Arbeitslos - autolos - chancenlos? Regionale Mobilität und aktivierende Arbeitsmarktpolitik

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FORSCHUNG AKTUELL

                                                                                        Arbeitslos – autolos – chancenlos?
                                                                                        Regionale Mobilität und aktivierende
                                                                                        Arbeitsmarktpolitik
                                                                                        Mit dem Schlagwort vom Fördern und Fordern ist in Deutschland eine grundlegende
                                                                                        Umorientierung von der aktiven zur aktivierenden Arbeitsmarktpolitik verknüpft.
                                                                                        Im Zentrum steht dabei eine Arbeitsmarktausgleichspolitik, die Arbeitslosen hinsichtlich
                                                                                        beruflicher und regionaler Mobilität sowie Entgeltsenkungen mehr zumutet und mehr
                                                                                        Eigeninitiative einfordert (Fordern), sie soll aber zugleich durch eine kompetente Arbeits-
                                                                                        vermittlung sowie den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente die Arbeitsuche
                                                                                        unterstützen (Fördern). Insbesondere das Fördern ist in ländlichen Regionen schwierig,
                                                                                        weil z. B. die regionale Mobilität nicht unterstellt werden kann, sondern erst hergestellt
                                                                                        werden muss. Das Projekt „Arbeitslos – autolos – chancenlos? – Mobilität und Arbeits-
                                                                                        vermittlung im ländlichen Raum“ entwickelte einen Lösungsvorschlag für eine Touris-
                                                                                        musregion, der auch für andere periphere Regionen relevant ist.1

                                                                                        LISA HAUSER, JULIA LEUPOLD, CARSTEN WIRTH

                                                                                                                                                                    zusammenhängen wie z. B. der Familie, zu einem erhöhten
                                                                                        1. Stellenbesetzungsprobleme trotz                                          Einarbeitungsaufwand und einer immer nur befristeten
                                                                                           Arbeitslosigkeit                                                        Arbeitsaufnahme. Bestenfalls werden die Arbeitskräfte in
                                                                                                                                                                    der nächsten Saison wieder eingestellt (zur Wiedereinstel-
                                                                                        Stellenbesetzungsprobleme, also die verzögerte Besetzung                    lung: Hense et al. 2009). Aus der Perspektive der Kommune
                                                                                        einer Vakanz oder der Abbruch der Suche, treten insbeson-                   können höhere Kosten entstehen, weil überbetrieblicher
                                                                                        dere in Hochkonjunkturphasen auf (Noll et al. 2009). Im                    Wohnraum für Saisonarbeitskräfte geschaffen und verwaltet
                                                                                        Bereich „einfacher“ Dienstleistungsarbeit können Unterneh-                  werden muss. Aus Sicht der Arbeitsverwaltung erfolgt durch
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 (gewerbliche Vervielfältigung, Aufnahme in elektronische Datenbanken, Veröffent-

                                                                                        mungen mit geeigneten Strategien in der Regel auf passende                  diese Personalstrategien keine nachhaltige Integration in
                                                                                        Arbeitskräfte zurückgreifen. Dies gilt auch für das Hotel- und              Erwerbsarbeit. Bei Wiedereinstellungen erfolgt zudem eine
                                                                                        Gaststättengewerbe (Hiermig et al. 2005). In dieser Branche                 unerwünschte Subvention des Hotel- und Gaststättengewer-
                                                                                        werden Personalbeschaffungsprobleme häufig durch die An-                    bes aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung.
                                                                                        werbung ausländischer Arbeitskräfte oder durch die zeitlich                     Da diese typischen Personalbeschaffungsstrategien im
                                                                                        befristete Migration innerhalb Deutschlands aus Gebieten                    Hotel- und Gaststättengewerbe (Voswinkel et al. 1996) für
                                                                                        mit sehr hohen Arbeitslosenquoten gelöst. Während die                       seine Stakeholder Nachteile aufweisen, wurde im Projekt
                                                                                        erste Strategie ein Potenzial ungenutzt lässt, die Arbeitslosig-           „Arbeitslos – autolos – chancenlos? – Mobilität und Arbeits-
 lichung online oder offline) sind nicht gestattet.

