Corona Krise - Ausgabe 2/2020 - www.lebenshilfe-salzburg.at - Lebenshilfe Salzburg
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Ausgabe 2/2020
www.lebenshilfe-salzburg.at
Schwe
r-
punk t
Thema Corona Krise
Wir hatten 82 Verdachtsfälle Seite 6
3 Monate zu Hause Seite 12
Vitamin i – Innovation durch Inklusion Seite 21Vor.wort
Liebe Leserin!
Michael Russ (li), Guido Güntert (re)
Lieber Leser!
Wie nicht anders zu erwarten, füllt Corona einen Großteil dieses Heftes. Viele unserer
Klient*innen zählen, so wie viele ihrer Eltern, zur Risikogruppe. So stellte die Führung der
Dienstleistungsangebote der Lebenshilfe in Corona-Zeiten eine enorme Herausforderung
dar, die fast täglich Entscheidungen verlangte, die die Abwägung zwischen den Werten `kör-
perliche Gesundheit´ und `persönlicher Freiheit´ erforderten. Oberste Prämisse war, die Zahl
der Kontaktpunkte so gering wie möglich und damit das Virus aus den Einrichtungen fern zu
halten, was auch bedeutete, dass Angehörige über weite Strecken ihren Söhnen und Töchter
lediglich auf digitalem oder telefonischem Wege begegnen konnten.
Somit waren die Einschränkungen teilweise schmerzhaft, aber wir glauben, dass sie unver-
meidbar waren. Der Erfolg, dass wir bisher nicht einen Krankheitsfall in unseren Einrichtungen
verzeichnen müssen, spendet allen Betroffenen jedoch Trost. Lassen sie uns gemeinsam auf
Holz klopfen, dass es so bleibt. In den Ländern, die anfangs locker mit Corona umgegangen
sind, wie z. B. Großbritannien, ist die Sterblichkeitsrate in Altersheimen besonders hoch.
Auch wenn Menschen mit Behinderungen, wie so oft, hier nicht extra genannt werden, ist
davon auszugehen, dass die Sterblichkeitsrate in den britischen Behinderteneinrichtungen
auch sehr hoch ist. Und sicher will niemand, dass bei uns das Gleiche passiert. Darum wer-
den wir wachsam bleiben.
Eigentlich hatten wir gehofft, Ihnen in diesem Heft von der Eröffnung des Vereinsprojektes
„Moosstraße 7“ berichten zu können. Aber Corona hat, neben ein paar anderen Dingen,
unseren Zeitplan ordentlich durcheinandergebracht. Wir hoffen das Projekt, bestehend aus
einem Secondhandgeschäft, einem Café und einem Atelier, im Herbst zu eröffnen. Wie das
alles ausschauen soll, lesen Sie im Inneren dieses Heftes.
Und noch etwas Wichtiges gibt es: Der Landesvorstand der Lebenshilfe Salzburg sucht neue
Vorstandsmitglieder. Haben Sie Interesse daran, die Entwicklung der Lebenshilfe Salzburg
mitzubestimmen? Wollen Sie sich für Menschen mit Behinderung einsetzen? Haben Sie gute
Ideen? Wenn Sie Näheres über die Vorstandsarbeit wissen wollen, melden Sie sich doch bei
Michael Russ entweder telefonisch 0664/2614802 oder per Mail michael.russ@lebenshilfe-
salzburg.at. Wir brauchen Sie!
Michael Russ Guido Güntert
Präsident Geschäftsführer
Lebenshilfe Salzburg Lebenshilfe Salzburg
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020Inhalt
Impressum
Schwer.punkt 4 CORONA KRISE Offenlegung gemäß §25 des
Mediengesetztes, ZVR-Zahl:
4 Immer einen Schritt voraus 738515690
6 Guido Güntert: „Wir hatten 82 Verdachtsfälle“
Eigentümer, Herausgeber,
8 Personen, die den Betrieb am Laufen hielten Verleger:
10 Landesrat Heinrich Schellhorn: „Niemand war Lebenshilfe Salzburg, Verein für
Menschen mit Behinderung,
auf so eine Situation vorbereitet!“
A-5020 Salzburg,
12 3 Monate zu Hause Nonntaler Hauptstraße 55,
Telefon: +43 (0)662 82 09 84,
13 Stammtisch, Coaching und Webinare per Video
www.lebenshilfe-salzburg.at,
14 Die Corona-Zeit ohne meine Tochter verein@lebenshilfe-salzburg.at
15 Erfahrungsberichte aus den Einrichtungen
Für den Inhalt verantwortlich:
17 Wie sichtbar waren Menschen mit Behinderungen Michael Russ (Präsident),
in der Krise? A-5020 Salzburg,
Nonntaler Hauptstraße 55
Vor.gestellt 18
Angelika Noisternig: Hoch soll sie leben! Redaktion:
Michael Russ (mr),
Mag. Claudia Tomasini (tom).
Lebens.wichtig 19
Mitreden, Mitentscheiden Namentlich gekennzeichnete
Beiträge spiegeln die Meinung der
Autoren wider und müssen nicht
Lebens.nah 20
Markus geht auf Sendung mit der Meinung der Redaktion
oder der Herausgeber überein-
„Vitamin i“ – Innovation durch Inklusion
21 stimmen.
Unser neues Projekt „Moosstraße 7“
22
Grundlegende Richtung:
Information über Anliegen der Men-
Selbst.redend 23
Persönliche Erfahrungen in der Zeit schen mit geistiger und mehrfacher
Behinderung und ihrer Angehörigen.
der Corona Krise Der Verein Lebenshilfe ist unabhän-
gig von politischen Parteien und
Kirchen.
Pin.wand 26
Benefizlauf alleine
26 Flohmarkt der Lebenshilfe Salzburg Grafik:
26 Ein Heim für den Baumschläfer HG-CROSSMEDIA, Salzburg
26 5.000 Euro von Firma Backhausen Fotos:
27 Unsere Rettung: Selbstgenähte Masken! Coverfoto: Adobe Stock
Fotos: Lebenshilfe Salzburg
27 Zivildiener gesucht! (falls nicht anders angegeben)
27 Babyelefantenabstandhalter
Druck:
Geschützte Werkstätten
integrative Betriebe GmbH
Spendenkonto:
IBAN: AT07 3500 0000 9106 6696
BIC: RVSAAT2SImmer einen
nach Hause nehmen, müssen diese bis
zumindest Ostermontag zu Hause behal-
ten. Innerhalb der Wohnhäuser werden die
Schritt voraus
Stockwerke streng getrennt und 12-Stun-
den Dienste eingeführt. Die meisten Werk-
stätten werden geschlossen, ein Notbetrieb
bleibt allerdings aufrecht. Mitarbeiter*innen,
Die Corona Pandemie hat uns vor noch nie die in den betroffenen Tiroler Gebieten wa-
dagewesene Herausforderungen gestellt. ren, werden zur Selbst-Isolation aufgerufen.
Im Vordergrund all unserer Maßnahmen stand
immer die sichere Begleitung unserer Klient*innen Mittwoch, 18. März: Einrichtung von drei
und Mitarbeiter*innen durch die Krise. Auszug aus Zentrallagern im Bundesland für Desinfek-
der Chronologie der Krisen-Bewältigung. tionsmittel, Schutzmasken, Handschuhe,
und Seife. Besonders die Bestellung der
Masken stellt die Lebenshilfe vor große
Freitag, der 13. März: zum ersten Mal tritt Herausforderungen. Freiwillige im ganzen
das Corona-Krisen-Team der Lebenshilfe Bundesland unterstützten mit selbstge-
zusammen. Das erste und vorerst letzte nähten Masken. Bis Ende Mai werden fast
Mal trifft man sich im Besprechungsraum, 1.500 selbstgenähte Masken geliefert!
sitzt so weit wie möglich auseinander.
Erste Handlung: Trennung der Bereiche Sonntag, 22. März: Erste bestätigte
Wohnen und Arbeit. Alle folgenden Schrit- Corona-Erkrankung eines Klienten aus einer
te werden täglich über Videokonferenzen Werkstätte im Pongau. Keine Ansteckungs-
besprochen, auch an Sonn- und Feiertagen. gefahr, da drei Werktage zwischen Verlas-
Im Krisenteam: Geschäftsführer Guido Gün- sen der Werkstätte und erster Krankheits-
tert, die Regional- und Bereichsleitungen, zeichen lagen. Der Mann ist mittlerweile
Öffentlichkeitsarbeit und Betriebsrat. wieder genesen.
