BULLETIN - Alternative - die Grünen Zug
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ALTERNATIVE - DIE GRÜNEN ZUG
BULLETIN NUMMER 2 | AUGUST 2018
* 4 Wahlen – Andreas Hürlimann, Kandidat Regierungsrat Kanton Zug *
* 17 Wie wählen – wirkungsvoll wählen *
* 18 2000 Watt – Energiepolitik im Clinch *
* 23 Junge Alternative – Abends in der Kolinstadt *
* 24 Kantonsrat – Der Traum vom ewigen Wachstum *Inhaltsverzeichnis
2 3 Editorial «Mission statement»
Die neue linke Welle kommt
Das BULLETIN ist eine unabhängige Kom • Gleichwertigkeit von Geschlecht und
4 Wahlen munikationsplattform des alternativen Zug Rasse
Fit für den Regierungsrat und wird von folgenden Gruppen getragen: • Verantwortung des Einzelnen gegenüber
der Gesellschaft und Verantwortung der
5 Wahlen
Alternative – die Grünen Baar Gesellschaft gegenüber dem/der
Für ein faires Zug
Alternative – die Grünen Menzingen Einzelnen.
6 Wahlen Alternative – die Grünen Unterägeri
Begeistert für Zug Alternative – die Grünen Stadt Zug Die Redaktion recherchiert zu politischen
7 Wahlen Alternative – die Grünen Zug und gesellschaftlichen Themen nach be
Wohnen – arbeiten – leben Forum Oberägeri stem Wissen und Gewissen. Sie nimmt
Grünes Forum Hünenberg aktuelle Themen der alternativen Gruppie
8 Wahlen Grüne Risch-Rotkreuz rungen aus den einzelnen Zuger Gemein
Offen für Neues Grüne Steinhausen den auf. Das BULLETIN fördert das poli
9 Wahlen Krifo Alternative Cham tische Bewusstsein der Bevölkerung und
Mit allen Generationen im Kontakt trägt zur Meinungsbildung bei. Autorinnen
Das BULLETIN setzt sich mittels seiner und Autoren der BULLETIN-Beiträge sind
10 Wahlen
Publikationen ein für die Förderung und frei in ihrer Meinungsäusserung.
Menzingen motiviert
den Erhalt von Lebensqualität im Sinne von:
11 Wahlen • Soziale Gerechtigkeit, Schutz von sozial Redaktion und Herausgeberverein
Aktiv mitgestalten Benachteiligten «Das BULLETIN»
12 Wahlen • Ökologische Nachhaltigkeit, Schutz
Weitsichtig für Risch von Lebensräumen und der Natur
13 Wahlen
Wählen mit Köpfchen
17 Wie wählen
Wirkungsvoll wählen
18 2000 Watt
Energiepolitik im Clinch
20 Regierungsrat
Gleichberechtigt
21 Fair Food
Konsequent fair und gesund
22 Grünspecht
Sehnsüchte und Emotionen
23 Junge Alternative
Abends in der Kolinstadt
24 Kantonsrat
Der Traum vom ewigen Wachstum
25 Verdankung
M&M‘s
26 Service
Gestreift
Kino
Veranstaltungen
Adressen
Impressum
Umschlagbild: Andreas Hürlimann, Kandidat Regierungsrat Kanton Zug
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Editorial
Die neue linke Welle kommt
Marco Knobel, Wahlkampfleiter Alternative – die Grünen Zug
Als kleiner Pfüderi mit Zahn- schaft mit einem herzensguten 3
spange und überdimensionierten französischen Rentner. Wir liefen
Hiphop-Schlabber-Jeans ging ich viele Tage zusammen und philo-
bei einer Frau in den Unterricht, sophierten an Dorffesten, im
die später sowas wie ein poli- Schatten riesiger Sonnenblumen-
tisches Gotti für mich werden felder oder beim Abendessen in
sollte: Es war meine Nachbarin mittelalterlichen Städtchen. Ob
und heutige Kantonsrätin Esther ich stolz wäre, wofür ich einstün-
Haas. Mich faszinierten damals de, fragte er mich eines Abends
ihre Geschichten von der Ferne – bei Rosé und französischem Käse.
von Nomadenkindern im Hima Stolz, das wäre für mich ein
laya, von grillierten Meerschwein- hochmütiger Begriff, antwortete
chen in südamerikanischen ich ihm. Und er erklärte mir, dass
Favelas oder von Pilgerinnen auf «être fier» für ihn lediglich eine
dem mystischen Jakobsweg. selbstbewusste, positiv anerken-
Später zog es auch mich immer nende Grundhaltung sei.
wieder in die Ferne. Und vor fünf Ja, in diesem Sinne bin ich schon
Jahren – ich hatte gerade einen etwas stolz. Stolz auf unsere
Roman von Paulo Coelho fertig- familiäre Bewegung mit über 200
gelesen – wollte ich wissen, was Mitgliedern und fast 500 eingetra-
es mit diesem Jakobsweg auf sich genen Sympathisierenden, die
hatte. Und so lief ich los, durch seit der Studierendenbewegung
die Voralpen und die Romandie, den kleinen Kanton Zug aufmi-
vorbei an der französischen schen. Der Reichtum hier ist die
Rhone, durch Okzitanien und Kehrseite der Armut dort. Che
über die Pyrenäen. Die Vielfalt Guevara sagte einst zu Jean
Europas beeindruckte mich. Ziegler, dass der Platz für seine pierungen hat in den letzten
Ältere Leute sprachen manchmal Träume und seinen Kampf im anderthalb Jahren enorm zuge-
kaum eine andere Sprache als Herzen des Kapitalismus wäre. nommen und an Anlässen und
Occitaine, Gaskognisch oder Und so will ich es auch halten, Veranstaltungen herrscht regel-
Baskisch. Die Menschen auf dem im reichsten Kanton des reichsten rechte Aufbruchsstimmung.
Weg waren mit spannenden Landes auf einem Planeten, auf Trotzdem wird der Wahlkampf im
Lebensgeschichten, Offenheit, dem es eigentlich für alle genug September «än ghörige Hosä-
grossen Träumen und manchmal gäbe. Von «kleinen» Kämpfen um lupf», wie unser Parteipräsident
auch mit etwas Weltschmerz 30er-Zonen und Lindenbäume bis zu sagen pflegt. Finanzstarke
unterwegs. Schräge Vögel – das hin zu den ganz grossen, weltver- Lobbys haben wir nicht im
waren wir höchstens ein biss- ändernden Utopien: Wir sind eine Rücken. Aber wir wären nicht die
chen. Aber anders, ja, anders veritable politische Kraft im Alternative, wenn wir nicht
waren wir. konservativen Zug. wüssten: Zusammen holen wir
Genauso sind auch wir als Als Wahlkampfleiter habe ich eine uns den Zuger «Turnaround».
politische Bewegung anders. strenge Zeit hinter und vor mir. Also: Ärmel nach hinten krem-
Abseits des konservativen Estab Die linken Wahlerfolge in anderen peln, linke Faust hoch und Bühne
lishments träumen wir von einer Kantonen lassen mich aber frei für Zugs einzige glaubwürdige
anderen Welt, von Solidarität, zuversichtlich auf den 7. Oktober Alternative. Auf dass wir gemein-
Fairness und Achtung vor der schauen. Die neue linke Welle sam grüne und rote Sterne vom
Natur. Aber ich würde diese wird auch nach Zug schwappen. Himmel holen – für die Menschen
Zeilen nicht schreiben, würden Nicht weil sie von alleine kommt, und die Natur in Zug und überall
wir nur davon träumen. Wir sondern weil ich weiss, dass wir auf der Welt.
erkämpfen uns diese andere Welt, mit vollem Einsatz für sie kämp- ¡Venceremos!
mit einem Fuss auf der Strasse fen werden. Der dunkle Schatten
und einem im Parlament. des Neoliberalismus beginnt auch Marco Knobel
Auf dem Jakobsweg schloss ich auf die Menschen in Zug zu fallen. Träumer, Sekretär und Wahl-
unter anderem eine tiefe Freund- Aber die Aktivität unserer Grup- kampfleiter
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Fit für den Regierungsrat
Andreas Hürlimann, Kandidat Regierungsrat Kanton Zug
4 Im Kantonsrat arbeitet Andreas Hürlimann seit 12 und im Gemeinde- Ist dir die Kandidatur für den Regie-
rat Steinhausen seit 4 Jahren. Er ist somit in der politischen Arbeit von rungsrat einfach gefallen?
