Mission zum kleinsten, jemals erreichten Asteroiden - Nordhessen ...

Die Seite wird erstellt Wolfger Mayer
 
WEITER LESEN
Mission zum kleinsten, jemals
erreichten Asteroiden

ESA – Die ESA-Asteroidenmission Hera soll einen neuen Rekord
im Weltraum aufstellen. Die Sonde wird nur nicht das erste
Raumfahrzeug sein, dass ein binäres Asteroidensystem, den
Doppel-Asteroiden Didymos, untersucht. Der kleinere der
beiden, der etwa so groß wie die Große Pyramide von Gizeh ist,
ist zudem der kleinste jemals angeflogene Asteroid.

Aus größerer Entfernung sehen die Asteroiden zunächst ziemlich
gleich aus. Beim direkten Vergleich werden die Unterschiede
dann aber deutlich. Auf der von der Planetary Society
herausgegebenen Karte sämtlicher bisher von Raumfahrzeugen
beobachteten Asteroiden und Kometen ist der größere Didymos-
Asteroid ein mäßig großer Punkt, während sein kleinerer Bruder
noch nicht mal einen Pixel ausfüllt.

Der große Zwilling hat einen Durchmesser von gerade mal 780
Metern und gehört damit bereits zu den kleinsten Asteroiden,
die jemals von einer Sonde erforscht wurden – gemeinsam mit
dem Himmelskörper Itokawa mit einem Durchmesser von 350
Metern, der vom japanischen Hayabusa-Raumschiff besucht wurde,
und dem Asteroiden Bennu mit 500 Metern Durchmesser, der
derzeit von der NASA-Raumsonde OSIRIS-REx umkreist wird.

Von Raumfahrzeugen angeflogene Asteroiden und
Kometen
Sein kleiner Bruder „Didymoon“, mit einem Durchmesser von
gerade einmal 160 Metern, wird damit zum kleinsten jemals von
einer Sonde erforschten Asteroiden.

„Didymoon ist winzig – das wird besonders deutlich, wenn man
ihn mit anderen Asteroiden vergleicht“, sagt Patrick Michel,
leitender Wissenschaftler der Hera-Mission sowie CNRS-
Forschungsdirektor am Côte-d’Azur-Observatorium.

Michel ist darüber hinaus als Forscher und interdisziplinärer
Wissenschaftler an der japanischen Mission Hayabusa2
beteiligt. Diese untersucht den Asteroiden Ryugu, der einen
Durchmesser von etwa einem Kilometer hat. „Die Bilder von
Hayabusa2 zeigen einen großen Felsbrocken in der Nähe des
Ryugu-Nordpols. Und dieser Brocken ist etwa so groß wie der
gesamte Didymoon.“

Der Felsbrocken nahe dem Nordpol des Asteroiden
Ryugu
Didymoon wurde gerade wegen seiner Zwergengröße für den
Schauplatz eines bahnbrechenden Erdverteidigungs-Experiments
ausgewählt. Im Jahr 2022 wird das NASA-Raumfahrzeug DART
versuchen, auf Didymoon aufzuprallen. So soll seine Umlaufbahn
um den größeren Bruder verändert und damit getestet werden,
inwieweit wir in der Lage sind, einen Asteroiden von seiner
Flugbahn abzubringen.

„Dass ein Raumfahrzeug einen Einschlag auf einem solchen
Himmelskörper auslösen kann, wurde bereits demonstriert“, fügt
Michel hinzu, „die NASA-Sonde Deep Impact hat 2005 einen
Impaktor auf dem Kometen Tempel 1 einschlagen lassen,
allerdings nicht, um dessen Flugbahn zu verändern, sondern um
unter der Oberfläche liegendes Material freizusetzen. Der
Komet hatte einen Durchmesser von 6 Kilometern und war damit
viel zu groß. Doch Didymoon ist klein genug und braucht
darüber hinaus nur 12 Stunden, um seinen größeren
Zwillingsbruder zu umkreisen. Eine solche Umlaufzeit kann in
der Tat messbar verändert werden.“
Nach dem Einschlag wird die Raumsonde Hera die Didymos-
Asteroiden im Jahr 2026 beobachten, um die Informationen zu
sammeln, die für erdbasierte Observatorien unerreichbar sind.
Dazu gehören Didymoons Masse, seine Oberflächenbeschaffenheit
sowie die Form des DART-Kraters.

