MAGAZIN - CSD ABSAGEN Aktuell
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AUSGABE 323 Mai 2020
MAGAZIN
www.box-magazin.com
Aktuell:
CSD ABSAGEN
Mann des Monats:
CAMERON ROBERT
Im Interview:
KRISZLY DE HOND
Leder & Fetisch:
GEDANKEN IN EINER UNGEWÖHNLICHEN ZEITAusgabe 323
Magazin
www.box-magazin.com Intro BOX Magazin 323 - Mai 2020
Inhalt Themen
4-7 Aktuell CSD Absagen S. 6 Kriszly de Hond S.10
8-9 Leder & Fetisch Die Corona Krise hat Kriszy de Hond aus
10-15 Leder & Fetisch Interview drastische Auswirkungen auf Amsterdam war 2016 erster
die Pride Veranstaltungen in „Mr. Puppy Europe“. 2019
16-19 Mann des Monats diesem Jahr. Überall auf der in Chicago hat er sich in
Welt werden Pride-Veranstal- der Wahl zum „International
20-23 Tagebuch Dominus.Berlin tungen und CSDs abgesagt Mr. Bootblack (IMBB)“
gegen internationale
24-26 Leder & Fetisch oder verschoben werden.
Konkurrenz durchgesetzt
und hat als erste Europäer
27 Shopping für Kerle
diesen Titel gewonnen.
28-29 Termine
30 Buch / Impressum
Cameron Robert S. 16 Leather Friends Italia S. 24
Liebe BOX Magazin
Leser und Leserinnen. Ich möchte mich selbstsicher 2010 gründeten einige Freunde
fühlen, wenn ich in Vollleder in der oberitalienischen Region
Auch für den Monat Mai die Straße entlang gehe.
haben wir uns ent- Venetien den Leder- und
Zum einen, um gegen das Fetisch-Verein LFI (kurz für:
schieden, die Ausgabe
des Magazins nur in Stigma anzukämpfen, das Leather Friends Italia). Sie
einer Online-Version diesem Look anhaftet. stellten sich damals der Her-
zu veröffentlichen. Zum anderen aber auch, ausforderung, die Fetischwelt
um andere Männer zu in Italien wiederzubeleben, die
Ab Juni wird es dann ermutigen, dasselbe zu tun. zu jener Zeit nahezu tot war.
wieder eine reguläre
Print-Ausgabe geben.
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100% schwul: X mehrere Andeutungen ihn sei der Schritt aber „viel
(Bilder: Wiki Commons, YouTube, Twitter, Instagram)
zu seiner Homosexualität, einfacher gewesen“: „Ich war
Rapper Lil Nas X die er später in mehreren
Interviews mit US-amerikan-
von niemandem abhängig.
Es gab niemanden, der mich
Der US-amerikanische ischen Medien bestätigte. aus dem Haus schmeißen
Rapper Lil Nas X will „zu Dabei erklärte er, als konnte – niemanden, der
100 Prozent die LGBT-Com- Jugendlicher aufgrund seiner mich deswegen schlecht
munity repräsentieren. Ich sexuellen Orientierung so behandeln konnte. Es mag
möchte allerdings andere verzweifelt gewesen zu sein, jedoch für andere 20-Jäh-
nicht dazu ermutigen, dass er versucht habe, diese rige nicht so sein, die sich
etwas zu tun, wovon sie wegzubeten. Vor Lil Nas noch nicht ganz sicher sind
nicht 100 Prozent über- X hat sich noch niemand und immer noch bei ihren
zeugt sind, es zu tun.“ als aktuelle Nummer 1 der Eltern leben.“ Bis heute sei
Billboard-Charts geoutet. seine Homosexualität ein
Lange hatte Lil Nas X, der Tabuthema in seiner Familie.
mit bürgerlichem Namen „Die Wahrheit ist, dass ich
Montero Lamar Hill heißt, vorhatte, das „Geheimnis“ Weltbekannt wurde
mit seinem Outing gehadert. mit ins Grab zu nehmen. Lil Nas X mit dem Hit
Erst im Laufe des Som- Aber das hat sich geändert, „Old Town Road“.
mers 2019 machte Lil Nas als ich Lil Nas X wurde.“ Für
Mit Corona wächst wältin beim Forum für
Menschenrechtsbewusstsein
nach der Sünde der Ho-
mosexualität. Wir stinken
der Hass gegen und -förderung, sagt dazu:
„Sie werden immer Ausreden
nach der Sünde von LGBT.“
Homosexuelle nutzen, um Menschen zu
verhaften und deshalb passt
Im letzten Jahre hatte der
Erzbischof in einem Hirten-
In Marseille erhält ein es (das Coronavirus) einfach brief zum Widerstand gegen
schwules Paar Drohungen perfekt“, „Aber der eigentli- den „Marsch für Gleich-
mit der Forderung, ihre che Grund, warum sie ver- berechtigung“ aufgerufen
Wohnung zu verlassen, haftet wurden, ist definitiv – den ersten CSD, der in der
weil „ihr Homosexuellen ihre sexuelle Orientierung.“ polnischen Stadt Białystok
die ersten seid, die mit stattfand. Immer wieder
COVID-19 verseucht sind“. In Polen hetzt der Erzbis- spricht er davon, das die
chof von Białystok, Tadeusz CSD-Demonstrationen in
In Uganda werden 20 Wojda (63) in einer Messe Polen die „religiösen Gefühle
LGBT+-Menschen während gegen Homosexuelle: „ ... der Menschen verletzten“
eines versteckten Treffens Wir stinken nach Sünde. und die Demonstranten
durch einen Großeinsatz ... Wir stinken nach der „mit ihrer unanständigen
der Polizei verhaftet. Grund: Sünde des Ungehorsams, Haltung und Kleidung“
Sie hielten sich nicht an die des unmoralischen Lebens, anderen „im öffentlichen
„Social Distancing“-Auf- des ständigen Streitens. Raum, insbesondere Kindern
forderungen bzgl. COVID-19. Wir stinken nach der Sünde und Jugendlichen, ein
Für Patricia Kimera, An- der Pädophilie. Wir stinken ekelhaftes Beispiel geben“.
Ärger um türkische Liebe zu finden – sei schwul. verwies auf eine frühere
Erklärung: „Viele falsche In-
Netflix-Serie Nach Bekanntwerden formationen verbreiten sich
meldete sich Ebubekir Sahin, aus gefälschten Berichten
Falsche Gerüchte über einen Präsident des Obersten ... glauben Sie nur dem, was
schwulen Charakter in der Rates für Radio und Fern- Sie von uns über die Serie
neuen türkischen Netflix-Se- sehen, zu Wort und erklärte: und die Charaktere hören,
rie „Love 101“ stießen auf „Wir werden keine Send- nicht den Gerüchten“.
Kritik der TV- und Rund- ungen tolerieren, die den
funkaufsichtsbehörde in nationalen und spirituellen Die große Mehrheit der
der Türkei und sorgten für Werten unserer Gesellschaft Tweets sprach sich dage-
Boykott-Aufrufe. In einem zuwiderlaufen“. In anderen gen für „Love 101“ aus und
Tweet eines inzwischen Tweets wurde Netflix als Twitter-Nutzer lehnten
gelöschten Twitter-Accounts „Feind des Islam“ bezeich- das Instrumentalisieren
war behauptet worden, eine net, Kommentatoren forder- von „Religion zur Legiti-
der Hauptfiguren der neuen ten ein Verbot in der Türkei. mation ihres Hasses auf
Serie - eine Geschichte über Homosexuelle“ ab.
Schüler, die ihrem Lehrer Netflix Türkei reagierte
helfen wollen, seine große nicht auf Anfeindungen und
4Ausgabe 323
Magazin
www.box-magazin.com Aktuell
„Homosexuelle Wertesystem zu sprechen, an
das sie glauben“, verteidigte
Herzspezialist Dr. Metin
Cakir steht. Dieser arbeit-
verursachen darauf hin AKP-Sprecher
Omer Celik die Aussagen auf
et seit rund 20 Jahren am
Helios Klinikum in Karlsruhe.
