Stark dank Wellness Paraplegiker-Zentrum: ein "Friendly Work Space" - Work-Life-Balance - WIR Bank Genossenschaft

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Stark dank Wellness Paraplegiker-Zentrum: ein "Friendly Work Space" - Work-Life-Balance - WIR Bank Genossenschaft
2/ 2019

 Das Magazin für WIR-Teilnehmer

Paraplegiker-
Zentrum:
ein «Friendly
Work Space»

Stark dank Wellness
        Mittagspausen
        Schwerarbeit für den
                               Work-Life-Balance
        Bauch vermeiden        Architekt Rolf Stalder geht in die Luft
Stark dank Wellness Paraplegiker-Zentrum: ein "Friendly Work Space" - Work-Life-Balance - WIR Bank Genossenschaft
Februar 2019

Lunare Pommes mit
Seidenraupe
Editorial

Über gesunde Ernährung und
ausreichend Bewegung tun wir
schon viel Gutes für unseren
Körper. Beides kann bereits am
Arbeitsplatz beginnen.
Verächter der Knolle werden die Nase rümpfen: Die Kartof-      reits am Arbeitsplatz beginnen. Denn Unternehmen, die
fel hat ein halbes Jahrtausend nach der Eroberung Euro-        sich für das ganzheitliche Wohlbefinden ihrer Mitarbeiten-
pas auch den Weltraum besiedelt. Sie gibt hoffnungsvollen      den engagieren, erhöhen ihre Wettbewerbsfähigkeit, ih-
Astronauten einen Vorgeschmack davon, was sie dermal-          ren Erfolg und ihre Innovationskraft. Ein WIR-Kunde, der
einst auf dem Mond oder Mars nahrungstechnisch erwar-          sich so das Label «Friendly Work Space» verdient hat, ist
ten wird: Produkte aus leicht und billig zu transportieren-    das Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil (S. 10).
den Samen oder Insekteneiern. Die Seidenraupen, welche
die chinesische Sonde Chang'e ebenfalls mit auf die Rück-      Auch ein Hobby wirkt stressabbauend und fördert die
seite des Monds genommen hat, dienen zunächst aber nur         Life-Work-Balance. Sogar dann, wenn es («positive»)
dazu, im Zusammenspiel mit Kartoffel und Acker-Schmal-         Stresshormone freisetzt (S. 22). Eine andere Möglichkeit,
wand eine Atmosphäre zu schaffen. Natürlich nicht eine all-    sich – oder warum nicht auch mal einen verdienten Mit-
umfassende Mondatmosphäre, sondern eine Minivariante           arbeiter? – für gute Arbeit zu belohnen, ist ein Spa-Auf-
in einer abgedichteten, drei Kilo schweren Aluminiumbox.       enthalt. Wellness-Angebote sind im WIR-System gut ver-
                                                               treten. Ab S. 4 stellen wir die Bains d'Ovronnaz vor, wo
So vielfältig das irdische Nahrungsangebot im Vergleich        im Frühling ein in der Schweiz einzigartiger neuer Spa-
dazu ist, so gross ist die Versuchung, sich einseitig zu er-   Bereich eröffnet wird.
nähren. Selbst die erfindungsreichen Lebensmitteltechni-
ker tischen uns bei näherer Betrachtung austauschbaren         Daniel Flury
Convenience-Food auf. Denn die Inhaltsstoffe müssen            Chefredaktor
den Massengeschmack treffen. Das führt zum Beispiel
dazu, dass vor allem geschmacklich unverdächtige To-
matensorten angebaut werden – wo doch eigentlich
über 3100 Varianten zur Auswahl stünden. Von einer lun-
aren Monokultur sind wir zwar noch weit entfernt, aber
je weniger Bedeutung wir einer ausgewogenen und ab-
wechslungsreichen Ernährung beimessen, desto leichter
machen wir es der Nahrungsmittelindustrie. In der Fort-
führung unserer Kampagne «KMU-Power» geben wir im
Beitrag «Schwerarbeit für den Bauch vermeiden» Tipps
für ein gesundes Essverhalten (S. 16).

Über gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung tun
wir schon viel Gutes für unseren Körper. Beides kann be-

                                                                                                                            1
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WIRinfo Kundenmagazin

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Februar 2019

Inhalt
Seite 4                                                                                               Seite 28 und 32
Spas und Wellnesshotels sind im WIR-System                                                            Nutzen Sie wirmarket.ch und bringen Sie so
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können. Im Wallis haben die Bains d'Ovronnaz                                                          ten, geleitet von Carmelo Palma.
(100% WIR) fünf Millionen Franken in einen
neuen Spa-Bereich investiert. Zugänglich ist er
zwar erst im Frühling, was die WIR-Kunden Joël
Roduit (l.) und Steve Devanthéry nicht von einem
Besuch der bereits geöffneten Pools, Saunen
und des Hamams gehindert hat.

                                                   Seite 10
                                                   Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ ist
                                                   WIR-Teilnehmer und von der Gesundheitsför-
                                                   derung Schweiz mit dem Label «Friendly Work
                                                   Space» ausgezeichnet worden. Manuela Schär,
                                                   betriebliche Gesundheitsmanagerin im SPZ,
                                                   berichtet im Interview über ihre Erfahrungen mit
                                                   dem Label.

 4	
 4 Quelle der Erholung                              22	
                                                    22 Zwischen Digital Detox und                       34 Veranstaltungskalender
		 Les Bains d’Ovronnaz                                Höhenflügen
                                                   		 Der Architekt Rolf Stalder                       38 Neue WIR-Teilnehmer
    9 144 Seiten Faszination WIR
                                                       26	
                                                       26 Die KMU-Power-Events im                       89 Impressum
                                                                                                        XX
 10	
 10 «Friendly Work Space» statt                           Februar und März
    Räder im Getriebe                                                                                  90	Standorte der WIR Bank
                                                                                                        XX
		 Das Schweizer Paraplegiker-                        27	Inserateschlüsse
                                                       27 Inserateschlüsse                                  und Social Media
    Zentrum in Nottwil
                                                       28	
                                                       28 Der WIRmarket gedeiht                         91 WIR-Network-Adressen
                                                                                                        XX WIR-Network-Adressen
   16	
   16 Schwerarbeit für den Bauch                          weiter
      vermeiden                                                                                         94 Inserategrössen
                                                                                                        XX
                                                       32	
                                                       32 Digital-Werkstatt für WIR-
   20	
   20 Impressionen aus der                                market und WIRpay                             96 Inseratepreise
                                                                                                        XX
      Filmserie «KMU-Fitness»

                                                                                                                                                       3
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Februar 2019

Quelle der
Erholung
  Les Bains d’Ovronnaz

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    Neuer Spa mit exklusiver Infrastruktur in der Schweiz,
    neue Therapieangebote, Hamam- und Sauna-Zugang
    auch für die Badegäste: Wie die Thermalbäder in
    Ovronnaz (VS; 100% WIR) in Wellness und Gesundheits-
    förderung investieren und dabei die Bedürfnisse von
    KMU nicht aus den Augen verlieren.

    Les Bains d’Ovronnaz: bis zu 36 Grad warmes Wasser auf 1400 Metern über Meer.                            Fotos und Illustrationen: zVg

