Landeinwärts Eine Ausstellung des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen & Künstler e. V. (BVBK) - Landtag Brandenburg
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Kunst im Landtag Brandenburg
Landeinwärts
Eine Ausstellung des Brandenburgischen Verbandes
Bildender Künstlerinnen & Künstler e. V. (BVBK)Inhalt
04 16 28 39
Vorwort Christa Katja Roland
Panzner Gragert Eckelt
06 18 30 40
Landeinwärts Christiane Larissa Rosa Sabrina
Bergelt Lackner Jung
08 19 31 41
Adelheid Christiane Lothar Stephane
Fuss Wartenberg Seruset Leonard
10 20 32 43
Andrea J. Conrad Matthias Susken
Grote Panzner Körner Rosenthal
12 21 33 44
Anna Gabriele Micha Ulrike
Arnskötter Konsor Brendel Hogrebe
13 23 35 45
Anne Ingar Mireia Brandenbur
Heinlein Krauss Tort Nasarre gischer
Verband
14 25 36 Bildender
Carola Jutta Monika Künstlerinnen
Czempik Pelz Schulz-Fieguth und Künstler
e. V.
15 27 38
Carsten Kathrin Peter
Hensel Harder Panzner
3Liebe Besucherinnen und Besucher, Brandenburg ist Vielfalt: Altes und Neues, Eigenes und Fremdes, Stadt und Land, Natur und Kultur – all dies und vieles mehr ergänzt sich zu einem un- vergleichlichen Lebensgefühl. Die neue Ausstellung im Landtag spiegelt diese Vielfalt wider und richtet den aufmerk- samen Blick in die weite Fläche: „Land- einwärts“ lädt ein zur Wanderung durch die Regionen Brandenburgs, zu ihren Künstlerinnen und Künstlern und zur Aus- einandersetzung mit Bildender Kunst. Die Perspektiven sind so unterschiedlich wie die Stilmittel und Arbeitstechniken der hier vertretenen Kunstschaffenden. In der Ausstellung sind Zeichnungen, Grafiken und Gemälde ebenso zu sehen wie Skulpturen oder Fotografien. Deutlich wird dabei auch, wie sehr sich Branden- sorgt für Förderungen und entwickelt Ver- burg verändert hat und noch verändert. mittlungsformate. Zu seinem 30-jährigen Vertrautes wechselt mit Neuem, ja Bestehen stellt der Verband im Landtag Experimentellem, mit der Wirklichkeit Brandenburg aus. Das Parlament und ändert sich auch der Blick auf sie. Die die Politik brauchen diese Reflexion, Ausstellung kann nur einen Moment die Sichtweisen und Meinungsbilder, aus dem bildkünstlerischen Schaffen auch kritische. Dabei gilt es ebenfalls, in Brandenburg festhalten. Längst ent- Darstellungen und Problemlösungen zu stehen wieder neue Ideen, Konzepte finden, Veränderung zu gestalten und und Arbeiten. Gerade während und nach zugleich Bewährtes zu schützen. Der der Coronapandemie gibt es viel zu ver- Landtag ist genau der richtige Ort für kraften und neu zu planen. „Landeinwärts“. Der Brandenburgische Verband Bildender Mein herzlicher Dank für diese Künstlerinnen und Künstler ist Ansprech- spannende Ausstellung gilt allen Künst- partner für aktuelle Bildende Kunst in lerinnen und Künstlern sowie ihrem Brandenburg. Er vereint seine Mitglieder, starken Verband, der Vorsitzenden Jutta vertritt ihre Interessen, organisiert Aus- Pelz und der Geschäftsführerin Petra stellungen, führt Wettbewerbe durch, Schmidt Dreyblatt. 4
Ich wünsche allen Besucherinnen
und Besuchern der Ausstellung – ob
im Landtagsgebäude oder auf dem
digitalen Rundgang – viele Ent-
deckungen und Anregungen.
Ihre
Prof. Dr. Ulrike Liedtke
Präsidentin des Landtages Brandenburg
5Landeinwärts
Eine Ausstellung des Brandenburgischen Verbandes
Bildender Künstlerinnen & Künstler e. V. (BVBK)
Anna Arnskötter Sabrina Jung
Christiane Bergelt Gabriele Konsor
Micha Brendel Matthias Körner
Carola Czempik Ingar Krauss
Jana Debrodt Larissa Rosa Lackner
Roland Eckelt Stephane Leonard
Adelheid Fuss Mireia Tort Nasarre
Katja Gragert die Familie
Christa, Conrad und Peter Panzner
Andrea J. Grote
Jutta Pelz
Kathrin Harder
Susken Rosenthal
Carsten Hensel
Lothar Seruset
Anne Heinlein
Monika Schulz-Fieguth
Birte Hoffmann
Christiane Wartenberg
Ulrike Hogrebe
6Der Brandenburgische Verband nahme auf den sozialen, kulturellen,
Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V. ökonomischen und politischen Referenz-
präsentiert im Landtag die Ausstellung rahmen beständig erweitert wird.
„Landeinwärts“ mit künstlerischen Die ausgewählten Positionen erkunden
Positionen, die exemplarisch für die die Fragen der Gegenwart und erzählen
Vitalität, Diversität und Innovation der von verborgenen und offenkundigen
Brandenburger Kunstlandschaft stehen. Transformationsprozessen. Spannungs-
Die Ausstellung „Landeinwärts“ richtet felder zwischen Natur und Landschaft,
den Blick auf das zeitgenössische Kunst- Gesellschaft und Kultur, Zugehörig-
schaffen im Flächenland Brandenburg, keit und Mentalität sowie zwischen
das sich seit der politischen Wende Zeitgeschichte und Erinnerungskultur
kontinuierlich verändert und weiter aus- werden neu ausgelotet.
differenziert.
Gerade in jüngster Zeit begeben sich Alle Arbeiten der Ausstellung ermöglichen
Künstlerinnen und Künstler verstärkt die kritische Reflexion und den Transfer
in die urbanen und ländlichen Räume von Wissens- und Erfahrungshorizonten
des Landes, sei es langfristig oder auf höchstem professionellem Niveau.
temporär. Neue Dialoge, Kooperationen Damit geben sie Einblicke in die landes-
und Bündnisse etablieren sich zwischen weite Vielfalt an künstlerischen Aus-
den Regionen, Generationen und künst- drucksformen, die das kritische Potenzial
lerischen Sparten. und die unentbehrliche Rolle der Kunst
Die in der Ausstellung präsentierten für die Sinnstiftung und Deutung der Welt
Künstlerinnen und Künstler verweisen mit manifestieren.
ihren Arbeiten auf die sich verändernde
künstlerische Praxis, die um neue künst- Petra Schmidt Dreyblatt,
lerische Fähigkeiten, konzeptionelle Geschäftsführerin des BVBK
Herangehensweisen, aktuelle Bezug-
7Adelheid Fuss „Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der seiner Bewegung und seiner Position im Mensch. Ich sehe ihn als Wesen, das Raum Inhalte vermittelt. keinen festen Ort in der Welt hat, sondern Mich interessiert besonders die Wechsel- seinen Platz immer neu finden muss. wirkung von Strukturen und handelnden Seine Suche nach Beständigkeit muss Wesen und von Individuen innerhalb scheitern, da weder Instinkte noch Vor- einer Gruppe. Dazu gehören die Themen- stellungen von stabilen Gesellschafts- komplexe Ordnung und Wandel, die systemen sein Handeln in feste Bahnen ich als gegensätzliche Pole begreife. lenken können. Ordnung und Wandel Dazwischen gibt es einen Bereich der bestimmen sein Leben. Diese beiden Unruhe und mittendrin der Mensch mit Aspekte werden in meiner Arbeit erfahr- seinen essenziellen Ordnungen zum bar. Körper, Bewegung und Raum spielen einen und seiner Lust an bzw. seiner dabei eine besondere Rolle. Der Körper Furcht vor Veränderung zum anderen.“ wird zum Bedeutungsträger, der mit Spielfeld, 2019–2020, Paperclay, Installation im Landtag Brandenburg 8
Adelheid Fuss (*1977 in Sibiu, Rumänien) Kunststipendium. Adelheid Fuss wurde
reiste mit 10 Jahren nach Deutschland 2021 mit dem Brandenburgischen
aus. 1997/98 studierte sie Romanistik Kunstpreis für Grafik der Märkischen
und Slawistik in Tübingen und begann Oderzeitung und der Stiftung Schloss
1999 mit ihrer Ausbildung zur Holz- Neuhardenberg ausgezeichnet und
bildhauerin in Flensburg. Von 2002 bis erhielt in der Edition „Signifikante
2009 studierte sie bei Prof. Bernd Göbel Signaturen“ eine Katalogförderung der
Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Kunsthochschule Halle. Sie erhielt ver-
schiedene Stipendien, u. a. ein Eras- Seit 2012 lehrt sie an der Kunstschule
mus-Stipendium für die Hochschule der Potsdam e. V. Adelheid Fuss lebt und
Bildenden Künste Athen (2005–2006) arbeitet in Potsdam als freischaffende
und 2018 das Wilhelm-von-Kügelgen- Künstlerin.