                                                                                        keit im Inland und die damit verknüpften wirtschaftlichen                   vermittlung im ländlichen Raum“ ein Konzept entwickelt,
                                                                                        und sozialen Kosten zu senken, führt die zweite Strategie                   wie die offenen Stellen in einer typischen bayerischen
                                                                                        dazu, dass aus der Perspektive der Unternehmungen Fluk-                    Tourismusregion mit Arbeitslosen aus der Region besetzt
                                                                                        tuation entsteht, betriebsspezifisches Wissen immer wieder                  werden können.2 Mit unserer grundlegenden Hypothese
                                                                                        verloren geht, das jeweilige Etablissement an Authentizität
 © WSI Mitteilungen 2013

                                                                                        einbüßt („sächselnde Beschäftigte in Trachten in oberbaye-
                                                                                        rischen Hotels“), Kosten für Unterkunft entstehen oder es                   1   Wir danken Susanne von Zimmermann für ihre Initiative,
                                                                                        werden – bei einer Unterbringung im Hotel – die Kapazitä-                       ohne die dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre.
                                                                                        ten reduziert etc. Aus der Perspektive der (Saison)Beschäf-
                                                                                                                                                                    2   Das Projekt wurde von der Arbeitsagentur Kempten initi-
                                                                                        tigten entstehen weniger Bindungen an den jeweiligen Ar-
                                                                                                                                                                        iert sowie materiell und logistisch unterstützt. Organisato-
                                                                                        beitgeber. Es entwickelt sich weniger Humankapital und es                       rische Hilfestellung erhielten die Projektbearbeiterinnen
                                                                                        kommt zu (unerwünschten) Trennungen von Beziehungs-                             auch vom Jobcenter des Landkreises Oberallgäu.

606                                                                                                                     https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606
                                                                                                                 Generiert durch IP '46.4.80.155', am 16.10.2021, 09:18:14.
                                                                                                          Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.
WSI MITTEILUNGEN 8/2013

