STADT OLBERNHAU FORTSCHREIBUNG FÖRDERPROGRAMM STADTUMBAU (SU) SEKo-SU "STADTZENTRUM"
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WESTSÄCHSISCHE GESELLSCHAFT FÜR STADTERNEUERUNG MBH CHEMNITZ
STADT
OLBERNHAU
FORTSCHREIBUNG
FÖRDERPROGRAMM STADTUMBAU (SU)
SEKo-SU „STADTZENTRUM“
NACH § 171b Abs. 2 BauGB
STAND JANUAR 2019STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
Planverzeichnis 6
Anlagenverzeichnis 6
1 Vorbemerkungen 7
2 Gesamtstädtische Situation 10
2.1 Besonderheiten in der Stadtentwicklung 10
2.1.1 Naturräumliche Gliederung 10
2.1.2 Lage im Raum 10
2.1.3 Wesentliche Merkmale der Stadt 11
2.1.4 Historische Entwicklung 11
2.1.5 Stadtteilgliederung und Siedlungsstruktur 13
2.2 Übergeordnete räumliche Planungen 14
2.2.1 Ziele und Grundsätze der Raumordnung im Landesentwicklungsplan 14
2.2.2 Ziele und Grundsätze der Raumplanung im Regionalplan 15
2.2.3 Regionale Entwicklungskonzepte 17
2.3 Städtische Planungen 18
2.3.1 Flächennutzungsplan (FNP) 18
2.3.2 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (InSEK) 18
2.3.3 Leitbild 19
3 Demografische Entwicklung 21
3.1 Bevölkerungsentwicklung seit 1990 21
3.2 Bevölkerungsprognose 29
4 Wohnen 32
4.1 Wohngebäude- und Wohnraumentwicklung 32
4.2 Eigentümerstruktur 37
4.3 Wohnungsleerstand 37
4.4 Wohnbauflächenpotentiale 38
4.5 Wohnbedarfsprognose, Sanierungs- und Rückbaubedarf 38
5 Beteiligung 43
5.1 Öffentlichkeitsarbeit 43
5.2 Beteiligung der Träger öffentlicher Belange 44
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 2STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ Inhaltsverzeichnis
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6 Ausgangssituation 50
6.1 Lage und städtebauliche Situation des Stadtumbaugebietes 50
6.2 Bevölkerungs- und Sozialstruktur 52
6.3 Städtebauförderung 53
6.3.1 Programm Städtebauliche Erneuerung (SEP) 54
6.3.2 Programm Stadtumbau Ost (SUO) bzw. Stadtumbau (SU) 54
6.4 Energetische Stadterneuerung 54
6.5 Restriktionen 57
6.5.1 Bebauungspläne 57
6.5.2 Altlasten 57
6.5.3 Wasserrecht 57
6.5.4 Denkmalschutz 58
6.6 Ziele und Maßnahmen im InSEK 2019 60
7 Bestandsaufnahme 62
7.1 Grundstücksdaten 62
7.1.1 Eigentumsverhältnisse 62
7.1.2 Art und Maß der baulichen Nutzung im Flächennutzungsplan 63
7.2 Gebäudedaten 65
7.2.1 Baustruktur 65
7.2.2 Nutzung 65
7.2.3 Gebäudeleerstand 67
7.2.4 Sanierungsgrad der Gebäude 69
7.3 Freiflächen 71
7.4 Verkehrsflächen 72
7.5 Ver- und Entsorgungssysteme 74
7.6 Dokumentation der städtebaulichen Missstände 75
7.7 Analyse der Stärken und Schwächen des Stadtumbaugebietes 80
8 Ziel- und Maßnahmekonzept 81
8.1 Entwicklungsprämissen 81
8.2 Einzelmaßnahmen 88
8.2.1 Private Maßnahmen 88
8.2.2 Öffentliche Maßnahmen 90
8.3 Kosten- und Finanzübersicht 92
8.4 Evaluierung und Fortschreibung 92
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 3STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ Inhaltsverzeichnis
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Historische Bevölkerungsentwicklung 1834-2017 21
Abbildung 2 Bevölkerungskurve Olbernhau und Ortsteile 1834-2015 22
Abbildung 3 Einwohnerentwicklung seit 1990 23
Abbildung 4 Einwohnerentwicklung im Vergleich 24
Abbildung 5 Geburten und Sterbefälle 24
Abbildung 6 Einwohnerentwicklung nach Altersgruppen 25
Abbildung 7 Fortzüge und Zuzüge 26
Abbildung 8 Fortzüge 27
Abbildung 9 Zuzüge 28
Abbildung 10 Saldo Geburten/Sterbefälle und Zuzüge/Fortzüge 29
Abbildung 11 Einwohnerprognose nach Altersgruppen bis 2030 30
Abbildung 12 Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 im Vergleich (Basis 1990) 31
Abbildung 13 Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 im Vergleich (Basis 2015) 31
Abbildung 14 Einwohner- und Wohnraumentwicklung im Vergleich 32
Abbildung 15 Baualter der Gebäude im Vergleich 34
Abbildung 16 Wohnungen, Abriss und Neubautätigkeit 35
Abbildung 17 Haushalte und Bevölkerung im Erzgebirgskreis 39
Abbildung 18 Altersstruktur Stadtumbaugebiet und Gesamtstadt (31.12.2015) 52
Abbildung 19 Eigentümerstruktur nach Anzahl der Gebäude 62
Abbildung 20 Eigentümerstruktur nach Grundstücksfläche 63
Abbildung 21 Ausschnitt aus dem Flächennutzungsplan 64
Abbildung 22 Leerstände in Hauptgebäuden im Stadtumbaugebiet 67
Abbildung 23 Anteile bebauter und unbebauter Flächen 71
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 4STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ Inhaltsverzeichnis
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Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Gebäudebestand 2005, 2010, 2016 33
Tabelle 2 Baualter der Gebäude und Wohnungen 2011 34
Tabelle 3 Wohngebäuderückbau 1993-2016 36
Tabelle 4 Verteilung des Wohnungsbestandes unter den Eigentümern 37
Tabelle 5 Entwicklung Wohnfläche pro Wohneinheit und Einwohner 1999-2016 38
Tabelle 6 Theoretischer Rückbaubedarf bis 2030 41
Tabelle 7 Auswertung Beteiligung der Träger öffentlicher Belange 44
Tabelle 8 Einwohnerzahl und Altersstruktur im Stadtumbaugebiet 2015 52
Tabelle 9 klimarelevante Handlungsfelder und Maßnahmen 55
Tabelle 10 Altlasten 57
Tabelle 11 Denkmalschutz 58
Tabelle 12 Denkmalschutzgebiete 59
Tabelle 13 Maßnahmen im SEKO 2007, Maßnahmenpaket 1 61
Tabelle 14 Nutzungsstruktur der Hauptgebäude nach Bereichen 66
Tabelle 15 Leerstände in Hauptgebäuden nach Bereichen 67
Tabelle 16 Leerstände in Wohn- und Gewerbeeinheiten 68
Tabelle 17 Bauzustände der Gebäude nach Bereichen 70
Tabelle 18 Verkehrsbelastung klassifiziertes Straßennetz 72
Tabelle 19 Buslinien ab Busbahnhof Olbernhau 73
Tabelle 20 Missstände im Stadtumbaugebiet 75
Tabelle 21 Private Maßnahmen im Stadtumbaugebiet 88
Tabelle 22 Öffentliche Maßnahmen im Stadtumbaugebiet 90
Tabelle 23 Kostenermittlung 92
Tabelle 24 Indikatorenliste 93
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 5STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ Inhaltsverzeichnis
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Planverzeichnis
