Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich

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Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
Ausgabe Nr. 1/2022

 8     Benediktinerstift Seitenstetten:

       Humus für
       die Zukunft
 4     Charmante
       Industriebrache

12     Erhaben und
       unberührt

19     Das geht Erwin Thoma
       gegen den Strich!
Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
GALABAU Picknick

                                     8    Benediktinerstift        17    Genügsam und
                                   		     Seitenstetten:          		     anspruchslos
                                   		     Humus für die Zukunft

    Inhalt
            Editorial

      3   Wie gut schaut’s denn
    		    wirklich aus für 2022?                                    17   Impressum

                                                                   18    Grünes Branden und
                                                                  		     Wogen
            International                   Gartenräume

     4    Charmante                  12   Erhaben und unberührt            Gegen den Strich
    		    Industriebrache

                                                                    19   Erwin Thoma
                                                                  		     im Gespräch

                                            Lebendiger Garten

                                     16   Elegante Flieger mit
                                   		     ernsten Problemen

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Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
Editorial
                                                                                                       Grünfalt 1/2022

                                                Ein grünes
                                                Potpourrie
                                                  I
                                                      n der Natur beginnt es wieder zu sprießen,
                                                      der Frühling nähert sich in schnellen Schritten
                                                      und wir drängen alle schon darauf, wieder im
                                                Garten aktiv zu werden. Um die Wartezeit zu verkür-
                                                zen und um zugleich Anregungen zu geben, haben
                                                wir auch heuer wieder für Sie das Grünfalt herausge-
                                                geben. Viele spannende Themen und Begegnungen
                                                erwarten Sie:

                                                Wir haben eine Gartenreise nach Frankreich unter-
                                                nommen und eine neu begrünte Industriebrache
                                                für Sie besucht. Zudem stellen wir Ihnen die Mehl-
                                                schwalbe, den Vogel des Jahres, sowie die Rotföhre,
                                                den Baum des Jahres vor. Ein besonderes Highlight
                                                der Gartengestaltung ist das Japanische Berggras,
                                                der Strauch des Jahres, der vor allem in den letzten
                                                Jahren seinen Siegeszug in den österreichischen
                                                Gärten angetreten hat.

                                                Sehr interessante Gespräche haben wir geführt:
                                                Erwin Thoma hat uns verraten, was ihm gegen den
                                                Strich geht und Abt Petrus Pilsinger sowie Garten-
                                                leiter Stefan Kastenhofer haben uns Einblicke in die
                                                Gärten des Stiftes Seitenstetten gewährt.
                               Marcel Kreitl,
                                   Präsident
Garten- und Landschaftsbauverband Österreich    Bemerkenswert ist auch die neue Serie „Grünes Erbe
                                                Österreichs“. Hier macht der letzte Urwald Öster-
                                                reichs und Mitteleuropas den Auftakt. Er wurde von
                                                der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt und in den
                                                vergangenen Jahrzehnten zu einem Rückzugsort
                                                seltener Arten. Das Gebiet konnte sich so zu einem
                                                Hort der Biodiversität entwickeln.

                                                Lassen Sie sich inspirieren, lassen Sie Ihre Gedan-
                                                ken anregen! In diesem Sinne wünschen wir Ihnen
                                                viel Freude beim Lesen und Schmökern im neuen
                                                Grünfalt.

                                                                                                                    3
Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
International

         Charmante Industriebrache
         Garten der Fayencen im
         französischen Sarreguemines
         Es ist ein charmanter, sogar verwunschener, poetischer Garten, der auf dem Ge-
         lände einer alten Steingutfabrik, die auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken
         kann, im lothringischen Sarreguemines entstanden ist. Die Geschichte ist überall
         auf dem zwei Hektar großen Gelände spürbar und erfahrbar. Das Flair der Archi-
         tektur aus Sandstein und rotem Backstein, mit alten Mauern, hohen Schornsteinen
         und der Lokhalle, spielen mit dem Flüsschen Blies ganz harmonisch zusammen.