Exekutive und Legislative erfahren. Beste Voraussetzungen für einen Nein. Ganz und gar nicht. Die Ar
beit als Gemeinderat macht wirklich
Regierungsratkandidaten. Altregierungsrat Hanspeter Uster führte das
Spass. Mit meinem Team der Ab
Interview mit Andy.
teilung Bau und Umwelt würde ich
gerne weiterarbeiten. Es stehen viele
Hanspeter Uster: Meine Mutter ist in Was bedeutet für dich die Nomination wichtige und spannende Themen an.
Steinhausen aufgewachsen. Damals zum Regierungsratskandidaten? Aber nach den Gesprächen in der Par
hatte Steinhausen 750 Einwohne- Ein Regierungsratsamt ist ein span tei, mit der Familie und mit Freunden
rInnen. Heute sind es knapp 10 000 nendes Amt. Ich würde es sehr gerne bin ich zum Schluss gekommen, dass
Personen. Was heisst das für dich als ausüben. Mit nun bald 12 Jahren habe ich diesen Schritt wagen möchte. So
Bauchef der Gemeinde? ich viel Erfahrung als Kantonsrat. mache ich ihn voller Überzeugung.
Andreas Hürlimann: Unsere Gemein Die politischen Abläufe und Themen
de hat innert weniger Jahrzehnte ein auf Kantonsebene sind mir bestens Welche Herausforderungen für den
starkes Wachstum erlebt. Grünflächen bekannt. Kanton Zug siehst du mittel- bis lang-
sind verschwunden. Der Bedarf an fristig?
neuer Infrastruktur steigt. Ein bes Das schnelle Wachstum frisst Grün
serer Service wird zu Recht gefor flächen. Aber unsere Erholungsräu
dert. Ich versuche vorausschauend me, die zunehmende Mobilität sowie
zu agieren und kluge Entscheide bei verfügbarer, zahlbarer Wohnraum
Investitionen herbeizuführen. Intelli müssen stärker in den Fokus kom
gent gestaltete Aussenräume sind mir men. Soziale Fragen dürfen wir nicht
wichtig und verlangen von Privaten beiseiteschieben, nur um über wei
wie auch der öffentlichen Hand ein tere Steuersenkungen zu diskutieren!
hohes Engagement. Naherholungsge Ein Staat mit guten Dienstleistungen
biete wie der Steinhauser Wald sind für alle kostet. Die heutige kantonale
sehr wertvoll. Sparpolitik hat mit der übertriebenen
Steuersenkungspolitik zu tun.
Welche Projekte waren für dich als
Bauchef in den vergangenen dreiein- Wie wichtig ist es dir, dass du Zeit für
halb Jahren zentral? Regierungsratskandidat Andreas Hürli Beruf und Familie hast?
Einerseits kleinere Projekte wie der mann im Gespräch mit Altregierungsrat Ich habe es sehr geschätzt, dass ich in
neue Dorfspielplatz, die Auffrischung Hanspeter Uster. den letzten zwei Jahren einen Teil der
der Unterführungen beim Bahnhof Familienbetreuung übernehmen konn
oder Anpassungen für mehr Barriere Im Gegensatz zu mir – mit damals te. Die Beziehung zu meinem 2½-jäh
freiheit im öffentlichen Raum. An keinerlei exekutiver Führungserfah- rigen Sohn ist dabei enorm gewachsen.
dererseits das Generationenprojekt rung – kannst du bereits vor einer Das wäre bestimmt anders, wenn ich
der Zentrumsüberbauung Dreiklang, möglichen Wahl in die Regierung tagsüber abwesend gewesen wäre.
welches ich vom Spatenstich bis zur solche Erfahrungen vorweisen. Wie Bereit sein, viel zu lernen. Freude an
Eröffnung begleiten durfte. Die Er sehr hat dich dein Engagement im einer der attraktivsten Führungsauf
neuerung und Erweiterung der Sport Gemeinderat geprägt? gaben haben, die es im Berufsleben
plätze, die Planung des neuen Musik Die Arbeit in einer Exekutive ist sehr überhaupt gibt.
schulzentrums oder der Umbau des abwechslungsreich und interessant.
Rathauses sind für unsere Gemeinde Ich konnte wertvolle Erfahrungen Andy, ich wünsche dir viel Erfolg! Ich
wichtig. Unterschiedlichste Bereiche sammeln und fühle mich gut gerüs bin überzeugt, dass die Alternativen –
und Bedürfnisse konnten abgedeckt tet für diese Arbeit. Auch im Ge die Grünen mit deiner Nomination auf
werden. meinderat muss bei unterschiedlichen die richtige Person im Regierungsrats-
Ansichten eine gemeinsame Haltung wahlkampf gesetzt haben! ■
Du hast in der bisherigen Amtszeit gefunden werden. Unterschiedliche
viel erreicht. Über dein grosses Enga- Meinungen nehme ich stets ernst.
gement wird weit über die Gemeinde- Das hilft enorm, Kompromisse zu
grenzen hinaus positiv gesprochen. erarbeiten.
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Für ein faires Zug
Astrid Estermann, Kandidatin Stadtrat Zug
Als ich vor 22 Jahren mit meinem Partner aus dem Kanton Luzern nach sachlich fundiert für meine Anlie 5
Zug zog, fühlte ich mich sehr bald wohl hier. Das Gartenstadtquartier – in gen zu kämpfen und dort Kompro
dem ich bis heute wohne – erinnerte an das Arbeiterquartier der Von- misse einzugehen, wo sich ein guter
Moos-Stahlwerke, in dem ich aufgewachsen bin. Häuser mit einfachen Mittelweg abzeichnet, der meine
Überzeugungen nicht verletzt. Wenn
Wohnungen, Gemüsegärten und eine kunterbunte Mischung verschiedener
sich aber die bürgerliche Mehrheit
Nationalitäten. einfach über unsere Anliegen hin
wegsetzte, so war ich gerne bereit,
mit einem Referendum oder einer
Mir fiel schnell auf, dass die Stadt ih relang als Präsidentin von Pro Velo Initiative wenigstens den Versuch
ren Bewohnerinnen und Bewohnern Zug. Bald suchte ich auch den Weg zu wagen, den Anliegen der Alter
viel Lebensqualität bietet. Ich genoss in die Politik: Seit 15 Jahren setze ich nativ-Grünen und damit auch einem
schon sehr bald die Sonnenuntergän mich im Grossen Gemeinderat für nennenswerten Teil der hiesigen Be
ge in den kostenlosen Badis, kurze eine Stadt Zug ein, die lebenswert völkerung eine Stimme zu geben
Wege zum Einkaufen, beziehungsweise zum Durchbruch
die gute Anbindung zu verhelfen. Manchmal gewannen
an den öffentlichen wir – oft verloren wir.