Krankheiten“ Twitter und andere zeigten
mit dem Hashtag „Ali Erbas
In einem Tweet unterstützte
der Arzt den Standpunkt
Ali Erbas, Leiter der mäch- ist nicht allein“ solidarisch. Erbas‘ auf Türkisch und
tigen türkischen Behörde „Anormal ist es, das Ge- schrieb: „Als Doktor will
für religiöse Angelegen- genteil zu fordern“, fügte ich sagen, dass es sich bei
heiten, hat in einer Predigt, Celik hinzu und warf der Homosexualität und Trans-
in der er auf die aktuelle Ankaraer Anwaltskammer sexualität um Krankheiten
Corona-Pandemie Bezug und den Kritikern vor, eine handelt.“. Bis kurz vor
nahm, behauptet, der Islam „faschistische Mentalität“ seiner Löschung erhielt der
verurteile Homosexualität an den Tag zu legen, die Tweet knapp 60.000 Likes
deshalb, weil „diese Krank- Erbas seines Rechts auf freie und fast 7000 Retweets.
heiten verursache und Gen- Meinungsäußerung berauben
erationen korrumpiert“. wolle - eine bei rechten und Daraufhin sah sich die
So habe Homosexualität religiösen Kräften beliebte Klinik zu einer Stellung-
das HI-Virus verursacht, Umkehrung, um mit dem nahme gezwungen: „Der
das zu AIDS führt.“Kommt Hinweis auf Meinungsfreiheit Mitarbeiter ist seit über 20
und lasst uns gemeinsam ihre menschenfeindlichen Jahren an unserem Stan-
kämpfen, um die Menschen Aussagen zu rechtfertigen. dort als Herzchirurg tätig
vor diesem Übel zu schüt- Präsidentschaftssprecher und im Team der Klinik
zen“, sagte Erbas in seiner Ibrahim Kalin äußerte unter als Kollege anerkannt. Wir
wöchentlichen Predigt. Verwendung desselben haben gemeinsam mit ihm
Hashtags, Erbas habe ein entschieden, ihn vorläufig
Nicht nur in den sozialen Me- „göttliches Urteil“ geäußert. zu beurlauben und prüfen
dien stießen Erbas‘ Aussagen derzeit die Möglichkeiten
auf Kritik. Die Anwaltskam- Die Ankaraer Staatsan- rechtlicher Konsequenzen.
mer von Ankara erklärte zu waltschaft leitete sogar eine
den Aussagen Erbas‘: „Sie Untersuchung gegen die Wir werden den Sachverh-
spiegeln ein Weltbild aus Chefs der Ankara er Anwalts- alt unter Einbeziehung der
vergangener Zeit“ und seien kammer wegen des Ver- zuständigen Ärztekammer
gegen die Menschenwürde dachts ein, dass sie die „re- prüfen und bewerten. Wir
gerichtet. Die Anwaltskam- ligiösen Werte der Türken“ werden uns zudem mit dem
mer von Izmir erklärte, sie beleidigt haben könnten, LSVD in Verbindung setzen
sei besorgt, dass solche berichtete die staatliche und ein Gespräch anbieten.“
Aussagen neue Hassver- Nachrichtenagentur Anadolu.
brechen fördern könnten. Er dürfte unwahrschein-
Auch in Deutschland führten lich sein, dass der Arzt
„Es ist das natürlichste Recht die Aussagen zu einer Aus- weiterhin als Funktion-
der Menschen, nach dem einandersetzung, in deren soberarzt am Klinikum
Mittelpunkt der Karlsruher weiterarbeiten kann.
Entkriminalisierung Kolonialzeit stammende
§ 377A verbietet Männern
selten Anwendung findet.
scheitert an jede Handlung grober
Unsittlichkeit gegenüber
In seiner Begründung sagte
das Gericht: „Die Gesetzge-
Singapurs oberstem einem anderen Mann. Sie
wird mit bis zu zwei Jahren
bung ist nach wie vor
wichtig, um die Gefühle und
Gerichtshof Gefängnis geahndet. Obwohl Überzeugungen der Öffen-
laut Umfragen die meisten tlichkeit widerzuspiegeln“.
Rückschlag für die asiatische Singapurer Homosexualität Dass es nur selten ange-
LGBTQ+-Gemeinschaft: ablehnen, ist die Toler- wendet werde, mache das
Der oberste Gerichtshof anz gegenüber Schwulen Gesetz nicht „überflüssig“.
Singapurs wies eine Klage und Lesben im Land trot-
gegen das immer noch zdem weit verbreitet. Rechtsanwalt M. Ravi, der
geltende koloniale Gesetz, einen der Beschwerdeführer
das schwulen Sex kriminalis- Gegen eine Entkriminalis- vertrat, drückte seine
iert, ab. Er bestätigte damit ierung laufen jedoch Konser- Enttäuschung aus: „Es ist
eine ähnliche Entschei- vative und Religiöse Sturm für das Gewissen schockie-
dung aus dem Jahr 2014. und setzen sich energisch für rend und es ist willkürlich.
die Beibehaltung des Gesetz- Diese Gesetzgebung ist
Der aus der englischen es ein, obwohl es nur sehr diskriminierend.“
5Aktuell
Corona: CSD- Welt werden Pride-Verans- Auch in Deutschland sind
taltungen und CSDs abgesagt viele CSDs inzwischen abge-
Absagen und oder verschoben werden. sagt, verschoben oder sollen
als Online-Form stattfinden.
-Verschiebungen So findet erstmalig seit 50
Jahren kein CSD in New
Eine aktuelle Übersicht fin-
det ihr immer auf der Seite
Die Corona Krise hat dras- York statt, dort wo 1969 des CSD Deutschland e.V.
tische Auswirkungen auf die mit den Stoenwall Aufrufhr
Pride Veranstaltungen in die neuere LGBT+-Bewe- Info: csd-deutschland.de
diesem Jahr. Überall auf der gung ihren Anfang setzt.
Russland: Fast jeder gelassen werden. Damit fällt
die Ablehnung gegenüber
Besser ergeht es Menschen
mit HIV – das in Russland zu
fünfte würde LGBT+ Homosexuellen stärker aus
als z.B. gegenüber Menschen
einer Epidemie geworden ist,
aber vorwiegend hetero-
„eliminieren“ mit HIV, Alkoholikern, Dro-
genabhängigen, Sexarbeitern
sexuelle Menschen betrifft.
Rund 1 Million Russen gelten
Seit 1989 befragt das Levada oder Feministinnen. Nur inzwischen als HIV-positiv.
Center regelmäßig Menschen Terroristen, Kinderschänder, Der Prozentsatz der Russen,
in Russland zu ihrer Einstel- Mörder, „Radikale“ und Mit- die mit HIV lebende Men-
lung gegenüber verschie- glieder von Sekten werden schen eliminieren wollen,
denen Themen. So auch zu noch stärker abgelehnt. sank von 14% im Jahr 1989
ihrer Haltung gegenüber auf 2% im Jahr 2020.