    Wer sich nach einem langen Arbeitstag ab und zu eine                   die gesundheitsfördernden Eigenschaften des sulfat-,
    Auszeit in der Badewanne gönnt, kennt die wohltuende                   kalzium- und fluoridreichen Thermalwassers schätzen.
    Wirkung von warmem Wasser: Der Körper kommt zur                        «Medizinische Studien zeigen, dass unser Wasser the-
    Ruhe, Verspannungen lösen sich, und die Herausforde-                   rapeutische Eigenschaften bei Erkrankungen im Bewe-
    rungen des Tages kann man allmählich hinter sich lassen.               gungsapparat aufweist, bei Rheuma oder Stoffwechseler-
    Was schon in den eigenen vier Wänden im Kleinen guttut,                krankungen zum Beispiel. Auch Durchblutungsstörungen
    gehört zu den Kernkompetenzen der über 20 Thermalbä-                   werden positiv beeinflusst», sagt Rachel Bichet, Direkto-
    der hierzulande: Das Wasser für die Anlagen stammt aus                 rin der Bains d’Ovronnaz.
    einer regionalen Quelle oder Tiefenbohrung, hat eine na-
    türliche Temperatur von über 20 Grad und meistens eine                 Schweizer Premiere bei den Spa-Anlagen
    mineralstoffreiche Zusammensetzung – das hat positive                  Was 1990 mit der Eröffnung eines Innenbeckens begann,
    Effekte auf die verschiedensten gesundheitlichen Be-                   hat sich längst zu einem umfassenden Wellness- und Ge-
    schwerden, von leichten Muskelverspannungen bis hin zu                 sundheitszentrum entwickelt: So kamen im Lauf der Jahre
    chronischen Gelenkbeschwerden.                                         zwei Aussenbecken dazu, Hotels und Wohneinheiten mit
                                                                           insgesamt 550 Betten, Restaurants, ärztliche und physio-
    Wasser als Therapie                                                    therapeutische Betreuung, verschiedene Massage- und
    In Ovronnaz (VS) gehören die Thermalbäder mit ihrem                    Kosmetikangebote und ein «Panoramic Alpine Spa» aus
    Quellwasser, das zwischen 32 bis 36 Grad warm aus der                  Saunen, Dampfbädern und Ruhemöglichkeiten. Letzteres
    Salentze-Schlucht fliesst, fest zur örtlichen Infrastruk-              befindet sich aktuell in einer umfassenden Neubauphase,
    tur. Der beliebte Unterwalliser Ferienort liegt auf rund               nachdem ein Brand im Dezember 2017 die Einrichtungen
    1400 Metern auf einem sonnenverwöhnten Hochplateau                     komplett zerstörte hatte. Was die Spa-Gäste nach der
    über dem Rhonetal und darf sich sommers wie winters                    Wiedereröffnung im Frühling 2019 erwartet, bleibt aller-
    über eine treue Anhängerschaft von Sportbegeisterten                   dings ein noch streng gehütetes Geheimnis – dass da-
    und Wanderfreunden freuen – und über Gäste, welche                     runter luftig-schwebende Hängeliegen sein werden, ver-

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Seminare, Teambildung oder Betriebsausflüge: KMU nutzen die Infrastruktur in Ovronnaz gerne – man muss dabei nicht unbedingt nass werden.

raten immerhin bereits erste Entwürfe (s. Illustrationen auf
S. 8). «Es wird aber so einiges darunter sein, das es in der                 Die Infrastruktur der Thermalbäder
Schweizer Spa-Landschaft in dieser Form bisher noch                          Ovronnaz
nicht gibt. Wir orientieren uns dabei an den neusten Tech-
nologiestandards», verspricht Rachel Bichet. Man darf                        – 2 Aussenbecken mit Düsen, Bänken, Massage-
also gespannt sein, mit welchen Innovationen Les Bains                         liegen und Whirlpools
d’Ovronnaz in ihrem neuen Spa aufwarten werden, für das                      – 1 Innenbecken mit Jacuzzi, drei Ruhebereiche
sich das Investitionsvolumen auf fünf Millionen Franken                      – 1 Kinder-Planschbecken
beläuft. Als nächste Umbauetappe nach dem Spa sind                           – 1 Innensauna, 1 Hamam, 1 Aussensauna im
                                                                               Chalet
                                                                             – Panoramic Alpine Spa (Neueröffnung im Frühling
                                                                               2019)
                                                                             – Physiotherapie vor Ort, Arztpraxis momentan

        «Neuer Spa                                                             geschlossen (Wiedereröffnung geplant)
                                                                             – 3 Restaurants inklusive Panoramaterrasse, 1 Bar
                                                                             – 149 möblierte Wohneinheiten (Studios, 2- und

      mit exklusiver                                                           3-Zimmer-Appartments) im Hauptgebäude Hôtel
                                                                               des Bains
                                                                             – 14-Zimmer-Hotel Ardève

     Infrastruktur in                                                        WIR-Annahmesatz: 100%
                                                                             www.bains-ovronnaz.ch

       der Schweiz»
                                                                                                                                                 7
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    Erneuerungen der Lobby und Réception, der Bar und der
    Panoramaterrasse geplant; zu einem späteren Zeitpunkt
    ist auch eine Erweiterung der Übernachtungskapazitäten
    geplant.

    Sauna und Hamam ohne Aufpreis
    Schon jetzt weht in Ovronnaz ein frischer Wind: Nach
    einer ersten Umbauphase von Ende Oktober 2018 bis
    kurz vor Weihnachten sind im Bereich des Innenpools
    eine neue Innensauna sowie ein ebenfalls neues orien-
    talisches Hamam-Bad entstanden, die für die Badegäste
    ohne Aufpreis frei zugänglich sind. Damit soll künftig auch
    von Wellnessangeboten profitieren können, wer dafür
    nicht spezifisch in den separat zugänglichen Spa-Bereich
    möchte. Ebenfalls neu ist die Aussensauna in einem hei-
    meligen Holzchalet mit direkter Aussicht auf das Walliser
    Alpenpanorama.                                                So präsentiert sich der neue Spa-Bereich ab Frühling 2019.

    Neue Inputs für Unternehmen
    Eine Walliser Exklusivität erwartet die Gäste im Bereich
    der Spezialangebote: Als bisher einziger Anbieter im Kan-
    ton führen Les Bains d’Ovronnaz seit Dezember 2018 neu
    eine Chromo-Aromatherapie in ihrem Portfolio. Dabei
    geht es darum, die heilenden Wirkungen von ätherischen        Joël Roduit (Les Fils d’André Roduit SA, Fully; links) und Steve
    Ölen mit der Wirkung von Farben auf die Psyche und auf        Devanthéry (Gefimmo Real-Estate SA, Fully) gehören zu den
                                                                  WIR-Kunden, die in Ovronnaz gerne neue Kraft tanken.
    den ganzen Organismus zu verbinden. Mit dieser Kom-
    bination können Spannungen nachweislich gelöst und            Foto: Foto Frutig
    die Stimmung positiv beeinflusst werden. Ein Einstiegs-
    test ermittelt dafür zunächst die Farben, die zur aktuel-
    len Stimmung der jeweiligen Person passen. Nach einer
    farblich abgestimmten 50-minütigen Ölmassage kreiert
    die Küchencrew ein Gericht, das sich mit seinen Zutaten
    ebenfalls an diesen Farben orientiert und geschmackli-
    che Wünsche und Bedürfnisse des Gastes mit aufnimmt.
    Zum Schluss erhält man eine individuelle Farbessenz
    zum Mitnehmen, mit der sich die Therapie zu Hause
    selber weiterführen lässt. «Zu unseren Kunden gehören
    regelmässig auch KMU, vor allem aus der Region oder
    aus der Waadt, die für ein- oder mehrtägige Betriebsaus-
    flüge, Teambildung oder Seminare zu uns kommen. Die
    Chromo-Aromatherapie könnte für sie ein etwas anderer,
    interessanter Programmpunkt sein, von dem sowohl die
    Chefs als auch die Mitarbeitenden gleichermassen etwas
    mitnehmen können», sagt Thermalbad-Direktorin Rachel
    Bichet.

    So oder so: Eintauchen in die Welt der heilenden Ther-
    men wird nach einem intensiven Tag Körper und Sinne
    neu beflügeln.

    ● Sabrina Glanzmann

8
Stark dank Wellness Paraplegiker-Zentrum: ein "Friendly Work Space" - Work-Life-Balance - WIR Bank Genossenschaft
Februar 2019

144 Seiten «Faszination WIR»

84 Jahre sind seit der Gründung der WIR Bank Genossenschaft vergangen. Das Buch «Faszination
WIR – Resistent gegen Krisen, Spekulationen und Profitgier» beleuchtet Aspekte einer spannenden
Firmengeschichte, setzt dazu bereits beim Börsencrash von 1929 ein und zeigt die Zukunftschancen
der Komplementärwährung WIR auf. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, kann zu einem Vor-
zugspreis, aber auch über die WIR Bank bezogen werden.

