LebensZeiten - Von Zorn und Zärtlichkeit - Ein Magazin über das Unvermeidliche und für das Leben danach - Bestattungshaus Haller
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LebensZeiten
Ausgabe 18
Ein Magazin über das Unvermeidliche und für das Leben danach
Von Zorn und ZärtlichkeitGedicht Erste Worte Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser, Lebenswege
Von Zorn und Zärtlichkeit 6
LebensZeiten zu schreiben ist immer wie-
der ein Abenteuer. Die Vielfalt und Ei- Kunst, Kultur und Historisches
genheiten der Menschen, deren Wege wir Die Schönheit des Welkens:
beschreiben – und wie sich dann doch jede Die Arbeit der Fotografin Anne Schubert 4
Ausgabe zusammenfügt. Zerronnen und gewonnen:
Blaue Hortensie Eine kurze Betrachtung der Zeit 12
In guter Gesellschaft:
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln Die Etzels – Vater und Sohn 21
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, Ihnen eine gute Zeit beim Lesen!
Rituale in der Trauer
hinter den Blütendolden, die ein Blau Bewusstes Gedenken 14
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Lebensgeschichten
Sie spiegeln es verweint und ungenau, Kunst, Jazz und Geschwindigkeit:
als wollten sie es wiederum verlieren, Chris Keller 16
und wie in alten blauen Briefpapieren Alles mit der Ruhe:
Helmut, der Leierkastenmann 18
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Bestattungsformen
Verwaschnes wie an einer Kinderschürze, Zurück zur Natur:
Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht: die Erdbestattung 22
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Steuern und Recht
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen Handschriftliche Änderungen
im Testament – was gilt? 20
in einer von den Dolden, und man sieht
Ihre
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen. Andrea Maria Haller Veranstaltungen & Tipps
lebenszeiten@bestattungshaus-haller.de Trauergruppen und Begleitung 24
Rainer Maria Rilke Einsamkeit – Vom mutigen Umgang
mit einem schmerzhaften Gefühl 25
Kulturveranstaltungen 26
Gedicht
Blaue Hortensie 2
Bildquellenangaben 24
In eigener Sache 27
Impressum 28
LebensZeiten erscheint vierteljährlich. Mit LebensZeiten wollen wir die Angst vor dem Tod und vor Trauer nehmen
und uns für einen offenen Umgang mit diesen Themen einsetzen. LebensZeiten soll helfen, sich auf das Unvermeidliche
vorzubereiten, und Mut machen für das Leben danach. Hier erzählen wir die Geschichten der Menschen, die uns in
2unserer Arbeit als Bestatter begegnen. LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 3Kunst
In dieser Serie stellen wir Künstler aus der Region vor. Diesmal: Anne Schubert
Die Schönheit des Welkens
Wenn die Degerlocher Fotografin
Anne Schubert spazieren geht und
Blumen pflückt, sind es nicht die
schönen, frischen, die sie mit nach
Hause nimmt. Sondern die, bei de-
nen das Welken schon begonnen hat.
Wenn sie dann einen tiefschwarzen
Untergrund auf dem Boden ihres
Ateliers ausbreitet und ihre Find-
linge darauf arrangiert, kommen oft
noch ein paar kleine, ehemals leben-
dige Schmetterlinge oder Insekten
hinzu. Aus ihrem Fundus – sie ha-
ben sich irgendwann mal auf ihrem
Fenstersims verirrt oder sind auf dem
Flohmarkt erstanden. Manchmal
flicht sie auch ganz bewusst ein klei-
nes Symbol für neues Leben mit ein:
ein Schneeglöckchen. Eine Beere.
Eine Knospe.
Stundenlang kann sie sich im Ar-
rangieren verlieren. Dabei achtet sie
auf Harmonie und Ausgewogenheit.
So entstand ihre Werkserie „Broken
Flowers“ in den letzten vier Jahren –
und es kommt immer mal wieder ein
neues Bild dazu.
Wichtig ist ihr auch ihr Wissen um
das japanische Konzept des Wabi-
Sabi: Erst die Reife und die Ge-
brauchsspuren, die die Schönheit
eines Objekt verhüllen, machen es
wirklich schön.
Anne Schubert lebt mit ihrem Mann
in Stuttgart·Degerloch.
www.anneschubert.de
4 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 5Lebenswege
Von Zorn und
Zärtlichkeit
Es gibt sie. Die perfekten Beziehungen. Die perfekte Partnerschaft, die perfekte Freundschaft. Die
perfekten Eltern. Sicherlich. Aber nur die wenigsten gehören dazu. Oft schwingt am Ende eines
Lebens ein wenig Wehmut mit, über das, was hätte anders sein können. Wenn alte Erinnerungen
auftauchen, dann sind es nicht nur die guten, die ihren Weg ins Bewusstsein finden. Manchmal
kommen Erinnerungen an Momente zurück, in denen man mit dem Anderen haderte. Oder alte
Verletzungen, Dinge, die eine Beziehung belastet haben – auch sie wollen gesehen werden. Und sie
ruhen selten, bis man ehrlich mit ihnen umgeht und sie einen neuen Platz bekommen. „Unerlöste Erinnerungen nähren Therapeuten, erlöste die Welt.“
Peter Horton
W I H
enn Natalie Kern War dünner und dünner geworden. „Meine Mutter fand mich nicht im- n und seit diesem klärenden Ge- sönlichkeit zu sein. Und auch, dass eute ist Natalie unendlich dank-
innerlich Revue pas- Selbst ihre Handschrift wurde klei- mer toll“, sagt sie. „Ich hatte immer spräch im letzten Juni spürt Na- sie stolz sei auf die Tochter. Sie be- bar für dieses Gespräch. Im
sieren lässt, was im ner. Sie hatte immer eine sehr schö- das Gefühl, ihren Vorstellungen talie sehr klar, dass sie ihre Mut- gegnen sich in diesem Augenblick Nachhinein betrachtet hatte es schon
letzten Jahr passiert ne, sehr klare Handschrift gehabt. nicht zu entsprechen. Ich dachte im- ter nie hätte retten können, dass als Erwachsene. Gestehen einander etwas von einem Abschied. Aber das
ist, und wenn sie versucht, all das Mit der Zeit wurde diese immer mer, ich bin das Problem.“ der Schmerz ihrer Mutter deren ihre Gegensätzlichkeiten zu. Kom- hat sie damals nicht erkannt.
einzuordnen und zu beschreiben, enger und gedrungener. In ihrem Schmerz ist. Dass sie ihn bei ihr las- men über die Vergangenheit überein.
wie ihr Leben sich verändert hat,
dann kommen die Worte: Fassungs-
losigkeit. Viel Wut. Zorn. Existenz-
letzten Brief war Evelyns Schrift so
schwach, dass Natalie sie kaum noch
lesen konnte. Als wäre alles Leben
I hrer Mutter war es immer wich-
tig, dass ihr Leben nach außen
hin perfekt erschien. Erfüllt. Er-
sen muss. Als Kind hatte sie viel da-
von in sich aufgesogen. Als Erwach-
sene kann Natalie nun lernen, was Sie kommen über
In ihrem letzten Brief bittet die Mutter
um Verzeihung für all den Schmerz.
Sie schreibt auch, dass sie in aller Stille
angst. Zärtlichkeit. schon gewichen. folgreich. Gelungen. Doch Natalie ihr gehört und was nicht. Sie wäre die Vergangenheit beigesetzt werden will. Und bitte keine
kannte als eine der wenigen auch gerne mehr für ihre Mutter da ge- Traueranzeige.