Montag, 16. März: Zum Schutz der Mittwoch, 25. März: Mitarbeiter*innen
Bewohner*innen werden Wochenend- des Ambulatoriums sowieder Frühförde-
Heimfahrten vorerst eingestellt. Ange- rung und Familienbegleitung werden zur
hörige, die ihre Söhne und Töchter mit Kurzarbeit angemeldet.
4 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
mit Corona Verdachtsfällen und dem richti-
gen Anlegen der Schutzkleidung.
Dienstag, 22. April: Das Krisen-Team
erreichen Berichte über Klient*innen, die
sich durch die neue Situation in ungewohn-
tem Licht zeigen. Wir möchten uns ein
größeres Bild machen und starten eine
umfassende Umfrage bei allen Wohnhaus-
und Werkstättenmitarbeiter*innen über ihre
Beobachtungen.
Freitag, 8. Mai: Die erfreulichen Zahlen las-
sen ein behutsames Hochfahren all unserer
Dienstleistungen wieder zu.
Dienstag, 31. März: Die erste Ausgabe
des „Fürberg-Kurier“ erscheint. Das Team Mitte Juni ist alles wieder im Normalbe-
in der Fürbergstraße – Klient*innen und trieb. Die erste Krise scheint überstanden
Mitarbeiter*innen haben sich überlegt, eine zu sein. Ohne die konsequente Beachtung
Zeitung in leichter Sprache zu machen, um aller Hygienemaßnahmen seitens der
für die Bewohner*innen etwas Abwechs- Angehörigen, Mitarbeiter*innen und Men-
lung in die Corona-Zeit zu bringen. In der schen mit Behinderungen wäre das nicht
Zeitung gibt es Geschichten, Rätsel, Man- möglich gewesen. Ihnen allen wurde vieles
dalas, was Lustiges, Gossip aus der Welt abverlangt, doch es hat sich ausgezahlt. Ge-
der Stars & Sternchen, Kreativtipps und meinsam gehen wir gestärkt aus der Krise
einfache Gymnastikübungen für daheim. hervor!
Insgesamt erscheinen bis zur Einstellung
Mitte Mai 10 Ausgaben dieser grandiosen
Zeitung, die über die Landesgrenzen hinaus
mit Begeisterung gelesen wird.
Mittwoch, 8. April: Um für den Notfall
gerüstet zu sein, richtet die Lebenshilfe
in Absprache mit dem Land zwei „Covid-
Häuser“ in der Stadt Salzburg und Zell am
See ein. Diese sollen für Personen, die
getestet werden und in der Zwischenzeit
in Quarantäne müssen und für leichte Fälle Wolfgang
Mösenbacher,
bereitstehen. Auch Personal für die Covid-
Wohnhaus
Häuser wird gesucht – die Lebenshilfe setzt Gruberstraße
dabei auf Mitarbeiter*innen, die sich freiwil- wirbt für
lig melden. die Aktion
#stayathome.
Donnerstag, 9. April: Unsere Diplomier-
ten Gesundheits- und Krankenpflege-
Mitarbeiter*innen erhalten eine vom Land
organisierte Hygieneschulung im Umgang
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 5„ Wir hatten 82
Verdachtsfälle“ Guido Güntert
Lebenshilfe Geschäftsführer Guido Güntert
manövrierte die Lebenshilfe durch die Krise.
Ziel jeder Maßnahme war es, die Menschen mit
Behinderungen bestmöglich zu schützen.
jeder.mensch: Gehen wir Zu Beginn war es wirklich täg- Ausgangspunkt war immer das,
zurück zum Donnerstag, lich, auch Samstag und Sonntag, was die Bundesregierung und die
den 12.3., als bekannt wur- immer per Video-Konferenz. 13 Landesregierung vorgaben. Das
de, dass nach diesem Wo- Kolleg*innen waren da drin, u.a. war immer unser Minimum. Zu-
chenende alles anders wird. der Betriebsrat, die Regionallei- sätzlich mussten wir auf unsere
An diesem Tag gingen die tungen, die Öffentlichkeitsarbeit. besondere Situation schauen, ob
ersten Anweisungen an die Bis heute haben wir uns ins- wir weitere oder andere Maßnah-
Mitarbeiter*innen in den gesamt 39 Mal getroffen. Das men setzen müssen.
Werkstätten und Wohnhäuser Krisenteam war von der ersten
raus. Wie ist es Ihnen da ge- Stunde an damit beschäftigt, die Was war Ihre größte Angst
gangen und was waren diese Lebenshilfe neu zu denken und oder Herausforderung?
ersten Schritte? sich damit auseinander zu setzen, Das war immer das Thema:
Güntert: Am 12. März ist es wie wir die Sicherheitsmaßnah- Haben wir einen positiven Fall?
mir schlecht gegangen, weil ich men gestalten können, um eine Besonders in der Anfangszeit war
selbst krank zu Hause gelegen Infektion zu vermeiden. Das ist das jeden Tag Thema. Weil es
bin. Aber ich hatte die Sicherheit, uns dann auch sehr gut gelun- da auch die meisten Verdachts-
ein gutes Team zu haben und war gen. Aber wir waren mit einem fälle gab und es war täglich eine
natürlich über das Handy in Kon- komplett neuen Thema beschäf- unsichere Situation, ob wir einen
takt. Zu diesem Zeitpunkt ging tigt und es war schon eine große COVID-19 positiven Fall haben
es darum, ob wir die Systeme Herausforderung zu einer guten und dann allfällig eine ganze Ein-
Werkstätte /Wohnhaus trennen Einschätzung zu kommen, was richtung sperren müssen.
und da war die Entscheidung zu tun ist. Aber durch die Größe
sehr klar, das in sehr schneller des Krisenteams, in dem wir mit Wie viele Testungen gab es
Geschwindigkeit übers Wochen- Dr. Kranewitter vom Ambulatori- insgesamt?
ende umzusetzen. um auch eine gute medizinische Wir hatten bei den Mitarbeiter*-
Expertise mit im Team hatten, innen bis Mitte Juni 55 und bei
Es wurde dann auch sehr konnten wir das recht gut be- den Klient*innen 27 Verdachtsfäl-
rasch von Ihnen das Krisen- werkstelligen. le. Alle negativ. Zwei Klient*innen
team gebildet, das ab dem aus Werkstätten haben sich
16. März täglich virtuell Welche Entscheidungen nach dem Lock down im famili-
zusammengekommen ist. mussten getroffen werden ären Umfeld angesteckt, waren
Wie muss man sich die Arbeit und was waren die Parameter aber schon zu Hause. Aber zum
des Krisenteams vorstellen? für diese Entscheidungen? Glück sind auch diese beiden
6 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
wieder genesen. Wir haben Eine 2. Welle ist möglich. und die notwendige Schutzaus-
es durch die konzentrierte und Wie ist die Lebenshilfe darauf rüstung.
verantwortungsvolle Arbeit der vorbereitet?
Mitarbeiter*innen geschafft, Eigentlich durch die erste Welle. Wo verbringen Sie heuer
keinen einzigen Fall in einem Da mussten wir den Umgang Ihren Urlaub?
