Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021

Die Seite wird erstellt Gustav Held
 
WEITER LESEN
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
Glück
gehabt?!
Best of
CARE-Schreibwettbewerb 2021
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
CARE-
    Schreibwettbewerb
           2021

     Alle Texte und weitere Eindrücke der diesjährigen Preisverleihung findet ihr unter
care.de/schreibwettbewerb. In den Texten wurden lediglich orthografische Fehler behoben.
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
Glück gehabt?! -                                                                                                          Platzierungen

eine Frage, die auch als Feststellung gelesen werden könnte, bot den Rahmen des diesjährigen                              14 - 18 Jahre                                           19 - 25 Jahre
CARE-Schreibwettbewerbs.
                                                                                                                      1   Juliane Schlick                                     1   Katrin Griebenow
Seit nunmehr acht Jahren lädt CARE junge Menschen dazu ein, sich im Rahmen des CARE-Schreibwettbewerbs mit globalen       Wo das Glück gemacht wird... | Seite 6                  Die Volksempfängerin | Seite 16
Fragestellungen auseinanderzusetzen und ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Der Wettbewerb richtet sich dabei an
Jugendliche von 14 bis 18 Jahren und junge Erwachsene von 19 bis 25 Jahren.                                           2   Pia Marie Hegmann                                   2   Celine Frey
                                                                                                                          Das goldene Bassin | Seite 10                           Euphoria™ – Der Preis des Glücks | Seite 20
Unter dem diesjährigen Wettbewerbsthema „Glück gehabt?!“ stellten sich die jungen Autor:innen Fragen darüber,
was es überhaupt bedeutet, Glück zu haben oder was eigentlich die Definition von Glück ist. Warum haben scheinbar     3   Annie Joon Bastheim                                 3   Inga Adams
einige Menschen mehr davon als andere? Verdoppelt sich Glück, wenn wir es teilen? Und kann ich mehr Glück                 Überall Wasser | Seite 14                               So viel Glück, es ist zum Kotzen | Seite 24
als Verstand haben? Egal ob Songtext, Gedicht, Kurzgeschichte, Essay oder Drama – alle Textformen waren
willkommen. Insgesamt 387 Einsendungen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Griechenland und                                                                        3   Inga Miksch
Kamerun erreichten uns dieses Mal – wieder ein neuer Rekord! Wahnsinn! Die Antworten auf das Thema fielen                                                                         Kinder ohne Namen. | Seite 28
sehr unterschiedlich aus: In manchen Texten wurden das Hoffnungsvolle und die Chancen, die im Glück liegen,
herausgestellt. Für andere standen der Zufall, die Ungerechtigkeit und die Kehrseite des Glücks im Vordergrund. In
vielen Texten spürten die Autor:innen auch der Essenz von Glück nach. Also dem Kern dessen, was Glück überhaupt
ausmacht, wann Glück empfunden, erfahren oder wie es bewertet wird.                                                       Nominierungen

Ein ganz großer Dank geht an die Jury der diesjährigen Wettbewerbsrunde – an den Soziologieprofessor Jan Delhey,          14 - 18 Jahre                                           19 - 25 Jahre
den Musiker Philipp Dittberner, den Autoren Linus Giese, die Journalistin Alice Hasters und Sprecherin Maxi Häcke
vom Podcast Feuer & Brot, die ehemalige Teilnehmerin und Preisträgerin Kathi Rettich und an unsere Kollegin               Anne Weingarten                                         Pia Wagner
Sabine Wilke – für die gewissenhafte Ausübung ihres Amtes und die Unterstützung des Wettbewerbs. Außerdem                 Von den Klängen einer Ney in der Wüste | Seite 36       Brief an Fatimah | Seite 48
danken wir allen Gästen und Mitwirkenden der diesjährigen Preisverleihung, insbesondere Ralph Caspers, sowie
Mira Rzany und Rani Dhupia für die liebevolle Gestaltung dieses Sammelbands. Ein besonderer Dank gilt auch der            Nele Feldmann                                           Franziska Flachs
lit.COLOGNE für die tolle Unterstützung und die Möglichkeit, die Preisverleihung und Lesung auch in diesem Jahr           Glücksflieger | Seite 40                                Geburtstag | Seite 52
wieder im Rahmen des Literaturfestivals stattfinden zu lassen.
                                                                                                                          Sven Beck                                               Pauline Weinberg
Das größte Dankeschön haben aber die über 380 kreativen Köpfe                                                             alles egal, was | Seite 44                              Der Geigenspieler | Seite 56
verdient, die uns erneut mit ihren feinfühligen, konsequenten,
kraftvollen, fantasievollen und auch zweifelnden und mit                                                                                                                          Silvia Nwadiuto Chike

                                                                              Prolog
dem Glück ringenden Texten zum Nachdenken angeregt                                                                                                                                Das Glück post Pech | Seite 60
haben haben. Ohne eure Einsendungen wäre der CARE-
Schreibwettbewerb so nicht möglich. Leider kann nur ein kleiner                                                                                                                   Ann-Kathrin Speckmann
Teil aller Einsendungen einen Platz in diesem Sammelband                                                                                                                          Der glückbringende Grabstein | Seite 64

                                                                                                                      Inhalt
finden. Umso mehr freuen wir uns auf die Beiträge zur nächsten
Runde des Wettbewerbs.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
das Team vom CARE-Schreibwettbewerb
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
Platzierungen

                                14 - 18 Jah re
                    Platz 1: Juliane Schlick | Seite
                                                     6
                 Platz 2: Pia Marie Hegmann |
                                                 Seite 10
                Platz 3: Annie Joon Bastheim
                                                | Seite 14

                             19 - 25 Jah re

                Platz 1: Katrin Griebenow | Sei
                                                 te 16
                   Platz 2: Celine Frey | Seite 20
                  Platz 3: Inga Adams | Seite 24
                  Platz 3: Inga Miksch | Seite 28
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
1
                                     14 - 18 Jahre

                                     Wo das Glück gemacht wird...

                                     „Was für eine langweilige und eintönige           stellen – ich bin nicht früh dran, sondern du
                                     Arbeit…“, murrte Raphael, während er einen        zu spät! Mal wieder! Wenn das so weitergeht,
                                     neuen rot blinkenden Punkt, der unter ihm         rufe ich… “Lailah schien das überhaupt nicht
                                     auf der riesigen digitalen Karte der Erde ver-    zu interessieren, denn nach einer Analyse
                                     zeichnet war, irgendwo in Indien antippte.        von Raphaels Becher unterbrach sie ihn er-
    Juliane Schlick                  Ein paar Sekunden später tauchte mit einem        freut: „Meine Güte, du hast ja ein schlaues
    18 Jahre                         zischenden Geräusch ein Becher in dem da-         Kerlchen da im Glas. Wenn der mal nicht
                                     für geschaffenen Loch neben der Ersatztei-        hochintelligent ist… warte, ich schau‘ mir
                                     le-Schublade unter der Arbeitsfläche auf. Es      mal die Familie an, in der er das Licht der Welt
                                     war ein Becher, wie man ihn von Starbucks         erblicken wird“, fügte sie extra dramatisch
                                     kannte, nur aus Glas. Gott wollte unbedingt       hinzu, grinste breit und wendete sich der
                                     eine gute Qualität beim Eintüten der neuen        Karte zu.
                                     Seelen, weswegen er die Plastikbecher bald
                                     nach ihrer Einführung wieder umtauschen           Lailah begann immer näher heranzuzoo-
                                     ließ. Der Erzengel empfand diesen Aufwand         men und die vorhandenen Informationen
                                     als unnötig.                                      zu der Familie, die dieses Baby erwartet,
                                                                                       herauszusuchen und durchzulesen. Raphael
                                     Nachdem er mit der rechten Hand das Glas          schnaubte genervt und verdrehte die Augen.
                                     genommen hatte, öffnete er mit der linken         Wenn alle so langsam arbeiten würden wie
                                     den Hängeschrank neben ihm. In ihm befan-         sie, wäre irgendwann ein Haufen Kinder auf
                                     den sich unzählige Einmachgläser, gefüllt         der Welt nicht bearbeitet und Gott würde
                                     mit unterschiedlich schimmernder Flüssig-         sich mal wieder unglaublich aufregen. Der
                                     keit, zahlreichen Farben und Schattierun-         Erzengel betrachtete kurz die Flüssigkeit im
                                     gen. Jede war auf ihre Weise einzigartig. Die     Glas, die begonnen hatte sich in Schichten
                                     Seelen. Raphael schnappte sich gelangweilt        abzusetzen, so wie Öl auf Wasser. Die gelbe
                                     eines der vorderen Gläser und während er          Intelligenzschicht war tatsächlich über-
                                     es auf der Arbeitsfläche mit einem leisem         durchschnittlich groß.
                                     „Plopp“ öffnete und mit dem ersten Shake
                                     vermischte, öffnete sich die Tür und Lailah       „Aaaalso:“, unterbrach Lailah seine Gedan-
                                     kam herein. Gut gelaunt und zu spät zur           ken und begann mit ihrer Berichterstattung,
                                     Schicht, wie immer. „Guten Morgen Erz-            „es ist ein Mädchen, Geburt in ca. drei
                                     engelchen, du bist aber früh dran“, flötete sie   Monaten, aber jetzt kommt‘s Raphi: Ihre Fa-
                                     und linste ihm von hinten über die Schulter.      milie lebt in einem riesigen Slum in Mumbai
                                     „Guten Morgen, aber ich muss das richtig-         und sie ist das sechste Kind ihrer Mutter.“

