TEMO - WAS DIE BRANCHE BEWEGT MIKRO-, MEDIZIN- UND KUNSTSTOFFTECHNIK IM FOKUS - TECHNOLOGYMOUNTAINS
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TeMo
4. Jahrgang | Ausgabe 2019
Das Technologiemagazin
für den Südwesten
IM TREND
Zukunftsmanagement
INNOVATIONSKULTUR
Jochen Becker und Thomas Wolf im Interview
WAS DIE BRANCHE BEWEGT
Mikro-, Medizin- und Kunststofftechnik im FokusANZEIGE
Fertigungsinseln kombinieren manuelle
und automatisierte Montage
Montagelinien für Medizinprodukte müssen nicht vollständig automatisiert sein. In einigen Fällen ist eine
Kombination aus manuellen und automatisierten Stationen effizienter und kostengünstiger.
Der Systemintegrator Invotec hat eine Fertigungsinsel zur
Herstellung eines nicht-invasiven chirurgischen Gerätes
entwickelt. Die Herausforderung hierbei bestand darin, ein-
fache manuelle Arbeitsschritte mit der Komplexität vollauto-
matischer Stationen in Einklang zu bringen. Damit können
die Vorteile beider genutzt werden, um zuverlässige, wieder-
holbare Ergebnisse zu erzielen. Die hier im Beispiel betrach-
tete Montagelinie besteht aus 15 Stationen. Die Mitarbeiter
führen in den manuellen Arbeitsschritten ein bis zwei Auf-
gaben aus und übergeben den Arbeitsvorgang weiter. Das
endgültige Produkt in diesem Kundenbeispiel besteht aus
25 Teilen aus Edelstahl und verschiedenen Polymeren, hat
einen Durchmesser von ca. 5 mm und ist in verschiedenen
Längen bis zu 60 cm erhältlich.
Die Mehrheit der Teilkomponenten werden manuell mit
Pressen und spezifischen Vorrichtungen montiert. Um Feh-
ler zu vermeiden, werden in der gesamten Montagelinie
Kamerasysteme und LVDT Systeme eingesetzt, um Vorhan-
densein, Ausrichtung und Position eines jeden Bauteils und
die gesamte Baugruppe zu prüfen. Teile, deren Handhabung
manuell zu schwierig ist, werden über fünf Zuführsysteme
zugeführt. Die Montageanlage umfasst sechs Laserschweiß-
einheiten und ein Heißverstemmsystem. Zur Genauigkeits-,
Inspektions- und Qualitätsprüfung wurde die Anlage mit Ka-
merasystemen ausgestattet. Zusätzlich werden Dichtheits-
prüfungen, Festigkeitsprüfungen und Zugversuche automa-
tisch in der Montagelinie durchgeführt.
Diese Produktionsinsel montiert alle 15 Sekunden ein Kundenprodukt
Die Produktionsinsel beruht auf einer Machbarkeitsstudie aus der nicht-invasiven Chirurgie. Foto mit freundlicher Genehmigung
von Invotec Engineering Inc.
und hat sich zu einer kompletten Fertigungslinie entwickelt.
Die Invotec entwickelt in Zusammenarbeit mit Kunden An-
lagen, wie auch in diesem Fall, stetig weiter. „Die große
Herausforderung während der Projektumsetzung war der Über Invotec
Prozess des Simultaneous Engineering zwischen Produkt
und Anlagenentwicklung. Um auch in Zukunft Konstrukti- Die Invotec ist Teil der HAHN Group. Die HAHN Group vereint ein Netzwerk aus
spezialisierten Unternehmen für industrielle Automatisierungs- und Roboter-
onsänderungen sowohl an der Anlage als auch am Produkt
lösungen. Mit eigenen Produktionsstandorten in China, Deutschland, Groß-
schnellstmöglich zu erfassen, erhalten Mitarbeiter unserer britannien, Indien, Israel, Kroatien, Mexiko, Schweiz, Schweden, Tschechien,
Kunden uneingeschränkten Zugang zur Anlage und zu un- Türkei und den USA beschäftigt die Gruppe derzeit ca. 1.100 Mitarbeiter an
19 Standorten. Namhafte Kunden in den Industrien Automobil, Konsumgüter,
serem Projektteam. Dadurch stellen wir sicher, dass beide
Elektronik und Medizintechnik profitieren von über 30 Jahren gewachsenen
Teams schnell auf notwendige Veränderungen reagieren und Kompetenzen und Automatisierungs-Knowhow der HAHN Group.
Produkt und Prozesse gemeinsam optimieren können.“ So
Die Invotec hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung
Armin Doser, Geschäftsführer der Invotec Deutschland.
von manuell-, halbautomatischen und vollautomatischen Montage- und Prüf-
systemen für den medizinischen Markt. Im Zuge der strategischen Ausrichtung
Weitere Informationen erhalten Sie von Invotec und Internationalisierung wird die Invotec einen neuen Produktionsstandort in
Deutschland eröffnen. Geplant ist die Eröffnung der neuen Produktionshallen
unter der Telefonnummer +49 163 39 15 110 oder auf der
von Invotec zum 01.01.2019. Der Standort im Schwarzwald-Baar-Kreis dient
Website: www.invotec.com der Herstellung und Fertigung von Montage- und Prüfmaschinen für medizi-
nische Produkte aus den Bereichen Kardiologie, Endoskopie, Chirurgische In-
strumente und verwandten Bereichen. Geschäftsführer wird Armin Doser: „Mit
großem Enthusiasmus gehe ich die herausfordernde Aufgabe an, die Invotec
auf dem europäischen Markt einzuführen und zu etablieren.“ Mit rund 30-jäh-
riger Erfahrung in verschiedensten Märkten und Branchen in der Prozess- und
Montagautomation ist Herr Doser ein Experte der Branche.3 «
VORWORT
VON ZUKUNFTSTRENDS UND INNOVATIONSKULTUR
Es sind die guten Ideen, auf Basis derer neue Produkte und Dienst- mit breit aufgestellten Forschungs- und Entwicklungszentren ein
leistungen entwickelt werden. Nicht zuletzt zählen viele deutsche wichtiger Treiber in der Mikrosystemtechnik und das Kunststoff-
Unternehmen aufgrund ihrer zukunftsnahen und innovativen Institut Südwest ist Ansprechpartner für alle Themen rund um die
Unternehmenskultur zu den Weltmarktführern auf ihrem Gebiet, Kunststofftechnik.
was unseren Wohlstand sichert. Für viele Herausforderungen der
Zukunft wurden bereits Lösungen gefunden. Wiederum muss in Mit „TeMo – Das Technologiemagazin für den Südwesten“ informie-
anderen Bereichen weiter geforscht und Entwicklungen müssen ren wir über die Entwicklungen innerhalb unseres Technologiever-
angetrieben werden. Fragen, die sich weiter stellen: Welche Trends bundes.
und Anforderungen stellt die Zukunft an uns? Wie können wir die Viel Vergnügen bei der Lektüre.
Innovationskultur weiter vorantreiben?
Herzlichst Ihre
TechnologyMountains richtet sich als Verbund an alle Unterneh-
men und Institute und sichert so die technische Führungsrolle der
Mitgliedsunternehmen.
