JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
JAHRES-
  BERICHT

    2018
JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Vorwort
Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Viele haben         Wenn man noch ein wenig weiter zurückblickt, sieht
unsere Sorgen und Nöte mitbekommen, die die-            man, dass in den letzten Jahren wirklich viel pas-
ses Jahr prägten. Wir mussten große Geldsummen          siert ist. 2010 sind wir als kleiner Verein mit nur einer
an das Finanzamt nachzahlen. Hinzu kam die Un-          Handvoll Mitarbeitern gestartet. Inzwischen sind
sicherheit, wie es mit unserer Integrationsbera-        wir ganz schön gewachsen. Neue Arbeitsbereiche
tungsstelle GRATA weitergehen sollte, da grund-         sind hinzugekommen, viele tolle Projekte und viele
sätzlich mit Kürzungen in der Integrationsarbeit        großartige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen machen
gerechnet werden musste.                                Caspo zu dem, was es heute ist. Nach wie vor ist es
                                                        unser wichtigstes Anliegen, unser Leben „sinnvoll
Letztlich konnten wir am Ende des Jahres dann doch      zu leben“, für die Menschen in unserer Nähe da zu
auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Wir konn-     sein, Verantwortung vor Ort zu übernehmen und
ten allen Zahlungsaufforderungen nachkommen,             das Leben um uns herum ein wenig schöner, bunter
sogar die Beratungsstelle um eine weitere halbe         und liebenswerter zu machen. Hier passt das Zitat
Sozialarbeiterstelle erweitern und haben auch eine      von Mahatma Gandhi:
Bewilligung für GRATA für 2019 bekommen. Da fiel
                                                              „Sei du selbst die Veränderung,
uns allen aber ein Stein vom Herzen.
                                                              die du dir wünscht für diese Welt.“

Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei           Vieles von dem, was um Caspo herum entstan-
allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal ob        den ist, haben wir gar nicht so richtig geplant, es ist
ehrenamtlich oder hauptamtlich tätig. Ihr habt die      gewachsen – mit jedem einzelnen Menschen, der
Arbeit von Caspo e. V. entscheidend mitgeprägt          seine Begabungen, seine Fähigkeiten, seine Zeit
und getragen. Vielen herzlichen Dank! Dankeschön        und seine Ideen mit eingebracht hat.
auch an alle Förderer und Freunde unserer Arbeit,
die uns mit Rat und Tat und auch mit finanzieller        Mit unserem Jahresbericht laden wir nun zu einem
Unterstützung geholfen haben. Auch für die breite       kleinen Rundgang durch Caspo e. V. und das Jahr
Zustimmung, die wir bei unserer Unterschriften-         2018 ein. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!
aktion für GRATA erfahren haben, bedanken wir uns
sehr herzlich. Toll, dass es Euch alle gibt und dass
Ihr so aktiv hinter unserer Arbeit steht!

Mit diesem Jahresbericht möchten wir einen kleinen      Katja Jelinek
Einblick in unsere alltägliche Arbeit, die großen und   (Geschäftsführung Caspo e. V.)
kleinen Aktionen und Projekte geben und mit Euch
teilen, was uns bewegt. So ein Rückblick überrascht
manches Mal. Was – das ist alles in diesem Jahr                                                                     Katja Jelinek
gewesen?! So viele Menschen haben dazu beige-
tragen, dass alles gut geklappt hat …

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Unsere Mitarbeiter                                                                                                                                          Hausmeisterliches
                                                                                                                                                            und Technisches                      Vereinsarbeit

und Mitarbeiterinnen
                                                                                                                                                            Alex, Günther und Siegfried          Andreas, Anja, Antje, Christoph, Garrett,
                                                                                                                      Putzen                                In unserem überwiegenden „Mäd-       Katja, Merlind, Nico
                                                                                                                      Sabrina und Markus                    chenladen“ freuen wir uns sehr       Über die Ladenbelange und die
                                                                                                                      Wie auch schon im Vorjahr put-        über Unterstützung im haus-          Arbeit der Beratungsstelle sowie
                                                                                                                      zen Sabrina und Markus an jedem       meisterlichen Bereich. Günther,      sonstiger Projekte hinaus, wur-
                                                                                                                      Wochenende unsere gesamten            der seine regelmäßige „Schicht“      de die gesamte organisatorische
Damit der ganze Ablauf und die Arbeit im Sozialen          der Organisation und Verwaltung, beim Beraten
                                                                                                                      Räumlichkeiten. Ganz plötzlich        im Buchbereich versieht, war im-     Vereinsarbeit ebenfalls ehren-
Kaufhaus, in der Beratungsstelle Grata, den ganzen         und beim Übersetzen, beim Vorlesen, beim Mit-
                                                                                                                      verstarb Markus Ende letzten          mer zur Stelle, wenn ein Regal       amtlich von unseren Vereinsmit-
kleineren Projekten und im Verein vernünftig erle-         tagstisch – überall gibt es jede Menge zu tun. Im
                                                                                                                      Jahres. Das tut uns sehr leid.        aufgebaut, etwas gesägt, ge-         gliedern getragen und weiterent-
digt werden können, brauchen wir in allen mögli-           vergangenen Jahr arbeiteten insgesamt knapp 50
                                                                                                                      Umso dankbarer sind wir Sabrina,      bohrt oder angeschraubt werden       wickelt.
chen Bereichen viele helfende Hände. Im Lager,             ehrenamtliche Helfer und Helferinnen und fünf mit
                                                                                                                      dass sie trotz ihres Verlustes wei-   musste, Siegfried ist sozusagen
im Verkauf, beim Sortieren, an der Kasse, bei den          festen Arbeitsverträgen bei Caspo e. V. im Laden,
                                                                                                                      terhin für uns arbeitete. Ihr Sohn    unser „Haus und Hof-Elektriker“      Shuuz-Projekt
Büchern, beim Putzen, beim Transport, im Büro, in          in der Beratung, in der Verwaltung und in den ver-
                                                                                                                      half ihr einige Male dabei. Ganz      und war immer zur Stelle, wenn       Anja, Christoph, Friwi, Katja 2
                                                           schiedenen Bereichen „drumherum“. Schön, dass
                                                                                                                      grundsätzlich reicht es ohnehin       das Licht mal nicht ging. Alex       Es ist unglaublich, wie viele Schu-
                                                           so viele Menschen so gerne bei uns arbeiten!
                                                                                                                      nicht aus, einmal wöchentlich zu      konnte man zur Zeit und zur Un-      he bei uns abgegeben werden.
                                                                                                                      putzen – also mussten wir alle        zeit anrufen, wenn mal das Klo       Nicht alle lassen sich noch gut
                                                                                                                      mal mit ran.                          verstopft war oder die Spülung       weiterverkaufen. Schuhe mit klei-
                                                                                                                                                            plötzlich nicht mehr ging. Was       nen Defekten oder Schuhe, die
                                                                                                                      Fahrdienste                           wären wir bloß ohne Euch?!           aus der Mode gekommen sind,
                                                                                                                      FriWi, Katja 2, Olaf und Paul                                              schicken wir ans Shuuz-Projekt.
                                                                                                                      Bei uns müssen in der Regel keine     IT-Support                           Anja und Christoph holten die
                                   Regelmäßige
                                                                                                                      Menschen von A nach B gefah-          Christoph                            Schuhe regelmäßig bei uns ab,
                                   Ladenschichten
                                                                                                                      ren werden – das versteht man         Wir haben ja gelernt, dass bei       packten sie in riesige Kartons und
                                   Alex, Alward, Angela, Barbara 1,              fleißigen Helfern und Helferinnen
                                                                                                                      ja landläufig unter „Fahrdienst“ –     Computerschwierigkeiten das Pro-     sorgten für den Weitertransport.
                                   Barbara 2, Barbara 3, Claudia, Dagmar,        berücksichtigt werden. Unsere
                                                                                                                      sondern eher Sachen. So brach-        blem meistens dreißig Zentimeter     Seit Ende letzten Jahres dürfen
                                   Dagi, Dirk, Elfriede, Elke, Fatos, Gülstan,   „Traumbesetzung“ wären in jeder
                                                                                                                      ten FriWi und Katja unsere aus-       vor dem Bildschirm zu suchen ist,    wir die Schuhe bei FriWi und Kat-
                                   Günther, Günter, Hanne, Heidelore,            Schicht vier Personen im Laden
                                                                                                                      sortierten Dinge zu fairkauf nach     aber trotz dieses Wissens konnten    ja zwischenlagern. Das ist ganz
                                   Heike, Hildegard, Inge 1, Inge 2, Ingrid 1,   und/oder Lager. Das konnten wir
                                                                                                                      Großburgwedel, Sachen, die ka-        wir einige Schwierigkeiten mit un-   großartig, da sie uns regelmäßig
                                   Ingrid 2, Ingrid 3, Iris, Jasmin, Jochen,     im letzten Jahr noch nicht ganz
                                                                                                                      putt sind, brachte Paul zur Müll-     seren technischen Geräten nicht      unseren Keller „verstopften“. Die
                                   Jutta, Katja 2, Klaus, Laura, Lila,           erreichen – wir können also im-
                                                                                                                      kippe, Bücher fuhr Friwi einige       selbständig lösen. Da waren wir      Schuhe werden im Shuuz-Projekt
                                   Marianne, Marina, Marion, Melanie B.,         mer noch helfende Hände ge-
                                                                                                                      Male zum Bücherhaus nach Celle        jedes Mal froh, wenn wir uns ver-    übrigens teilweise wieder aufge-
                                   Melanie C., Monika 1, Monika 2, Nadine,       brauchen. Trotzdem haben wir
                                                                                                                      und Olaf entsorgte unser Altpa-       trauensvoll an Christoph wenden      arbeitet und weiter verwendet.
                                   Patrice, Petra, Ronja, Sabine, Sherin,        uns über jeden Einzelnen gefreut,
                                                                                                                      pier. Das schaffte regelmäßig Luft     konnten.                             Wir erhalten für die Weitergabe
                                   Thordis, Ulla, Ursel, Werner.                 der im letzten Jahr mit dabei war.
                                                                                                                      in unserem Keller. Für diese „Hin-                                         ein wenig Geld, das wir auch im
                                   Den Dienstplan zu gestalten ist
                                                                                                                      tergrunddienste“ sind wir ganz                                             vergangenen Jahr in unseren So-
                                   gar nicht immer so leicht. Manch              Springer/Unterstützer
                                                                                                                      besonders dankbar.                                                         zialfond investierten.
                                   einer ist nur alle 14 Tage mit da-            Anja, Antje, Katja 1, Maritha.
                                   bei, ein anderer kommt nur für                Manch einer kann sich nicht
                                   zwei Stunden, dafür aber zwei-                auf einen Wochentag festlegen,
                                   mal die Woche, wieder jemand                  möchte aber trotzdem helfen.
                                   anders wechselt wochenweise                   Hier gab es auch im letzten Jahr     Wir sind sehr dankbar für die vielen Menschen, die in 2018 unsere Arbeit so tatkräftig und immer wie-
                                   die Vor- und die Nachmittage                  einige Mitarbeiterinnen, die das     der auch mit großer Freude unterstützt haben – egal ob haupt- oder ehrenamtlich. Deshalb möchten
                                   ab und dann müssen natürlich                  feste Team auf diese Weise un-       wir auch gleich zu Anfang unseres Jahresberichtes die ganzen vielen unterschiedlichen Arbeitsberei-
                                   auch die Urlaube von so vielen                terstützten.                         chen mit ihren Mitarbeitern nennen, bevor wir näher über die einzelnen Projekte berichten.