Wohnhaus zu haben. lernen und vieles umsetzen. Wir Keine Ahnung! Meine Frau und
haben zwei Werkstätten so adap- ich sind sehr gern in Italien, das
Wie war während dieser Zeit tiert, dass wir potentiell COVID- machen wir auf keinen Fall. Es
die Zusammenarbeit mit positive Patient*innen begleiten wird wahrscheinlich Urlaub hier
dem Land und den anderen könnten. Das ist eine Struktur, im Salzburger Land werden und
Trägern? die wir innerhalb von 48 Stunden wir werden unser wunderschö-
Ich habe durch meine Kolleg*in- wieder hochfahren könnten. Und nes Bundesland genießen!
nen in den Bundesländern einen wir haben alle Konzepte im Haus
Vergleich und da sticht das Land
Salzburg ganz klar hervor. Die
erste Videokonferenz war schon
Jeden Freitag richtete sich Geschäftsführer Guido Güntert
am 17.3. – gemeinsam mit dem
Land, der Landessanitätsdirektion an alle Mitarbeiter*innen mit neuen Informationen.
und den anderen großen Trägern. Hier ein Auszug aus einem der „Corona-Briefe“
Die Haltung des Landes war ganz vom 27. März an das „Hartholz-Team“:
klar: wir unterstützen euch und
werden alles dafür tun, dass ihr
Liebes Hartholz-Team der Lebenshilfe Salzburg,
Träger gute Arbeit leisten könnt.
diese Woche erreichte mich ein Mail einer Wohnhausleitung. Es
Schwieriger als der Lockdown war ein langes Mail und es war spürbar, wie ergriffen die Kollegin
wurde von vielen das vom Engagement und den Leistungen ihrer Mitarbeiter*innen
Hochfahren empfunden. ist. Auch die Diplomkrankenpflegekraft und die Regionalleitung
Woran lag das? wurden in diesem Mail mit tiefer Dankbarkeit und hohem Respekt
Es gibt Aspekte, wo es noch bedacht.
keine Sicherheit gibt. Das einzu-
Ich kann diese Ergriffenheit gut nachvollziehen – auch ich spüre tie-
schätzen und mit dem Alltag in
fe Dankbarkeit, wenn ich mir zwischendurch klar mache, dass wir
Verbindung zu bringen ist schwie-
uns in einer Situation befinden, die absolut keiner von uns je auch
rig. Wir haben z.B. beschlossen,
nur ansatzweise erlebt hat, geschweige denn daran gedacht hätte,
dass es heuer aus Sicherheits-
dass unser Alltag sich einmal so drastisch verändern könnte! Und
gründen keine Urlaubsaktionen
in dieser Situation, auch wenn die Herausforderung so groß ist und
geben wird, weil wir davon aus-
uns an unsere Grenzen bringt, gelingt so vieles. Hut ab!
gehen, dass viele die neugewon-
nene Freiheit genießen werden Die Kollegin aus dem Wohnhaus hat ihre Mitarbeiter*innen als
und es wieder eng zugehen wird. wahre Heldinnen und Helden bezeichnet. Dem kann ich mich nur
Da haben wir Sorge. Unser tägli- anschließen – waren die Mitarbeiter*innen der Lebenshilfe in der
cher Umgang hat ja mit viel Nähe Zeit vor Covid die Heldinnen und Helden gegen Barrieren in Kopf
zu tun und da müssen wir gute und Alltag, so sind sie heute die Heldinnen und Helden gegen
Rahmenbedingungen schaffen, Covid!
um das Virus möglichst draußen
Ich bedanke mich von Herzen bei Ihnen für ihr Heldentum und darf
zu halten. Das war und bleibt die
auch die besten Grüße und Wünsche von Landesrat Schellhorn
größte Herausforderung.
überbringen, der sich regelmäßig bei mir erkundigt, wie es der
Lebenshilfe geht - xund bleim!
Guido Güntert
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 7
GeschäftsführungWer braucht noch
Masken und
Desinfektions-
mittel? Auch
das Team
„Sturkturservice“
war besonders
gefordert.
Personen, die den Betrieb
am Laufen hielten
Im Hintergrund waren viele Personen nötig, die dafür sorgten, den Betrieb während der
Corona-Krise am Laufen zu halten. Zentral war dabei das Krisenteam, welches zu
Beginn des Lockdowns beinahe jeden Tag tagte. Die dort beschlossenen Maßnahmen
wurden dann schnellstmöglich von den unterschiedlichen Teams umgesetzt.
Drehscheibe für perger vor einem umfangreichen fälle und die entsprechende
Corona-Verdachtsfälle Aufgabenpaket. Sie war primär Kommunikation mit den Häusern
Zuständig für die fachliche Ent- mit dem DGKP-Team (Diplomier- zuständig. Bei ihr sind die Fäden
wicklung und Innovation in der te Gesundheits- und Kranken zusammengelaufen, wenn es
Lebenshilfe stand Maria Bogens- Pfleger*innen) für die Verdachts- irgendwo in der Lebenshilfe – sei
es bei KlientInnen oder Mitarbei-
terInnen – Testungen gab. Sie
hat sich dann in Kooperation mit
J etzt sind wir dabei, die Zeit
1450 (Rettung), Sanitätsbehörde
gemeinsam aufzuarbeiten. und dem Landeskrankenhaus
Wir haben die Einrichtungen bemüht, dass die Lebenshilfe
sehr schnell zu den Testergebnis-
und alle Angehörigen
sen kommt. Das war am Anfang
gebeten, ihre Erfahrungen schwierig, funktionierte aber mit
mit uns zu teilen, damit wir der Zeit immer besser.
daraus Entwicklungsschritte
ableiten können.“
Maria Bogensperger
8 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
Masken und Desinfek-
tionsmittel – begehrte
Güter im Frühjahr 2020
Hygieneplanung, Beschaffung
und Auslieferung von angemes-
sener Schutzkleidung, Masken, Letica Stepanovic
Desinfektionsmittel und Pflege- war eine von vielen
betten standen auf der Agenda Reinigungskräften,
die durch erhöhte
des Teams der Strukturservices.
Hygienemaßnahmen
Die Besorgung dieser Güter war
für mehr Sicherheit
in einer Zeit, wo die österreichi- sorgten.
sche Bevölkerung sogar Nudeln
und Klopapier hamsterte, anfangs
eine schier unlösbare Aufgabe.
Das Lebenshilfe-Team zeigte sich
jedoch hartnäckig und kreativ, Die IT-Abteilung sorgte dafür, Kurzarbeit – neue,
wodurch nie ein Engpass ent- dass an den zahlreichen Online- arbeitsrechtliche
stand. Teamsitzungen auch alle not- Herausforderungen
wendigen Personen teilnehmen Auch die Lebenshilfe musste
Für den Bedarfsfall wurden konnten. Michael Riedel sagt Kurzarbeit anmelden. Das betraf
„Quarantäne-Häuser“ geschaf- dazu: „Die Wochen mit den MitarbeiterInnen des Ambula-
fen, wo Menschen mit leichtem Ausgangsbeschränkungen waren toriums und der Frühförderung,
Covid-19-Verlauf betreut werden für uns beruflich und privat eine deren Tätigkeit für diese Zeit
können. Diese Stationen wurden bewegte Zeit. Zu den erhöhten nicht angeboten werden durfte.
zum Glück nicht benötigt. Belastungen zu Hause kamen Betriebsrat und Personalabteilung
Einen wesentlichen Beitrag leis- auch noch eine Vielzahl neuer standen dazu in gutem Austausch
teten auch die Reinigungskräfte Heimarbeitsplätze und Leitungs- und setzten die – sich manchmal
in der Lebenshilfe. Sie waren ver- probleme in kurzer Zeit dazu. Wir von einem auf den anderen Tag
antwortlich dafür, die verstärkten sind froh, wenn wieder der Alltag ändernden - Bestimmungen um.
Hygieneauflagen in den Einrich- einkehrt!“ Außerdem wurde eine eigene
tungen und der Landesgeschäfts- Corona-Betriebsvereinbarung
stelle umzusetzen. ausgehandelt.
Das Team der Personalabteilung
war unter anderem in Kontakt mit
dem Arbeitsinspektorat und dem
AMS, musste alle Fortbildungen
und Kurzzeitpraktika absagen
und war zu Beginn der Krise mit
einem Bewerbungseinbruch
konfrontiert. Beim Roten Kreuz
meldeten sich für die Lebenshilfe
Salzburg 25 ehemalige Zivildiener.
Diese konnten in ihren früheren
Einrichtungen eingesetzt werden.
Auch der Betriebsrat war während Corona intensiv mit arbeitsrechtlichen Fragen
beschäftigt (Archivbild).
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 9Schwer.punkt CORONA-KRISE
„ Niemand war
auf so eine
und allen Trägern: wöchent-
liche Meetings, in denen wir
alle gemeinsam es geschafft
haben, trotz aller Unterschie-
de eine gemeinsame Vor-
gangsweise festzulegen. Und
Situation
als Lebenshilfe darf ich sagen:
es war eine traumhaft gute
Kommunikation mit dem Land
vorbereitet!“
in einem sehr guten Klima.