gehen wir davon aus, dass eine zentrale Herausforderung klassische Matching-Ansatz (Scheller 2008) beachtet vor
für den Arbeitsmarktausgleich die fehlende Mobilität der allem die Beschaffenheit von Arbeitsnachfrage und -an-
Arbeitskräfte ist, die sich als Beschäftigte im Niedriglohn- gebot im Rahmen eines Profilings und versucht, diese (mit
sektor Hotel- und Gaststättengewerbe (Kalina/Weinkopf Unterstützung durch arbeitsmarktpolitische Instrumente)
2010) keinen PKW leisten können. Sie sind deshalb auf den zusammenzuführen. Das auf der Job-Search-Theorie
öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen, der basierende „Talentmarketing“ (Egle/Bens 2004) macht Ta-
sich aber an den Interessen von Touristen und nicht an lente zum Ausgangspunkt einer Selbstvermarktung der
denen der Erwerbspersonen und der Arbeitgeber im Hotel- Ware Arbeitskraft und gibt Hinweise zur Gestaltung von
und Gaststättengewerbe ausrichtet. Deshalb wurde für eine Bewerbungen, zur Nutzung von Bewerbungswegen und
Tourismusregion eruiert, welche konkreten Arbeitszeiten zum „impression management“ in Auswahlverfahren. Der
auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gewünscht sind Zugang zu Arbeit über personale Netzwerke (Wirth 2006)
und wie diese Wünsche mit dem existierenden ÖPNV re- oder organisationale Netzwerke (Wirth 2007) nutzt die
alisiert werden können. Da sich insbesondere in den Rand- „strength of weak ties“ (Granovetter 1973) bzw. die Bezie-
zeiten, d. h. früh am Morgen und nach Arbeitsende am hungszusammenhänge von Organisationen (im Feld der
späten Abend sowie am Wochenende und an Feiertagen, Arbeitsförderung) für die Arbeitsvermittlung.
Lücken im Angebot des ÖPNV auftun, wurde in einem                  Die oben referierten Ansätze weisen – trotz gewichtiger
weiteren Schritt ein Mobilitätskonzept entwickelt und sei- Argumente – jeweils spezifische Begrenzungen auf. Wäh-
ne (Re)Finanzierung durch Einsparungen beim Arbeits- rend der klassische Matching-Ansatz z. B. von einer sozialen
losengeld (ALG)-Bezug (ALG-I und ALG-II) überprüft. Einbettung in personale Beziehungen à la Granovetter
Dabei zeigt sich, dass lediglich ein (!) zusätzlicher Arbeits- (1985) abstrahiert und keine Einbettung in umfassendere
loser mit einem durchschnittlichen regionalen Arbeits- soziale Systeme thematisiert bzw. thematisieren kann
losengeldsatz in Arbeit integriert werden müsste, um das (Wirth 2011), fehlt beim Talentmarketing aufgrund seiner
Mobilitätskonzept mit einer branchenbezogenen Arbeits- suchtheoretischen Basis eine realistische Arbeitsmarktper-
kräfte- und Arbeitgeberorientierung zu „refinanzieren“. Da spektive: Dieser Ansatz unterstellt – ganz in der Tradition
die Kosten und der Nutzen aufgrund der „Versäulung“ des neoklassischer Ökonomie – offene Stellen, die durch ein
Sozialversicherungssystems in unterschiedlichen Organi- entsprechendes Marketing in eigener Sache „nur“ richtig
sationen anfallen, ist des Weiteren eine sozialräumliche       adressiert werden müssen. Zudem kann eingewandt werden,
und kooperative Perspektive der involvierten Akteure er- dass diese Form der Selbstvermarktung eine fehlende Per-
forderlich, damit derartige Projekte – trotz überzeugender sonalabteilung und/oder fehlende professionelle Auswahl-
ökonomischer Argumente – nicht im Umsetzungsprozess verfahren voraussetzt, da die Argumentation mit Talenten,
scheitern. Das bedeutet gleichzeitig, dass eine aktivierende die angeboren sind, nicht überzeugen kann. Wegen seiner
Arbeitsmarktpolitik, wenn sie auch ermöglichend sein soll, institutionellen Voraussetzungen kommt dieser Ansatz vor
auf „soziales Kapital“ (Bourdieu 1983) und öffentliche In- allem für Bewerbungen in kleinbetrieblich organisierten
vestitionen eines „social investment state“ (Giddens 1998) Branchen infrage. Echte Personalentwicklung oder umfas-
angewiesen ist. Dies beschränkt sich nicht nur – dies zeigen sender: „Arbeitskräfteentwicklung“ (Wirth 2010, S. 113)
weitere empirische Ergebnisse – auf die Koordination von durch Erwerbstätigkeiten, Ehrenämter und andere Aktivi-
Mobilität.                                                     täten wird beim Talentmarketing nicht ernsthaft mitgedacht,
    Unser Argument entwickeln wir wie folgt: Im zweiten sondern lediglich als Marketingargument verwandt. Dieser
Abschnitt skizzieren wir in gebotener Kürze unsere konzep- Ansatz passt somit – so kann man ideologiekritisch anmer-
tionellen Überlegungen und im dritten Abschnitt unser ken – sehr gut zu einer Reduktion der öffentlich geförderten
Forschungsdesign. Im vierten Abschnitt präsentieren wir beruflichen Bildung (Bosch 2009, S. 101) im Zuge der Um-
unsere wichtigsten empirischen Ergebnisse. Der fünfte Ab- setzung einer „fordernden Aktivierung“ (Schütz 2009,
schnitt ist Schlussfolgerungen vorbehalten.                    S. 173). Die Nutzung personaler und/oder organisationaler
                                                               Netzwerke im Rekrutierungsprozess leistet – je nach insti-
                                                               tutionellem Setting – einen wichtigen, aber keinen umfas-
                                                               senden Beitrag zur Erklärung von Rekrutierungsentschei-
                                                               dungen. Nach Arbeitgeberbefragungen werden in
2. Eine strukturationstheoretische                             Deutschland ca. 25 % (Dietz et al. 2011) und nach Arbeit-
    Perspektive auf Arbeitsvermittlung                         nehmerbefragungen 40 % der Stellen (Brenke/Zimmer-
                                                               mann 2007), aber ca. 60 % der Stellen in den USA (Grano-
Arbeitsvermittlung wird unterschiedlich konzeptualisiert. vetter 1995) unter Einbeziehung von Netzwerken besetzt.
Gemäß der Legaldefinition des Sozialgesetzbuch, Drittes Eine genauere Analyse der Rekrutierung jenseits der Netz-
Buch (SGB III) versteht man unter ihr „alle Tätigkeiten, werkrekrutierung erfolgt in diesen Studien aber nicht.
die darauf gerichtet sind, […] Arbeitsuchende mit Arbeit-          Eine Integration der produktiven Elemente dieser un-
gebern zur Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses terschiedlichen Ansätze ermöglicht die strukturations-
zusammenzuführen“ (§ 35 Absatz 1 Satz 2 SGB III). Der theoretische Perspektive auf Arbeitsvermittlung

                                                              https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606                                      607
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FORSCHUNG AKTUELL