nach Seite
GESAMTSTÄDTISCHE SITUATION UND DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG
Plan 1 Siedlungsstruktur und Stadtteilgliederung 12
Plan 2 Grenze des Stadtumbaugebietes 50
Plan 3 Luftbild 50
Plan 4 Fördergebiete Stadt Olbernhau 54
STADTUMBAUGEBIET „STADTZENTRUM“
Plan 5 Restriktionen 58
Plan 6 Eigentumsverhältnisse 62
Plan 7 Gebäudenutzung und -leerstände 66
Plan 8 Geschossigkeit und Sanierungsgrad 70
Plan 9 Städtebauliche Ziel- und Maßnahmebereiche 84
Plan 10 Maßnahmekonzept 90
Anlagenverzeichnis
Anlage 1 Beschluss zur Gebietsabgrenzung
Anlage 2 Beschlussfassung zum Fördergebietskonzept
Anlage 3 Veröffentlichung zur Durchführung im „Olbernhauer Reiterlein“,
dem Amtsblatt der Stadt Olbernhau
Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH
Bearbeiter: Dipl.-Ing. Martin Neubert
M. Sc. Damaris Helwig
M. Sc. Maria Weißenfels
Pläne: Dipl.-Ing. Katrin Mey
M. Sc. Maria Weißenfels
B. Sc. Franziska Fuchs
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 6STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 1 Vorbemerkungen
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1 Vorbemerkungen
Als Reaktion auf die sich in den letzten Jahren vollzogene und weiter prognostizierte
demografische Entwicklung sowie den generellen Umstrukturierungsprozess seit 1990,
sind in vielen Städten und Gemeinden Stadtumbaumaßnahmen erforderlich. Ziel ist
es, Gebiete, die von erheblichen städtebaulichen Funktionsverlusten betroffen oder
bedroht sind, durch besondere Förderung zu stabilisieren. Es sollen städtebauliche
Strukturen geschaffen werden, die den heutigen und künftigen Bedürfnissen ent-
sprechen. Im Rahmen des verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen und zur
allgemeinen Kostenstabilisierung ist es erforderlich, die Entwicklung und Funktion zent-
raler Bereiche der Stadt zu stärken sowie einen von der Bevölkerung akzeptierten
Veränderungsprozess voranzutreiben.
Der Stadtumbauprozess gestaltet sich in der Stadt Olbernhau durch die Lage und
historische Entstehung insgesamt schwierig. Die baulichen Strukturen der Stadt entwi-
ckelten sich als Bandstruktur im Flöhatal. Sie wird durch die Bebauung in den Seiten-
tälern und nicht zuletzt durch die Bebauung der ehemals selbständigen und zwi-
schen 1950 und 1994 sowie 2016 angeschlossenen Gemeinden ergänzt. Dies führte
zu einer großflächigen Bauflächenausdehnung, der zum größeren Teil eine geringe
Bebauungsdichte gegenüber steht. Die bandartigen Baustrukturen sind geprägt von
lockerer Einzelhausbebauung in Form von Ein- bis Dreifamilienhäusern. Lediglich im
Bereich zwischen Zöblitzer und Rudolf-Breitscheid-Straße entwickelte sich eine grün-
derzeitliche Quartiersstruktur mit Mehrfamilienhäusern.
Die in den 1960er bis 1980er Jahren am Stadtzentrumsrand errichteten Wohnblöcke
des industriellen Wohnungsbaues mit entsprechendem Komfort führten schon da-
mals zu Funktionsverlusten in den zentraleren Wohnbereichen. Der Bevölkerungsrück-
gang gepaart mit den umfassenden Sanierungsmaßnahmen an den Standorten des
industriellen Wohnungsbaues und nicht zuletzt die Realisierung des Wohngebietes
Poppsches Gut nach 1990 (zu diesem Zeitpunkt bestand noch erheblicher Woh-
nungsmangel) haben zur Verstärkung dieses Prozesses geführt. Der vollzogene und
auch weiterhin anhaltende Bevölkerungsrückgang macht eine intensive Fortführung
des Stadtumbauprozesses unabdingbar.
Auf der Basis einer Analyse aller stadtentwicklungsrelevanten Belange formulierte das
Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept für die Gesamtstadt (InSEK) die Ziel-
stellungen für die Stadtentwicklung der Stadt Olbernhau bis zum Jahr 2030. Der aktu-
elle Entwurf des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (InSEK 2019) knüpft an die
Entwicklungsleitbilder des SEKO 2007 an. Dabei stellt es als wichtigste Entwicklungs-
leitbilder die rückläufige demografische Entwicklung mit einem Rückbaubedarf beim
Wohnraum dem Ziel des Erhalts und der Stärkung des urbanen Stadtkerns gegen-
über. Es schlägt daher als Hauptaufgaben für den Stadtkern eine weitere Sanierung,
Entkernung, Brachenbeseitigung bzw. Umnutzung vor, genauso wie die Entschärfung
der Parkplatzsituation, Grüngestaltung und Grünvernetzung.
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 7STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 1 Vorbemerkungen
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Die vorliegende Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes (SEKo-SU) „Stadt-
zentrum“ hat wie schon sein Vorgänger 2012 und dessen Fortschreibung aus dem
Jahr 2017 die Aufgabe, die städtebaulichen und funktionellen Missstände des inner-
städtischen Gebietes zu dokumentieren und mit einem Maßnahmenkonzept deren
Behebung vorzubereiten. Die einheitliche Vorbereitung sowie das planmäßige und
aufeinander abgestimmte Vorgehen haben das Ziel, die zentralen Stadtbereiche so
zu unterstützen, dass das Gebiet auch weiterhin seine für die Gesamtstadt und das
weitere Umland strukturell äußerst wichtige Vernetzungs- und Versorgungsfunktion
erfüllen kann, besonders auch im Hinblick auf seine Funktion als Grundzentrum für die
umliegenden Städte und Gemeinden im oberen Erzgebirge. Die nachhaltige Stabili-
sierung des zentralen Bezugs- und Vermittlungsbereiches zwischen den Stadtteilen
stimmt wiederum mit den Zielaussagen des InSEK überein.
Aus der Analyse wird deutlich, dass sich die Heterogenität des Stadtumbaugebietes
in der Unterschiedlichkeit der Aufwertungsmaßnahmen widerspiegeln muss. Dabei ist
sowohl die Fortführung kleinteiliger privater Sanierungsmaßnahmen von Bedeutung
als auch die Durchführung einer Reihe längst überfälliger städtebaulicher und frei-
räumlicher Erneuerungsmaßnahmen durch die öffentliche Hand. Ziel ist auch hier die
im InSEK geforderte Attraktivitätssteigerung der Stadt gegenüber einem drohenden
städtebaulichen Funktionsverlust.