Welche Meilensteine waren
für Sie die wichtigsten?
Soziallandesrat Heinrich Schellhorn
Wichtig war, dass die Menschen
in den Einrichtungen sich sicher
gefühlt haben und nicht das
Gefühl hatten, eingesperrt zu
Gehen wir drei Monate zurück: Schutz anzugehen und die richti- sein. Ab dem Zeitpunkt, ab dem
Wie haben Sie den Anfang gen organisatorischen Maßnah- es Lockerungen gab, war das
des Shutdowns erlebt und men zu treffen, um diesen Schutz eine große Gratwanderung. Mir
was war für Sie persönlich die zu garantieren. Das war für uns persönlich ist das Grundrecht auf
größte Herausforderung? alle eine große und komplett Teilhabe und Privatsphäre sowie
Schellhorn: Nachdem ich in neue Herausforderung. auf Austausch sehr wichtig. Das
Salzburg verantwortlich für ist die schwierige Aufgabe, dies
vulnerable Gruppen bin, nämlich Im Namen der Lebenshilfe darf seit den Lockerungen gemein-
die Bewohner*innen in Seni- ich ein großes Kompliment an sam umzusetzen. Das ist fast
orenwohnhäusern und in den das Land aussprechen. Es gab schwieriger als am Anfang der
Behinderteneinrichtungen war es von Anfang an eine gute Zu- Shutdown, als das Schutzbedürf-
für mich sehr heikel, das Thema sammenarbeit mit dem Land nis im Vordergrund stand.
10 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
Soziallandesrat Heinrich Schellhorn
im Gespräch mit Claudia Tomasini
(Lebenshilfe).
Für unsere Mitarbeiter*innen sam anschauen, welche Mehr- Wenn Sie sich nun diese
war ein ganz wichtiger Schritt aufgaben oder Mindereinnahmen 3 Monate anschauen: Welche
die Einrichtung der COVID- in den einzelnen Leistungsbe- Lehren können wir daraus
Häuser. Allein die Sicherheit, reichen gegeben sind. Diese ziehen, was können wir
dass wir im Fall einer Erkran- werden wir ausgleichen, wo es mitnehmen?
kung eines Klienten/einer notwendig ist. Genauso wichtig Sollte es zu einer zweiten Welle
Klientin eine vorübergehende ist mir aber der Blick auf die Men- kommen, sind wir viel besser
gute Unterbringungsmöglich- schen mit Behinderungen und vorbereitet, was die Schutzaus-
keit haben, hat viel Druck ge- ihre Angehörigen: Dort, wo die rüstung angeht, da haben wir
nommen. Wissen sie, wie das Betreuung selbst übernommen Reserven aufgebaut. Insgesamt
in den anderen Bundesländern wurde in der Covid-19-Phase und hoffe ich, dass in der Gesell-
gelöst wurde? trotzdem Eigenbeiträge vorge- schaft eine größere Bereitschaft
In anderen Ländern ist das nicht schrieben waren, wird es auto- für das Miteinander entstanden
so klar gelaufen. Für mich war matisch von Seiten des Landes ist. Und was ganz wichtig ist, ist
es von Anfang an wichtig, den eine Rückverrechnung geben. zu lernen, dass ein funktionieren-
Menschen und den Trägern der Sozialstaat mit dem dichten
Sicherheit zu geben und ich habe In den Medien stand die Ziel- sozialen Netz, das wir aufgebaut
mir mit großer Sorge die interna- gruppe in den Seniorenwohn- haben, enorm wichtig ist in so
tionalen Berichte angeschaut und häusern im Fokus. Menschen einer Krise. Das muss auch die
gewusst, wie wichtig es ist, dafür mit Beeinträchtigung in Wohn- Lehre für die Zukunft sein. Und
zu sorgen, dass diese Menschen einrichtungen, von denen viele das ist auch mein Bestreben in
bei einem Verdachtsfall sofort zu einer Risikogruppe gehören der Politik, dass es zu keinen
in ein vollprofessionelles medi- und ähnliche strenge Bedin- Einsparungen im Sozialbereich
zinisches Umfeld kommen, um gungen hatten wie in Senio- kommt, weil man Schulden
die anderen Bewohner*innen reneinrichtungen, waren kaum aufgebaut hat, sondern dass man
und die Mitarbeiter*innen zu Thema, sind schlicht nicht im eine Garantie für den Sozialstaat
schützen. Dieser Weg hat sich Bewusstsein von Medien und abgibt!
bewährt. Wir hatten keine Fälle Bevölkerung. Woraus schlie-
in den Behinderteneinrichtungen, ßen Sie das? Sehen Sie hier Zum Abschluss eine private
aber wir wären darauf vorbereitet mehr Aufklärungsbedarf? Frage: Wie werden Sie
gewesen! Auch wir bemühen uns sehr, heuer Ihren Sommerurlaub
dass wir die Themen, die Men- verbringen?
Wir als Lebenshilfe haben eine schen mit Behinderungen be- Schellhorn (lacht): Auf Urlaub
große Solidarität des Landes treffen, in die Medien bringen. geht’s in die Südoststeiermark.
erlebt – auch finanziell, beson- Aber ich kann nach sieben Jahren Leider zu kurz, aber ein paar Tage
ders in Bezug auf die Tagsätze. Regierungsarbeit sagen, dass gehen sich schon aus.
Was kommt finanziell auf uns man da öfter auf taube Ohren
als Träger noch zu, welche stößt, als wenn es um andere Be- Vielen Dank für das Gespräch!
Kosten übernimmt das Land? völkerungsgruppen geht. Das ist
Ich habe sofort die Devise raus- eine gemeinsame Aufgabe, mehr
gegeben, dass wir keinen Träger den Fokus auf die Sichtbarkeit zu
im Stich lassen und uns gemein- legen.
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 11Schwer.punkt
3 Monate zu Hause
Susanna Riebl ist die Mutter von Moritz (31), der in der Wie ging es der Familie
Außengruppe der Werkstätte Seekirchen arbeitet und im emotional in dieser
Wohnhaus Oberndorf wohnt. Moritz war exakt Zeit des ungewohnten
drei Monate zu Hause. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Zusammenlebens?
Gefühlsmäßig war es eine Hoch-
schaubahn. Auch wenn Moritz
jeder.mensch: Wie haben Sie 1000er Puzzle gemacht, das er zu bereits 31 Jahre alt ist, ist er eher
Mitte März den Shut down Weihnachten bekommen hat mit kindlich und über den Verstand
erlebt? dem Motiv Salzburg bei Nacht. nur schwer zu erreichen. Er zieht
Fr. Riebl: Moritz war schon Moritz ist ein wahrer Puzzle König viel Aufmerksamkeit in intensiver
am Freitag da, weil es sein und hatte das Puzzle in 2 Tagen Weise auf sich und versteht es
Heimfahr-Wochenende war. Wir fertig. Wir haben auch gemein- ausgezeichnet, meinen Mann und
wurden noch am Wochenende sam gekocht und Kuchen geba- mich zu polarisieren. Das war in
von Simone vom Wohnhaus der cken, aber auf Dauer war das dieser Corona-Zeit in verstärktem
Lebenshilfe informiert, dass wir alles nicht mehr so interessant. Ausmaß der Fall, da er die ersten
uns entscheiden müssten, ob er zwei Monate rund um die Uhr mit
bei uns bleibt oder im Wohnhaus; Waren Sie auch mit der uns verbracht hat.
im letzteren Fall hätten wir ihn Werkstätte in Kontakt?
allerdings während der folgenden Die Werkstätte hat glücklicher- Konnte man ihn auch alleine
Wochen/ Monate nicht sehen weise ab 24. März Heimarbeit lassen?
dürfen und so haben wir ent- angeboten, die wir sehr gern Ja, Moritz ist kein Spaziergänger
schieden, dass er bei uns bleiben angenommen haben. Beschäf- und mein Mann und ich konnten
soll. tigung war unglaublich wichtig! schon auch einmal gemeinsam
Moritz hat sich gleich seine spazieren gehen oder einen klei-
Wie haben Sie die Zeit Arbeitsaufträge gewünscht: „Ha- nen Ausflug ohne ihn machen.
