ver.dibewegen | MENSCHEN MEINUNGEN MELDUNGEN
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dem gibt es erhebliche Be- Erhöhung gilt auch für die Si- tarifvertrag. Weiterhin ent- Aufsichtsratswahl
denken bei der Verkehrssi- cherungsbeträge der Besitz- hält er Regelungen für die im Postkonzern
cherheit, wegen längerer standszulagen und für die Beschäftigten, die keine un-
Bremswege und Überholvor- Auszubildenden. Der Tarif- mittelbaren Verkaufstätig- Am 27. März 2008 finden die
gänge sowie zunehmender vertrag läuft mindestens bis keiten wahrnehmen und so- Aufsichtsratswahlen im Kon-
Unübersichtlichkeit auf den zum 31. Juli 2008. mit in den Entgelttarifvertrag zern der Deutschen Post statt.
Straßen. red Hermann Völlings der DHL Express Germany Zur Aufstellung der unter-
übergeleitet werden. nehmensinternen Kandida-
2,5 Prozent mehr Überleitung des Durch Besitzstandszulagen ten gab es am 6. November
bei der Postbank Vertriebs zu DHL konnten Einkommensverlus- eine Nominierungsversamm-
Filialvertrieb AG Express Germany te für die Beschäftigten aus- lung, auf der ein repräsenta-
geschlossen werden. Die vari- tiver Kreis von Mitgliedern
Die Tarifbeschäftigten der Durch den Aufbau eines ei- ablen Vergütungsbestandteile von Betriebsräten, Vertrau-
Postbank Filialvertrieb AG genständigen Vertriebs bei bleiben erhalten. ensleuten oder in sonstiger
bekommen ab 1. Dezember der DHL Express Germany Die parallel dazu verlaufenden Weise gewerkschaftlich täti-
dieses Jahres 2,5 Prozent GmbH werden rund 250 Be- Verhandlungen des Konzern- ger Kollegen aus den Unter-
mehr Geld. Damit wird die schäftigte übergeleitet. betriebsrates zu einem Inter- nehmen die Kandidatinnen
zweite Phase des Tarifab- Für diese konnte ver.di am essensausgleich und Sozial- und Kandidaten für die Wahl
schlusses aus dem Jahr 2006 8. November 2007 einen Ta- plan wurden ebenfalls am zum Aufsichtsrat vorschlug.
umgesetzt. rifvertrag abschließen. Die- 8. November abgeschlossen. Dort stellten sich auch die
Im vergangenen Jahr wurden ser regelt Vertriebsentgelt- Im Ergebnis kommt es nicht zu Gewerkschaftsvertreter für
die Einkommen im Dezem- gruppen für den Bereich Entlassungen von Beschäftig- die Wahl vor.
ber um drei Prozent angeho- Sales im Entgelttarifvertrag ten. Neben grundlegenden Für die Leitenden Angestell-
ben. Zuvor wurden Einmal- der DHL Express Germany, Schutzregelungen wurden ten erfolgt noch ein Abstim-
zahlungen in monatlichen die entsprechenden Überlei- insbesondere Ausgleichszah- mungsverfahren. Auch sie
Beträgen von je 62,50 Euro tungsbestimmungen sowie lungen beim Wechsel des Be- stellten sich auf dieser Nomi-
in den Monaten Juli bis Ok- darauf bezogene Änderun- schäftigungsortes vereinbart. nierungsversammlung vor.
tober fällig. Die prozentuale gen im Entgelt- und Mantel- Hermann Völlings red
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3 11/2007 | ver.dibewegen | TITELTHEMA
ARM TROTZ ARBEIT
Mein -Zusteller
Gegen eine Politik der so
soll von seinem Lohn
Zum 1. Januar wird der deutsche Brief- Lohn leben können. Denn die neuen
leben können! markt vollständig liberalisiert. Zeit- Briefdienste setzen auf das Geschäfts-
Beschäftigte der neuen Briefdienste brauchen den
verbindlichen Mindestlohn von 8,00 bis 9,80 Euro.
gleich sollen die Beschäftigten mit ei- modell: Sie bezahlen ihren Beschäftig-
nem tariflichen Mindestlohn vor Lohn- ten einen spärlichen Lohn, den Rest
Damit sie von ihrem Lohn leben können!
Damit sich deren Arbeitgeber nicht mehr auf
Kosten der Allgemeinheit den Lohn aus den
Sozialkassen subventionieren lassen!
Jetzt blockieren CDU und CSU das für
und Sozialdumping geschützt werden. überlassen sie dem Staat und damit
den Mindestlohn notwendige Gesetz-
gebungsverfahren. Damit torpedieren
So hat es die Bundesregierung im Au- dem Steuerzahler.
sie den Kampf gegen Hungerlöhne.
Zu dieser Politik der sozialen gust beschlossen. ver.di hat mit dem zu-
Kälte sagen wir Nein!
Dieses Plakat
ständigen Arbeitgeberverband Post- Bevölkerung will
„Mein -Zu-
dienste e. V. einen Mindestlohntarifver- Mindestlöhne
steller soll
trag abgeschlossen, mit Stundenlöhnen
Mehr unter www.mindestlohn.de
von seinem
zwischen acht und 9,80 Euro. Damit für 86 Prozent der Bürgerinnen und Bürger
Lohn leben können!” ist Anfang November
alle Beschäftigten in der Briefbranche in Deutschland sind für Mindestlöhne.
erschienen und wird bundesweit einge-
diese Lohnuntergrenze gilt, müssen zu- Es gibt auf dem europäischen Post-
setzt.
nächst Bundesrat und Bundestag das sektor, so in Schweden oder auch in der
Arbeitnehmer-Entsendegesetz um die Schweiz, erstens Wettbewerb und
Briefdienstebranche erweitern. Sodann zweitens tarifvertragliche beziehungs-
ist der Bundesminister für Arbeit und weise rechtliche Grundlagen, die die
Soziales am Zug. Er erlässt die Verord- Beschäftigten der neuen Briefdienste
nung, die den Tarifvertrag für allge- vor Lohn- und Sozialdumping schützen.