Das WIR-System der WIR Bank unterstützt die Schweizer                                           tig. 1995 wechselte er zur WIR Bank Genossenschaft, wo
Binnenwirtschaft und ist in seiner Grösse und Nachhaltig-                                       er bis zu seiner Pensionierung 2014 als Kommunikations-
keit weltweit einzigartig: Was 1934 als Netzwerk von 300                                        leiter tätig war. Heute lebt Hervé Dubois im Wallis.
Firmen und Privaten begann, umfasst heute mehrere Zehn-
tausend KMU, die 2018 unter sich einen Mehrumsatz von                                           Faszination WIR – Resistent gegen Krisen, Spekula­
rund 860 Mio. CHW generierten. In seinem Buch «Faszi-                                           tionen und Profitgier. 144 Seiten, Hardcover, Leinen­
nation WIR» zeigt Hervé Dubois auf, wie diese spannen-                                          struktur mit Prägung
de Erfolgsgeschichte möglich war, welche Hürden dabei
genommen werden mussten und was auch in Zukunft der                                             Erhältlich ist das Buch in allen Buchhandlungen (ISBN
okönomische Nutzen einer Komplementärwährung in einer                                           978-3-03781-075-0) zum Preis von 34 CHF (Richtpreis).
von Wachstums- und Profitdenken geprägten Wirtschafts-
ordnung ist.                                                                                    Das Buch kann – solange der Vorrat reicht – auch über die
                                                                                                WIR Bank zum Vorzugspreis von 20 CHF oder 20 CHW
Hervé Dubois wurde in La Chaux-de-Fonds geboren und                                             bezogen werden, und zwar
wuchs in Zürich auf. Nach der Matur studierte er Wirt-                                          – per Post mit dem unten stehenden Talon*
schaftswissenschaften und Publizistik an der Hochschule                                         – per E-Mail (s. Talon)*
St. Gallen. Während 20 Jahren war Dubois in der Region                                          – in den Filialen und Agenturen der WIR Bank
Basel als Redaktor bei Tageszeitungen, bei der Schwei-
zerischen Depeschenagentur und als Radiojournalist tä-                                          * Portokosten werden nicht verrechnet

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TALON

Bitte senden Sie mir ….... Exemplar(e) des Buchs «Faszination WIR» zum Preis von 20.–/Exemplar an diese Adresse:

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Talon einsenden an WIR Bank, Marketing, Auberg 1, 4002 Basel. Oder bestellen Sie das Buch per E-Mail:
faszination@wir.ch (bitte gewünschte Anzahl Bücher, Adresse und Zahlart mit Kontonummer angeben).

                                                                                                                                                                                                9
WIRinfo Kundenmagazin

     «Friendly Work Space»
     statt Räder im Getriebe

     Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ in Nottwil ist WIR-Teil-
     nehmer und gehört zu jenen rund 80 Firmen und Organisationen
     in der Schweiz, die von der Gesundheitsförderung Schweiz mit dem
     Label «Friendly Work Space» ausgezeichnet worden sind (vgl.
     WIRinfo 12/2018). Die Anforderungen an Unternehmen, die ihr
     Betriebliches Gesundheitsmanagement mit dem Qualitätssiegel
     «Friendly Work Space» krönen wollen, sind hoch. Manuela Schär,
     betriebliche Gesundheitsmanagerin im SPZ, berichtet im Interview
     über ihre Erfahrungen.

     War das Paraplegiker-Zentrum vor der Auszeich-               war noch immer in den Köpfen der verantwortlichen Füh-
     nung mit dem Label «Friendly Work Space» ein                 rungskräfte, als wir uns 2011 um das Label «Friendly Work
     «unfreundlicher» Arbeitsort?                                 Space» bemühten.
     Nein, im Gegenteil: Schon Guido A. Zäch, Gründer des
     Paraplegiker-Zentrums, war klar, dass es nur gesunden        Was gab den Anlass, sich für das Label zu bewer-
     Mitarbeitern gelingt, die Patienten gut zu versorgen. Des-   ben?
     halb war es damals wie heute wichtig, dass die Mitarbei-     Das Label war 2010 erstmals auf dem Markt – gerade,
     tenden Wertschätzung erfahren und in einem gesunden          als eine HR-Mitarbeitende des SPZ eine Projektarbeit im
     Umfeld ihre Arbeit erledigen können. Diese Einstellung       Bereich Coaching und Case Management schrieb. Ich ar-
                                                                  beitete damals noch nicht für das SPZ und kann deshalb
                                                                  nur vermuten, dass unser HR und der damalige Perso-
                                                                  nalchef in diesem Zusammenhang auf das Label stiessen
                                                                  und die Zertifizierung anstrebten. Ausschlaggebend war

       Friendly Work Space                                        wohl, dass es sich ein Haus wie das unsere längerfristig
                                                                  nicht leisten könnte, kein Betriebliches Gesundheitsma-
                                                                  nagement zu haben. Und dass man die Chancen erkann-
       Das Label «Friendly Work Space» wird von der               te, die ein solches Label mit sich bringt.
       Gesundheitsförderung Schweiz vergeben (gesund­
       heitsfoerderung.ch;    friendlyworkspace.ch;   vgl.        Gab es damals Ihre Stelle – betriebliche Gesund-
       auch WIRinfo 12/2018). Firmen und Organisationen,          heitsmanagerin – im SPZ schon?
       die das Label erlangen, verfügen über ein Betrieb­         Für etwa ein halbes Jahr nach der Zertifizierung 2011 waren
       liches Gesundheitsmanagement (BGM) und en­                 die Aufgaben des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
       gagieren sich für das ganzheitliche Wohlbefinden           bei den HR-Verantwortlichen angegliedert. Es war jedoch
       der Mitarbeitenden und bieten ihnen ein respekt­           nicht klar geregelt, wer im HR für die Umsetzung des Labels
       volles, wertschätzendes Umfeld. Gemäss Gesund­             zuständig war. Man erkannte, dass es jemanden braucht,
       heitsförderung Schweiz erhöhen Firmen, welche              der dahinter steht, mit dem Thema Gesundheitsmanage-
       die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern, ihre
       Wettbewerbsfähigkeit, ihren wirtschaftlichen Erfolg
       und ihre Innovationskraft.                                          In den Verantwortungsbereich von Manuela Schär gehört die
                                                                            Umsetzung des Labels «Friendly Work Space» im Schweizer
                                                                                                               Paraplegiker-Zentrum.

10
Februar 2019

               11
WIRinfo Kundenmagazin

      Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum sind 80 Berufsgattungen vereint.

«Die Anzahl Kurzzeitabsenzen
ist zurückgegangen.»
      ment bei den Führungskräften immer wieder vorstellig wird            gebildete HR-Fachfrau und Coach SCA plante ich
      und die Werte der gesunden Führung schult und vertritt.              eigentlich, mich im Bereich HR-Beratung und Coa-
      Denn es sind die Führungskräfte, die ungünstige Arbeits-             ching selbstständig zu machen. Da sah ich das SPZ-
      situationen erkennen müssen. Deshalb wurde die Funktion              Inserat und bewarb mich – nicht zuletzt, weil ich grosse
      einer betrieblichen Gesundheitsmanagerin geschaffen und              Stücke auf die Person Guido A. Zäch halte und unsere
      eine entsprechende Stelle ausgeschrieben.                            Rollstuhl-Patienten immer viel Gutes über ihn und das
                                                                           SPZ zu erzählen wussten. Ausschlaggebend für den Zu-
      Was war Ihre Motivation, sich zu bewerben?                           schlag war wohl meine Coaching-Ausbildung.
      Ich hatte vor Jahren das Sekretariat eines gros-
      sen Instituts für Physiotherapie geführt.  Als aus-                  Gemäss Gesundheitsförderung Schweiz zahlt sich
                                                                           die Investition in das Label «Friendly Work Space»
                                                                           beispielsweise in einer Reduktion der Krankheits-
                                                                           tage der Mitarbeitenden aus. Ist das auch Ihre
                                                                           Erfahrung?

