Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!

 
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Traumberufe
 Informatik
 Studiere Informatik –
 gestalte die Zukunft!
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Besser zusammenleben
dank Informatik

2   Traumberufe Informatik
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Alles ist verbunden
          In den Städten leben heute
     mehr Menschen auf weniger Raum.
    Das fordert uns heraus und verlangt
    nach neuen Ideen. Vielen Problemen
  ­können wir nur dank der Informatik die
 Stirn bieten: Sie hilft uns, mit den knapper
werdenden Ressourcen effizient umzu­gehen.
     Zum Beispiel bei der Steuerung des
        ­Verkehrs, mit einer effizienten
      ­Energie­verteilung oder durch die
          Erhöhung der Sicherheit bei
                 Gross­anlässen.

                              Traumberufe Informatik   3

                        Editorial

                        Beruf oder Berufung?
                        Informatik ist keine einfache Wissen-              Informatik ist nicht eine abstrakte
                        schaft, sondern eine fordernde – eine           ­ issenschaft für Theoretiker, Informatik
                                                                        W
                        Wissenschaft für Entschlossene, nicht           ist eine konstruktive Wissenschaft, die
                        für Z­ auderer. Informatik ist vor allem        schafft. Informatikerinnen und Informa­
                        eine faszinierende Wissenschaft, eine           tiker bauen funktionstüchtige v ­ irtuelle
                        Wissenschaft für Entdecker, für Gestal­         Welten – und gestalten so die reale Welt.
                        terinnen, für Frauen und Männer, die            Informatikberufe sind Schlüssel­berufe
                        die Welt weiterbringen wollen. Infor­matik      in Dienstleistung und Industrie, in Kultur
                        ist die Leitwissenschaft der Informa­           und Verwaltung, in der ganzen Gesell-
                        tionsgesellschaft.                              schaft. Vor allem sind es kommunikative
                           Aber was ist Informatik wirklich?            Berufe, denn was Informatikerinnen
                        ­Spontan kommt uns in den Sinn: Note-           und Informatiker schaffen, ist von Men-
                         book, Google, Facebook. Sicher hat             schen für Menschen. Erfolgreiche Infor­
                         dies mit Informatik zu tun – so wie Sport      matiklösungen entstehen immer in inter-
                         mit Biologie. Aber Informatik ist viel mehr,   disziplinären Teams.
                         geht viel weiter. Informatik er­­­schliesst       Informatik ist noch eine junge Wis­sen­
                         die Gesetze der Informationsverarbeitung       schaft, oftmals verkannt, aber mit prä­
                         mit Hilfe des Computers. Informatik            gender Wirkung für unsere Zukunft.
                         zeigt Methoden, Möglichkeiten und Gren-        Informatikerinnen und Informatiker sind
                         zen des Computereinsatzes auf. Infor­          Pioniere der Informationsgesellschaft.
                         matik entwickelt Lösungen komplexer            Informatik ist Beruf und Berufung zugleich.
                         Probleme mit Hilfe des Computers und
                         steuert Prozesse, die der Mensch allein        Dr. Paul Kleiner,
                         nie bewältigen könnte.                         Geschäftsführer Hasler Stiftung

                                                                                             Impressum

 Inhalt                                                                                      Herausgeberin: Hasler Stiftung, Hirschen­
                                                                                             graben 6, 3011 Bern, Telefon 031 381 41 41,
                                                                                             Fax 031 381 57 00, contact@haslerstiftung.ch,
                                                                                             www.haslerstiftung.ch

     5      Megatrends Informatik                                                            Projektleitung: Dr. Andrea Leu, Senarclens,
                                                                                             Leu + Partner AG, Zürich Konzept, Design und
                                                                                             Text: Prime, Zürich Redaktionelle ­Mitarbeit:

     8      Berufsfelder Informatik
                                                                                             Annette Kielholz, Ergon AG, Zürich Über­
                                                                                             setzung: Supertext AG, Zürich Fotos: Justin
                                                                                             Hession, Zürich; bitforge AG, Zürich; Migros
                                                                                             Genossenschaftsbund; Stadt Zürich, Schutz &

 24         Umfrage Faszination Informatik
                                                                                             Rettung; Fotoagentur Ex-Press AG, Getty
                                                                                             Images, Keystone, Schweizfotos.com Druck:
                                                                                             Druckerei Lutz AG, Speicher Auflage: 13 500 Ex.
                                                                                             Deutsch, 3500 Ex. Französisch Jahr: 2014

 26         Neun gute Gründe, Informatik zu studieren
                                                                                             Bestellung weiterer Broschüren:
                                                                                             ­Hasler ­Stiftung, Telefon 031 381 41 41,
                                                                                              contact@haslerstiftung.ch
                                                                                              Weitere Informationen: www.it-dreamjobs.ch

 27         Informatik als Schulfach                                                         Die Hasler Stiftung dankt allen Personen,
                                                                                             die an der Erstellung dieser Broschüre beteiligt
                                                                                             waren. Insbesondere geht der Dank an die

 28         Wege in die Informatik
                                                                                             Informatikerinnen und Informatiker, die sich
                                                                                             für die Porträts zur Verfügung gestellt haben.

 4   Traumberufe Informatik
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Megatrends Informatik

Informatik bewegt die Welt
Die Idee, die Denkfähigkeit des menschlichen Gehirns zu erweitern,
um schwierige Probleme zu lösen, beschäftigt die Menschen schon seit
Jahrhunderten. Am Anfang standen einfache Hilfsmittel wie der
Zählrahmen Abakus, später folgten immer komplexere Rechenmaschinen.
Die Erfindung des Transistors – ein elektronisches Bauelement – in
den 1940er-Jahren stellt einen Quantensprung dar. Die ersten modernen
Computer wurden gebaut und haben seitdem unsere Welt in den
unterschiedlichsten Formen durchdrungen.

                       Informatik bewegt die Welt und schafft neue Wel­           der echten unterscheiden kann. Aber auch die
                       ten. Virtuelle Lebens- und Gestaltungsräume setzen         reale Welt ist ohne Informatik nicht mehr denkbar:
                       dort an, wo wir mit herkömmlichen Methoden                 ­Bahnbetriebe können zum Beispiel das Verkehrs­
                       nicht mehr weiterkommen, weil alles viel zu komplex         aufkommen nur bewältigen, weil der Computer sämt­
                       geworden ist. So gewinnen wir mit klassischer               liche Zugsbewegungen «im Griff» hat, bei Ab­wei­
                       ­Physik aus Stauseen Energie – für die effiziente           chungen vom Fahrplan regelnd eingreift und
                        ­Verteilung des Stroms ist aber die Informatik                     ­Störungen be­­reits vor ihrer Entstehung
                         zuständig. Die Biologie erklärt, wie                                    erkennt und darauf reagiert. Ähnliches
                         unser Körper funktioniert, aber erst                                        gilt für Banken, Industrie­unter­
                         die Informatik ermöglicht den                                                  nehmen oder Spitäler.
                         Wissenschaftlern, die Gene des                                                      Dank der Informatik haben
                         Menschen zu entschlüsseln                       Die Informatik                     sich neue Wissensbereiche
90%                      und somit viele biologische
                                                                         setzt dort an,                      entwickelt, andere sind
der heute weltweit       Prozesse, wie die Entste­                                                             zusammengewachsen:
vorhandenen Daten        hung von Erbkrankheiten                  wo wir mit ­herkömm­-                        Die Bioinformatik löst zum
wurden in den            oder Krebs, besser zu                        ­lichen Methoden                        ­Beispiel Fragestellungen
­letzten zwei Jahren
 generiert.
                         ­verstehen. Am radikalsten                  nicht mehr weiter-                       aus den Lebenswissenschaf­
                          hat die Informatik aber unser                                                      ten mit theoretischen com­
                          Kommunikationsverhalten
                                                                            kommen.                        putergestützten Methoden,
                          ­verändert. Informationen sind                                                  und die Mechatronik verknüpft
                           heute immer und überall zugäng­                                             Elemente der Mechanik, der Elek­
                           lich: Google statt Lexika, Naviga­                                       tronik und der Informatik. Und es
                           tionssysteme statt Landkarten, eBay                                  geht weiter: Denn die Informatik bewegt
                           statt Flohmarkt und Skype statt Kabeltelefone.                 und gestaltet unser Leben. In allen Bereichen.
                           Dass all diese Infrastrukturen nur dank Informatik     Täglich. Auf der ganzen Welt. Welche Herausforde­
                           funktionieren, bleibt uns weitgehend verborgen.        rungen erwarten uns wohl in Zukunft?
                              Die Informatik liefert Algorithmen, beschreibt
                           Rechenabläufe, ermöglicht Modellierungen und stellt    Big Data
                           Programme für die Computer zur Verfügung. Sie          Daten sind der Kern der Informationsgesellschaft.
                           schafft neue Realitäten, die wir ohne sie nicht ken­   Je­der Smartphone-Nutzer, jedes Unternehmen und
                           nen würden: Landungen auf fremden Planeten,            viele Maschinen produzieren täglich eine Unmenge
                           Querschnitte durch menschliche Körper, geologische     davon. Allein im öffentlich zugänglichen Internet,
                           Veränderungen unserer Erde im Zeitraffer oder          so schätzen Experten, stehen aktuell Informationen
                           Modellrechnungen für Wetterprognosen, die auch         im Volumen von knapp drei Zettabyte – eine Drei
                           Hurrikans oder Überschwemmungen simulieren             mit 21 Nullen. Alle zwei Jahre soll sich diese unvor­
                           ­können. Visualisierungen und Simulationen erreichen   stellbare Menge verdoppeln. Und noch interes­
                            zum Teil eine so hohe Detailtreue, dass man die       santer: 90 Prozent der heute weltweit vorhandenen
                            vom Computer geschaffene Welt oft nicht mehr von      Daten wurden in den letzten zwei Jahren generiert.