Dabei kann auf drei starke Partner gebaut werden: MedicalMoun- Dr. Harald Stallforth Yvonne Glienke Thomas Wolf
tains unterstützt Medizintechnikunternehmen, Hahn-Schickard ist Vorstandsvorsitzender Geschäftsführerin Geschäftsführer
INHALT
Vorwort ................................................................................... 3 Cognitive business robotics.................................................... 15
Was die Branche bewegt ....................................................... 4–7 Digital Mountains.................................................................... 16
Mikrotechnik ......................................................................... 4 Innovationskultur...............................................................17–18
Kunststofftechnik ................................................................... 5 Jochen Becker im Interview..................................................... 17
Medizintechnik ...................................................................... 6 Thomas Wolf im Interview....................................................... 17
MedicalMountains im IFC ........................................................ 7 Veranstaltungen und Eindrücke.......................................... 18–20
Verbundprojekte ................................................................. 8–11 Auszeichnungen...................................................................... 21
Kompetenz im Kollektiv........................................................... 8 Köpfe bei TechnologyMountains.............................................. 22
Industrielle Gemeinschaftsforschung....................................... 9 Mitglieder.............................................................................. 23
Industrieller 3D-Druck............................................................ 10 ExpertTable............................................................................ 25
Verbundpartner gesucht......................................................... 11 MedicalMountains Weiterbildung............................................ 26
Gründungsgeschehen.............................................................. 12 Ankündigungen...................................................................... 27
Technologietrends.............................................................. 13–15 Impressum............................................................................. 28
Zeit für Zukunftsmanagement................................................. 13»4 Was die Branche bewegt
TechnologyMountains e. V.
INTERVIEW HAHN-SCHICKARD
Hahn-Schickard steht für industrienahe, anwendungsorientierte For-
schung, Entwicklung und Fertigung in der Mikrosystemtechnik.
Ca. 250 Mitarbeiter entwickeln in Stuttgart, Villingen-Schwenningen
und Freiburg Lösungen in der Mikrosystemtechnik – von der ersten
Idee bis hin zur Produktion. Das Unternehmen ist gleichzeitig regional
verwurzelt und global gefragter Partner: In vertrauensvoller Zusam-
menarbeit mit der Industrie werden bei Hahn-Schickard innovative
Produkte und Technologien in den Bereichen Sensorik und Aktorik,
Systemintegration, Cyber-physische Systeme, Kommunikationstech-
nik, Softwareentwicklung, Lab-on-a-Chip und Analytik, Mikroelektro-
nik, Aufbau- und Verbindungstechnik und Mikromontage entwickelt.
MIKROTECHNIK
DIPL.-ING. SIMON HERRLICH, PROF. DR.-ING. ALFONS DEHÉ UND PROF. DR.-ING. AXEL SIKORA
VON DER HAHN-SCHICKARD-GESELLSCHAFT FÜR ANGEWANDTE FORSCHUNG e. V., IM INTERVIEW
Welche Trends und Entwicklungen prägen KI ist in aller Munde, aber nur einer der gemeistert werden können.
die Mikrosystemtechnik aktuell? gegenwärtigen Trends. Ebenso müssen wir
Grundsätzlich kann man sagen, dass alle die Mikrosystemtechnik für die übernächste Wie stellen Sie sich mit Ihrem Unterneh-
Trends, mit denen wir uns heute beschäf- Generation vorbereiten, also bestehende men auf diese Trends ein?
tigen, aus der Digitalisierung heraus ent- Sensoren im Einzelnen verbessern und dann Da sich das Wachstum durch die steigende
standen sind. Dabei ist künstliche Intelli- im Verbund fusionieren. Für sämtliche An- Auftragslage bereits in den vergangenen
genz (KI) klar das Zugpferd für alle Themen. wendungen werden beste Sensoren benö- Jahren abgezeichnet hat, konnten wir
Im Wesentlichen lassen sich drei Schritte tigt – etwa für den Bereich des autonomen rechtzeitig handeln. Mit einem modernen
definieren. Zum ersten geschieht immer Fahrens, für den Konsumbereich oder zum Erweiterungsbau haben wir 2019 unsere
mehr Signalverarbeitung auf dem Sensor Messen von Umweltverschmutzungen. Dies Fertigungskapazitäten verdoppelt und wei-
selbst: Kalibrations- und Korrekturdaten erfordert Arbeit am gesamten System vom tere 60 Büroarbeitsplätze etabliert. Aktuell
werden mit eingerechnet und auf dem Sen- Sensor bis zur Cloud! verfügen wir über 1300 m² Reinraumfläche.
sorknoten selbst verarbeitet. Zum zweiten Hier wird zukünftig Auftragsarbeit geleistet
werden immer mehr Sensoren miteinander Welche weiteren Trends gibt es? und an Mikrosystemtechniken mit An-
verknüpft und zum dritten erfolgt eine Aus- Akustische Sensoren sind aktuell ein knüpfung an die Medizintechnik
wertung und Analyse der konsolidierten großes Thema mit hohem Potenzial. Akus- geforscht. Auch für neue Themen
Daten im Sinne einer Sensorfusion. tische Informationen könnten in Zukunft ist hier ausreichend Platz.
Und auch auf der Hardware-Seite des stärker genutzt werden – zum Beispiel im
Sensors gibt es deutliche Entwicklungen. Industriebereich. Hier könnten spezielle
Die Technik wird immer ausgereifter – sie Sensoren dazu benutzt werden, Maschi-
werden multidimensionaler und kombinie- nen vorausschauend zu warten. Weiterhin
ren viele verschiedene Informationen, um sehen wir ein starkes Entwicklungsfeld bei
Situationen zu erkennen. autonomen Systemen. Maschinen könnten
teilautonom fahren, wobei natürlich auch
Wird künstliche Intelligenz maßgeblich selbstlernende Algorithmen eine Rolle spie-
unsere Zukunft prägen? len. Generell sieht sich die Industrie vor
Ehrlicherweise sehen wir bei Hahn-Schi- großen Herausforderungen, die durch ent-
ckard diese Entwicklung etwas differenziert. sprechende Sensortechnik zukunftsweisendWas die Branche bewegt 5 «
KUNSTSTOFFTECHNIK
MARIUS FEDLER
IM INTERVIEW
Marius Fedler hat eine Lehre als Kunststoff-Formgeber absolviert
und war final in dieser Funktion für die Einführung und Optimie-
rung neuer Spritzgießwerkzeuge bei der Quante AG (später 3M)
verantwortlich. Nach zehnjähriger Tätigkeit wechselte er an die
Fachhochschule Südwestfalen und absolvierte 2001 sein Maschi-
nenbaustudium mit der Fachrichtung Kunststofftechnik. Danach
wechselte er zum Kunststoff-Institut Lüdenscheid in die Verfah-
renstechnik und leitete anschließend die Abteilungen Verfahren-
sentwicklung, Anwendungstechnik/Prozessintegration
und den Vertrieb. Seit Januar 2018 ist er Geschäftsfüh-
rer am Kunststoff-Institut Südwest (KISW).
Sie haben die Geschäftsführung des KISW übernommen. Welche Bauteiloberflächen eine große Rolle. Themen wie Antifingerprint,
strategische Ausrichtung verfolgen Sie mit dem KISW in Zukunft? hochkratzfest, Printed Electronics und Haptisches Feedback wer-
Welche Änderungen wird es in Zukunft geben? den im Displaybereich diskutiert, ebenso die Ambientebeleuch-
Das Kunststoff-Institut Südwest hat zum Jahresbeginn 2018 eine tung. Abgerundet werden die Themen durch die Digitalisierung,
Konzentration der Geschäftsfelder vollzogen. Die neue Struktur will der Fachkräftemangel und durch politische Impulse zu den Themen
die enge Zusammenarbeit mit den Lüdenscheider Kollegen stärker Mikroplastik und Recycling.
betonen und die eigenen Kräfte bündeln. Vor diesem Hintergrund
rückten die Bereiche Aus- und Weiterbildung und die Verbund- Welche Chancen und Risiken sehen Sie aus diesen Entwicklungen
und Förderprojekte in den Vordergrund, die genau den regionalen für die Unternehmen der Region und wie können diese Chancen
Schwerpunkten entsprechen. genutzt werden?
