Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt Länderbericht Bremen - Eine Studie zu den direkten und indirekten ...
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Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt Eine Studie zu den direkten und indirekten Kosten des Übergangs- geschehens sowie Einspar- und Wertschöpfungspotenzialen bildungspolitischer Reformen Länderbericht Bremen
Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt Eine Studie zu den direkten und indirekten Kosten des Übergangsgeschehens sowie Einspar- und Wert- schöpfungspotenzialen bildungspolitischer Reformen Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Kontakt: Clemens Wieland Project Manager Programm Zukunft der Beschäftigung Bertelsmann Stiftung Telefon 05241 81-81352 Fax 05241 81-681352 E-Mail clemens.wieland@bertelsmann.de www.bertelsmann-stiftung.de
Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 98
3.6 Bremen
3.6.1 Die zentralen Ergebnisse im Überblick
In Bremen stellen sich vielfältige Herausforderungen am Übergang von der Schule in eine Berufsausbil-
dung sowie bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.
- Schulabgänger: Etwa 7 Prozent der Schulabgänger verließen im Jahr 2006 die allgemeinbildenden
Schulen ohne Schulabschluss, gut 21 Prozent konnten einen Hauptschulabschluss vorweisen. Da-
mit erwarben 2.274 Schulabgänger oder 28,4 Prozent maximal einen Hauptschulabschluss und
damit anteilig deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (32,2 Prozent).
- Altbewerber: Der Anteil der bei den Arbeitsagenturen registrierten Altbewerber an allen Bewerbern
um eine Ausbildungsstelle lag 2005/2006 mit 60,9 Prozent deutlich oberhalb des deutschen Durch-
schnittswerts (50,5 Prozent).
- Jugendarbeitslosigkeit: Bremen weist im Jahr 2006 mit 14,1 Prozent eine relativ hohe Jugendar-
beitslosigkeit auf.1
Zur Unterstützung benachteiligter Jugendlicher wird eine Vielzahl von Förderinstrumenten eingesetzt,
die folgendes Profil aufweisen:
- Teilnehmer an Berufsvorbereitung: Im Jahr 2006 befanden sich 2.252 Teilnehmer in Maßnahmen
der Berufsvorbereitung. Diese Zahl entspricht in etwa der Zahl der Schulabgänger mit maximal
Hauptschulabschluss. Sie liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt, der eine Relation von 1,4 zu 1
aufweist.
- Ausgaben des Landes: Das Bundesland Bremen wendete im Jahr 2006 einschließlich EU-Mittel
etwa 14 Mio. Euro für die Integration Jugendlicher in Ausbildung und Beschäftigung auf. Gemessen
an den Pro-Kopf-Ausgaben (Landesmittel einschl. EU-Mittel) ergibt sich in Bezug auf die Anzahl der
Absolventen mit maximal einem Hauptschulabschluss ein Betrag von 6.100 Euro. Dies liegt unter-
halb des Durchschnittswertes von 7.700 Euro für alle Bundesländer.
- Förderstruktur: Der weitaus größte Teil dieser Fördermittel (63 Prozent) entfällt auf die Finanzie-
rung der Berufsvorbereitung an beruflichen Schulen. Zudem werden weitere 27 Prozent der
Gesamtausgaben in Förderprogramme im Zielbereich Berufsvorbereitung investiert. Die Ausgaben
für Programme im Zielbereich Ausbildungsförderung betragen etwa 4 Prozent und im Zielbereich
Berufsorientierung etwa 6 Prozent der Gesamtausgaben.
Die Analyse zeigt, dass in Bremen ein vergleichsweise hoher Aufwand (pro Kopf) für die Gruppe der
benachteiligten Jugendlichen betrieben wird. Da keine geeigneten Daten zur Verfügung standen, konn-
ten allerdings für die Ausgaben der Stadt Bremen nur Daten aus sekundären Quellen verwendet
werden. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie der hohe Altbewerberanteil verdeutlichen, dass der För-
derbedarf relativ hoch ist. Insbesondere im Anschluss an berufsvorbereitende Maßnahmen schei-nen
Probleme beim Übergang in eine Berufsausbildung zu bestehen. Hinzu kommt, dass gerade in Bremer-
haven das Angebot an Ausbildungsplätzen und schulischen Ausbildungsangeboten vergleichsweise
gering ist. Insgesamt sollten die Bemühungen an der Schnittstelle von Schule und Beruf in Bremen wei-
ter verstärkt werden, um zukünftig eine weitere Reduzierung der Problemgruppe zu erreichen.
