Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen

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Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
ungeschminkt
                   Verband Hessischer Amateurtheater e.V.
                    Ausgabe Februar 2020

    Theaterwoche Korbach 2020
             vom 17. bis 23. Mai 2020

Verbandstag am 21. März 2020 in Assenheim - Seite 4
KiJu-Ensemble 2019 - Seite 8 - 9
TGAss: Faust als Musical - Seite 10 - 11           ungeschminkt Februar 2020   1
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
IMPRESSUM                                               Inhalt                                         Seite
          Herausgeber:                                                                                                2
          Verband Hessischer                                     Impressum, Inhaltsverzeichnis
          Amateurtheater e.V.                                                                                         3
          Georg-Büchner-Str. 9
                                                                 Editorial
          61194 Niddatal                                         Aus der Präsidiumsarbeit                             4

          Verantwortlich:                Wir sind Mitglied im
                                                                 Hessen Ensemble                                      5
          Präsident:
          Norbert Deforth (nd)                                   Seminar: Komik auf der Bühne                         6
          Tel.: 06034-3467                                                                                            7
          E-Mail:                                                Treffen der Bereiche Ost, West und Süd
          norbert.deforth@amateurtheater-hessen.de               Seminar: Soufflage                                   8
          Im Internet unter:
          www.amateurtheater-hessen.de                           KiJu Theater Hessen                                  9

          Redaktionsteam:                                        KiJu Ensemble 2019                                10-11
          Redaktionsleiter/ Verantwortlicher Redakteur
                                                                 TGAss: Faust als Musical                          12-13
          V.i.S.d.P.):
          Frank Weymann (fw),                                                                                        14
                                                                 Seminar: Maske
          Königsberger Str. 15
          34270 Schauenburg                                      TheMa 90: Lügen haben junge Beine                   15
          Tel.: 05601-5430
          Fax: 05601-920735                                      Peter von Orb: Die Tochter des Salzsieders        16-17
          E-Mail: redaktion@amateurtheater-hessen.de
                                                                 Seminar: Sprache                                    18
          Peter Herborg, Vizepräsident schreibt als ph
                                                                 GuxThe: Stress im Champus Express                   19
          Michael Kördel-Henckel, Stellvertr. Schriftführer
          schreibt als mkh                                       M. Heim: Was ich schon immer mal sagen wollte     20-21
          Lektorat:                                              Jugendtheater im Vogelsbergkreis                    22
          Antje Hörl (ah)
          Teichecke 15                                           TFO: In geheimer Mission                            23
          34308 Bad Emstal
          Tel.: 05625-5577                                       Nidder Bühne: Die Nacht der Nächte                24-25
          E-Mail: antje.hoerl@amateurtheater-hessen.de
                                                                 TG Hin & Weg: Viel Lärm um Nichts                 26-27
          Nachdruck, mit Quellenangabe und gegen Über-                                                               28
                                                                 VBE: Empfänger unbekannt
          sendung eines Belegexemplars an die Redaktion
          gestattet.                                             VBE: Rotkäppchen                                    29
          Auflage 1000 Stck.                                                                                         30
                                                                 Dornh. Theaterkiste: Pleite, Pech und Panne
          Die Zeitschrift erscheint dreimal jährlich (Februar    KultT TG Fritzlar: Agatha 9                         31
          / Juni / Oktober). Die mit Namen oder Initialen
          gekennzeichneten Beiträge geben die Auffassung         theater aller art: Hexenwahn in Fulda               32
          der Verfasser, nicht aber die des Herausgebers
          bzw. der Redaktion wieder. Es wird nur die allge-      Kleine Bühne 77: Amore mio                          33
          meine, presserechtliche Verantwortung übernom-                                                             34
          men.                                                   Seniorentheater

          Layout, Satz und Bildbearbeitung:                      BDAT                                                35
          Frank Weymann, Schauenburg                                                                                 36
                                                                 Workshop: Filme im Theater
          Die nächste Ausgabe erscheint im Juni 2020             Seminarangebot                                      37
                 Redaktionsschluss:                              Spieltermine                                      38-39
                   10. Mai 2020                                  Statt-Theater Mengeringhausen: TAXI TAXI            40
                                                Gefördert vom
                                        Hessischen Ministerium
                                    für Wissenschaft und Kunst
                                                                 Titelfoto: KiJu Ensemble 2019
                                                                 Foto: Nadine J.M. Knauer

2   ungeschminkt Februar 2020
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Liebe Theaterfreunde,
Ed i tori al
               in der Februarausgabe 2019 habe ich kurz über mein vierzig Jahre
               währendes Theaterleben resümiert und über das, was ich daraus
               gelernt habe.
               Und nun beim Schreiben meines letzten Editorials fällt mir
               auf, dass ich nicht wie geplant 10 Jahre im Verband Hessischer
               Amateurtheater gewirkt habe, sondern das 11. Jahr im März 2020
               vollende.
               Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht und mach dann
               noch ‚nen zweiten Plan, gehen tun sie beide nicht.“ ( Bertolt Brecht).
               Aber ein guter Plan (das gibt‘s, immerhin) irrt weniger als der Zufall.
               Und auch in unseren deutschen Gefilden weiß man: „Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum.“
               Doch ich habe gelernt, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Denn richtig ist: Der Zufall ist durch
               nichts zu ersetzen, nicht einmal durch Irrtum.
               Also kann man gar nichts tun, wenn doch alles Zufall ist? Doch, man kann. Denn es ist nicht AL-
               LES Zufall.
               Talent, Wissen, Engagement, harte Arbeit gehören ebenfalls dazu. Und Hartnäckigkeit.
               (Diese Planungsthese habe ich bereits in der Oktoberausgabe 2017 dargelegt)
               Wie auch immer, am Ende hat der Erfolg, der nachhaltig und weitsichtig seine Ziele verfolgt!
               Dies habe ich in all den Jahren tatsächlich versucht und es war mir ein großes Anliegen, dem Ver-
               band zusammen mit diesen wunderbaren Bühnen und einem total engagierten Präsidiumsteam
               eine neue Ausrichtung zu geben.
               Für 2020 sind die Weichen gestellt und ich werde mich nun aus der Verbandsarbeit zurückzie-
               hen. Einen Zacken Wehmut kann ich nicht unterschlagen, aber irgendwann ist es eben auch
               genug.
               Mit 70 gehört man einfach auch schon zu den „Alten“ und wir haben ja glücklicherweise eine
               wunderbare Einrichtung geschaffen, das Seniorentheater, das ich jetzt auch für mich gut nutzen
               kann und werde.
               Am 21. März 2009 hat sich meine Vorgängerin Barbara Zorn, jetzige Ehrenpräsidentin, nach
               14jähriger erfolgreicher Vorstands- und Verbandsarbeit in den „Ruhestand“ begeben.
               Jetzt nach 11 Jahren folge ich ihr.
               In meinem ersten Editorial, das war die 13. Ausgabe der „ungeschminkt“, habe ich u.a. geschrie-
               ben: „Ich hoffe, vertraue und setze auf das Engagement und die Initiativen als auch auf
               den Rückhalt der Mitglieder in unserem Verband.“
               Das hat sich größtenteils bewahrheitet, kann aber noch verbessert werden und deshalb mein
               Appell an alle Bühnenvertreter:
               Helft diesem Verband, unterstützt ihn bei seiner Arbeit, geht in die Gremien und in das Präsidi-
               um, wenn es gefordert wird, es lohnt sich für euch, für eure Bühnen und für den Verband.
               .Auf ein erfolgreiches neues Jahr und baldiges Wiedersehn beim nächsten Landesverbandstag
               am 21. März 2020 in Assenheim, wo ich noch einmal mit euch und einem guten „Schoppen“ an-
               stoßen und Ade sagen möchte.
               Denkt an das 5. Gebot: Schlagt eure Zeit nicht tot! (Erich Kästner)

               Herzliche Grüße
               Euer

               Norbert Deforth

                                                                                             ungeschminkt Februar 2020   3
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Der Verband Hessischer Amateurtheater befindet sich im Umbruch…
                                       2016 haben wir nach einiger Vorbereitungszeit begonnen, dem Verband einen neuen Stem-
                                       pel aufzudrücken:
                                       Namensänderung, neues Logo, eine neue Satzung und eine neue Geschäftsordnung, die
                                       der Neuausrichtung des Verbandes Rechnung trägt.
                                       Mit dem Ausbau und Adjustierung der Lehrgänge, der Ausweitung der Kinder- und Jugend-
                                       förderung und der Einrichtung einer Senioren-Theater-Plattform in Wetzlar konnten weitere
                                       Meilensteine erfolgreich umgesetzt werden.
                                       Das HessenEnsemble wurde auf den Weg gebracht und wird sich nun – unterstützt vom
                                       Verband – einen eigenen Weg und Position als Pilotprojekt in der hessischen Amateurthea-
         Aus der Präsidiumsarbeit...

