FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM ÖPNV DER ZUKUNFT Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
Herausgeber und inhaltlicher Verantwortlicher Allgemeiner Deutscher Umweltforum Mannheimer Agenda 21 e.V. Fahrrad-Club Käfertaler Straße 162 68167 Mannheim www.umweltforum-mannheim.de Redaktion: Elke Dünnhoff, Axel Juedtz, Andreas Schöber, Thorsten Schurse August 2022 Karten: Bestandskarten mit Stadtplan als Grundlage, darin alle S-Bahn-Halte und Tramlinien. Karte mit Projekten in vergrößerter Darstellung Titelfoto: Elke Dünnhoff Fotos: Arnold Cullmann (S. 23, Innencover), Семен Саливанчук/Adobe Stock (S. 27), Ernst Wrba/Alamy Stock Photo (S. 24.1, 26), Sonstige: Elke Dünnhoff Layout und Satz: Klaus Scherer Grafik Design, Mannheim Druck: dieUmweltDruckerei GmbH, Hannover Wir danken der Stadt Mannheim für die finanzielle Förderung.
Was will und kann dieses Positionspapier? 2 Vorwort zur 2. aktualisierten Auflage 3 INHALT 1 Thesen für einen zukunftsfähigen ÖPNV in Mannheim und Umgebung 4 1. 1 Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel am Modal Split erhöhen 6 1. 2 Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete rasch erschließen 7 1. 3 Verknüpfungspunkte ausbauen und auf steigende Nutzerzahlen auslegen 9 1. 4 Zuverlässigen Betrieb sicherstellen 10 1. 5 Über die Stadtgrenzen hinaus zusammenarbeiten und planen 11 1. 6 Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken 12 1. 7 Information, Serviceangebote, Fahrkomfort 14 1. 8 Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten 15 1. 9 ÖPNV-Finanzierung sichern und attraktive Tarife ausweiten 16 2 Dringend benötigte Projekte 18 2. 1 Kapazitätsengpässe im Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen 20 2. 2 Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz zeitnah beseitigen 21 2. 3 Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen 22 2. 4 Verknüpfung von Bus und Straßenbahn mit der S-Bahn 23 2. 5 ÖPNV rheinübergreifend ausbauen 24 2. 6 Neue, innerstädtische S-Bahn 25 3 Hintergrundinformationen 26 3. 1 Situation in Mannheim 27 3. 2 Umwelt- und Klimaschutzziele und die Rolle des ÖPNV 28 3. 3 Funktionsweise des Nahverkehrs in der Rhein-Neckar-Region und in Baden-Württemberg 29 3. 4 Verzeichnis von Abkürzungen und Fachbegriffen 31 3. 5 Literaturverzeichnis und Quellenangaben 32
2 VORWORT VORWORT 3 Was will und kann dieses Positionspapier? Vorwort zur 2., aktualisierten Auflage (inkl. Rückblick) VORWORT VORWORT Dieses Positionspapier ist ein Beitrag der im Um- und gibt Empfehlungen für eine Verbesserung des Bereits in der ersten Auflage dieser Broschüre hat Im VRN-Gebiet wurde ein „Luftlinientarif“ ein- weltforum Mannheimer Agenda 21 e.V. zusammenge- Öffentlichen Nahverkehrs in Mannheim. das Umweltforum im Jahr 2015 zehn Thesen und geführt, mit dem viele Strecken preisgünstiger per schlossenen Verbände zur Verkehrswende in Mann- fünf dringende Projekte für die folgenden fünf App abrechnet werden können. heim. Es richtet sich an Vertreter/innen aus Politik, Grundsätzliches Ziel ist es, dass Mannheimer/innen Jahre, das heißt bis zum Jahr 2020, formuliert. Stadtverwaltung und alle, die beruflich mit dem öf- sowie Besucher/innen inkl. Berufspendler/innen in Andere Beispiele zeigen noch viel Optimierungs- fentlichen Verkehr in und um Mannheim befasst Mannheim und dem Umland einfach, schnell, kos- Was hat sich seitdem getan? potenzial: sind sowie an interessierte Mannheimer Bürgerin- tengünstig und umweltfreundlich mobil sein kön- Als positive Beispiele sind zu nennen: nen und Bürger. nen. Dazu gilt es, den ÖPNV 2 weiter zu stärken und Die Straßenbahnhaltestelle am Mannheimer seine Attraktivität weiter zu erhöhen. Das Land Ba- Im Jahr 2016 wurde die Stadtbahn Nord (Stra- Hauptbahnhof wird derzeit viergleisig ausgebaut Anlass für die vorliegende Neuauflage ist unter den-Württemberg hat als Ziel formuliert, die Fahr- ßenbahn Linie 4) nach Mannheim-Käfertal in Be- und die Zahl der Bahnsteige von drei auf vier er- anderem: gastzahlen bis zum Jahr 2030 gegenüber 2010 zu ver- trieb genommen. höht. Die Umbaumaßnahmen sind jedoch nicht so doppeln 3. Dazu müssen umfangreiche Maßnahmen gestaltet, dass sie die vom Bund 5 und dem Land Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans zum Angebotsausbau ergriffen werden. Eine reine Die Endhaltestelle in Mannheim-Rheinau wur- Baden-Württemberg 6 geplanten Kapazitätssteige- (NVP) der Stadt Mannheim aus dem Jahr 2018 und Verbilligung des Nahverkehrs zur Erhöhung der de als Kompaktbahnhof umgebaut und ermöglicht rungen mit einer Verdoppelung der Fahrgastzah- die notwendige Erstellung eines Nahverkehrsent- Nachfrage, wie mit dem „9-Euro-Ticket“ im Sommer nun den barrierefreien Umstieg zwischen S-Bahn, len bis zum Jahr 2030 ermöglichen. wicklungsplans. Nahverkehrspläne müssen alle 2022, ohne Ausbau von Kapazitäten und Verbindun- Straßenbahn und Bus sowie neuen Park & Ride- fünf Jahre fortgeschrieben werden. Die Fortschrei- gen, schafft nur neue Probleme und trägt nicht nach- Plätzen. Außerdem erhielt der Bahnhof neue, dy- Für das neue Stadtquartier Franklin wurde zu- bung steht demnach 2023 an. haltig zu einer Attraktivitätssteigerung des ÖPNV bei. namische Fahrgastanzeigen. nächst nur ein Busvorlaufbetrieb eingerichtet. Erst ab 2023 soll der Straßenbahnbetrieb aufgenom- Die geplante Fertigstellung des „Masterplan Kern des Positionspapiers sind Thesen zur Weiter- Es erfolgt sukzessive der barrierefreie Umbau men werden, allerdings zunächst nur im 20-Minu- Mobilität Mannheim 2035“ 1 als Fortschreibung des entwicklung des ÖPNV sowie Vorschläge für sinnvol- von Haltestellen. ten-Takt bis zur Haltestelle Bensheimer Straße Mannheimer Verkehrsentwicklungsplans (VEP) für le konkrete Projekte. Diese wurden vom Umweltfo- zum Umstieg auf die OEG-Linie 5. alle Verkehre. rum vor allem aus Fahrgastsicht entwickelt. Weiterhin Es wurden S-Bahnlinien mit neuen Fahrzeugen enthält das Papier Hintergrundinformationen zum und häufigeren Fahrten eingerichtet, zum Beispiel Das als „autoarm“ geplante neue Stadtquartier Die aktuelle Fortschreibung der Mannheimer ÖPNV