FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage

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FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
FAHRPLAN
VERKEHRSWENDE
MANNHEIM
ÖPNV DER ZUKUNFT

Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr
in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende
2. aktualisierte Auflage
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
Herausgeber und inhaltlicher Verantwortlicher                  Allgemeiner Deutscher

Umweltforum Mannheimer Agenda 21 e.V.
                                                               Fahrrad-Club

Käfertaler Straße 162
68167 Mannheim
www.umweltforum-mannheim.de

Redaktion: Elke Dünnhoff, Axel Juedtz,
Andreas Schöber, Thorsten Schurse
August 2022

Karten: Bestandskarten mit Stadtplan als Grundlage,
darin alle S-Bahn-Halte und Tramlinien.
Karte mit Projekten in vergrößerter Darstellung
Titelfoto: Elke Dünnhoff
Fotos: Arnold Cullmann (S. 23, Innencover),
Семен Саливанчук/Adobe Stock (S. 27), Ernst Wrba/Alamy Stock
Photo (S. 24.1, 26), Sonstige: Elke Dünnhoff
Layout und Satz: Klaus Scherer Grafik Design, Mannheim
Druck: dieUmweltDruckerei GmbH, Hannover

Wir danken der Stadt Mannheim für die finanzielle Förderung.
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
Was will und kann dieses Positionspapier?                                  2
Vorwort zur 2. aktualisierten Auflage                                      3
                                                                                INHALT

1 Thesen für einen zukunftsfähigen ÖPNV in Mannheim und Umgebung           4

1. 1   Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel am Modal Split erhöhen      6
1. 2   Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete rasch erschließen         7
1. 3   Verknüpfungspunkte ausbauen und auf steigende Nutzerzahlen auslegen 9
1. 4   Zuverlässigen Betrieb sicherstellen                                 10
1. 5   Über die Stadtgrenzen hinaus zusammenarbeiten und planen            11
1. 6   Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken                     12
1. 7   Information, Serviceangebote, Fahrkomfort                           14
1. 8   Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten                             15
1. 9   ÖPNV-Finanzierung sichern und attraktive Tarife ausweiten           16

2 Dringend benötigte Projekte                                             18

2. 1   Kapazitätsengpässe im Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen           20
2. 2   Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz zeitnah beseitigen           21
2. 3   Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen                         22
2. 4   Verknüpfung von Bus und Straßenbahn mit der S-Bahn                 23
2. 5   ÖPNV rheinübergreifend ausbauen                                    24
2. 6   Neue, innerstädtische S-Bahn                                       25

3 Hintergrundinformationen                                                26

3. 1   Situation in Mannheim                                              27
3. 2   Umwelt- und Klimaschutzziele und die Rolle des ÖPNV                28
3. 3   Funktionsweise des Nahverkehrs
		     in der Rhein-Neckar-Region und in Baden-Württemberg                 29
3. 4   Verzeichnis von Abkürzungen und Fachbegriffen                       31
3. 5   Literaturverzeichnis und Quellenangaben                             32
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
2 VORWORT                                                                                                                                                                                                                                      VORWORT 3

          Was will und kann dieses Positionspapier?                                                                                                Vorwort zur 2., aktualisierten Auflage (inkl. Rückblick)
VORWORT                                                                                                                                                                                                                                                                                VORWORT

          Dieses Positionspapier ist ein Beitrag der im Um-               und gibt Empfehlungen für eine Verbesserung des                          Bereits in der ersten Auflage dieser Broschüre hat     Im VRN-Gebiet wurde ein „Luftlinientarif“ ein-
          weltforum Mannheimer Agenda 21 e.V. zusammenge-                 Öffentlichen Nahverkehrs in Mannheim.                                    das Umweltforum im Jahr 2015 zehn Thesen und          geführt, mit dem viele Strecken preisgünstiger per
          schlossenen Verbände zur Verkehrswende in Mann-                                                                                          fünf dringende Projekte für die folgenden fünf        App abrechnet werden können.
          heim. Es richtet sich an Vertreter/innen aus Politik,           Grundsätzliches Ziel ist es, dass Mannheimer/innen                       Jahre, das heißt bis zum Jahr 2020, formuliert.
          Stadtverwaltung und alle, die beruflich mit dem öf-             sowie Besucher/innen inkl. Berufspendler/innen in                                                                              Andere Beispiele zeigen noch viel Optimierungs-
          fentlichen Verkehr in und um Mannheim befasst                   Mannheim und dem Umland einfach, schnell, kos-                           Was hat sich seitdem getan?                           potenzial:
          sind sowie an interessierte Mannheimer Bürgerin-                tengünstig und umweltfreundlich mobil sein kön-                          Als positive Beispiele sind zu nennen:
          nen und Bürger.                                                 nen. Dazu gilt es, den ÖPNV 2 weiter zu stärken und                                                                             Die Straßenbahnhaltestelle am Mannheimer
                                                                          seine Attraktivität weiter zu erhöhen. Das Land Ba-                       Im Jahr 2016 wurde die Stadtbahn Nord (Stra-        Hauptbahnhof wird derzeit viergleisig ausgebaut
          Anlass für die vorliegende Neuauflage ist unter                 den-Württemberg hat als Ziel formuliert, die Fahr-                       ßenbahn Linie 4) nach Mannheim-Käfertal in Be-        und die Zahl der Bahnsteige von drei auf vier er-
          anderem:                                                        gastzahlen bis zum Jahr 2030 gegenüber 2010 zu ver-                      trieb genommen.                                       höht. Die Umbaumaßnahmen sind jedoch nicht so
                                                                          doppeln 3. Dazu müssen umfangreiche Maßnahmen                                                                                  gestaltet, dass sie die vom Bund 5 und dem Land
           Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans                       zum Angebotsausbau ergriffen werden. Eine reine                           Die Endhaltestelle in Mannheim-Rheinau wur-         Baden-Württemberg 6 geplanten Kapazitätssteige-
          (NVP) der Stadt Mannheim aus dem Jahr 2018 und                  Verbilligung des Nahverkehrs zur Erhöhung der                            de als Kompaktbahnhof umgebaut und ermöglicht         rungen mit einer Verdoppelung der Fahrgastzah-
          die notwendige Erstellung eines Nahverkehrsent-                 Nachfrage, wie mit dem „9-Euro-Ticket“ im Sommer                         nun den barrierefreien Umstieg zwischen S-Bahn,       len bis zum Jahr 2030 ermöglichen.
          wicklungsplans. Nahverkehrspläne müssen alle                    2022, ohne Ausbau von Kapazitäten und Verbindun-                         Straßenbahn und Bus sowie neuen Park & Ride-
          fünf Jahre fortgeschrieben werden. Die Fortschrei-              gen, schafft nur neue Probleme und trägt nicht nach-                     Plätzen. Außerdem erhielt der Bahnhof neue, dy-        Für das neue Stadtquartier Franklin wurde zu-
          bung steht demnach 2023 an.                                     haltig zu einer Attraktivitätssteigerung des ÖPNV bei.                   namische Fahrgastanzeigen.                            nächst nur ein Busvorlaufbetrieb eingerichtet. Erst
                                                                                                                                                                                                         ab 2023 soll der Straßenbahnbetrieb aufgenom-
           Die geplante Fertigstellung des „Masterplan                   Kern des Positionspapiers sind Thesen zur Weiter-                         Es erfolgt sukzessive der barrierefreie Umbau       men werden, allerdings zunächst nur im 20-Minu-
          Mobilität Mannheim 2035“ 1 als Fortschreibung des               entwicklung des ÖPNV sowie Vorschläge für sinnvol-                       von Haltestellen.                                     ten-Takt bis zur Haltestelle Bensheimer Straße
          Mannheimer Verkehrsentwicklungsplans (VEP) für                  le konkrete Projekte. Diese wurden vom Umweltfo-                                                                               zum Umstieg auf die OEG-Linie 5.
          alle Verkehre.                                                  rum vor allem aus Fahrgastsicht entwickelt. Weiterhin                     Es wurden S-Bahnlinien mit neuen Fahrzeugen
                                                                          enthält das Papier Hintergrundinformationen zum                          und häufigeren Fahrten eingerichtet, zum Beispiel      Das als „autoarm“ geplante neue Stadtquartier
           Die aktuelle Fortschreibung der Mannheimer                    ÖPNV in Mannheim sowie zur Bedeutung des öffent-                         die S 6 vom Hauptbahnhof Mannheim nach Laden-         Spinelli erhält ebenfalls zunächst nur eine Busan-
          Klimaschutzkonzeption 2020 zum Klimaschutzak-                   lichen Verkehrs für den Umwelt- und Klimaschutz.                         burg /Bensheim sowie die S 9 von Biblis/ Mann-        bindung. Wann auf der Freihaltetrasse eine Stra-
          tionsplan 2030                                                                                                                           heim Waldhof über Mannheim Hauptbahnhof in            ßenbahn fahren wird, ist derzeit noch offen.
                                                                          Zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre                           Richtung Karlsruhe.
          Das Positionspapier des Umweltforums Mannheim                   und Jahrzehnte, die auch das Verkehrssystem betref-                                                                             Die erwartete Steigerung des Wegeanteils (Mo-
          weist Politik, Verwaltung, RNV und VRN auf beste-               fen, sind der Klimaschutz und die Verringerung der                        Mit dem Projekt „Modellstadt Mannheim“ sollte       dal-Split) mit dem ÖPNV bei der Verkehrsmittel-
          hende Problemfelder wie auch Positivbeispiele hin               Luftschadstoff- und Lärmemissionen, aber auch der                        der ÖPNV in den Jahren 2019 bis 2021 durch ver-       wahl von bisher 15 % auf 20 % blieb bisher aus.
                                                                          demographische Wandel und die Sicherung des                              schiedene Maßnahmen attraktiver gemacht wer-
                                                                          Wohlstands und der Wirtschaftskraft. Der ÖPNV lie-                       den: Dazu gehörte ein vergünstigtes „Green-City-       Die ÖPNV-Planung bei der Stadt Mannheim ist
                                                                          fert als Teil des so genannten Umweltverbundes ge-                       Ticket“ und Zuschüsse für Arbeitgeber zur             zersplittert: Zuständig ist das Dezernat I (ohne
                                                                          meinsam mit dem Radverkehr, dem Fußverkehr und                           Einführung des Jobtickets. Außerdem wurden            Nahverkehrsplanung)7 mit seiner Tochtergesell-
                                                                          weiteren effizienten Mobilitätsangeboten, wie zum                        Taktverdichtungen auf den tangentialen Buslinien      schaft Mannheimer Kommunale Beteiligungen
                                                                          Beispiel Carsharing, einen wichtigen Beitrag zur Be-                     45/50 und den Innenstadtlinien 60/65 getestet,        (MKB) und das Dezernat V (Nahverkehrsplanung)8,
                                                                          wältigung dieser Herausforderungen. 		                                   ebenso wie die Neuanbindung des Glückstein-           letzteres jedoch ohne personelle Ressourcen. Hier
                                                                                                                                                   quartiers. Trotz positiver Bilanz wurde das Projekt   fehlen klare Zuständigkeiten und ein regelmäßi-
                                                                          1 		 https://www.mannheim-gemeinsam-gestalten.de/masterplan              nach dem Auslaufen der Projektmittel eingestellt.     ger Bericht über die Entwicklung des ÖPNV in
                                                                          2 		 „ÖPNV“: Öffentlicher Personennahverkehr, also vor allem Bus und
                                                                               Straßenbahn, je nach Zusammenhang auch der regionale Schienenver-
                                                                                                                                                   Die Taktverdichtung der Buslinien konnte auf-         Mannheim.
                                                                               kehr (S-Bahn, Regionalbahn).                                        grund des Nachfragezuwachses jedoch beibehal-
                                                                          3 		 Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg 2021                                                                            4 		https://www.mannheim.de/de/nachrichten/buergerbefragung-zur-modellstadt
                                                                                                                                                   ten werden.4                                          5 		Mit dem geplanten Deutschlandtakt soll eine Verdopplung der
                                                                                                                                                                                                             Fahrgastzahlen im Bahnverkehr erreicht werden.
                                                                                                                                                                                                         6 		Ziel der ÖPV-Strategie Baden-Württemberg ist eine Verdoppelung
                                                                                                                                                    Im Januar 2022 wurde in Mannheim ein preis-         		der Fahrgastzahlen bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010.
                                                                                                                                                   wertes Kurzstreckenticket eingeführt. Für 1,80 Euro   7		https://www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/verwaltung/dezernate/
                                                                                                                                                                                                             dezernat-i
                                                                                                                                                   können mit Straßenbahn und Bus bis zu vier Sta-       8		https://www.mannheim.de/de/stadt-gestalten/verwaltung/dezernate/
             Abb. 1 | Weichen stellen für die Verkehrswende in Mannheim
                                                                                                                                                   tionen im Stadtgebiet gefahren werden.                    dezernat-v
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THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 5