Die aktuelle Fortschreibung des SEKo-SU „Stadtzentrum“ hat weiterhin das Ziel, das
Stadtzentrum und deren wichtigen Funktionen zu stärken. Der Innenstadt von Ol-
bernhau wird eine wichtige regionale Funktion zuteil, welche auch für die angren-
zenden Gemeinden von Bedeutung ist. Diese Funktionen als Bildungs-, Handels- und
Wohnzentrum der Stadt gilt es auch in den kommenden Jahren mit Hilfe von städte-
baulichen Förderungsmaßnahmen weiter zu festigen. Durch die Erweiterung um die
Bereiche nördlich der Flöha werden in der Fortschreibung Bereiche des Stadtzent-
rums in die Gebietskulisse aufgenommen, die struktureller Bestandteil des Zentrums
sind und in denen in den vergangenen Jahren verstärkter Handlungsbedarf sichtbar
geworden ist.
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 8STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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2 Gesamtstädtische Situation
2.1 Besonderheiten in der Stadtentwicklung
2.1.1 Naturräumliche Gliederung
Olbernhau ist naturräumlich dem Erzgebirge zuzuordnen. Dabei hat die Stadt Anteil
am Unteren und am Oberen Mittelerzgebirge. Sie liegt eingebettet in das Föhatal,
welches eine Art Kernstück des Mittleren Erzgebirges bildet. Das Stadtgebiet wird wei-
terhin geprägt von den Seitentälern der Schweinitz, der Natzschung, des Dörfelba-
ches und des Rungstockbaches auf der Südseite und des Bärenbaches und der Biela
auf der Nordseite.
Das Flöhatal liegt in einer geotektonischen Schwächezone. Zwischen den Olbern-
hauer Gemarkungen Oberneuschönberg, Grünthal und Reukersdorf ist es tief einge-
schnitten und bildet eine etwa 10 km lange und maximal 1,8 km breite Talwanne, die
sich am Ende von Blumenau stark verengt. Es handelt sich um ein sogenanntes Aus-
räumbecken.
Die Gebirgshochfläche der Nordabdachung des Erzgebirges ist zu beiden Seiten der
Talzonen überwiegend zerschnitten und dadurch aufgelöst in breite Höhenrücken
und schmale Riedel. Auf der Nordseite begrenzt ein Höhenrücken mit den Erhebun-
gen Weiberberg (724,5 m ü.NHN), Ochsenkopf (793,9 m ü.NHN), Steinhübel (816,9 m
ü.NHN), Dürrer Berg (787,8 m ü.NHN), Kamm (716,3 m ü.NHN) und Sophienstein
(702,6 m ü.NHN) das Flöhatal.
2.1.2 Lage im Raum
Die Stadt Olbernhau, die den mittleren Lagen des Erzgebirges zuzuordnen ist, liegt an
der Südgrenze des Freistaates Sachsen im Erzgebirgskreis und gehört zur Planungsre-
gion Chemnitz-Erzgebirge. Sie grenzt im Norden an die Gemeinden Pockau-
Lengefeld, im Nordosten an die Gemeinde Heidersdorf, im Osten an die Gemeinden
Seiffen und Deutschneudorf, im Süden an die Tschechische Republik und im Süden
sowie Westen an die Stadt Marienberg.
Die Entfernung zu den nächsten Zentren mit Bedeutung für Olbernhau betragen:
- Marienberg Mittelzentrum im ländlichen Raum ca. 16 km
- Annaberg-Buchholz Mittelzentrum ca. 45 km
- Chemnitz Oberzentrum ca. 50 km
- Dresden Oberzentrum ca. 70 km
- Reitzenhain Grenzübergang ca. 23 km
Die verkehrliche Anbindung wird über folgende Verbindungen hergestellt:
- B 171 Marienberg – Sayda – Dippoldiswalde
- S 223 Pockau-Lengefeld (B 101) – Olbernhau
- S 214 Olbernhau – Seiffen
- S 216 Olbernhau – Rübenau – Reitzenhain
- Regionalbahnlinie Chemnitz – Olbernhau (KBS 519)
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 10STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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2.1.3 Wesentliche Merkmale der Stadt
- Kleinstadt im ländlichen Raum mit Versorgungsfunktion für das Umland
- Grenzlage zur Tschechischen Republik
- ungenügende Verkehrsanschlüsse an die nächstgelegene Bundesautobahn
- Die historisch gewachsenen Industriebetriebe haben sich besonders im Flöhatal,
Bereich Grünthal entwickelt, heute auch entlang der Teilortsumgehung S 214/S 212.
- Außer dieser Konzentration von Industrie- und Gewerbeanlagen im Bereich
Grünthal erfolgte keine Konzentration auf reine Gewerbeareale, sondern es ent-
stand im Laufe der Entwicklung eine Vielzahl von Gemengelagen mit unmittelbarer
Nachbarschaft von Gewerbe, Industrie und Wohnen.
- die Eingemeindungen der 1950er und 90er Jahre bedingen eine lang gestreckte
und zerklüftete Stadtstruktur
- die Stadt weist eine sehr niedrige Kriminalitätsrate auf
2.1.4 Historische Entwicklung
- 1346 erste urkundliche Erwähnung des Ortes „Albernaw“
- 1434 erste nachweisliche Erwähnung von Olbernhau in einer Kaufurkunde
- 23.12.1511 Nachweis erster bergbaulicher Tätigkeit
- 1537 Gründung der Saigerhütte Grünthal durch Hans Leonhardt
- 1556 Erwähnung einer Schule
- 1590 Einweihung der steinernen Kirche, Friedhof und Bau des Pfarrhauses
- 14.03.1639 Brand des Schlosses Lauterstein, Aktenmaterial über Olbernhau wird
dadurch vernichtet, daher ist das tatsächliche Alter der Stadt nicht feststellbar
- 1654 Erhebung des Lehngutes der Oehmichen zum Rittergut durch Kurfürst Johann
Georg II.
- 1684 Anfänge der Büchsenmacherei
- 1708 Die Gewehrmanufaktur liefert 12.000 Gewehre und einige Degenproben an
die sächsische Armee.
- 1721 Abbau eines Eisenlagers im Bärenbachtal
- 1789 Bau des Gerberhauses (Sonnenuhr von 1809)
- 1793 Errichtung des Chausseegeldeinnehmerhauses an der Kegelbrücke durch
den Sattlermeister Johann Gottlieb Hunger
- 1806 Gründung des Spielwarenverlages August Hermann am Oberen Tempel
- 1815 Gründung der Pulvermühle durch Johann Gottlieb Haubold
- 1847 Der Tischler Carl August Weise stellt erstmals in Olbernhau Zündhölzer her und
beschäftigt in seiner „Streichhölzchenfabrik” 25 Personen.
- 1848 Gründung der Kommunalgarde
- 1868 Bau des Sägewerkes Richard Haase KG, Weihe des Schulgebäudes Grüntha-
ler Straße 14 (1883 und 1893 erweitert)
- 1869 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
- 1871 Errichtung der Marktbrücke (1928 verbreitert), Olbernhau hat 3.550 Einwohner
- 1875 Anschluss durch Flöhatalbahn
- 1878 Einrichtung eines Kindergartens in der alten Apotheke
- 1880 Bau der Obermühlenbrücke
- 1883 Gründung der Holzwarenfabrik Gustav Otto (Tempelweg 4/6, heute Teil des
Gymnasiums)
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 11STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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- 1884 Die 1879 gegründete Firma Otto Weinhold jr. errichtet eine Möbelfabrik, Eröff-
nung der Volksbibliothek, Gründung einer Industrieschule.
