Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm

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Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm
Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe

          Integrationsmagazin
          für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm

                                               Heft 2 (2020)

            Sachgebiet Integration|Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm

                                     landkreis-pfaffenhofen.de

                                                                Seite
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DIVERSECO
                         Das Integrationsmagazin für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm

     Inhaltsverzeichnis

     Vorwort der Integrationsbeauftragten                                                          | Seite 3

     Migration als Lösung des Fachkräftemangels?                                                   | Seite 4

     Aus der Integrationspraxis                                                                    | Seite 9

     bfz als Integrationsakteur                                                                    | Seite 13

     Hintergrund: Rückkehr nach Nigeria                                                            | Seite 14

     Neues aus der Projektbörse                                                                    | Seite 17

     Mistero - Das Integrationsrätsel                                                              | Seite 19

Impressum
Herausgeber: Sachgebiet 23 – Integration
             Landratsamt Pfaffenhofen a.d.Ilm
             Hauptplatz 22
             85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm
Telefon:     08441 27-2961
E-Mail:      Integration@landratsamt-paf.de
Redaktion:   Ivo Georgiev, Gabi Pils, Tu Trang Tram Do, Gerhard Trautmannsberger & Gerhard Wenzl
Ausgabe:     Heft 2 (Juni 2020)

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Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm
Vorwort der Integrationsbeauftragten
Liebe Leserinnen und Leser,

die Corona-Pandemie hält nun seit vielen Monaten die Welt in Atem. Sie hat unser privates und gesellschaftliches Le-
ben durchgewirbelt und völlig neu definiert. Mancherorts hat sie gesundheitliche Krisen mit vielen Kranken und leider
auch Verstorbenen ausgelöst und in anderen Bereichen sorgte sie für schlechte Auftragslagen und Existenzängste. Stei-
gende Arbeitslosenzahlen, Rückgang des Wirtschaftspotentials und ein prognostiziertes Sterben von Wirtschaftsbetrie-
ben – auch wenn der bayerische Staat, der Bund sowie die Europäische Union zahlreiche Hilfspakete aufgesetzt haben,
sind die Folgen bis jetzt nicht kalkulierbar.
Bereits vor der Corona war „Fachkräftemangel“ nicht nur in Bayern, sondern auch bundesweit in aller Munde. Ob das
nun Fachkräfte im medizinischen Pflegebereich oder spezialisierte Experten im IT-Sektor sind – in diesen Zeiten waren
sie gefragter denn je. Hinzu kommt, dass die Anforderungen an das Personal sowie die Profile der Stellen sich in den
letzten Jahren tiefgreifend verändert haben. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass diese stete Entwicklung ge-
paart mit der quantitativen Knappheit die Krise nur noch verschärft haben.
Wenn es darum geht, dem quantitativen Mangel an passend qualifizierten Arbeitskräften zu begegnen, war und ist die
gezielte Zuwanderung ein oft gebrauchtes Argument. Dennoch ist der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt gar nicht so
einfach. So haben viele zuwanderungswillige Fachkräfte mit hohen Hürden und langwierigen Verfahren zu kämpfen. Eine
Arbeitserlaubnis zu bekommen, die Anerkennung eines beruflichen Abschlusses zu erhalten und letztendlich tatsächlich
eine Arbeit zu finden beanspruchen oft mehrere Jahre. Bei vielen Zugewanderten ist die Frustration deshalb sehr hoch.
Ob nun Personen im Rahmen der Fluchtmigration in unseren Landkreis kommen, denen es oft an Nachweisen der Quali-
fikationen fehlt, oder Menschen aus unseren osteuropäischen Nachbarländern gezielt im Rahmen der Arbeitsmigration
zuwandern – auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen ist nicht leicht, trotz einer Vielzahl von Unternehmern im Landkreis,
die dringenden Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern haben. Und dieser Bedarf wächst weiter, wie auch die Frustration
auf der Seite der Arbeitgeber. Daher sind sich die Experten einig, dass ohne eine Volumenvergrößerung an verfügbaren
Arbeitskräften dieser Mangel nicht kompensiert werden kann. Die Fragen, die sich nun stellen, sind: Ist die Zuwande-
rung eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel? Wenn ja, gilt dies auch für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm?
Und wie viel Einfluss hat darauf die Corona-Pandemie?
Auf diese Fragen kann es keine einfachen Antworten geben. Jedoch bieten wir Ihnen gerne wieder interessante Infor-
mationen und verschiedene Einblicke rund um die Themen Sprache, Bildung, Teilhabe und diesmal schwerpunktmäßig
im Bereich der beruflichen Integration.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

                                                                                     Mit freundlichen Grüßen
                                                                                     Ihre Integrationsbeauftragte

                                                                                                                    Seite 3
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Migration als Lösung des Fachkräftemangels?
                             Der Fachkräftemangel in Bayern, der Region 10 und im Landkreis

                             Mehr Bedarf als Angebot?
Info:
                             „Fachkräftemangel“ ist seit vielen Jahren ein permanentes Schlagwort bei der Analyse der
Fachkräftemangel
                             bundesweiten und regionalen Arbeitsmarktsituation. Auch wenn die Ursachen, die Ausprä-
Ist der Zustand, dass in
                             gungen und deren Folgen sehr vielfältig sind, kann dieser „Fachkräftemangel“ kurz als ein
einer (lokalen) Wirt-
                             Fehlen der geeignet qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer umschrieben wer-
schaftseinheit, z.B. Bay-
                             den. Jeder Unternehmer kommt mit diesem Phänomen mehr oder minder intensiv in Kon-
ern, Region 10 oder im
                             takt. Gerade im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm spüren vor allem die kleinen und mittelstän-
Landkreis, nicht genug
                             dischen Betriebe, dass die Metropolregion München im Süden und der Industriestandort
qualifizierte Personen auf
                             Ingolstadt im Norden das Portfolio der regional verfügbaren Fachkräfte weiter ausdünnen.
dem Arbeitsmarkt zur
                             Der teilweise eklatante Mangel ist deshalb nicht nur an den großen Industriestandorten,
Verfügung stehen und
                             sondern auch oder je nach Branche besonders in den ländlichen Regionen zu messen. Da
somit eine bedeutende
                             dieses Problem nun seit vielen Jahren die Entwicklungsfähigkeit der Wirtschaft beeinflusst,
Anzahl von Arbeitsplät-
                             haben Fachinstitute und Forschungseinrichtungen sich intensiv mit den Fragen nach den
zen nicht mit Mitarbeite-
                             Ursachen, der Fortentwicklung, aber schwerpunktmäßig natürlich mit der Lösung dieses
rinnen und Mitarbeitern
                             Problems beschäftigt.
mit bestimmten Fähig-
                             Genau hierzu hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) München-Oberbayern den Fach-
keiten besetzt werden
                             kräftereport 2019 erstellt. Dieser Bericht bietet den IST-Stand im Jahr 2018 und liefert
kann.
                             ebenso eine Prognose für 2030, auch für die Region 10 (Sammelwerte der Planungsregion
                             10: Stadt Ingolstadt, Landkreis Eichstätt, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und Land-
                             kreis Pfaffenhofen a.d.Ilm). Zunächst konnten die IHK-Experten für den Zeitraum von 2018
                             bis 2030 für Bayern fast eine Verdoppelung im Engpass der Fachkräfte heraus kalkulieren.
                             Das bedeutet, dass im Jahr 2030 bei gleichbleibenden Grundbedingungen ca. 450.000
                             (2018: 260.000) Stellen unbesetzt bleiben, da die notwendigen Fachkräfte nicht zur Verfü-
Info:                        gung stehen. Das wären immerhin etwa 10% (Stand: 2030) aller Fachstellen in Bayern.
Fachkraft (nach IHK)         Auch wurden von der IHK bereits mögliche Gründe aufgedeckt. Hauptaugenmerk legen die
Jemand mit fundierten        IHK-Analysten dabei auf den demographischen Wandel, welcher durch die Veränderung der
Fachkenntnissen und          Altersgruppen auf dem Arbeitsmarkt dem Arbeitnehmerpool immer mehr Volumen entzieht.
Fertigkeiten, die in der
Regel mit einer Berufs-      In der Region 10
ausbildung von 2-3 Jah-      Der Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm gilt als einer der wirtschaftlich stärksten Landkreise in
ren und einem anerkann-      Deutschland. In der Rangliste des Magazins „Focus Money“ wurde er 2020 sogar auf Platz
ten Abschluss erreicht       Nr. 1 gelistet. Die Ausbaufähigkeit der lokalen Wirtschaft ist natürlich nur mit den überregi-
werden.                      onalen Partnern und in einer globalisierten Welt mit internationalen Kooperationen möglich.
                             Hierzu benötigen aber die erfolgreichen Unternehmer des Landkreises auch in Zukunft aus-
                             reichend und passend qualifiziertes Personal, das ihnen jedoch nach der Studie der IHK bald
                             nicht mehr oder besser gesagt immer weniger zur Verfügung stehen wird. Der Fachkräfte-
                             mangel bedroht also nicht nur die Vorreiterstellung des Landkreises, sondern ganz elemen-