Hierzu wurden die werkzeug- und verfahrenstechnischen Semi- Ein Rückblick auf die letzten Jahre zeigt, dass umfangreiche Ent-
nare in Villingen-Schwenningen intensiviert, das Thema 3D-Druck wicklungen immer rasanter voran getrieben und immer schneller
von Kunststoff-Formteilen sowie das Umspritzen elektronischer komplexe Lösungen präsentiert werden müssen. Dies macht
Bauteile mit thermo- und/oder duroplastischen Werkstoffen über deutlich, dass es zukünftig seitens der kleinen und mittleren Un-
Verbundprojekte angestoßen. Das Kunststoff-Institut Südwest ternehmen (KMU) auch darauf ankommen wird, Entwicklungspart-
steht als erster Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung und kann nerschaften einzugehen, um gemeinsam neue Innovationen und
bedarfsweise die Fachabteilungen in Lüdenscheid einbeziehen. Lösungen anbieten zu können.
Welche Entwicklungen bewegen aktuell die Kunststoffbranche in Wie unterstützt das KISW Unternehmen, um diese fit für die Zu-
der Region? kunft zu machen?
Themen wie Elektromobilität, autonomes Fahren, Automatisierung, Wir bringen Unternehmen in Netzwerken zusammen, stellen
Digitalisierung, Recycling und der Fachkräftemangel bewegen die zu den Schlüsselthemen Verbundprojekte, Schulungen oder
Region aktuell. auch firmenspezifische Schulungen zur Verfügung. Wir vermit-
teln Ansprechpartner oder stehen auch für Förderprojekte und
Welche Trends/Technologien werden in Zukunft die Kunststoff- Dienstleistungen rund um das Thema Kunststoffverarbeitung zur
branche prägen? Verfügung.
Für den technischen Bauteilsektor steht sicherlich das Kapseln von
elektrischen Bauteilen im One-Shot-Verfahren mit im Vordergrund.
Ebenso vor dem Fokus der Elektromobilität die Herstellung von
Leichtbauteilen mittels Schäumverfahren zunehmend Lösungen im
Bereich EMV. Für den optischen Bauteilsektor spielen funktionelle»6 Was die Branche bewegt
MEDIZINTECHNIK
verkauft oder schließen. Die Anzahl der Unternehmen im Cluster
Tuttlingen wird sich also merklich reduzieren.
Parallel dazu nimmt der technologische Fortschritt seinen Lauf.
Digitalisierung und Additive Fertigungsverfahren werden immer
wichtiger. Fasst man die beiden Megatrends zusammen, ergeben
sich in der Medizintechnik neue Möglichkeiten der Produktgestal-
tung und der individualisierten, patientenspezifischen Versor-
gung. Diese Potenziale gilt es auch im Tuttlinger Cluster zu heben.
Mit dem Projekt MedPrint (Kompetenznetzwerk für die additive
Fertigung in der Medizintechnik) haben wir die Türen geöffnet,
damit Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam
innovative Verfahren, Prozesse und Anwendungen auf diesen
Gebieten entwickeln und für sich nutzen.
Innovative Projekte brauchen Partner. Wie steht es um die Koope-
rationskultur?
Die Offenheit ist gewachsen. Im Grunde weiß es jeder: Innova-
tionen entstehen nicht mehr im stillen Kämmerlein. Die wesent-
lichen Impulse kommen durch Dialog und Austausch zustande.
YVONNE GLIENKE, Daher gehört es für MedicalMountains zum Selbstverständnis, die
Branchenakteure zu vernetzen. Ebenso verhält es sich bei fachspe-
Geschäftsführerin von zifischen, regulatorischen Fragen. Kaum ein Unternehmen kann
mehr das benötigte Wissen selbst vorhalten. Bei von Medical-
MedicalMountains und Mountains initiierten und moderierten Formaten wie den Expert-
Tables besteht die Chance, grundlegende Problemstellungen
TechnologyMountains gemeinschaftlich zu klären.
IM INTERVIEW Vor allem im Zuge der EU-MDR wächst die Nachfrage an externer
Welche Themen prägen derzeit die Medizintechnik-Branche? Expertise. Wie verfolgen Sie diese Entwicklung?
Momentan sind regulatorische Fragen dominant, leider. Die Um- Unternehmen haben einen hohen Bedarf an Beraterleistungen.
setzung der Europäischen Medizinprodukteverordnung 2017/745 Diese verlaufen allerdings nicht immer wie gewünscht. Die Folgen
(EU-MDR) bindet vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen können gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen gravierend
viele Ressourcen. Dies beeinflusst die Entwicklung nicht nur kurz-, sein. Mit diesem Anliegen sind Branchenvertreter an Medical-
sondern längerfristig: Wir befürchten, dass die Innovationskraft Mountains herangetreten. Wir haben darauf reagiert und das Bera-
sinkt, da es unter der EU-MDR auch komplizierter und teurer wird, terlabel „MedTec Excellence“ ins Leben gerufen. Das „Gütesiegel“
neue Produkte auf den Markt zu bringen. Die Auswirkungen auf stellt fachliche Qualifikation der Berater dar, klar nach Kompetenz-
die Firmenlandschaft sind bereits zu spüren. Medizintechnik-Un- feldern differenziert. Dies vereinfacht die Suche nach geeigneten
ternehmen ziehen sich als aktiver Marktteilnehmer zurück, werden Dienstleistern und schafft eine grundlegend neue Vertrauensbasis.
BERATERLABEL MEDTEC EXCELLENCE
Im Rahmen des Förderprogramms „go cluster“ des Bundeministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und mit
fachlicher Unterstützung der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH hat die MedicalMountains GmbH das Beraterlabel
„MedTec Excellence“ entwickelt. Es ist speziell auf die Medizintechnik zugeschnitten und unterstützt Unternehmen bei
der Auswahl und dem Vergleich benötigter externer Expertise: Berater durchlaufen ein standardisiertes Prüfverfahren,
wodurch sie ihre Kompetenzen in ausgewählten Fachbereichen nachweisen können. Die so individuell gelabelten
Berater werden in einer Datenbank gelistet und können dort von suchenden Unternehmen zielgenau gefunden werden.Was die Branche bewegt 7 «
MedicalMountains IM IFC
Die MedicalMountains GmbH hat im September 2018 rund 300 die Nähe zu den Technologieunternehmen und Forschungseinrich-
Meter vom bisherigen Sitz entfernt ihre neuen Räume im erst tungen im IFC Synergieeffekte.
kurz zuvor eröffneten Innovations- und Forschungscentrum (IFC)
Tuttlingen bezogen. Zusätzlich zu den drei Büros steht dem Un- „Gerade mit dem KSF (Kompetenzzentrum für Spanende Fertigung)
ternehmen hier mit dem großen Seminarraum auch eine zentrale und CoHMed (Connected Health in Medical Mountains) pflegen
Veranstaltungsstätte zur Verfügung. Dadurch profitiert in der Sum- wir enge, gute Kontakte“, betont die Geschäftsleitung. „Wir sind
me auch die Kommunikation, intern wie extern. Ebenso verspricht gespannt, was wir nun als Nachbarn alles bewegen werden.“
DAS IFC –
AKTIVITÄTEN FÜR START-UPS
Das Innovations- und Forschungscentrum (IFC) Tuttlingen der Hoch-
schule Furtwangen (HFU) wurde geschaffen, um Innovationen in der
Region anzustoßen und aktiv zu begleiten. Ein wichtiges Themen-
feld ist dabei die Förderung von Gründern, die innovative Geschäfts-
ideen umsetzen wollen.