9Andrea J. Grote
„Nicht nur die Liftstationen, die aussehen Andrea J. Grote (*1965 in Lawrence,
wie blinkende Ufos, die im Schnee ge- Massachusetts, USA) schloss die Hoch-
landet sind, sondern auch die künstlichen schule der Künste Berlin 1995 mit dem
‚Schneeberge‘ verwandeln die Land- Meisterschülertitel ab.
schaft in eine träumerisch-surreale, aber Während der Studienzeit gewann sie
auch absurde und teilweise befremd- 1990 den ersten Preis im Wettbewerb
liche Szenerie. Diese großen ‚Schnee- „oltre il muro“ für ein Langzeit-Foto-
haufen‘ bestehen aus dem im Frühjahr projekt. Im Anschluss an ihr Studium er-
zusammengeräumten Schnee, der im hielt sie ein Erasmus-Stipendium, das sie
Sommer gekühlt in Bergkuhlen lagert. für sechs Monate nach Paris an die École
Unter einer dicken Styropor- und Plastik- nationale supérieure des beaux-arts de
schicht verborgen, wartet er bis zur Paris führte. Neben Einzelausstellungen
folgenden Skisaison, die deshalb schon und Gruppenausstellungen nimmt Andrea
im Herbst beginnen kann. J. Grote seit 2014 verstärkt an Bildhauer-
Auf dem noch grünen Gras verteilen symposien und Wettbewerben im In- und
die Pistenraupen dann den Schnee in Ausland teil (2015: „Lebenselixier“, Bad
dünnen Bahnen den Berg hinab. Die Schlema; 2016: „Spektrale VII“, Luckau;
kreischend lauten und riesigen Pisten- 2017: „Das Labyrinth der Freiheit“, Davos/
fahrzeuge erinnern an umgekippte, Schweiz; „aquamediale“, Lübben usw.).
strampelnde Käfer, die sich wie surreale 2020 und 2021 erhielt sie die Mikro-
gefräßige Monster die Erde aneignen. stipendien I und II des Ministeriums für
Wie archäologische Gerippe unbekannter Wissenschaft, Forschung und Kultur des
Tiere lagern die Sessel der Lifte im Landes Brandenburg.
Sommer im Tal.“ Die Künstlerin lebt und arbeitet in Klein-
machnow, Brandenburg, und Tirol (Öster-
reich).
10o. T. (Zweitausender, 23.8.2018, 1 min), Farbfotografie
11Geäst, 2018, Linolschnitt
Anna Arnskötter
„Die Türme und Turmhäuser von Anna Anna Arnskötter (*1961 in Greven, West-
Arnskötter sind standfeste Bauten. Sie falen) studierte von 1980 bis 1984
streben nicht nach göttlicher Macht, an der Freien Akademie Nürtingen
sondern sind als besondere, sichtbare mit Schwerpunkt Bildhauerei und
Orte des Schutzes gebaut. Sie wirken keramische Plastik und zog an-
archaisch und zugleich futuristisch. Zeit- schließend nach Berlin. 2000 wurde
los. Es sind Elementarräume, angelehnt sie mit dem Förderpreis der Darm-
an Reservoire und landwirtschaftliche Be- städter Sezession ausgezeichnet.
hältnisse, Wasser- und Leuchttürme und Die Künstlerin erhielt 2002 das Sti
Räume stiller Andacht. Sie sind aber auch pendium Sommeratelier des Kunst-
von Bautechniken aus der Tierwelt wie vereins Greven, 2003 ein Stipendium
Netzen, Waben und Erdgängen inspiriert. der Käthe-Dorsch-Stiftung sowie einen
Sie verbinden in ihrer Form und in ihrer Werkvertrag mit der Künstlerförderung
lebendigen Oberfläche die Kraft von Natur des Landes Berlin.
und Mensch, Erde, Licht und Schatten, Seit 1990 stellt sie ihre Skulpturen und
Wasser und Feuer.“ – Helen Adkins Grafiken regelmäßig in Einzel- und
Gruppenausstellungen in Deutsch-
land und Europa aus. Sie ist Mitglied
in der Holzschneidervereinigung
Xylon Deutschland e. V. Seit 2007 lebt
und arbeitet sie als Bildhauerin und
Grafikerin in Lentzke, Brandenburg.
12Anne Heinlein
„’Wüstungen‘ ist eine Arbeit über Orte an Anne Heinlein (*1977 in Potsdam,
der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Brandenburg) studierte, nach einer Aus-
Im Auftrag der DDR-Regierung wurden bildung zur Fotografin, künstlerische
10 000 Menschen aus ihrer Heimat ver- Fotografie an der Hochschule für Grafik
trieben. Viele der Dörfer haben eine und Buchkunst Leipzig. Dort machte sie
Geschichte, die bis in das Mittelalter 2006 ihr Diplom im Fach Bildende Kunst
reicht. Jahrhundertelanger Familienbesitz bei Prof. Timm Rautert.
wurde Staatseigentum und militärisch Für ihre Arbeiten erhielt sie mehrmals das
genutzt. Dörfer sind verschwunden, weil Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des
sie am falschen Ort waren. Die Menschen Landes Brandenburg, die Kunstförderung
wurden vertrieben, zwangsumgesiedelt, der Land Brandenburg Lotto GmbH, den
enteignet, weggeschickt. ‚Wüstungen‘ Nachwuchsförderpreis für Bildende Kunst
lebt von der Erfahrung der Orte durch des Kulturministeriums Brandenburg, das
Fotografie, durch das Dagewesensein Aufenthaltsstipendium für Bildende Kunst
bei gleichzeitiger Abwesenheit des Ge- im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop
schehenen. ‚Wüstungen‘ setzt auf das und das Arbeitsstipendium der Stiftung
Rätsel, auf das Wissen und die Vor- Kunstfonds.
stellungskraft des Betrachters. Heinleins Ihre Arbeiten stellt sie seit 2006 in
Bilder der ehemaligen Orte sind stille zahlreichen Einzel- und Gruppenaus-
Bilder, die dem Betrachter Raum geben stellungen aus. Sie spricht und dis-
zum Assoziieren und Imaginieren. Die kutiert ihre Arbeiten öffentlich in Artist
Arbeit entstand zusammen mit Göran Talks, themenbezogenen Symposien
Gnaudschun als Ausstellung und Buch.“ und Vorträgen. Die Künstlerin lebt und
arbeitet in Potsdam.