in Mannheim sowie zur Bedeutung des öffent- die S 6 vom Hauptbahnhof Mannheim nach Laden- Spinelli erhält ebenfalls zunächst nur eine Busan- Klimaschutzkonzeption 2020 zum Klimaschutzak- lichen Verkehrs für den Umwelt- und Klimaschutz. burg /Bensheim sowie die S 9 von Biblis/ Mann- bindung. Wann auf der Freihaltetrasse eine Stra- tionsplan 2030 heim Waldhof über Mannheim Hauptbahnhof in ßenbahn fahren wird, ist derzeit noch offen. Zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre Richtung Karlsruhe. Das Positionspapier des Umweltforums Mannheim und Jahrzehnte, die auch das Verkehrssystem betref- Die erwartete Steigerung des Wegeanteils (Mo- weist Politik, Verwaltung, RNV und VRN auf beste- fen, sind der Klimaschutz und die Verringerung der Mit dem Projekt „Modellstadt Mannheim“ sollte dal-Split) mit dem ÖPNV bei der Verkehrsmittel- hende Problemfelder wie auch Positivbeispiele hin Luftschadstoff- und Lärmemissionen, aber auch der der ÖPNV in den Jahren 2019 bis 2021 durch ver- wahl von bisher 15 % auf 20 % blieb bisher aus. demographische Wandel und die Sicherung des schiedene Maßnahmen attraktiver gemacht wer- Wohlstands und der Wirtschaftskraft. Der ÖPNV lie- den: Dazu gehörte ein vergünstigtes „Green-City- Die ÖPNV-Planung bei der Stadt Mannheim ist fert als Teil des so genannten Umweltverbundes ge- Ticket“ und Zuschüsse für Arbeitgeber zur zersplittert: Zuständig ist das Dezernat I (ohne meinsam mit dem Radverkehr, dem Fußverkehr und Einführung des Jobtickets. Außerdem wurden Nahverkehrsplanung)7 mit seiner Tochtergesell- weiteren effizienten Mobilitätsangeboten, wie zum Taktverdichtungen auf den tangentialen Buslinien schaft Mannheimer Kommunale Beteiligungen Beispiel Carsharing, einen wichtigen Beitrag zur Be- 45/50 und den Innenstadtlinien 60/65 getestet, (MKB) und das Dezernat V (Nahverkehrsplanung)8, wältigung dieser Herausforderungen. ebenso wie die Neuanbindung des Glückstein- letzteres jedoch ohne personelle Ressourcen. Hier quartiers. Trotz positiver Bilanz wurde das Projekt fehlen klare Zuständigkeiten und ein regelmäßi- 1 https://www.mannheim-gemeinsam-gestalten.de/masterplan nach dem Auslaufen der Projektmittel eingestellt. ger Bericht über die Entwicklung des ÖPNV in 2 „ÖPNV“: Öffentlicher Personennahverkehr, also vor allem Bus und Straßenbahn, je nach Zusammenhang auch der regionale Schienenver- Die Taktverdichtung der Buslinien konnte auf- Mannheim. kehr (S-Bahn, Regionalbahn). grund des Nachfragezuwachses jedoch beibehal- 3 Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg 2021 4 https://www.mannheim.de/de/nachrichten/buergerbefragung-zur-modellstadt ten werden.4 5 Mit dem geplanten Deutschlandtakt soll eine Verdopplung der Fahrgastzahlen im Bahnverkehr erreicht werden. 6 Ziel der ÖPV-Strategie Baden-Württemberg ist eine Verdoppelung Im Januar 2022 wurde in Mannheim ein preis- der Fahrgastzahlen bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010. wertes Kurzstreckenticket eingeführt. Für 1,80 Euro 7 https://www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/verwaltung/dezernate/ dezernat-i können mit Straßenbahn und Bus bis zu vier Sta- 8 https://www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/verwaltung/dezernate/ Abb. 1 | Weichen stellen für die Verkehrswende in Mannheim tionen im Stadtgebiet gefahren werden. dezernat-v
THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 5 THESEN FÜR EINEN Folgende Thesen werden auf den nachfolgenden Seiten ausführlich erläutert: 1 ZUKUNFTSFÄHIGEN Fortschritt messen: Fahrgastzahlen verdoppeln, ÖPNV-Anteil am Modal Split erhöhen Für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 muss der ÖPNV in Mannheim bis 2030 ei- ÖPNV IN MANNHEIM nen Anteil von mindestens 20% an den zurückgelegten Wegen erreichen. Der Fortschritt hin zur Zielerreichung muss dabei regelmäßig überprüft werden. UND UMGEBUNG Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete rasch mit hochwertigem ÖPNV erschließen Neu bebaute Gebiete in Mannheim benötigen einen hochwertigen ÖPNV-Anschluss bereits zu dem Zeitpunkt, wenn die ersten Bewohner/innen bzw. Nutzer/innen einziehen. Um in der Zu- kunft mögliche Erweiterungen und Fahrplanverdichtungen im Straßenbahnnetz realisieren zu können, ist es zudem jetzt schon notwendig, Trassen freizuhalten und diese Erweiterungen einzuplanen. Verknüpfungspunkte ausbauen und auf steigende Nutzerzahlen auslegen Verknüpfungen zwischen S- bzw. Regionalbahn und Straßenbahn sowie Bus müssen komfor- tabel nutzbar sein und zukünftige Nutzungszahlen bewältigen können. Zuverlässigen Betrieb sicherstellen Ein zuverlässiger Betrieb dient der Qualitätssicherung und kann u. a. erreicht werden durch ausreichende Infrastruktur, angepasstes Wagenmaterial, breit qualifiziertes Personal und rea- listische Fahrpläne. Über die Stadtgrenzen hinaus zusammenarbeiten und planen Verkehrsbeziehungen enden nicht an den Stadtgrenzen, sondern hängen eng mit regionalen Verflechtungen zusammen. Eine verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung von grenzüber- schreitenden ÖPNV-Angeboten ist notwendig. Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken Entsprechende Verknüpfungsangebote (z. B. Fahrradparkplätze an Haltestellen) steigern die Attraktivität des ÖPNV und des umweltfreundlichen Verkehrs deutlich. Fahrgäste aktiv informieren, Serviceangebote schaffen, Fahrkomfort bieten Information und Service und ein guter Fahrkomfort in Bus und Bahn tragen erheblich zu Nut- zung und Kundenzufriedenheit bei und müssen daher ausgebaut werden. Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten Neben einem flächendeckenden 10-Minuten-Takt tagsüber sollten im Abendverkehr und am Sonntagvormittag zukünftig alle Stadtteile mindestens im 20-Minuten-Takt bedient werden. Der Nachtbetrieb sollte ausgebaut und auch unter der Woche um mindestens zwei weitere Straßenbahnlinien erweitert werden. ÖPNV-Finanzierung sichern Ein guter Nahverkehr braucht eine sichere Finanzierung. Ein ganz oder teilweise kostenloser ÖPNV ist dagegen nicht zielführend und steht der Finanzierung eines besseren Angebotes ent- gegenstehen.