Einerseits bietet das IFC Gründerinnen und Gründern die Möglich-
keit, Räumlichkeiten und Infrastruktur im IFC zu nutzen, um ihre
Firma aufzubauen. Das beinhaltet moderne Büroräume und Aus-
stattung ebenso wie die Möglichkeit, direkte Kontakte zu anderen
Gründern, Netzwerkorganisationen sowie der Hochschule gewinn-
bringend zu nutzen. Andererseits sind Lehr- und Informationsmo- Prof. Dr. Martin Haimerl (wissenschaftlicher Direktor) und
dule im Aufbau, die Wissen zu zentralen Themen wie rechtlichen Regina Storz-Irion (Innovationsmanagerin) setzen sich mit dem IFC
Grundlagen, Finanzierung, Fördermöglichkeiten oder Entwicklung für den Technologie- und Wissensaustausch zwischen Hochschulen
und Unternehmen ein.
von Geschäftsmodellen vermitteln. Dafür erhält die HFU im Rahmen
des Förderprogramms „Gründungskultur“ mit dem Projekt „ready –
study – go“ eine finanzielle Unterstützung von rund 300.000 Euro,
die zu einem erheblichen Teil für den Ausbau der Gründungsaktivi-
täten im IFC eingesetzt wird.»8 Verbundprojekte
KOMPETENZ IM KOLLEKTIV
Das Kompetenznetzwerk für technische Sauberkeit, Reinigbarkeit „Vernetztes Arbeiten bringt die Unternehmen schneller, mit gerin-
und Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik, kurz „CleanMed“, geren Kosten und erhöhter Erfolgswahrscheinlichkeit ans Ziel“,
schreibt unter der Leitung der MedicalMountains GmbH seine fasst Julia Steckeler, Geschäftsführerin von MedicalMountains,
Erfolgsgeschichte fort. Was 2015 im Rahmen des Zentralen Innova- zusammen. CleanMed sei dafür ein hervorragendes Beispiel, das
tionsprogramm Mittelstand (ZIM) begann, hat sich mittlerweile als Schule machen könnte. „Je mehr öffentlicher und offensiver wir die
ExpertTable etabliert. Und: Mit „MedPrint“ ist bereits das nächste Vorteile kommunizieren, desto größer ist die Bereitschaft weiterer
ZIM-Projekt am Start. Unternehmen und Forschungseinrichtungen, bei neuen Projekten
einzusteigen.“ So wie bei MedPrint. Das ZIM-Kompetenznetzwerk
Der technologische Ansatz, über den gesamten Prozess-Zyklus hat Ende 2018 unter der Führung von MedicalMountains seine
Optimierungspotenziale in Bezug auf Reinheit zu realisieren, ist von Arbeit aufgenommen hat. Wiederum sind 24 hochspezialisierte
zeitlos wichtiger Bedeutung für die Branche. Daher hatten sich 24 Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligt. Sie wenden
Netzwerkpartner zu Beginn der Projektphase zusammengefunden. sich den Potenzialen der additiven Fertigung von medizintech-
Entwicklungsdienstleister, Hersteller von medizintechnischen In- nischen Instrumenten, Geräten und Implantaten und der damit
strumenten und Implantaten als auch Hersteller von Reinigungsan- verbundenen Entwicklung geeigneter Werkzeuge, Materialien und
lagen und Reinigungsmitteln waren dabei – und sind es größtenteils Verfahren zu.
bis heute. Nachdem die Folgeförderung des Bundesministeriums In Phase 1 schmieden die drei Arbeitsgruppen „Neuentwicklung
für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Frühjahr 2018 ausgelaufen ist, von Produkten im Dentalbereich“, „Prozesssichere Serienprodukti-
setzt das Gremium seine Arbeit als ExpertTable fort. on“ und „Reinigung/Post-Processing additiv gefertigter Produkte“
an Projektideen, die in der Folge ebenfalls durch Bundesförde-
Ideen und Ziele gehen den Partnern also nicht aus, auch wenn sie rungen unterstützt werden sollen. Durch diese Zusammenarbeit
mit dem Leitfaden für einen standardisierten Produktions- und soll die additive Fertigung anwendernah weiterentwickelt und
Reinigungsprozess chirurgischer Instrumente bereits ein viel sowohl technisch als auch wirtschaftlich für die herstellende
beachtetes Arbeitsergebnis vorgelegt haben. Daran haben acht Industrie, vor allem auch für kleine und mittlere Unternehmen,
Unternehmen mitgearbeitet. Das Ziel: mehr Sicherheit bei der nutzbar gemacht werden – ganz nach dem Vorbild CleanMed.
Prozessvalidierung der Reinigungsstufen und folglich saubere Pro-
dukte in der Auslieferung. Die besondere Wertigkeit des Projektes,
die auf das Image des gesamten Clusters abfärbt, liegt in eben
dieser Kooperationsbereitschaft. Die teilnehmenden Unterneh- WEITERE INFORMATIONEN:
men präsentieren sich als zukunftsgewandte, modern vernetzte
Gesellschaften, die schwierige Fragen zur technischen Reinheit www.clean-med.de
gemeinsam proaktiv angehen. www.medprint-netzwerk.deVerbundprojekte 9 «
INDUSTRIELLE GEMEINSCHAFTSFORSCHUNG
BRINGT INSTRUMENTEN DAS ZÄHLEN BEI
Made in Germany – ein weltweit geschätz- branchenrelevanter Pro-
tes Qualitätsversprechen, das maßgeblich zess. Bei einem kürzlich
vom deutschen Mittelstand geprägt ist, gestarteten IGF-Projekt mit Das sagen beteiligte TM-Mitglieder
und nur durch die stetige Entwicklung dem Akronym „AuSter“ zum Projekt
innovativer Produkte im globalen Wett- steht hierzu die Entwick-
bewerb bestehen kann. Voraussetzung lung eines autonomen Uwe Stoll, Carl Haas GmbH:
für mittelständische Innovationen ist der Sterilisationszyklenzählers „Das Projekt ermöglicht uns im Verbund mit anderen
Zugang zum technologischen Fortschritt. im Mittelpunkt. Das For- Unternehmen innovative, branchenrelevante Lösungen
Wichtige Impulse hierfür kommen aus der schungsprojekt setzt sich zu erarbeiten.“
Gemeinschaftsforschung der Arbeitsge- zum Ziel, ein Mikrosystem
meinschaft industrieller Forschungsverei- (MEMS) für die Erfassung Michael Eberhard, Rudolf Medical GmbH & Co. KG:
nigungen „Otto von Guericke“ e.V., kurz und Zählung von an Me- “Ein neuartiger Ansatz für den Nachweis, dass die
AiF. Das in vielen Jahrzehnten gewachsene dizinprodukten durchge- gesetzlichen Anforderungen an die Dokumentation des
System der vorwettbewerblichen Indus- führten Dampfsterilisati- Sterilgutkreislaufs erfüllt werden.“
triellen Gemeinschaftsforschung (IGF) onen zu konzeptionieren
ist weltweit einzigartig und schließt die und aufzubauen.
Lücke zwischen Grundlagenforschung und
wirtschaftlicher Anwendung. Insbesondere Das zu entwickelnde „heterogen“ aufge- chert. Das Auslesen des Zählerstands kann
kleine und mittelständische Unternehmen, baute mikrochipgroße System aus Silizium- nach Bedarf, z. B. während der Wartung
die im täglichen Wettbewerb oft konkurrie- mikromechanik und eingelegter Formge- eines medizinischen Instruments, über
ren, definieren bei diesem Projektformat dächtnisaktorik arbeitet energieautark, eine (später ggf. auch drahtlos) auslesbare
in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern also ohne zusätzliche Energiequellen. elektronische Schnittstelle erfolgen.
gemeinsamen Forschungsbedarf – denn Die Erfassung erfolgt während der Sterili- TechnologyMountains-Akteur Hahn-
Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg. sation direkt am Medizinprodukt „just in Schickard und das Fraunhofer-Institut für
Bewilligte IGF-Projekte werden dann von time“ und autonom, d. h. ohne zusätzliche Werkzeugmaschinen und Umformtech-
Unternehmensvertretern begleitet, um die technische Modifikationen bspw. des nik in Dresden sind die ausführenden
Praxisrelevanz der Forschung zu sichern. Autoklaven. Dabei wird ausgenutzt, dass Forschungsstellen des AuSter-Projekts.