                                                                                                              Traumberufe Informatik   5
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Immer mehr Daten werden in zentralen Rechnern
in der Cloud gespeichert.

                     Sie stammen aus den unterschiedlichsten Quellen:           Internet der Dinge
                     aus Beiträgen auf Social-Media-Sites, digitalen Bil­       Über das Internet kommunizieren nicht nur Men­
                     dern und Videos, Datensätzen zu Kauftransaktionen,         schen miteinander, sondern auch Menschen mit
                     GPS-Signalen von Mobiltelefonen und vielen mehr.           ­Ge­­räten oder Maschinen mit anderen Maschinen,
                          Auch die Wissenschaften und die Medizin stützen        zum Beispiel Haushaltsgeräte, Autos oder Regis­
                     sich zunehmend auf grosse Datenmengen: Senso­               trierkassen. Immer mehr Gegenstände werden mit
                           ren sammeln Klimadaten, Messungen mit hoch­           Minicomputern ausgestattet, die mit dem Internet
                                  komplexen Apparaturen erweitern unser          «sprechen» können. Sie können von Menschen
                                      Wissen von der Welt auf der sub­           über das Netz gesteuert werden oder selbstständig
                                         atomaren wie der kosmologischen         mit­einander interagieren. Im Internet der Dinge
            Bei Big Data                    Skala, bildgebende Verfahren         ­er­­zeugen also nicht mehr nur Menschen Daten,
          geht es um viel                    ­vermitteln Einblicke in das         ­sondern auch Gegenstände. Es endet nicht am Bild­
                                               menschliche Gehirn und seine        schirm eines Internetnutzers, sondern verknüpft
      mehr als um Grösse                       Funktionsweise, Genom­              die physische mit der virtuellen Welt.
      und Menge. Es geht                        analysen und verwandte Ver­           Jeder Gegenstand, jeder Ort kann ein aktiver Teil
    um neue Gestaltungs­-                       fahren revolutionieren unser       des Internets werden. So wie heute jedes Unter­neh­
                                                Verständnis des Lebens.        men, jeder Mensch seine eigene Homepage erstel­
         möglich­keiten in
                                                  Die Analyse dieser grossen   len kann, besitzt im Internet der Dinge jeder einzelne
        fast allen Lebens­                    Datensammlungen, Big Data,       Gegenstand seine eigene virtuelle Identität und kann
              bereichen.                    ist eine grosse Herausforderung,   sie automatisch pflegen. Diese sogenannten smarten
                                          weil es dabei nicht nur um struk­    Dinge sammeln über ihre Sensoren Informationen
                                       turierte Daten wie etwa Verkaufs­       zu ihrem Zustand und zu ihrer Umgebung und geben
                                   zahlen geht, sondern auch um unstruk­       sie an ihr Profil im Internet weiter. Die Anwendungs­
                             turierte wie Bilder und Texte. Unternehmen,       möglichkeiten sind breit und reichen von der Gebäu­
                     Organisationen, wir alle können diese Mengen an           detechnik über die Automobilindustrie bis in die
                     Informationen nur nutzen, wenn sie sinnvoll auf­­         Medizin: So kann in Zukunft ein Hemd, das über
                     bereitet werden.                                          ­verschiedene Sensoren die Symptome eines Herz­

3 Zetta-                  Analyse in Echtzeit ist bei Big Data oftmals
                     ein zentraler Faktor. Bei zeitkritischen Prozessen,
                                                                                anfalls erkennt, automatisch den Notarzt rufen.

byte                 etwa bei der Erkennung von Betrugsversuchen,              Cloud-Computing
 Volumen der         ist eine Minute schon zu lange. Die Daten müssen          Unkompliziert und immer griffbereit: Hat ein Nutzer
 ­aktuellen          bereits während der Übermittlung analysiert               einen Cloud-Dienst auf seinem Heimrechner, seinem
­Informationen       ­werden, um den Schaden begrenzen zu können.              Notebook und seinem Smartphone, ist ein auf
  im Internet         Bei Big Data geht es also um viel mehr als um            dem PC im Arbeitszimmer gespeichertes Foto auto­
                      ­Grösse und Menge. Es geht um neues Wissen und           matisch auch auf allen mobilen Geräten abrufbar.
                       damit um neue Gestaltungsmöglichkeiten in fast          Dokumente, Videos oder Musik stehen so jederzeit
                       allen Lebensbereichen.                                  und überall zur Verfügung – eine Internetverbin­
                                                                               dung vorausgesetzt. Der Trend ist unverkennbar:

6   Traumberufe Informatik
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Immer mehr Rechenleistung, Software und Daten             Der neue Trend wird zu tiefgreifenden gesellschaft­
                   werden vom Computer in die Cloud verlagert.            lichen und wirtschaftlichen Veränderungen führen.
                       Clouds sind Datenspeicher und bieten gleichzeitig  Dank Internet und den sozialen Medien wird die
                   Rechenleistung. Sie haben den Vorteil, dass sie        Sharing-Economy von immer mehr Jungunternehmern
                   ­flexibel sind und der Kunde nur so viel Leistung be­­ in die Praxis umgesetzt. Die Wirtschaftskrise hat
                    zahlen muss, wie er auch nutzt. Zum anderen bie­      dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach «Teil-Ange­
                    ten sie die Möglichkeit, dass verschiedene Personen   boten» steigt. Findige Unter­nehmen führen «Teil-­
                    von überall und mit unterschiedlichen Geräten auf     Willige» gegen eine Gebühr zusammen. Die Nach­
                    die gleichen Daten zugreifen können. Ein weiterer     frage ist bereits so stark gewachsen, dass nun auch
                    Vorteil ist das Online-Back-up, das auch dann noch    grosse internationale Unternehmen einsteigen.
                    da ist, wenn das Mobilgerät verloren geht. Die           Die Sharing-Economy lässt ganze Branchen
                    eigentliche Arbeit läuft auf den Servern. End­geräte  zusammenrücken. Gemeinsam werden Innovationen
Cloud               können auch Smart­phones oder Netbooks sein,          vorangetrieben, beispielsweise zwischen Telekom­
Cloud-Computing     die selbst nur über vergleichsweise                         munikationsanbietern und der Automobil­
ist völlig unab­    geringe Prozessor- und Speicher­                                  industrie. Aber auch auf politischer Ebene
hängig von Ort      ausstattung verfügen. Die                                             birgt Sharing-Economy gros­ses
und Zeit.           Techno­logien, die beim Cloud-                                           Potenzial. So sollen etwa Daten­
                    Computing genutzt werden,                                                  ströme verschiedener Be­­hörden
                    sind nicht neu. Weiter­                      Das Internet                   ausgewertet werden, um die
                    entwickelt und kombiniert,                    endet nicht                     Verwaltung effizienter und
                    ergeben sich aber faszi­                                                      näher am Bürger, an der Bür­
                    nierende neue Möglich­
                                                               am Bildschirm,                     gerin zu gestalten.
                    keiten. Cloud-Computing ist                 sondern reicht
                    komplett unabhängig von                      hinaus in die
                    Ort und Zeit: Überall, wo es
                                                              ­physische Welt.
                    Internet gibt, kann losgelegt
                    werden.

                   Sharing-Economy
                   «Teilen statt haben» ist eine Entwick­
                   lung, die nur über die digitale Welt möglich
                   ist. 1999 erreichte diese Idee mit der Musiktausch­
                   börse Napster erstmals die Massen: Konsumenten
                   teilten – wenn auch nicht legal – Millionen von
                   ­MP3-Files miteinander. Aber Wohnungen, Autos,
                    Bohrmaschinen, Kettensägen, Grills und Hunde?
                    Das wäre damals abwegig erschienen. Nun erfasst die
                    Sharing-Bewegung die Welt der breiten Öffentlichkeit.

