W MITARBEITERWOHNEN MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK - RegioKontext

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Wirtschaft
  macht
ohnen

    MITARBEITERWOHNEN
MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK
W MITARBEITERWOHNEN MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK - RegioKontext
EDITORIAL
»...und dann waren da früher ja noch die
Werkswohnungen.«

Diesen Satz hörten wir immer wieder bei unseren                              In unseren Gesprächsrunden mit den Fachverbänden stieß die-
Vor-Ort-Recherchen in Städten mit angespannten                               se Idee auf großes Interesse. Das spornte uns an, gezielt nach
Wohnungsmärkten.                                                             aktuellen Fallbeispielen zu suchen. Wir sind in ganz Deutsch-
                                                                             land fündig geworden: Da gibt es z.B. einen Großbäcker in
Denn Unternehmen könnten dort Mietwohnungen                                  Berlin oder die Stadtwerke in München: Sie stellen eigene
bauen, wo bezahlbare und bedarfsgerechte Wohnun-                             Wohnungen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit.
gen am dringendsten benötigt werden: in den Städ-                            Und sie machten es zeitgemäß, d.h. kleinteiliger, passgenauer,
ten, in der Nähe der Arbeitsplätze. So kam uns der                           vielfältiger als das traditionsreiche Pendant, suchen nach prag-
Gedanke: Kann man dieses – eigentlich historische                            matischen Lösungen.
– Thema der Werkswohnungen auch neu und zeitge-
mäß denken?                                                                  Ein neuer Werkswohnungsbau stößt auch auf großes Interesse
                                                                             in der Öffentlichkeit. Das bekamen wir bereits 2016 zu spüren
                                                                             bei unserer ersten »Handreichung« zum Thema »Wirtschaft
                                                                             macht Wohnen«. Kein Wunder denn dieses Wohnungsbau-In-
                                                                             strument kann nicht nur Unternehmen bei der Personalgewin-
                                                                             nung dienen - es hilft auch bei der Entlastung angespannter
                                                                             Wohnungsmärkte, verbessert das Angebot an bezahlbaren
                                                                             Wohnungen.

    „Wirtschaft macht Wohnen“

    Mitarbeiterwohnen: Aktuelle Herangehensweisen und modellhafte Lösungen

    Handreichung für die gewerbliche Wirtschaft, die Wohnungswirtschaft
    und lokale Akteure

    Berlin, 22.04.2016

Den ersten Teil der Studie finden Sie unter                                  Arnt von Bodelschwingh bei einem Workshop des Bundesministerium
www.regiokontext.de/upload/WmW.pdf oder folgen Sie                           für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zum Mitarbeiter-
dem QR-Code                                                                  wohnen im Dezember 2016

       2                                                                                                   RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
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Diskussionsrunde zu »Wirtschaft macht Wohnen« auf der Expo-Real
Die erste Untersuchung erzeugt 2016 ein großes Medienecho         in München mit Staatssekretär Gunther Adler (BMI)

Die betriebswirtschaftliche Rendite der Wohnungsbauinves-         Wir danken allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspart-
tition stand und steht bei diesen Projekten allenfalls an zwei-   nern für Einblicke in ihre Unternehmen. Unser Dank gilt auch
ter oder dritter Stelle. Werkswohnungen sind – nicht zuletzt      unseren Auftraggebern, die die Relevanz dieses Themas früh-
durch die Vorgaben zum geldwerten Vorteil – regelrechte           zeitig erkannt haben: dem Bundesverband Deutscher Baus-
»Mietspiegelwohnungen«, im Wortsinne bezahlbar für dieje-         toff-Fachhandel e.V. – BDB, dem Bundesverband Deutscher
nigen, für die sie errichtet wurden: die Facharbeiterinnen und    Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. – GdW, der
-arbeiter, Busfahrer und Bäckerinnen, Verkäufer und Sicher-       Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau
heitstechnikerinnen, Gastronomie- und Pflegekräfte – kurz:        e.V. – DGfM, dem Deutschen Mieterbund e.V. – DMB, der
für die arbeitende Mitte der Gesellschaft.                        Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt – IG BAU sowie
                                                                  dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe e.V. – ZDB. Un-
Faszinierend an diesem Thema finden wir, dass Unterneh-           terstützung bei der Recherche erhielten wir vom Deutschen
men unter unterschiedlichsten Rahmenbedingungen gute              Industrie- und Handelskammertag – DIHK.
Lösungen finden können: Ein zeitgemäßer Werkswohnungs-
bau kann bei kleinen, mittelständischen Handwerksbetrieben        Die von uns zusammengestellten Beispiele und die Inter-
ebenso funktionieren wie bei großen, kommunalen Unter-            views mit Expertinnen und Experten beweisen: das neue
nehmen. Es gibt kluge Kooperationen, bei der ein kommu-           Mitarbeiterwohnen ist ein Erfolgsmodell! Die recherchierten
nales Wohnungsunternehmen spezielle Unterkünfte für Aus-          Unternehmen würden angesichts von Fachkräftemangel und
zubildende eines großen Autoherstellers errichtet und seine       demografischen Wandel in ihren Belegschaften allesamt wie-
Erfahrungen und Unterstützung nun auch für andere gewerb-         der in den Wohnungsbau investieren. In diesem Sinne hoffen
liche Betriebe anbietet.                                          wir, dass diese Broschüre allen Interessierten Ideen und Ins-
                                                                  piration bringt.
Der neue Mitarbeiterwohnungsbau funktioniert in sehr viel-
fältigen Branchen, Unternehmensgrößen und Realisie-rungs-         Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre!
modellen. Gute Beispiele finden sich dabei in den verschie-
densten Regionen Deutschlands. Von der Ostseeküste über
Hannover und Wolfsburg bis in den Süden, in Memmingen
oder Tübingen beschäftigen sich Personalabteilungen, Be-
triebsräte und Vorstände mit Wohnraum für die eigene Be-
legschaft.

                                                                                                                    3
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FALLBEISPIELE

         Holz-Wohnungen für
             die Belegschaft    6              18    Partnerschaft
                                                     auf Augenhöhe
                       ÜSTRA                         Gewoba Nord

   Hochwertiges Wohnen für
     qualifizierte Fachkräfte   7              20    Wohnen, wo andere
                                                     Urlaub machen
                VW Immobilien                        Das Ahlbeck Hotel und Spa

                Mehr als warm
                  und trocken   8              22
                                                     Junges Wohnen Ingolstadt:
                                                     »Win-Win« durch Kooperation
             Stadtwerke Köln                         vor Ort
                                                     Audi und GwG Ingolstadt

    Wohnen im Schaufenster
        eines Weltkonzerns      12             26    Reaktivierung des betrieblichen
                                                     Wohnungsbaus
       BASF Wohnen + Bauen                           Stadtwerke München

Von der Siedlungsgesellschaft
  zum Wohnungsunternehmen       14             27    Betriebsrat initiiert
                                                     Genossenschaft
              Robert Bosch                           Stadtwerkschaft München
       Wohnungsgesellschaft

        Gemeinsam arbeiten,
          gemeinsam leben       15             28    Backe, backe,
                                                     Häusle baue
  Karl-Schubert-Gemeinschaft                         Bäckerei Häussler

                                               30   Selber bauen macht
                                                    attraktiv
                                                    Schmid Alarm

            4                        RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
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WEITERE BEITRÄGE

10   Günstige Wohnungen bedeuten »mehr Netto vom Brutto«
     Interview mit Sophie von Saldern, Personalleiterin der Kölner Verkehrs-Betriebe

11   Mitarbeiterwohnen als Antwort auf den Fachkräftemangel
     Gastbeitrag von Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

16   Unternehmen als Wohnungsanbieter
     Interview mit Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbunds

17   Investor baut für Pflegekräfte
     Interview mit Andreas Nagel, Geschäftsführer der Hemsö GmbH

29   Mitarbeiterwohnen – Relevanz für die Wohnraumentwicklung Freiburgs
     Gastbeitrag von Prof. Dr. Martin Haag, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bauen der Stadt Freiburg

32   Ausblick
     Maßgeschneiderte Lösungen – vom Bäcker bis zum DAX-Konzern

                                                                     24     außerdem ein Blick über den Tellerrand
                                                                            mit Beispielen aus den USA, Österreich und Japan

                                                                                                                   5
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Holz-Wohnungen für die
Belegschaft
        ÜSTRA, Hannover

                      Für Thomas Kraayvanger ist der aktuelle Neubau      ÜSTRA kann monetär nur schwer mit ande-

2.086
Konzernangehörige
                      von 139 Wohnungen eines der aufregendsten
                      Projekte seiner Karriere. Kraayvanger ist Ge-
                      schäftsführer der ÜSTRA VE, einer sozialen Ver-
                                                                          ren großen Arbeitgebern der Region wie VW
                                                                          oder Continental konkurrieren. Deswegen bie-
                                                                          ten wir unseren Beschäftigten einen ganzen
                      sorgungseinrichtung, die eng mit den Hanno-         Blumenstrauß an Zusatzleistungen an. Die Mit-
                      verschen Verkehrsbetrieben verknüpft ist. Der       arbeiterwohnungen sind eine Blume in diesem
                      Verein, der paritätisch von Arbeitnehmer- und       Strauß.«
                      Arbeitgebervertretern besetzt ist, bietet Vorsor-

   500
                      geleistungen für aktive, im Ruhestand befindli-
                      che und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitar-
                      beiter der ÜSTRA an. Die 500 Wohnungen im
 Wohnungen im         Bestand gehören dabei zum Anlagevermögen
   Bestand            und sorgen für eine stetige, sichere Rendite.