- 1885 Eröffnung des Krankenhauses, Eröffnung der Bezirksarmen- und Korrektionsan-
stalt
- 1886 Errichtung einer Gasanstalt und Einführung der Gasbeleuchtung
- 1892 Eröffnung eines Elektrizitätswerkes durch die Brüder Karl und Wilhelm Einhorn,
die erste derartige Anlage in Sachsen
- 1895 Bau des Amtsgerichts, Inbetriebnahme der Hochdruckwasserleitung
- 1896 Einrichtung einer Brauerei durch Karl Gerlach
- 01.01.1902 Verleihung des Stadtrechts – erster Bürgermeister ist Dr. jur. Karl Schanz
- 1902/1904 Bau des Schlachthofes (1995 abgerissen)
- 1904 Eröffnung der Industrie- und Handelsschule
- 1908 Eröffnung des neu erbauten Rathauses, Neubau eines Gaswerkes auf dem
Gelände des Elektrizitätswerkes an der Blumenauer Straße
- 1925 Eröffnung der Kraftwagenlinie Olbernhau – Freiberg/Olbernhau – Sayda
- 1926 Eröffnung der Schnellkraftwagenlinie Olbernhau – Chemnitz
- 1928 Inbetriebnahme der Postwagenlinie Olbernhau – Seiffen – Deutscheinsiedel
für Personen- und Postbeförderung
- 1930 Schwimmbadweihe Dörfelstraße
- 1937 Eingliederung der Gemeinde Kupferhammer Grünthal
- 1943 Inbetriebnahme der Molkerei am Schäferberg
- 1946 Gründung des Glaswerkes Pech und Kunte;
aus der F.A. Lange Metallwerke AG wird durch Verstaatlichung der VEB
Blechwalzwerk - bis 1990 bedeutendster Industriebetrieb und größter Arbeit-
geber der Stadt Olbernhau
- 1950 Niederneuschönberg, Kleinneuschönberg und Oberneuschönberg werden
nach Olbernhau eingemeindet
- 1958/1961 Sanierung und Ausbau des „Althammers" zum technischen Museum in
der Saigerhütte
- 1988 Eröffnung der Lehrschwimmhalle Dörfelstraße
- 1994 Gemeinden Blumenau und Rothenthal werden in die Stadt Olbernhau ein-
gemeindet
- 1995 Öffnung des Grenzübergangs Olbernhau-Grünthal für Fußgänger und Rad-
fahrer
- 1997 Modernisierung des Krankenhauses
- 1998 Einweihung Gymnasium Tempelweg
- 2000 Einweihung Sportkomplex Thomas-Mann-Straße
- 2001 Einstellung der Zugverbindung Pockau – Olbernhau
- 2003 Altenpflegeheim „Waldblick" wird eröffnet
- 2004 Übergabe der Rettungswache
- 2005 Wiederinbetriebnahme der modernisierten Bahnstrecke Olbernhau–Chemnitz
- 2008 Fertigstellung der Teilortsumgehung (Brandauer Straße)
- 2011 Einweihung der Lehrschwimmhalle
- 2016 Öffnung des Grenzübergangs im Ortsteil Hirschberg nach Brandov für Fuß-
gänger und Radfahrer
- 2016 Eröffnung der grenzüberschreitenden Buslinie zwischen Olbernhau und dem
tschechischen Litvinov (Oberleutensdorf)
- 2017 zum 01.01.2017 wurde die Gemeinde Pfaffroda mit allen ihren Ortsteilen nach
Olbernhau eingemeindet
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2.1.5 Stadtteilgliederung und Siedlungsstruktur
Die Stadt Olbernhau besteht aus der Stadt Olbernhau selbst und mehreren Stadttei-
len, welche ursprünglich eigenständige Ortschaften waren. Zu den Stadtteilen gehö-
ren die über ihre Gemarkung räumlich abgrenzbaren Ortslagen Blumenau, Reukers-
dorf, Oberneuschönberg und Rothenthal sowie die zum 1.1.2017 eingemeindete
Gemeinde Pfaffroda mit ihren Ortsteilen Dittmannsdorf, Dörnthal, Hallbach, Hasel-
bach, Hutha, Schönfeld und Pfaffroda selbst.
Im InSEK wird auf diese Unterteilung in der Bewertung der Stadtteile zurückgegriffen
(vgl. Plan 1). Innerhalb der Gemarkung Olbernhau werden für eine schlüssigere Ar-
gumentation sieben strukturell eigenständige Teilgebiete konkretisiert. Für das vorlie-
gende Stadtentwicklungskonzept ist das Teilgebiet Zentrum relevant. Das InSEK unter-
legt die jeweiligen Teilbereiche mit detaillierten Angaben zu Struktur, Bauformen,
Funktion/Nutzung, Potentiale/Entwicklungsperspektiven und Schwächen/ Entwick-
lungshindernissen:
STADTTEIL OLBERNHAU – TEILGEBIET ZENTRUM
- Bereich Zöblitzer Straße/Bahnlinie/Hainbergstraße/Grünthaler Straße/
Allgemeine Töpfergasse/Beginn Freiberger Straße/Mühlgässchen
Angaben - denkmalgeschütztes Rittergut mit Stadtpark, Rathaus, Grundschule,
Oberschule, Bahnhof und Busbahnhof
- kleines gründerzeitliches Stadtzentrum mit dichter 3-4-geschossiger
Struktur/ Karreebbauung
Bauform - einige größere, freistehende Gebäude im Gebiet mit gewerblicher
oder Gemeinbedarfsnutzung
- Wohnfunktion
- Verwaltungs- und Bildungsfunktion
Funktion/
- Gewerbe- und Einzelhandelsfunktion
Nutzung
- musealer/kultureller Erlebnis-/Aufenthaltsbereich (Tourismusfunktion)
- Knotenpunkt ÖPNV
- über Sanierungsmaßnahmen hat der Erhalt und die Sicherung des
Wohnstandortes begonnen
- sehr gute Infrastruktur vorhanden (Einkaufen, Verwaltungseinrichtun-
Potenziale und gen, medizinische Einrichtungen, Bildungs- und Kinderbetreuungsein-
Entwicklungs- richtungen, ÖPNV)
perspektiven - Rittergutsbereich mit Museum, kulturellen Einrichtungen und Bibliothek
- Stadtpark
- Standorte Kino, Theater und Ballhaus Tivoli (derzeit geschlossen)
- Schnittstelle Bahn/Bus
- trotz Sanierung noch hohe Leerstände,
- teilweise Komplettleerstände entlang der Haupterschließungsstraßen,
auch von denkmalgeschützer Bausubstanz
- teilweise nicht durchgängig öffentlich zugängliches Flöhaufer
Schwächen und
- stellenweise hohe Verkehrsbelastung im Gebiet, bedingt teilweise
Entwicklungs-
geringe Wohnqualität und Aufenthaltsfunktion
hindernisse
- Marktplatz mit geringer Aufenthaltsqualität durch hohes Verkehrsauf-
kommen
- fehlende Parkplätze im unmittelbaren Wohnumfeld von Anwohnern
- teilweise Überschwemmungsbereiche der Flöha
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 13STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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2.2 Übergeordnete räumliche Planungen
2.2.1 Ziele und Grundsätze der Raumordnung im Landesentwicklungsplan
ZENTRALITÄT
Die Stadt Olbernhau ist in der aktuellen Fassung des Landesentwicklungsplanes (LEP
2013) nicht als zentraler Ort ausgewiesen. Das nächstgelegene Mittelzentrum ist die
Stadt Marienberg.