         TEXT UND FOTOS CORDULA HAMANN

                                         Verschiedene Etappen                  zu verändern und einen Bachlauf
                                         Die Entwicklung des Gartens er-       anzulegen, der Teil des feuchten
                                         folgte in verschiedenen Etappen:      ‚Laubgartens‘ mit Blattschmuck-
                                         da gab es zunächst ab Ende des        stauden ist. Im Juni 2009 konnte
                                         20. Jahrhunderts den ‚Garten der      dann der Garten der Fayencen er-
                                         Ruinen‘ des Planers Gilbert Samel,    öffnet werden und erhielt 2013 das
                                         der die Spuren des industriellen      Prädikat ‚Jardin Remarquable‘.
                                         Erbes erhalten wollte. Es war eine
                                         von vielen Steingutfabriken in        Das grüne Esszimmer
                                         Sarreguemines, mit langer Tradi-      In der Steingutfabrik wurde früher
                                         tion, wurde doch von 1825 bis 1969    hochwertige Tafelkeramik herge-
                                         hier produziert. Für Gilbert Samel    stellt, wie Krüge, Kannen, Tassen,
                                         waren jedes Gebäudeteil, jede Mau-    Teller, Schälchen. Daran erinnernd
                                         er, jeder Stein, jedes Mühlrad, ja    wurde ein üppiges Esszimmer im
                                         selbst die Keramikscherben von Be-    Grünen angelegt. Ganz der Kuli-
                                         deutung. Sie machten für ihn den      narik verhaftet ist der Boden mit
                                         ‚Geist des Ortes‘ aus und waren       Haselnussschalen bedeckt, aus
                                         ebenso wichtig wie die vorhande-      denen Kräuter wie Lavendel und
                                         nen Bäume und Sträucher und die       Rosmarin sprießen. Die Oberfläche
                                         typische, hügelige Landschaft an      eines Esstisches und die Sitzfläche
                                         der Blies.                            der Stühle sind zu erhöhten Pflanz-
                                         Einerseits sollte dem Garten die      beeten geworden. Der Tisch ist ein-
                                         industrielle Geschichte anzusehen     gedeckt mit Tellern und einer Sup-
                                         sein und gleichzeitig sollte er ein   penschlüssel, aus denen Petersilie
                                         Zusammenspiel von industrieller       oder Thymian schauen, ergänzt von
                                         Brache und gestalteter Natur sein.    Oreganum, Schnittlauch und Pim-
                                         Doch es gab weitere ambitionierte     pinelle. Auf den Stühlen sprießen
                                         Ideen und so wurde der Garten-        spanisches Gänseblümchen (Er-
                                         architekt Philippe Niez engagiert,    igeron karvinskianum) und Salbei,
                                         der 2007 aus dem ‚Garten der          an einfachen Metallgittern ranken
    Der rustikale Charme einer           Ruinen‘ den ‚Garten der Fayencen‘     Clematis, Hopfen, Prunkwinden und
    Industriebrache als gestal-
    terischer Rahmen für einen
                                         entstehen ließ. Die Umgestaltungen    Kletterrosen, deren Blüten und Blät-
    lebendigen Garten.                   dauerten mehr als ein Jahr, um        ter sich in vielen Keramik-Dekoren
                                         die Topographie des Grundstücks       wiederfinden.

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Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
Grünfalt 1/2022

   In verschiedenen
 Etappen wurde der
 Garten in der alten
Steingutfabrik nahe
  der Blies angelegt.

                                 Steinerne Zeugen
                                      einer längst
                                     vergangenen
                                  Industrieepoche.

   Der Garten der Mühlsteine
   Anschließend geht es in den Mühl-
   steingarten, der einen sehr natürli-
   chen Charakter hat. Steingutscher-
   ben sind als Wegebelag eingesetzt.
   Zeitzeugen der Keramikproduktion
   und der Arbeit in der Mühle sind die
   runden, mächtigen Mühlsteine. Sie
   sind hart und langlebig und sind –
   im Kontrast – von zarten Stauden
   und vergänglichen Einjährigen um-
   geben. Spinnenpflanze, südame-
   rikanisches Eisenkraut (Verbena
   bonariensis), weiße Dolden von
   Ammi visnaga und die eleganten
   Prachtkerzen (Gaura lindheimeri)
   sind zu einem feinen Bild mitein-
   ander verwoben. Ein Höhepunkt
   sind die Blüten der majestätischen
   Steppenkerzen im Juni. Mit ihren
   meist orangefarbenen Blüten sollen
   sie an die Flammen der Brennöfen
                                 Foto: Zauner
   erinnern.

                                                                  5
Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
I nter n a ti onal

                                                                                               Der Garten wirkt, als hätte
                                                                                               sich die Natur das vom
                                                                                               Menschen kultivierte Gebiet
                                                                                               zurückerobert, so unaufge-
                                                                                               regt fügt sich die Gartenge-
                                                                                               staltung in die Umgebung.

                                                                                             der Umgestaltung im Jahre 2007
                                                                                             angelegt, wirkt aber so, als würde
                                                                                             er schon immer dazugehören. Die
                                                                                             Blattschmuckstauden kommen
                                                                                             hier besonders zur Geltung. In
                                                                                             diesem eher feuchten 'Laubgarten'
                                                                                             finden sich Greiskraut (Ligularia)
                                                                                             und Rodgersien; Funkien glänzen in
                                                                                             kräftigem Grün, Frauenmantel er-
                                                                                             scheint eher silbrig.
                                                                                             Ganz nah dran ist man den Pflan-
                 Ein zauberhafter Scherbenwald         mit schönem, an amerikanische         zen auf den Trittsteinen: das Mam-
                 Unaufgeregt und beruhigend ist der    Eichen erinnerndes Laub, das im       mutblatt (Gunnera manicata) macht
                 kleine Wald: Eschen, Scheinakazien    Herbst eine intensive Laubfärbung     seinen Namen alle Ehre. Als Kont-
                 (Robinia pseudoacacia) und Feld-      in Rottönen zeigt. Zusammen mit       rast zu den großblättrigen Stauden
                 und Bergahorn, die sich ausgesät      niedrigen Alpenveilchen in zarten     gibt es zarte Farnwedel des Strau-
                 hatten. Unregelmäßig und mehr-        Rosatönen bringen sie ab Spät-        ßenfarns (Matteucia struthiopteris),
                 stämmig wachsen sie im Gemisch        sommer und Herbst etwas mehr          schmale Irisblätter und den auf-
                 von anstehendem Boden und alten       Farbe in den zurückhaltenden,         rechten Schachtelhalm. Die hohen
                 Keramikscherben, ein ‚Scherben-       weiß-grünen Garten. Im Frühjahr       Bäume, mit feinnadeligen Sumpf-
                 haufen‘, der einmal positive Aspek-   zieht der Duft der weißen Dichter-    zypressen (Taxodium polystichum)
                 te hat.                               narzisse (Narcissus poeticus) durch   im Hintergrund, komplettieren das
                 Im Unterholz gibt es Hortensien,      den Scherbenwald.                     Bild. Grundsätzlich spielt sich im
                 denen dieser lichte Schatten ge-                                            ‚Laubgarten‘ die schmückende
                 fällt. Weiß blühende Ballhortensien   Bewegtes Wasser und vielfälti-        Wirkung der Blätter und Halme
                 wechseln sich ab mit Kletter-         ges Laub                              besonders dann in den Vorder-
                 hortensien und eichenblättrigen       Ein kleiner Bachlauf mit niedrigen    grund, wenn keine Blüten in Er-
                 Hortensien (Hydrangea quercifolia),   Kaskaden wurde erst im Rahmen         scheinung treten.