   139 neue                                                               Informationszentrum: ein zum Holzklotz umdekorier-
    Wohnungen                                                             ter Bus der ÜSTRA als Infozentrum
  in Realisierung
                                                                          Die Wohnangebote richten sich an die gesamte
                                                                          Belegschaft. »Wir investieren kontinuierlich in

  10
                                                                          den Wohnungsbestand und haben unsere Woh-
                                                                          nungen in den letzten Jahren sukzessive moder-
          €/m2                                                            nisiert. Heute gibt es zum Beispiel kaum noch
 durchschnittlich                                                         eine Wohnung ohne eigenen Balkon«, erläutert
    nettokalt                                                             Kraayvanger die Bemühungen der ÜSTRA VE im
   im Neubau                                                              Bereich Bestandsentwicklung. Die Mietpreise in
                      Visualisierung: So soll das neue Quartier am Ende   den neuen Wohnungen, die bis 2019 in Holzbau-
                      aussehen                                            weise im Stadtteil Vahrenwald entstehen, orien-

    20     %
   geförderte
                      Aktuell entsteht der erste Neubau der ÜSTRA
                      VE seit über 40 Jahren auf einem ehemaligen
                                                                          tieren sich am örtlichen Mietspiegel und sollen
                                                                          im Durchschnitt 10 EUR/m2 nettokalt nicht über-
                                                                          steigen. Rund 20% der Wohnungen sind als
                      Betriebsbahnhof. Bereits 2007 lobte die Stadt       Sozialwohnungen von der Stadt Hannover ge-
Sozialwohnungen
                      Hannover einen städtebaulichen Architekten-         fördert. Insgesamt werden rund 35 Mio. EUR
                      wettbewerb für die Entwicklung des Areals           investiert. »Nach einer Baurechtsänderung und
                      aus. Zunächst wollten die Hannoverschen Ver-        überstandener Bombenräumung im Mai 2017 –

  35
                      kehrsbetriebe das Gelände komplett an einen         verbunden mit der größten Evakuierung in der
                      Investor verkaufen. Erst 2012 konkretisierte sich   Geschichte Hannovers – steht unserem Baupro-
             Mio. €   die Idee, die Wohnungen durch den betriebsna-       jekt jetzt nichts mehr im Weg«, hofft Kraayvan-
    Investition       hen Verein bebauen zu lassen. Die Motivation        ger auf den zügigen Abschluss der Bauarbeiten.
    in Neubau         dafür erklärt Arnd Brinkmann, Personalleiter
                      des Verkehrsbetriebes: »In den nächsten Jah-
                      ren brauchen wir 600 neue Arbeitskräfte. Die

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Hochwertiges Wohnen für
                                       qualifizierte Fachkräfte
                                                       VW Immobilien, Wolfsburg

Das Mitarbeiterwohnen hat beim größten deut-       Seit 2012 befasst sich das Wohnungsunterneh-
schen Automobilhersteller eine lange Tradition.
In der Nachkriegszeit bis in die 70er Jahre hin-
ein errichtete die VW Immobilien GmbH – eine
                                                   men wieder mit Neubau von Wohnungen. Über
                                                   160 Wohnungen entstanden bereits, weitere
                                                   350 Einheiten befinden sich in Planung Reali-
                                                                                                       344
                                                                                                       Beschäftigte
100 % Tochter des VW Konzerns – rund 10.500        sierung. Damit engagiert sich die VW Immobi-
Wohnungen in Wolfsburg. In Zeiten, in denen        lien GmbH als Partner der Stadt Wolfsburg im
sich der Wohnungsmarkt entspannte, öffnete         Zuge der kommunalen Wohnungsbauoffensive.
sich das Unternehmen auch für Mieterinnen          Das untere und das mittlere Preissegment sind

                                                                                                      9.156
und Mieter, die nicht im Konzern arbeiteten, und   im Unternehmensbestand noch zahlreich ver-
trennte sich gezielt von ausgewählten Objekten.    treten. Neue Wohnungen werden vor allem im
Gleichwohl kam es noch bis vor gut zehn Jahren     »Komfort-Bereich« gebaut, um das Wohnen in
zu Leerständen in den eigenen Wohnungsbe-          der »Pendlerstadt Wolfsburg« auch für die ge-      Wohnungen im
ständen.                                           hobenen Einkommensgruppen attraktiver zu             Bestand
                                                   machen.

                                                                                                      100         %
                                                                                                        Tochter der
                                                                                                      Volkswagen AG

                                                                                                      184      Mio.€
                                                                                                       Umsatz im
Visualisierung eines neuen Wohnquartiers           Große Pläne: VW Immobilien beteiligt sich an der    Jahr 2015
                                                   Neubauoffensive Wolfsburgs
Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die
Stadt Wolfsburg und der VW Konzern wachsen,        Die neuen Wohnungen entstehen auf konzernei-

                                                                                                        84
die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen und         genen Flächen zu Preisen ab 10 EUR/m2 netto-
Eigenheime steigen rasant an. »Wir betreiben       kalt. Sie bieten abwechslungsreiche Grundrisse
                                                                                                                %
ein neues Mitarbeiterwohnen«, erklärt Ulrich       sowie hochwertige Ausstattungen. Ob möblier-
                                                                                                      des Bestands
Sörgel, Leiter für Wohnimmobilien. »Für uns ist    te Business-Apartments mit ergänzenden Ser-
                                                                                                       unter 7€/m2
die Motivation für den Wiedereinstieg in dieses    vice-Angeboten als Übergangslösung für Aus-
                                                                                                        nettokalt
Thema die Steigerung der Standort- und Arbeit-     landsrückkehrer des Konzerns oder größere
geberattraktivität zur Fachkräftegewinnung für     3- bis 5-Zimmer-Wohnungen mit hochwertiger

                                                                                                       350
die Volkswagen AG. Deshalb bauen wir attrakti-     Ausstattung für Führungskräfte: das Portfolio
ve, qualitativ hochwertige Wohnungen.«             des Unternehmens bietet eine breite Palette an
                                                   zeitgemäßen Wohnungsangeboten.
                                                                                                        Wohnungen
                                                                                                      in Realisierung
                                                                                                       und Planung

                                                                                                            7
W MITARBEITERWOHNEN MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK - RegioKontext
Mehr als »warm und trocken«
         Stadtwerke Köln

                       Technische Neuerungen, innovatives Ma-                dieser Art von Wohnung ging immer mehr

  1960
                       nagement, moderne Arbeitsatmosphäre:                  zurück. »Zwischenzeitlich lag der Anteil der
                       Unternehmen stehen in einem permanenten               Mitarbeiter innerhalb der Mieterschaft bei
                       Wettbewerb um neue Ideen und gutes Per-               weit unter 50%«, erläutert Preuss die Folgen
     gegründet         sonal. Altbewährte Konzepte haben da mit-             für die Belegung der Wohnungen.
                       unter einen schweren Stand. »Doch das Rad
                       muss nicht immer neu erfunden werden«,                Mit der Zunahme der Wohnungsnot in
                       findet Bernd Preuss, Abteilungsleiter für Im-         Köln, den steigenden Mietpreisen und dem
                       mobilienmanagement und Wohnungswirt-                  Fachkräftebedarf im Konzern ergab sich für

  4.5
                       schaft bei den Stadtwerken Köln und Leiter            Preuss die Chance, die Wohnangebote der
                       der konzerneigenen Wohnungsgesellschaft               WSK neu auszurichten. »Ab 2013 haben wir
           Mrd. €
                       (WSK). Seit einigen Jahren pumpen er und              damit begonnen die Wohnanlagen zu moder-
      Umsatz
                       sein Team daher neuen Wein in altbekannte             nisieren, den Wohnungsbestand durch be-
      im Jahr
                       Schläuche und denken die Themen Wohnen,               darfsgerechten Neubau zu ergänzen und alle
       2016
                       Arbeiten und Leben ganzheitlich neu und               Wohnungen auf einen modernen, zeitgemä-
                       zusammen: »Das Mitarbeiterwohnen ist für              ßen Stand zu bringen.« Die Nachfrage durch
                       uns ein zentrales Thema der letzten Jahre             Konzernangehörige konnte dadurch enorm

