Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Karpatenblatt                              Dezember 2021
                                                                   12
                                                                   30. Jahrgang
ČASOPIS NEMCOV NA SLOVENSKU | ZEITSCHRIFT DER DEUTSCHEN IN DER SLOWAKEI

 Im Gespräch             Bundesbeauftragter      Dies und
 mit Museumsdirektor     Bernd Fabritius         jenes über
 Rastislav Fiľo          besuchte Slowakei       den Weihnachtsbaum
Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Inhalt

    ♦ Infoservice

        Bundesbeauftragter Prof. Dr. Bernd Fabritius besuchte Slowakei                                   3
        1700 Jahre jüdisches Leben nördlich der Alpen

        „Unser Museum muss in der Slowakei ein Träger der Identität der Karpatendeutschen bleiben“       4

        Weihnachtliche Exponate im karpatendeutschen Museum                                              5

    ♦ Aus den Regionen

        Gedenkfeier am deutschen Soldatenfriedhof in Preßburg-Rosenheim                                  6

        Der Adventskranz von Zeche                                                                       7
        Erste Dauerausstellung über die Deutschen in Tschechien

        Geister treffen in Lukau                                                                         8

        Ein feierliches Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz                                  9

    ♦ Deutsche Sprache

        Modern und multifunktional – das deutsche Informationszentrum                                   10
        der Staatlichen Wissenschaftlichen Bibliothek

        Rafael Szabó – Ein (un)vergessener Schriftsteller                                               11

    ♦ Kultur

        Rund um Sitten und Bräuche im Dezember                                                          12

        Dies und jenes über den Weihnachtsbaum                                                          13

        Unsere „Priedan und Schbestan“ aus Schwedler in Buchenland/Bukowina                             14

    ♦ Kolumne

        Schmidts Kater Lojzl                                                                            15

    ♦ Berühmte Zipser

        Lehrer und Historiker Johann Lipták (1889-1958)                                                 16

    ♦ Gedanken zur Zeit

        Im Strom der Zeit: Zuckermandl                                                                  17

    ♦ Nachrichten aus Heim und Familie

        Wir gratulieren                                                                              18 -19
        In stiller Trauer

    ♦ Kaleidoskop

        Editorial                                                                                       20
        Impressum

    Weihnachtszeit ist Backzeit
    Auf der Titelseite unseres Dezember-Heftes ist eine hölzerne Lebkuchenform zu sehen,
    die in der Dauerausstellung des Slowakischen Nationalmuseums-Museum der Kultur der
    Karpatendeutschen zu sehen ist. Noch mehr Exponate des Ausstellungshauses können
    Sie auf Seite 5 sehen. Auf Seite 4 lesen Sie ein Interview mit Museumsdirektor Rastislav
    Fiľo.

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Infoservice

1700 Jahre jüdisches Leben nördlich der Alpen
Seit 1700 Jahren gibt es dokumentiertes jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum. Dies
bezeugt ein Schriftzeugnis: das Edikt des Kaisers Konstantin vom 11. Dezember 321. Dem war
offenbar eine Anfrage der Mitglieder des Stadtrates von Köln (damals Colonia Agrippina, Haupt-
stadt der niedergermanischen Provinz Germania inferior) vorangegangen, die sich in einer admi-
nistrativen Angelegenheit an Kaiser Konstantin wandten.
Die kaiserliche Antwort erfolgte in Form eines Dekretes mit dem Hin-       Sonntag als Feiertag fest. Und er gab den Christen Friedhöfe und
weis auf ein im gesamten Imperium Romanum gültiges Gesetz. Das             Kirchen zurück, die ihnen die römischen Herrscher während zahlrei-
Dekret Konstantins vom Dezember 321 gestattete den Provinzstäd-            cher Verfolgungen weggenommen hatten.                        O.P.
ten die Berufung von Juden in den Stadtrat – mit gewissen Möglich-
keiten von Sonderrechten und Entpflichtungen. Das Dekret ist ein
einzigartiges Zeugnis von der Existenz von Jüdinnen und Juden nörd-
lich der Alpen. Dieser erste urkundliche Beleg für die Existenz einer
jüdischen Gemeinde auf deutschem Boden steht am Anfang einer
wechselvollen Geschichte. Einer Geschichte mit tiefen Zäsuren und
Brüchen, aber auch einer Geschichte der Vielfalt und der gegensei-
tigen Bereicherung in allen Lebensbereichen – in Politik und Gesell-
schaft, Wissenschaft und Kultur.

Kaiser Konstantin und das Christentum
Konstantin der Große ging als erster christlicher Kaiser in die Ge-
schichte ein und war eine der faszinierendsten Figuren des Abend-
landes. Historiker sehen in ihm einen machthungrigen Politiker und
rücksichtslosen Herrscher. Dass er dem Christentum den Weg be-
reitete, steht aber außer Frage. Er stellte die christliche Religion mit
dem Vielgötterglauben der Römer gleich. Außerdem räumte er den                  Die Synagoge in Berlin wurde 1866 eingeweiht. Sie wurde nach
Bischöfen richterliche Befugnisse ein und legte am 3. März 321 den           Restaurierungen 1995 wiedereröffnet, jedoch nicht wieder eingeweiht.

Bundesbeauftragter Prof. Dr. Bernd Fabritius
besuchte Slowakei
Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Prä-
sident des Bundes der Vertriebenen, Prof. Dr. Bernd Fabritius, besuchte am 16. November 2021
die Slowakei.
Das Amt des Beauftragten der Bundesregie-         ausführlich über seine Tätigkeit und auch über     menden Jahr die Vereinstätigkeit wieder voll
rung für Aussiedlerfragen entstand 1988 und       mögliche Perspektiven in der kommenden             aufgenommen werden könne.
wurde beim Bundesministerium des Innern           Wahlperiode in Deutschland. Der Bevollmäch-
angesiedelt. 2002 wurde das Amt durch die         tigte Bukovszky schilderte die Situation im Min-   Dritter Besuch bei den Karpatendeutschen
Beauftragung für die nationalen Minderheiten      derheitenbereich in der Slowakei, vor allem die    Bernd Fabritius hatte die Karpatendeutschen
(Minderheiten in Deutschland und deutsche         Vorbereitung eines komplexen Minderheiten-         schon in den Jahren 2018 und 2019 besucht,
Minderheiten im Ausland) ergänzt. Am 11. April    gesetzes. Herr Fabritius informierte auch über     damals führte seine Reise in die Ostslowakei.
2018 hat Prof. Dr. Bernd Fabritius dieses Amt     den kommenden Wechsel bei den Mittlerorga-         Damals hatte er versprochen, dass er auch
übernommen. Er ist ein Siebenbürger Sachse,       nisationen für die deutschen Minderheiten im       die restlichen Regionen besuchen wolle.
der 1965 in Agnethlen/rum. Agnita in Rumäni-      Ausland. In diesem Zusammenhang schilderte         Jetzt hat er einen Teil des Versprechens er-
en geboren wurde.                                 der KDV-Vorsitzende Pöss seine Erfahrungen,        füllt. Wir freuen uns auf seine künftigen Besu-
   Der Beauftragte ist zentraler Ansprech-        sprach über die Lage der deutschen Minder-         che, er ist bei uns ein gern gesehener Freund
partner auf Bundesebene im Zuständigkeits-        heit und auch über die Hoffnung, dass im kom-      der Karpatendeutschen!                     O.P.
bereich für die nationalen Minderheiten in
Deutschland und die deutschen Minderheiten
im Ausland. Er vertritt die Bundesregierung in
den bestehenden und möglicherweise künftig
zu schaffenden Kontaktgremien.

Treffen mit slowakischen Amtskollegen
Es ist also ganz verständlich, dass Herr Prof.
Fabritius während seines Aufenthaltes in der
Slowakei auch den Bevollmächtigten der
Regierung der Slowakischen Republik für
nationale Minderheiten, Herrn Dr. László Bu-
kovszky, und den Vorsitzenden des Karpaten-
deutschen Vereins, Dr. Ondrej Pöss, besucht
hat.
    Bei dem Treffen am 16. November in Preß-
burg/Bratislava herrschte eine sehr freund-
liche Atmosphäre. Herr Fabritius informierte          László Bukovszky, Bernd Fabritius und Ondrej Pöss trafen sich Mitte November in Preßburg.