verbracht? kerl“ und „Clip an der Kordel“..., So etwas ist möglich. Uns war es
Moritz fährt mit meinem Mann diese Auftragsarbeiten sind fan- wichtig, Moritz schon sehr früh
gerne Tandem, da kann er gut tastisch: u.a. zwei riesige Schach- zu möglichst hoher Selbständig-
Energien abladen. Er ist auch ein teln mit 20.000 Hakerl. Wir haben keit zu erziehen. Er kann alleine
begeisterter Mandala- Maler und einen eigenen „Arbeitsplatz“ für Bus- und Bahnfahren und tut das
hat in dieser Zeit viele Manda- Moritz eingerichtet, wo er sich sehr, sehr gerne! Als es wieder
las gemalt. Und wir haben ein ausbreiten konnte. möglich war, hat er Ausflüge mit
12 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
dem Bus nach Mattsee und mit haben sich während der Corona- mäßige Radfahren etliche Kilos
dem Zug zum Attersee und zum Zeit auch Karten geschrieben. „abgespeckt“) Ich finde, Moritz
Traunsee unternommen. Das sind ist unglaublich gewachsen in
so seine Highlights! Wie war für Sie die Kommuni- dieser Zeit; Er kann seine Ge-
kation mit der Lebenshilfe? fühle oft schwer ausdrücken,
Wollte er wieder in die Werk- Perfekt. Manuela von der Au- wenn etwas nicht passt - jetzt
stätte und ins Wohnhaus? ßengruppe war super. Sie hat die artikuliert er sich viel besser oder
Empfindet er das Wohnhaus Aufträge gebracht und geholt und schreibt es auf. Er hat auch vom
als sein Zuhause? auch Simone vom Wohnhaus hat ersten Corona-Tag an begonnen,
Ja, unbedingt, das Wohnhaus ist uns immer wieder informiert. Tagebuch zu schreiben und hat
sein Zuhause! Aber er wusste, das bis jetzt beibehalten. Heraus-
dass es vorher nicht möglich Wenn Sie zurückschauen. ragend für mich ist auch, dass
ist und hat es gut akzeptieren Würden Sie Moritz wieder zu er die ganze Corona-Zeit über
können. Aber er hat sich schon Hause behalten? keinen einzigen epileptischen
sehr aufs Wohnhaus gefreut. Eigentlich schon. Drei Monate Anfall hatte.
Besonders auf seine Lieblings- waren einfach lang, aber wir
Betreuer*innen, aber auch auf die haben die Zeit auch gut genutzt. Vielen Dank für das Gespräch
anderen Bewohner* innen. Sie (z.B. hat Moritz durch das regel- und alles Gute!
Stammtisch, Coaching und
Webinare per Video
In Windeseile wurde während
der Corona-Zeit das Angebot
für Klient*innen, aber auch
Mitarbeiter*innen an die Situ-
ation angepasst. So hat das Englischkurs
PACT-Team 2 Mal wöchentlich per Video:
einen Stammtisch angeboten – Die neuen
Erfahrungen
natürlich virtuell – der gut ange-
wurden
nommen wurde. Für die teilneh- durchwegs
menden Klient*innen war der positiv erlebt.
Stammtisch per Video eine gute
Möglichkeit, neue Leute kennen-
zulernen und sich auszutauschen. Auch Fortbildungen konnten erzählt Monika Daoudi-Rosen-
teilweise mit diesem Programm hammer aus der Personalabtei-
Besonders gebraucht wurde stattfinden. „Besonders gut lung. Das Video-Seminar wurde
Einzelcoaching-Einheiten von angenommen wurde der „Hu- sehr gut angenommen und das
PACT, die auch per „microsoft morcocktail“, bei dem bis zu 15 Thema „Humor“ hat besonders
teams“ abgehalten und gerne Leute aus 7 Einrichtungen an 6 für Menschen, die nonverbal
angenommen wurden. Terminen teilgenommen haben“, sind, gut funktioniert.
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 13Schwer.punkt CORONA KRISE
Die Corona-Zeit
ohne meine Tochter
Ein Erfahrungsbericht von Hannelore Luschan
Simone Luschan mit Unterstützerin in der Werkstätte.
Meine Tochter Simone wurde erfolgen. Eltern und Angehörige den Eltern. Bewohner*innen in
vom 16.03. bis 12.06.2020 im sind grundsätzlich, vor allem aber Senioreneinrichtungen verblei-
Wohnhaus Wals beispielgebend in diesen schwierigen drei Corona ben 365 Tage im Jahr in ihren
betreut. Selbstverständlich war Monaten, keine Nebensache. Sie Einrichtungen. Menschen mit
diese Situation für alle Beteilig- sind ein wichtiges Rädchen in Beeinträchtigung arbeiten wo-
ten eine große Herausforderung, der Betreuung und in der Zusam- chentags in Werkstätten und
da die 24-Stundenbetreuung für menarbeit zwischen Werkstätte- wohnen periodisch auch noch im
meine Tochter und auch mich Wohnhaus-Elternhaus. Elternhaus. Auch bei Besuchen
Neuland waren. Simone hat sich kommt das Umkehrprinzip zum
im positiven Sinn verändert. Was mich betroffen gemacht hat Tragen. Bewohner in Senioren-
Durch den Abbau vor allem vom war die Tatsache, dass auch nach einrichtungen sind alt, Besucher
Morgenstress und der konstanten gut verlaufenen Aufenthalten Zu- sind größtenteils jung und auch
mehrstündigen Betreuung des hause Angehörige keinen Zutritt zahlreicher (Kinder, Enkelkinder,
gleichen Mitarbeiters/der glei- zu den jeweiligen Wohnhäusern Geschwister, Freunde, ehemalige
chen Mitarbeiterin wurde Simone hatten, während Therapeut*innen Nachbarn usw.). Menschen mit
viel ausgeglichener, ruhiger, ohne und Fußpfleger*innen der Aufent- Beeinträchtigung in Wohneinrich-
Verlust von Mobilität. halt in den Zimmern der Be- tungen sind größtenteils jung und
wohner möglich war. Dies rührt die Besucher (Eltern) sind alt und
Gewünscht hätte ich mir einen sicher aus der Tatsache, dass in geringer Anzahl meist nur ein
besseren Informationsaustausch Menschen mit Beeinträchtigung Elternteil.
zwischen Mitarbeiter*innen in einen Topf mit Senior*innen
und Angehörigen, vor allem, da geworfen werden. Bei Bewoh- Trotz einiger Hindernisse, wie
meine Tochter nicht kommuni- nern von Senioreneinrichtun- oben beschrieben, gratulie-
zieren kann. Aufgrund der Tat- gen handelt es sich aber um re ich allen – Betreuer*innen,
sache, dass ich das Wohnhaus Menschen, die in ihrem letzten Bewohner*innen und Angehöri-
nicht betreten konnte, war ich Lebensabschnitt betreut und gen -, dass wir alles so gut ge-
auf deren Aussagen angewie- gepflegt werden. Bei Menschen schafft haben. Diese drei Monate
sen. Wichtige Informationen, mit Beeinträchtigung ist das doch mit Corona waren eine Heraus-
wie aktueller Stand über Heim- umgekehrt der Fall. Diese sind forderung für alle Betroffenen, für
fahrzeiten, Besuchszeiten und zum Großteil aktiv, ja teilweise alle war es das erste Mal und ich
Bewohneraktualitäten wie Grup- sogar überaktiv und befinden sich hoffe, auch das letzte Mal!
penöffnungen usw. sollten direkt bei der gewählten Wohnform auf
vom Wohnhaus auf schnellstem dem Weg zur Selbständigkeit
Weg (per E-Mail oder telefonisch) und im Ablösungsprozess von
14 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
Erfahrungsberichte aus den
Einrichtungen
Während in der Coronakrise die Arbeit in den Werkstätten sehr reduziert war –
pro Werkstatt kamen nur ein bis vier Klient*innen - gab es in den Wohnhäusern durchgehend
24-Stundenbetreuung. Das machte es notwendig, Werkstattbetreuer*innen in den
Wohnhäusern einzusetzen. Ein Experiment, das in jeder Hinsicht geglückt ist.
Besuche während der Corona-Zeit waren nicht Ein Gartenkonzert mit großem Abstand
erlaubt, aber Zaungespräche mit großem Abstand war das größte Highlight im Seniorenwohnhaus
wurden ermöglicht. in Gneis. Danke für diesen Lichtblick!