12.473
Konzernangehörige
                       und wir sind froh über die Chancen, die sich
                       für den Stadtwerke Köln Konzern dadurch
                       bieten.«
                                                                             gesteigert werden. Über 85% der sanierten
                                                                             Wohnungen werden inzwischen an die Be-
                                                                             legschaft des Kölner Stadtwerkekonzerns
                                                                             vergeben.
                       Die Wohnungsgesellschaft der Stadtwerke
                       Köln (WSK) schaut auf eine über 50-jährige            Wohnen bei den Stadtwerken Köln bedeutet
                       Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1964,            mehr, als eine warme und trockene Bleibe

 1.923
                       wurden in den Anfangsjahren vor allem öf-             zu haben. Die Objekte befinden sich in der
                       fentlich geförderte Wohnungen gebaut. Die             Nähe zu den Betriebsstandorten. Kurze
                       Nachfrage von Konzernangehörigen nach                 Arbeitswege für die Angestellten helfen
    Wohnungen
    im Bestand

 140         Mio. €
Investitionen in den
Neubau und Instand-
  haltung bis 2025

    900
   Wohnungen
   Zusatzbedarf

                       Quartiersaufwertung im Bestand: Die Planung sieht die Sanierung von 64 Wohnungen bis 2018 vor

         8                                                                              RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
W MITARBEITERWOHNEN MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK - RegioKontext
»Das Mitarbeiterwohnen ist für uns ein zentrales Thema
            der letzten Jahre, und wir sind froh über die Chancen,
            die sich für die Stadtwerke Köln dadurch bieten.«
            Bernd Preuss, Leiter der Wohnungsbaugesellschaft der Stadtwerke Köln

                                        Aber auch für die Belegschaft be-            Neubauwohnungen als auch in den
                                        deutet das Wohnen in konzerneige-            komplett-sanierten     Wohnungsbe-
                                        nen Wohnungen mehr als nur ein               ständen«, beschreibt Bernd Preuss
                                        Dach über dem Kopf zu haben. »Die            die Auswirkungen der Neubau- und
                                        Mitarbeiter schätzen es als Teil einer       Sanierungsinitiative. Die neuen
                                        Konzern-Community in vielfältige             Wohnungen werden auch dringend
                                        Angebote der WSK eingebunden zu              benötigt (siehe Interview mit der
                                        sein.« Car-Sharing, Betriebssport,           Personalleiterin der KVB auf S. 10).
                                        Kitanutzungen sind nur einige An-            Bei einer aktuellen Mitarbeiterbe-
Bernd Preuss im Gespräch mit einer      gebote, die der Konzernmitarbeiter           fragung gaben 900 der rund 12.000
Mieterin                                angeboten bekommt.                           Beschäftigten ein zusätzliches Inte-
                                                                                     resse nach den WSK-Wohnungen
dabei das Verkehrsaufkommen und         Die Stadtwerke Köln wollen weiter            bis 2020 an. Es bleibt also noch viel
den Schadstoffausstoß in Köln zu        in den Mitarbeiterwohnungsbau in-            Wein zu keltern für Bernd Preuss
reduzieren – ein großes Problem         vestieren. Bis 2025 sollen rund 140          und sein Team.
in der Rheinmetropole. »Die durch-      Mio. EUR für die Instandhaltung,
schnittliche Entfernung zwischen        Sanierung und den Neubau von
Wohnung und Arbeitsplatz beträgt        Wohnungen investiert werden. »Die
bei Konzernkollegen, die nicht in       Nachfrage nach den Wohnungen ist
einer WSK-Wohnung wohnen, 25            extrem hoch, und das sowohl in den
Kilometer. Dagegen reduziert sich
die Entfernung bei WSK-Mietern auf
wenige Kilometer. Dadurch schaffen
70 Mieteinheiten der WSK rechne-
risch eine CO2-Reduzierung von
100t jährlich.«

Die Nähe zum Arbeitsplatz hat aber
noch weitere Vorteile: »Ein Mitarbei-
ter der eine Stunde oder mehr im
Verkehr festhängt, wird neuesten
Studien zufolge auch gesundheitlich
belastet. In Verbindung mit den be-
ruflichen Belastungen steigt dadurch
schnell das Risiko des Arbeitsaus-
falls. Je länger der Arbeitsweg, des-
to höher das Risiko«, erklärt Preuss
die Vorteile des Wohnens in Be-
triebsnähe. Darüber hinaus sorgen
die kurzen Wege zur Arbeit für eine
höhere Lebensqualität der Beschäf-
tigten. Nebenbei werden die Risiken
eines Wegeunfalls reduziert. Für die
Stadtwerke Köln mit seinen acht
Sparten und rund 12.500 Beschäf-
tigten kein unwichtiges Argument.       Ein Gebäude des fertiggestellten Marienburger Forums

                                                                                                               9
W MITARBEITERWOHNEN MEHR ALS EIN INSTRUMENT AKTIVER PERSONALPOLITIK - RegioKontext
Günstige Wohnungen bedeuten
»mehr Netto vom Brutto«
       Sophie von Saldern (Kölner Verkehrs-Betriebe)
                                        Sophie von Saldern leitet die Personalabteilung der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Die
                                        KVB gehören zu den Stadtwerken Köln, die über knapp 2.000 Wohnungen im Bestand
                                        verfügen und sich seit einigen Jahren intensiv mit dem Neubau von Wohnungen für die
                                        eigene Belegschaft beschäftigen. Im Interview erklärt Frau von Saldern die Bedeutung des
                                        Mitarbeiterwohnungsbaus aus Sicht einer Personalleiterin.

                                        zum freien Markt sind die Mieten                Wir unterscheiden nicht zwischen
                                        unserer Personalwohnungen sehr                  Belegschaft und neuen Kollegin-
                                        attraktiv. Dank der günstigen Woh-              nen und Kollegen. Unser gesamter
                                        nungen haben die Mitarbeiterinnen               Wohnungsbestand steht grundsätz-
Welche Rolle spielen Mitarbeiter-       und Mitarbeiter damit am Ende des               lich allen Mitarbeiterinnen und Mit-
wohnungen für Sie als Personallei-      Monats mehr Netto vom Brutto üb-                arbeitern zur Verfügung. Allerdings
terin?                                  rig.                                            haben wir bei der KVB eine sehr
                                                                                        niedrige Personalfluktuation. Das
Das Thema gewinnt für uns im-                                                           spricht für eine hohe Zufriedenheit,
mer mehr an Bedeutung. In einem         Beim Renteneintritt dürfen Ihre                 viele Kolleginnen und Kollegen woh-
Ballungsgebiet wie Köln besteht         Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in             nen auch bereits schon in Wohnun-
ein großer Wettbewerb um gute           den Wohnungen der Stadtwerke                    gen der Stadtwerke. Wir nutzen die
Arbeitskräfte. Der demografische        bleiben. Diese Wohnungen stehen                 Wohnungsangebote daher derzeit
Wandel führt dazu, dass künftig vie-    Ihnen dann nicht mehr für aktive                schwerpunktmäßig bei der Gewin-
le Stellen innerhalb der KVB neu be-    Kolleginnen und Kollegen zur Verfü-             nung neuer Mitarbeiterinnen und
setzt werden müssen. Es gibt nicht      gung. Welcher Ansatz steht hinter               Mitarbeiter.
viele Arbeitgeber, die ihren Beschäf-   dieser Idee?
tigten Wohnungen anbieten können.
Wohnungen für Mitarbeiterinnen          Wer lange bei der KVB gearbeitet                Wie bewerben Sie die Wohnungen
und Mitarbeiter bieten daher die        hat, soll auch beim Renteneintritt in           bei der Suche nach neuem Perso-
Gelegenheit, sich im Kampf um die       den Betriebswohnungen wohnen                    nal?
besten Köpfe hervorzuheben.             bleiben dürfen. Neben einer sozialen
                                        Komponente bieten wir das auch an,              Wir beginnen gerade damit, auch
                                        um unsere Kolleginnen und Kollegen              aktiv auf unsere Wohnungen im
Warum bieten Sie selbst Wohnun-         bei der Altersvorsorge zu unterstüt-            Rahmen der Personalsuche hinzu-
gen an? Können Sie nicht einfach        zen. Die Miete bleibt auch beim Ren-            weisen und dieses Angebot somit
mehr Lohn zahlen, damit sich ihre       teneintritt stabil. Das wissen unsere           stärker strategisch einzusetzen. In
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter        Mitarbeiter und müssen daher keine              Bewerbungsgesprächen weisen wir
auf dem freien Markt eine Wohnung       besonderen Wohnungsausgaben im                  bereits auf unser Wohnungsangebot
leisten können?                         Alter befürchten. Dadurch gewinnen              hin. Bald soll das Angebot auch in
                                        unsere Wohnungsangebote zusätz-                 unsere Stellenanzeigen aufgenom-
Die Mieten in Köln und anderen          lich an Attraktivität.                          men werden. Wir sind gespannt dar-
Großstädten sind in den letzten Jah-                                                    auf zu sehen, welche Rolle die Woh-
ren stark gestiegen. Die Kölner Ver-                                                    nungen bei der Gewinnung neuen
kehrs-Betriebe sind als öffentlicher    Nutzen Sie das Wohnungsangebot                  Personals haben werden. Vor allem
Arbeitgeber an Tarifverträge gebun-     nur beim Werben um neues Perso-                 für Bewerberinnen und Bewerber,
den. Wir können daher nicht einfach     nal oder zielt es auch auf die beste-           die noch nicht in Köln wohnen, ist
höhere Löhne zahlen. Im Vergleich       hende Belegschaft?                              das Angebot sehr interessant.