KB 12/2021                                                                                                                                          3
Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Infoservice

„Unser Museum muss in der Slowakei ein Träger
der Identität der Karpatendeutschen bleiben“
Wie ist das Jahr 2021 für das Slowakische Nationalmuseum-Museum der Kultur der Karpaten-
deutschen in Preßburg/Bratislava verlaufen? Welche Pläne hat das Ausstellungshaus für 2022
und welche Rolle spielt dabei das Karpatenblatt? Das verrät Museumsdirektor Rastislav Fiľo im
Gespräch mit dem Magazin der deutschen Minderheit in der Slowakei.
                                                                            Wir haben beispielsweise die Ausstellung „Auswahl aus der Restaurato-
                                                                            rentätigkeit des SNM-Museums der Kultur der Karpatendeutschen – ein
                                                                            Blick in die Vergangenheit und Zukunft“ vorbereitet. Sie war von Mai bis
                                                                            September recht gut besucht. In der Dauerausstellung des Museums in
                                                                            Preßburg wurden die Fotos und die Tafeln mit den Texten aktualisiert. Sie
                                                                            sind jetzt dreisprachig – Slowakisch, Deutsch und Englisch. Außerdem
                                                                            haben wir einen neuen Museumsführer durch die Dauerausstellung he-
                                                                            rausgebracht. In der Edition „Acta Carpatho-Germanica“ wurde der 23.
                                                                            Band herausgegeben, der sich mit den deutschsprachigen Holzhackern
                                                                            in den Kleinen Karpaten beschäftigt, den sogenannten Huncokári. Zum
                                                                            Museum gehört auch ein Dokumentationszentrum. Seine Basis bildet
                                                                            eine Bibliothek mit periodisch und nicht periodisch in der Slowakei und
                                                                            im Ausland erscheinender Literatur. Wir haben mit der Digitalisierung der
                                                                            Periodika fortgesetzt, unter anderem wurden das Karpatenjahrbuch und
                                                                            das Heimatblatt der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich
                                                                            digitalisiert.
            Rastislav Fiľo leitet seit 2021 das SNM-Museum
                   der Kultur der Karpatendeutschen.                        Welche Pläne haben Sie für das Museum für 2022?
                                                                            Wir möchten mit den diesjährigen Aktivitäten fortsetzen. In der Daueraus-
Sie leiten seit diesem Jahr das Slowakische Nationalmuseum-Mu-              stellung des Museums möchten wir die Exponate austauschen. Wir ha-
seum der Kultur der Karpatendeutschen. Wann sind Sie zum ers-               ben in unseren Sammlungen viele neue Exponate, die wir zeigen wollen.
ten Mal auf das Thema der Karpatendeutschen aufmerksam ge-                  Im Mittelpunkt steht die Ausstellung und das 30-jährige Bestehen des
worden?                                                                     Karpatenblattes. Nächstes Jahr werden wir eine neue Wechselausstel-
Während meines Studiums der Geschichte an der Comenius-Universi-            lung haben, sie trägt den Arbeitstitel „Deutsche Zeitungen in der Slowa-
tät in Preßburg/Bratislava. Das Thema der Karpatendeutschen hat mich        kei“. Es ist außerdem wichtig, das Projekt zur Digitalisierung der Periodi-
sehr interessiert und ich bin froh, dass ich mich weiter damit beschäfti-   ka fortzusetzen. Vor allem wollen wir die grundlegenden Aktivitäten des
gen kann.                                                                   Museums weiter entwickeln und präsentieren. Das Museum der Kultur
                                                                            der Karpatendeutschen muss in der Slowakei ein Träger der Identität der
Und wie sind Sie dann zum Museum der Kultur der Karpatendeut-               Karpatendeutschen bleiben.                                            Red
schen gekommen?
Ich arbeite seit September 2003 im Museum. Erst als Kustos, später
als Kurator. Ich beschäftige mich besonders mit der Volkskunde und der
Demografie der Karpatendeutschen. Zu diesem Thema habe ich meh-
rere Ausstellungen und Präsentationen gemacht und viele Artikel veröf-
fentlicht.

Das Museum beherbergt über 6.600 Exponate und Dokumente.
Was ist Ihr Lieblingsausstellungsstück?
Die Sammlungen decken alle Gebiete des Lebens der Karpatendeut-
schen ab – wie Kleidung, Textilien, in Heimarbeit und handwerklich
gefertigte Objekte, industriell hergestellte Gegenstände, Kunstwerke,
sakrale Gegenstände oder Druckwerke. Gerade habe ich kein Lieblings-
ausstellungsstück. Für mich sind aus der Sicht der Dokumentation und
Präsentation des Lebens und der Kultur der Karpatendeutschen alle in-
teressant. Wenn ich mir etwas aussuchen müsste, würde ich die Samm-
lung von Steingut-Gegenständen aus Kremnitz/Kremnica sowie die
Kunstwerke der Autodidakten Jakub Veneny und Ladislav Fuchs nennen.

Am Ende des Jahres blickt man gemeinhin auf die vergangenen
Monate zurück. Was ist Ihre Bilanz für 2021?
Es war ein schwieriges Jahr für die Museen. Die Arbeit im Veranstaltungs-
und Ausstellungsbereich war in diesem Jahr stark von der Corona-Pan-
demie beeinflusst. Allerdings muss ich sagen, dass die damit verbunde-
nen Beschränkungen glücklicherweise Kuratoren und andere Fachleute
nicht so stark getroffen haben wie andere Berufe. Wir arbeiteten mit fast
dem gleichen System wie gewohnt. Wir widmen uns dem Forschungs-
wesen, arbeiten an Fachartikeln, organisieren Veranstaltungen, küm-             Der Museumsdirektor zeigt Besuchern die multimediale Station,
mern uns um die Sammlungen und bereiten Exponate zum Restaurieren                   bei der man sich unter anderem die deutschen Dialekte
vor. All dies ist unabhängig von den Umständen, die wir gerade erleben.                         in der Slowakei anhören kann.

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Infoservice

Weihnachtliche Exponate
im karpatendeutschen Museum
Das Slowakische Nationalmuseum – Museum der Kultur der Karpatendeutschen in Preßburg/
Bratislava beherbergt über 6 600 Exponate und Dokumente mit Bezug zur deutschen Minderheit
in der Slowakei. Einige dieser Exponate sind auch mit dem Advent und Weihnachten verbunden.
Hier stellen wir Ihnen ein paar von ihnen vor.
                                                                                                                  
                                                                                                                 Die Backformen
                                                   Diese Krippe                                                   sind aus Gusseisen
                                                   aus Holz ziert                                                 und stammen
                                                   die Dauerausstellung                                           aus dem 18. Jahrhundert.
                                                   des Museums.

                                                                                                  
                                                                                  Mit diesen Formen
                                                                            kann man beispielsweise
                                                                                    süße Leckereien
                                                                              in Rosen-Form backen.
                   
     Eine ausgefallene
   Lebkuchenform aus
  dem 19. Jahrhundert.

                                                                                     Die Zwerge halten nicht nur Pilze,
                                                                                   sondern auch einen Weihnachtsbaum,
                                                                          denn es handelt sich hierbei um einen Christbaumständer.

Diese Geduldsflasche
entstand 1892 und...                                                      Dieses Fischmesser wäre perfekt für den Weihnachtskarpfen.
                         ...beherbergt eine Papierkrippe.

KB 12/2021                                                                                                                             5
Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Aus den Regionen