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Info:
                                                                                                         Experte (nach IHK)
                                                                                                         Jemand, der komplexe
                                                                                                         Tätigkeiten (z. B. Ent-
                                                                                                         wicklung, Forschung,
                                                                                                         etc.) sowie Leitungsfunk-
                                                                                                         tionen ausübt. Diese
                                                                                                         Qualifikationsstufe wird
                                                                                                         normalerweise durch ein
                                                                                                         Hochschulstudium an
                                                                                                         einer Fachhochschule
                                                                                                         oder Universität (Master,
                                                                                                         Diplom, etc.) nachgewie-
Abb. 1: Fachkräfte-Report 2019 - Fachkräftemangel in Bayern. (Datenquelle IHK München-Oberbayern; Dia-   sen oder durch mehrjäh-
gramm SG 23 - Integration. Stand: 2020)                                                                  rige qualifizierende Be-
tar die Zukunftssicherung vieler lokaler Unternehmen. Den Angaben der IHK-Experten (Vgl.                 rufserfahrung erreicht.
Abb. 1) nach würden im Jahr 2030 der Region 10 ca. 1.000 (+1,6%) weitere Fachkräfte
fehlen. Hinzu kommt ein zusätzliches Defizit von ca. 1.900 (+6,3%) Experten, also eines in
der Regel akademisch qualifizierten Personals. Noch gravierender dagegen sind die kalku-
lierten ca. 2.200 (+8,6%) weiteren Spezialisten - Fachkräfte mit vertieften Spezialkenntnis-
sen wie Meister oder Techniker - die für die klein- und mittelständischen Unternehmen das
innovative Rückgrat bilden. Bezogen nach Sparten gibt die Studie an, dass im kaufmänni-
schen Bereich die Zahl der nicht besetzbaren Stellen der Region 10 von 4.700 auf 10.800                  Info:
um 7,3% steigen würde. Dagegen würde sich in rein technischen Bereichen der Bedarf von                   Spezialist (nach IHK)
11.000 auf 7.900 um 1,3% etwas verringern, was an den geänderten Anforderungsverhält-                    Diese Bezeichnung trifft
nissen im Rahmen der Digitalisierung und des technischen Fortschritts liegt. Trotz des sin-              auf Personen zu, welche
kenden Volumenbedarfs an Personal steigt jedoch auch hier die Qualifikationsintensität. In               sich vertiefte Spezial-
Abb. 2. sind die TOP 5 Bereiche zusammengestellt, in welchen sich nach dem Bericht der                   kenntnisse in einem
                                                                                                         Bereich erworben haben.
                                                                                                         Dies kann in Rahmen von
                                                                                                         Fort- und Weiterbildun-
                                                                                                         gen (Meister, Techniker,
                                                                                                         etc.) oder eines speziali-
                                                                                                         sierten Abschlusses an
                                                                                                         einer Hochschule
                                                                                                         (Bachelor) erfolgen.

Abb. 2: IHK Unternehmensbefragung Fachkräftemangel. (Datenquelle IHK München-Oberbayern; Diagramm
SG 23 - Integration. Stand: 2020)

                                                                                                                            Seite 5
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IHK bis 2030 die deutlichsten Bedarfe entwickeln werden. Beginnend bei dem medizini-
                             schen Gesundheitsbereich, wo sich der Mangel von 5% auf 10% verdoppeln wird, stellen
                             die Unternehmensführung sowie Organisation mit +8,1% und die Handelsberufe mit
                             +9,0% Steigerung das Mittelfeld. In der technischen Entwicklung wird dann mit 10,3% das
                             Defizitwachstum bereits zweistellig, bis in den sozialen Berufen die absolute Spitze erreicht
Info:                        wird, indem 2030 zusätzlich 20,5% der Stellen nicht mehr besetzt werden können. Dies
„Gastarbeiter“               bedeutet, dass insgesamt 26,4%, also mehr als ein Viertel aller nötigen Stellen, dort vakant
„Gastarbeiter“ waren         bleiben, weil kein geeignetes Personal zur Verfügung steht. Die IHK Studien belegen, dass
Personen, denen auf-         im Jahr 2018 allein der oberbayerischen Wirtschaft 110.000 Fachkräfte gefehlt haben. Dies
grund eines Anwerbeab-
                             beziffert sich zu sogenannten „Wertschöpfungsverlusten“ von ca. 9 Milliarden Euro, also
kommens ein zunächst
zeitlich befristeter Auf-    Geld, das nicht erwirtschaftet werden kann, weil unter anderem der Personalbedarf nicht
enthalt in der Bundesre-     gedeckt wird. Bis 2030 würde dieser Verlust rund 14 Milliarden bei 160.000 fehlenden
publik Deutschland ge-       Fachkräften betragen, falls keine Trendwende eintritt. Dieser Prognose eines bedrohlichen
währt wurde. Bald galt       Mangels an fachlich geschultem und qualifiziertem Personal versucht man auch heute be-
der Begriff gesellschaft-    reits durch attraktive Arbeitsfördermaßnahmen bei Langzeiterwerbslosen, diversen Ange-
lich für alle Personen im
                             boten für Elternzeitrückkehrer oder durch die Fort- und Weiterbildung des bestehenden Per-
Rahmen der Arbeitsmig-
ration und wurde durch       sonals entgegenzuwirken. Jedoch bleibt rein quantitativ ein Personaldefizit, welches sich
die gezielt angeworbe-       eben nur durch weiteren Volumenzuwachs auf dem Arbeitsmarkt reduzieren lässt.
nen „Arbeitsmigranten“
in den 1960er Jahren         Fachkräftemangel und Migration
bekannt. Zunächst gab        Seit Gründung der Bundesrepublik gab es zur Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften immer
es ein deutsch-
                             wieder größere Zuwanderungsbewegungen aus dem Ausland. Die bekanntesten Heimatna-
italienisches Anwerbeab-
kommen (1955) und es
                             tionen dieser früher sogenannten „Gastarbeiter“ waren wohl Italien, die Türkei oder das
folgten weitere mit Spa-     damalige Jugoslawien. Gegenwärtig konzentriert sich die Zuwanderung im Rahmen der
nien (1960), Griechen-       sogenannten „Arbeitsmigration“ auf die Staaten Osteuropas. Die Frage, ob die Zuwande-
land (1960), der Türkei      rung den Fachkräftemangel beheben kann, wird inzwischen auf allen Ebenen der Wirt-
(1961), Marokko (1963),      schaft, der Politik und der theoretischen Forschung breit diskutiert. Fragen nach der Gleich-
Südkorea (1963), Portu-
                             wertigkeit der Berufsbildung, der kulturellen Unterschiede oder der vergleichbaren Arbeits-
gal (1964), Tunesien
                             qualität sind zwar zu erörtern, aber ohne eine zielführende Stärkung der Arbeitnehmerzahl
(1965) und zuletzt mit
Jugoslawien (1968).          ist der Kampf gegen den Fachkräftemangel aussichtslos. Aber auch wenn genügend Perso-
Zunächst arbeiteten          nen, vorrangig aus unseren Nachbarstaaten Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien, auf
diese angeworbenen           den deutschen Arbeitsmarkt zuwandern oder dies planen, bleibt die Frage, wie die lokalen
Arbeitskräfte zumeist als    Unternehmer diese Option nutzen möchten oder dies vielleicht bereits tun.
un- oder angelernte Ar-      Die Experten der IHK haben 2019 gezielt Unternehmer nach der Beschäftigung von Migran-
beiter in der Industrie im
                             ten gefragt. Um nun eine Antwort auf die oben genannte Frage: „Migration als Lösung des
Niedriglohnbereich, was
zu einer einseitigen sozi-   Fachkräftemangels?“ zu liefern, können die Ergebnisse dieser Arbeit grundlegend beitragen.
alen Wahrnehmung führ-       Von den 3700 befragten Unternehmen meldeten ca. 55%, dass der Fachkräftemangel ein
te und den Begriff heute     Geschäftsrisiko darstelle. Dabei könnte die Zuwanderung von Fachkräften, wie sie von den
negativ konnotiert.          Experten gefordert wird, Abhilfe schaffen. Die IHK hat zunächst bayerische Unternehmer
                             allgemein zur Beschäftigung ausländischer Fachkräfte befragt (Vgl. Abb. 3.).
                             Die Befragung zeigte, dass sich augenscheinlich nicht alle befragten Unternehmen mit dem
                             Thema auseinandergesetzt haben, da oft ein Drittel bis zur Hälfte keine Einschätzung zu
                             gewissen Fragen abgeben konnte. Nur 35% waren mit den Kontaktmöglichkeiten zu auslän-
                             dischen Fachkräften zufrieden und 34% reichte die gegenwärtige Informationslage, um ihre