THESEN FÜR EINEN   Folgende Thesen werden auf den nachfolgenden Seiten ausführlich erläutert:

                                                                                                                       1
ZUKUNFTSFÄHIGEN
                      Fortschritt messen: Fahrgastzahlen verdoppeln, ÖPNV-Anteil am Modal Split erhöhen

                       Für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 muss der ÖPNV in Mannheim bis 2030 ei-

ÖPNV IN MANNHEIM
                       nen Anteil von mindestens 20% an den zurückgelegten Wegen erreichen. Der Fortschritt hin
                       zur Zielerreichung muss dabei regelmäßig überprüft werden.

UND UMGEBUNG
                      Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete rasch mit hochwertigem ÖPNV erschließen

                       Neu bebaute Gebiete in Mannheim benötigen einen hochwertigen ÖPNV-Anschluss bereits zu
                       dem Zeitpunkt, wenn die ersten Bewohner/innen bzw. Nutzer/innen einziehen. Um in der Zu-
                       kunft mögliche Erweiterungen und Fahrplanverdichtungen im Straßenbahnnetz realisieren zu
                       können, ist es zudem jetzt schon notwendig, Trassen freizuhalten und diese Erweiterungen
                       einzuplanen.

                      Verknüpfungspunkte ausbauen und auf steigende Nutzerzahlen auslegen

                       Verknüpfungen zwischen S- bzw. Regionalbahn und Straßenbahn sowie Bus müssen komfor-
                       tabel nutzbar sein und zukünftige Nutzungszahlen bewältigen können.

                      Zuverlässigen Betrieb sicherstellen

                       Ein zuverlässiger Betrieb dient der Qualitätssicherung und kann u. a. erreicht werden durch
                       ausreichende Infrastruktur, angepasstes Wagenmaterial, breit qualifiziertes Personal und rea-
                       listische Fahrpläne.

                      Über die Stadtgrenzen hinaus zusammenarbeiten und planen

                       Verkehrsbeziehungen enden nicht an den Stadtgrenzen, sondern hängen eng mit regionalen
                       Verflechtungen zusammen. Eine verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung von grenzüber-
                       schreitenden ÖPNV-Angeboten ist notwendig.

                      Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken

                       Entsprechende Verknüpfungsangebote (z. B. Fahrradparkplätze an Haltestellen) steigern die
                       Attraktivität des ÖPNV und des umweltfreundlichen Verkehrs deutlich.

                      Fahrgäste aktiv informieren, Serviceangebote schaffen, Fahrkomfort bieten

                       Information und Service und ein guter Fahrkomfort in Bus und Bahn tragen erheblich zu Nut-
                       zung und Kundenzufriedenheit bei und müssen daher ausgebaut werden.

                      Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten

                       Neben einem flächendeckenden 10-Minuten-Takt tagsüber sollten im Abendverkehr und am
                       Sonntagvormittag zukünftig alle Stadtteile mindestens im 20-Minuten-Takt bedient werden.
                       Der Nachtbetrieb sollte ausgebaut und auch unter der Woche um mindestens zwei weitere
                       Straßenbahnlinien erweitert werden.

                      ÖPNV-Finanzierung sichern

                       Ein guter Nahverkehr braucht eine sichere Finanzierung. Ein ganz oder teilweise kostenloser
                       ÖPNV ist dagegen nicht zielführend und steht der Finanzierung eines besseren Angebotes ent-
                       gegenstehen.
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6 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                                                                       THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 7

1. 1                                                                                                                                                                                                                                                                                                           1. 2
                         Fortschritt messen: Verdoppelung der Fahrgastzahlen                                                                                                    Neue und bestehende Wohn- und Mischgebiete
                         und höherer ÖPNV-Anteil am Modal Split                                                                                                                 rasch mit hochwertigem ÖPNV erschließen

                         Für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis zum                                               zahlen muss dieser Nachfragezuwachs jedoch deut-        Neu bebaute bzw. bezogene Gebiete benötigen ei-                        Der Bau der Franklin-Straßenbahn begann erst im
                         Jahr 2030 muss der ÖPNV in Mannheim bis dahin ei-                                              lich ausgebaut werden. 2020 gab es aufgrund der         nen hochwertigen ÖPNV-Anschluss, und zwar be-                          Jahr 2022 und damit lange nach dem Einzug der ers-
                         nen Anteil von mindestens 20 % an den zurückgeleg-                                             Corona-Pandemie kurzfristig einen deutlichen Rück-      reits zum Zeitpunkt der ersten Nutzungen. In Mann-                     ten Bewohnerinnen und Bewohner. Ende 2023 soll
                         ten Wegen erreichen. Ob dieses Ziel erreicht wird,                                             gang bei der ÖPNV-Nutzung.                              heim sind dies vor allem die ehemals militärisch                       die Straßenbahnanbindung im Franklin-Quartier zu-
                         muss regelmäßig überprüft werden.                                                                                                                      genutzten sowie weitere in Umwidmung befindli-                         nächst bis zur Haltestelle Bensheimer Straße fertig-
                                                                                                                        Daten für die Entwicklung des ÖPNVs in Mannheim         chen Flächen.                                                          gestellt werden und im 20-Minuten-Takt Anschluss
                         Die Entwicklung der Fahrgastzahlen wird jährlich im                                            stehen durch die Erhebungen zur Verkehrsmittel-                                                                                an die OEG-Linie 5 bieten. Frühestens ab 2027 ist mit
                         Geschäftsbericht der RNV 9 dargestellt. Allerdings ist                                         wahl (Modal Split) zur Verfügung, die alle fünf Jahre   Straßenbahnen sind in der Regel für Fahrgäste                          einer durchgehenden Straßenbahnverbindung von
                         bei den Fahrgastzahlen keine Abgrenzung für das                                                durchgeführt wird. Der ÖPNV mit Bus und Stadtbahn       deutlich attraktiver als Busse. Sie verfügen über                      Franklin in die Mannheimer Innenstadt zu rechnen. 12
                         Stadtgebiet von Mannheim möglich.                                                              hat dabei derzeit (Stand 2018) einen Anteil von         mehr Kapazitäten und können auf eigener Trasse
                                                                                                                        15 % .10 Bereits im Jahr 2014 hatte sich die RNV, da-   und mit entsprechender Vorrangschaltung Fahr-                          Bis dahin haben sich viel neue Bewohner/innen an
                         Die Fahrgastzahlen im RNV-Gebiet steigen seit 2010                                             mals noch Tochterunternehmen unter anderem der          gäste schneller befördern und sind nicht von Staus                     die Nutzung des eigenen Pkws gewöhnt. Die Busli-
                         leicht, aber kontinuierlich an. Von 2010 bis 2019 stie-                                        MVV Verkehr AG, als Ziel gesetzt, den Anteil des ÖPNV   beeinträchtigt. Zudem fahren sie ruhiger als Busse,                    nie im Vorlaufbetrieb wird daran leider nur wenig
                         gen sie um 9,4 %. Für eine Verdopplung der Fahrgast-                                           bis zum Jahr 2020 auf über 20 % zu steigern.11 In den   was von vielen Fahrgästen als angenehm empfun-                         ändern können.
                                                                                                                        letzten Jahren ist der Wegeanteil mit öffentlichen      den wird. Straßenbahnen fahren bereits heute
                                                                                                                        Verkehrsmitteln allerdings nicht wie erwartet gestie-   durchweg elektrisch, wodurch zumindest in den In-
Fahrgastzahlen rnv 2006 – 2020 in Mio. Fahrgäste / Jahr 9                                                               gen, sondern sogar leicht zurückgegangen.               nenstädten keine Luftschadstoffemissionen ent-
                                                                                                                                                                                stehen. Ab einem gewissen zu erwartenden Fahr-
                                                                                                                        Zur Zielerreichung ist es notwendig, entsprechende      gastaufkommen sind Straßenbahnen daher das
                                                                                173,4