Gedenkfeier am deutschen Soldatenfriedhof
in Preßburg-Rosenheim
Seit dem Bestehen des Vereins in Preßburg haben wir alljährlich im November auf Friedhöfen in
Preßburg und im benachbarten Österreich in Hainburg, Stollhofen und weiteren Orten mit gro-
ßer Anteilnahme unserer Mitglieder Gedenkveranstaltungen organisiert. Auch dieses Jahr ge-
dachten wir anlässlich des Volkstrauertages auf Einladung der Botschaft der Bundesrepublik
Deutschland gemeinsam aller Opfer von Krieg, Gewalt und Terror.
Auf dem Gebiet der heutigen Slowakei verloren etwa 25 000 deutsche          Slowakischen Republik, Oberstleutnant i. G. Casey D. Shuff, der Vorsit-
Soldaten während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben. Schon im Jahr           zende unseres Karpatendeutschen Vereins, Ondrej Pöss, und der Regi-
1990 begann der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge in der             onsvorsitzende des KDVs von Preßburg, Michael Stolár. Die Preßburger
Ostslowakei mit dem Sammeln und Verifizieren der Daten, der Exhumie-        Region und Ortsgruppe vertraten weiter die Ortsgruppenleiterin Judita
rung der Toten und der Zusammenführung auf Sammelfriedhöfen in Zbo-         Kubincová und zwölf Delegierte, unter ihnen auch Rosi Stolár-Hoffmann.
rov, Humenné, Hunkovce, Prešov und Važec. Mit der Einweihung der            Anwesend war auch Axel Hartmann, ehemaliger Botschafter in der Slo-
Gedenkstätte auf dem Rosenheimer (Ružinov, heute Vrakuňa) Friedhof          wakischen Republik.
in Preßburg im Jahr 2000 wurden alle Friedhöfe, die für die in der Slowa-      Den geistlichen Teil der Feier gestaltete Jaroslav Balocký vom Öku-
kei im Zweiten Weltkrieg Gefallenen angelegt wurden, ihrer Bestimmung       menischen Pastoraldienst der Streitkräfte der Slowakischen Republik.
übergeben.                                                                  Danach sangen Vertreter der Deutschen Schule in Preßburg ein Lied.
    Seit September 1997 wurden 980 deutsche Soldaten, die in Grabla-        Die Festansprache hielt Oberstleutnant i. G. Rüdiger Heinrich, Vertei-
gen innerhalb des Stadtgebietes und im Umkreis von Preßburg geborgen        digungsattaché der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der
wurden, eingebettet und fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Dem Volks-      Slowakei. Es folgte unter Trompetenklängen das Lied „Ich hatt´ einen
bund wurde auf dem Friedhof Rosenheim im Stadtteil Preßburg-Fragen-         Kameraden“. Es folgten Kranzniederlegungen der Bundesrepublik von
dorf (Vrakuňa) eine Fläche zur Verfügung gestellt. Die Bauarbeiten be-      Botschafterin Barbara Wolf, der Streitkräfte der Slowakischen Republik
gannen im Frühjahr 1999. Einzelne Grabkreuze, deren Inschriften noch        von Generalleutnant Daniel Zmeko, des Volksbundes von Oliver Liese-
nicht vollständig waren, wurden im Jahr 2008 ergänzt. Namen von über        ner, der Streitkräfte der USA von Oberstleutnant i. G. Casey D. Shuff und
1 800 der nicht mehr zu bergenden und identifizierenden Toten sind in       des KDVs von Ondrej Pöss und Martin Stolár.
Metalltafeln eingelassen.                                                      So ehrten wir die Gefallenen der Kriege und gewalttätigen Regie-
    Am 17. Juni 2000 wurde der Friedhof eingeweiht. Es fanden sich          rungen, Terror und Hass, der Opfer der Vergangenheit und Gegenwart.
zahlreiche Angehörige der Toten aus Deutschland und Österreich, der         Möge der gütige und barmherzige Gott ihnen Frieden im ewigen Leben
Oberbürgermeister der slowakischen Hauptstadt und Vertreter des slo-        schenken.                                           Rosi Stolár-Hoffmann
wakischen Innenministeriums ein. Der damalige deutsche Botschafter
in der Slowakei Dr. Frank Lambach begrüßte die Gäste. Karl-Wilhelm
Lange, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, hielt
die Gedenkansprache. Rudolf Schuster, der Präsident der Slowakischen
Republik, legte einen Kranz nieder. Die Einladung zur Feier erreichte uns
verspätet und so konnten wir nur als Gäste daran teilnehmen, da das of-
fizielle Programm bereits zusammengestellt war und nach diplomatischer
Etikette nicht mehr umgestaltet werden konnte. Dennoch war es für uns
Preßburger ein berührender Augenblick, der uns an unsere Kriegstoten
erinnerte.
    Es ist kaum bekannt, dass viele deutsche Bewohner Preßburgs im
Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht eingezogen wurden. Meistens
wurden sie auf Befehl von der 1939 entstandenen slowakischen Armee
versetzt. Viele von ihnen zahlten mit ihren Leben den höchsten Preis des
Wahnsinns machthungriger Führer. Viele deutsche Familien aus Preß-
burg betrauern bis heute ihre Söhne und Brüder. So sahen wir in der Er-
richtung des Soldatenfriedhofs in Rosenheim etwas sehr Persönliches.

Volkstrauertag
Der Volkstrauertag wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfür-
sorge zum Gedenken an die 9,9 Millionen verstorbene und 7,7 Milli-
                                                                                     Botschafterin Barbara Wolf bei der Kranzniederlegung.
onen vermisste Soldaten sowie die mehr als 7 Millionen tote Zivilisten
des Ersten Weltkrieges eingeführt. Die erste Gedenkstunde war im
Berliner Reichstag 1922 und der Volkstrauertag wurde erstmals am 1.
März 1925 begangen. Der Zweite Weltkrieg forderte fast 25 Millionen
tote Soldaten und mehr als 50 Millionen Zivilisten. Fünf Jahre nach Ende
des Zweiten Weltkrieges führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräber-
fürsorge den Volkstrauertag als Gedenktag für die Opfer von Kriegen und
Gewaltherrschaft wieder ein und 1950 fand die erste Veranstaltung des
Volksbundes im Bundestag in Bonn statt.

Volkstrauertag 2021
Am 14. November 2021 beteiligten wir uns auf Einladung der Botschaft
der Bundesrepublik Deutschland am feierlichen Gedenken der Opfer
von Gewalt, Krieg und Terrorismus am deutschen Soldatenfriedhof in
Rosenheim.
   Die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland, Barbara Wolf,
konnte zahlreiche Gäste begrüßen, unter ihnen waren der General­
stabschef der Streitkräfte der Slowakischen Republik, Generalleutnant
Daniel Zmeko, der Beauftragte des Volksbundes Deutsche Kriegsgrä-                          Auch KDV-Vorsitzender Ondrej Pöss nahm
berfürsorge, Oliver Liesener, der Verteidigungsattaché der USA in der               an der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages teil.

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Aus den Regionen

Der Adventskranz von Zeche
Die Tradition der Adventskränze reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. In Zeche/Malinová haben
wir eine etwas neuere Tradition: Bereits zum fünften Mal haben wir in der vorweihnachtlichen Zeit
einen der größten Adventskränze der Gegend.
Bürgermeister Juraj Stiffel hat am ersten Adventssonntag am Nach-         abgetragen, nur die Figurengruppe blieb erhalten, sie wurde aber
mittag die erste der vier Kerzen am Adventskranz zum Leuchten             auch beschädigt. Die heutige Dreifaltigkeitssäule befindet sich an
gebracht. Dieses Jahr ist die Dekoration in den Farben des Ge-            dem Ort, an dem auch die alte stand. Die heutige Figurengruppe ist
meindewappens gehalten: weiß, rot und gelb. Der Kranz hat einen           eine Kopie des Originals, das sich an einem ehrenvollen Platz in der
Durchmesser von etwa sieben Metern und befindet sich unter der            Kirche befindet.
Dreifaltigkeitssäule vor der Kirche. Vier Leuchten sind an dem Kranz                  Mgr. Edita Grossová im Auftrag von Mgr. Pavol Remiaš
angebracht, die die klassischen Kerzen symbolisieren.

Die Dreifaltigkeits- oder Pestsäule
Die Dreifaltigkeitssäule wird zu Recht auch Pestsäule genannt. Sie
wurden auch in der Slowakei in der Vergangenheit aufgestellt, um um
Gesundheit zu bitten oder als Dank dafür, dass in verschiedenen Epi-
demien Leben gerettet wurden. In Zeche war im 19. Jahrhundert die
Pockenepidemie besonders schmerzhaft. Sie hat auch Kinder ge-
troffen. Damals starben hier und in der Nachbargemeinde Fundstol-
len/Chvojnica im Jahr 1822 innerhalb von ein paar Monaten 84 Kin-
der, bei uns wurden in diesem Jahr von Februar bis April 30 Kinder
im Alter von drei Monaten bis vier Jahren begraben. Die Chronik ist
leider nicht erhalten, aber es sind Aufzeichnungen von Pfarrer Alojz
Reuth erhalten, in denen Todesfälle mit den Ursachen dokumentiert
sind. Die Epidemie endete erst im Juni des Jahres. Als Dank wurde
die Säule in unserem Ort aufgestellt.
    Die ursprüngliche Figurengruppe wurde in den 1950er Jahren
von einem Ast zerstört, der während eines Sturmes von einer der
Linden herabfiel, die in der Umgebung wachsen. Die Säule wurde                   Ende November leuchtete die erste Kerze am Adventskranz.