LGBT+ Menschen. Eine Nach Angaben des Leva-
aktuelle Umfrage unter 1614 da-Zentrums sank der Anteil, Ein kleiner Lichtblick: „Im
Erwachsenen zeigt dabei die die Homosexuelle „eliminie- Allgemeinen hat sich die
anhaltend feindliche Einstel- ren“ wollen, seit 1989 von Einstellung gegenüber
lung gegenüber Homosex- 35 bis auf 1999 auf 15% fast allen Gruppen, deren
uellen. 18% der Befragten und stieg dann bis 2015 Verhalten als ‚abweichend‘
würden Homosexuelle am li- auf 20% wieder an. Wohl oder ‚unerwünscht‘ emp-
ebsten „eliminieren“, weitere vor allem eine Folge der funden werden kann, seit
32% meinten, Schwule und gesellschaftlich von Politik der letzten Umfrage im Jahr
Lesben sollten „von der Ge- und Religion geförderte 2015 verbessert, mit Aus-
sellschaft isoliert“ werden. Homophobie und des Verbot nahme der ‚Mitglieder von
9 % meinten, Schwulen und der Aufklärung über Homo- Sekten‘, über die sich die
Lesben müsse man „helfen“ sexualität und Homosexuelle Einstellung verschlechtert
und 32 Prozent, Schwule („Homopropaganda“). hat“, so das Levada Center.
und Lesben sollten in Ruhe
Bremer Pfarrer Latzel diffamierten, so mit Mord-
drohungen, Sprühparolen
Buddha als „dicken, alten,
fetten Herrn“, das islamische
nennt Homosexuelle wie „God is gay“ oder einer
Gottesdienst-Störung durch
Zuckerfest als „Blödsinn“
und katholische Reliqui-
Verbrecher küssende Homo-Paare. en als „Dreck“. Sogar der
Bremer Landtag verurteilte
Der oft als „Hetzprediger Immer wieder fällt der Pfar- Latzels Predigt. Die Sta-
von Bremen“ bezeichnete rer mit seiner Einstellung zur atsanwaltschaft entschied
evangelikale Pfarrer Olaf Homosexualität auf: So sei jedoch, dass die Äußerungen
Latzel hat auf einem „Ehe- laut Bibel gelebte Homo- unter die Religions- und
seminar“ erklärt: „Überall sexualität wie Ehebruch ein Meinungsfreiheit fielen.
laufen diese Verbrecher „todeswürdiges Verbrechen“,
rum vom Christopher Street Kinder würden indoktrin- Die Bremische Evangelische
Day, feiern ihre Partys“. iert, dass Homosexualität Landeskirche verurteilte
Nun ermittelt die Bremer normal sei und dass es keine Latzels Äußerungen „auf das
Staatsanwaltschaft gegen natürlichen zwei Ges- Schärfste“. Dadurch würden
ihn wegen Volksverhetzung. chlechter gebe. Der „ganze „Menschen herabgesetzt,
Gender-Dreck“ sei „zutiefst beleidigt und in ihrer Würde
Latzel „relativierte“ teuflisch und satanisch“. verletzt“. Die Kirchenlei-
inzwischen seine Aussage: tung beobachte die Stra-
Mit „Verbrechern“ habe er Der Evangelikale ist in der fermittlungen „und prüft
„militante Aggressoren“ Vergangenheit auch durch davon ausgehend mögliche
gemeint, die ihn und seine Ausfälle gegen andere dienstrechtliche Schritte“.
Gemeinde St. Martini immer Glaubensrichtungen aufge-
wieder attackierten und fallen. So bezeichnete er
6Ausgabe 323
Magazin
www.box-magazin.com
Aktuell
www.csd-deutschland.de
(Bilder: Wiki Commons, YouTube, Twitter, Instagram)
7Leder / Fetisch
Text und Bilder Thorsten Buhl
Gedanken in einer ungewöhnlichen Zeit
Die Corona-Krise hat mich getroffen wie heftige Peitschenhiebe auf den Rücken. Allerdings nicht lustauslösend und geil. Der
Heilungsprozess ist dennoch vergleichbar: die roten Striemen verfärben sich am nächsten Tag blau und in den darauffol-
genden Tagen gelb. In einer etwas anderen Farbgebung präsentiert sich nun nämlich auch meine eigene Gedankenwelt.
der / Fetisch
Die Vorsorge-Maßnahmen unserer Regie- Persönlichkeiten aus unserer Leder- und alle mit, es funktioniert und wir sagen im
rungen zwingen mich, von einem Tag auf Fetisch-Szene zu nennen, haben die bloßen Nachhinein, dass die ganze Aufregung
den anderen rund um die Uhr zu Hause zu Infektionszahlen schlagartig Gesichter be- womöglich übertrieben war. Überwälti-
sein, und das seit mittlerweile 40 Tagen. kommen, sind Freunde zu Opfern des Virus gend ist es zu sehen, wie derzeit einzelne
So lange war ich noch nie am Stück in Graz. geworden. Und mit fortgeschrittener Zeit in Hilferufe aus der Community gehört und
Eine derart lange Zeitspanne ohne meine dieser Krise begegnen sich die Menschen beantwortet werden, das gibt Hoffnung.
Freunde und Familie zu treffen, ohne mit auf der Straße mit Misstrauen bis hin zu
dem Auto zu fahren, und bei mir berufs- ausgeprägter Paranoia. Diskutiert und ver- Jeder von uns geht anders mit der Bewäl-
bedingt vermutlich die letzten 15 Jahre urteilt wird derzeit schnell, viel und heftig. tigung der aktuellen Situation um. Am
auch ohne in ein Flugzeug zu steigen gab Sei es die Nachlässigkeit Einzelner, eine zu deutlichsten wird dies in den sozialen
es für mich noch nie. Die Pandemie zwingt Beginn der Krise nicht abgesagte Veranstal- Medien dargestellt. Während die einen
mich zum Verzicht. Nicht nur auf Events tung, Befürworter der Maßnahmen, Gegner Selfies von sich mit ihren Gesichtsmasken
wie Ostern in Berlin, Pride-Paraden oder der Maßnahmen, die Regierung an sich… posten, verteilt ein polnisches schwules
zahlreiche Fetisch-Veranstaltungen, die ich Gelegentlich ertappe ich mich selbst dabei, Pärchen auf der Straße regenbogenfarbene
in meinen Kalender eingetragen hatte. Son- versucht zu sein, meine Mitmenschen im Masken. Nicht nur zum Schutz vor dem
dern auch und noch viel mehr Verzicht auf öffentlichen Raum aufgrund ihres Verhal- Coronavirus, sondern zum Kampf gegen die
mein soziales Grundbedürfnis nach Gesel- tens zu missbilligen. Dabei ist der einzige grassierende Homophobie in ihrem Land.
ligkeit, nach Freundschaft und Zuneigung. vernünftige Mittelweg, sich gegenseitig zu Einige Titelträger feiern sich
unterstützen. Wir alle sind gleichermaßen selbst für das mangels neuen
Mit dem Tod von Daniel Dumont, Rob mitverantwortlich für den Schutz der öf- Wahlen zusätzliche Titeljahr,
Scheers oder Garry Bowie, um einige fentlichen Gesundheit. Besser wir machen andere verkaufen einen Teil
8Ausgabe 323
Magazin
www.box-magazin.com Leder / Fetisch
ihrer Leder- und Fetisch-Gear, um unter vertreib nennen soll, sondern Zeitgenuss. dabei sein möchte und was man sich von
dem Motto #BuyMyGear-FightCOVID-19 Veranstaltungen tatsächlich erwartet. Wir
Spendengelder für die Leather Heart Foun- In unserer Eile, wieder zur Normalität haben nun gelernt, mit Distanz umzugehen.
dation zu sammeln, die Mitglieder unserer zurückzukehren, sollten wir die jetzige Zeit Ist es sinnvoll, in gewisser Hinsicht weiter-
Community unterstützen, die aufgrund des nutzen, um zu überlegen, zu welchen Teilen hin Abstand zu wahren? Ist man für gewisse
Virus in finanzielle Schwierigkeiten geraten der Normalität es sich lohnt, zurückzukeh- Mitmenschen nur Spielplatz und ist die ei-
sind. Leider bleiben aufgrund des Über- ren. Soll es wieder normal werden? Diese gene Realität nicht zu wertvoll dafür? Kann
angebots viele Aktionen und Treffen im Frage möge jeder für sich selbst beantwor- es nicht auch spannend sein, sich für das
virtuellen Raum ungehört und ungesehen. ten. Aufstehen, Krönchen richten, weiter- Leben außerhalb unserer eigenen Blase zu
Durchwegs freue ich mich über Postings, gehen - das wird es diesmal nicht spielen. interessieren? Wünschenswert ist, dass sich
die viele von Euch in Euren Fetisch-Kla- Wir werden nicht dort weitermachen, wo derlei Gedanken und Vorhaben nicht allzu
motten zu Hause zeigen, frei nach dem wir aufgehört haben. Wir werden aber schnell verflüchtigen, sondern die Rück-
Gedanken #gearstayson. Ich gehöre selbst bestimmt das Miteinander, die Umarmung, kehr in die „neue Normalität“ überdauern.