Nach Projektabschluss werden die Projekt- im Verlauf der wechselnden Temperatur- Begleitet wird das Vorhaben von einem pro-
ergebnisse veröffentlicht und stehen damit und Druckbedingungen während eines jektbegleitenden Ausschuss, in welchem
jedem Unternehmen frei zur Verfügung. Dampfsterilisationszyklus einmalig ein neben Technology- und MedicalMountains
bestimmter Temperaturgrenzwert über- 16 Unternehmen entlang der Wertschöp-
Die Dampfsterilisation (Autoklavierung) schritten wird. Diese Überschreitung wird fungskette, vom Komponentenhersteller
von wiederverwendbaren Instrumenten mit Hilfe einer Formgedächtnislegierung über Medizintechnikunternehmen bis hin
und Komponenten im klinischen und me- detektiert und mikromechanisch mit einem zum Klinikum beteiligt sind.
dizintechnischen Umfeld ist ein kritischer, Zahnradmechanismus gezählt und gespei-» 10 Verbundprojekte
VERBUNDPROJEKT
INDUSTRIELLER 3D-DRUCK
Am Kunststoff-Institut Südwest werden Untersuchungen für alle im
Markt verfügbaren 3D-Druck-Verfahren durchgeführt, um den Anwen-
der zielgerichtete Handlungsempfehlungen für den individuellen
Anwendungsfall aussprechen zu können. Nach einem erfolgreichen
Projekt ist vor dem nächsten Projekt: Das Kunststoff-Institut Südwest
ist in die 2. Phase des Verbundprojektes „Industrieller 3D-Druck“
gestartet. Das Projekt bearbeitet ausschließlich praxisrelevante
Themen die durch die Bedürfnisse der beteiligten Industrieunterneh-
men gelenkt werden. Die additiven Fertigungsverfahren haben sich
nicht nur in Teilen des Prototypenbaus durchgesetzt, durch die stetige
Entwicklung neuer Werkstoffe und Verfahren lassen sich zudem
innovative Möglichkeiten umsetzen. Jetzt zielt die Entwicklung darauf
ab, serienidentische Endnutzerteile z.B. für Ersatzteile im direkten,
werkzeuglosen Verfahren herzustellen. In einer Benchmark-Matrix
wurden die Ergebnisse zusammen geführt und bewertet. Bei dieser
Bewertung fanden ferner die Kosten der Bauteile Berücksichtigung.
In der Projektphase 2 erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse darüber,
wie durch die Betrachtung der gesamten Prozesskette Kundenanforde-
rungen an ein finales Bauteil noch besser erfüllt werden können. Beide
Aspekte – die eigentlichen Bauteileigenschaften und die Bauteil-
optimierung durch Nachbehandlungsverfahren – sind entscheidend
für den Einsatz der Additiven Fertigung in Produktionsumgebungen.
Ziel des auf 18 Monate angelegten Projektes ist es darüber hinaus, die
gesamte Prozesskette im 3D-Druck zu untersuchen. Neben dem eigent-
lichen Herstellungsprozess rücken damit auch Themen wie Nachbear-
beitung und Qualitätssicherung in das Interessenfeld. In der nun jetzt
laufenden 2. Phase des Projekts, zu der ein Quereinstieg jederzeit
möglich ist, steht die Fortschreibung der Benchmark-Matrix im Fokus.
Für wen ist das Projekt interessant?
Das Projekt ist für Unternehmen interessant, die um-
fangreiche Kenntnisse zum Thema 3D-Druck erwerben
möchten.
Wer sind Projektpartner?
Die Projektpartner orientieren sich entlang der Wert-
schöpfungskette vom Materiallieferant, Anlagenbauer
bis hin zum Verarbeiter.
Wie ist der Projektablauf?
Allen interessierten Unternehmen stehen unsere
Verbundprojekte offen. Das heißt eine Beteiligung
ist jederzeit möglich. Der Vorteil der Verbundprojekte
ist der umfangreiche Aufbau von Know-how bei einer
gleichzeitigen vorteilhaften Kosten- und Zeitstruktur.
Das Institut übernimmt hier alle Tätigkeiten (Bau von
Werkzeugen, Prüfungen, Aussprechen von Handlungs-
empfehlungen, etc.). Parallel können firmenspezifische
Aufgabenstellungen unter Berücksichtigung der Ge-
heimhaltung individuell bearbeitet werden.Verbundprojekte 11 «
VERBUNDPARTNER GESUCHT
MACHINING 4.0 - TOWARDS THE MACHINING REAKTIVE BONDTECHNOLOGIEN FREITRAGENDER MEMS IR-EMITTER MIT
SHOP-FLOOR OF THE FUTURE INTEGRIERTEM WELLENLÄNGENSELEKTIVEN
In zwei Projekten wird einerseits eine opti- FILTER
Das Projekt zielt darauf ab, den Wissens- und mierte reaktive Bondtechnologie auf der Basis
Innovationsstand von KMUs in der Zerspanung neuartiger Zirkonium-Systeme für den Einsatz Für miniaturisierte optische sowie fotoakus-
zu erhöhen und durch praktische Experimente in der Mikrosystemtechnik untersucht. In tische Gassensoren werden Infrarotemitter mit
den Transformationsprozess zu unterstützen. einem weiteren geplanten Projekt steht die Er- freitragenden Heizern entwickelt. Durch eine
Unter anderem sollen ein Online-Portal mit langung eines tieferen Prozessverständnisses möglichst geringe thermische Masse soll eine
freiem Zugang zu Fachwissen, ein länderüber- des reaktiven Fügens, insbesondere hinsicht- möglichst effiziente Modulierbarkeit erreicht
greifendes Feldlabornetzwerk generiert und lich der dynamischen Aspekte im Fokus. Durch werden. Zusätzlich wird einstellbarer MEMS
Anwendungen entwickelt werden, welche I 4.0 eine möglichst exakte Modellierung unter Ein- Filter in Fabry-Perot-Konfiguration untersucht.
in der Zerspanung umsetzbar macht. satz moderner numerischer Simulationstools So soll zusätzlich eine möglichst hohe Flexibi-
sollen die räumliche und zeitliche Wärme- und lität hinsichtlich der emittierten Wellenlängen
Laufzeit: 05/2018 – 05/2021 Spannungsverteilung sowohl innerhalb der erreicht werden. Dies ermöglicht die Anregung
Ansprechpartner: MedicalMountains GmbH Fügezone als auch im angrenzenden Bauteil und damit die Identifizierung von verschie-
Website: www.medicalmountains.de ermittelt werden, um die optimalen Material- denen Gasen. Die Modulation der IR-Strahlung
und Prozessparameter beim reaktiven Fügen bis in der kHz-Bereich ist notwendig für die
ohne vorherige, aufwändige Versuchsreihen akustische Detektion der Gase.
