Schulblatt 5/2015 Mehr als nur Kleider - Was Schülerinnen und Schüler anziehen - Kanton Zürich
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Kanton Zürich
Schulblatt
Bildungsdirektion
5/2015
Mehr als nur
Kleider
Was Schülerinnen und
Schüler anziehen
Notfall-App
Rasche Unterstützung
via Smartphone
TV-Moderatorin
Cornelia Boesch
über ihre Schulzeit
Pflegeberufe
Die Neuorganisation
hat sich bewährt5 8
Magazin Fokus: Volksschule
Mehr als nur Kleider
4 24
Meine Schulzeit 14 Fachstelle für
TV-Moderatorin Dresscode Schulbeurteilung
Cornelia Boesch Wenn Schulen auf Der abtretende Leiter
Kleiderordnungen setzen Jürg Frey im Interview
5
Im Lehrerzimmer 18 26
Primarschule Knonau Schuluniform Stafette
Im Ausland – auch bei Die Schule in Kleingruppen
6 Schweizer Kindern – beliebt Wallisellen involviert die
Persönlich Eltern stark
Ralph Eichler, neuer 20
Präsident von Schweizer Im Gespräch 29
Jugend forscht Stilexpertin Susan Wahl In Kürze
warnt vor zu viel Aufhebens
8 rund um Kleider
Notfall-App
Wichtige Informationen
zum Handeln in Notfällen
11
Bildungsdirektorin
Silvia Steiner
beantwortet Fragen
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Inhalt
Wichtige Adressen Impressum Nr. 5/2015, 28.8.2015
Bildungsdirektion: www.bi.zh.ch Generalsekretariat: 043 259 23 09 Herausgeberin: Bildungsdirektion Kanton Zürich, Walcheplatz 2, 8090 Zürich Erscheinungs
Bildungsplanung: 043 259 53 50 Bildungsstatistik: www.bista.zh.ch weise: 6-mal jährlich, 130. Jahrgang, Auflage: 19 000 Ex. Redaktion: Redaktionsleiterin
Volksschulamt: www.vsa.zh.ch, 043 259 22 51 Mittelschul- und katrin.hafner@bi.zh.ch, 043 259 23 05; Redaktorin jacqueline.olivier@bi.zh.ch, 043 259 23 07;
Berufsbildungsamt: www.mba.zh.ch, 043 259 78 51 Amt für Jugend Sekretariat schulblatt@bi.zh.ch, 043 259 23 14 Journalistische Mitarbeit an dieser
und Berufsberatung: www.ajb.zh.ch, 043 259 96 01 Lehrmittel Ausgabe: Joel Bedetti, Paula Lanfranconi, Anna Miller, Andreas Minder, Charlotte Spindler
verlag Zürich: www.lehrmittelverlag-zuerich.ch, 044 465 85 85 Abonnement: Lehr personen einer öffentlichen Schule im Kanton Zürich können das
Fachstelle für Schulbeurteilung: www.fsb.zh.ch, 043 259 79 00 Schulblatt in ihrem Schulhaus gratis beziehen (Bestellwunsch an Schulleitung). Bestellung
Bildungsratsbeschlüsse: www.bi.zh.ch > Bildungsrat > Beschluss des Schulblatts an Privatadresse sowie Abonnement weiterer Interessierter: abonnemente@
archiv Regierungsratsbeschlüsse: www.rrb.zh.ch staempfli.com, 031 300 62 52 (Fr. 40.– pro Jahr) Online: www.schulblatt.zh.ch Gestaltung:
www.bueroz.ch Druck: www.staempfli-publikationen.ch Inserate: inserate@staempfli.com,
031 767 83 30 Re daktions- und Inserateschluss nächste Aus gabe: 1.10.2015 Das
Titelbild: Hannes Heinzer nächste Schulblatt erscheint am: 6.11.2015
224 38
Mittelschule Berufsbildung 43
Amtliches
30 36
VSGYM Gesundheitsberufe 63
Dialog zwischen Volks- und Zehn Jahre nach der Weiterbildung
Mittelschulen angestossen Neuorganisation – was hat Von Good Practice lernen
sich verändert? Kurse und Module
32
Schulgeschichte(n) 38 70
Kantonsschule Im Lee Berufslehre heute Stellen
in Winterthur Geomatikerin EFZ
72
35 41 schule & kultur
In Kürze In Kürze
74
Agenda
Editorial
Kleider – was soll dieses Thema im Schulblatt? Mode und Anziehfragen sind
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Inhalt
für die meisten Jugendlichen (und deren Eltern) ein heisses Thema. Fragen
rund um die Kleider der Schülerinnen und Schüler beschäftigen aber auch
Katrin Hafner, Redaktionsleiterin Schulblatt Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen: Wie sollen sie auf modische Provoka
tionen von Schülerinnen und Schülern reagieren? Einige Schulen erarbeiten
eigene Kleiderregeln – was bringt das?
Das Schulblatt hat mit Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen sowie mit
der Bildungsdirektorin und einer Stilexpertin über diese Themen diskutiert.
Ausserdem werfen wir einen Blick ins Ausland, wo Schuluniformen mancher-
orts Normalität sind.
Der Fotograf Hannes Heinzer belegt mit seiner Fotostrecke, die er für dieses
Schulblatt realisiert hat, dass Kleider Projektionsflächen bieten. Indem er bloss
Kleidungsstücke und Accessoires der Porträtierten zeigt, überlässt er es der
Betrachterin und dem Betrachter, sich den Menschen dazu vorzustellen.
3
Die Redaktion freut sich über Reaktionen auf das Schulblatt: katrin.hafner@bi.zh.ch, jacqueline.olivier@bi.zh.chMeine Schulzeit In meinem Fall war wohl weniger meine
«Neugierde ist
Schulzeit ausschlag gebend als vielmehr
das Feuer, das in mir brannte, schon bei
den ersten journalistischen Gehversuchen.
quasi mein Beruf»
Mit 15 sass ich zum ersten Mal hinter ei-
nem Radiomikrofon und sofort erfasste
mich das journalistische Virus. Später
lernte ich im Spitalradio der Zürcher Uni-
Fünf Fragen an TV-Moderatorin klinik das technische Handwerk. Dort pro
duzierte ich ein freches Demoband und
und -Redaktorin Cornelia Boesch. bewarb mich bei Radio Zürisee. Die stell-
ten mich für ein Volontariat ein und gaben
mir das journalistische Rüstzeug mit auf
den Weg. Eine «richtige» Journalistin bin
ich aber wohl erst seit meiner Diplomaus-
bildung am Medienausbildungszentrum
Wenn Sie an Ihre Schulzeit denken, was MAZ in Luzern.
kommt Ihnen als Erstes in den Sinn? Was ist das Wichtigste, was Kinder
Meine Gspänli. Ich habe mich fast wäh- heute in der Schule lernen sollen, und
rend der ganzen Schulkarriere mehr für warum?
sie interessiert als fürs Pauken. Manchmal Die klassischen Fächer sind unverzicht-
bin ich erstaunt, dass ich trotzdem eini- bar. Aber meiner Meinung nach kommen
germassen schadlos durchgekommen bin. die musischen zu kurz. Musik ist nicht
Und tatsächlich halten einige Freund- einfach ein schöner Zeitvertreib, ich bin
schaften von damals bis heute an. überzeugt, sie kann die geistige und die
Welcher Lehrperson geben Sie soziale Entwicklung von Kindern fördern.
rückblickend die Note 6 und warum? Ausserdem finde ich es als Mutter eines
Meiner Staatskundelehrerin. Sie weckte Siebenjährigen wichtig, dass Kinder schon
während der Diplommittelschule das jour früh den achtsamen Umgang mit neuen
nalistische Interesse in mir. Politik hat Medien lernen.
mich immer schon interessiert, daheim Warum wären Sie eine gute
wurde viel darüber diskutiert, weil mein Lehrerin – oder eben nicht?