Groß Grabenstedt, 2008, Pigmentdruck
13Carola Czempik
„Innerhalb ihres malerischen Arbeits- Carola Czempik (*1958 in Hildesheim,
prozesses verwendet Carola Czempik Niedersachsen) studierte an der Hoch-
eine von ihr eigens entwickelte Ge- schule der Künste Berlin Freie Malerei
steinsmehltechnik. Sie dekonstruiert und Bildhauerei. Sie schloss als Meister-
das Material, entfremdet es seiner Her- schülerin in Malerei ab. Davor absolvierte
kunft und fügt es in eine neue Ordnung. sie ein Studium der Germanistik, Film-
Prozessorientiert schichtet sie ge- und Theaterwissenschaft an der Freien
mahlenen Basalt, Granit, Quarz, Schiefer, Universität Berlin sowie ein Studium des
Alabaster, Tonerden und Salz im Zu- „Mime Corporel Dramatique“ und des
sammenspiel mit farbigen Pigmenten, modernen Tanzes bei verschiedenen
Wasser und speziellen Bindemitteln in Gasttänzern an der Hochschule der
feinsten Schichten auf die Malträger. Salz Künste Berlin. 2008 bekam sie den
als Urstoff des Lebens nimmt eine be- Isolde-Hamm-Preis für Malerei zu Sarah
sondere Stellung innerhalb ihrer Arbeits- Kirsch im Haus des Buches Leipzig
materialien ein. Carola Czempik hat verliehen. 2018 erhielt sie den Branden-
eine spezifische Kristallisationstechnik burgischen Kunstpreis für Malerei der
entwickelt, um dessen malerische Quali- Märkischen Oderzeitung und der Stiftung
tät sowie die unterschiedlichen Trans- Neuhardenberg. Carola Czempik lebt und
formationen im Zusammenspiel mit arbeitet seit 22 Jahren in Glienicke/Nord-
anderen Materialien zu untersuchen. Die bahn, Brandenburg.
erfahrene intensive Auseinandersetzung
des Körpers und seinen Verwandlungen
innerhalb der Tanztheaterarbeit lässt sie
zu einer künstlerischen Formensprache
finden, welche die Abwesenheit des
Körpers thematisiert und die Grenzen
zwischen Haut, Körperraum und Kleid
fließend gestaltet. Besonderes Interesse
gilt dabei dem Torso, der sein Äquivalent
in der Form des Leibchens findet.“
Aschenhaarland 4 – aus gleichnamiger Serie, 2019,
Kobaltpigmente, Quarz, Alabaster, Talkum, Basalt und
Schiefermehl, Japanpapiere, Flachs, Zwirn, Wachs und
Acryl auf Leinwand
14Schwelle, 2014,
Performance Fotografie
Carsten Hensel
„Performatives Arbeiten gibt mir die Carsten Hensel (*1958 in Braunschweig,
Möglichkeit, künstlerische Methodik Niedersachsen) studierte 1982/83
und inhaltliche Auseinandersetzung Malerei/Film an der Hochschule für
miteinander in einen unmittelbaren und Bildende Künste Braunschweig. Von 1984
öffentlichen Infragestellungsdiskurs zu bis 1990 widmete er sich dem Studium
führen. Dabei werden Wahrnehmungs- der Malerei, Spiel/Bühne/Performance
prozesse und Artefakte generiert, die als an der Hochschule der Künste (HdK)
Installationen und Anordnungen prozess- Berlin, das er als Meisterschüler 1990
fragil im Präsentationsraum verbleiben abschloss. Sein Studium der Kunst- und
und gemeinsam mit den erinnerten Er- Erziehungswissenschaften, Architektur,
lebnissen subjektiver Wahrnehmung den Design und Philosophie an der HdK
normativen Betrachtungsprofilen gegen- Berlin (1995–2000) beendete er mit dem
übertreten. Staatsexamen.
Beide, Artefakt und der erinnerte Per- Carsten Hensel lebt und arbeitet in Pots-
formance-Prozess, helfen oder er- dam und ist seit 2005 Vorstandsmitglied
schweren, die als offen, einfach und be- im Brandenburgischen Kunstverein Pots-
fragungswürdig intendierte künstlerische dam e. V. Seit 2010 führt er Installationen
Arbeit zu entdecken. und Performances im In- und Ausland
Meine Performances sind eine Konzen durch, u. a. 2018 im Neuen Atelierhaus
tration auf das Abseitige. Sie sind ein Panzerhalle in Potsdam, 2019 im Palazzo
Bündnis zwischen Vorhersehbarem und Moretti in Pozzuolo Umbro, Perugia,
Nicht-Vorhergesehenem.“ Italien, und im Kunstraum Potsdam sowie
2020 im Kunstverein KunstHaus Pots-
dam.
15Christa Panzner
„Singulär ist in meiner Malerei und Grafik schehens (Gartenbilder). Ich versuche,
immer die sinnliche Wahrnehmung der Angst vor den Folgen unbeherrsch-
des Gegenstands. Die geistigen Aus- barer gesellschaftlicher und ökologischer
einandersetzungen finden vor Beginn Prozesse durch Vereinfachungen,
der Arbeit statt, die abstrahierenden nicht durch komplizierte Darstellungs-
gestalterischen Prozesse unmittelbar weisen, metaphorische Bedeutung zu
auf dem Untergrund. Deutliche Spuren geben – fußend auf Traditionslinien
konventioneller und moderner Mittel und der beispielhaften artifiziellen Aus-
sind in ihrer Verschiedenartigkeit zur drucksweise von Kindern. Seit 2009
Steigerung des Vortrags gewollt. Inhalt- mache ich in Serien oder Einzeldrucken
lich bewege ich mich gern im Gegen- am PC Grafiken. Sie haben mir große
sätzlichen oder an den Berührungs- und Experimentier- und Spielmöglichkeiten
Reibungslinien von Ruhe und Bewegung erschlossen. Dazu benutze ich einen
(Land/Meer), manchmal aber auch ganz 8-Farb-Inkjetdrucker und Spezial-
im stabilisierenden Zentrum eines Ge- papiere.“
Adaption nach PMB, 2016,
Acryl auf Leinwand
16Christa Panzner studierte von 1972 bis 2021 war Christa Panzner regelmäßig
1977 an der Kunsthochschule Berlin- auf der „Art Brandenburg“, den Aus-
Weißensee. Sie ist Mitglied im Berufs- stellungen zum Brandenburger Kunst-
verband Bildender Künstlerinnen und preis und den Auktionen im Kunstpavillon
Künstler (BBK) und lebt als freischaffende Heringsdorf vertreten.
Künstlerin in Niedergörsdorf/OT Oehna, Wichtige Ausstellungen seit 2015 waren:
Brandenburg. „Schlachten – DISPLACED 2015“ in der
Seit 1991 lehrte sie Malerei und Grafik an Mendelsohnhalle Luckenwalde,
der Kunstschule Potsdam e. V. Wichtige „Made in Potsdam“ im Kunstraum Pots-
Studienreisen führten sie u. a. nach dam (2016), „Die wilden 80er Jahre in
Bulgarien, Ungarn, Dänemark, Kuba, der deutsch-deutschen Malerei“ im
Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Potsdam Museum (2016), „Erzählte
Mexiko, Namibia, Russland, Tschechien Geschichten: Grafikserien aus den
und Ägypten. Jahren 1970–2000“ im Landtag Branden-
Ihre Arbeiten wurden im In- und Ausland burg (2017), „Kleine Formate“ in der
in zahlreichen Einzel- und Gruppenaus- Produzentengalerie M, Potsdam (2017),
stellungen präsentiert: u. a. in Berlin, „Körperhaft“, GEDOK Brandenburg,
Bonn, Budapest, Damaskus, Dresden, Rangsdorf mit Sylvia Hagen (2018) und
Groningen, Leipzig, Minsk, Prag, Pots- „Wanderungen durch die Mark Branden-
dam und Windhoek. Zwischen 2005 und burg“, Glashütte (2019).