1
Im Jahr 2007 ist die Jugendarbeitslosigkeit auf 11,1 Prozent gesunken.Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 99
Tabelle 3.6.1: Daten, Fakten und Ergebnisse im Überblick
Bremen 2006
Allgemeine Informationen
Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren 77.918
Absolventen/Abgänger von allgemeinbildenden Schulen 8.005
darunter: Absolventen/Abgänger mit maximal Hauptschulabschluss 2.274
Jugendarbeitslosenquote (in Prozent) 14,1
Schüler an beruflichen Schulen
Berufliche Schulen insgesamt 26.154
darunter: Berufsschulen im dualen System 17.752
Teilnehmer an Fördermaßnahmen der BA (Jahresdurchschnitt)
Teilnehmer an Maßnahmen der Berufsvorbereitung insgesamt 2.252
darunter: BvB-Maßnahmen 549
darunter: EQJ 168
Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher 695
Ausgaben zur Integration Jugendlicher (in Tausend Euro)
Gesamtausgaben für die Integration 13.962
darunter: Berufsorientierung 825
darunter: Berufsvorbereitung (Förderprogramme) 3.777
darunter: Berufsvorbereitung (Berufliche Schulen) 8.740
darunter: Ausbildungsförderung 620
darunter: Integration an der zweiten Schwelle 0
Quellen: KMK; StBA; Statistisches Landesamt Bremen; Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit,
Jugend und Soziales (2008); eigene Berechnungen | BertelsmannStiftungVolkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 100
3.6.2 Besonderheiten des Ausbildungssystems
Nach dem Bremer Schulgesetz existieren neben der üblichen Form des Berufsgrundbildungsjahrs wei-
tere ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge in Voll- und Teilzeitform (AVBG-VZ, AVBG-TZ). An den
Berufsfachschulen wurde zudem eine Berufseingangstufe eingerichtet (B/BFS). Diese Bildungsgänge
lassen sich wie folgt beschreiben (vgl. dazu auch Tabelle 3.6.2):
- Ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge: Nach § 30 Bremisches Schulgesetz können ausbil-
dungsvorbereitende Bildungsgänge in beruflichen Schulen eingerichtet werden. Tatsächlich werden
diese insbesondere an Berufsschulen in Voll- und Teilzeitform unterrichtet. In Vollzeit werden aller-
dings nur die Bildungsgänge unterrichtet, die in Trägerschaft des Senators für Bildung und
Wissenschaft oder des Magistrats der Stadt Bremerhaven durchgeführt werden. Die übrigen in Teil-
zeit unterrichteten Bildungsgänge werden ergänzend zu Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation
oder Lehrgängen zur Vorbereitung auf die berufliche Erstausbildung durchgeführt, die in fremder
Trägerschaft stehen. Dazu gehören beispielsweise Förder- und Eingliederungslehrgänge der Ar-
beitsämter. In den ausbildungsvorbereitenden Bildungsgängen wird eine einjährige berufliche
Grundbildung in unterschiedlichen Fachrichtungen angeboten, wie z. B. Bautechnik und -gestaltung,
Ernährungs-, Textil-, Holz- und Metalltechnik oder Wirtschaft und Verwaltung. Gemeinsames Ziel
der ausbildungsvorbereitenden Bildungsgänge ist neben der Förderung schulischer und beruflicher
Kompetenzen, den Schülern die Möglichkeit zum Nachholen des einfachen oder erweiterten Haupt-
schulabschlusses zu geben und ihnen letztlich eine betriebliche Erstausbildung zu vermitteln.