auch dazu und genieße es, ab und zu in den Handschlag wieder vermehrt zu schät- Ich schließe meinen Ideenanreiz mit den
vollem Leder und mit Stiefeln im Home-Of- zen wissen. Wir werden vieles, was uns Worten des dänischen Atomphysikers Niels
fice zu arbeiten. Auch die vielen Anfragen vorher selbstverständlich war, bewusster Bohr: „Wir sind gleichzeitig Zuschauer und
von Freunden, Bekannten und Kunden wahrnehmen. Vielleicht mal das eine oder Schauspieler im großen Drama des Seins.“
nach meinem Wohlbefinden tun gut. andere kommerzielle Geschäftsmodell und
Vermarktungslogik unserer Fetisch-Com- Machen wir das Beste daraus… Herzli-
Viele sprechen von den Chancen der Krise. munity kritisch hinterfragen und sich damit che Grüße aus Graz und bleibt gesund!
Auf persönlicher Ebene muss ich gestehen, auseinandersetzen, wo man eigentlich
dass ich bisher weder eine neue Sprache
gelernt, noch eine spirituelle Erleuchtung
gefunden oder ein nebenberufliches Stu-
dium begonnen habe. Es tut mir gut, nicht
gnadenlos gegen die Uhr anrennen zu müs-
sen. In dieser Zeit zu Hause muss ich mich
jedoch mit mir selbst auseinandersetzen,
mit meinen Ängsten, Gefühlen und Erwar-
tungen - ob ich will oder nicht. Ich bekom-
me bewusst ein Gefühl dafür, wie mein
bisher „normales“ Leben verlief: schneller,
höher, weiter, mehr… Unweigerlich stellt
sich mir die Frage, was ich wirklich brauche
und worauf ich verzichten kann. Die derzeit
vorherrschende Krise ist in der Tat die idea-
le Zeit, daran zu denken, was wir eigentlich
haben und besitzen und nicht, was uns
fehlt. Obwohl bestimmt nicht nur ich der-
zeit sehr viele Dinge vermisse, schätze ich
die Vorteile dieser ungewöhnlichen Zeit.
Ich bin energiegeladen und habe den
Frühling 2020 gewiss mit allen Sinnen so
intensiv erlebt wie noch kein anderer zuvor.
“Wenn sie die Notwendigkeit verspüren,
an die frische Luft zu gehen, dann tun
sie das“, so unser Bundeskanzler in einer
Pressekonferenz. Davon mache ich in Form
von Jogging und Spazierengehen täglich
gebrauch. Anfangs bin ich gelaufen, um
vor der Frage der Situationsbewältigung
davonzulaufen. Mittlerweile genieße ich
beim Joggen das Wohlempfinden und das
Endorphin-High, das dem einer BDSM-Ses-
sion sehr ähnlich ist. Beim Spazieren
nehme ich das Austreiben der Blüten und
Blätter wahr, die Gerüche, die zunehmende
Wärme der Sonne. Manchmal braucht es
gar nicht viel, um glücklich zu sein. Zudem
probiere ich viele neue Koch- und Backre-
zepte aus, habe mehr Töpfe mit frischen
Kräutern denn je in der Küche stehen und
erkenne, dass ich derlei Dinge nicht Zeit-
9Leder / Fetisch
BOX: Hi Kriszly. Beim letzten Interview mit zurückgeben und für mich war der Schritt
der BOX 2016 warst Du noch „Mr. Puppy zur IMBB-Wahl einfach der Richtige.
Europe“. Heute bist Du „International
Mr. Bootblack“. Man könnte sogar sagen, BOX: Woher kommt „Bootbla-
Du hast eine echte Mr.-Karriere gemacht, cking“? Was ist es überhaupt?
aber welcher Titel passt besser zu Dir?
Kriszly: Bootblacking ist Englisch für
Kriszly: Beide Titel bedeuten mir komplett „Stiefelputzen“. Ein Bootblack ist da-
etwas anderes. Als ich „Mr. Puppy Europe“ her eigentlich ein quasi professioneller
wurde, habe ich noch meinen Platz in der Stiefelputzer und in den USA findet
Fetischwelt gesucht. Ich fühlte mich damals man sie fast überall – in Warenhäusern,
noch nicht wohl unter den Lederkerlen – Bahnhöfen, Flughäfen, usw. In der US-Le-
Tyrone Rontganger die ganze Lederszene hatte mich etwas ein- ather Community putzen die Bootblacks
geschüchtert. Bei den Puppys aber war es aber mehr als nur Stiefel – sie putzen
anders – sie haben mir das Gefühl gegeben, und pflegen komplette Lederoutfits.
IM INTERVIEW ich sei bei ihnen einfach so willkommen.
Die Puppys sind verspielt und glücklich, In Europa ist die „Bootblack-Commu-
ihnen ist es egal, ob Du Fetisch trägst oder nity“ noch sehr klein im Vergleich mit
Kriszy de Hond aus Amsterdam nicht. Für mich, damals irgendwie ein Au- den USA. Man hat in Amerika eine ganz
war 2016 erster „Mr. Puppy Euro- ßenseiter oder Newbie, war es ein sicherer andere Einstellung zur Lederkleidung. Als
pe“. 2019 in Chicago hat er sich in Ort, um meine Fetischreise zu beginnen. ich in der USA auf Reisen war, fiel es mir
der Wahl zum „International Mr. immer wieder auf, dass die Ledersachen
Bootblack (IMBB)“ gegen interna- BOX: Wenn Du Dich als Puppy dort immer wieder vom Mann zu Mann
tionale Konkurrenz durchgesetzt puddelwohl fühltest, warum woll- weitergegeben werden: die Lederwes-
und hat als erste Europäer diesen test Du denn „IMBB“ werden? ten, Lederjeans, Mützen und so weiter
Titel gewonnen. Hier spricht er werden einfach einem anderen in der
mit Tyrone Rontganger über sei- Kriszly: Eins vorweg: ich glaube, ich Community hinterlassen. Das kannte ich
ne Erfahrung als stiefelputzender brauche immer noch jeden Tag etwas hier in Europa nicht! Hier kauft man sich
Puppy, seine Reise in die Welt von Puppy-sein in meinem Leben *lacht*. einfach immer wieder gern neue Sachen.
Master und Sklaven und natürlich Obwohl mein perverser Weg durchs Wenn sie alt werden oder kaputtgehen,
amerikanischen Fetischwahlen. Leben derzeit eher auf die maskuline- schmeißt man sie einfach weg und kauft
re, erwachsenere Seite ausgerichtet ist, sich was Neues. Ich denke, das kommt
begleitet mich mein innerer Puppy immer daher, weil man hier nicht weißt, wie man
noch heute. Ich liebe die Verspieltheit, das Leder richtig pflegen kann oder soll.
und die konstante Energie, die ich dar-
aus schöpfe, macht mir sehr viel Spaß. Ich habe zum Beispiel in Amerika einmal
mit einem Typen geplaudert, der mir von
Zusammen mit meinem Puppy-Bruder Milo seinen Stiefeln erzählte: er habe sie von
und seinem Händler Sir Daniël haben wir seinem Opa geerbt, der sie schon im 2.