November 2007
ARM TROTZ ARBEIT
GEGEN EINE LIBERALISIERUNG, DIE SOZIALKASSEN PLÜNDERT! GEGEN EINE POLITIK DER SOZIALEN KÄLTE!
meinverbindlich erklärt. In Deutschland jedoch hat der Mindest-
Mein -Zusteller soll von Z I T A T E
Bundesrat und Bundestag haben lohn für die Briefdienste in Höhe von
seinem Lohn leben können! »Es ist schon ein Stück aus dem
sich im Oktober in erster Lesung mit acht bis 9,80 eine Allianz von Gegnern
Tollhaus, dass man anständige
Mindestlöhne für die Konkur-
renz der Post verhindern will,
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
weil sie dann angeblich nicht
zum 1. Januar 2008 wird der deutsche Briefmarkt vollständig liberalisiert. Dann können mehr wettbewerbsfähig wären.
dem Gesetzesentwurf zur Erweiterung auf den Plan gerufen, deren Ziel es ist,
neben der Deutschen Post AG auch andere Unternehmen wie die holländische TNT Post Ihr Wettbewerb entsteht nach
oder die PIN Group des Axel Springer Verlages flächendeckend in die Briefzustellung ein- dieser Logik ergo nur auf
steigen. Grundlage mieser Arbeitsbedin-
gungen und mieser Bezahlung.
Das klingt gut – ist aber für die Beschäftigten der Briefbranche und die Sozialkassen Und die soll dann der Staat im
hoch problematisch. Denn: Die Beschäftigten der neuen Briefdienste bekommen Stun-
des Arbeitnehmer-Enstendegesetzes be- den Mindestlohn zu Fall zu bringen. Ei-
Zweifelsfall wieder ausgleichen
denlöhne von im Mittel 7,00 Euro in Westdeutschland und 5,90 Euro in Ostdeutschland. – siehe Hartz IV. Das hat mit
Das sind in Westdeutschland 40 Prozent und in Ostdeutschland ist es sogar nur die sozialer Marktwirtschaft nichts
Weiter er-
Hälfte dessen, was ein Zusteller bei der Deutschen Post AG bekommt.
Mit solchen Stundenlöhnen von 5,90 oder 7,00 Euro hat eine alleinstehende Person, die
zu tun. Das ist perverser Kapi-
talismus.«
Vollzeit arbeitet, Anspruch auf aufstockendes Arbeitslosengeld II. Das sind leider keine
Einzelfälle, sondern die Branche der neuen Briefdienste setzt auf dieses Geschäftsmodell:
Michael Sommer, DGB-Vorsitzender, zitiert
nach: ver.di-News vom 13. Oktober 2007
fasst. Am 5. November fand im Bundes- nige Akteure schrecken dabei auch
die Sozialkassen und damit der Steuerzahler. schien zu die-
Die Arbeitgeber bezahlen einen spärlichen Lohn, den Rest übernimmt der Staat, sprich
»Wir müssen Schluss damit
Die Bundesregierung hat dieses Problem erkannt und im August 2007 entschieden,
zeitgleich mit der vollständigen Liberalisierung des Briefmarktes, die Beschäftigten mit
machen, dass einige Unter-
nehmer sich ihre Dumpinglöhne
durch den Steuerzahler auch tag die Expertenanhörung statt. nicht vor dubiosen bis hin zu menschen-
sem Thema
einem tariflichen Mindestlohn vor Lohn- und Sozialdumping zu schützen.
Dazu hat die Gewerkschaft ver.di einen Mindestlohntarifvertrag mit Stundenlöhnen zwi-
noch bezahlen lassen.«
Franz Müntefering (SPD), Bundesminister
schen 8,00 und 9,80 Euro vereinbart. Dieser Tarifvertrag soll zum 1. Januar 2008 vom
Bundesminister für Arbeit und Soziales für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dann gilt
für Arbeit und Soziales, zitiert nach:
Tagesspiegel vom 25. September 2007
Das Gesetzgebungsverfahren soll verachtenden Mitteln zurück. Anfang
ein Flugblatt
diese Untergrenze für alle Beschäftigten der Branche. Vorher müssen der Bundesrat und
der Bundestag die Briefdienstebranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufnehmen. »Unternehmen, deren Existenz
CDU und CSU verschleppen dieses Gesetzgebungsverfahren. Damit torpedieren sie den
Kampf gegen Hungerlöhne!
ausschließlich davon abhängt,
ihren Beschäftigten weniger als
einen zum Leben ausreichenden Ende November abgeschlossen sein. Oktober ließ eine „Initiative Deutscher
mit knappen
Zu dieser Politik der sozialen Kälte sagen wir Nein!
Lohn zu zahlen, sollen in diesem
Land kein Recht mehr haben,
Wir wollen keine Volkswirtschaft von Tagelöhnern!
Wir wollen, dass Briefzusteller von ihrem Lohn leben können!
weiter ihre Geschäfte zu betrei-
ben!«
Und wir erwarten, dass die Unionspar- Zeitungen“ großformatige farbige An-
Argumenten,
Wir wollen keine Liberalisierung, die die Sozialkassen plündert!
Wir wollen Unternehmen, die ordentliche Löhne bezahlen!