TRANSFER- UND INNOVATIONSPLATTFORM zu finden. Zusätzlich sollen der Zündvorgang
SMART CARAVAN (SMAC) und der Reaktionsverlauf genauer untersucht Laufzeit: In Planung
werden. Ansprechpartner: Hahn-Schickard
Mobile Endgeräte und vernetze Systeme Website: www.hahn-schickard.de
machen unser Zuhause zu einem Smart Laufzeit: In Planung
Home. Hierbei bilden Sensoren und Aktoren Ansprechpartner: Hahn-Schickard
im Idealfall ein individuelles Gesamtsy- Website: www.hahn-schickard.de LOWCOST SENSORIK FÜR DIE INTELLIGENTE
stem. Im Projekt wird ein neuer innovativer SENSITIVE SCHRAUBE (IBOLTSENS)
Ansatz verfolgt, der sowohl als Lern- und
Ausbildungsplattform, als Innovations- und HOCHAUFLÖSENDER OPTISCHER BESCHLEU- Projektziel ist eine neue Sensorik für weitge-
Kooperationspunkt für Firmen sowie als NIGUNGSSENSOR IN HYBRIDER AUFBAU- hend universell einsetzbare, kostengünstige
Anschauungs- und Demonstrationsobjekt TECHNIK (HOBY) und intelligente Schrauben zu entwickeln. Im
für Smart-Home-Lösungen dienen kann. Die Zuge eines neuen Messprinzips wird hierbei
Basis und mobile Plattform bildet ein Smarter Ziel des geplanten Projekts ist die Entwicklung eine barometrische Druckmessung mit hoher
Wohnwagen (Smart Caravan „SmaC“). Eine eines neuartigen, optischen Beschleuni- Empfindlichkeit auf Basis integrierter mikro-
offene und smarte Basisausstattung steht gungssensors mit hybrider Aufbautechnik. Die technischer Low-Cost Sensoren eingesetzt.
für Wissenstransfer- und Vermittlungsaktivi- Messung basiert auf der Beugung kohärenten Dies erfordert nur minimale Änderungen der
täten sowie Kooperationsveranstaltungen zur Laserlichts an diffraktiven Silizium-Mikro- Schraubengeometrie und gewährleistet die
Verfügung. Projektziel ist eine integrative und strukturen auf einem MEMS-Element und grundlegende mechanische Funktionstüchtig-
gleichzeitig erweiterbare Kooperationsbasis, der Detektion von Beugungsmaxima durch keit bei gleichzeitig integrierter Messung der
welche Firmen, Entwicklern, Dienstleistern Fotodioden. Eine Beschleunigung bewirkt Vorspannkraft und Temperatur. Ziel des Vorha-
und auch Endanwendern ermöglicht neue eine Bewegung der diffraktiven Struktur und bens sind die Verifikation des Messprinzips,
Ideen im Smart Home-Bereich und ähnlichen dadurch eine modulierte Intensität auf den die detaillierte Ermittlung der Einsatzmöglich-
Geschäftsfeldern zu entwickeln, realisieren, Fotodioden in Form von Sinus- und Cosinus- keiten und -grenzen, sowie die Bereitstellung
evaluieren und letztendlich zu erleben. Signalen, die digital mithilfe einer „Arctan- von Demonstratoren und Design-Richtlinien
2-Interpolation“ weiterverarbeitet werden und für den optimalen Systementwurf.
Laufzeit: 08/2018 – 12/2020 so eine höhere Messauflösung ergeben. Wei-
Ansprechpartner: Hahn-Schickard ter wirkt sich die Anwendung eines präzisen Laufzeit: In Planung
MedicalMountains GmbH Bestückungsverfahrens (Active Alignment) der Ansprechpartner: Hahn-Schickard
Website: www.hahn-schickard.de optischen Einheit vorteilhaft für diese Lösung Website: www.hahn-schickard.de
www.medicalmountains.de aus. Dieses Verfahren erspart ein aufwän-
diges Nachjustieren optischer Komponenten
eines jedes einzelnen Sensors. Stattdessen
MEDIENDICHTE HYBRIDBAUTEILE werden während der Montage bereits alle
EINFLUSS DER VERFAHRENSPARAMETER UND optischen Komponenten hochgenau zueinan-
STANZGITTERGEOMETRIE AUF DIE DICHTIGKEIT der bestückt. Das Sensorelement in Silizium
erlaubt eine Skalierbarkeit des Sensors, mit
Ziel des Verbundprojekts ist es, den Einfluss dem Unterschied, dass sich keine aktiven
der Verfahrensparameter auf die Dichtigkeit Schaltungsteile auf dem Silizium befinden.
beim Umspritzen von Einlegeteilen zu untersu-
chen. Ferner soll der Einfluss von getrennten Laufzeit: In Planung
und zusammenhängenden Leiterbahnen auf Ansprechpartner: Hahn-Schickard
die Dichtigkeit untersucht werden. Ergänzt Website: www.hahn-schickard.de
werden die Untersuchungen unter Zuhilfenah-
me von labortechnischen Untersuchungen wie
bspw. DSC, REM, etc.
Laufzeit: 10/2019 – 03/2020
Ansprechpartner: Kunststoff-Institut-Südwest
Website: www.kunststoff-institut-suedwest.de» 12 Gründungsgeschehen MOTIVATIONSPROGRAMM FÜR GRÜNDER Gespräche zur Zukunft mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Rottweil: Gründungskultur und Unternehmertum im Mittelstand fördern In vielen mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg ist schaft ein kraftvolles Zeichen für mehr Gründungen in Deutschland. der Generationswechsel ein aktuelles Thema. Zahlreichen Unterneh- Mir ist der Austausch vor Ort mit engagierten Gründerinnen und men droht die Stilllegung, weil sich kein geeigneter Nachfolger fin- Gründern, erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern, sehr den lässt. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie der Bestand der in wichtig. Ich will erfahren, wo Potenziale genutzt werden können, um den nächsten Jahren zur Übergabe anstehenden Unternehmen und mehr Menschen für die eigene Selbstständigkeit zu motivieren. Ich ihrer Arbeitsplätze langfristig gesichert werden kann. will die vielen mutigen und erfolgreichen Unternehmerinnen und Un- TechnologyMountains und die Industrie- und Handelskammer (IHK) ternehmer in den Regionen sichtbar machen und ihr Engagement für Schwarzwald-Baar-Heuberg hatten deshalb gemeinsam mit dem ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Gesellschaft aner- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zur zweiten Regi- kennen und wertschätzen. In Zeiten eines langsameren Wirtschafts- onalkonferenz der bundesweiten Gründungsoffensive „GO!“ mit wachstums setze ich mich für Entlastungen für die Wirtschaft und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in das Kraftwerk Rottweil gerade auch für den Mittelstand ein. Wir müssen Bürokratie abbau- eingeladen. Mit der Gründungsoffensive „GO!“ gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Ener- gie zusätzliche Impulse zum Gründen und stärkt den Gründer- und Unternehmergeist in Deutschland. Ziel ist es, mehr Menschen zu ermutigen, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder ein bestehendes Unterneh- men zu übernehmen. Dabei geht es um die Bedeutung von Unternehmerinnen und Un- ternehmern für die Soziale Marktwirtschaft - gerade auch in den Regionen - und die Wert- schätzung, die sie verdienen. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd be- tonte vor den rund 400 Gästen, „dass die wirtschaftliche Stärke un- en, aber wir brauchen auch Entlastungen bei der Körperschaftsteuer, seres Landes seit jeher auf unserer vielfältigen Unternehmensland- beim Soli oder auch bei den Energiepreisen“ so Peter Altmaier. schaft beruht. Wir haben wenige Groß- und viele kleine und mittlere Die Veranstaltung, moderiert von Katrin-Cécile Ziegler, bot auch die Unternehmen. Und unser Mittelstand schafft seit jeher die meisten Gelegenheit, mit dem Bundeswirtschaftsminister direkt aktuelle Fra- Arbeitsplätze, zahlt die meisten Steuern und bringt die meisten In- gen und Herausforderungen von Gründerinnen und Gründern sowie novationen hervor.