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Was das Herz bewegt                Integrations-                                                           Die konkreten Aufgaben könnte
Hauptamtliche
                                                                           Katja, Petra                       beratungsstelle Grata                Geschäftsführende                  man am ehesten mit „Mädchen
Mitarbeiter
                                    Mittagstisch                           Petra war die grundsätzliche In-   Christina, Claudia und Katja         Tätigkeiten, Projektlei-           für alles“ im gesamten organi-
Neben den vielen ehrenamtli-
                                    Doris, Elke, Katja                     itiatorin des Projektes, bei dem   Christina, studierte Sozialwissen-   tung und Organisation              satorischen Bereich des Vereins,
chen Mitarbeitern gibt es eini-
                                    Doris war eigentlich in 2018 mit die   „Menschen wie Du und ich“ eige-    schaftlerin, setzte ihre Arbeit in   Anja, Garrett, Katja               des Ladens und allen anderen
ge Aufgaben, die mittlerweile
                                    wichtigste Stütze des „Brutzel-        ne Texte vorlesen konnten. Ge-     unserer Integrationsberatungs-       Je größer der Laden und alle da-   Vereinsprojekte bezeichnen. Das
aus unterschiedlichen Gründen
                                    klubs“ – sie war nämlich die-          meinsam mit Katja organisierte     stelle Grata mit 29 Stunden pro      mit verbundenen Vereinsaktivitä-   reichte vom Erstellen und täg-
durch vom Verein bezahlte Mitar-
                                    jenige, die zumeist die Einkäufe       sie auch in 2018 diese besonde-    Woche als Sozialarbeiterin weiter    ten geworden sind, desto größer    lichen Aktualisieren der Dienst-
beiter und Mitarbeiterinnen über-
                                    erledigte und vorher kalkulierte,      ren Abende.                        fort. Vor allem in den administ-     wurden auch der bürokratische      pläne über das Vorbereiten der
nommen werden.
                                    welche Mengen an Lebensmit-                                               rativen Dingen, Dienst- und Fall-    Aufwand und die Organisation,      Vorstandsitzungen und Dienstbe-
                                    teln wir brauchen würden. Sie war                                         besprechungen sowie im nied-                                            sprechungen bis hin zu konzep-
                                    auch diejenige, die in der Küche                                          rigschwelligen Kontaktbereich                                           tionellen oder organisatorischen
                                                                                                              wurde sie mit 9,5 Stunden durch                                         Überlegungen Dazu gehörten
                                                                                                                                                                                      Verwaltungsarbeiten, Schreiben
                                                                                                                                                                                      von Jahresberichten und Statistik,
                                                                                                                                                                                      Öffentlichkeitsarbeit, beinhaltet
                                                                                                                                                                                      aber auch das Ansprechbarsein
                                                                                                                                                                                      für Kooperationspartner, Mitar-
                                                                                                                                                                                      beiter, Kunden oder Kommissio-
                                                                                                                                                                                      näre und Acht geben auf so viele
                                                                                                                                                                                      andere Kleinigkeiten.

                                                                                                                                                                                      Soziale Teilhabe am
                                                                                                                                                                                      Arbeitsmarkt
                                                                                                                                                                                      Iris
                                                                                                                                                                                      Seit 2015 arbeitete Iris im Rah-
                                                                                                                                                                                      men der sogenannten „Teilhabe
                                                                                                                                                                                      am Arbeitsmarkt“ – einem Projekt
                                                                                                                                                                                      der Bundesagentur für Arbeit -
Papiergeflüster                                                             Übersetzungsarbeiten                                                    die für einen reibungslosen und    mit jeweils 15 Stunden pro Wo-
Elke, Jochen, Katja, Klaus                                                 Atto                                                                    vor allem auch ordnungsgemä-       che bei uns mit. Das Geld zur Fi-
Auch in 2018 fand regelmäßig                                               Da die Klienten unserer Bera-                                           ßen Ablauf sorgen. Hierum küm-     nanzierung ihrer Stelle erhielten
                                    zumeist „den Hut auf“ hatte. Elke
einmal im Monat unsere Vor-                                                tungsstelle inzwischen über-                                            merten sich in 2018 Katja und      wir monatlich vom JobCenter. Iris
                                    kümmerte sich nicht nur um die                                            Katja unterstützt. Seit April 2018
leseveranstaltung für Erwachse-                                            wiegend Deutsch sprechen,                                               Anja. Im Rahmen eines Midijobs     war in allen Bereichen des Sozia-
                                    Anmeldungen und die Finanzen,                                             ist zusätzlich Claudia Krüger mit
ne statt. Für das Papiergeflüster                                           sind Dolmetschertätigkeiten im                                          mit einem Stundenkontingent von    len Kaufhauses einsetzbar, küm-
                                    sondern vor allem auch um die                                             19,25 Stunden in der Beratungs-
stehen insgesamt vier Vorleser                                             vergangenen Jahr in den Hinter-                                         sieben Wochenstunden über-         merte sich aber schwerpunkt-
                                    Deko, Katja war für das restliche                                         stelle beschäftigt. Die Beratungs-
und Vorleserinnen zur Verfügung.                                           grund getreten. Dennoch stand                                           nahm Anja überwiegend das          mäßig um den Bereich „Spiele
                                    „Drumherum“ mitverantwortlich.                                            stelle wurde zu 90 % im Rahmen
Elke kümmerte sich während des                                             uns Atto einmal wöchentlich zur                                         Controlling und Abrechnungs-       und Spielzeug“. Darüber hinaus
                                    Nicht unerwähnt dürfen unse-                                              einer Projektfinanzierung durch
ganzen Jahres um das Anmelde-                                              Verfügung und half entweder in                                          wesen des Ladens und die stell-    half sie jedoch auch regelmäßig
                                    re „Tische- und Stühleschlep-                                             das Land Niedersachsen bezahlt.
procedere und die Kontakte zur                                             Beratungsgesprächen oder beim                                           vertretende Leitung des Sozialen   an der Kasse aus. Zum Ende des
                                    per“ bleiben: Atto, Reinhard und                                          Jährlich müssen hier neue Anträ-
Presse, Katja übernahm den Rest                                            Übersetzen von Vorlagen oder                                            Kaufhauses. Katja erledigte mit    Jahres wurde das Projekt plan-
                                    Siegfried. Das war uns eine sehr                                          ge gestellt werden.
der Werbung und die Koordina-                                              Formularen ins Arabische oder                                           einem Stundenkontingent von        mäßig beendet und wir mussten
                                    große Hilfe und eine Bereiche-
tion der Veranstaltung. Gemein-                                            Kurdische. Auch bei unserem                                             15 Stunden und ebenfalls auf       uns von Iris verabschieden. Sie
                                    rung für die Tischgespräche mit
sam gestalteten alle vier die je-                                          Projekt „Wohnungssuche“ stand                                           Midijobbasis die geschäftsfüh-     hat inzwischen einen neuen Job
                                    den Seniorinnen.
weiligen Abende – mal mit allen                                            er unseren Mitarbeiterinnen und                                         renden Tätigkeiten des Vereins,    gefunden und kommt uns ab und
vier, mal nur mit zwei oder drei                                           den Wohnungssuchenden unter-                                            Projektkoordinationen, sowie die   zu im Laden auf eine Tasse Kaffee
Vorlesern.                                                                 stützend zur Seite.                                                     Leitung des Sozialen Kaufhauses.   oder auch zum Helfen besuchen.