US-Präsident Franklin D. Roosevelt bei der
Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes
1938 in den USA
8,00 bis 9,80 Euro sind nicht zu viel – unterstützen Sie uns!
teien CDU und CSU aufhören, den zeigen schalten, in denen sie unter an-
Zahlen und Mehr unter www.mindestlohn.de
Kampf gegen Hungerlöhne zu torpedie- derem die Bundeskanzlerin Angela
Fakten für die
ren. Merkel (CDU) und den Vizekanzler
Fragen aus der Bevölkerung. Es ist vor Ort
Franz Müntefering (SPD) bezichtigten,
in den Landesbezirksfachbereichen erhält-
Mitgliederaktionen sie würden das Postgesetz „heimlich
lich und im Internet abrufbar unter:
sind das Fundament unterwandern“. Das ist ein ungeheuer-
www.psl.verdi.de/postdienste/nachrichten
licher Vorwurf gegen eine demokra-
Allein dass ver.di bis an diese Stelle ge- tisch gewählte Regierung. Inzwischen
kommen ist, ist nur dem Druck, den ist der Bundesverband der deutschen
vielfältigen Aktionen der Mitglieder in Zeitungsverleger (BDZV) dazu überge-
der Öffentlichkeit und in den Betrieben gangen, in ganzseitigen Anzeigen die
zu verdanken. Über 30 000 Kolleginnen Abgeordneten des Deutschen Bundes-
Für einen Lohn,
von dem man leben kann! und Kollegen haben im Mai in Berlin ge- tages aufzurufen, der Erweiterung des
Fakten und Argumente zum Post-Mindestlohn.
gen eine Liberalisierung ohne Sachver- Arbeitnehmer-Entsendegesetzes nicht
stand protestiert. Seit Mai finden flä- zuzustimmen.
chendeckend vor Ort Aktivitäten für Höhepunkt der Kampagne der Min-
den Stopp des Lohn- und Sozialdum- destlohngegner war eine Anfang Ok-
pings auf dem deutschen Postmarkt tober von den Arbeitgebern der neuen
statt. Es werden zahlreiche Gespräche Briefdienste organisierte Demonstra-
Über den Min- mit der Politik und den Parteien geführt tion, auf die sie ihre Beschäftigten
destlohn für und in Pressegesprächen dargestellt, schickten, um gegen die Einführung des
die Brief-
Postdienste, Speditionen
und Logistik dass ein Mindestlohn für die Briefbran- von ver.di ausgehandelten Mindest-
dienste wird che kommen muss. lohnes zu protestieren und niedrigere
heftig gestrit- Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Löhne zu verlangen. Ein in der deut-
ten. Diese Broschüre fasst zentrale Motive, Postgesetzes, mit dem der Wettbewerb schen Sozialgeschichte wohl beispiello-
Fakten und Argumente zusammen. Sie ist auf dem deutschen Postmarkt eingeläu- ser Vorgang.
gleichfalls im Internet abrufbar. tet wurde, ist nun politisch zu entschei- Schließlich wurde der Versuch
den, ob Menschen, die Tag für Tag voll- unternommen, eine Gewerkschaft von
zeitig harte Arbeit verrichten, von ihrem oben zu gründen – mit dem offenkun-
4 11/2007 | ver.dibewegen | TITELTHEMA
ozialen Kälte Auszüge von Meinungen und Diskussionen aus dem
Mindestlohn-Weblog: www.blog.mindestlohn.de
digen Ziel des Arbeitgeberverbandes
Neue Brief- und Zustelldienste, sich so Ramona, Keks,
ein Instrument zu verschaffen, doch Montag 8. Oktober 2007, 20.28 Uhr Montag 15. Oktober 2007, 19.34 Uhr
noch an einen Dumpingtarifvertrag für ... ich bin Zusteller bei der PIN Mail AG... Oliver, ich glaube du hast nicht ver-
die neuen Briefdienste heranzukom- uns hat man mitgeteilt, dass die PIN standen, worum es hier geht. Welche
men. Jedoch wurde dieses durchsich- sich den Mindestlohn auf Dauer nicht Jobs werden in der Postbranche ver-
tige Manöver von der Politik erkannt. leisten kann... Wir als Zusteller wollen nichtet? ... Es geht hier um die siche-
Dazu hat selbst der Sachverständige natürlich mehr Geld, aber nicht auf Kos- ren Jobs... Entweder muss die Post
Prof. Thüsing – ansonsten kein Freund ten von unseren Arbeitsplätzen! ... noch mehr Leute entlassen... oder
des von ver.di ausgehandelten Min- die Privaten wollen minderbezahlte
destlohnes – in der Anhörung des Arbeitssklave, Mitarbeiter entlassen. Was für ein
Bundestages am 5. November darge- Dienstag 9. Oktober 2007, 16.33 Uhr Hohn. Ich glaube nicht, dass durch
legt, dass man die Tariffähigkeit dieser ... ich bin bei Jurex... uns erzählt man das etwas geringere Porto ein einzi-
aus dem Boden gestampften Gewerk- im Kern die gleiche Nummer... Hinter ger Brief mehr verschickt wird, es fin-
schaft „mit guten Gründen bezweifeln“ vorgehaltener Hand hören wir dann, det allenthalben eine Umverteilung
könne. dass es einen Springer-Verlag nicht statt. Und das auch nicht im Bereich
interessiert, ob Minus eingefahren der einzelnen Bürger, denn die sind
Ausreichender Rahmen wird, weil zur Not noch ein paar Milli- für die Privaten uninteressant, da
für Wettbewerb onen nachgeschoben werden... So- man dort keine Gewinne erwirtschaf-
lange sich Herr Thiel einen Berater wie ten kann.
Eben jener Prof. Thüsing hat in seiner Herrn Gerster leistet und fleißig weiter
schriftlichen Stellungnahme zu dem Ge- kleine Zustelldienste – wie gerade in Rudi,
setzesentwurf zur Erweiterung des Ar- Baden-Württemberg geschehen – für Mittwoch 17. Oktober 2007, 1.44 Uhr
beitnehmer-Entsendegesetzes ausge- ca. 20 Millionen Euro aufkauft, kann ... was die Leute bekommen, spottet
führt, man könne keine Löhne auf die man wohl kaum davon ausgehen, jeder Beschreibung ... Der Staat
gesamte Branche übertragen, „die weit dass der Mindestlohn die PIN Group in schreit nach Mindestlöhnen, dann soll
über dem Existenzminimum liegen“. den Ruin treibt. unser Staat doch mit gutem Beispiel
Fakt ist, dass die vereinbarten Min- vorangehen und nur an Firmen ver-
destlöhne für alleinstehende Vollzeitbe- Susanne, mitteln, wo den Arbeitnehmern im
schäftigte knapp über dem Existenzmi- Mittwoch 10. Oktober 2007, 9.07 Uhr Nachhinein keine begleitende Sozial-
nimum liegen. Ein verheirateter Zustel- ... Auch ich möchte ... nicht meinen hilfe bezahlt werden muss. Aber dann
ler aus Hamburg mit einem Kind kommt Arbeitsplatz verlieren ... aber ich bin können unsere sozialen oder christ-
mit dem Stundenlohn von 9,80 Euro auf der Meinung, dass die Pin schon lichen Parteien ja nicht mehr jubeln,
ein monatliches Nettoeinkommen von längst mal etwas zur Motivation der dass es wieder weniger Arbeitslose
1297,64 Euro und hat Anspruch auf Mitarbeiter hätte beitragen können gibt.