                                       terlandschaft suchen. Theater einmal anders erleben als im Verein, mit Menschen aus allen
                                       Teilen Hessens zusammenkommen, Vernetzungen generieren und die erworbenen Kennt-
                                       nisse in die eigenen Bühnen tragen sind die Triebfedern. Darüber hinaus können aus diesem
                                       Bereich auch aktive Mitglieder für die Verbandsgremien und das Verbandspräsidium gewor-
                                       ben werden, so dass auch diese Maßnahmen insgesamt einen großen Benefit verspricht.
                                       All das wäre aber ohne die Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und
                                       Kunst nicht möglich gewesen.
                                       Viele Besuche und umfassende Darstellungen haben es letztlich ermöglicht, dass wir für die
                                       oben genannte Ausrichtung die notwendige finanzielle Unterstützung erhalten. Zwar muss
                                       für alles eine notwendig tiefgegliederte Rechnungslegung und umfassende Verwendungs-
                                       nachweise erstellt werden. Das lässt sich gerade noch bewältigen, ist aber auf Dauer keine
                                       Lösung für die Zukunft.
                                       Deshalb weiter unser Anliegen, künftig institutionelle Förderung zu erhalten, um den laufen-
                                       den Geschäftsbetrieb in einer Geschäftsstelle mit einem Geschäftsführer zu bündeln, damit
                                       die ehrenamtlichen Präsidiumsmitglieder entlastet werden und sie ihre satzungsmäßigen
                                       Führungsfunktionen wieder in überschaubarem Aufwand vollumfänglich ausüben können
                                       und der Verband über eine verbindliche Planungssicherheit verfügt. So weit sind wir noch
                                       lange nicht, arbeiten aber weiter daran.
                                       In der Oktoberausgabe 2019 haben wir ausführlich über unsere Neuausrichtung und Leitbild
                                       berichtet: Theater für alle von und mit allen Generationen, die Förderung bürgerschaftlichen
                                       Engagements und kultureller und künstlerischer Bildung durch Amateurtheaterarbeit.
                                       Die Weichen für das Jahr 2020 sind gestellt, die Projekte allesamt angelaufen und man darf
                                       auf die Weiterentwicklung gespannt sein.
                                       Für die anstehenden Präsidiumswahlen suchen wir noch unterstützende Mitglieder: So für
                                       den Seniorenbereich und für die Bereichsleitungen. Es wäre natürlich schön, wenn wir schon
                                       Interessenten dem Landesverbandstag zur Wahl vorstellen könnten. Gerne könnt ihr euch
                                       direkt bei mir melden. Über die Arbeitsinhalte können wir uns dann persönlich austauschen.
                                       Natürlich können auf dem LVT auch noch weiter Vorschläge zu vakanten Positionen gemacht
                                       werden. nd

        Z it at                            Der Verband Hessischer Amateurtheater e.V.
    Manche Menschen                                       lädt ein zum Verbandstag am
    fühlen den Regen,
    andere werden nur                                 21. März 2020 ab 9:30 Uhr
    nass...
        (Bob Dylan, Musiker)                                in 61194 Niddatal-Assenheim
                                                        im Bürgerhaus Assenheim, Hauptstr. 2
4     ungeschminkt Februar 2020
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Hessen Ensemble
Hessen Ensemble nimmt Formen an! Proben zu „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek haben
begonnen!
Das Hessen Ensemble ist ein Zusammenschluss von ambitionierten und engagierten
Schauspielern von vielen Mitgliedsbühnen des Verbandes Hessischer Amateurtheater
(VHA) aus ganz Hessen. Von Hanau und Frankfurt, Bad Homburg, Ebersburg, Hungen, Ran-
stadt, Gudensberg, über Nidderau bis Homberg Efze kommen das Ensemble, der Regisseur
und alle Mitwirkenden tatsächlich aus fast allen Ecken des Landes.
Da war schnell klar, dass gemeinsame Proben mit großem Aufwand verbunden sind. „Jeder
kann mitmachen!“ war das Motto, aber unter einer Bedingung: Die Schauspieler können ih-
ren Text zur ersten Probe! Und so ging das neu formierte Team das erste von vier geplanten
Probenwochenenden im Kulturzentrum „Alte Grundschule“ in Hungen an.
In Hungen, das zentral im Herzen Hessens (Landkreis Gießen) gelegen ist, konnten wir mit
dem H²T – HinterHofTheater eine ideale Plattform für unser Ensemble finden.
Morgens waren alle Anwesenden, die sich bisher mehr oder weniger, oder auch gar nicht
kennen, mit gemischten Gefühlen an die Proben gegangen. „Was wird mich erwarten?“,
„Wie komme ich mit den Anderen zurecht?“, „Wie gut können alle ihren Text?“, „Waren mei-
ne Vorbereitungen auf das Probenwochenende ausreichend?“, „Können wir dieses überaus
ehrgeizige Projekt stemmen?“
Fragen über Fragen!
Doch schon am Abend des ersten Probentages waren sich alle einig!
„Ja, so gut vorbereitet habe ich eine Theaterprobe noch nie begonnen!“
Es zeigt ich als angenehm, nach einem Warm-Up und Rollenklärung, schon gleich mit den
Szenenproben starten zu können. Weil alle ihren Text kennen können die Szenenproben
sofort beginnen. Es folgt ein außerordentlich effektives, lehrreiches und unterhaltsames
Wochenende.
Schon jetzt freuen sich alle auf die Wochenenden die noch kommen und natürlich die
Aufführungen.
Der Startschuss für ein zukunftsträchtiges Projekt ist gefallen.

Kai-Uwe Berdick

                                                                                       ungeschminkt Februar 2020   5
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Ein ernster Versuch witzig zu sein
             Seminar Humor und Komik auf der Bühne
Seminar                                              12 Mitglieder verschiedener Bühnen tra-      Dem Referenten, Jochen Wietershofer, ist
                                                     fen sich an diesem Wochenende in der         es gelungen, uns beizubringen, in vielen
                                                     Jugendherberge Wiesbaden, um mit             einzelnen Szenenspielen die Unterschie-
                                                     vielen neuen Erkenntnissen im Gepäck         de der jeweiligen Komik zu erkennen.
                                                     nach Hause zu reisen.                        Dabei halfen uns die „Werkzeuge“ wie:
                                                                                                  Komik durch Tempoänderung, Komik
                                                     Unsere Erwartungen wurden erfüllt durch verzögerte Wahrnehmung, Komik
                                                     und übertroffen. Jeder von uns weiß, ob durch Tricks, Komik durch synchrones
                                                     Spielleiter oder Spieler, der im Musical-, Handeln, Komik durch Übertreibung
                                                     Kinder- oder Erwachsenentheater ist, der und Komik durch Tempoänderung.
                                                     den Humor von der Bühne zum Publi-
                                                     kum transportieren will, wie schwierig es Festzuhalten ist, dass es immer gilt, den
                                                     oft ist, den Witz oder Gag umzusetzen.       Witz und den Gag auszuprobieren. Oft
                                                                                                  ergibt sich eine Situationskomik, die
                                                     Wir haben gelernt, dass nicht nur der man nicht erlernen kann, sondern die
                                                     Darsteller, sondern auch ein gewisses sich einfach ergibt. In diesem Sinne und
                                                     Handwerk dazu gehört. Es wurde uns mit dem neuen Wissen über den Humor
                                                     vermittelt, ein besonderes Augenmerk auf der Bühne gehen wir alle an unsere
                                                     auf die entsprechenden Szenen in den aktuellen oder neuen Produktionen he-
                                                     Bühnenwerken zu lenken, wo der Humor ran.
                                                     eine wichtige Rolle spielt. Es gilt, die Ko-
                                                     mik herauszuarbeiten und so darzustel- Ursula Seib
                                                     len, dass sie komisch wirkt.                 Theater im Hayn

66   ungeschminkt
      ungeschminktFebruar
                   Februar2020
                           2020
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Treffen der Bereiche Ost, West und Süd
                              Drei Bereichsleiter und die TG Friedrichsdorf
                                    luden ein, zum Bereichstreffen des
                                   Verbandes Hess. Amateurtheater e.V.