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Die Legende
von Caspo

        Wer bis hierher den Jahresbericht gelesen
        hat, wird bereits bemerkt haben, dass
        die Arbeit von Caspo e. V. recht vielfältig
        ist. Einer unserer Mitarbeiter im Buchbe-
        reich und beim Papiergeflüster – Jochen
        Zoellner – hat eine Geschichte über den
        Verein geschrieben, Hierin werden nicht
        nur die unterschiedlichen Arbeitsbereiche                                                            Daneben wurde Menschen aus fremden Ländern
        beschrieben, sondern es verstecken sich                                                              erzählt, wie sie sich in dem Wald aus Gesetzen, For-
        darin auch viele verschiedene Märchen.                                                               mularen und fremden Worten zurechtfinden konn-
        Wer findet sie alle?                                                                                  ten, in den sie auf ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrer
                                                                                                             Heimat geraten waren.
                                                                                                             So konnten manche – anders als Hänsel und
               or Zeiten lebten die Leute in dem      Spielzeug wurden in der kleinen Hütte An der Riehe     Gretel – vor der bösen Hexe namens Seehofer be-
               Dorf Altwarmbüchen in Niedersach-      abgegeben, in der sich die weisen Sachensammler        wahrt werden, die sie zwar nicht braten, aber ver-
              sen wie im Schlaraffenland: Alles        bald wie beim „Tischlein, deck dich!“ fühlten. Immer   treiben wollte.
             was sie sich wünschten, wurde in gro-    wieder waren ihre Schränke voll.                       Das Braten übernahm derweil der „Brutzelklub“, der
            ßen Kartons gebracht. Sie bestellten      Viele Helfer waren nötig. Wie gut, dass die kluge      viele an das Märchen vom „Siedenden Brei“ erin-
            und bestellten – so wie es ihnen Herr     Else – äh – Elke die Heinzelmännchen von Köln hol-     nerte: Wenn „Töpfchen, steh!“ gerufen wurde, war
          Hävelmann von der Firma Amazon sagte,       te. Sie leisteten über Nacht ganze Arbeit:             Essen im Überfluss für viele ältere Leute da, die in
der ständig „Mehr! Mehr!“ schrie.                                                                            fröhlicher Runde gemeinsam speisten.
Wenn den Menschen die gekauften Sachen nicht                „Sie schwärmten –                                Natürlich kostete das alles Geld.
mehr gefielen, warfen sie sie einfach weg auf einen          Und klappten und lärmten,                        Wie gut, dass die kleine Katja manchmal mit ihrem
Berg namens AHA, der immer größer wurde, sodass             Und rupften                                      weißen Hemdchen in die Nacht hinausging, um he-
die Sonne kaum noch zu sehen war.                           Und zupften,                                     runterfallende Sterntaler aufzufangen. Damit ließen
Es gab aber ein paar weise Dorfbewohner, denen              Und hüpften und trabten                          sich ihre kühnen Projekte finanzieren.
diese Verschwendung nicht gefiel. Sie kannten die            Und putzten und schabten …                       So gelang es am Ende, den benachbarten Friseur zu
Geschichte vom armen Mädchen mit den Schwe-                 Und eh die Caspo-Leute noch erwacht,             bewegen, während des Haareschneidens Senioren-
felhölzern. Es war jämmerlich erfroren, weil es             War all ihr Tagewerk … bereits gemacht!“         beratung zu betreiben.
nichts anzuziehen hatte.                                                                                     Und der nahe Bäcker lieferte völlig kostenlos knus-       Wir bedanken uns sehr herzlich bei
Warum sollte man nützliche Dinge wie Kleidung         So blieb Zeit, auch noch alte Schriften abzustauben,   prige Eulen und Meerkatzen für die umfänglichen           Jochen, der dieses Märchen an-
nicht weitergeben, statt sie wegzuwerfen, fragten     diese an schlaue Leser weiterzugeben und manch-        Frühstücke der fleißigen Caspo-Menschen.                   lässlich einer unserer Papiergeflüs-
sie sich. So könnte aus jedem Aschenputtel eine       mal abends daraus vorzulesen: Wie bei Schehere-                                                                  ter-Veranstaltungen geschrieben
wunderschöne Königstochter werden.                    zade in „1000 und einer Nacht“ lauschten viele Leu-    Und wenn sie nicht gestorben sind,                        und dort vorgetragen hat.
Und so geschah es: Berge Kleider, Hausrat und         te den spannenden Geschichten.                         dann sammeln und helfen sie noch heute!

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Soziale Boutique
„2.HeimArt“
Viele verfolgen unsere Arbeit schon länger und         Die gespendeten Sachen verkaufen wir an jeder-
wissen, dass es sich bei 2.HeimArt eigentlich um       mann und jederfrau zu (möglichst) günstigen Prei-
ein ganz klassisches, wenn auch kleines, Soziales      sen weiter. Hierbei muss man bei uns keinen ALG-2
Kaufhaus handelt, das nach folgendem Prinzip           oder Renten-Bescheid vorzeigen, man muss weder
funktioniert:                                          „sozial schwach“ noch Flüchtling sein, um bei uns
                                                                                                               Um einen kleinen Einblick in unseren Ladenalltag        Mittlerweile ist im Klamottenladen etwas Ruhe ein-
Die meisten Menschen haben zu viele Klamotten          einzukaufen. Gerne kann jeder in den Kreislauf von
                                                                                                               zu bekommen hat unsere Mitarbeiterin Elke               gekehrt, die Kollegin kommt zur Unterstützung in
im Schrank, die zwar nicht mehr angezogen wer-         Geben und Nehmen mit einsteigen. Man unter-
                                                                                                               Conrad zwei Erlebnisse aus einem „ganz normalen         den Hauptladen und – befolgt das oberste Gebot
den, aber dennoch viel zu schade zum Wegwerfen         stützt so den Gedanken der Nachhaltigkeit, 2.hand
                                                                                                               Ladentag“ sehr anschaulich aufgeschrieben:              für Alle – Ordnung muss sein, besonders an unse-
sind. Manch einer zieht in eine kleinere Wohnung       zu kaufen und sich einmal mehr zu überlegen, was
                                                                                                                                                                       rem großen Pausentisch! Sie nimmt die dort de-
und muss sich wohl oder übel von einigem trennen.      man eigentlich wirklich braucht.
                                                                                                                                                                       ponierte Jacke, bringt sie rüber, die Kundin kommt
In anderen Fällen wird das Haus eines Verwandten       Auch im vergangenen Jahr haben wir unglaublich          Ordnung muss sein
                                                                                                                                                                       mit Vasen, Kerzenständern und Bilderrahmen aus
aufgelöst und man weiß nicht wohin mit dem gan-        viele Sachspenden erhalten, worüber wir uns sehr        Elke Conrad
                                                                                                                                                                       dem Keller und vermisst natürlich sofort die vorher
zen Kram.                                              gefreut haben. Viele Stammkunden kommen nun             Wieder mal viel los im Laden. Da fragt eine Familie
                                                                                                                                                                       ausgesuchte Jacke. Ich helfe schnell beim Suchen –
Wir nehmen sehr gerne gut erhaltene Sachspen-          schon seit Jahren zu uns und viele kamen fast täg-      mit drei Kindern aller Altersstufen nach geeigne-
                                                                                                                                                                       nein, hier ist sie nicht. Also rüber in den Klamotten-
den: Bekleidung für Kinder und Erwachsene, Schu-       lich. Häufig hörten wir Sätze wie: „Hier finde ich aber   ten Kinderbüchern und Gummistiefeln, ein junger
                                                                                                                                                                       laden, sicher hat die Kollegin die Jacke wieder
he, Mützen, Hüte, Schals, Spiele, Spielzeug, Puzzle,   auch immer irgendetwas …“                               Mann, der ins Ausland geht, bringt drei schwere
                                                                                                                                                                       einsortiert. Ich frage die Kundin nach Größe und
Bücher, Haushaltskram, Bettwäsche, Handtücher,                                                                 Bücherkisten, die zur Vorsortierung in den Bücher-
                                                                                                                                                                       Aussehen. „Hmmm, ich glaub es war Größe 40 und
Tischwäsche, Dekorationsartikel, Töpfe, Pfannen,                                                               keller getragen werden müssen, eine Dame hat
                                                                                                                                                                       schwarz oder blau, ich glaub mit Kapuze …“, lautet
Geschirr, Gläser und vieles mehr.                                                                              im Haushaltskeller ihr Lieblingsgeschirr entdeckt
                                                                                                                                                                       die wenig hilfreiche Auskunft. Wir suchen mittler-
                                                                                                               und möchte davon Einzelteile kaufen, die im Laufe
                                                                                                                                                                       weile zu Dritt alle Ständer ab, zeigen infrage kom-
                                                                                                               der Jahre zu Bruch gegangen sind und da ist auch
                                                                                                                                                                       mende Jacken und werden zum Glück nach einigen
                                                                                                               Frau B., eine alleinstehende Seniorin, die regelmä-
                                                                                                                                                                       Missgriffen fündig. Juchhuu, die Jacke ist wieder da,
                                                                                                               ßig einmal in der Woche in den Laden kommt, um
                                                                                                                                                                       Kundenzufriedenheit gesichert – es kann weiterge-
                                                                                                               einen Plausch gegen die Einsamkeit zu halten. Alle
                                                                                                                                                                       hen mit dem interessanten Ladengeschehen.
                                                                                                               sind auf Trab und eine Kundin, die sich eine Jacke
                                                                                                               im Klamottenbereich ausgesucht hat, ruft beim Ein-
                                                                                                               treten entzückt: „Oh, ist das hier schön, was gibt es
                                                                                                               denn noch sonst so im Laden?“ Ich erkläre ihr kurz
                                                                                                               die Abteilungen, die Kundin legt die ausgesuchte
                                                                                                               Jacke auf die Bank beim Esstisch und verschwindet
                                                                                                               in die untere Etage und ich wende mich wieder un-
                                                                                                               serer Seniorin zu. Mittlerweile hat sich an der Kasse
                                                                                                               eine kleine Schlange gebildet – alle Kolleginnen
                                                                                                               sind eingespannt. Eigentlich werden für einen rei-
                                                                                                               bungslosen Ladenbetrieb in jeder Schicht sechs
                                                                                                               Menschen benötigt, aber leider fehlt es uns immer
                                                                                                               an ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen und
                                                                                                               so müssen alle Alles machen.