Erste Dauerausstellung über die Deutschen
in Tschechien
Nach mehreren Jahren Vorbereitung ist am 18. November im Museum der Stadt Aussig an der
Elbe/Ústí nad Labem die Dauerausstellung ”Unsere Deutschen“ eröffnet worden. Erstmals erin-
nert damit in Tschechien eine Dauerausstellung an die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen
Deutschen. Zu den Gästen bei der Eröffnungsfeier zählten der sächsische Ministerpräsident Mi-
chael Kretschmer und der tschechische Kulturminister Lubomír Zaorálek.
Die langwierigen Debatten über die Notwen-         gen deutschsprachigen Bevölkerung Böh-          zweisprachigen Prag der Zwischenkriegszeit.
digkeit überhaupt eine solche Institution ins      mens und Mährens über acht Jahrhunderte         Fotos von NS-Opfern erinnern an die national-
Leben zu rufen, welche mindestens bis in die       hinweg präsentiert. Die Ausstellung spannt      sozialistische Besatzung. Nach dem Zweiten
90er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückrei-         einen weiten Bogen von der Ankunft der ers-     Weltkrieg wurden rund drei Millionen Sudeten-
chen, führten am Anfang des neuen Millenni-        ten deutschsprachigen Siedler im Mittelalter    deutsche aus der damaligen Tschechoslowa-
ums schließlich zur Gründung das Collegium         bis hin zur berühmten Kaffeehauskultur im       kei vertrieben.                          Red
Bohemicum als gemeinnütziger Verein. Zu
seinen Gründern gehören die Stadt Ústí nad
Labem, die J. E. Purkyně Universität in Ústí nad
Labem sowie die Gesellschaft für Geschichte
der Deutschen in Böhmen und als letztes Grün-
dungsmitglied später auch das Kulturministeri-
um der Tschechischen Republik.

Geschichte der deutschsprachigen
Bevölkerung
Das wichtigste, langfristige Projekt des Col-
legium Bohemicum ist die Dauerausstellung
„Unsere Deutschen“. Sie hat zum Ziel, die Ge-
schichte der deutschsprachigen Bevölkerung
der böhmischen Länder vom Mittelalter bis in
das zwanzigste Jahrhundert vorzustellen. An
dem Konzept der Ausstellung hat sich ein brei-
tes Team aus tschechischen, deutschen und
österreichischen Historikern und Museumsmit-
arbeitern beteiligt.
                                                    © Collegium Bohemicum
   In der jetzt eröffneten Dauerausstellung
werden auf mehr als 1500 Quadratmetern
Fläche die Kultur und das Leben der einsti-                        Blick in die neue Ausstellung über die Deutschen in Tschechien

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Aus den Regionen

Geister treffen in Lukau
Nur wenige Menschen werden wahrscheinlich Geister von Angesicht zu Angesicht sehen können.
In der St.-Georgs-Kirche in Lukau/Luková im Norden des Gebiets Pilsen ist dies jedoch möglich. An
einem mysteriösen Ort sitzen hier drei Dutzend weiß gekleidete Figuren auf Holzbänken. Ohne Worte,
mit gesenktem Kopf beten sie zu Gott. Denn sie sind Statuen.
                                                                         zu Vorhängen. Dann goss er eine Mischung aus Gips und Phosphor
                                                                         darüber. Das Material strahlte, nachdem der Gips getrocknet und mit
                                                                         Licht angeleuchtet wurde. Den Statuen wurde so ein magischer Cha-
                                                                         rakter verliehen. Zu erkennen sind Figuren von Frauen und Männern.
                                                                         Diese und viele andere Sehenswürdigkeiten erklärt den Besuchern
                                                                         dieses Denkmals Herr Jiří Kapr, einer der wenigen noch lebenden
                                                                         Einwohner.

                                                                         Seltene Gottesdienste
                                                                         In dieser Kirche finden einmal im Jahr Gottesdienste statt – am Fest
                                                                         des Heiligen Georg, dem die Kirche geweiht ist, oder bei feierlichen
                                                                         Veranstaltungen, wenn ein Teil der Kirche repariert werden kann. Die
                                                                         liturgische Sprache ist dann Tschechisch oder Deutsch, je nach Zu-
                                                                         sammensetzung der Gläubigen bei der Feier.
                                                                             Wenn ein Tourist beschließt, die Holztreppe zum Chor hochzustei-
                                                                         gen, findet er dort ein Harmonium, welches noch spieltauglich ist.
                                                                         Die Musik verstärkt die Atmosphäre des Ortes.
                                                                             Mittel zur Finanzierung von Reparaturen werden unterschiedlich
                                                                         beschafft. So beteiligte sich das Kulturministerium beispielsweise an
                    Blick auf die teilrenovierte Kirche                  der Reparatur der Fassade über den Notfonds für Denkmäler. Das
                                                                         Geld aus dem freiwilligen Eintrittsgeld wird auch für Reparaturprojek-
Der älteste Teil der Kirche – das Presbyterium und die Sakristei –       te verwendet.
stammen aus dem 14. Jahrhundert. Dort ist ein seltenes gotisches             Der Autor des Kunstwerks hatte die Idee, dass in seinen Skulptu-
Rippengewölbe erhalten. Während der Hussitenkriege wurde es              ren die Geister der Gläubigen seien. Sie werden sich mit den heuti-
schwer beschädigt. Nach einem Brand im Jahr 1796 wurde es repa-          gen Besuchern der Kirche zusammenschließen und so in der Lage
riert und in den Jahren 1854 bis 1858 im neoromanischen und goti-        sein, dieses Gebäude irgendwie zu reparieren. Seine Absicht scheint
schen Stil wieder aufgebaut. Nach den Hussitenkriegen hielten hier       gelungen zu sein.                      Text und Fotos : Ján Alcnauer
katholische Priester, dann utraquistische und lutherische Pfarrer Got-
tesdienste. Heute ist die Kirche Eigentum der katholischen Kirche.

Baufälliges Kulturdenkmal
Obwohl es sich um ein Kulturdenkmal der Tschechischen Republik
handelt, befindet es sich in einem baufälligen Zustand. 1968 stürzte
bei einer Trauerfeier ein Teil des Putzes von der Decke und das Ge-
bäude wurde geschlossen. Seitdem wurden nur die nötigsten Repa-
raturen vorgenommen.
   Der Student Jakub Hadrava hatte 2012 eine interessante Idee.
Seine Bachelorarbeit realisierte er durch die Gestaltung einzigarti-
ger Skulpturen. Sie stellen die Figuren der Sudetendeutschen dar,
die im Dorf lebten, und für die der Glaube ein selbstverständlicher
Teil ihres Lebens war. Er beeinflusste die Bildung ihrer Persönlich-
keit. Jede Statue entstand an lebenden Menschen, sitzend in den
Kirchenbänken wurde ihnen eine Plastikfolie „angezogen“. Hadvara
legte dann verschiedene Stoffstücke darauf, von Tischdecken bis hin                          Statuen in den Kirchenbänken

    Herr Jiří Kapr spricht über Ereignisse der Kirche und die Statuen.                      Das Harmonium ist spieltauglich