Verkehr, den Gemü Meiner optimistischen und lebens
segarten direkt vor frohen Haltung verdanke ich es, trotz
dem Haus, die Mög wiederkehrender politischer Nie
lichkeiten zum Aus derlagen stets erneut mit Hoffnung
üben geliebter Sport für die nächste, mir wichtige Sache
arten wie Rudern, einzustehen. In der Fraktion der
Wandern, Velofahren Alternativen-CSP fühle ich mich mit
und einen wachsen meinen Anliegen gut aufgehoben, ge
den Bekannten- und stützt und bestätigt. Darin finde ich
Freundeskreis. immer wieder Kraft für das weitere
Bald stachen mir aber Einstehen für grüne und soziale An
auch unschöne Cha liegen. Nach bald vier Legislaturen
rakteristika ins Auge: im Grossen Gemeinderat ist es Zeit,
Sehr hohe Mieten, einen neuen Schritt zu wagen. Ja, ich
die Verdrängung von will mich weiterhin engagieren!
Menschen mit gerin Bereits 2006 kandidierte ich für die
gerem Einkommen, damalige SGA als Stadträtin und
Firmen mit ausbeute verpasste die Wahl um sehr weni
rischen Geschäftstätig ge Stimmen (damals noch im Pro
keiten, ein scheinbar porzverfahren). Heute bin ich zum
ungebremstes Häuser zweiten Mal bereit, den Sprung
wachstum in die Brei Astrid Estermann, Kandidatin für den Stadtrat Zug. in den Stadtrat zu versuchen. Mit
te und die Höhe bei meinen beruflichen Leitungs- und
zugleich wenig lebendiger Altstadt, bleibt und fair handelt. Dies beson Verwaltungserfahrungen und den
die dominante Rolle des Kapitals, ders zu Themen wie: 2000-Watt- Aus- und Weiterbildungen zur Sozi
grosse teure Autos und die Prägung Initiative, Zone preisgünstiger Woh alarbeiterin, Juristin und Organisa
der Innenstadt durch den Verkehr nungsbau, Erhalt der Wohnungen tionsberaterin verfüge ich über gute
bei unbefriedigenden Lösungen für in der Gartenstadt, sichere Velover Voraussetzungen für diese verant
den Veloverkehr. Und der Filz einer bindungen zu den Schulen (Motion wortungsvolle Tätigkeit. Ich würde
Kleinstadt: Wer viel Geld, Einfluss «Bike to school»), gegen Filz und du mich freuen, mich im Stadtrat noch
und Macht hat, bestimmt. biose wirtschaftliche Machenschaf ausgiebiger für eine lebendige, le
Es gibt verschiedene Wege, damit ten, die Volksabstimmungen rund benswerte, familienfreundliche, faire
umzugehen: Negieren, akzeptieren, um den Postplatz, den Erhalt der und gut durchmischte Stadt Zug ein
wegziehen oder etwas dagegen unter sogenannten «Perlen» usw. zusetzen. ■
nehmen. Ich entschied mich für Letz In den Debatten im Grossen Gemein
teres, engagierte mich zunächst jah derat war und ist es mir wichtig,
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Begeistert für Zug
Vroni Straub, Kandidatin Stadtpräsidium Zug
6 Vroni Straub, die seit vielen Jahren politisch aktiv ist und seit acht Jah- folgreich einsetzen, in den ersten 4
ren ihre Aufgabe als Stadträtin engagiert ausübt, stellt sich zur Wahl als Jahren mit einer linken Mehrheit,
Stadtpräsidentin. Das BULLETIN führte ein Interview mit Vroni über ihre was es natürlich einfacher machte.
In den letzten Jahren mit einem SP-
Arbeit und die Motivation für eine neue Aufgabe.
und drei bürgerlichen Kollegen. Bei
der Arbeit im Stadtrat merkt man
BULLETIN: Dir gefällt es in Zug, Badeanstalten sind gratis; also Zug gut, dass nicht das Parteibüchlein
was treibt dich an, dich für Zug ein- ist einfach toll! im Vordergrund steht, sondern der
zusetzen? Zug ist bekannt für den Zuzug von Wille, für die Herausforderungen
Vroni: Zug ist ein wunderbarer Ort. Firmen. Das bringt auch Familien der Stadt gemeinsam gute Lösungen
Naherholungsgebiete und Wohn- und nach Zug, die nur für kurze Zeit zu finden. Jeder und jede bringt
Arbeitsort liegen nah zusammen. Die bleiben, Expats, die Ihre Kinder in seine Stärken mit, wir haben eine
Stadt Zug ist ein «grosses Dorf», man Privatschulen schicken. Wie spürt gute Dynamik und Streitkultur und
ihr das? Was sind die Massnahmen, können dadurch unsere gesteckten
die ihr zur Integration unternehmt? Ziele erreichen.
Der gute Ruf der Stadtschulen hat
zur Folge, dass immer mehr Expat- Was macht dich zur guten Stadtprä-
Familien ihre Kinder der öffentli sidentin?
chen Schule anvertrauen. Das freut Ich bin hervorragend vernetzt, in
uns sehr. Wir haben etliche Integra der Stadtverwaltung wie auch in der
tionsprogramme gestartet, die die Stadt. Ich bin eine integrative Person
sen Trend unterstützen. Deutsch als und bringe alle Beteiligten für die
zweite oder dritte Fremdsprache, Lösungsfindung an einen Tisch. Ich
Betreuung mit einem erwerbskom kenne die Stadt seit den 70er-Jahren,
patiblen Angebot mit Mittags- und sehe, wie sie sich verändert. Ich habe
Nachmittagsbetreuung sowie 10 Wo die Menschen gern und spüre, was
chen «Ferienzug». Expats kommen sie bewegt. Werte wie Menschlich
oft für ein bis zwei Jahre, bleiben keit, Herzlichkeit, Ehrlichkeit, aber
vielleicht länger – oder sogar für im auch Geduld für Entscheidungspro
mer. Das gefällt mir, Kleinstadt mit zesse sind mir wichtig. Es lohnt
eigener Identität, eine Stadt für alle! sich, Entscheidungen mit der nöti
Wir versuchen für viele ein Angebot gen Sorgfalt und Vorsicht vorzube
zu schaffen, so dass keine Parallelge reiten und breit abgestützt zu fällen.
hat die Chance, sich persönlich zu sellschaften entstehen. Im 2019 steht die Zentralisierung
kennen, Zug hat Charme und Kultur. der Stadtverwaltung im Landis&Gyr-
Traditionen und Bräuche werden Arbeiten viele Kreise mit in der Ge- Gebäude an. Das wird für die Verwal
gepflegt und gelebt. staltung der Angebote? tung mit über 200 Mitarbeitenden ein
Ja, es gibt immer Angebote von Per nicht unwesentlicher Schritt. Die
Die Stadt Zug als Wirtschaftsstandort sonen, welche der Stadt etwas zu Überführung an den neuen Ort ist
ist teuer. Was hat der Stadtrat unter- rückgeben möchten. Wir wählen die genauso wichtig wie zu entscheiden,
nommen, dass auch Familien in der se Projekte sorgfältig aus. Es ist uns was am alten Ort zurückgelassen
Stadt leben können? wichtig, dass diese Personen die Mög wird. Ich traue mir zu, diesen Weg
Obwohl Zug eine Stadt ist, stei lichkeit haben, sich zu engagieren. gut vorzubereiten und zu begleiten.
gen die Schülerzahlen prozentual Ich freue mich auf die Zusammenar
zur Einwohnerzahl stetig. Das zeigt, Es ist spürbar, dass du stark im Bil- beit! Eine weitere Herausforderung
dass Zug auch bei Familien mit dungsbereich verwurzelt bist. Und wird es sein, Zug-Süd nicht im Stich
Kindern beliebt ist. Für diese setzte doch kandidierst du für das Stadt- zu lassen, sondern im Gegenteil die
ich mich mit meiner Arbeit im Bil ratspräsidium. Was ist die Motiva- ses zu beleben. Zug und sein Stadtrat
dungsdepartement ein. Wir haben tion? sind reif für eine Frau als Stadtprä
gute öffentliche Schulen, haben und Ich sehe es als logischen Schritt, sidentin.