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Die – noch nicht
zertanzten – Schuhe
Elke Conrad
Ojeee … mit hochrotem Kopf und ganz aufgeregt
stürzt eine Kundin in den Laden. „Meine Schuhe,
meine Schuhe“, stottert sie. Ich blicke irritiert auf ihre
Schuhe – meinem Eindruck nach ist alles in Ord-
nung damit. „Nein“, sagt die Kundin, nachdem sie
meinen fragenden Blick sieht, „nein, nicht die, aber
                                                                                                                    Kontakt und Integration
die von vor drei Tagen.“ Ich bin immer noch irritiert
                                                                                                                    Ganz wichtig ist neben der Möglichkeit, viele tolle
und versuche, der Sache auf den Grund zu gehen.
                                                                                                                    Sachen einzukaufen, die Tatsache, dass man bei
Um die Aufgeregtheit ein wenig zu mildern, hole ich
                                                                                                                    uns jederzeit vorbeischauen kann, auch wenn man
ein Glas Wasser und biete der Dame einen Platz in
                                                             Schuhe in den Sack gesteckt, den ich zu Ihnen ge-      gar nichts kaufen, sondern nur mal mit jemandem
unserer Sitzecke an. Sie erholt sich ein wenig und
                                                             bracht habe. Die Schuhe hatte ich mir erst neu ge-     reden möchte. Das gilt für Kunden gleichermaßen
berichtet dann. „Ich hab meine Kleidung aussor-
                                                             kauft. Extra für eine Hochzeitsfeier meines Sohnes.“   wie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Manch
tiert – rigoros! Schließlich soll man das ja machen,
                                                             Die Tränen standen in ihren Augen.                     einer schneite auf dem Weg ins „Dorf“ bei uns vor-
wenn man Teile über ein Jahr nicht mehr getragen
                                                             Zum Glück werden alle Sachen, die wir als Spenden      bei – schließlich sind unsere Pausenzeiten hinläng-
hat. Das hat gut getan, keinen überflüssigen Plun-
                                                             erhalten in verschiedenen Kellern vorsortiert, auf     lich bekannt, sodass man weiß, wann man sehr
der mehr im Schrank zu haben. Na ja … und dann
                                                             Zustand geprüft und nach Größe sortiert, bevor sie     wahrscheinlich einen Kaffee bekommen kann. An
ging’s an die Schuhe und … ich war schon ein we-
                                                             nach oben kommen und die Kollegen sie auszeich-        den Dienstagnachmittagen hat sich ein richtiger
nig erschöpft und hab aus Versehen meine neuen
                                                             nen und in den Laden zum Verkauf bringen. Wir sind     „Kaffeeklatsch“ entwickelt, an dem inzwischen nicht
                                                             also gemeinsam in unseren Schuhkeller gegangen         nur Mitarbeiterinnen, sondern auch Kundinnen teil-
                                                             und haben uns auf die Suche gemacht. Und wirk-         nehmen und bei dem es einen richtigen „Torten-
                                                             lich, die Schuhe standen still und glänzend im Regal   plan“ (wer darf wann was mitbringen) gibt. So man-
                                                             für die Damenschuhe Größe 38 und ich hab sie so-       ches Mal war gar nicht mehr genügend Platz um
                                                             zusagen der Dame „zurückgespendet“.                    unseren großen Tisch herum.

Neben den gebrauchten Dingen verkauften wir                  tigten Sachen, so dass wir den vollen Erlös behal-
auch im letzten Jahr Kunsthandwerk und Selbst-               ten konnten. Zusätzlich boten wir im letzten Jahr      Interessant ist auch, dass sich der Wartebereich      wer dort gerade sitzt – wer dort sitzt, ist ansprech-
gemachtes. Hierbei gaben uns unterschiedliche                auch wieder ein kleines Sortiment an Fairtrade-        für die Klienten und Klientinnen der Beratungsstel-   bar. So sind unsere Klienten oftmals in „Waren-
Leute ihre selbstgenähten Sachen, die handge-                Artikeln wie Kaffee, Tee, Schokolade und Wein an,       le mitten in unserem Sozialen Kaufhaus befindet.       annahme-Situationen“ geraten, die sie auch immer
siedeten Seifen, Gefilztes, Gehäkeltes, Gestricktes,          das immer mal wieder ein bisschen variierte und        Auch Mitarbeiterinnen nutzen diesen Bereich gele-     gut gemeistert haben. Besonders in Erinnerung
Geklebtes. Wir verkauften diese Dinge für diese              gerne in Anspruch genommen wurde. Mittlerwei-          gentlich, um Ware auszupreisen. Im letzten Jahr er-   blieb die Situation mit einem Klienten, der im An-
Kunsthandwerker und erhielten, je nach Umsatz,               le hat sich das Angebot so weit herumgesprochen,       gaben sich auf diesem Wege viele kleine Gesprä-       schluss nachfragte, ob es in Ordnung gewesen sei,
eine kleine Provision, die wiederum in den Erlös             dass auch Menschen aus den umliegenden Ort-            che am Rande zwischen den Wartenden und den           die Sachen anzunehmen und dabei grinsend auf
des Sozialen Kaufhauses floss. Manch ein Kunst-               schaften und nicht nur aus Isernhagen kommen,          Mitarbeitenden. Lustig auch an dieser Stelle, dass    einen Stapel Spitzenunterwäsche zeigte …
handwerker spendete uns auch seine handgefer-                um bei uns einzukaufen.                                unsere Kundinnen keinen Unterschied machen,

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Eine unserer Mitarbeiterinnen, die im vergangenen
Jahr beruflich und privat überwiegend anderweitig
eingespannt war, aber dennoch immer mal wieder
gerne auf einen Kaffee oder einen kleinen Plausch
vorbeischaute – Petra Bansemer – hat in einem
kurzen Text aufgeschrieben, was für sie die Mitar-
beit und vor allem das Miteinander bei Caspo e. V.
ausmacht.