2015 das „Puppy-Social Bark&Play“ und Weltkrieg getragen hatte. Die-
2016 „Mr. Puppy Netherlands“ ins Leben se Stiefel hatten daher für sich
gerufen. Nach fast sechs Jahren in der eine besondere und einzigartige
Community, wollte ich endlich nur etwas Geschichte. Klar waren sie etwas
NAME: Kriszly de Hond
ALTER: 26 Jahre
BERUF: Hörakustiker
HOBBYS: Fetisch, Reisen, Leute
kennenlernen, alte Videospiele
10Ausgabe 323
Magazin
www.box-magazin.com Leder / Fetisch
11Leder / Fetisch
abgetragen und beschädigt, aber trotzdem auch nicht lecken. Also begann ich ohne neugierig auf diese Machtspiele war und
sahen sie mit neuen Schnursenkeln und meine Puppy-Maske zu Bootblacken. dass ich sie etwas mehr erkunden wollte,
Sohlen echt geil aus - aber das nur, weil sie als ich es bereits getan hatte. Zum Glück
wirklich jahrelang gut gepflegt wurden. BOX: Wie schnell wurdest Du denn schien ihm diese Art von Spiel auch zu
als Bootblack in der europäischen gefallen, und so verabredeten wir uns dazu.
Meine erste Lederjeans und -Weste wurden Leder-Community akzeptiert? Und Mann, es hat echt gut geklappt! Ich
mir auch von meinem Sir geschenkt. Sie bin von Natur aus nicht dominant, aber
hatten ihm bereits seit mehreren Jahren Kriszly: Nachdem ich auf fast jeder Fetisch- sicherlich auch nicht unterwürfig. Wenn
gehört, aber er trug sie nicht mehr und veranstaltung meine Puppy-Maske getragen ich mit jemandem spiele, bin ich gern ein
schenkte sie mir. Obwohl mein Lederklei- hatte, war es eine neue Erfahrung für mich, sadistischer Top. Ich bin selten passiv
derschrank seitdem um Einiges gewach- Stiefel ohne eine Maske zu putzen. Die und unterwerfe mich niemandem ohne
sen ist, trage ich immer noch heute gern Maske vermittelte ein Gefühl der Sicher- vorher einen guten Kampf abzuliefern!
diese alten Sachen, denn sie bedeuten mir heit, fast so, als wäre man anonym – auch Aber die Art und Weise, wie dieser Mann
etwas. Sie verkörpern seine Geschichte wenn jeder wusste, wer sich unter der in meinen Kopf eindrang und mich dazu
und machen mich daher stolz, sie auch mit Maske versteckte. Ohne die Maske, die das brachte, sein Sklave sein zu wollen, ihm
meiner eigenen Geschichte zu versehen. Sprechen und Hören beeinträchtigt, begann sogar unterwürfig zu sein, war etwas, das
Das alles steckt hinter Bootblacking. ich beim Putzen, mehr mit den Leder- ich auf dieser Ebene noch nie zuvor erlebt
kerlen zu quatschen. Ich wurde dadurch hatte. Den Weg vom schüchternen Puppy
BOX: Okay, bist Du Puppy, Boot- schnell zu immer mehr Leather Socials zum Bootblack und vom Bootblack zum
black oder ein Puppy-Bootblack? eingeladen und lernte dadurch mehr von Mann zu gehen, hätte ich mir am Anfang
den Machtspielen und der Dynamik unter meiner Fetischzeit nicht vorstellen können.
Kriszly: Wenn ich mich auf einen Begriff den Lederkerlen. Und es machte mich
festlegen müsste, würde ich mich eher als neugierig, dies selbst auszuprobieren. BOX: Kannst Du uns bitte et-
Göre bezeichnen *lacht*! Ich fing als Puppy was über die „International Mr.
an, was mir meine Fetisch-Horizonte schön BOX: Dann war Bootblacking für Bootblack“-Wahl erzählen?
erweiterte. Ich habe auch schon als Puppy Dich auch eine Art Sprungbrett
Stiefel geputzt, was bei den Lederkerlen für neue sexuelle Praktiken? Kriszly: Gerne! Die IMBB-Wahl findet
immer gut ankam. Ich finde es schade, auch in Chicago zur selben Zeit als die
dass man sowas bei den Lederveranstal- Kriszly: Ja. Mit einem meiner IML-Brüder International Mr. Leather-Wahl statt. In
tungen nicht öfters sieht. Trotzdem ist es begann ich, immer mehr zu chatten. Wir der Tat war 2019 das erste Jahr, das beide
schwierig, Stiefel in einer Hundemaske chatteten fast täglich und beschlossen, Wahlveranstaltungen eigentlich
zu putzen, denn man sieht und hört nicht uns an Folsom in Berlin zu treffen. Einige als nur eine Wahl integrierte.
alles so genau – und man kann die Stiefel Wochen vor Folsom sagte ich ihm, dass ich Für mich hieß es, dass ich mit
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den IML-Kandidaten auch in der Periode Kriszly: Es war Folsom Berlin 2016. Ich gezeigt, wie man Stiefel richtig putzt und
vor der Wahl viel zu tun hatte. Das hat wohnte bei einem lieben Freund in Berlin, das löste etwas in mir aus. Die Art und
mir viel Spaß gemacht, denn trotz unserer und er fragte mich, ob ich ihm dabei helfen Weise, wie er die Menschen in seinem
verschiedenen Wahlvorgänge konnten wir könnte, eine Übernachtungsmöglichkeit für Stuhl mit Respekt behandelte und ihnen
unsere innere Aufregung miteinander tei- einen Freund von ihm zu finden. Was ich ein gutes Gefühl für sich selbst und ihre
len. Ich habe noch viel Kontakt mit ihnen. dabei nicht wusste, war, dass sein Kum- Sachen vermittelte, war etwas,
pel der damalige IMBB war! Als wir uns was ich auch tun wollte. Ich
BOX: Wie bist Du überhaupt zum kennenlernten, war sofort eine Verbindung wollte es aber auch unbedingt
Bootblacking gekommen? zwischen uns da! Er hat mir gleich in Berlin meistern. Auch nachdem Folsom
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vorbei war, habe ich ihn per Mail öfters Kriszly: Man hört es immer
mit Fragen bombardiert: welches Wachs wieder, aber es stimmt: Du
oder Öl ist dafür besser geeignet? Was für musst immer nur Du blei-
Produkte würde ich dafür oder dazu brau- ben! Als ich mich für die
chen? Welche sind die besten Methoden? Wahl anmeldete, habe ich
Verschiedene Lederqualitäten? Ich denke, wirklich nie geglaubt, ich
meine Fragen müssen ihn schon genervt könnte sie vielleicht gewin-
haben, aber er war mir immer freundlich nen! Aber ich wollte diese
und hilfsbereit. Und ich habe immer wieder Erfahrung sammeln und
geübt, am Anfang nur zu Hause und für wusste, dass die europäi-
Freunde, und dann bei den Leather Socials, sche Community hinter mir
bis ich immer besser wurde. Ich ließ mir war. Das hat mir viel Kraft
aber dabei Zeit: wenn ich für ein Paar gegeben. Natürlich habe
Stiefel eine Stunde brauchte, dann habe ich ich an meinen Talenten
mir dafür eine Stunde Zeit gegeben. Jetzt und Know-How gezweifelt
will ich mein Erlerntes anderen Interessan- und wusste kaum etwas
ten weitergeben, damit wir diese Tradition über die Geschichte hinter
auch in Europa weitergeben können. Bootblacking. Aber ich
hatte das Internet und
BOX: Wie kann man eine derarti- habe mir eine ganze Menge
ge Tradition in Europa starten, wenn selbst zu Hause beige-
- wie schon erwähnt – wir diese Tra- bracht. Die Wahl ist aber
dition erstmal gar nicht kennen? wirklich schwer. Du musst
echt schnell arbeiten und
Kriszly: Naja, ich glaube, man braucht so- manchmal dachte ich, ich
wieso immer ein gutes Unterstützungsnetz- würde dabei einfach um-
werk um sich. Viele Fetischkerle in Europa fallen! Gottseidank hatte
unterschätzen die eigenen regionalen Fe- ich gute Freunde um mich
tischvereine, die einen gerne bei sowas un- herum, die mir Snacks und
terstützen. Fast alle Vereine haben Events, Getränke brachten und mir
bei denen man bootblacken kann. Dadurch meine Lederoutfits für den
lernen immer mehr Männer kennen, wie nächsten Tag vorbereite-
wichtig Bootblacks für die teure Leder- ten. Wenn ich abends tod-
kleidung sind. Wenn etwas gut ist, spricht müde zurück ins Apartment
sich das dann auch immer schnell herum. schaffte, war es sehr schön,
dort eine liebevolle Umar-
Es kann ein anstrengender und emo- mung zu bekommen. Der-
tional anstrengender Wettbewerb artige Wahlen sind wirklich
sein, aber die Erfahrung ist mehr viel härter, als man glaubt,
wert als Worte erklären können. aber nur wegen der Erfah- wenn da Tausende von Ledermännern
rung lohnt sich die Teilnahme daran! Die und -frauen applaudieren! Es gibt kaum
BOX: Es gibt nur wenige Europäer, die eine Freundschaften, die man dort schließt; die etwas, was sich damit vergleichen lässt.