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Humus für die Zukunft - Benediktinerstift Seitenstetten: Charmante Industriebrache 12 - Galabau-Verband Österreich
Grünfalt 1/2022

Und es gibt sie doch, die Blüten       mit Mangold,
Natürlich wäre ein Garten ganz         Zwiebeln,
ohne Blüten schon ungewöhnlich.        Stangen- und
Neben vielen Stauden und Gehöl-        Feuerboh-
zen sind es auch die hängenden         nen, Rotkohl,
Zierkirschen, ein beliebtes Motiv in   Zierkohl und
der Keramikmalerei, die mit weißen     rotlaubigem
und rosa Blüten im zeitigen Früh-      Grünkohl, er-
jahr bezaubern. Die große Blau-        gänzt durch
regen-Pergola ist ab Mai ein Meer      einfache und
von lila Rispen; die Rabatte der       gefüllte Stu-
Strauch- und Staudenpfingstrosen       dentenblumen und Zinnien in einer
schließt sich an.                      große Farbpalette. Der Garten wirkt
                                       nicht wie ein musealer, sondern viel   Blühende Lebendig-
                                                                              keit als Kontrapunkt
Doch einen besonderen Charme hat       mehr wie ein sehr lebendiger Gar-        zu den Grünschat-
auch ‚Der Garten des Direktors‘ –      tenraum, in dem gesät, gepflanzt         tierungen auf dem
ein kleiner, bunter Gemüsegarten       und geerntet wird.                         übrigen Gelände.

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GALABAU Picknick

    Humus für die Zukunft
    INTERVIEW // Für Klöster und Stifte hatte der Garten seit jeher eine
    besondere Bedeutung: Als Buch der Natur, in dem wir lesen können ebenso,
    wie als Apotheke Gottes oder als Nutzgarten zur Selbstversorgung. Welche
    Bedeutung der Garten in einem Stift heute noch hat, zu dieser Frage baten
    wir Abt Petrus Pilsinger und Gartenleiter Stefan Kastenhofer vom
    Benediktinerstift Seitenstetten zum Gespräch.

    INTERVIEW NORBERT HINTERSTEININGER   FOTOS STIFT SEITENSTETTEN, STEFAN OSBELT

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                                              Seit jeher sind Stifte und Klöster
                                                 ein Hort des Wissens und der
                                                          Wissensvermittlung.

Was bedeutet „Vierkanter                  Welche Bedeutung hat das heute           Oder wenn Anfang Mai die Pfingst-
Gottes“?                                  noch, wenn dieser Aspekt nicht           rosen blühen, wenn die in der
                                          mehr vielen Menschen bewusst ist?        Vollblüte stehen und von weiß bis
Abt Petrus: Wir sind in einer länd-                                                dunkelrot auf dieser großen Fläche
lichen Region angesiedelt. Die für        Abt Petrus: Der Stiftsgarten wird        leuchten. Das ist sehr beeindru-
diese Gegend typische Bauweise            als Ort der Ruhe und des Staunens        ckend und anregend.
ist der Vierkanter. Unser Stift ist wie   noch immer sehr gut angenom-
ein sehr großer Vierkanter gebaut.        men. Und das Staunen über die            Stefan Kastenhofer: Mein Lieblings-
                                          Natur ist der erste Weg zum Glau-        platz ist unter dem großen Nuss-
Ein Garten hat für ein Kloster auch       ben. Die Natur kann dieses Staunen       baum, einem mächtigen Baum mit
religiöse Bedeutung – Hat nicht           sehr stark anregen. Und da tun wir       einem weiten Blätterdach. Das ist
Augustinus dem Wort Gottes in             im Stift sehr viel dafür, dass wir       schon sehr inspirierend.
der Bibel das Buch der Natur zur          im Rosengarten, im Kräutergarten
Seite gestellt?                           oder den Themengärten etc die            Ein Ort der Kontemplation?
                                          Menschen zum Staunen einladen.
Abt Petrus: Das ist genau so, wie                                                  Kastenhofer: Ja, ganz sicher. Da
Sie sagen – die Offenbarung Got-          Wenn Sie diese vielen Orte               überlegen wir auch oft, was die
tes finden wir in der Bibel und in        erwähnen – haben Sie einen               Menschen wirklich anspricht. Und
der Natur. Die Natur ist in unserer       Lieblingsplatz?                          das ist wirklich diese Ruhe an vie-
Sichtweise ein Fingerzeig auf den                                                  len abgeschiedenen Platzerln, an
Schöpfer. Ein Garten ist ein Abbild       Abt Petrus: Im Sommer gehe ich           denen der Alltag ausgeklammert
des Paradieses.                           sehr gerne durch den Rosengarten.        wird. Man geht in den Garten und
                                                                                   ist plötzlich in einer anderen Welt.
                                                                                   Wir haben keine Erlebnisgärten,
                                                                                   nichts Aufregendes, keine Action.
                                                                                   Gerade diese Ruhe zieht viele
                                                                                   Menschen an.