- Berufseingangsstufe (B/BFS): Dieser Bildungsgang konzentriert sich auf Schüler von Hauptschu-
len, die nur eine geringe Aussicht auf einen erfolgreichen Hauptschulabschluss oder bereits für
neun Jahre eine allgemeinbildende Schule besucht haben. Grundsätzlich umfasst die Zielgruppe je-
doch alle schulpflichtigen Jugendlichen ab dem 10. Schulbesuchsjahr. Die an Berufsfachschulen
angebotene Berufseingangsstufe wird in Vollzeitform durchgeführt und kann einer beruflichen Aus-
bildung an einer Berufsfachschule, die zu einem Berufsabschluss führt, als erstes Jahr
vorgeschaltet sein. In der Berufseingangsstufe werden berufliche Grundkenntnisse zur Vorbereitung
auf die Aufnahme einer Ausbildung in unterschiedlichen Fachrichtungen vermittelt2 und es besteht
die Möglichkeit zum Erwerb oder Nachholen eines (qualifizierten) Hauptschulabschlusses.
2
Siehe ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge.Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 101
Tabelle 3.6.2: Ausgaben für berufliche Schulen zur Integration Jugendlicher, Bremen, 2001 bis 2006
2001 2002 2003 2004 2005 2006
Berufliche Schüler im Zielbereich Integration
AVBG-VZ 439 506 547 640 535 517
AVBG-TZ 542 598 431 413 470 424
BGJ (VZ) 17 20 19 16 19 12
B/BFS 652 641 637 633 584 582
Kosten an beruflichen Schulen (in Tausend Euro)
AVBG-VZ 2.897 3.188 3.720 3.840 3.531 4.136
AVBG-TZ 1.572 1.615 1.336 1.322 1.222 1.145
BGJ (VZ) 94 80 78 78 82 84
B/BFS 4.434 3.974 3.695 3.545 3.504 3.376
Insgesamt 8.996 8.857 8.828 8.785 8.339 8.740
Quellen: KMK; StBA; Statistisches Landesamt Bremen; eigene Berechnungen | BertelsmannStiftung
3.6.3 Landesprogramme
Das Land Bremen hat die bremer arbeit gmbh (bag) und die Bremerhavener Arbeit GmbH (BRAG) mit
der Umsetzung der arbeitsmarktpolitischen Förderprogramme des Landes in den Städten Bremen und
Bremerhaven beauftragt. Diese bewirtschaften die Mittel des Beschäftigungspolitischen Aktionspro-
gramms (BAP). Das BAP bildet das arbeitsmarktpolitische Gesamtbudget Bremens ab. Es setzt sich
aus Landes- und EU-Mitteln zusammen. Schwerpunkte des BAP bilden die Qualifizierung Beschäftigter
und die Starthilfe für Existenzgründer über Qualifizierungsfonds bzw. Starthilfefonds. Im Rahmen der
Qualifizierungsfonds werden Innovationen der beruflichen Erstausbildung, die Berufsausbildung im Ver-
bund, das Programm Lernortverbünde, Ausbildungspartnerschaften sowie das Programm
Ausbildungsinitiative Bremen/Bremerhaven (AIBB) gefördert.
Die folgenden Angaben sind im Wesentlichen einem Evaluationsbericht zur Umsetzung der EU-
Strukturfondsmittel im Rahmen des BAP der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und So-
ziales (SAFGJS) entnommen, da auf Anfrage keine geeigneteren Daten zur Verfügung gestellt wurden.
- Berufsorientierung und Beratung: Im Mittelpunkt dieser BAP-Maßnahme stehen Beratungsange-
bote, die mit dem Ziel gefördert werden, die Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Es soll
eine rasche Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt oder in Ausbildung erreicht werden. Neben an-
deren Personenkreisen umfasst die Zielgruppe mehrheitlich jüngere Personen unter 25 Jahren
sowie zu etwa 27 Prozent Schüler. Bei der Förderung handelt es sich um mehrere Einzelinitiativen,
wobei hier auch im Sinne des Gender-Mainstreaming frauenspezifische Projekte gefördert wurden.
Zu den wesentlichen Instrumenten gehören hier Kurzberatungen und Auskünfte, Intensivberatungen
und Beratungsprozesse. Aufgrund der Zielsetzung wird das Programm dem Zielbereich Berufsorien-
tierung zugeordnet.