                                                                                                       Traumberufe Informatik   7
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Nachhaltigkeit inklusive:
                              Dank Online-Information
                              und -Buchung wird günstiges
                              und umweltfreundliches
                             ­Reisen einfacher.

8   Traumberufe Informatik
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Berufsfelder Informatik

Usability von Anfang an:
Wie jeder zu seinen
Traumferien kommt
Hätte Timo nicht Informatik studiert, wäre seine Wahl auf Politik­
wissenschaft gefallen. Heute entwickelt er Benutzeroberflächen von
Applikationen, die für alle einfach bedienbar sind.

                     «Ich habe schon im Gymi Computer für Games, aber           zu Wissen und kritischen Informationen verschafft.
                     auch für Präsentationen eingesetzt.» Zufällig bekam        Und ich bin dann dafür zuständig, dass sie diese
                     er einen Informationsflyer der ETH Lausanne in die         Informationen auch einfach verstehen können.
                     Hände. «Der Studiengang Kommunikationssysteme
                     klang interessant. Ich hatte damals keinen klaren
                     Berufswunsch, wusste nur, dass ich frei und kreativ
                     arbeiten und gleichzeitig etwas Konkretes schaffen
                     möchte. Ausserdem dachte ich, dass man damit sicher
                     gute Job- und Lohnaussichten hat.»
                        Heute entwickelt Timo als User-Experience-
                     Architect Benutzeroberflächen von Applikationen
                     für das Web, Tablets und Mobiltelefone. Sein Kon­
                     zept und seine Skizze legen fest, wie man sich zum
                                                                                  Timo Würsch, 33
                     Beispiel von der Feriensuche über die Vorauswahl             Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                     der schönsten Orte bis hin zur Ferienbuchung und             Schwerpunkt Latein; Bachelor in Kom­
                     Zahlung durch eine Applikation bewegt. «Bei mei­             munikationssysteme, EPFL (2002–2007);
                              ner Arbeit steht die Benutzerfreundlichkeit         Master in Informatik, ETH Zürich
                                    der ­tech­nischen Geräte im Vorder­           (2007–2010)
                                                                                  Laufbahn: Entwickler, Schweizerische
                                        grund.» Ausserdem schätzt er die
                                                                                  Bankiervereinigung (2002–2003);
                                           Abwechslung in seinem Beruf.
                «Das                            Der Lohn und der gesicherte
                                                                                  ­Application-Architect, Unic AG (2010–
                                                                                   2011); User-Experience-Architect,
       Tolle an meinem                        Karriereweg sind Timo inzwi­         Zeix AG (seit 2013)
        Beruf ist, dass                         schen nicht mehr so wichtig.
                                                «Viel wichtiger ist mir, dass     User-Experience-Architect
   ­Informatik, Kreativität                     ich den Freiraum zu experi­       Ein User-Experience-Architect stellt
      und Alltagsnutzen                         mentieren habe und dass           sicher, dass eine Applikation für Web
                                                                                  oder Mobiltelefon benutzerfreundlich
     zusammen­kommen.»                          ich nicht nur das Produkt,
                                                                                  und selbsterklärend ist. Er befasst sich
                                               sondern auch die Firma mit­
             Timo Würsch,                                                         dabei ausschliesslich mit dem Front­
                                              gestalten kann. Mit meiner
       User-Experience-Architect                                                  end, das heisst der Benutzeroberfläche
                                            Arbeit will ich dazu beitragen,       von Applikationen. User-centered
                                          dass kom­­plizierte Technik so          Design stellt übliche IT-Projektprozesse
                                      ­einfach zugänglich wird, dass sie          auf den Kopf, da die User-Experience-
                                  jeder und jede sinnvoll nutzen kann.»           Architects zuerst eine gut verständ­liche
                              Timo will einmal Technologie nutzen kön­            Benutzeroberfläche entwickeln und
                     nen, um einen Beitrag zur Lösung aktueller Probleme          damit die technische Umsetzung mit­
                                                                                  bestimmen.
                     unserer Gesellschaft zu leisten. «Ich denke bei­
                                                                                  Website: www.arstechnica.com ist
                     spielsweise an Themen wie nachhaltigen Tourismus             schon seit vielen Jahren meine Haupt­
                     oder Arbeits­losigkeit. Hier kann IT entscheidend            quelle für Technologie-News.
                     zur Lösung beitragen, indem sie Menschen Zugang

                                                                                                              Traumberufe Informatik   9
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Chef eines Start-ups zu sein,
ist harte Arbeit, macht aber
auch viel Spass.

                       Studium als Sprungbrett
                       in die Selbstständigkeit
                       Die vielversprechenden Berufsaussichten beweg-           In der Nähe des Basler Flughafens aufgewachsen,
                       ten Daniel Moser dazu, Informatik zu studieren.       träumte Daniel als Kind davon, Pilot zu w ­ erden.
                       Später merkte er, dass seine Ausbildung auch eine     Hoch hinaus wollte er auch noch im Erwachsenen­
                       gute Grundlage ist, um sich selbstständig zu          alter. «Ich suchte eine sichere Stelle mit einem
                       machen.                                               hohen Einkommen und guten Karriereaussichten.»
                                                                             Diese fand er und arbeitete vier Jahre als Software-
                    «Computer haben mich schon in meiner Jugend fas­         Ingenieur im Angestelltenverhältnis. Ein eigenes
                    ziniert. Ich begeisterte mich für Spiele, Bild- und      Unter­nehmen zu gründen, konnte er sich damals
                                  Videobearbeitung und experimentierte       nicht vorstellen: «Meine Eltern waren beide An­­
                                       mit allen möglichen Programmen.»      gestellte, Selbstständigkeit war bei uns in der Fami­­­
                                           Ein Informatikstudium lag da      lie kein Thema.»
                                              nahe, denn Daniel wollte ein
               «Die guten                       umfassenderes Verständnis    Jungunternehmerkurs besucht
                                                 für Computer entwickeln.    «Als ein Kollege ein Start-up gründete, begann ich
         Berufs­aussichten
                                                  Andererseits interes­      mich für das Unternehmertum zu interessieren.»
      waren ausschlag­gebend                      sierten ihn auch Natur­    Daniel belegte den Jungunternehmerkurs Venture
       für meinen ­Entscheid,                      wissenschaften wie        Challenge der Eidgenössischen Förderagentur für
           ­Informatik zu                          Physik und Chemie. «Die   Innovation KTI. Er entwickelte die Geschäftsidee für
                                                  guten Berufsaussichten     seine heutige Firma quitt.ch: eine Online-Plattform,
              ­studieren.»                        waren schliesslich aus­    die sich um die korrekte Anstellung von Haushalts­
                Daniel Moser,                    schlag­gebend für meinen    hilfen für Private kümmert. «Ich arbeite mehr und
             CEO eines Start-ups                Ent­­scheid, Informatik zu   verdiene weniger als früher, aber meine Arbeit ist
                                             studieren.»                     kreativer und macht mehr Spass.»

10   Traumberufe Informatik
Traumberufe Informatik - Studiere Informatik - gestalte die Zukunft!
Mit Tablets kommt die
                                                Bank heute zum Kunden.

  Daniel Moser, 31

                                             Zusammenspiel von
  Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
  Schwerpunkt Naturwissenschaften;
  Grundstudium Informatik, ETH Zürich