US-amerikanische Fetischwahl gewon- Grenzen, an die man stößt; das herrliche
nen haben. Wie hast Du es geschafft? Gefühl, das man auf der Bühne bekommt, BOX: Was sagst Du den Boot-
blacks in Deutschland?
Kriszly: Ihr dürft Euch nie sagen lassen,
dass ihr die Stiefel falsch putzt! Jeder Boot-
black entwickelt seine eigenen Techniken
und Vorgehensweisen, und das ist es, was
Euch ausmacht. Ihr müsst auch nicht
alle möglichen Techniken beherrschen.
Stattdessen soll man sich darauf speziali-
sieren, was einem Spaß macht. Lernt Eure
Produkte kennen und wie ihr sie richtig
anwenden sollt. Fragt bei jedem Kunden
nach, genau was er von Euch erwartet und
scheut Euch nicht davor, ihnen zu sagen,
was ihr machen könnt und was auch nicht.
Und, wenn ihr sie braucht, bittet andere um
Hilfe, denn wir sind alle eine große Familie.
Der Tag wird kommen, wenn Dich andere
um Hilfe und Rat bitten. Und ich hoffe,
ihr bleibt in diesen Zeiten alle gesund.
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Möchtest du Mann des Monats werden? Dann bewirb dich bei:
MANN des MONATS manndesmonats@box-magazin.com
Name: Cameron Robert
Alter: 38
Geboren: 9. März 1982
Ich lebe in: Barcelona
Lebensmotto: Zeige dein
Leder Fetisch im sozialen
Leben im positive Snne.
Größe: 195 cm
Gewicht: 105 kg
Ich trage gerne: Leder, Rubber
Body: Sportlich
Behaarung: Vollbart, Haarig
Augen: Blau
Piercings: Nein
Tattoos: Nein
Raucher: Nein
CAMERON ROBERT Sex Ausrichtung: Schwul
Beziehungstyp: In einer Beziehung
Schwanz: XL unberschnitten
Position: Aktiv
BDSM: Ja
NS: Manchmal
Scat: Nein
Rollenspiele: Ja mehr aktiv
Brustwarzenspiele: nein
Mindgames: Ja
Bondage: Aktiv
Fisten: Nein
Cock & Ball Torture: Machmal
Mein persönlicher Fetisch: Leder, Long Session.
BDSM, Domination, Power exchange
Beim Sex Music höre ich gerne :
Heavy Metal oder Klassik
Kontaktmöglichkeit: www.instagram.com/
Cameron__Robert. Recon: CameronRobert
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Leder / Fetisch
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Wie siehst du dich als
Fetisch-Mann?
Ich möchte mich selbstsicher
fühlen, wenn ich in Vollleder die
Straße entlang gehe. Zum einen,
um gegen das Stigma anzukämp-
fen, das diesem Look anhaftet.
Zum anderen aber auch, um ande-
re Männer zu ermutigen, dasselbe
zu tun. Ziel ist es, dass versteckte
Ledermänner dabei in ihre Jeans
abspritzen oder zumindest, dass
sie einen peinlichen Steifen in
der Öffentlichkeit bekommen.
Erzähl uns etwas über Dich selbst!
Ich wurde mit blonden Haaren
und blauen Augen in einer kleinen
australischen Stadt ungefähr auf
halber Strecke zwischen Melbour-
ne und Adelaide geboren. Eine
etwas weitere Entfernung als von
der Ostgrenze Deutschlands bis
zur Westgrenze. Meine Eltern hat-
ten sich durch das Motorrad-Renn-
fahren kennengelernt. Deshalb
war es für mich als Kind normal,
in Gegenwart einer Gruppe von
Erwachsenen zu sein, die von Kopf
bis Fuß in Leder gekleidet und mit
Motorrädern, Bier und Zigaret-
ten gelegentlich ein geselliges
Beisammensein genossen.
Nachdem ich die Nonnen der
katholischen Schule überlebte
und einen Universitätsabschluss
in Management auf dem Land
absolviert hatte, zog ich nach
Sydney, wo ich meine berufliche
Laufbahn in der Logistik be-
gann. Mein erster Job dort war
die Arbeit mit über 50jährigen
stämmigen LKW-Fahrern, die Stahl
auslieferten. Später leitete ich ein
Chemielager bevor ich zurück aufs
Land zog und dort ein Lagerhaus
führte, das Trinkwasserflaschen
nach ganz Australien lieferte.
Vor etwas mehr als einem Jahr bin
ich ins sonnige Barcelona gezo-
gen, wo ich jetzt viel näher an
der europäischen Action bin und
es genieße, an noch mehr Fe-
tisch-Veranstaltungen teilzuneh-
men, ohne dafür zwei Tage Reise-
zeit auf mich nehmen zu müssen.
Wie kamst du in die
Lederszene? Was magst
du am meisten an Leder?
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Als Privatschüler kaufte mir mein Vater eine in Leder
eingebundene Bibel und ich erinnere mich, wie ich
den berauschenden, rauen, männlichen Duft des Bu-
cheinbandes liebte. Ich bin in den späten 80er Jahre
aufgewachsen, als es neben rotem Fleisch, Power-Balladen und
dem Fall der Sowjetunion in jedem Film eine Montageszene
gab und der Hauptdarsteller immer eine Lederjacke anhatte.
Mein erster Vorgeschmack auf die Lederszene war, als ich meinen
Ex zu seinem Geburtstag zu einer „Extra Dirty“-Party in Sydney
mitnahm, bei der die meisten Gäste unter Fetisch einen Leder-
harness verstanden. Im darauffolgenden Jahr reiste ich um die
Welt zu meiner ersten Folsom in Berlin und war überrascht, wie
freundlich und offen jeder war, was in der allgemeinen Schwu-
lenszene nicht so leicht zu finden ist. Ich erinnere mich an ein
Meer aus schwarzem Leder und einem dicken Dunst aus Zigar-
renrauch, der über der Menge der Männer schwebte, von denen
einige dicke Lederhalsbänder trugen, die fest mit einem Vorhän-
geschloss versehen waren. Ich bekam dort viel mehr Aufmerk-
samkeit als bei jedem anderen schwulen Event. Ich mag es, wie
offen und direkt jeder ist und die Akzeptanz oder zumindest To-
leranz, die für die besonderen Vorlieben der anderen herrscht.
Was machst du in Leder (Leder-Clubs, Bars, Par-
tys) und wo können wir dich treffen?
Kürzlich bin ich von meinem zweiten belgischen Leather Pri-
de, Darklands, zurückgekehrt und seit der Ausbreitung der
COVID-19 Pandemie und der Absage von Spring Break Bar-
celona, Manchester Rubber Week und Ostern in Berlin Eas-
ter habe ich bis September keine wirklichen Pläne.