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Info:
                                                                                                    Fachkräfteeinwande-
                                                                                                    rungsgesetz
                                                                                                    Das Fachkräfteeinwan-
                                                                                                    derungsgesetz (FEG)
                                                                                                    bietet ab März 2020 den
                                                                                                    Rahmen für die Zuwan-
                                                                                                    derung von Fachkräften
                                                                                                    aus Nicht-EU-Ländern.
                                                                                                    Ziel ist es, den Fachkräf-
                                                                                                    temangel zu dämpfen.
                                                                                                    Fachkräfte sind nach
                                                                                                    dem FEG drittstaatsan-
                                                                                                    gehörige Ausländer, die
                                                                                                    eine deutsche qualifizier-
                                                                                                    te Berufsausbildung /
                                                                                                    Hochschulabschluss
                                                                                                    oder eine gleichwertige
                                                                                                    ausländische besitzen.
Abb. 3: IHK Unternehmensbefragung Fachkräftemangel. (Datenquelle IHK München-Oberbayern; Diagramm   Das Fachkräfteeinwan-
SG 23 - Integration. Stand: 2020)                                                                   derungsgesetz ermög-
                                                                                                    licht nicht den Zuzug von
                                                                                                    sogenannten „Un- oder
Ziele zu erreichen. Dabei ist nur für 23% der Unternehmen die Beschaffung von ausländi-             Niedrigqualifizierten“, da
schen Fachkräften nicht zu aufwendig und lediglich 10% möchten künftig gezielt ihr Glück            vor der Einreise der Ab-
bei der Anwerbung von Fachkräften außerhalb der EU in sogenannten „Drittstaaten“ versu-             schluss in einem Aner-
chen, wobei für 57% diese Prozedur bislang ebenso zu aufwendig ist (vgl. Abb. 3). Auch              kennungsverfahren auf
scheint bei den an der Befragung teilnehmenden Unternehmen die Bereitschaft, Spracher-              seine Gleichwertigkeit
                                                                                                    überprüft wird. Es gibt
werb und betriebliche Qualifizierung zu fördern, mit nur 31% Zustimmung eine geringere
                                                                                                    deshalb auch keine Vor-
Priorität zu genießen. Offenbar scheint der Ansatz, dem Fachkräftemangel mit der Personal-
                                                                                                    rangprüfung mehr, die
beschaffung im Ausland entgegenzuwirken, bisher nur bedingt genutzt zu werden.                      vor jeder Einstellung
                                                                                                    einer Fachkraft aus ei-
                                                                                                    nem Drittstaat festge-
                                                                                                    stellt hat, ob ein inländi-
                                                                                                    scher oder europäischer
                                                                                                    Bewerber zur Verfügung
                                                                                                    steht. Für Geduldete, bei
                                                                                                    denen die Ausreisepflicht
                                                                                                    nicht durchgesetzt wer-
                                                                                                    den kann und die durch
                                                                                                    lange Beschäftigung,
                                                                                                    deutsche Sprachkennt-
                                                                                                    nisse und Gesetzestreue
                                                                                                    gut integriert sind, ist
                                                                                                    durch das FEG ein neuer
                                                                                                    Status möglich. Nach 30
Abb. 4: IHK Unternehmensbefragung Fachkräftemangel. Datenquelle IHK München-Oberbayern; Diagramm    Monaten kann diese
SG 23 - Integration. Stand: 2020)                                                                   neue Beschäftigungsdul-
                                                                                                    dung in eine Aufenthalts-
                                                                                                    erlaubnis führen.

                                                                                                                        Seite 7
Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm
Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung
                              Im März 2020 trat das sogenannte „Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG)“ in Kraft. Es soll
                              qualifizierten Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern den Zugang zum Arbeitsmarkt und gleich-
Info:                         zeitig auch den Unternehmern die Personalbeschaffung im Ausland erleichtern. Hierzu be-
Projekt Triple Win Pflege     fragte die IHK die Unternehmen zu Erfahrungen bei der Personalbeschaffung im Ausland und
Deutschlandweit ist der
                              den Kenntnissen über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (Vgl. Abb. 4). Etwa 35% der be-
Fachkräftemangel vor
                              fragten Unternehmen hatten in den letzten Jahren Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert,
allem in der Pflege deut-
lich spürbar und aktuell      wohingegen 53% klare Angaben zum Gegenteil machten. Obwohl diese Zahlen nicht inhalt-
existieren auch hier mehr     lich bewertet werden können, kann daraus abgeleitet werden, dass nur ein Teil der bayeri-
offene Stellen als arbeits-   schen Unternehmen tatsächlich Erfahrungen mit der ausländischen Personalbeschaffung hat.
lose Fachkräfte. So wur-      Wenn nun die Frage um die Kenntnisse zu dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz er-
de 2013 das Projekt           gänzt wird, muss festgestellt werden, dass sich lediglich 29% über die Neureglungen pas-
„Triple Win Pflege“ durch
                              send informiert fühlen, wohingegen 40% eingestehen, keine ausreichende Kenntnisse über
die Deutsche Gesell-
schaft für Internationale     die neugewonnenen Möglichkeiten zu haben. Da fast die Hälfte der Befragten keine Kennt-
Zusammenarbeit (GIZ)          nisse vom Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat und 31% keine Einschätzungen geben konn-
GmbH zusammen mit der         ten, verwundert es nicht, dass auf die Frage, ob das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ihnen
Zentralen Auslands-           bei der Personalbeschaffung hilft, nur 6% zugestimmt haben und 63% keine Antwort liefern
und Fachvermittlung der       konnten.
Bundesagentur für Arbeit
                              Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie und nicht ob Migration bei der Bewältigung des Fach-
(ZAV) initiiert. Hierbei
werden sowohl Men-
                              kräftemangels helfen kann. Der Bedarf besteht faktisch und viele ausländische Fachkräfte
schen für die generalis-      finden den deutschen Arbeitsmarkt durchaus attraktiv. Der Gesetzgeber spricht bei diesem
tische Pflegeausbildung       Angebot- und Nachfragesystem oft von „gezielter Fachkräftezuwanderung“, aber offenbar
mit anschließender Wei-       kommt dies nicht in adäquater Form bei unseren Unternehmern an. Die Wirtschaft muss da-
terbeschäftigung aus          bei unterstützt werden, sich dem Potential der Zuwanderung weiter strukturiert zu öffnen.
Vietnam angeworben als
                              Und nun verbirgt sich hinter „SARS-CoV-2“ zusätzlich noch ein starker Katalysator dieser Kri-
auch bereits ausgebildete
                              se. Ob es die offengelegten eklatanten Personalengpässe im Gesundheitssystem, die plötzli-
Pflegefachkräfte aus
Partnerländern wie Serbi-     che massive Nachfrage an Digitalisierungsexperten für Home-Office oder Vernetzungsmög-
en, Bosnien-                  lichkeiten oder schlicht die Nachfrage nach fast totgeglaubten Berufen in der Textilverarbei-
Herzegowina, den Philip-      tung sind, die Corona-Krise übt einen ungeplanten Druck auf den Arbeitsmarkt aus. Neben
pinen und Tunesien ver-       der Beschleunigung des Marktes ist aber „SARS-CoV-2“ auch klar zerstörend. Kurzarbeit,
mittelt. Mit diesen Ansät-
                              Entlassungen, Firmenschließungen, befristete Arbeitsverträge, reduzierte Ausbildungsplätze
zen können der Pflege-
                              oder unsichere berufliche und unternehmerische Zukunftsaussichten - durch diesen Corona-
kräftemangel gemindert,
den Fachkräften neue          Druck wird der Arbeitsmarkt stellenweise verändert und erneuert. Hier müssen Unternehmen
Perspektiven geboten          jetzt umso mehr dahingehend sensibilisiert werden, dass ihre ausländischen Fachkräfte lang-
sowie die Arbeitsmarktsi-     fristig nur gehalten werden können, wenn sie integriert sind. Denn auch Fachkräfte, Experten
tuation in deren Her-         und Spezialisten aus dem Ausland bleiben Neuzugewanderte, die Ihren Platz in der Gesell-
kunftsländer entlastet        schaft suchen und finden wollen.
werden. Das Projekt
Triple Win bereichert         Belege und weiterführende Informationen unter:
                                      Quelle: IHK München-Oberbayern: https://www.ihk-muenchen.de/de/Wirtschaftsstandort/Fachkr%C3%A4ftesicherung/Fachkr%C3%A4ftemonitor/
somit in der Tat alle drei             (Stand: Juni 2020)
Seiten.                               Quelle: IHK München-Oberbayern: https://www.ihk-muenchen.de/de/Wirtschaftsstandort/Fachkr%C3%A4ftesicherung/Fachkr%C3%A4ftemonitor/
                                       Unternehmensbefragung-Fachkr%C3%A4ftemangel/ (Stand: Juni 2020)
                                      Information: Focus Money Landkreis Ranking: https://www.focus.de/immobilien/grosses-landkreis-ranking-2019-das-sind-die-erfolgreichsten-
                                       regionen-deutschlands_id_11505140.html (Stand: Juni 2020)
                                      Information: Netzwerk IQ: https://www.netzwerk-iq.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/IQ_Publikationen/Clavis/2019_01_clavis.pdf (Stand: Juni
                                       2020)
                                      Information: Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/migration/
                                       fachkraefteeinwanderung/faqs-fachkraefteeinwanderungsgesetz.html
                                       (Stand: Juni 2020)
                                      Information: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie: https://www.stmwi.bayern.de/wirtschaft-standort/
                                       daten-fakten/ (Stand: Juni 2020)