6 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 7 1. 1 1. 2 Fortschritt messen: Verdoppelung der Fahrgastzahlen Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete und höherer ÖPNV-Anteil am Modal Split rasch mit hochwertigem ÖPNV erschließen Für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis zum zahlen muss dieser Nachfragezuwachs jedoch deut- Neu bebaute bzw. bezogene Gebiete benötigen ei- Der Bau der Franklin-Straßenbahn begann erst im Jahr 2030 muss der ÖPNV in Mannheim bis dahin ei- lich ausgebaut werden. 2020 gab es aufgrund der nen hochwertigen ÖPNV-Anschluss, und zwar be- Jahr 2022 und damit lange nach dem Einzug der ers- nen Anteil von mindestens 20 % an den zurückgeleg- Corona-Pandemie kurzfristig einen deutlichen Rück- reits zum Zeitpunkt der ersten Nutzungen. In Mann- ten Bewohnerinnen und Bewohner. Ende 2023 soll ten Wegen erreichen. Ob dieses Ziel erreicht wird, gang bei der ÖPNV-Nutzung. heim sind dies vor allem die ehemals militärisch die Straßenbahnanbindung im Franklin-Quartier zu- muss regelmäßig überprüft werden. genutzten sowie weitere in Umwidmung befindli- nächst bis zur Haltestelle Bensheimer Straße fertig- Daten für die Entwicklung des ÖPNVs in Mannheim chen Flächen. gestellt werden und im 20-Minuten-Takt Anschluss Die Entwicklung der Fahrgastzahlen wird jährlich im stehen durch die Erhebungen zur Verkehrsmittel- an die OEG-Linie 5 bieten. Frühestens ab 2027 ist mit Geschäftsbericht der RNV 9 dargestellt. Allerdings ist wahl (Modal Split) zur Verfügung, die alle fünf Jahre Straßenbahnen sind in der Regel für Fahrgäste einer durchgehenden Straßenbahnverbindung von bei den Fahrgastzahlen keine Abgrenzung für das durchgeführt wird. Der ÖPNV mit Bus und Stadtbahn deutlich attraktiver als Busse. Sie verfügen über Franklin in die Mannheimer Innenstadt zu rechnen. 12 Stadtgebiet von Mannheim möglich. hat dabei derzeit (Stand 2018) einen Anteil von mehr Kapazitäten und können auf eigener Trasse 15 % .10 Bereits im Jahr 2014 hatte sich die RNV, da- und mit entsprechender Vorrangschaltung Fahr- Bis dahin haben sich viel neue Bewohner/innen an Die Fahrgastzahlen im RNV-Gebiet steigen seit 2010 mals noch Tochterunternehmen unter anderem der gäste schneller befördern und sind nicht von Staus die Nutzung des eigenen Pkws gewöhnt. Die Busli- leicht, aber kontinuierlich an. Von 2010 bis 2019 stie- MVV Verkehr AG, als Ziel gesetzt, den Anteil des ÖPNV beeinträchtigt. Zudem fahren sie ruhiger als Busse, nie im Vorlaufbetrieb wird daran leider nur wenig gen sie um 9,4 %. Für eine Verdopplung der Fahrgast- bis zum Jahr 2020 auf über 20 % zu steigern.11 In den was von vielen Fahrgästen als angenehm empfun- ändern können. letzten Jahren ist der Wegeanteil mit öffentlichen den wird. Straßenbahnen fahren bereits heute Verkehrsmitteln allerdings nicht wie erwartet gestie- durchweg elektrisch, wodurch zumindest in den In- Fahrgastzahlen rnv 2006 – 2020 in Mio. Fahrgäste / Jahr 9 gen, sondern sogar leicht zurückgegangen. nenstädten keine Luftschadstoffemissionen ent- stehen. Ab einem gewissen zu erwartenden Fahr- Zur Zielerreichung ist es notwendig, entsprechende gastaufkommen sind Straßenbahnen daher das 173,4 173,4 170,4 169,8 169,8 169,6 169,5 164,1 162,1 161,7 161,1 160,5 Finanzmittel bereitzustellen und den Willen zur Ver- Mittel der Wahl, wenn es um einen guten ÖPNV-An- 159,6 158,5 änderung in Verwaltung, Politik und bei relevanten schluss geht, auch wenn die Investitionskosten in Akteuren zu stärken. Die Finanzmittel müssen vor al- die Infrastruktur zunächst höher sind. 112,0 lem für die Ausweitung des ÖPNV-Angebotes einge- setzt werden und nicht für die Verbilligung von Ti- Das Mobilitätsverhalten ist stark von Gewohnheiten ckets. geprägt, die sich bei einem Umzug in ein anderes Sullivan Gebiet aber neu entwickeln können. Ein gutes ÖPNV- Die folgenden Thesen benennen weitere wichtige Angebot zum Zeitpunkt des Einzugs, idealerwei- Maßnahmen zur Zielerreichung. se durch eine Straßenbahn mit attraktivem 10-Mi- nuten-Takt, kann daher in besonderem Maße eine 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 9 RNV Geschäftsbericht 2020 Steuerungswirkung entfalten. 10 TU Dresden 2019 11 RNV 2014 Franklin Mitte Entwicklung der Verkehrsmittel in Mannheim (Modal Split) 10 Quelle: SrV-Erhebungen Mannheim 2013-2018 31 % 30 % 28 % Franklinschule 12 % 15 % 17 % 14 % 16 % 15 % Anteil an allen Wegen Fußverkehr 43 % 39 % 40 % Radverkehr ÖPNV MIV 2008 2013 2018 Bensheimer Straße Abbildung 2: Übersichtsplan für die neue Stadtbahn Benjamin-Franklin-Village Quelle: Stadt Mannheim, V522/2020
8 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 9 1. 2 1. 3 Im neu errichten Glückstein-Quartier westlich des ses erfolgt damit zunächst nur durch eine Busan- Verknüpfungspunkte ausbauen Mannheimer Hauptbahnhofs wurde bisher nur eine bindung. Freihaltetrasse für die Straßenbahn errichtet. Die und auf steigende Nutzerzahlen auslegen ÖPNV-Anbindung des neuen technischen Rathau- Bei neuen Straßenbahntrassen sollten nur noch be- grünte Gleise zum Einsatz kommen wie Rasengleise mit hitzeverträglichen heimischen Pflanzen oder Se- Umsteigen ist bei vielen Fahrgästen nicht beliebt, Anschlusssicherheit: Umsteigen gewinnt an dumgleise .13 Diese heizen sich im Sommer weniger lässt sich aber nicht immer vermeiden. Damit ein Verlässlichkeit und das gesamte ÖPNV-System an auf als Asphalt und Schotter, und die Vegetation för- notwendiger Umstieg für Fahrgäste nicht abschre- Akzeptanz, wenn die vorgesehenen Anschlüsse dert die Verdunstung und Begrünung im städtischen ckend wirkt, müssen Haltestellen als Verknüpfungs- gesichert sind, Fahrgäste aber trotzdem nicht zu Raum. Bisher sind im Mannheimer Stadtgebiet von punkte zwischen S- Bahn bzw. Regionalbahn, Stra- lange warten müssen. den rund 66 Kilometer Gleisanlagen nur ca. 18 Kilo- ßenbahn und Bus komfortabel nutzbar sein und meter als Grüngleise angelegt. 14 Die Anlage von be- auch zukünftige, höhere Nutzungszahlen bewältigen Insbesondere abends und in der kalten Jahreszeit grünten Gleisen sollte auch bei der Sanierung beste- können. machen lange Wartezeiten den ÖPNV sehr unat- hender Straßenbahngleise geprüft werden. traktiv. Wünschenswert wäre deshalb, dass die Für die Umsetzung von begrünten Gleisen sollten Wichtig ist dabei, die Erreichbarkeit von Haltestellen Fahrer/rinnen von Bus und Bahn direkt miteinan- Ziele formuliert werden, bis wann welcher Anteil an zu verbessern, insbesondere durch: der kommunizieren und Anschlüsse so gesichert Grüngleisen in Mannheim erreicht werden soll. werden können. Derzeit ist diese Kommunikation Kurze, direkte, barrierefreie und möglichst nur mit dem Umweg über die Leitstelle möglich. Zusätzliche neue Haltestellen (ohne Wegfall beste- ebenerdige Wege (sowohl Zuwege wie auch Wege Abb. 3 | Freihaltetrasse für die zukünftige Straßenbahn im Glückstein-Quartier hender Haltestellen) können Straßenbahnen und innerhalb eines Verknüpfungspunkts) und funkti- 15 https://www.vrn.de/service/fahrgaeste/mobigarantie/index.html Busse näher an