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Aus den Regionen

Ein feierliches Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz
Nach zwei Monaten trafen sich die Frauen vom Literaturkränzchen wieder zu einem feierlichen
Nachmittag. Mit der Sicherheit eines Mundschutzes saßen wir in unserer Küche zusammen. Inte-
ressante Bücher und wertvolle Gedichte machten den Nachmittag zu einem feierlichen Beisam-
mensein. Wir hatten auch eine kleine Bücherausstellung vorbereitet. Dabei waren Bücher, über
die wir schon gesprochen haben, aber es waren auch ein paar dabei, die wir im nächsten Jahr
gerne lesen möchten. Denn wie der britische Schriftsteller Aldous Huxley (1894-1963) einmal sag-
te: ”Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.“
Auf unserem Programm stand diesmal Achim von Arnim. Dieser deut-              lig, aber es ging. Irgendwie geht es ja immer.“ Im Großen und Ganzen ist
sche Dichter war für uns in der Slowakei unbekannt. Zum Glück fanden          das auch die Botschaft des Buches: Kämpfe für deine Überzeugungen
wir in der Bücherei im Haus der Begegnung ein Büchlein von Helmut             und lebe deinen Traum, denn Beharrlichkeit und Ehrgeiz zahlen sich aus.
Hirsch, der uns Achim von Arnim und seine Frau Bettine von Arnim ganz         Am Ende können wir uns den zwei Worten auf der Rückseite des Buches
nahegebracht hat. Achim von Arnim wurde 1781 in Berlin geboren. Ge-           nur anschließen – „Sehr empfehlenswert“ (Christine Westermann).
storben ist er 1831 in Wiepersdorf. Seine Mutter starb allzu früh und so          Außerdem haben wir wie bei fast jeder Gelegenheit das Gedicht von
verbrachte er seine Kindheit und Jugend zusammen mit seinem älteren           Dr. med. Walter Sohler vorgetragen, das er für uns geschrieben hat. Dr.
Bruder Carl Otto bei seiner Großmutter Caroline von Labes in Zernikow         med. Walter Sohler kommt aus Berlin, war aber schon ein paarmal in
und Berlin, wo er das Gymnasium besuchte. Er studierte Rechts- und            Einsiedel an der Göllnitz zu Besuch. Er hat auch an dem „Unterzipser
Naturwissenschaften sowie Mathematik in Halle an der Saale. 1800              Mantakentreffen“ teilgenommen. Das Programm hat ihm gefallen, man
wechselte Arnim dann nach Göttingen, wo er Johann Wolfgang von Goe­           hat die Mundarten der Unterzips hören können. In jeder Gemeinde gibt
the und Clemens Brentano begegnete. Achim heiratete 1811 Bettine              es Worte, die anders ausgesprochen werden, aber wir verstehen sie.
Brentano und zusammen reisten sie auf das arnimsche Gut Wiepersdorf.          Wenn Dr. Sohler nicht gerade zu Besuch in Göllnitz ist, liest er über unser
Achim von Arnim nahm mit zahlreichen Artikeln sowie mit Buchveröffent-        Literaturkränzchen im Karpatenblatt. Ihm gefällt unsere Arbeit sehr, da
lichungen am literarischen Leben Berlins teil und hinterließ eine Fülle von   wir mit unseren Nachmittagen dafür sorgen, dass die deutsche Sprache
Dramen, Novellen, Romanen, Gedichten und anderen Arbeiten. Er wird            erhalten bleibt. Neben dem selbst geschriebenen Gedicht hat er uns
heute zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Romantik gezählt.         vor einiger Zeit auch zwei Päckchen mit Büchern geschickt. Die kann
Er sagte einmal: „Nimm dir Zeit zum Glücklichsein, es ist die Quelle der      man sich in der Bücherei im Haus der Begegnung ausleihen. Eine Freu-
Kraft. Nimm dir Zeit zum Lesen, es ist der Ursprung der Weisheit.“            de hat uns ein kleines Päckchen mit den Werken von Gottfried Keller
    Abseits der Literatur von Achim von Arnim gab es auch andere Neuig-       (1819-1890) gemacht. Aus dem Band „Hundert Gedichte“ haben wir das
keiten bei unserem Treffen. So hatten wir im Oktoberheft des Karpaten-        „Abendlied“ gelesen.
blattes über die Buchhandlung Gustav Roth in Offenburg geschrieben.
Die Inhaberin, Frau Barbara Roth, hat diesen Artikel gelesen und schick-      Zum 100. Todestag von Hviezdoslav
te uns eine Antwort auf unseren Artikel: „Liebe Frau Stupák, das freut        Als Letztes haben wir bei unserem Literaturkränzchen über den slowaki-
uns sehr! Herzlichen Dank für Ihre so nette Rückmeldung. Wie schön,           schen Dichter Pavol Országh Hviezdoslav (1849 – 1921) gesprochen.
dass Sie uns in Ihrer Zeitschrift erwähnen. Alles Liebe für Sie! Beste        Der Anlass dazu war sein 100. Todestag. Er schrieb lyrische und epi-
Grüße – eine achtsame, lesefreudige Zeit, bleiben Sie gesund! Lesen           sche Gedichte, behandelte in Dramen und Verserzählungen biblische
macht glücklich! Barbara Roth“ Wir haben uns sehr über ihre Antwort           Stoffe und Themen aus dem Leben des slowakischen Volkes. Er über-
gefreut! Die Buchhandlung hat zudem wieder etwas Wunderbares für alle         setzte auch die Werke von prominenten Dichtern in die slowakische
Lyrikliebhaber vorbereitet. So gibt es seit einiger Zeit „Das Gedicht der     Sprache. Pavol Országh Hviezdoslav besuchte das Gymnasium von
Woche von uns ausgewählt für Sie“ zum Mitnehmen. Bei diesen Gedich-           Kesmark in der Zips und schrieb schon in dieser Zeit Gedichte in unga-
ten finden sich immer wieder kleine Schätze.                                  rischer und deutscher Sprache. Später schrieb er vor allem auf Slowa-
                                                                              kisch. Als sein Hauptwerk gilt das epische Versepos „Hájnikova žena“
„Jetzt wirds ernst“                                                           (1886) - „Des Hegers Weib“. Diesem Werk haben wir uns gewidmet.
Bei unserem feierlichen Literaturkränzchen sprachen wir auch über den         Der Roman wurde von seinen Zeitgenossen als „Lebensbild des Wal-
deutschen Bestsellerautor Robert Seethaler, der ein vielfach ausge-           des“ bezeichnet. Die Handlung spielt in den Karpaten und erzählt von
zeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor ist. Wir haben diesmal den        dem Schicksal eines jungen Waldhegers und seiner Frau Hanka, deren
Roman „Jetzt wirds ernst“ (2010) ausgewählt. Robert Seethaler wurde           Glück durch den zudringlichen Gutssohn zerstört wird. Die einzelnen
1966 in Wien geboren, dort und in Berlin lebt und schreibt er. 2007           Kapitel des Versromans werden von lyrischen, stimmungsvollen Land-
erhielt er für seinen Roman „Die Biene und der Kurt“ den Debütpreis des       schaftsbildern eingeleitet.
Buddenbrookhauses.                                                                Mit diesen stimmungsvollen Landschaftsbildern und einem kleinen
    In „Jetzt wirds ernst“ erzählt er mit liebevollem Humor die Geschichte    Imbiss beendeten wir dann dieses feierliche Literaturkränzchen und
eines eigenwilligen Jungen aus der Kleinstadt. Er soll wie sein Vater Fri-    freuen uns schon auf den nächsten „Adventsabend mit deutscher Po-
seur werden, will aber lieber Schauspieler werden. Im Buch verkündet          esie und Prosa“.
er: „Ich versuchte einen Schritt. Dann den nächsten. Langsam und wack-                                                                   Ilse Stupák

          Unser feierliches Literaturkränzchen im kleinen Kreise                  In unserer kleinen Ausstellung zeigten wir unter anderem mehrere
                                                                                                     Werke von Robert Seethaler.

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Karpatenblatt - Im Gespräch mit Museumsdirektor Rastislav Fiľo
Deutsche Sprache

Modern und multifunktional – das deutsche
Informationszentrum der Staatlichen
Wissenschaftlichen Bibliothek
Das Goethe-Institut Slowakei hat zwei Partnerbibliotheken im Land, in denen man multimediale
Informationen aus und über Deutschland finden kann. Eine von ihnen ist die Staatliche Wissen-
schaftliche Bibliothek in Neusohl/Banská Bystrica. Dort arbeitet Bc. Katarína Němcová als Biblio-
thekarin im deutschen Informationszentrum. Im Gespräch mit dem Karpatenblatt verrät sie mehr
über ihren außergewöhnlichen Arbeitsplatz, seine Bestände und Angebote.
Wo befindet sich Ihre Bibliothek?                                            tung eines deutschen Informationszentrums geführt. Seine Aufgabe ist
Die Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek in Neusohl/Banská Bystrica       es, Informationen über Deutschland, seine Kultur, Geschichte und Geo-
befindet sich im Herzen der Stadt, in der Lazovná-Straße 9 in einem his-     grafie sowie Materialien für den Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht
torischen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert.                                   bereitzustellen. Seit den 1990er Jahren hat das Zentrum einen langen
                                                                             Weg zurückgelegt und sich zu einem modernen und multifunktionalen
Wann wurde sie gegründet?                                                    Zentrum entwickelt, das Tausenden von Schülern, Studenten und Er-
Unsere Bibliothek ist der Nachfolger der 1926 gegründeten Stadtbiblio-       wachsenen geholfen hat, die Sprache zu lernen, zu studieren oder ihre
thek in Neusohl/Banská Bystrica. Die Grundlage des Bibliotheksfonds          Abschlussarbeiten zu schreiben.
war eine Schenkung des Bildungsministeriums von 200 Büchern. Der-
zeit umfasst unser Fonds fast 800.000 Bücher und mehr als 1.650.000          Welche besonderen Räume stehen den Lesern zur Verfügung?
Einheiten. Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Bibliothek         Zum deutschen Studienraum gehört auch ein Kreativzentrum, das haupt-
war der Erwerb des Zwangsdruckrechts der tschechoslowakischen                sächlich von Studierenden genutzt wird. Neben einem breiten Filman-
Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsproduktion ab dem 1. Juli 1963. Der        gebot findet man hier auch verschiedene Tischspiele, man kann es sich
Status einer wissenschaftlichen Bibliothek wurde am 1. Juli 1969 von         auf Tuli-Sitzsäcken gemütlich machen. In den Räumlichkeiten des Deut-
der damaligen Regionalen Volksbibliothek verliehen und unterstand di-        schen Arbeitszimmers fesselt darüber hinaus sicherlich die einzigartige,
rekt dem Kulturministerium der SSR. Derzeit ist sie die einzige universel-   rekonstruierte, dekorative Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert den
le wissenschaftliche Bibliothek in der Region Mittelslowakei.                Blick der Besucher.             Das Gespräch führte Radoslav Páleš.