Mein weiteres Jahr bei Caspo e. V.
Petra Bansemer
Jeder Mensch trägt die Liebe in seinem Herzen. Das
bedeutet nicht, perfekt zu sein und alles in jeder Si-
tuation richtig zu machen. Wir geben uns aufrichtige
Mühe das Richtige zu tun. Ist es das ein oder andere
Mal anders gewesen, können und wollen wir mitein-
ander reden. Die Liebe im Herzen schafft alles.
Das ist die 2.HeimArt – der Ort bei Caspo e. V. Jeder
von uns möchte etwas geben, gemeinnützig unter-
stützen – in vielerlei Hinsicht. Es sind so viele Dinge,
z. B. Sachspenden, Arbeitsunterstützung oder ein
offenes Ohr für Menschen. Ein Platz, wo ich immer
willkommen bin. Ein Tässchen Kaffee oder Tee mit
einem Lächeln inclusive. Einfach für einander da
sein – miteinander. Nicht immer kann sofort ein Pro-
blem vollständig gelöst werden, jedoch zuhören,
Trost spenden und Tipps geben ist immer möglich.
Es sind Worte, die voller Respekt und Achtsamkeit
gesprochen werden. Jeder gibt sein Bestes, das zu             Denn wie kann Gottes Liebe in
leben. Werte in einem gemeinnützigen Unterneh-              einem Menschen bleiben, dem die
men, wo ein jeder gern ist. Vielleicht ein Vorbild in         Not seines Bruders oder seiner
seiner Unperfektheit – einfach perfekt – in dem Ak-        Schwester gleichgültig ist, obwohl
zeptieren des anders seins. Keine Bewertung, was           er selbst alles im Überfluss besitzt?
du bist, woher du kommst – das gute Herz zählt.              Deshalb, meine Kinder, lasst uns
Der Mensch und Mitarbeiter ist wichtig. Bei vielen           einander lieben: nicht mit leeren
Gelegenheiten wird es besonders hervorgehoben,               Worten, sondern mit tatkräftiger
z. B. in der Aufmerksamkeit seines Geburtstages,             Liebe und in aller Aufrichtigkeit.
dem Dank seiner besonderen Unterstützung u. v. m.:
Es ist schön, dass du da bist!                                   1. Johannes 3,17-18 (HFA)
Ich bin ein Teil davon, und bin sehr dankbar für alles,                                           Petra Bansemer
was ich geben darf und erhalte. Ein geöffnetes Herz
voller Liebe und Mitgefühl vervielfacht sich in der
Gemeinschaft. Ein Amt der Ehre.

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Ladengeburtstag

Gemeinschaft                                                                                                                                                         Der Ladengeburtstag ist jedes Jahr eine beson-
                                                                                                                                                                     dere Sache – diesmal feierten wir den achten. Un-
                                                                                                                                                                     glaublich wie die Zeit vergeht. Für die Kunden gab

bei Caspo e. V.                                                                                                                                                      es wieder eine Prozente-Woche und wer mochte,
                                                                                                                                                                     konnte einen Sekt bei uns trinken und über die ver-
                                                                                                                                                                     gangenen Jahre plaudern. Alle Mitarbeitenden bei
                                                                                                                                                                     Caspo – egal, ob vom Ladenteam, vom Papierge-
                                                                                                                                                                     flüster, von Grata oder aus irgendeinem anderen
                                                                                                                                                                     Bereich des Vereins – trafen sich zum gemeinsa-
                                                                                                                                                                     men Grillen in der Krendelkommune, wo im Übrigen
                                                                                                              Dienstbesprechungen                                    auch der Vereinssitz ist. Zum Glück ließ uns auch
Kontaktpunkt „2.HeimArt“
                                                                                                              Auch im vergangenen Jahr trafen sich die Mitarbei-     diesmal das Wetter nicht im Stich, sodass wir alle
Gemeinschaft ist uns wichtig – das ist in den Be-
                                                                                                              ter und Mitarbeiterinnen, die im Laden „2.HeimArt“     gemeinsam eine schöne Zeit miteinander verbrin-
richten bis hierher bereits sehr deutlich geworden.
                                                                                                              arbeiteten, zu regelmäßigen Dienstbesprechungen.       gen konnten
Tagtäglich gingen bei uns im Laden viele Menschen
                                                                                                              Hier wurden nicht nur die Dienstpläne besprochen,
ein und aus. Mitarbeiter, Kunden, Besucher, Inter-
                                                                                                              sondern auch gemeinsame Überlegungen zur bes-          Thanksgiving
essierte, Alte, Junge, Ausländer und Menschen, die
                                                                                                              seren Ablauforganisation angestrengt. Man konnte       Unsere „Thanksgiving“-Tradition haben wir in die-
schon immer in Altwarmbüchen gelebt haben. Für
                                                                                                              Anregungen oder auch mal seinen Unmut loswer-          sem Jahr zum ersten Mal seit ihrer Einführung ge-
viele sind und waren wir auch im vergangenen Jahr
                                                      Ladenfrühstück                                          den. Viel wichtiger jedoch war und ist es, dass sich   brochen. Als in einer Informationsveranstaltung
ein regelrechter Treffpunkt. Man traf Nachbarn, Be-
                                                      Das Ladenfrühstück ist mittlerweile eine liebge-        alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vor allem      des Vorstandes zur finanziell angespannten Situa-
kannte oder eben die Mitarbeiter von „2.HeimArt“,
                                                      wordene Tradition geworden. An jedem letzten            weil auch etliche neue Mitarbeiterinnen zum Team       tion des Vereins das Thema „Thanksgiving-Essen“
Menschen mit einem offenen Ohr – egal ob für die
                                                      Sonntag im Monat konnten Mitarbeiter, Kunden,           dazu gestoßen sind – auch mal gemeinsam treffen.        aufkam, kam aus den Reihen der Mitarbeiten-
kleinen und großen Sorgen des Alltags oder für den
                                                      Freunde, Freunde von Freunden sich bei 2.HeimArt        Schließlich kann es möglich sein, dass die Leute       den sofort der Vorschlag: „Dann machen wir doch
neuesten „Klatsch und Tratsch“ im Ort. Wir wün-
                                                      treffen und miteinander frühstücken. Dazu brachte        aus dem Freitagsteam diejenigen aus dem Diens-         eine „Mitbringparty“ bei uns im Laden …“ Gerne
schen uns, dass sich auch weiterhin hier jeder wohl
                                                      jeder etwas mit und alle teilten alles mit allen. Für   tagsteam noch nie gesehen haben. Da jedoch alle        griff der Vorstand diese Idee auf, besorgte Geträn-
fühlt und wir versuchen mit unseren unterschied-
                                                      Brötchen und Kaffee sorgte CASPO, weshalb auch           an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten und jeder        ke, bastelte die Deko, räumte den Laden um und
lichen Angeboten dazu beizutragen, dass niemand
                                                      eine Anmeldung notwendig war. Schließlich soll-         gleichermaßen wichtig ist, ist es schön, wenn man      verwandelte diesen beinahe in eine Lounge. Die
alleine sein muss.
                                                      ten immer genügend Brötchen auf dem Tisch ste-          sich wenigstens kennt und weiß, wer noch mit zum       Vorstandsleute standen ebenso in ihren Küchen,
                                                      hen, der Kaffee in ausreichendem Maß vorhanden           Team gehört. Das stärkt das Zugehörigkeitsgefühl       wie viele von den Mitarbeitenden, sodass sich zur
                                                      und natürlich für jeden ein Sitzplatz da sein. Neben    und ermöglichte ein „über den Tellerrand des eige-     Feier ein unglaublich vielfältiges Fingerfoodbuffet
                                                      dem immer netten Beisammensein, dem gemein-             nen Arbeitsbereiches hinaus“ schauen. Ganz wichtig     darbot. Der Vorstand bedankte sich in einer Rede
                                                      samen Austausch und dem guten und zumeist ab-           war es uns auch im vergangenen Jahr deutlich zu        bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, hielt ei-
                                                      wechslungsreichen Essen gab es auch noch die so-        machen, dass jeder einzelne im Team wichtig ist,       nen kleinen Rückblick und gab einen Ausblick auf
                                                      genannten „Einzwei Gedanken zum Weiterdenken“.          dass jede Aufgabe eine Bedeutung hat, dass nichts      die möglichen zukünftigen Entwicklungen. Jedem
                                                      Eine kleine Geschichte, die zum Nachdenken oder         und niemand geringer geschätzt werden sollte als       Mitarbeitenden wurde persönlich ein selbstge-
                                                      zum weiteren Gespräch anregte, wurde vorgelesen,        das oder der andere, denn das was wir tun, schaffen     backenes und verziertes Lebkuchenherz mit einigen
                                                      ehe man sich ans gemeinsame Aufräumen machte            wir nur als Gemeinschaft – im Team – wirklich gut.     Worten des Dankes überreicht. Die Kolleginnen der
                                                      und sich in den weiteren Sonntag verabschiedete.        Ein altes afrikanisches Sprichwort besagt:             Beratungsstelle bedankten sich bei Katja Jelinek für
                                                      Etliche Mitarbeiter haben im letzten Jahr dieses                                                               die Zusammenarbeit bei GRATA und zum Schluss
                                                      Angebot genutzt, um sich auch mal außerhalb des         „Willst du schnell gehen, geh allein,                  des Abends verabschiedeten wir uns noch von Iris,
                                                      normalen Ladengeschehens zu treffen oder Mitar-          willst du weit gehen, geh mit anderen gemeinsam.“      die das Projekt „Soziale Teilhabe“ beendete. Zudem
                                                      beiterinnen aus einer anderen „Schicht“ kennen zu                                                              gab es viele Gespräche untereinander, einige trafen
                                                      lernen. Vereinsleute, die sonst nicht so intensiv am                                                           sich hier zum ersten Mal und wir hatten insgesamt
                                                      Ladenalltag beteiligt sind, konnten beim Ladenfrüh-                                                            einen tollen Gemeinschaftsabend mit vielen groß-
                                                      stück einige Mitarbeiterinnen kennenlernen und so                                                              artigen Menschen, den wir im nächsten Jahr sicher-
                                                      das Gefühl des „Miteinanders“ stärken.                                                                         lich auf ähnliche Weise wiederholen werden.