RAUMKATEGORIE
Die Stadt Olbernhau ist dem ländlichen Raum zugeordnet.
Im Landesentwicklungsplan befinden sich dazu folgende Zielaussagen:
„Der ländliche Raum soll unter Berücksichtigung seiner siedlungsstrukturellen Beson-
derheiten und seiner Vielfalt als attraktiver Lebens-, Wirtschafts-, Kultur- und Natur-
raum weiterentwickelt und gestärkt werden.
Hierzu sollen
- die Siedlungsstruktur des ländlichen Raumes durch die funktionale Stärkung
seiner Zentralen Orte gefestigt,
- die Erreichbarkeit der Zentralen Orte aus ihren Verflechtungsbereichen ge-
sichert,
- die besonderen Herausforderungen des demografischen Wandels im länd-
lichen Raum, insbesondere im Hinblick auf die Sicherung der Daseinsvor-
sorge, sowohl durch Anpassung als auch durch Gegenstrategien bewältigt
sowie
- staatliches, kommunales und privates Handeln stärker miteinander vernetzt
werden“ (G1.2.2)
„Zur Entwicklung des ländlichen Raumes und seiner eigenständigen Potentiale sollen
insbesondere Planungen und Maßnahmen unterstützt werden, die
- die räumlichen Voraussetzungen für die Erhaltung, Stärkung und zeit-
gemäße Fortentwicklung einer vielfältig strukturierten Land-, Forst- und Fi-
schereiwirtschaft und der damit verbundenen Arbeitsplätze schaffen,
- die Erwerbsgrundlagen für Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen er-
weitern,
- zur Stärkung der Funktionen als Freizeit- und Erholungsraum beitragen,
- die regionale Handlungsfähigkeit und Verantwortung stärken und
- die Eigeninitiative und das lokale Engagement der Bevölkerung beför-
dern.“ (G1.2.3)
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 14STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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2.2.2 Ziele und Grundsätze der Raumplanung im Regionalplan
2.2.2.1 REGIONALPLAN CHEMNITZ–ERZGEBIRGE, 1. GESAMTFORTSCHREIBUNG 2008
Im Regionalplan Chemnitz-Erzgebirge ist Olbernhau als Grundzentrum ausgewiesen,
für das folgende Zielaussagen gelten:
- Grundzentren sind in den Regionalplänen zur Ergänzung der Ober-/Mittelzentren
- übergemeindliche Versorgungs- und Dienstleistungszentren
- mindestens 15.000 Einwohner im Verflechtungsbereich innerhalb des Verdichtungs-
raums und mindestens 7 000 Einwohner im Verflechtungsbereich (bei mindestens
3.000 Einwohnern im Zentralen Ort) im ländlichen Raum
- ÖPNV- Knotenpunkt und
- breitgefächertes sowie herausgehobenes Arbeitsplatzangebot (über 250 sozialver-
sicherungspflichtige Arbeitsplätze im Ort je 1.000 Einwohner oder über 2.000 sozial-
versicherungspflichtige Arbeitsplätze absolut im Verdichtungsraum bzw. über 1.000
sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze absolut im ländlichen Raum)
Da die Kriterien (im Verflechtungsbereich des ländlichen Raumes mindestens 7.000
Einwohner und im Zentralen Ort mindestens 3.000 Einwohner, Arbeitsplatzangebot
u.a.) erfüllt sind, ist Olbernhau als Grundzentrum ausgewiesen. Es hat damit überge-
meindliche Versorgungs- und Dienstleistungsfunktionen zu erfüllen.
Die überfachlichen und fachlichen Ziele des LEP wurden im Regionalplan Chemnitz-
Erzgebirge, Fortschreibung 2008, durch differenzierte Grundsatzzielaussagen vertieft
und präzisiert. In ihm werden für die Stadt Olbernhau und ihr Territorium die folgen-
den Aussagen und Festlegungen getroffen:
ACHSEN
Die Stadt Olbernhau wird von der überregionalen Verbindungsachse
Berlin – Dessau – Leipzig – Chemnitz – Chomutov/Komutau – Praha/Prag berührt.
Als regionale Achsen außerhalb der überregionalen Verbindungsachsen des LEP sind
ausgewiesen:
n) Annaberg-Buchholz – Mildenau – Marienberg – Zöblitz – Olbernhau – Sayda –
Rechenberg-Bienenmühle – Frauenstein – (Dippoldiswalde) – (Dresden)
p) Olbernhau – Seiffen – Deutscheinsiedel – (Litvínov/Leutensdorf) – (Most/Brüx)
TRANSNATIONALE UND GRENZÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT
Ausgehend von der Grenzlage der Stadt Olbernhau soll die Stadt das Ziel verfolgen,
bei Vorliegen kommunaler partnerschaftlicher Interessen grenzüberschreitende Kon-
zepte gemeinsam zu erstellen und umzusetzen.
RÄUME MIT BESONDEREM LANDESPLANERISCHEM HANDLUNGSBEDARF
Nach der Festlegungskarte 5 gehört die Stadt Olbernhau zum grenznahen Gebiet.
REGIONALE FREIRAUMSTRUKTUR
Die Stadt Olbernhau gehört zur Region Erzgebirge und hat dabei Anteil am unteren
und oberen Mittelerzgebirge. Dementsprechend sind für sie die Leitbilder des Unte-
ren Erzgebirges sowie Oberen Erzgebirges verbindlich.
Nach Ausweisung der Karte 10 des Regionalplanes gehört Olbernhau zum Flusssys-
tem der Zschopau und ist somit ein Gebiet mit gesamtstaatlicher repräsentativer Na-
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Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung mbH Stand Januar 2019 15STADT OLBERNHAU SEKo-SU „STADTZENTRUM“ 2 Gesamtstädtische Situation
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turschutzbedeutung. Ferner befinden sich im südlichen Gemeindegebiet und ent-
lang der Flöha Gebiete der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie 92/43/EWG.
Auf dem Territorium der Stadt Olbernhau befinden sich nach der Karte 9 (Regional-
bedeutsame landschaftsprägende Erhebungen) mit Nr. 59 der Rungstockhang und
Nr. 61 der Sophiensteinrücken.
In der Karte 2 (Raumnutzung) des Regionalplanes sind Grünzäsuren im Bereich west-
lich und nordöstlich von Reukersdorf festgesetzt.
Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft:
- gesamter Bereich außerhalb der Bebauung ohne die Bereiche Reukersdorf/Klein-
neuschönberg und südlich der Bahntrasse/westlich der Zöblitzer Straße
Vorranggebiet für Natur und Landschaft:
- zwischen Blumenau und Reukersdorf/Kleinneuschönberg
- nordöstlich von Olbernhau
- südöstlich und südlich von Olbernhau
Landschaftsbild/Landschaftserleben:
- gesamter Bereich außerhalb der Bebauung ohne die Bereiche Reukersdorf/Klein-
neuschönberg
- Vorbehaltsgebiete Hochwasserschutz/Überschwemmungsbereich im Freiraum
- Bereiche der Flöha und Natzschung außerhalb der Bebauung
- Vorbehaltsgebiet Kaltluft
- südwestlich von Olbernhau, Bereich Hüttengrund, nordöstlich Reukersdorf
- Bereich Dörfel – Gewerbegebiet – Rothenthal
2.2.2.2 REGIONALPLAN REGION CHEMNITZ – ENTWURF 2015
Im Zuge der sächsischen Funktional- und Kreisgebietsreform 2008 haben die bisheri-
gen Planungsverbände Chemnitz-Erzgebirge und Südwestsachsen fusioniert. Da bis-
her für den Planungsverband Region Chemnitz noch kein rechtsgültiger neuer Ge-
samt-Regionalplan vorliegt, gelten die Regionalpläne der ehemaligen Regionen wei-
ter. Nachdem der Entwurf für die Öffentlichkeit ausgelegt wurde, befindet sich der
Regionalplan Region Chemnitz seit Mai 2016 in der Abwägungsphase (§ 6 Abs. 2
SächsLPlG).
Für die Stadt Olbernhau und ihr Territorium stehen folgende neue Aussagen und Fest-
legungen im Entwurf des Regionalplan Regiones Chemnitz:
Die Stadt Olbernhau ist weiterhin als Grundzentrum ausgewiesen, wobei sich der Ver-
sorgungskern dabei auf die Stadt Olbernhau selbst konzentriert. Zudem ist die Stadt
Olbernhau als Gemeinde mit besonderer Gemeindefunktion – Bildung ausgewiesen.
Im Gebiet der Planungsregion Chemnitz befinden sich verschiedene Aktionsräume
als Kooperationsnetzwerke. Die Stadt Olbernhau gehört zum Aktionsraum Erzgebirge,
welcher aus dem Landkreis Erzgebirgskreis sowie den Städten Annaberg-Buchholz,
Aue, Brand-Erbisdorf, Marienberg, Oelsnitz/Erzgeb., Olbernhau, Schneeberg, Schwar-
zenberg, Stollberg, Zschopau und Zwönitz besteht.
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Im Kapitel Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Schienenpersonennahver-
kehr (SPNV) wird im Rahmen der weiteren Angebotsoptimierung für Haltepunkt Ol-
bernhau-Grünthal weiterer Ausbaubedarf gesehen. Außerdem wird auf die Weiter-
entwicklung des „Chemnitzer Modells“ und dessen 5 Ausbaustufen hingewiesen und
die Möglichkeit der Schaffung einer Direktverbindung zwischen dem Chemnitzer
Hauptbahnhof und Olbernhau in dessen Rahmen.
Vorranggebiete für die Zweckbestimmung des öffentlichen Bahnverkehrs (komplette
Bahnstrecke bzw. Streckenabschnitt)
- Flöha – Pockau-Lengefeld – Olbernhau-Grünthal/Marienberg
Vorbehaltsgebiete mit der Zweckbestimmung der räumlichen Trassensicherung für
den öffentlichen Bahnverkehr stillgelegten Eisenbahnstrecken/Streckenabschnitte
- Olbernhau – Grünthal – Neuhausen
Im Bereich Straßenverkehr ist auf die vorrangige Realisierung der Straßenbaumaß-
nahme S 216 V Olbernhau – Bundesgrenze D/CZ hingewiesen. Die Planung der S 216
V Olbernhau – BGr. D/CZ wird bereits langjährig geführt. Unter Berücksichtigung der
räumlichen Verteilung von grenzüberschreitenden Straßenverbindungen schließt die
Verbindung Olbernhau – Brandov eine wichtige Lücke im regionalen Straßennetz
und besitzt deshalb vorrangige Bedeutung.
Vorranggebiet Windenergie
- Pfaffroda, Dörnthal
- Pfaffroda, Dittmannsdorf
Vorranggebiet Arten- und Biotopenschutz
- viele verschiedene Bereiche über das gesamte Gebiet verteilt
2.2.3 Regionale Entwicklungskonzepte
LEADER – Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal
Die drei Regionen „Vorerzgebirgsregion Augustusburger Land“, „Mittleres Flöha- und
Zschopautal“ und „Gemeinsame Zukunft Erzgebirge“ haben sich zur ländlichen Ent-
wicklung über die LEADER-Förderung 2014 bis 2020 zusammengeschlossen. Dazu er-
arbeitet die Region, welche unter dem Namen „Erzgebirgsregion Flöha- und
Zschopautal“ agiert, eine LEADER – Entwicklungsstrategie (LES). Ziel der Ländlichen
Entwicklung ist es, in den Dörfern und Gemeinden die Lebens- und Arbeitsbedingun-
gen durch strukturverbessernde Maßnahmen zu erhalten und fortzuentwickeln, der
Abwanderung entgegenzuwirken, die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirt-
schaft zu steigern und dabei sorgsam mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzu-
gehen. Die Region umfasst 8 Städte und 11 Gemeinden aus zwei Landkreisen mit
insgesamt 112.251 Einwohnern. Die Stadt Olbernhau ist eine von ihnen.
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2.3 Städtische Planungen
2.3.1 Flächennutzungsplan (FNP)
Seit dem Aufstellungsbeschluss aus dem Jahre 1991 befindet sich der Flächennut-
zungsplan (FNP) in Bearbeitung. Im Bearbeitungsprozess machten sich Anpassungen
an neue Ziele und Entwicklungen sowie durch die Eingemeindungen erforderlich. Mit
Stadtratsbeschluss Mitte 2006 besitzt die Stadt einen vom Stadtrat beschlossenen
Entwurf des FNP. Er wurde am 29. April 2008 mit Auflagen genehmigt. Er bildet als
vorbereitende Bauleitplanung die Grundlage für die weitere städtische Entwicklung.
2.3.2 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (InSEK)
Im Ergebnis der Analyse und den festgelegten Entwicklungsstrategien kommt das
InSEK 2019 (aktueller Entwurfsstand als Fortschreibung des SEKO 2007) für die Gesamt-
stadt zu folgender Zusammenfassung:
„Die Kernaussagen des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes ergeben sich aus
dem weiter anhaltenden demographischen Wandel, der daraus resultierenden
Wohnungsprognose sowie wirtschaftlichen Entwicklung und allen Bereichen des sozi-
alen Zusammenlebens.
Die Bevölkerungsvorausberechnung für die Stadt Olbernhau deutet langfristig (2030)
auf einen Bevölkerungsrückgang von etwa 1.000 bis 1.500 EW hin. Als Folge muss zu-
künftig mit einem erhöhten Wohnungsleerstand, eventuellen Mindernutzungen von
Einrichtungen und fehlenden Fachkräften gerechnet werden.
Das erarbeitete InSEK stellt in der Zusammenarbeit von Fachbehörden, politischen
Entscheidungsträgern und Bürgern ein Konzept dar, mit welchem auf diese Prozesse
reagiert werden soll. Alle Maßnahmen zielen darauf hin, den Bevölkerungsrückgang
zu minimieren, den Einwohnern eine attraktive Stadt zu erhalten und Arbeitsplätzen
zu schaffen bzw. zu sichern. Besonders für Familien soll Olbernhau ein attraktiver
Wohnstandort werden bzw. bleiben. Das Zertifikat „Familienfreundlicher Ort“ soll wei-
ter mit Leben erfüllt werden.