                                                                           Fotos: Heinrich Kraft

Sechsunddreißig theaterbegeisterte Menschen trafen            Für künftige gegenseitige Einladungen erhalten die
sich am 19.10.2019 in den Räumen der Theatergruppe            Vorstände der teilnehmenden Bühnen eine Kopie der
Friedrichsdorf, die Gastgeber des diesjährigen                Teilnehmerliste. Diese soll zum Zweck der gegenseitigen
Herbsttreffens der Bereiche West-, Ost- und Südhessen         Einladung bei Veranstaltungen und Events genutzt
war.                                                          werden. Darüber hinaus können auch Bühnen in der
Die drei Bereichsleiter konnten trotz der gegenwärtigen       jeweils näheren Umgebung auf der Verbands-Homepage
Hochspielzeit unter einem großen Anteil bekannter             eingesehen werden.
Gesichter auch außergewöhnlich viele Bühnen begrüßen,         Von der Bühne „Dellerlecker“ aus Dillenburg kam die
die zum ersten Mal an einem Bereichstreffen teilnahmen.       Anregung, für die hessischen Bühnen eine Theater-
Zu den Bereichstreffen des Verbandes werden bewusst           Biennale einzurichten. Dazu brachte die Bühne auch
keine Tagesordnungen vorgegeben, auch keine                   gleich einige Gedanken zu einem möglichen Ablauf mit.
besonderen Protokolle geführt. Die Treffen dienen in          Die Dellerlecker werden ihre Ideen nun detailliert dem
erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen der Bühnen        Verbandspräsidium übersenden. Von der Bereichsleitung
untereinander. Dass es auch dieses Mal wieder zu einer        wurde bereits eine Unterstützung zugesagt. Die
regen, fast dreistündigen Aussprache der Teilnehmer kam,      Dellerlecker boten sich darüber hinaus auch an, das
zeugt von den vielen Ideen der Bühnen, aber auch Fragen       Frühjahrs-Bereichstreffen in Dillenburg auszurichten. Es
oder unterschiedlichen, kleinen Problemen, von denen          wird wieder ein gemeinsames Treffen der Bereiche West,
man sich erhofft, aus den vorhandenen Erfahrungen der         Ost und Süd geben. Ein genauer Termin im März/ April
Teilnehmer eine Lösung mit Nachhause nehmen zu können         2020 wird noch intern abgesprochen und den Bühnen
. Dabei wurde den teilnehmenden Bühnen die Möglichkeit        rechtzeitig bekannt gemacht.
angeboten, aus einem reichhaltigen Fundus kostenlos           Bei der Verabschiedung der Teilnehmer konnten die drei
Kostüme auszuleihen. Von den Bereichsleitungen wurde          Bereichsleiter wieder einmal in zufriedene Gesichter
wieder auf die kostenlosen Terminveröffentlichungen           schauen. Großen Anteil daran hatten die Gastgeber mit
                         auf der Verbandshomepage             Uschi Glassner, die mit einem
                         verwiesen. In der dreimal jährlich   reichhaltigen     Kuchenangebot
                         erscheinenden „ungeschminkt“         und Schnittchen aufgewartet
                         können      auch     Rezensionen     haben.
                         und Bilder aus Aufführungen          Herzlichen Dank für eure
                         veröffentlicht werden. Damit         Mühen, liebe Friedrichsdorfer
                         können sich die Mitgliedsbühnen      Theaterfreunde!
                         des    Verbandes      hessenweit     Heinrich Kraft, Bereichsleiter
                         bekannt machen.

                                                                                                   ungeschminkt Februar 2020   7
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Als ich mich für das Seminar „Soufflage“ ange- Schon die Menge an Tipps, die einem wesentlich

            Seminar Soufflage in Bad Homburg mit Renate Neumann-Herlyn
                                                                         meldet hatte, fragte ich mich, was um Himmels dabei helfen, 2 Stunden ohne Probleme ganz still
Seminar                                                                  Willen wir denn da zwei volle Tage lernen. Gut, zu sitzen, ohne dass man sich verspannt, ohne
                                                                         als Souffleuse setzt man sich ja eben nicht ein- dass etwas weh tut oder man Gefahr läuft, „einzu-
                                                                         fach so hin und liest mal den Text mit, wie ja man- schlafen“. Dann die vielen kleinen Übungen, mit
                                                                         che Menschen glauben. Man muss sich natürlich denen man schon vor der Aufführung die Stim-
                                                                         über einen längeren Zeitraum voll konzentrieren me richtig trainieren und zum Klingen bringen
                                                                         können, auch wenn man - bestenfalls - in die- kann - sagenhaft! Wir haben Texte gesprochen,
                                                                         sem Zeitraum überhaupt nicht gebraucht wird, dann die Übungen von Renate gemacht und
                                                                         denn dann kann die Konzentration natürlich denselben Text nochmal gesprochen. Welch ein
                                                                         recht schnell verloren gehen. Man sollte auch Unterschied kam da bisweilen hervor. Es hat mich
                                                                         ein gutes Sprachgefühl haben, um Abweichun- stellenweise an solche Vorher-Nachher-Fotos
                                                                         gen vom Text ohne in-                                                        nach dem Verlust von 20
                                                                         haltliche Veränderung                                                        kg erinnert. ;o)
                                                                                                      Monika, leider bist du nicht auf dem Grup-
                                                                         stillschweigend hinzu-                                                       Es war kein bisschen
                                                                                                      penfoto, ebenso zwei andere Teilnehmer.
                                                                         nehmen. Und wichtig                                                          langweilig und wir hat-
                                                                                                      Schade!
                                                                         ist natürlich auch, dass                                                     ten auch viel Spaß mitei-
                                                                         man möglichst bei allen Ich möchte mich ganz herzlich bei der Refe- nander. Und an alle, die
                                                                         Proben dabei ist, damit rentin Renate Neumann-Herlyn, bedanken, wie ich Jahrzehnte nicht
                                                                         man die Reaktionen die recht kurzfristig als Referentin einge- mehr in einer Jugend-
                                                                         kennt (ist diese Pause sprungen ist                                          herberge waren: Da hat
                                                                         gewollt oder ein Text- Ein Seminar „Soufflage“ ist inzwischen doch sich ganz viel verändert
                                                                         hänger?), damit man ein Thema für unsere Mitgliedsbühnen ge- - auch das war ein Erleb-
                                                                         weiß, an welchen Stellen worden. Es wurde inzwischen von Bühnen, nis und der Service war
                                                                         die Akteure ein Problem die im Verband sind, angefragt, wann so ein besser als in manchem
                                                                         haben („Immer an dieser Seminar wieder angeboten wird.                       Hotel.
                                                                         Stelle bleibe ich hän- Die Erfahrung lehrt uns jedoch, mit dem
                                                                                                                                                      Und zum Schluss: Auch
                                                                         gen!“) Und man sollte nächsten Termin etwas zu warten. Aber ger-
                                                                                                                                                      das Preis-Leistungs-Ver-
                                                                         wichtige Stichworte er- ne nehme ich Anfragen entgegen und setze
                                                                                                                                                      hältnis ist mehr als gut.
                                                                         kennen, die dem Schau- diese auf eine Liste
                                                                                                                                                      Was wir für € 89 alles
                                                                         spieler möglichst um- Ingrid Suhr
                                                                                                                                                      bekommen haben, ist
                                                                         gehend weiterhelfen, Verband Hessischer Amateurtheater e. V.
                                                                                                                                                      einfach super - Dank der
                                                                         wieder      einzusteigen. Künstlerische Beraterin/Lehrgangskoordination
                                                                                                                                                      Bezuschussung durch
                                                                         Wenn man das im Pro-
                                                                                                                                                      den      Landesverband,
                                                                         benstatus oft geübt hat, muss man keine ganzen
                                                                                                                             vielen Dank! Und wenn etwas geklärt oder orga-
                                                                         Sätze mehr weitergeben. So mache ich das schon
                                                                                                                             nisiert werden musste, hat Ingrid Suhr vom Lan-
                                                                         seit 10 Jahren.
                                                                                                                             desverband sich darum gekümmert und uns alle
                                                                         Aber zwei volle Tage???                             schwer verwöhnt. Dafür ihr ein besonders herzli-
                                                                         Von wegen! Ich hab‘ so vieles gelernt, und beson- ches Dankeschön.
                                                                         ders faszinierend fand ich, mit welchen scheinba- Ich freue mich schon auf das nächste Seminar.
                                                                         ren Kleinigkeiten man die Stimme, die Lautstärke, Monika Miebach - 1. Anspacher Kulturtheater e.V.
                                                                         die Deutlichkeit verändern kann.

8   ungeschminkt Februar 2020
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Theaterfreizeit vom 20.07. bis 1.08.2020
In diesem Jahr wird es in den mittleren         Willkommen im Team
Wochen der hessischen Sommerferien
wieder eine zweiwöchige Theaterfreizeit         Seit dem letzten Jahr ist Nadine J.M.
am Edersee geben. Das KiJu-Team hat             Knauer aus Gudensberg festes Mit-
wieder ein spannendes Programm zusam-           glied im KiJu-Team. Damit hat das
mengestellt. Maximal 30 Jugendliche kön-        Team eine engagierte Theaterpäda-
nen in diesem Jahr dabei sein. Die Jugend-      gogin dazugewonnen, die vom ersten Tag
herberge Waldeck bietet viel Platz für die      an herzlich willkommen war. Doch vorstel-
unterschiedlichen      Theaterworkshops         len soll sie sich kurz selbst.
während der Woche. Durch die Nähe zum            „Mein Name ist Nadine J. M. Knauer – auf-
Strandbad Waldeck bietet sich auch ein          geweckt, abenteuerlustig und experimen-
Bad im Edersee an. Zahlreiche Ausflugs-         tierfreudig. Kein Wunder, dass Theater
ziele sind in unmittelbarer Nähe gut zu         von Kindesbeinen an meine Begeisterung
erreichen. Die Unterbringung erfolgt im         findet. Ich bin vom BUT zertifizierte The-
Haus in Mehrbettzimmern. Arbeitsräume           aterpädagogin und studierte Filmema-
und ein tolles Außengelände runden das          cherin. Mit meiner Filmproduktionsfirma
Angebot ab. Die Anmeldung ist auf der           Dine-Produktion Film&Kunst produzie-
Internetseite des Verbandes unter www.          re ich klassische Spiel-, Animations- und
amateurtheater-hessen/theaterjugend             Kunstfilme, aber auch Projektionen für
als PDF zu finden. Wir freuen uns auf           Theaterinszenierungen oder Theaterdo-
Euch. Ricarda, Nadine und Jörg                  kumentationen. Die Verbindung von The-
                                                ater und Film ist für mich ein sehr span-
                                                nendes Thema, dem ich im Rahmen der
                                                Medienpädagogik nachgehe.“

                                                  Bewerbung für den KiJu-Theaterpreis
                                                  2021 ab März möglich! Die Bewer-
                                                  bungsunterlagen werden dann auf
                                                  der Homepage des Landesverbandes
                                                  bereitgestellt. Wir freuen uns wieder
                                                  auf zahlreiche Bewerbungen.