                                                                                   Ist das ein Trend, den Sie erkennen?

                                                                                   Abt Petrus: Ein Trend weiß ich
                                                                                   nicht. Aber unser Angebot, dass
                                                                                   man jederzeit im Kloster Urlaub
                                                                                   machen kann, wird sehr gerne
                                                                                   angenommen. Dabei haben wir
                                                                                   keinen Wellnessbereich. Aber bei
                                                                                   uns kann man am Klosterleben
                                                                                   teilnehmen, wenn man das will,
                              Viele abgeschiedene Plätze im
                                                                                   mit Vollpension oder ohne. Und da
                              Garten des Stifts Seitenstetten                      kommen die unterschiedlichsten
                                   laden ein zum Verweilen.                        Menschen, die oftmals einfach
                                                                                   eine Woche Auszeit wollen.

                                                                                                                                       9
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G A L A BAU Picknick

                                                                    „Viele alte Pflanzen
                                                                 werden heute von der
                                                               Medizin wiederentdeckt.“

                                                                                            Kastenhofer: Nach unseren Quellen
                                                                                            wurden 1621 hier im Stift die ersten
                                                                                            Erdäpfel des Landes angebaut. Die
                                                                                            kamen aus der Neuen Welt über
                                                                                            Belgien nach Seitenstetten. Damals
                                                                                            eigentlich noch als Zierpflanze und
                                                                                            nicht als Grundnahrungsmittel …

                                                                                            Abt Petrus: Und der damalige Abt
                                                                                            war an diesen neuen Pflanzen be-
                                                                                            sonders interessiert und hat damit
                                                                                            experimentiert. Er hat auch Rezep-
             Kastenhofer: Auch das Stift als         immer wieder alte Dinge. Als           te aufgeschrieben. Und wenn man
             Tagungsort ist etwas Besonderes.        Beispiel das Buch „Die Flora von       sich seinen Erdäpfelsalat anschaut,
             Die alten Mauern, die ehrwürdigen       Seitenstetten und Umgebung“, in        dann muss man sagen, dass der
             Räume – einfach ein anderer Platz.      dem heute seltene Pflanzen noch        heute noch genau so gemacht
                                                     als weit verbreitet gelten. Wir wol-   wird.
             Abt Petrus: Wir haben auch Semi-        len das alte Gartenwissen erhalten
             nare von Firmen oder Universitäten      und auch anderen vermitteln. Dar-      Auch der Rosengarten hat eine
             bei uns. Warum fährt man nicht in       um haben wir die Gartenakademie        besondere Geschichte?
             ein Wellnesshotel? Wenn wir unsere      ins Leben gerufen.
             Besucher das fragen, bestätigen uns                                            Kastenhofer: Wir pflegen im Rosen-
             alle diese besondere Atmosphäre.        Wie wird dieses Bildungsangebot        garten 110 historische Sorten. Das
             Einerseits vermittelt die Architektur   angenommen?
             des Gebäudes und des Gartens Of-
             fenheit und Weite, andererseits wird    Kastenhofer: Trotz Corona sehr gut!
             man zum Nachdenken angeregt.            Es gibt eine sehr rege Nachfrage
             Das Rosenkranz-Labyrinth zum            nach diesem Wissen.
             Beispiel: Man geht im Kreis und
             vor und zurück, wie im Leben auch;      Versuchen Sie auch alte Pflanzen-
             manchmal ist man vom Ziel ganz          sorten zu erhalten?
             weit weg und dann spürt man
             wieder, dass man näherkommt.            Kastenhofer: Zum Teil ja. Vor allem
                                                     Sorten mit historischem Bezug
             Das Pflanzenwissen, die Anbau-          zum Stift. Aber nicht alle alten
             methoden, die verschiedenen             Sorten sind unserer Meinung nach
             Gartenbereiche – das hatte früher       erhaltenswert. Wir hatten beispiels-
             eine spezielle Funktion, etwa als       weise alte Kartoffelsorten aus Süd-
             Klosterapotheke …                       amerika, die waren interessant aber
                                                     entbehrlich.
             Kastenhofer: … und dieses Wissen
             wollen wir auch heute noch bewah-       Der Erdapfel spielt in Seitenstetten
             ren. In einem Kloster findet man        überhaupt eine besondere Rolle …