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Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm
Aus der Integrationspraxis
            Aktuelles aus dem Integrationsgeschehen im Landkreis

Kein anderes Thema hat uns im ersten          amtsbasierte Sprachkurse pausiert wer-
                                                                                              Info:
Halbjahr 2020 so sehr bewegt wie die          den. Gerade Lernende, die nicht Deutsch         Corona-Maßnahmen in
Corona-Pandemie - nicht nur im Landkreis,     als Muttersprache haben, leiden darunter,       den Unterkünften
sondern weltweit. Es gibt fast keinen Le-     da sie, wie im Fall vieler Zugewanderter,       Die Unterkunftsverwal-
bensbereich, der nicht massiv von den Ein-    oft nicht auf familiäre Netzwerke bauen         tung des Landkreises ist
schränkungen hinsichtlich des Infektions-     konnten. So fällt es ihnen oftmals schwer,      verantwortlich für die
                                                                                              dezentrale Unterbringung
schutzes betroffen ist.                       den Unterrichtsstoff zuhause zu erarbeiten
                                                                                              von Asylsuchenden. In
Spätestens mit Inkrafttreten der Ausgangs-    und zu wiederholen.
                                                                                              den vielen Unterkünften
beschränkungen in Bayern am 21. März          Doch auch die Lage bei vielen Landwirten        des Landkreises sind
hatte der Virus auch massive Auswirkun-       und in der Pflegebranche, wo oftmals aus-       teilweise unterschiedli-
gen auf unser Anliegen der Integration. Mit   ländische Arbeitskräfte, z.B. aus Mittel-       che Wohnkonstellationen
am deutlichsten hat sich das vermutlich       und Osteuropa zum Einsatz kommen, spitz-        vorhanden. Deshalb
                                                                                              musste in Kooperation
darin gezeigt, dass es nun weder Ehren-       te sich rasant zu, da die meisten Grenzen
                                                                                              mit dem Gesundheits-
amtlichen noch Integrationsberatern er-       zumindest vorübergehend teilweise ge-
                                                                                              amt, dem Ausländeramt
laubt war, die Flüchtlingsunterkünfte im      schlossen wurden. So war lange nicht klar,      und Sachgebiet Integrati-
Landkreis zu betreten, um Infektionswege      wie es bei den Spargel- und Hopfenbauern        on ein Quarantäneplan
möglichst einzuschränken. Auch die Bera-      weitergehen sollte, die dringend auf Sai-       für die staatlichen Unter-
tung der Klienten in den Gemeinden oder       sonarbeitskräfte angewiesen sind. Ab Mit-       künfte entwickelt und
unsere Integrationsprojekte konnten nicht     te April hat sich aber immerhin hier die        umgesetzt werden, be-
                                                                                              vor die Kapazitäten der
mehr wie gewohnt stattfinden. So mussten      Situation entspannt, als klar wurde, dass
                                                                                              Unterkunftsverwaltung
Berater, Ehrenamtliche und Migranten nun      nun doch Arbeiter beispielsweise aus Ru-        für die Versorgung von
auf den Kontakt über Telefon, E-Mail oder     mänien ins Land kommen können sowie             potenziell erkrankten
Messenger-Dienste ausweichen. Indirekte       geduldete Asylsuchende eine Tätigkeit in        Bewohnerinnen und
Kommunikationswege erschwerten die            der Saisonarbeit aufnehmen dürfen.              Bewohnern überlastet
Integrationsarbeit und stellten für Migran-   Für das 2. Halbjahr 2020 bleibt die Hoff-       werden. In manchen
                                                                                              Unterkünften musste
ten, Ehren- und Hauptamt eine große emo-      nung, dass die ergriffenen Maßnahmen das
                                                                                              auch an Hygienevor-
tionale Belastung dar. Doch der soziale       Infektionsgeschehen so weit eindämmen           schriften wie das Vor-
Zusammenhalt stand trotz Allem an obers-      können, dass wieder eine gewisse                handensein einer eige-
ter Stelle.                                   „Normalität“ eintreten kann. Diese wird         nen Küche bzw. Nasszel-
Gleich von Beginn der Krise an klärte die     sicher eine andere sein, als wir alle sie vor   le gedacht werden. Ge-
Unterkunftsverwaltung im Sozialamt mit        Ausbruch der Pandemie kannten. Wenn             flüchtete in privaten
                                                                                              Wohnungen oder EU-
mehrsprachigen Informationen in den Un-       das Hauptziel des Schutzes von Menschen-
                                                                                              Migrantinnen und Mig-
terkünften über Corona auf und bereitete      leben erreicht wird, werden wir aber lernen
                                                                                              ranten in Sammelunter-
Wohneinheiten gezielt für mögliche Qua-       können und wollen, für eine Zeit lang mit       künften oder Mehrpartei-
rantäne-Fälle vor. In diesem Zuge mussten     gewissen Einschränkungen zu leben.              häusern und Pensionen
einige Bewohner auch vorübergehend in         Dennoch möchten wir Ihnen folgend einen         sind im Zuständigkeits-
andere Zimmer oder Unterkünfte verlegt        kurzen Bericht aus der Integrationspraxis       bereich der Kommunen
werden. Mit Schließung der Schulen ab 16.     der vergangenen Monate geben.                   oder der Wohneigentü-
                                                                                              mer.
März mussten natürlich auch alle Integrati-
ons- und Berufssprachkurse sowie ehren-