In der ersten Zeit nach dem Tod ih- die andere, die zerbrechliche Sei- wesen, aber sie weiß heute, dass sie überein.
rer Mutter war der Zorn sehr mäch- Meine Mutter te ihrer Mutter. Die Mutter war nicht mehr hätte tun können, nicht In aller Stille. Keine Anzeige. Für Na-
tig. Oft dachte sie an all das, was im insgeheim jemand, der mit dem mehr leisten, ohne dabei sich selbst Sie drücken einander ihren Respekt talie ist bald klar: Das ist ihrer Mutter
Leben nicht gelungen ist. Die Schei- fand mich nicht Leben haderte. Eine, die sich ver- aufzugeben. Diese Einsicht gibt ihr für den jeweiligen Lebensweg aus, nicht würdig.
dung ihrer Eltern, die lauten Ausein- immer toll. stecken wollte. Natalie wollte ihrer nun Kraft und Klarheit. für die Lebensentscheidungen, die
andersetzungen und viele schwierige Mutter immer helfen. Den Lebens- die andere getroffen hat. Da ist eine Und es fühlt sich an wie ein Sprechver-
Momente ihrer Kindheit kommen schmerz ihrer Mutter für sie lösen. Im Gespräch waren viele Momente seltsame Ruhe in diesem Gespräch. bot. Wie ein Knebel, der sie hindern
zu ihrer Überraschung noch einmal Im Juni letzten Jahres gab es ein sehr Sie hatte immer das Gefühl, sich der Wahrheit. Stunden der echten Eine Klarheit. Etwas zutiefst Ver- soll, ihren Schmerz über den Tod der
an die Oberfläche, wollen in neuem langes Gespräch – Natalie und ihre sorgen zu müssen um ihre beruf- Begegnung. Natalie fühlt sich an söhnliches. Natalie hat danach das Mutter auszudrücken. Sich im Alltag
Licht betrachtet werden. Mutter hatten eine intensive Aus- lich selbstständige, eigentlich sehr diesem Tag von ihrer Mutter wirk- Gefühl, ihre Mutter Evelyn habe mit seiner Mutter zu streiten und sich
sprache. Die vielen Jahren zuvor aktive Mutter. „Ich habe schon lich gesehen und wahrgenommen. wirklich verstanden, was sie im Lau- ihr im Leben zu widersetzen, das ist
In den Monaten vor ihrem Tod war hatten es die beiden eher schwer mit- früh viel Verantwortung für sie Jetzt hört sie von ihrer Mutter, dass fe der Jahre ihrer Tochter zugemutet eine Sache. Dem Willen einer Toten
ihre Mutter Evelyn geschrumpft. einander gehabt. übernommen.“ diese ihr zugestand, eine eigene Per- hatte. entgegenzutreten – eine andere.
6 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 7Lebenswege Lebenswege
S ie ringt mit sich. Kommt schließ-
lich zu dem Ergebnis, dass die
Mutter dieses stille Verschwinden
In den ersten Tagen nach der Bei-
setzung ist das stimmig. Doch es
bleibt nicht so. Für viele Menschen
ren brauchen. Sie fragt sich auch,
inwieweit ihre Mutter das alles jetzt
noch bestimmen kann.
Erscheinung mit Strahlkraft. Eine
humorvolle, großzügige, herzliche,
extrovertierte Frau, mit viel Feinsinn
eröffnet und ihr Zugang gewährt zu
Dingen, die noch tiefer liegen. Fast
wie bei einer Zwiebel häutet sie sich,
lie kann nun so viele Qualitäten
an ihr sehen. Gutes, das Evelyn
in die Welt gebracht hat. Wege,
für sich selbst gewollt hatte, aber im weiteren Freundeskreis scheint und mit viel Sehnsucht. Aber eben eine Haut nach der anderen. Ver- wie sie andere bereichert hat. Wie
nicht bedacht hat, was dies bei ihrer
Tochter und auch in anderen Men-
schen auslösen könnte.
Evelyns Tod nicht real zu sein. Und
sie lassen das Thema auch nicht ru-
hen. Es gibt Gerüchte und Fragen,
W ochen nach dem Tod der
Mutter setzt sie dann eine
Gedenkanzeige. Keine Traueranzei-
auch mit vielem, was sie im Verbor-
genen halten wollte.
gebung ist für Natalie der Schlüssel
zum eigenen glücklichen Weiterleben.
sie immer voller guter Ratschläge
war, fürsorglich. Unterhaltsam.
Ihr ansteckendes Lachen. Ihre
Sie wägt ab, was wichtiger ist. Die
denen Natalie immer wieder begeg-
net. Stimmt es wirklich? Was genau
ge. Sie will dem Wunsch der Mut-
ter gerecht werden, aber auch sich Z u Natalie passt es nicht, dieses
Schweigen. Und so lernt sie in
Herzlichkeit.
Bedürfnisse der Lebenden oder
die Wünsche der Toten. „Sie kann
mir nicht zumuten, alleine an ih-
ist passiert? selbst. Sie will Klarheit schaffen
Danach fühlt sie sich weniger ohn-
diesen schwierigen Tagen noch ein-
mal neu, ihre Bedürfnisse zu spüren,
wahrzunehmen und abzuwägen, was
Vergebung eröffnet
ihr neue Räume
S ie entdeckt mit Dankbarkeit,
wo Verbindungen und Ähn-
lichkeiten zwischen ihr und ihrer
rem Grab zu stehen“, entscheidet mächtig. Es ist, als ob viele der alten wichtiger und ehrlicher ist. Und Ent- und gibt ihr Mutter bestehen. Die Liebe zum
sie schließlich in großer Klarheit. Lasten nun von ihr abfallen wür- scheidungen zu treffen. Kochen, die Freude an Kunst und
Und auch: Wenigstens die engsten
Nach der den. Die Anzeige macht den Tod Zugang zu an gutem Design. Das Feinsinni-
Freunde sollen sich verabschieden Zeitungsanzeige der Mutter noch einmal ein Stück Mit ihrer Arbeit hat sie einst auf dem- Tieferliegendem. ge. Die Kreativität. In ihr erwacht
können. fühlt sie sich realer, für sie und auch für andere. selben Spielfeld angefangen wie ihre viel Zärtlichkeit und reine Trauer
Und Realität ist gut. Erst wenn man Eltern. Sie nimmt an sich wahr, dass für die Mutter.