270 Euro ergänzendes Arbeitslosengeld indem sie den Stundenlohn erhöht.
II. Wer also davon spricht, dass ein Als ich damals anfing... hieß (es): Tommy,
Stundenlohn von acht oder 9,80 Euro mehr geht erstmal nicht! Mittlerweile Freitag 19. Oktober 2007, 1.49 Uhr
ein Salär „weit über dem Existenzmini- fahren sie satte Gewinne ein, die sie ... vielleicht solltet Ihr mal nicht ver-
mum“ sei, kann oder will nicht rech- sicher nicht zuletzt der guten Arbeit gessen, dass die Post AG ... einen
nen. ihrer Angestellten zu verdanken ha- Wettbewerbsvorteil besitzt ... die
Die Wettbewerbsfähigkeit der neu- ben. An die ist aber im Laufe der Jahre Mehrwertsteuerbefreiung ... Die ha-
en Briefdienstleister wird durch die von fast nicht gedacht worden, außer ben die Privaten noch nie erleben dür-
ver.di ausgehandelten Mindestlöhne einer beinahe lächerlichen Staffelung fen. Nun wisst Ihr auch, warum die
nicht gefährdet. Wettbewerb kann im für Betriebszugehörigkeit... Jetzt Kro- Löhne so im Keller sind...
Gegenteil endlich nachhaltig geführt kodilstränen zu verdrücken, weil der
werden. Die Mindestlöhne liegen zwi- Sprung zu 9,80 Euro zu hoch ist, grenzt Keks,
schen 25 und 42 Prozent unter dem Ta- echt an einen schlechten Witz... Freitag 19. Oktober 2007, 18.22
rifniveau der Deutschen Post AG. Damit ... Tommy scheint... die Hintergründe
haben die neuen Briefdienste ausrei- Oliver, nicht (zu) kennen ... Ich möchte mal
chend Raum, in einem Wettbewerb um Freitag 12. Oktober 2007, 10.08 Uhr sehen, was passiert, wenn es keine
attraktive Dienstleistungen und guten ... Es hört sich ja gut an, wenn ... ver- Mehrwertsteuerbefreiung und damit
Kundenservice zu bestehen. kündet wird, (sich) für mehr Lohn ein- auch keinen Universaldienst gibt.
Stundenlöhne von acht bis 9,80 sind zusetzen... Durch Mindestlöhne, ins- Ich möchte dann nicht auf dem Lande
nicht zu viel! Ein Zusteller muss von sei- besondere in der geforderten Höhe wohnen, dann kannst du dir deine
nem Lohn leben können! Dafür kämp- für die Briefzustellung, werden Jobs Post aus der nächsten Stadt abho-
fen wir gemeinsam. Der Atem der ver.di- vernichtet... len...
Mitglieder ist bekanntlich lang! sis
5 11/2007 | ver.dibewegen | SPEDITIONEN UND LOGISTIK
Die Zukunft zum Anfassen
DHL präsentiert Logistiklösungen mit RFID – Betriebsräte werden tätig
Fotos: Toni Nemes/transit
„Es wird über RFID heute immer noch mehr geschrieben, als damit in der Realität jetzt schon gemacht wird. Aber das soll sich bald ändern,“
so Keith Ulrich, Leiter Technologie und Innovation Management bei der Deutsche Post World Net, DHL Innovation Center in Troisdorf.
Von RFID-Zukunft zum Anfassen handelt der nachfolgen- duktionsprozessen, Waren und Sen-
dungen, Geodaten, Transportwegen,
de Bericht. Auch Interessenvertretungen in Post- und
Routenoptimierung und Zustellzeiten
Logistikunternehmen befassen sich zunehmend mit den rund um den Globus.
Auswirkungen von Funktechnologie. Zu Beginn des Rundgangs entfalten
sich auf einem großen „Strategietisch“
Die Möglichkeiten, die die RFID-Tech- weitere Daten über Produkte, Trans- mit Projektionsfläche die Funktionsme-
nologie zur Identifikation und Verfol- portbedingungen und -zeiten spei- chanismen solcher Netzwerke am Bei-
gung von Waren und Gegenständen mit chern, was gänzlich neue Anwendungs- spiel der DHL-Luftfrachtverbindungen.
Hilfe von Funkwellen bereithält, wer- felder eröffnet. Über solche Innovatio- Dann rücken Bestandteile globaler Lie-
den momentan weltweit getestet und nen in der Logistik informiert das DHL ferketten in den Blick: „Wir forschen
vorangetrieben. Der noch allgegenwär- Innovation Center – eine Mischung aus daran, ein Paket mit dem Wissen auszu-
tige Barcode scheint überholt. Mit ei- Forschungslabor und Strategieshow. statten, wo es hin soll. Diese Zielinfor-
nem RFID-Chip muss nicht mehr jedes mationen werden im RFID-Tag am Paket
Warenetikett einzeln mit einem Lesege- Das Paket steuert gespeichert. So steuert nicht mehr die
rät erfasst werden. Mittels Funktechno- zielsicher die Anlage Anlage den Weg des Paketes, vielmehr
logie lässt sich das automatisch, steuert das Paket die Anlage und be-
schnell, ohne direkten Sichtkontakt or- Tatsächlich wird ein Spagat versucht: wegt sich zielsicher in einem Logistik-
ganisieren. So gekennzeichnete Ladung Der moderne „Global Flow“ der Logis- Netzwerk.“ So beschreibt Keith Ulrich,
meldet sich auch aus dem Schiffsrumpf tik, das weltweite Transportnetzwerk, Leiter Technologie und Innovation Ma-
oder dem „intelligenten Regal“ eines ist mittlerweile so komplex, dass es nur nagement bei Deutsche Post World Net
Lieferwagens. Das macht Transport- beispielhaft gezeigt werden kann. die Vision. Fassbar wird sie an Beispie-
wege transparent und berechenbarer. Schließlich geht es um das effektive Zu- len: Jeder Besucher kann an einem
Ein RFID-Chip oder „Tag“ kann zudem sammenspiel von Informationen, Pro- Order-Stützpunkt per Touchscreen-Bild-
6 11/2007 | ver.dibewegen | SPEDITIONEN UND LOGISTIK
Kühlbehälter geöffnet werden müssen.