Vater sich politisch engagierte. Dank die- Bei mir würde der Unterricht grössten-
Cornelia Boesch (40) ist Journalistin und ser Lehrerin aber wurden mir die staats- teils draussen stattfinden. Abenteuer, zu-
Moderatorin der Hauptausgabe der «Tages- politischen Zusammenhänge klar, und die sammen etwas erleben, das läge mir, und
schau» beim Schweizer Radio und Fernsehen
SRF. Zuvor war sie Redaktorin bei Radio machten mich neugierig. Neugierde ist ich denke, ich kann andere gut für etwas
Zürisee, Radio Z und Reporterin bei Radio heute quasi mein Beruf. begeistern. Trotzdem: die armen Schüler!
DRS 1. Privat betätigt sie sich als Sängerin
einer Bluesband. Sie ist verheiratet, hat
Inwiefern hat die Schule Ihnen Was ich ihnen in Mathe beibringen könn-
einen Sohn und lebt in Zürich. geholfen, TV-Moderatorin zu werden? te, ist mehr als überschaubar …
Bildungs-Slang
Ruedi Widmer, Cartoonist, interpretiert Begriffe aus Bildung und Schule – diesmal: teilhochbegabt
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Magazin
4Im Lehrerzimmer
Primarschule Knonau
Achtsamer Umgang inmitten grüner Hügel.
Fotos: Marion Nitsch
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Atemberaubend: ist der Blick aus dem Fenster des Lehrerzimmers: In saftigen Grüntönen breiten sich die Hügel des Säuliamts aus.
Je nach Saison ändert sich das Bild und – wenn gegüllt wird – der Geruch. Dynamisch: Knonau gehört zu den am schnellsten wach-
senden Gemeinden des Kantons. Zu klein: Vor 13 Jahren wurde das 50-jährige Schulhaus erstmals erweitert, letztes Jahr erneut.
Heute zählen Kindergarten und Primarschule elf Zweijahrgangsklassen, 2016 werdens zwölf sein. Für die Konferenzen ist das Leh-
rerzimmer schon jetzt zu klein. Farbtupfer: In der Küche steht ein knallroter Kühlschrank. Zum Mittagessen bleiben oft selbst die
Lehrpersonen, die einen kurzen Heimweg hätten. Privat: Heute krabbelt ein acht Monate altes Baby über den Tisch. Es besucht
seinen Vater, der hier unterrichtet. «Wir versuchen im Lehrerzimmer mehr über Privates zu sprechen als über Berufliches», sagt
Schulleiter Jörg Berger. Achtsamer Umgang: mit sich und den anderen sei ein Leitgedanke der Schule. Vorwärtssprung: Die Ein
führung altersdurchmischter Klassen vor sechs Jahren habe die Team- und Qualitätsentwicklung nach vorn katapultiert. [ami]
5Persönlich Dieses Netzwerk kommt ihm in seinem
Ein Kreis hat
neuen Amt, das er im Februar 2015 an
getreten hat, zugute, ist doch Fundraising
eine seiner wichtigsten Aufgaben. Auch
sich geschlossen
dies für ihn kein Neuland: Als ETH-Prä
sident machte er die ETH Zürich Founda-
tion, in der im Sinne von Public Private
Partnership Unternehmen, Privatperso-
Als Präsident von Schweizer Jugend nen, Stiftungen und die ETH Zürich Leh-
re und Forschung an der Hochschule för-
forscht kehrt der vormalige ETH-Präsident dern, zur Erfolgsgeschichte.
Ralph Eichler zu seinen Anfängen zurück. Wenn er an seine erste Erfahrung mit
Schweizer Jugend forscht denkt, sieht
Ralph Eichler die Entwicklung, welche
Text: Jacqueline Olivier Foto: Sophie Stieger
die Institution seither durchlaufen hat.
Ein wichtiger Punkt: die Zusammenarbeit
mit den Schulen. Hatte er damals noch in
seiner Freizeit und aus eigener Initiative
an seinem Computer gebastelt, wurde
inzwischen mit der Maturarbeit ein Inst-
rument geschaffen, das eine ideale Vor
Im Frühjahr 1967 war Ralph Eichler Vernetzung für den Wissens- und Wirt- bereitung auf den nationalen Wettbewerb
19 Jahre alt, stand kurz vor der Matur schaftsstandort Schweiz von enormer Be- und wissenschaftliches Arbeiten an sich
und nahm am ersten nationalen Wettbe- deutung. Die Reaktion der EU auf das Ja ist. Gerade im Kanton Zürich werde die
werb unter dem Titel «Schweizer Jugend zur «Masseneinwanderungsinitiative» er- Maturarbeit mit den schulinternen Jurie-
forscht» (SJF) teil. Seine Arbeit: ein selbst füllt ihn deshalb mit Sorge. «Punkto Er rungen, der jährlichen Ausstellung aus
entwickelter Computer, der Zahlen lesen folge an europäischen Wettbewerben lag gewählter Arbeiten und der Vergabe von
und für Additionen und Multiplikationen die Schweiz auf Rang 2. Nun sind wir Sonderpreisen hochgehalten. Dadurch
eingesetzt werden konnte. «Ich war halt ein von diesen hochkarätigen Wettbewerben würden viele Jugendliche zu Höchstleis-
Elektronikbastler», sagt er schmunzelnd. ausgeschlossen und können uns nur noch tungen angespornt. Erfreulich findet
Sein Tüftlergeist wurde mit dem zweiten mit anderen Drittländern messen, was Ralph Eichler auch, dass inzwischen rund
Preis in Mathematik belohnt. weit weniger prestigeträchtig ist.» ein Viertel aller Teilnehmenden am natio-
Heute, fast 50 Jahre später, ist der nalen Wettbewerb aus der Berufsbildung
Physiker Ralph Eichler wieder da, wo
Eigenes Netzwerk nutzen kommen. «Diese jungen Leute dürfen wir
seine wissenschaftliche Laufbahn einst
Ralph Eichler selber ist international nicht vergessen, sie bringen die Sicht und
beflügelt wurde: bei Schweizer Jugend bestens vernetzt. In England geboren und die Erfahrung der Praxis ein.»