So findet sie für den Wunsch nach weniger begriffen hat, dass der Tod real ist, sie ihnen irgendwie etwas beweisen
einer Beisetzung in aller Stille, wie ohnmächtig. kann man anfangen, ihn zu akzep- wollte. Dass sie die Anerkennung ih- Und mit der Zeit fängt Natalie an, Es ist ein Weg mit vielen Höhen
ihn die Mutter in ihrem Brief aus- tieren. Die Realität kommt oft stück- rer Mutter gezielt auf einem Gebiet sich auch an das viele Schöne zu und vielen Tiefen. Manche Mo-
gedrückt hatte, eine fast jesuitisch chenweise. suchte, auf dem diese sich auskannte. erinnern, das sie mit ihrer Mutter mente erstaunen sie. Mitten in der
anmutende Lösung. Es gibt keine Doch der Kampf um Anerkennung erlebt hat. Das gemeinsame Lachen Trauer erlebt sie, wie sie sich selbst
Trauerfeier in einer Feierhalle, aber Sie will diese Fragen nicht beant- Dass die Mutter keine Feier wollte, ist nun vorbei. über so vieles. Ihr einzigartiger Hu- mehr und mehr findet. Die Trauer
es gibt eine persönliche Ansprache worten. Aber sie will sie auch nicht passt zu ihr. Sie wollte auch nie ih- mor. Ihre Freude an Nougat-Trüf- führt sie auch ein Stück weit zu
am Grab für Evelyns engste Freun- einfach stehen lassen. ren Geburtstag feiern, wollte irgend- Es kommen immer wieder neue feln, die aus einem ganz bestimmten sich selbst. Mitten in diesem Fin-
de. Und weil es keine Musik gibt, wie manchmal gar nicht gesehen Themen auf, und darin zeigen sich Laden kamen. Ihre Großzügigkeit. den überrascht es sie dann, wie
könnte man ja vielleicht sagen, es Bewusst setzt sie sich damit ausei- werden. Sie feierte sich nicht gerne für Natalie auch immer wieder neue Die Kraft und Phantasie, mit der sie auch die Trauer mit immer ande-
wäre ein Abschied in aller Stille nander und überlegt, was sie selbst selbst. Obwohl ihre Mutter nicht Notwendigkeiten, zu vergeben. Es ist nach der Trennung vom Vater um ren Gesichtern und Facetten wie-
gewesen … wirklich braucht und was die ande- schüchtern war. Sie war eine starke die Vergebung, die ihr neue Räume ihre Existenz gekämpft hatte. Nata- der auftaucht.
8 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 9Rituale in der Trauer Rituale in der Trauer
Trauerrituale sind Rituale des Übergangs. Sie machen das einschneidende Erlebnis begreifbarer und kennzeichnen den Ab-
schluss eines wichtigen Kapitels im eigenen Leben. Sie unterstützen Trauernde darin, mit ihren Gefühlen in Kontakt zu kom-
men und diese auszuleben. Trauer muss gelebt werden, denn sie ist heilsam. In unserer Serie stellen wir Ihnen nach und nach
einige dieser Trauerrituale vor.
Rituale in der Trauer:
Bewusstes Gedenken
K
erzen spielen eine große Einsatz, während sich die Trauern- ganzjährig. Besonders viele werden
Rolle in unserer Trauer- den verabschieden. Und man sieht an christlichen Gräbern zu Allerhei-
ligen oder am Totensonntag ange-
kultur. Kerzenlicht kann sie bei Trauerfeiern, wenn Trauer- zündet.
ein warmes Gefühl von gäste eingeladen werden, am An-
Geborgenheit, Trost und Hoffnung fang oder am Ende der Feier eine Eine Kerze anzuzünden, kann als
vermitteln, auch von Feierlichkeit Kerze für den Verstorbenen anzu- ein Zeichen für Licht, Hoffnung und
und Andacht. Das ist nicht nur hier- zünden. Zuversicht gedeutet werden. Weil die
zulande so: Viele religiöse Traditio- Kerze herunterbrennt und verlischt,
nen auf der ganzen Welt setzen sich gilt sie zugleich auch als ein Symbol
mit Feuer auseinander und integrie- Kerzen spielen oft eine der Vergänglichkeit.
ren eine Flamme in ihre Rituale. wichtige Rolle, wenn
getrauert wird. Für dieses Ritual können Sie Ker-
Kerzen spielen oftmals eine wichtige zen in jeder Form wählen, eine
Rolle, wenn getrauert wird. So zün- Stumpenkerze ebenso wie ein Tee-
Viele Angehörige stellen Grablichter
det man oft eine Kerze an, wenn ge- auf, am Grab oder anderen Stellen, licht. Wer mag, kann die Stum-
rade jemand verstorben ist. Kerzen wo an einen Verstorbenen erinnert penkerze vorab individuell gestalten,
kommen auch am offenen Sarg zum werden soll. Grablichter stehen oft beispielsweise mit Wachsplatten, die im Bastelgeschäft erhältlich sind. keit. Dieser Moment gehört Ihnen Löschen Sie die Flamme am Ende
So wird daraus eine Kerze, die und dem Verstorbenen, nehmen des Rituals ganz bewusst. Blicken
ganz speziell und persönlich für Sie dies ganz bewusst wahr. Geben Sie dem aufsteigenden Rauch hin-
einen bestimmten Verstorbenen ge- Sie sich ein paar stille Minuten, um terher. Er symbolisiert eine Verbin-
dacht ist. mit dem Verstorbenen Kontakt auf- dung nach oben. Sie können mit
zunehmen, vielleicht Zwiesprache dem Rauch auch Ihre Wünsche oder
Für das Ritual ist es gut, wenn Sie zu halten. Konzentrieren Sie sich Botschaften an den Verstorbenen
einen Zeitpunkt wählen, an dem Sie ganz auf ihre Gefühle und ihre Ge- senden.
Ruhe haben und ungestört sind. Ein danken.
Kerzenritual ist abends oft noch et-
was stimmiger, wenn es schon dun- Sie können in dieses Ritual auch
kel ist und die Leuchtkraft der Flam- einen Gegenstand mit einbauen,
me damit noch stärker zur Geltung der Sie stark an den Verstorbenen
kommt. erinnert, etwa eine Muschel aus
einem gemeinsamen Urlaub oder
S orgen Sie dafür, dass Sie ganz
ungestört sind. Das Ritual be-
ginnt damit, die Kerze anzuzünden.
etwas anderes ganz Persönliches.
Sie können dieses Symbol berüh-
ren, erfühlen und eine Verbindung
Patricia Bäuerle hat eine Ausbildung
als Trauerbegleiterin und betreut die
Tun Sie dies mit voller Aufmerksam- spüren. Haller-Filiale in Stuttgart · Rot.
10 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 11Kultur und Historisches
Zerronnen und gewonnen:
eine kurze Betrachtung der Zeit
Sie macht uns, wir machen sie – universell, unaufhaltsam und unvergleichlich: Zeit. Unsere
Zeit scheint sich durch gefühlten Zeitmangel und die Gleichzeitigkeit vieler Stressfaktoren
auszuzeichnen. Trotzdem wollen wir hier und jetzt eine kleine Auszeit nehmen und der Zeit
unsere Aufmerksamkeit schenken.