Meine Geburtstagswoche überschneidet sich zufällig mit Folsom
Berlin, daher freue ich mich darauf, mich auf dem Straßenfest
unter die Leute zu mischen, mich mit Freunden im Prinzknecht
zu treffen, das neue Mutschmanns zu besuchen, möglicherweise
einen Ausflug ins Quälgeist zu machen, und natürlich ist Folsom
erst mit dem dicken rauchigen Dunst im New Action wirklich voll-
kommen. Abgesehen davon möglicherweise Maspalomas Fetish
Week Anfang Oktober, definitiv Barcelona Rubber Week, die viele
gemischte Fetisch-Events bietet und bei der die lokale Leder-Com-
munity Gastgeber des Willkommensabends für alle Frühankömm-
linge ist. Es gibt einen Schnellzug von Barcelona nach Paris und
Toulouse. Wenn jemand also Tipps hat, welche Veranstaltungen
in diesen Städten gut sind, kann er mich gerne informieren.
Was planst du für die Zukunft, was du in der Ledersze-
ne, deinem Club oder weltweit tun umsetzen möchtest?
Letztes Jahr saß ich auf dem Flug zu Folsom Europe neben ei-
nem Ledermann aus Los Angeles, der am „Tom House“ beteiligt
ist. Das ursprüngliche Zuhause von Tom of Finland in Los Ange-
les ist jetzt ein Ort, an dem seine erotischen Werke geschätzt
werden, die die schwule Ledermann-Ästhetik verkörpern. Mein
nächstes Abenteuer wird es also sein, Folsom San Francisco
zu besuchen, um die nordamerikanische Lederszene zu erle-
ben und das Tom Haus zu besichtigen, so lange ich dort bin.
Meine Lieblingsveranstaltungen in Berlin sind die Leather So-
cials. Es ist schön zu sehen, wie diese Treffen in allen Städten
der Welt aufkommen, einschließlich Melbourne und Sydney.
Und so freue ich mich auf die Möglichkeit, in voller Ledermontur
solche Veranstaltungen in meiner Heimat zu besuchen. (rh)
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In der letzten Ausgabe habe ich bereits Inspiration von Außen eine Rolle. Also, eine
von meinem Dauerklienten Olaf erzählt, Suche nach Input zur Weiterentwicklung
und wie schön wir zusammen Hundespiele dessen, was ich grad so positiv erlebe. In
machen. Sobald ich merke, dass mir ein Berlin gibt es eine Menge Orte, in denen
Spiel wirklich Spaß macht, und es evtl. tatsächlich die Mischung aus Tanz und Sex
auch noch eine Ästhetik anbietet, drängt erreicht wurde, z.B. das Laboratory (Gays
sich eine andere sexuelle Stimulation auf: only), ein „Hintertrakt“ zum international
mein Exhibitionismus. Deswegen werde bekannten Berghain, wo es Themenparties
ich mein Hündchen heute „Gassi führen“. speziell auf den schwulen Mann zugeschnit-
ten gibt. Gemischter im Publikum wird‘s
Aber worum geht es eigentlich bei dem im legendären Kitkat Club, wo es ohne
Thema „Exhibitionismus“?* Ich habe das Fetischgarderobe kein Einlass gibt, sowie
Wort - wie viele Andere meiner Gene- das Insomnia, ein ehemaliger Ballsaal, in
ration - im Zusammenhang mit Herren dem originale Barockelemente auf psy-
kennengelernt, die in Parks ihren langen chedelische Bilderwerke treffen, und sich
Mantel öffnen und somit Passanten mit der Hedonist gepflegt austoben kann.
TAGEBUCH ihrem Gemächt zu erschrecken suchten.
Letzteres wird unser Ziel des heutigen
In diesem Schock des Anderen lag dann Abends, denn abgesehen von meinem Exhi-
Master André alias Dominus. die sexuelle Erregung. Leider hatte ich nie bitionismus ist bei mir auch das Pendant
Berlin (43) ist der erfolgreichste das Glück, dass ich so eine Begegnung vorhanden: der Voyeurismus. In dem Laden
Dominus in Deutschland, Schweiz hatte, evtl. hat man mir schon angese- gibt es so viele Möglichkeiten zu Spannen,
hen, dass ich wahrscheinlich nicht die ach das wird herrlich! Damit wir uns nicht
und Österreich (www.dominus.
gewünschte Reaktion gezeigt hätte. umziehen müssen, gönnen wir uns ein
berlin). Der gebürtige Rheinländer Taxi, und können so auch beruhigt an der
arbeitet seit Jahren als Dominus Natürlich musste ich etwas suchen, um Garderobe im Eingangsbereich vorbei, zur
in den bekanntesten Dominastu- diese Herren zu finden. Das war aber nicht Halle. Gott sei Dank, ist es nicht so voll,
dios sowie ebenfalls als Dozent sehr schwer, denn es gab zu meiner Zeit und Olaf kann fein neben mir her krabbeln.
für Themen rund um BDSM. überall öffentliche Toiletten, wo sich Hinz
und Kunz an der Pipirinne den Dödel rieben Ich tue so, als wenn es völlig normal ist,
und selbigen mit Freude vorzeigten. Heute dass ein menschlicher Hund neben mir
wird der Begriff weiter gefasst, denn auch läuft. Natürlich ist es das bei mir auch
mediengeile Menschen, die sich öffentlich nicht, denn ich habe ja noch ein normales
- z.B. in Talkshows - zur Show stellen, Leben ohne BDSM, und so kann ich diese
bezeichnet man heute als Exhibitionisten, Momente umso mehr genießen. Ich habe
was natürlich kein Straftatbestand ist. mich doch für‘s Leder bei mir entschieden.
Wirkt massiger, und Olaf‘s Latex blitzt
Aber da Exhibitionismus nichts weiter als schon bei den Lichtern genug. Ich merke,
„zeigen“ bedeutet, ist das sicherlich nicht dass er unsicher wird, denn er drückt
falsch es so zu benennen. Übrigens, ist und seinen Kopf an mein Bein. Ich streichle ihn
bleibt dieses sehr männliche Phänomen und mir gefällt, dass er trotz Unsicherheit
auch nur für Männer strafbar. Auch als vor in seiner Rolle bleibt. Ein hübscher Typ an
gut zwei Jahren eine bekannte Schauspie- der Bar beobachtet uns und signalisiert,
lerin auf einem schmuddeligen Parkplatz mit seinem fast küssenden Blick, dass
ihre Muschi zwei sexy Undercover-Poli- er unsere in diesem Augenblick deutlich
zisten quasi ins Gesicht gedrückt hat, und sichtbare Verbindung „super sweet“ findet.
die Polizisten daraufhin Anzeige erstattet
haben, weil die Gute nicht aufhörte, blieb Ich lächle zurück, denn ein erstes Ziel
das „Vergehen“ für die Dame folgenlos. Na, wurde erreicht: ich bin stolz, auch wenn
soviel zum Thema der Gleichberechtigung. der Typ offensichtlich hetero ist. Uns
begegnen eine Menge verrückter Gestal-
Nun, im Zeitalter des Internets sind die ten, unter anderem auch ein Pferd mit
meisten dieser Angelegenheiten sowieso seinem Reiter, aber die beachten uns gar
vor die Cam gewandert. Aber so spannend nicht, obwohl wir eigentlich so viel mit
VOM wie dieser spontane Blick in ein fremdes
Wohnzimmer, und der dort vorhanden
ihnen gemeinsam haben. Manche haben
ganz irre Kostüme an, andere einfach nur
EXHIBITIONISMUS Erotik, auch sein mag - nichts ersetzt den
live-Kontakt. Dafür haben wir ja nun genug
Unterwäsche, oder eben simpel gar nichts.
Orte (Clubs) geschaffen. Bei mir basiert In den hinteren Räumen geht es zur Sache.