Wohnhaus Abtenau zu machen, brachte einiges an Erich Winkler hält auch fest, dass
Josef Gsenger (Klient) und Erich Abwechslung. In der Bärlauch- die Entschleunigung einigen
Winkler (Werkstätte Abtenau) aus zeit gab es öfter mal Nudeln mit der Klient*innen sehr gut getan
Abtenau, haben dazu einiges zu selbstgemachtem Bärlauchpes- hat. In der Früh gab es keinen
berichten: „Wir hatten das Glück, to. Der Begegnungsraum des Stress damit, rechtzeitig fertig
dass es im Wohnhaus in Abtenau Wohnhauses ließ sich gut für die zu werden, um in die Werkstatt
gute Räume gibt. Hierher konnten Industriearbeit nutzen, die sonst gehen zu können. Viele der
wir einiges von der Werkstattrou- in der Werkstatt erledigt wird. sonst üblichen Termine mussten
tine verlegen, was für manche
Klient*innen sehr wichtig war.
Außerdem konnten wir viele
Wanderungen und Spaziergänge
machen, weil wir in einer sehr Josef und
selbständigen Gruppe waren.“ Erich sind der
Meinung, dass
Die Abtenauer hatten auch den es ihnen in der
Vorteil, dass der kleine Ort von Coronazeit
sehr gut
viel Natur umgeben ist. Kräuter
gegangen ist.
suchen, um Salben und Säfte
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 15Schwer.punkt CORONA-KRISE
wohnen ältere Damen, die ihre
Zeit auch sehr genossen haben.
Auch die 12-Stunden Dienste
waren für alle super, weil man
mehr mit den Bewohner*innen
machen konnte. Zum Beispiel
gemeinsam den Wohnraum zu
dekorieren, zu basteln, im Garten
zu sein oder spazieren zu gehen.
Beim Essen im Wohnhaus Radstadt – das Bild entstand vor
Wichtig war in der Zeit, dass es
drei Jahren im Rahmen eines Kochworkshops.
auch Arbeit von der Werkstätte
gegeben hat. Eine Bewohnerin
coronabedingt ausfallen, das aufgenommen, die Zusammenar- hat die Dampf-Bügelstation von
Pflichtprogramm war kleiner als beit funktionierte sehr gut.“ der Werkstätte ins Wohnhaus
sonst. Daraus hat man einiges Die einrichtungsübergreifende Zu- geliefert bekommen und täglich
gelernt. Josef Gsenger wird in sammenarbeit in der Coronakrise Bügelaufträge erledigt, andere
Zukunft vormittags später in der hat zweifellos das gegenseitige haben Auftragsarbeiten gemacht.
Werkstatt anfangen, um sich in Verständnis zwischen Werkstatt- Dadurch hatten wir eine gute
Ruhe fertigmachen und mit Ge- und WohnhausmitarbeiterInnen Struktur.
nuss frühstücken zu können, eine stark verbessert. Man hat die Ar-
Form der Altersteilzeit. beit der jeweils anderen gesehen Als dann nach 2 Monaten die
und verstanden. Dadurch konnten ersten Klient*innen von den
Wohnhaus einige Missverständnisse und Eltern wieder zurück ins Wohn-
Rottmayrgasse Vorurteile ausgeräumt werden. haus durften, haben sie sich sehr
In der Stadt Salzburg gibt es eini- Die Videos mit den Interviews gefreut. Besonders natürlich jene
ge Unterschiede zu den Lebens- aus Abtenau und der Rottmayr- aus dem Teilbetreuten Wohnen.
hilfe Einrichtungen in den Gauen. gasse finden Sie auf der Face-
Während die Wohnhäuser in den bookseite der Lebenshilfe Salz- Rückblickend muss ich sagen,
Gauen meist Klient*innen aus burg. dass das Runterfahren einfacher
einer einzigen Werkstatt bewoh- zum Annehmen war, als das wie-
nen, leben in den Wohnhäusern Wohnhaus Radstadt der Hochfahren. Die langsamen
in der Stadt Personen aus unter- Ramona Salicevic: „Die ersten Etappen waren zum Teil verwir-
schiedlichen Werkstätten. Außer- zwei Monate waren nur 8 von 19 rend und das war schwieriger zu
dem kennen sich Wohnhaus- und Bewohner*innen da. Den Ange- kommunizieren als das völlige
Werkstattbetreuer*innen unter- hörigen war die Sicherheit sehr Runterfahren mit den allgemein
einander nicht so gut, wie das in wichtig und sie waren von Anfang gültigen strikten Regeln.
den kleineren Orten der Fall ist. an sehr kooperativ. Die 8 Leute
Trotzdem hat der coronabedingte waren auf 3 Gruppen aufgeteilt Fachwerkstätte
Wechsel auch in Salzburg gut und es ist ihnen super gut gegan- Fürbergstraße
funktioniert. gen. In der mittleren Wohnung Doris Forster und Kathi Premm:
war zum Beispiel eine Dame mit „Die Corona-Krise hat uns alle
Manfred Müller, Betreuer in der Autismus alleine im Stockwerk, völlig unerwartet und unvorberei-
Werkstatt Kreuzhofweg, war der es sehr gut getan hat, so viel tet in allen Lebensbereichen ge-
einige Wochen lang im Wohn- ungeteilte Aufmerksamkeit zu be- troffen. Sowohl die Beschäftigten
haus Rottmayrgasse tätig: „Wir kommen mit wenig zusätzlichen als auch die Unterstützer*innen
wurden im Wohnhaus sehr gut Reizen. Im oberen Stockwerk mussten höchste Flexibilität
16 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020CORONA KRISE Schwer.punkt
beweisen, um sich auf die neuen sehr wenig Unterstützung aus-
Lebensumstände einzustellen. kommen. Neben der Begleitung
Veränderung schüren Unsicher- in der Werkstätte wurde auch
heiten und Ängste, doch das versucht, mit den Beschäftigten,
Team von Unterstützungsperso- die das wollten, telefonisch oder
nen und Beschäftigten aus der per Email Kontakt zu halten. So
Fürbergstraße hat es geschafft, entstand die Idee, ihnen auf digi- Erich Girlek
diesen zu trotzen und aus der talem Weg kleine Beschäftigun-
schwierigen Lage das Best- gen wie Mandalas oder Rätsel
mögliche herauszuholen. In der fürs „Home Office“ zukommen
Fürbergstraße arbeiten viele zu lassen. Aus diesem ursprüng- Wie sichtbar
Beschäftigte, die ihren Alltag lich kleinen Funken, entstand bald
nahezu selbständig bestreiten, das Projekt „Fürberg Kurier. waren
die alleine wohnen oder mit nur
Menschen mit
Behinderungen
in der Krise?
Auch „Der Tag der Inklusion“
am 5. Mai stand ganz im
Zeichen der Krise.
Jetzt zeigte sich: wie inklusiv ist
unsere Gesellschaft wirklich?
Wie sichtbar – oder unsichtbar
– sind Menschen mit Behinde-
rungen und ihre Angehörigen
in herausfordernden Zeiten
wie diesen?
Der Fürberg Kurier Selbstvertreter Erich Girlek
Das ist eine digitale Zeitung in einfacher Sprache, die den Daheim- forderte bei der Online-Presse-
gebliebenen den eingeschränkten Alltag verschönern und die konferenz: „Der Grundsatz der
Langeweile etwas vertreiben sollte. Neben den „Mitmach-Seiten“ Selbstvertretung „Nichts über
zum Ausmalen und Rätseln wurden Beiträge rund um das Thema uns ohne uns“ muss auch in
Corona in Einfacher Sprache und mit vielen Bildern erklärt, es gab Krisenzeiten gelten. Deshalb
eine Fortsetzungsgeschichte über die erste große Liebe, lustige müssen Menschen mit Behin-
Bildstrecken, etwas zum Lachen und vieles mehr. Aus der kleinen derungen in den Krisenstäben
Idee wurde schnell ein umfangreiches Projekt, das mit 2 Ausgaben eingebunden werden!“
pro Woche nicht nur bei den Leser*innen sondern auch bei den Und weiter: „Es wird noch
Produzent*innen für reichlich Abwechslung sorgte. schwieriger für Menschen mit
Lernschwierigkeiten, einen
Hier gibt´s den Fürbergkurier zum Nachlesen: Job am ersten Arbeitsmarkt
www.lebenshilfe-salzburg.at/aktuelles/der-neue-fuerberg-kurier.html zu bekommen. Ich fordere die
Bundesregierung auf, hier ein
Konzept vorzulegen.“
17Vor.gestellt
Hoch soll sie
leben!