 Kinder- und Jugendschutzkonzept für Theatervereine

§
                In letzter Zeit geben sich      Enthalten sein sollten Ansprechpartner als
                immer mehr Vereine ein          Anlaufstelle, ein Verhaltenskodex und ent-
                Jugendschutzkonzept für         sprechende Verhaltensregeln, die Überwa-
                die Vereinsarbeit. Doch es      chung der gesetzlichen Pflicht von erwei-
                stellt sich die Frage, ob das   terten Führungszeugnissen und schließlich
                überhaupt notwendig ist.        auch Leitlinien für den Krisenfall. Auch der
                Das KiJu-Team findet, dass      VHA arbeitet im Moment an einem solchen
                es durchaus Sinn macht, an      Konzept als Empfehlung für die Mitglieds-
                einem solchen Konzept für       vereine. Zu diesem Thema findet auch jähr-
den eigenen Theaterverein zu arbeiten. Wie      lich eine Tagesveranstaltung „Rechte und
ausführlich das im Regelfall ausgearbeitet      Pflichten in der Kinder- und Jugendarbeit“
ist, hängt von der eigenen Entscheidung ab.     statt. Die Ausschreibung ist auf der Internet-
Grundsätzlich ist ein solches Konzept auch      seite zu finden.
ein Zeichen von Qualität der eigenen Kinder-
und Jugendarbeit im Verein.                     www.amateurtheater-hessen.de

                                                                                          ungeschminkt Februar 2020   9
Ungeschminkt - AmateurTheater Hessen
Jugendensemble 2019 - mit medialem Theater zum Klassentreffen
                            Am 07.10.2019 war es wieder soweit und das dar. Zahlreiche Zuschauer ließen nach den
                            Hessische Jugendensemble ging für eine Aufführungen verlauten, wie sie sich in den
                            Woche auf Tournee durch Hessen. Auffüh- Rollenfiguren wiedergefunden haben und in
                            rungsorte waren Wetzlar, Assenheim, Haune- die Schulzeit zurückversetzt fühlten.
                            tal und Mengeringhausen. Die Jugendlichen Um dem Publikum Einblicke in die Vergan-
                            hatten an 8 vorangegangenen Wochen- genheit der KlassenkameradInnen zu ermög-
                            endterminen eige-                                                             lichen, bedienten sich
                            ne Rollencharaktere                                                           die Jugendlichen des
       KiJu Ensemble 2019

                                                      Wer sich intensiver mit dem Einbetten von Film
                            und das Jugendstück       in Theaterinszenierungen beschäftigen möchte,       Mediums Film, das als
                            „Changes“       entwi-    den möchte ich herzlich zum Workshop „Film im       Flashbacks in Form
                            ckelt. Sie wählten das    Theater - ein Praxisworkshop“ am 04. und 05. Ap-    einer Leinwandpro-
                                                      ril 2020 begrüßen. Das Workshop-Seminar ist in
                            Thema „Klassentref-                                                           jektion genutzt wur-
                                                      erster Linie praxisorientiert und eignet sich auch
                            fen“ und forschten an     für Jugendliche. Es ist generationsübergreifend     de.
                            ihren Rollenfiguren.      angelegt.                                           Zur Inszenierungs-
                            Wie haben sich die        Weitere  Informationen   sind auf der Verbandsseite und Schauspielarbeit
                            einzelnen Charakte-       unter dem Reiter „Seminare“ sowie auf S. 36 zu      gehörte somit die
                                                      finden.
                            re entwickelt? Was        Wer teilnehmen möchte, bringe bitte, wenn mög-
                                                                                                          Produktion von Vi-
                            macht die Außensei-       lich, eine einfache digitale Kamera, einen Laptop   deosequenzen, die
                            terin heute beruflich?    (im besten Fall mit einer (Free-) Schnittsoftware)  ebenfalls innerhalb
                            Wie kann eine Mob-        und Freude am Experimentieren mit!                  der 8 Wochenenden
                            bingtäterin zur Psy-                                                          umgesetzt wurde.
                            chologin werden und wie lange währt die
                                                                                   Das Medium Film bot hierbei einige Heraus-
                            Jugendliebe?
                                                                                   forderungen für die Jugendlichen, Teamer
                            Den Jugendlichen gelang es die Rollencha-
                                                                                   und die Kamerafrau. Perspektivisch wähl-
                            raktere vielschichtig aufzubauen. Das Stück
                                                                                   ten wir die Subjektive der SchülerInnen so,
                            spielte in der Jetzt-Zeit und stellte einen
                                                                                   als wäre die Kamera auf der vergangenen
                            möglichen Verlauf eines Klassentreffens
                            Foto: digiSTAGEfoto © Frank Weymann

10   ungeschminkt Februar 2020
Klassenfahrt von Hand zu Hand gereicht
worden. Damit sich die Jugendlichen ganz              KiJu Ensemble
                                                           2019
auf ihr Schauspiel konzentrieren konnten,
führte ich die Kamera während der Szenen.
Dies bedeutet, dass der Spieler, dessen Per-
spektive wir wählten, nur einhändig spielen
durfte und ich als Kamerafrau den zweiten
Arm mit der Kamera verkörperte. Hier er-
forderte es ein körperliches Zusammenspiel
von SchauspielerIn und Kamerafrau, um die
natürlichen Bewegungen z. B. beim Laufen
kameratechnisch nachzuempfinden.
Eine weitere Herausforderung war die Arbeit
mit improvisierten Szenen im sogenannten
One Take. Ein One Take ist eine Filmsequenz,
die keine oder nur versteckte Schnitte auf-
weist. Der Zuschauer bekommt somit das
Gefühl, als liefe die Kamera einfach durch.
Aufgrund der Impro-Szenen war dies auch
in den meisten Sequenzen der Fall, was ein
reaktives Zusammenspiel von Technik und
Akteuren forderte. Die anspruchsvollste Sze-
ne war schließlich eine, in der zwei Darstel-
lerinnen ins Wasser fielen – für diese Szene
hatten wir also nur einen einzigen Versuch.
                             Nadine J.M. Knauer

                                                                         Fotos: Nadine J.M. Knauer

Diese Projekt wurde unterstützt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK)
                                                                                               ungeschminkt Februar 2020   11
Faust -
                                                Viele kennen den „Faust“ von
                                                                                              als Musical
                                                                                  unterschiedliche Vorstellungen von den
                                                 Johann Wolfgang von Goethe,      Menschen. So kommt es zu einer Wette zwi-
                                                 da dieser unter anderem in der   schen Gott und dem Teufel.
                                                 Schule die Pflichtlektüre war.   Der Teufel beauftragt seinen besten Mann
                                                Hier darauf einzugehen und den    (Mephisto) mit seinen 3 Schergen und auch
                                               „Faust“ jetzt genau zu beschrei-   Gott sendet seine Agentin Zero Zero Sept
                                             ben wäre zu umfangreich.             mit drei himmlischen Helferinnen los.
                                         Die TGAss besteht nunmehr seit 40        Zielobjekt ist ein Mann namens Faust, des-
                                   Jahren und da sollte etwas Besonderes auf      sen Seele an den Gewinner der Wette geht.
                                   der Bühne präsentiert werden. Es war schon
                                                                                  Obwohl es ganz nach einem Sieg für Mephis-
                                   immer ein Traum, ein Traum von Norbert
                                                                                  to aussieht, kommt ein Happy End zustande
  Theatergruppe

                                   Deforth, den „Faust“ auf die Bühne zu brin-
                                                                                  und eine Niederlage für den Teufel und sein
                                   gen, aber halt nicht, wie
                                                                                                       Gefolge.       Dargestellt
                                   es viele gewohnt sind.
    Assenheim