Das DHL Innovation Center in Troisdorf wurde für einen zweistelligen Milli- Sogar das aktuelle Mindesthaltbarkeits-
onenbetrag innerhalb eines reichlichen Jahres errichtet und am 2. März dieses datum kann der Chip berechnen und er
Jahres eingeweiht. Im Laborbereich arbeiten 20 eigene Forscher, zehn weitere zeigt an, wenn eine bestimmte Tempe-
Arbeitsplätze stehen für Mitarbeiter von Innovationspartnern bereit. Zu den raturgrenze überschritten wird. Dafür
Partnern zählen IBM, Intel, SAP, Motorola, Fraunhofer-Institute, das Massachu- wurde eine spezielle Leiterbahn ent-
setts Institute of Technology und viele andere. Den 1800 Quadratmeter großen wickelt, die Sensor- und Funkchip ver-
Showroom, für den das Kreativteam von Triad Berlin und das DHL Entwickler- bindet, zugleich aber eine technisch er-
team einen Design Award erhielten, haben bis Ende Oktober bereits 7000 Besu- forderliche Distanz zwischen beiden
cher aus aller Welt besichtigt. Die „emotional intelligente Kommunikation“ zielt schafft. Bei dem Pilotprojekt arbeitet
auf Kunden, Vertreter von Politik und Medien, aber auch potenzielle Investoren DHL mit IBM und Praxispartnern aus der
und eine Vielzahl eigener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Pharmaindustrie zusammen.
Dass es einen Bedarf für „intelligen-
te Container“ gibt, davon geht man in
schirm ein Paket auf die Reise schicken. meinsam mit Partnern arbeitet DHL an Troisdorf aus. Diese Transportbehälter
Er hat die Wahl über Größe, die Ver- Pilotprojekten in der Bekleidungsindus- sind eine Weiterentwicklung der tem-
sandart – normal oder umweltneutral – trie. Ein Experimentierfeld für solche peraturüberwachten Sendung und ar-
konventionelle Zustellung oder Abho- Aufträge bietet die DHL-Unterneh- beiten ebenfalls auf der Basis von RFID-
lung an einer Packstation. Die Bestell- mensbekleidung – 1,5 Millionen Klei- Sensor-Tags. In einem derartigen Con-
daten werden elektronisch weiterver- dungsstücke aller DHL-Zusteller außer- tainer könnten während des Transports
mittelt. Sie bewirken, dass aus dem halb Deutschlands. Werden sie mit außer der Temperatur noch weitere Pa-
Tablarlager an der Seitenwand des Aus- RFID-Etiketten versehen, wird Inventur rameter gemessen und per GPS über-
stellungsraumes automatisch ein ent- auf Knopfdruck real. mittelt werden. Interessant wäre das
sprechendes Paket mit RFID-Chip ent- für sensible Produkte, die beim Trans-
nommen, auf ein Förderband gelegt Bedarf für intelligente port durch Feuchtigkeit oder Erschütte-
und mit den Empfängerdaten etikettiert Container rungen gefährdet sind. Für solche Sen-
wird. Über ein 125 Meter langes ge- dungen müssten Signale auch aus der
wundenes Transportband gelangt es in Kurz vor der Praxisreife sind neuartige Tiefe des Schiffsrumpfes heraus emp-
einen Ausstellungsbereich, der moder- RFID-Sensor-Tags für kälteüberwachte fangen werden. Bei Luftfracht sind vor
ne Zustellung auf der „letzten Meile“ Sendungen in der Pharmazie, die künf- allem Sicherheitsprobleme zu lösen, da
verdeutlicht. tig auch bei Lebensmittel- und Blumen- RFID-Chips während des Fluges nicht
Hier ist ein mit RFID-Technik ausge- transporten zum Einsatz kommen könn- aktiv senden dürfen.
stattetes intelligentes Zustellfahrzeug ten. Die Kombination aus Temperatur- Was all diese Innovationen für die
zu besichtigen. Die Regale im Innern sensor und Funkchip kontrolliert und DHL-Mitarbeiter weltweit bedeuten,
funktionieren gleichzeitig als RFID- dokumentiert Daten während des ge- wird im Innovationszentrum kaum the-
Lesegeräte, die die Ladung registrieren samten Transports und unmittelbar am matisiert. Das muss anderswo erörtert
und vermelden, wenn ein Paket falsch Produkt. Der Zustand der sensiblen Wa- werden. Hier gilt nur: „The Future is Yel-
eingelagert wird. Im Zusammenspiel re lässt sich überprüfen, ohne dass die low“. Gelb-Rot, um exakt zu sein.
mit Satellitennavigation und UMTS wä-
re es mit so einem Fahrzeug möglich,
Kunden per GPS-Handy über Aufent-
haltsort und Lieferzeit ihrer Sendung
Auskunft zu geben. Zudem wird daran
gearbeitet, die Routenplanung für die
Zustellung besonders in Ballungsräu-
men zu optimieren. Das Fahrzeug wird
jedoch kaum vor 2010 in Serie gehen.
Exakt das richtige Fach
Am Ende des Rundgangs warten die
Sendungen in einer Packstation auf die
„Besteller“. Der Prototyp dieser Pack-
station ist ebenfalls mit RFID-Technik
ausgestattet. So finden die Informatio-
nen auf der Kundenkarte des Abholers
und auf dem Funkchip im Paket zu-
einander und sichern, dass sich genau
das richtige Fach öffnet .