Was ist heute die Hauptaufgabe Ihrer Bibliothek?
Der Auftrag der Bibliothek hat sich seit ihrer Gründung verändert. Ne-
ben der Bereitstellung von Büchern für die Leser bietet unsere Bibliothek
zahlreiche Vernissagen und Ausstellungen, die Künstler, bedeutende
Persönlichkeiten der Literatur und Literaturwissenschaft, Autoren und
Übersetzer, Lehrende und Studenten zusammenbringen. Wir organisie-
ren regelmäßig eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen. Sie können
bei uns zum Beispiel ein Konzert hören, eine Reisebesprechung, ins
Kino in die Bibliothek kommen und einen interessanten ausländischen
Film sehen. Hier trifft sich auch ein Seniorenclub und dessen Mitglieder
trainieren regelmäßig ihr Gedächtnis. Im Sommer versuchen wir immer,
Familien mit Kindern anzuziehen. Hier werden Tischspiele gespielt, im
Sommerlesesaal kann man sich im Innenhof entspannen oder Lesungen
von Autoren genießen.

Wie viele deutschsprachige Titel stehen den Lesern derzeit zur                                  © Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek Neusohl
Verfügung?
Die Sammlung des deutschen Studienraums umfasst mehr als 4.500                             Oľga Doktorová und Katarína Němcová von
                                                                               der Staatlichen Wissenschaftlichen Bibliothek sowie Markus Huber
Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs. Unser Fonds bietet ein breites An-               und Zuzana Beniačová vom Goethe-Institut Slowakei.
gebot an Fachliteratur mit den Schwerpunkten Linguistik, Dolmetschen
und Übersetzen, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Recht, inter-
nationale Beziehungen, Geschichte oder Geografie. Wir haben außer-
dem einen Bereich mit Fachwörterbüchern sowie eine Reihe mit Titeln
aus dem Bereich der Literaturwissenschaft. Wir begeistern auch Neu-
gierige, die sich eine leichtere Lektüre mit populärwissenschaftlicher Li-
teratur wünschen. Im Studierzimmer befindet sich auch Belletristik, dort
kann man nicht nur die „Klassiker“ entdecken, sondern auch moderne
deutsche Prosa von namhaften Autoren und Gewinnern renommierter
Buchpreise. Vereinfachte Versionen bekannter Romane mit Tonaufnah-
men oder Übungen begeistern auch Einsteiger. Und natürlich vergessen
wir auch die kleinsten Neugierigen nicht: Für sie haben wir ein Regal
voller Märchen, Kinderliteratur und Enzyklopädien.

Seit wann ist die Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek in Neu-
sohl/Banská Bystrica Partnerbibliothek des Goethe-Instituts und                                 © Staatliche Wissenschaftliche Bibliothek Neusohl
wie kam es zu dieser Kooperation?
Der Austausch zwischen unserer Bibliothek und dem Goethe-Institut hat                 Mehr als 4.500 Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs
1994 zu einem Kooperationsvertrag und der anschließenden Einrich-                          stehen den Lesern derzeit zur Verfügung.

10
XII-2021                         Journal der Karpatendeutschen Jugend in der Slowakei

Mit Podcasts
in der Online-Welt unterwegs
”Mit Podcasts in der Online-Welt unterwegs – Ein Ratgeber zum Selbermachen“ lautet der Titel
einer Publikation, die vor kurzem in Zusammenarbeit mit dem Karpatenblatt entstanden ist.
Podcasts sind seit einigen Jahren in aller      tik-Lehrstuhl der Philosoph-Konstantin Uni-      die Welt der Startups ein, lernten Podcasts
Munde – und auch Ohren. Dank ihrer flexi-       versität Neutra/Nitra sowie das Karpatenblatt    zu gestalten und führten selbst Interviews
blen Verfügbarkeit und thematischen Vielfalt    gemeinsam durchgeführt haben. In mehre-          mit Vertretern erfolgreicher Startups aus der
sind Podcasts beinahe in allen Bereichen        ren Workshops tauchten die Studierenden in       Slowakei und Österreich.                 Red
menschlichen Tuns anzutreffen. Ihre
   Bandbreite reicht dabei von Unterhal-
tungs- oder Bildungs- über Nachrichten- bis
hin zu Firmen-Podcasts. In der Publikation
geht es primär um die Vermittlung von grund-
legendem Wissen über Podcasts, um ihre
Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte
sowie die Möglichkeiten ihrer Nutzung. Dar-
über hinaus findet man darin eine praktische
und übersichtliche Einleitung zum Erstellen
von eigenen Podcasts im Studium oder im
Berufsleben.

Die Autorinnen
Die drei AutorInnen der Publikation sind in
den Bereichen Journalistik und universitä-
re Lehre tätig. Doc. PaedDr. Oľga Wrede,
PhD., Dozentin am Lehrstuhl für Germanistik
der Philosoph-Konstantin Universität Neut-
ra/Nitra. Zu den Schwerpunkten ihrer For-
schungs- und Lehrtätigkeit zählen Fachspra-
chen, Fachkommunikation, Fachübersetzen
sowie Stilistik und Textlinguistik des Gegen-
wartsdeutsch.
    PhDr. Daša Nováčiková, PhD., ist wis-
senschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl
für Journalistik der Philosoph-Konstantin
Universität Neutra/Nitra. Ihre Forschungsin-
teressen gelten neuen Online-Medien, Print-
medien, journalistischen Formaten, dem
Cyberraum und dem Sprachgebrauch in me-
dialer Kommunikation.
    Katrin Litschko M.A. ist Redakteurin für
Rundfunk und Fernsehen in Preßburg/Bra-
tislava, Medienpädagogin und begeisterte
Podcasterin. Seit 2015 Chefredakteurin des
Karpatenblattes, des Magazins der deut-
schen Minderheit in der Slowakei.

Podcast & Startup-Projekt
Die deutsch-slowakische Publikation ent-
stand im Rahmen eines dreijährigen Projek-
tes zum Thema Podcasts und Startups, das                              Der Podcast-Ratgeber entstand in Zusammenarbeit
der Germanistik-Lehrstuhl und der Journalis-                          der Universität Neutra/Nitra und dem Karpatenblatt.