                                                                                                       wurde der Faust von 2
                                   Faust, ganz anders und
                                                                                                       Personen, da es ihn in 2
                                   als Musical. So sollte es
                                                                                                       Altersklassen im Stück
                                   sein. Der Wunsch war da
                                                                                                       gab. Kai-Uwe Berdick
                                   und dieser wurde jetzt
                                                                                                       übernahm den Part des
                                   umgesetzt. Das Plakat
                                                                                                       „alten“ Faust und Timo
                                   verriet nicht viel, es war
                                                                                                       Kloos mimte den „jun-
                                   ein Pult mit Buch, Kerze,
                                                                                                       gen“ Faust.
                                   Tintenfass und Federkiel.
                                   Umrandet von einem                                                  Die Rolle des Teufels
                                   Kreis, der zu der einen                                             übernahm Robert Wör-
                                   Hälfte aus Feuer und der                                            ner und Gott wurde von
                                   anderen aus Wasser be-                                              Falk Schuch dargestellt.
                                   stand.                                         Diese beiden hatten auch ein schlag- und
                                                                                  tatkräftiges Team um sich. Mephisto wurde
                                   Die Zuschauer bekamen die ersten Eindrü-
                                                                                  von Jessica Schwab und Greta (Agentin Zero
                                   cke vom Stück, indem sie das Programmheft
                                                                                  Zero Sept) von Lea Kehrbaum auf der Bühne
                                   durchstöberten. Dies verriet viel über den
                                                                                  präsentiert.
                                   Weg zu diesem Stück und bot einen ersten
                                   Einblick in die Kulissen und Kostüme.          Mephisto selbst wurde von Baphomet (Ce-
                                                                                  liná Magro), Vladimir (Tim Otting) und Baal
                                   Die Geschichte in der Kurzfassung:
   Fotos: Michael Kördel-Henckel                                                  (Victoria Liebel) begleitet. Die gute Seite war
                                   Es treffen sich Agenten aus Himmel und         jedoch auch nicht einsam unterwegs und
                                   Hölle, sowie Gott und der Teufel in der Zwi-   die Agentin Zero Zero Sept war in der Be-
                                   schenwelt. Gott und der Teufel haben sehr      gleitung von den Engeln Quatre-Vingt (Anna

1212   ungeschminkt Februar
         ungeschminkt       2020
                      Februar 2020
Seessle-Mais), Deux-Chevaux (Lilly van den
Bruck) und Dix-Neuf (Lea Marie Koch).
Es kommen noch einige Charaktere mehr in
diesem Stück vor, aber alle zu nennen würde
den Rahmen sprengen. Dies soll aber nicht
bedeuten, deren Leistung wäre nicht erwäh-
nenswert.
Die Charaktere wurden allesamt mit vollem
Herzen und vollem Einsatz auf die Bühne ge-
bracht. Da spielte die Größe des Charakters
und des Darstellers keine Rolle.
Das Orchester sorgte für die musikalische
Unterstützung und es war wieder ein Genuss
für die Ohren. Eine wunderbare Inszenierung
hat leider auch mal ein Ende und die Zeit
verging wie im Fluge. Das Stück hätte auch
noch länger sein können und die Zuschauer
wären noch voll dabei gewesen.
Die Abstimmung von Bühnenbild, Choreo,
Maske, Kostümen, Darstellern, Technik, Mu-
sik und allem Weiteren drum herum war wie-
der toll und wurde vom Publikum mit einem
langen und anhaltenden Applaus honoriert.
Bei der Maske, Kostümen und dem Bühnen-
bild konnte man auch bei genauem Hinse-
hen die Liebe zum Detail erkennen. Diese
Detailliebe war sehr hoch und brachte ent-
sprechende Ergebnisse zu Tage.
Viele der Gäste waren begeistert von der
Aufführung und genossen es, im Anschluss
noch auf einige Charaktere zu treffen.
Der „Faust“ halt mal ganz anders
…und als Musical.
Die TGAss sorgte für wunderbare 2,5 Stun-
den, die man so schnell nicht vergessen wird.
                                        mkh

                                                ungeschminkt Februar 2020   13
Von tierisch niedlich über schaurig schön bis erschreckend gruselig…

              Maskenbildner-Workshop in Wiesbaden
 Seminar                                            Mit wenigstens einer dieser Beschreibungen
                                                    wurde jede im Seminar erarbeitete Maske am
                                                    Ende des Tages gewürdigt. Und das ist wohl
                                                                                                      Wald-Gnom. Eine schaurig schöne Fantasy-Hexe
                                                                                                      wurde aus Christine Bandy vom Theater Verein
                                                                                                      Oberursel und Silke Henckel vom StattTheater
                                                    das größte Kompliment für jeden, ob Profi oder    Mengeringhausen e.V. steckte unter der gruse-
                                                    Amateur, denn -genau das war das Ziel. Spä-       lig aussehenden Alten Fettel mit Horroreffekt.
                                                    testens als Referentin Katrin Hunting ihre mit-   Martina und Lilly Gondolf von der Laienbühne
                                                    gebrachten Koffer, Taschen und Kleiderständer     1974 Griedel kamen als Team und auch Isabel
                                                    entpackte, war allen Teilnehmerinnen klar: Das    Magro wurde von ihrer Tochter Lilly begleitet
                                                    wird ein spannendes Wochenende!                   (beide Theatergruppe Assenheim). Die Mutter-
                                                    Mit großer Vorfreude und fast genauso großen      Tochter-Duos erwiesen sich als sehr produktiv
                                                    Erwartungen trafen alle Damen zum Masken-         und gestalteten wunderbar abstrakte Fantasy-
                                                    bildner-Seminar am Freitag, den 13., zum ge-      Charaktere. Sabine Bulik und Yvonne Ringer
                                                    meinsamen Abendessen in der Jugendherber-         vom Kaufunger Kindertheater e.V. hingegen
                                                    ge Wiesbaden ein. Nach kurzem Vorstellen und      beschäftigten sich zunächst mit den tierisch
                                                    Kennenlernen in der Gruppe zeigte sich schnell,   niedlichen Figuren, bis sie dann doch die Expe-
                                                    dass einige sich bereits aus einem Vorgänger-     rimentierlust packte und ein äußerst realistisch
                                                    kurs zu diesem kannten und durchweg be-           aussehendes Mordopfer als Ergebnis dabei he-
                                                    geistert waren. Der Abend wurde in geselliger     rauskam. Ebenfalls tierischen Charakteren wid-
                                                    Runde verbracht und nach erholsamer Nacht in      meten sich Carolin Kuhlmann und Katrin Lenz
                                                    erstaunlich bequemen Betten der Samstag mit       vom Wettenberger Sammelsurium, die mit ihrer
                                                    einem großzügigen und abwechslungsreichen         aktuellen Produktion von „Die kleine Meerjung-
                                                    Frühstücksbuffet gestartet.                       frau“ eine riesige Menge an allerlei Meeresgetier
                                                                                                      auf die Bühne bringen müssen. Zum krönenden
                                                                                                      Abschluss wurde noch Kirsten Herborg von Ka-
                                                                                                      trin Hunting in die elfengleiche Eiskönigin im
                                                                                                      Mystery-Look verwandelt und das Wochenende
                                                                                                      ging nach nahezu luxuriöser Verpflegung und
                                                                                                      Unterkunft in Wiesbaden leider am Sonntag
                                                                                                      zu Ende. Als Fazit, so waren sich alle Beteiligten
                                                                                                      einig, kann man das Seminar-Wochenende als
                                                                                                      absolut gelungen in jeder Hinsicht bezeichnen:
                                                                                                      tierisch gute Referentin und Unterbringung,
                                                                                                      niedliche und schaurig schöne Maskenarbeiten
                                                                                                      und … erschreckend gruselig, wie schnell die
                                                                                                      Zeit verging.
                                                                                                                               Alexa Hartmann-Flechtner
                                                                                                      Fotos: Kirsten Herborg

                                                    Durch die präzise und strukturierte Vorarbeit
                                                    von Kirsten Herborg (Seminar-Betreuung)
                                                    war bereits im Vorfeld der Kenntnisstand aller
                                                    Kursteilnehmerinnen in Sachen Make-up und
                                                    ihren Erwartungen an den Kursinhalt geklärt
                                                    und die Gruppe konnte direkt mit den etwas
                                                    anspruchsvolleren Masken beginnen. Thema
                                                    waren dementsprechend die „großen Verwand-
                                                    lungen“. Nachdem die Referentin tief in ihrer
                                                    Produkt- und Trickkiste gekramt hatte und die
                                                    wichtigsten Informationen zur Verarbeitung
                                                    von Kunstblut, 3D-Wimpern, SFX-Material und
                                                    Co. besprochen waren, ging es zur Sache: So
                                                    verwandelte zum Beispiel Ute Cobb (Theater
                                                    im Hayn e.V. Dreieich) ihre Schminkpartnerin
                                                    Alexa Hartmann-Flechtner (Friends of the Kel-
                                                    ler Theatre e.V. Gießen) von der vampirhaften
                                                    Fantasy-Beauty in einen fürchterlich hässlichen
1414     ungeschminkt
       ungeschminkt   Februar
                    Februar   2020
                            2020
Lügen haben junge Beine
John Smith ist Taxifahrer in London und schein-
bar ein ganz normaler Mensch.
Und doch hat er eine Besonderheit: Er ist zwei-
mal verheiratet! Deshalb finden wir uns in die-