                                                                                                                  Seite 9
Integrationsmagazin Sprache - Bildung - Arbeit - Teilhabe - für den Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm
Neujahrsempfang des Sachgebietes
                             Unter dem Motto „Gemeinsam zum ZIEL! –
                             Zusammen, Integration, Erfahren & Leben“
                             lud das Sachgebiet Integration zum Jahres-
                             auftakt am 27. Januar 2020 in das Landrat-
                             samt ein. Vor den zahlreichen Kooperati-
                             onspartnern und den vielen altgedienten
                             und neu angeworbenen Ehrenamtlichen hat        Abb. 6: Sulaiman Masomi, Foto: Trautmannsberger
                             Landrat Martin Wolf die Integration von        (01/2020)
                             Menschen als eine der verantwortungs-          die damit verbundenen Kuriositäten wusste
Ivo Georgiev                 vollsten Zukunftsaufgaben unserer Gesell-      der Rapper, Poetry-Slammer, Comedian
                             schaft bezeichnet und dankte den Anwe-         und Literat gekonnt auf den kleinsten ge-
Bereichsleiter
                             senden für ihr ungebrochenes Engagement.       meinsamen Nenner zu kürzen, denn irgend-
Integrationsberatung
„Integration ist aus Sicht                                                  wie sind wir doch alle gleich.
der Migrantinnen und
Migranten auch ein
                                                                            „Lies’ ein Buch mit mir!“
kontinuierlicher Lernpro-
zess. Man lernt die Ge-                                                     Unter diesem Motto haben das Sachgebiet
sellschaft über die Arbeit                                                  Integration und die Kreisbücherei des Land-
und über den Bekannten-
                                                                            kreises im Januar zusammen mit ehren-
kreis kennen. Man lernt,
sich darin zurechtzufin-                                                    amtlichen Lesepatinnen und -paten ein
den, aber im Zuge des-                                                      Projekt für das gemeinsame Lesen mit Kin-
sen ebenso, wo die           Abb. 5: Neujahrsempfang Landrat Martin Wolf,   dern und Jugendlichen mit Migrationshin-
Grenzen des eigenen          Foto: Trautmannsberger (01/2020)               tergrund angestoßen. Hilfe kommt dabei
Integrationsprozesses        Im Anschluss wurden die Gäste von rhyth-       auch von der Mittelschule Pfaffenhofen, die
liegen. Man trifft auf
                             mischen Klängen aus dem Herzen Afrikas         das Projekt bei ihren Schülern aktiv bewor-
Hürden, die nicht über-
wunden werden können
                             mitgerissen, als die Trommelgruppe             ben hat.
- sei es durch eine der      Tamatogo mit pulsierenden Percussions          Die Patinnen und Paten unterstützen dabei
vielen Barrieren des         und Gesang die afrikanische Lebensfreude       durch das Lesen mit den jungen Deutsch-
Spracherwerbs, durch         vermittelte. Die Mitglieder der Musikgrup-     lernenden sowohl den Spracherwerb als
Umständen im Berufsle-       pe gehören zum Verein Tamatogo e.V., der
ben oder bedingt durch                                                      auch die Heranführung an die Welt der Bü-
                             sich für Kinder und Jugendliche in Lomé
den Aufenthaltsstatus,                                                      cher. Es geht hier aber gerade nicht um
                             (Togo) einsetzt. Nachdem Tamatogo be-
oder aber durch persönli-                                                   das reine Lernen. Im Vordergrund soll die
che oder familiäre Situa-    reits ein Waisenhaus vor Ort in Betrieb        Freude am Lesen stehen.
tionen. Integration hat in   nehmen konnte, setzt sich der Verein nun       Aktuell läuft die Testphase des Projekts bis
diesem Sinne keinen          auch für die Schul- und Ausbildung von
einheitlichen Höhepunkt      Kindern und Jugendlichen vor allem im
- diesen erreicht jede       handwerklichen und landwirtschaftlichen
Person in ihrem eigenen
                             Bereich ein. Im Hauptakt des Abends konn-
Tempo für sich.“
                             te dann das Multitalent Sulaiman Masomi
                             mit einigen Vorurteilen aufräumen und das
                             Leben in Deutschland in seinen Facetten
                             beleuchten. Vor allem die zahlreichen Un-
                             terschiede der nationalen Identitäten und      Abb. 5: Lesepatin, Foto: Tram Do (01/2020)

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zum Ende des Schuljahrs. Wenn die Lese-        Gegenwärtig steht Ihnen die Erstinformati-
stunden weiter so gut angenommen wer-          onsbroschüre in den Sprachen Deutsch,
den, sind die Projektverantwortlichen des      Englisch, Rumänisch, Türkisch, Bulgarisch,
Sachgebiets Integration, Frau Tu Trang         Ungarisch, Polnisch und Russisch zur Verfü-
Tram Do und Herr Gerhard Trautmannsber-        gung. Sie finden die Flyer unter:
                                                                                               Info:
ger zuversichtlich, das Ganze auch im neu-     https://www.landkreis-                          Kreisbücherei
en Schuljahr und auch anderenorts fortzu-      pfaffenhofen.de/LEBEN/                          Die Kreisbücherei ist
führen.                                        Integration.aspx                                eine öffentliche Kultur-
                                                                                               und Informationseinrich-
Mehrsprachiger Bildungsberatungsflyer          Wintervortragsreihe
                                                                                               tung des Landkreises
Das Sachgebiet Integration hat für das Jahr    Die Vortragsreihe „Lebenswelten im Wan-         und stellt jedem Interes-
2020 die Zuwanderung im Rahmen der             del“ dient als Unterstützung der Integrati-     sierten die Nutzung so-
Arbeitsmigration aus Osteuropa fest im         onsarbeit im Landkreis Pfaffenhofen             wie Ausleihe von Medien
Blick. Viele Menschen kommen aus unse-         a.d.Ilm. Wir möchten hiermit jedes Jahr         kostenlos zur Verfügung.
ren östlichen Nachbar- oder Anrainerstaa-      über die Wintermonate mit informativem          Zentrale Aufgaben der
ten, um in Deutschland Arbeit zu finden.       und fachlichem Input alle Bürgerinnen und       Kreisbücherei sind der
Wie im Leitartikel berichtet ist dieser Zu-    Bürger im Landkreis für Integrationsthemen      freie Zugang zu Informa-
fluss auf den deutschen Arbeitsmarkt drin-     sensibilisieren sowie die aktuelle Integrati-   tionen, die Orientierung
gend nötig. Viele dieser Zuwanderer haben      onsarbeit bestärken. Im Winter 2019/2020        in der Medien- und Infor-
in der Heimat bereits Qualifikationen erwor-   fanden in diesem Rahmen folgende Fach-          mationsvielfalt, die Freu-
ben, die in Deutschland einer entsprechen-     vorträge im Landratsamt Pfaffenhofen            de am Lesen zu fördern
de Anerkennung bedürfen. Oftmals ist die       a.d.Ilm statt:                                  und einen Beitrag zur
Sprachbarriere hier zu hoch, um das Ver-                                                       Leseförderung und Medi-
                                               Frederic Lwano (Refugio München):
waltungsprozedere adäquat zu durchlaufen.
                                               „Erziehungsstile Afrikas“. Herausforderun-      enerziehung zu leisten,
Es existieren dann zwar die Fachkenntnis-
                                               gen in der Erziehung von Kindern sind           das lebenslange Lernen
se, aber eben keine Bescheinigung dafür.
                                               wahrscheinlich in jeder Familie allgegen-       zu unterstützen sowie
Das Sachgebiet Integration unterstützt Zu-
                                               wärtig. Sich zusätzlich noch in ein neues       das kulturelle Angebot
gewanderte, Bildungseinrichtungen und
                                               Land mit fremden Gegebenheiten und an-          des Landkreises zu er-
                                               derem Verständnis einzugewöhnen, ist für        weitern. Mit über 55.000
                                               neuangekommene Familien eine noch grö-          Medien von Zeitschrif-
                                               ßere Herausforderung. In seinem Vortrag         ten, Zeitungen sowie
                                               zu Erziehungsstilen in Teilregionen Afrikas     Büchern bis hin zu digita-
                                               hat Herr Frederic Lwano sowohl afrikani-        len Medienträgern und
                                               sche Familien als auch die deutsche Gesell-     Streaming-Angeboten ist
                                               schaft auf Unterschiede und Gemeinsam-          für alle Altersgruppen
                                               keiten aufmerksam gemacht. Ebenso wie           das Passende im Sorti-
                                               in Deutschland wird das Leben in Afrika als     ment dabei.
                                               höchstes Gut angesehen. Große Unter-
Unternehmer bei der Anerkennung auslän-
                                               schiede sind allerdings im Gemeinschafts-
discher Abschlüsse, beim Finden von Fort-
                                               denken sowie der Rollenverteilung in der
und Weiterbildungsmaßnahmen oder bie-
                                               Kindererziehung zu erkennen. Herr Lwano
tet allgemein Informationen, damit der pas-
                                               erläuterte, dass in Teilen Afrikas eine kom-
sende Weg im bayerischen Bildungssys-
                                               plette Dorfgemeinschaft für die Erziehung
tem gefunden wird.