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                                                                                      „Unseren Bildungsauftrag
                                                                                      sehe ich auch darin, zu ver-
                                                                                      mitteln, was unser Mensch-
                                                                                      sein wirklich ausmacht. Dass
                                                                                      es auf die Qualität ankommt
                                                                                      und nicht auf irgendeinen
                                                                                      Lebensstandard.“

sind zum Teil sehr robuste Pflan-       Damit schließt sich der Kreis zum    Kastenhofer: … dann lernen wir
zen, dafür blühen sie oft nur einmal    alten Wissen, das in einem Stift     auch für die Zukunft und überneh-
im Jahr. Aber in der Blüte ist das      als Hort des Wissens und der Wis-    men Verantwortung für unseren
sehr opulent.                           sensvermittlung gesammelt, auf-      Planeten und für die Solidarität in
                                        bewahrt und mit einem Bildungs-      der Gesellschaft.
Welche besonderen Pflanzen              auftrag verbunden wurde. Wenn
haben Sie noch in Seitenstetten?        Sie an das Thema Bildung denken      Vielen Dank für das Gespräch. //
                                        – welchen Wunsch haben Sie?
Kastenhofer: Meine Lieblingspflan-
zen sind die beiden Eiben am Ende       Abt Petrus: Wir haben ein humanis-
des Gartens. Die sind hunderte          tisches Gymnasium. Das Humane
Jahre alt. Eiben werden heute von       und der Humus haben den gleichen
der Medizin wiederentdeckt, weil        Wortursprung mit dem lateinischen
man draufgekommen ist, dass             humilitas, der Demut. Diese Demut
Eiben enormes Potential in der          müssen wir in der Bildung vermit-
Krebstherapie haben.                    teln, dass wir als Geschöpfe mit     Zum Veranstaltungskalender
                                                                             und zu den Terminen der
                                        der Natur verbunden sind und nur
                                                                             Gartenakademie des Stiftes
                                        in der Gemeinschaft, im Füreinan-    kommen Sie mit
                                        der leben können …                   diesen QR-Codes.

         „In unserer Stiftsbibliothek
      finden sich viele alte Schätze
                       des Wissens.“

                                                                                                                               11
Gartenräume

                                                                                                  es Erbe
                                                                                                 n

                                                                                           Grü
     Erhaben
     und unberührt

                                                                                                        hs
                                                                                             Ös
                                                                                                  terreic
     Von der Zivilisation praktisch abgeschnitten und nur zu
     Fuß zu erreichen befindet sich in Dürrenstein, zwischen
     Ötscher und Ybbstaler Alpen der letzte Urwald Österreichs
     und zugleich einer der letzten Mitteleuropas. Das schwer
     zugängliche Gebiet von knapp 300 Hektar wurde Ende des
     19. Jahrhunderts von Albert Freiherr von Rothschild er-
     worben und anstatt den Wald wirtschaftlich zu nutzen für
     seine Nachfahren unter Schutz gestellt. Von den National-
     sozialisten enteignet, wurde der Wald gesetzlich unter
     Naturschutz gestellt und 1988, nachdem die Nachfahren
                            1
     des Freiherrn entschädigt worden waren, auf 576 Hektar
     erweitert. Ab 1991 wurde das Gebiet unter Förderung der
     Europäischen Union kontinuierlich auf aktuell rund
     7000 Hektar ausgedehnt und 2017 von der UNESCO zu
     Österreichs erstem Weltnaturerbe ernannt.

     TEXT NINA SCHÖNEMANN

        V
               or allem in dem ursprüng-            unberührten Natur Lebensraum
               lichen Kerngebiet, das der           und Rückzugsgebiet finden. Mehr
               Ausgangspunkt für die                als 600 Großpilzarten und tausende
     besondere Geschichte dieses unbe-              Kleinpilze wurden nachgewiesen,
     rührten Fleckens Natur war, finden             36 Ameisenarten, seltene Käuze
     sich bis zu 1000 Jahre alte Bäume:             und bedrohte Spechte, aber auch
     Fichten, Tannen und Buchen, die                Großraubtiere finden hier genü-
     in natürlicher Waldgemeinschaft                gend Raum, um sich entfalten zu
     gedeihen und selbst als Totholz                können. Nur wenige Menschen
     zur Lebensgrundlage zahlreicher                dürfen das Schutzgebiet betreten,
     bedrohter Lebewesen werden: vom                doch im „Haus der Wildnis“ in Lunz
     Alpenbock bis zum Weißrücken-                  am See, ist ein Zentrum für Natur,
     specht, vom Alpensalamander und                Bildung und Forschung entstanden,
     Alpenschneehuhn bis zu Luchs,                  das zugleich auch Ausgangspunkt
     Adler und Wildschweinrotte.                    für ausgedehnte Wanderungen ist.
                                                    „Nur wenn wir den Menschen die
     Im Unterwuchs von Bergahorn,                   Schönheit, Größe und Erhabenheit
     Esche und Bergulme finden sich                 der Natur vermitteln können, dann
     Alpendost, Eisenhut, Alpenampfer               werden wir auch unsere Umwelt
     und Berg-Greiskraut. Insgesamt                 als Lebensgrundlage erhalten
     ist dieses große grüne Erbe Ös-                können“, ist Dipl.Ing. Dr. Christoph
     terreichs eine resiliente Welt                 Leditznig, Geschäftsführer der
     hunderter verschiedener Pilze,                 Schutzgebietsverwaltung
            Foto: Universalmuseum Joanneum / Jare
     Pflanzen und Tiere, die in dieser              überzeugt.

12
Grünfalt 1/2022

         Große Teile des
   weitläufigen Gebietes
sind nur zu Fuß erreich-
   bar. Wanderer dürfen
   nur auf den wenigen,
     markierten Wegen
        unterewegs sein.