17bank mandorla, 2014–2020,
Mischtechnik auf Papier
Christiane Bergelt
„Bilder als Ansammlungen, Überbleibsel ein Postgraduiertenstipendium für Groß-
vom Tun und vom Lassen. britannien. Stipendien des Deutschen
Erst bewegungslos, dann flink wie Akademischen Austauschdienstes
sonnenbadende Eidechsen tauchen förderten Christiane Bergelts Arbeitsauf-
Figuren in Bildräumen auf und ab. Häufig enthalte auf Island.
dient Papier als Bildträger. Die Tätig- Das viermonatige Aufenthaltsstipendium
keit als Malerin entzündet sich an Farb- im Künstlerhaus Schloss Wiepers-
räumen und Körpern. Ereignisse, Worte dorf (2014), der Nachwuchsförderpreis
und Ideen sind notwendige Störfelder, für Bildende Kunst (2017) und das
um zum Format hingebeugt herauszu- Stipendium Arbeitspaket (2020) vergab
finden, wann und warum es ein Bild ist.“ das Land Brandenburg. Im Jahr 2020
fanden erste museale Einzelausstellungen
Christiane Bergelt (*1982 in Marienberg, der Künstlerin in den Kunstsammlungen
Sachsen) schloss das Master-of-Fine- Chemnitz – Museum Gunzenhauser in
Arts-Studium am Chelsea College of Art Chemnitz und im Brandenburgischen
in London ab. Sie studierte Freie Malerei Landesmuseum für moderne Kunst
an der Akademie der Bildenden Künste (BLMK) in Frankfurt/Oder statt.
in Nürnberg und graduierte als Meister- Christiane Bergelt lebt und arbeitet seit
schülerin. Als Stipendiatin der Studien- zehn Jahren in Chorin und Angermünde,
stiftung des deutschen Volkes erhielt sie Brandenburg.
18Christiane Wartenberg
„Aus Bildern entstanden einst unsere Christiane Wartenberg (*1948 in
Buchstaben. Hier auf den Schrifttafeln Magdeburg, Sachsen-Anhalt) studierte
werden Worte, Satzbrocken und Sätze von 1969 bis 1974 Bildhauerei an der
wieder in Bilder verwandelt. Hand- Kunsthochschule Berlin-Weißensee,
geschrieben in meinem unsicheren, wo sie nach 1989 zwei Gastdozenturen
doch widerständigen Duktus. Um so innehatte. Sie ist seit 1974 freischaffend
die äußerst genaue, zugleich zarte tätig und arbeitet zu Räumen und für
und radikale Sprache, von Kleist vor Räume in den Bereichen Bildhauerei,
200 Jahren erdacht, in meinen und Kunst am Bau, Grafik und Zeichnung.
unseren Alltag zu holen ...“ An ihrem Wohn- und Arbeitsort in einem
„Loose-Gehöft“ im Oderbruch (ab 1993)
organisiert sie seit 2007 jedes Jahr
interdisziplinäre Projekte zu Themen des
Oderbruchs. Im gleichen Jahr gründete
sie den Loose Art Verlag für Künstler-
bücher zum Oderbruch.
Ausgestellt hat sie u. a. in Mexiko,
Ungarn, Syrien, Israel, Niederlande,
Polen, Dänemark, DDR und BRD. Ihre
Arbeiten befinden sich in öffentlichen und
privaten Sammlungen.
2011 erhielt sie den „Kunstpreis Sabine
Hoffmann“, Stuttgart, 2015 den Branden-
burgischen Kunstpreis für Grafik der
Märkischen Oderzeitung und der Stiftung
Schloss Neuhardenberg für das Künstler-
buch „Quickie Kleist“ und 2019 den
Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des
Landes Brandenburg für ihr Lebenswerk.
Ich kann mich nicht vernichten ..., 2011,
Acryl auf Abfallresten von Spargelfolien
19Spreeinseln Beeskow, 2019, Tusche, Beize, Linoldruckfarbe auf Chinapapier
Conrad Panzner
„Meine Arbeitsweise gleicht ein wenig der teil. 2002/2004 studierte er Grafik bei
eines Archäologen. Jede Arbeit ist der Prof. Jürgen Schieferdecker in Dresden.
erneute Versuch, etwas zu finden, etwas Seit 2011 arbeitet er als freischaffender
aufzudecken, das schon da war, irgend- Maler/Grafiker und lehrt an der Kunst-
wo drinsteckte, bisher aber verborgen schule Potsdam.
blieb. Eine Suche nach Komposition, Den Nachwuchsförderpreis für Bildende
Farbigkeit, Struktur, dem Zusammen- Kunst des Landes Brandenburg erhielt
passen. Das Schaffensprinzip ist offen, er 2018 und im darauffolgenden Jahr war
mit Pinsel und Farben, Kreide, Papieren, Conrad Panzner Artist in Residence auf
Leim und anderen einfachen Mitteln ent- der Burg Beeskow.
stehen Bildzustände, die in andauernder Seine Werke stellte er u. a. 2019 im
Überarbeitung hoffentlich das Gesuchte Rathaus Kleinmachnow, 2015/16 in
zutage fördern.“ der Staatsoper Berlin, 2014 in der
Produzentengalerie M in Potsdam und
Conrad Panzner (*1979 in Potsdam, 2013 in der Neuen Galerie in Wünsdorf-
Brandenburg) studierte von 2000 bis Waldstadt bei Zossen aus. Der Künstler
2007 Landschaftsarchitektur an der war an zahlreichen Ausstellungen u. a.
Technischen Universität Dresden. Ab beim Kunstpreis Brandenburg, im Kunst-
1998 nahm er an Symposien der Batuz pavillon Heringsdorf und bei den „Kunst-
Fondation in Altzella, Sachsen, sowie Loosen-Tagen“ im Oderbruch beteiligt.
an Kursen der Kunstschule Potsdam
20Gabriele Konsor
„Transformation ländlicher Rollen- in einer interdisziplinären Kooperation
bilder: Das Kunstprojekt STRODISIGN von Kunst und Design das Modell eines
begann 2016 im brandenburgischen zeitgenössischen Kittelkleids entstand.
Dorf Strodehne. Die traditionelle Kittel- 40 Dorfbewohnerinnen gestalteten
schürze und das Muster der Gardine sich daraus jeweils ihre persönliche
der ehemaligen LPG-Essenküche des STRODISIGN-Kittelschürze: Alle sind
Dorfes sind die Elemente, aus denen gleich und jede ist anders.
STRODISIGN, 2016–2018, Rauminstallation im Landtag Brandenburg
21Dieser partizipatorische Prozess wird für Birte Hoffmanns großformatige ‚Landeinwärts‘ in eine Rauminstallation Fotos sind Porträts von Strodehner überführt, die eine Skulpturengruppe Frauen in STRODISIGN-Kleidung, in von Gabriele Konsor, die großformatigen ihrem persönlichen Handlungs- und Porträtfotografien von Birte Hoffmann Lebensumfeld aufgenommen. und die originale LPG-Gardine in Be- Die Fotografierten setzen als Models die ziehung zueinander setzt. Gabriele Kunst-Kittel in Szene und hinterfragen Konsor hat für die Ausstellung einfache als Aktivistinnen Stereotype weiblicher Holzkreuze mit originalen STRODISIGN- Rollenbilder im ländlichen Kontext.“ Kitteln angekleidet und als ‚Kopf‘ eine Porträtzeichnung der jeweiligen Kittel- Gabriele Konsor, Bildende Künst- trägerin an ihnen befestigt. lerin, und Birte Hoffmann, Fotografin/ Für die Skulpturen arrangiert sie Vor- Kulturarbeiterin, betreiben seit 2014 in handenes und transformiert Bekanntes: Strodehne den „landmade.Kulturver- Die Ständer bestehen aus Objekten der sorgungsraum“. (ländlichen) Arbeitswelt, die Holzlatten Mit dialogischen Interventionen, die und die Rahmen mit den Zeichnungen das Dorf als Ursprungsort von Gemein- sind in Schuppen und Lager der Künst- wesen thematisieren, arbeiten die selbst lerin vorgefundenes Material. Das in der ernannten Kulturversorgerinnen an der Landwirtschaft vielfach genutzte blaue Neubestimmung von zeitgenössischer Erntegarn dient als technisches Ver- Kunst im ländlichen Kontext. bindungselement und als Gestaltungs- mittel. 22
Mare Triticum, 2017,
analoge Fotografie
auf Silbergelatinepapier
Ingar Krauss
„Seit ich aus Berlin in das Oderbruch der 1990er-Jahre eine große Zucker-
gezogen bin, habe ich mich vermehrt fabrik. Viele Leute aus der Umgebung
den Themen gewidmet, die quasi vor haben dort gearbeitet. Von der Fabrik ist
der Ateliertür liegen. Trotz industrieller nichts mehr zu sehen, die Gebäude sind
Landwirtschaft ist eine intensive Natur- längst abgerissen, um Platz zu schaffen
erfahrung noch immer selbstverständ- für einen Solarpark und eine Biogas-
licher Bestandteil des hiesigen Lebens anlage. Seit dem Wegfall der Zucker-
und man kann auch im 21. Jahrhundert quote vor drei Jahren lohnt sich die
manchmal etwas vom Animismus vor- Zuckerrübe im traditionellen Anbaugebiet
zeitlicher Ackerbaukulturen spüren. Mich Oderbruch kaum noch, vor allem wegen
interessiert das bildhafte Begreifen einer der enormen Transportkosten. Dabei
fragilen Einmaligkeit; ein Realismus, der war sie als Tiefwurzler in der Fruchtfolge
auf natürliche Art magisch ist.“ des Oderbruchs sehr wichtig für den
schweren, stoffwechselträgen Boden –
„Zuckerrüben sind Charakterfrüchte: darin durch keine andere Frucht wirklich
Keine Rübe ist wie die andere, jede für zu ersetzen. Sie fällt einer fragwürdigen
sich hat etwas Monolithisches. Der Spät- Politik zum Opfer, die dafür gesorgt hat,
herbst im Oderbruch war für mich seit dass die Weiterverarbeitung landwirt-
jeher geprägt von den lang gestreckten schaftlicher Erzeugnisse auf weit ent-
Zuckerrübenmieten am Feldrand. Ganz in fernte Standorte außerhalb Brandenburgs
der Nähe meines Ateliers gab es bis Mitte konzentriert wurde.“
23Ingar Krauss wurde 1965 in Ost-Berlin Erfurt und der Guardini Stiftung in Berlin
geboren. Nach handwerklicher Lehre, sowie in Galerien in Mailand, Paris, New
Arbeit als Theatertechniker an der York, Atlanta, Berlin und Leipzig.