       10                                                                                 RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
Mitarbeiterwohnen als Antwort auf
              den Fachkräftemangel
       Gunther Adler (Bundesministerium des Inneren)
                                                                   Der Gastbeitrag von Gunther Adler - Staatssekretär im Bundes-
                                                                   ministerium Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
                                                                   (BMI) - beschreibt die Potenziale des Mitarbeiterwohnens bei der
                                                                   Akquise neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Unternehmen
                                                                   in Deutschland angesichts des vorherrschenden Fachkräfteman-
                                                                   gels.

Der Fachkräftemangel, vor dem Experten seit Jahren war-            Wir haben es mit einer echten Win-Win-Situation zu tun:
nen, ist in Deutschland längst Realität geworden. Viele            Es profitieren das Unternehmen und die Mitarbeiterinnen
Unternehmen können ihre gute Auftragslage mangels ge-              und Mitarbeiter!
eigneter Arbeitskräfte nicht voll ausschöpfen. Fast jedes
zweite mittelständische Unternehmen klagt über Umsat-              Erfreulicherweise gibt es bereits vorbildhafte Projekte und
zeinbußen, weil Fachkräfte fehlen.                                 einen klaren positiven Trend. Das belegen die vielen guten
                                                                   Fallbeispiele, die RegioKontext in der vorliegenden Studie
Wir brauchen qualifizierte Menschen, die den Wirtschafts-          zusammengetragen hat und die interessierten Unterneh-
standort Deutschland weiter nach vorne bringen und                 men den Einstieg in den Mitarbeiterwohnungsbau erleich-
Wachstum generieren. All diese Fachkräfte und ihre Fami-           tern können.
lien brauchen aber auch geeignete Wohnungen.
                                                                   Ich bin sicher, dass der Bau von Mitarbeiterwohnungen
Auch wenn wir es in der vergangenen Legislaturperiode              in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung zuneh-
geschafft haben, dass wieder deutlich mehr gebaut wird,            men wird. Denn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind
gibt es in vielen Städten immer noch zu wenig bezahlbare           mit einem Angebot von maßgeschneiderten und bezahlba-
Wohnungen. Besonders betroffen sind wirtschaftsstarke              ren Wohnungen bei der Gewinnung von Fachkräften ganz
Regionen mit hoher Unternehmensdichte. Allein bis zum              klar im Vorteil!
Jahr 2020 müssen jährlich mindestens 350.000 Wohnun-
gen gebaut werden, um den Bedarf zu decken.

Der Bau von Mitarbeiterwohnungen ist dabei ein vielver-
sprechender Ansatz, denn:

> Betriebseigene Wohnungen sind ein großer Vorteil bei der
  Mitarbeitergewinnung.

> Unternehmen können Wohnungen genau dort maßgeschnei-
  dert bereitstellen, wo sie diese für ihre Mitarbeiterinnen und
  Mitarbeiter benötigen. Das Risiko von Leerständen oder
  Ausfällen bei den Mietzahlungen ist damit denkbar gering.

> Und nicht zuletzt sind Wohnimmobilien auch als Kapitalanla-
  ge durchaus attraktiv.

                                                                                                                       11
Wohnen im Schaufenster eines
Weltkonzerns
          BASF Wohnen + Bauen, Ludwigshafen

                         Wenn in Ludwigshafen von den »Anilinern«           Die Kriegszerstörungen trafen Ludwigshafen
                         die Rede ist, weiß jeder, wer gemeint ist:         und das Unternehmen hart. Gut die Hälfte

        85
      Beschäftigte
                         die Belegschaft des Weltkonzerns BASF, des-
                         sen Name ursprünglich eine Abkürzung für
                         »Badische Anilin- & Soda-Fabrik« war. Der
                                                                            der konzerneigenen Wohnungsbestände
                                                                            wurde zerstört. Intensiver Neu- und Wie-
                                                                            deraufbau führten dazu, dass schon Anfang
                         Farbstoff Anilin war eines der ersten Produk-      der 50er Jahre wieder viele »Aniliner« in
                         te dieses Traditionsunternehmens, das seit         Werkswohnungen leben konnten. Es folgte
                         1865 die Rheinstadt Ludwigshafen prägt.            eine weitere Phase rasanten Wohnungs-
                                                                            baus durch die GEWOGE, die später in

6.500
                         Das Unternehmen begann schon früh, sozia-          die LUWOGE überging. Aus dieser Epoche
                         le Angebote für die Belegschaft zu schaffen.       stammt die Mehrzahl der heutigen Woh-
                         Kurz nach der Gründung wurde eine betriebs-        nungsbestände. Denn noch bis Anfang der
      Wohnungen          eigene Krankenfürsorge etabliert, ebenso be-       1990er Jahre waren bezahlbare Wohnungen
                         gann schon 1872 der Bau der »Hemshof-Ko-           in Ludwigshafen knapp.
                         lonie« mit mehr als 400 Wohnungen. Diese
                         Aktivitäten wurden über die Jahrzehnte aus-        Während sich die Wohnungsversorgung in
                         gebaut und erlebten einen ersten Höhepunkt         der Folgezeit entspannte, entpuppte sich die

       70
                         in den 1920er Jahren: 1926 wurde die Kon-          LUWOGE, die seit 2015 unter dem Namen
                         zerntochter »Gemeinnützige Wohnungsbau-            BASF Wohnen + Bauen firmiert, als geeig-
              %
                         gesellschaft für Werkangehörige« (GEWO-            netes Schaufenster für Konzernprodukte:
      bewohnt von
                         GE) gegründet, die seither – kontinuierlich,       Unter anderem durch die Verwendung neuer
         BASF
                         wenn auch unter wechselnden Namen – für            Dämmstoffe aus dem Hause BASF entwi-
      Angehörigen
                         attraktiven Wohnraum für BASF-Mitarbeiter          ckelte sich das Wohnungsunternehmen zu
                         am Standort Ludwigshafen zuständig ist. Pa-        einem Vorreiter der energetischen Moder-

 2015
                         rallel zum Mietwohnungsbau etablierte die          nisierung. Johanna Coleman, Geschäftsfüh-
                         BASF auch eine Gemeinnützige Siedlungs-            rerin der BASF Wohnen + Bauen, verweist
                         gesellschaft,die der Belegschaft den Weg ins       auf die große Bedeutung im Ludwigshafe-
  aus LUWOGE             Eigenheim »auf eigener Scholle« ebnete.            ner Wohnungsmarkt: »Wir entwickeln in der
   wird BASF
 Wohnen + Bauen

 8,00
ab                €/m2
     nettokalt Miete
       im Neubau

      6,5
   Marktanteil
                %

am Mietwohnungs-
    markt in
  Ludwigshafen
                         Eines der Neubauprojekte der BASF Wohnen + Bauen

          12                                                                         RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
»Bei uns wohnen »Aniliner« vom Hilfsarbeiter bis zur
                       Führungsspitze.«
                       Johanna Coleman, Geschäftsführerin der BASF Wohnen + Bauen

                                                             möglichst vielfältige Angebote. Das Unternehmen profi-
                                                             tiert dabei von Flächenreserven, so dass auch der Neubau
                                                             preislich eher am unteren Ende des Mietspiegels positio-
                                                             niert werden kann.