6      CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 14 - 18 Jahre                                                                      7
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
Raphael war gerade dabei das nächste Baby       „Erstens nervst du mich und zweitens nervt        „Oh Gott!“, entfuhr es Lailah. Sie war so ge-
vorzubereiten, doch plötzlich hielt er inne.    mich diese Arbeit.“ „Ach Samiel…“, seufzte        schockt, dass ihr ihre nette Anspielung auf
Er kannte den Slum Dharavi – wahrschein-        Lailah mit einem Grinsen auf den Lippen.          Gott gar nicht aufgefallen war. „Tja, was will
lich sogar besser als Lailah. Vor seinem        Wie konnte sie nur alles lustig finden? Ihr       man machen“, sagte der Botenengel schul-
inneren Auge sah er auf einmal die schäbige     Kollege Samiel hatte ein – nach eigenen An-       terzuckend. Er zwinkerte Lailah zu, als er ihr
Hütte, in der das Mädchen wohnen würde,         gaben – kleines „Experiment“ durchführen          beim Rausgehen noch schnell das letzte Glas
dessen Zukunft er gerade mit einer kleinen      wollen. Er hatte den Shake einer Fledermaus       des Tabletts in die Hand drückte.
Handbewegung bestimmt hatte. Durch seine        mittels spezieller Techniken verändert und ist
Arbeit im großen Kongress, dem Kongress         so für den Tod etlicher Menschen verant-          Als er verschwunden war, bemerkte Raphael
der Gerechtigkeit, kannte er diese Bilder und   wortlich geworden. Er wurde natürlich auf         mit gespielter Begeisterung: „Oh Lailah,
das Elend. Er verstand gar nicht, wieso ihm     der Stelle gefeuert.                              deine erste Seele heute? Cool!“ Erst jetzt er-
dieser spezielle Fall so nahe ging, wo doch                                                       wachte sie aus ihrer Starre.
seine tagtägliche Arbeit darin bestand, die     Der Platz ist also freigeworden und da kein
Gerechtigkeitsprobleme zu analysieren und       niederer Engel mehr für diesen Job zu finden      „Raphael, wir müssen etwas tun. Wir alle
mit den höchsten Engeln über Lösungs-           war, musste Raphael die Sache übernehmen.         hier und du hast eine wichtige Position…
möglichkeiten zu beraten. Halt… machte sich     Und das ärgerte ihn gewaltig. Stillschwei-        du kannst etwas bewegen.“ „Ach, das ist
Lailah etwa über ihn lustig? Dass der große     gend füllte er den Cocktail des Schweden und      alles nicht so einfach… “Lailah unterbrach
Kongress nicht allzu viele Erfolge zu verbu-    auch Lailah war kurz davor, sich endlich mal      ihn mit lauter Stimme: „Nein Raphael, hör
chen hatte, war vielen Engeln bekannt, aber     an die Arbeit zu machen.                          bitte einfach auf damit, alles im Keim zu er-
diese Anspielung ging zu weit.                                                                    sticken. Du bist ein Erzengel – sprich doch
                                                Doch sie wurden unterbrochen. Ein Botenen-        mit Gott.“ „Ich bin schlicht und einfach rea-
„Ja, Lailah, das reicht jetzt auch schon wie-   gel platzte mit einem voll beladenen Tablett      listisch und…“, Raphaels aggressive Stimme
der. Wir wissen ja, dass es auf der Welt ein    mit Seelen hinein. „Hallihallo“, rief er und      verstummte schlagartig, als sich die Tür
Gerechtigkeitsproblem gibt. Das musst du        mit einem Blick auf die viel zu wenigen fer-      öffnete. Es war Gott. Oft schlenderte er durch
jetzt auch nicht so hinstellen, als wäre es     tigen Shakes fügte er hinzu: „Na ihr wart ja      die Gänge, um nach dem Rechten zu sehen.
etwas ganz Neues“, gab er ihr barsch zurück     schon superfleißig heute, Respekt.“ Raphael       „Was gibt’s?“, fragte er bestimmt. Lailah war
und machte sich schnell daran auf einen         schnaubte und rollte mit den Augen. Lailah        still, doch die auffordernden Blicke, die sie
weiteren roten Punkt zu drücken. Diesmal in     kicherte. Der Botenengel machte sich daran,       Raphael zuwarf, sprachen für sich. Der Erz-
Schweden.                                       die Seelen in den Schrank zu schichten,           engel atmete tief durch:
                                                während er zu erzählen begann: „Das ist ein
„Uiuiui, heute mit dem falschen Flügel auf-     ganzes Flüchtlingsboot. Die Ladung haben          „Gott, ich möchte mit dir über die Ungerech-
gestanden, oder was?“, fragte Lailah, hob       wir gerade frisch bekommen.“                      tigkeit in der Welt sprechen.“
abwehrend die Hände und kicherte über
ihre geniale Abwandlung des Menschen-
sprichworts. „Nein ehrlich. Warum bist du so
schlecht drauf?“

8                                                                   CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 14 - 18 Jahre                      9
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
Pia Marie Hegmann                                       2
                18 Jahre

                                                         14 - 18 Jahre

                                                         Das goldene Bassin

                                                         (Ein Bassin von den Ausmaßen eines Stau-        (MANN schnaubt angewidert. FRAU dreht
                                                         sees, eingelassen in einen Berghang. Links      sich um und sieht zusammen mit ihm über
                                                         fließt ein goldener Bach in das Becken; an      den Rand des Bassins.)
                                                         dessen rechter unterer Seite liegt ein mäch-
                                                         tiger Staudamm aus riesigen Felsblöcken         FRAU: Oh, doch nicht, schau. Sie werden
                                                         vor einem schmalen, trockenen Flussbett.        wieder zurückgeschickt. (Verzieht kurz das
                                                         Dieses führt den Berghang hinab, offenbar       Gesicht.) Oh. Das sah schmerzhaft aus.
                                                         in ein Tal, das wir aus unserer Perspektive
                                                         jedoch nicht sehen. Das Licht ist weich, fast   MANN: Sie wollen es auch einfach nicht
                                                         so golden wie die Flüssigkeit in dem Bassin.    anders. (Beide wenden sich wieder einander
                                                         Darin sitzen verschiedene Personen. Vorn in     zu.)
                                                         der Mitte baden ein MANN und eine FRAU.
                                                         Sie sind einander zugewandt, bis der MANN       FRAU: Weißt du, was Betty mir vorhin er-
                                                         einen Blick in Richtung Tal wirft, das tro-     zählt hat? Anscheinend rasen wir auf eine
                                                         ckene Flussbett entlang.)                       Katastrophe zu.

                                                         MANN (dreht sich ganz in Richtung Tal): Oh      MANN: Unsinn. Wie das denn?
                                                         nein. Es kommen wieder welche.
                                                                                                         FRAU: Ach, keine Ahnung… irgendwie hat
                                                         FRAU (lehnt entspannt am Rand des Bassins,      es damit zu tun, dass unser Bassin immer
                                                         halb geschlossene Augen): Schon wieder?         voller wird.

                                                         MANN: Ja. Meine Güte, wie viele sind die da     MANN: Ach so, das habe ich auch schon ge-
                                                         unten eigentlich?                               hört. Und dass die da unten deshalb anschei-
                                                                                                         nend Probleme haben. Die Armen. Gut, dass
                                                         FRAU: Vermehren sich wie die Fliegen.           wir Glück haben und hier oben sind.

                                                         MANN: Dass die aber immer noch glauben,         FRAU: Betty sagt, dass wir irgendwann auch
                                                         wir hätten hier genug Platz. So groß ist die-   Probleme kriegen, wenn das so weitergeht.
                                                         ses Becken auch wieder nicht.
                                                                                                         MANN: Sowas.
                                                         FRAU (sieht auf): Am Ende nehmen die uns
                                                         noch unseren Platz hier drin weg.