forscht. Als Stiftungsratspräsident könne mit elf Jahren nach Basel gekommen,
er der Organisation nun etwas zurück war er nach seinem Studium an der ETH Physikalische Stress-Formel
geben, ist er überzeugt. Weil er aus eige- Zürich unter anderem an der Stanford
Nicht vergessen will Ralph Eichler auch
ner Erfahrung weiss, was das Angebot University (USA) und am Deutschen Be- die ehemaligen Teilnehmerinnen und
der Stiftung bei jungen Leuten bewirken schleunigerzentrum DESY in Hamburg Teilnehmer, von denen etliche eine be-
kann: «Es fördert die Neugier und das tätig. 1989 wurde er als Professor für Phy- achtliche Karriere durchlaufen hätten. Im
Unternehmertum.» Und dies längst nicht sik an die ETH berufen. Und nachdem er Hinblick auf die 50. Auflage des Wettbe-
mehr ausschliesslich in Form des natio 2007 zu deren Präsidenten gewählt wor- werbs im nächsten Jahr will er deshalb
nalen Wettbewerbs (s. Kasten), auch wenn den war, trieb er die internationale Aus- eine Alumni-Vereinigung aufbauen. Schon
dieser nach wie vor eine zentrale Rolle richtung der Hochschule voran, etwa mit heute wird ein Teil der Freiwilligenarbeit,
spielt. Nicht zuletzt deshalb, weil er den der Eröffnung des Singapore-ETH Centre, die jährlich etwa 8000 Stunden beträgt,
Besten das Tor zur Welt öffnet. Wer näm- des ersten ETH-Forschungszentrums im von Ehemaligen geleistet. Für Ralph Eich-
lich für seine Arbeit das Prädikat «her Ausland. Daneben pflegte er jedoch eben- ler dürfte dies aber noch vermehrt der
vorragend» erhält, darf an internationalen so Kontakte zu wichtigen Schweizer Ins Fall sein. Damit dank der kumulierten
Wettbewerben teilnehmen. Solche Erfah- titutionen wie dem IBM Forschungslabor Erfahrung möglichst viele weitere erfolg-
rungen und Kontakte könnten später für in Rüschlikon oder dem Paul Scherrer reiche Wissenschafterlaufbahnen ange-
eine Karriere wichtig sein, meint Ralph Institut in Villigen, dessen Direktor er von stossen werden können. Sich dafür zu
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Eichler. Ausserdem sei die internationale 2001 bis 2007 gewesen war. engagieren, ist Ralph Eichler ein grosses
Anliegen. Eines, für das er wie schon in
seinen früheren Tätigkeiten keine An-
Die Stiftung Schweizer Jugend forscht strengung scheut. Weil Anstrengung für
Geschichte: Der erste nationale Wettbewerb unter dem Titel «Schweizer Jugend ihn etwas Positives ist. Stress hingegen
forscht» (SJF) fand 1967 statt, drei Jahre später wurde die Stiftung gegründet. trete dann ein, wenn man für das, was
Stiftungszweck: Jugendliche für das selbstständige wissenschaftliche Arbeiten man tut, keine Freude empfinde. Er habe
zu motivieren und ihnen dafür entsprechende Plattformen zu bieten, nämlich: dafür sogar eine physikalische Formel er-
SJF-Studienwochen: Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren forschen in ver- funden, verrät er in seiner verschmitzt
schiedenen wissenschaftlichen Bereichen. Swiss Talent Forum: Denkfabrik für trockenen Art: «Die Anstrengung geteilt
junge Erwachsene, die sich für globale und langfristige Herausforderungen inte- durch die Freude ergibt den Stressfaktor.»
ressieren. Nationaler Wettbewerb: für Jugendliche ab dem 14. Altersjahr bis zur Und welche Freude treibt ihn zurzeit an?
abgeschlossenen Mittel- oder Berufsfachschule. Eingereicht werden können «Wenn man sieht, was für grossartige wis-
wissenschaftliche Arbeiten, die kurz vor dem Abschluss stehen. senschaftliche Arbeiten die jungen Leute
www.sjf.ch vorlegen, müssen wir um die Zukunft der
Schweiz keine Angst haben.»
6Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Magazin
Ralph Eichler (67) studierte
Physik an der ETH Zürich
und promovierte am damaligen
Schweizerischen Institut für
Nuklearforschung. Von 2007
bis Januar 2015 war er Präsi-
dent der ETH Zürich. Seit
Februar 2015 ist er als neuer
Präsident der Stiftung Schwei-
zer Jugend forscht tätig.
7Die Grundversion enthält einerseits Check
Auf einen Blick:
Die Notfall-App hilft listen zum Handeln in Notfällen. Diese
rasch und orts
unabhängig weiter. decken verschiedene Notfallereignisse ab:
vom Unfall über Brand, Drohungen und
schwere Gewaltvorfälle bis zu einem To-
desfall. Andererseits enthält die Grund-
version auch direkt anwählbare Not
rufnummern der Blaulichtorganisationen
(Sanität, Polizei, Feuerwehr etc.).
Das Spezielle an der App: Schulen,
Heime und Horte können sie so einrich-
ten, dass sie sie als interne Notfall-App
mit Telefonnummern der eigenen Krisen-
organisation nutzen können. Zugriff auf
die interne Version haben nur die eigenen
Mitarbeitenden und die Mitglieder der
internen Krisenorganisation. Es ist also
möglich, direkt über die App intern zu
alarmieren und zu kommunizieren.
Die Nutzung der internen Version ist
für Schulen, Heime und Horte des Kan-
tons Zürich kostenlos. Ihre Einrichtung
müssen sie selbst vornehmen – mithilfe
einer Web-Applikation, in der die Tele-
fonnummern der Mitarbeitenden und der
internen Krisenorganisation erfasst wer-
den. Anschliessend schickt man allen eine
«Push-Nachricht», die die Empfängerin-
nen und Empfänger auffordert, die in
terne Version auf dem eigenen Gerät zu
installieren. Bei Mutationen wird die App
auf den Geräten der Benutzerinnen und
Benutzer automatisch aktualisiert. Eine
Notfall-App Neuinstallation ist nicht notwendig.
Eine App für Hilfe auf Ausflügen
Die interne Version enthält auch die Funk
alle Notfälle
tion «Externe Projekte». Diese ermöglicht
es, bei Ausflügen und Lagern die Telefon-
nummern auf der App abzuspeichern, die
vor Ort wichtig sind. So kann beispiels-
Die Bildungsdirektion hat eine weise eine Lehrperson, die einen Ausflug
ins Ausland plant, auf ihrem Gerät die
Notfall-App für Schulen, Heime und Telefonnummern von Begleitpersonen,
Horte des Kantons Zürich lanciert. ausländischen Notfalldiensten, Leitung
der Unterkunft und anderes selbst ein
Sie enthält alle wichtigen Informa geben und sie als «Ausflug-Krisenteam»
vorübergehend auf der App abspeichern.
tionen und Telefonnummern zum Auf diese Weise hat sie schnell und über-
Handeln in Notfällen. sichtlich alle Telefonnummern zur Hand,
die bei Notfällen während des Ausfluges
Text: Enrico Violi, Beauftragter «Gewalt im schulischen Umfeld», wichtig sein können.
Bildungsdirektion Zürich Foto: Hannes Heinzer Die Notfall-App bietet in akuten Not-
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Magazin
Illustration auf dem Display: Schweizerischer Samariterbund situationen rasche Unterstützung. Damit
sie diese wirkungsvoll leisten kann, ist
es von Vorteil, wenn man die App nicht
erst bei einem Notfall zum ersten Mal
Ein schwerer Unfall im Klassenlager, und ortsunabhängig auf alle Informatio- gebraucht. Man sollte sich schon vorher
eine Schülerin, die eine giftige Flüssig- nen und Telefonnummern, die im Notfall mit ihr vertraut machen und erkunden,
keit geschluckt hat, eine Bombendrohung wichtig sind. wie sie funktioniert. Es empfiehlt sich
im Schulhaus – das sind Ereignisse, bei auch, regelmässig interne Notfallübungen
denen man unmittelbar handeln muss.
Schulintern nutzbar durchzuführen, bei denen die Notfall-App
Notfallsituationen sind Stresssituationen. Die Notfall-App wurde speziell für das eingesetzt und erprobt wird. Wenn die
Man ist unter Handlungsdruck, weiss, Zürcher Bildungswesen entwickelt und ist App nicht nur im Ernstfall, sondern auch
dass jede Minute zählt, und ist froh, für alle Personen gedacht, die in Schulen, in der Vorbereitung auf mögliche Ernst-
möglichst schnell Hilfe zu bekommen. In Kinder- und Jugendheimen und Horten fälle genutzt wird, kann sie ihre Nützlich-
solchen Situationen bietet die neue Not- tätig sind. Sie existiert in einer Grund keit voll entfalten.
fall-App der Bildungsdirektion wertvolle version, die in den App-Stores von allen
www.stopp-gewalt.zh.ch >
Unterstützung. Mit ihr gelangt man rasch kostenlos heruntergeladen werden kann. Hinweise für Schulen > Notfall-App
8Bildungsdirektorin
«Gute Schulen sind nicht
selbstverständlich»
Regierungsrätin Silvia Steiner zur neuen Notfall-App
für Schulen, über die Kleiderfrage bei Schülerinnen und
Schülern und den Zoo Zürich.