entwickelten laufend ergänzende Be nach 12 Jahren als Kantonsrätin und
treuungsangebote, haben Sportan 8 Jahren im Stadtrat. Ich konnte Herzlichen Dank Vroni für das Ge-
gebote, Spielplätze, Bibliothek und mich in einem Männergremium er spräch und viel Erfolg! ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Wohnen – arbeiten – leben
Christoph Zumbühl, Kandidat Gemeinderat Steinhausen
Der jung gebliebene Steinhauser Jugendarbeiter wurde von den Grünen • Bezahlbaren Wohnraum für 7
Steinhausen für den Gemeinderat nominiert. In den folgenden Zeilen stellt niedrige Einkommensklassen, um
sich der «Vollblut-Jungwächter» Christoph Zumbühl vor. eine vielfältige Bevölkerungs
durchmischung zu erreichen
• Attraktive Freizeitangebote für
Ich heisse Christoph Zum Kinder und Jugendliche, um der
bühl und bin 42 Jahre alt, Individualisierung und Vereinsa
verheiratet und Vater von mung unserer Gesellschaft
2 Töchtern im Alter von entgegenzuwirken
10 und 12 Jahren. Ich bin • Öffentlichen Verkehr, der auf
hier im Dorf Steinhau unsere Bedürfnisse zugeschnitten
sen aufgewachsen und und ökologisch vertretbar ist
habe meine KV-Lehre in • Integrationsangebote für alle
einem Treuhandbüro in Bevölkerungsgruppen, um eine
Zug gemacht. 2003 reiste Chancengleichheit aller Mitmen
ich meiner Freundin in schen zu erreichen
ihre Heimat Mexiko nach • Nachhaltiges Wachstum in
und beschloss kurz darauf Steinhausen als Lebens- und
gleich dort zu bleiben. Wir Arbeitsraum, um Pendlerströme
arbeiteten in Mexiko als zu minimieren
Einkäufer für internatio • Buntes Vereinsleben mit vielfäl
nale Firmen und unsere tigem Angebot, um eine tragfä
zwei Kinder sind dort zur hige Gemeinschaft leben zu
Welt gekommen. Aus Si können
cherheitsbedenken zogen • Vernetzung mit anderen Gemein
wir 2009 nach Spanien den und Austausch, um gute
weiter und kehrten 2010 praktikable Lösungen für gemein
zurück in meine Heimat. same Probleme zu finden
Es freute mich sehr, als • Starkes lokales Gewerbe mit
wir in Steinhausen eine Ausbildungsplätzen für Lehr
Wohnung fanden und ich linge, um unserer Jugend eine
wieder zu Hause war. Seit Zukunft zu ermöglichen
2012 arbeite ich nun als Christoph Zumbühl, Kandidat für den Gemeinderat • Ein Gemeinwesen, welches die
Jugendarbeiter und Kate Steinhausen. Generationen verbindet und nicht
chet für die katholische Ängste bei Jungen und Älteren
Kirche Steinhausen und begleite er direkter und offener Mensch trete ich schürt
neut meine geliebte Jungwacht und gerne in den Dialog mit meinem Ge • Konsequente Förderung erneuer
unterrichte Oberstufenschülerinnen genüber. Die besten Lösungen wer barer Energien, so dass unsere
und -schüler im Fach Religion. den vielfach gemeinsam erzielt und Kinder auf unserem Planet Erde
dafür braucht es das Gespräch. Ich eine Zukunft haben
Neue Sichtweise bin für offene Türen und Fragen, die
Seit meiner Rückkehr von Mexiko gestellt werden dürfen – auch wenn Aber auch die Wirtschaft liegt mir
und Spanien sehe ich meine Heimat sie unbequem sind. Unsere Aufgabe sehr am Herzen. Als Arbeitgeber,
mit anderen Augen. Ich nehme viel als Gemeinde ist es, diese Fragen Anbieter von Dienstleistungen und
besser wahr, wie gut hier alles funk zu diskutieren und Antworten zu Produkten, aber auch als Kunden
tioniert und wie gut unser Sozialnetz finden. Informationen müssen mög sind Firmen eine wichtige Stütze un
ausgebaut ist. Diese Werte gilt es zu lichst breit gestreut werden, damit serer Gesellschaft. Die Berufslehre
bewahren und weiterzuentwickeln. alle Interessierten mitreden können. ist für viele Jugendliche ein idealer
Wir pflegen in der Schweiz eine Einstieg in die Berufswelt und als
lebendige und direkte Demokratie, Mein Einsatz Gemeinde müssen wir Sorge zu den
es ist toll, dass sich die Stimm Als junger Familienvater werde Firmen tragen, die die Lehrstellen
bürgerInnen direkt an wichtigen ich mich insbesondere für folgende für unsere Jugendlichen anbieten. ■
Entscheiden beteiligen können. Als Punkte einsetzen:
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Offen für Neues
Interview mit Berty Zeiter, Kandidatin Gemeindepräsidium Baar
8 Berty Zeiter ist seit bald acht Jahren Gemeinderätin in Baar und Vorste- rung gemacht, dass jede Haltung und
herin der Abteilung Soziales/Familie. Sie ist die einzige linke Politikerin jeder Widerstand ernst genommen
im 7-köpfigen Gemeinderat und schaffte vor vier Jahren die Wiederwahl werden muss, wenn es eine Lösung
zum Wohl von allen geben soll. Das
im Majorzsystem. Sie setzt sich umfassend ein in den aktuellen sozialen
verlangt natürlich auch eine entspre
Bereichen und entwickelt neue Lösungen in drängenden demografischen
chende Offenheit im Gemeinderat,
und gesellschaftlichen Fragen. Ihre offene Weltsicht ist ihr Markenzei- denn alleine oder nur mit Ehrgeiz und
chen. Anna Lustenberger, Präsidentin der Alternative – die Grünen Baar Machtstreben ist ein solches zukunfts
hat sie interviewt. gerichtetes Handeln nicht möglich.
Anna Lustenberger: Berty, was be- anderer Menschen zu sehen. Gleich
fähigt dich zur Kandidatur für das zeitig geht es mir darum, kreativ-
Gemeindepräsidium? schöpferisch hinzuhören. So habe ich
Berty Zeiter: Diese Kandidatur ist der die Fähigkeit entwickelt, Zukunfts
nächste logische Schritt auf meinem möglichkeiten, die im Entstehen sind,
politischen Weg. Von 2003 bis 2010 wahrzunehmen und Gesamtzusam
war ich Kantonsrätin. In dieser Zeit menhänge zu sehen.
habe ich bedeutende fachliche Kennt In den aktuellen Herausforderungen
nisse erwerben können. Die kantonale genügen reaktive, rückwärtsgewandte
Legislative verschaffte mir auch viele Verhaltensmuster nicht mehr. Wir
Einblicke in politische Realitäten und müssen die Dimensionen der Ent
gesellschaftliche Gegebenheiten. Seit wicklungen, die auf uns zukommen,
2011 bin ich Gemeinderätin und habe erkennen und dementsprechend han
mein solides Gespür für das politisch deln. Es braucht neue Kenntnisse,
Machbare weiterentwickelt. um Innovation und Veränderungs
Als Sozialvorsteherin habe ich mich prozesse aufnehmen und umsetzen
von Beginn an stark engagiert. In mei zu können.
ner Abteilung mit den verschiedenen
Dienst- und Fachstellen (Sozialdienst, Wie hast du diese Kenntnisse erwor-
familienergänzende Kinderbetreuung, ben?