                    (grundlegend dazu Giddens 1984; Windeler 2001; mit Bezug
                    zur Arbeitsvermittlung Wirth 2011), die kognitive, norma-                  3. Forschungsdesign und Methoden
                    tive und machtbezogene Aspekte genauso berücksichtigt
                    wie die Einbettung des Rekrutierungsprozesses in Organi-                   Um das Mobilitäts- und das dazugehörige Finanzierungs-
                    sationen, in Netzwerke, in Regionen, in Branchen und Ge-                   konzept zu entwickeln und seine Validität abzusichern,
                    sellschaft. Damit kann Personen wie auch den Kontexten,                    wurde für die Untersuchung ein spezifisches Methodenset
                    in denen die Akteure interagieren und die sie zugleich                     angewandt, das quantitative und qualitative Befragungs-
                    reproduzieren (Dualität von Handlung und Struktur, vgl.                    methoden mit der Auswertung von Literatur, Verbands-
                    Giddens 1984), Rechnung getragen werden.                                   und Presseveröffentlichungen sowie eine Validierung durch
                        Ein Intermediär, hier als Vermittler bezeichnet, ver-                  die Präsentation der Ergebnisse und durch Studienteilneh-
                    gleicht Anforderungen und Arbeitsbedingungen eines Ar-                     merfeedback kombiniert. Basierend auf den Ergebnissen
                    beitsplatzes sowie die damit assoziierten Sicht- und Legiti-               der Literaturauswertung wurde zunächst ein quantitativ
                    mationsweisen mit den Handlungskompetenzen und den                         orientierter Fragebogen entwickelt, der den in der Region
                    kognitiven und normativen Strukturen (einschließlich der                   ansässigen relevanten Hotel- und Gastronomiebetrieben
                    Vorstellungen zu Arbeitsregulationen) einer Arbeitskraft.                  zugesandt wurde. Als relevant wurden zunächst solche
                    Er oder sie versucht (evtl. unter Einsatz arbeitsmarktpoliti-              Hotel- und Gastronomiebetriebe klassifiziert, die Personal
                    scher Instrumente und/oder eines von ihm induzierten                       beschäftigen. Die Auswahl dieser Betriebe erfolgte anhand
                    Wandels der Arbeitsorganisation) diese ab- und anzuglei-                   einer internen Datenbank der Arbeitsagentur. Die Betriebs-
                    chen sowie Arbeitsuchende und Beschäftiger zusammen-                       größe schwankt zwischen einem und mehr als 50 Beschäf-
                    zuführen. Dieser Prozess wird einerseits von Handlungs-                    tigten. Die Rücksendung der Fragebögen war per Post oder
                    kompetenzen des Intermediärs und andererseits von der                      Fax möglich. Um die Rücklaufquote zu erhöhen, wurden
                    sozialen Einbettung in umfassendere soziale Systeme, z. B.                 die Beschäftiger sechs Wochen nach dem Versand der
                    in eine Region, geprägt.                                                   Fragebögen nochmals kontaktiert und auf die laufende
                        In den Interaktionen und sozialen Beziehungen werden                   Befragung hingewiesen. Insgesamt wurden 97 Fragebögen
                    die Sets von Regeln und Ressourcen eines sozialen Systems                  ausgegeben und 25 verwertbare Antwortbögen zurück-
                    hervorgebracht und, indem sich die Akteure auf diese be-                   gesandt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 25,8 %.
                    ziehen, reproduziert oder verändert. Das betrifft auch die                 Schließt man allerdings die reinen Familienbetriebe sowie
                    untersuchte Region, die als Tourismusregion mit einem                      Kleinstbetriebe mit höchstens einem Mitarbeiter aus, so