U
nsere Lebenserwartung Atomzeituhr gültig zu sein scheint, Gerade der Kulturvergleich zeigt
ist in den letzten hun- „tickt“ jeder Mensch in seinem ei- deutlich, wie unterschiedlich die
dert Jahren um über genen Takt. Auch dabei ist jeder Zeitkulturen weltweit sind und
30 Jahre gestiegen – Mensch einzigartig. in welch ständiger Veränderung
wie gestalten wir unser Leben nach sie sich befinden. So haben die in
diesem Zeitgewinn? Zeit lässt sich Dennoch haben Philosophen und Arizona lebenden Hopi-Indianer
ebenso wenig anpassen oder verän- Hirnforscher, Psychologen und Phy- kein Wort für Vergangenheit und
dern, wie man fließendes Wasser siker „Zeit-Typen“ mit unterschied- Zukunft: Bei ihnen ist alles Gegen-
nicht in Stücke schneiden kann. Zeit lichem Zeitverhalten umrissen: Aus wart, in den andauernden Wandel
ist flüchtig, randvoll, endlos erschei- verschieden starken Aktivitäten der der Natur eingebettet. Für die indi-
nend oder als Augenblicksewigkeit gene Bevölkerung Australiens ver-
erlebbar. So, wie es auch der Er- schmelzen in dem Begriff „Traum-
finder der Relativitätstheorie augen- Die Hopi-Indianer zeit“ sowohl eine mythische Vorzeit
zwinkernd beschrieben hat: haben kein Wort für als auch eine Zukunft, die über
rituelle Handlungen aus dem Jetzt
„Wenn man zwei Stunden mit ei-
Vergangenheit und gestaltet werden kann. Bei Stam-
nem Mädchen zusammensitzt, meint Zukunft. meskulturen wird Zeit oft zyklisch
man, es wäre eine Minute. Sitzt erlebt, eingebettet in den jahreszeit-
man jedoch eine Minute auf einem lich und rituell rhythmisierten Jah- Wechselspiel von Licht und Schatten mehr Genauigkeit: Die wetterunab- Für viele afrikanische
heißen Ofen, meint man, es wären drei Hirnregionen (Stammhirn, reskreis, während sich in der euro- und gab dem Tag einen schnelleren hängige Wasseruhr führte über die
zwei Stunden. Das ist Relativität!“ Zwischenhirn, Großhirn) ist her- päisch geprägten Weltsicht sowohl Takt. Nicht jeder freute sich über Kerzen- und Sanduhr zur ersten Kulturen ist die
(Albert Einstein) zuleiten, dass Menschen entweder eine lineare Geschichts- als auch diese Neuerung. So beschwerte sich mechanischen Uhr. Ums Jahr 1500
ein vergangenheitsbetontes, ein ge- Zeitvorstellung etabliert hat. der römische Dichter Plautus im Jahr wurde die Federuhr erfunden, eine
Erfindung der Uhr
Der innere Takt ist kaum mit einer genwarts- oder zukunftsorientiertes 22 vor Christus, dass diese Sonnen- Uhr im Taschenformat als Zeit- vollkommen
Formel fassbar, und das individuel- Zeitempfinden haben. Diese Er- Die Geschichte der Zeitmessinstru- uhren seine Tage zerfetzen würden. messinstrument für jedermann.
le Zeitempfinden ist ebenso unter- kenntnis kann für die Gestaltung mente sagt viel über das Phänomen irrsinning.
schiedlich wie dessen persönlicher,
kultureller, soziologischer und re-
gionaler Kontext. Auch wenn über
des individuellen Tagesablaufs kon-
struktiv erhellend sein, ebenso wie
der Abgleich unserer persönlichen
Zeit aus: Die früheste Bemessung
der Zeit geschah durch den Ster-
nenhimmel, den Lauf und die Zei-
D ie Sonnenuhr wurde bis weit
ins Mittelalter hinein genutzt.
Doch trotz der Weisheit „Mach es
Je genauer sich die Zeit messen ließ,
desto mehr schienen sich auch der
kulturelle Wandel und die Taktung
Als ob Zeit messbar
und alle Zeit gleich
die Breitengrade der Erde hinweg Tempi mit der Kultur und dem Ort, chen der Jahreszeiten. Später erfass- wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren des Lebens stetig zu beschleunigen.
die unvorstellbare Genauigkeit der an dem wir leben. te die Erfindung der Sonnenuhr das Stunden nur“ verlangte man nach Heute benutzen wir Timeplaner und wäre!
12 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 13Kultur und Historisches
Smartphone. Oft merken wir erst, den Beteiligten meist strikt einge- Uhren, vor allem jene aus der für
wenn wir anderen „Zeitkulturen“ halten werden, kann es bei einer ihre Pünktlichkeit und Genauig-
begegnen, wie individuell und inter- privaten Einladung im gleichen keit berühmten Schweiz, gelten
pretierbar der Umgang mit Zeit und Land durchaus zu mehrstündi- weltweit als Prestigeobjekt. Sie
scheinbar genau festgelegten Termi- gen Verspätungen kommen. Im weisen dabei weit über ihre Funkti-
nen sein kann. Dies hielt beispiels- Kaukasus trifft man sich nie zum on der Zeitmessung hinaus. Doch
weise der „Spiegel“-Korrespondent die tatsächliche Gestaltung der
Bartholomäus Grill in seinem Buch Zeit erfolgt nach ganz anderen,
„Ach, Afrika“ fest. Er beschrieb, „Die Kindheit ist vorbei, weit schwieriger zu ermessenden
wie das Empfinden der Zeit vor wenn der Sommer nicht Reglements.
allem in ländlichen Teilen Afrikas
nach ganz eigenen, ehernen Geset- mehr ewig ist.“ „Die Kindheit ist vorbei, wenn
zen funktioniert: „Nicht Stunden der Sommer nicht mehr ewig ist.“
oder Minuten gliedern sie, sondern Mit jedem Lebensjahr scheint die
natürliche Zyklen und kulturelle Re- besprochenen Zeitpunkt, son- Zeit schneller zu verstreichen. Da
geln: Regen- und Trockenzeit, Aus- dern kommt in einem sehr offenen bleiben einem als Bewältigung die
saat und Ernte, Geburt, Initiation, Zeitfluss später zusammen. Deut- Vertiefung ins „Jetzt“ und die Phi-
Heirat und Tod.“ sche warten in anderen Ländern losophie.
häufiger gestresst, ungeduldig
A llerdings sollte man dies nicht
generalisieren: Während Ge-
schäftstermine in Südafrika von
oder auch verärgert, bis sie in die
entschleunigte lokale Zeitgestal-
tung einsteigen.
Im georgischen Alphabet gibt es
den Buchstaben „Tsutisopeli“.
Dies bedeutet so viel wie „Das Le-
ben währt eine Minute“. Aber diese Auch die Autorin Juli Zeh verweist Sonnenaufgang, das bewusste Einat-
Lebensminute hat jeder Mensch, darauf, dass von allen Lebewesen nur men des ersten Frühlingshauchs, der
und diese Lebensspanne gilt es zu der Mensch darauf besteht, das Le- geteilte, kostbare Moment mit einem
nutzen, zu füllen mit Eindrücken, ben als eine Straße und nicht als Zu- Gegenüber oder beim Meditieren:
Erlebnissen und Geschichten, die Die Summe der Zeit kann mehr sein
uns durch die Zeit tragen. als ihre Teile, als Sekunden, Minuten
Im georgischen Alphabet und Stunden. Und wenn es einmal
D ie Gegenwart, so heißt es, dau-
ert höchstens drei Sekunden
(auch wenn sie bei Nahtoderleb-
gibt es einen Buchstaben,
der bedeutet so viel wie
allzu stressig wird, gibt es ja noch
diesen japanisches Kōan: „Hast du
es eilig, dann setz dich hin.“
nissen oder Unfällen auch einfrie- „Das Leben währt eine
ren und scheinbar endlos dauern Minute.“
kann). Diese kleine Spanne, die
drei Sekunden Gegenwart, können
wir selbst gestalten. Immer, in allen stand zu sehen. Und nur deswegen
Zeiten, auch wenn der Terminka- kennt er eine Vergangenheit und eine
lender randvoll ist und der Timer Zukunft. Dies trägt uns durch un-
ruft. „Es mag bessere Zeiten geben, ser Leben und sorgt dafür, dass wir
aber diese hier ist unsere“, erinnert uns erinnern und dass wir träumen.
uns der Philosoph Jean Paul. Nur Manchmal gelingt es uns sogar, die
der Mensch kann seine Zeit bewusst Zeit scheinbar festzuhalten – im tie- Ulrika Bohnet hat Ethnologie studiert
gestalten. fen Erleben von allem, was ist. Ob ein und betreut die Haller-Filiale im Stutt-
14 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 15Lebensgeschichten · Stuttgart-Degerloch
Vorgezeichnet für ein
Leben voller Farbe
Chris Keller liebte Kunst, Jazz und Geschwindigkeit.