                                                                                                        173,4
                                                                                        170,4
                                                                169,8
                                                                        169,8
                                                        169,6

                                                                                                169,5
                                                164,1
                162,1
161,7

                                        161,1
        160,5

                                                                                                                        Finanzmittel bereitzustellen und den Willen zur Ver-    Mittel der Wahl, wenn es um einen guten ÖPNV-An-
                        159,6
                                158,5

                                                                                                                        änderung in Verwaltung, Politik und bei relevanten      schluss geht, auch wenn die Investitionskosten in
                                                                                                                        Akteuren zu stärken. Die Finanzmittel müssen vor al-    die Infrastruktur zunächst höher sind.
                                                                                                                112,0

                                                                                                                        lem für die Ausweitung des ÖPNV-Angebotes einge-
                                                                                                                        setzt werden und nicht für die Verbilligung von Ti-     Das Mobilitätsverhalten ist stark von Gewohnheiten
                                                                                                                        ckets.                                                  geprägt, die sich bei einem Umzug in ein anderes
                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Sullivan
                                                                                                                                                                                Gebiet aber neu entwickeln können. Ein gutes ÖPNV-
                                                                                                                        Die folgenden Thesen benennen weitere wichtige          Angebot zum Zeitpunkt des Einzugs, idealerwei-
                                                                                                                        Maßnahmen zur Zielerreichung.                           se durch eine Straßenbahn mit attraktivem 10-Mi-
                                                                                                                                                                                nuten-Takt, kann daher in besonderem Maße eine
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
                                                                                                                        9 		RNV Geschäftsbericht 2020                           Steuerungswirkung entfalten.
                                                                                                                        10		TU Dresden 2019
                                                                                                                        11 		RNV 2014                                                                                                                                            Franklin Mitte

Entwicklung der Verkehrsmittel in Mannheim (Modal Split) 10

                                                                            Quelle: SrV-Erhebungen
                                                                            Mannheim 2013-2018
    31 %                   30 %                    28 %                                                                                                                                                                                                        Franklinschule

    12 %                    15 %                    17 %
    14 %                    16 %                    15 %                   Anteil an allen Wegen
                                                                            Fußverkehr
    43 %                    39 %                   40 %                     Radverkehr
                                                                            ÖPNV
                                                                            MIV
    2008                    2013                    2018                                                                                                                                                                                                                  Bensheimer Straße
                                                                                                                                                                                Abbildung 2: Übersichtsplan für die neue Stadtbahn Benjamin-Franklin-Village
                                                                                                                                                                                                                          Quelle: Stadt Mannheim, V522/2020
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
8 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                                         THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 9

1. 2                                                                                                                                                                                                                                                                                   1. 3
             Im neu errichten Glückstein-Quartier westlich des                      ses erfolgt damit zunächst nur durch eine Busan-                Verknüpfungspunkte ausbauen
             Mannheimer Hauptbahnhofs wurde bisher nur eine                         bindung.
             Freihaltetrasse für die Straßenbahn errichtet. Die                                                                                     und auf steigende Nutzerzahlen auslegen
             ÖPNV-Anbindung des neuen technischen Rathau-                           Bei neuen Straßenbahntrassen sollten nur noch be-
                                                                                    grünte Gleise zum Einsatz kommen wie Rasengleise
                                                                                    mit hitzeverträglichen heimischen Pflanzen oder Se-             Umsteigen ist bei vielen Fahrgästen nicht beliebt,        Anschlusssicherheit: Umsteigen gewinnt an
                                                                                    dumgleise .13 Diese heizen sich im Sommer weniger               lässt sich aber nicht immer vermeiden. Damit ein         Verlässlichkeit und das gesamte ÖPNV-System an
                                                                                    auf als Asphalt und Schotter, und die Vegetation för-           notwendiger Umstieg für Fahrgäste nicht abschre-         Akzeptanz, wenn die vorgesehenen Anschlüsse
                                                                                    dert die Verdunstung und Begrünung im städtischen               ckend wirkt, müssen Haltestellen als Verknüpfungs-       gesichert sind, Fahrgäste aber trotzdem nicht zu
                                                                                    Raum. Bisher sind im Mannheimer Stadtgebiet von                 punkte zwischen S- Bahn bzw. Regionalbahn, Stra-         lange warten müssen.
                                                                                    den rund 66 Kilometer Gleisanlagen nur ca. 18 Kilo-             ßenbahn und Bus komfortabel nutzbar sein und
                                                                                    meter als Grüngleise angelegt. 14 Die Anlage von be-            auch zukünftige, höhere Nutzungszahlen bewältigen        Insbesondere abends und in der kalten Jahreszeit
                                                                                    grünten Gleisen sollte auch bei der Sanierung beste-            können.                                                  machen lange Wartezeiten den ÖPNV sehr unat-
                                                                                    hender Straßenbahngleise geprüft werden.                                                                                 traktiv. Wünschenswert wäre deshalb, dass die
                                                                                    Für die Umsetzung von begrünten Gleisen sollten                 Wichtig ist dabei, die Erreichbarkeit von Haltestellen   Fahrer/rinnen von Bus und Bahn direkt miteinan-
                                                                                    Ziele formuliert werden, bis wann welcher Anteil an             zu verbessern, insbesondere durch:                       der kommunizieren und Anschlüsse so gesichert
                                                                                    Grüngleisen in Mannheim erreicht werden soll.                                                                            werden können. Derzeit ist diese Kommunikation
                                                                                                                                                     Kurze, direkte, barrierefreie und möglichst            nur mit dem Umweg über die Leitstelle möglich.
                                                                                    Zusätzliche neue Haltestellen (ohne Wegfall beste-              ebenerdige Wege (sowohl Zuwege wie auch Wege
  Abb. 3 | Freihaltetrasse für die zukünftige Straßenbahn im Glückstein-Quartier    hender Haltestellen) können Straßenbahnen und                   innerhalb eines Verknüpfungspunkts) und funkti-          15		 https://www.vrn.de/service/fahrgaeste/mobigarantie/index.html

                                                                                    Busse näher an potenzielle Kunden heranbringen.                 onierende Aufzüge.
                                                                                    Besonders sinnvoll wären sie an den bestehenden
                                                                                    Straßenbahnlinien, zum Beispiel zwischen Waldhof                 Ampeln an Straßenüberquerungen zu Halte-
                                                                                    und Luzenberg (Spiegelsiedlung) sowie zwischen                  stellen mit kurzen Wartezeiten, wenn möglich als
                                                                                    den Haltestellen Bonifatiuskirche und Exerzierplatz             „Schlafende Ampeln“ (Alles-Dunkel-Ampeln).
                                                                                    (Eisenlohrplatz).
                                                                                                                                                     Hinweistafeln und Wegweisung für nicht orts-
                                                                                    Um in Zukunft mögliche Erweiterungen und Fahr-                  kundige Nutzer/innen.
                                                                                    planverdichtungen im Straßenbahnnetz realisieren
                                                                                    zu können, ist es zudem jetzt schon notwendig, Tras-             Dynamische Fahrgastinformationen mit aktuel-
                                                                                    sen freizuhalten und mögliche Erweiterungen ein-                len Abfahrtszeiten und der Anzeige von Verspä-
                                                                                    zuplanen. Dazu sollten zusätzliche Wendemöglich-                tungen und Fahrplanänderungen aufgrund von
                                                                                    keiten (Wendeschleifen, Gleiswechsel) an mehreren               Baustellen.
                                                                                    Stellen geschaffen werden. So könnten auf Teilstre-
                                                                                    cken zusätzliche sogenannte „Verdichterlinien“ ein-              Gute Beleuchtung der Haltestelle und Einseh-
                                                                                                                                                                                                             Abb. 6 | Haltstelle Käfertal Bahnhof mit
                        Abb. 4 | Schottergleis an der Haltetelle Bonifatiuskirche   gerichtet werden, die auf diesen Abschnitten mehr               barkeit der Umgebung (keine „Angsträume“).               Umstiegsmöglichkeit zwischen Straßenbahn und Bus
                                                                                    Fahrten und damit einen besseren Takt (idealerwei-
                                                                                    se mindestens 10-Minuten-Takt) anbieten.                         Barrierefreiheit, das heißt Zugänglichkeit auch
                                                                                                                                                    für mobilitätseingeschränkte Menschen z. B. im
                                                                                    Für eine bedarfsgerechte Anbindung von Neckarau                 Rollstuhl oder mit Kinderwagen sowie taktile und
                                                                                    südlich von Neckarau Bahnhof sollte eine zusätzli-              akustische Informationen für Menschen mit Seh-
                                                                                    che Wendeschleife gebaut werden.                                bzw. Höreinschränkungen.