Kometeneinschlag durch die NASA-Sonde Deep Impact
„Anhand dieser Daten können wir die Impulsübertragung des
Einschlags solide abschätzen und dann beurteilen, ob es sich
hierbei um eine gute Technik zur Flugbahnveränderung handelt“,
sagt Michael Küppers, ESA-Projektwissenschaftler für die Hera-
Mission. „Diese Parameter sind unerlässlich, um verlässliche
numerische Einschlagsmodelle für zukünftige Missionen zu
entwerfen. Wir werden besser verstehen, ob sich diese Technik
vielleicht sogar auch für größere Asteroiden eignet. Damit
hätten wir dann auch die Gewissheit, dass wir unseren
Heimatplaneten effektiv vor einem Asteroideneinschlag schützen
könnten.“

Didymoon ist perfekt geeignet für einen solchen Test. Denn
aufgrund seiner winzigen Größe gehört er zu den gefährlichsten
erdnahen Asteroiden. Größere Asteroiden können leichter
entdeckt werden. Noch kleinere Himmelskörper verglühen
entweder in der Erdatmosphäre oder richten nur kleinere
Schäden an. Ein Asteroid von der Größe Didymoons könnte
allerdings eine ganze Region auf unserem Planeten verwüsten.

DART Mission
Das Didymos-Asteroidenpaar ist in vielerlei Hinsicht von
wissenschaftlichem Interesse. So kann es zum Beispiel auch
Erkenntnisse darüber liefern, wie solche binären Systeme
entstehen. Immerhin machen diese rund 15 Prozent der bekannten
Asteroiden aus.

„Didymos dreht sich sehr schnell und schafft eine vollständige
Umdrehung in zwei Stunden“, sagt Michel. „Die schwache
Gravitationsanziehung rund um seinen Äquator könnte von der
Zentrifugalkraft überstiegen werden. So könnte Material von
der Oberfläche aufsteigen, was übrigens die überzeugendste
Theorie für Didymoons Entstehung ist. Es ist also unmöglich,
auf dem Äquator zu landen. Stattdessen sind die Bereiche um
die Pole herum interessant.

Weil Didymoon so klein ist, wissen wir nur wenig über den
Asteroiden. Wir nehmen allerdings an, dass sein Verhältnis zum
großen Bruder dem der gebundenen Rotation von Erde und Mond
gleicht, seine Eigenumdrehung also langsamer ist als seine
Umlaufzeit um Didymos. Wir planen, mindestens einen CubeSat
auf Didymoon zu landen, doch hierfür muss extrem präzise
navigiert werden. Die Gravitation des Asteroiden beträgt in
etwa ein Millionstel der Erdgravitation, mit einer geschätzten
Fluchtgeschwindigkeit von lediglich 6 cm pro Sekunde. Eine der
Gefahren ist also, dass der CubeSat schlichtweg abprallt und
zurück ins All geworfen wird.“

Michel geht außerdem davon aus, dass Objekte der Didymoon-
Klasse optimal für den geplanten Asteroidenbergbau sein
könnten. Größere Himmelskörper gibt es vergleichsweise selten,
während kleinere Asteroiden dazu tendieren, sich sehr schnell
um sich selbst zu drehen – hervorgerufen von einer sukzessiven
Erwärmung durch das Sonnenlicht.

Die Hera-Mission wird derzeit geprüft und Space19+, dem
nächsten Ministerrat der europäischen Raumfahrtminister, zur
Genehmigung vorgelegt. Der Start der Mission ist für 2023
vorgesehen.

Nach der Kometenmission Rosetta wäre Hera damit die nächste
ESA-Mission zu einem kleinen Himmelskörper. Die Erfahrungen,
die in der 12 Jahre langen Rosetta-Mission gesammelt wurden,
kämen Hera direkt zugute. Eine langfristige Planung ist für
das Realisieren zukünftiger Missionen, die Sicherung der
fortwährenden Entwicklung innovativer Technologien sowie für
die Motivation neuer Generationen europäischer Wissenschaftler
und Ingenieure unerlässlich.
Original Content von: http://www.esa.int präsentiert durch
Nordhessen Journal
Sie können auch lesen