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Jugendblatt

Geschichte der Karpatendeutschen
interessierte Kaschauer Schüler
Dank interessanter Aktivitäten ist die deutsche Sprache an der Laco-Novomeský-Grundschule in
Kaschau/Košice ein Lieblingsfach geworden. Die Schule wurde auch mit dem Besuch von dem
Vorsitzenden der Karpatendeutschen Jugend (KDJ), Patrik Lompart, beehrt. Mit ihm haben die
Schüler über die Karpatendeutschen diskutiert.
Die Laco-Novomeský-Grundschule in Kaschau ist auf Fremdspra-           In Zukunft wollen wir nach der Covid-Pandemie mit der Partnerschule
chen ausgerichtet, insgesamt werden in der Schule fünf Fremdspra-      in Paderborn auch einen Austauschaufenthalt organisieren“, erklärt
chen unterrichtet. Die deutsche Sprache ist dabei eine der belieb-     der Deutschlehrer Peter Jonáš.
testen. „Wir versuchen für die Schüler unterschiedliche Aktivitäten
vorzubereiten, die den Unterricht der deutschen Sprache fördern        Vielseitiger Deutschunterricht
und beliebter machen“, sagt die Schulleiterin Ľudmila Medvecová.       Die Aktivitäten im Deutschunterricht finden im Ruhebereich des deut-
Eine dieser Aktivitäten war auch eine Diskussion mit Patrik Lompart,   schen Klassenzimmers statt, wo die Schüler auf Sitzsäcken oder auf
dem Vorsitzenden der KDJ. Er erzählte den Schülern über die Ge-        dem Teppich sitzen können. Dabei stehen ihnen deutsche Bücher
schichte der Karpatendeutschen und stellte auch die Karpatendeut-      und Brettspiele zur Verfügung, die dank der Förderung der Pon-
sche Jugend vor.                                                       tis-Stiftung angeschafft werden konnten.
                                                                           Auch das Projekt „Experimentieren auf Deutsch“, das 2015 von
                                                                       der Stiftung Volkswagen Slovakia und dem Goethe-Institut Preßburg/
                                                                       Bratislava initiiert wurde, ist bei den Schülern sehr beliebt. „Das Pro-
                                                                       jekt verbindet die Naturwissenschaften mit der deutschen Sprache.
                                                                       Zu Themen wie Wasser, Luft, Gas, Natur, Magnetismus usw. stehen
                                                                       15 ausgearbeitete CLIL-Module mit Experimenten und Beobachtun-
                                                                       gen zur Verfügung, die eine interfachliche Verbindung zulassen. Da-
                                                                       mit weckt und verstärkt man das Interesse am Lernen von Deutsch“,
                                                                       sagt Peter Jonáš und ergänzt: „Wir planen die innovativen Methoden
                                                                       auch weiter im Deutschunterricht zu nutzen.“
                                                                                                                                  Peter Jonáš

          Deutschlehrer Peter Jonáš erklärt das Experiment
       „Können Rosinen tanzen?“ (Experimentieren auf Deutsch)

Später nahmen die Schüler an einem Quiz teil, bei dem sie ihre
Kenntnisse über die Karpatendeutschen zeigen konnten und dabei
sogar Preise gewinnen konnten. Die Schüler interessierten sich auch
für die Möglichkeit, an einem internationalen Feriencamp teilzuneh-
men. „Unmittelbaren Kontakt mit ausländischen Jugendlichen hatten
sie schon dank eines Online-Projektes mit Schülern aus der Partner-
schule in Paderborn. Dadurch konnten sie das Leben, den Schulall-
                                                                             Die Schüler lesen im Deutschklassenzimmer Karpatenblatt.
tag und die Hobbys von Jugendlichen in beiden Ländern vergleichen.

            Im Ruhebereich des Deutschklassenzimmers                   Der KDJ-Vorsitzende Patrik Lompart und Deutschlehrer Ing. Peter Jonáš

II
Jugendblatt
Kochen mit dem Karpatenblatt:
Französischer Salat mit Hähnchenschnitzel
Französischer Salat ist in der Slowakei nicht nur, aber vor allem in der Adventszeit, bei vielen ein
absolutes Muss. Besonders gern wird dazu ein Schnitzel gereicht. Ein gebratenes Zander- oder
Karpfenfilet lässt sich einen Französischen Salat auch sehr gern gefallen. Doch auch eine würzi-
ge Bratwurst oder ein paar feine Zipser Würstel (Spišské párky) gekocht oder gegrillt, fühlen sich
zu ihm mehr als hingezogen. Selbst pur oder nur mit einer Scheibe Brot schmeckt er sehr gut.
In anderen Ländern wie in Italien, Frankreich, der Türkei und natürlich     viers Salat-Kreation in immer wieder neuen und unterschiedlichen Arten
auch in Russland ist er als Russischer Salat in verschiedensten Varianten   weltweit seinen Siegeszug an.
beliebt. Hauptbestandteile sind stets: Kartoffeln, Karotten, Erbsen, Es-        An dieser Stelle möchte ich Ihnen nun gerne die Hecht-Variante des
siggurken und Mayonnaise. Der Franzose Lucien Olivier eröffnete 1864        Französischen Salats vorstellen. Die Menge für den Salat mag reichlich
in Moskau das französische Restaurant „Hermitage“. Dort kreierte er ei-     erscheinen, bei ihr hieß es auch bei uns jedes Jahr immer wieder aufs
nen besonderen Kartoffelsalat mit Mayonnaise, der nach ihm benannt          Neue: „Oh mein Gott, so viel! Wer soll das bloß alles essen? Wir werden
„Salade Olivier“ hieß. Später eröffnete er ein Restaurant in Wiesbaden      eine ganze Woche nur Französischen Salat essen.“ Spätestens nach
und bot dort seinen Salat als „Salade à la Russe“ an. Von dort trat Oli-    zwei Tagen war dann aber immer alles weggegessen.

Die Zutaten                                       1. Die Pellkartoffeln (festkochende Kartof-       3. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer ab-
Für 4 Personen                                       feln), nachdem sie zuvor ca. 20 bis 30            schmecken und eventuell noch eine
- 8 bis 10 Pellkartoffeln, je nach Größe,            Minuten gekocht und abgekühlt sind,               Gurke extra oder etwas mehr Remoula-
   ca. 1.200 g in kleinere Würfel geschnitten        schälen, in nicht zu kleine Würfel schnei-        densauce nachgeben.
- 5 hartgekochte Eier,                               den und leicht salzen.
  in kleine Würfel geschnitten
- 500 ml Remouladensauce
- 5 Essiggurken, klein geschnitten
  (der Länge nach in Viertel und dann
  nochmal längs schneiden)
- Erbsen und Karotten im Glas
  (großes Glas/Dose, 800 g Füllmenge),
  die Karotten klein schneiden
- 1 x Sellerie-Salat fein geschnitten
  (kleines Glas, 320 g Füllmenge)
- 1 Glas eingelegte Paprika in Streifen
  (kleines Glas, 320 g Füllmenge),
  in Würfel schneiden
- 300 g Kasseler                                  2. Alle Zutaten nicht auf einmal, sondern auf     4. Im Kühlschrank für ein – zwei Stunden
  (gepökelt, gegart u. geräuchert)                   2-3-mal in eine große Schüssel geben              ruhen lassen, damit er richtig durchzieht.
  oder Kochschinken im Stück,                        und vorsichtig mit zwei großen Löffeln un-        Man kann den Salat auch schon einen Tag
  in kleine Würfel schneiden                         terheben. Durch mehrmaliges Probieren             vorher zubereiten und über Nacht in den
- Etwas feingehackte, glatte Petersilie              ist darauf zu achten, dass keine einzelne         Kühlschrank geben. Vor dem Servieren
- 1 bis 2 Esslöffel Mittelscharfer Senf              Zutat zu sehr dominiert.                          aber schon früher wieder rausnehmen,
                                                                                                       damit der Salat nicht zu kalt ist und wieder
- Salz und Pfeffer                                                                                     auf Zimmertemperatur kommen kann.

Passend nicht nur zur Jahreszeit empfiehlt sich dazu ein schwarzer          te Weihnachten und einen guten Rutsch in ein fröhliches, erfolgrei-
Tee mit Zucker und Zitrone.                                                 ches und gesundes Jahr 2022!
   Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Nachkochen und „Dobrú                                                                      Norbert Hecht
chuť“/“Guten Appetit“ sowie eine besinnliche Adventszeit, gesegne-

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Jugendblatt

„Es gibt immer jemanden,                                                                       Das Gespräch führte Hubert. Er interviewt das
                                                                                               ganze Jahr über Mitglieder der Karpatendeut-
                                                                                               schen Jugend für die Reihe „KDJ auf ein Wort“.