                                             Bankwissen und Informatik
  (2000–2002); Master in Informatik,
  ETH Zürich (2002–2006); Jungunter­
  nehmerkurs Venture Challenge (2010)
  Laufbahn: Software-Ingenieur, Zühlke
  Engineering AG (2006–2010); CEO
  ­ServiceHunter AG/quitt.ch (seit 2010)     Kristina Rusnak wollte immer Bank-
                                             kauffrau werden. Als sie es war,
  CEO eines Start-ups
                                             merkte sie, dass Informatik sie viel
  Die Idee für sein Start-up quitt.ch ent­   stärker interessierte. Als Business-­
  wickelte Daniel Moser in einem Jung­       Analystin verbindet sie die Erfahrung
  unternehmerkurs. Heute hilft die Online-   aus beiden Welten.
  Plattform quitt.ch Privatpersonen,
  ihr Arbeitsverhältnis mit Putzpersonal,                                                     Kristina Rusnak, 33
                                             Als Auszubildende bei der Dresdner Bank
  Babysittern oder Nachhilfelehrern                                                           Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                                             schaffte Kristina den Einstieg in ihre           Schwerpunkt Englisch und Mathematik;
  ­korrekt anzumelden und fortlaufend
   zu administrieren. Ziel ist es, Arbeit­   Wunschbranche. Nach dem BWL-Studium              Diplom-Betriebswirtschaft, Fachhoch­
   gebern das Leben zu erleichtern und       arbeitete sie bei der Deutschen Bundes­          schule der Deutschen Bundesbank
   Angestellten ein faires Arbeitsverhält­   bank, wechselte dort intern und betreute         (2001–2004); Diplom-Wirtschafts­
   nis zu ermög­lichen. Das Start-up         die Handelsraum-IT. «Ich war zuständig           informatik, AKAD Fachhochschule
   ist schweizweit tätig und beschäftigt                                                      ­Pinneberg (2006–2012)
                                             für die Instandhaltung der Hard- und Soft­
   sechs Mitarbeitende.                                                                        Laufbahn: Auszubildende / Sachbear­
                                             ware. Diese praktische Tätigkeit gefiel           beiterin, Dresdner Bank AG (­1998–
   Website: www.meteoschweiz.ch bzw.
                                             mir ausgezeichnet.»                               2001); Sachbearbeiterin Bundesbank
   die neue MeteoSwiss App – dank der
   Radar­informationen kann ich meinen            Kristina fühlt sich heute in der Informa­    (2001–2006); Business-Analystin/Busi­
   Weg zur Arbeit jeweils optimal planen.    tikbranche am richtigen Ort. «Das enge            ness-Consultant, Avaloq Evolution AG
                                             Zusammenspiel von Bankwissen und IT               (seit 2007)
                                             hat mich fasziniert. Ich sah darin ein
                                             ­grosses berufliches Potenzial.» Kristina        Business-Analystin
   Es sind die interdisziplinären Tätig­      begann ein berufsbegleitendes Stu­              Die Business-Analystin definiert zu­­
keiten, die Daniel am Unternehmertum          dium in Wirtschaftsinformatik und wech­         sammen mit den internen oder exter­
                                                                                              nen Kunden die Anforderungen an
faszinieren: die Verbindung von Tech­         selte bald in die Schweiz zu Avaloq,
                                                                                              ein Projekt und übersetzt diese in Infor­
nik und Kommerzialisierung von Dienst­        einem Spezialisten für Bankensoftware.          matikprozesse. Kristina Rusnak führt
leistungen. Im Informatikstudium hat              Heute entwickelt sie als Business-­         unter anderem neue Funktionen im
er sich abstraktes Denkvermögen ange­         Analystin neue Funktionalitäten im Be­­         Bereich der komplexen Finanzderivate
eignet. «Das war für den Firmenaufbau         reich der komplexen Finanzderivate und          ein, um die Wettbewerbsfähigkeit des
sehr nützlich, denn da muss man sys­          kann so ihr Bankwissen ideal mit dem            Avaloq Banking Systems zu erhöhen.
tematisch vorgehen.» Ausserdem gebe           ­IT-Know-how verbinden. «Zu einem Traum­        Website: www.netvibes.com – mein
                                                                                              mobiles Web-Entry-Portal. Man richtet
ihm das Informatikstudium Sicherheit.          job gehört für mich, die konkreten Aus­
                                                                                              sich sein Dashboard mit Widgets ein
«Wenn es mit der Selbstständigkeit nicht       wirkungen meiner Arbeit zu sehen. Ich          und kann darauf von jedem Rechner
klappt, finde ich jederzeit wieder eine        muss das Gefühl haben, dass die Ergeb­         zugreifen.
attraktive Anstellung als Informatiker.»       nisse meiner Tätigkeit nützlich sind.»

                                                                                                           Traumberufe Informatik    11
Der Veloplan
leitet Drahtesel sicher
durch die Stadt.

                                                                                               Anna Birnstein, 29

IT-Teamplayerin statt                                                                          Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                                                                                               Schwerpunkt Naturwissenschaften
                                                                                               (Spanien); Bachelor in Betriebswirt­
Gesangssolistin                                                                                schaftslehre, Europäische Wirtschafts­
                                                                                               akademie Madrid (2003–2006); Master
                                                                                               in Wirtschaftsinformatik, Otto-Fried­
                                                                                               rich-Universität Bamberg (2010–2013)
Anna Birnstein fiel die Studienwahl           Solutions.» Die Arbeit als Ansprechpart­         Laufbahn: Financial Controller, Siemens
schwer, denn sie hat viele Interessen.        nerin für andere End-User machte ihr viel        S.A. Madrid (2003–2007); Service-
Heute bringt sie als Solution-Consultant      Spass. Deshalb entschloss sie sich, den          und Solutions-Accountant/Junior-R&D-­
                                                                                               Controller, Ciba AG/BASF AG Basel
für SAP-Anwendungen ihre fachlichen           Master in Wirtschaftsinformatik zu machen.
                                                                                               (2007–2012); Solution-Consultant,
und menschlichen Qualitäten ein.                                                               asem group ag Zürich (seit 2012)
                                              «Jedes Unternehmen tickt anders»
Anna ist über Umwege zur Informatik           Heute berät Anna als Solution-Consultant
                                                                                               Solution-Consultant
gekommen. Sie sang leidenschaftlich           bei der asem group Kunden unterschied­           Als Solution-Consultant bei der asem
gerne, engagierte sich im Schulchor und       licher Branchen und erhält dadurch               group betreut Anna Birnstein SAP-
trat als Solistin auf. Musicalsängerin,       ­Einblick in viele Bereiche. «Jedes Unter­       Beratungsprojekte im Bereich des Port­
aber auch Schreinerin oder Goldschmie­         nehmen tickt anders, hat eine andere            folio- und Projektmanagements. Sie
din hätte sie sich vorstellen können.          Sprache und Kultur.» Sie passt zum Beispiel     führt Istanalysen durch, zeigt Opti­­mie­
«Ich wollte einfach keinen eintönigen Job.»    SAP-Anwendungen an die Bedürfnisse              rungs­potenzial auf und erstellt an­­
                                                                                               schliessend das Sollprozessmodell und
   Das Interesse für Informatik weckte         eines Kunden an, der unter anderem für
                                                                                               den Ergebnis­bericht.
ihre erste Stelle bei Ciba in Basel. «Dank     den städtischen Veloplan zuständig              Website: www.chip.de bietet die neu­
meiner guten SAP-Kenntnisse wurde              ist. Ziel ist hier die optimale Planung des     esten Nachrichten aus der IT-Welt.
ich Power-Userin im Bereich Services and       Velonetzes.

                                              Vom Automechaniker
                                              zum Doktoranden
                                              Michael Schläpfers Berufsweg ist                  Sein Berufsweg führte Michael jedoch
                                              unkonventionell: Zuerst absolvierte er         erst auf Umwegen zur Informatik. Da ihn
                                              eine Lehre als Automechaniker, heute           Autos begeisterten, absolvierte er eine
                                              schreibt er an der ETH seine Doktor­           Lehre als Automechaniker mit anschlies­
                                              arbeit zu E-Voting in der Schweiz. In          sender Berufsmaturität. Schon während
                                              Zukunft würde er gerne in der Auto­            der Lehre besuchte er Informatikkurse.
                                              mobilbranche arbeiten, da dort Infor-          Danach stand für ihn fest, dass er Infor­
                                              matik immer wichtiger wird.                    matik studieren wollte. «Das Berufs­
                                                                                             feld der Informatik ist gross und facet­
                                              Michael hatte schon früh einen konkre­         tenreich. Zudem stehen einem damit
                                              ten Berufstraum. «Mich faszinierten trag­      viele Türen offen, auch wenn man noch
                                              bare Computer. Irgendwann wollte ich           kein konkretes Berufsziel hat.» Nach
                                              einen Beruf ausüben, bei dem ich einen         dem Bachelor an der ZHAW in Winterthur
                                              Portable Computer benutzen kann.»              wechselte er für das Masterstudium
                                              Auf sein Drängen hin schenkten ihm die         an die ETH Zürich und vertiefte sich im Be­­
     Elektronisch abstimmen                   Eltern schliesslich einen Commodore 64.        reich Informationssicherheit. «Ich bin
     wird bald zur Realität                   «Für mich tat sich eine neue Welt auf.         überzeugt, dass gerade die Informations­
     in der Schweiz.                          Ich war auf Anhieb begeistert und lernte       sicherheit in vielen Branchen an Bedeu­
                                              die Programmiersprache BASIC.»                 tung gewinnen wird.»