Berliner Volksbühne und als Betreuer in Veröffentlichungen u. a. bei „Hatje
der Psychiatrie kam er Mitte der Neun- Cantz Verlag“, „Thames & Hudson“,
zigerjahre zur Fotografie. Seitdem war „powerHouse Books“, „Mondadori
er an zahlreichen internationalen Aus- Electa“, „Kerber Verlag“, „Skira Editore“
stellungen beteiligt, wie in der Hayward und „Hartmann Books“.
Gallery, London; dem Musée de l’Elysée, Er war Artist in Residence in Moskau,
Lausanne; dem Palazzo Vecchio, Turin, Dresden und Jena. Ingar Krauss
Florenz; und dem International Center of erhielt 2020 den Brandenburgischen
Photography Museum (ICP), New York. Kunstpreis in der Kategorie Fotografie
Einzelausstellungen seiner Arbeiten und 2021 den Kunstpreis Fotografie von
gab es u. a. im Goethe-Institut Paris, dem Lotto Brandenburg.
Velan Center in Turin, in der Kunsthalle
RÜBENTYPOLOGIE
Zechin, 2018,
analoge Fotografie
auf Silbergelatinepapier
24Jutta Pelz
Stadtlandschaft mit Anagramm II, 2017, Mischtechnik auf Leinwand
25„Jutta Pelz ist Malerin, Installations- Jutta Pelz (*1957 in Bonn, Nordrhein-
und Aktionskünstlerin. Ihr künst- Westfalen) absolvierte ein Studium der
lerisches Repertoire erstreckt sich bis Fächer Freie Kunst, Kunstgeschichte,
hin zu Kunst im öffentlichen Raum. Sie Kunstvermittlung, Romanistik und
arbeitet mit vielfältigen Medien, ins- „Lettres modernes“ an den Universitäten
besondere mit Fotografie, Collage Bonn, Mainz, Toulouse, Lissabon und
und textilen Materialien. Ihre orts- und Osnabrück. Sie ist Preisträgerin (1. Platz)
raumbezogenen Wortkunstwerke und der Wettbewerbe „KunstKonzept“ der
Textobjekte werden auch als Kunst am Stadt Brandenburg 1998 und 2003
Bau realisiert. In den hier ausgestellten sowie der „Spektrale IV“ zum Thema
Werken geht es um die Ausdehnung der „SchauplatzGegenwart“ in Luckau (2010)
Kommunikations- und Wahrnehmungs- mit der Installation „Brandenburg mein
räume von Kunst und um das Schaffen Land/abendland number ring“. Sie war
von Beziehungen zwischen Bildern, 2001 Artist in Residence im Schloss
Texten und topografischen Anhalts- Montelon, Burgund, gewann den Kunst-
punkten. Prozesse stadträumlicher am-Bau-Wettbewerb für den Schwimm-
Veränderungen stellen historisch und badneubau mit dem Wandbild „Netze“
kulturell übergreifende Verbindungen (1999) und den Kunst-im-öffentlichen-
her und öffnen den Blick für vertiefende Raum-Wettbewerb für eine Gasse mit
Sichtweisen. Bildkünstlerische Ver- den Textobjekten „Kommunikation“
fahren zitieren lokale Legenden, nehmen (2001) in Brandenburg an der Havel. Die
Anregungen aus dem gesellschafts- Künstlerin nahm an zahlreichen Einzel-
politischen Diskurs auf und verknüpfen und Gruppenausstellungen teil, wie
sie mit regionalen und überregionalen „Sehnsucht nach Landschaft“ (2018) in
Ereignissen.“ der Kunsthalle Bahnitz oder
„m i c r o m a n i a [,maɪkrəʊmeɪnɪə]“
(2020) in der Produzentengalerie M
in Potsdam. Sie lebt und arbeitet in
Brandenburg an der Havel und ist seit
2013 Vorstandsvorsitzende des Branden-
burgischen Verbandes Bildender Künst-
lerinnen und Künstler e. V.
26Kathrin Harder
„In meinen Arbeiten auf Papier beschäf- lehrte sie am Caspar-David-Friedrich-
tige ich mich mit einer Fragmentierung Institut der Universität Greifswald Freies
des (Bild-)Raumes. Die Bewegung im Zeichnen und Druckgrafik. Kathrin Harder
Raum zu erfassen, diesen Raum selbst in präsentiert ihre Arbeiten regelmäßig in
Bewegung zu bringen, ihn gleichzeitig zu Einzel- und Gruppenausstellungen im
komprimieren und in der gestischen Form In- und Ausland und wurde mit mehreren
der Strichführung fast zu sprengen – Kunstpreisen, Arbeits- und Residenz-
diese Themen stehen im Fokus. Getragen stipendien ausgezeichnet. 2004 erhielt
von einer gestischen Linienführung, die sie den Kunstpreis „Spektrale“ des
sich in Energie umzusetzen scheint und Landkreises Dahme-Spreewald, 2008
sich zu einem Bildgefüge verdichtet.“ den Brandenburgischen Kunstpreis und
2018 war sie Preisträgerin des Rostocker
Kathrin Harder (*1969 in Rostock, Kunstpreises.
Mecklenburg-Vorpommern) studierte Ihre Arbeiten finden sich in privaten und
von 1993 bis 1999 Malerei und Grafik öffentlichen Sammlungen, u. a. in der
an der Kunsthochschule Berlin-Weißen- Neuen Sächsischen Galerie – Museum
see und an der Hochschule für Bildende für zeitgenössische Kunst, Chemnitz, und
Künste Dresden. Sie schloss ihr Studium im Museum für Junge Kunst, Frankfurt/
als Meisterschülerin bei Prof. Max Uhlig Oder. Seit 2001 lebt und arbeitet sie in
(1999–2001) ab. Von 2018 bis 2020 Eichwalde, Brandenburg.