potenzielle Kunden heranbringen. onierende Aufzüge. Besonders sinnvoll wären sie an den bestehenden Straßenbahnlinien, zum Beispiel zwischen Waldhof Ampeln an Straßenüberquerungen zu Halte- und Luzenberg (Spiegelsiedlung) sowie zwischen stellen mit kurzen Wartezeiten, wenn möglich als den Haltestellen Bonifatiuskirche und Exerzierplatz „Schlafende Ampeln“ (Alles-Dunkel-Ampeln). (Eisenlohrplatz). Hinweistafeln und Wegweisung für nicht orts- Um in Zukunft mögliche Erweiterungen und Fahr- kundige Nutzer/innen. planverdichtungen im Straßenbahnnetz realisieren zu können, ist es zudem jetzt schon notwendig, Tras- Dynamische Fahrgastinformationen mit aktuel- sen freizuhalten und mögliche Erweiterungen ein- len Abfahrtszeiten und der Anzeige von Verspä- zuplanen. Dazu sollten zusätzliche Wendemöglich- tungen und Fahrplanänderungen aufgrund von keiten (Wendeschleifen, Gleiswechsel) an mehreren Baustellen. Stellen geschaffen werden. So könnten auf Teilstre- cken zusätzliche sogenannte „Verdichterlinien“ ein- Gute Beleuchtung der Haltestelle und Einseh- Abb. 6 | Haltstelle Käfertal Bahnhof mit Abb. 4 | Schottergleis an der Haltetelle Bonifatiuskirche gerichtet werden, die auf diesen Abschnitten mehr barkeit der Umgebung (keine „Angsträume“). Umstiegsmöglichkeit zwischen Straßenbahn und Bus Fahrten und damit einen besseren Takt (idealerwei- se mindestens 10-Minuten-Takt) anbieten. Barrierefreiheit, das heißt Zugänglichkeit auch für mobilitätseingeschränkte Menschen z. B. im Für eine bedarfsgerechte Anbindung von Neckarau Rollstuhl oder mit Kinderwagen sowie taktile und südlich von Neckarau Bahnhof sollte eine zusätzli- akustische Informationen für Menschen mit Seh- che Wendeschleife gebaut werden. bzw. Höreinschränkungen. Der DB-Bahnhof Waldhof wird im Zuge des Projekts Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim-Waldhof ver- Mobilitätsgarantie: Der VRN bietet eine soge- schoben und neu gebaut. An die neue Lage sollte nannte Mobilitätsgarantie. Bei Verspätungen von dann auch die die Straßenbahn- und Bushaltestel- mehr als 30 Minuten mit dem ÖPNV können sich le angepasst werden, um einen direkten Umstieg zu Fahrgäste ein Taxi nehmen und Fahrtkosten bis ermöglichen. zu 50 Euro nachträglich erstatten lassen. Dies gilt allerdings nur für Fahrgäste mit Zeitkarten (z. B. Monats- oder Jahreskarten) und nicht mit Einzel- Abb. 7 | Z-Querungen verlängern den Weg zur Haltestelle. Zudem können 12 Stadt Mannheim, V522/2020 sie für Radfahrende gefährlich sein. Auf die Durchfahrt konzentriert, achten Abb. 5 | Begrünte Gleise im Bereich der Haltestelle Universitätsklinikum 13 siehe auch: www.gruengleisnetzwerk.de/ fahrscheinen.15 sie oft kaum auf die Straßenbahn. 14 Persönliche Mitteilungen der RNV per E-Mail vom 03.06.2022
10 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 11 1. 4 1. 5 Zuverlässigen Betrieb sicherstellen Über die Stadtgrenzen hinaus Zusammenarbeiten und planen Ein zuverlässiger Betrieb ist für Fahrgäste beson- Gleiswechsel und Zwischenwendeschleifen, um Verkehrsbeziehungen enden nicht an den Stadtgren- ders wichtig, um ans Ziel zu kommen. Grundla- bei Fahrtausfällen (z.B. wegen Unfällen) zügig re- zen, sondern hängen eng mit regionalen Verflech- ge für einen reibungslosen Fahrbetrieb ist eine agieren zu können. tungen zusammen. Eine verstärkte Zusammenarbeit passende und ausreichend dimensionierte Infra- und Abstimmung von stadtgrenzüberschreitenden struktur. Dazu gehört: Geeignetes Wagenmaterial (Zweirichtungszü- ÖPNV-Angeboten ist notwendig. ge), um bei Streckensperrungen ggf. Schienener- Vorrangschaltungen für Straßenbahnen und satzverkehr möglichst vermeiden zu können. Bei der Planung des innerstädtischen und überört- Busse an Ampeln. lichen ÖPNV-Angebots müssen regionale Verflech- Realistische Fahrpläne mit genügend Fahrzeit- tungen bzgl. Arbeitsplätzen, Wohnorten und Schul- Vorsortiergleise an Kreuzungen mit Abzweigun- reserven und Zeitpuffer an Endhaltestellen, damit standorten berücksichtigt werden. Dies gilt auch für gen, um Staus bei Straßenbahnen zu vermeiden. sich Verspätungen nicht den ganzen Tag durch- Öffentlichen Verkehr, der über die Grenzen des Ver- Außerdem sollten auch die Freigabezeiten für den ziehen. kehrsverbundes (VRN) hinaus fährt wie beispiels- Individualverkehr zugunsten der Straßenbahnen weise BRN-Busse und S-Bahnen. angepasst werden. Fahrzeuge mit mehr Türen für schnelleren Fahr- gastwechsel und besseren Fahrgastfluss. Bei der Fahrplanentwicklung müssen sich die ver- Abb. 10 | Rheinfähre bei Altrip schiedenen Verkehrsunternehmen bzw. Aufgaben- Breitere Fahrzeuge mit breiteren Innengängen träger (z.B. BRN, DB-Regio und RNV) so abstimmen, und mehr Stellplätzen für Fahrgäste mit Kinder- dass zum Beispiel zeitnahe Anschlussverbindungen wagen, Rollstühlen, Rollatoren u.ä.. Dafür ist ein zwischen innerstädtischen und regionalen Verkehrs- höherer Gleismittenabstand notwendig. mitteln möglich sind. Dabei muss eine Anschluss- sicherung gewährleistet werden. Kurze Umsteige- Anschluss-Sicherung zwischen Bus, Straßen- zeiten nützen Fahrgästen nichts, wenn der Umstieg bahn und Eisenbahn: Verspätungen und Fahrtaus- nicht klappt. fälle müssen an die Fahrer/innen weitergegeben werden. Es muss sichergestellt sein, dass fahr- Die ÖPNV-Verbindung zwischen den Städten Mann- planmäßige Anschlüsse abgewartet werden. heim und Ludwigshafen ist von besonderer Bedeu- tung. Hier gilt es daher das Angebot weiter auszu- Breit qualifiziertes Personal, das bei Engpässen bauen. auch für andere Aufgaben eingesetzt werden kann. Der Ausbau von folgenden, zum Teil bereits seit vie- Abb. 8 | Straßenbahn an der Zwischenwendeschleife am Hauptfriedhof Auch bei Bauarbeiten sollte versucht werden, die- len Jahren gewünschten Straßenbahntrassen sollte Abb. 11 | Die S-Bahn bietet überregionale Verbindungen se so lange wie möglich „unter rollendem Rad“, weiterverfolgt werden. also im laufenden Betrieb, zumindest wenn dies die Bauzeit nicht deutlich verlängert. Der für Fahr- Folgende Trassen sollten vorsorglich gesichert wer- gäste und auch für den Gesamtfahrplan unat- den: traktive Schienenersatzverkehr mit Bussen kann so vermieden werden. Hierfür ist für die Zeit des Feudenheim - Ilvesheim - Ladenburg Baustellenbetriebs ggf. der Einbau von besonde- (- Schriesheim). rem Material wie zum Beispiel Kletterweichen not- wendig. Rheinau - Brühl (- Ketsch/Schwetzingen). Ein stabiler Betrieb ist auch bei Bauarbeiten not- wendig. Für Baumaßnahmen an der Straßenbahn- Sandhofen - Scharhof (- Lampertheim). infrastruktur bietet es sich an, einen bestimmten Anteil an Zweirichtungsfahrzeugen bereitzuhalten, Seckenheim/Neu-Edingen - Neckarhausen. die dann auf diesen Strecken eingesetzt werden können. Somit können bei Sperrungen längere Außerdem sollte die Verbindung nach Altrip verbes- Abb. 9 | Straßenbahnen im Stau im Bereich des Mannheimer Streckenabschnitte weiterhin mit der Straßen- sert werden. Hauptbahnhofes, vor dem viergleisigen Ausbau der Haltestelle Abb. 12 | S-Bahn auf der Rheinbrücke nach Ludwigshafen bahn befahren werden.