Alter und Gesundheit) arbeitet ein tol Ich habe an der Hochschule für Wirt
les Team, das ich führen darf. Ich bin schaft in Luzern eine Führungsaus
auch Präsidentin von vier gemeind bildung gemacht zum Thema Change-
lichen Kommissionen, wo verschie Management und mit einem CAS ab
denste politische und fachliche An geschlossen. Zudem ist es mir wich
sichten aufeinandertreffen und aus tig, mich selbst immer wieder zu
diskutiert werden. Auch gemeinde hinterfragen, nicht um mein Ego zu
übergreifende Gremien habe ich in kreisen, sondern auch konstruktiv mit Berty Zeiter, Kandidatin Gemeinde
den vergangenen acht Jahren aktiv Kritik umzugehen. präsidium Baar.
mitgestaltet. An mehreren Orten habe Rückmeldungen aus den Gremien, in
ich massgebend mithelfen dürfen, die denen ich mich engagiere, zeigen mir, Als Teamplayerin werde ich gemein
Strukturen auf den neusten Stand zu dass es mir gut gelingt, komplexe In sam mit den andern Gewählten und
bringen. halte aufzunehmen, in der Gruppe zu mit der Bevölkerung die Gemein
bearbeiten und in zukunftsgerichtete de Baar weiter gestalten. Besonders
Du wärest die erste Frau im Präsidial- Lösungen zu überführen. freue ich mich auf den noch breiteren
amt in Baar – was würde sich ändern? Kontakt und den Austausch mit den
Es ist mir wichtig, für die Bewälti Im Präsidialamt käme trotz allem noch Bewohnerinnen und Bewohnern von
gung der heutigen neuen Herausforde viel Neues auf dich zu – wie gedenkst Baar. Das Präsidialamt bietet tolle
rungen auch neue Handlungsmöglich du damit umzugehen? Chancen für die Gestaltung einer le
keiten zu finden. Mein Motto lautet: Wichtig ist mir eine gute Zusammen benswerten Gemeinde.
«Von der Zukunft her führen». Ich arbeit in den Gremien, dass alle Betei
habe gelernt, empathisch zuzuhören ligten sich mit ihren Ressourcen ein Berty, ich danke dir für dieses auf-
und die Welt auch mit den Augen bringen können. Ich habe die Erfah schlussreiche Interview. ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Mit allen Generationen im
Kontakt
Roman Ambühl-Rütimann, Kandidat Gemeinderat Cham
Seit knapp zehn Jahren engagiert sich Roman parteipolitisch, aktuell als Wir sind Teil einer begrenzten Welt 9
Präsident des Krifo Alternative Cham. 8 Jahre lang war er Mitglied der mit beschränkten Ressourcen und
Finanzkommission der Gemeinde Cham. Er kandidiert für den Gemeinderat. darum müssen wir bewusst und ver
antwortlich mit diesen Begrenzungen
umgehen.
Im Chindsgi hat Schwester Vera im Ich habe mich ständig weitergebil Eine ökologische Betrachtungs- und
Heiligkreuz mein Turntalent ent det in den Bereichen Psychologie Handlungsweise steht für mich im
deckt. Darum ging ich bald in den und Erwachsenenbildung und habe Zentrum!
Turnverein Cham, wo ich im Kunst ein Diplom als Supervisor, Coach
turnen nicht nur ein gutes Körperbe und Organisationsberater. Dabei habe
wusstsein, sondern auch Selbstdis ich viel gelernt über ganzheitliche
ziplin lernte. Wirklich olympischen Betrachtungsweisen von sozialen
Spirit und offene Weltgemeinschaft Systemen. Meine erwachsenenbild
durfte ich mehrfach als Aktiver und nerische und notfallpsychologische
Besucher an einer Welt-Gymnaestra Kompetenz bringe ich (noch bis Ende
da erleben. Jahr) auch ein als Leiter des Care-
Schon in der Jugend habe ich mich Teams des Kantons Zug.
engagiert in der Pfarrei Cham. Ich Schon vor dem Erreichen des Stimm
rechtsalters war ich politisch interes
siert und danach ständiger aktiver
Gast an Gemeindeversammlungen.
Seit knapp zehn Jahren bin ich auch
parteipolitisch tätig, aktuell als Prä
sident des Krifo Alternative Cham.
8 Jahre lang war ich Mitglied der
Finanzkommission der Gemeinde
Cham. Ich habe mit einer Velomo
tion das Langsamverkehrskonzept
der Gemeinde Cham mitangestossen
und war u. a. auch im langen Betei
ligungsprozess zu den Flamas der
Umfahrung Cham-Hünenberg aktiv
und konstruktiv dabei.
Als digitaler Autodidakt und Im
war 20 Jahre lang Verkäufer und migrant bewege ich mich auch auf Roman Ambühl-Rütimann, Kandidat
Mitgestalter im Claro Weltladen. Das den Social-Media-Kanälen. Mir ist es Gemeinderat Cham.
Interesse an der Theologie als breit auch in der virtuellen Welt wichtig,
gefächerte Wissenschaft hat mit zum agil und aktiv positive und konstruk Wirtschaften dient per Definition der
Studium geführt. Seit über 20 Jahren tive Beiträge und Ideen zu vernetzen, Deckung von menschlichen Bedürf
arbeite ich als Theologe, aktuell als zu teilen und zu fördern. nissen. Diese Bedürfnisse müssen
Pastoralassistent in der Pfarrei St. Als Aktuar im Vorstand der IG im Zentrum stehen und Geldwerte
Johannes in Zug. Eine offene Orien Langhuus und aktives Vereinsmit allein können dafür kein genügender
tierung, die sowohl ökumenisch als glied engagiere ich mich auch in der Ausdruck sein. Wirtschaft muss dem
auch interreligiös arbeitet, ist mir «realen Welt» für das Gemeinwohl. Gemeinwohl dienen!
wichtig. In meiner Arbeit bin ich mit Wir öffnen Räume für Menschen, die Ich verstehe uns Menschen und un
allen Generationen in Kontakt und das Gemeinwesen lustvoll und krea sere Gemeinde hier in Cham als Teile
habe Anteil an einer Vielfalt von Le tiv mitgestalten wollen. eines grösseren Ganzen. Dieses muss
benssituationen. Der humanistische Als Vater zweier bald erwachsener bei all unseren (politischen) Ent
Ansatz der themenzentrierten In Töchter, verheiratet mit einer Chame scheidungen miteinbezogen werden.
teraktion war und ist mir ein sehr rin, bin ich seit 40 Jahren in Cham ver Es geht nur in einem ganz gross ge
wertvoller Orientierungsrahmen. Es wurzelt, breit vernetzt und engagiert. dachten Miteinander!
geht im Kern immer wieder um ein Meine Schwerpunkte und Ziele lei Wir können und sollen diese Welt
dynamisches Gleichgewicht. ten sich von meiner Haltung ab: mitgestalten! ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Menzingen motiviert
Barbara Beck-Iselin, Kandidatin Gemeinderat Menzingen
10 Als Alternative-Grüne Gemeinderätin ist Barbara im Jahre 2014 in den vor. Wir haben den Weihnachtsmarkt
Gemeinderat Menzingen mit einem guten Resultat gewählt worden. Nun zu einem tollen Anlass verändert,
tritt sie hochmotiviert und engagiert wieder an. Das Interview mit Barbara kulturelle Schwerpunkte gesetzt,
Wanderungen und diverse Ausstel
führte das BULLETIN während den Sommerferien.
lungen organisiert und touristische
Themen aufgenommen. Neu kom
Bulletin: Barbara Beck, men die Flyer in ansprechender
du kandidierst für eine Gestaltung in alle Haushaltungen.
weitere Amtszeit im Ge- Das Vernetzten fällt mir leicht, ich
meinderat. Du bist von kann diese Fähigkeit oft einsetzen.
deiner Arbeit begeistert? Kantonal habe ich mich vehement
Barbara Beck: Ja, ich für den Erhalt der Wanderwege ein
arbeite sehr gerne im gesetzt. Eine grosse Reduktion war
Gemeinderat. Anfangs geplant. Nun haben wir gemeinsam
war vieles neu und im den Abbau verhindert, das ist weit
neu zusammengesetzten über Menzingen hinaus wirksam.