                                                                                                                Seite 11
zuständig sei. Die Zusammenarbeit in der         on der Regierung, die Schattenherrschaft
                            Gemeinschaft bietet den Kindern somit            der Taliban-Gruppierungen und die Interes-
                            mehrere Ansprechpartner. Im Gegensatz            sen der Nachbarländer, welche die Men-
                            dazu gelten in Deutschland überwiegend           schen verunsichern. Abseits von diesen
Info:
                            nur die leiblichen Eltern als Ansprechpart-      negativen Einflüssen zeigte Frau Parvanta
Wintervortragsreihe
Die Wintervortragsreihe     ner bei der Kindererziehung. In Deutschland      auch Chancen und Potentiale des Landes
„Lebenswelten im Wan-       angekommen fällt das Auffangnetz der             auf. Afghanistan, welches reichlich Boden-
del“ wird als jährlich      Dorfgemeinschaft für jene afrikanischen          schätze besitzt, könne mit den richtigen
stattfindende öffentliche   Familien weg und belastet sie dadurch            Methoden an wirtschaftlicher Bedeutung
Veranstaltung organsiert.   sehr. Zusammen mit Refugio München               gewinnen und somit auch die afghanische
Dem Integrationsansatz
                            versucht Herr Lwano daher möglichst viele        Bevölkerung besser vor Gewalt sowie Per-
des Landkreises folgend
stehen die Vorträge         afrikanische Familien zu erreichen und sie       spektivlosigkeit schützen. Aber bis dies
unter den vier themati-     bei der Anpassung an die neuen Umstände          geschehen kann, benötige Afghanistan
schen Säulen Sprache,       zu unterstützen.                                 landesweit einheitliche strukturelle Verän-
Bildung, Arbeit und ge-                                                      derungen.
sellschaftliche Teilhabe.
                            Maria Lie-Steiner (AWO München):
Zu jedem Thema werden       „Arbeitsmigration am Beispiel Rumänien“.         Melisa Budimlic (Refugio München):
Referentinnen und Refe-     Das Thema der Arbeitsmigration aus Ost-          „Psychologische Phasen der Flucht“. Wie
renten eingeladen, die      europa prägt auch stark die Wirtschaft im        der Titel dieses Vortrags bereits andeutet,
sich praktisch mit den      Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm. In einem         wurden die psychologischen Phasen vor,
verschiedenen Facetten      Fachvortrag erläuterte Frau Maria Lie-           während sowie nach einer Flucht, durch
der Integrationsarbeit
                            Steiner die Auswirkungen der Arbeitsmig-         Frau Melisa Budimlic in ihrem Fachvortrag
beschäftigen und somit
einen anschaulichen         ration aus Osteuropa am deutschen Ar-            wissenschaftlich beleuchtet. Vor allem be-
Einblick in die unter-      beitsmarkt, die Lebensbedingungen der            tonte die Referentin, welche schwerwie-
schiedlichsten Themati-     Arbeitsmigrantinnen und -migranten sowie         genden Folgen und psychischen Erkrankun-
ken geben können. Oft-      die Folgen für deren Herkunftsländer am          gen durch Fluchterfahrungen hervorgerufen
mals haben diese Exper-     Beispiel von Rumänien. Sie beschrieb unter       werden können. Mit ihrem Vortrag wollte
ten der Integrationsar-
                            anderem die Effekte von „Brain Drain“ so-        die Referentin daher auf die psychologi-
beit selbst Migrationser-
fahrungen, was die Inhal-   wie „Brain Gain“. Darin erläuterte sie positi-   schen Folgen einer Flucht sensibilisieren,
te der Vorträge noch        ve Aspekte der Arbeitsmigration, aber hob        sodass im Umgang mit Menschen mit
greifbarer macht. Auch      auch die Herausforderungen für die Zuge-         Fluchthintergrund Möglichkeiten der Thera-
in diesem Winter wird       wanderten und das jeweilige Zielland her-        pie aufgezeigt und diese Angebote ausge-
die Vortragsreihe           vor.                                             baut werden können.
„Lebenswelten im Wan-
del“ wieder vier Beiträge   Angela Parvanta (LMU München):
bieten und verschiedene     „Afghanistan - politische und soziale Lage
Positionen zur Integrati-
                            2019“. Das Land Afghanistan, seine ge-
onsarbeit im Landkreis
erörtern.
                            schichtliche und politische sowie soziale        Bei Rückfragen zu Veranstaltungen und Projek-
                            Entwicklung wurde durch Frau Parvanta in         ten rund ums Ehrenamt steht Ihnen unsere
                            einem Fachvortrag bei uns im Landratsamt         Integrationslotsin gerne zur Verfügung!
                            vorgestellt. Die Referentin ging hierbei
                            stark auf die Wahrnehmung Afghanistans
                                                                             Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm - SG Integration
                            aus westlicher Sicht ein und zeigte zahlrei-
                            che Missstände auf, die die Bevölkerung          Tel. 08441 - 27 2964
                            Afghanistans belasten. Es sind die Korrupti-     E-Mail: Integrationslotsen@landratsamt-paf.de

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bfz als Integrationsakteur
             Partner und Spezialist für Arbeitsmarktintegration und berufliche Fortbildung

Was ist das bfz?                              gische Begleitung während der Praktika soll
Die Beruflichen Fortbildungszentren der       so darauf hingearbeitet werden, dass die
Bayerischen Wirtschaft (bfz) gemeinnützi-     Schülerinnen und Schüler nach ihrem Mit-
ge GmbH gehören mit 3.600 Mitarbeitern        telschulabschluss, den sie im Rahmen der
zu den führenden Systemanbietern für Bil-     BIK erwerben, eine Ausbildungsstelle fin-
dung, Beratung und Integration. Das bfz       den.
bietet eine große Bandbreite an Qualifizie-   Angebote für Unternehmen
rungen - praxisnah und bedarfsgerecht. Die    Menschen mit Migrationshintergrund sind
Teilnehmer profitieren zusätzlich von einer   überproportional stark von Arbeitslosigkeit
                                                                                             Meiting Yang
Vielzahl an begleitenden, unterstützenden                                                    Seminarleiterin der
                                              bedroht. Daher spielen Ausbildung und
und vermittelnden Leistungen. Durch flä-                                                     Berufsintegrationsklas-
                                              Qualifikation bei allen Integrationsvorhaben
chendeckende Präsenz an 21 Standorten                                                        sen (BIK)
                                              eine zentrale Rolle. Deshalb bietet das bfz    „Seit 2006 lebe ich in
mit über 150 Außenstellen in ganz Bayern      für Unternehmen Schulungen sowie Fortbil-      Bayern, meiner zweiten
bildet das bfz ein starkes Netzwerk. Als      dungen von Mitarbeitern sowie berufsbezo-      Heimat. An der Universi-
wirtschaftsnahe Organisation pflegt das bfz   gene Sprachkurse an. Sie sollen der Türöff-    tät Passau habe ich Pä-
enge Kontakte zu Firmen, Institutionen und                                                   dagogik studiert und war
                                              ner für eine gelungene berufliche und ge-
Verbänden, die sich auch in zahlreichen                                                      nach meinem Studium
                                              sellschaftliche Integration sein.
Kooperationen äußern. So können kurze                                                        als führende Konzept-
Wege und eine wohnortnahe Qualifizierung      Doch multikulturelles Zusammenleben be-        Designerin in einem
                                              nötigt mehr als das, nämlich Aufgeschlos-      Consulting Unternehmen
garantiert werden.
                                              senheit, die Bereitschaft voneinander zu       und dessen chinesi-
Was bietet das bfz im Landkreis an?           lernen und gegenseitiges Verständnis. An
                                                                                             schem Tochterunterneh-
                                                                                             men tätig. Seit ein paar
Kompetente Beratung und individuelles         den „interkulturellen Schnittstellen" arbei-   Jahren biete ich an der
Coaching rund um die Arbeitsplatz- und        tet das bfz vermittelnd und trägt mit spezi-   Volkshochschule (vhs)
Weiterbildungsentscheidung: Das bfz bie-      ellen Angeboten zur Sensibilisierung und       und in verschiedenen
tet im Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm neben   Öffnung von Institutionen sowie Unterneh-      Schulen Seminare über
Berufsvorbereitsungsmaßnahmen (BvB)           men bei.                                       interkulturelle Kommuni-
                                                                                             kation an. Denn eine
und individuellem Bewerber-Coaching auch
                                                                                             erfolgreiche Zusammen-
eine Kooperation mit der Berufsschule für
                                                                                             arbeit in einer globalisier-
die Berufsintegrationsklassen (BIK) an.       Ansprechpartner für den Standort
                                                                                             ten Welt hängt davon
Seit einigen Jahren werden hier an zwei       Pfaffenhofen a.d.Ilm:                          ab, wie gut und schnell
                                                                                             man seine eigene Rolle
Schultagen in der Woche die Schülerinnen      Josef Lachermeier
                                                                                             in diesem Prozess fin-
und Schüler aus den BIK-Klassen im Hin-                                                      det.“
                                              Hohenwarter Straße 95a
blick auf Berufs- und Arbeitsweltkunde un-
terrichtet. Daneben wird den Schülern, die    85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm
überwiegend einen Migrationshintergrund       Tel.: 08441 27700-0
aufweisen, auch Unterstützung bei der Su-
                                              E-Mail: info-in@bfz.de
che nach Praktika in Ausbildungsbetrieben
geboten. Vor allem durch die sozialpädago-