Angelika Noisternig feierte während der
Corona-Zeit ihren 60. Geburtstag!
Mit 40 Jahren bei der Lebenshilfe, davon
15 als Betriebsratsvorsitzende, hat sie
wie kaum eine andere die Lebenshilfe
mitgestaltet und mitgeprägt.
Unvergessen sind für viele
Mitarbeiter*innen die perfekt
organisierten, stimmungsvollen
Betriebsausflüge! Allen Aufga- „Der Grundstein zu meiner lang- Ich putzte mit der damaligen
ben und Herausforderungen ist jährigen Tätigkeit bei der Lebens- Leiterin das leere Haus durch, da
Angelika immer mit viel Herz und hilfe wurde im Jahr 1978 gelegt. am nächsten Tag die Klient*innen
noch mehr Verstand entgegenge- Damals absolvierte ich im Rah- vom 14-tägigen „Sommerlager“
treten. Ein Engagement, das mit men meiner Ausbildung zur Dipl. zurückkehrten. 25 Jahre bis Sep-
unglaublich hohem Vertrauen der Behindertenpädagogin ein 10-wö- tember 2017 durfte ich die Men-
Mitarbeiter*innen vergolten wur- chiges Praktikum im Wohnhaus schen in der Franz-Gruber-Straße
de! Sie war auf vielen verschie- Tamsweg. Nach dem Abschluss in ihren Lebensphasen begleiten.
denen Ebenen tätig: als Mitglied meiner Ausbildung startete ich Diese Arbeit war mir immer eine
und Funktionärin der AUGE, als im August 1980 meine fast Herzensangelegenheit und ich
Vorsitzende des Wirtschaftsbe- 40-jährige Betriebszugehörigkeit habe sie mit viel Engagement
reichs 17 der GPA-dip Salzburg wieder im Wohnhaus Tamsweg. verrichtet. Durch Paul Ellmauer,
und als Mitglied des Bundes- Ich kann mich noch gut an die der damals neben seiner Tätigkeit
ausschusses der GPA. Innerhalb 3-Bettzimmer, 24-Stundendienste als Betriebsratsvorsitzender auch
der Lebenshilfe ist sie Betriebs- und 14-tägigen Urlaubsaktionen im Wohnhaus beschäftigt war,
ratsvorsitzende, Mitglied des erinnern. Nach meiner Karenz- bekam ich einen Einblick in die
Aufsichtsrates und war bis zuletzt zeit zog es mich in die Stadt Betriebsratsarbeit und kandidierte
immer auch mit all ihren positiven Salzburg, wo ich im Herbst 1986 1994 auf der Ersatzliste. Mittler-
Eigenschaften in der Begleitung in der Werkstätte der Gerhard weile bin ich ein Vierteljahrhun-
von Menschen mit Beeinträchti- Hauptmannstraße erneut bei der dert Betriebsrätin, fast 15 Jahre
gung tätig. Lebenshilfe einstieg. Nach einer davon als Vorsitzende. Es war
weiteren Karenz von 1990 bis eine schöne, lehrreiche, spannen-
Liebe Angelika, wir wünschen 1992 wollte ich in Teilzeit in die de, schwierige und trotzdem im-
Werkstätte zurückkehren. Der mer erfüllende Aufgabe, die aber
dir alles Gute zum Geburtstag
damalige Direktor Heinz Fischer nur mit dem Rückhalt im Team
und zum wohlverdienten (Teil)- teilte mir aber mit, dass eine Teil- so gut zu bewältigen war. Wie
Ruhestand. Denn für wenige zeitbeschäftigung aus pädagogi- es aber ohne Rückendeckung
Stunden als Betriebsrätin und schen Gründen in der Werkstätte aus dem Team nicht funktioniert,
nicht möglich ist. Stattdessen bot funktioniert es auch nicht ohne
Ehrenvorsitzende des Betriebs-
er mir eine Teilzeitstelle im Wohn- Rückhalt aus der Kollegenschaft -
rates bleibst du der Lebenshilfe haus Franz-Gruber-Straße an. An vielen Dank dafür an alle!“
noch erhalten und das freut die meinen ersten Arbeitstag dort Angelika Noisternig
Mitarbeiter*innen sehr! kann ich mich noch gut erinnern.
18 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020Lebens.wichtig
Mitreden, Mitentscheiden
Die Dienstleistungen der Lebenshilfe –
also die Arbeits- und Wohnangebote, der
Kindergarten, die Frühförderung,
das Ambulatorium – sind in der Lebenshilfe
gemeinnützigen GmbH zusammengefasst.
Darüber steht als „Mutter“ der Lebenshilfe
der Verein. Dieser wird von einem
ehrenamtlichen Vorstand geleitet, der
auch die Aufgabe hat, die Richtung
vorzugeben und vor allem darauf zu achten,
dass die Interessen der Menschen mit
Behinderungen und der Angehörigen
gewahrt werden.
„Ohne die Lebenshilfe würde es schlecht
um die Umsetzung der Rechte von Men-
schen mit Behinderungen stehen. Wir sind
die einzigen, die sich als Angehörigen-Ver-
ein auch um deren Interessen einsetzen“,
erklärt Präsident Michael Russ. Der Hartnä-
ckigkeit des Vorstandes ist es beispielswei-
se zu verdanken, dass nach vielen Jahren
das Salzburger Behindertengesetz überar-
beitet wurde.
nser Vorstand setzt sich aus
U
Eltern, Geschwistern, aber auch
Expert*innen zusammen, die alle
ein Ziel haben: Gemeinsam das
Beste für Menschen mit
Neue Mitglieder gesucht!
Behinderungen in unserer Einige Vorstandsmitglieder können schon auf viele
Jahre Erfahrung zurückblicken. So wertvoll diese
Gesellschaft zu erreichen“, so Russ.
Erfahrung ist, braucht es wieder neue Blickwinkel und
neue Menschen, die bereit sind, als Vorstandsmitglied
Sechs Mal im Jahr trifft sich der Vorstand, der Lebenshilfe etwas zu bewegen. Der zeitliche
um die Richtung zu besprechen, in die es Rahmen hält sich in Grenzen – der Mehrwert für
gehen soll. Konzepte aus der Lebenshilfe Menschen mit Behinderungen ist ein Vielfaches!
GmbH werden geprüft, bevor sie in die Wenn Sie Lust haben, sich bei uns einzubringen,
Umsetzung gehen. Ein anderer wichtiger melden Sie sich einfach direkt bei unserem Präsidenten
Aufgabenbereich sind Finanzangelegenhei- Michael Russ, michael.russ@lebenshilfe-salzburg.at,
ten und Fundraising. Tel. (0664) 26 14 802
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 19Foto: Adobe Stock
Lebens.wichtig
Markus geht auf Sendung
Im letzten Herbst hat die Radiofabrik der Lebenshilfe Salzburg einen Platz in der Lehrredaktion
angeboten. In diesem Kurs können Interessierte lernen, wie man Radio macht.
Markus Schaidreiter, ein Klient aus der Werkstatt Bischofshofen, hat den Kurs besucht und
erfolgreich bestanden. Seine erste Radiosendung „Buntes Allerlei mit Markus“ lief am
18. Juni um 18 Uhr.
In acht Modulen hat Markus
Schaidreiter die Grundlagen des
Radiomachens gelernt. Das ging
vom Medienrecht über Tontech- Radiofabrik-
nik, Audioschnitt, Storytelling, Programmchefin
Recherche bis zu Interview und Eva Schmidhuber und
Markus Schaidreiter
Moderation. Wie allen anderen
beim Unterschreiben
TeilnehmerInnen fiel ihm man- der Sendevereinbarung.
ches schwerer und manches
leichter. Storytelling und Mode-
ration waren seine Lieblingsge-
biete.