- Innovationen in der beruflichen Erstausbildung: Jugendliche in Bremen und Bremerhaven wer-
den dabei unterstützt, einen Ausbildungsplatz zu finden oder ihre Ausbildung erfolgreich
abzuschließen. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der direkten Vorbereitung von Jugendlichen auf die
Ausbildung. Darüber hinaus steht die Einwerbung und Sicherung von Ausbildungsplätzen im Vor-
dergrund. Allgemeines Ziel ist es, neue innovative Formen für ausbildungsbegleitendeVolkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 102
Hilfestellungen zu entwickeln. Im Kern werden mehrere Projektarten unterstützt, wie z. B. die Ver-
knüpfung schulischer Regelangebote mit spezifischen Förderangeboten, die Schaffung von
Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer, die Innovationen in der beruflichen Erstausbildung unterstüt-
zen, Qualifizierung und Beratung von Jugendlichen in der Ausbildung usw. Im Einzelnen werden im
Rahmen dieses Programms u. a. die folgenden Projekte gefördert:
- Ausbildung – bleib dran3
- Nachwuchsförderung IT und naturwissenschaftliche Berufe (Robot 2)4
- Kwallie aktiviert junge Erwerbslose (KAJE)5
- Qualifizierung, Stabilisierung, Integration benachteiligter Jugendlicher im Zentrum für Schule und
Beruf (Quasi)6
- Förderung von Ausbildungsmessen im Land Bremen
- Berufliche Lebensplanung für junge Mütter (BeLeM)7
- Berufsvorbereitung für junge Mütter (Spagat)8
- Innovative Qualifizierung von Berufsschullehrer/innen II (IQ-BEL)9
- Verbesserung der Berufsfähigkeit von Jugendlichen mit Bildungsdefiziten oder sozialen Herkunfts-
nachteilen durch sozialpädagogische Unterstützung (SoPu)10
- Berufsorientierung und Berufspraxis für BremerInnen aus aller Welt (BPE)
- und andere.11
Im Rahmen dieses Titels wird also ein breites Spektrum an Projekten gefördert, die eine Vielzahl
von Zielgruppen ansprechen. Hinsichtlich der Schwerpunkte in den Projekten wird überwiegend die
Berufsvorbereitung gefördert, obwohl aufgrund der Heterogenität der Projekte auch andere Zielbe-
reiche angesprochen werden. Da jedoch eine Disaggregation der Mittel nach einzelnen Projekten
(und Jahren) nicht möglich ist, wird hier nur die Gesamtsumme betrachtet, die dem Bereich Berufs-
vorbereitung zugeordnet wird.
- Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze: Unter dem Dach dieses Programms werden die fol-
genden Initiativen gefördert:
Verbundausbildung (ABiG): Die Ausbildungsgesellschaft Bremen mbH (ABiG) wurde im Jahr
2004 gegründet, um das Ausbildungsgeschehen für den bremischen öffentlichen Dienst zu or-
ganisieren und das Ausbildungsplatzangebot weiter auszubauen. Seit ihrer Gründung werden
bis zum 1. September 2007 ca. 500 Auszubildende mit der ABiG einen Berufsausbildungsver-
trag geschlossen haben. Diese Zahl an Ausbildungsplätzen konnte dadurch erreicht werden,
dass der Senat Bremens weitere finanzielle Mittel für den Bereich der Ausbildung bereitgestellt
hat. Auf dieser Basis stellen Dienststellen, Eigenbetriebe und Gesellschaften des bremischen öf-
fentlichen Dienstes alljährlich Ausbildungsplatzkapazitäten zur Verfügung. Da die ABiG auch
Kooperationsbetriebe in der Wirtschaft in die Ausbildung einbezieht und in diesem Zusammen-
hang die Verbundausbildung in und zwischen Kooperationsbetrieben organisiert, werden die
entsprechenden Maßnahmen hier nicht berücksichtigt.