“ Unternehmen zu diskutieren. Im Dialog zwischen Gründerszene, Der Mittelstand sei Garant für Wohlstand und Beschäftigung und es Wirtschaft und Politik wurde erörtert, wie Gründungen und Betriebs- gebe weltweit nirgendwo etwas Vergleichbares. Rund um den Globus übergaben noch besser unterstützt werden können, damit mehr sei er genauso wie das Siegel Made in Germany ein Qualitätssiegel Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit gehen. für beste Produkte und Dienstleistungen. Dr. Harald Stallforth, Vorstand von TechnologyMountains, ergänzte: Aber auch der Mittelstand brauche kontinuierlich Nachwuchs. Zum „Existenzgründerinnen und -gründer leisten einen wichtigen Beitrag einen suchten viele Unternehmer einen Nachfolger, um ihre Firma für unsere Volkswirtschaft, indem Sie neue Arbeitsplätze schaffen, altershalber übergeben zu können. Zum anderen entwickeln sich den Wettbewerb fördern sowie innovative Produkte und Dienstlei- die Kundenanforderungen und Kundenwünsche ständig weiter. Und stungen hervorbringen. Dies gilt insbesondere auch für unsere wirt- diese können häufig nur mit neuen Ideen und Technologien in neu schaftsstarke Region.“ gegründeten Unternehmen bedient werden. „Wir freuen uns sehr, dass die bundesweite Gründungsoffensive „Politik und Verwaltung haben deshalb die Pflicht, alles dafür zu tun, ‚GO!‘ unseren Aktivitäten und Fördermaßnahmen unter der Dach- Gründungen so leicht wie möglich zu machen“, so Birgit Hakenjos- marke ‚Start-up BW‘ zusätzlichen starken Rückenwind verleiht. Unser Boyd. „Gründer brauchen keine Bürokratie und wenig Steuern. Sie Ziel ist es, unsere Maßnahmen möglichst optimal mit den Bundes- brauchen eine gute Infrastruktur und natürlich Breitband und stabile maßnahmen zu verzahnen. Baden-Württemberg ist heute mehr denn Kommunikationsnetze - auch auf dem Land. Sie brauchen Zugang je auf junge Unternehmen und auch deren Zusammenarbeit mit eta- zu Kapital und Know-how. Und sie müssen spüren, dass ein Grün- blierten Unternehmen angewiesen. Dazu müssen wir jetzt die großen dergeist durchs Land weht, der sie beflügelt und ihnen Rückenwind Chancen des digitalen Zeitalters nutzen“, sagte Ministerialdirektor gibt“, fordert die IHK-Präsidentin. Michael Kleiner in seiner Rede. „Mit der Gründungsoffensive setzen wir gemeinsam mit der Wirt-
Technologietrends 13 «
ZEIT FÜR
ZUKUNFTSMANAGEMENT
PERO MIĆIĆ IM INTERVIEW
Dr. Pero Mićić gilt international als ein führender Experte für Zu-
kunftsmanagement. Er ist Vorstand der FutureManagementGroup
AG, deren Mission es ist, Top-Entscheidern in Wirtschaft, Politik
und Verwaltung zu helfen, mehr von der Zukunft zu sehen als die
Konkurrenz. Pero Mićić berät die Führungsteams und Zukunfts-
experten großer Konzerne und führender Mittelständler dabei,
Zukunftsorientierung zu schaffen und daraus Zukunftsstrategien
zu entwickeln und wirksam zu machen. 2018 war er Keynote-
Speaker bei den „Gesprächen zur Zukunft“.
Herr Mićić, Sie sind einer der führenden zubringen und schlägt den besten Schach- mierter Bauteile, sondern auch auf Gebie-
Experten für Zukunftsmanagement: Wel- computer, den die Menschheit je gebaut ten wie der Millisekunden-genauen Aktion
che Trends werden uns in Zukunft prägen? hat, 28 zu 0. So schnell können wir gar nicht eines Kampfflugzeugs oder bei der vollau-
Von all den technologischen Entwicklungen lernen. Und was für das Kognitive gilt, gilt tomatisierten Buchführung. Selbst Bluffen
gibt es eine, die ganz besonders unsere auch für das Physische. Nehmen wir z.B. kann der Algorithmus. So spielte eine KI 30
Zukunft prägen wird: die künstliche Intelli- Baxter, einen einfachen Roboter, der un- Tage lang gegen die besten Pokerspieler
genz. Schon jetzt gibt es zahllose Dinge, die ter 20.000 Dollar kostet. Führt man seine und diese hatten keine Chance. Selbst Ent-
Computer und Roboter besser können als Finger und bringt ihm z. B. Zwiebelschnei- scheidungen treffen kann die KI, und das
Menschen – sei dies das Lernen durch Be- den bei, kann man diese Fähigkeit auf eine auf einer rein rationalen Ebene: Das Unter-
obachten oder der diagnostische Abgleich Skillplattform hochladen und schon kann nehmen Deep Knowledge Ventures hat so
von zigtausend Quellen und Informationen, dies jeder Roboter weltweit. Solche Roboter z.B. ein sechstes Vorstandmitglied berufen,
beispielsweise zur Empfehlung der besten werden uns beobachten. Sie werden lernen bei dem es sich nicht um einen Menschen,
Krebstherapie. wie unsere Kinder: Sie werden lernen durch sondern um eine KI handelt.
Imitation. Und irgendwann können sie al-
Ein weiteres plakatives Beispiel zeigt uns les, was wir können. Auch auf die Mobilität wirkt sich die Tech-
Google Alpha Zero. Wir entwickeln seit über nologie aus: So werden selbstfahrende
1.500 Jahren das Schachspielen. Google Auch heute schon schlägt KI den Menschen Autos deutlich weniger Fehler machen und
Deep Mind hingegen ist in der Lage, sich schon längst nicht mehr nur beim Schach dadurch deutlich sicherer sein.
in kürzester Zeit Schachspielen selbst bei- oder in der Konstruktion bionisch-opti-
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Heute lassen sich 92 % der Unfälle auf menschliches Versa- in exponent iell. Gefahr droht nur, wenn künstliche Intelligenz für
gen zurückführen. kriminelle oder unethische Zwecke eingesetzt wird oder, wenn Ma-
schinen den Menschen als Entscheider ersetzen und sich auf eige-
Sprachenlernen könnte überflüssig werden. KI wird es uns möglich ne Initiative selbst weiterentwickeln. Das aber sehe ich frühestens
machen, dass wir jede Sprache sprechen können, durch Überset- in einigen Jahrzehnten.
zung in der eigenen Stimmfrequenz in Echtzeit. Ich würde jedem
empfehlen, aus beruflicher Sicht nur Englisch zu lernen und das Wie können sich Unternehmen für die Zukunft rüsten?
möglichst perfekt. Alle anderen Sprachen lernt man nur als Hobby. Machen Sie eine Fähigkeiten-Disruptions-Inventur. Schreiben Sie
alle Fähigkeiten auf, die Sie haben, alles was Sie können und wo-
Eine weitere relevante Technologie sind Blockchains, oder genauer für Sie bezahlt werden, Sie ihr Team, ihr Unternehmen. Listen Sie
Distributed Ledgers, also verteilte Kontenbücher. Sie ermöglichen alle Technologien (KI, Software etc.) auf, die versprechen genau die
uns, alles zu dokumentieren und zu automatisieren und intelligent Fähigkeiten besser zu erfüllen, als es der Mensch kann und dann
erzeugte Verträge abzuschließen. Dies wird uns sehr viel Verwal- haben sie zwei Ergebnisse, alle Leistungen, die früher oder später
tungsaufwand ersparen. von einer Maschine besser gemacht werden. Die Punkte, für die sie
nichts gefunden haben, sind die von denen sie auch in Zukunft le-
Und welche Auswirkungen hat dies unmittelbar auf unsere Lebens- ben werden. Um geschäftlich erfolgreich zu bleiben, müssen Unter-
und unsere Arbeitswelt? nehmen eine klare strategische Mission und Vision für die Unter-
Wir haben bereits in den 1960er Jahren befürchtet, dass uns die nehmenszukunft schaffen. Dazu gehört auch zwingend, die Köpfe
Computer die Arbeitsplätze wegnehmen. Wir haben jedoch immer und Herzen der Mitarbeiter zu erreichen und mitzunehmen. Nur
wieder Berufe der Zukunft gefunden. Aber für uns sind heute die wenn alle in die gleiche Richtung blicken und handeln, werden sie
Geschäftsfelder und Berufe der Zukunft kaum vorstellbar. Wir wer- auch eine glänzende gemeinsame Zukunft erreichen.
den nicht weniger Arbeit haben. Aber sie wird deutlich höhere An-
forderungen stellen.