Es muss sich bei den Sendungen
nicht immer um Pakete handeln. Ge- Ein Angebot für den Transport sensibler Produkte: Der „intelligente Container“.
7 11/2007 | ver.dibewegen | SPEDITIONEN UND LOGISTIK
teiligen ist und dass dem Hamburger Logistikdienstleister
das Projekt an gene- sei bislang der herkömmliche Barcode
relle Rahmenverein- bei der Sendungsverfolgung noch das
barungen zu IT-Sys- Mittel der Wahl. Man warte, bis die gro-
temen angekoppelt ßen Logistikkunden Anforderungen mit
wird.“ Diese Erfah- RFID formulieren.
rungen gehen auch Doch parallel laufen auch Eigenent-
in ein übergreifen- wicklungen. Gemeinsam mit Siemens
des RFID-Projekt des hat Kühne + Nagel bereits 2003 Licon,
Konzernbetriebsra- ein eigenes Konsortium dafür, gegrün-
tes der Deutschen det und arbeitet mit renommierten
Post ein. Es läuft zu- Partnern an Pilotprojekten, etwa im
nächst bis Ende See- und Luftfrachtbereich. „Sobald et-
2008 und soll mög- was praxiswirksam wird, werden wir
Das Paket wird etikettiert, der RFID-Tag ausgelesen und gespeichert. liche Auswirkungen zwingend Gesamtbetriebsvereinbarun-
auf die Arbeits- und gen dazu machen“, ist sich der Vorsitzen-
Besonnen, koordiniert Einkommensbedingungen sowie die Ar- de des Gesamtbetriebsrates sicher. Die
und sachkundig beitsabläufe im Konzern Deutsche Post Voraussetzungen dafür sind gegeben.
World Net durch die Funktechnologie Bereits 1993 wurde bei Kühne + Na-
Ein Pilotprojekt der RFID-Entwicklung analysieren und Handlungsbedarf ermit- gel eine Rahmen-Betriebsvereinbarung
läuft mittlerweile im Test: DHL probt teln. Gesundheitsschutz und Datensi- über die Planung, Einführung und An-
die Sendungserfassung und -kontrolle cherheit sind dabei wichtige Aspekte. Zu wendung von Informations- und Kom-
mittels RFID-Chips. Dazu sind die Kon- den Gründen, warum sich das Gremium munikationstechnologien getroffen. Die-
zernbetriebskleidung der Mitarbeiter, die so ausdrücklich und kompetent mit der se vorausschauende Regelung sichert,
Kartons und die Paletten, auf denen die Funktechnologie beschäftigt, heißt es dass „grundsätzlich weitere Betriebsver-
Sendungen transportiert werden, mit beim Konzernbetriebsrat: RFID sei ein einbarungen abzuschließen“ sind, wenn
RFID-Tags gekennzeichnet und werden Top-aktuelles Thema. Technologisch sei neue Systeme eingeführt werden. Die
entlang der Supply Chain ausgelesen. Zu alles noch sehr im Fluss. Es sei jedoch an- Interessenvertretung muss umfassend
diesem Projekt hat der Betriebsrat der zunehmen, dass sich aus der Anwendung über solche Neuerungen informiert wer-
DHL-Niederlassung Hamburg eine Be- Risiken für die Beschäftigten ergeben. den und verfügt auch über Instrumenta-
triebsvereinbarung geschlossen. Monika Diese gelte es nun festzustellen, um be- rien zur Mitsprache. Beispielsweise ist die
Borchert, die Betriebsratsvorsitzende in sonnen, koordiniert und sachkundig da- Mitarbeit bei Software- und Programm-
der Hansestadt und stellvertretende rauf reagieren zu können. entwicklungen in speziellen Anwender-
Gesamtbetriebsratsvorsitzende der DHL „Bis jetzt war RFID für uns noch kein ausschüssen gewährleistet. „Die Rah-
Solutions GmbH, erläutert die Knack- dringendes Thema. Ab 2008 wird es menvereinbarung eröffnet uns auch poli-
punkte: „Wir haben klar geregelt, dass es uns ausführlicher beschäftigen. Fragt tische Aktionsmöglichkeiten“, meint
keine Überwachung und Leistungskon- sich nur noch, mit welcher Wucht“, Thomas Sorg. „Leistungs- und Verhal-
trolle von Mitarbeitern geben wird, dass meint Thomas Sorg, Gesamtbetriebs- tenskontrolle mittels RFID werden wir
der Betriebsrat zu informieren und zu be- ratsvorsitzender von Kühne + Nagel. Bei nicht zulassen.“ neh
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8 11/2007 | ver.dibewegen | SPEDITIONEN UND LOGISTIK
Lösungen dringend gesucht
Der qualitative Fahrerman- 16,7 Prozent. Für den BWVL-Präsiden-
gel im Transportgewerbe ten Anlass zur Sorge: „In fünf Jahren
fehlen rund 50 000 Fahrer. Langfristig
verschärft sich. Vor allem
gerät der Logistikstandort Deutschland
eine zunehmende Überal- in Gefahr.“ Im westlichen und östlichen
terung und eine lange ver- Ausland sehe es auch nicht besser aus,
nachlässigte Berufsausbil- das massenhafte Ausflaggen deutscher
dung fordern ihren Tribut. Flotten in den Osten sei Geschichte, so
ein Spediteur.
Erfolgsfaktoren gegen den Fahrerman- Es gäbe immer noch zu viele
gel versprachen die Organisatoren einer schwarze Schafe im Transportgewerbe,
Konferenz in Düsseldorf – die Zeitschrift beklagte Werner Schäffer die Situation.