dem wir nicht gleichgültig sind“
Radoslav Páleš ist ein engagierter Lehrer, der in seiner Freizeit auch eine hervorragende Arbeit für das
Karpatenblatt leistet. Im Gespräch verrät er, was seine Lieblingsfächer in der Schule waren und wie er
die Coronazeit erlebte.
Woher kommst du und welche Schule hast du besucht?                         Welche Beziehung hast du
Ich komme aus Martin und ich habe die Philosophische Fakultät der Uni-     zur deutschen Sprache?
versität Eperies/Prešov besucht.                                           Eine sehr positive. Deutsch
                                                                           begleitet mich seit mehr als
Du bist selber Lehrer für Englisch und Deutsch. Was waren deine            zwei Jahrzehnten – seit dem
Lieblingsfächer in der Schule?                                             Jahr 2000, als ich anfing, es
In der Grundschule waren meine Lieblingsfächer Slowakisch, Deutsch,        offiziell zu lernen. Eine ziem-
aber teils auch Chemie, wenn ich mich gut erinnere. In der Mittelschule    lich große Motivation beim
dann vor allem Englisch.                                                   Deutschlernen war für mich
                                                                           zum Beispiel der Musiksender
Wie kommt man von der Arbeit als Lehrer zur Stelle als Kulturas-           VIVA, den es leider nicht mehr
sistent des Instituts für Auslandsbeziehungen beim Karpatenblatt?          gibt. Ich besuche sehr gerne
Persönlich fand ich dieses Angebot sehr interessant, für sechs Monate      deutsche Städte, ich lese gern
ifa-Kulturassistent zu werden. Da die deutsche Sprache heute an vielen     auf Deutsch und unterhalte
Schulen wirklich im Hintergrund steht, war es meine Absicht, Deutsch       mich gern auf Deutsch.                  Rado stammt ursprünglich
ein bisschen populärer zu machen und auf seine Attraktivität hinzuwei-                                           aus Martin und ist seit Sommer
sen, da die deutschsprachigen Länder der Slowakei geografisch sehr         Jetzt befinden wir uns in der     ifa-Kulturassistent beim Karpatenblatt.
nahe liegen.                                                               nächsten Corona-Welle. Wie
                                                                           hast du die vorherigen Lockdowns erlebt?
Was sind deine Schwerpunkte in der Redaktion?                              Die vorherigen Lockdowns habe ich zu Hause verbracht und von zu Hau-
Mein Schwerpunkt ist es, die Online- und Social-Media-Auftritte des Kar-   se aus gearbeitet.
patenblattes zu stärken.
                                                                           Was sind deine Tipps für die Jugend, die Corona-Zeit psychisch
                                                                           gesund zu überstehen?
                                                                           Wenn es um Online-Unterricht geht, werden die Jugendlichen in zwei
                                                                           Gruppen eingeteilt, wobei eine Gruppe sich mit dem Online-Unterricht
                                                                           wohler fühlt, als mit dem Präsenz-Unterricht. Für die zweite Gruppe ist
                                                                           das Online-Lernen eine enorme Belastung, da es eine hohe Konzent-
                                                                           rationsfähigkeit erfordert. Wer auf der „anderen“ Seite steht, sollte sich
                                                                           dessen bewusst sein.
                                                                               Diese Situation allgemein kann sicherlich besser gehandhabt wer-
                                                                           den, indem wir uns nicht isolieren, sondern versuchen, unsere Gefühle
                                                                           und Sorgen mit jemandem, der uns nahe steht, zu kommunizieren, seien
                                                                           es Eltern, Freunde oder sogar Lehrer. Es ist eine schwierige Frage, weil
                                                                           es leicht ist, darüber zu sprechen, aber es ist ein bisschen schwieriger,
                                                                           es umzusetzen. Aber man sollte nicht vergessen: Es gibt immer jeman-
                                                                           den, dem wir nicht gleichgültig sind.

                                                                           Was wünschst du dir für das Jahr 2022?
                                                                           Ich wünsche mir vor allem Gesundheit für alle!

                         2019 in San Francisco                              Schöne Erinnerung an Bamberg 2009: Rados erster Deutschland-Besuch

IV
Deutsche Sprache

Rafael Szabó – Ein (un)vergessener Schriftsteller
”Sie haben nicht aufgegeben. Der Funken der Hoffnung hat stets gebrannt.“ schreibt Rafael Szabó in
seinem bekanntesten Werk ”Kino Apollo“. Das Werk spielt im Leben des karpatendeutschen Schrift-
stellers aus Schmöllnitz/Smolník in der Unterzips eine bedeutende Rolle.
Die Werke von Rafael Szabó sah ich das erste Mal auf verschiede-
nen bunten Titelseiten. Sein Stil war für mich sofort interessant, da er
mich an die 1990er Jahre erinnerte. Mein erster inhaltlicher Eindruck
ist, dass ich den Unterschied zu den großen Ausgaben von mehreren
Zeitzeugenberichten bemerke, an denen auch Historiker mitarbeiten.
Bei Szabó handelt es sich aber um mehrere (auto-)biografische Ro-
mane, die nicht von mehreren Historikern gemeinsam verfasst wur-
den, sondern nur auf ihn zurückgehen.
    Trotz seiner erfolgreichen Karriere und Familiengründung ent-
schied sich Rafael Szabó seine Erinnerungen für die Öffentlichkeit
zu bewahren. Dieses Jahr hätte er seinen 98. Geburtstag gefeiert.
Er wurde 1923 in Schmöllnitz/Smolník geboren und war der Sohn
von Rudolf und Anna, den Gründern des Kinos Apollo. Gerade das
Kino erscheint in einigen seiner Werken als ein zentraler Punkt. Es
liegt nicht nur in seinem passiven Interesse, sondern ist auch ein
Ausdruck der oft an Finanznot grenzenden Verantwortlichkeit für die
kulturelle Entwicklung seiner Heimatstadt.

Ein außergewöhnliches Werk: Kino Apollo
Zu den ungewöhnlichen Werken auf unserem Gebiet gehört sein
Werk „Kino Apollo – die erste und letzte Filmvorführung“ (Kino Apollo              Rafael Szabó stammt aus Schmöllnitz in der Unterzips.
– Prvé a posledné filmové predstavenie). Der Geschichte des Kinos
                                                                          mladosť“ (Belogene Jugend), „Schwer war der Weg“ (Ťažká bola
widmete er eine Broschüre und stellte auf 76 Seiten nicht nur proji-
                                                                          cesta) und „Dom spomienok“ (Haus der Erinnerungen) spielen in der
zierte Filme vor, sondern fasste auch technische Merkmale, Finan-
                                                                          Nachkriegsslowakei. Andere Romane wie „Bebeks Untergang“ (Be-
zen und den historischen Kontext des 20. Jahrhunderts zusammen.
                                                                          bekova skaza), „Čierny orol“ (Schwarzer Adler) und „Cisárova milosť“
Ein Teil der Publikation ist den Gründern des Kinos gewidmet. Dabei
                                                                          (Kaisers Gnade) spielen im 16. Jahrhundert. Aber das ist schon ein
beschreibt der Autor die Umgebung von Schmöllnitz und erläutert
                                                                          anderes Thema.
auch geografische Angaben. Da der Autor über laienhafte histori-
                                                                                                                       Mgr. Diana Balogáčová
sche Kenntnisse verfügt, fügt er in einem Abschnitt die Grundzüge
der technologischen Revolution des 18. Jahrhunderts hinzu.
                                                                                       Die Autorin ist Doktorandin am Institut für Germanistik,
    Szabó hatte Ökonomie studiert und als Sekretär für den Direktor
                                                                            Nederlandistik und Skandinavistik der Philosophischen Fakultät
einer Tabakfabrik gearbeitet, bevor er dann von 1945 bis 1964 in
                                                                                             der Comenius-Universität in Preßburg/Bratislava
dem verstaatlichten Kino als einfacher Verwalter tätig war. Zu dieser
                                                                                                                  (Quellen: www.skcinema.sk,
Zeit war das Kino umbenannt worden und hieß Kino Varšava. Im Jahr
                                                                                                                             www.cassovia.sk)
1964 zog Szabó mit seiner Fa-
milie nach Kaschau/Košice und
so wurde nach zwanzig Jahren
das Kino Varšava geschlossen.
    Ab den 1980er Jahren wid-
mete sich R. Szabó dann dem
Malen auf Eisenschlacke, die
er bei einem der Spaziergänge
bei Schmöllnitz entdeckte, wor-
auf er in seinem Werk „Medená
doska“ verweist. Dieses Werk
ist ein reportageartiger Exkurs
in die künstlerische Tätigkeit
in Schmöllnitz. Der Autor und
Künstler konnte seine Kunstwer-
ke auf mehreren Ausstellungen
präsentieren und war darüber hi-
naus auch musikalisch begabt.
Er spielte Geige, Harmonium
und Orgel.
    Am Anfang seiner literari-
schen Tätigkeit schrieb er auf
Slowakisch, später hatte er die
Möglichkeit, seine Romane
selbst ins Deutsche zu über-
setzen. Seine Werke spielen
meist in der Zeit zwischen dem
16. und dem 20. Jahrhundert.
                                      „Schwer war der Weg“ spielt in der Nachkriegszeit.               Szabós Werk über das Kino Apollo
Die Handlung von „Oklamaná

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