                                                                                                               Seite 13
Hintergrund: Rückkehr nach Nigeria
               Rückkehrberatung im Deutsch-Nigerianischen Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration

                             Mögliche Perspektiven für einen Neuanfang im Heimatland - Die Rückkehr in ihr Herkunfts-
Info:                        land empfinden viele Zugewanderte als ein schwieriges Thema. Oftmals gibt es Vorbehalte
Deutsche Gesellschaft        und Ängste. Doch Rückkehrberatungen wie im Deutsch-Nigerianischen Zentrum stellen sich
für Internationale Zusam-    diesen Ängsten entgegen und zeigen den Rückkehrenden diverse Möglichkeiten auf. Mit
menarbeit (GIZ) GmbH         dem folgenden Interview mit Sandra Vermuijten (Teamleiterin im Programm Migration für
Die GIZ ist ein Bundesun-
                             Entwicklung) werden Fragen rund um die Unterstützungsangebote für Rückkehrende geklärt.
ternehmen, das sich
weltweit in den Berei-
                             1. Wie kann man den Rückehrenden die Ängste nehmen: Welche wichtigsten Botschaften
chen internationale Zu-
                                möchten die Rückkehrberater übermitteln?
sammenarbeit, nachhal-
tige Entwicklung und            Zuhause gibt es Aussichten. Das Deutsch-Nigerianische Zentrum (NGC) bietet Rückkeh-
internationale Bildungs-        renden individuelle Unterstützung, um sich in der Heimat wieder einzugliedern. Unsere
arbeit engagiert. Es wer-       Angebote beinhalten Beratung, Unterstützung bei der Unternehmensgründung, Berufs-
den u.a. Wirtschafts-           ausbildung, Weiterbildung, Arbeitsplatzvermittlung, vorübergehende Unterkunft sowie
und Beschäftigungsför-          psychosoziale Hilfe.
derungen sowie Themen
wie Energie, Umwelt,         2. Wie läuft das Verfahren der Rückkehrberatung ab und welche Kriterien (z.B. Bedarfe, Er-
Frieden und Sicherheit
                                wartungshaltungen, etc.) werden dabei berücksichtigt?
vorangetrieben.
                                Ein typisches Reintegrationsverfahren läuft in etwa wie folgt ab:
                                      Eine Person, die sich für eine Rückkehr nach Nigeria interessiert, bekommt online
Info:
                                       Informationen über die Rückkehrberatungsstellen in Deutschland.
Internationale Organisati-            Der oder die potentiell Rückkehrende geht auf eines der zahlreichen Rückkehrbera-
on für Migration (IOM)
                                       tungsstellen in Deutschland (z.B. die zentrale Rückkehrberatung der Ausländerbe-
Die IOM arbeitet als Teil
der Vereinten Nationen
                                       hörden) zu und erhält Informationen über die freiwillige Rückkehr, Reintegrations-
mit 166 Mitgliedsstaaten               vorbereitende Maßnahmen sowie Unterstützungsangebote in Nigeria.
an der Zusammenarbeit                 Mithilfe von Rückkehrprogrammen wie ERRIN, welches von der EU gefördert wird
in Fragen der Migration.               oder des Bund-/Länderprogramms REAG/GARP, welches durch die Internationalen
Dabei steht die Suche                  Organisation für Migration (IOM) umgesetzt wird, kann die Rückkehr nach Nigeria
nach Lösungen in Migra-
                                       angetreten werden.
tionsfragen sowie die
                                      Das NGC fungiert als erste Anlaufstelle für die Rückkehrenden, wo sie zu verschie-
Unterstützung für Mig-
rantinnen und Migranten                denen Reintegrations-Maßnahmen beraten werden.
durch humanitäre Hilfe                Die Rückkehrenden werden dann in eine passgenaue Maßnahme des NGC oder
im Mittelpunkt. Die IOM                seiner Partner (z.B. andere GIZ-Projekte, zivilgesellschaftliche Organisationen,
fördert internationales                staatliche Institutionen oder Privatwirtschaft) vermittelt, um Unterstützung für ihre
Migrationsrecht genauso                wirtschaftliche und soziale Reintegration zu bekommen.
wie die Diskussion über
                                Dabei fließen besonders soziale Gründe, aber auch Geschlecht, Alter, Bildungshinter-
das Thema oder den
Schutz individueller            grund, Berufserfahrungen, Gesundheitsaspekte uvm. bei der Rückkehrberatung ein.
Rechte. Der Grundsatz
bleibt es, sich für eine
                             3. Wer oder was steckt hinter der Rückkehrberatung und wie werden die Unterstützungs-
humane und geordnete            angebote finanziert?
Migration einzusetzen.          Das NGC ist eine Initiative im globalen Programm „Migration für Entwicklung“, das voll-
                                ständig vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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(BMZ) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit        Info: Nigeria ist ein Staat
   (GIZ) in Nigeria durchgeführt wird. Das Programm „Perspektive Heimat“ ist dabei ein Teil     in Westafrika und ist mit
                                                                                                über 200 Millionen Ein-
   der Arbeit des BMZ in Entwicklungsländern und im migrationspolitischen Ansatz
                                                                                                wohnern das bevölke-
   „Migration für Entwicklung“ des Ministeriums eingebettet. Das Programm unterstützt un-       rungsreichste Land Afri-
   terschiedliche Partnerländer dabei, sowohl die Lebensbedingungen der Menschen zu ver-        kas. Neben der Haupt-
   bessern als auch Perspektiven für Rückkehrende in ihre Heimatländer zu schaffen.             stadt Abuja ist Lagos
                                                                                                nicht nur die größte
4. Welche Hürden erwarten die Rückkehrenden?                                                    Stadt Afrikas, sondern es
   Der Weg zur Reintegration ist kein geradliniger Prozess, insbesondere wenn die Rückkeh-      zählt auch die Metropol-
   renden eine Kombination aus sozialer, wirtschaftlicher und psychosozialer Hilfe benötigen,   region Lagos zu den
   damit ihre Reintegration als abgeschlossen gelten kann. Da sich der Weg von Rückkeh-         bevölkerungsreichsten
                                                                                                Regionen der Welt. Nach
   renden zu Rückkehrenden unterscheidet, unterscheiden sich auch die jeweiligen Heraus-
                                                                                                einer langen Kolonialzeit
   forderungen:                                                                                 wurde Nigeria 1960 von
     Mangel an sozialer Absicherung im Land  Stigmatisierung durch Familie und Freun-         Großbritannien unabhän-
                                                                                                gig und versank bald
     Bereitschaft der Rückkehrenden, die ver-   de
                                                                                                darauf im Bürgerkrieg
      fügbaren Angebote anzunehmen              Finanzielle Engpässe
                                                                                                sowie jahrzehntelang in
     Erwartungshaltung der Rückkehrenden       Geringe Bildung und Fehlen von Fertig-         unruhigen politischen
      entsprechen                                keiten bei Rückkehrenden verhindern            Verhältnissen. Diese
     Geistige Instabilität                      Zugang zu gewünschten Berufen                  stabilisierten sich erst
                                                                                                1999, und ab 2010 kann
                                                                                                von einer Demokratie
5. Wie äußert sich das Verständnis der nigerianischen Gesellschaft gegenüber den Rückkeh-       westlicher Ordnung ge-
   renden?                                                                                      sprochen werden. In
   Die Wiedereingliederung von Rückkehrenden wird von der nigerianischen Gesellschaft           Nigeria werden zahlrei-
   allgemein begrüßt. Die Regierung hat Richtlinien wie die staatliche Arbeitsmigrations-       che lokale Sprachen
   Richtinie von 2014 eingeführt, die die Wiedereingliederung von Rückkehrenden unter-          gesprochen und Religio-
                                                                                                nen praktiziert, wobei
   stützt. Es kann jedoch nicht ignoriert werden, dass einige der Rückkehrer in bestimmten
                                                                                                der Süden christlich und
   Gemeinden in Nigeria immer noch stigmatisiert werden. Ziel des Programms ist es, solche
                                                                                                der Norden muslimisch
   Gemeinden zusammen mit Partnern wie der IOM weiterhin hinsichtlich des Abbaus von            geprägt ist. In Letzterem
   Vorurteilen gegenüber Rückkehrenden sowie der Gefahren irregulärer Migration zu sensibi-     hält die Terrorgruppe
   lisieren. Das Programm fördert auch gemeindenahe Projekte vor Ort, die nicht nur eine        „Boko Haram“ weite
   Unterstützungsmaßnahme für Rückkehrende darstellen, sondern auch die bedeutenden             Teile des Landes besetzt
   Beiträge von Rückkehrenden zu ihren Gemeinden und zur nigerianischen Gesellschaft ins-       und destabilisiert die
                                                                                                Sicherheitslage. Trotz
   gesamt aufzeigen.
                                                                                                aller Widerstände hat
                                                                                                sich Nigeria durch ein
6. Wie werden die Rückkehrenden auf die Unterstützungsprogramme aufmerksam gemacht?
                                                                                                rasantes Wachstum zur
   Es werden vielseitige Methoden kombiniert, um auf die Programme aufmerksam zu ma-            größten Volkswirtschaft
   chen:                                                                                        Afrikas entwickelt. Den-
                                                                                                noch leben durch die
     Öffentlichkeitsarbeit                  Verbreitung von Informations-, Bildungs-
                                                                                                einseitige Verteilung des
     Informationsveranstaltungen und Inte-   und Kommunikations-Materialien zu den
                                                                                                Reichtums weite Teile
      ressensvertretung                       Angeboten des Zentrums                            der Bevölkerung in Ar-
     Aufmerksamkeitskampagnen für vul-      Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftli-           mut und Elend, was zur
      nerable Gruppen                         chen Organisationen, die mit Rückkeh-             zahlreichen Abwande-
     Zielgruppen-Diskussionen mit Rückkeh-   renden arbeiten                                   rung vor allem junger
      renden und Rückkehr-Verbänden                                                             Menschen führt, die sich
                                                                                                eine bessere Zukunft
                                                                                                erhoffen.