                    doppelten Fokus koordiniert wird: erstens mit Bezug zum                    erhöht sich die Rücklaufquote auf 64,1 %.3 Der Fragebogen
                    Geschäftsfeld Tourismus und zweitens mit Bezug zu einem                    fokussierte neben den Merkmalen des Betriebs die Rekru-
                    bestimmten Gebiet. Dabei werden die Kontexte in das Han-                   tierungsprobleme und bisherigen Rekrutierungsstrategien,
                    deln einbezogen, und indem dies geschieht, werden diese                    die Mobilitätsbedarfe aus Arbeitgebersicht, die Arbeitszei-
                    reproduziert oder verändert.                                               ten und Arbeitszeitmodelle.
                        Die soziale Einbettung in eine Region ermöglicht und                       Parallel dazu wurden im Zeitfenster von November 2010
                    begrenzt Arbeitsvermittlung. Das in einer Region existie-                  bis Januar 2011 Arbeitslose aus den Leistungskreisen SGB II
                    rende System des ÖPNV als ein Element sozialer Einbettung                  und SGB III schriftlich befragt. Die Ausgabe der Fragebögen
                    generiert beispielsweise die (Nicht)Erreichbarkeit von Ar-                 erfolgte zum einen an Arbeitsuchende im Rahmen von eigens
                    beitsplätzen für Arbeitsuchende. Diese Form sozialer Ein-                  anberaumten, aber nicht sanktionsbewehrten Gruppen-
                    bettung bringen die Akteure rekursiv hervor, indem sie sich                informationsterminen. Sie erfolgte zum zweiten an von Ar-
                    im Prozess der Strukturation an den Sets von Regeln und                    beitslosigkeit bedrohte Beschäftigte und an Arbeitslose mit
                    Ressourcen eines sozialen Systems orientieren. Und indem                   einer Wiedereinstellungszusage, die nach Einschätzung der
                    sie diese Sets von Regeln und Ressourcen aufgreifen, repro-                Arbeitsvermittler und persönlichen Ansprechpartner folgen-
                    duzieren sie diesen Kontext der Arbeitsvermittlung und die                 de Kriterien erfüllten: Wohnort in der Region, Erfahrung im
                    Region. Oder sie verändern diese. Dazu bedarf es anschluss-                Hotel- und Gaststättengewerbe und Eignung für eine Tätig-
                    fähiger Sicht-, Handlungs- und Legitimationsweisen auf                     keit in dieser Branche. Zusätzlich wurden über das interne
                    mehreren Ebenen: auf der individuellen und organisatio-                    Verwaltungsprogramm der Arbeitsagentur VerBis weitere
                    nalen Ebene, im Netzwerk, in der Region, in der Branche                    geeignete Arbeitslose ausgewählt sowie Teilnehmer einer
                    sowie in der Gesellschaft, damit ein reflexiver Eingriff in                Weiterbildungsmaßnahme für SGB-III-Leistungsempfänger
                    das soziale System Region gelingen kann. Das hier vorge-                   (Kurs: Kompetenzen im Tourismus) angeschrieben. Gefragt
                    stellte Projekt entwickelt dementsprechend ein Mobilitäts-                 wurde insbesondere nach Erfahrungen im Hotel- und Gast-
                    konzept, das als ein Element reflexiver Regionalentwicklung
                    interpretiert werden kann. Wie wir dabei vorgegangen sind,
                    fassen die nun folgenden methodischen Ausführungen zu-
                                                                                               3   Eine Bestimmung der größeren Betriebe konnte vorge-
                    sammen.
                                                                                                   nommen werden, weil die Möglichkeit der freiwilligen
                                                                                                   Namensangabe gegeben war und die Unternehmungen
                                                                                                   diese Gelegenheit in der Regel nutzten.