                                                             Heute sind rund 70% der Mieterschaft Werksangehö-
                                                             rige. »Bei uns wohnen Aniliner vom Hilfsarbeiter bis zur
                                                             Führungsspitze«, so Coleman. Wechselt der Mieter den
                                                             Arbeitgeber oder geht er in Ruhestand, so bleibt das Miet-
                                                             verhältnis bestehen und er wohnt weiterhin in der BASF
                                                             Wohnen + Bauen-Wohnung, wenn er das möchte. Auch
                                                             in der alltäglichen Bewirtschaftung der Bestände wird die
                                                             große Konzernnähe spürbar: Über die Vergabe von Woh-
                                                             nungen entscheidet die Wohnungskommission der BASF.
                                                             Die BASF-Mitarbeiter bekommen die Miete zudem direkt
                                                             vom Gehalt abgezogen. Das hat auch für das Verhältnis
                                                             zum Vermieter Konsequenzen: Beschwerden können
                                                             durchaus auch über den Betriebsrat eingereicht werden,
                                                             dann mit entsprechendem Nachdruck. »Hier arbeiten wir
                                                             gut zusammen«, beschreibt Coleman das Verhältnis zur
Durch Modernisierung und den Anbau von Balkonen investiert
                                                             Arbeitnehmervertretung, die in der Wohnungskommissi-
das Wohnungsunternehmen in seine Bestände
                                                             on traditionell über die Belegung der Wohnungen mitent-
                                                             scheidet – getreu dem Motto: »Wir vermieten hier an Kol-
Regel nicht nur einzelne Wohnungen, sondern gesamte          legen – an die Aniliner!«
Quartiere weiter und machen diese durch Modernisie-
rung zukunftsfähig. Darüber hinaus engagieren wir uns
gemeinsam mit anderen Akteuren in der Stadt für Umfeld
und Infrastruktur«.

Derzeit gehören rund 6.500 Wohnungen zum Bestand.
Das Unternehmen vermietet Wohnraum für unterschied-
liche Zielgruppen in verschiedenen Größen und Preis-
klassen, verkauft Wohnungen und verhilft Menschen so
zu den eigenen vier Wänden, verwaltet diese Eigentü-
mergemeinschaften, modernisiert den Bestand und baut
in Einzelfällen auch neu. Im Durchschnitt entstehen in
den kommenden fünf Jahren bis zu 40 neue Wohnun-
gen im Jahr. Gerade in Werksnähe bemüht man sich um
                                                             Alt- und Neubau in der Hüttenmüllerstraße

                                                                                                            13
Von der Siedlungsgesellschaft
zum Wohnungsunternehmen
Robert Bosch Wohnungsgesellschaft, Stuttgart

      ,

1936
  gegründet

1990
  aus SIGE
    wird
   WOGE

                     Der letzte Neubau der WOGE in Renningen

2.300
Wohnungen im
                     Michael Seiffert, Geschäftsführer der Robert
                     Bosch Wohnungsgesellschaft, kann auf eine
                     lange Unternehmensgeschichte zurückblicken:
                                                                         die Wohnung bekommen. Die Entscheidung
                                                                         liegt jedoch bei uns. Eine Win-Win Situation für
                                                                         Bosch und die WOGE«, erläutert Seiffert die der-
  Bestand            Bereits vor über 80 Jahren wurde die Robert         zeitige Praxis der Wohnungsvergabe.
                     Bosch-Siedlung gGmbH (SIGE) gegründet. Da-
                     mals ging es allein um die Wohnraumversor-          »Die Bosch-Belegschaft ist selbstverständlich
                     gung der Mitarbeiter von Bosch. Mit zinsfreien      weiterhin unsere Zielgruppe. Interessenten, die

   30
    neue
                     Baudarlehen der Robert Bosch GmbH war die
                     Gesellschaft in der Lage ihre Wohnungen zu
                     bauen. Im Gegenzug erhielt das Unternehmen
                                                                         nicht bei Bosch arbeiten, mieten bei uns jedoch
                                                                         zu den gleichen Konditionen. Eine Kopplung von
                                                                         Miet- und Arbeitsverträgen gibt es schon lange
                     Belegungsrechte und konnte so entscheiden,          nicht mehr«, fasst Seiffert zusammen.
  Wohnungen
                     wer aus der Belegschaft in die Wohnungen ein-
   jährlich
                     zieht.                                              In den letzten Jahren wurde an mehreren
                                                                         Standorten in der Region Stuttgart neu gebaut.

10,50
                     Mit der Aufhebung des Wohnungsgemeinnüt-            Im Durchschnitt entstehen so rund 30 Wohnein-
                     zigkeitsrechts im Jahr 1990 verliert die SIGE       heiten pro Jahr, alle mit sehr guter Ausstattung.
              €/m2   ihre Gemeinnützigkeit und wird steuerpflichtig.     Der letzte Neubau mit 52 Wohnungen entstand
 nettokalt Miete     Es folgt die Umbenennung in »Robert Bosch           in Renningen, gut 20 km westlich von Stuttgart.
  beim Neubau        Wohnungsgesellschaft mbH« (WOGE). Im Lau-           »Unsere Nettokaltmiete für diesen Neubau
  in Renningen       fe der Zeit ändert sich auch die Finanzierung des   liegt durchschnittlich bei 10,50 EUR/m2«, erklärt
                     Unternehmens, das heute sämtliche Projekte          Seiffert. Die Wohnungsbaugesellschaft baut vor
                     selbst finanziert. Mit der Rückzahlung der zins-    allem kompakte Zwei- bis Vier-Zimmerwohnun-

60-95
                     losen Kredite entfallen die Belegungsrechte für     gen mit einer Größe von 60-95 m2. Gerne würde
                     Bosch. Was dennoch beibehalten wird, sind die       Michael Seiffert noch mehr bauen, aber häufig
             m2
                     Wohnungskommissionen an den Bosch-Stand-            gestaltet sich der Erwerb geeigneter Grundstü-
Wohnungsgröße
                     orten, die sich aus Betriebsrat und teilweise       cke schwierig. »Wenn wir mehr Grundstücke
  im Neubau
                     Personalabteilungen zusammensetzen. »Wir            bekämen, könnten wir auch mehr bauen«, be-
                     melden der Kommission freie Wohnungen,              schreibt er Ambition und Herausforderung der
                     und diese macht daraufhin Vorschläge für neue       Wohnungsgesellschaft.
                     Mieterinnen und Mieter, die in der Regel auch
      14                                                                            RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
Gemeinsam arbeiten,
                                                          gemeinsam leben
                          Karl-Schubert-Gemeinschaft, Filderstadt

                                                                                                            1973
                                                                                                              gegründet

                                                                                                            ca.   280
                                                                                                              betreute
                                                                                                             Beschäftige

Darstellung des Neubauvorhabens der Karl-Schubert-Gemeinschaft in Filderstadt

Die Karl-Schubert-Gemeinschaft ist eine Ein-
richtung für Menschen mit Behinderung und
betreibt mehrere Standorte in der Nähe Stutt-
                                                        bezahlbaren Wohnraums eine Möglichkeit, die
                                                        eigene Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.         15
                                                                                                              eigene
garts. Sie bietet stationäres Wohnen in Wohn-           Im Falle eines Leerstands würden die Wohnun-         Werkstätten
gruppen und ambulant betreutes Einzel- oder             gen auch an externe Interessierte vermietet.
Paarwohnen an. Das Wohnangebot wird durch               Angesichts der großen Nachfrage, sei damit
Arbeit, Beschäftigung und Therapie in den eige-         allerdings nicht zu rechnen, so Herr Braun. Ein
nen Werkstätten ergänzt. Die anthroposophi-
sche Einrichtung verfolgt einen sozialtherapeu-
tischen, inklusiven Ansatz.
                                                        weiteres Plus: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
                                                        dürfen teilweise auch im Falle der Beendigung
                                                        des Arbeitsverhältnisses in der Wohnung blei-
                                                                                                                  20
                                                                                                            Wohnungen im
                                                        ben.
                                                                                                              Bestand
Derzeit verfügt die Organisation bereits über
ca. 20 Wohnungen für die Mitarbeiter. Diese             Bei der Planung und dem Bau kooperiert die
Wohnungen sind durchgehend vermietet und                Einrichtung mit einem externen Architekten und

                                                                                                            2018
werden stark nachgefragt. Aus diesem Grund              einem Bauleiter. Sie werden für das Projekt auf
plant der Verein den Bau neuer Wohnungen: Bis           Honorarbasis (HOAI) bezahlt. Verwaltung und
voraussichtlich 2020 sollen fünf weitere Woh-           Vermietung der Wohnungen nach Abschluss
nungen für die Mitarbeiter entstehen. Im Zuge           der Bauarbeiten sollen hingegen in Eigenregie         Baubeginn
dessen werden drei weitere Wohnungen für                durchgeführt werden. Als aufwendig und zei-
Wohngruppen als auch Räume für Tagesbetreu-             tintensiv beschreibt Braun das Bauleitplanver-
ung und zur gemeinschaftlichen Nutzung errich-          fahren. Die Kommune Filterstadt ist jedoch im
tet. Die Flächen hierfür wurden angekauft.              gesamten Prozess kooperativ und entgegen-