12    Traumberufe Informatik
Top-Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Für Michael ist seine Forschungsarbeit
im Projekt «Vote électronique» der Schwei­­
zerischen Bundeskanzlei ein Traumjob:
«Ich kann Neues lernen, Neues entdecken,
Neues schaffen.» Er blickt erwartungsvoll
in die Zukunft. «Immer wieder bekomme
ich Jobangebote und erlebe auch bei Ar­­
beitskollegen, dass Informatiker auf dem
Arbeitsmarkt ausgezeichnete Chancen
haben.» Sein Ziel ist, nach Abschluss sei­
ner Doktorarbeit in die Privatwirtschaft
zu wechseln. «Am liebsten würde ich in
der Automobilbranche arbeiten. IT-gesteu­
erte Assistenzsysteme werden dafür
­sorgen, dass es in Zukunft viel weniger         Safety first: Fabio Ferrari ist für alle
 Unfälle gibt.»                                  internen Zugriffsberechtigungen
                                                 ­verantwortlich.

                                              Im Herzen der Firma
                                              Früher verwandelte Fabio Ferrari
                                              Mixer oder Kaffeemaschinen in fern­
                                              gesteuerte Multifunktionsgeräte.
  Michael Schläpfer, 35                       Heute schätzt er an seinem IT-Job nicht
  Ausbildung: Berufslehre Automecha­          nur die kreative Freiheit, sondern
  niker mit Berufsmaturität; Bachelor in      auch die grosse Verantwortung und
  Kommunikation und Informatik, Zürcher
                                              die guten Aufstiegsmöglichkeiten.
  Hochschule für Angewandte Wissen­
  schaften (ZHAW) (2002–2005); Master
  in Informatik, ETH Zürich (2006–2009);      Elektronische Geräte fand Fabio schon
  Doktorat in Informationssicherheit,         als Junge faszinierend. «Ich schraubte
  ETH Zürich (2009–2014)                      funktionstüchtige Haushaltsgeräte ausei­      Fabio Ferrari, 29
  Laufbahn: Automechaniker; Wissen­           nander und baute sie wieder so zusam­         Ausbildung: Informatiklehre mit
  schaftlicher Assistent, Institut für                                                      Berufsmaturität; Bachelor in Computer
                                              men, dass zeitgesteuerte Kaffeemaschinen
  angewandte Informationstechnologie,                                                       Science, Hochschule ­Rapperswil (HSR)
  ZHAW Winterthur (2005–2006); Dok­
                                              oder tickende Mixer entstanden.» Später       (2005–2008); Master in Business Admi­
  torand und wissenschaftlicher Assistent,    bestätigte der Berufsberater, dass er das     nistration and Engineering, Hochschule
  Institute of Information Security,          Rüstzeug für eine Informatiklaufbahn          für Angewandte Wissenschaften
  ETH Zürich (seit 2009)                      hat. «Schon nach dem ersten Tag in der        St. Gallen (FHS St. Gallen) (2010–2012)
                                              IT-Schnupperlehre war mir klar: Ich will      Laufbahn: Software-Ingenieur, Metrohm
                                              Informatiker werden.»                         AG (2008–2010); Leiter Identity- und
   Wissenschaftlicher Assistent
                                                                                            Access-Management-Systeme, Raiffeisen
  ­Information Security                          Nach Lehrabschluss und Berufsmaturität
                                                                                            Schweiz (seit 2010)
   Als Doktorand und wissenschaftlicher       entschied sich Fabio für ein Bachelor­
   Assistent am Institut für Informations­    studium in Computer Science. Zwei Jahre
   sicherheit ist Michael Schläpfer mit                                                     Leiter Identity- und Access-­
                                              später hängte er ein Wirtschafts-Master­
   einem 100-Prozent-Pensum an der ETH                                                      Management-Systeme
   Zürich angestellt. Er hat einen Lehr­      studium an. Heute leitet Fabio die Gruppe     Unternehmen arbeiten häufig mit sen­
   auftrag im Bereich Informationssicher­     Identity- und Access-Management-­             siblen Daten. Je grösser ein Unter­
   heit und arbeitet zudem an seiner          Systeme bei der Raiffeisen Bank. «Ich bin     nehmen ist und je sensibler die Daten
   Doktor­arbeit zum Thema Informations­      unter anderem für sämtliche Be­rechti­        sind, desto wichtiger ist die Verwaltung
   sicherheitsgrundlagen im Rahmen des        gungen aller Bankmitarbeitenden verant­       von Identitäten und Berechtigungen.
   Projekts «Vote électronique» der           wortlich.» Fabio und sein Team arbeiten       Die Identity- und Access-Management-­
   Schweizerischen Bundeskanzlei.                                                           Systeme (IAM-Systeme) gewährleisten,
                                              je nach Projekt mit unterschiedlichen
   Website: Unter www.e-voting-cc.ch                                                        dass nur dazu autorisierte Personen
   ­findet man aktuelle Informationen zu      Abteilungen zusammen. «Wir sind mitten        Daten­zugriff erhalten.
    E-Voting aus Sicht der Wissenschaft.      im Geschehen und haben diverse interne        Website: www.ebookers.ch
                                              Kunden und Ansprechpartner.»

                                                                                                         Traumberufe Informatik   13
Bild: Schutz & Rettung

                                                                                                                                    Schutz & Rettung ist dank
                                                                                                                                    IT im Notfall schnell vor Ort.

                                               Am Puls des Lebens
                                               Die Einsatzleitzentrale ist das Hirn von Schutz &        forderungen an diesen Beruf sehr hoch. «Wir
                                               Rettung Zürich. Und eine funktionierende IT die          ­brauchen die besten und viel­seitigsten Leute.»
                                               Voraussetzung für deren reibungs­losen Betrieb                 Philipp hat sich für ein Studium als Wirtschafts­
                                               und Weiterentwicklung. Philipp Vontobel leitet            informatiker entschieden, weil dieses Studium
                                               eines der drei IT-Teams von Schutz & Rettung.             ­in­­terdisziplinär ist. Der Fokus liegt zwar auf der
                                                                                                          In­formatik, aber auch BWL und VWL werden
                                              Bereits in der Primarschule wurde Philipp mit dem           ­vertieft. «Danach spricht man sowohl die Sprache
                                              Computervirus infiziert: «Wir hatten damals einen            der Informatik als auch die der Wirtschaft. Da­­
                                              ausgemusterten Mac Classic zu Hause. Zuerst inter­           durch öffnet man das Tor zu einer ganzen Palette
                                              essierte ich mich nur für Games, später auch für             spannender Jobs.»
                                                           Textverarbeitung. Dies führte während
                                                                der Kantizeit zu diversen Support-      Junger Teamleiter
                                                                    und Beratungsaufträgen im           Mit 30 Jahren leitet Philipp bereits ein Team von
                                                                      Bekannten- und Verwandten­        vier IT-Projektleiterinnen und -Projektleitern bei
                                    «Informatik ist                     kreis.»                         Schutz & Rettung. In dieser Funktion ist er mit di­­ver­
                                                                            Als Kind träumte Philipp    sen Ab­­tei­­lungen der Stadt in Kontakt: «Ich bin
                                  DER Querschnitts-                       davon, Fussballer oder        immer wieder überrascht ob der enormen Vielfalt
                                fachbereich. Überall,                      Fussballtrainer zu werden.   innerhalb der Stadtverwaltung. Es gibt wohl
                                 wo etwas passiert,                        Heute sagt er: «Informa­     keine Berufsgattung, die nicht irgendwo in der Stadt
                                                                           tiker ist mein Traum­        im Einsatz steht. Ich erlebe das Umfeld als sehr
                                sind wir mitten drin.»                     beruf. Die Informatik ist    dynamisch – es läuft immer etwas.»
                                       Philipp Vontobel,                  DER Querschnittsfach­           Für die Zukunft erwartet Philipp, dass die Infor­
                                   Stv. Abteilungsleiter ICT/            bereich. Überall, wo etwas     matik in weitere Bereiche unseres Lebens vordringt
                                          Teamleiter                    passiert, sind wir mitten       und dabei mit anderen Disziplinen verschmilzt,
                                                                      drin.» Deshalb seien die An­­     auch in seinem Berufsfeld. So könnte zum Beispiel

                         14   Traumberufe Informatik
Energie wird in Zukunft über
                                                  Informatiknetzwerke verteilt.