         Paraplegiker-Zentrum                                              In meinem Stellenbeschrieb sollte es ursprünglich heis-
                                                                           sen, dass ich unter anderem daran gemessen würde.
                                                                           Doch mein Chef und ich haben uns dagegen gewehrt,
         Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum SPZ in Nott-                   weil es keinen Sinn ergibt: Eine einzige Grippewelle könn-
         wil (paraplegie.ch) wurde 1975 von Guido A. Zäch                  te alle vermiedenen Krankheitstage auslöschen, und die
         gegründet und gehört zur Schweizer Paraplegi-                     Label-Verantwortliche hätte den Schwarzen Peter ge-
         ker-Gruppe. Sein Ziel: die Erstversorgung und ganz-               zogen. Bestätigen kann ich aber, dass die Anzahl Kurz-
         heitliche Rehabilitation von Querschnittgelähmten.                zeitabsenzen zurückgegangen ist. Dies wahrscheinlich
         Die grösste Klinik ihrer Art in Europa beschäftigt in             einfach schon dadurch, dass man heute wiederholte
         Nottwil rund 1550 Personen, die 80 Berufsgattungen                Kurzzeitabsenzen anspricht, ohne den Mahnfinger zu
         angehören: Neben 450 Pflegenden und 99 Ärzten                     heben. Dem Vorgesetzten muss es gelingen, dem Mit-
         gehören dazu beispielsweise Fahrzeugumbauer, Kö-                  arbeiter sein echtes Interesse zu zeigen. Es ist wichtig,
         che, Gärtner, IT-Spezialisten, Reinigungsfachkräfte,              dass sich ein Vorgesetzter dafür interessiert, wie es den
         Architekten (spezialisiert auf Hausumbau), Thera-                 Mitarbeitenden geht und dass er seiner Sorge Ausdruck
         peuten, Seelsorger und Sportlehrer. Von den 163                   verleiht, wenn sich solche Absenzen anhäufen.
         Betten waren 2018 durchschnittlich 146 belegt. Das
         Schweizer Paraplegiker-Zentrum und die Schweizer                  Die Pflegenden in einer Institution wie dem SPZ
         Paraplegiker-Stiftung sind WIR-Teilnehmer (Annah-                 kommen mit viel Leid in Kontakt – ist die psychische
         mesatz: 3 %).                                                     Gesundheit der Mitarbeitenden ein Thema?
                                                                           Allerdings, und wir haben ein Riesenglück, dass wir
                                                                           in-house auf Psychologen zurückgreifen können. Wer

 12
Februar 2019

Die Infrastruktur des Paraplegiker-Zentrums – z.B. das Hallenbad oder die Turnhalle – können Mitarbeitende nutzen, um sich geistig und körperlich fit
zu halten.

                                                                                                                                                        13
WIRinfo Kundenmagazin

       Rat braucht, kann sich direkt an eine unserer Fach-         je nach Berufsgruppe unterschiedlich. Pflegende haben
       kräfte wenden. Das HR erhält eine Statistik ohne Na-        beispielsweise über Mittag wenig Zeit und ruhen sich
       men. Bei Konflikten oder wenn eine Führungskraft            dann lieber aus, aber wer den ganzen Morgen im Büro
       feststellt, dass sich Mitarbeitende zurückziehen, wer-      sitzt, wird gerne das Angebot «Fit über Mittag» nutzen
       de auch ich oft als ausgebildete Mediatorin und Coach       oder sich abends der Läufergruppe anschliessen. Wer
       beratend beigezogen.                                        körperlich arbeitet oder sowieso schon den ganzen Tag
                                                                   draussen ist, geht vielleicht eher ins Yoga, ins Pilates oder
       Kaum ein KMU, das sich um das Label                         an eine Lesung in der Bibliothek.
        «Friendly Work Space» bemüht, kann auf solche
       inhouse-Dienste zurückgreifen …                             Braucht es viel Überzeugungsarbeit, um Leiter
       Dieses Privileg hat unseren Zertifizierungsaufwand für      solcher Programme zu rekrutieren?
       das Label tatsächlich vermindert. Wir verfügen ja nicht     Wer bei uns zum Beispiel als Sportlehrer arbeitet, findet
       nur über Psychologen. Wir haben unter anderem Sport-        diese Anforderung in seinem Stellenprofil bereits vor! Wir
       lehrer, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzte und       setzen natürlich auch auf Freiwilligkeit, was aber kein Pro-
       Sportmediziner und dazu eine Infrastruktur, die sich se-    blem darstellt. Viele Mitarbeitende haben ein Hobby, das
       hen lassen kann: ein Hallenbad, einen Geräteraum, eine      sie gerne weitergeben, etwa Karate, Yoga oder Pilates.
       Turnhalle, aber auch eine Bibliothek, einen Raum der        Das Angebot soll vielfältig und abwechslungsreich sein
       Stille, einen Relax-Raum – und im Sommer kommt der          und viele dazu animieren, irgendwo «reinzuschnuppern»
       Sempachersee mit einem kleinen Strandabschnitt für Pa-      und schliesslich auch aktiv mitzumachen und so ihre
       tienten und Mitarbeitende hinzu. Das alles können unsere    Work-Life-Balance zu verbessern.
       Mitarbeitenden nutzen, um sich geistig und körperlich fit
       zu halten.                                                  Ist das Label «Friendly Work Space» in den Köpfen
                                                                   der SPZ-Mitarbeitenden verankert?
       Wie werden diese Angebote genutzt?                          Ja, und das lässt sich an einer Anekdote aufzeigen: Die
       Die Angebote, die wir über unser Intranet bekannt ma-       Re-Zertifizierung für das Label findet – leider – aus-
       chen, kommen sehr gut an. Dabei sind die Bedürfnisse        schliesslich am Bürotisch statt und besteht aus sehr viel

«Dem ‹Friendly Work Space› steht der
wirtschaftliche Druck gegenüber.»
                                                                   Papierkrieg. Ich habe die Assessoren 2017 gefragt, wo-

         Manuela Schär                                             her sie eigentlich wissen, dass das Label im SPZ bekannt
                                                                   ist und genutzt wird. Wir gingen dann auf die Korridore
                                                                   hinaus und haben Mitarbeitende befragt. Das Resultat
         Manuela Schär ist im Schweizer Paraplegiker-Zen-          war sehr erfreulich: Das Angebot ist bekannt und wird
         trum SPZ HR-Verantwortliche für den Bereich Diens-        geschätzt. Man kann im wahrsten Sinne des Wortes von
         te und betriebliche Gesundheitsmanagerin. In ihren        einem gelebten Spirit reden.
         Verantwortungsbereich fällt die Umsetzung des La-
         bels «Friendly Work Space», das dem SPZ 2011 von          Aber mit Papier haben Sie nicht viel am Hut?
         der Gesundheitsförderung Schweiz verliehen wurde.         Nicht in diesem Fall. Ein Beispiel: Ich muss «auf dem Pa-
         Im SPZ arbeitet Manuela Schär zu 60 %. Daneben            pier» belegen, dass die Geschäftsleitung in das Label ein-
         führt die Personalfachfrau, Mediatorin und Coach          gebunden ist. Ich habe aber sehr kurze Dienstwege und
         ihre eigene Beratungsfirma (ms@hrberatung-coa-            ziehe die GL und den CEO direkt und im Gespräch mit
         ching.ch). Manuela Schär ist verheiratet und hat zwei     ein, ohne dass ich das in jedem Fall noch protokolliere.
         erwachsene Söhne. In ihrer Freizeit bikt sie und spielt   Der Punkt «Dokumentation» wurde deshalb von den As-
         Tennis sowie Volleyball.                                  sessoren bei der Re-Zertifizierung kritisiert. Aber überall,
                                                                   wo es nicht ums Papier, sondern um die Menschen geht,
                                                                   schneiden wir sehr gut ab.

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Februar 2019

Manuela Schär: «Es sind die Führungskräfte, die ungünstige Arbeitssituationen erkennen müssen.»        Fotos: swissphotoworld, Paul Haller

Wie nehmen die Patienten das Label wahr?                                 Würden Sie das Label jedem KMU unbedingt
Von Patienten, die aus anderen Spitälern zu uns verlegt                  empfehlen?
wurden, habe ich schon Aussagen gehört wie: «Hier ha-                    Uns gibt das Label eine Struktur vor und es fördert die In-
ben es die Angestellten gut, sie dürfen auch mal Pause                   novation innerhalb des betrieblichen Gesundheitsmanage-
machen.» Es gibt Mitarbeitende, die uns verlassen haben                  ments. Durch das Label und die Re-Zertifizierung sind
und wieder zurückkommen. Sie berichten davon, dass sie                   wir gezwungen, uns immer wieder zu überprüfen. Diese
die guten Arbeitsbedingungen und das gute Arbeitsklima                   Überprüfung könnte aber durchaus auch über das inter-
vermisst und sich deshalb für eine Rückkehr entschieden                  ne Qualitätsmanagement sichergestellt werden. Letztlich
haben. Aber natürlich hat sich auch bei uns die Welt im Ver-             kommt es wohl auf die Unternehmensgrösse an. Einem
gleich zu früher verändert. Man darf nicht vergessen, dass               Kleinbetrieb würde ich das Label weniger empfehlen. Dort
wir nicht mehr das kleine Spital mit 200 Mitarbeitenden                  ist es aus meiner Sicht wichtiger, dass der Chef seine Füh-
sind, sondern eine Gruppe mit über 1600 Mitarbeitenden                   rungsverantwortung wahrnimmt, aufmerksam ist, die An-
in und ausserhalb von Nottwil. Dem «Friendly Work Spa-                   gestellten wertschätzt und ernst nimmt. Er soll sie fordern
ce» steht heute der wirtschaftliche Druck gegenüber. Die-                und fördern und auch ab und zu grosszügig sein und den
ses Spannungsfeld wird unterschiedlich wahrgenommen.                     Mitarbeitenden Kurse mitfinanzieren, damit sie marktfähig
So gibt es altgediente Mitarbeitende, die sich nur noch als              bleiben. Dann macht er, so glaube ich, schon vieles richtig.
«eine oder einer unter vielen» sehen und re-Reha-Patien-
ten, die finden, früher sei alles besser gewesen.                        ● Interview: Daniel Flury