10                         CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 14 - 18 Jahre                                                                  11
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
FRAU: Und sie sagt, dass wir vielleicht… ver-   FRAU: Vielleicht ist es das, was Betty meinte.    MANN: Ach was. Bevor so etwas passiert,
zichten müssten, weil wir sonst möglicher-      (Sie taucht abwesend eine goldene Hand in         bauen wir einfach einen größeren Damm.
weise alles verlieren.                          die goldene Substanz im Bassin.) Sie sollten
                                                auch mal wieder den Beckenrand erhöhen.           FRAU: Das meinte ich. Meinst Du, wir kön-
MANN: Aber das geht doch gar nicht.             Viel passt hier nicht mehr rein.                  nen bis in alle Ewigkeit größere Staudämme
                                                                                                  bauen?
FRAU: Das hab ich mir auch gedacht. Ich         MANN: Das werden sie sicher, Schatz. (Er
meine – Verzichten – das würde ja bedeuten,     deutet den Hang hinab; auch sein Arm ist          MANN (überlegt lange): Vielleicht hast du
dass wir nicht immer mehr haben.                golden.) Oh, schau mal, da kommen wieder          Recht. Jemand sollte etwas ändern.
                                                welche.
MANN: Betty war schon immer ein bisschen                                                          FRAU: Unbedingt. Jemand muss eine Lösung
hysterisch. Verzichten – wie lächerlich.        FRAU: Als ob sie hier noch reinpassen wür-        finden.
                                                den.
FRAU: Abstrakt. (Stille. FRAU räkelt sich.                                                        MANN: Mach dir keine Sorgen. Irgendje-
Ihre ganzen Arme sind von der Flüssigkeit       MANN: Lächerlich. Aber schau, sie werden          mand macht das bestimmt irgendwann.
golden überzogen. Rechts von ihnen fügen        zurückgeschickt. (Stille. Die ARBEITER ver-
einige ARBEITER dem Staudamm neue Stei-         lassen den Damm.)                                 FRAU: Du hast Recht. Irgendwann wird das
ne hinzu.)                                                                                        jemand machen.
                                                FRAU: Weißt du, manchmal frage ich mich,
FRAU: Oh, schau mal, sie reformieren den        ob das hier ewig so weitergeht.                   (Die beiden sehen glücklich nach vorne, die
Damm.                                                                                             Gesichter von der Abendsonne erleuchtet.
                                                MANN: Wie meinst du das?                          Rechts von ihnen bekommt der Damm Ris-
MANN: Wurde auch Zeit, ich hatte schon                                                            se.)
Angst, dass er demnächst bricht. Das hätte      FRAU: Du weißt schon. Was, wenn der Damm
richtig gefährlich werden können.               irgendwann bricht? Wenn Betty Recht hat,
                                                würden alle weggespült werden und ertrin-
                                                ken. Alle – wir hier oben und die da unten
                                                auch.

12                                                                  CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 14 - 18 Jahre                   13
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
3

                                                14 - 18 Jahre

                                                Überall Wasser
     Annie Joon Bastheim
     16 Jahre
                                                Brausend schlagen die Wellen von allen Seiten,        Als sich meine Augen wieder öffnen, treibe ich auf
                                                so als wäre es ihre einzige Aufgabe, das Boot         dem Wasser. Um mich herum schwimmen leblose
                                                einzusaugen und nie wieder freizugeben. Es            Körper. Ich schreie nicht. Ich fühle mich nicht im
                                                scheint mir, als würde sich das Wasser von oben       Stande zu schreien. Trauern tue ich auch nicht. Ich
                                                mit dem Wasser von unten verbinden wollen, um         habe niemanden mehr, um den ich hätte trauern
                                                eine erdrückende Blase um mich und das Boot           können. Ruckartig blitzen Erinnerungen in mir
                                                zu bilden. Der Wind kommt von allen Seiten.           hoch. Sie enden mit einem tödlichen Knall, der nur
                                                Ich bin nirgendswo sicher. Ich klammere mich          in meinem Kopf stattfindet. Stattdessen schaue ich
                                                schreiend an einem orangenen Reifen fest. Alle        mich um. Weit und breit ist nichts als Wasser zu
                                                schreien. Es kommt mir vor, als würden meine          sehen. Ich glaube es nicht. Ich kann es nicht glau-
                                                Arme brechen und meine Stimmenbänder reißen.          ben. Ich darf es nicht glauben. Ich schließe meine
                                                Dennoch schreie ich weiter. Ich spüre das eiskalte    Augen, in der Hoffnung, ich könnte dadurch das
                                                Salzwasser auf meiner Haut. Es scheint mich an-       Wasser auslöschen.
                                                zugreifen. Es dringt in meine trockene Haut und
                                                saugt sie aus. Dort, wo meine Haut aufgeplatzt        Glück? Was ist das eigentlich? Wer hat Glück? Hatte
                                                ist, fällt es dem Wasser noch leichter. Es ist, als   ich Glück? Dies frage ich mich schon seit fünf
                                                würde sich jedes einzelne Salzkorn tanzend            Jahren. Schweißgebadet wache ich jede Nacht auf.
                                                vor Vergnügen an meinen Schmerzen ergötzen.           Ich sehe überall Wasser um mich herum. Überall
                                                Plötzlich werde ich gegen die Innenseite der          Wasser. Überall. Mit zitternden Beinen erhebe ich
                                                Bootswand gedrückt und damit der Sauerstoff in        mich von meiner Matratze und schnappe keuchend
                                                einem Zug aus mir. Panisch reiße ich die Augen        nach Luft. Mir ist kalt. Ich fühle mich leer und
                                                auf, als ich merke, wie das Boot zur Seite kippt.     ausgesaugt. Es fühlt sich an, als wäre mein Herz
                                                Mit einem Mal ist es still. Wasser umhüllt mich.      ein schwarzes Loch, mit der einzigen Aufgabe,
                                                Sofort kneife ich die Augen zusammen. Sie bren-       jedes gute Gefühl einzusaugen und nie wieder frei
                                                nen. Alles brennt. Ich sinke immer weiter nach        zu geben. Ich halte es nicht mehr aus. Alle sagen,
                                                unten in eine bodenlose Tiefe. Hektisch strampe-      ich hätte Glück gehabt. Sie wissen nicht, was in
                                                le ich mit den Füßen. Ich weiß, dass ich nach oben    mir ist. Ich kann nicht klar denken. Ich müsste
                                                muss. Meine Füße zappeln weiter, wie Fische,          glücklich sein. Wer hat schon so viel Glück, sich an
                                                wenn sie frisch aus dem Wasser kommen. Plötz-         einen Rettungsring klammern zu können, wenn
                                                lich werde ich bewegungsunfähig. Die einzigen         das Boot sinkt? Warum ich? Wer hat so viel Glück,
                                                Muskeln, die noch arbeitsfähig erscheinen, sind       nicht vom Wasser verschluckt zu werden und dann
                                                die, die sich krampfhaft um den Reifen klam-          leblos wieder hochgewürgt zu werden? Warum ich?
                                                mern. Langsam treibe ich zur Wasseroberfläche.        Wieso hatte ich mehr Glück als meine Familie? Wa-
                                                Gierig recke ich meinen Kopf aus dem Wasser und       rum ich? Diese Fragen zerren an mir. Sie sind wie
                                                sauge die Luft ein, doch eine riesige Welle packt     Eisenketten an meinen Füßen, die mich nach unten
                                                mich und reißt mich mit. Ich überschlage mich         ziehen. Ich taumele zu meinem Spiegel. Ich sehe
                                                mehrmals. Wie in Trance schlüpfe ich ganz in den      mir tief in die Augen. Der Schmerz blickt zurück.
                                                Reifen. Danach wird mir schwarz vor Augen und         Ich fühle mich schuldig. Ich fühle mich schuldig,
                                                eine befreiende Dunkelheit deckt mich zu.             Glück gehabt zu haben.

14                CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 14 - 18 Jahre                                                                              15
Glück gehabt?! Best of CARE-Schreibwettbewerb 2021
1
                                     19 - 25 Jahre

                                     Die Volksempfängerin

     Katrin Griebenow                Der 16. September 1933 war in vielerlei Hin-   Allerdings stellte ich bald fest, dass ich mit
     23 Jahre                        sicht wohl der glücklichste Tag meines         den technischen Möglichkeiten des Volks-
                                     Lebens, denn als ich von der Schule nach       empfängers noch nicht zufrieden war. An
                                     Hause kam und den kleinen Laden meiner         einem verregneten Tag im Jahr 1937 hatte ich
                                     Eltern betrat, stand dort auf dem Verkaufs-    es geschafft, den Flämischen Rundfunk Ant-
                                     tresen ein brandneuer Volksempfänger. Ich      werpen einzustellen und lauschte gebannt
                                     war begeistert. Mein Papa sagte, die Stirn     einem Hörspiel, das „Der Prozess der Jeanne
                                     in sorgenvolle Falten geschlagen, es sei       d’Arc zu Rouen 1431“ hieß. Leider konnte ich
                                     nun wichtiger denn je, das Tagesgesche-        nicht alles verstehen, weil der Empfang so
                                     hen zu verfolgen. Also dudelte, schnatterte    rauschte, und dann kurz vor Ende brach das
                                     und rauschte der kleine metallene Kasten       Signal einfach ab. Ich ärgerte mich so sehr,
                                     zwischen den Büchern und Zeitschriften         dass ich die Geschichte nicht noch einmal
                                     geschäftig vor sich hin und ich saß daneben    hören konnte und wollte unbedingt wissen,
                                     und lauschte. Dank des Volksempfängers         was mit Jeanne passiert war. Deshalb über-
                                     erfuhr ich nicht länger nur Neues aus den      legte ich, den Volksempfänger aufzuschrau-
                                     Straßen von Laurensberg, sondern auch, was     ben, um herauszufinden, wie er funktionier-
                                     in Aachen passierte oder sogar in Berlin und   te, sodass ich ihn einfach umbauen konnte.
                                     München. Ich konnte ganze Theaterstücke        Ich wollte das Programm anhalten können,
                                     anhören, Geschichten aus der ganzen Welt       um kurz auf die Toilette zu gehen und nichts
                                     erfahren und natürlich lief Musik. Manch-      zu verpassen, oder es aufzeichnen wie ein
                                     mal, wenn der Wind günstig stand, haben        Buch, das man wieder und wieder lesen
                                     wir sogar das belgische Radio empfangen.       konnte. Aber meine Mama verbot mir jeg-
                                     Ich musste mich also nicht mehr in meinem      liche Form der Bastelei.
                                     Zimmer langweilen, ich verbrachte fortan
                                     jede freie Minute im Laden und machte mei-
                                     ne Hausaufgaben auf dem Boden hinter der
                                     Ladentheke, bis mein Po kalt war und mein
                                     Rücken schmerzte. Manchmal half ich auch
                                     meiner Mama beim Sortieren der Waren und
                                     tanzte mit Büchern auf dem Arm durch das
                                     kleine Geschäft. Eigentlich war das die Art,
                                     wie ich meine Zeit am liebsten verbrachte.