Storytelling, also Geschichten
erzählen, ist etwas, das er gut
kann, er schreibt selber Geschich- In seiner ersten Sendung ging es Die Empfangsmöglichkeiten sind:
ten. In den Sendungen wird er darum, wie er zum Radiomachen 107,5 MHz (UKW) für die Stadt
ab und zu eine vorlesen. Er wird gekommen ist und was er in sei- Salzburg, im Flachgau,
aber auch die Geschichten und ner Sendung so vorhat. Nachhö- Tennengau & Grenznähe
Bücher anderer vorstellen, Film- ren kann man die Sendung unter: Bayern und Oberösterreich
kritiken und Berichte über neue https://cba.fro.at/458312 97,3 MHz (UKW) für den
Videospiele wird es auch gehen. Süden Salzburgs oder
Natürlich wird auch Inklusion Der fixe Termin für „Buntes online unter
eine Rolle spielen. Dazu wird er Allerlei mit Markus“ ist an jedem www.radiofabrik.at
Interviews mit Kolleg*innen aus dritten Donnerstag im Monat von
der Lebenshilfe machen. 18 Uhr bis 18 Uhr 30. Hören Sie sich das an!
20 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020Lebens.nah
„Vitamin i“ – Innovation durch Inklusion
Landesberufsschülerinnen gehen mit einer Kampagne in Kooperation
mit der Lebenshilfe Salzburg in die Offensive.
Die Abschlussklasse Medienfachmann/ Im Zuge der Recherche bekamen die Schü-
frau der Landeberufsschule 2, entwickelt lerinnen Einblicke in drei Werkstätten in
ein Konzept mit dem sie Salzburger Stadt und Land Salzburg. „Die Lebenshilfe
Unternehmerinnen und Unternehmer arbeitet teilweise schon sehr erfolgreich mit
dazu animieren wollen, bestimmte einigen regionalen Betrieben zusammen.
Arbeitsprozesse an die Werkstätten der
Lebenshilfe abzugeben. „Vitamin i –
Innovation durch Inklusion“ lautet der ie Lebenshilfe arbeitet schon sehr
D
Titel der ehrgeizigen Kampagne. erfolgreich mit einigen regionalen
Betrieben zusammen.
Inklusion heißt eingebunden und unter-
stützt zu werden, in Gesellschaft und Es ist beeindruckend, mit wieviel
Arbeitswelt. Initiiert durch das vom Geschick und Freude die Klientinnen
Land Salzburg geförderte Projekt und Klienten bei der Arbeit sind.“,
„INKLUSIVEberatung-#bettertogether“
sagt Natalie Binder, Projektleiterin.
hat sich die Medienklasse der Landes-
berufsschule 2 intensiv mit dem Thema
„beeinträchtigte Menschen“ in der der
Arbeitswelt beschäftigt. Trotz der derzeit Trotzdem ist immer noch Luft nach oben.
erschwerten Umstände und Abstandsrege- Wir sind stolz darauf für diese Menschen
lungen, gelang es den Schülerinnen ihr Her- eine Kampagne auf die Beine stellen zu
zensprojekt perfekt umzusetzen. Entwickelt dürfen.“
wurde eine Kampagnenidee samt umfas-
sender Werbemittel, die nun der Lebenshil-
fe zur Verfügung gestellt werden.
Mit ihrer Idee sollen Salzburger Unterneh-
merinnen und Unternehmer informiert
und zur Kooperation mit den Lebenshilfe
Werkstätten animiert werden. Etwa um
Fachkräfte zu entlasten und einfache, aber
notwendige Arbeiten an die Werkstätten
auszulagern. Oder einfach um den Ar-
beitsalltag durch eine „Vitamin i-Kur“ posi-
tiv zu beeinflussen. „Vitamin i“ steht dabei
für Inklusion, aber auch dafür, dass es oft
besser ist, kleine Arbeitsprozesse auszula-
gern – gleichsam als “Medikament“ für das
eigene Unternehmen. Die Schülerinnen der Abschlussklasse Medienfachmann/frau
der Berufsschule 2 stellen Geschäftsführer Guido Güntert
die Ergebnisse ihres Projektes vor.
Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020 21Lebens.nah
Unser neues Projekt
„Moosstraße 7“
Vor drei Jahren besuchte eine kleine Gruppe des Vereins die Café „Lebensküche“
Lebenshilfe Vorarlberg. Besonders beeindruckend waren Das Cafe (100m2) wird von
dabei die zwei Brockenhäuser der Lebenshilfe Vorarlberg, in Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr
denen ein Secondhandgeschäft und ein Café kombiniert wurden. geöffnet sein. Betrieben wird es
Seit damals ist der Landesvorstand der Lebenshilfe Salzburg von der Lebensküche (Tochterge-
auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten, um ein ähnliches sellschaft des Vereins Lebenshil-
Projekt umzusetzen. Endlich sind diese Räumlichkeiten gefunden. fe Salzburg). Neben dem Gast-
gewerbepersonal werden auch
einige Lebenshilfe-Klient*innen
Ziele des Projekts Secondhandgeschäft für ein paar Stunden in der Wo-
Obwohl sich die Lage in den „Lebensladen“ che geringfügig beschäftigt.
letzten Jahren deutlich gebessert Im Secondhandgeschäft (200m2
hat, stehen viele Menschen mit inklusive Pausenraum) sollen Zeitplan
intellektueller Beeinträchtigung Sachspenden und Produkte aus Die Eröffnung der Moosstraße 7
immer noch am Rande der Ge- Lebenshilfewerkstätten ver- ist für Ende September/Anfang
sellschaft. Um hier gegenzusteu- kauft werden. Eine Gruppe von Oktober geplant. Den genauen
ern, hat sich der Vorstand der Le- acht Lebenshilfe-Klient*innen Eröffnungstermin werden wir Ih-
benshilfe Salzburg entschlossen, soll hier – unter Anleitung von nen zusenden. Falls sie hochwer-
in Salzburg eine Einrichtung nach Betreuer*innen und ehrenamtli- tige Dinge haben, die Sie nicht
dem Vorbild der „Brockenhäu- chen Mitarbeiter*innen – Sach- mehr benötigen, spenden Sie
ser“ der Lebenshilfe Vorarlberg spenden entgegennehmen, diese bitte für den Lebensladen.
zu eröffnen. Ein Secondhandge- sortieren und zum Verkauf Bitte unterstützen Sie das Projekt
schäft, ein Cafe und ein Atelier/ aufbereiten. Natürlich sollen auch auch, indem Sie es besuchen.
Fortbildungsraum soll Menschen die Kunden beraten werden. Öff- Das Team der Moosstraße 7
mit Beeinträchtigung die Mög- nungszeiten: Montag bis Freitag, freut sich auf Sie.
lichkeit bieten, auch außerhalb 10 bis 18 Uhr.
des üblichen Lebenshilfesettings
mit Menschen in Kontakt zu Atelier/Fortbildungs-
kommen. Sie sollen dort auch raum „Lebenskunst“ Gut erhaltene
Fertigkeiten erwerben, die ihnen Im Atelier (100m2) wird es Fortbil- Waren nehmen
helfen sollen, einen geschützten dungsmöglichkeiten geben. Die wir für
Arbeitsplatz zu finden. im Geschäft tätigen Klient*innen unseren
werden hier lernen, wie man neuen
Geschäftslokal aus alten Dingen etwas Neues Second-Hand Lebensladen in
Nach längerer Suche wurde mit machen kann (Upcycling). Das der Moosstraße 7 gerne an!
einem im Erdgeschoß gelegenen, Atelier soll aber allen Lebenshilfe
ca. 410 m2 großen Lokal in der Beschäftigten für Kunstwork- Bitte wenden Sie sich dazu an:
Moosstraße 7, 5020 Salzburg ein shops und Fortbildungen offen- Gerhard Haupt,
geeignetes Objekt gefunden. Es stehen. Ein Teil dieser Fortbildung Tel. 0664/839 4 739,
gibt wenige Parkmöglichkeiten, soll für Menschen mit und ohne e-mail: gerhard.haupt@
aber eine Bushaltestelle direkt vor Behinderung inklusiv ausge- lebenshilfe-salzburg.at
dem Geschäft. schrieben werden.
22 Lebenshilfe Salzburg | jeder.mensch 2/2020Sie können auch lesen