  Philipp Vontobel, 30
  Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                                              Verschiedene Interessen
  Schwerpunkt Wirtschaft und Recht;
  Master in Wirtschaftsinformatik,
  ­Universität Zürich (2003–2008)
                                              unter einen Hut bringen
   Laufbahn: Accountant und IT-Spezia­
   list, A Plus Reinigungen GmbH (2003–
   2007); Stv. Abteilungsleiter ICT/Team­
   leiter ­Projekte, Stadt Zürich, Schutz &   Regina Dietiker war früher das einzige
   Rettung (seit 2007)                        Mädchen in ihrem Umfeld, das sich
                                              für Computer interessierte. Heute leitet
  Stv. Abteilungsleiter ICT/                  sie komplexe Informatik-Entwicklungs-
  Teamleiter Projekte                         projekte für Grosskunden.
  Philipp Vontobel arbeitet am Puls der
  Stadt Zürich, denn bei Schutz & Ret­
                                              Computer haben Regina fasziniert, seit       Regina Dietiker, 35
  tung geht es oft um Leben und Tod.
  Nur wenn die Einsatzleitzentrale ein­
                                              ihr Vater den ersten Rechner in seinem       Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                                              Geschäft angeschafft hat. «Weil ich          Schwerpunkt Latein; Bachelor in Infor­
  wandfrei funktioniert, kommen
                                              den Computer so oft in Beschlag nahm,        matik, Verteilte Systeme, Applikations­
  Rettungs­wagen und Feuerwehrautos
                                                                                           entwicklung, Fachhochschule Nord­
  rechtzeitig an ihren Einsatzort. Ohne       schenkten mir meine Eltern schliesslich
                                                                                           westschweiz (FHNW) (2000–2003)
  Informatik wäre das unmöglich.              einen eigenen, auf dem ich herumtüfteln      Laufbahn: Projektleiterin für
  Website: www.golem.de ist meine             konnte.»                                     Informatik-Entwicklungsprojekte,
  erste Anlaufstelle für IT-News. Sie
                                                In ihrer Jugend wollte Regina Archäo­      Zühlke ­Engineering AG (seit 2004)
  deckt von Business bis Unterhaltung
  die gesamte Bandbreite ab und bringt        login werden. Später überlegte sie sich,
  auch mal gesellschaftliche Themen auf.      an der Uni Geschichte, Latein oder Jura zu   Applikationsentwicklerin
                                              belegen. Schliesslich entschied sie sich     Applikationsentwickler sind in Soft­
                                              für Informatik: «Ich wollte etwas Prak­ti­   ware-Entwicklungs-Unternehmen,
                                              sches studieren, etwas, mit dem man          ­Versicherungen, Banken und anderen
die Beschaffung einer neuen Feuerwehr­        einen konkreten Beruf ausüben kann und        grös­seren Unternehmen tätig. Sie
                                                                                            erstellen Anwendungen für spezifische
uniform zum Informatikprojekt werden,         eine sichere Stelle findet.»
                                                                                            Probleme. Im Team mit anderen Fach­
denn neue Technologien erlauben es,             Als Projektleiterin für Informatik-Ent­     personen sind sie am gesamten Prozess
die Anzüge mit Hitzewarnmeldern auszu­        wicklungsprojekte bei Zühlke Engineering      von der Bedürfnisabklärung über die
rüsten, die laufend Daten an die Einsatz­     AG hält Regina alle Fäden in der Hand.        Entwicklung und das Testing bis zur Ein­
leitzentrale liefern.                         Sie entwickelt etwa Applikationen für ein     führung bei den Anwendern beteiligt.
   «Den klassischen Informatiker gibt es      neues Backoffice-System bei einem Ener­­­     Zu jeder Anwendung erstellen sie auch
schon lange nicht mehr», sagt Philipp.        gie­­dienstleister oder ein Programm für      eine ausführliche Dokumentation.
                                                                                            Website: www.tchibo.ch/ ist eine sehr
«Das ist höchstens noch ein Sammel­begriff    das Verwalten von Privatbuch­haltungen.
                                                                                            übersichtliche Shoppingwebsite. Hier
für eine enorme Vielfalt von Berufen          «Mir gefällt es, mit Vertretern verschie­     kann man nach Herzenslust stöbern und
an der Schnittstelle zwischen Technolo­       dener Fachbereiche eines Unternehmens         sich inspirieren lassen.
gie und unserem Leben.»                       ein komplexes Problem zu lösen.»

                                                                                                        Traumberufe Informatik    15
Gehört heute zum
­Standard: E-Banking
 über das ­Smartphone.

Übersetzerin zwischen                                                                          Isabel Nünlist, 33
                                                                                               Ausbildung: Bauzeichnerlehre BMS;
                                                                                               Bachelor in Betriebsökonomie FHNW
Business und Informatik                                                                        (2003–2006); Master in Business
                                                                                               ­Analysis ZHAW (2011–2012)
                                                                                                Laufbahn: Business-Analyst und
                                                                                                ­Project-Manager, UBS Credit Risk
Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte          ihr Spass, doch sie wollte sich weiter­             ­Solutions (2006–2010); Senior-­
zunehmend über E-Banking und Mobile          entwickeln. Massgeschneiderte Lösungen               Business-Analyst, UBS e-Banking &
Banking. Isabel Nünlist sorgt als IT-        für komplexe Bedürfnisse zu ent­wickeln,             Mobile Banking (seit 2010)
Business-Analystin bei UBS dafür, dass       findet sie spannend: «Als IT-Business-­
diese Applikationen möglichst viele          Analystin kann ich genau das tun. Es ist          IT-Business-Analystin
­Kundenbedürfnisse abdecken.                 wie Spezifikationen für den Bau eines             Der Erfolg eines IT-Projekts hängt
                                                                                               massgeblich davon ab, dass die IT-
                                             Hauses fest­zulegen: Wie viele Zimmer be­­
                                                                                               Business-Analystin die Kunden­
Computer faszinierten Isabel bereits als     nötigt der Kunde, wie gross muss die              bedürfnisse m­ öglichst präzise erfasst
Kind, aber sie kam aus purem Zufall zur      Garage sein?»                                     und danach in Informatikprozesse
Informatik. «Während meines Studiums            Bei ihrem jetzigen Job analysiert und          übersetzt. Für diese Brückenfunktion
landete ich durch einen Studentenjob in      ­definiert Isabel in enger Zusammenarbeit         zwischen ­Fachbereich und Informatik
der IT-Abteilung von UBS.» Dort gefiel        mit den Software-Entwicklern, wie sich           sind eine hohe Sozial- und Kommu­
                                                                                               nikations­kompetenz, ein aus­geprägtes
es ihr so gut, dass sie nach dem Abschluss    die Bedürfnisse der Kunden technisch um­­­­­
                                                                                               analy­tisches Denken sowie gestalteri­
als IT-Business-Analystin bei der Bank        setzen lassen. «Ich muss aktiv zuhören,
                                                                                               sches Flair notwendig.
einstieg.                                     analytisch denken, Zusammenhänge und             Website: www.nationalgeographic.com –
  Ursprünglich absolvierte Isabel eine        Auswirkungen erkennen sowie geschickt            einfach grossartig und inspirierend!
Lehre als Bauzeichnerin. Der Beruf machte     verhandeln.»

                                             Der Mann, der bei der
  Bild: Keystone

                                             SBB alles verknüpft
                                             Jamie Townsend war einer der ersten                Eigentlich wollte er als Kind Pilot
                                             Informatikstudenten von Queensland.             ­ er­­den. «Mittlerweile bin ich zumindest
                                                                                             w
                                             Heute sorgt der Australien-Schweizer            Gleitschirmpilot.» Die Faszination für
                                             dafür, dass bei der SBB die Informatik-         ferne Länder und fremde Kulturen hat
                                             systeme miteinander sprechen.                   ihn jedoch nicht losgelassen. Dank sei­­­
                                                                                             ner ­IT-Jobs ist er viel in der Welt herum­
                                             «Technik hat mich schon immer faszi­            gekommen.
                                             niert – bereits als kleiner Junge habe ich         Der Umzug von Australien in die
                                             blinkende LED oder Radios gebastelt.»           Schweiz ist Jamie dank der Informatik
                                             Jamie war im australischen Queensland           leicht gefallen. «IT ist eine Sprache,
                                             einer der Ersten, der Informatik stu­           die überall auf der Welt verstanden wird.»
                                             dierte. «Der Arbeitsmarkt für Informa­          Mittlerweile ist er eingebürgert und
     Der pünktlich eingehaltene
                                             tiker war damals sehr beschränkt.               spricht Berner Dialekt. «Bei meinen Freun­
     Taktfahrplan der SBB
     wird weltweit bewundert.                ­Trotzdem haben meine Eltern meine              den bin ich als der Australier be­­kannt,
                                              ­Studienwahl unterstützt.»                     der schweizerischer als die Schweizer ist.

16                 Traumberufe Informatik
Christian entwickelt
                                                 genau auf den Kunden
                                                 zugeschnittene
                                                 ­Lösungen.