12 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 13 1. 6 1. 6 Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken Wege zwischen Haustür und Zielort werden in den chen von Straßenbahnen und Bussen behindern. wenigsten Fällen direkt von Bus, Straßenbahn, Re- Die Ampeln an Übergängen zwischen Bus und gionalbahn oder S-Bahn abgedeckt. Verknüpfungs- Bahn dürfen nur kurze Wartezeiten haben, um ein angebote mit anderen Verkehrsmitteln wie Fahr- rasches Umsteigen zu ermöglichen. Der Bau von rad, Carsharing etc. steigern daher die Attraktivität „Alles-Dunkel-Ampeln“ („Schlafende Ampeln“) an des ÖPNV deutlich. Durch entsprechende Angebo- Fußgängerüberwegen ist zu bevorzugen. te müssen reibungslose Übergänge und Anschlüsse geschaffen werden. Das Ziel ist dabei, die Nutzung Carsharing von privaten Pkw durch eine Vielzahl von attraktiven Alternativen zu verringern. Carsharing-Stationen sollten möglichst in unmit- telbarer Nähe von ÖPNV-Halten liegen. Sinnvolle Verknüpfungen zwischen ÖPNV und an- deren Verkehrsmitteln sind: Taxi Abb. 13 | Überdachte Fahrradabstellanlagen mit Anschließbügel bieten Sicherheit und Wetterschutz fürs Rad Fahrrad Taxistandorte sollten in der direkten Nähe von Abb. 16 | VRN-Nextbike-Station an der Bushaltestelle Ludolf-Krehl-Straße wichtigen ÖPNV-Halten liegen, mit Angeboten → Fahrradparkplätze: Bei ihnen muss ein guter auch zu Tagesrandzeiten. Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus gewähr- leistet sein, insbesondere durch die Möglichkeit, Park & Ride-Stationen den Rahmen anzuschließen. Sie sollten zudem in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle liegen. insbesondere an S-Bahn-Haltestellen, um den Umstieg von Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel → Die Fahrradmitnahme in Straßenbahnen, Bus- zu ermöglichen und die Innenstadt vom Autover- sen und S-Bahnen ist zu fördern. Bisher ist die kehr zu entlasten. Fahrradmitnahme nachrangig vor der Mitnahme von Kinderwägen, Rollstühlen, etc. geregelt. Des- E-Scooter sind nicht klimafreundlich halb sollten mehr Kapazitäten insbesondere in Straßenbahnen und S-Bahnen zur Verfügung ge- Laut Umweltbundesamt 17 leisten Elektro-Tretroller stellt werden, damit auch bei steigenden Fahr- derzeit keinen positiven Beitrag zur Verkehrswende gastzahlen eine Fahrradmitnahme weiter möglich in Städten. E-Scooter sind nur dann klimafreundlich, Abb. 14 | Wild geparkte Fahrräder am Mannheimer Hauptbahnhof. Hier fehlen ausreichend Fahrradstellplätze ist. Die RNV plant zukünftig mit der Rhein-Neckar- wenn sie Autofahrten ersetzen. Dies geschieht aber Abb. 17 | Fahrradmitnahme in der S-Bahn Tram neue Straßenbahnen mit mehr Kapazitäten nach Untersuchungen in Berlin und Dresden 18 nur einzusetzen.16 bei 5,5 % der Fahrten. Knapp 30 % der Befragten ga- ben an, sie hätten die Fahrt ohne einen E-Scooter → Fahrradverleihsysteme: Diese sind nur dann nicht unternommen. Fahrten, die auch ohne E-Scoo- eine sinnvolle Verknüpfung, wenn die Stationen ter zurückgelegt worden wären, wären sonst zu Fuß an allen S- und Regionalbahnhaltepunkten und (53 %), mit dem ÖPNV (27 %) oder dem (Leih-)Fahr- an wichtigen Straßenbahn- und Bushaltestellen rad (3 %) erfolgt. vorhanden sind. Weitere negative Aspekte der Verleihangebote von Eigene Füße E-Scootern sind das Befahren von Fußwegen und Fußgängerzonen und das falsche Abstellen nach der Attraktive Wegeverbindungen zu den Haltestel- Nutzung. len sind nötig, sowie gute Einsehbarkeit und Be- leuchtung der Haltestellen (soziale Kontrolle). Die 16 RNV 2020 Wege zu den Haltestellen dürfen nicht durch Am- 17 https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige- mobilitaet/e-scooter#aktuelles-fazit-des-uba pelschaltungen erschwert werden, die ein Errei- 18 https://www.udv.de/udv/themen/verkehrsverhalten-von-e-scooter- Abb. 15 | VRN Fahrradboxen am OEG-Bahnhof Seckenheim Abb. 18 | E-Scooter werden oft mitten auf dem Gehweg abgestellt fahrer-innen-80926
14 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 15 1. 7 1. 8 Fahrgäste aktiv informieren, Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten Serviceangebote schaffen, Fahrkomfort bieten Information und Service tragen erheblich zu Nut- Ein flächendeckender 10-Minuten-Takt trägt in trieb (Montag bis Donnerstag von 1 Uhr bis 5 Uhr) zung und Kundenzufriedenheit bei und müssen da- Mannheim bereits in vielen Stadtteilen zumindest sollte deshalb nach dem Beispiel anderer Städte er- her ausgebaut werden. Dies beinhaltet Fahrplanin- tagsüber (von 6 Uhr bis 20 Uhr) zu einem attraktiven weitert werden. Ein stündlicher Nachtbetrieb sollte formationen über verschiedene Medien in Echtzeit. ÖPNV-Angebot bei. dabei als erstes auf der Linie 5 (Seckenheim – Innen- Bei spontanen Fahrtausfällen (z. B. wegen eines Un- stadt – Käfertal) und auf der Linie 5A (Innenstadt – falls) werden derzeit von der RNV Taxis als Notbehelf Im Abendverkehr und an Sonntagen sollten zukünf- Wallstadt) eingeführt werden. Alle Nachtlinien soll- eingesetzt. Diese sinnvolle Maßnahme muss ausrei- tig alle Stadtteile mindestens im 20-Minuten-Takt ten sich am Hauptbahnhof treffen und dort Anschluss chend kommuniziert werden, beispielsweise über bedient werden. Beispielsweise wird Mannheim-Se- an den S-Bahn-Knoten erhalten. dynamische Fahrgastanzeigen und über eine Kenn- ckenheim über die OEG-Linie 5 abends ab 20 Uhr zeichnung des Taxis als RNV-Ersatzverkehr. und sonntags nur im Halbstunden-Takt angebun- Auch Versicherungen sind an einem Nachtliniennetz den. Auch der Stadtteil Wallstadt wird mit der Stra- interessiert, da dadurch Autofahrten unter Alkohol- An wichtigen ÖPNV-Haltepunkten sind Kundenzent- ßenbahnlinie Line 5A abends ab 22 Uhr und sams- einfluss bzw. bei großer Müdigkeit vermieden wer- ren (Mobilitätszentralen) mit nutzerfreundlichen tags ab 21 Uhr sowie sonntags nur halbstündlich den und so Unfälle reduziert werden können. In Öffnungszeiten notwendig. Diese sollten an beste- bedient, was wenig attraktiv ist. Das Projekt „Modell- Nordrhein-Westfalen wird beispielsweise das Nacht- Abb. 19 | Dynamische Fahrgastanzeige mit Hinweis auf geänderten Fahrtverlauf hende oder noch zu schaffende Informationszentra- stadt Mannheim“ hat gezeigt, dass Taktverdichtun- liniennetz auf 50 Buslinien durch eine regionale Ver- len der Bahn oder aus dem Bereich Tourismus an- gen das Fahrgastaufkommen deutlich