                                                                                    Der DB-Bahnhof Waldhof wird im Zuge des Projekts
                                                                                    Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim-Waldhof ver-                 Mobilitätsgarantie: Der VRN bietet eine soge-
                                                                                    schoben und neu gebaut. An die neue Lage sollte                 nannte Mobilitätsgarantie. Bei Verspätungen von
                                                                                    dann auch die die Straßenbahn- und Bushaltestel-                mehr als 30 Minuten mit dem ÖPNV können sich
                                                                                    le angepasst werden, um einen direkten Umstieg zu               Fahrgäste ein Taxi nehmen und Fahrtkosten bis
                                                                                    ermöglichen.                                                    zu 50 Euro nachträglich erstatten lassen. Dies gilt
                                                                                                                                                    allerdings nur für Fahrgäste mit Zeitkarten (z. B.
                                                                                                                                                    Monats- oder Jahreskarten) und nicht mit Einzel-         Abb. 7 | Z-Querungen verlängern den Weg zur Haltestelle. Zudem können
                                                                                    12 Stadt Mannheim, V522/2020                                                                                             sie für Radfahrende gefährlich sein. Auf die Durchfahrt konzentriert, achten
        Abb. 5 | Begrünte Gleise im Bereich der Haltestelle Universitätsklinikum    13		 siehe auch: www.gruengleisnetzwerk.de/
                                                                                                                                                    fahrscheinen.15                                          sie oft kaum auf die Straßenbahn.
                                                                                    14 Persönliche Mitteilungen der RNV per E-Mail vom 03.06.2022
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
10 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                        THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 11

1. 4                                                                                                                                                                                                                                                1. 5
           Zuverlässigen Betrieb sicherstellen                                                                                      Über die Stadtgrenzen hinaus
                                                                                                                                    Zusammenarbeiten und planen

           Ein zuverlässiger Betrieb ist für Fahrgäste beson-                 Gleiswechsel und Zwischenwendeschleifen, um          Verkehrsbeziehungen enden nicht an den Stadtgren-
           ders wichtig, um ans Ziel zu kommen. Grundla-                     bei Fahrtausfällen (z.B. wegen Unfällen) zügig re-     zen, sondern hängen eng mit regionalen Verflech-
           ge für einen reibungslosen Fahrbetrieb ist eine                   agieren zu können.                                     tungen zusammen. Eine verstärkte Zusammenarbeit
           passende und ausreichend dimensionierte Infra-                                                                           und Abstimmung von stadtgrenzüberschreitenden
           struktur. Dazu gehört:                                             Geeignetes Wagenmaterial (Zweirichtungszü-           ÖPNV-Angeboten ist notwendig.
                                                                             ge), um bei Streckensperrungen ggf. Schienener-
            Vorrangschaltungen für Straßenbahnen und                        satzverkehr möglichst vermeiden zu können.             Bei der Planung des innerstädtischen und überört-
           Busse an Ampeln.                                                                                                         lichen ÖPNV-Angebots müssen regionale Verflech-
                                                                              Realistische Fahrpläne mit genügend Fahrzeit-        tungen bzgl. Arbeitsplätzen, Wohnorten und Schul-
            Vorsortiergleise an Kreuzungen mit Abzweigun-                   reserven und Zeitpuffer an Endhaltestellen, damit      standorten berücksichtigt werden. Dies gilt auch für
           gen, um Staus bei Straßenbahnen zu vermeiden.                     sich Verspätungen nicht den ganzen Tag durch-          Öffentlichen Verkehr, der über die Grenzen des Ver-
           Außerdem sollten auch die Freigabezeiten für den                  ziehen.                                                kehrsverbundes (VRN) hinaus fährt wie beispiels-
           Individualverkehr zugunsten der Straßenbahnen                                                                            weise BRN-Busse und S-Bahnen.
           angepasst werden.                                                  Fahrzeuge mit mehr Türen für schnelleren Fahr-
                                                                             gastwechsel und besseren Fahrgastfluss.                Bei der Fahrplanentwicklung müssen sich die ver-       Abb. 10 | Rheinfähre bei Altrip
                                                                                                                                    schiedenen Verkehrsunternehmen bzw. Aufgaben-
                                                                              Breitere Fahrzeuge mit breiteren Innengängen         träger (z.B. BRN, DB-Regio und RNV) so abstimmen,
                                                                             und mehr Stellplätzen für Fahrgäste mit Kinder-        dass zum Beispiel zeitnahe Anschlussverbindungen
                                                                             wagen, Rollstühlen, Rollatoren u.ä.. Dafür ist ein     zwischen innerstädtischen und regionalen Verkehrs-
                                                                             höherer Gleismittenabstand notwendig.                  mitteln möglich sind. Dabei muss eine Anschluss-
                                                                                                                                    sicherung gewährleistet werden. Kurze Umsteige-
                                                                              Anschluss-Sicherung zwischen Bus, Straßen-           zeiten nützen Fahrgästen nichts, wenn der Umstieg
                                                                             bahn und Eisenbahn: Verspätungen und Fahrtaus-         nicht klappt.
                                                                             fälle müssen an die Fahrer/innen weitergegeben
                                                                             werden. Es muss sichergestellt sein, dass fahr-        Die ÖPNV-Verbindung zwischen den Städten Mann-
                                                                             planmäßige Anschlüsse abgewartet werden.               heim und Ludwigshafen ist von besonderer Bedeu-
                                                                                                                                    tung. Hier gilt es daher das Angebot weiter auszu-
                                                                              Breit qualifiziertes Personal, das bei Engpässen     bauen.
                                                                             auch für andere Aufgaben eingesetzt werden kann.
                                                                                                                                    Der Ausbau von folgenden, zum Teil bereits seit vie-
       Abb. 8 | Straßenbahn an der Zwischenwendeschleife am Hauptfriedhof    Auch bei Bauarbeiten sollte versucht werden, die-      len Jahren gewünschten Straßenbahntrassen sollte       Abb. 11 | Die S-Bahn bietet überregionale Verbindungen
                                                                             se so lange wie möglich „unter rollendem Rad“,         weiterverfolgt werden.
                                                                             also im laufenden Betrieb, zumindest wenn dies
                                                                             die Bauzeit nicht deutlich verlängert. Der für Fahr-   Folgende Trassen sollten vorsorglich gesichert wer-
                                                                             gäste und auch für den Gesamtfahrplan unat-            den:
                                                                             traktive Schienenersatzverkehr mit Bussen kann
                                                                             so vermieden werden. Hierfür ist für die Zeit des       Feudenheim - Ilvesheim - Ladenburg
                                                                             Baustellenbetriebs ggf. der Einbau von besonde-          (- Schriesheim).
                                                                             rem Material wie zum Beispiel Kletterweichen not-
                                                                             wendig.                                                 Rheinau - Brühl (- Ketsch/Schwetzingen).
                                                                             Ein stabiler Betrieb ist auch bei Bauarbeiten not-
                                                                             wendig. Für Baumaßnahmen an der Straßenbahn-            Sandhofen - Scharhof (- Lampertheim).
                                                                             infrastruktur bietet es sich an, einen bestimmten
                                                                             Anteil an Zweirichtungsfahrzeugen bereitzuhalten,       Seckenheim/Neu-Edingen - Neckarhausen.
                                                                             die dann auf diesen Strecken eingesetzt werden
                                                                             können. Somit können bei Sperrungen längere            Außerdem sollte die Verbindung nach Altrip verbes-
               Abb. 9 | Straßenbahnen im Stau im Bereich des Mannheimer      Streckenabschnitte weiterhin mit der Straßen-          sert werden.
              Hauptbahnhofes, vor dem viergleisigen Ausbau der Haltestelle                                                                                                                 Abb. 12 | S-Bahn auf der Rheinbrücke nach Ludwigshafen
                                                                             bahn befahren werden.
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
12 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                                       THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 13

1. 6                                                                                                                                                                                                                                                                              1. 6
       Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln stärken