  Jamie Townsend, 39
  Ausbildung: Bachelor in Information
  Technology, University of Queensland,
  Australien
  Laufbahn: Solutions-Consultant, Pro­
  gress Software Australia (1999–2001);
  Senior-Software-Architect, Progress
  Software AG (2002–2010); Integra­tion-
  Architect und Teamleiter Software-
  Engineering und Integration-Technolo­
  gies-Team, SBB (seit 2011)
                                               Software-Entwickler
  Integration-Architect
  Als Integration-Architect implementiert
  Jamie Townsend mit seinem Team
                                               sind Teamplayer
  die sogenannte Middleware. Diese Ver­
  mittlungssoftware verknüpft viele            In der Primarschule wollte Christian        Freiheit beim Vorgehen und die abwechs­
  Informatik­­anwendungen innerhalb der
                                               Gegenschatz Erfinder werden. Heute          lungsreichen Projekte machen meinen Job
  SBB miteinander. Middleware stellt
  eine Ebene in einem komplexen Soft­          baut er als Software-Entwickler kom-        als Software-Entwickler zum Traumjob.»
  ware-System dar, die als Dienstleister       plexe Software-Anwendungen. Die
  anderen, nicht miteinander verbunde­         Teamarbeit steht bei der Lösungsfin-
  nen Software-Komponenten den                 dung im Mittelpunkt.
  Daten­­austausch und die Datensynchro­
  nisation ermöglicht.                         Als Kind träumte Christian davon,
  Website: www.slashdot.org ist eine
                                               Maschinen zu erfinden, die auf Knopf­
  Mischung aus einem webbasierten
  Nachrichtenticker und einem Weblog           druck Probleme für ihn lösen. Im Gymna­
  mit Fokus auf technische Neuigkeiten.        sium faszinierte es ihn, dass er für kom­
                                               plizierte Mathegleichungen seinen pro­
                                               grammierbaren Taschenrechner einset­
                                               zen konnte. Er entschied sich für ein         Christian Gegenschatz, 33
Ich liebe die Alpen, interessiere mich für     Informatikstudium an der ETH. «Das ist        Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
Schweizer Geschichte, jodle gerne und          eine ausgezeichnete Basis für meinen jet­     Typus C mit Schwerpunkt Mathematik;
habe auch schon Alphorn ge­­blasen.»           zigen Beruf. Software-Entwicklung hat         Master Informatikingenieur ETH Zürich
    Bei der SBB leitet Jamie ein zehnköpfi­    viel mit meinem früheren Traumberuf zu        (1999–2004)
ges Team, das für die Verknüpfung der          tun: Kunden kommen mit einem Problem,         Laufbahn: Software-Entwickler, Ergon
                                                                                             Informatik AG (seit 2004)
internen Informatiksysteme zuständig           und wir müssen eine genau auf sie zuge­
ist – vom Fahrplan über die Finanzen bis       schnittene Lösung finden.»
zu Partnern im Ausland. «Mein Team                Christian arbeitet praktisch immer im      Software-Entwickler
                                                                                             Software-Entwicklung ist eine kom­
sorgt dafür, dass die verschiedenen IT-        Team – von der Aufgabenstellung bis zur
                                                                                             plexe Aufgabe. Entsprechend hoch
Systeme der SBB miteinander kommuni­           Umsetzung. «Jeder hat seine Stärken und       sind die Anforderungen: Ein hohes
zieren.»                                       kann diese in die Problemlösung einbrin­      Abstraktionsvermögen, Lösungsorien­
    Jamie findet das Umfeld beim öffent­       gen.» Einen typischen Tagesablauf und         tierung und die Fähigkeit, virtuelle
lichen Verkehr spannend. «Die SBB              fixe Arbeitszeiten gibt es oft nicht, da      Welten und Abläufe zu schaffen, sind
­bietet mir den perfekten Mix aus Regel­       man sich nach dem Kunden richtet. «In         zentral. Zudem muss ein Software-­
 mässigkeit und Flexibilität, und ich unter­   der Schlussphase eines Projekts kann es       Entwickler Freude daran haben, diese
                                                                                             komplexen Aufgaben­stellungen im
 stütze die SBB dabei, ihre Hauptziele         schon mal hektisch zugehen. Trotzdem
                                                                                             Team zu lösen.
 Sicherheit, Pünktlichkeit und Wirtschaft­     habe ich sehr viele Freiheiten. Das           Website: www.stv-fsg.ch – alles über
 lichkeit zugunsten unserer Gesellschaft       Arbeitsziel ist zwar definiert, aber den      die Welt des Turnens.
 zu erreichen.»                                Weg zur Problemlösung wähle ich. Diese

                                                                                                         Traumberufe Informatik     17
Anbau und Vertrieb von Kaffee werden
                                                                                            heute grossenteils durch Informatik
                                                                                            gesteuert.

Neue Märkte und Produkte im Visier
Cyrielle Hanser-Gillet hat schon als Stu-      als ich meinen ersten Mitarbeiter selbst
dentin Führungserfahrung gesammelt.            rekrutieren durfte.» Erste Führungserfah­
Heute leitet sie bei Nespresso ein             rung hat sie bereits während des Studi­
Team, baut neue Märkte auf und ent-            ums gesammelt. «Ich engagierte mich
wickelt neue Produkte.                         stark in Studentenorganisationen. Einmal
                                               stellte ich mit einem Team von 18 Leuten
 Eine technische Ausbildung musste es          eine einwöchige Konferenz für 1800 Be­­
 sein, das war Cyrielle schon früh klar.       sucher aus der ganzen Welt auf die
                                                                                              Cyrielle Hanser-Gillet, 29
 Im französischen Grenzgebiet nahe Genf        Beine.»                                        Ausbildung: Baccalauréat (Frankreich)
 aufgewachsen, der Vater Ingenieur, der                                                       mit Schwerpunkt Physik; Bachelor
 Bruder Student an der EPFL, wollte sie        Gemischte Teams sind erfolgreicher             in Computer Sciences EPFL (2002–2006);
 als Kind Architektin werden. Sie ent­         Als eBusiness-Solutions-Manager arbei­         Master in Computer S ­ ciences EPFL
 schied sich dann aber für ein Informatik­     tet sie eng mit internen Kunden, der           (2006–2008)
                                                                                              Laufbahn: Trainee, Swisscom Innova­
 studium an der EPFL. «Das war definitiv       Marketingabteilung und den Produkt­
                                                                                              tions (2008); Junior-Projektmanager
 die richtige Wahl, denn die Informatik        managern zusammen. «Wir passen zum             Business-Application, Nestlé Nespresso
 ist ein Berufsfeld mit Zukunft, das mir       Beispiel die IT-Applikationen gemäss           (2008–2010); Projektmanager Business-
 enorm viele Entwicklungsmöglichkeiten         den Geschäftsanforderungen an neue             Application, Nestlé Nespresso (2011–
 bietet.»                                        Märkte und Produkte an. Aber auch            2012); eBusiness-Solutions-Manager,
    Cyrielle hat ihren Traumjob                           beim sogenannten Level-             Nestlé Nespresso (seit 2012)
 gefunden – zumindest für                                      3-Support, der Lösung
 den Moment. «Ich will                                             schwieriger IT-Prob­       eBusiness-Solutions-Manager
 immer wieder Neues                                                  leme, ziehen uns die     eBusiness-Solutions-Manager sind
 lernen, sonst wird             «Es war ein tolles                     Fachabteilungen        zuständig und verantwortlich für die
                                                                                              Leitung und Durchführung mehrerer
 mir schnell lang­                Gefühl, als ich                       bei.»
                                                                                              Projekte in enger Zusammenarbeit mit
 weilig.» Bei                     meinen ersten                            Cyrielle           Geschäftspartnern sowie internen
­Nespresso stieg                                                         wünscht sich         und externen Akteuren. Ein starkes
 sie nach ihrem                 Mitarbeiter selbst                        mehr Frauen in      Projektmanagement und soziale Kom­
 Masterabschluss              rekrutieren durfte.»                       der Informatik:      petenzen gewährleisten die erfolgreiche
 als Junior-                                                             «Wir müssen den      Durchführung von IS/IT-Projekten zur
                                  Cyrielle Hanser-Gillet,
 Projekt­manager                                                        Frauenanteil un-      Förderung der globalen Geschäftsziele
                                   eBusiness-Solutions-                                       der Nestlé Nespresso SA.
 ein. Heute leitet sie                   Manager                       bedingt erhöhen,
                                                                                              Website: www.prezi.com ist eine
 im Bereich E-Busi­                                                  denn gemischte           Plattform, um Ideen zu entwickeln und
 ness ein Zweierteam.                                              Teams sind nachweis­       zu teilen.
 «Es war ein tolles Gefühl,                                    lich erfolgreicher.»