steigern kön- sicherung unterstützt.20 gedockt werden. nen.19 19 Pressemitteilung der Stadt Mannheim vom 08.10.2019: Modellstadt Mannheim – Zwischenbilanz Fahrten mit Bus und Bahn sollten für Fahrgäste so Einen durchgehenden Nachtbetrieb gibt es in Mann- 20 www.provinzial-konzern.de/content/csr/projektuebersicht/nachtbus/ angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu ge- heim an Freitagen und Samstagen bisher auf der Li- fahrplaene/ hören: nie 1 (Rheinau – Innenstadt – Schönau) mit einer stündlichen Verbindung. Der werktägliche Nachtbe- Ein ausreichend großen Fahrzeugangebot zu Stoßzeiten mit guten Sitzplatzangebot Eine funktionierende Klimatisierung, vor allem in den heißen Sommermonaten Als unangenehm wird von vielen Fahrgästen auch die Beklebung von Straßenbahnfenstern mit Abb. 20 | Auch in Hauptverkehrszeiten wünschen sich Fahrgäste ausreichend Sitzplätze Werbung empfunden, so dass man nicht mehr aus dem Fenster schauen kann. Dies sollte unbedingt unterlassen werden. Abb. 21 | Werbung an Straßenbahnfenstern kommt bei Fahrgästen oft nicht gut an Abb. 22 | Für einen attraktiven ÖPNV ist auch abends eine gute Taktung erwünscht, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
16 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 17 1. 9 1. 9 ÖPNV-Finanzierung sichern und attraktive Tarife ausweiten Um ein attraktives ÖPNV-Angebot zu ermöglichen ringen Fahrgastzahlen deutlich niedriger. Die übri- Die Fahrgeldeinnahmen decken nur einen geringen Die Einführung eines Sozialtickets als Dauerkarte, und weiter auszubauen, muss die Finanzierung von gen Kosten werden unter anderem durch Zuschüsse Anteil der tatsächlichen Kosten der ÖPNV ab. Die zum Beispiel analog zu Heidelberg, sollte von der Betrieb (Personalkosten etc.) und Infrastruktur für Schülerverkehr, Schwerbehindertenabgeltung, Diskussion um einen kostenlosen oder sehr stark Stadt Mannheim geprüft werden. (Fahrzeuge, Schienennetz, etc.) gesichert sein. Zuschüsse von Kommunen etc. gedeckt.21 preisreduzierten ÖPNV (wie dem „9-Euro-Ticket“) ist deshalb nicht zielführend und steht der Finanzie- 21 RNV-Geschäftsbericht 2020 22 Ernst Young 2021 Derzeit liegt bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesell- Hinzu kommen die Kosten für Infrastrukturmaßnah- rung eines besseren Angebotes mit beispielsweise 23 RNV-Geschäftsbericht 2020 schaft (RNV), die den ÖPNV in Mannheim und in der men des ÖPNV wie den Gleisausbau und die An- einer höheren Taktung von Bus und Bahn entgegen. 24 https://www.heidelberg.de/hd/HD/Rathaus/Sozialticket.html Region Rhein-Neckar betreibt, die Kostendeckung schaffung von Fahrzeugen. Diese werden über ver- der Betriebsausgaben durch Nutzerfinanzierung, schiedene Investitionshilfen von Bund, Ländern und Wichtig wäre die Schaffung zusätzlicher attraktiver das heißt durch den Fahrscheinverkauf, bei 57 % Kommunen, unter anderem nach dem Gemeinde- Tarifangebote. Hierzu gehört zum Beispiel: (2019) bzw. 47 % (2020). Im Jahr 2020 waren die Ein- verkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), finanziell geför- nahmen aufgrund der Corona-Pandemie und der ge- dert.22 Ein verpflichtendes Kombiticket bei der Geneh- migung von Veranstaltungen in Mannheim, wie beispielsweise das Maimarkt-Ticket. Wenn die ÖPNV-Nutzung mit der Eintrittskarte „sowieso“ be- zahlt werden muss, ließe sich der Pkw-Verkehr bei Großveranstaltungen deutlich reduzieren. Die Ausweitung des Jobticket-Angebotes: Dieses Angebot sollte in Zusammenarbeit mit Unterneh- men einschließlich der Eigenbetriebe der Stadt Mannheim deutlich ausgeweitet werden. Schon jetzt basieren rund 80 % der Fahrgeldein- nahmen durch die RNV-Fahrgäste auf Monats- und Jahreskarten. Diese Abonnements sind kos- tengünstig und ermöglichen einen einfachen Zugang zum ÖPNV, ohne bei jeder Fahrt ein Ticket kaufen oder entwerten zu müssen. Am häufigsten werden dabei das MAXX-Ticket (Schülerverkehr), Abb. 24 | Das Jobticket braucht eigentich keine Werbung, das Jobticket, die Karte ab 60 und das Rhein-Ne- sondern vor allem Unternehmen, die mitmachen ckar-Ticket eingesetzt, die jeweils im gesamten Verkehrsverbund gültig sind.23 Die Soziale Teilhabe für Menschen mit geringem Einkommen kann durch entsprechende Tarifange- bote im ÖPNV erleichtert werden. Mannheim bie- tet kostenreduzierte Einzelfahrscheine für derzeit einen Euro pro Fahrt in begrenztem Umfang von derzeit 20 Tickets pro Monat an. In Heidelberg können dagegen preisreduzierte Dauerkarten für das Stadtgebiet (Eigenanteil 15 Euro / Monat) oder den Verkehrsverbund (Eigenanteil 30 Euro / Mo- nat) erworben werden.24 Abb. 23 | Welches Ticket ist das richtige? Das ist oft nicht so einfach herauszufinden. Abb. 25 | Umfangreiches Ticketangebot am Fahrscheinautomaten
DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 19 DRINGEND 2 Folgende Thesen werden auf den nachfolgenden Seiten ausführlich erläutert: BENÖTIGTE Kapazitätsengpässe am Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen und den Hauptbahnhof als Verknüpfungs- und Umsteigepunkt noch nutzerfreundlicher umgestalten. PROJEKTE → Die Verbreiterung der Bahnsteigtunnel → Eine Verlängerung und Durchbindung des westlichen Bahnsteigtunnels bis zum Lindenhof (mit Zugang zu den Fahrstühlen). → Bau einer neuen, zusätzlichen Unterführung für Radfahrende in Verlängerung der Radachse Tattersallstraße bis zum Lindenhof Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz zeitnah beseitigen → Bau eines vierten Straßenbahngleises zwischen Tattersall und Hauptbahnhof, damit die Straßenbahnen vor der Überquerung der Bismarckstraße nicht im Stau stehen. → Bau eines vierten Gleises am stark überlasteten Knoten an der Haltestelle „Universitätsklinikum“, um Kapazitäten für die zukünftige Linie 16 nach Franklin zu schaffen. → Vorsortiergleise sind an möglichst vielen Straßenkreuzungen einzubauen, damit mehrere Straßenbahnen die Kreuzungen gleichzeitig überqueren können. → Durch den Bau von Zwischenwendeschleifen die Einrichtung von sogenannten „Verdichterlinien“, die einen engeren Takt auf Teilabschnitten des Straßenbahnnetzes bieten, ermöglichen. Den Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen → Eine Straßenbahnanbindung für das Spinelli-Quartier bauen → Eine Straßenbahnanbindung für Taylor Barracks bauen und langfristig den Straßenbahnverkehr nach Wallstadt und Vogelstang neu ordnen → Eine Straßenbahnanbindung der westlichen Innenstadt durch Parkring – Hafenstraße – Untermühlaustraße bauen → Zusätzliche tangentiale ÖPNV-Verbindungen einrichten, um äußere Stadtteile schneller miteinander zu verbinden Die Verknüpfung von Bus und Straßenbahn mit der S-Bahn an den Bahnhöfen verbessern Dies betrifft insbesondere die Bahnhöfe Käfertal, Waldhof und Neckarau. Am Neckarauer Übergang sollte ein zusätzlicher S-Bahn-Halt geprüft werden. Den rheinübergreifenden ÖPNV ausbauen → Den ÖPNV zwischen Mannheim und Ludwigshafen ausbauen → Die Anbindung Altrips an Mannheim verbessern Die Einrichtung einer innerstädtischen S-Bahn-Linie von Mannheim Waldhof bis Mannheim-Rheinau