                                                                       Wege zwischen Haustür und Zielort werden in den         chen von Straßenbahnen und Bussen behindern.
                                                                       wenigsten Fällen direkt von Bus, Straßenbahn, Re-       Die Ampeln an Übergängen zwischen Bus und
                                                                       gionalbahn oder S-Bahn abgedeckt. Verknüpfungs-         Bahn dürfen nur kurze Wartezeiten haben, um ein
                                                                       angebote mit anderen Verkehrsmitteln wie Fahr-          rasches Umsteigen zu ermöglichen. Der Bau von
                                                                       rad, Carsharing etc. steigern daher die Attraktivität   „Alles-Dunkel-Ampeln“ („Schlafende Ampeln“) an
                                                                       des ÖPNV deutlich. Durch entsprechende Angebo-          Fußgängerüberwegen ist zu bevorzugen.
                                                                       te müssen reibungslose Übergänge und Anschlüsse
                                                                       geschaffen werden. Das Ziel ist dabei, die Nutzung       Carsharing
                                                                       von privaten Pkw durch eine Vielzahl von attraktiven
                                                                       Alternativen zu verringern.                             Carsharing-Stationen sollten möglichst in unmit-
                                                                                                                               telbarer Nähe von ÖPNV-Halten liegen.
                                                                       Sinnvolle Verknüpfungen zwischen ÖPNV und an-
                                                                       deren Verkehrsmitteln sind:                              Taxi
                     Abb. 13 | Überdachte Fahrradabstellanlagen mit
          Anschließbügel bieten Sicherheit und Wetterschutz fürs Rad    Fahrrad                                               Taxistandorte sollten in der direkten Nähe von                          Abb. 16 | VRN-Nextbike-Station an der Bushaltestelle Ludolf-Krehl-Straße
                                                                                                                               wichtigen ÖPNV-Halten liegen, mit Angeboten
                                                                       → Fahrradparkplätze: Bei ihnen muss ein guter           auch zu Tagesrandzeiten.
                                                                       Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus gewähr-
                                                                       leistet sein, insbesondere durch die Möglichkeit,        Park & Ride-Stationen
                                                                       den Rahmen anzuschließen. Sie sollten zudem in
                                                                       unmittelbarer Nähe zur Haltestelle liegen.              insbesondere an S-Bahn-Haltestellen, um den
                                                                                                                               Umstieg von Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel
                                                                       → Die Fahrradmitnahme in Straßenbahnen, Bus-            zu ermöglichen und die Innenstadt vom Autover-
                                                                       sen und S-Bahnen ist zu fördern. Bisher ist die         kehr zu entlasten.
                                                                       Fahrradmitnahme nachrangig vor der Mitnahme
                                                                       von Kinderwägen, Rollstühlen, etc. geregelt. Des-       E-Scooter sind nicht klimafreundlich
                                                                       halb sollten mehr Kapazitäten insbesondere in
                                                                       Straßenbahnen und S-Bahnen zur Verfügung ge-            Laut Umweltbundesamt 17 leisten Elektro-Tretroller
                                                                       stellt werden, damit auch bei steigenden Fahr-          derzeit keinen positiven Beitrag zur Verkehrswende
                                                                       gastzahlen eine Fahrradmitnahme weiter möglich          in Städten. E-Scooter sind nur dann klimafreundlich,
                  Abb. 14 | Wild geparkte Fahrräder am Mannheimer
           Hauptbahnhof. Hier fehlen ausreichend Fahrradstellplätze
                                                                       ist. Die RNV plant zukünftig mit der Rhein-Neckar-      wenn sie Autofahrten ersetzen. Dies geschieht aber                     Abb. 17 | Fahrradmitnahme in der S-Bahn
                                                                       Tram neue Straßenbahnen mit mehr Kapazitäten            nach Untersuchungen in Berlin und Dresden 18 nur
                                                                       einzusetzen.16                                          bei 5,5 % der Fahrten. Knapp 30 % der Befragten ga-
                                                                                                                               ben an, sie hätten die Fahrt ohne einen E-Scooter
                                                                       → Fahrradverleihsysteme: Diese sind nur dann            nicht unternommen. Fahrten, die auch ohne E-Scoo-
                                                                       eine sinnvolle Verknüpfung, wenn die Stationen          ter zurückgelegt worden wären, wären sonst zu Fuß
                                                                       an allen S- und Regionalbahnhaltepunkten und            (53 %), mit dem ÖPNV (27 %) oder dem (Leih-)Fahr-
                                                                       an wichtigen Straßenbahn- und Bushaltestellen           rad (3 %) erfolgt.
                                                                       vorhanden sind.
                                                                                                                               Weitere negative Aspekte der Verleihangebote von
                                                                        Eigene Füße                                           E-Scootern sind das Befahren von Fußwegen und
                                                                                                                               Fußgängerzonen und das falsche Abstellen nach der
                                                                       Attraktive Wegeverbindungen zu den Haltestel-           Nutzung.
                                                                       len sind nötig, sowie gute Einsehbarkeit und Be-
                                                                       leuchtung der Haltestellen (soziale Kontrolle). Die      16 RNV 2020
                                                                       Wege zu den Haltestellen dürfen nicht durch Am-          17 https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-
                                                                                                                                   mobilitaet/e-scooter#aktuelles-fazit-des-uba
                                                                       pelschaltungen erschwert werden, die ein Errei-          18 https://www.udv.de/udv/themen/verkehrsverhalten-von-e-scooter-
           Abb. 15 | VRN Fahrradboxen am OEG-Bahnhof Seckenheim                                                                                                                                       Abb. 18 | E-Scooter werden oft mitten auf dem Gehweg abgestellt
                                                                                                                               		 fahrer-innen-80926
FAHRPLAN VERKEHRSWENDE MANNHEIM - Vorschläge für einen zukunftsfähigen Nahverkehr in Mannheim als Beitrag zur Verkehrswende 2. aktualisierte Auflage
14 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                                 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 15

1. 7                                                                                                                                                                                                                                                                    1. 8
       Fahrgäste aktiv informieren,                                                                                          Abendverkehr und Nachtbetrieb ausweiten
       Serviceangebote schaffen, Fahrkomfort bieten

                                                                  Information und Service tragen erheblich zu Nut-        Ein flächendeckender 10-Minuten-Takt trägt in                          trieb (Montag bis Donnerstag von 1 Uhr bis 5 Uhr)
                                                                  zung und Kundenzufriedenheit bei und müssen da-         Mannheim bereits in vielen Stadtteilen zumindest                       sollte deshalb nach dem Beispiel anderer Städte er-
                                                                  her ausgebaut werden. Dies beinhaltet Fahrplanin-       tagsüber (von 6 Uhr bis 20 Uhr) zu einem attraktiven                   weitert werden. Ein stündlicher Nachtbetrieb sollte
                                                                  formationen über verschiedene Medien in Echtzeit.       ÖPNV-Angebot bei.                                                      dabei als erstes auf der Linie 5 (Seckenheim – Innen-
                                                                  Bei spontanen Fahrtausfällen (z. B. wegen eines Un-                                                                            stadt – Käfertal) und auf der Linie 5A (Innenstadt –
                                                                  falls) werden derzeit von der RNV Taxis als Notbehelf   Im Abendverkehr und an Sonntagen sollten zukünf-                       Wallstadt) eingeführt werden. Alle Nachtlinien soll-
                                                                  eingesetzt. Diese sinnvolle Maßnahme muss ausrei-       tig alle Stadtteile mindestens im 20-Minuten-Takt                      ten sich am Hauptbahnhof treffen und dort Anschluss
                                                                  chend kommuniziert werden, beispielsweise über          bedient werden. Beispielsweise wird Mannheim-Se-                       an den S-Bahn-Knoten erhalten.
                                                                  dynamische Fahrgastanzeigen und über eine Kenn-         ckenheim über die OEG-Linie 5 abends ab 20 Uhr
                                                                  zeichnung des Taxis als RNV-Ersatzverkehr.              und sonntags nur im Halbstunden-Takt angebun-                          Auch Versicherungen sind an einem Nachtliniennetz
                                                                                                                          den. Auch der Stadtteil Wallstadt wird mit der Stra-                   interessiert, da dadurch Autofahrten unter Alkohol-
                                                                  An wichtigen ÖPNV-Haltepunkten sind Kundenzent-         ßenbahnlinie Line 5A abends ab 22 Uhr und sams-                        einfluss bzw. bei großer Müdigkeit vermieden wer-
                                                                  ren (Mobilitätszentralen) mit nutzerfreundlichen        tags ab 21 Uhr sowie sonntags nur halbstündlich                        den und so Unfälle reduziert werden können. In
                                                                  Öffnungszeiten notwendig. Diese sollten an beste-       bedient, was wenig attraktiv ist. Das Projekt „Modell-                 Nordrhein-Westfalen wird beispielsweise das Nacht-
                          Abb. 19 | Dynamische Fahrgastanzeige
                        mit Hinweis auf geänderten Fahrtverlauf   hende oder noch zu schaffende Informationszentra-       stadt Mannheim“ hat gezeigt, dass Taktverdichtun-                      liniennetz auf 50 Buslinien durch eine regionale Ver-
                                                                  len der Bahn oder aus dem Bereich Tourismus an-         gen das Fahrgastaufkommen deutlich steigern kön-                       sicherung unterstützt.20
                                                                  gedockt werden.                                         nen.19
                                                                                                                                                                                                 19 Pressemitteilung der Stadt Mannheim vom 08.10.2019: Modellstadt
                                                                                                                                                                                                    Mannheim – Zwischenbilanz
                                                                  Fahrten mit Bus und Bahn sollten für Fahrgäste so       Einen durchgehenden Nachtbetrieb gibt es in Mann-                      20 www.provinzial-konzern.de/content/csr/projektuebersicht/nachtbus/
                                                                  angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu ge-         heim an Freitagen und Samstagen bisher auf der Li-                        fahrplaene/

                                                                  hören:                                                  nie 1 (Rheinau – Innenstadt – Schönau) mit einer
                                                                                                                          stündlichen Verbindung. Der werktägliche Nachtbe-
                                                                   Ein ausreichend großen Fahrzeugangebot zu
                                                                  Stoßzeiten mit guten Sitzplatzangebot

                                                                   Eine funktionierende Klimatisierung, vor allem
                                                                  in den heißen Sommermonaten

                                                                   Als unangenehm wird von vielen Fahrgästen
                                                                  auch die Beklebung von Straßenbahnfenstern mit
                         Abb. 20 | Auch in Hauptverkehrszeiten
                 wünschen sich Fahrgäste ausreichend Sitzplätze   Werbung empfunden, so dass man nicht mehr aus
                                                                  dem Fenster schauen kann. Dies sollte unbedingt
                                                                  unterlassen werden.