608                                                https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606
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WSI MITTEILUNGEN 8/2013

stättengewerbe und nach dem Interesse, darin zu arbeiten,         ihnen haben einen PKW. Sie sind also in besonderem Maße
den Mobilitätsmöglichkeiten und -restriktionen, den (mög-         auf den ÖPNV angewiesen. Im Vergleich dazu besitzen 84 %
lichen) Arbeitszeiten und den soziodemografischen Merk-           der Beschäftigten und Wiedereinsteller einen Führerschein
malen der befragten Personen. Insgesamt wurden 172 Fra-           und haben in 69 bzw. 59 % der Fälle einen PKW. Der Zugang
gebögen an diesen Personenkreis ausgeteilt, von denen 64          zu Arbeit erhöht also die Mobilität und sichert – auch bei
(35 SGB III- und 29 SGB-II-Leistungsempfänger) verwertbar         wiederkehrender friktioneller Arbeitslosigkeit – die Mobili-
abgegeben wurden. Dies entspricht einer Rücklaufquote von         tät ab, die wiederum die Integrationschancen erhöht und –
31,3 %. Nach der Verteilung der Fragebögen an Arbeitslose         umgekehrt – exkludiert fehlende Mobilität. Dies ist insbe-
mit Wiedereinstellungszusage und von Arbeitslosigkeit be-         sondere bei Arbeitslosen der Fall. Sie stehen dem Arbeitsmarkt
drohte Personen (z.T. über die Arbeitgeber) und per E-Mail        nur formal zur Verfügung und können praktisch nicht inte-
in zwei typischen Hotels in der Region kam es zu einem            griert werden, weil elementare Voraussetzungen fehlen. Dem-
Rücklauf von weiteren 49 verwertbaren Fragebögen. Da auf          entsprechend unzufrieden sind viele (potenzielle) Nutzer des
diese Weise unklar blieb, wie viele Personen einen Frage-         ÖPNV. Unter Einbeziehung aller Befragten, also einschließ-
bogen erhielten, kann in diesem Fall keine Rücklaufquote          lich der Beschäftigten, geben sogar 84 % an, dass sie auf den
berechnet werden. Insgesamt wurden also 113 Personen, die         ÖPNV angewiesen sind, aber insbesondere zu den Rand-
für eine Erwerbstätigkeit im Hotel- und Gaststättengewerbe        zeiten, d. h. frühmorgens (6 bis 8 Uhr) und spätabends (ab
infrage kommen, in die Untersuchung einbezogen.                   20 Uhr), mit dem Angebot in der Region unzufrieden sind.
    Um die in der Arbeitgeberbefragung gewonnenen Daten           Gleiches gilt für Wochenende und an Feiertagen sowie in
zu validieren und zu differenzieren, führten wir ein Exper-       den Schulferien. Sie wünschen sich – wenig überraschend –
teninterview (Meuser/Nagel 2009) mit einem erfahrenen             eine Erweiterung des Angebots. Gefragt nach den Verkehrs-
Hotelier aus der Region, der auch im Verband eine heraus-         trägern, die für eine Erweiterung des Angebots gewünscht
gehobene Position einnimmt und über diese Funktion im             werden, präferieren die Befragten Fahrgemeinschaften und
Verband die Problemlagen und Lösungsansätze anderer               eine Ausweitung des Linienbusverkehrs.
Betriebe aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe in der                 Aus der Perspektive der Arbeitskräfte, insbesondere von
Region kennt. In diesem Interview gingen wir auf die Zu-          weiblichen, fehlen zudem Kinderbetreuungseinrichtungen,
sammenhänge von ÖPNV und Stellenbesetzung, Weiter-                die über Öffnungszeiten verfügen, die an die Arbeitszeiten
entwicklungsmöglichkeiten des ÖPNV und dessen Finan-              im Hotel- und Gaststättengewerbe angepasst sind. Insge-
zierung, alternative Transportmöglichkeiten sowie sonstige        samt monierten 11 % der Befragten ungeeignete Kinderbe-
Herausforderungen ein. Um die Basis der Einschätzungen            treuungseinrichtungen. 91 % der Befragten, die diese Frage
noch weiter zu verbreitern, wurde eine Gruppendiskussion          mit Ja beantworteten, waren Frauen. Dies legt zugleich eine
(Liebig/Nentwig-Gesemann 2002, S. 141ff.) unter Beteili-          traditionelle geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der
gung einer Mitarbeiterin aus dem Arbeitgeberservice der           Region nahe.
zuständigen Agentur für Arbeit mit vier prototypischen,               Die Befragung der Arbeitgeber bringt ähnliche Ergeb-
d. h. mittelständischen Unternehmern aus dem Hotel- und           nisse hervor, die zudem durch die Aussagen im Experten-
Gaststättengewerbe durchgeführt. Neben der weiteren Va-           gespräch und in der Gruppendiskussion untermauert
lidierung der Ergebnisse diente die Gruppendiskussion der         werden. So geben 60 % der befragten Arbeitgeber an, dass
Vorstellung und Diskussion von möglichen Lösungsvor-              sie Probleme bei der Personalrekrutierung haben, weil Ver-
schlägen. Abschließend wurden die Ergebnisse der Unter-           bindungen des ÖPNV zu relevanten Zeiten fehlen. Auch
suchung und das vorgeschlagene Mobilitätskonzept den              von ihnen werden – wie von den Arbeitskräften – die „Rand-
Stakeholdern präsentiert und mit ihnen diskutiert. Insofern       zeiten“ als Problemfälle benannt,4 die zuweilen durch die
betreibt das Projekt „Arbeitslos – autolos – chancenlos? –        Wetterverhältnisse im Winter verschärft werden.
Regionale Mobilität und Arbeitsvermittlung“ Aktionsfor-               Wie die Arbeitskräfte sind die Arbeitgeber des Hotel- und
schung (Fricke 2010), die zu einem auf wissenschaftlichen         Gaststättengewerbes in der Region darüber hinaus bereit,
Erkenntnissen basierenden Eingriff in die regionale Ent-          eine Ko-Finanzierung für die Ausweitung der Mobilität auf-
wicklung führen soll. Die Resultate der Studie werden im          zubringen. So ist fast die Hälfte der befragten Arbeitslosen
Folgenden in gebotener Kürze vorgestellt.                         zur Zahlung von 0,50 bis 2 € Fahrtkosten pro Wegstrecke
                                                                  bereit. 31 % der befragten Arbeitnehmer würden sogar

                                                                  4    Eine Änderung der Arbeitszeitmodelle wird – wie so häu-
4. Zentrale empirische Ergebnisse                                      fig (Wirth 2011) – von den Arbeitgebern gegenwärtig nicht
                                                                       angedacht. Dabei könnten sie durch Innovationen in der
Die Befragungsergebnisse unterstützen die These eines engen            Arbeitsorganisation ihr Rekrutierungsproblem verringern
                                                                       und eine „Beschäftigungsberatung“ (Kommission für
Zusammenhangs zwischen Mobilität und (möglicher) Ar-
                                                                       Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt 2002, S. 234)
beitsvermittlung. So geben 62 % aller befragten Arbeitslosen           durch die Arbeitsverwaltung könnte dazu beitragen, dass
an, über einen Führerschein zu verfügen. Aber nur 33 % von             Arbeitslose in Arbeit integriert werden.