3
vgl. http://www.bleibdran.uni-bremen.de/
4
vgl. http://www.meta.uni-bremen.de/robot2/
5
vgl. http://www.awo-bremerhaven.de/dscontent/jugendliche-jugendprojekte-kaje/45-59-65
6
vgl. http://www.zsb-bremen.de/zsb/projekte/info.php?id=2
7
vgl. http://www.abs-bremen.de/projekte/belem.htm
8
vgl. http://www.abs-bremen.de/projekte/spagat.htm
9
vgl. http://projektplattform.homeip.net/projekte/IQBEL
10
vgl. http://projektplattform.homeip.net/projekte/SopU/603
11
vgl. für eine umfassendere Aufzählung SAFGJS (2008) auf Seite 260Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 103
Lernortverbünde und Ausbildungspartnerschaften: Das Projekt zielt darauf, die Möglichkei-
ten partnerschaftlicher Ausbildung zu fördern. Unterziele sind die Erhöhung der
Ausbildungsqualität, die Reduzierung von Ausbildungskosten, der Erhalt von Ausbildungsplät-
zen sowie die Schaffung zusätzlicher dualer Ausbildungsplätze und die Weiterentwicklung der
beruflichen Ausbildung. Das Projekt existiert neben der Verbundausbildung. Die Integration von
Jugendlichen, die Probleme beim Übergang in Ausbildung und Beschäftigung haben, steht al-
lerdings nicht im Vordergrund des Projektes. Daher werden die verausgabten Mittel nicht den
Kosten der Integration Jugendlicher zugeordnet.
Ausbildungsinitiative Bremen/Bremerhaven (AIBB): Um auch bildungsbenachteiligten Ju-
gendlichen eine Chance auf Ausbildung zu geben, hat das Bremer Bündnis für Arbeit und
Ausbildung das Programm AIBB initiiert. Bis Ende 2007 sollen 290 duale Ausbildungsplätze für
sozial- und bildungsbenachteiligte Jugendliche geschaffen werden. Es richtet sich an Jugendli-
che, die einen Ausbildungsplatz suchen und ohne besondere Unterstützung auf dem
Ausbildungsmarkt chancenlos sind. Die Jugendlichen erhalten einen Ausbildungsvertrag beim
Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet e. V. und werden in Kooperationsunter-
nehmen ausgebildet. Die ausbildenden Betriebe werden damit von Aufgaben des
Personalmanagements (z. B. der Abrechung der Ausbildungsvergütung usw.) entlastet. Zudem
steht ihnen ein breit gefächerter kostenloser Service durch ein externes Ausbildungsmanage-
ment zur Verfügung. Die Ausbildungsvergütung wird von den Betrieben gezahlt. Das Programm
ist daher dem Zielbereich Ausbildungsförderung zuzuordnen.
Da differenzierte Daten zu den Ausgaben der einzelnen Programme nicht vorliegen, sondern nur
das Gesamtbudget erfasst wurde, ist eine separate Berücksichtigung des Projekts AIBB schwierig.
Um nicht dieses Projekt komplett zu vernachlässigen, wird ein Drittel der Gesamtausgaben als Aus-
gaben dem Projekt AIBB zugewiesen. Diese sind in den Tabellen 3.6.3 und 3.6.4 wiedergegeben.
- Starthilfefonds: In Bremen gibt es seit 1984 mit den Starthilfefonds ein Existenzgründungsförde-
rungsprogramm für Arbeitslose, Frauen und kleine Unternehmen. Der Starthilfefonds ist eingebettet
in die bremische Mittelstandsförderung. Mit der Gewährung von Zuschüssen für die Schaffung und
Besetzung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen mit je 5.000 Euro pro Ausbildungsplatz ist die Aus-
bildungsförderung von kleinen Existenzgründungen in den Starthilfefonds integriert. Laut der
Angaben in SAFGJS (2008) werden im Rahmen der Förderung kaum Jugendliche erreicht. Das
Programm wird deshalb nicht quantifiziert.
Zudem werden im Rahmen des Landesinvestitionsförderprogramms (LIP) und mit der Gewährung von
Zuschüssen zur Förderung der betrieblichen Berufsausbildung und Anschlussbeschäftigung für KMU
und Freiberufler zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. Die Programme sind daher ebenfalls dem
Bereich Ausbildungsförderung zuzuordnen. Allerdings sind keine geeigneten Informationen über die
eingesetzten Mittel verfügbar.