                                                                                                             Theatergruppe Martinhagen
ser turbulenten Farce von Ray Cooney in zwei
Haushalten wieder - zum einen in der Woh-
nung von Mary Smith in Wimbledon und zum
anderen in der Wohnung von Barbara Smith in
Stratham.
Mit Mary hat John eine Tochter namens Vicky
und mit Barbara einen Sohn namens Gavin.
Johns bester Freund Stanley Gardner ist Un-
termieter in der Wohnung in Wimbledon und
auch der Einzige, der von Johns doppeltem
Spiel weiß.
Doch eine herannahende Katastrophe bedroht
das doppelte Glück: Vicky und Gavin haben
sich kürzlich per Internet kennengelernt und
wollen sich nun unbedingt gegenseitig besu-
chen. Das jedoch will John aus verständlichen
Gründen mit allen Mitteln verhindern. In seiner
Not bezieht er seinen Freund Stanley in dieses
Spiel der fantastischen Ausreden mit ein – und
kann auch nicht verhindern, dass der urlaubs-
willige Vater von Stanley in dieser turbulenten
Geschichte mitmischt.
Wie John versucht, mit Stanleys Hilfe sein Ge-
heimnis zu wahren, konnte man bei der The-
atergruppe Martinhagen mit großem Vergnü-
gen miterleben.
Eindrucksvoll in Szene gesetzt von Melanie
Janker und ihrem Assistenten Hansi Schwarz
wurden die Zuschauer von Lachsalve zu Lach-
salve geführt und deswegen sowie wegen des
häufigen Szenenapplauses mussten die Prot-
agonisten einige kurze Spielpausen einlegen.
Die Premierenvorstellung wurde flüssig und
authentisch vorgetragen, wobei Matthias
Hadwiger als Stanley Gardner ein wenig her-
ausstach. Seine Gestik und Mimik passte ganz
genau, er war stets in seiner Rolle und spielte
einfach großartig. Damit soll aber keinesfalls
die Leistung der anderen Spieler geschmälert
werden, denn das ganze Team bot eine sehr
gute Leistung.
Mein persönlicher, einziger Kritikpunkt ist, dass
das Stück - besonders im ersten Akt und in der
zweiten Hälfte des zweiten Akts - einige Län-
gen hatte. Hier wäre die Streichung diverser
Szenen und Sätze gut gewesen. Dem Erfolg
hat dies jedoch nicht geschadet, das Publi-
kum war begeistert und hatte viel zu lachen.
Der anhaltende Applaus hat dies eindeutig
gezeigt.				 fw                                                       Fotos: digiSTAGEfoto © Frank Weymann
                                                    Fotos: digiSTAGEfoto © Frank Weymann
                                                                                               ungeschminkt Februar 2020                 15
„Die
                                                                                          der Schauspieler, spitze wie immer.“ Grüll war
                                                                                          besonders beeindruckt von den wirkungsvollen
                                                                                          Kostümen und wünschte viel Erfolg für die wei-

                                   Tochter
                                                                                          teren Vorstellungen.“ „Phantastisch“, schwärmte
                                                                                          schließlich Landtagsabgeordneter Michael Reul,
     Theatergruppe Peter von Orb                                                          „40 hervorragende Darsteller, die drei Stunden
                                                                                          gutes Theater auf die Bühne gebracht haben.“

                                   des
                                                                                          Und das hat das Ensemble der Theatergruppe
                                                                                          „Peter von Orb“ in der Tat.

                                   Salzsieders“
                                   - Premiere Holzhof-Festspiele 2019 -

                                    „Genial“, brachte Thomas Reinhard, Vorstands-
                                    sprecher der VR-Bank Bad Orb – Gelnhausen
                                    seine Premiereneindrücke zur „Tochter des Salz-
                                    sieders“ auf den Punkt. Landrat Thorsten Stolz,
                                    Schirmherr der diesjährigen Bad Orber Holzhof-        „Die Tochter des Salzsieders“ von Ulrike Schwei-
                                    Festspiele, war genauso begeistert: „Großartiges      kert spielt im Jahr 1510. In der guten alten Zeit?
                                    Theater, großartige Kulisse, großartige Atmo-         Das fragt man sich, steigt man tiefer in das Mit-
                                    sphäre und großartige Geschichte. Es war ein          telalter ein, eine Zeit, die die Autorin mit all ihren
                                    wunderbarer Abend und ich kann nur jedem              bigotten Fallen, harten Strafen, meist von Män-
                                    empfehlen zu kommen.“ Bürgermeister Roland            nern gemachten Regeln und Abhängigkeiten
                                    Weiß war sichtlich stolz auf das Theaterensemble      von Dienstherren und Obrigkeiten beschreibt. In
                                    aus (überwiegend) Bürgerinnen und Bürgern sei-        ihrem Bestseller hat sie ein Zeitbild gezeichnet,
                                    ner Stadt: „Ein tolles Stück; die Schauspieler zei-   das der „guten alten Zeit“ reichlich Glanz nimmt.
                                    gen grandiose Leistungen.“ In der alten Salzstadt     Glanz gab es dennoch reichlich bei der Inszenie-
                                    Schwäbisch-Hall, wo die als Mittelalter-Detekti-      rung der Theatergruppe „Peter von Orb“ im Kul-
                                    vin brillierende „Tochter des Salzsieders“ zuhause    turkreis; denn Regisseur Michael Heim hat das
                                    ist, sah er auch Verbindungen zum alten Orb, wo       Stück glänzend umgesetzt. Mit Gespür und si-
                                    ebenfalls der Salzhandel den Wohlstand brachte.       cherer Hand hat er die Rollen so besetzt, dass die
                                    Dass der Krimi kurzweilig und spannend sei, er-       Protagonisten exakt passende Charaktere verin-
                                    freute das Stadtoberhaupt - und besonders, dass       nerlichen und gemeinsam mit ihm entwickeln
                                    die neu gegründete Kindertheatergruppe schon          konnten. Als Regieassistentin brachte sich Maya
                                    quicklebendig eingebunden war und damit               Hähndel rundherum ein. Sie übernahm zudem
                                    fast alle Altersgruppen der Kurstadt mit auf der      die anspruchsvolle Partie der Magd Marie, die
                                    Bühne standen. Heinz Grüll, Bad Orbs Stadtver-        schuldlos schuldig wurde, weil sie ein Kind von
                                    ordnetenvorsteher wertete: „Super, die Leistung       ihrem Dienstherrn erwartete. Das brachte Marie

16   ungeschminkt Februar 2020
nicht nur an den Pranger. Sie hat auch eine gro-         spiel- und wortgewandte Magd Agnes einfach
ße Bandbreite an Gefühlen auszudrücken – nur             super. Ebenso Monika Wallich (nicht nur) drama-
fröhlich durfte die junge Frau im Stück nie sein.        tisch in der Folterszene oder der Abteilungsleiter
Sie hat ja gegen ungeschriebene Gesetze ver-             Eberhard Eisentraud, dem der gediegene Rats-
stoßen. Das tut auch Anne Katharina, die Toch-           herr ebenso auf den Leib geschrieben scheint wie
ter der Salzsiederfamilie. Behütet im Wohlstand          dem Kulturkreisvorsitzenden Werner Johanns die
aufgewachsen, hat sie ein ganz anderes Selbst-           Natur von Pater Hiltbrand oder Uwe Meyer, der
bewusstsein entwickelt. Hannah Krämer ist eine           als blinder Großvater Akzente setzt – liebe- und
ideale Besetzung der Titelfigur. Facettenreich,
hübsch und beweglich bringt sie all das her-
über, was in der Rolle angelegt ist. Sie ist froh-
gemut und freundlich beim Großvater, piesackt
den zukünftigen Ehemann mit scharfer Zunge
und spitzbübischen Wendungen und weiß auch
Angst und Schrecken glaubhaft darzustellen.
Als ihre kleine heile Welt zerbricht und sie mit
einer dunklen Wirklichkeit konfrontiert wird,
nimmt sie mutig den Kampf auf. Aus anderem
Holz geschnitzt ist ihre Schwägerin Ursula, die
von Norma Herold in der Theaterfassung einer-
seits als Muster an Ehrsamkeit angelegt ist; aber
andererseits über düstere Abgründe verfügt. Sie
                schafft es, tief beeindruckend
                das große Spektrum von Emoti-            lebensvoll gespielte Sympathieträger des Stücks.
                onen homogen auszuspielen, nie           Oder Josef Schüssler als singender Bader, der
               übertrieben, immer glaubhaft, ob          von den Gassenkindern verspottet wird, oder
               hinterlistig, streng oder aufbrau-        Marco Curto als letzten Endes doch nicht so au-
                 send. Johannes Krämer mimt als          ßerhalb der Gemeinschaft denkender Wüterich
                                   Anne Katharinas       Alfred oder Lea Hirt als geziertes Bürgerstöch-
                                    Bruder den Chef      terlein. Kerstin Zischka, Geschäftsführerin der
                                     des Hauses Vo-      Theatergruppe, mimt mit herzhafter Persönlich-
                                      gelmann mit        keit die pragmatische wie emotionale Hebamme
                                       über zeugen-      Els und Todd Jenkins mit Kraft und Präsenz den
                                       der Intensität    herrischen Schultheiß. Ebenfalls herrisch, dazu
                                       und einer Fülle   zielstrebig und machtorientiert, tritt auch Alan
                                     an Stimmungen.      Eurich als Sohn des Lehnsherrn auf; sein ausge-
                                    Köstlich, wenn       glichenerer Bruder Gabriel, Stephan Schreiber,
                                    er seiner klugen     kündet zudem den Beginn des Theaterstücks mit
                                  kleinen Schwester      Trompetenklängen an. Eigentlich müsste man
                                  den Marsch bläst,      jeden Einzelnen erwähnen, so eindringlich und
                                 weil sie sich mit lo-   mit Herzblut hat sich jeder in seine Rolle einge-
                               gischen Gedanken in       funden, ob kurz vorm Teenageralter oder jenseits
                              politisierende Män-        der 80.
                           nergespräche einmischt        Alle zeigten sich am Premierenabend so text-
                            und nicht in Haushalts-      sicher, dass die verlässliche Souffleuse Stefani
                             dingen versinkt. Und,       Brasch nur ein einziges Mal weiterhelfen musste.
                             ja: Auch in der Realität    „Die Tochter des Salzsieders“ zeichnet in unter-
                              ist Hannah die (hier       haltsamer Weise ein Stück aus der Geschichte
                               aber ältere) Schwes-      nach und gibt den Menschen ein Gesicht. Span-
                                ter von Johannes.        nend ist es zudem und gibt bis kurz vor dem
                                 Fabian      Hähndel     Schluss Rätsel auf – und deshalb soll nicht mehr
                                 verkörpert       den    verraten werden. Selbstverständlich darf auch
                                  lebenslustigen         eine Prise Humor nicht fehlen, und die opulenten
                                   jüngeren Bruder       Massenszenen sind bei Michael Heim ebenfalls
                                    Vogelmann mit        ein Ereignis. Ehrensache, dass nicht nur bei der
                                    Charme        und    Taufe auf der Bühne, sondern auch das Publikum
                                     Witz, ebenso wie    gut bewirtet wird. Hervorzuheben ist auch das
                                      Felix Schnee-      Bühnenbild, das der Bad Orber Künstler Johan-
                                       weis den Sie-     nes Tittel entworfen und teils auch mit umge-
                                       der     Michel    setzt hat.
                                        Seyboth. Und
                                        Ann-Christin                         Text u. Fotos: Elsbeth Ziegler
                                         Blum ist als
                                         sprudelnd
                                                                                                        ungeschminkt Februar 2020   17
Die Kunst, in sich hinein zu hören