                                                               https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606                                           609
                                                        Generiert durch IP '46.4.80.155', am 16.10.2021, 09:18:14.
                                                 Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.
FORSCHUNG AKTUELL

                    mehr als 2 € beisteuern. Beinahe 50 % der Arbeitgeber geben                                   dieser Variante erfolgte auf Basis von Angeboten von Bus-
                    an, dass sie einen finanziellen Beitrag von 1 bis 3 € pro Ar-                                 unternehmen, die in der Region aktiv sind.
                    beitskraft für Hin- und Rückweg leisten würden.                                                   Eine Gegenüberstellung der Kosten der Ausweitung des
                        Vor dem Hintergrund dieser aus der Arbeitskraft- und                                      ÖPNV und der Einsparungen an ALG I durch die Integra-
                    der Beschäftigerperspektive eher kompatiblen Anforderun-                                      tion von Arbeitslosen mit einem durchschnittlichen Ar-
                    gen wurden unterschiedliche Lösungsvorschläge entwickelt                                      beitslosengeldsatz zeigt, dass eine (!) erfolgreiche zusätzliche
                    und zumindest mit den Arbeitgebern im Rahmen der Grup-                                        Integration alle sechs Monate die Kosten der Mobilitätsaus-
                    pendiskussion erörtert. Diese wurden vor dem Hintergrund                                      weitung amortisiert (Abbildung 1).
                    der Anforderungen der Zielgruppen, der Region und ihrer                                           Im Regelungskreis SGB II mit seinen niedrigeren Ent-
                    Finanzierbarkeit für einen sechsmonatigen Probezeitraum                                       geltersatzleistungen plus Kosten der Unterkunft und Heizung
                    konzipiert. Den Kosten eines Ausbaus des ÖPNV werden                                          ergibt sich ein anderer break-even-point. Ab drei Leistungs-
                    deshalb die Einsparungen bei ALG I oder ALG II sowie die                                      beziehern, die für mindestens sechs Monate integriert sind,
                    Senkung der Kosten für Unterkunft und Heizung durch die                                       amortisiert sich der Ausbau des ÖPNV durch Einsparungen
                    Integration von Arbeitslosen gegenübergestellt. Bei der Be-                                   in der Grundsicherung für Arbeitsuchende und belegt noch-
                    rechnung des break-even-points gingen wir aus Gründen                                         mals die Wirtschaftlichkeit der Ausweitung des ÖPNV.
                    der Vereinfachung und angesichts fehlender alternativer                                           Eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts generiert wei-
                    Zahlen von durchschnittlichen regionalen Entgeltersatzleis-                                   tere positive Effekte. Die Relevanz der Teilhabe am Erwerbs-
                    tungen aus.                                                                                   leben für ein menschenwürdiges Leben und die inklusiven
                        Der von den Arbeitslosen präferierte Ausbau des Lini-                                     Effekte von Erwerbsarbeit bleiben bei einer ökonomisch
                    enverkehrs scheidet aus Kostengründen aus, weil dafür ein                                     verengten Perspektive unberücksichtigt. Darüber hinaus
                    zusätzlicher Bus eingesetzt werden müsste, im Moment                                          verschafft sich die Arbeitsverwaltung zusätzliche Legitimi-
                    jedoch alle Kapazitäten ausgelastet sind und somit ein neu-                                   tät, indem sie sich in der Regionalentwicklung proaktiv
                    er Bus angeschafft werden müsste. Das von den Beschäftig-                                     einbringt, Ressourcen beisteuert und relativ stabile Bezie-
                    ten mit PKW auch stark gewünschte Fahrgemeinschafts-                                          hungen in der Region aufbaut, die in anderen Projekten, bei
                    modell lässt sich eher als Ergänzung nutzen, da durch                                         anderen Herausforderungen wieder aufgegriffen werden
                    Krankheit, Arbeitszeitverschiebungen etc. selbst bei einem                                    können. Dadurch sinken zudem die Transaktionskosten in
                    Pool von Teilnehmern kaum verlässliche Transportmög-                                          der Region, was wiederum die Problembearbeitung erleich-
                    lichkeiten entstehen können. Aus diesen Gründen wurde                                         tert. Möglicherweise trägt dieses Projekt zum Ausbau eines
                    den Akteuren in der Region vorgeschlagen, Montag- bis                                         regionalen Institutionengefüges bei und es ermöglicht den
                    Sonntagabend um 22 Uhr einen zusätzlichen Kleinbus ein-                                       Hotel- und Gastronomiebetrieben – wie die Unternehmer
                    zusetzen. Am Wochenende und an Feiertagen ist darüber                                         betonen – ein von den Kunden geschätztes höheres Maß an
                    hinaus eine zusätzliche Anruf-Sammeltaxi-Linie einzuset-                                      Authentizität, weil sie Arbeitskräfte aus der Region beschäf-
                    zen, die – wie der erste Bus unter der Woche – morgens um                                     tigen. Sie können darüber hinaus ihre Beziehungen zur
                    6 Uhr am Busbahnhof abfährt. Die Berechnung der Kosten                                        Arbeitsverwaltung pflegen, mit der sie in der Vergangenheit
                                                                                                                  eng zusammenarbeiteten.
                                                                                                                      Trotz anschlussfähiger Sichtweisen bei unterschiedlichen
                    ABB. 1                                                                                        Akteuren gilt es, die Umsetzung zu beobachten und auszu-
                                                                                                                  werten. Wie wirken sich Niedriglöhne in der Branche auf die
                    Einsparungen beim Arbeitslosengeld und                                                        Bereitschaft aus, Arbeit anzunehmen? Wie klappt das Zusam-
                    Kosten des zusätzlichen ÖPNV                                                                  menspiel der Akteure? Wie erfolgt die Verteilung der Kosten,
                    Angaben in Euro                                                                               der Einsparungen vor dem Hintergrund der Logiken der je-
                             Einsparungen nach SGB III*                               Kosten Kleinbus             weiligen Organisation? Und wie beeinflussen machtvolle Ak-
                                                                                                                  teure in den Organisationen das Geschehen? Diese und an-
                    70.000                                                                                        dere Fragen wären in einer Längsschnittbetrachtung im Zuge
                                                                                                    64.456
                    60.000                                                                                        einer Evaluation des Projekts zu untersuchen. Bevor es dazu
                                                                                          56.399
                    50.000                                                      48.342
                                                                                                                  kommen kann, sollen abschließend einige Schlussfolgerungen
                    40.000                                             40.285                                     für die Praxis und die Wissenschaft entwickelt werden.
                                                              32.228
                    30.000
                                                     24.171
                    20.000
                                            16.114
                    10.000          8.057
                                                                     7.665
                       0
                                0           1        2        3        4        5         6          7        8
                                                     zusätzlich integrierte Arbeitslose
                                                                                                                  5. Schlussfolgerungen für Forschung
                                                                                                                     und Praxis
                    *im Zeitraum von sechs Monaten.
                                                                                                   Mitteilungen
                    Quelle: Berechnung und Darstellung der Autoren.                                               Die Studie zeigt, dass die Ausgangshypothese der fehlenden
                                                                                                                  regionalen Mobilität als Integrationshemmnis bestätigt wer-