                                                                                                                                             15
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     Schwerarbeit für den
     Bauch vermeiden

     Die Mittagspause ist an vielen Arbeitsplätzen kurz bemessen;
     darüber freut sich der Organismus nur bedingt. Doch man kann
     den Arbeitsunterbruch wohltuend nutzen.

     Was soll heute auf dem Mittagstisch stehen: Nasi Go-                      Hastiger Griff zu Kalorienbomben
     reng, Griechischer Salat, Schnitzel mit Pommes frites, ein                Bei einer hektischen Lebensweise gehören der Magen
     veganes Menü, Döner Kebab, Tofu-Geschnetzeltes, Su-                       und der Darm zum Frühwarnsystem. Die Speisen werden
     shi, Smoothie, eine Trennkost-Mahlzeit, ein Proteindrink,                 wenig gekaut und es wird übermässig viel Luft geschluckt.
     ein Energydrink? Noch nie war das Nahrungsangebot so                      Das Essen wird zur reinen Nahrungsaufnahme, statt zur
     vielfältig wie heute. Erdbeeren aus Mexiko, Rindfleisch                   Zeit der Musse und des Genusses. Die Folgen können
     aus Uruguay, Pangasius aus Vietnam, Hühnerfleisch aus                     unter anderem Aufstossen, Druckgefühl und Blähungen
     Ungarn; die Aufzählung liesse sich beliebig verlängern.                   sein. Die Stresshormone sorgen zudem für eine reduzier-
     Die reich gedeckte Tafel bekommt allerdings nicht allen.                  te Durchblutung der Darmschleimhaut. In einer Studie mit
     Manche Menschen vermuten bei sich Anzeichen von                           Militärpiloten, die in einem Simulator Kampfsituationen
     Glutenunverträglichkeit, von Nahrungsmittelallergie oder                  trainierten, zeigte sich unter dauerhaftem Stress eine un-
     von Beschwerden eines Reizmagens oder Reizdarms.                          günstige Veränderung der Darmflora. Deren Balance ist
     Im Weiteren sind rund 450 000 Personen in der Schweiz                     sowohl für die Qualität der Verdauung wie auch für die
     von Diabetes Typ 2 betroffen, Tendenz steigend. Bei die-                  Abwehrkräfte entscheidend. Die Piloten klagten vermehrt
     sen Leiden hat ein wenig optimales Essverhalten einen                     über Halsschmerzen, Erkältungen und Kopfweh. Wer
     Einfluss: Wer beim Essen auf sein Smartphone konzen-                      unter permanenter Anspannung steht, neigt zu unregel-
     triert ist, Hungerattacken ständig mit süssen oder mit                    mässiger und zu unausgewogener Ernährung: Schoko-
     fettigen Kalorienbomben begegnet und Müdigkeitskrisen                     riegel und andere Süssigkeiten, zuckerhaltige Limonade-
     mit zahlreichen Espressos oder Energydrinks ausgleicht,                   getränke, Hamburger, Sandwichs, Chips und derglei-
     muss sich mittelfristig auf eine rebellierende Verdauung                  chen. Zwar liefern sie alle rasch die gewünschte Energie,
     gefasst machen.                                                           aber der Organismus wird auf Dauer ungenügend mit Mi-

     So herzig sie auch sind: Nach 75 Jahren hat der Durchschnittsschweizer 40 Schweine vertilgt.                        Fotos: Adobe Stock

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Februar 2019

Convenience Food ist auf den Massengeschmack zugeschnitten: Die Folge sind Monokulturen mit wenigen Sorten. Von der geschmacklichen Viel-
falt der rund 3100 Tomatensorten bleibt nicht mehr viel übrig.

neralstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, essenziellen                Der Tagesbedarf an Kalorien beträgt zwischen 1800
Fettsäuren, sekundären Pflanzenstoffen und weiteren un-               bis 2500 Kalorien, idealerweise werden sie über den
verzichtbaren Vitalstoffen versorgt. Dies kann mit der Zeit           Tag verteilt konsumiert. Zum Vergleich: Ein Liter Eis-
den Stoffwechsel in Schieflage bringen. Zudem verpufft                tee enthält rund 300 Kalorien, die vor allem aus Zucker
die Energie von Snacks rasch, das Verlangen nach dem                  bestehen. Ernährungsfachleute raten zwar nicht zum
nächsten Kalorienstoss meldet sich nach kurzer Zeit.                  Kalorienzählen, allerdings sollte auf einen nährstoffrei-
                                                                      chen und ausgewogenen Speiseplan geachtet werden.
Pausen und Bewegung                                                   Zudem ist bewusstes Essen wichtig; Wer durch digitale
Fachleute halten fünf über den Tag verteilte Mahlzeiten               Medien oder andere Einflüsse stark abgelenkt ist, nimmt
für optimal, davon zwei Pausenimbisse. Dazu eignen sich               das Sättigungsgefühl schlecht wahr und isst mehr als
beispielsweise Vollkornbrötchen und -riegel sowie Obst,               erforderlich.
Trockenfrüchte oder Nüsse. Ihre Energie hält länger an,
zudem versorgen sie den Organismus mit einer grösseren                Kalte Speisen meiden
Vielfalt an Vitalstoffen. Und ihr Anteil an Ballaststoffen ist        Es scheint schier unglaublich, was ein Mensch im Durch-
grösser, dies unterstützt die Verdauung. Heisshungerat-               schnitt im Laufe von 75 Lebensjahren so alles konsumiert:
tacken, die mit vitalstoffarmen Kalorienschüben gestillt              6,5 Tonnen Früchte und Gemüse, etwa 40 Schweine sowie
werden, kommen so kaum vor.                                           mehrere hundert Hühner. Hinzu kommen noch rund 60 000
                                                                      Liter Getränke. Sämtliche Nahrung muss das rund acht
Über den Tag verteilte kurze Pausen, um sich etwas zu                 Meter lange schlauchartige Verdauungssystem passieren.
bewegen, etwas zu trinken und zu essen tragen gemäss                  Unterwegs sorgen physikalische und chemische Prozesse
Forschung zur anhaltenden Leistungsfähigkeit bei. Ver-                dafür, dass der Körper aus jedem Bissen Lasagne und je-
suche mit Testpersonen an einem Fahrsimulator haben                   dem Glas Prosecco alle für ihn wichtigen Stoffe aufnehmen
gezeigt, dass die Fehlerquote ansteigt, wenn die letzte               kann. Je nach Beschaffenheit der Nahrung braucht der
Mahlzeit länger zurückliegt. (Lesen Sie dazu auch das In-             Verdauungsapparat dazu unterschiedlich lang. Spätestens
terview «Gesundheit ist Eigenverantwortung» im WIRinfo                nach 24 Stunden ist auch das zäheste Schnitzel in seine
1/2019).                                                              Einzelteile zerlegt. Allerdings bevorzugt der Bauch leichte
                                                                      Speisen, mit denen er sich weniger abmühen muss. Und
Aufmerksamkeit auf das Essen                                          auch sehr kalte Lebensmittel sind nicht nach seinem Ge-
Wer während mehrerer Stunden nichts isst, neigt zu gros-              schmack, sie verlangen ihm viel ab, das kalte Salamisand-
sen Portionen bei den Mahlzeiten, die schwer aufliegen.               wich aus dem Kühlregal, die Eiscreme und das kalte Bier

                                                                                                                                            17
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        Tun Sie Ihrem Bauch am Mittag Gutes:

        • Das Auge isst mit: Achten Sie auf hübsch ange-
          richtete Speisen, durch sie werden die Verdau-
          ungssekrete besonders reichlich ausgeschüttet
        • Kauen Sie die Nahrung gründlich, Ihr Magen und
          Ihr Darm werden es Ihnen danken                                     müssen um rund dreissig Grad erwärmt werden, um die
        • Setzen Sie besonders am Mittag auf leichte Spei-                    Körpertemperatur zu erreichen – dies benötigt viel Energie.
          sen, sehr fetthaltige binden viel Energie zur Ver-                  Häufiges kaltes Essen und Trinken kann die Immunabwehr
          dauung                                                              schwächen.
        • «Man ist, was man isst»: Muten Sie Ihrem Organis-
          mus möglichst nur Nahrung von guter Qualität zu                     «Ein voller Bauch …»
        • Essen Sie Ihrer Tätigkeit angepasst. Menschen                       «Ein voller Bauch denkt nicht gern», besagt eine Redens-
          in Berufen mit viel Körpereinsatz benötigen mehr                    art, und sie hat Recht. Und eine Baderegel empfiehlt
          Kalorien als Mitarbeiter im Büro oder im Labor                      nicht ohne Grund, ein bis zwei Stunde nach dem Essen
        • Oft werden Mahlzeiten und Besprechungen kom-                        nicht ins Wasser zu gehen, da man insbesondere nach
          biniert; Arbeitslunchs bekommen dem Bauch                           schweren Mahlzeiten müde und träge wird. Das Blut kon-
          aber höchstens dann, wenn sie in entspannter At-                    zentriert sich im Verdauungstrakt und reduziert sich im
          mosphäre stattfinden; Konflikte und Ärger sollten                   Kopfbereich. Das rund 1,5 Kilogramm schwere Gehirn
          nicht auf der Menükarte stehen                                      hat einen beträchtlichen Energiebedarf, rund 25 Prozent
        • Verschiedene Kräutertees erleichtern die Verdau-                    der Tagesnahrung wird vom ihm verbraucht. Ein Grund
          ung: Fenchel, Anis, Kamille sowie Pfefferminze                      mehr, nicht zu viele schwer zu verwertende Speisen zu
        • Versuchen Sie, sich in der Mittagspause mental                      konsumieren. Tipp: Die Traditionelle Chinesische Medizin
          von der Arbeit zu lösen, denken Sie an etwas an-                    setzt vor allem auf warme Speisen, welche die Verdauung
          deres, das Sie erfreut                                              weniger belasten.
        • Achten Sie auch bei Diäten auf eine regelmässige
          und vitalstoffreiche Ernährung, andernfalls leidet                  Veränderte Ernährung
          Ihre Leistungsfähigkeit und das Risiko von Heiss-                   Fachleute erkennen eine grosse Individualisierung bei
          hungerattacken steigt                                               der Ernährung. Ein Bündel von Gründen ist dafür verant-
        • Gönnen Sie sich am Mittag nach Möglichkeit einen                    wortlich: Schweizer gehören zu den reisefreudigsten Be-
          kurzen Verdauungsspaziergang an der frischen                        wohnern der Erde. Was sie auf Mallorca, in Island oder
          Luft, er fördert die Entspannung                                    in Südafrika in den Ferien oder auf Geschäftsreise vor-
        • Energie kann man in der Mittagspause nicht nur                      gesetzt bekommen haben, möchten sie auch zu Hause
          über die Ernährung tanken, auch Powernapping,                       nicht missen. Deutliches Indiz dafür sind die spanischen,
          Entspannungsapps sowie Yogaübungen tragen                           mexikanischen, chinesischen und indischen Lokale, die
          zur Regeneration bei                                                vielerorts die gutbürgerliche Gastronomie abgelöst ha-
                                                                              ben. Wo einst Wurst-Käsesalat im Angebot stand, wird
                                                                              mittlerweile Thai Curry serviert.

     Ein mittäglicher Spaziergang ist dem psychischen und körperlichen Wohlbefinden zuträglich.

18
Februar 2019

In den letzten Jahren hat sich nicht nur der Speiseplan     auf den Massengeschmack zugeschnitten und fördern
erheblich verändert, auch die Ernährungsgewohnheiten        Monokulturen mit wenigen Sorten und reduzierter ge-
haben sich gewandelt. Im 21. Jahrhundert liegen Ar-         schmacklicher Vielfalt: Nur was sich in den Produktions-
beits- und Wohnort oft erheblich auseinander – Stichwort    strassen leicht verarbeiten lässt, wird in grossen Mengen
Pendlerströme –, das ehemals übliche Mahl am heimi-         angebaut. Ein Beispiel: Weltweit sind 3100 Sorten To-
schen Mittagstisch hat Seltenheitswert. Längst steht da-    maten bekannt, aber nur sehr wenige davon sind für die
heim kaum mehr eine Hausfrau mehr am Herd, zu deren         Lebensmittelindustrie interessant. Eine weitere Konse-
grösstem Glück eine satte Familie zählt. Die Emanzipation   quenz der industrialisierten Ernährung: Viele Fertigpro-
macht sich auch in der Ernährung bemerkbar.                 dukte wie etwa Saucen und Tiefkühlpizzen enthalten
                                                            Zucker und Fett, wie die Inhaltsangaben auf den Verpa-
Durch den Einfluss der Arbeitsgestaltung nach US-Vor-       ckungen belegen. Beide tragen zur geschmacklichen Op-
bild sind heute vielerorts die Mittagspausen relativ kurz   timierung bei. Was dem Gaumen schmeichelt, missfällt
bemessen, speditive Verpflegung ist gefragt. Gleichzeitig   allerdings dem Stoffwechsel und überfordert ihn. Kurzer-
nimmt der Umsatz an Nahrungsergänzungsmitteln in der        hand wird diese unglückliche Kombination als Fettpolster
Schweiz pro Jahr um zehn Prozent zu. Und die Illustrier-    eingelagert.
ten stellen immer neue Super Food in Form von exoti-
schen Samen und Beeren vor.                                 Mittagspause geniessen
                                                            Nach dieser Tour durch die Grossküchen, Lebensmittel-
                                                            labors und Monokulturen zurück zur Mittagspause: In
«Vor 100 Jahren war es üb-                                  einer in den USA durchgeführten Untersuchung zeigte
                                                            sich ein Zusammenhang zwischen der Gestaltung der
lich, dass die Männer über                                  Mittagspause und dem allgemeinen psychischen und
                                                            körperlichen Wohlbefinden. Menschen, die sich in der
Mittag nach Hause gingen»                                   Mittagszeit mit Dingen beschäftigen, die ihnen Freude
                                                            bereiten, klagen laut der Studie weniger über Augen- und
Gestärkte Mitarbeitende                                     Kopfbeschwerden und andere Symptomen. Und sie hat-
Die Mittagspausen waren bereits vor rund hundert Jah-       ten insgesamt einen gesünderen Lebensstil.
ren, als die ersten Betriebskantinen in der Schweiz ein-
geführt wurden, ein Thema. Damals war es noch üblich,       ● Adrian Zeller
dass die Männer zum Mittagessen nach Hause gingen.
Dies ergab einen längeren Arbeitsunterbruch, der nicht
im Sinne der Patrons war. Sie boten daher vergünstigtes
Essen auf dem Firmengelände an. Sie erkannten auch,
dass nur gut ernährte Arbeiter dauerhaft gesunde und
leistungsfähige Mitarbeitende sind. An die heute gross
geschriebene betriebliche Gesundheitsförderung wurde
schon damals gedacht.

Vorgefertigte Lebensmittel
Heutzutage heisst das Schlüsselwort in vielen Privat-
haushalten sowie in der Gastronomie und in Kantinen
Convenience Food. Dies sind Nahrungsmittel, bei de-
nen einzelne Zubereitungsstufen bereits von der Indus-
trie im Voraus übernommen wurden. Dazu gehören Fer-
tig-Backmischungen, Nudelsuppen, gebrauchsfertige
Salatsaucen sowie Vorfrittiertes und Vorgegartes. Ein
Beispiel veranschaulicht den Wandel: Im vergangenen
Jahr wurden rund 120 000 Tonnen halbfertige Backwaren
aus dem Ausland in die Schweiz importiert. Das unter-
schiedliche Lohnniveau in verschiedenen Ländern sorgt
bei den Lebensmitteln für lange Transportsportwege,
dies ist nicht im Sinne der Umwelt.