C
hris Keller hatte ein fein- Seine Liebe zur Kunst wurde ihm Chris Keller besaß ein großes Ar-
sinniges Gespür für die in die Wiege gelegt. Der Künstler senal am Kameras und Fotografier-
schönen Dinge des Le- Oskar Schlemmer hatte 1940 an- Zubehör. Er hatte Freude daran,
bens. Für Autos, vor al- gesichts des Familienzuwachses ein kleinste Details von Pflanzen mit
lem, wenn sie etwas ungewöhnlich Wandgemälde im Haus der Familie einer Hightech-Kamera zu fotogra-
waren, schnell und rot. Er mochte in Vaihingen angefertigt. Der Vater fieren und diese Details dann ganz
Geschwindigkeit und drückte gerne hatte es anlässlich von Christians groß und in all ihrer Schönheit zu
aufs Pedal. Geburt in Auftrag gegeben. Wenig zeigen. Chris Keller, wie man ihn kennt: gemütlich zuhause, im Urlaub mit Hut, erklärend und mit Töchterchen im roten Auto.
später hat man dieses Gemälde hinter
Kunst fand er toll. (Vernissagen einer falschen Wand versteckt – si- Seine Familie war ihm wichtig. Das
langweilig.) Er hatte einen kla- cherheitshalber, damit es nicht in die Heim in Degerloch. Auch wenn er Chris war anständig und aufrichtig. nach Afrika und einer gesundheitli- Cleft-Kinder-Hilfe förderte er me-
ren Sinn für Ästhetik und wusste Hände der Nazis fallen konnte. Heu- nicht wusste, wo die Spülmaschine Spießig zu sein war das Schlimmste chen Grenzerfahrung, bei der er fast dizinische Projekte für Kinder mit
schnell, wann etwas einfach scheuß- te befindet sich dieses Wandgemälde war. Er bastelte gerne und mochte es, für ihn. ums Leben gekommen wäre. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.
lich war. „Sieht mer.“, sagte er. in der Stuttgarter Staatsgalerie. Radios zusammenzubauen. An Mo-
dell-Seglern hatte er eine kindliche
Freude. Und er liebte Bauschaum!
Bauschaum fand er einfach genial.
E r hasste es, Kleidung kaufen zu
gehen. Er war einfach nicht in
einen Laden hinein zu kriegen. Die
Dennoch sollte seine Verbindung
mit Afrika sein Leben lang halten,
auch wenn er nie wieder dorthin
Chris war gerne unter Menschen.
Feste fand er toll. Wenn alle zusam-
menkamen, war er im Glück. Dann
einzige Ausnahme machte er für hat er im liebsten die ganze Nacht
Er konnte stundenlang lesen und in einen Schneider, den er gelegent- durchgequatscht. Auch guten Jazz
Büchern versinken, war immer neu- lich aufsuchte. Eines Tages wollte schätzte er sehr. Mit Leidenschaft
gierig auf die neueste Technik. Er er einen Anzug passend zu seinem
Für seine spielte er selbst Posaune und reis-
war ein wandelndes Lexikon, hatte neuen Auto, einem flaschengrünen Trauerfeier wünschte te alljährlich zu Jazz-Workshops
unendlich viel Wissen parat über Ge- „Bitter“. Kurzerhand nahm der er sich ordentlich in Ascona. Musik war ihm unfass-
schichte und Politik und außerdem Schneider ein paar Stoffballen und Gruftmucke. bar wichtig. Für seine Trauerfeier
immer einen guten Blick für die grö- trug sie zum Auto, um die richtige wünschte er sich ordentlich Gruft-
ßeren Zusammenhänge. Er wusste Farbe herauszufinden. Das sorg- mucke.
alles und hatte immer eine Antwort. te für nicht wenig Aufsehen. Eine
Menschentraube bildete sich. reisen konnte, weil er das Klima Bei seiner Trauerfeier auf dem
Er hatte in den 1960er-Jahren bei nicht vertrug. Er hatte die Verwund- Dornhaldenfriedhof spielte die Jazz-
IBM angefangen und war danach Diese Geschichte erzählte er immer barkeit der Menschen gesehen und Band, bei der er selbst lange Jahre
mehr als vierzig Jahre lang selbststän- wieder gern. So, wie er viele Ge- gründete eine Stiftung, die sich um Mitglied gewesen war. Freunde hiel-
dig als IT-Berater. schichten gerne erzählte. Wichtig bedürftige Kinder vor allem im Ka- ten Nachrufe, und es wurden Bilder
Dieses Wandgemälde schuf Oskar Schlemmer anlässlich von Chris' Geburt 1940. war die Geschichte von der Reise merun kümmert. Zusammen mit der aus seinem Leben gezeigt.
16 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 17Lebensgeschichten · Sielmingen Lebensgeschichten · Sielmingen
Alles mit der Ruhe
Helmut, der Leierkastenmann
W
as immer Helmut machen. Seine Tannenbäume pflan- Aber es gab durchaus Momente, in
tat, das tat er ge- zen. Ihnen gemütlich beim Wachsen denen er wusste, dass Eile geboten
mächlich, aber mit zusehen, sie pflegen, sich kümmern war: wenn es einen Notfall gab oder
Ausdauer. So wie und sie dann zu Weihnachten an je- als endlich sein neuer Auto-Anhän-
er die Drehorgel spielte. Immer manden zu verkaufen, der auch wirk- ger kam. Da rannte er mit einem un-
langsam und präzise, immer in ge- lich Freude daran hatte. glaublichen Tempo aus dem Haus,
nau derselben Geschwindigkeit. um diesen zu begrüßen.
Für seine Drehorgel hatte er eine
große Musik-Sammlung. Er spielte
sie gern: daheim für sich, vor Fami-
lie und vor Freunden. Er hatte sich
Gemächlich vor sich
hin schaffen −
E ntscheidungen wollten immer
gut recherchiert und wohl über-
legt sein. Endlose Stunden konnte
Helmut tat alles in immer genau derselben Geschwindigkeit.
auch vorgenommen, bald mal wieder dann war er im er damit verbringen, Testergebnisse Helmut schaute immer genau hin, Helmut war immer hilfsbereit. Wenn Tag ausklingen lassen. Danach lieb-
mit der Drehorgel auf den Mark- von Stiftung Warentest zu studieren, und er musste immer ganz genau wis- jemand etwas brauchte, war er da te er es gemütlich. Kerzen anzünden
platz zu gehen.
Glück. und dann nochmal Stunden, Tage, sen, wie Dinge funktionieren. und beteiligte sich an den Lösungen. und kleine, duftende Räuchermänn-
Wochen, Monate, um weiter nach- Er half zu reparieren, umzubauen, chen in der Wohnung verteilen.