                                                                                                                  5
                                                        kommend gewesen und habe das Vorhaben von
Als Motivation für den Neubau in Filterstadt - ei-      Anfang an unterstützt.
nige Kilometer südlich von Stuttgart - beschreibt
                                                                                                            Wohnungen für
Tobias Braun, Verwaltungsleiter des Vereins,
                                                                                                             Angestellte
neben der Verfolgung eines inklusiven Ansatzes
                                                                                                               geplant
bei der Betreuung auch die Chance der Mitarbei-
tergewinnung: In Anbetracht eines angespann-
ten Wohnungsmarktes ist die Bereitstellung
                                                                                                                  15
Unternehmen als
Wohnungsanbieter
       Lukas Siebenkotten (Deutscher Mieterbund)

                                                              Lukas Siebenkotten ist Bundesdirektor des Deutschen Mieter-
                                                              bundes (DMB). Für den DMB liegt die Bedeutung des Mitarbei-
                                                              terwohnens vor allem in der Bereitstellung bezahlbaren Wohn-
                                                              raums. Doch welche Folgen hat es für die Mieterinnen, Mieter
                                                              und Unternehmen, wenn der Chef zum Vermieter wird? Und
                                                              hilft das Mitarbeiterwohnen wirklich dabei bezahlbaren Wohn-
                                                              raum bereitzustellen?

Der Deutsche Mieterbund unterstützt das Thema »Mit-           Mitarbeiterwohnen aus Sicht der Mieterinnen und Mie-
arbeiterwohnen« aktiv. Was bewegt Sie, dieses Thema           ter bedeutet zunächst einmal bezahlbares und bedarfs-
voranzutreiben?                                               gerechtes Wohnen, aber natürlich auch soziale Absiche-
                                                              rung. Weil nicht zwingend rein renditeorientiert, müssen
In Deutschland, insbesondere in den Städten fehlen eine       keine Mietpreissprünge befürchtet werden, und natürlich
Million Wohnungen. Rund 400.000 neue Wohnungen, da-           gilt auch hier das „normale“ Mietrecht, d.h. die bewähr-
von mindestens 200.000 neue Mietwohnungen, müss-              ten Mieterschutzvorschriften. Das gilt selbstverständlich
ten pro Jahr fertiggestellt werden, um hier der wachsen-      da, wo Unternehmen mit örtlichen Wohnungsbaugesell-
den Nachfrage gerecht zu werden und das bestehende            schaften oder Genossenschaften zusammenarbeiten,
Wohnungsdefizit schrittweise abzubauen. Um diese Fer-         aber auch bei den von den Unternehmen selbst errichte-
tigstellungszahlen tatsächlich zu realisieren, brauchen wir   ten und verwalteten Wohnungen. Der Begriff des Mitar-
neben Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften             beiterwohnens ist vielfältig. Er umfasst sowohl das An-
oder kommunalen Unternehmen weitere, vor allem auch           gebot klassischer Mietwohnungen, als auch das Angebot
private Investoren. Als neuer Akteur kommt hier die Wirt-     von Werksmietwohnungen, Dienstwohnungen oder von
schaft in Betracht, d.h. die Unternehmen und Arbeitgeber,     Wohnheimplätzen, unter Umständen nur, um einen vo-
die vor Ort agieren. Es gilt, diese Akteursgruppe als Woh-    rübergehenden Wohnungsbedarf abzudecken. Entschei-
nungsinvestoren und Wohnungsanbieter zu gewinnen,             dend aber ist, dass Mitarbeiterwohnen das Angebot an
eigentlich zurückzugewinnen. Denn die Unternehmen             Wohnungen vor Ort erweitert.
könnten dort Mietwohnungen bauen, wo bedarfsgerech-
te und bezahlbare Wohnungen am dringendsten benötigt          Trotzdem ist das ja eine eher untypische Situation: Wel-
werden: in den Städten, in der Nähe der Arbeitsplätze.        che Folgen hat es, wenn der Chef auch der Vermieter ist?
Bezahlbare Mietwohnungen bergen gerade auf engen
städtischen Wohnungsmärkten bei der Akquise von Fach-
kräften, sowie bei Mitarbeiterfindung und –bindung enor-      Der Arbeitgeber, der gleichzeitig Vermieter ist, unter Um-
me Vorteile. Deshalb werden beim Mitarbeiterwohnungs-         ständen die Verknüpfung von Arbeits- und Mietvertrag,
bau Renditeerwartungen nicht im Vordergrund stehen.           das sind heute eher untypische Situationen. Natürlich
Letztlich ziehen die Menschen in die Städte, weil hier die    kann es da Probleme geben: Wenn bei einem Arbeits-
Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind. Sie brauchen dann        platzwechsel unter Umständen der Verlust der Wohnung
aber auch Wohnungen, um hier lernen und arbeiten zu           droht. Wenn Mieterrechte gegenüber dem Arbeitgeber
können.                                                       geltend gemacht werden müssen oder wenn nervige Ar-
                                                              beitskolleginnen und -kollegen auch noch Nachbarn sind.
                                                              Aber die durchaus positive Kehrseite der Medaille kann
Was bedeutet Mitarbeiterwohnen aus Sicht eines Mie-           auch ein starker Zusammenhalt unter Nachbarn sein. Von
ters?                                                         der Fahrgemeinschaft bis zu gemeinsamen Freizeitaktivi-
                                                              täten ist hier vieles möglich.

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Investor baut für
                                                                       Pflegekräfte
                                                                                       Hemsö, Berlin

                                        Jens Nagel ist Geschäftsführer der Hemsö GmbH in Deutschland. Der
                                        schwedische Konzern betreut als Immobilienverwalter Einrichtungen
                                        der sozialen Infrastruktur, hauptsächlich Pflegeeinrichtungen. Um als
                                        Dienstleister für Sozialträger wie beispielsweise die Caritas attraktiv
                                        zu sein, nehmen sich Nagel und sein Unternehmen aktuell der Pro-
                                        bleme seiner Kunden an. Aus diesem Grund denkt der Investor das
                                        Mitarbeiterwohnen bei seinen Neubau- und Sanierungsvorhaben mit.

Herr Nagel, Ihr Unternehmen hat
sich auf die Vermietung von Sozia-
limmobilien spezialisiert. Wie kom-
men Sie zum Thema Mitarbeiter-
wohnen?

Wir verwalten über 40 Altenpfle-
geheime in ganz Deutschland. Die
Betreiber der Einrichtungen sind un-
sere Mieter. Mit dem operativen Ge-
schäft der Pflegeheime selbst haben
wir eigentlich nichts zu tun. Dennoch   Das DRK Darmstadt denkt bei der Sanierung dieses Pflegeheims auch über Wohnungen
denken wir im Moment im Zuge der        für die Beschäftigten nach
Sanierung einer Pflegeimmobilie
auch darüber nach, Wohnungen für        Mammutaufgabe. Betriebliche Woh-                  im Wettbewerb um Fachpersonal
Mitarbeiter zu bauen.                   nungen, für die eigenen Beschäfti-                neue Wege gehen. Eine günstige
                                        gen anbieten zu können, ist Teil ei-              Wohnung in Arbeitsplatznähe ist da-
                                        ner Lösung.                                       bei ein entscheidender Vorteil.
Sie beschäftigen sich also mit der
Wohnsituation der Angestellten ih-
rer Mieter? Ist das nicht ein weiter    Wieso ist das Thema Mitarbeiter-                  Fallen Arbeits- und Wohnort bald bei
gedanklicher Weg für einen Inves-       wohnen im Bereich Pflege beson-                   allen ihren Pflegeeinrichtungen zu-
tor?                                    ders relevant?                                    sammen?