                           Foto: Hans Glader

                                                   Foto: Theo Kust

                                                            13
G a r ten r ä u me

                                                                                        Foto: Theo Kust

                 Mittlerweile ist das Gebiet sehr
                 weitläufig. Große Teile dürfen nicht
                 betreten werden und so konnte
                 sich die Natur vom Menschen
                 weitgehend unberührt entwickeln
                 und in einen naturnahen Zustand
                 zurückkehren. Viele andernorts be-
                 reits ausgestorbene oder verschol-
                 lene Lebewesen, Pflanzen, Tiere
                 und Pilze konnten hier überdauern          Foto: Christoph Leditznig

                 oder sich wieder neu ansiedeln.
                 Dadurch ist das Schutzgebiet zu
                 einem Reservat der Biodiversität
                 geworden und gehört zum einmali-
                 gen grünen Erbe Österreichs.
                                                                Gerade für den
                                                         Habichtskauz ist das
                                                             Weltnaturerbe im
                                                        Herzen Österreichs ein
                                                           lebensnotwendiges
                                                              Rückzugsgebiet.

14
Grünfalt 1/2022

            Mächtige Bäume werden
             als Totholz zum Lebens-
          raum für besonders seltene
             Tier- und Pflanzenarten.

                    Foto: Werner Gamerith   Foto: Christoph Leditznig

                                                                        Foto: Hans Glader

Foto: Theo Kust

                                                                                            15
Lebendiger Garten

       Eleganter Flieger
       mit ernsten Problemen
       Mit der Mehlschwalbe (Delichon urbicum) kürt die Vogelschutzorganisation
       BirdLife Österreich einen typischen Bewohner unserer Dörfer und Städte zum
       Vogel des Jahres 2022. Dies auch, um auf das drohende Aussterben dieses
       besonderen Vogels aufmerksam zu machen.

       TEXT SUSANNE SCHREINER                        „Die Mehlschwalbe gehört zum             der Böden finden Schwalben weder
                                                     typischen Bild und auch zur Ge-          Pfützen noch Lehm für ihren Nest-
                                                     räuschkulisse unserer Dörfer und         bau vor. „Heutzutage ist es schon
                                                     Städte“, so Gábor Wichmann,              fast eine Besonderheit, wenn man
                                                     Geschäftsführer von BirdLife Ös-         Schwalben als Mitbewohner beher-
                                                     terreich, „doch inzwischen bauen         bergen darf“, weiß der Experte und
                                                     nur noch halb so viele Paare ihre        erinnert: „Schwalben gelten seit
                                                     viertelkugelförmigen Lehmnester          jeher als Glücksbringer!“
                                                     kunstvoll unter Vorsprüngen unse-        Aus diesem Grund haben unsere
                                                     rer Gebäude!“ Verantwortlich dafür       Vorfahren Abflug und Ankunft der
                                                     sind wir Menschen: Die Zerstörung        Schwalben genau beobachtet und
                                                     des Lebensraumes und das knap-           viel dafür getan, dass sie in ihren
                                                     per werdende Nahrungsangebot             Ställen und Häusern einziehen
                                                     führten bei der Mehlschwalbe             konnten. „Umso trauriger ist es,
                                                     innerhalb der letzten 20 Jahre zu        dass sie heutzutage eher als Quelle
                                                     einer Bestandshalbierung.                der Verschmutzung denn als Quelle
                                                                                              der Freude angesehen werden“, ist
                                                     Menschenverursachter                     Wichmann enttäuscht. Dabei kann
                               Foto: Otto Samwald
                                                     Schwalbenschwund                         man sich vor den ungewünschten
                                                     Sanierungsmaßnahmen an Ge-               Hinterlassenschaften der Schwal-
                                                     bäuden, das absichtliche Entfernen       ben ganz leicht durch Kotbrettchen
                                                     der geschützten Nester oder das          schützen. Wer nicht tatenlos zu-
                                                     bewusste Verhindern des Nestneu-         sehen will, dass die Mehlschwalben
                                                     baus erschwert das Überleben der         verschwinden, kann Lehmpfützen
                                                     Schwalben in den Siedlungen. Im          anlegen, Kunstnester anbringen so-
                                                     Offenland bietet die intensivierte       wie seinen Garten pestizidfrei und
                                                     Landwirtschaft mit ihren Monokul-        insektenfreundlich gestalten.
                                                     turen, der Rückgang der Weidewirt-
                                                     schaft, der Einsatz von Pestiziden
                                                     sowie der immense Rückgang flie-
                                                     gender Insekten ebenso schlechte
                                                     Überlebensvoraussetzungen. Durch
                                                     die fortschreitende Versiegelung
                                                                                                                  Vogel
                                                     Die Mehlschwalbe, Vogel des Jahres
                                                                                                                  des Jahres
                                                                                                                  2022
                                                     2022, ist ein typischer Bewohner unse-
                                                     rer Dörfer und Städte, der besonders
                                                     unter Bodenversiegelung, Sanierungs-
                                                     maßnahmen an Häusern, der inten-
                                                     sivierten Landwirtschaft und immer
     Foto: Johannes Hohenegger_BirdLife Österreich   weniger fliegenden Insekten leidet.