ZUM der Wunsch nach „Vorführen“ natürlich In einer Ecke sitzt ein Transvestit, und
auch einfach auf dem Gefühl des Stolzes, irgendwie wollen alle Hetero-Männer ihn
KUSCHELN frei nach dem Motto „Schau mal, was ich beglücken, obwohl der „männli-
hier Tolles mache.“ Allerdings spielt zu che Hintergrund“ offensichtlich
einem erheblicher Teil, der Bedarf nach ist. Da kannste als Cis-Mann ne
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Leder / Fetisch
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Stunde so nett drapiert und emp- Plastik in die Menge. Olaf holt diesen direkt auf der Theke was trinken.
fangsbereit dasitzen, es kommt ganz brav wieder, obwohl er gar nicht
kein Hetero-Mann umme Ecke, bemerkt, dass wir beobachtet werden. Wir kommen gut ins Gespräch, und ich
aber ein Röckchen, eine Perücke gestehe, dass ich ein bisschen stolz bin,
und nur ein bisschen Make Up, sowie der „Wow, seid ihr süß“, höre ich eine rauchi- von so einer Partyveteranin und lebenser-
übliche leichte Heteromann-Überschuss, ge Stimme aus Bar-Nähe rufen. Ich drehe fahrenen Frau angesprochen zu werden.
und die Investition in diese Garderobe mich zu der Stimme um, und es baut sich Trotzdem nörgle ich rum, dass ich das
hat sich für die Transe bereits gelohnt. vor mir die „schwule-Traumfrau“ auf: eine Gefühl habe, dass man dort nicht einfach
Olaf ist auch fasziniert von der Transe, 1,86m große Frau, Mitte 40, auf mega High nur zusammen liegen und schmusen kann.
die da gerade zwischen den sich ihr Heels, mit eingeklemmten großen Busen, „Das stimmt“, sagte sie und nahm einen
anbietenden Pimmeln auswählen darf. langen blonden Haaren und wahnsinnig tiefen Zug von ihrer Elektrozigarette „aber
positiver Ausstrahlung; kurzum: eine dafür gibt es hier doch die Party vom
Ihre Wahl fällt stetig auf „groß und Diva, und ich war sofort hin und weg. Fräulein Schmitt, kennst Du die?“ Nein,
beschnitten“. Eigentlich würde ich mich die kannte ich auch noch nicht, und daher
nun irgendwie gerne dort hinlegen, Es war Dominique, der der Laden ge- wurde sie mir auch noch vorgestellt.
das Treiben weiter beobachten und hört. Sie hatte früher selber ein ziem-
etwas Kuschelzeit mit Olaf verbringen, lich großes Domina Studio, und legte Olaf durfte mittlerweile seine Maske
aber irgendwie finde ich das unpas- dort auch selber Hand an. Bekannt abnehmen und aufrecht was trinken, denn
send, zwischen dem ganzen Geficke. wurde das Ding unter anderem, weil ich war ganz doll an dieser Kuschelparty
es ein Familien-Domina-Betrieb war. interessiert. Wir lauschten beide dieser gut
Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, gelaunten Person: dem Fräulein Schmitt.
dass, wenn ich in solchen Clubs unter- „Bist Du nicht der Dominus?“ fragt sie Sie ist eine von diesen emphatischen
wegs bin und mich irgendwo mit mei- mit ihrer Stimme, in der irgendwie immer Dominas. Intelligent, angenehm sachlich
nem Hund hinlege, die Menschen voller ein Lachen zu hören ist. Na, klar hatte und subtil bestimmend. Ich mag sowas.
Erwartung rüber schauen und denken, sie schon mal von mir gehört, denn das
dass ich ihn gleich durchbumse. Kurszentrum von meinem Domina Studio „Ach die Kuschelpartys sind großartig. Es
hatte erst kürzlich die Räume direkt über gibt ein Programm, bei dem jeder mitmuss.
Wir verlassen dann die Bummsabteilung, dem Insomnia bezogen. „Hey, für das Das fängt langsam und vorsichtig an, bis
und schlendern wieder raus in den Saal. Hündchen haben wir doch einen Napf“, sich eine Intimität aufbaut, die es auf
Olaf darf nun mal von der Leine weg. „Jetzt sagte Sie und liess sich diesen Napf ange- anderen Partys nicht gibt. So entsteht eine
lauf mal los“, rufe ich ihm zu. Anfänglich ben. „na, mein Hündchen muss aber dann ganz besondere Energie. Sozusagen eine
noch etwas verunsichert tapsend, springt er auf die Theke, damit ihn auch jeder sehen Verliebtheit auf Zeit.“ sagte sie und lehnte
später auf der Tanzfläche auf allen Vieren kann.“ entgegnete ich im vollen Bewusst- dabei mit beiden Ellenbogen auf der Bar.
hin und her, und kommt immer wieder zu sein meiner exhibitionistischen Ader.
mir zurück, und reibt sich an meinem Bein. Ich zog eine Augenbraue hoch: „und dann
Sie überlegt kurz und stemmt dann Rudelbumsen?“ „Vögeln dürfen die Leute
Unser Spektakel wird natürlich beäugt ihre Hände an ihre Korsage: „Aber gern auch. Aber erst später. Wenn sie richtig
und ich werfe zur Steigerung natür- doch, kannst auch gern ein Foto da- sozusagen „weichgekocht“ und „heißgeku-
lich einen mitgebrachten Knochen aus von machen...“ (Bild 2) Olaf, darf nun schelt“ sind. Dann können sie es meist gar
nicht mehr abwarten.“
Olaf und ich waren
begeistert. Das müssen
wir erleben!
Gesagt
- getan. Nach der rela-
xenden und spannen-
den Kuschelparty ein
paar Tage später, habe
ich irgendwie sogar
neue Impulse für mei-
nen Alltag gefunden.
Das Erlebnis hat mich
so begeistert, dass ich
das Fräulein Schmitt
überredet habe, dass
sie das mal ausschließ-
lich für Gays anbietet
und sie hat „ja“ gesagt.
Also, gibt es demnächst
eine Kuschelparty nur
für schwule Männer –
geil! Ich werde da sein.
Komm doch auch?
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Text: Andrea Pressi/Thorsten Buhl / Fotos: Andrea Pressi
10 Jahre Leather Friends Italia
2010 gründeten einige Freunde in der oberitalienischen Region Venetien den Leder- und Fe-
tisch-Verein LFI (kurz für: Leather Friends Italia). Sie stellten sich damals der Herausforde-
rung, die Fetischwelt in Italien wiederzubeleben, die zu jener Zeit nahezu tot war.
Der ehemalige italienische Leder-Verein teilnehmen wollten, ohne dafür unbedingt Ziel darauf ausgerichtet ist, über unsere
MLCV (kurz für: Moto Leather Club Vene- nationale Grenzen überschreiten zu müssen. Region hinauszugehen“, erklärt Präsi-
to), der 20 Jahre lang Veranstaltungen und dent Andrea Pressi den Vereinsnamen.
Partys in der Region Venetien koordinierte „Der Name LFI wurde nicht zufällig gewählt.
und organisierte, war aufgelöst und es Wir sprechen zwar von Leder, wollen aber Die ersten sieben Leather Friends haben
schien, als ob die Leidenschaft für Leder-, unter diesem Namen alle zugehörigen vor zehn Jahren damit begonnen, von ihrer
Gummi- und sonstige Fetischkleidung fortan Fetische mit einbeziehen (Gummi, Militär, Idee zu erzählen, Gleichgesinnte einzu-
in Vergessenheit geraten oder gar völlig Skin ...). Wir sprechen von Freunden, weil laden und sich für ihren neuen
abhandengekommen sei. Dem war aber wir nicht reine Mitgliederzahlen in einer Verein einzusetzen. So gehören
nicht so! Jede italienische Region verbarg Liste haben, und wir sprechen von Italien zum Verein mittlerweile rund
Enthusiasten, die an Veranstaltungen und nicht mehr von Venetien, weil unser 100 Mitglieder unterschiedli-
24Sie können auch lesen