- Bonus zur Schaffung von Ausbildungsplätzen: Im Rahmen des Landesinvestitionsförderpro-
gramms (LIP) kann ein Bonus für die Schaffung von Ausbildungsplätzen bewilligt werden. Gefördert
wird die Schaffung und Besetzung von zusätzlichen dauerhaften Ausbildungsplätzen, sofern die
Zahl der bestehenden Ausbildungsplätze nach Abschluss der Investitionsmaßnahme höher ist als
unmittelbar vor Investitionsbeginn, die zusätzlichen Ausbildungsplätze mindestens für die Dauer ei-
nes regulären Ausbildungsverhältnisses geschaffen und besetzt werden und die
Ausbildungsverhältnisse zeitnah beginnen. Die Förderung erfolgt in Höhe eines Festbetrages von
5.000 Euro pro zusätzlichem Ausbildungsplatz. Die Bonusförderung wird im Haushalt nicht getrennt
erfasst. Geschätzt fallen ca. 100.000 Euro Ausgaben im Jahr an. Weitere Daten sind nicht verfüg-
bar.Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 104
- Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der betrieblichen Berufsausbildung und An-
schlussbeschäftigung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Freiberufler in
Bremerhaven: Ziel der Förderung ist die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen, um den
Ausbildungsplatzmangel zu bekämpfen. Gefördert werden die Besetzung der zusätzlich geschaffe-
nen Ausbildungsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit Betriebsstätten in
Bremerhaven sowie die Anschlussbeschäftigung dieser Auszubildenden. Gefördert wird mit einem
einmaligen Zuschuss pro zusätzlich geschaffenem Ausbildungsplatz in Höhe von 2.500 Euro. Für
die unmittelbare Anschlussbeschäftigung gibt es einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 1.500 Eu-
ro. Im Haushalt werden hierfür 250.000 Euro veranschlagt.
- Die Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales (BAgIS): Die BAgIS fördert die
Integration Jugendlicher mit weiteren Maßnahmen. Die BAgIS wurde im Zuge der Hartz-Reformen
2005 gegründet und nimmt seitdem alle Aufgaben nach dem SGB II wahr. Die eingesetzten Mittel
zur Integration Jugendlicher (z. B. für Azubiplus) sind einerseits Mittel der Stadt Bremen, anderer-
seits auch Mittel der BA. Eine Differenzierung ist derzeit nicht möglich. Da ein großer Teil der Mittel
bereits im Rahmen der BA erfasst wird, werden die Ausgaben an dieser Stelle nicht erfasst.
Da zu den zuletzt genannten Programmen keine (geeigneten) Daten vorliegen, enthalten die Tabellen
3.6.2 und 3.6.4 nur die (teilweise geschätzten) Daten aus dem Evaluationsbericht zur Umsetzung der
EU-Strukturfondsmittel im Rahmen des BAP der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und
Soziales (SAFGJS, 2008). Insofern bleiben die Angaben unvollständig.Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 105
Tabelle 3.6.3: Ausgaben der Landesprogramme, Bremen, von 2001 bis 2007
Förderprogramme des Landes 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Landesmittel
Berufsorientierung und Beratung 686 841 803 471 41 - -
Innovationen in der beruflichen Erstausbildung - - - - - 39 265
Ausbildungsinitiative Bremen / Bremerhaven
156 156 314 287 149 74 -
(AIBB)
Bonus zur Schaffung von Ausbildungsplätzen k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der
k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
betrieblichen Berufsausbildung usw.
Summe Landesmittel (1): 842 997 1.117 758 190 113 265
ESF-Mittel
Berufsorientierung und Beratung 838 746 433 531 632 825 946
Innovationen in der beruflichen Erstausbildung 103 - - 37 2.073 3.738 4.144
Ausbildungsinitiative Bremen / Bremerhaven
184 468 491 908 332 546 585
(AIBB)
Bonus zur Schaffung von Ausbildungsplätzen k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der
k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
betrieblichen Berufsausbildung usw.