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JAHRES-BERICHT 2018 - Caspo eV
Kulturarbeit
bei Caspo
                                                                   Was das Herz bewegt
                                                                   Zusätzlich boten wir noch drei Veranstaltungen
                                                                   unter dem Motto „Was das Herz bewegt“ an. Hier
                                                                   konnten Nachwuchsautoren bzw. „Menschen wie
                                                                   Du und ich“ eigene Texte, Gedichte oder Geschich-
               Antikbuchladen „Abgestaubt“                         ten einem kleinen Publikum bei uns im Antikbuch-
               Der Antikbuchladen „Abgestaubt“ erfreute sich       laden „Abgestaubt“ vortragen. Im Januar gab es
               auch 2018 großer Beliebtheit und lockte neben       in diesem Zusammenhang eine Gemeinschafts-
               unseren zumeist weiblichen Kundinnen auch et-       lesung von Jens Zurmühlen, Petra Bansemer und
               liche Männer in unser Geschäft. Wir freuen uns      Sabine Runne unter dem Motto „Aufbruch – Neues
               sehr, dass doch immer noch so viel gelesen wird.    wagen – Neubeginn“ – auf ganz unterschiedliche
                                                                   Weise nährten sich die drei diesem Thema und
                                                                   gaben bei der gut besuchten Veranstaltung teils
                                                                   tiefe Einblicke in ihre Herzen. Im Juni hatten wir die
                                                                   Altwarmbüchener Autorin Adelheid John zu Gast,
                                                                   die aus ihrem Buch „Rolle rückwärts – von der Ko-        Dreimal Buch
                                                                   pie zum Original“ vorlas und im Oktober durften          Jochen Zoellner
                                                                   wir die „lebens-weise“ Autorin und Sozialarbeiterin      Montags geht’s in den Caspo-Keller, nachdem mei-
                                                                   Petra Ng‘uni bei uns begrüßen. Sie las Gedichte und      ne Frau Ingrid und ich uns vorher beim Aqua-
               Papiergeflüster                                      Geschichten zu den Themen des Herbstes, zu Ern-          Jogging schön locker gemacht haben für das
               Neben dem Verkauf unseres umfangreichen Buch-       ten, Danken und Loslassen. Ihre Texte und Gedichte       Bücken nach Büchern und das Erklettern der steilen
               angebotes fanden zudem monatliche Vorlese-          umfassten ganz unterschiedliche Themenbereiche           Treppe.
               veranstaltungen für Erwachsene statt – unser        wie Glaube und Religion, Frieden und Gerechtigkeit,      Oft schallt uns nach der herzlichen Begrüßungs-
               „Papiergeflüster“. Vier ehrenamtliche Vorleser und   Flucht und Migration. Alle Veranstaltungen waren         umarmung der Ruf entgegen: „Erschreckt Euch
               Vorleserinnen bereiteten unterschiedliche Prosa-    eine große Bereicherung für uns und wir sind den         nicht!“ Dann haben sich während der Woche wieder
               texte oder Gedichte zu verschiedenen Themen vor.    Autorinnen und Autoren sehr dankbar, dass sie die        besonders viele Menschen von ihren Schätzen ge-
               Die Abende waren mit durchschnittlich 15–20 Per-    Lesungen ganz kostenlos für uns gehalten haben.          trennt und hoffen, dass diese bei uns weitere Ver-
               sonen immer gut besucht und trotzdem sehr ge-                                                                wendung finden.
               mütlich. In den Pausen fand sich Raum für Gesprä-                                                            Um es ganz offen zu sagen: Alles, was wir aus Kar-
               che und Begegnung bei Tee, Sekt und Keksen. Die                                                              tons und Tüten ziehen, kann Caspo nicht gebrau-
               Veranstaltungen waren bewusst kostenfrei, damit                                                              chen. Den schon ganz „schiefgelesenen“ Roman
               sich auch jeder den Besuch leisten konnte.                                                                   können wir ebenso wenig verkaufen wie die Bro-
                                                                                                                            schüre mit den vielen Unterstreichungen.
                                                                                                                            So etwas darf durchaus gleich in die Papiertonne
                                                                                                                            gegeben werden. Auch das bedeutet ja Recycling:
                                                                                                                            Vielleicht wird ein neues Buch daraus?

                                                                                                                                                                           19
Die anderen Werke aber schauen wir uns an und
fragen uns: Sind die Leute an all die Orte gefahren,
über die sie Reisebücher gekauft haben? Bedeutet
das nagelneue Kinderbuch, dass die Mama keine
Zeit hatte, es vorzulesen?
So macht man sich seine Gedanken, während man          Manche schleppen ganz Berge von Krimis an. Ein
sich Preise ausdenkt, sortiert und die Neueingänge     junger Mann wollte sich sogar ganz freiwillig in
im Keller und natürlich oben bei „Abgestaubt“ in Re-   Goethe vertiefen. Das hat uns in einer Zeit der
gale und Schaufenster einordnet, in der Hoffnung,       Smartphone-Kurztexte erstaunt. Wir verwiesen ihn
dass wir genau das Richtige für die stöbernden         an Caspo, wo manch interessante Gesamtausgabe
Käufer ausgesucht haben. Ratgeber scheinen inte-       günstig zu haben ist.
ressanter als Klassiker zu sein. Und zieht im Früh-    Eine weitere „Bücherverwertung“ findet an jedem
ling Romantik nicht mehr als eine Publikation über     dritten Freitag im Monat statt: Gemütlich auf alten
Fitness?                                               Stühlen zwischen den Regalen bei „Abgestaubt“ sit-
Es ist wunderbar, wenn alle Regale wohlgefüllt und     zend, hören dann um die zwanzig Literaturbegeis-
aufgeräumt sind. Dann können wir uns in der fröh-      terte Katja Jelinek, Elke Conrad, Klaus Börner und
lichen Gemeinschaft der Caspo-Mitarbeiter einen        Jochen Zoellner zu. Uns Vorlesern macht es viel
aufmunternden Kaffee gönnen!                            Spaß, Texte zu so unterschiedlichen Themen wie
Einen Teil der Schmöker nehmen wir mit zum             „1968“, „Sport und Wort“ oder „Heimat“ herauszu-
öffentlichen Bücherschrank auf dem Altwarm-             suchen und dann Tiefgründiges und Witziges, Lyrik
büchener Marktplatz. Wenn wir ihn auffüllen, gibt es    und Prosa im Wechsel vorzutragen. Manchmal sind
fast immer Leute, mit denen wir ins Gespräch kom-      wir etwas lang, aber in der Pause kann man sich ja
men. Sie freuen sich mit uns darüber, dass doch        an Sekt und leckeren Keksen laben …
noch viel gelesen wird.
                                                       Ich bin sehr froh darüber, meine dreifache
                                                       „Bücherheimat“ bei Caspo gefunden zu haben!

                                                                                                             Jochen Zoellner
Integrations-
beratungsstelle „Grata“                                                                                        Im Folgenden berichten Christina Backen und
                                                                                                               Claudia Krüger über ihre Beratungstätigkeit
                                                                                                               in 2018.