16     CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                                17
Genau 26 Jahre später wäre mein techni-         angeschrien hätte, nur weil ich mir in sei-       Meine größte Chance auf ein technisches
scher Wunsch in Erfüllung gegangen, denn        nem Geschäft ein paar Lakritze kaufen woll-       Wunder ergab sich am 06. November 1938,
1963 würde Philips auf der Internationa-        te, dann hätte ich den Ton einfach noch lau-      dem in vielerlei Hinsicht wohl traurigsten
len Funkausstellung in West-Berlin die          ter gestellt. Beim Spazierengehen hätte ich       Tag meines Lebens, denn an diesem Tag ist
erste Audiokassette vorstellen und in den       die Geschichte von Jeanne d’Arc gehört und        der Volksempfänger kaputt gegangen. Ich
Siebzigern hätte dann jeder Mensch einen        mir vorgestellt, es wäre nicht 1937, sondern      habe ihn aus Versehen vom Verkaufstre-
eigenen Kassettenrekorder gehabt. Das hätte     1429 und ich vertriebe gerade die Engländer       sen geschubst, als ich dort einen schweren
meine Sternstunde sein können, denn wenn        aus Frankreich. Dann würde ich zu Unrecht         Karton Bücher abstellen wollte. Mit einem
ich nach meinem Schulabschluss Technik          vor Gericht gestellt, aber freigesprochen und     lauten Knall schlug der Metallkasten auf den
studiert hätte, wäre ich vielleicht sogar an    wäre von da an eine freie Ritterin Frank-         Boden und platze auf wie eine reife Tomate.
seiner Entwicklung beteiligt gewesen. Ava       reichs. Niemand könnte mir weh tun, weil          Den ganzen restlichen Tag saß ich über dem
Mintz, Erfinderin des Kassettenrekorders.       ich ein Schwert hätte und eine Armee und          Haufen aus Blech und Drähten und betete,
Das hätte mir gefallen. Ein tragbarer Kas-      einen Walkman. Vielleicht hätte ich sogar         er würde einen Ton von sich geben, nur ein
settenrekorder wäre natürlich noch besser       den Mut gehabt, der blöden Lisa auch einmal       leises Rauschen. Nichts. Die folgenden Nach-
gewesen, so wie einer von diesen batterie-      an den Zöpfen zu ziehen, weil ich gewusst         mittage verbrachte ich wie sonst auch auf
betriebenen Volksempfängern, nur im Ta-         hätte, dass ihr Geschrei an mir abprallen         dem kalten Ladenboden, jedoch nicht, um
schenformat. Doch der Walkman würde erst        würde wie Pfeile an Jeannes Rüstung, sobald       Hausarbeiten zu machen, sondern um den
1979 die weltweiten Märkte erobern. Er wäre     ich nur mein kleines, zauberhaftes Wunder         Volksempfänger zu reparieren. Aber es hat
auf jeden Fall mein treuster Begleiter für      der Technik angeschaltet hätte. Vielleicht        wohl nicht sein sollen. Drei Tage später hat
alle Lebenssituationen geworden. Ganz für       hätte ich den alten Hubert einfach zurückbe-      der alte Hubert eine angezündete Schnaps-
mich allein hätte ich durch die Welt laufen     leidigt und ihm vor die Füße gespuckt. Dann       flasche durch eine Fensterscheibe zwischen
können, ohne mir anhören zu müssen, was         wäre ich nach Hause gegangen, hätte meine         die Bücherstapel geworfen, als die Menschen
andere gerade über mich sagten. Hätte ich       Mama und meinen Papa umarmt und ihnen             mit Fackeln durch die Straßen zogen. Meine
1937 einen Walkman gehabt, ich hätte auf        gesagt, dass alles gut wird, irgendwann.          Eltern sind aus dem Schlafzimmerfenster im
dem Schulhof einfach Musik gehört, wenn                                                           ersten Stock gesprungen und ich …
die blöde Lisa und ihre Freunde mich wegen      Aber ich hatte nun einmal keinen Walk-
meiner Nase geärgert hätten. Da wären           man. Ich hatte nur den Volksempfänger im          ich hätte mir 1979 so gern einen Walkman
nur die Comedian Harmonists, ein kleiner        Laden, dem ich zuhören konnte, wie er ein         gekauft.
grüner Kaktus und ich gewesen, weil ich das     wenig Musik spielt und auch ein wenig Ge-
Lied natürlich aufgezeichnet hätte. So wäre     schrei von wütenden Männern, was wirklich
ich auch gar nicht traurig gewesen, als der     besser ist als gar nichts, aber irgendwie auch
Volksempfänger irgendwann aufgehört hat,        nicht genug. Weder ich noch irgendjemand
mein Lieblingslied zu spielen, denn ich hätte   anderes hat 1933 oder in den folgenden fünf
es trotzdem hören können. Auch die einsame      Jahren den Walkman oder zumindest den
Stille auf meinem Weg von der Schule nach       Kassettenrekorder erfunden. Darauf gehofft
Hause wäre laut und lustig geworden und         habe ich natürlich trotzdem, was blieb mir
wenn der alte Hubert mich wieder einmal         auch anderes übrig?

18                                                                  CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                    19
2
                                                 19 - 25 Jahre

                                                 Euphoria™ – Der Preis des Glücks

                                                 „Willkommen bei Euphoria™!“                    Ich blicke mich noch einmal um. „Sie können
                                                                                                aus folgendem Angebot wählen“, informiert
                                                 Die fröhliche Stimme hallt blechern aus dem    mich der Automat sanft. „Meine Güte“, seuf-
                                                 Automaten. „Wie kann ich Ihnen heute be-       ze ich genervt und drücke auf Taste C, bevor
                                                 hilflich sein? Für unsere ‚Reise ins Glück‘,   die Stimme überhaupt die Chance hat, mich
                                                 das exklusive Monatspaket für alle, die sich   weiter mit ihrem Gesäusel aufzuhalten. Ich
     Celine Frey                                 Luxus und Zufriedenheit gönnen wollen,         weiß, was ich will. Der Automat bleibt kurz
        24 Jahre                                 drücken Sie bitte A. Für alle anderen Optio-   still und flackert leicht. Für einen kurzen
                                                 nen drücken Sie B.“                            angsterfüllten Moment befürchte ich, dass
                                                                                                mein hektisches Drücken ihn hat abstürzen
                                                 „Ja, ja“, brumme ich und drücke hektisch       lassen. Einen Fußmarsch zum anderen Ende
                                                 mehrfach auf Knopf B, während die Stimme       des Viertels kann ich gerade wirklich nicht
                                                 noch munter vor sich hin säuselt. Ange-        gebrauchen. Außerdem steht der Automat
                                                 spannt streiche ich mir eine Haarsträhne aus   dort zu nah am Zaun. Insbesondere seit den
                                                 dem Gesicht und blicke über meine Schulter.    Wasser-Aufständen im Februar wimmelt es
                                                 Es ist dunkel in der Gasse, nur wenige Fens-   dort vor Sicherheitspersonal.
                                                 ter sind erleuchtet und die Straßenlaterne
                                                 flackert. Ich erschaudere und fange an zu      Doch die Angst war unbegründet, ein letztes
                                                 zittern, dabei ist der leichte Windhauch an-   Flackern und die fröhliche Stimme hallt
                                                 genehm warm. Doch er trägt den Geruch des      wieder durch die Häuserreihen. „Sie haben
                                                 Elends mit sich – nach Müll und ungewa-        das Super-Spar-Angebot gewählt. Für den
                                                 schener Wäsche. Ich ziehe meine Jacke enger    unschlagbaren Preis von nur 50€ schenken
                                                 um mich und wende mich wieder dem grell        wir Ihnen fünf Stunden höchster Glückselig-
                                                 leuchtenden Automaten vor mir zu. Der          keit.“ Ich verdrehe die Augen, „schenken“.
                                                 Bildschirm ist gesprungen, offensichtlich
                                                 hat jemand einen Stein gegen das Glas ge-
                                                 schmettert.