Helmut war einer, der immer etwas
zu tun haben musste. Gemächlich
vor sich hin schaffen – dann war
Helmut war beharrlich in allem, was
er tat. Er gab nie auf. Er wurde aber
zuforschen. Um etwas zu finden,
das ganz genau seinen Ansprüchen
entsprach, um etwas zu finden, das
D as richtige Werkzeug war wich-
tig. Er sammelte Werkzeuge
und eigentlich alles. Das ganze Haus
im Internet zu recherchieren, gute
Lösungen zu finden. Helmut war eigensinnig und hilfs-
bereit. Bruddelig und zärtlich.
er im Glück. Dinge im Haushalt auch nie schneller. Er tat alles in sei- praktisch wie für ihn gebaut worden war voll von Dingen, die man noch Er liebte Urlaub in Deutschland. Langsam und beharrlich.
reparieren. Obst sammeln. Most ner ureigenen Geschwindigkeit. war. irgendwann mal brauchen könnte. Mit dem Wohnwagen auf einen Zelt-
Und tatsächlich war vieles dann ir-
gendwann wirklich mal nützlich. So
wie jener alte Staubsaugerschlauch,
platz zu fahren und mit dem Boot
den Fluss hinunter. Er hatte Freude I n den letzten Jahren wurden die
vielen Projekte, an denen er arbei-
tete, nach und nach immer weniger.
den er verwendete, um eine extra Er brauchte mehr und Pausen und
Frischluft-Zufuhr für den Hund im Sich Zeit nehmen immer längere. Sein Herz machte
Auto zu basteln. ihm zu schaffen, die MS. Selbst
und den Tag das Drehorgelspiel war mühsam
Dabei war Ästhetik immer weniger ausklingen geworden. Er wollte, dass an sei-
wichtig als Funktionalität. Das galt lassen. ner Trauerfeier gelacht wurde. Auf
auch für seine Kleidung. Er war ein dem Friedhof in Sielmingen haben
Rebell, was Mode anbetraf, und die Gäste vor der Feier an seinem
weigerte sich, irgendwelchen Vor- am Paddeln und ist gerne mit seiner Sarg viele, viele Kerzen für ihn an-
stellungen zu entsprechen. Lebensgefährtin und deren Familie gezündet. Als der der dreijährige
auf Flüssen unterwegs gewesen. Auf Großneffe seiner Lebensgefährtin
Lange Jahre arbeitete er als Busfah- Main und Mosel, auf Ruhr, Weser das sah, sang er gut hörbar „Happy
rer. Er war froh, dass er den ganzen und Aller. Der Spaziergang mit Mo- Birthday to you“.
Tag vor sich hin werkeln konnte, pel, dem Hund am Ende des Tages
ohne dass ihm einer reinredete. Und war ihm ein wichtiges kleines Ritual. Es war ein Geburtstag im Himmel
er hatte Spaß an der Geselligkeit mit Da konnte er so langsam gehen, wie und eine Feier auf Erden, die ihm
Helmut voller Ernst und Heiterkeit. den Kollegen nach der Arbeit. er wollte. Sich Zeit nehmen und den gefallen hätte.
18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 19Recht Kultur und Historisches
In guter Gesellschaft · Stuttgarts Friedhöfe
Die Etzels – Vater und Sohn
Zwei geniale Planer und Ingenieure
Handschriftliche Änderungen im Testament – was gilt? Gottlieb Christian Eberhard von Etzel
Herzoglicher Landbaukontrolleur und Stadtplaner
Ein Testament war handschriftlich geändert worden. Welcher Erbe ist der rechtmäßige? Was wollte der Erb- 1784 in Stuttgart geboren, 1840 in Stuttgart gestorben, auf dem Hoppenlaufriedhof bestattet
lasser wirklich? Diese Fragen hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf zu klären. Es entschied mit Beschluss
vom 29. September 2017 (AZ I-3 Wx 63/16) zugunsten derjenigen, die in der ursprünglichen Fassung als
Erben vorgesehen waren. E r war hoch angesehen und anerkannt: Gottlieb Christian Eberhard von Etzel, herzoglicher
Landbaukontrolleur und Stadtplaner in Stuttgart, Vater von Carl von Etzel. Als technischer
D
Rat im Bauministerium reorganisierte er das Straßen- und Brückenwesen von Württemberg. Er
as war geschehen: Ein in getroffene Erbeinsetzung aufheben Gelingt dieser Nachweis nicht, wird baute die Straße von Münsingen nach Ehingen (Donau) wie auch die alte steinerne Wilhelms-
Erblasser hatte ur- wollte. Es sei schlicht nicht klar, ob die vorhandene Kopie des Originaltes- brücke in Cannstatt, von der heute nur noch die Pfeiler stehen. Von ihm waren eine hölzerne Brü-
sprünglich ein hand- der Erblasser selbst oder aber dritte taments so behandelt werden müssen, cke in Heilbronn, die Ludwig-Wilhelm-Brücke in Ulm und die Enzbrücke bei Besigheim 1822
schriftliches Testament Personen die Streichungen in dem als ob das Original noch existent wäre. bis 1830 entstand sein sicher berühmtestes Bauwerk, die Neue Weinsteige in Stuttgart. Davon
verfasst. Als das Schriftstück nach Testament vorgenommen hätten. kündet ein Denkmal: Von Wilhelm Braun geschaffen, wurde es im oberen Bereich der Neuen
seinem Tod beim Nachlassgericht
abgeliefert wurde, enthielt es jedoch
Änderungen. Mehrere Passagen
Generell ist es durchaus möglich, ein
Testament durch Streichungen ganz
D as bedeutet für alle, die ein
handschriftliches Testament
haben und nachträglich ändern wol-
Weinsteige aufgestellt. Man hat zudem eine Straße nach ihm benannt, die Etzelstraße im
Stuttgarter Süden. Bestattet wurde Vater Etzel auf dem Hoppenlaufriedhof in Abteilung 4a.
waren von Hand durchgestrichen oder teilweise zu widerrufen, führte len: Je nach Umfang und Tragweite
worden. Darin ging es unter ande- das Gericht aus. Doch dann ist es der Änderungen kann es besser sein, Carl von Etzel
rem darum, wer erben sollte: Ei- wichtig, nachweisbar zu machen, ein komplett neues Testament aufzu- Architekt, Bauingenieur
gentlich war ein mit dem Erblasser dass diese Streichungen vom Erb- setzen und zu hinterlegen. Das alte 1812 in Stuttgart geboren, 865 in Kemmelbach (Österreich) gestorben, auf dem Stuttgarter Pragfriedhof bestattet
befreundetes Ehepaar als Erbe ein- lasser selbst vorgenommen werden. Testament samt seiner Kopien muss
gesetzt, aber durchgestrichen. Trotz
der Streichung beantragte dieses
Ehepaar beim zuständigen Nach-
Zeugen wären ein geeigneter Nach-
weis. Ohne Zeugen sei der Aufhe-
bungswille jedoch nicht beweisbar.
dann vernichtet werden.