                     Abb. 21 | Werbung an Straßenbahnfenstern
                          kommt bei Fahrgästen oft nicht gut an                                                           Abb. 22 | Für einen attraktiven ÖPNV ist auch abends eine gute Taktung erwünscht, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
16 THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV                                                                                                                                                    THESEN FÜR EINEN ZUKUNFTSFÄHIGEN ÖPNV 17

1. 9                                                                                                                                                                                                                                                                1. 9
       ÖPNV-Finanzierung sichern
       und attraktive Tarife ausweiten

       Um ein attraktives ÖPNV-Angebot zu ermöglichen               ringen Fahrgastzahlen deutlich niedriger. Die übri-                      Die Fahrgeldeinnahmen decken nur einen geringen       Die Einführung eines Sozialtickets als Dauerkarte,
       und weiter auszubauen, muss die Finanzierung von             gen Kosten werden unter anderem durch Zuschüsse                          Anteil der tatsächlichen Kosten der ÖPNV ab. Die      zum Beispiel analog zu Heidelberg, sollte von der
       Betrieb (Personalkosten etc.) und Infrastruktur              für Schülerverkehr, Schwerbehindertenabgeltung,                          Diskussion um einen kostenlosen oder sehr stark       Stadt Mannheim geprüft werden.
       (Fahrzeuge, Schienennetz, etc.) gesichert sein.              Zuschüsse von Kommunen etc. gedeckt.21                                   preisreduzierten ÖPNV (wie dem „9-Euro-Ticket“) ist
                                                                                                                                             deshalb nicht zielführend und steht der Finanzie-     21   RNV-Geschäftsbericht 2020
                                                                                                                                                                                                   22   Ernst Young 2021
       Derzeit liegt bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesell-           Hinzu kommen die Kosten für Infrastrukturmaßnah-                         rung eines besseren Angebotes mit beispielsweise      23   RNV-Geschäftsbericht 2020
       schaft (RNV), die den ÖPNV in Mannheim und in der            men des ÖPNV wie den Gleisausbau und die An-                             einer höheren Taktung von Bus und Bahn entgegen.      24   https://www.heidelberg.de/hd/HD/Rathaus/Sozialticket.html

       Region Rhein-Neckar betreibt, die Kostendeckung              schaffung von Fahrzeugen. Diese werden über ver-
       der Betriebsausgaben durch Nutzerfinanzierung,               schiedene Investitionshilfen von Bund, Ländern und                       Wichtig wäre die Schaffung zusätzlicher attraktiver
       das heißt durch den Fahrscheinverkauf, bei 57 %              Kommunen, unter anderem nach dem Gemeinde-                               Tarifangebote. Hierzu gehört zum Beispiel:
       (2019) bzw. 47  % (2020). Im Jahr 2020 waren die Ein-        verkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG), finanziell geför-
       nahmen aufgrund der Corona-Pandemie und der ge-              dert.22                                                                   Ein verpflichtendes Kombiticket bei der Geneh-
                                                                                                                                             migung von Veranstaltungen in Mannheim, wie
                                                                                                                                             beispielsweise das Maimarkt-Ticket. Wenn die
                                                                                                                                             ÖPNV-Nutzung mit der Eintrittskarte „sowieso“ be-
                                                                                                                                             zahlt werden muss, ließe sich der Pkw-Verkehr bei
                                                                                                                                             Großveranstaltungen deutlich reduzieren.

                                                                                                                                              Die Ausweitung des Jobticket-Angebotes: Dieses
                                                                                                                                             Angebot sollte in Zusammenarbeit mit Unterneh-
                                                                                                                                             men einschließlich der Eigenbetriebe der Stadt
                                                                                                                                             Mannheim deutlich ausgeweitet werden.

                                                                                                                                             Schon jetzt basieren rund 80 % der Fahrgeldein-
                                                                                                                                             nahmen durch die RNV-Fahrgäste auf Monats-
                                                                                                                                             und Jahreskarten. Diese Abonnements sind kos-
                                                                                                                                             tengünstig und ermöglichen einen einfachen
                                                                                                                                             Zugang zum ÖPNV, ohne bei jeder Fahrt ein Ticket
                                                                                                                                             kaufen oder entwerten zu müssen. Am häufigsten
                                                                                                                                             werden dabei das MAXX-Ticket (Schülerverkehr),
                                                                                                                                                                                                   Abb. 24 | Das Jobticket braucht eigentich keine Werbung,
                                                                                                                                             das Jobticket, die Karte ab 60 und das Rhein-Ne-      sondern vor allem Unternehmen, die mitmachen
                                                                                                                                             ckar-Ticket eingesetzt, die jeweils im gesamten
                                                                                                                                             Verkehrsverbund gültig sind.23

                                                                                                                                              Die Soziale Teilhabe für Menschen mit geringem
                                                                                                                                             Einkommen kann durch entsprechende Tarifange-
                                                                                                                                             bote im ÖPNV erleichtert werden. Mannheim bie-
                                                                                                                                             tet kostenreduzierte Einzelfahrscheine für derzeit
                                                                                                                                             einen Euro pro Fahrt in begrenztem Umfang von
                                                                                                                                             derzeit 20 Tickets pro Monat an. In Heidelberg
                                                                                                                                             können dagegen preisreduzierte Dauerkarten für
                                                                                                                                             das Stadtgebiet (Eigenanteil 15 Euro / Monat) oder
                                                                                                                                             den Verkehrsverbund (Eigenanteil 30 Euro / Mo-
                                                                                                                                             nat) erworben werden.24

                                                   Abb. 23 | Welches Ticket ist das richtige? Das ist oft nicht so einfach herauszufinden.                                                         Abb. 25 | Umfangreiches Ticketangebot am Fahrscheinautomaten
DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 19

DRINGEND                                                                                                              2
            Folgende Thesen werden auf den nachfolgenden Seiten ausführlich erläutert:

BENÖTIGTE
             Kapazitätsengpässe am Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen und den Hauptbahnhof
              als Verknüpfungs- und Umsteigepunkt noch nutzerfreundlicher umgestalten.

PROJEKTE
              →   Die Verbreiterung der Bahnsteigtunnel
              →   Eine Verlängerung und Durchbindung des westlichen Bahnsteigtunnels bis zum Lindenhof (mit
            			   Zugang zu den Fahrstühlen).
              →   Bau einer neuen, zusätzlichen Unterführung für Radfahrende in Verlängerung der Radachse
            			   Tattersallstraße bis zum Lindenhof

             Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz zeitnah beseitigen

              →   Bau eines vierten Straßenbahngleises zwischen Tattersall und Hauptbahnhof, damit die
            			   Straßenbahnen vor der Überquerung der Bismarckstraße nicht im Stau stehen.
              →   Bau eines vierten Gleises am stark überlasteten Knoten an der Haltestelle „Universitätsklinikum“,
            			   um Kapazitäten für die zukünftige Linie 16 nach Franklin zu schaffen.
              →   Vorsortiergleise sind an möglichst vielen Straßenkreuzungen einzubauen, damit mehrere
            			   Straßenbahnen die Kreuzungen gleichzeitig überqueren können.
              →   Durch den Bau von Zwischenwendeschleifen die Einrichtung von sogenannten „Verdichterlinien“,
            			   die einen engeren Takt auf Teilabschnitten des Straßenbahnnetzes bieten, ermöglichen.

             Den Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen

              →   Eine Straßenbahnanbindung für das Spinelli-Quartier bauen
              →   Eine Straßenbahnanbindung für Taylor Barracks bauen und langfristig den Straßenbahnverkehr
            			   nach Wallstadt und Vogelstang neu ordnen
              →   Eine Straßenbahnanbindung der westlichen Innenstadt durch Parkring – Hafenstraße –
            			   Untermühlaustraße bauen
              →   Zusätzliche tangentiale ÖPNV-Verbindungen einrichten, um äußere Stadtteile schneller
            			   miteinander zu verbinden

             Die Verknüpfung von Bus und Straßenbahn mit der S-Bahn an den Bahnhöfen verbessern

               Dies betrifft insbesondere die Bahnhöfe Käfertal, Waldhof und Neckarau. Am Neckarauer Übergang
               sollte ein zusätzlicher S-Bahn-Halt geprüft werden.