Wird der Mensch durch die von ihm geschaffene künstliche In-
telligenz also überflüssig? Welche Risiken drohen? Oder: „Wozu
braucht die Maschine noch den Menschen?“
Die Frage ist provokant, hilft uns aber, unsere Rolle in der Zukunft zu
finden. Die Maschine braucht den Menschen, um für ihn nützlich zu
sein. Ohne Aufgabe für den Menschen ist jede Maschine am Ende
überflüssig.
Für Unternehmen sind die genannten Entwicklungen beunruhi-
gend: Was, wenn die bisher im Geschäftszweck stehenden Fähig-
keiten durch immer stärkere technische Systeme nicht mehr ge-
braucht werden?
Stärken Sie das, was nur Sie und sonst niemand kann, und lassen
Sie die anderen Dinge auslaufen. Ich kann auch nur davor warnen,
die heraufziehende neue digital-intelligente Welt zu ignorieren. Es
stimmt, wir wurden in den Jahrzehnten zuvor immer wieder von den
Prognosen enttäuscht, weil sie nie so eingetreten sind. Aber das
hier ist anders: Die Technik ist bereits so weit und entwickelt sichTechnologietrends 15 «
KIKS –
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ FÜR KLINISCHE STUDIEN
Unternehmen und Kliniken arbeiten bei automatischer Datenanalyse Hand in Hand
Die Ansprüche an belastbare Daten, mit IT-Systeme mit geringer Interoperabilität. Der heitstechnologien die Einhaltung rechtlicher
denen sich die Sicherheit und Leistungsfä- Lösungsansatz lautet: Künstliche Intelligenz. und ethischer Rahmenbedingungen gewähr-
higkeit eines Medizinprodukts nachweisen KIKS soll es ermöglichen, sowohl epidemiolo- leistet. Dazu sollen die unterschiedlichen
lässt, sind enorm gestiegen – was für Unter- gische, klinische, paraklinische als auch zum Anforderungen der Partner erarbeitet und in
nehmen, Ärzte und Kliniken eine echte He- Beispiel radiologische Daten vollautomatisch einer Cloud-basierten Plattform implemen-
rausforderung darstellt. Hier setzt das Projekt zu analysieren. tiert werden.
„Künstliche Intelligenz für Klinische Studien“
(KIKS) an, an dem die MedicalMountains Das Projekt ist Teil des von der Bundesregie- Mittel- bis längerfristig könnte KIKS auch hel-
GmbH beteiligt ist. rung ausgerufenen Innovationswettbewerbs fen, einem derzeitigen Trend entgegenzuwir-
„Künstliche Intelligenz als Treiber für volks- ken: dass Unternehmen aus ökonomischen
Es geht letztlich um den Patientenschutz und wirtschaftlich relevante Ökosysteme“, dessen Gründen Medizinprodukte vom Markt neh-
die Patientensicherheit: Zur Verbesserung von Zielsetzung es ist, die digitale Transformation men. Betroffen sind vor allem Produkte
Diagnose und Behandlung ist es unerlässlich, der Wirtschaft zu fördern. In das Konsortium mit geringer Marge oder für seltene Erkran-
Daten aus der klinischen Routine zu erheben aus bundesweit 18 Projektpartnern ist die kungen. Die rationelle Erfassung und Analyse
und auszuwerten. Dies gilt nicht nur für Arz- MedicalMountains
neimittel, aus deren Umfeld der Begriff „Stu- GmbH eingebun-
die“ am ehesten bekannt sein dürfte, sondern den. Sie wird im PROJEKTPARTNER:
genauso für Medizinprodukte. Eine klinische Rahmen von KIKS
Prüfung wird für sie erforderlich, wenn es sich ihre vorhandene Aesculap AG
zum Beispiel um ein neuartiges Instrument Expertise in der Berlin Cert GmbH
handelt, für das keine Vergleichswerte oder Aktivierung der BioLAGO e.V.
wissenschaftliche Fachliteratur vorliegen. Medizintechnik- BioRegio STERN Management GmbH
Ebenso können neuartige Materialien aus- Unternehmen ge- BIOTRONIK SE & Co. KG
schlaggebend sein, um deren Verhalten und zielt einsetzen. Es Charité - Universitätsmedizin Berlin
Sicherheit in der Praxis zu beobachten und sollen bedarfsge- Eberhard-Karls-Universität Tübingen
zu dokumentieren. Die ab Ende Mai 2020 rechte, innovative ExB Labs GmbH
verbindlich anzuwendende Verordnung (EU) Maßnahmen und HWI pharma services GmbH (HWI)
2017/745 über Medizinprodukte (EU-MDR) Services erarbeitet inomed Medizintechnik GmbH
verlangt zudem explizit nach einer fortlau- werden, die kleinen MEDAGENT Smart Services GmbH
fenden Marktbeobachtung auf dem Niveau und mittleren Un- MedicalMountains GmbH
Klinischer Studien. Die erfassten Informatio- ternehmen ermög- pantaBio AG
nen müssen nicht nur die Sicherheit, sondern lichen, an dem zu- TZM GmbH
ausdrücklich auch Leistungsdaten beinhalten, kunftsweisendem Universitätsklinikum Jena
die einen Vergleich mit anderen Produkten er- System zu partizi- Universitätsklinikum Leipzig, zusammen mit dem Innovationszentrum
möglichen. Gleichzeitig suchen Kliniken nach pieren und Wett- für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS)
Wegen, ihre Daten effizient sammeln und ana- bewerbsvorteile zu Universitätsklinikum Magdeburg
lysieren zu können, um Diagnose, Therapie, erlangen. Konsor- Weitere Informationen:
Verfahren und Abläufe verbessern zu können. tialvertreter haben www.kiks.ai oder bei der MedicalMountains GmbH
So eint beide Seiten, Hersteller wie Anwender, das KIKS-Vorhaben
der Bedarf einer umfassenden, verlässlichen erfolgreich vor dem
und datenschutzkonformen Datenbasis. Bundesministerium für Wirtschaft und Ener- klinischer Leistungs- und Sicherheitsdaten re-
gie präsentiert und verteidigt. Die Reaktionen duziert den durch die EU-MDR entstandenen
Der Wunsch danach kollidiert allerdings mit haben die Projektpartner in ihren Zielen be- Mehraufwand und fördert die Bereitschaft,
der Wirklichkeit: Die Erfassung, Speiche- stärkt, die ab dem 1. Januar 2020 umgesetzt solche Produkte weiterhin im Portfolio zu hal-
rung und Analyse klinischer Daten trifft auf werden. Basis hierfür wird ein gemeinsam ten beziehungsweise neu zuzulassen – auch
Fachkräftemangel in Industrie und Klinik, Ko- zu entwickelndes digitales Ökosystem sein, das wäre ganz im Sinne des Patientenschut-
stendruck, Rechtsunsicherheit und isolierte das durch modernste Architektur und Sicher- zes und der Patientensicherheit.Sie können auch lesen