Kleinere Änderungen kann man auch
C arl von Etzel war ein international renommierter Eisenbahn-Ingenieur. In seiner Hei-
matstadt Stuttgart studierte von 1831 bis 1835 Architektur und Ingenieurbau an der
Gewerbeschule, der späteren polytechnischen Schule. Seine erste Stelle war im Büro seines
lassgericht einen Erbschein. Doch es am ursprünglichen Dokument vorneh- Vaters Gottlieb Christian Eberhard von Etzel. Sohn Carl wurde bekannter als sein Vater.
erhielt ihn nicht – wegen der Strei-
chung. Z weite Argumentation: Man
könnte auch unterstellen, dass
die Streichungen tatsächlich vom
men. Dann ist es aber wichtig, nach-
zuweisen, dass diese Änderungen
tatsächlich vom Verfasser des Tes-
Nach seiner Tätigkeit in dessen Büro arbeitete er in Paris und Wien. Er machte sich europa-
weit einen guten Namen als Bauingenieur und Bauleiter im Eisenbahnbau, insbesondere in
schwierigem Gelände war er erfolgreich. Sein letztes, besonders hervorragendes Werk war die
Dagegen legte das Ehepaar Be- Erblasser stammen. Aber auch dann taments selbst stammen. Außerdem Brenner-Eisenbahn, die nach seinen Entwürfen durch die Alpen gebaut wurde. Ihm zu Ehren
schwerde ein, welcher auch stattge- ist die Lage uneindeutig. Man könnte sollte man deutlich machen, dass die wurde beim heutigen Bahnhof „Brenner“ ein Denkmal errichtet.
geben wurde. Die Geschichte ist hier annehmen, dass die Überarbeitung Änderungen ab sofort gelten sollen.
noch nicht zu Ende. Denn die Le- lediglich eine Vorbereitung auf ein Auch in Württemberg hat Etzel junior etliche Eisenbahn-Projekte verantwortet. Zum Beispiel
bensgefährtin des Verstorbenen ging neues Testament darstelle. In dem den Albaufstieg bei Geislingen (die Geislinger Steige), das große Enz-Viadukt bei Bietigheim-
dagegen vor, woraufhin das Ehepaar Fall bliebe das alte Testament so lan- Bissingen, den alten Stuttgarter Hauptbahnhof in der heutigen Bolzstraße sowie die erste Ei-
erneut Beschwerde einlegte, dies- ge gültig, bis ein neues errichtet sei. senbahnlinie Württembergs von Cannstatt nach Untertürkheim. Er plante mit dem Rosenstein-
mal beim Oberlandesgericht. Dieses tunnel in Stuttgart erstmals eine Eisenbahntrasse, die unter einem großen, wertvollen Bauwerk
Gericht traf die endgültige Entschei- Ähnlich schwierig ist es, wenn ein hindurchgeführt wurde, dem Schloss Rosenstein. Dort setzte er erfolgreich um, was sich bis
dung, dass das Ehepaar sehr wohl zerrissenes handschriftliches Testa- dahin kein Ingenieur zugetraut hatte. Auf dieses Tunnelbauwerk bezieht sich sogar ein schwäbi-
Erbe des Verstorbenen geworden sei. ment auftaucht, dessen Kopie beim sches Volkslied: „Zwischen Stuttgart und Cannstatt, da steht ein Tunnel. Wenn man reinfährt,
Der Erbschein wurde erteilt. Nachlassgericht hinterlegt ist. Auch wird’s dunkel, wenn man rausfährt, wird’s hell“.
hier stellt sich die Frage, ob es der
Das Oberlandesgericht begründete Verfasser des Testaments selbst war, Nach dem Sohn wurde ebenfalls eine Straße benannt. Im Stuttgarter Stadtbezirk Mitte, unweit des Hauptbahnhofs, liegt die
dies so: Man könne nicht nachweisen, der das Testament zerrissen hat. Es Kerstin Herr Carl-Etzel-Straße. Carl von Etzel wurde auf dem Pragfriedhof bestattet, in Abteilung 8-15-23.
dass es wirklich der Erblasser selbst muss nachgewiesen werden, dass die- Rechtsanwältin
war, der sein Testament und die dar- ser das Testament vernichten wollte. Kanzlei Königstraße, Stuttgart
In dieser Serie schreibt Werner Koch, der ehemalige Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes der Stadt Stuttgart.
20 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 Er ist zusammen mit seinem Sohn, dem Fotografen Christopher Koch, Autor des Stuttgarter Friedhofsführers. 21Bestattungsformen Bestattungsformen
Kreisen in Mode gekommen war; Trotzdem ist nicht das komplette sächlichen „Erdbestattung“ – meist
Warum gibt es verschiedene Formen der Bestattung? Wie kam es dazu, und was bedeutet das für uns heute? Freimaurer und andere Freigeister Ritual an den Friedhof gebunden. auf einem Wagen ans Grab gefah-
Welche unterschiedlichen Formen von Gräbern kennen wir, und was macht sie jeweils aus? All diese Fragen wählten sie als einen Ausdruck von Man kann die Trauerfeier auch ren. Getragen werden Tote norma-
Widerstand gegen die Kirche. anderswo abhalten und den Ver- lerweise nur die letzten Meter. Ein
beantworten wir Ihnen in einer kurzen Serie.
storbenen im Sarg erst danach an Geistlicher oder ein Redner verab-
Theologisch begründeten die Ent- den Ort der Erdbestattung bringen schiedet den Toten. Dann wird der
scheider das so: Bei einer Erdbestat- lassen. Eine solche Feier für eine Sarg mit Seilen ins Grab gelassen,
tung ist der Körper noch eine Zeit Erdbestattung kann in einer Kirche entweder von den anwesenden Trä-
Zurück zur Natur
lang Ausdruck der von Gott gegebe- stattfinden, die dem Friedhof nahe gern oder, wie auf den Friedhöfen
nen Persönlichkeit. Bei der Feuerbe- liegt. In Stuttgart kennt man dies in Ostfildern, von einer Sargversen-
stattung hingegen verschwindet jener besonders in der Petruskirche in kungsvorrichtung.
Zusammenhang fast gänzlich. Die Gablenberg und der Markuskirche
Erdbestattung betont sozusagen die im Lehenviertel, da die dortigen Die Erdbestattung hat den Ruf,
Einheit von Leib und Seele über den Friedhöfe keine eigenen Feierhallen teurer zu sein als eine Feuerbestat-
Tod hinaus. Parallel zu dem langsa- haben. Die beiden Kirchen sind tung. Dies kommt daher, dass vie-
men Prozess unter der Erde findet evangelisch, aber offen für alle Mit- le Gemeinden lange Zeit deutlich
Die Erdbestattung ein Trauerprozess über der Erde
statt. Beide Prozesse sind sinnbild-
glieder des Arbeitskreises christli-
cher Kirchen. Dies bedeutet, dass
niedrigere Gebühren (oftmals die
Hälfte) für ein Urnengrab erhoben
lich verbunden. die Trauerfeier für eine katholische haben als für ein Erdgrab. Deutsch-
Erdbestattung auch in der evangeli- landweit hat sich das in den letzten
„Erde zu Erde.“ So weist der kirchliche Ritus auf die Herkunft des Menschen hin.
Wie steht es mit der Erdbestattung heute? Woher kommt sie, und wohin geht sie? V orgeschrieben ist in Deutsch-
land, dass Erdbestattungen auf
einem Friedhof stattfinden müssen.
schen Kirche stattfinden kann.
Besonders große Trauerfeiern vor
Jahren aber geändert. Der neue
Denkansatz ist: Es geht nicht nur
um die reine Grabfläche, sondern
Es wäre nicht legal, einen Toten au- der Erdbestattung können auch in darum, dass die Friedhöfe ja auch
D
ßerhalb eines Friedhofes zu beerdi- entsprechende Säle verlegt werden, als Ganzes bewirtschaftet werden.
ie Erdbestattung ist im gen. Das ist fast überall in Europa in ein Theater oder andere Räum- Mittlerweile unterschieden sich die
christlichen Abendland ebenso geregelt, nur nicht in Eng- lichkeiten, die dafür geeignet sind. Grabgebühren kaum noch.
schon vor sehr langer land, wo auch eine Erdbestattung Hierzu braucht es keine Geneh-
Zeit zur üblichen Form
der Bestattung geworden. Sie war es
nicht immer: Zuvor, als Naturreligi-
auf privatem Grundstück legal wäre
– sie wird aber sehr selten prakti-
ziert. (Die Bestattung von Lady Di-
migung – nur die Erlaubnis des
Besitzers. Nach der Feier wird der
Verstorbene dann auf den Friedhof
I m süddeutschen Raum sind Erd-
bestattungen weiter verbreitet als
im norddeutschen Raum, auf dem
onen verbreitet waren, gab es häufi- ana ist aber so ein Fall. Ihr Grab be- überführt. Land sind sie stärker vertreten als
ger die Feuerbestattung. findet sich auf einer privaten Insel im in der Stadt. In der Region Stutt-
Den Wandel brachte das Jahr 875.