Zulieferer der Lebensmittelindustrie werben mit ihren
naturidentischen Aromen, die sie in ihren Labors nach-
bauen. Speisen aus Designerhand sind aromatisch

                                                                                                                        19
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     Gestärkt
     durch den
     Arbeitstag
     Mobilisieren am Morgen, Bewegung für zwischendurch, aktive Mittags-
     pause: Impressionen der Produktion unserer Filmserie «KMU-Fitness».

     Gesundheit heisst Zufriedenheit. Gesundheit bedeutet,
     sich wohlzufühlen. Auch am Arbeitsplatz. Wer täglich
     schwere Lasten hebt, seinen Körper einseitig belastet, lan-
     ge auf den Beinen ist oder stundenlang auf dem Bürostuhl
     sitzt, muss zu seiner Gesundheit Sorge tragen. In unserem
     KMU-Schwerpunktthema «Fitness für Chefs und Mitar-
     beitende» zeigen wir, wie es einfach und richtig geht. Alle
     Videos gibt es auf unserem YouTube-Kanal (youtube.com/
     wirbankofficial) und dem «WIRblog» (blog.wir.ch).

     ● Volker Strohm (Text und Fotos)

      Gutes Licht als Basis: Jonas Kiefer (Produzent WIR Bank) und   Mobilisierungsübung inmitten des Kabelsalats: Physiotherapeut
      Kameraassistent Thomas Hrabovsky montieren vier «Kino Flo».    Daniel Aregger lässt sich vom Drumherum nicht ablenken.

20
Februar 2019

                                                               Siemensstern im Einsatz: Das von Kameraassistent Thomas Hrabovsky gehaltene
                                                               Testmuster erleichtert das Scharfstellen der Kamera. Physiotherapeut Daniel
                                                               Aregger geht derweil die Übungsabfolge für die nächste Filmaufzeichnung noch
                                                               einmal in Gedanken durch.

Ein Blick hinter die Kulissen – oder: eben noch ein Fitnessraum, nach      Nahaufnahme: Kameramann Frank Messmer fokussiert sich voll und
diversen Handgriffen bereits ein professionelles Filmstudio.               ganz auf die Dehnübung von Physiotherapeutin Sybille Wassner.

Stillleben mit Gymnastikball: Nach wenigen Stunden waren die               Die Mobilisation der Rückenmuskulatur auf der Blackroll am Boden
diversen Übungssequenzen im Kasten.                                        erfordert auch von Kameramann Frank Messmer Beweglichkeit.

                                                                                                                                               21
WIRinfo Kundenmagazin

     Architekt und WIR-Network-Präsident Rolf Stalder in seinem Element: Seit rund 18 Jahren hat er sich der Kunstfliegerei verschrieben.   Fotos: zVg

22
Februar 2019

Zwischen Digital Detox
und Höhenflügen

Rolf Stalder ist als Architekt erfolgreicher Unternehmer. Erste kör-
perliche Signale haben zu persönlichen Veränderungen geführt. Im
Interview zum Thema Work-Life-Balance spricht er über übertriebene
Disziplin, falsche Vorbilder und geistige Freiheit.

Die wohl einfachste und offenste                                          Das Umdenken geht nur mit technischen
Einstiegsfrage zum Thema Work-Life-Balance –                              Hilfsmitteln.
sind Sie gestresst?                                                       Ja. Nur den Push-Mechanismus auf dem privaten Gerät
Rolf Stalder: Es gilt zwischen positivem und negativem                    abzuschalten, genügte nicht. Es war eine Sucht. Nach
Stress zu unterscheiden. Nach 30 Jahren Unternehmer-                      Abschalten des E-Mail-Kontos stand ich am ersten
tum ist auf jeden Fall der Moment gekommen, an dem ich                    Sonntag kurz davor, ins Büro zu rennen und die Mails
mich sehr stark mit dem Thema Stress sowie berufliche                     zu checken. Ich rauchte zwar noch nie im Leben, aber
und private Zukunft auseinandersetze.                                     wahrscheinlich war es so, als steckte ich mir die letzte
                                                                          Zigarette an, als ich den E-Mail-Account auf meinem pri-
Weshalb?                                                                  vaten Handy löschte.
Weil ich zu viel um die Ohren habe und beruflich noch er-
folgreicher werden kann, wenn ich meine vielen Aufgaben                   Die Technik als alleiniger Hilfsbringer?
auf mehrere Schultern verteile.                                           Nein. Zum 30-jährigen Bestehen der Architektur Rolf Stal-
                                                                          der AG wurde eine Umstrukturierung angestossen – ganz
Woran stellen Sie das fest?                                               klar mit dem Ziel, mich zu entlasten. Aus heutiger Sicht
Ausser am Wochenende bin ich seit Jahrzehnten jeden                       war es vielleicht ein Fehler, die Firma vor 30 Jahren nach
Tag um 6 Uhr früh im Büro. Mit nun 52 Jahren meldet sich                  mir zu benennen. Das Ganze ist personifiziert, was die
mein «Bauch» ab und an mit Zwicken da und dort – und                      Abnabelung – und natürlich auch die Nachfolgeregelung
sendet Signale, mir nun bitte Sorge zu tragen.                            – herausfordernder macht.

Und was tun Sie dagegen?                                                  Hat es die körperlichen Signale gebraucht, um
Als Sofortmassnahme habe ich mir ein zweites iPhone an-                   schlauer zu werden?
geschafft. Dieses wird um 17.30 Uhr, wenn ich zum Sport                   Ja, ich glaube schon. Als Chef seiner eigenen Firma hat
aufbreche, der Assistentin abgegeben – ganz nach dem                      man doch immer das Gefühl, ein «Superman» zu sein.
Motto: «Take care, ich bin jetzt weg!» Auf dem privaten                   Die körperlichen Signale hat es gebraucht, um zu spüren,
iPhone habe ich das geschäftliche Mailkonto gelöscht.                     dass auch ich punkto Belastung Grenzen kenne.
Ich nenne das «digital Detox»!

Der Kunstflieger hebt für einen Trainingsflug von seiner Basis am EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg ab.