Summe ESF-Mittel (2): 1.125 1.214 924 1.476 3.037 5.109 5.675
Gesamter Mitteleinsatz (1) + (2): 1.967 2.211 2.041 2.234 3.227 5.222 5.940
Weitere Mittel (u.a. Bundesmittel)
Berufsorientierung und Beratung - - - - 363 233 141
Innovationen in der beruflichen Erstausbildung - - - - 86 116 -
Ausbildungsinitiative Bremen / Bremerhaven
- - - - 72 - -
(AIBB)
Alle Angaben in Tausend Euro, Angaben sind unvollständig
Quelle: Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, 2008 | BertelsmannStiftungVolkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 106
Tabelle 3.6.4: Zuordnung der Mittel zu den Zielbereichen, Bremen
Berufs- Berufs- Ausbildungs-
Zielbereiche der Maßnahmen (Jahr: 2006) Zweite Schwelle
orientierung vorbereitung förderung
Landesmittel
Berufsorientierung und Beratung -
Innovationen in der beruflichen Erstausbildung 39
Ausbildungsinitiative Bremen / Bremerhaven (AIBB) 74
Landesinvestitionsförderprogramm k.A.
Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der betriebli-
k.A.
chen Berufsausbildung usw.
ESF-Mittel
Berufsorientierung und Beratung 825
Innovationen in der beruflichen Erstausbildung 3.738
Ausbildungsinitiative Bremen / Bremerhaven (AIBB) 546
Landesinvestitionsförderprogramm k.A.
Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der betriebli-
k.A.
chen Berufsausbildung usw.
Summe: 825 3.777 620 0
Alle Angaben in Tausend Euro, Angaben sind unvollständig
Quelle: Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, 2008 | BertelsmannStiftung
3.6.4 Literaturverzeichnis
Bremen.online GmbH, 2008, Landesinvestitionsförderprogramm (LIP 2008) – Bremen, URL:
http://www.bremen.de/sixcms/detail.php?id=3502435&_hauptid=551438&_subid=928901&_
kidsid=3066435 [Stand: 2008-06-14]
Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales (BAgIS), 2007, Integrations- und Arbeits-
marktprogramm der BAgIS für 2007, URL:
http://www.bagis.de/download/Arbeitsmarktprogramm2007.pdf [Stand: 2008-06-13]
Bremisches Schulgesetz vom 20. Dezember 1994 (Brem. GBl. S. 327), zuletzt geändert am
27. Juni 2000 (Brem.GBl. S. 237)
Mächtle, Thomas, 2004, Bremer Landesprogramm Lernortverbünde und Ausbildungspartnerschaften,
Zwischenbilanz, IT+B-Arbeitspapiere Nr. 50, URL:
http://www.itb.uni-bremen.de/downloads/Forschung/AP_50.pdf [Stand: 2008-06-19]
Reichert, Carina, o.J., Abschluss Nachmachen – Wege zum Hauptschulabschluss, URL:
http://www.bremen4u.de/content/index.php?id=156&artikel=448 [Stand: 2008-06-12]Volkswirtschaftliche Potenziale am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt | Seite 107 Der Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bremen, 2008, Aktive Arbeitsmarktpolitik des Landes Bremen, URL: http://www.bremen.de/ fastmedia/36/AktiveArbeitsmarktpolitikdesLandesBremen.pdf [Stand: 2008-06-09] Der Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bremen, 2003, 20 Jahre Starthilfefonds, URL: http://www.microlending-news.de/artikel/ Jahresbericht_2003_Starthilfefonds.pdf [Stand: 2008-06-09] Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bre- men, 2008, Evaluation zur Umsetzung der EU-Strukturfondsmittel im Rahmen des BAP, Bremen Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bre- men, 2007a, Überblick über Beratungsangebote zur Ausbildungs- und Berufsorientierung in Bremen und Bremerhaven, unveröffentlichtes Manuskript Die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bre- men, 2007b, Übersicht von Maßnahmen für Jugendliche unter 25 Jahren, unveröffentlichtes Manuskript Statistisches Landesamt Bremen, 2007, Statistische Berichte B II 1, 2, 4 - j/06, URL: http://www.statistik.bremen.de/sixcms/media.php/13/BII1_2_4_2007_Berufliche Prozent20 Schulen.pdf [Stand. 2008-06-08]
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