Interview: Katrin Hafner
Frau Steiner, die Bildungsdirektion darum, sich nicht nachlässig anzuziehen,
hat eine Notfall-App entwickelt. sondern bewusst.
Warum braucht es so etwas? Was halten Sie von Uniformen
Vorab: Ich hoffe natürlich, dass niemand für Schülerinnen und Schüler?
in eine Notsituation kommt. Wenn aber Einige Länder kennen eine lange Tradi
ein Notfall im Schulalltag eintritt, brau- tion der Schuluniform und vielerorts im
chen die Lehrerinnen und Lehrer ein ein- Ausland tragen Schülerinnen und Schü-
fach zu bedienendes, schnelles und mo- ler ihre Uniform mit Stolz. Man zeigt
dernes Instrument, das sie unterstützt. gerne, in welche Schule man geht – oder,
Passiert etwas, schaut niemand im Hand- je nach Weltgegend, dass man überhaupt
buch nach, was zu tun ist – es eilt, und zur Schule geht, was ja leider nicht über-
da ist es sinnvoll, sich auf ein Medium all selbstverständlich ist. Es kann uns
stützen zu können, das einen tagtäglich nicht schaden, wenn wir uns hier ab und
begleitet: eine App auf dem Handy. zu auch wieder vor Augen führen, dass
Was bringt die App den es nicht selbstverständlich ist, gute Schu-
Lehrerinnen und Lehrern konkret? len und mannigfaltige Bildungsangebote
Sie ist eine Erleichterung, weil sie alle zu haben.
wichtigen Informationen und Rufnum- Sie sind nun drei Monate als Bil-
mern enthält. Zudem kann jede Schule dungsdirektorin tätig und haben zahl-
die Telefonnummern des eigenen Krisen- dungsdirektion haben die App gemein- reiche Eindrücke gesammelt – unter
teams abspeichern, was das Team ent sam entwickelt. Dies hat die Partner, die anderem waren Sie im Zoo Zürich. Was
lastet: Der Einzelne muss nicht selbst in einem Notfall an Schulen zusammen- macht die Bildungsdirektorin dort?
danach suchen. Die App erfüllt also eine arbeiten, einander nochmals näherge- Ich habe eine lange Beziehung zum Zoo:
wichtige Aufgabe der Bildungsdirektion: bracht. Diese Verknüpfung ist wichtig. Meine erste Schulreise führte dorthin –
Vom Notfall zum Alltag: In diesem und kürzlich besuchte ich den Zoo, weil
Heft thematisieren wir die Bekleidung ich das junge Elefäntli sehen wollte und
von Schülerinnen und Schülern. zur Generalversammlung eingeladen war.
Wie wichtig ist die Kleiderfrage? Ich habe erfahren, dass der Zoo allen
Sehr wichtig – allerdings nicht wegen Klassen der öffentlichen Schulen im Kan-
«Die Notfall-App des Status oder gar des Wohlstands, den ton Zürich gratis Eintritt gewährt. Das
Kleider vermitteln können, sondern weil
unterstützt
finde ich wunderbar, weil es zahlreichen
Schülerinnen und Schüler schon früh Kindern einen Zoobesuch ermöglicht, die
die Lehrerinnen lernen sollten, wie man sich dem An-
lass angemessen anzieht. Was man trägt,
sonst vielleicht nie dahin kämen.
Gehört ein Zoo-Besuch denn
und Lehrer.»
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Magazin
hat mit Wertschätzung des Gegenübers zur guten Ausbildung?
zu tun. Kleider sind Signale – und es ge- (lacht) So kann man das nicht sagen. Aber:
hört zum Erziehungsauftrag, den Kindern Der Zoo Zürich ist ein schönes Beispiel,
aufzuzeigen, welche Kleidungsstücke was wie Tiere heute möglichst artgerecht ge-
ausdrücken können. Die Lehrerinnen und halten werden. Er trägt ausserdem viel
Lehrer dürfen und sollen dies themati zur Wissensvermittlung über Tiere bei –
gute Rahmenbedingungen zu schaffen für sieren. das finde ich sehr begrüssenswert.
den Arbeitsalltag der Lehrerinnen und Einige Schulen geben sich eigene
Lehrer. Sie entbindet aber nicht davon, Kleiderkodizes.
sich auf mögliche Krisensituationen vor- Selbstverständlich darf das eine Schule Bildungsdirektorin Regierungs
zubereiten und in Notfällen eigenverant- machen. Zentral ist allerdings, was die rätin Silvia Steiner beantwortet
wortlich, geistesgegenwärtig und schnell Lehrpersonen den Schülerinnen und hier Fragen – künftig auch aus
zu handeln; die Notfall-App unterstützt Schülern vorleben. Ich bin überzeugt, der Leserschaft. E-Mail senden an:
die Lehrpersonen dabei. Dahinter steckt dass ihre Vorbildfunktion nicht unter- schulblatt@bi.zh.ch, Betreff: Frage
noch mehr: Die Schulen, die Blaulicht schätzt werden darf. Natürlich sind die an die Bildungsdirektorin
11
organisationen und die Ämter der Bil- Geschmäcker verschieden. Aber es geht12 Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Fokus
Fokus
Mehr als
nur Kleider
Kleider machen Leute, sagt man. Stimmt das
auch? Ja, meint Stilexpertin Susan Wahl im
Interview. Vor allem Jugendliche experimen
tieren gerne mit Kleidern und drücken sich
über sie aus. In den Schulen kann dies zu Dis
kussionen führen. Manche reagieren mit einem
Dresscode. Eine Reportage aus Meilen zeigt:
Dies kann Ruhe in den Schulalltag bringen.
Und wie sieht es mit Schuluniformen aus? Ein
Blick auf Schweizer Schulen im Ausland und
Antworten auf die Frage, warum Schulunifor
men in der Schweiz nicht funktionieren.
Fotos: Hannes Heinzer thematisiert mit seiner Bildserie, wie wir uns alleine aufgrund von Kleidern Bilder von der Trägerin
oder dem Träger machen.
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Fokus
13Dresscode auch für Lehrpersonen gilt. Er sieht bei
Die Schule
spielsweise eine minimale Rocklänge bis
zur Mitte der Oberschenkel vor, bei Shorts
soll ein Ansatz von Hosenbeinen klar er
ist weder Badi
kennbar sein, T-Shirts und Blusen müssen
den Brustansatz verdecken, transparente
Kleidung wird nicht toleriert. Zu den No-
noch Disco
Gos gehören zudem High Heels sowie
Aufdrucke mit rassistischen, sexistischen,
Drogen oder Gewalt verherrlichenden
Aussagen. Auch Mützen oder über den
Freizügige oder nachlässige Kleidung Kopf gezogene Kapuzen sind tabu.
von Schülerinnen und Schülern gibt an Laufend der Mode anpassen
vielen Schulen zu reden. Manche haben Seit drei Jahren leitet Katrin Spillmann die
Sekundarschule Meilen, im Jahr zuvor ist
deshalb eine Kleiderordnung. Zum der Dresscode im Lehrerteam entwickelt
und mit dem Schülerparlament beraten
Beispiel die Sekundarschule Meilen. worden. Seither wird er vom Konvent ge
meinsam mit dem Schülerparlament jähr
Text: Jacqueline Olivier
lich überprüft und nötigenfalls angepasst,
denn wie die Schulleiterin erklärt: «So
wohl die Mode als auch die Gesellschaft
und die Schüler verändern sich laufend,
deshalb ist ein solcher Dresscode ein stän
diger Prozess.» Konkret: Neben Dauer
brennern wie bauchfreie Tops und tiefe
Décolletés geben zurzeit zum Beispiel
die Hotpants zu reden. «Wie kurz geschnit
ten diese sein dürfen, war ein grosser
Streitpunkt», erzählt Katrin Spillmann.