16
Grünfalt 1/2022

                                                                                                                                                 Baum
                                                                                                                                                 des Jahres

Genügsam                                                                                                                                        2022
und anspruchslos
Das Kuratorium Wald hat auch heuer seine Wahl zum Baum des Jahres getroffen:
Mit der Rotföhre (Pinus sylvestris) fiel die Kür auf einen Baum, der in besonderer
Weise auf die Herausforderungen des Klimawandels hinweist.
TEXT NORBERT HINTERSTEININGER

Die Rotföhre kann bis zu 600 Jahre                    kann sogar in Felsspalten Wurzeln                      am Bau zum Einsatz. Zudem bietet
alt, 48 Meter hoch und ihr Stamm                      schlagen.                                              sie einer Vielzahl von Insekten, Pil-
kann bis zu einem Meter Durch-                                                                               zen und Vögeln wichtigen Lebens-
messer erreichen. Dass sie in be-                     Sie ist zwar erst ab etwa zehn bis                     raum und fördert so auf außer-
sonderer Weise mit Trockenheit                        fünfzehn Jahren blühfähig, steht                       ordentliche Weise die Biodiversität
umgehen kann ist im wesentlichen                      aber im Verdacht, bei manchen                          unserer Wälder.
drei Faktoren geschuldet: Zum ei-                     Menschen Heuschnupfen auszulö-
nen wurzelt sie bis zu sechs Meter                    sen. Als windblütiger Baum produ-
tief und kann so Wasser auch aus                      ziert sie Pollen, die mit Luftsäcken
tieferen Bodenregionen gewinnen.                      mehrere Kilometer weit fliegen
Zum anderen wirken die Nadelspit-                     können.
zen als Kondensationspunkte für
Tau und sammeln so Wasser aus                         Auf jeden Fall ist die Rotföhre von
der Umgebungsluft. Und darüber                        eminenter forstwirtschaftlicher Be-
hinaus ist die Rotföhre eine sehr                     deutung: Während sie früher für die
anspruchslose Baumart und kann                        Harzgewinnung zur Terpentinerzeu-
so auf vielen Böden und in vielen                     gung geschätzt wurde, kommt das
Klimazonen heimisch werden und                        Holz der Rotföhre heute vor allem
                                                                                                                                                                  Foto: AdobeStock.com

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                                                                                                                                                                                17
L e b end i ger G ar ten

                                                                                                                                Strauch
                                                                                                                                des Jahres

                Grünes Branden                                                                                                  2022
                und Wogen
                Heuer fiel die Wahl zur Staude des Jahres auf Hakonechloa, das
                Japanische Berggras. Diese in unseren Breiten sehr junge und noch
                immer seltene Pflanze ist zu unrecht erstaunlich unbekannt.

                TEXT BDS/MASCHA SCHACHT FOTO GMH/BETTINA BANSE

 Familie        Süßgräser (Poaceae)
                                                                „Die erten Exemplare hab ich vor           Hakonechloa macra, bestmöglich
                                                                rund 20 Jahren bei dem deutsch-            entfalten.
 Gattung        Zwergschilf (Hakonechloa)                       stämmigen und in die USA aus-              „Seine wahre Bestimmung aber
                                                                gewanderten Gartengestalter Wolf-          findet dieses Gras im Halbschat-
 Arten          Hakonechloa macra (es gibt nur diese
                eine Art)                                       gang Oehme gesehen“, erinnert              ten“, ist Manig überzeugt, „denn
                                                                sich Vorstandsmitglied und Stau-           hier birngt es sein mehrfarbiges
 Verbreitung    Japan                                           denexperte Klaus-Peter Manig, „und         Spiel besonders faszinierend zur
 Lebensdauer mehrjährig                                         mir war sofort klar, dass dieses           Geltung.“
                                                                Gras ein ganz besonderer Schatz
 Aussehen       Die malerisch überhängenden Halme               im Garten sein kann.“ Kein Wunder,         Eine wahre Lichtgestalt ist etwa die
                bilden kompakte kissenartige Blatthorste;
                schöne gelbliche bis ockerfarbene bezie-        denn Hakonechloa ist außerordent-          bis zu 55 cm hohe, goldgrün schim-
                hungsweise orangebraune Herbstfärbung;          lich attraktiv, passt stilistisch in na-   mernde Sorte ‚All Gold‘, die selbst
                je nach Sorte 35 bis 70 cm hoch                 hezu jeden Garten und kann durch           düsteren Ecken ein freundliches
                                                                seinen kissenartigen Wuchs so-             Antlitz verleiht. Auch die weißgrün
 Blüte          Die zarten Ährchen erscheinen gleich-
                mäßig zwischen den Halmen verteilt und          wohl als Einzelpflanze wie auch als        gestreifte Auslese ‚Albostriata‘ (bis
                passen sich den weichen Konturen des            Flächenfüller verwendet werden.            70 cm hoch) und die gelbgrün ge-
                Grases an                                       In der richtigen Inszenierung bran-        streifte Sorte ‚Aureola‘ (bis 60 cm
 Besonderer     • bildet dichte, gleichmäßige runde Kissen
                                                                det und wogt ein frisches Grün im          hoch) bringen Licht ins Dunkel und
 Gartenwert     • intensives, frisches Grün                     Garten, umschmeichelt Sträucher            beleben absonnige Rabatten mit
                • spektakuläre mehrfarbige Sorten               und kaschiert Beetränder.                  ihrem extravaganten Streifenlook.
                • attraktiver Herbst- und Winteraspekt          Ursprünglich an den bewaldeten
                • keine oder nur kurze Ausläufer bildend
                • vielseitig einsetzbar
                                                                Berghängen des Mount Hakone                Dass Schnecken Hakonechloa trotz
                • robust und pflegeleicht                       beheimatet, bevorzugt das Japa-            des saftigen Aussehens ignorieren,
                • im Halbschatten gut trockenheitsverträglich   nische Berggras halbschattige              wird Gartenfans ebenso gefallen
                • wunderschön auch in Gefäßen                   Plätze und verträgt erstaunlich viel       wie der winterliche Zieraspekt: Die
 Aus-        Hakonechloa macra sowie die Sorten                 Trockenheit. Allerdings gilt: je son-      so wunderbar weich und üppig aus-
 zeichnungen ‚Aureola‘,‚Albostriata‘ und ‚All Gold‘             niger der Standort, umso feuchter          sehenden Gräserhorste halten ihre
             wurden vom Arbeitskreis Staudensichtung            sollte der Boden sein. An sonnigen         Form auch im trockenen Zustand
             ausgezeichnet (mehr Infos unter                    Plätzen kann sich vor allem die            und schmücken den Garten bis
             www.staudensterne.de)
                                                                dunkelgrüne botanische Wildart,            zum Neuaustrieb.