20                 CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                              21
Zum Glück sieht der Automat das nicht, dem        noch einmal durch die Erinnerungsfet-             mir der Gedanke, wie ich hier enden konnte.      Glück zu erhalten, hörte ich auch damit auf.
bösen Roboter würde ich glatt zutrauen, we-       zen: Der Kindergeburtstag meiner kleinen          Ich erinnere mich an meine erste Nutzung         Ich konnte nicht ertragen, wie mir jemand
gen so einer Frechheit abzustürzen. „Sollten      Schwester, eine Autofahrt mit Freunden, an        von Euphoria™. „Das ist super“, sagte je-        von Menschen erzählte, die ich lieben sollte.
Sie nicht über finanzielle Zahlungsmittel         die ich mich nicht mehr erinnere, Tanzen          mand, den ich nicht mehr kenne. „Und du          Denn ich fühlte nichts.
verfügen, steht Ihnen unsere kundenfreund-        im Regen, eine junge Frau, die einen Hund         brauchst nicht mal Geld. Du bezahlst einfach
liche und praktische Bezahlungsmethode via        streichelt, mich anlächelt und mir bedeutet,      mit deinen negativen Erinnerungen und                                  *
Erinnerungstransfer zur Verfügung. Bevor-         zu ihr zu kommen und noch einmal die glei-        fühlst dich für ein paar Stunden richtig gut.“
zugen Sie diese Zahlungsmethode, drücken          che Frau, wie sie sich in einem Sommerkleid                                                        Ich stolpere aus der Tür und falle zu Boden.
Sie bitte Taste A.“                               vor dem Spiegel dreht. Ich zögere kurz und        Dass die negativen Erinnerungen schnell          Eine Nachbarin rümpft die Nase „das ist eine
                                                  wähle dann Erinnerung zwei. Erinnerungen          aufgebraucht sind, daran hatte damals kei-       von diesen Euphoria™-Junkies“, giftet sie
Ich hämmere auf Taste A, dieser Automat           mit unbekannten Personen sind nichts, wo-         ner von uns gedacht.                             angeekelt, während ich mich aufrapple.
raubt mir noch den letzten Nerv. Meine            ran ich festhalte. Warum ich Erinnerung vier
Hände zittern immer stärker und mir ist           oder fünf nicht wähle, weiß ich nicht.            Anfangs führte ich noch Buch darüber, wel-       „Das ist wohl der Preis des Glücks“, murmelt
kalt, ich kann nicht ewig hier warten. In                                                           che Erinnerungen ich aufgab. Ich arbeitete       ein anderer und blickt mir mit verhangenen
meiner Ungeduld kommen mir die wenigen            Es sticht in meinem Kopf, dann ist es vorbei.     mich von schlecht nach gut. Den Start mach-      Augen nach.
Sekunden bis zum Öffnen der Klappe unend-         Ich fühle mich kurz leer und meine Ge-            te der Tag, an dem meine Mutter ihre Arbeit
lich vor. „Bitte platzieren Sie ihre Stirn vor    danken sind wie in Watte gepackt. Dann            verlor und wir weit weg vom Zaun ziehen
dem Sensor, anschließend wählen Sie eine          spüre ich, wie es beginnt. Ich höre auf zu        mussten. Anschließend verbrauchte ich neu-
Erinnerung und folgen den Anweisungen in          zittern und mir wird angenehm warm, ich           trale Erinnerungen – ein Witz im Mathe-
Ihrem Kopf.“                                      lächle. „Vielen Dank, dass sie Euphoria™          unterricht oder ein Spaziergang am ausge-
                                                  genutzt haben. Bis zum nächsten Mal“, ruft        trockneten Ufer des Sees. Doch irgendwann
Erschöpft lasse ich meinen Kopf gegen den         der Automat mir hinterher, während ich be-        hörte ich auf. Es war sinnlos, Buch über
Sensor sinken und schließe die Augen. Wie         schwingt die Gasse entlangmarschiere.             Personen zu führen, deren Namen mir nichts
in einem Auswahlmenü ziehen meine Erin-                                                             sagten und deren Gesichter einer weißen
nerungen vorbei – es sind nicht mehr viele.       Der Geruch nach Müll und Armut macht mir          Leinwand glichen. Später tauschte ich mich
Die Stimme, die nun in meinen Kopf dringt,        nichts mehr aus. Ich nehme mir vor am Zaun        mit anderen über unsere Erinnerungen aus,
ist nicht mehr fröhlich. Schließlich zahle        entlang zu gehen, wo die Reichen wohnen. Es       bevor wir zum Automaten gingen. „Du warst
ich ja auch nicht mit Geld, da kann man am        ist so schön die Häuser zu betrachten, wenn       so verzweifelt, dass du keine unwichtigen
Kundenservice sparen. Ein bitteres Lachen         alles dort leuchtet.                              Erinnerungen mehr hattest, dass du mit
entfährt mir.                                                                                       einem Stein auf den Automaten eingeschla-
                                                                        *                           gen und ihn angeschrien hast“, erzählte mir
Die Stimme ist tiefer, dunkler, bedrohlich.                                                         jemand, dessen Namen ich nicht weiß. Das
Vielleicht bilde ich mir das auch ein, weil ich   Als ich am nächsten Morgen erwache                wirkte noch lustig und harmlos. Doch als
weiß, was jetzt kommt. „Sie können zwi-           brummt mein Kopf und mir ist wieder kalt.         ich die Erinnerung an meine Eltern aufgab,
schen 5 Erinnerungen wählen“, informiert          Fröstelnd ziehe ich die Decke um mich – ich       um zum Super-Spar-Montag für diese be-
mich die Stimme in meinem Kopf. Ich zappe         fühle mich leer. Und wieder einmal kommt          sonders große Erinnerung sogar fünf Tage

22                                                                    CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                                  23
3
                                     19 - 25 Jahre

                                     So viel Glück, es ist zum Kotzen

                                     Sie weiß nicht, welche Musik sie hören will,     re hinweg angelesen und diverse Workshops
                                     die ihrer Wut gerecht werden könnte. Sie         dazu besucht, aber wenn es den Damen und
                                     zieht die Haustür hinter sich zu und setzt die   Herren der Universität zu Köln nicht inner-
                                     Kopfhörer auf, dann geht sie los Richtung        halb weniger Minuten in Gänze verständlich
                                     Feld. Sookee dröhnt aus ihren Kopfhörern,        ist, dann muss die Diskussion wohl abgebro-
     Inga Adams                      langsam trabt sie los.                           chen werden, denn man muss sich ja noch
     23 Jahre                                                                         ein theoretisches Modell anschauen. Sie
                                     Sie ist froh, das Haus verlassen zu haben,       bezweifelt, dass irgendjemand ihren Emp-
                                     rauszukommen aus der Enge. Seit fünf Tagen       fehlungen an Büchern und Spotifyoptionen
                                     ist sie in der Heimat und sie hatte gehofft      von Expert*innen zu den Themen nachgeht.
                                     runterzukommen. Die letzten Wochen waren         Stattdessen: keine Diskussion zulassen,
                                     stressig, viel zu stressig, sie hat sich mal     wenn man keine Ahnung hat, die Autorität
                                     wieder zu viel vorgenommen. Der Refrain          muss ja gewahrt werden, ist ja auch ein un-
                                     setzt ein und sie zieht ihr Tempo an, läuft      angenehmes Thema. Was unangenehm für
                                     vorbei an dem Haus einer früheren Freundin       sie ist: danach vor Wut weinend zu Hause zu
                                     und verspürt das Bedürfnis, sich nach Jahren     sitzen, weil keine*r den Diskussionsbedarf
                                     mal wieder bei ihr zu melden. Das Lied wird      versteht oder verstehen will, weil sie das
                                     schneller und härter, ihre Füße treffen im       Gefühl hat, nur wieder als die anstrengen-
                                     Rhythmus auf den Asphalt.                        de Linke wahrgenommen zu werden, und
                                                                                      weil diese Personen als Therapeut*innen
                                     Gekommen ist sie, um abzuschalten. Von           arbeiten, ohne sich jemals ernsthaft mit Dis-
                                     ihrem stressigen Alltag, von der Politarbeit,    kriminierung auseinandergesetzt zu haben.
                                     von den Szenemackern, die ja so super aware      Außerdem wird sie am Ende des Semesters
                                     sind, aber alle Carearbeit dann doch an den      benotet, von der Frau, die sie gerade so un-
                                     FLINT* Personen hängen lassen. Und auf           verhohlen abgewürgt hat.
                                     der Arbeit, da kocht immer sie den Kaffee
                                     für alle und der Kollege nur für sich. Und in
                                     der Uni… naja, davon braucht sie gar nicht
                                     anfangen. Verkorkste Seminare mit wenig
                                     sensiblen Lehrkräften, denen sie dann in den
                                     zwei Minuten, die sie für das Thema eventu-
                                     ell mal übrighaben, die Relevanz von Critical
                                     Whiteness für den Fachbereich Psychologie
                                     erklären soll. Das hat sie sich zwar über Jah-