Es ist heiss an diesem Mittwoch kurz vor oder in ebenso kurzen Röcken oder Mit der jetzigen Regelung kann sie zwar
den Sommerferien. Eine Hitzewelle über Shorts, dazu ein leichtes Top und San leben, hätte aber gerne etwas längere
rollt das Land. Entsprechend leicht sind daletten aller Art. Hosenbeine gesehen. Nur: «Wir dürfen
die Schülerinnen und Schüler der Se Hotpants und Minis an der Schule – nichts verlangen, was aufgrund der Mode
kundarschule Meilen gekleidet: die Jungs geht das? Ja, sagt Schulleiterin Katrin in den Läden nicht zu finden ist. Und
in Shorts und T-Shirts, an den Füssen Spillmann, solange die Vorgaben des in die Shorts für Mädchen sind dieses Jahr
Sanda len oder bequeme Slippers, die ternen Dresscodes eingehalten werden, nun mal sehr kurz.»
Mädchen in ärmellosen kurzen Kleidern der für Schülerinnen und Schüler wie Genau weil sie oder die Lehrperso
nen sich in solchen Modefragen nicht
immer exakt auskennen, findet die Schul
Volksschule: Empfehlungen statt Regeln leiterin entsprechende Inputs aus dem
Kleiderordnungen, wie die Oberstufe Meilen eine hat, kennen auch andere Schülerparlament wichtig. Oft geht es
Volksschulen im Kanton Zürich. Etwa die Sekundarschule Embrach. Dort hat auch um ein Aushandeln wie etwa im Falle
der Schülerrat vor einigen Jahren im Auftrag der Schulleitung einen Dresscode der Trainerhosen. Diese sind Katrin Spill
erstellt, der anschliessend vom Konvent abgesegnet wurde. Damit fahre man mann ein Dorn im Auge und laut Dress
gut, sagt Schulleiter Markus Ruf, sowohl Eltern als auch Schüler akzeptierten code auch verboten. Sogenannte Baggys
die Regeln. Und sollte eine Schülerin oder ein Schüler doch mal in unangemes hingegen – Pluderhosen aus weichen Stof
sener Kleidung im Unterricht erscheinen, verteilt man wie in Meilen T-Shirts fen, optisch der Trainerhose nicht unähn
oder Arbeitshosen. Dies habe durchaus eine abschreckende Wirkung. lich – musste die Schulleiterin schliesslich
In der Oberstufe Oetwil am See haben Schulleitung und Kollegium über die Ein zulassen, «weil sie zurzeit Mode sind».
führung eines Dresscodes nachgedacht, sind aber zumindest für den Moment Auch das gehe eben nicht: etwas zu ver
wieder von der Idee abgekommen. «Wir haben uns über die rechtliche Situation bieten, was aktuell modern ist.
informiert und sind zum Schluss gekommen, dass Verbote heikel sind, wenn
Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Fokus
wir sie juristisch nicht durchsetzen können», erzählt Schulleiter Mark Bugmann. Lieber Dresscode als Uniform
Stattdessen hat man das Thema nun im Elternrat vorgebracht und es diesem Warum hat die Schule überhaupt einen
überlassen, die Wünsche der Schule bezüglich Kleidung der Schülerinnen und Dresscode? Er sei eine gute Möglichkeit,
Schüler an die übrigen Mütter und Väter weiterzugeben – via Mail, Flyer oder um mit den Schülerinnen und Schülern
sogar eine Elternveranstaltung. «Ich finde es schon mal gut, wenn die Eltern für in Kontakt zu sein und sie für das Thema
das Thema sensibilisiert werden, denn manchen ist es gar nicht bewusst, dass zu sensibilisieren. «Welchen Stellenwert
man mit der Kleidung eine Haltung ausdrückt.» man der Schule beimisst, drückt sich nicht
Die Schulgesetzgebung des Kantons Zürich sieht keine Kleidervorschriften zuletzt in der Kleidung aus.» «Ich gang
an Volksschulen vor. Für Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamts, ist nöd i d’Badi, ich gang i d’Schuel» heisst
es selbstverständlich, dass Schülerinnen und Schüler nicht anstössig gekleidet es darum auf dem doppelseitigen Code,
sein sollen. Kommen Anfragen von Schulen bezüglich Kleiderordnungen, rät und «Ich gang nöd in Usgang, ich gang
er, auf Empfehlungen und Vereinbarungen zu setzen, denn: «Grundsätzlich i d’Schuel». Damit nicht umständlich er
ist es Sache der Schülerinnen und Schüler und von deren Eltern, wie sich die klärt und diskutiert werden muss, was wie
Jugendlichen kleiden.» [jo] gemeint ist, sind die Gos und No-Gos mit
14
hilfe kleiner Bilder dargestellt.Und die Schülerinnen und Schüler, wie
finden sie die Kleiderordnung? «Der Sekundarstufe II: Betriebe bestimmen die Kleiderordnung
Dresscode ist ein Kompromiss zwischen Auf der Sekundarstufe II hat die Bekleidung der Jugendlichen unterschiedliches
gar keinen Regeln und einer Schuluni Gewicht. Während an Mittelschulen angemessene Kleidung allenfalls im Rahmen
form», antwortet Manuel, der die 3. Sek einer Schulordnung oder eines Schul-Kodexes erwähnt wird – wie etwa an der
besucht. Da ist ihm die Kleiderordnung Kantonsschule Enge – und im Übrigen kein grosses Thema ist, müssen sich
lieber. «Man kann zwar seinen eigenen Jugendliche, die eine Berufslehre antreten, am Arbeitsort oft an eine strenge
Stil haben, muss aber gewisse Dinge be Kleiderordnung gewöhnen. Vorgegeben wird sie jeweils durch den Betrieb
achten.» Der 1.-Sek-Schüler Tobias hin und kann je nach Beruf unterschiedliche Gründe haben. Wo der Kundenkontakt
gegen erachtet den Dresscode als «nicht im Vordergrund steht, geht es in erster Linie um das gepflegte und nicht selten
so wichtig», man wisse doch, wie man sich auch einheitliche Äussere. Für Mitarbeitende in einem Swisscom-Shop bei
für die Schule anzuziehen habe. «Das ist spielsweise gilt: Swisscom-Bluse für Damen, Swisscom-Hemd oder -Poloshirt
eine Frage des Anstands.» Florian aus der für Herren (jeweils mit Firmenlogo), lange Hose oder Jupe, im Sommer auch
2. Sek sagt, der Dresscode betreffe mehr Dreiviertelhosen, in Schwarz oder Dunkelblau. In der Migros können die Mit
die Mädchen als die Jungs. Trotzdem arbeitenden die einheitlichen, von der Firma abgegebenen Kleidungsstücke mit
findet er den Dresscode der Schule gut
eigenen Kleidern kombinieren. Empfohlen werden schwarze Hosen oder Jupes
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und auch nicht übertrieben streng. Seine in gepflegtem Z ustand, die Hosen sollen lang sein, die Röcke bis mindestens
Nachbarin, die im Gymnasium sei, dürfe knapp oberhalb des Knies reichen, Damenstrümpfe sollen hautfarben oder
dort keine kurzen Hosen tragen. «Wir dür schwarz, Schuhe schwarz sein.
fen das, und das ist eigentlich ein Luxus – Berufskleidung in Form weisser Schürzen und teilweise gleichen Hosen tragen
gerade, wenn es so heiss ist.» Medizinische Praxisassistentinnen (MPA). Bei Berufen dieser Art spielen vor
allem hygienische Überlegungen eine Rolle. So tragen MPA in der Regel keinen
Im Einverständnis mit den Eltern Schmuck an den Händen und keine langen Fingernägel, lange Haare sollten
Etwas anders sieht dies Céline aus der zusammengebunden werden.