18   Traumberufe Informatik
Sven Friedli, 30
                                                                                              Ausbildung: Berufslehre Informatiker
                                                                                              mit Berufsmaturität; Bachelor in Wirt­
                                                                                              schaftsinformatik, Berner Fachhoch­
                                                                                              schule (BFH) (2002–2006); Diploma of
                                                                                              Advanced Studies Betriebswirtschafts­
                                                                                              lehre, ­BFH (2011–2012)
                                                                                              Laufbahn: Application-Engineer/IT-­
                                                                                              Project-Manager, Swisscom IT Services
                                                                                              (2002–2005); IT-Project-Manager,
                                                                                              ­Mimacom AG (2006–2007); IT-Project-
                                                                                               Manager, Swisscom (2008–2011);
                                                                                               Head of IT Project Management,
                                                                                               ­Swisscom (seit 2012)

                                                                                              Head of IT Project Management
                                                                                              Sven Friedli bildete sich an der Fach­
                                                                                              hochschule weiter und sammelte
                                                                                              Erfahrung als Software-Entwickler und
                                                                                              IT-Project-Manager, bevor er Head of
                                                                                              IT Project Management von Swisscom
                                                                                              Corporate Business wurde. In dieser
                                                                                              Funktion leitet er ein Team von zehn
                                                                                              IT-Projektleitern, für die er sowohl
                                                                                              ­personell als auch fachlich verantwort­
                                                                                               lich ist.
                                                                                               Website: www.projektmagazin.de –
Mit grossem persönlichem Einsatz hat                                                           Newsletter mit vielen interessanten
Sven Friedli seine Karriere vorangetrieben.                                                    Artikeln rund ums Projektmanagement.

Führungsverantwortung in jungen Jahren
Das technische Informatikwissen holte          Wirtschaftsinformatik absolvierte er        eingespieltes Team. «Mir macht es Spass,
sich Sven Friedli in der Informatiklehre       berufsbegleitend an drei Abenden und        wenn meine Mitarbeitenden ihr Potenzial
und im Bachelorstudium der Wirtschafts-        einem Tag pro Woche. Danach entschied       entfalten können.»
informatik. In Kombination mit seinem          er sich für ein Nachdiplomstudium in          Sven ist stolz auf das, was er bisher
Nachdiplomstudium in Betriebswirt-             Betriebswirtschaft. «Ich wollte nicht nur   erreicht hat. «Mir gefällt die Schnelllebig­
schaftslehre war dies die ideale Grund-        die Technik, sondern auch die wirtschaft­   keit und Vielfalt der IT. Ich habe Spass
lage für seine heutige Führungsaufgabe         lichen Zusammenhänge verstehen. Diese       an schwierigen und immer wieder neuen
bei Swisscom.                                  Kombination aus solidem IT-Know-how         Aufgaben.»
                                               und ökonomischem Sachverstand hilft
«Das Interesse an Technik, ein Flair für       mir heute, meine Herausforderungen
Mathematik und der Wunsch, nach der            als junger Teamleiter zu meistern.»
obligatorischen Schulzeit einen prakti­
schen Beruf auszuüben, haben mich zur          Bereitschaft zur Veränderung            «Mir macht es
Informatik geführt.» Sven absolvierte          Aktuell betreut Sven mit sei­
die Informatiklehre mit Berufsmaturität.       nem Team den Grosskunden­
                                                                                     Spass, wenn meine
Heute leitet er mit gerade mal 30 Jahren       bereich bei Swisscom.                 Mitarbeitenden ihr
ein Team von zehn Fachpersonen.                «Um im hart umkämpften                Potenzial entfalten
«Meine Karriere habe ich Schritt für Schritt   IT-Projektgeschäft zu
geplant – vom Software-Entwickler über         bestehen, sind Flexibilität
                                                                                         können.»
den Projekt Manager bis zum Teamleiter.        und die Bereitschaft zur                      Sven Friedli,
   ­Dieser Weg erforderte einen grossen        Veränderung erforderlich.»                  Head of IT Project
­persönlichen Einsatz.» Den Bachelor in        Voraussetzung dafür ist ein                   Management

                                                                                                           Traumberufe Informatik   19
Grossrechner sorgen
unter anderem für
sichere bargeldlose
Transaktionen.

                                                                                               Florian Noell, 27
                                                                                               Ausbildung: Gymnasiale Maturität,
                                                                                               Schwerpunkt Mathematik und Physik;
Faszination für komplexe Strukturen                                                            Bachelor in Informatik, Technische
                                                                                               ­Universität (TU) Darmstadt (2005–2009);
                                                                                                Master in Informatik mit Anwendungs­
                                                                                                fach IT Management, TU Darmstadt
Florian Noell war früh von Computern             Florian hätte sich vorstellen können,          (2010–2012)
fasziniert und hat mit 13 bereits Web­        Maschinenbauer oder Ingenieur zu w  ­ erden.      Laufbahn: Werkstudent Project-
sites gestaltet. Heute geht er seiner         «Ich habe mir dann aber überlegt, dass            Management-Optimisation, Dimension
­Leidenschaft als IT-Specialist bei der       diese Fachgebiete im Grunde von der               Data (2011–2012), IT-Specialist im
 Modernisierung von Grossrechnern nach.       Informatik getrieben werden. ­Deshalb             Bereich Complex IT Solutions, IBM
                                              entschied ich mich für das Informatik­            Schweiz (seit 2012)
Mit 10 Jahren entdeckte Florian Com­          studium.»
puterspiele, mit 13 bekam er den ersten                                                        IT-Specialist Complex IT Solutions
eigenen Laptop. «Ganz klar zur Beruhi­        Schnittstelle zwischen Generationen              Grossrechner und Server werden
                                                                                               heute meist nicht ab Stange gekauft,
gung meiner Eltern, denn ich war wohl zu      Heute arbeitet er bei IBM als IT-Specialist
                                                                                               sondern genau auf die Bedürfnisse des
dieser Zeit unerträglich ohne Computer.»      im Bereich der Grossrechnersysteme.              Kunden zugeschnitten. Diese kunden­
In kürzester Zeit wurde er vom Anwender       An der Schnittstelle zwischen verschie­          spezifischen Anpassungen nehmen
zum Entwickler und gestaltete erste           denen Generationen von Rechnern setzt            hochspezialisierte IT-Fachleute vor.
Websites. Für ihn die typische Laufbahn       er aktuelle Konzepte gemäss den Anfor­           Marketing und Verkauf beziehen diese
eines Programmierers: «Man startet mit        derungen der Kunden um. Für Florian              IT-Spezialisten häufig bereits in die
dem statisch Vorstellbaren, entwickelt sich   ist seine jetzige Stelle ein Traumberuf.         Verkaufs­verhandlungen ein, damit sie
                                                                                               den Kunden beraten können.
langsam zum dynamisch Wandel­baren            «Dazu gehört, dass es immer wieder
                                                                                               Website: www.mashable.com – Quelle
und verbringt die meiste Zeit in komplexen    etwas Neues zu lernen gibt.» Genau diese         aktueller Themen über Technology,
Strukturen. Letztere faszinieren mich         Abwechslung gefällt Florian an der               Business, IT, Web und Trends.
bis heute.»                                   ­Informatik.

 Täglich frisch – dahinter
 steckt eine ausgeklügelte,
 IT-gesteuerte Logistik.
                                              Forschen in den Tiefen
                                              der Informatik
                                              Als grosser Indiana-Jones-Fan wollte           war kein Radio oder Video­recorder sicher.
                                              Mathias Berli lange Archäologe werden.         Ich liebte es, an technischen Geräten
                                              Heute forscht er als Betriebssupporter         ­herumzubasteln, habe alles auseinander­
                                              in den tiefen Schichten der Informatik          genommen und wieder neu zusammen­
                                              nach Lösungen für IT-Probleme.                  gesetzt.»
                                                                                                 Als Jugendlicher designte Mathias in
                                              Der Abenteurer und Archäologe Indiana           seiner Freizeit Websites. «Dies und
                                              Jones war das grosse Vorbild von Mathias.       meine Freude am Gestalten brachten
                                              Er wollte später selbst diesen Beruf            mich zur Informatik. Wobei ich mir
                                              ergreifen und nach Antworten auf unge­          damals auch eine Ausbildung als Grafiker
                                              löste Rätsel suchen. «Der legendäre             oder Web­designer vorstellen konnte.»
                                              Heimcomputer Commodore 64 weckte                Schliesslich entschied er sich für eine
                                              eine weitere grosse Leidenschaft in mir –       Informatiklehre bei der Migros. Die Lehre
                                              jene für technische Geräte.» Auch da wollte     in einem Grossbetrieb habe viele Vorteile.
                                              er den Dingen auf den Grund gehen – sehr        «Ich konnte in den unterschiedlichsten
                                              zum Leidwesen seiner Eltern. «Vor mir           Abteilungen Erfahrungen sammeln und

20   Traumberufe Informatik
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