„sine loco et anno“, Serie _108__XXXIV, 2019, Öl auf Bütten
27Katja Gragert Gegen die Wand No. 2, 2014–2017, Fotografie „Meine Motive finden sich oft im Bereich mag. Die Serie ‚Gegen die Wand‘ greift des Alltäglichen und dem direkten Um- diese Ästhetisierung des Banalen im feld des Menschen. Vor allem fasziniert architektonischen Bereich (speziell der mich daran, wie ästhetisch ein simpler, Wohnarchitektur) auf und treibt sie durch von der Komplexität seines Umfeldes eine möglichst strenge Komposition und isolierter Ausschnitt wirken kann – so das Weglassen von überflüssigen Details unscheinbar er auch in Wirklichkeit sein auf die Spitze. 28
Die dadurch entstehende Abstrahierung Katja Gragert (*1978 in Potsdam,
des menschlichen Lebensraumes, aus Brandenburg) studierte von 2002
denen der Mensch selbst verschwunden bis 2009 Sprachwissenschaften an
zu sein scheint, wirft Fragen über die der Humboldt-Universität zu Berlin.
Anonymisierung und Isolierung unserer 2001 folgte ein Auslandsaufenthalt
Lebensweise auf. in Südamerika, 2006 ein Erasmus-
Für die Entwicklung meines foto- Studienaufenhalt an der University of
grafischen Stils spielte die Tatsache, im Birmingham, England, wo sie ihr foto-
Brandenburger Land aufgewachsen zu grafisches Schaffen aufnahm. 2012 war
sein, eine entscheidende Rolle. Geprägt sie Gründungsmitglied der Fotogalerie
von der Schlichtheit dieser Landschaft, Potsdam e. V. Die Künstlerin engagiert
sind es eher die einfachen und alltäg- sich seitdem aktiv als Mitglied des
lichen Motive, die vernachlässigten und Kuratorenteams und seit 2016 als Mit-
scheinbar nebensächlichen Details, die glied des Brandenburgischen Verbandes
mich zur fotografischen Auseinander- Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V.
setzung anregen. Es geht mir um die Ihre Arbeiten sind seit 2010 in zahlreichen
leisen Töne und die stillen Szenen, die Einzel-und Gruppenausstellungen zu
wie selbstverständlich am Wegesrand sehen und wurden mehrfach international
liegen und die erst im Nachklang eine ausgezeichnet, u. a. „The Prix de la
Resonanz entstehen lassen. Es ist mir Photographie Paris“ (Px3), „Sony World
ein Anliegen, die Schönheit, die in diesen Photography Awards“ und „Moscow
‚gedemütigten‘ Orten steckt, auf das Bild International Foto Awards“.
zu bannen und dem Betrachter nahezu- Seit 2008 lebt und arbeitet Katja Gragert
bringen. Durch eine strenge Komposition als freischaffende Künstlerin in Potsdam.
und gezielt eingesetzte fotografische
Techniken, wie der Überbelichtung,
versuche ich, den Übergang zwischen
Fotografie und Malerei verschwimmen zu
lassen.“
29Larissa Rosa Lackner „’Steine‘ sind ein Teil der multimedialen Arbeit ‚Heide‘, in der Larissa Rosa Lackner die Geschichte der jungen Frau Heide Peschke, die in den 1980er-Jahren in einem Wohnblock für LPG-Arbeiter/- innen in der Uckermark lebte und als Steinsammlerin arbeitete, rekonstruierte. Anhand der geheimnisvollen Haupt- protagonistin wirft Larissa Rosa Lackner einen Blick auf das Leben zu DDR-Zeiten, geht den Spannungsfeldern ‚Individuum/ Gesellschaft‘ sowie ‚Stadt/Land‘ nach und untersucht das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Dabei bewegt sie sich gezielt zwischen fiktionalen und nicht- fiktionalen Erzählformen und bedient sich der Sprache und Ästhetik des Authentischen: Zeitzeugengespräche, Archivmaterialien, ein konkreter Ort, Foto- grafien und gefundene, als Beweismaterial auftretende Objekte sind die Bausteine einer vermeintlich wahren Geschichte. lila Stein, 2019, C-Print Die von Larissa Rosa Lackner ge- fundenen und von Heide Peschke vor- Larissa Rosa Lackner (*1987 in Nürnberg, geblich gesammelten Steine fotografierte Bayern) lebt und arbeitet in Berlin und Lackner als eine Hommage an ihre Tätig- in der Uckermark. 2019 absolvierte sie keit als Steinsammlerin. Vor verschieden- ihr Meisterschülerstudium in Bildender farbigem Hintergrund abgebildet, tritt das Kunst an der Hochschule für Grafik und Objekthafte der Steine zugunsten eines Buchkunst Leipzig bei Prof. Tina Bara. eindringlichen Farben- und Formenspiels Larissa Rosa Lackner arbeitet als Foto- zurück. Das Interesse gilt nicht nur den grafin, Malerin, Regisseurin für Film und Perspektiven, die eingenommen werden Tanztheater und ist Initiatorin des „Denk können, um ein Objekt oder im über- – und Produktionsorts Libken“ in der tragenen Sinne auch eine Geschichte Uckermark. oder Person zu beleuchten, sondern auch Sie ist Preisträgerin von „gute aussichten der Thematisierung der Inszenierung 19/20“, des Nachwuchsförderpreises an sich, die durch das Aufbrechen der des Landes Brandenburg für Bildende Produktionsbedingungen verdeutlicht Kunst und des Georg-Meistermann- wird.“ Stipendiums 2020. 30
Lothar Seruset
„Mossul, Karakosch, Samarra, Berlin, Lothar Seruset (*1956 in Ulm, Baden-
Ulm: Die Linol- und Holzschnitte, fünf an Württemberg) lebt und arbeitet in Berlin
der Zahl, nehmen zerstörte Gotteshäuser und Lentzke, Brandenburg. 1988 war
zum Anlass, um etwas über das Leben er bei Joachim Schmettau und Edvins
und den Glauben, etwas über Toleranz Strautmanis Meisterschüler an der
und über Entscheidungen zu erzählen. Es Hochschule der Künste Berlin. Er er-
sind zwei Moscheen, eine Synagoge und hielt zahlreiche Arbeits- und Residenz-
zwei Kirchen. Es sind Bilder, die über die stipendien, u. a. ein Jahresstipendium
dargestellte Situation hinausgehen. Sie des Deutschen Akademischen Aus-
stehen für sich, gehören aber auch zu der tauschdienstes in Amsterdam, das Karl-
Installation ‚Jerusalem‘. Als Film zu sehen Hofer-Stipendium, Reisestipendium der
unter: https://youtu.be/3CeRS7A-9PY. Stadt Potsdam nach Chur, Graubünden,
Arbeitsstipendien im Künstlerhaus
Drei Skulpturen, see me, zeigen Verhält- Lukas, Ahrenshoop, und im Künstlerdorf
nisse auf, Mensch zu Tier, und zeigen Schöppingen. Arbeiten im öffentlichen
Gender-Fragen, see me, wir wollen euch Raum befinden sich u. a. in Hüde am
etwas sagen. Das Material ist Keramik.“ Dümmer See, am Flughafen München
und in der Kirche St. Klara am Eselsberg,
Ulm.
Zahlreiche Ausstellungen im In- und
Ausland (Auswahl seit 2017):
2017: „Seit Cranach bis Charlie Hebdo“,
Kunstverein Coburg; „Hand und Fuss“,
Städtische Galerie Fürstenwalde (E, mit
A. Arnskötter); „aquamediale 12“, Lübben
(Katalog); „rapture“, Galerie Beukenhof;
„Maison Haute“, Brüssel (Belgien);
Galerie Tammen und Partner, Berlin (E,
Katalog mit Heike Jeschonnek);
2018: „Kunstraum Dr. Averkorn“, Sinz-
heim (E, Katalog); „In Anschauungen bin
ich sehr tolerant, aber Kunst ist Kunst:
Werkschau zu Theodor Fontane“,
Landtag Brandenburg, Potsdam;
2019: Galerie Tobias Schrade, Ulm (E);
„Land(schafft)Kunst VII“, Neuruppin, Neu-
werder, Potsdam (Katalog)
Karakosch, 2020 (Ausschnitt),
Linolschnitt, Holzschnitt (E = Einzelausstellung)
31Matthias Körner
„... so wechsele ich also seit Jahren von
der Malerei zur Fotografie, von der Foto-
grafie zur Grafik, wieder zur Malerei, ohne
Konzept, ohne Ziel, aber jedes Mal hoch-
zufrieden, wenn etwas entstanden ist,
was so bleiben kann.“
Matthias Körner (*1954 in Cottbus,
Brandenburg) lebt und arbeitet nach
privaten Studien der Malerei, u. a. bei
Rainer Zille, seit 1989 freiberuflich als
Maler und Grafiker in Cottbus.