3. Sek. Sie trägt an diesem Tag Hotpants Ein weiterer Grund für Kleidervorschriften ist der Schutzgedanke. Als Erstaus
und ein luftiges Top mit Spaghetti-Trägern, rüstung für lernende Forstwarte etwa gibt die Suva vor: einen Helm mit Gehör-,
das exakt bis zum Hosenansatz reicht. Gesichts- und Nackenschutz, Gehörschutzkapseln, signalfarbene Arbeitsjacke
«Grundsätzlich finde ich den Dresscode und Arbeitshose mit Schnittschutz, Arbeitsschuhe und -handschuhe, Arbeits
schon gut, aber beim Thema kurze Hosen stiefel mit Stahlkappe, rutschfester Sohle und Schnittschutz sowie einen signal
fühle ich mich eingeschränkt.» Ihre Kolle farbenen Regenschutz. [jo]
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gin Sevgyl, in Leggins und weitem T-Shirt, rin Spillmann dann T-Shirts oder Hosen
zum Überziehen. Aber dies seien wirklich
Einzelfälle, betont sie, im Jahr komme dies
nur zwei- bis dreimal vor.
Augenmass der Lehrperson
Dass der Dresscode im Grossen und Gan
zen so gut beachtet wird, hat viel damit zu
«Für Teenager geht es darum, tun, dass die Schüler mitreden können,
die eigene Identität zu entdecken, darin sind sich diese einig. Allerdings
werde die Kleiderordnung nicht von allen
Kleider spielen dabei eine Lehrpersonen gleich angewendet, monie
ren sie. Manuel, Florian und Tobias, die
wichtige Rolle.» alle im Schülerparlament sitzen, wissen,
Katrin Spillmann, Schulleiterin Sekundarschule Meilen dass dort schon Klagen eingegangen sind
von Schülerinnen und Schülern, die sich
ungerecht behandelt fühlten. Das Schü
lerparlament hat die Lehrpersonen zwar
auf das Problem angesprochen, doch eine
wirklich einheitliche Handhabe habe dies
nicht bewirkt.
Katrin Spillmann weiss um das Prob
lem und findet es gut, dass die Jugend
widerspricht: «Zu kurze Hosen gehören die Schulleiterin jedenfalls noch keine lichen die Lehrerinnen und Lehrer darauf
sich in der Schule nicht. Ebenso wenig wie entgegennehmen. Im Gegenteil: Manche ansprechen. Es sei aber nicht vermeid
zu tiefe Ausschnitte oder Hosen von Jungs, Eltern seien sogar froh, sich auf die bar, dass nicht alle die Regeln genau
die zu weit unten sitzen.» Kleiderregeln der Schule berufen und gleich umsetzten. «Ab wann ist ein hoher
In welchen Kleidern Kinder und Ju sich damit morgendliche Diskussionen er Absatz ein High Heel? Oder ab welcher
gendliche in die Schule kommen, ist Sa sparen zu können. Wenn die Regeln trotz Länge ist ein Ansatz von Hosenbeinen
che der Eltern, das ist Schulleiterin Katrin dem mal missachtet werden, versuchen klar erkennbar? Wir können keine Masse
Spillmann klar. Durchsetzen lasse sich die Lehrpersonen dies im Gespräch mit vorgeben und von den Lehrpersonen for
der Dresscode deshalb nur mit dem Ein den betroffenen Schülern zu lösen. Nur dern, dass sie nachmessen, sondern müs
verständnis von Vätern und Müttern. Und wenn es gar nicht anders geht, müssen sen uns auf ihr Augenmass verlassen.»
diese zeigten für das Anliegen der Schule die Jugendlichen bei der Schulleiterin an Ein Dresscode gibt demnach zwar Leit
viel Verständnis. Reklamationen musste traben. Neben dem Tadel gibt es von Kat planken vor, bedeutet aber nicht das Ende
aller Diskussionen.
Ausgewählte Tipps rund um Kleider Kein Schönheitscode
Kleider lassen sich in Schulen vielseitig thematisieren. Eine kleine Auswahl Für die 3.-Sek-Schüler steht nun der
von aktuellen Angeboten für Schulen: Übertritt ins Berufsleben bevor. Dort wer
den sie nicht mehr anziehen können, was
Ausstellung: «Kleider machen Leute» sie wollen. Kein Problem, erklären sowohl
Das Schweizer Kindermuseum in Baden zeigt bis Ende 2016 die Sonder Céline als auch Sevgyl, die beide eine
ausstellung «Kleider machen Leute» über die Entwicklung der Kindermode KV-Lehre beginnen. «Zur Arbeit würde
in den letzten 200 Jahren bis heute und ihre Hintergründe. Zu sehen sind ich das, was ich heute anhabe, nicht tra
historische Kleider, Bilder, Modejournale und Ankleidepuppe aus Papier. gen», sagt Céline, «das wird mir auch nicht
Führungen für Schulklassen auf Anfrage. schwerfallen, weil dort alle anders ange
www.kindermuseum.ch zogen sind.» Und Sevgyl, die ihre Aus
bildung in einem Spital machen wird, er
«Woher kommen unsere Kleider?» – Workshops in Schulklassen zählt, dass sie dort eine Bluse und einen
Mithilfe von Videos, Rollenspielen, Diskussionen etc. animieren ehrenamtliche Blazer vom Betrieb tragen muss, Hose
Mitglieder der Erklärung von Bern (EvB) Primar- oder Sekundarschulklassen oder Jupe dazu kann sie selber wählen.
zum Nachdenken über die Herkunft unserer Kleider und die Menschen, die sie Sie staune immer wieder, wie leicht
für uns herstellen. den Jugendlichen die Umstellung auf die
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www.evb.ch > Spenden & sich engagieren > Schulbesuche Kleidervorschriften in der Lehre falle,
meint Katrin Spillmann. Umso wichtiger
Lehrmittel zum Thema Kleider erscheint ihr jedoch, dass die Schule
Im Lehrmittelverlag St. Gallen ist das Schülerheft «Geschichte der Kleider» den Teenagern einen gewissen Spielraum
(Primarstufe) mit Lehrerkommentar erschienen. Es geht auf die historische lässt, um auszuprobieren und ihren eige
Entwicklung von Kleidern ein und thematisiert die Mode- und Textilproduktion nen Stil zu finden. «In dem Alter geht es
der Vergangenheit. Es kann über den Lehrmittelverlag Zürich bezogen werden. darum, die eigene Identität zu entdecken,
www.lehrmittelverlag-zuerich.ch Kleider spielen dabei eine wichtige Rol
le.» Nur sollen dabei eben einige Grenzen
Film über Biobaumwollproduktion für T-Shirts nicht überschritten werden, weil das letzt
Der Film, im Auftrag der Entwicklungsorganisation Helvetas realisiert, lich auch für Irritationen sorge im Unter
informiert über die Biobaumwollproduktion in Mali bis hin zum Verkauf der richt. Die Kleiderordnung der Schule sei
daraus entstandenen T-Shirts in der Schweiz. deshalb auch kein Schönheitscode, son
www.youtube.com > Das T-Shirt wächst in Afrika dern bringe lediglich etwas Ruhe in den
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Schulalltag. 17 Schulblatt Kanton Zürich 5/2015 Fokus
Werfen wir einen Blick ins Ausland.