24     CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                                 25
Ihr kommen zwei Mädchen entgegen. Eine           Der ganze Feldweg ist übersät von Regen-          Wenn sie abends da liegt und darüber nach-       Ihr Gedankenkarussell dreht sich immer
von ihnen ist eine Schulfreundin ihrer           würmern. Sie versucht auf keinen zu treten,       denkt, was sie den Tag über alles falsch         weiter, sie merkt wie ihr schwindelig wird,
Schwester. Von Instagram weiß sie, dass die      aber manchmal ist sie unsicher, ob sie nicht      gemacht hat, dann greift sie gerne zu einem      von ihren eigenen Gedanken und ihrer eige-
andere ihre Partnerin ist. Sie möchte schrei-    doch einen erwischt hat. In ihr steigt eine       Buch. Am besten zu einem, von dem sie was        nen Unzulänglichkeit. Sie sprintet los, wird
en: „Ihr seid queer, können wir reden, bitte     beängstigende Zerstörungswut auf, und             lernt. Auf ihrem Nachttisch liegt bell hooks     immer schneller, um den roten Faden ein-
lasst uns über Queerness reden, alle sind hier   gleichzeitig fühlt sie sich schuldig dafür,       neben Audre Lorde. Letztens hat sie sogar        zuholen, den sie verloren hat. Dann bleibt sie
so cis-hetero.“ Aber sie lässt es dann doch      dass sie vielleicht einen getötet haben könn-     etwas von Holzkamp gelesen, nur um fest-         stehen, beugt sich über das Stück Wiese am
lieber und nickt nur freundlich. Für eine        te.                                               zustellen, dass er auch nur ein alter weißer     Rande des Feldes und übergibt sich.
kurze Sekunde verlangsamt sich ihr Schritt,                                                        Mann ist. Sie liest diese ganzen Bücher, um
dann joggt sie schneller weiter.                 Schuld ist ein großes Thema für sie. Sie fühlt    eine Existenzberechtigung in den linken
                                                 sich schuldig, wenn sie nichts sagt, obwohl       Kreisen zu verspüren. Damit sie Debatten
Sie dachte also hier mal abschalten zu kön-      sie es sollte. Sie fühlt sich schuldig, wenn      führen kann, damit sie sich legitimiert fühlt.
nen über die Feiertage. Selbstverständlich       das, was sie sagt, ihrem Gegenüber vor den        Aber da kommt sie nie hin. Sie stößt immer
war das ein Irrtum. Die Fragen, die ihr Un-      Kopf stößt. Sie fühlt sich schuldig, weil sie     nur auf Wissenslücken, auf Fehler, die sie
behagen auslösen, sind nur andere als in der     denkt, das Falsche gesagt zu haben, weil          macht, auf Privilegien, die sie nicht bemerkt
Großstadt: „Wie läuft dein Bi-Experiment?“       sie Situationen nicht erkannt hat, oder für       hat, und dann fühlt sie sich wieder schlecht,
oder „Dieses…. Ehm …. Binär-Sein, ist das für    andere gesprochen haben könnte. Sie fühlt         weil sie so ein verdammtes Glück hatte, dass
dich auch ein Thema?“ zum Beispiel. Also         sich immer schuldig, und diese Schuld kann        sie kotzen könnte. Sie kann sich aussuchen,
weiter unbezahlte Bildungsarbeit, die so         sie kaum mehr ertragen, vor allem, weil sie       ob sie in Debatten eintreten möchte oder
viele Menschen da draußen sehr viel besser       weiß, dass sie einfach nur Glück hatte, dass      nicht. Trotzdem ist sie am Abend so er-
machen als sie, einfach, weil die Leute das      sie sich schuldig fühlt. Denn schuldig fühlt      schöpft, von den Debatten, die sie führt, dass
von ihr erwarten. Also weiter darüber disku-     sich nur, wer nicht betroffen ist.                sie Erholung braucht. Und dann backt sie
tieren, wann das Nennen der so genannten                                                           Kekse für ihren Opa, weil er die so gerne isst
Herkunft einer Person von Relevanz ist und       Bis zu der Kreuzung, an der sie gerade an-        und nicht selbst backen kann, weil… naja…
wann nicht, warum Monogamie nicht die            gekommen ist, läuft sie eigentlich nie. Sonst     das haben immer Frauen für ihn gemacht.
einzige Option ist und nebenbei erläutern,       läuft sie eine halbe Stunde, ihr Handy zeigt      Die Frau, die es jetzt für ihn macht, ist eben
dass Klassismus und Ableismus übrigens           an, dass die schon um ist. Sie fühlt sich den-    sie.
auch noch existieren.                            noch kaum ausgelaugt, sondern wütend. Und
                                                 schuldig.

26                                                                   CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                                  27
Inga Miksch                              3
     21 Jahre

                                          19 - 25 Jahre

                                          Kinder ohne Namen.

                                          UN-Kinderrechtskonvention                  Das heißt nicht,
                                          Artikel Sieben: Registrierung - Name -     dass es keine Eltern - zu den Kindern gibt,
                                          Staatsangehörigkeit                        die ihnen Namen gaben.
                                          Absatz eins                                Das heißt nicht,
                                          „Das Kind (…) hat das Recht auf einen      dass sie nicht genug geliebt werden, geliebt
                                          Namen von Geburt an“                       wurden,
                                                                                     für das Tragen von schwierigen
                                          I.                                         Konsonanten-Vokal-Kombinationen,
                                          Ich habe einen Namen.                      mit denen man behördliche Unterlagen
                                          Einen Namen,                               ausfüllen könnte.
                                          den mir meine Eltern gaben.                Ihre Namen werden nur nicht gesagt,
                                          Mit Bedacht ausgesucht,                    paraphrasiert,
                                          aus einem finnischen Kinderbuch,           erfragt,
                                                                                     oder buchstabiert.
                                          II.
                                          Es gibt Kinder,                            Kinder ohne Namen.
                                          die haben Namen,
                                          bei denen muss man nochmal nachfragen,     Wir nennen sie:
                                          wie man sie richtig ausspricht.            „Kinder aus bildungsfernen Schichten“
                                          Da gibt es,                                „Hungernde Kinder in Afrika.“
                                          Probleme mit dem Aussprechen,              „sozial schwach“
                                          als würde es einem die Zunge zerbrechen.
                                                                                     Doch sind es die Namen, die sie wirklich
                                          k o m p l i z i e r t.                     tragen?
                                                                                     Wie Jacken, die sie im Winter warmhalten?
                                          III.                                       Doch sind es die Namen, die sie wirklich
                                          Und dann:                                  tragen?
                                          Dann gibt es noch                          wie starke Schultern, an denen sie sich
                                          Kinder ohne Namen.                         festhalten können?
                                          K i n d e r o h n e N a m e n.

28          CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre                                                            29
Wir nennen sie:                                Nenn‘ das Kind beim Namen.                        Glück gehabt.                                    Glück gehabt.
„Kinder aus bildungsfernen Schichten“          Auch wenn du seinen:ihren Namen nicht             Ich hab einen Namen,                             Ich habe einen Namen,
     So nimmt sich die sog.                    kennst.                                           mir hat jemand einen gegeben.                    einen Namen,
     „Bildungsschicht“ heraus,                 Weil dieses Kind                                  Ein Name für ein Leben.                          den mir meine Eltern gaben.
     über -Menschen, die von Armut             vielleicht gerade                                 Bleibt wie ein Kaugummi an der Schuhsohle,       Mit Bedacht ausgesucht,
     betroffen sind- zu richten?               rennt.                                            für immer an mir kleben.                         aus einem finnischen Kinderbuch,
     Das ist keine Bildung. Das ist Stigma.    flieht.
„Hungernde Kinder in Afrika.“                  schreckliches,                                    Glück gehabt.                                    Und vielleicht ist es nur ein Name?
     Afrika ist kein einziges großes           nicht kindergerechtes,                            In Deutschland geboren.                          Nur eine Projektion.
     Entwicklungsland.                         sieht.                                            Aufgewachsen im Land der Denker, der             und die zugesprochene Bedeutung dahinter
     Afrika ist nicht nur ein riesiger         Nenn‘ das Kind beim Namen.                        Dichter:innen, der großen Autoren.               - nur Illusion.
     trauriger Regenwaldbrand,                 auch wenn du seinen:ihren Namen nicht             Willkürliche Kombination von                     Vielleicht ist es nur ein Name?
     Afrika ist ein komplexer Kontinent mit    kennst.                                           Zufallsfaktoren.
     Menschen.                                                                                                                                    I. II. III.
     Diese Welt ist ein riesiges Land,         Und in der Wohnung über uns:                      Glück gehabt.                                    Kinder mit,
     mit geschlossenen innerstaatlichen        Zweiter Stock. Fachwerkhaus. Kleinfamilie.        Weiß gelesen -                                   Kinder mit komplizierten,
     Grenzen.                                  Trampeln die Kinder unseres Vermieters,           trotz schwarzer Tinte in meinem Füller.          Kinder ohne N A M E N.
„sozial schwach“                               „Es ist sicher wieder Timmy“ - weiß’ aus          Personalausweis - kann ich zeigen,
     schwach: ein Armutszeugnis für            Erfahrung:                                        wenn jemand mir mit >>Passport Please>Passport Please
Glück gehabt.                                UN-Kinderrechtskonvention
Ich kann das Glück nicht immer spüren.       Artikel Sieben: Registrierung - Name -
Glück gehabt.                                Staatsangehörigkeit
muss meine Aufenthaltserlaubnis,             Absatz eins
nicht immer mit mir führen.                  „Das Kind (…) hat das Recht auf einen Namen
denn,                                        von Geburt an“
ich bin ein „Kind mit Namen“,
                                             Nenn das Kind beim Namen.
Und mein Name steht nicht allein für sich.   doch ich bin bereits erwachsen.
er bringt mir Glück,                         aus meinen Kinderschuhen rausgewachsen,
er beschreibt meine Rechte,                  brauche meinen Namen,
vielleicht auch mich.                        nicht mehr.
                                             nicht mehr so sehr,
Mein Name.                                   wie ihn andere bräuchten.
brech’ ich mir beide Arme,
ist er meine Krankenversicherung.            Kann ich ihn jetzt abgeben?
Möcht’ ich ein Haus, für meinen              Also so im All-Inclusive-Paket, mit meinen
Fensterrahmen bauen,                         ganzen Privilegien?
ist er mein Bausparvertrag,                  In ein Kinderzimmer [oder sonst wo] hinein
[Und somit mein Fenster zur Welt.]           schweben?
Sitz’ ich aufgeregt in meinen                Einem Kind ohne Namen,
Hochschulexamen,                             unter das kleine Kopfkissen legen?
ermöglicht er es mir erst,                   Wenn es seinen ersten Zahn verliert,
durch die finanzielle Unterstützung meiner   Kann ich Zahnfee spielen, nur für eine Nacht.
Eltern,                                      Die sein, die über die Rechte der Kinder
in meinem Federmäppchen, nach meinem         wacht.
Bleistift zu kramen.                         Mein Glück, zumindest meinen Zweitnamen
Mein Name ist mein Privileg,                 teilen.
das mir groß in schwarz auf meine [schon     Chancengleichheit.
immer] weiße Stirn geschrieben steht.        Lass mich noch ein bisschen in diesem
Privileg.                                    Gedanken verweilen.
                                             bis sich das Glück,
                                             das Glück beginnt zu teilen.