20 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 21 2. 1 2. 2 Kapazitätsengpässe im Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen zeitnah beseitigen Am Mannheimer Hauptbahnhof steigen täglich Tau- An mehreren Stellen im Straßenbahnnetz kann das traße ße sende von Fahrgästen um. Auch nach dem Umbau Fahrzeug- bzw. Fahrgastaufkommen derzeit schon rstra Tattersalls Keple des Bahnhofsvorplatzes und der Einrichtung eines kaum bewältigt werden. Häufig kommt dort es zu Heinrich-von-Stephan-Straße Hauptbahnhof vierten Bahnsteigs für die Straßenbahn bestehen- Rückstaus, weil Straßenbahnen und Busse nicht in den weiterhin Kapazitätsengpässe am Mannheimer die Haltestellen einfahren können. Das wirkt sich Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof als Verknüpfungs- negativ auf den Betrieb, die Fahrplanstabilität und A B C und Umsteigepunkt muss noch nutzerfreundlicher die Anschlusssicherheit aus. In Anbetracht der ange- umgestaltet werden. strebten Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 müssen die überlasteten Knoten zeitnah ausgebaut Die Bahnsteigtunnel zu den Gleisen im Hauptbahn- werden. B 36 hof sind bereits heute überlastet. Sie werden dem Tunnelstraße zentralen Verknüpfungs- und Umsteigepunkt nicht Mit dem aktuellen Umbau des Hauptbahnhofs- Gontardstraße m ur -T mehr gerecht. Wenn die Fahrgastzahlen im Nah- und vorplatzes und dem Bau eines vierten Straßenbahn- ia or kt Vi Fernverkehr bis zum Jahr 2030 verdoppelt werden gleises und -bahnsteigs 25 wird der dreigleisige Gleis- Am Abb. 26 | Bestehende (in schwarz) und empfohlene (in rot) Carl-Metz-Straße Unterführungen Glücksteinallee Abb. 29 | Umbau der Straßenbahnhaltestelle Mannheim-Hauptbahnhof am Hauptbahnhof, Stadtplan und Geodaten: Stadt Mannheim sollen, müssen auch die Unterführungen im Haupt- abschnitt zwischen Tattersall und Hauptbahnhof zu mit Ausweitung auf vier Gleise, Quelle: Stadt Mannheim, V522/2020 bahnhof erweitert und angepasst werden. einer Engstelle mit zu geringer Kapazität. Deshalb muss auch vom Tattersall zum Hauptbahnhof drin- Dazu gehört: gend ein viertes Straßenbahngleis gebaut werden, auf dem die Straßenbahnen schon vor der Über- Eine Verbreiterung der beiden Bahnsteigtunnel querung der Bismarckstraße vorsortiert werden und [A] [B] im Hauptbahnhof, um einen besseren Zu- dann zwei Straßenbahnen gleichzeitig die Kreuzung gang zu den Bahnsteigen zu ermöglichen passieren können. Zudem sollten auch die Freigabe- zeiten für den Individualverkehr zugunsten der Stra- Eine Verlängerung und Durchbindung des west- ßenbahn angepasst werden. lichen Bahnsteigtunnels [A] bis zum Lindenhof, auch um beidseitig einen besseren Zugang zu den Der Knoten an der Haltestelle „Universitäts- Fahrstühlen zu ermöglichen, insbesondere für klinikum“ ist stark überlastet. Hier ist ein viertes mobilitätseingeschränkte Personen, Personen mit Gleis dringend erforderlich. Mit der Anbindung Kinderwägen, Rollstühlen, Fahrrädern, etc. der Konversionsgebiete an das Straßenbahnnetz kann die zukünftige Linie 16 (Franklin - Glückstein Abb. 27 | Die Unterführungen im Mannheimer Hauptbahnhof reichen für die geplanten Fahrgaststeigerungen nicht aus Bau einer neuen, zusätzlichen Unterführung [C] – Rheinau) hier nur schwer zusätzlich fahren. Abb. 30 | Bauarbeiten am Bahnhofsvorplatz des Mannheimer Hauptbahnhofes für Radfahrende in Verlängerung der Radachse Ähnliche Engpässe im Straßenbahnnetz gibt es an Tattersallstraße bis zum Lindenhof mit Zugang zu den Haltestellen „Nationaltheater“ und „Kurpfalz- den Bahnsteigen. brücke“. Vorsortiergleise sollten an möglichst vielen Straßenkreuzungen eingebaut werden. Sie sollten auf die Länge von 60m-Straßenbahnen ausgelegt werden und ermöglichen, dass mehrere Straßen- bahnen die Kreuzung gleichzeitig überqueren. Durch den Bau von Zwischenwendeschleifen sollte die Einrichtung von sogenannten „Verdich- terlinien“, die einen engeren Takt auf Teilabschnit- ten des Straßenbahnnetzes bieten, ermöglicht werden. Abb. 28 | S-Bahn am Mannheimer Hauptbahnhof. Abb. 31 | Hohe Frequenz von Straßenbahnen Zu den Gleisen kommt man nur durch die Unterführung an der Haltstelle Universitätsklinikum 25 Stadt Mannheim, V522/2020
22 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 23 2. 3 2. 4 Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen Verknüpfung von Bus und Straßenbahn mit der S-Bahn verbessern Zur Attraktivitätssteigerung und Beschleunigung des Eine Straßenbahnanbindung für Taylor Bar- Kurze Wege zwischen S-Bahn-, Straßenbahn- und überqueren. Mit dem weiteren S-Bahn-Ausbau wer- ÖPNV sollten vorrangig und kurzfristig insbesondere racks bauen und langfristig den Straßenbahnver- Bushaltestellen erleichtern den Fahrgästen den den zukünftig deutlich mehr S-Bahnen im Bahn- folgende Straßenbahntrassen fertiggestellt werden: kehr nach Wallstadt und Vogelstang neu ordnen.27 Umstieg zwischen den verschiedenen Verkehrsmit- hof Käfertal halten. Daher sollte der S-Bahnhof teln. Am S-Bahnhof Rheinau wurden bereits 2019 die unter die Haltestelle Boveristraße verlegt werden Eine Straßenbahnanbindung für das Spinel- Eine Straßenbahnanbindung der westlichen In- Verbindungen zwischen den Bahnsteigen, der Stra- – ähnlich wie der frühere Bahnhaltepunkt Mann- li-Quartier bauen. Derzeit ist hier eine Straßen- nenstadt durch Parkring – Hafenstraße – Unter- ßenbahn-Endhaltestelle und den Bushaltestellen heim-Rangierbahnhof bereits vor einigen Jahren um bahnanbindung nicht vor dem Jahr 2030 geplant, 26 mühlaustraße bauen. verbessert. Gleichzeitig wurden die Bahnsteige bar- mehrere hundert Meter zum heutigen Haltepunkt obwohl Spinelli als sogenanntes „autoarmes rierefrei ausgebaut.29 