Körner bekam den Brandenburgischen
Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung
und Stiftung Schloss Neuhardenberg im
Jahr 2009 für Malerei und 2012 für Grafik.
Matthias Körner reist seit 1996 regel-
mäßig nach Uganda und arbeitet dort seit
2014 u. a. mit dem Medium Film.
Er präsentiert seine Arbeiten in zahl-
reichen Ausstellungen im In- und Aus-
land.
Turm, 2020, Eitempera hinter Acrylglas
32Micha Brendel
„Die Blätter der 36-teiligen Serie ‚Letzte mit dem abendländisch konnotierten
Hilfe‘ scheinen eher den Versuchsreihen Kreuzzeichen ironisch überhöht. Aus
einer Laborsituation als der Künstler- dem an die Oberfläche gepressten
palette entsprungen zu sein. Schlamm(assel) formt sich das Zeichen
Die beständig wiederkehrende braune für Schutz und Retten, für Leiden und Er-
Farbigkeit ist der Verwendung von lösung; eine deutliche Metapher mensch-
Eisenockerschlamm als Grundstoff zu- licher Hybris im Umgang mit der Natur.
zuschreiben, geschöpft aus den Fließen Das schlammige Kreuz erscheint in
um Vetschau. Als Folge des Braunkohle- vielseitiger ästhetischer Formung, da
abbaus werden die natürlichen Eisen- der Schlick sehr reaktionsfreudig auf
vorkommen des Bodens oxidiert und mit Chemikalien, Tee, Harz, Öl, Pflanzensud
steigendem Grundwasserpegel in Fließe und Lack antwortet, sozusagen potentiell
und Gräben eingeleitet. Dort entwickeln dialogfähig und überraschend vielseitig,
die äußerst feinen, in Wasser gelösten gemessen an der üblichen bräunlichen
Partikel ihre unheilvolle Beeinflussung Tristesse. Sollte die Bandbreite an Maß-
von allem Lebendigen, bekannt als ‚Ver- nahmen, mit der der touristisch so wert-
ockerung‘. volle Spreewald vor der Verbräunung be-
Der ungewünschte Abfallstoff wird als wahrt werden soll, nicht greifen, so bliebe
künstlerisches Malmaterial in Verbindung immer noch ein Gebet um ‚Letzte Hilfe‘.“
Letzte Hilfe Nr. 20, 2018,
Eisenockerschlamm, Gummi arabicum auf Papier
33Letzte Hilfe Nr. 10, 2018,
Eisenockerschlamm, Schwarzerlensud,
Schlagmetall, Kupfer- und Eisenvitriol,
Schlussfirnis auf Papier
Micha Brendel studierte in den formen, die größtenteils auf genauer
1980er-Jahren an der Hochschule Kenntnis wissenschaftlicher Versuchs-
für Bildende Künste Dresden bei abläufe basieren. Seine Präparat-
Prof. Günter Hornig und war mit Else Objekte, Zeichnungen, Fotografien, Foto-
Gabriel, Via Lewandowsky und Rainer übermalungen, Installationen, Bücher
Görß Gründungsmitglied der „Auto- und Performances befinden sich auf
Perforations-Artisten“. Unter dieser der Schnittstelle von Anatomie, Plastik,
Bezeichnung entstanden zwischen Alchemie, Biologie, Medizin und Kunst.
1982 und 1991 vor allem subversive In den letzten Jahren rückt die Be-
Performances, aber auch Fotografien, schäftigung mit Schrift, Schreiben,
Installationen, Filme, Objekte, Texte, Zeichnung und Sprache wieder vermehrt
Zeichnungen und Malerei. in den künstlerischen Fokus.
Er arbeitet mit unterschiedlichen künst- Micha Brendel lebt und arbeitet seit 2012
lerischen Techniken und Ausdrucks- in Hohendorf im südlichen Brandenburg.
34Mireia Tort Nasarre
„Bilder, die auf der Linie zwischen Innen Mireia Tort Nasarre (*1970 Igualada,
und Außen rasten. Die Relation mit dem Katalonien, Spanien) studierte Bildende
Daneben. Kunst an der Universität Barcelona und
Eine Beziehung mit dem Vergangenen an der Akademie der Bildenden Künste
und dem Bevorstehenden. Linien, die Nürnberg bei Prof. Rolf-Gunter Dienst.
Schatten einfangen. Rhythmus. Meta- Ein Stipendium führte sie nach Leeds.
morphosierte Objekte. Die Beschäftigung Sie lebt und arbeitet seit zehn Jahren in
mit Material, Ort und Zeit.“ Potsdam.
o. T. (über ein Caravaggio in Potsdam), 2017, Zeichnung, Tusche, Bleistift und Papiercollage
35Monika Schulz-Fieguth „Die sepiabraunen Porträts der Ziege- gleich die kräftezehrende Tätigkeit des leiarbeiter sind in der Ziegelmanufaktur jahrhundertealten Handwerkes, das im in Glindow entstanden. Vor den Toren 15. Jahrhundert mit den Mönchen aus Potsdams werden dort noch heute auf dem Kloster Lehnin nach Glindow ge- traditionelle Art und Weise Backstein- langt ist.“ ziegel hergestellt. Die Fotoserie verrät die Faszination der Fotografin für die Monika Schulz-Fieguth (*1949 in Pots- besondere Farbigkeit, in die Arbeiter dam, Brandenburg) absolvierte eine und Werkstatt getaucht sind. Es scheint, Ausbildung als Fotografin (1966–1968) als seien die Arbeiter eine symbiotische und studierte Fotografie an der Hoch- Klaus I, 2013, digitale Fotografie auf Alu-Dibond Verbindung mit ihrem Umfeld ein- schule für Grafik und Buchkunst in gegangen: Der Ton hat seine Spuren an Leipzig (1977–1982). Nach ihrem Diplom Körpern, Werkzeugen und Umgebung arbeitete sie von 1982 bis 1984 mit ihrem hinterlassen. Schulz-Fieguths Arbeiten Mentor Prof. Arno Rink zusammen und fokussieren diese besondere Ästhetik leitete im gleichen Zeitraum das Foto- des Ton-in-Ton und dokumentieren zu- labor am Zentralinstitut für Astrophysik 36
der Sternwarte Potsdam-Babelsberg. Als 2007 präsentiert sie ihre Arbeiten in Aus-
Gastdozentin war sie 1988 und 1989 an stellungen zusammen mit der Künstler-
der Hochschule für Film und Fernsehen gruppe „Photographenlounge“.
der DDR tätig. Ihre Kunstwerke sind u. a. Teil der
Die Fotoarbeiten von Monika Schulz- Sammlungen des Potsdam Museums –
Fieguth wurden in zahlreichen Aus- Forum für Kunst und Geschichte, der
stellungen im In- und Ausland gezeigt, Brandenburgischen Kunstsammlung
u. a. im Albertinum Dresden (1987/88), in Cottbus, des Ministeriums für Wissen-
der Galerie am Körnerpark, Berlin (1993), schaft, Forschung und Kultur Branden-
in Kaliningrad (2004), in der Heck-ART- burg und der Sammlung Fotografie –
Galerie in Chemnitz (2008), in Hanoi Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale).
(2008), im Monasterio de San Juan de Monika Schulz-Fieguth lebt und arbeitet
Burgos, Spanien (2015), im Potsdam in Potsdam und ist seit 1984 als freie
Museum (2016), in Neubrandenburg Fotografin mit den Schwerpunkten
(2018) und in Worpswede (2020). Seit Porträt- und Landschaftsfotografie tätig.