                                                                                                                 Seite 15
7. Wie werden die psychologischen Belange der Rückkehrenden in der Rückkehrberatung
                                betreut?
                                Das Deutsch-Nigerianische Zentrum bietet neben anderen Unterstützungsmaßnahmen
                                 wie Beratung, Unterstützung bei Unternehmensgründungen, Berufsausbildungen und
                                 Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung auch psychosoziale Unterstützungsberatung
Info:
                                 für Rückkehrende an. Dies wird von zivilgesellschaftlichen Partnern wie Caritas und
Rückkehrprogramme                Solwodi (Internationale Hilfsorganisation für Frauen) angeboten. Wir betrachten psycho-
Für freiwillige Rückkeh-
                                 soziale Unterstützung als einen sehr wesentlichen Erfolgsfaktor für die Wiedereingliede-
rende gibt es verschie-
dene Rückkehrprogram-            rung von Rückkehrenden. Dies liegt daran, dass die Rückkehrenden auf ihrem Migrati-
me, welche einen erfolg-         onsweg in der Regel viel durchmachen mussten und psychosoziale Unterstützung für
reichen Neuanfang im             ihre geistige Gesundheit und Stabilität hilft, ohne die die Rückkehrenden keine wirt-
Herkunftsland fördern
                                 schaftliche Stabilität erreichen können.
sollen. Eines dieser An-
gebote ist das REAG/         8. Wie lange werden die Rückkehrenden in der Regel bei Ihnen in der Rückkehrberatung
GARP Programm                   begleitet?
(Reintegration and Emig-
                                 Die Dauer des Reintegrationsprozesses variiert. Während manche Rückkehrende ledig-
ration Program for
Asylum-Seekers in Ger-           lich wirtschaftliche Reintegration beanspruchen, benötigen andere eine Mischung aus
many/ Government As-             sozialer, psychosozialer und wirtschaftlicher Unterstützung. Dementsprechend kann sich
sisted Repatriation Pro-         der Reintegrationsprozess von 4 Monaten bis zu 18 Monaten erstrecken.
gram). Es ist ein Bund-
Länder-Programm zur          9. Wie stehen die Chancen, dass Rückkehrende neu und erfolgreich in Nigeria anfangen
organisatorischen und           können?
finanziellen Unterstüt-          Die Chancen, dass Rückkehrende ein neues Leben in Nigeria beginnen, sind offensicht-
zung freiwillig Ausreisen-
                                 lich gegeben. Mit der maßgeschneiderten Beratung und den individuellen Unterstüt-
der. Mithilfe dieses Pro-
gramms können Rück-              zungsmaßnahmen des NGC sind sich Rückkehrende nun der verschiedenen Angebote
kehrende u.a. Mittel für         bewusst und werden dabei unterstützt, ein sinnvolles Leben in Nigeria zu beginnen. Dem
Reisekosten sowie Start-         Zentrum ist es gelungen, vielen Rückkehrenden zu helfen, ihr Leben neu zu beginnen.
hilfen erhalten.
Das ERRIN-Programm
(European Return and
Reintegration Network)                                                      Nigerian-German Centre
hingegen ist ein gemein-                                                    Lagos, Abuja, Benin City
sames Rückkehr- und
                                                                            E-Mail: migrationadvicenigeria@giz.de
Reintegrationspro-
gramm, welches von
                                                                            Webseite: https://www.startfinder.de/en/
                                                                            advisory-centre/advisory-centre-nigeria
zahlreichen europäischen
Partnerstaaten, unter der
Leitung der Niederlande
angeboten wird. Hier
können Förderungen für
eine freiwillige oder
zwangsweise Rückkehr
eingeholt werden.

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Neues aus der Projektbörse– Mitmacher gesucht!

                                                                Lies‘ ein Buch mit mir!
                                                                          Lesepaten-Projekt (DaZ)
                                                                                 Sachgebiet Integration
                                                                                                          Info:
                                                                                                          Beteiligung Projekte
                                                                                                          Wir versuchen stets
                                                                                                          sowohl die Bedarfe un-
                                                                                                          serer Klienten als auch
                                                                                                          die Wünsche sowie
                                                                                                          Ideen unserer ehrenamt-
                                                                                                          lich Helfenden zielge-
                                                                                                          recht aufzunehmen.
                                                                                                          Hierfür bieten wir künftig
                                                                                                          diverse Ehrenamtspro-
                                                                                                          jekte in modularisierter
                                                                                                          Form an. Dies bedeutet,
                                                                                                          dass Sie allein über Dau-
                                                                                                          er und Intensität Ihres
                                                                                                          Engagements entschei-
Lies ein Buch mit mir!                                                                                    den. Ziel ist es dabei die
                                                                                                          verdienstvolle Arbeit im
Kurzbeschreibung des Projekts                                                                             Ehrenamt optimal an die
Zur Förderung des Spracherwerbs von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund                    Alltagsbedürfnisse anzu-
bearbeiten Sie als Lesepatin oder Lesepate im Rahmen von regelmäßigen Leseübungen mit                     passen und die Realbe-
einem oder mehreren Lesekindern verschiedene Texte. So sollen nicht nur spielerisch die                   darfe unserer Hilfesu-
Sprachfertigkeiten trainiert, sondern auch Hintergründe zu den Geschichten erhellt und vor                chenden zu decken.
allem die Freude am Lesen gefördert werden. Melden Sie sich gerne und lesen Sie mit!                      Wenn Sie eigene Ideen
                                                                                                          oder Pläne haben, dann
Zeitaufwand                                                                                               stehen wir Ihnen gerne
Einmal wöchentlich | Dauer ca. 60 min. | zeitlich flexibler Einsatz                                       zur Verfügung und unter-
                                                                                                          stützen bei der Umset-
Ort des Projekts                                                                                          zung Ihres eigenen Eh-
                                                                                                          renamtsprojektes!
Kreisbücherei Pfaffenhofen a.d.Ilm | Scheyerer Str. 51 | 85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm

Voraussetzungen
Amtliches Führungszeugnis zur Arbeit mit Minderjährigen | Mobilität zur Veranstaltung |
Freude am Lesen und am Umgang mit Kindern und Jugendlichen | Interkulturelle Kompeten-
zen | Kreativität

Kontakt
Integrationslotsin & Ehrenamtskoordination des Sachgebietes Integration
Tel. 08441 - 27 2964 | E-Mail: Integrationslotsen@landratsamt-paf.de

                                                                                                                           Seite 17
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