32                                                              CARE-Schreibwettbewerb 2021   Platzierungen 19 - 25 Jahre   33
Nominierungen

                                                    14 - 18 JAHRE

                                            Anne Weingarten | Seite 36
                                             Nele Feldmann | Seite 40
                                               Sven Beck | Seite 44

                               19 - 25 JA HRE

                         Pia Wagner | S
                                        eite 48
                    Franziska Fla
                                    chs | Seite 52
                    Pauline Weinb
                                   erg | Seite 56
                 Silv ia Nwadiu
                                to Chike | Seite
                Ann-Kathrin S                    60
                               peck mann | S
                                              eite 64
14 - 18 Jahre

                                                     Von den Klängen einer Ney in der Wüste

                                                     Dunkelheit. Mein Freund und Verräter. Sie        ich im Regen tanzen könnte, während mir
                                                     liegt über allem, lässt die Explosionen nur      die Tropfen ins Gesicht fallen. Der Gedanke
                                                     noch heller in den Himmel schießen. Ein Ge-      schnürt mir die Brust zu, weckt das Be-
                                                     ruch nach Staub und Feuer hängt über allem,      dürfnis, mein Herz zu greifen, um mich zu
     Anne Weingarten                                 in allem. Um uns karge Steppe, ich kann sie      vergewissern, dass die Erinnerungen noch
     16 Jahre                                        inzwischen mit geschlossenen Augen sehen.        darin sind. Meine rissigen Fingerkuppen
                                                     In uns Wüste, die alles bedeckt, aber nichts     erfühlen Feuchtigkeit, wollen sich darin ver-
                                                     vergehen lässt. Von den fernen Felswänden        senken, aber ich halte verwundert inne, bli-
                                                     hallen Echos wider, lassen um, lassen in uns     cke prüfend in den Himmel. Es regnet nicht.
                                                     nie Ruhe einkehren. Der metallische Geruch       Nur von meiner Brust läuft ein stetes Rinnsal
                                                     von Blut hängt in den Gräben, zu viel Blut,      von Dunkelheit. Raed stürzt auf mich zu.
                                                     um wieder gesund zu werden. Hakima. Day-         Was kann ihn, der mit seinen Geschich-
                                                     yan. Zarif. Jawahir. Tote, die ihren Tod nicht   ten die endlosen Stunden besiegte, dessen
                                                     wollten. Geister, die ihre Leichen verlassen     Stimme sanft wie dunkler Donner grollt,
                                                     haben, um in unseren Köpfen eine neue            erschrecken? Blut. Die Umrisse um mich he-
                                                     Heimat zu finden. Ich wünschte, wenigstens       rum verschwimmen, dann verlöschen auch
                                                     einer von ihnen hätte im Sterben gelächelt.      die flackernden Explosionen. Ruhe ergreift
                                                     So bleibt nur die tiefschwarze Nacht, die von    mich, erfüllt mich, lässt mich lächeln.
                                                     keinem noch so grellen Licht durchstoßen
                                                     werden kann. Schreie, wieder einer mehr.         Der sanfte Wind trägt eine Melodie zu mir
                                                     Leyth, glaube ich. Wie lange noch werden sie     herüber. Leise Trommeln begleiten eine Ney
                                                     in uns nachhallen, unsere Wüsten durch-          auf ihrem Weg durch meine Wüste. Für einen
                                                     wandern? Die Sturmgewehre spucken ihren          Moment schwebe ich neben den Klängen,
                                                     unaufhörlichen Strahl aus leeren Patronen        über hohe Berge, weite Ebenen und unsicht-
                                                     aus. Ich wünschte, es wäre Wasser. Dass          bare Grenzen. Raed, die Trommeln erinnern

36                     CARE-Schreibwettbewerb 2021   Nominierungen 14 - 18 Jahre                                                                 37
mich an den Klang seiner Stimme. An uralte      Das Grollen halte ich erst für Raeds Stimme,      Das Meer ist meine einzige Zuflucht. Ich sin-
Geschichten voller Liebe und Geborgen-          aber es wird von gebellten Befehlen durch-        ke so tief wie nie zuvor, lerne die glasklare
heit. Glück inmitten des Unbegreifbaren.        schnitten. Das Aufheulen von Motoren              Kälte des Wassers zu schätzen, weil sie jeden
Raed. Seine Stimme ist es, die mich in die      und das Rattern von Gewehren dringen zu           Schmerz erstickt. Selten höre ich den Ruf
Gegenwart zurückholt. Die ersten Strahlen       mir durch, ehe ich es schaffe, die Augen zu       eines einzelnen Wales, aber er verhallt jedes
der aufgehenden Sonne brechen durch die         öffnen. Hände hoch! Alle! Hey, ich habe ge-       Mal ungehört in der Ferne. Manchmal meine
Wolkendecke und lassen in mir den Schmerz       sagt: Hände hoch! Ich verstehe nicht. Siehst      ich, aus den Augenwinkeln Sterne zu sehen,
aufflammen. Er ergießt sich durch meinen        du nicht, dass er nur ein angeschossenes Kind     aber sie verschwinden, sobald ich sie be-
Körper, schwappt in Wellen umher, pulsiert      ist? Er kann seine Hände nicht bewegen, also      trachten will. Die Unbewegtheit des Wassers
ungezähmt. Hör genau hin, flüstert Raed.        hör endlich auf, ihn anzuschreien! Wer redet      wird ab und an von Berührungen unterbro-
Ich versinke durch das Schaukeln des Jeeps      da? Ihre Lampen blenden mich, lassen mich         chen, aber sie haben keine Bedeutung. Etwas
immer weiter in seinem Schoß, während er        nur erahnen, dass es Fremde sind. In mir          dringt zu mir durch, lässt mich aufhorchen.
mir leicht durch das Haar streicht. Ich will    steigert sich der Schmerz ins Unermess-           Nein, ich habe mich nicht verhört, wenn ich
ihn fragen, wo wir sind, aber ich habe nicht    liche. Die vertraute Melodie der Ney beginnt      lausche, kann ich etwas hören. Eine Ney, ge-
genug Luft dafür, nicht einmal genug zum        wieder, lässt mich die Augen schließen. Nicht     stützt durch kaum hörbare Trommeln. Trotz
Atmen. Scht, murmelt er. Nicht reden. Dann      bewegen. Immer noch die Fremden, aber             der geringen Lautstärke bemerke ich es
setzt kaum hörbar die Musik wieder ein. Ich     inzwischen noch mehr. Was sie wollen, habe        sofort, als sich unsicher eine zweite Ney ein-
würde schwören, dass sie von ihm kommt,         ich auch jetzt noch nicht verstanden. Wollen      schleicht. Verwundert öffne ich die Augen.
aber sein Gesicht ist so unbewegt wie immer.    sie uns töten? Eher nicht, das hätten sie         Eine Fremde sieht mich lächelnd an, sagt,
Die zarten Töne reiten auf den Wellen aus       längst getan. Was dann? Wieder explodiert         Du hattest Glück. Wirkliches Glück, das zu über-
Schmerz, wandeln sie zu ihresgleichen. Ir-      der Schmerz, während sie mich in einen            leben. Nein, schüttele ich stumm den Kopf.
gendwann bestehe ich nur noch aus dumpfen       LKW tragen. Über mir am Himmel leuchten           Glück wäre, an der Seite von Raed gegangen
Trommeln, die zerbrechliche Klänge stüt-        die Sterne hell wie immer schon, aber ich         zu sein.
zen.                                            kann sie nicht sehen. Die Scheinwerfer der
                                                Fahrzeuge lassen alles in grelles Licht oder
Später bekomme ich mit, wie ich in ein Zelt     tiefschwarze Dunkelheit fallen. Den Sternen
gebracht werde. Sie wollen mich nicht ver-      ist es gleich, was unter ihnen passiert. Ob
lieren, weil ich die ungezählten Höhlen der     Tiere sterben, Feinde sterben. Lichtkegel
Gegend auswendig kenne. Raed ist fort,          gleiten über den Boden. Es ist nur ein Bruch-
aber sein Lied ist geblieben. Ein sanftes       teil einer Sekunde, aber er verschiebt meinen
Trommeln des Herzens, vermischt mit dem         Schmerz und potenziert ihn. Raed - Freunde
sehnsüchtigen Wehklagen der Seele. Beides       sterben. Der Geschichtenerzähler, der große
wird stärker, sie überdecken den Schmerz,       Bruder. Wieder einer mehr, den die Dünen in
der in jedem Sandkorn meiner Wüste liegt.       mir verdecken müssen. Wieder einer mehr,
Den alten, der mit den im Sand Verscharr-       der den bitteren Strom des Verlustes speist,
ten kam, und den neuen, der mit dem Regen       während sein Schmerz jeden vorherigen
kam. Ich sinke zurück in die Schwärze. Fühle    übertrifft. Es dauert lange, bis ich wieder in
die vorsichtige Berührung des Wassers,          die Einsamkeit des Meeres eintauchen kann.
welches mich trägt. Lausche den Gesängen
der Wale, die ich hören, aber doch nicht ver-
stehen kann.