37Peter Panzner
„Mein Arbeitsfeld ist die Druckgrafik; im Peter Panzner studierte von 1974 bis
Tiefdruck, vor allem die Farb-Aquatinta. 1979 an der Kunsthochschule Berlin-
Beim bewussten Überätzen älterer Weißensee. Zwischen 2005 und 2021
Druckplatten entstehen aus Über- war Peter Panzner regelmäßig auf der
lagerungen neue Motive. „Art Brandenburg“,, den Ausstellungen
Die Kaltnadelradierung ist Begleiterin auf zum Brandenburger Kunstpreis und den
allen Reisen, Eindrücke werden vor Ort Auktionen im Kunstpavillon Heringsdorf
auf kleinen Untergründen wie Ekalon ver- vertreten.
arbeitet. Dazu kommen großformatige Seine Arbeiten wurden in zahlreichen
Arbeiten auf Acrylglas. Hier können Einzel- und Gruppenausstellungen im
diverse Arbeitsmittel verwendet werden. In- und Ausland präsentiert, u. a. in der
Im Hochdruck arbeite ich collageartig. Burg Beeskow („Bilderbühnen“ 2011),
Mit verschiedenen Formstücken werden in Leipzig („Ereignis Druckgrafik“ 2014,
große Papierbahnen bedruckt, wobei die 2018), im Potsdam Museum („Stadt-Bild
Formstücke wiederverwendet werden. / Kunst-Raum“ 2014), im Staatlichen
Es entstehen so immer Unikate. Alle Museum Schwerin („Außer Kontrolle!
Arbeiten werden in der eigenen Werkstatt Farbige Grafik und Mail Art in der DDR“
gedruckt.“ 2015), im Kunstraum Potsdam („Made in
Potsdam“ 2016), im Landtag Branden-
burg („Erzählte Geschichten: Grafikserien
aus den Jahren 1970–2000“ 2017), in
Glashütte („Wanderungen durch die
Mark Brandenburg“ 2019) und in Rostock
(„Hoch- und Tiefdruck“ 2020).
Peter Panzner erhielt 2016 den Branden-
burgischen Kunstpreis für Grafik. Er lebt
und arbeitet als freischaffender Künstler
in Niedergörsdorf/OT Oehna, Branden-
burg.
Keimling I, 2019, Kaltnadel
38Roland Eckelt
„Im Mittelpunkt der künstlerischen
Arbeit von Roland Eckelt steht die
Untersuchung und Darstellung von Er-
scheinungsformen der Kommunikation.
Dabei bildet das jeweilige Kunstwerk
nicht einfach einen Sachverhalt ab oder
spiegelt die wirkliche Welt wider, sondern
es veranschaulicht die Wirklichkeit einer
Idee oder einer Vorstellung.
Die Werte des Gegenständlichen sind
überliefert. Als Dekorationsgegenstand
erfüllen Dinge die Funktion, den Blick
des Gegenübers zu leiten – sei es auf
einen größeren Zusammenhang, eine
Geisteshaltung, gesellschaftliche Zuge-
hörigkeit – oder von Defiziten und Un-
zulänglichkeiten abzulenken: jedenfalls
ein Interesse zu fokussieren.“
Roland Eckelt (*1958 in Wiesbaden,
Way to leave your Lovers, 2018–2020, Hessen) hat an der Hochschule für
Ölfarbe auf Leinwand/Nessel Künste Bremen bei Prof. Rolf Thiele und
Prof. Dr. Peter Rautmann Freie Kunst/
Malerei studiert.
Heute lebt und arbeitet er in Strodehne
im Havelland, Brandenburg.
39Sabrina Jung
„Die Bilder der Reihe ‚Double Shots‘ von Sabrina Jung (*1978 in Neuss, Nordrhein-
Sabrina Jung entstehen aus der digitalen Westfalen) studierte von 2001 bis 2007 an
Überlagerung von zwei Fotografien. Die der Folkwang Hochschule in Essen Foto-
Größe und die Position der Überlagerung grafie bei Prof. Jörg Sasse. 2007 schloss
sowie die partiell bearbeiteten Bildteile sie ihr Studium mit Auszeichnung ab.
erschaffen ein genau komponiertes Bild. 2005 erhielt sie ein Erasmus-Stipendium
Die ‚Double Shots‘ sind oftmals Ver- an der kantonalen Hochschule für Ge-
bindungen von Innen- und Außenräumen. staltung und Kunst in Zürich.
Ein Vorhang, der die Aussicht nach 2020 war sie nominiert für den „Stiftungs-
draußen verdeckt, wird durch die Über- preis Fotokunst“ der Alison und Peter
lagerung ‚transparent‘ und kann dadurch Klein Stiftung und erhielt im selben
etwas vom Außen zeigen, was zuvor nicht Jahr ein Arbeitsstipendium des Landes
sichtbar war. So entsteht eine räumliche Brandenburg.
Situation, eine visuelle Durchdringung Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen
von Raum und Zeit.“ Institutionen im In- und Ausland gezeigt,
wie dem Sprengel Museum Hannover,
dem Kunstmuseum Bonn, dem Centre
photographique Pôle Image Haute-
Normandie in Rouen (Frankreich), der
Noorderlicht Gallery in Groningen oder
dem Centrum Beeldende Kunst Rotter-
dam (Niederlande).
Double Shots,
green light bulbs,
2014, 12-Farb-
pigmentdruck
40Stephane Leonard
o. T. aus der Serie: Ich sehe nicht, was du nicht siehst, 2018, Acryl auf Baumwolle
41„Die beiden hier ausgestellten Arbeiten Stephane Leonard (*1979 in Berlin) stammen aus einer Serie mit dem Namen studierte zunächst Philosophie und ‚Ich sehe nicht, was du nicht siehst.‘ Der Kunstgeschichte an der Humboldt- Name deutet auf eine Entzauberung des Universität zu Berlin (2001–2002) und Kunstbegriffs hin und lenkt den Blick dann Freie Kunst mit den Schwerpunkten zunächst auf das Konkrete, das Basis- Zeichnung, Film/Video und Klang in den material, das Rohe, oder wie man in der Klassen von Prof. Paco Knöller (Meister- Philosophie sagen würde: das Wahr- klasse) und Prof. Jean-François Guiton haftige. an der Hochschule für Künste Bremen Ich versuche, nichts zu verstecken, zu (2002–2008). übermalen oder zu schönen – Linien auf Als Künstler ist er seit 1995 aktiv, Stoff, Farbe auf Leinwand, ein Fundament zunächst im Bereich der Street Art, für mögliche Gedankenexperimente. Die später als Maler, Zeichner und Zeichnung selbst ist dabei keine Geste, Videokünstler. 2007 gewann Leonard keine antrainierte Bewegung, sondern den „Videokunst Förderpreis Bremen“. eine gezielte Setzung. Kein spontaner Darauf folgten weitere Auszeichnungen Akt, eher ein sorgfältig inszeniertes Zu- auf Filmfestivals für verschiedene Video- sammenspiel verschiedener Akteure, die arbeiten sowie Artist in Residencies in im halben Blindflug das monochrome Norwegen und Portugal, diverse Einzel- Beige des Baumwollgewebes sezieren. und Gruppenausstellungen sowie zwei Bewusst zeichne ich keine konkreten Ausstellungsstipendien der Stadt Berlin Dinge. Meine Motive leiten sich zwar mit großformatigen Zeichnungen, Klang- nicht von dem einen ‚Objekt‘ ab und und Videoarbeiten. Nach einem Atelier- dennoch sind sie nicht abstrakt. stipendium 2018 erhielt Leonard 2019 Ich nenne sie ‚Spuren‘, ‚Objekte im den Brandenburgischen Kunstpreis der Werden und Vergehen‘ oder ‚Augen- Märkischen Oderzeitung und der Stiftung blicke einer Pause‘. Die Pause oder Schloss Neuhardenberg für Malerei und der dabei entstehende Zwischenraum Zeichnung. leite ich von dem japanischen ‚Ma‘ ab. Stephane Leonard lebt und arbeitet seit ‚Ma‘ steht für einen Ort zwischen zwei 2013 in Brandenburg. Dingen, zwischen zwei Ereignissen, zwei Momenten. Es beschreibt eine Art mentalen Schwebezustand oder auch die unbewusste Anwesenheit einer Lücke. Diese Lücke wird bei mir zur Bühne für die Linie.“ 42
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