Unsere Integrationsberatungsstelle GRATA wird zu      Bei GRATA sind die Sozialwissenschaftlerin Chris-        GRATA 2018
90 % vom Land Niedersachsen im Rahmen einer           tina Backen (0,75 Stelle) sowie die Sozialarbeite-       Das dritte Jahr der Migrationsberatungsstelle „Gra-
Projektförderung finanziert, 10 % der Kosten tragen    rinnen/Sozialpädagoginnen Claudia Krüger (0,5            ta“ ist beendet. Auch in diesem Jahr war viel zu
wir selbst. Gerne kann man sich mit einmaligen        Stellen) und Katja Jelinek (o,25 Stellen) beschäftigt.   tun. Nicht nur thematisch, sondern auch stellen-
oder regelmäßigen Spenden an der Finanzierung         Christina und Claudia teilten sich die Beratungs-        technisch hat sich bei GRATA Einiges verändert. Für
beteiligen. Das Problem an Projektfinanzierungen       arbeit, während Katja überwiegend für die nied-          2018 hatten wir eine weitere halbe Stelle vom Land
ist, dass diese immer nur für ein Jahr greifen – es   rigschwellige Kontaktarbeit sowie für die konzep-        Niedersachsen bewilligt bekommen. Im April konn-
müssen Folgeanträge gestellt werden, die aber oft     tionelle Fortschreibung des Projektes und dessen         ten wir dadurch die Diplom-Sozialarbeiterin Clau-
erst später und dann rückwirkend bewilligt wer-       Organisation und Koordination zuständig war.             dia Krüger bei GRATA willkommen heißen. Sie ist
den, so dass wir den zu erwartenden Betrag vor-                                                                für GRATA und die Klienten gar nicht mehr wegzu-
finanzieren müssen.                                                                                             denken.

                                                                                                               2018 sind die Zahlen der erreichten Personen kon-       In Sachen Netzwerkarbeit sind wir dieses Jahr ei-
                                                                                                               tinuierlich weiter gestiegen. Insgesamt haben wir       nen großen Schritt vorangekommen. In diesem
                                                                                                               500 Personen erreichen können. Von Syrien über          Jahr wurde der sogenannte „Runde Tisch Integra-
                                                                                                               Afghanistan über Libyen bis hin zu Rumänien und         tion Isernhagen“ initiiert, an dessen Entstehung wir
                                                                                                               Polen waren viele Nationalitäten vertreten. Aller-      maßgeblich beteiligt waren. Jeden ersten Diens-
                                                                                                               dings sind weiterhin Syrer und Iraker, die 2015/16      tag des Monats kamen die fünf festen Teilnehmer,
                                                                                                               nach Deutschland kamen, die größte vertretene           die in der Integrationsarbeit tätig sind, zusammen:
                                                                                                               Gruppe. Viele Klienten werden mittlerweile seit Jah-    die Mitarbeiter des DRK – Flüchtlingswohnheims,
                                                                                                               ren von uns beraten und sind regelmäßige Besu-          GRATA von Caspo e. V., Helfernetzwerk Isernhagen
                                                                                                               cher der Beratungsstelle. Auch die Klienten, die aus    e. V., Jugendpflege der Gemeinde Isernhagen und
                                                                                                               Isernhagen weggezogen sind, kommen weiterhin            die Stelle für Integration. Die Treffen boten eine Platt-
                                                                                                               zu GRATA und schicken auch ihre Freunde oder ihre       form, um gemeinsam über integrationsrelevanten
                                                                                                               Verwandte zu uns. GRATA wird hauptsächlich von          Themen sprechen und diese in der Gemeinde vor-
                                                                                                               Familien aufgesucht. Davon sind es meistens die         anbringen zu können. Das wollen wir 2019 weiter-
                                                                                                               Familienväter, die die Beratungen für ihre Familien     führen.
                                                                                                               nutzen. Das liegt zum Teil daran, dass sie meist bes-
                                                                                                               ser Deutsch sprechen. Insbesondere bei Familien         Im Jahr 2018 begann eine neue Phase der Integra-
                                                                                                               mit kleinen Kindern besuchen oft erst die Väter den     tion. Die Erstorientierung war vorbei und die meis-
                                                                                                               Sprachkurs, um schneller eine Arbeit bekommen zu        ten Klienten hatten ihre Integrationskurse beendet
                                                                                                               können. Natürlich werden auch Einzelpersonen –          oder standen kurz vor den Abschlüssen. Dadurch
                                                                                                               Singles sowie voraus geflüchtete Ehemänner und/          veränderten sich die Arbeitsschwerpunkte und an-
                                                                                                               oder Väter – beraten.                                   dere Themen wie die Berufsberatung sind stärker
                                                                                                                                                                       in den Fokus gerückt worden. Die Personen, die die
                                                                                                                                                                       B1-Prüfungen nicht geschafft haben, wiederholten
                                                                                                                                                                       den Kurs und rückten die Arbeitssuche wieder in

22                                                                                                                                                                                                                          23
ein Lehrer aus Syrien hier in Deutschland nicht ohne    Einige Klienten hatten zum Teil sehr langandauern-
                                                       Probleme den Lehrerberuf wieder aufnehmen kann,         de und vielschichtige Probleme zu bearbeiten, die
                                                       müssen Alternativwege entwickelt werden. In den         mehrere Monate hinweg nervenaufreibend waren
                                                       Beratungen haben wir gemeinsam mit dem Klien-           und Stress verursachten. Dies wirkte sich selbstver-
                                                       ten nach Alternativen gesucht, sodass der o. g. ge-     ständlich auf deren Gesundheit aus, wodurch wir
                                                                                                                                                                      Die Chancen der Migranten auf eine Wohnung wa-
                                                       lernte Pädagoge weiterhin im pädagogischen Be-          uns tiefer mit dem Thema Gesundheit und Präven-
                                                                                                                                                                      ren schwindend gering. Trotzdem ist es vereinzelten
                                                       reich arbeiten kann. Das schafft nicht nur Motivation,   tion beschäftigen mussten.
                                                                                                                                                                      Familien und Einzelpersonen, meist durch Bezie-
                                                       sondern nutzt das vorhandene Potenzial der Klien-
                                                                                                                                                                      hungen, gelungen, eigene Wohnungen anzumie-
                                                       ten. Darüber hinaus bereiteten wir Bewerbungsun-        Unverändert blieb der Beratungsbedarf bei der
                                                                                                                                                                      ten. Wurde ein Mietvertrag geschlossen, begleitete
                                                       terlagen vor: Bewerbungsschreiben, Lebensläu-           Wohnungssuche. Nach der Anerkennung dürfen
                                                                                                                                                                      GRATA die Mieter und ggf. Vermieter bei der Durch-
                                                       fe, vorhandene Zeugnisse, etc. und suchten nach         Geflüchtete aus den gemeindeeigenen Wohnun-
                                                                                                                                                                      führung der Anmietung. Wir informierten, worauf bei
                                                       möglichen Praktikums- und Arbeitsstellen. Da sich       gen und Sammelunterkünften ausziehen und eige-
                                                                                                                                                                      einer Anmietung geachtet werden musste und wel-
                                                       das Arbeitssystem und die vorhandenen Berufe von        ne Wohnungen anmieten. Die Wohnungssituation
                                                                                                                                                                      che Schritte nach einem Vertragsabschluss folgten:
                                                       den gegebenen Arbeitssystemen der Heimatländer          ist in ganz Deutschland stark umkämpft. Dabei ha-
                                                       unterscheiden, beschäftigten wir uns auch mit den       ben es Migranten besonders schwer. Familien mit
                                                                                                                                                                      Welche Dokumente braucht das Jobcenter?
                                                       möglichen Berufswegen in Deutschland sowie dem          mehreren Kindern haben am meisten Schwierigkei-
                                                                                                                                                                      Wo muss ich meinen Umzug melden?
2018 sind die Zahlen der erreichten Personen           Vorbereiten von Vorstellungsgesprächen. Die Bera-       ten, eine geeignete Wohnung zu finden, die unter
                                                                                                                                                                      Wo können die Kinder in den Kindergarten
kontinuierlich weiter gestiegen. Insgesamt             tungen rund um das Thema Arbeit und Beruf waren         die Richtlinien des Jobcenters fällt. Gemeinsam mit
                                                                                                                                                                      oder zur Schule gehen? Welche Behörden
haben wir 500 Personen erreichen können.               zum Teil sehr zeitintensiv und erforderten in einigen   den Familien und Einzelpersonen haben wir nach
                                                                                                                                                                      brauchen meine neue Adresse? etc.
                                                       Fällen starkes strategisches Denken. Wie bereits        geeigneten Wohnungen gesucht. Das Jobcenter
                                                       angemerkt, haben sich die Aufgaben verschoben.          hat strikte Kriterien und Vorgehensweisen, die bei
den Hintergrund. Für die Klienten, die Sprachkurse     Es gab immer mehr „Hammerfälle“, die zeitaufwen-        der Anmietung einer Wohnung eingehalten werden
mit dem Sprachniveau B1 – und sogar B2 – abge-         dig und intensiv waren. Es genügte bei diesen Fällen    müssen. Um die Klienten in Isernhagen stärker zu
schlossen haben, haben sich die Chancen auf dem        nicht, nur das direkte Problem allein zu betrachten.    unterstützen, wurde das Kooperationsprojekt „Woh-
Arbeitsmarkt deutlich verbessert. Die Berufsbera-      Da es weit in alle Lebensbereiche des Klienten und      nungssuche für Migranten“ gemeinsam mit dem
tungen stiegen im gesamten Jahr stetig an. Die meis-   dessen Familie hineinreichte, war es notwendig, die     Helfernetzwerk e. V. ins Leben gerufen. Seit Septem-
ten Klienten können jahrelange Arbeitserfahrungen      Lebenssituation als Ganzes zu sehen. Diese Fälle        ber 2018 richtete sich das Projekt an Migranten, die
vorweisen. Der Wunsch, wieder in dem gelernten         werden auch in den nächsten Monaten und Jahren          Unterstützung bei der Wohnungssuche wünschten.
Arbeitsbereich arbeiten zu können, ist besonders       zunehmen. Zu denken gegeben hat uns in diesem           Es zeigte sich, dass die Wohnungssuche viel Zeit in
bei Akademikern sehr groß. Da aber beispielsweise      Jahr auch die Gesundheit einiger unserer Klienten.      Anspruch nahm und sich als sehr schwer gestaltete.