Gremium war es nicht Die Volkswirtschaft ist in der Ge
ganz einfach, sich zu meinde eine Abteilung mit moti
sammenzufinden. Aber vierten und kompetenten Mitarbei
wir haben es geschafft. tenden. Dabei sind es im Gemein
In meinen Abteilungen derat eher kleine Geschäfte aus den
musste ich zudem alles Bereichen Landwirtschaft, Gewerbe,
kennen lernen. Nun läuft Naturschutz, Tourismus, Kultur, Ver
vieles gut. Die linken einsförderung und Sport, ich liebe
und grünen Anliegen alle diese Themen sehr. Es interes
kann ich natürlich als siert mich persönlich und ich «ver
eine von Fünfen nicht kaufe» unsere wunderbare Gemein
einfach so durchbringen, de gerne hier und auch kantonal.
aber manchmal kann ich Im Bereich Sicherheit ist das Bun
alternativ-grüne Werte des-Asylzentrum zeitlich ganz in
einbringen. Das bewirkt Barbara Beck-Iselin, Kandidatin Gemeinderat Menzingen. meine letzte Legislatur gefallen und
hie und da eine kleinere da konnte ich bewirken, dass wir in
oder grössere Anpassung. Die Sicht Die Kommunikation wurde intern Menzingen fast ein Vorzeigeobjekt
der andern kann sich verändern. und extern verbessert, der Einbezug wurden. Es hat viel Zusammenarbeit
Vor allem energiepolitisch sehe ich der Mitarbeitenden wurde intensi und Gespräche gebraucht und das
Möglichkeiten und bezüglich Kul viert, das habe ich mit veranlasst. hat sich ausbezahlt. Die Feuerwehr
turförderung und Öffnung gegen Weitere Schritte sind in Planung. hat grosse Herausforderungen zu
über andern Gemeinden konnte ich Weiter sind innerhalb des Gemein meistern. Wie können wir genügend
einiges bewirken. Ferner bin ich derates und der Verwaltung die Ar Leute motivieren, die auch am Tag
mit anderen Alternativen-Grünen beitsfelder klarer definiert und abge anwesend sind, in einer sich ver
gut vernetzt, ich tausche mich mit grenzt worden. ändernden Gesellschaft? Wie kön
anderen Exekutivmitgliedern aus, sei nen wir in der heutigen Zeit alle
das bei Vernehmlassungen oder kan Da schwingt Herzblut mit! Gilt das Herausforderungen im Milizsystem
tonal übergreifenden Themen. Es ist auch für die Abteilungen, denen meistern?
wichtig, dass ich positiv und offen du vorstehst: Feuerwehr, Sicherheit, An all diesen Themen werde ich
bin und so auf die Leute zugehen Volkswirtschaft? sehr gerne weiterarbeiten. In meinem
kann. Nicht nur auf solche, die mei Ja sicher, die Arbeit in meinen Ab Engagement steckt Herzblut für Men
ne eigene Haltung teilen, sondern teilungen finde ich ganz grossartig. zingen und die Bevölkerung, trotz
auf alle Menschen. Zum Beispiel im Ich kann in der Kommission Mänzi dem kann ich auch gut mit dem
Asylbereich habe ich auf diese Art geHell mit motivierten Leuten arbei Pragmatismus der kleinen Schritte
viele Menschen erreichen können. ten. Da kommen die Themen Land politisieren und vorwärts gehen. ■
Man sagt mir, dass meine offene und schaftsschutz und sorgfältiger Um
positive Art geschätzt wird. gang mit Ressourcen immer wieder
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Aktiv mitgestalten
Paul Iten, Kandidat Gemeinderat Oberägeri
Wieso ich nochmals antrete? Ich habe die letzten acht Jahre im Gemeinderat grosse Hallenbadangebot in unserem 11
und in den kantonalen Arbeitsgruppen und Konferenzen spannend erlebt. Kanton.
Die Spielplätze im Dorf, Morgarten
und Alosen wollen wir auch auf
In dieser Zeit setzte ich mich in Füssen weg. Geht die Zersiedelung werten. Unsere Jugendlichen haben
Oberägeri für die Kinderbetreuung im heutigen Tempo weiter, wird in einen schönen Treffpunkt in der Stu
und die Wohnbauförderung ein. In rund 300 Jahren der allerletzte Qua denhütte.
zwischen gibt es in Oberägeri zwei
private Kinderkrippen. Die Rand
stundenbetreuung und der Mittags
tisch werden sehr gut besucht.
Im Gesamtgemeinderat sind neben
den Themen in meiner Abteilung
zusätzlich die Schule und in den
nächsten Jahren die Ortsplanung sehr
wichtige Themen. Das sind auch alles
Projekte, die weiterhin meine Auf
merksamkeit brauchen. Es sind also
unglaublich viele Themen, die mich
«gluschtig» machen, weiter daran zu
arbeiten.
Wohnbauförderung
Der Raumbedarf für Wohnen und In
frastruktur nimmt in der Schweiz seit
Jahren ungebremst zu. Auch in Oberä
geri hält diese Tendenz an. Die Steuer
politik unseres Kantons und unserer
Gemeinde helfen mit, dass unser Bo
den zubetoniert wird. Oberägeri hat Paul Iten, Kandidat für den Gemeinderat Oberägeri.
zudem durch seine einzigartige Lage
viele reiche Leute angezogen. dratmeter Landwirtschaftsland in der Anlässe wie Fasnachtsvorbereitun
Das führt dazu, dass die Wohnungs Schweiz überbaut sein. Wir müssen gen, Chlauseseln und viele Vereine
preise für unsere Jungen nicht mehr verdichtet bauen. Auch diese Auf unterstützen unsere Jugendarbeit.
bezahlbar sind. Sie ziehen weg und gabe ist interessant. Wir sollten ver Daher dürfen, ja müssen wir unsere
das Dorfleben wird ruhig. suchen, dichter zu bauen, ohne das Vereine unterstützen.
Daher bin ich glücklich, dass ich von Dorfbild zu zerstören.
meiner Vorgängerin Marianne Weber Die Ortsplanung
das Wohnbauförderungsprogramm Unterstützung von Familien und In den nächsten Jahren wird der Ge
übernehmen durfte. Die Überbauung Vereinen meinderat viel Zeit und Kreativität
Riedmattli ist nun abgeschlossen. Es Freizeit- und Betreuungsangebote, in die Ortsplanung stecken. Es wer
ist toll, wenn man dort vorbeispa Spielplätze und Naherholungsräume den spannende Projekte diskutiert.
ziert und viele Kinder spielen sieht. gehören zu einem fortschrittlichen Was wird im Dorfzentrum, was im
Im Kanton Zug ist es aber auch ein Ägerital. ZVB-Areal entstehen? Wie kann man
Problem, dass zu viel Wohneigentum Mit dem Bau des Hallenbads und das Ländli-Gebiet näher an das Dorf
erstellt wird. Die Mietwohnungen dessen Eröffnung diesen September anbinden? Man könnte zum Beispiel
werden verdrängt. Für die nächste hat das Ägerital ein zeitgemässes die Linie 1 der ZVB bis ins Ländli
Amtszeit würde ich mich gerne für Freizeitangebot mehr. Dieses Projekt führen. Das wäre eine Aufwertung für
Mietwohnungen mit einem Förder zeigt auch, dass die beiden Gemein das Pflegezentrum Breiten und fürs
programm einsetzen. den Ober- und Unterägeri in der Lage Ländli.