              Sprachseminar in Wiesbaden
 Seminar                                   „Ohne Mundrundungen bekommen Vokale
                                           oft ein dünnes Volumen“ - dies war einer der
                                                                                          So komponierten je zwei Teilnehmer aus ei-
                                                                                          nem eigenen Impuls eine Spielsituation aus
                                           Merksätze, die die Teilnehmer am Intensivse-   vier Elementen zunächst ohne Text. Den Dia-
                                           minar „Sprachhandlung in Aktion“ aus Bad       log, in dem ein Auftragsmörder wider Willen
                                           Hersfeld mit nach Hause nahmen.                zum Handeln gebracht werden sollte, gab es
                                                                                          erst im Nachhinein; er musste in die fest vor-
                                           Der Focus des Seminars lag auf dem grund-
                                                                                          gegebene Spielsituation eingepasst werden.
                                           legenden Verständnis, dass Sprache genau-
                                           so wie die physischen Handlungen von zen-      In einer anderen Übung wurde ein Tchibo-
                                           traler Bedeutung für gutes Schauspiel sind     Garantieschein mit der Stimme eines Kom-
                                           – unabhängig von der Textsorte. Gleichzeitig   paniefeldwebels, eines Sportreporters, einer
                                           bedingt jede Textart eigene Parameter, die     Märchenerzählerin und der Internet-Ikone
                                           bei der Umsetzung auf der Bühne zu beach-      Alexa vorgelesen. Ergänzt wurden diese
                                           ten sind – wie etwa der Rhythmus, die Pau-     Übungen durch praktische Hinweise zum
                                           sen, die Betonung, der Klang, die inneren      Schreiben einer Sprechpartitur und ein vor-
                                           Bilder und die Art des Hörerbezugs.            sichtiges Herantasten an einen Monolog.
                                           In dem überwiegend aus praktischen Übun-       Die Teilnehmer waren aus fast allen Teilen
                                           gen bestehenden Seminar lag ein Schwer-        Hessens angereist, wobei das Ensemble des
                                           punkt auf der Sprecherziehung: Wie macht       Philippsthaler Pavillontheaters fast vollzählig
                                           man sich die natürliche Atembewegung           anwesend war.
                                           beim Rezitieren zu Nutze? Wie vermeidet
                                                                                          Geboten wurde ein abwechslungsreiches
                                           man das Verschlucken von Silben? Wie wich-
                                                                                          Seminar ; den Referenten – Renate Neu-
                                           tig ist die eigene Hörwahrnehmung – vor al-
                                                                                          mann-Herlyn und Markus Herlyn gelang es,
                                           lem in den eigenen Körper hinein?
                                                                                          viel Wissenswertes in ansprechender Form
                                           Im schauspielerischen Schwerpunkt des          zu vermitteln, eine anregende Atmosphä-
                                           Seminars standen zentrale Probleme von         re zu schaffen und dabei den Spaß nicht zu
                                           Sprachhandlungen im Amateurtheater im          kurz kommen zu lassen.
                                           Mittelpunkt: Dem Auseinanderdriften von
                                           sprachlichen und körperlichen Handlungen
                                           sowie dem einfachen „Aufsagen“ des Textes
                                           wurde entgegengewirkt.

                                                                                                                Foto: Wolfgang Griepentrog
1818     ungeschminkt
       ungeschminkt   Februar
                    Februar   2020
                            2020
Lachen
                            bis der Schaffner kommt:
                            Wer gerne mit der Bahn fährt oder aber ge-
                            zwungen ist, sie zu benutzen, der kennt die
                            Tücken und die Unwägbarkeiten einer sol-
                            chen Unternehmung. Der hat seine eigenen
                            Erfahrungen mit Verspätungen und Zugaus-
                            fällen gemacht, kennt das Personal, das mit
                            immer neuen Reiseangeboten allzu oft über-
Stress im Champus-Express

                            fordert ist und weiß von den Angeboten, die
                            ihn im Bord-Bistro erwarten.
                            Wenn er sich dann noch von Mitreisenden
                            umgeben sieht, die alles missverstehen oder
                            gar nichts mitbekommen von dem, was um
                            sie herum passiert, dann genau hat man das
                            Szenario, mit dem die GuxThe Bühne mit
                            ihrem neuen Stück das Publikum mitnimmt
                            auf eine Bahnreise von Guxhagen bis nach
                            Körle, mit nur einem einzigen Zwischenhalt.
                            Die 350 Besucher im Guxhagener Bürgersaal
                            waren durchweg begeistert von dem sehr
                            lustigen Stück und kamen kaum aus dem La-
                            chen heraus.
                            Zwei Ganoven, die ihre Lehrzeit offen-
                            sichtlich nicht erfolgreich beendet hatten,
                            wollen das Bordbistro eines Zuges der DB
                            (Champus-Express) überfallen, was natürlich
                            gründlich daneben geht. Nachdem sie letzt-
                            lich wirklich das Geld aus der Kasse in ihren
                            Besitz gebracht haben, erfahren sie, dass der
                            Zug gar nicht an der als Fluchtpunkt ausge-
                            wählten Station halten wird, und als dann         Fotos: digiSTAGEfoto © Frank Weymann
                            auch noch der Zug durch ein Sondereinsatz-
                            kommando der Polizei auf offener Strecke
                            gestoppt wird, geraten die beiden Gangster
                            erst richtig in die Bredouille.
                            In dem homogenen Team, in dem alle nahe-
                            zu gleich gut spielten, stach für mich die un-
                            freundliche Bistrokellnerin ein wenig heraus,
                            die ihre Rolle vorzüglich verkörperte und die
                            mit Mimik, Gestik und Sprache überzeugt
                            hat.
                            Im Gegensatz zu Amateurtheatern in grö-
                            ßeren Orten und in Städten hat man in Gux-
                            hagen keine Probleme mit den Zuschau-
                            erzahlen, der Saal ist immer voll. Dies liegt
                            allerdings nicht nur an den lustigen und gut
                            gespielten Stücken, sondern ein wenig auch
                            daran, dass die Protagonisten in Guxhagen
                            persönlich sehr bekannt sind, was sich auch
                            durch anfeuernde Zwischenrufe dokumen-
                            tiert. Wer also mal kräftig „ablachen“ will und
                            sich gern gut amüsiert, ist in Guxhagen gut
                            aufgehoben.				fw

                                                                                      ungeschminkt Februar 2020      19
Amateurregisseur in einem Verein – Künstler oder Vereinsmeier?
                                                                                 Von Michael Heim, Spielleiter der Theatergruppe Peter von Orb