Verkehrs-Rundschau und der Bundes- „Viele Betriebe, besonders im Osten,
verband Wirtschaft, Verkehr und Logis- zahlen nach wie vor keine Tariflöhne.“
tik e. V. (BWVL) – den rund 80 Teilneh- Eine vergleichsweise schlechte Bezah-
merinnen und Teilnehmern überwie- lung bei dem sich abzeichnenden Fach-
gend aus dem Bereich des Werkver- kräftemangel in der allgemein guten
Foto: Jan Bergrath
kehrs, also den eigenen Flotten des Wirtschaftskonjunktur ist deshalb für
Handels und der produzierenden Unter- Dirk Lohre ebenfalls ein entscheiden-
nehmen. Neben Fachreferenten disku- der Grund, dass zusätzliche Fahrer
tierten BWVL-Präsident Herbert Götz, ganz abspringen: „Der Fahrermangel
Vertreter des Deutschen Speditions- wird sich noch weiter verschärfen, weil „Die Arbeitgeber können vieles dazu bei-
und Logistikverbandes (DLSV) und Wer- die Transportunternehmen mit anderen tragen, dass sich das Image dieses Berufes
ner Schäffer, Bundesfachgruppenleiter Branchen um Mitarbeiter konkurrie- verbessert.“
Logistik, Spedition und KEP von ver.di, ren.“
Ursachen und mögliche Maßnahmen Als Gründe für den Mangel wurden Gute Arbeitsbedingungen
zur Abhilfe. – insbesondere von Seiten der Arbeitge- sind ein Schlüssel
ber – ein Rückgang der Führerschein-
Qualitativer Fahrermangel ausbildung bei der Bundeswehr, ein „Die Branche hat sich diesen Zustand
schlechtes Image in den Medien und ei- zum größten Teil durch ihre Arbeitsbe-
Laut dem Bereichsleiter Personalwesen ne mangelnde Qualifikation der Bewer- dingungen und die über Jahre vernach-
der Dachser GmbH & Co. KG, Thomas berinnen und Bewerber angegeben. lässigte Ausbildung selber zuzuschrei-
Schulz, wird das Durchschnittsalter der Laut Bundesagentur für Arbeit standen ben“, machte Werner Schäffer deutlich
Lkw-Fahrer in Deutschland im Jahr den rund 58 000 im September 2007 ar- und verwies auf die Studie im Auftrag
2015 bei 55 Jahren liegen. „Die ausrei- beitslos gemeldeten Fahrerinnen und des Deutschen Gewerkschaftsbundes,
chende Versorgung mit Fahrern ist Fahrern etwa 14 000 offene Stellen wonach Beschäftigte im Bereich Ver-
dann nicht mehr gewährleistet“, gegenüber – die meisten Interessenten kehr die Arbeitsbedingungen zu 44 Pro-
mahnte er. Die drohende Konsequenz würden allerdings nicht den gestiege- zent als mittelmäßig und zu 50 Prozent
lasse sich leicht ausmalen. Die deut- nen Ansprüchen der modernen Logistik als schlecht empfinden.
sche Transportbranche steuere sehen- entsprechen. Ein erhöhter Fahrerbedarf ergibt
den Auges in die Personalkrise. Eine sich im Werkverkehr vor allem aus zwei
Lösung habe er gleich mitgebracht: Gründen: Handel und Industrie stocken
Die Zusammenarbeit mit einer Zeit- Das deutsche Transportgewerbe ist ihre eigenen Flotten auf, um wieder
arbeitsfirma. Diese hatte ganz dezent klein und mittelständisch: Nach einer mehr Kontrolle über ihre Logistik zu ha-
im Rückraum des Konferenzsaales ih- Statistik des Bundesamtes für Güter- ben. Allerdings verringern die EU-Ar-
ren Stand aufgebaut. Doch auch dort verkehr bilden 16 519 Unternehmer beitszeitrichtlinie 202/15/EG und die
hieß es lapidar: Wir haben nicht genug mit vier bis zehn Lkw und damit ei- EU-Verordnung über die Lenk- und Ru-
Fahrer. nem Anteil von 30 Prozent die größ- hezeiten VO EG 561/20 merklich die
Eine schnelle Lösung, so das ernüch- te Gruppe vor den 16 111 Selbstfah- Einsatzzeiten des Fahrpersonals. Eine
ternde Fazit, ist nicht in Sicht. Im rern mit 29 Prozent. Die 14 828 Fir- ganz klare Erkenntnis der Fachkonfe-
Gegenteil: Das Gewerbe sitzt in der de- men mit zwei bis drei Lkw haben renz: Es gibt Transportunternehmen,
mografischen Falle und der qualitative einen Anteil von 27 Prozent und die die Fahrer suchen und es gibt welche,
Fahrermangel verschärft sich rapide. 7519 Unternehmen mit elf bis 50 die eine Warteliste von arbeitssuchen-
Laut Prof. Dr. Dirk Lohre, Logistikexper- Fahrzeugen stellen 13 Prozent. Nur den Fahrern haben. So biete die Baden-
te der Hochschule Heilbronn, betrug 822 Betriebe, das sind ein Prozent, hop Fleischwerke KG aus Verden eine
der Anteil der 25 bis 35-jährigen Berufs- verfügen über mehr als 50 Lkw. gute Bezahlung mit zusätzlichen sozia-
kraftfahrer im vergangenen Jahr nur len Leistungen und dank guter innerbe-
9 11/2007 | ver.dibewegen | JUGEND
trieblicher Organisation beschränke Ausbildungsmöglichkeiten sorgte. Et- der klassischen dreijährigen Berufs-
sich die Arbeit der Fernfahrer im Rah- wa durch engagierte Ausbildungsinitia- kraftfahrerausbildung. Denn die ab
men der Gesetze im Wesentlichen auf tiven, bei denen sich kleinere Betriebe, 2009 vorgeschriebene EU-Grundausbil-
das Fahren, sagte der Fuhrparkleiter. die selbst nicht ausbilden können, zu- dung für Führerscheinneulinge verteu-
„Ein qualifizierter und motivierter Fah- sammenschließen und durch die ver- ert zwar den Einstieg in den Fahrer-
rer identifiziert sich mit seinem Unter- stärkte Gründung von Berufsschulklas- beruf, ist aber im Grunde nur eine quali-
nehmen“, ermahnte er die Anwesen- sen. Allerdings fehlt es dafür an den tative Zugangsbeschränkung, während
den. „Er handelt verantwortungsvoll entsprechenden Lehrern und Prüfern. am Ende der dreijährigen Ausbildung
und ist damit doppelt wertvoll.“ Selbst- der Facharbeiter auch eine entspre-
verständlich bilde die Firma regelmäßig Qualifikation muss chende soziale Absicherung genießt.