38                                                                  CARE-Schreibwettbewerb 2021   Nominierungen 14 - 18 Jahre                        39
14 - 18 Jahre

                                                   Glücksflieger

                                                   Ein leichter Spätsommerwind wehte durch          Wieder war das Knirschen von Kies zu
                                                   meine Haare, während ich langsam, jeden          hören. Verwundert brach ich den Kontakt
                                                   Schritt auskostend, über das Flachdach           zum Licht ab und richtete meine Aufmerk-
                                                   schritt. Meine Augen waren starr auf das ge-     samkeit stattdessen auf das, was sich rechts
                                                   richtet, was vor mir lag. Meine Füße führten     von mir abspielte. Auf der anderen Seite des
                                                   mich schon beinahe von alleine über die          Abgrunds – es mögen keine sechs Meter
                                                   Kieselsteine, die bei jedem Schritt ein leises   sein, die die beiden Häuserblöcke trennten –
                                                   Knirschen von sich gaben.                        näherte sich ein Junge. Ich befahl mir selbst,
                                                                                                    meine Aufmerksamkeit der Sonne zu wid-
     Nele Feldmann                                 Irgendwann war das Geräusch verschwun-           men, ganz von alleine schnellten meine Au-
     17 Jahre                                      den. Stille kehrte ein. Meine Füße waren         gen jedoch immer wieder zu dem Fremden.
                                                   stehengeblieben, mein Blick war noch immer
                                                   gen Himmel gerichtet. Seine blaue Haut           Auf einmal war alles wieder still: kein Knir-
                                                   wurde bereits von einem orangenen Film           schen, keine Schritte. Vorsichtig wagte ich
                                                   überzogen, in dessen Mitte der leuchtend         es, zunächst nur hinüber zu schielen, um
                                                   rote Sonnenball schien. Seufzend gab ich         schlussendlich doch den ganzen Kopf mit-
                                                   dem Gewicht meines eigenen Körpers nach          zudrehen, sodass ich mir die Person genauer
                                                   und ließ mich, keinen Meter vom Dachrand         anschauen konnte. Die zerzausten Haare
                                                   entfernt, nieder. Beinahe schon automa-          des Jungen wirkten genauso orange wie das
                                                   tisch schob sich ein kleines, zartes Lächeln     Sonnenlicht, welches sie beschien, und wäh-
                                                   auf meine Lippen. Ich liebte diesen Moment.      rend ich meine Füße zum Körper gezogen
                                                   Nahezu jeden Abend genoss ich diese wert-        hatte, ließ er sie an der Fassade des Hauses
                                                   vollen Minuten der Auszeit.                      herunterbaumeln.

40                   CARE-Schreibwettbewerb 2021   Nominierungen 14 - 18 Jahre                                                                  41
Ich sah, wie sein Blick langsam zur Seite         wieso sollte es nicht?“ Ein Schulterzucken,       Wieder tauschte der Papierflieger die Seiten.
glitt. Augenblicklich schnellte mein Kopf in      mehr bekam ich nicht als Antwort. Kurz dar-       Erst einmal zu ihm, dann zurück zu mir: „Du
seine Ausgangsposition. Starr versuchte ich       auf zeigte der Fremde allerdings in Richtung      kannst gerne herüberkommen, wenn du willst.“
mich wieder auf das verzaubernde Farben-          des Papierfliegers, klatschte einmal in die       Ich blickte zum Jungen, ich blickte zum
spiel in weiter Ferne zu konzentrieren, je-       Hände und ließ diese geöffnet. Kurz zögerte       Flieger, ich blickte zum Jungen. Schließlich
doch rasten meine Gedanken immer wieder           ich. Schließlich aber holte ich leicht aus und    schüttelte ich den Kopf.
herüber zu meinem unerwarteten Besuch.            schickte das Papier zurück zu seinem ur-
Ich kannte ihn nicht. Ich konnte mich nicht       sprünglichen Besitzer.                            Der Junge erhob sich. Ein aufmunterndes
einmal erinnern, ihn je irgendwo gesehen                                                            Lächeln schenkte er mir noch, dann wandte
zu haben. Allerdings kannte ich das Haus, in      Interessiert beobachtete ich, wie er erneut       er sich zum Gehen. Doch er verschwand kei-
dem er zu wohnen schien. Es war nicht eines       zu seinem Kugelschreiber griff und etwas          nesfalls alleine in der Dunkelheit. Ein junger
der besten Gebäude in der Stadt. Die Woh-         auf das Papier kritzelte, bevor er dieses zu-     Mann trat aus der Dachtür und umarmte
nungen waren klein, die meisten Familien,         sammenfaltete und herüberwarf: „Du sahst          meinen Papierfliegerjungen lächelnd.
die dort lebten, waren froh, wenn sie am          so alleine aus.“ Meine Augen zogen sich leicht
Ende des Monats über die Runden kamen.            zusammen, als ich die Worte meines Nach-          Ein Stechen breitete sich in meinem Herzen
                                                  barn entzifferte. Er saß doch genauso alleine     aus, als ich die beiden sah – zusammen, mit
Mitleid machte sich in meinem Herzen              hier wie ich.                                     einem Lächeln im Gesicht, dessen Ehrlich-
breit. Ich hatte das Glück, in einer Familie                                                        keit ich förmlich spüren konnte.
zu leben, die mich finanziell in all‘ meinen      „Wer bist du?“ Stille. Ich erhielt keine Ant-
Träumen unterstützte. Ich hatte das Glück,        wort. „Kannst du etwa nicht sprechen?“ Ein        Hatte ich nicht eben noch gesagt, wie glück-
mir nie über schlechte Noten Gedanken zu          kleines Lachen entfuhr meinen Lippen. Ich         lich ich sein konnte, dass es nicht sein Leben
machen und meine Freizeit mit Hobbys zu           hatte die Frage nicht ernst gemeint. Und          war, welches ich besaß. Und saß ich jetzt
füllen. Und er…? Wie viel Glück konnte er         umso heftiger traf es mich, als der Junge         hier und wünschte mir ganz tief im Innern,
schon in seinem Leben gehabt haben?               völlig ernst mit dem Kopf schüttelte. „Du         wenigstens für ein paar Sekunden mit dem
                                                  bist stumm?“ Unglauben war aus meiner             seinen tauschen zu können?
Ein Rascheln holte mich aus meinen Ge-            Stimme zu hören. Dieses Mal nickte er. „Tut
danken und warf mich zurück in die Realität.      mir leid.“ Auch wenn mir das Lächeln aus          Hatte ich nicht gerade eben noch gesagt,
Dennoch wagte ich es zunächst nicht, nach-        dem Gesicht gerutscht war, saß seines noch        ich hätte mein Leben mit einer Menge Glück
zuschauen, was das Geräusch verursacht            immer perfekt auf seinen Lippen. Und auch         aufbauen können? Aber wenn dem so war,
hatte. Erst, als mit einem Mal etwas Weißes       das begleitende Schulterzucken wirkte so          wieso saß ich dann hier und bezweifelte auf
durch mein Sichtfeld zischte, blickte ich er-     gleichgültig, dass ich es kaum ernst nehmen       einmal, dass ich je verstanden hatte, was es
neut zur Seite. Mit einem auffordernden Lä-       konnte. Ich dachte, ich konnte von Glück          überhaupt bedeutete, Glück zu haben?
cheln auf den Lippen nickte der Junge zu mir      sprechen, dass ich anders aufgewachsen war.
herüber. Verwirrt und doch mit einer Spur         Mit einer Stimme. In einem großen Haus. Mit
aus Neugierde folgte ich seinem Blick bis         allen sich bietenden Möglichkeiten.
hin zu dem Papierflieger, der einen Hand-
griff entfernt von mir gelandet war. Schnell      „Wieso bist du alleine?“, lautete die nächste
fischte ich das weiße Ding vom Untergrund         Frage, auf die der Fremde wenig später eine
und versuchte, die mit einem blauen Kugel-        Antwort wollte. „Es wollte niemand mit-
schreiber geschriebenen Worte zu entzif-          kommen.“ Sein Lächeln verwandelte sich in
fern: „Geht es dir gut?“ Falten legten sich auf   ein trauriges. Es wirkte beinahe, als täte ich
meine Stirn und ich brauchte einen Moment,        ihm leid. Aber wieso? Sollte es nicht genau
bis ich mich an den Versender wandte. „Ja,        andersherum sein?

42                                                                    CARE-Schreibwettbewerb 2021   Nominierungen 14 - 18 Jahre                      43
Sie können auch lesen