                                                                                                                                       23
WIRinfo Kundenmagazin

       Kunstfliegerei: So geht Architekt
       Stalder in die Luft

       Die Geschichte, wie Rolf Stalder zur Kunstfliegerei
       kam, ist weitaus unspektakulärer als die ausserge-
       wöhnliche Freizeitbeschäftigung selbst. «Im Jahr
       2000 war ich auf der Suche nach einem Hobby»,              Sie haben die Abnabelung und Nachfolgeplanung
       beginnt er zu erzählen, «und ein Freund, der Air-          erwähnt. Was heisst das konkret?
       line-Pilot ist, schickte mich zum Flughafen.» Fertig.      Meine selbstständige Architekturkarriere startete mit 22,
                                                                  seither habe ich 30 Jahre als KMU-Chef gearbeitet. An-
       Wenig später sass Stalder mit einem Fluglehrer in          dere wären da schon lange in Pension, weil man sich üb-
       einer Maschine und wusste: Die Fliegerei ist mein          licherweise nicht so jung, sondern meist erst im Alter von
       neues Hobby. In der eineinhalbjährigen Ausbildung          40 selbstständig macht. Ja, ich beschäftige mich mit dem
       zum Privatpiloten stand auch eine Gefahreneinwei-          Thema Nachfolgeplanung – und dieses Thema macht in
       sung mit einem kleinen Kunstflieger auf dem Pro-           «jungen» Jahren mit viel Energie und Tatendrang auch
       gramm. Da war es vollends geschehen.                       sehr Spass. Zwar habe ich noch 10 bis 15 Jahre im Visier,
                                                                  aber ich überlege mir: Was ist in fünf Jahren, was in zehn?
       Seit mittlerweile 15 Jahren hat Stalder die Kunstflug-     Und das Ganze hat einen guten Nebeneffekt: Er heisst
       lizenz und trainiert jedes Wochenende. Von Basel           Risikodiversifizierung, falls mir etwas zustossen sollte.
       geht es dem Rhein entlang Richtung Fricktal. «Über
       Pratteln melde ich mich vom Tower ab und starte            Wie lange läuft der Prozess – und wie sieht dieser
       bei Rheinfelden und Möhlin mein 10-Minuten-Trai-           inhaltlich im Detail aus?
       ning.» Die Vorschriften sind klar: mindestens 500          Der Prozess läuft seit einem Jahr und beinhaltet seither
       Meter über Boden, nicht über bewohntem Gebiet.             unter anderem ein neues Mitglied im Verwaltungsrat, die
                                                                  Einführung von zwei Ebenen in der Geschäftsleitung, eine
       Das Training vergleicht Stalder mit einem Schleu-          Qualitätssicherungsabteilung sowie das Etablieren des
       derkurs beim Autofahren – auch das seien letztlich         Projektleiterstatus. So laufen die einzelnen Projekte ei-
       die besseren Lenkerinnen und Lenker. «Ich mag              genständiger.
       mich an keinen Kunstflugunfall in der Schweiz erin-
       nern», sagt er – und schiebt nach: «Im Gegensatz
       zu den Sonntagsausflügen mit unroutinierten Pilo-
       ten …»                                                     «Als Unternehmer hat man
       Ein einziges Mal wird es im Interview kurze Zeit still,    ein Leben lang unbegründe-
       als Stalder fragt: «Das Flugzeug steht im Hangar be-
       reit, in 30 Minuten wären wir in der Luft – haben Sie      te Existenzängste.»
       jetzt Zeit?» Die Frage ist nicht ernst gemeint, denn
       beim Kunstfliegen kann der Passagier kein Laie
       sein. Der Flieger von Stalder hält eine Belastung bis      Mehr Autonomie also. Trotzdem reden wir immer
       g-Faktor 25 aus; ein untrainierter Mensch wird bei         noch von der Architektur Rolf Stalder AG – also von
       etwa 6 g bewusstlos. «Bei mir ist in trainiertem Zu-       der nach Ihnen benannten Firma. Hand aufs Herz:
       stand bei 10 g fertig», so Stalder. Trainiert heisst bei   Können Sie da wirklich jemals abschalten?
       ihm unter anderem auch tägliche Kraft und Ausdau-          Diese Veränderungen entlasten mich bei operativen Pro-
       er im Fitnessstudio. Ab 17.30 Uhr, dann, wenn das          jekten wirklich sehr gut. Allerdings bin ich nach wie vor
       Büro-iPhone abgegeben wird.                                zu 98 Prozent für die Akquisition und die konzeptionelle
                                                                  Projektentwicklung zuständig – und das ist natürlich eine
       Ein Ziel bleibt: Wettkämpfe. Voraussetzung dafür           24/7-Aufgabe.
       wäre pro Jahr die Teilnahme an dreiwöchigen Trai-
       ningscamps, die in Frankreich oder Spanien statt-          Stress.
       finden. «Dazu fehlt mir die Zeit», sagt Stalder. Lä-       Einspruch. Hier rede ich von positivem Stress.
       chelt. Und schiebt ein «noch» hinterher.
                                                                  Die Akquisition an einer Person aufzuhängen, ist
                                                                  risikoreich.
       Zur Person                                                 Absolut. Und jetzt sind wir wieder bei unserem Prozess,
                                                                  das Ganze zu entpersonifizieren.

       Rolf Stalder ist Gründer und Geschäftsführer der           Die Frage nach der Ablösung von Akquisiteur Rolf
       Architektur Rolf Stalder AG in Münchenstein (BL)           Stalder …
       und Präsident des WIR-Network Nordwestschweiz.             … schieben wir ehrlicherweise noch vor uns hin. Lassen
                                                                  Sie es mich so formulieren: Zuerst bringen wir mit den
                                                                  Strukturen das Haus in Ordnung, dann schauen wir, wie
                                                                  ich ergänzt oder ersetzt werden könnte.

24
Februar 2019

Wie ist es um die Work-Life-Balance der Mitarbei-
tenden bestellt?
Bei diesem Thema sind wir sehr streng. Im Personalregle­
ment ist klar festgehalten, dass grundsätzlich keine Über­
stunden gemacht werden dürfen – und sollten sich doch
einmal welche anhäufen, kommt es bei 30 Stunden zwin­
gend zum Gespräch mit Massnahmendefinition für den
Abbau der Überzeit.

Sie haben den «Superman» Rolf Stalder vorhin ange-
sprochen, der körperliche Warnsignale erhalten hat.
Welche Signale sendet dieser «Superman» punkto
Work-Life-Balance aus?
Eine sehr gute Frage. Wenn man als Chef morgens um 6
Uhr bereits im Büro sitzt, könnte dies – gerade bei jünge­
ren Mitarbeitenden – so aufgefasst werden, dass nur er­          Kunststücke in der Luft: Der Flieger hält eine Belastung bis
folgreich werden könne, wer so lange arbeitet. Das ist ein       g-Faktor 25 aus.
falsches Vorbild. Ich sollte vielleicht nicht so viel da sein.

Nicht so viel da sein: Was hindert Sie daran, es zu              Sie haben es angesprochen: Sie wurden mit 22
tun?                                                             selbstständiger Architekt. Welche Vorstellungen von
Meine übertriebene Disziplin. Ein falsch verstandener            damals haben sich nicht erfüllt?
Bereitschaftsdienst als «Kapitän im Cockpit». Als Unter­         Ich hatte damals keine. War noch nie in meinem Leben
nehmer hat man ein Leben lang unbegründete Existenz­             angestellt, da ich mich direkt nach der Ausbildung und
ängste.                                                          dem Militär selbstständig machte. Hatte keine Referen­
                                                                 zen. Und vor allem hätte ich nie damit gerechnet, dass ich
Das ist noch immer zu unkonkret: Was ändert Rolf                 30 Jahre später 35 Angestellte haben würde und derart
Stalder in seiner Work-Life-Balance?                             tolle Bauten realisieren dürfe. Die ersten 15 Jahre waren
Ich will nicht gross die Quantität herunterschrauben, son­       knochenhart: Habe unter dem Bürotisch geschlafen, ich
dern an meiner geistigen Freiheit arbeiten. Bei schönem          war eine Art funktionierende Architekurmaschine im Büro,
Wetter beispielsweise spontan an einem Mittwochnach­             hatte nur das Geschäft und meine Aufträge im Kopf –
mittag meinem Hobby, der Kunstfliegerei, frönen.                 habe mein Privatleben, meine Freunde und Beziehungen
                                                                 vernachlässigt. Da habe ich einiges verpasst. Und heute
Und das funktioniert heute noch nicht, weil …                    ist die Lust da, dies nachzuholen und privat abzuheben.
… es mir der persönliche Anwesenheitsdruck im Kopf
nicht erlaubt. Nicht falsch verstehen: Ich weiss, dass es        Sie gehen als Kunstflieger regelmässig in die Luft.
mich nicht immer zwingend braucht, aber ich fühle mich           Wo sind die Parallelen zum Job?
als Kapitän auf diesem Schiff und habe für alle Eventu­          Disziplin, Präzision, Planung und Beherrschung. Und: Ich
alitäten hier zu sein. Das hier erforderliche Umdenken           muss mich konzentrieren. Was aber, und jetzt schliessen
muss ich mit mir selbst abmachen. Ich arbeite daran.             wir den Kreis zum Thema Work­Life­Balance, für mich be­
Angefangen mit dem «digitalen Detox». Das ist schon              sonders hilfreich ist: Wenn ich zum Flugplatz fahre, meine
sehr befreiend.                                                  Kunstflugmaschine aus dem Hangar schiebe, denke ich
                                                                 nicht mehr an den Beruf. Nicht der Liegestuhl, sondern
Haben Sie das Hobby zum Beruf gemacht –                          der Kunstflug bietet für mich Entspannung pur. Von dort
oder ist das für die Architektur ein zu verklärtes               oben ist die Welt so klein – das führt automatisch zu Dis­
Bild?                                                            tanz und Freiheit.
Architekt ist ein wunderschöner Beruf, aber er hat auch
mit der «rauen» Bauerei zu tun – und ist folglich auch           ● Interview: Volker Strohm
streng, hart und konfliktträchtig. Natürlich ist es traum­
haft, wenn aus einer Handskizze sich ein Raum entwi­
ckelt, in dem man sich aufhalten, leben und frei fühlen
kann. Aber Hobby zum Beruf? Ich war damals zu jung,
um dort kurz nach der Volljährigkeit von «Architektur als
Hobby» zu sprechen. Es war und ist einfach mein Traum­
beruf. Ich liebe ihn und die einhergehende Kreativität mit
den vielen Facetten.

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