Der Erhalt und die Attraktivitätssicherung des urbanen Stadtkerns [haben] dabei wei-
terhin oberste Priorität. Hier wird sich deshalb auch zukünftig eine große Anzahl von
Maßnahmen konzentrieren. Neben weiterer Sanierung, Grüngestaltung und Grün-
vernetzung kommt in diesem Zusammenhang der weiteren Beseitigung von Brach-
flächen eine besondere Bedeutung zu.
Der quantitative Angleich an die sinkende Nachfrage im Wohnungsbereich soll
durch Abrisse in den Randlagen und mittel- bis langfristig in den Standorten des in-
dustriellen Wohnungsbaues entsprechend der Bevölkerungsentwicklung erfolgen.
Ziel ist es sowohl für Familien mit Kindern als auch für die steigende Anzahl an älteren
Bürgern bedarfsgerechten Wohnraum anzubieten.“
(Entwurf InSEK 2019, Stand Oktober 2018, S. 154)
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Aus den Kernaussagen und Zielen der Fachkonzepte wurden folgende Schwerpunkt-
themen für die zukünftige gesamtstädtische Entwicklungsstrategie abgeleitet (Ent-
wurf InSEK 2019, Stand Oktober 2018, S. 146):
- Schaffung von guten Voraussetzungen für die Ansiedlung von Industrie, Gewerbe,
Handel und Dienstleistung unter Beachtung der Tourismusfunktionen
- weitere Sanierung der Wohnsubstanz im Zentrum und den zentrumsnahen Wohnbe-
reichen um Voraussetzungen für eventuell erforderliche Umzüge zu schaffen
- Rückbau von nicht mehr marktfähigem Wohnraum unter städtebaulichen und
denkmalpflegerischen Gesichtspunkten, verbunden mit Neuordnung der Flächen
zur Erhöhung der Attraktivität
- Reduzierung des Wohnungsbestandes im Gebiet Hainberg, angepasst an die Be-
völkerungs- und Leerstandsentwicklung
- Sicherung der Einrichtungen der Daseinsvorsorge um Familien neben Arbeits- und
Wohnbedingungen optimale Voraussetzungen für das Leben in der Stadt zu schaf-
fen
- Sicherung der kulturellen und sportlichen Angebote
- Zusammenschlüsse mit Nachbargemeinden damit Verwaltungsdienstleistungen
gebündelt realisiert werden können (Erhöhung von Zuwendungen bei gleichzeitiger
Reduzierung von Kosten)
- Vernetzung von Grünflächen und Schaffung von Flächen mit Aufenthaltsfunktionen
- Schaffung eines weitestgehend durchgängig erlebbaren und zugängigen Grünbe-
reiches entlang der Flöha
- Sanierung des Straßennetzes und Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes
2.3.3 Leitbild
Mit dem Stadtratsbeschluss Nr. 65/05 vom 28. April 2005 wurde das zukünftige Leitbild
bestätigt. Das Leitbild der Stadt Olbernhau umfasst sechs Faktoren, welche die heu-
tige Stadtentwicklung beeinflussen. Die sechs Punkte umfassen den Kulturraum des
Erzgebirges, die Tradition der Spielzeugherstellung, den Tourismus, die Natur, das
Nachbarland Tschechische Republik und nicht zuletzt die Wirtschaft.
OLBERNHAU LIEGT INMITTEN DES ERZGEBIRGES
Wir sind stolz auf die gemeinsame Geschichte und Tradition des Erzgebirges, die uns
verbindet. Die Zukunft liegt in unseren Händen – gemeinsam mit anderen Städten
und Gemeinden des Erzgebirges. Dabei suchen wir Kontakte, knüpfen und pflegen
Netzwerke über die Stadtgrenzen hinaus.
OLBERNHAU IST SPIELZEUGLAND
In Olbernhau kann man Tradition und Gegenwart der Spielzeugherstellung erfahren,
Unternehmen kennen lernen und ihre Produkte vor Ort erwerben. Wir pflegen das
Drechseln und die damit verbundenen Herstellungsformen als Verfahren, die eng mit
unserer Region verbunden sind. Wir wollen diese Tradition anschaulich und erlebbar
in Olbernhau als erzgebirgisches Drechselzentrum erhalten. Als Spielzeugland sind wir
insbesondere für Kinder und Familien ein attraktiver Urlaubsort.
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OLBERNHAU IST EIN TOURISTISCHER ANZIEHUNGSPUNKT
Im Spielzeug- und Weihnachtsland heißen wir die Besucher unserer Stadt ganzjährig
willkommen. Unseren Gästen bieten wir das historische Saigerhüttengelände mit dem
Althammer. Mit dem hier hergestellten Kupferblech wurden Dächer berühmter Ge-
bäude, z.B. der Peterskirche in Rom gedeckt. Im Stadtzentrum laden die 1590 ge-
weihte Stadtkirche und das Museum im ehemaligem Rittergutsgelände die Besucher
ein. Weithin sichtbar überragt die Bergkirche von Oberneuschönberg das große und
schöne Olbernhauer Tal.
OLBERNHAU LEBT IN UND MIT DER NATUR
Olbernhau ist die Stadt der sieben Täler, eingebettet in die großzügige Landschaft
des Erzgebirges. Dieser Naturreichtum begründet die Lebensqualität und Attraktivität
der Stadt und Region für ihre Einwohner, Erholungssuchende und sportlich Aktive
gleichermaßen. Zur Erhaltung der Schönheit unseres Erzgebirges gehen wir sorgsam
mit den uns anvertrauten Schätzen der Natur um und prüfen unsere Aktivitäten auf
deren nachhaltig positive Wirkung auf die Umwelt.
OLBERNHAU SCHLÄGT EINE BRÜCKE ZU TSCHECHIEN
Unsere Stadt bildet eine wichtige Brücke in die Nachbarregion Tschechiens. Diese
Brückenfunktion wird sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf kultureller Ebene belebt
und ausgebaut. Wir fördern den Austausch in der Grenzregion und schaffen Mög-
lichkeiten für Kontakte und Begegnungen zwischen Deutschen und Tschechen.
OLBERNHAU – EIN WIRTSCHAFTSSTANDORT MIT INNOVATIVER VERGANGENHEIT UND
ZUKUNFT
Olbernhau war von jeher ein innovativer Wirtschaftsstandort und Produktionsstätte
hochwertiger und moderner Produkte. Das beweisen u.a. die Kompetenzen Olbern-
haus im Möbelbau oder des ersten Elektrizitätswerks im Königreich Sachsen, welches
1891 in Olbernhau errichtet wurde. Olbernhau bietet heute Investoren auch deshalb
günstige Standortbedingungen, weil mit dem Fleiß, der Flexibilität und dem Erfin-
dungsreichtum der Menschen immer gerechnet werden kann.
Mit der Aufstellung des Leitbildes wurde ein Slogan bzw. ein Leitspruch der Stadt er-
stellt:
OLBERNHAU – MITTEN IM ERZGEBIRGE
Als Identifikationssymbol wird neben dem Olbernhauer Wappen das „Olbernhauer
Reiterlein“ als Bildmarke verwendet.