             Den rheinübergreifenden ÖPNV ausbauen

               → Den ÖPNV zwischen Mannheim und Ludwigshafen ausbauen
               → Die Anbindung Altrips an Mannheim verbessern

             Die Einrichtung einer innerstädtischen S-Bahn-Linie
              von Mannheim Waldhof bis Mannheim-Rheinau
20 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE                                                                                                                                                                   DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 21

               2. 1                                                                                                                                                                                                                                                                   2. 2
                               Kapazitätsengpässe im                                                                                                    Kapazitätsengpässe im Straßenbahnnetz
                               Mannheimer Hauptbahnhof beseitigen                                                                                       zeitnah beseitigen

                                                                                                    Am Mannheimer Hauptbahnhof steigen täglich Tau-     An mehreren Stellen im Straßenbahnnetz kann das
                                            traße

                                                                                        ße
                                                                                                    sende von Fahrgästen um. Auch nach dem Umbau        Fahrzeug- bzw. Fahrgastaufkommen derzeit schon

                                                                                  rstra
                                             Tattersalls

                                                                             Keple
                                                                                                    des Bahnhofsvorplatzes und der Einrichtung eines    kaum bewältigt werden. Häufig kommt dort es zu
                                                                      Heinrich-von-Stephan-Straße
                 Hauptbahnhof                                                                       vierten Bahnsteigs für die Straßenbahn bestehen-    Rückstaus, weil Straßenbahnen und Busse nicht in
                                                                                                    den weiterhin Kapazitätsengpässe am Mannheimer      die Haltestellen einfahren können. Das wirkt sich
                                                                                                    Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof als Verknüpfungs-    negativ auf den Betrieb, die Fahrplanstabilität und
                 A                      B                  C                                        und Umsteigepunkt muss noch nutzerfreundlicher      die Anschlusssicherheit aus. In Anbetracht der ange-
                                                                                                    umgestaltet werden.                                 strebten Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030
                                                                                                                                                        müssen die überlasteten Knoten zeitnah ausgebaut
                                                                                                    Die Bahnsteigtunnel zu den Gleisen im Hauptbahn-    werden.
                                                               B 36
                                                                                                    hof sind bereits heute überlastet. Sie werden dem
Tunnelstraße

                                                                                                    zentralen Verknüpfungs- und Umsteigepunkt nicht      Mit dem aktuellen Umbau des Hauptbahnhofs-
                                                                                  Gontardstraße
                           m
                        ur
                      -T

                                                                                                    mehr gerecht. Wenn die Fahrgastzahlen im Nah- und   vorplatzes und dem Bau eines vierten Straßenbahn-
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                Am

                       Abb. 26 | Bestehende (in schwarz)  und empfohlene (in rot)
                                                     Carl-Metz-Straße
                                                                                  Unterführungen
                                                                               Glücksteinallee
                                                                                                                                                                                                                  Abb. 29 | Umbau der Straßenbahnhaltestelle Mannheim-Hauptbahnhof
                                     am Hauptbahnhof, Stadtplan und Geodaten: Stadt Mannheim        sollen, müssen auch die Unterführungen im Haupt-    abschnitt zwischen Tattersall und Hauptbahnhof zu         mit Ausweitung auf vier Gleise, Quelle: Stadt Mannheim, V522/2020
                                                                                                    bahnhof erweitert und angepasst werden.             einer Engstelle mit zu geringer Kapazität. Deshalb
                                                                                                                                                        muss auch vom Tattersall zum Hauptbahnhof drin-
                                                                                                    Dazu gehört:                                        gend ein viertes Straßenbahngleis gebaut werden,
                                                                                                                                                        auf dem die Straßenbahnen schon vor der Über-
                                                                                                     Eine Verbreiterung der beiden Bahnsteigtunnel     querung der Bismarckstraße vorsortiert werden und
                                                                                                    [A] [B] im Hauptbahnhof, um einen besseren Zu-      dann zwei Straßenbahnen gleichzeitig die Kreuzung
                                                                                                    gang zu den Bahnsteigen zu ermöglichen              passieren können. Zudem sollten auch die Freigabe-
                                                                                                                                                        zeiten für den Individualverkehr zugunsten der Stra-
                                                                                                     Eine Verlängerung und Durchbindung des west-      ßenbahn angepasst werden.
                                                                                                    lichen Bahnsteigtunnels [A] bis zum Lindenhof,
                                                                                                    auch um beidseitig einen besseren Zugang zu den      Der Knoten an der Haltestelle „Universitäts-
                                                                                                    Fahrstühlen zu ermöglichen, insbesondere für        klinikum“ ist stark überlastet. Hier ist ein viertes
                                                                                                    mobilitätseingeschränkte Personen, Personen mit     Gleis dringend erforderlich. Mit der Anbindung
                                                                                                    Kinderwägen, Rollstühlen, Fahrrädern, etc.          der Konversionsgebiete an das Straßenbahnnetz
                                                                                                                                                        kann die zukünftige Linie 16 (Franklin - Glückstein
                                     Abb. 27 | Die Unterführungen im Mannheimer Hauptbahnhof
                                        reichen für die geplanten Fahrgaststeigerungen nicht aus     Bau einer neuen, zusätzlichen Unterführung [C]    – Rheinau) hier nur schwer zusätzlich fahren.             Abb. 30 | Bauarbeiten am Bahnhofsvorplatz des Mannheimer Hauptbahnhofes
                                                                                                    für Radfahrende in Verlängerung der Radachse        Ähnliche Engpässe im Straßenbahnnetz gibt es an
                                                                                                    Tattersallstraße bis zum Lindenhof mit Zugang zu    den Haltestellen „Nationaltheater“ und „Kurpfalz-
                                                                                                    den Bahnsteigen.                                    brücke“.

                                                                                                                                                         Vorsortiergleise sollten an möglichst vielen
                                                                                                                                                        Straßenkreuzungen eingebaut werden. Sie sollten
                                                                                                                                                        auf die Länge von 60m-Straßenbahnen ausgelegt
                                                                                                                                                        werden und ermöglichen, dass mehrere Straßen-
                                                                                                                                                        bahnen die Kreuzung gleichzeitig überqueren.

                                                                                                                                                         Durch den Bau von Zwischenwendeschleifen
                                                                                                                                                        sollte die Einrichtung von sogenannten „Verdich-
                                                                                                                                                        terlinien“, die einen engeren Takt auf Teilabschnit-
                                                                                                                                                        ten des Straßenbahnnetzes bieten, ermöglicht
                                                                                                                                                        werden.
                                               Abb. 28 | S-Bahn am Mannheimer Hauptbahnhof.                                                                                                                       Abb. 31 | Hohe Frequenz von Straßenbahnen
                                         Zu den Gleisen kommt man nur durch die Unterführung                                                                                                                      an der Haltstelle Universitätsklinikum
                                                                                                                                                        25 Stadt Mannheim, V522/2020
22 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE                                                                                                                                                                                                  DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 23

2. 3                                                                                                                                                                                                                                                                                          2. 4
         Ausbau von Straßenbahntrassen weiterführen                                                                                                Verknüpfung von Bus und Straßenbahn
                                                                                                                                                   mit der S-Bahn verbessern

         Zur Attraktivitätssteigerung und Beschleunigung des                    Eine Straßenbahnanbindung für Taylor Bar-                         Kurze Wege zwischen S-Bahn-, Straßenbahn- und                        überqueren. Mit dem weiteren S-Bahn-Ausbau wer-
         ÖPNV sollten vorrangig und kurzfristig insbesondere                   racks bauen und langfristig den Straßenbahnver-                     Bushaltestellen erleichtern den Fahrgästen den                       den zukünftig deutlich mehr S-Bahnen im Bahn-
         folgende Straßenbahntrassen fertiggestellt werden:                    kehr nach Wallstadt und Vogelstang neu ordnen.27                    Umstieg zwischen den verschiedenen Verkehrsmit-                      hof Käfertal halten. Daher sollte der S-Bahnhof
                                                                                                                                                   teln. Am S-Bahnhof Rheinau wurden bereits 2019 die                   unter die Haltestelle Boveristraße verlegt werden
          Eine Straßenbahnanbindung für das Spinel-                            Eine Straßenbahnanbindung der westlichen In-                      Verbindungen zwischen den Bahnsteigen, der Stra-                     – ähnlich wie der frühere Bahnhaltepunkt Mann-
         li-Quartier bauen. Derzeit ist hier eine Straßen-                     nenstadt durch Parkring – Hafenstraße – Unter-                      ßenbahn-Endhaltestelle und den Bushaltestellen                       heim-Rangierbahnhof bereits vor einigen Jahren um
         bahnanbindung nicht vor dem Jahr 2030 geplant, 26                     mühlaustraße bauen.                                                 verbessert. Gleichzeitig wurden die Bahnsteige bar-                  mehrere hundert Meter zum heutigen Haltepunkt
         obwohl Spinelli als sogenanntes „autoarmes                                                                                                rierefrei ausgebaut.29                                               Arena / Maimarkt versetzt wurde, um einen Straßen-
         Quartier“ mit einem reduzierten Stellplatzschlüs-                      Durch zusätzliche tangentiale ÖPNV-Verbin-                                                                                             bahnanschluss herzustellen.30
         sel von 0,8 im Bebauungsplan geplant wurde.                           dungen (i. d. R. zunächst Buslinien) sollten äußere                 Die S-Bahnhöfe Waldhof und Neckarau müssen noch
                                                                               Stadtteile schneller miteinander verbunden wer-                     als sogenannter Kompaktbahnhof umgebaut und die                      Schließlich sollte am Neckarauer Übergang, an dem
                Lampertheim                                                    den, ohne dass eine Fahrt durch die Mannheimer                      S-Bahnsteige und die Straßenbahn- und Bushalte-                      unter anderem die Mannheimer Hochschule liegt,
                                                                               Innenstadt notwendig ist.                                           stellen enger räumlich verbunden werden. Dadurch                     geprüft werden, ob hier ein zusätzlicher S-Bahn-Hal-
                                                                                                                                                   können Umsteigezeiten verkürzt und die Haltestel-                    tepunkt mit direkter Anbindung an die Straßenbahn
                                                                               Beim Ausbau der Straßenbahngleise sollte darauf                     len insgesamt übersichtlicher gestaltet werden.                      eingerichtet werden kann.
                                                                               geachtet werden, dass der Gleismittenabstand zu-
                                                                               künftig auch breitere Fahrzeuge von bis zu 2, 65 m                  Der DB-Bahnhof Käfertal wurde bereits barrierefrei
                Scharhof                                                       Breite zulässt.                                                     umgebaut. Die Entfernung zur nächsten Straßen-                       29 Gemeinsame Presseinformation von VRN, RNV, DB und Mannheimer
                                                                                                                                                                                                                        		 Verkehr GmbH vom 12.07.2019: Mannheim: Feierliche Einweihung des
                                                                                                                                                   bahnhaltestelle (Boveristraße) beträgt hier jedoch
                                                                                                                                                                                                                           Kompaktbahnhofs Rheinau
                        Schönau                                                26 Stadt Mannheim, V522/2020                                        immer noch rund 400 Meter. Umsteiger müssen die                      30 MVV GmbH/Stadt Mannheim (Hrsg.): Mobilität für Mannheim und die
        Sandhofen                                                              27 siehe MVG 2000 S. 54ff zu Neuordnung des Schienenverkehrs
                                                                                                                                                   vielbefahrene Neustadter Straße entlanggehen und                        Metropolregion Rhein-Neckar, Mannheim 2015
                                                                               28 Die ÖPNV-Welt von morgen, rnv-Blogbeitrag „Hiekomme, Hämkumme“
                                                                                   vom 12.05.2021