junge Leute aus. Sein Appell: „Die sich rechnen Die Zeiten waren noch nie besser, die
Unternehmen sollten junge Menschen Leistung des ausgebildeten Berufskraft-
in der Ausbildung langsam an den Beruf Nun sorgt möglicherweise gerade das fahrers auch finanziell zu honorieren:
heranführen und nicht als billige Ar- auf der EU-Richtlinie 2003/59 beruhen- „Bei den Tarifverhandlungen werden
beitskraft ausnutzen.“ de neue deutsche Berufskraftfahrer- wir deshalb darauf hinarbeiten, dass
Ein Lichtblick: Das Interesse junger Qualifikations-Gesetz (BKrFQG), nach sich die bessere Qualifikation eines Be-
Menschen an der dreijährigen Berufs- dem sich Fahrerinnen und Fahrer regel- rufskraftfahrers auch bei der Bezahlung
ausbildung wächst wieder, auch nach- mäßig durch Schulungen weiterbilden deutlicher bemerkbar macht“, so Wer-
dem das Gewerbe plötzlich für bessere müssen, für eine deutliche Belebung ner Schäffer. Jan Bergrath
Jungbrunnen sucht Anschluss
Zeit, dass sich was dreht, meinen die Jugendvertreter der Deutschen Post
Alle waren zunächst völlig überrascht: moderierte Gesprächsrunden. Ein ern- auf effektivste Weise „herangezüch-
Es gab kein Podium, alle saßen im Publi- stes Thema wurde auf lockere Art be- tet“. Die heutigen Auszubildenden und
kum. Das Bühnenbild in Kreisform, oh- handelt, und das kam sehr gut an. Ne- ihre Probleme wie Qualität der Ausbil-
ne Ecken und Kanten, sorgte dafür, dass ben Fragen zur Perspektive der Ausbil- dung, Praktika, Übernahmen kommen
alle „mittendrin“ waren, „statt nur da- dung und von Übernahmen ging es zu kurz: Wenn jetzt nichts investiert
bei“. Bei der 7. Bundes-JAV-Konferenz auch um Bewertungssysteme und Aus- wird, kann später nichts ankommen,
der Deutschen Post AG Mitte Oktober in bildungsberufe im Konzern allgemein. lautete die Botschaft.
Magdeburg ging es um ein einziges „Warum Gewerkschaft?“ stand ebenso Auf dieser Grundlage haben die Ju-
Thema: Den demografischen Wandel. zur Debatte. Klar wurde: Wir müssen gendvertreter dieses Thema auch mit
„Jungbrunnen sucht Anschluss“, war jetzt handeln, um als Jugendliche nicht Arbeitsdirektor Walter Scheurle disku-
das Motto. vergessen zu werden, wir wollen die Zu- tiert. Volle Unterstützung hatten die Ju-
Die Gesamt-Jugend- und Auszubil- kunft sein, wir suchen Anschluss, wir gendlichen dabei von Andrea Kocsis,
dendenvertretung (GJAV) hatte für das haben Erwartungen. Die Deutsche Post der Bundesfachbereichsleiterin Post-
traditionelle Treffen von über 100 Ju- AG überaltert in relativ kurzer Zeit. Fo- dienste, Speditionen und Logistik bei
gend- und Auszubildendenvertretern tos einer „Zeitreise“ in den Konzern im ver.di, und weiteren Gewerkschafts-
2007 ein völlig neues Konzept: Keinen Jahr 2021 zeigten das Problem: Überall und Konzernbetriebsratsvertretern. Es
trockenen Geschäftsbericht, dafür ein an den Arbeitsplätzen sitzen Senioren, ging mitunter heiß her und durch viele
Bühnenstück aus ihrem Alltag. Keine in der Kantine gibt’s Herztropfen als Beiträge haben die JAV-Mitglieder deut-
langen Reden, dafür kurze Statements, Dessert und der Nachwuchs – „geklon- lich gemacht: Jugend will Perspektive,
rollierende Workshops und wechselnde te“ Säuglinge unter Kopfhörern – wird eine faire Chance für ein eigenständiges
Leben. Wir kämpfen weiter dafür, dass
der Realität Rechnung getragen wird,
dass erkannt wird, dass Ausbildung kein
reiner Kostenfaktor ist, sondern eine
wichtige Investition in die Zukunft des
Unternehmens.
„Es wird Zeit, dass sich was dreht“,
stand auf einem der Transparente im
Bühnenkreis. Die Aufforderung wurde
ernst genommen, auch in Diskussions-
Foto: ver.di
runden, denen sich Teilnehmer und
Gäste zu stellen hatten. Die GJAV ver-
spricht: Wir werden weiter am Ball blei-
Die heutigen Auszubildenden und ihre Probleme kommen zu kurz. Das muss sich ändern und ben und unsere Interessen vertreten.
dafür steht die Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung der Deutschen Post AG. Melanie Feiner, Nicole Klare
10 11/2007 | ver.diARM TROTZ ARBEIT
Mein -Zusteller
soll von seinem Lohn
leben können!
Beschäftigte der neuen Briefdienste brauchen den
verbindlichen Mindestlohn von 8,00 bis 9,80 Euro.
Damit sie von ihrem Lohn leben können!
Damit sich deren Arbeitgeber nicht mehr auf
Kosten der Allgemeinheit den Lohn aus den
Sozialkassen subventionieren lassen!
Jetzt blockieren CDU und CSU das für
den Mindestlohn notwendige Gesetz-
gebungsverfahren. Damit torpedieren
sie den Kampf gegen Hungerlöhne.
Zu dieser Politik der sozialen
Kälte sagen wir Nein!
Mehr unter www.mindestlohn.deSie können auch lesen