Dort tragen Schweizer Schülerinnen und
Schüler vielerorts Schuluniformen – jen
seits von Pilotprojekten und politischen
Debatten, sondern weil es in den jeweili
gen Ländern Tradition oder gar Gesetz
ist. Dominique Tellenbach, seit zwei Jah
ren Leiter der Schweizer Schule in Bang
kok, hebt den praktischen Nutzen der
Schuluniform hervor. «Es gibt keine Dis
kussionen über Kleidervorschriften. Das
hilft nicht nur den Lehrpersonen und den
Eltern, sondern auch den Schülerinnen
und Schülern: Sie müssen sich morgens
nicht überlegen, was sie anziehen müs
sen, um cool zu sein.»
Die Uniform der Schulkinder im tropi
schen Bangkok ist schlicht und klassisch:
Hosen und Hemden für Jungs, Röcke und
Blusen für Mädchen, alles einfarbig, das
Emblem und der Name der Schule auf
dem Hemd oder der Bluse. «Die Uniform
trägt auch zur Gruppenidentität bei», sagt
Dominique Tellenbach. Wie breit sie ak
zeptiert sei, zeige sich schon daran, dass
selbst am «Casual Friday», dem letzten
Freitag im Monat, an dem man in eigenen
Kleidern erscheinen darf, immer eine
Handvoll Schülerinnen und Schüler in
Uniform zur Schule kämen.
Charakterzüge werden deutlich
Und was ist mit der persönlichen Aus
drucksform, die mit Uniformen einge
schränkt wird? Nivellieren die Uniformen
die Schülerinnen und Schüler? «Im Ge
genteil», findet der Schweizer Schulleiter
in Bangkok. «Charakterzüge und Persön
lichkeitsmerkmale von Schülerinnen und
Schülern nehme ich sogar differenzierter
und intensiver wahr, wenn das optische
Erscheinungsbild uniformer ist.»
Auch von den Eltern, betont Domi
nique Tellenbach, habe er noch nie grund
sätzliche Einwände gegen die Uniform
gehört. Für Hanspeter Hösli, Vater einer
Schuluniform angehenden Siebtklässlerin an der Schule
Lernen im
in Bangkok, überwiegen die Vorteile klar.
Vom modischen Aspekt her möge seine
Tochter die Uniform nicht besonders,
Einheitstenü
sagt er, doch sie trage zu einem besseren
Klassenklima bei. In der alten Schule
seiner Tochter, in Zürich Grünau, einem
Quartier mit h ohem Ausländeranteil, sei
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In der Schweiz scheiterten bisher es auch aufgrund der Kleider häufiger
zu Gruppenbildungen und Ausschlüssen
sämtliche Versuche, Schuluniformen gekommen, sagt er. Allerdings relativiert
er gleich: «Der Markendruck verlagert
einzuführen. Doch im Ausland ge sich mit der Uniform hin zu den Schuhen:
wöhnen sich Schweizer Kinder und Hier zählt, wer die neuesten Nike-Turn
schuhe trägt.»
Eltern schnell an Einheitskleidung – In der Schweizer Schule in Singapur
erlebte der Rektor Sacha Dähler, dass
und schätzen sie. Schülerinnen und Schüler in Uniform
Botschafter der Schule sind. «Kürzlich
Text: Joel Bedetti waren einige Schüler zu laut im Bus, an
dere machten auf dem Fahrrad Kapriolen
im Strassenverkehr und verhielten sich
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einem Erwachsenen gegenüber nicht so,wie sie es sollten», erzählt er. Postwendend über Gleichaltrigen erklären, wieso sie reichen.» Die mangelnde Begeisterung
erhielt die Schweizer Schule Beschwer «so streberhaft» gekleidet waren. 2007 bewog den Schulpräsidenten schliesslich
den – wegen ihrer Uniform waren die nahm die Leonhard-Schule deshalb einen dazu, das Projekt wieder zu begraben.
Schülerinnen und Schüler schnell iden neuen Anlauf, diesmal mit Polohemden, «Wir w aren wohl etwas zu früh damit»,
tifizierbar. Der Schulleiter Sacha Dähler Shirts und Strickjacken, auf denen ein meint er, der nun abtritt. Das Konzept lie
will den Kindern und Jugendlichen künf Löwenkopf-Logo der Schule eingenäht ge aber noch in der Schublade. Er über
tig stärker bewusst machen, dass sie in war. Doch auch diese Uniform liessen die lässt es seinem Nachfolger, ob der das
Uniform ihre Schule repräsentieren. Schüler immer öfter im Schrank. 2009 Projekt wieder herausnimmt.
stellte die Schule den Versuch ein, je eine Die Schuluniform-Idee scheiterte vor
Idee vom Ausland importiert Mädchen- und eine Knabenuniform ka allem aus einem Grund: Es gibt in der
In der Schweiz hingegen schlugen bisher men ins Landesmuseum. Schweiz keine Tradition dafür. Und kei
sämtliche Versuche fehl, Schuluniformen nen Notstand, der nach Uniformen rufen
einzuführen. Jüngstes Beispiel: Kreuz Die Tradition fehlt würde. Nur Anfang der 2000er-Jahre, als
lingen. Dort fragten einige Mütter Jürg Jürg Schenkel, der Schulpräsident von der Druck an den Schulen, coole Kleider
Schenkel, den Schulpräsidenten, wieso es Kreuzlingen, wollte diesen Fehler nicht zu tragen, in den Medien thematisiert
hierzulande eigentlich keine Schuluni wiederholen. Seine Idee: Die Schüler soll wurde, ging kurzzeitig der Ruf nach Ein
formen gebe. Die Mütter, deren Kinder ei ten in einem externen Shop Polohemden heitstenü durchs Land. 2004 führten drei
nige Jahre lang in Australien und England und Vestons mit aufgedrucktem Namen Schülerinnen eines Aargauer Gymna
zur Schule gegangen waren und dort Uni der Schule kaufen, dazu sollten sie Blue siums in ihrer Klasse für einen Monat
form tragen mussten, wussten nur Gutes jeans tragen. Doch er stiess nicht gerade eine Schuluniform ein. Kantonsparlamen
über das Einheitstenü in der Schule zu
berichten – so waren etwa Diskussionen
über fragwürdige Outfits vom Tisch.
Überzeugt von den Argumenten, be
schloss Jürg Schenkel, ab 2013 in der Pri
marschule Schreiber versuchsweise eine
«Es ist eine Illusion zu glauben,
einheitliche Schulkleidung einzu führen. mit Uniformen könne man Unter
Er war nicht der Erste mit dieser Idee:
«Jetzt versucht Kreuzlingen, was in Basel
schiede aus der Welt schaffen.»
vor fünf Jahren gescheitert ist», titelte Martin Wendelspiess, Chef Volksschulamt
die «Basler Zeitung» hämisch. 2006 hatte
die Basler Weiterbildungsschule L eonhard
nämlich für zwei Klassen eine Schuluni
form eingeführt, es war der erste Versuch
in der Schweiz mit Schuluniformen. Eine auf Euphorie. «Die Lehrer fürchteten, tarier von links bis rechts verlangten von
Designerin hatte eine Kollektion modi dass auch sie sich einem Kleiderregime ihren Regierungen, die Einführungen von
scher Kleidungsstücke entworfen, aus de unterwerfen oder sich ständig gegenüber Uniformen zu prüfen; 2006 forderte die
nen die Schülerinnen und Schüler eine den Eltern erklären müssten.» In einer FDP Schweiz in einem Positionspapier
individualisierte Uniform zusammenstel Umfrage hätten sich 85 Prozent der Eltern zur Migration die flächendeckende Ein
len konnten – darunter lindengrüne Ja bereit erklärt, beim freiwilligen Pilotver führung von Schuluniformen, die Partei
cken, beige Pullover, Shirts mit Quer such mitzumachen. Jürg Schenkel schmie delegierten kippten diesen Punkt jedoch
streifen und dunkle Jeans oder Jupes. Das dete grosse Pläne. Wäre das Pilotprojekt mit wuchtiger Mehrheit aus dem Pro
Set kostete 730 Franken pro Schüler, der an der Primarschule Schreiber erfolgreich gramm. Und auch der Schweizer Lehrer
Elternbeitrag betrug 100 Franken. Die gewesen, hätte ihm die Einführung von verband LCH hielt nicht viel von ein
Anfangsbegeisterung der Schüler verflog einheitlicher Schulkleidung in der ganzen heitlicher Schulkleidung, wie er 2005 in
schnell. Grund für den Misserfolg war – Schulgemeinde vorgeschwebt. «Man hätte einem Positionspapier darlegte.