                                                           Seit über 20 Jahren, davon 10 Jahre in Bad Orb,         Selbstverständlich bin ich künstlerisch-ästhetisch
          Michael Heim: „Was ich gerne mal sagen wollte“   bin ich in einem Theaterverein aktiv. Es ist jetzt an
                                                           der Zeit, mal darüber nachzudenken: was mache
                                                                                                                   ambitioniert. Schließlich wird dies von vielen
                                                                                                                   Zuschauern und „Kritikern“ (auch aus unserem
                                                           ich da eigentlich, was ist mir bei diesem Engage-       Verband) beobachtet und bewertet. Doch mir
                                                           ment wichtig, wie und von wem wird das wahr-            ist dies als Spielleiter eines Vereins, eines einge-
                                                           genommen?                                               tragenen Vereins (e.V.), eindeutig zu wenig. Mir
                                                                                                                   ist das, was einen Verein ausmacht mindestens
                                                           Ich bin in meinem jetzigen Theaterverein Regis-         genauso wichtig. Hierzu gehört aus meiner Sicht
                                                           seur und stellvertretender Vorsitzender. Ich insze-     zweifellos unbedingt Jugendarbeit, die nicht nur
                                                           niere jedes Jahr ein, gelegentlich auch zwei mehr       fachbezogen auf unsere Theaterarbeit ausgerich-
                                                           oder weniger große Theaterstücke und unter-             tet ist, sondern auch Vermittlung und Vorleben
                                                           stütze den Vorsitzenden in der Vereinsführung.          von Normen und Werten unserer freiheitlich de-
                                                                                                                   mokratischen Grundordnung bedeutet.
                                                           Als Regisseur ist meine
                                                           Inszenierungsarbeit äs-
                                                           thetisch-künstlerisch am-
                                                           bitioniert. Der Zuschauer
                                                           soll ein Theaterstück als
                                                           ästhetisches Kunstwerk
                                                           erleben. Die Spieler sol-
                                                           len ihre theatralischen
                                                           Fähigkeiten während der
                                                           Probenarbeit weiterent-
                                                           wickeln und sich kreativ
                                                           in die gemeinsame Insze-
                                                           nierungsarbeit einbrin-
                                                           gen können.

                                                           Doch halt, wir sind keine
                                                           Profis, ich bin als Amateur
                                                           in einem Amateurthea-
                                                           terverein in einer Klein-
                                                           stadt in der Provinz aktiv.

                                                           Was mache ich alles in
                                                           dieser Funktion unter diesen speziellen Bedin-          Hierzu gehört ebenso das Integrieren von Mi-
                                                           gungen?                                                 granten, das Einbinden von Behinderten, aber
                                                                                                                   auch von einsamen Menschen, von Menschen,
                                                           Ich recherchiere ständig, welche Stücke                 die neu in der Gemeinde sind, Kontakte suchen
                                                                                                                   und sich in der Gemeinschaft integrieren und
                                                           •   sich für „mein“ sehr heterogenes, oft wech-         engagieren, einfach nur mitmachen wollen. Es
                                                               selndes und manchmal auch mit neuen,                geht auch darum, sich gegen die vielen ande-
                                                               unerfahrenen Spielern gebildetes Ensemble           ren Vereine: Traditionsvereine, Sportvereine,
                                                               eignen,                                             Hobbyvereine, musische Vereine, Kulturvereine,
                                                           •   auf „meiner“ speziellen Bühne, mit unseren          Weltanschauungsvereine, Umwelt- und Natur-
                                                               fachlichen, technischen, finanziellen Mög-          schutzvereine, Selbsthilfevereine, karitative und
                                                               lichkeiten in Frage kommen und                      humanitäre (Fremdhilfe-)Vereine, Förder- und
                                                                                                                   Trägervereine zu behaupten, dabei den eigenen
                                                           •   ich überlege natürlich auch, welche Zu-             Verein weiterzuentwickeln und außerdem zu-
                                                               schauer angesprochen werden und vor al-             kunftstauglich zu machen.
                                                               lem auch kommen sollen.
                                                                                                                   Mein gegenwärtiger Eindruck ist, dass dieser Ver-
                                                           Aber ich bin noch viel mehr als „nur“ Regisseur.        einsaspekt in der Theaterszene heutzutage was
                                                           Ich bin Dramaturg, Bühnenbauer, Lehrer der Spie-        Förderung, Beachtung und Wertschätzung die-
                                                           ler und für die Stimmungslage der Aktiven sowie         ser Arbeit betrifft eine eher untergeordnete Rolle
                                                           die Atmosphäre im Verein wesentlich verant-             spielt. Ein „normaler“ Theaterverein wird kaum
                                                           wortlich. Ich muss immer sehr genau überlegen,          mehr zur Kenntnis genommen. Besonderheiten
                                                           wie ich bei schauspielerischen/darstellerischen         finden Aufmerksamkeit, mir scheint, dass man
                                                           Unzulänglichkeiten produktiv Kritik übe und wie         heutzutage mit Jugendtheater, Seniorentheater,
                                                           ich mit den üblichen menschlichen Schwächen             Theater mit Migranten, inklusivem Theater nicht
                                                           bzgl. Pünktlichkeit, Text(un)sicherheit, Launen         nur eine größere Beachtung, sondern auch eine
                                                           und Stimmungen umgehe.                                  stärkere finanzielle Förderung erfährt.

20   ungeschminkt Februar 2020
Seitdem ich in Hessen bin und mich neben             Mir persönlich geht es darum, dass diese Aspekte
meiner Tätigkeit im eigenen Verein auch für die      wieder einmal in den Fokus der Amateurtheater
Verbandsarbeit interessiere, beobachte ich die-      gelangen, zumindest aber wieder mal reflektiert
se Entwicklung. Nach Besuchen der Aufführun-         werden. Nach wie vor bin auch ich der Auffas-
gen der verschiedenen Theatergruppen wird in         sung, dass das Engagement im inklusiven Thea-
manchen Rezessionen über die darstellerische         ter oder mit Migranten etc. besonders gefördert
Kompetenz der Spieler, deren sprachlichen Fä-        werden muss. Nach wie vor lege auch ich Wert
higkeiten, über Kostüme und Bühnenbild meist         auf ästhetisch-künstlerisch ambitionierte Insze-
wohlwollend, manchmal auch (unnötig) hart,           nierungen (was auch immer man darunter ver-
geschrieben. Über die Inszenierung an sich, liest    stehen mag).
man oft wenig bis nichts. Und was wirklich hin-
ter der Projektarbeit liegt, ist aufgrund der nur    Aber mein Schwerpunkt ist und bleibt die so-
augenscheinlichen Beobachtung folglich keine         ziale Komponente, der gesellschaftspolitische
Aussage zu finden. Hierzu einige Beispiele: Der/     Aspekt. Mir ist es z.B. lieber, dass ein Zuschauer
die Spieler*In aus Syrien, Eritrea o. Afghanistan    mal einen Satz nicht versteht, als dass eine/r mei-
hatte eine Sprechrolle bekommen, da dessen/          ner Spieler*Innen nicht mitspielen darf. Und vor
deren Deutschkenntnisse das jetzt möglich            allem geht es mir darum, unsere Zuschauer zu
machten. Der Spieler X hat einen „komischen“         unterhalten, deren alltägliche Sorgen vergessen
Akzent, weil er ein seit vielen Jahren in Deutsch-   zu machen. Auch die Aktiven sollen Freude an ei-
land lebender US-Bürger ist. Die Spielerin Y, die    nem Theaterprojekt haben, die Arbeit des Vereins
bei der Aufführung so leise war, hatte vor einem     soll eine Bereicherung für meine Gemeinde sein
Jahr einen leichten Schlaganfall mit auftretenden    und ich selbst möchte mich über die Arbeit mit
Sprachproblemen. Nach der Saison allerdings          meinem Ensemble, den vielen anderen drumhe-
wieder an Selbstsicherheit und Bewusstsein ge-       rum und dem späteren Applaus der Zuschauer
wonnen und ihre Probleme fast im Griff. Der/die      erfreuen können. Darum geht es mir, da habe
unsichere Spieler*In kannte bei der ersten Probe     ich den Anspruch, dass dies gewürdigt und eben
gerade denjenigen, der sie mitbrachte. Jetzt ist     auch ideell und finanziell mehr als bisher unter-
er/sie aber sicherer und wurde schon zu einer        stützt wird.
Geburtstagsfeier eingeladen. Der/die Spieler*In
                                                      Fotos:
mit Polio oder mit einer Beinprothese hat sei-
                                                     links: Michael Heim beim Treffen der „Nord“, „Ost“ und
ne/ihre Behinderung völlig vergessen gemacht
                                                     „Süd“ Gruppen.
und als gleich wichtiges Ensemblemitglied beim
Schlussapplaus totale Glücksgefühle gehabt.          unten: Michael Heim und „seine“ Gewinner des KiJu-
                                                     Theater Wettbewerbs des VHA.

 Fotos: digiSTAGEfoto © Frank Weymann

                                                                                                      ungeschminkt Februar 2020   21
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