                                                 Gartenstadt
                             Waldhof
                                                           Franklin

                                         Käfertal                           Taylor

                                                                     Vogelstang         Heddesheim
                      Neckarstadt
                                                                       Wallstadt
                                         Spinelli
                Rheinbrücke
                                                             Feudenheim
                         Ausbau MA Innenstadt                             Ilvesheim
 Ludwigshafen                                                                                       Ladenburg
                                        Neuostheim

                                   Neuhermsheim
              Glückstein-
               Quartier
                                                                    Secken-
                                                                     heim
                                                Hochstätt
                             Neckarau
                                                                                           Edingen-
                                                                                                                  Heidelberg
                                                                                       Neckarhausen
                                                            Rheinau

         Abbildung 32 | Geplanter Ausbau des Straßenbahnnetzes in Mannheim, Stand 12.05.2021.
         Bestandsstrecken (dunkelblau), bereits in der Planung, Genehmigung oder Bauausführung (hellblau),
         mögliche Neubaustrecken (orange), mehrere Varianten einer Verbindung denkbar (gepunktete Linien).28                                       Abb. 33 | Kompaktbahnhof Rheinau mit Haltestelle von S-Bahn, Straßenbahn und Bus
24 DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE                                                                                                                                                                  DRINGEND BENÖTIGTE PROJEKTE 25

2. 5                                                                                                                                                                                                                                                           2. 6
       ÖPNV rheinübergreifend ausbauen                                                                                          Innerstädtische S-Bahn

       ÖPNV zwischen Mannheim und Ludwigshafen                         allen Haltestellen in Mannheim und Ludwigshafen          Wer in Mannheim einmal von Nord nach Süd will,
       ausbauen                                                        (Rheingönheim, Mundenheim, Arena / Maimarkt              braucht dafür viel Zeit. Der Mannheimer Straßen-
                                                                       und Seckenheim-Hochstätt).                               bahnverkehr sollte deshalb durch eine innerstädti-
                                                                                                                                                                                                                                     Blumenau
       Die geplante jahrelange Teilsperrung der Hochstra-                                                                       sche S-Bahn als schnelle Nord-Süd-Verbindung zwi-
       ße Nord in Ludwigshafen wird den Pkw-Verkehr zu-                 Eine Ausweitung des Straßenbahn-Angebots               schen Mannheim Waldhof und Mannheim Rheinau
       sätzlich stark beeinträchtigen und dadurch zahlrei-             zwischen der Pfalz, Ludwigshafen und Mannheim.           ergänzt werden.
       che Pendler zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen.
       Die Akteure des ÖPNV sollten dies proaktiv nutzen                Der Bau der Verbindungskurve von der Lud-              Diese S-Bahn sollte auf der Strecke Rheinau – Ne-                                                    Schönau
       und das rheinüberschreitende Angebot frühzeitig                 wigshafener Bleichstraße zur Konrad-Adenauer-            ckarau – Hauptbahnhof – Neckarstadt – Luzenberg –
       und dauerhaft ausbauen. Hierzu gehören insbeson-                Brücke (sogenannte „Faktor-Kurve“ am Berliner            Waldhof errichtet werden, ggf. zukünftig mit einer
       dere folgende Maßnahmen:                                        Platz in Ludwigshafen am Faktorhaus).                    Weiterführung nach Schönau und Blumenau.

        Eine Ausweitung des Angebots der S-Bahn zwi-                  Die neuen Angebote müssen bereits vor Beginn             Wichtig ist, dass diese zusätzliche S-Bahn-Linie eine
       schen der Pfalz und Mannheim / Heidelberg, mit                  der Bauarbeiten gezielt unter Pendlern beworben          durchgehende Verbindung ohne längeren Halt am
                                                                                                                                                                                                                                     Waldhof
       längeren Zügen, dichterem Takt und mit Halt an                  und vermarktet werden, z. B. auch mit einem spe-         Mannheimer Hauptbahnhof bietet.
                                                                       ziellen „Baustellen-Ticket“ als Schnupperticket.
                                                                       Die angedachte Seilbahn über den Rhein ist nicht         Zusätzliche Haltestellen bzw. teilweise die Wieder-
                                                                       zielführend. Sie würde für Fahrgäste einen zusätz-       inbetriebnahme von früheren Haltepunkten in Rhei-                                              Luzenberg
                                                                       lichen Umstieg bedeuten.                                 nauhafen / Rheinau Nord, Altrip und Hochschule
                                                                                                                                Mannheim (ehemals Fabrikstationsstraße) sollten
                                                                       Anbindung Altrips an Mannheim                            dabei angestrebt werden.
                                                                                                                                                                                                                   Neckarstadt
                                                                       kurzfristig verbessern
                                                                                                                                Im Zuge der geplanten Bahn-Neubaustrecke von
                                                                       Die Pendlerströme von Altrip nach Mannheim sind          Frankfurt nach Mannheim sollten die zusätzlich an-
                                                                       ähnlich groß wie die von Altrip nach Ludwigshafen.       gestrebten Haltepunkte in Blumenau und Schönau                                Hafen
                                                                       Dennoch ist die ÖPNV-Verbindung mit weniger als          beachtet werden. An den möglichen Endpunkten
                                                                       30 Fahrten pro Tag deutlich schlechter. Sie wird der-    der neuen innerstädtischen S-Bahnlinie sind Wen-
                                                                       zeit nur durch einen Kleinbus der Linie 98 realisiert,   demöglichkeiten vorzusehen.
                                                                                                                                                                                                                           Hauptbahnhof
                                                                       der teilweise den Rhein auf der Fähre überquert, oft
                                                                       aber nur bis zum Fähranleger fährt. In den Abend-
                                                                       stunden ab 19 Uhr und an den Wochenenden findet
                        Abb. 34 | Auffahrt Kurt-Schuhmacher-Brücke                                                                                                                                                                     Hochschule
                                                                       kein Busverkehr statt.

                                                                       Um dem Pendleraufkommen gerecht zu werden und
                                                                       auch im Hinblick auf die Sperrung der Hochstraße
                                                                       Nord in Ludwigshafen, sollte das Angebot zwischen                                                                                                                      Neckarau
                                                                       Mannheim und Altrip kurzfristig ausgebaut werden.
                                                                       Zudem sollte ein größerer Bus eingesetzt werden,
                                                                       der über die Fähre fährt und nicht am Fähranleger
                                                                                                                                                                                                                                         Altrip
                                                                       endet. Außerdem sollte das Fahrtenangebot ganz-
                                                                       tags auf mindestens einen durchgehenden 30-Mi-
                                                                       nuten-Takt tagsüber ausgeweitet werden.                                                                                                                           Rheinauhafen

                                                                       Die Buslinie 98 endet bisher an der Haltestelle
                                                                                                                                                                                                                                                          Rheinau
                                                                       Friedrichstraße in Neckarau. Sie sollte weitergeführt
                                                                       und durchgebunden werden mit Anschluss an die
                                              Abb. 35 | Fähre Altrip
                                                                       S-Bahn, beispielsweise durch Verknüpfung mit der
                                                                                                                                                                                        Abb. 36 | Vorschlag des Umweltforums für eine innerstädtische S-Bahn
                                                                       Buslinie 62 über den S-Bahnhof Arena/Maimarkt.
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