glaubt man den Aussagen der Schülerin verschiedene Farben einführen können»,
nen und Schüler – ausgerechnet der mo erzählt er, «Gelb für die Kindergärtler, In Zürich kein Thema
dische Charakter der Schuluniform; weil Blau für die Grundschüler, Anthrazit für Auch der Kanton Zürich lehnte einheit
die Uniform nicht klar als solche erkenn die Oberstufe. Jeder hätte sich darauf liche Schulkleidung ab. Dies kam unter
bar war, mussten sich die Schüler gegen freuen können, die nächste Farbe zu er anderem 2006 in der Antwort des Regie
rungsrats auf eine Anfrage der SP zum
Ausdruck. Begründung: Schuluniformen
Schuluniform in aller Welt widersprächen dem Bedürfnis der Kinder
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In einigen Weltgegenden haben Uniformen für Schülerinnen und Schüler nach Individualität. Zudem sei fraglich, ob
eine lange Tradition. In Grossbritannien etwa sind sie keine gesetzliche Pflicht, Schuluniformen den Markendruck nicht
sie haben aber eine derart starke Tradition, dass fast alle Schülerinnen und einfach auf Handys und Uhren verlagern
Schüler sie freiwillig tragen. Wobei die Schuluniform nur in den Elite-Internaten würden. Und vor allem: Einheitliche
klassisch getragen wird; in öffentlichen Schulen dominieren einheitliche Hosen Schulkleidung habe in Zürich – wie in der
und unifarbene T-Shirts. Ähnlich ist die Situation in anderen angelsächsischen ganzen Schweiz – keine Tradition. Martin
Ländern wie Australien. In vielen asiatischen Ländern hingegen ist die Schul Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes,
uniform gesetzliche Pflicht. In Japan beispielsweise, wo Schuluniformen schon sagt heute dazu, Kleider seien indivi
zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Modellen der Armeeuniform eingeführt duelle Gestaltungsmittel und es sei nicht
wurden, sind sie so weit in die Alltagskultur vorgedrungen, dass sich Jugend jedem Menschen in jeder Kleidung wohl.
cliquen auch in der Freizeit mit ihnen kleiden und die braven Blazer und Hosen «Zudem ist es eine Illusion zu glauben,
mit Markenaccessoires wie Schals, Socken und Uhren zu einem eigenen Stil mit Uniformen könne man Unterschiede
kombinieren. Vielerorts, wo Schülerinnen und Schüler Uniformen tragen müs aus der Welt schaffen. Ich sehe darum
sen, gelten auch für Lehrpersonen strikte Kleidervorschriften. keinen Grund, der für die Einführung der
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Schuluniform bei uns spricht.» Im Gespräch ein Blazer mit konturierten Schultern –
«Kleider sind
für Autorität. So auch hohe Farbkontraste.
Wenn man Fotos von Menschen mit
solchen Kleidern vorlegt und Fotos von
immer auch
anders gekleideten Personen, gibt eine
signifikant grössere Gruppe an, bei den
S
prache»
nicht autoritär Angezogenen eher um
zusätzliche Ferien zu bitten. Sind einem
solche Muster bekannt, kann man seine
Kleider bewusst einsetzen.
Und dann gibt es noch globale,
Stilexpertin Susan Wahl sagt, zu viel modische Trends.
Aufhebens um Kleider von Jugendlichen Ja, nebst Codes, die in kleinen sozialen
Räumen funktionieren, gelten heute glo
sei kontraproduktiv, Diskussionen über bale Moden, die rasend schnell wechseln
und über Medien und digitale Kanäle ver
Mode seien aber wichtig. breitet werden. Aktuell ist es etwa der
Trend, Schuhe ohne Socken zu tragen.
Interview: Katrin Hafner Fotos: Marion Nitsch Oder, bei Mädchen: weite, gemusterte
Highwaist-Shorts.
Wie stark richten sich Jugendliche
nach solchen Trends?
Als Vorbereitung auf unser Gespräch
Als Stilexpertin können Sie mir be- Wie kann ich einen Kleiderstil habe ich einer Handvoll Lehrerinnen und
stimmt sagen, worauf ich achten muss, interpretieren? Lehrern verschiedener Stufen Frage
wenn ich aufgrund von Kleidern etwas Auf der konkreten Ebene wird es kom bogen zuhanden ihrer Klassen verteilt.
über eine Person erfahren will? plex. Was Kleider bedeuten, hat mit Codes Viele Mädchen bestätigen den Trend der
Schauen Sie auf die Schuhe. Sie verraten zu tun – und diese sind heute stärker Highwaist-Shorts. Die Jungen nennen be
viel über die Prioritäten der Person: Will ausdifferenziert als früher und oft klein stimmte Turnschuhmodelle und -marken.
sie gut aussehen, es bequem haben, ihren räumig gültig. Was in einem Schulhaus Welche modischen Vorbilder haben
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Status zeigen oder uns vermitteln, dass sie als cool gilt, hat im Nachbarschulhaus Schülerinnen und Schüler?
die aktuellen Trends verfolgt? wenig Bedeutung. Die Aussage der Klei Buben oft Fussballer, Mädchen das Model
Werden Kleider und Schuhe nicht der variiert pro Einheit, also pro Schul Cara Delevingne – mit der Begründung,
überschätzt? haus, pro Berufsgruppe. Je vertrauter mir sie sei unabhängig. Tatsächlich brach sie
Nein. Der Spruch «Kleider machen Leute» eine bestimmte Einheit oder Gruppe ist, mit starken Augenbrauen den Trend der
gilt nach wie vor – sogar mehr denn je. desto besser erkenne ich die Feinheiten, gezupften Brauen. Sie vermittelt etwas
Die Menschen präsentieren ihren Status kann verschiedene Kleider treffend in Rebellisches. Manche ältere Schülerin
heute nicht mehr bloss via Kleider und terpretieren und etwas daraus über den nen und Schüler betonen, sich nicht um
Schuhe, sondern auch via Handys oder Menschen ablesen. Mode zu kümmern.
Freizeitartikel wie zum Beispiel Fahr Aber auch heute gibt es noch Stimmt es, dass Marken heute we-
räder. Selbst der Schulthek ist heute ein objektive Kriterien. niger zählen und stattdessen Under-
wichtiges Ausdrucksmittel: Er wird häufig Das stimmt, es gibt Gesetzmässigkeiten, statement und No-Labels wichtig sind?
mehrmals ausgewechselt, während man die innerhalb eines grösseren Kultur Ja, das ist so. «In» ist, wer sich den wech
früher für die ganze Schulzeit ein oder kreises gelten. Bei uns stehen Kleidungs selnden Trends anpasst, damit kann man
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vielleicht zwei Modelle brauchte. stücke mit geraden Linien – beispielsweise sich profilieren. Modeblogs oder MagazineSie können auch lesen