Arena / Maimarkt versetzt wurde, um einen Straßen- Quartier“ mit einem reduzierten Stellplatzschlüs- Durch zusätzliche tangentiale ÖPNV-Verbin- bahnanschluss herzustellen.30 sel von 0,8 im Bebauungsplan geplant wurde. dungen (i. d. R. zunächst Buslinien) sollten äußere Die S-Bahnhöfe Waldhof und Neckarau müssen noch Stadtteile schneller miteinander verbunden wer- als sogenannter Kompaktbahnhof umgebaut und die Schließlich sollte am Neckarauer Übergang, an dem Lampertheim den, ohne dass eine Fahrt durch die Mannheimer S-Bahnsteige und die Straßenbahn- und Bushalte- unter anderem die Mannheimer Hochschule liegt, Innenstadt notwendig ist. stellen enger räumlich verbunden werden. Dadurch geprüft werden, ob hier ein zusätzlicher S-Bahn-Hal- können Umsteigezeiten verkürzt und die Haltestel- tepunkt mit direkter Anbindung an die Straßenbahn Beim Ausbau der Straßenbahngleise sollte darauf len insgesamt übersichtlicher gestaltet werden. eingerichtet werden kann. geachtet werden, dass der Gleismittenabstand zu- künftig auch breitere Fahrzeuge von bis zu 2, 65 m Der DB-Bahnhof Käfertal wurde bereits barrierefrei Scharhof Breite zulässt. umgebaut. Die Entfernung zur nächsten Straßen- 29 Gemeinsame Presseinformation von VRN, RNV, DB und Mannheimer Verkehr GmbH vom 12.07.2019: Mannheim: Feierliche Einweihung des bahnhaltestelle (Boveristraße) beträgt hier jedoch Kompaktbahnhofs Rheinau Schönau 26 Stadt Mannheim, V522/2020 immer noch rund 400 Meter. Umsteiger müssen die 30 MVV GmbH/Stadt Mannheim (Hrsg.): Mobilität für Mannheim und die Sandhofen 27 siehe MVG 2000 S. 54ff zu Neuordnung des Schienenverkehrs vielbefahrene Neustadter Straße entlanggehen und Metropolregion Rhein-Neckar, Mannheim 2015 28 Die ÖPNV-Welt von morgen, rnv-Blogbeitrag „Hiekomme, Hämkumme“ vom 12.05.2021 Gartenstadt Waldhof Franklin Käfertal Taylor Vogelstang Heddesheim Neckarstadt Wallstadt Spinelli Rheinbrücke Feudenheim Ausbau MA Innenstadt Ilvesheim Ludwigshafen Ladenburg Neuostheim Neuhermsheim Glückstein- Quartier Secken- heim Hochstätt Neckarau Edingen- Heidelberg Neckarhausen Rheinau Abbildung 32 | Geplanter Ausbau des Straßenbahnnetzes in Mannheim, Stand 12.05.2021. Bestandsstrecken (dunkelblau), bereits in der Planung, Genehmigung oder Bauausführung (hellblau), mögliche Neubaustrecken (orange), mehrere Varianten einer Verbindung denkbar (gepunktete Linien).28 Abb. 33 | Kompaktbahnhof Rheinau mit Haltestelle von S-Bahn, Straßenbahn und Bus
24 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 25 2. 5 2. 6 ÖPNV rheinübergreifend ausbauen Innerstädtische S-Bahn ÖPNV zwischen Mannheim und Ludwigshafen allen Haltestellen in Mannheim und Ludwigshafen Wer in Mannheim einmal von Nord nach Süd will, ausbauen (Rheingönheim, Mundenheim, Arena / Maimarkt braucht dafür viel Zeit. Der Mannheimer Straßen- und Seckenheim-Hochstätt). bahnverkehr sollte deshalb durch eine innerstädti- Blumenau Die geplante jahrelange Teilsperrung der Hochstra- sche S-Bahn als schnelle Nord-Süd-Verbindung zwi- ße Nord in Ludwigshafen wird den Pkw-Verkehr zu- Eine Ausweitung des Straßenbahn-Angebots schen Mannheim Waldhof und Mannheim Rheinau sätzlich stark beeinträchtigen und dadurch zahlrei- zwischen der Pfalz, Ludwigshafen und Mannheim. ergänzt werden. che Pendler zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen. Die Akteure des ÖPNV sollten dies proaktiv nutzen Der Bau der Verbindungskurve von der Lud- Diese S-Bahn sollte auf der Strecke Rheinau – Ne- Schönau und das rheinüberschreitende Angebot frühzeitig wigshafener Bleichstraße zur Konrad-Adenauer- ckarau – Hauptbahnhof – Neckarstadt – Luzenberg – und dauerhaft ausbauen. Hierzu gehören insbeson- Brücke (sogenannte „Faktor-Kurve“ am Berliner Waldhof errichtet werden, ggf. zukünftig mit einer dere folgende Maßnahmen: Platz in Ludwigshafen am Faktorhaus). Weiterführung nach Schönau und Blumenau. Eine Ausweitung des Angebots der S-Bahn zwi- Die neuen Angebote müssen bereits vor Beginn Wichtig ist, dass diese zusätzliche S-Bahn-Linie eine schen der Pfalz und Mannheim / Heidelberg, mit der Bauarbeiten gezielt unter Pendlern beworben durchgehende Verbindung ohne längeren Halt am Waldhof längeren Zügen, dichterem Takt und mit Halt an und vermarktet werden, z. B. auch mit einem spe- Mannheimer Hauptbahnhof bietet. ziellen „Baustellen-Ticket“ als Schnupperticket. Die angedachte Seilbahn über den Rhein ist nicht Zusätzliche Haltestellen bzw. teilweise die Wieder- zielführend. Sie würde für Fahrgäste einen zusätz- inbetriebnahme von früheren Haltepunkten in Rhei- Luzenberg lichen Umstieg bedeuten. nauhafen / Rheinau Nord, Altrip und Hochschule Mannheim (ehemals Fabrikstationsstraße) sollten Anbindung Altrips an Mannheim dabei angestrebt werden. Neckarstadt kurzfristig verbessern Im Zuge der geplanten Bahn-Neubaustrecke von Die Pendlerströme von Altrip nach Mannheim sind Frankfurt nach Mannheim sollten die zusätzlich an- ähnlich groß wie die von Altrip nach Ludwigshafen. gestrebten Haltepunkte in Blumenau und Schönau Hafen Dennoch ist die ÖPNV-Verbindung mit weniger als beachtet werden. An den möglichen Endpunkten 30 Fahrten pro Tag deutlich schlechter. Sie wird der- der neuen innerstädtischen S-Bahnlinie sind Wen- zeit nur durch einen Kleinbus der Linie 98 realisiert, demöglichkeiten vorzusehen. Hauptbahnhof der teilweise den Rhein auf der Fähre überquert, oft aber nur bis zum Fähranleger fährt. In den Abend- stunden ab 19 Uhr und an den Wochenenden findet Abb. 34 | Auffahrt Kurt-Schuhmacher-Brücke Hochschule kein Busverkehr statt. Um dem Pendleraufkommen gerecht zu werden und auch im Hinblick auf die Sperrung der Hochstraße Nord in Ludwigshafen, sollte das Angebot zwischen Neckarau Mannheim und Altrip kurzfristig ausgebaut werden. Zudem sollte ein größerer Bus eingesetzt werden, der über die Fähre fährt und nicht am Fähranleger Altrip endet. Außerdem sollte das Fahrtenangebot ganz- tags auf mindestens einen durchgehenden 30-Mi- nuten-Takt tagsüber ausgeweitet werden. Rheinauhafen Die Buslinie 98 endet bisher an der Haltestelle Rheinau Friedrichstraße in Neckarau. Sie sollte weitergeführt und durchgebunden werden mit Anschluss an die Abb. 35 | Fähre Altrip S-Bahn, beispielsweise durch Verknüpfung mit der Abb. 36 | Vorschlag des Umweltforums für eine innerstädtische S-Bahn Buslinie 62 über den S-Bahnhof Arena/Maimarkt.
Sie können auch lesen