                                               Verteilung der Beratungsinhalte im Jahr

                                                       Aufenthalts- und sozialrechtliche Beratung
                                                       Sozialpädagogische und psychosoziale Beratung           Im zweiten Drittel 2018 ging es darum, erneut Gel-     mit unserem Antrag einreichten. Wir waren sehr
                                                       Beratung zu Integrationskursen                          der beim Land Niedersachsen zu beantragen. Wir         froh und erleichtert, als wir Ende 2017 dann die
                                                       und Sprachförderung                                     erhielten eine großartige Unterstützung aus der        Erlaubnis zum sogenannten vorzeitigen Maßnah-
                                                       Bildung, Ausbildung und Arbeit                          Bevölkerung und vom Klientel, als wir eine kleine      mebeginn erhielten. Nun hoffen wir, dass sich auch
                                                       Reintegration, Weiterwanderung                          Unterschriftensammlung zum Erhalt des Projektes        eine Weiterfinanzierung über das Jahr 2019 hinaus
                                                       und Rückkehrberatung                                    starteten. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir über   ergibt.
                                                                                                               400 Unterschriften sammeln, die wir zusammen

24                                                                                                                                                                                                                    25
Beratungsinhalte bezogen auf Monate
                   gemessen in Stunden
Stunden:
 80

 60

 40

 20

     0
                          z

                                  ril

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                                                  ni

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                                                                         p
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                                                                                                 ez
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                                                                                kt
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                                                                       Se
                                                         Ju
                Fe

                                                 Ju
         Ja

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                                                                                       N
                                                                               O

                                                                                                D
                   Aufenthalts- und sozialrechtliche Beratung
                   Sozialpädagogische und psychosoziale Beratung
                   Bildung, Ausbildung und Arbeit
                   Beratung zu Integrationskursen und Sprachförderung
                   Reintegration, Weiterwanderung und Rückkehrberatung

Beratungen mit Übersetzern waren kaum noch nö-        2018 gab es auch viele positive Dinge: Familien,
tig. Trotzdem war Atto, unser ehrenamtlicher Über-    die sich nach mehreren Jahren Trennung wie-
setzer für Arabisch und Kurdisch, immer zur Stelle.   dersehen konnten; Ausbildungen, die begonnen
Mehrmals die Woche kam er zum Helfen in die Be-       werden konnten; Studienplatzzusagen; Umzüge
ratungsstelle.                                        in eigene Wohnungen; Arbeitsaufnahmen sowie
                                                      das Abschließen schwieriger Fälle/Situationen/
                                                      Problemen.

                                                      Wir freuen uns sehr, dass es im nächsten Jahr
                                                      weitergehen kann und sind gespannt, was sich
                                                      alles in den nächsten 12 Monaten entwickeln wird.

                                                                                                          Verfasser unbekannt

26
Seniorenarbeit                                                                                                Brutzelklub –

bei Caspo e. V.                                                                                               Mittagstisch für Senioren
                                                                                                              Schon seit 2015 gibt es eine Gruppe von Men-
                                                                                                              schen, zumeist Seniorinnen aus Altwarmbüchen,
                                                                                                                                                                      abzuschmecken, damit dann pünktlich um zwölf ein
                                                                                                                                                                      leckeres Essen auf dem Tisch stand. Ein weiteres
                                                                                                              die regelmäßig gemeinsam kochen. Das Projekt            Team kümmerte sich ums Decken und Dekorieren
                                                                                                              „Seniorenmittagstisch“ wurde ins Leben geru-            der Tische. Wer erst zum Essen kam, musste we-
                                                                                                              fen, damals noch in Zusammenarbeit mit Ralf             nigstens mit abräumen oder abwaschen. Bei Kaffee
                                                                                                              Henneberg, dem Seniorenbeauftragten der Ge-             und Keksen überlegten wir gemeinsam, was beim
                                                                                                              meinde Isernhagen. Inzwischen hat Caspo e. V. hier      nächsten Mal gekocht werden sollte, wobei jeder
                                                                                                              die Regie übernommen und so trafen wir uns auch         seine Ideen und Rezeptvorschläge mit einbringen
                                                                                                              im vergangenen Jahr an jedem letzten Freitag im         konnte. Toll, dass auf diese Weise auch alte Rezepte
                                                                                                              Monat mit einer Gruppe von etwa 20 Menschen im          nicht in Vergessenheit geraten und die Seniorinnen
                                                                                                              Familienzentrum St. Margarete der Caritas um ge-        auf der anderen Seite auch die Chance hatten, mal
                                                                                                              meinsam zu kochen und zu essen. Frau Fricke und         Neues auszuprobieren. Nebenher ergaben sich na-
                                                                                                              die übrigen Mitarbeiterinnen der Kita standen uns       türlich auch viele Gespräche und Kontaktmöglich-
                                                                                                              immer mit Rat und Tat zur Seite, z. B. wenn wir wie-    keiten, was manchmal ja noch viel wichtiger ist, als
                                                                                                              der einmal den Geschirrspüler nicht verstanden,         das Essen an sich. Schließlich war es uns auch im
                                                                                                              das Licht an der Dunstabzugshaube nicht ausging         vergangenen Jahr nicht nur ein Anliegen, der Alters-
                                                                                                              oder der Raum zu unseren Tischen verschlossen           armut, sondern vor allem auch der Alterseinsamkeit
                                                                                                              war und wir bereits fürchteten, dass wir eine „Steh-    zu begegnen.
                                                                                                              party“ veranstalten müssten. Bei jedem Treffen fand
                                                                                                              sich zunächst das Vorbereitungsteam ein, um zu
                                                                                                              schälen, zu schnippeln, zu braten, zu kochen und

                                                                                                              zu Hause, kann aber gar nichts allein. Wer hilft denn
Grundsätzlich war das Soziale Kaufhaus „2.Heim-       beiter zu reden und Neuigkeiten über die Entwick-       da?“. Manches konnte auf die Schnelle beantwortet
Art“ auch im vergangenen Jahr ein beliebter Treff-     lung im Ort o. ä. zu erfahren.                          werden, für Anderes bräuchte man mehr Zeit und
punkt für ältere Menschen, was auch dadurch           Häufig kamen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen         mehr Fachkompetenz. Manchmal konnten wir an
begünstigt wird, dass das Ladengeschäft in einer      in Situation, in denen sie „Seelsorger“, Berater oder   andere Organisationen weitervermitteln. Grund-
Wohngegend liegt, in der sich u. a. explizit Senio-   einfach nur Zuhörer sein mussten. Einige ältere         sätzlich stellte sich für uns die Frage, wie wir in
renwohnungen befinden. Die unmittelbare Nähe           Menschen kamen in die „2.HeimArt“, nachdem ihr          Zukunft unsere Angebote für Senioren verbessern                  Auch in Zukunft möchten wir
zur Begegnungsstätte tat ihr übriges, sodass          Partner gestorben war. Nun wollten sie die Klei-        bzw. in Absprache mit den Fachdiensten vor Ort er-               unsere Angebote für Senioren
sich häufig nach dortigen Veranstaltungen kleine       dung des Verstorbenen abgeben und waren plötz-          weitern können.                                                  verbessern und erweitern.
Grüppchen zum Einkaufen bei uns einfanden.            lich wieder mit ihrer Trauer konfrontiert – wie häufig   Wir könnten uns für die Zukunft z. B. Infoveranstal-
Wir möchten generell ein offenes Ohr für jeden         nahm man sich hier Zeit, um zuzuhören, zu trösten       tungen zum Umgang mit technischen Kommuni-
Kunden haben. Gerade ältere Menschen nutzten          oder einfach nur da zu sein. Auch Fragen rund um        kationsmitteln vorstellen, z. B. auch in Zusammen-
dieses Angebot, sodass sich neben den „normalen       das alltägliche Leben wurden gestellt: „Ich weiß        arbeit mit Jugendlichen oder auch biografisches
Einkäufern“ ein fester Kreis von Menschen gebildet    gar nicht, wie das geht mit der Pflegestufe“, „Meine     Arbeiten mit Senioren z. B. mit Hilfe der Einrichtung
hat, dessen Hauptanliegen es ist, mit einem Mitar-    Nachbarin war im Krankenhaus, jetzt ist sie wieder      eines Erzählcafés.

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