Das stetige Siedlungswachstum in sind, gewisse Probleme gemeinsam Es wäre also toll, wenn ich noch vier
der Schweiz zieht Natur- und Land anzugehen. Wir entlasten auch Baar. Jahre aktiv in Oberägeri mitgestalten
schaftsschutz den Boden unter den Das «Lättich» ist zurzeit das einzige dürfte. ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Weitsichtig für Risch
Roger Gwerder, Kandidat Gemeinderat Risch-Rotkreuz
12 Im Mai 2018 wurde Roger Gwerder von den Grünen Risch-Rotkreuz als Einige Schwerpunktthemen
Gemeinderatskandidat nominiert. Im kurzen Portrait erfahren Sie mehr Ein Ausbau der familienergänzenden
über sein politisches Engagement. Sein Motto heisst: «Für eine innovative Betreuung (modulare Tagesschule)
ist notwendig. Aktuell sind alle Plät
Gemeinde, welche unsere Zukunft für Jung und Alt nachhaltig gestaltet»
ze für das Schuljahr 2018/19 be
legt. Auch eine Tarif
Ich bin 1972 geboren, verheiratet, überprüfung erscheint
zwei Kinder (11 und 13 Jahre), wohn sinnvoll, da diese in der
haft seit 18 Jahren in Rotkreuz, von Be Gemeinde Risch über
ruf Immobilien-Treuhänder; Hobbys: durchschnittlich hoch
Unihockey/Sport, Lesen, Wandern sind. Ein weiteres The
in der Zentralschweiz, Reisen; Mit ma ist die Verbesserung
gliedschaften: UHC Astros Rotkreuz, der Sicherheit und des
Vorstand Grüne Risch-Rotkreuz, Pro Netzausbaues des Fuss-
Natura, Kommission Gemeindeord und Veloverkehrs. Die
nung, Gewerbeverein Risch-Rotkreuz, im Gesamtverkehrskon
langjährige Vorstandstätigkeiten in zept vorgesehen Mass
diversen Sportvereinen. nahmen mit Netzlücken
Nebst dem Familienleben geniesse in Quartieren und Nah
ich meine Freizeit gerne beim Wan erholungsbereichen sind
dern oder bei Spaziergängen in der nur mit einer mittleren
freien Natur entlang der Reuss oder bis geringen Priorität be
auf das Michaelskreuz. Ausserdem zeichnet. Hier kann die
spiele ich seit meiner Jungendzeit lei Gemeinde einen Zacken
denschaftlich gerne Unihockey, auch zulegen, indem einige
heute noch im etwas fortgesetzten Ziele rascher umgesetzt
Alter. Ein Teamsport, der mich fit werden. Risch sollte
und jung hält und in Sachen Fairness, ausserdem das Label
Respekt, Disziplin und Schnelligkeit als Energiestadt besser
viele Elemente beinhaltet, welche bewirtschaften und bei
auch in Beruf und Politik wichtig spielsweise innovative
sind. Gerade auch als Immobilien- Mobilitätskonzepte wie
Treuhänder erachte ich es als eminent Carsharing, Carpooling
wichtig, die Natur als Lebensgrundla Roger Gwerder mag es sportlich. und Veloverleih fördern.
ge in der Zukunft stärker zu schützen Auch das Thema bezahl
und unseren kommenden Genera • die Förderung von bezahlbarem barer Wohnraum sollte
tionen kein Wachstumsdesaster zu Wohnraum für unsere kommende in die politischen Prozesse einflies
hinterlassen. Generation wie auch für ältere sen, gerade auch mit der bevorstehen
Menschen den Bauverdichtung, welche solche
Wenn ich gewählt werde, setze ich • die Verbesserung der Mitwir Chancen bietet.
mich im Gemeinderat ein für: kungsmöglichkeiten für die Bevöl Weiter sollte die Gemeinde Informa
• den schonenden Umgang mit kerung in wichtigen Grundsatz tionen von allgemeinem Interesse ge
unseren Lebensgrundlagen (Natur, entscheiden nerell proaktiver veröffentlichen und
Landschaft, Umwelt) • die Ausweitung der familiener damit eine inhaltlich bessere Diskus
• attraktive und sichere Fuss- und gänzenden Betreuungsangebote sion zu Sachthemen ermöglichen.
Veloverbindungen in der Gemein (modulare Tagesschulen, Kinder Auch wären frühzeitigere Mitwir
de Risch tagesstätten) kungsmöglichkeiten der Bevölkerung
• ein zukunftsweisendes Verkehrs- • eine solidarische, integrierende durchaus sinnvoll. Mit meiner Wahl
Mobilitätskonzept (Veloverleih, und verbindende Gesellschaft möchte ich die notwendigen Impulse
Carsharing, Carpooling) zwischen Jung und Alt hinsichtlich Umwelt, Nachhaltigkeit
• eine innovative Energiepolitik • für eine Gemeindebehörde, und Mitwirkung in die politischen
der Gemeinde Risch als Energie welche die lokalen KMU-Unter Prozesse einbringen und für einen
stadt nehmen stärkt besseren Ausgleich sorgen. ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Wählen mit Köpfchen
Redaktion BULLETIN
«… Der Kantonsrat nimmt die Interessen des Volkes wahr und berät und beschliesst an seiner Stelle über gemein- 13
schaftliche Aufgaben …» so heisst es auf der Homepage des Kantons Zug. In diesem Jahr werden am 7. Oktober die
80 ParlamentarierInnen des Zuger Kantonsrats neu gewählt. Höchste Zeit, alle Kandidierenden, die auf den Listen
der Alternativen – die Grünen sind, an dieser Stelle zu präsentieren. Und ja, Wahltag ist Zahltag. Es will also gut
überlegt sein, wer gewählt werden soll. Auf der Seite 17 lesen Sie, wie Sie so wählen, dass es auch taktisch klug ist.
Baar
Andreas Nadia Ivo
Lustenberger Pantaleo Egger
Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Yener Rafael Wolfgang
Gurbetelli Schenkel Moos
Junge Alternative Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Tanja Anna Elena
Schmidiger Bechelen-Straub Tafur König
Junge Alternative Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Marco
Knobel
Alternative – die Grünen
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Hünenberg
14
Rita Phil
Hofer-Kühne Eicher Basil
Höfliger
Grünes Forum Grünes Forum
Hünenberg Hünenberg Junge Alternative
Cham
Esther Karin Sajmir
Haas Pasamontes Medija
KriFo – Alternative KriFo – Alternative KriFo – Alternative
Cham Cham Cham
Christian Stefan
Frei Rickli
KriFo – Alternative KriFo – Alternative
Cham Cham
Steinhausen
Anastas Andreas Sarah
Odermatt Hürlimann Rosenberger
Grüne Steinhausen Grüne Steinhausen Grüne Steinhausen
Beni
Wattenhofer
Grüne Steinhausen
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Neuheim Oberägeri
15
Susanne Marisa Raphael
Krüdewagen Buettgen Bilang
Alternative – die Grünen Forum Oberägeri Forum Oberägeri
Stadt Zug
Tekla Stéphanie
Luzian Hahin Vuichard
Franzini
Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
CSP Junge Alternative Stadt Zug Stadt Zug
Tabea
Zimmermann
Gibson Jonas Christina
Feldmann Gut
Alternative – die Grünen
Stadt Zug Junge Alternative Junge Alternative
Severin
Hofer Nicolas Alessandro
Lemaitre Perucchi
Alternative – die Grünen
Stadt Zug parteilos Junge Alternative
Michèle
Patrick Patrizia Willimann
Steinle Thür
Alternative – die Grünen
parteilos parteilos Stadt Zug
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wahlen
Menzingen
16
Marianne Beatrice
Aepli Mouchous-Marty
Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Menzingen Menzingen
Unterägeri
Mariann Cornelia
Hess Mayinger
Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Unterägeri Unterägeri
Debora Susanne
Iten-Kast Meijer
Alternative – die Grünen Alternative – die Grünen
Unterägeri Unterägeri
Risch
Hanni Konradin
Schriber-Neiger Franzini
Walchwil
Grüne Risch-Rotkreuz Junge Alternative
Rita Carla Juliana Tim
Wandeler-Keller Stehlin Kilchsperger
Grüne Risch-Rotkreuz Junge Alternative Junge Alternative
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Wie wählen
Wirkungsvoll wählen
Redaktion BULLETIN
Wir haben die Wahl und wollen 17
diese Chance auch wahrnehmen.