                                Grandioser Kontrast:
                Neben den in mystischem Blaugrau
               und Blassviolett glänzenden Funkien
                (Hosta) strahlt das frische Grün von
                 Hakonechloa ‚All Gold‘ umso heller.

18
Gegen den Strich
                                                                                                                   Grünfalt 1/2022

                                                            „Für nachhaltige
                                                             Lösungen“
                                                            mit Ing. Dr. Erwin Thoma
                                                            Forst- und Betriebswirt,
                                                            Unternehmer, Autor
                                                            Aus Liebe zur Natur ist Erwin Thoma Förster gewor-
                                                            den. In berührenden Begegnungen mit Geigenbauern,
                                                            Holzknechten und Zimmerleuten vermittelten ihm die-
                                                            se altes Holzwissen, das er in seiner Holzbaufirma um-
                                                            setzt, um Häuser aus 100 Prozent Holz zu errichten.
                                                            Erwin Thoma nimmt uns mit in eine Welt, die vielen
                                                            von uns fremd geworden ist: In eine neue, nachhaltige
                                                            und enkel-taugliche Welt, in der Häuser wie Bäume
                                                            sind und Städte wie Wälder.

Ein Leben in Nachhaltigkeit!
Erwin Thoma sieht dafür Lösungen in aller Vielfalt
TEXT ERWIN THOMA, RONALD POMMER         FOTO THOMA HOLZ GMBH

Heute wird viel über Nachhaltigkeit geschrieben und         Für Nachhaltigkeit braucht es eine Diversität kleiner
gesprochen: Vieles zieht sich diesen Begriffsmantel         Strukturen. Weil das Miteinander in Vielfalt uns Ideen
über. Aber das ist ja auch gut, weil der Begriff dadurch    und Alternativen aufzeigt. Das hat Potenzial für ver-
– zumindest medial – mitten in unserem Leben ange-          netztes Lernen und nachhaltige Entwicklung. So nüt-
kommen ist.                                                 zen wir die Chance, in aller Kleinheit großartige Lösun-
Welches Denken hilft uns nun dabei, nachhaltige Lö-         gen zu finden. Und das nur deshalb, weil gerade dort
sungen in unser Leben zu integrieren?                       bisher noch niemand für sich alleine gesucht hat.
Hilfreich ist der Gedanke des Wirtschaftens in Kreis-       Dazu gehört natürlich auch Fleiß, denn diesen brau-
läufen. Von Natur aus ist es dafür nötig, dass wir an       chen wir für Nachhaltigkeit ganz bestimmt. Unsere be-
Ressourcen nur das entnehmen, was auch wieder               ständige Suche nach naturgegebenen Lösungen, das
nachwächst. Nehmen wir uns dafür ein Beispiel am            Herstellen von systemischen Bezügen und Gestalten
Wald: Akzeptieren wir sein Wesen und die Strategie der      von Verbindungen wird reichlich entlohnt: Wir erleben
Natur: Die Arbeit von heute wird erst von den Ur-Enkeln     Sinn.
geerntet. Die Natur gibt das vor und daran kann der         Denken und Tun in Nachhaltigkeit öffnet so neue Zu-
Mensch nichts ändern.                                       gänge zum Fluss des Lebens. Und so gelebt, können
Damit Nachhaltigkeit gelingt, ist der Blick auf vernetzte   wir und unsere Enkel Freude daran haben.
Systeme eine hilfreiche Perspektive. Zu erkennen, dass
und wie die Dinge zusammenwirken, ist existenziell
für ein gutes Miteinander – im Kleinen wie auch im
Großen.

                                                                                                                              19
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                                                                                           Präsentation Ihres Unternehmens und
                                                                                           Ihrer besten Referenzen im Innenteil.

     Die größte Auszeichnung
     nutzen nur die Besten
     Der GALABAU Award ist die wichtigste Auszeichnung für GALABAU Betriebe in Österreich.
     Schon eine Nominierung können Sie für Ihre Kommunikation nutzen. Erst recht den Sieg in
     einer Kategorie! Und genau dafür können Sie das Grünfalt verwenden. Stellen Sie im
     nächsten Grünfalt Ihre Referenzen vor, präsentieren Sie Ihren Kunden Ihre besten Projekte –
     möglicherweise sogar mit einer Auszeichnung mit dem GALABAU Award.
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