Damals machte Karl der Große die
Oval Lake des Familienwohnsitzes
Althorp House in der Grafschaft
Northamptonshire.)
W o auch immer die Feier war,
an ihrem Ende wird der
Verstorbene – nun zu seiner tat-
gart halten sich Erdbestattungen
und Feuerbestattungen in etwa die
Waage, wobei die Feuerbestattung
Erdbestattung zur christlichen Be- in den letzten Jahren viel Zuwachs
gräbnisform – offiziell und verpflich- erfahren hat.
tend, als klare Abgrenzung zu den
vorausgegangenen Traditionen. Die- Allerdings zeigt sich auch ein leich-
se Umstellung war vor allem jenem ter Trend zurück zu Erdbestattung.
Glauben geschuldet, den das frühe Eine Erklärung dafür könnte eine
Christentum mit sich brachte: dass Erst Anfang des 19. Jahrhun- Protestgründen stattfinden soll. Die neue, größere Sehnsucht nach Na-
die Menschen auferstehen werden, derts wurden Feuerbestattungen Kirchenväter gaben aber auch vor: Die tur und Erdverbundenheit sein. In
mit ihrem Leib. Dadurch wurden in Deutschland wieder populärer. Erdbestattung soll Katholiken noch Teilen der Gesellschaft wächst ein
Körperbestattungen wichtig. Denn Auch die katholische Kirche er- immer als die Norm gelten. Für die tiefes, neues Bedürfnis nach Na-
nach einer Einäscherung, so die laubt seit dem Zweiten Vatikani- kirchliche Furcht vor Feuerbestattun- türlichkeit und eben auch danach,
Denkweise, hätte das mit der leibli- schen Konzil in den 1960er-Jahren gen gab es Gründe. Unter anderem diesen natürlichen Prozess nicht
chen Auferstehung ja etwas kompli- die Feuerbestattung wieder. Immer den, dass die Feuerbestattung Ende künstlich und mit viel Technik zu
ziert werden können. vorausgesetzt, dass diese nicht aus des 18. Jahrhunderts in bestimmten beinträchtigen.
22 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 23Trauergruppen und Begleitung, Quellenangaben Buchbesprechung
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du sich erst einmal ausdehnen
lassen“, zitiert sie eine Weisheits-
Die Quellen der Bilder werden seitenweise angegeben, innerhalb der Seite jeweils von links nach rechts und von oben nach unten. einige Studien zum The- lehre des Taosimus. Eine Kern-
ma Einsamkeit vor. Da- botschaft des Buches: wie man
Umschlag: Fotolia mit kann man die eigene mit dem Gefühl der Einsamkeit
Seite 3: Lange Photography Seite 11: Fotolia, Lange Photography Seite 20: Fotolia Wahrnehmung und das im Alltag umgehen kann. Be-
Seite 4 & 5: Anne Schubert Seite 13: Fotolia Seite 21: alles Christopher Koch Phänomen besser einord- wusst in sich hineinhören. Es
Seite 7: Fotolia Seite 14: Fotolia Seite 22: Fotolia nen. Man erfährt so, dass spüren. Sich beobachten. Sie
Seite 8: Fotolia Seite 15: Fotolia, Lange Photography Seite 23: Fotolia ältere Menschen sich meist weniger einsam fühlen als empfiehlt auch, zu schreiben – als eine hilfreiche Methode,
Seite 9: Fotolia Seite 16 & 17: alle privat Seite 25: Kösel Verlag jüngere – vorausgesetzt, dass sie sich für andere inte- um Klarheit zu finden und ein wenig Distanz zum eigenen
Seite 10: Fotolia Seite 18 & 19: alle privat Seite 27: privat, Hariolf Fink ressieren und nicht in das Muster verfallen, nur über Erleben zu bekommen. Ein Buch für Mutige, die bereit sind,
sich selbst zu reden. sich Schwierigem zu stellen.
Inhaltliche Beratung: Heiko Hauger · Texte, falls nicht anders angegeben: Andrea Maria Haller
Kösel Verlag , 16,99 Euro
24 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 LebensZeiten ∙ Ausgabe 18 25Kulturkalender In eigener Sache
Kulturveranstaltungen In eigener Sache
Gedenkfeier
Über 60 Gäste sind gekommen, als wir am 21. März zur Ge-
Gemeinsames Singen denkfeier für die im Jahr 2017 Verstorbenen eingeladen haben.
Am Donnerstag, 21. Juni, singen wir um 19 Uhr gemeinsam die Lieder aus dem diesjährigen Haller-Kalender. Wir Wir haben die Namen der Toten gelesen und für jeden Ver-
treffen uns dazu in unseren Räumen in der Oberen Weinsteige 23 in Stuttgart-Degerloch. storben eine schwimmende Kerze angezündet. Der Musiker
Vladimir Trenin hat für jeden Namen einen Ton von seinem
russischen Bajan erklingen lassen.
Wer nicht mehr weiß, wie das jeweilige Lied klingen soll, kann es sich bei uns auf der Webseite auch anhören und
mitsingen: www.bestattungshaus-haller.de/kalender-2018 Es war eine bewegende und anrührende Feier mit sehr herzli-
chen Begegnungen.
Sommerlesung
Am Dienstag, 24. Juli, laden wir um 18 Uhr zu einer Lesung auf dem Santiago-de-Chile-Platz in Degerloch ein. Wir suchen Verstärkung
Bei schlechtem Wetter ist die Veranstaltung in unseren Räumen in der Oberen Weinsteige 23. In der Angehörigenbetreuung für unsere Niederlassung in der Hackstraße und zur Verstärkung unseres Versorgungsteams
in unserem Abschiedshaus in der Türlenstraße suchen wir zwei neue Kolleginnen oder Kollegen.
In unseren Mitarbeitern wünschen wir uns Offenheit, emotionale Reife und Stabilität sowie ein gepflegtes Auftreten und
die Fähigkeit auf andere Menschen einzugehen. Das Herz am richtigen Fleck und die Bereitschaft zu lernen sind uns
wichtiger als vorherige Berufserfahrung als Bestatter.
Bitte melden Sie sich kurz an – entweder mit dem Formular unten auf dieser Seite oder
per E-Mail an kultur@bestattungshaus-haller.de Wir sind ein sehr kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen. Freude daran „einen Schritt weiter zu gehen“ ist was
unsere Arbeit ausmacht. Wir legen sehr großen Wert auf einen fürsorglichen Umgang mit Verstorbenen, einen warmher-
zigen Umgang mit Angehörigen und ein gutes kollegiales Miteinander.
Wenn Sie sich gerne bewerben möchten, schicken Sie bitte eine E-Mail an Frau Andrea Maria Haller unter bewerbung@
bestattungshaus-haller.de. Bitte schreiben Sie ein paar Sätze über warum Sie gerne mit uns arbeiten möchten direkt in die
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Wolfgang Schäuble unterschrieb das Kondolenzbuch an der
Trauerfeier für den ehemaligen Bundestagspräsidenten Phillip
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