Nicht unbedingt! Als Vermieter sind     Der Bedarf nach Pflegeplätzen ist                 (lacht) Nein, nein! Wir stehen da
wir an einer nachhaltigen Geschäfts-    häufig dort am höchsten, wo auch                  noch am Anfang. Häufig müssen
partnerschaft mit den Betreibern        die Grundstückspreise und die Woh-                für eine Nutzung der Immobilien als
der Einrichtungen interessiert. Der     nungspreise am stärksten in den                   normaler Wohnraum komplexe Ge-
Bedarf an Pflegeplätzen steigt in       letzten Jahren gestiegen sind: in                 nehmigungsverfahren durchschrit-
Deutschland stetig. Das größte Risi-    den Ballungszentren und den daran                 ten werden – auch wenn es sich nur
ko für unsere Mieter ist inzwischen,    angrenzenden Regionen. Dort ist es                um eine Teilnutzung handelt. Helfen
kein adäquaten Fachkräfte für die       schwierig überhaupt noch bezahlba-                würde uns, wenn bei neuen Einrich-
hochwertige Betreuung der Bewoh-        re neue Pflegeplätze entstehen zu                 tungen oder Umbauten pauschal ein
nerinnen und Bewohner in den Ein-       lassen. Da die Betreiber nur wenig                gewisser Anteil an Wohnungen für
richtungen zu finden. Insbesondere      Spielraum bei den Einkommen ih-                   Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in den Ballungszentren ist das eine     rer Angestellten haben, müssen Sie                entstehen könnten. Und das ohne
                                                                                          großen bürokratischen Aufwand.

                                                                                                                   17
Partnerschaft auf Augenhöhe
 GEWOBA Nord: Kooperation mit einer Genossenschaft

                                        Dirk Schmid ist Prokurist der GEWOBA Nord und für das Manage-
                                        ment der Bestandsgebäude zuständig. Die Genossenschaft koope-
                                        riert zur Zeit mit einem Hotelleriebetrieb auf Sylt bei einem Neubau-
                                        vorhaben von Wohnungen für die Hotelangestellten. Wir haben uns
                                        mit ihm zu den Hintergründen, Vorteilen und Herausforderungen
                                        der Kooperation ausgetauscht.

Die GEWOBA Nord hat gemeinsam           der Bautätigkeit vermieteten wir alle             an den Arbeitgeber bis hin zur Ver-
mit dem A-Rosa Hotel auf Sylt Woh-      Wohnungen en bloc an das A-Rosa.                  waltung der einzelnen Mietverträge
nungen für Mitarbeiterinnen und         Das Hotel kümmert sich eigenstän-                 und einem vollen Service-Paket sind
Mitarbeiter gebaut. Wie kam die Ko-     dig um das Mietermanagement.                      Genossenschaften zuverlässige und
operation zustande?                                                                       kompetente Berater.

Der Wohnungsmarkt auf Sylt ist ext-     Welche Erfahrungen haben Sie in
rem angespannt. Als das A-Rosa Ho-      der Kooperation gemacht?                          Was macht das Modell des Mitar-
tel expandieren wollte, verpflichtete                                                     beiterwohnens aus Ihrer Sicht so
die Gemeinde List das Unterneh-         Die Kooperation funktioniert sehr                 interessant?
men dazu, auch Wohnungen für sei-       gut. Wir als Genossenschaft haben
ne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter     einen Generalmietvertrag mit dem                  Alle Seiten profitieren! Die Mitarbei-
zu bauen. Das Hotel kam daraufhin       Hotel und kümmern uns bspw. um                    terinnen und Mitarbeiter bekommen
auf unsere Genossenschaft zu und        die Betriebs- und Heizkostenabrech-               guten Wohnraum zu fairen Preisen.
wir überlegten gemeinsam, wie wir       nungen und die Instandhaltung der                 Für die Unternehmen spielt die
die verschiedenen Anforderungen         Gebäude. Das A-Rosa kümmert sich                  Wohnungen eine enorme Rolle in
von Gemeinde und Hotel zusam-           um kleinere Reparaturen und über-                 der Akquise und Bindung von Fach-
menbringen können.                      nimmt vor allem die Vermietung und                kräften. Wir als Genossenschaft be-
                                        Wohnungsvergabe. Kurzum: Wir                      kommen einen zuverlässigen Mieter
                                        haben einen zuverlässigen Mieter                  und nebenbei wird der lokale Woh-
Und wie genau sieht diese Koope-        und das Hotel einen kompetenten                   nungsmarkt entspannt. Es ist ein tol-
ration aus?                             Ansprechpartner gefunden.                         les Modell für alle Beteiligten.

Unsere Genossenschaft kaufte die
Fläche, auf der die Wohnungen heu-      Welche Tätigkeiten kann eine Ge-                  Würden Sie wieder mit einem ge-
te stehen. Gemeinsam mit dem            nossenschaft in einer solchen Ko-                 werblichen Unternehmen kooperie-
Hotel planten wir den Neubau der        operation anbieten?                               ren?
Personalapartments. Dabei haben
wir darauf geachtet, die über 100                                                         Ja, jederzeit.
Wohnungen an den Bedürfnissen           Grundsätzlich sind da verschiedene
der Mitarbeiterinnen und Mitarbei-      Konstellationen denkbar. Von der
ter auszurichten. Nach Abschluss        Planung und Realisierung des Bau-
                                        projekts über die Generalvermietung

       18                                                                                   RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
»Alle Seiten profitieren! Die Mitarbeiterinnen und
                          Mitarbeiter bekommen guten Wohnraum zu fairen
                          Preisen. Für die Unternehmen spielen die Wohnun-
                          gen eine enorme Rolle in der Akquise und Bindung
                          von Fachkräften.«
                          Dirk Schmid, Prokurist der GEWOBA Nord

Die Mitarbeiterwohnungen des A-Rosa Hotels
Das A-Rosa Hotel Sylt wollte in exponierter
Lage expandieren. Die Gemeinde Sylt knüpf-
                                                   Knapp ein Drittel der insgesamt 101 Wohnun-
                                                   gen wurde mit Mitteln der sozialen Wohnraum-
                                                                                                     1940
                                                                                                       gergründet
te ihre Zustimmung zu den Bauplänen an die         förderung errichtet und wird entsprechend an
Errichtung von Wohnungen. Daraufhin koope-         Personen mit Wohnberechtigung vermietet.
rierte das Hotel mit der GEWOBA Nord. Die          Die Wohnungen variieren in ihrer Größe zwi-
Genossenschaft erwarb die Fläche, baute die        schen 41 m2 und 112 m2. Vom Auszubildenden
Wohnungen und vermietet die Wohnungen              bis zur leitenden Fachkraft lebt eine bunte Be-

                                                                                                       11
seit 2010 en bloc an das Hotel.                    legschaftsmischung in den Wohnungen.

                                                                                                               Tsd.
                                                                                                     Genossenschafts-
                                                                                                        mitglieder

                                                                                                     5.700
                                                                                                       Wohnungen

                                                                                                     6,00         €/m2
                                                                                                     durchschnittlich
                                                                                                        nettokalt
Die Mitarbeiterhäuser des A-Rosa Hotels auf Sylt

                                                                                                           19
Noch Nicht
                                                                                                             Freigegeben

Wohnen, wo andere Urlaub machen
      Das Ahlbeck Hotel und Spa, Usedom

2011
 Erwerb des
 Grundstücks

2013
 Fertigstellung
      und
  Erstbezug

                   Blick vom Hotel auf das Seeheilbad Ahlbeck (Usedom)

1,2
                   Das Ahlbeck & Spa-Hotel liegt auf der Insel           »Zunächst haben wir Ferienwohnungen in
                   Usedom »direkt an der Strandpromenade                 der Umgebung für unsere Belegschaft an-
           Mio.€   im Herzen des Seebades Ahlbeck. Seeblick              gemietet«, erklärt Bensemann. Doch diese
  Investitions-    gibt es hier aus vielen Zimmern und Suiten.           externe Lösung erwies sich als nicht nach-
    summe          Der wunderschöne weiße Sandstrand ist nur             haltig. »Die Ferienwohnungen haben bei uns
                   einen Steinwurf entfernt.« Doch diese Lage            dauerhaft Kosten verursacht. Hinzu kamen
                   – malerisch beschrieben auf der Website               Unsicherheiten bei der Anmietung«, berich-
                   des Hotels – birgt auch Herausforderungen.            tet Bensemann von den gemachten Erfah-
                                                                         rungen.