Am 7. Oktober 2018 wählen die Zu
ger Stimmberechtigten ihre Vertrete
rInnen in die kommunalen und kan
tonalen Behörden. Die Regierungs
rats- und Gemeinderatswahlen er
folgen nach dem Majorz-Prinzip. Die
Stimmberechtigten haben nicht eine,
sondern sieben bzw. fünf Stimmen, je
nachdem wie viele Sitze zu besetzen
und Linien auf dem Wahlzettel sind.
Sie müssen eigenhändig die Namen
der Kandidierenden, denen sie eine
Stimme geben wollen, auf einen lee
ren Wahlzettel schreiben. Für die
Verteilung der Sitze zählen dement
sprechend ausschliesslich die per
sönlichen Stimmen, die die Kandidie
renden erhalten. BefürworterInnen
des Majorz argumentieren, das Mehr
heitswahlrecht mache das Wählen
einfacher, da nur noch Personen und
nicht mehr Parteien und Personen So holt man/frau das Maximum aus der eigenen Stimme (hier am Beispiel Baar).
zur Wahl stünden. Das stimmt nur
bedingt. Für einige Wählende mag
es tatsächlich einfacher sein, sich für
Personen und nicht für Parteien zu
entscheiden. Doch alle Kandidieren
den auf die Liste zu schreiben, die
man/frau gut findet, kann bei Major
zwahlen kontraproduktiv sein. Das
demokratische Prinzip «eine Frau/
ein Mann – eine Stimme» tönt ein
facher, als es tatsächlich ist, da die
Personen unterschiedlicher Parteien
in direkter Konkurrenz zueinander
stehen. Dementsprechend kann es
strategisch sinnvoll sein, nicht alle
sieben (bzw. fünf) Stimmen, die die
Stimmberechtigten haben, zu ver
geben, da unter Majorz leere Linien
niemandem gutgeschrieben werden, Frauenanteil im Kantonsrat am 8. März 2018.
also auch nicht dem politischen Geg
ner. Bei den Parlamentswahlen ist
es einfacher: Wie vor vier Jahren
und ganz nach dem Motto «Gutes
tun und darüber sprechen» gilt die
Empfehlung: Die Liste der Grünen,
Christlich-Sozialen, Jungen Alter
nativen einwerfen und andere vom
Gleichen überzeugen. ■
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 20182000 Watt
Energiepolitik im Clinch
Astrid Estermann, Grosser Gemeinderat Stadt Zug, Alternative – die Grünen
18 Im Jahr 2011 wurde in der Stadt Zug die Initiative «2000 Watt für Zug» (2) bisher nicht umgesetzt, weil der
angenommen. Um die Initiative umzusetzen, kann die Stadt Zug zwei Kanton zu wenig Willen für die Um
Strategien verfolgen: Förderung einer nachhaltigen Entwicklung oder Len- setzung auf Kantonsstrassen zeigt.
kungsmassnahmen. Dazu gälte es auch, kantonale Gesetze im Sinne der Dort herrscht in der Regel am meisten
Verkehr, täten Korrekturen besonders
2000-Watt-Gesellschaft anzupassen. Letzteres findet leider zu wenig statt.
Not. Es ist zu hoffen, dass die noch zu
lancierende Velonetzinitiative Abhil
Die Stadt Zug konnte gemäss der letz Im Februar 2018 wurde das PBG auf fe schafft (3). Der Stadt hingegen ist es
ten Bauordnung den energetischen grund parlamentarischer Vorstösse jüngst gelungen, an sechs Standorten
Baustandard für Arealüberbauungen und Erkenntnisse aus der Praxis er Cargo-Velos zu stationieren, damit
(siehe Kasten 1) und Bebauungsplä neut angepasst. Es konnte auch die auch grössere Transporte mit dem
ne selbst festlegen. Dabei ging es vor ses Mal nicht erreicht werden, dass Fahrrad vorgenommen werden kön
allem darum, dass bei einer grösseren der Paragraf so geändert wird, dass nen. Die Stadt Zug ist ausserdem in
Überbauung der Eigentümer für ge der Kanton nur die Minimalanforde Verhandlung mit der Gemeinnützigen
Gesellschaft Zug und Anbietern von
Veloverleihsystemen: Der Veloverleih
soll um- und ausgebaut werden und
über die Gemeindegrenzen hinaus
funktionieren.
Die Parkplatzdiskussion in der Stadt
Zug, welche seitens der Bürgerlichen
und des Gewerbes dahin geht, dass
jeder Verlust eines oberirdischen Park
platzes zur Existenzfrage des Gewer
bes wird, zeigt, dass das Stadtparla
ment in eine andere Richtung geht,
keine neuen Verkehrsmodelle will (4).
Mit dem Postulat der Alternativen für
Tempo 30 auf der Neugasse, Ägeri
strasse (innerhalb der Altstadtzone)
und Vorstadt (5) wäre es möglich ge
Es stehen 7 Cargo-Velos in der Stadt Zug bereit zum Mieten. Mit fast 100 Kilogramm wesen, wenigstens weniger Lärm und
Nutzlast bieten sie Transportmöglichkeit für allerlei – selbst zügeln kann man damit. abends und an den Wochenenden
eine Temporeduktion zu erreichen.
wisse Zugeständnisse (wie eine höhere rungen für die Energieeffizienz fest Nun ist zu hoffen, dass der Regie
Ausnutzung) eine Gegenleistung (z.B. setzt. Der Antrag der Alternativen, rungsrat zusammen mit dem Stadtrat
einen öffentlichen Park) erbringen dass die Gemeinden weitergehende dennoch Tempo 30 einführen wird.
muss. Vom Bauherr wurde auch ein Anforderungen an die Energieeffi Eine Begegnungszone in der Zeug
moderner Energiestandard gefordert. zienz festlegen könnten, wurde in hausgasse wäre auch schon lange
Der Kanton Zug beschloss inzwischen der Kommission für Raumplanung reif. Leider würde sehr wahrschein
anlässlich der Revision des Raumpla und Umwelt deutlich abgelehnt. Da lich auch dieses Anliegen am Wider
nungs- und Baugesetzes (PBG), dass mit ist eine Chance für innovative stand der bürgerlichen Mehrheit im
nur noch er besondere Anforderungen Bebauungspläne im Bereich Energie Grossen Gemeinderat scheitern. Es
an die Energieeffizienz von Bauen für die Stadt Zug bis auf weiteres zeigt sich: Mit dem gegenwärtigen
und Anlagen von Arealüberbauungen verpasst. Parlament ist in Sachen Verkehr und
und Bebauungsplänen festlegen darf Verkehrssicherheit keine innovative
(PBG §3 Abs. 3 Bst. d). Die Gemeinden Bereich Verkehr Umsetzung in Richtung 2000-Watt-
können somit keine eigenen, höheren Im Bereich Verkehr gibt es die Mög Gesellschaft zu erreichen.
energetischen Anforderungen mehr lichkeit, das Velo zu fördern. Leider Der Stadtrat wiederum hat beschlos
stellen. Wäre der Regierungsrat in scheitert die Stadt Zug auch hier am sen, am Bundesplatz eine «Entrüm
seiner Verordnung dabei progressiv Willen des Kantons. So sind einige pelungsaktion» vorzunehmen, für
gewesen, wäre dies noch vertretbar. vorgeschlagene Verbesserungen ge einen offenen Zugang vom Bahnhof
Leider ist dies nicht der Fall. mäss Masterplan «Bike to school» in Richtung Stadt. Dabei soll die
BULLETIN | NUMMER 2 | AUGUST 2018Sie können auch lesen