Bildquelle: Stadt Olbernhau
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3 Demografische Entwicklung
3.1 Bevölkerungsentwicklung seit 1990
Die in den folgenden Abschnitten durchgeführten Berechnungen und Vergleiche zur
Bevölkerungsentwicklung (1990-2016) für die Stadt Olbernhau basieren auf den Da-
ten des Statistischen Landesamtes Sachsen, teilweise ergänzt durch die Angaben
des Einwohnermeldeamtes der Stadt.
In der Bevölkerungsentwicklung spiegelt sich abhängig von der generellen Entwick-
lung im Land stets die wirtschaftliche und soziale Entwicklung einer Gemeinde wider,
so auch in Olbernhau. Die demografische Entwicklung wird dabei im Wesentlichen
durch die Faktoren der natürlichen Bevölkerungsentwicklung (Geburten/Sterbefälle)
sowie der Wanderungen (Zuzug/Wegzug) über die Stadtgrenzen bestimmt.
Abbildung 1 Historische Bevölkerungsentwicklung 1834-2017
22506
22500
20618
20105
20000
18605 18913
18172
17500 16394
15118
15000
13138
12741
12500
11156
9598
10000
7145
7500
5000
2500
11.156
10004
10297
11133
15961
14347
11703
11905
2362
3550
6206
9681
9936
0
1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1990 2000 2010 2017
Olbernhau Niederneuschönberg Oberneuschönberg
Blumenau Rothenthal Pfaffroda
Schönfeld Dittmannsdorf Dörnthal
Hallbach
Quelle: Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (http://hov.isgv.de/Olbernhau, 27.07.2011),
Werte ab 2000: Statistisches Landesamt Sachsen
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Betrachtet man die historische Bevölkerungsentwicklung ab 1834 in Abbildung 1 und
Abbildung 2, so sind drei Hauptphasen abzulesen. Bis zum ersten Weltkrieg gab es
eine starke Bevölkerungszunahme in der Stadt Olbernhau, insbesondere aber zwi-
schen den Jahren 1890 und 1910. Davon profitierten nicht nur die Kernstadt Olbern-
hau, sondern auch die in späteren Jahrzehnten eingemeindeten Dörfer. In den
1920er und 1930er Jahren blieb die Bevölkerung weitgehend konstant, bis sie 1950
durch starke Zuwanderung einen Bevölkerungshöhepunkt erreichte (15.961 ohne
bzw. 22.506 mit Pfaffroda und den anderen heutigen Stadtteilen). Seitdem unterliegt
die Einwohnerzahl einem konstanten Rückgang, sodass Olbernhau inzwischen nicht
mehr weit von der Hälfte der 1950er Bevölkerungsspitze entfernt ist, was in etwa der
Einwohnerzahl von 1890 entspricht. Die Bevölkerungsabnahme nach dem Jahr 2000
hat sich im Vergleich zu den vorangegangenen Jahrzehnten leicht verstärkt. In den
letzten drei Jahren kam es erstmals wieder zu einer Stabilisierung der Bevölkerungs-
zahl in Olbernhau. Dies ist nicht zuletzt auf den vermehrten Zuzug in die Stadt zurück-
zuführen. Bei vielen dieser Zugezogenen handelt es sich um Flüchtlinge. Ob diese
Entwicklung der Bevölkerungszahl auch in den kommenden Jahren so bleibt ist aktu-
ell noch nicht abzusehen.
Abbildung 2 Bevölkerungskurve Olbernhau und Ortsteile 1834-2015
20000
18000
16000
14000
12000
10000
8000
6000
4000
2000
0
1830
1840
1850
1860
1870
1880
1890
1900
1910
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2010
Olbernhau Pfaffroda
Quelle: Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (http://hov.isgv.de/Olbernhau, 27.07.2011), Werte seit 1990:
Statistisches Landesamt Sachsen
Der in der Abbildung 3 erkennbare Rückgang des Anteils der Frauen in der Alters-
gruppe von 15 bis 40 Jahren (im gebärfähigen Alter) von etwa 58,0 %, verdeutlicht
eine Ursache für den Bevölkerungsrückgang seit der Wiedervereinigung. Andere
Gründe, die im Weiteren näher erläutert werden, sind das höhere Alter der Erstgebä-
renden (das die sich wandelnden Einstellungen gegenüber Kindern und Familie wi-
derspiegelt), der konstant hohe Sterbeüberschuss von etwa 80 bis 100 Personen pro
Jahr und die vermehrten Fortzüge, vor allem in den Jahren 1990/1991 und ab dem
Jahr 1999.
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Die aktuelle Bevölkerungsentwicklung seit 1990 zeigt folgendes Bild:
Abbildung 3 Einwohnerentwicklung seit 1990
Einwohnerzahl Frauen
(15 bis 40 Jahre)
20.000 4.000
16.394
15.718
15.118
17.500 3.500
13.938
13.734
13.495
13.311
12.962
12.741
12.228
12.087
11.848
15.000 3.000
11.704
11.679
11.320
11.156
3.015
2.970
2.896
12.500 2.500
2.425
10.000 2.000
2.312
2.157
2.039
1.886
7.500 1.500
1.770
1.581
1.507
1.418
1.374
1.368
5.000 1.000
1.266
1.236
2.500 500
0 0
2008
2010
1990
1995
2000
2005
2006
2007
2009
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
Einwohnerzahl Olbernhau Frauen (15 bis 40 Jahre)
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen
Diesem Umstand versucht die Stadt Olbernhau mit dem Erhalt und der Schaffung
von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken. Seit 2007 konnte der Pendlersaldo positiv be-
einflusst werden. Immer mehr Menschen wohnen und arbeiten auch in Olbernhau.
Während 2007 noch rund 230 mehr Sozialversicherungspflichtige am Arbeitsort regis-
triert waren als Sozialversicherungspflichtige am Wohnort, beträgt die Differenz 2015
nur noch 30 Personen. Die Stadt Olbernhau ist also immer weniger ein Auspendlerort.
Zudem erhöht sich seit 2009 die Anzahl der Sozialversicherungspflichtigen in der
Stadt, was für eine positive Wirtschaft in der Stadt spricht. Mit der Eingemeindung
Pfaffrodas erhöhte sich der Pendleranteil wiederum geringfügig.
Dies zeigt erste Auswirkungen der Bemühungen. Generell ist aber davon auszuge-
hen, dass der demografische Trend weiter anhält und die Anzahl der Bevölkerungs-
schicht im erwerbsfähigen Alter abnimmt.
Die Bevölkerungsentwicklung im regionalen Vergleich (Abbildung 4) zeigt, dass der
Bevölkerungsrückgang zwar dem allgemeinen Trend folgt, sich aber etwa seit der
Jahrtausendwende stärker vollzieht als im Freistaat Sachsen und seit 2010 auch stär-
ker als im Erzgebirgskreis. Während der Verlust im Freistaat und im Landkreis in der
Relation von 1990 bis 2016 nur 14,5 % bzw. 24,7 % beträgt, liegt er in der Stadt Olbern-
hau bei 31,0 % der Einwohnerzahl. Mit diesem Wert liegt die Stadt durchaus im Durch-
schnitt vergleichbarer Städte im Erzgebirgsraum (vgl. Marienberg -23,5 %, Zschopau
-34,5 %, Flöha -27,0 %, Altenberg -28,5 %, Pockau-Lengefeld -23,4 %).
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