   12
                   »Wir sind hier auf einer Insel, das macht die
                   Auswahl an potentiellen Mitarbeiterinnen
                   und Mitarbeitern schwierig«, erläutert Petra          Als sich im Jahr 2011 die Möglichkeit bietet,
Azubis finden in   Bensemann, Direktorin des Hotels. Um neue             ein Grundstück unweit des Hotels zu kaufen,
den modernen       Angestellte zu werben und dauerhaft an den            ist für die Geschäftsführung klar: Diese Flä-
  WGs Platz        Betrieb zu binden, sei es nötig fördernde             che eignet sich hervorragend für die ersten
                   Maßnahmen zu ergreifen.                               betriebseigenen Mitarbeiterwohnungen. In
                                                                         Kooperation mit örtlichen Bauunternehmen
                   Um die eigene Attraktivität als Arbeitgeber           entstehen in kurzer Zeit vier Häuser. Drei der
                                                                         vier Gebäude werden als Mietshäuser an

     2
                   zu stärken, setzt das Boutique-Hotel auf ver-
                   schiedene Maßnahmen. Dazu gehören die                 Angestellte und externe Interessenten ver-
                   Übernahme von Kitabeiträgen, die Ausstel-             mietet. »In einem der Häuser haben wir spe-
   Häuser          lung von Tankgutscheinen und die entgelt-             zielle Wohnungen für Wohngemeinschaften
   für die         freie Nutzung des eigenen Fitnessstudios für          geschaffen. Dort wohnen je zwei bzw. vier
 Beschäftigen      Angestellte. Seit längerem kommt auch das             von unseren Azubis.« Im vierten Gebäu-
                   Angebot von Mitarbeiterwohnungen dazu.                de entstehen Eigentumswohnungen, die

      20                                                                           RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
»Zunächst haben wir Ferienwohnungen in der Umgebung für un-
                        sere Belegschaft angemietet. Die Ferienwohnungen haben bei uns
                        dauerhaft Kosten verursacht. Hinzu kamen Unsicherheiten bei der
                        Anmietung «
                        Petra Bensemann, Direktorin des Ahlbeck Hotel und Spa

einzeln zum Verkauf angeboten werden. Diese gemischte
Nutzung hilft bei der Finanzierung des Bauvorhabens und
ermöglicht am Ende niedrige Mietpreise auf Niveau des
örtlichen Mietspiegels.

Die Bewirtschaftung und Verwaltung übernimmt das Ho-
tel selbst. Freie Wohnungen werden zwar bevorzugt an
die eigene Belegschaft vergeben. Allerdings kommen bei
fehlender Nachfrage aus den eigenen Reihen auch exter-
ne Mieter in Frage. Auf lange Sicht sind die Wohnungen
insbesondere wegen der langen Bleibeperspektive attrak-
tiv. Denn: Auch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses
können die ehemaligen Angestellten wohnen bleiben. Das
Wohnungsangebot deckt im Moment die Nachfrage der
eigenen Belegschaft. Der Bau weiterer Wohnungen ist
daher nicht geplant. »Wir können dieses Konzept jedoch
nur jedem weiterempfehlen« resümiert Direktorin Bense-
                                                          Ein fertiggestelltes Haus mit Mitarbeiterwohnungen
mann.

Richtfest der Mitarbeiterwohnungen

                                                                                                               21
Junges Wohnen Ingolstadt:
»Win-Win« durch Kooperation vor Ort
        GWG Ingolstadt und Audi

 2015
                      Die Geschicke der Stadt Ingolstadt sind eng         Praktikum bei Audi in Ingolstadt. Daher gibt
                      mit dem Wohle Audis verknüpft. Beim ur-             es einen sehr großen Bedarf an günstigen
                      sprünglich in Zwickau gegründeten Automo-           Wohnangeboten mit zeitlich befristeter Dau-
   Fertigstellung     bilhersteller arbeitet rechnerisch jeder dritte     er«, erklärt Dr. Ute Röding, Leiterin Corpora-
 des GreenHouses      Bewohner der bayerischen Donaustadt. Hin-           te Citizenship bei Audi.
                      zu kommt eine Vielzahl von Arbeitsplätzen
                      bei ortsansässigen Zulieferern.                     Da günstiger Wohnraum in der Donaustadt
                                                                          knapp ist, suchte das Unternehmen den

     39
                      Gutes Personal spielt für ein innovationsge-        Kontakt zum kommunalen Wohnungsunter-
                      triebenes Unternehmen in der Größenord-             nehmen – der Gemeinnützigen Wohnungs-
                      nung von Audi eine wichtige Rolle. Die Beleg-       baugesellschaft Ingolstadt, kurz GWG. Ge-
   Ein-Zimmer-
                      schaft von morgen bildet der Konzern daher          meinsam mit GWG-Geschäftsführer Peter
   Wohnungen
                      in Teilen selbst aus. Vom Schülerpraktikum          Karmann wurde eine Lösung gesucht und
                      über die klassische Ausbildung bis hin zum          gefunden: »Unter dem Namen GreenHouse
                      Praktikum im Studium und Trainee-Stellen für        haben wir ein ehemaliges Bürogebäude in
                      Hochschul-Absolventen bietet das Automo-            Ein-Zimmer-Apartments umgewandelt. Von

     30
 der Wohnungen
                      bilunternehmen viele Einstiegsmöglichkeiten
                      an. »Jedes Jahr absolviert eine große Zahl an
                      jungen Menschen eine Ausbildung oder ein
                                                                          den insgesamt 39 Wohnungen darin sind
                                                                          30 Einheiten für die Audi-Belegschaft re-
                                                                          serviert.« Die kleinen Wohnungen sind voll
  sind für Audi
    reserviert

   410
    monatliche
               €

    Warmmiete

   237
weitere Wohnungen
      geplant

 2020
 Fertigstellung der
     geplanten
   Wohnungen
                      Das GreenHouse: Heute befinden sich in dem ehemaligen Bürogebäude 39 Ein-Zimmer-Appartments

        22                                                                          RegioKontext I Wirtschaft macht Wohnen
»Wir freuen uns mit diesen bezahlbaren Angeboten den
                  Wohnungsmarkt in Ingolstadt zu ergänzen.«
                  Peter Karmann, Geschäftsführer der GWG Ingolstadt

                                                                                     Umgebung vorgestellt. Es gibt eine
                                                                                     Reihe von kleinen Handwerksbe-
                                                                                     trieben, aber auch größeren Firmen
                                                                                     in der Region. Die Betriebe warten
                                                                                     regelrecht darauf, dass Ihnen so et-
                                                                                     was angeboten wird«, beschreibt
                                                                                     Karmann die Reaktion der lokalen
                                                                                     Wirtschaft.

                                                                                     Bis 2020 sollen daher 237 weite-
                                                                                     re Wohnungen entstehen. Neben
                                                                                     den klassischen Ein-Zimmer-Apart-
Die Wohnungen des GreenHouse werden möbiliert vermietet. Die Einrichtung präsen-     ment soll es auch Wohnungen mit
tiert sich in schlichten, hellen Tönen mit einigen farblichen Akzenten               zwei und drei Räumen geben, die
                                                                                     für Wohngemeinschaften konzipiert
möbliert. Sie werden für derzeit 410        Leerstand«, ergänzt Karmann. Für         sind. In den Erdgeschossbereichen
EUR monatlich vermietet – Internet          ihn ist dieser Vorteil wertvoll genug.   entstehen zusätzliche Gemein-
und Strom inklusive.                        Ein finanzieller Vorteil hingegen en-    schaftsflächen. Aus Sicht von Peter
                                            steht zwischen den beteiligten Part-     Karmann lohnt sich das Projekt für
Das Audi-Kontingent ist dabei allein        nern nicht, so dass auch das leidige     die GWG, Audi und ganz Ingolstadt:
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern           Problem des geldwerten Vorteils für      »Wir freuen uns mit diesen bezahl-
in Ausbildung, dualem Studium und           die Beschäftigten gar nicht erst auf     baren Angeboten den Wohnungs-
anderen Qualifizierungsmaßnahmen            den Tisch kommt.                         markt in Ingolstadt zu ergänzen.
vorbehalten und wird nur zeitlich be-                                                Die Apartments für Menschen in
grenzt vergeben. »Die Wohndauer             Die Erfahrungen aus den letzten          Ausbildung leisten einen Beitrag zur
ist befristet und an die Dauer des          Jahren münden jetzt in einer Erwei-      positiven Entwicklung der lokalen
jeweiligen Aus- und Fortbildungs-           terung des Angebots. „Wir haben          Wirtschaft. Davon profitiert ganz In-
verhältnisses gekoppelt«, erläutert         die Kooperation mit Audi auch ande-      golstadt!«
Peter Karmann die Mietpraxis. »Bei          ren Unternehmen in Ingolstadt und
der Bewerbung um eine Wohnung
muss ein entsprechender Arbeits-
vertrag mit Audi vorliegen.«

Die ersten Wohnungen wurden
2015 bezogen. Laut GWG und Audi
ist das Projekt nach zwei Jahren ein
Gewinn für beide Seiten: »Anfangs
gab es noch Bedenken, ob das An-
gebot nachgefragt wird. Mittlerwei-
le ist das Modell ein großer Erfolg
und quasi Selbstläufer«, freut sich
Dr. Röding über die hohe Nachfra-
ge. Die Auslastung der Wohnungen
sei sehr hoch, »es gibt quasi keinen        Das GreenHouse im Modell

                                                                                                                 23
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