6 10                                                          https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606
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WSI MITTEILUNGEN 8/2013

den kann. Dieses Eingliederungshemmnis kann zu ver-                (1) Eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik ist ökonomisch(er),
gleichsweise geringen Kosten durch eine Modifikation des           wenn sie berufliche Beratung und angemessene Qualifi-
ÖPNV-Angebots in der untersuchten Region beseitigt wer-            zierungen fördert. Sie erleichtert den Ausstieg aus dem
den. Erst dieser Eingriff in Form einer reflexiven Regional-       Niedriglohnsektor, senkt die Kosten für aufstockende SGB-
entwicklung ermöglicht aktivierende Arbeitsmarktpolitik.           II-Leistungen und begegnet den sich abzeichnenden Knapp-
Andreß/Krüger (2006, S. 130f.) argumentieren in ihrer Stu-         heiten an qualifizierten Arbeitskräften – zumindest ein
die ähnlich, zeigen aber, dass derartige Praktiken eher die        Stück weit – präventiv.
Ausnahme sind, weil eine restriktive Form aktivierender
Arbeitsmarktpolitik, die fordernde Aktivierung, dominiert.         (2) Die Ergebnisse verweisen auf regionale Besonderheiten
Auch der Vorwurf, „faule Arbeitslose“ verweigerten die             und Branchenspezifika, die erfolgreiche aktivierende Ar-
Arbeitsaufnahme, kann für die von den Arbeitsvermittlern           beitsmarktpolitik berücksichtigt. Deshalb sind eine Dezen-
und persönlichen Ansprechpartnern vorselektierten Ar-              tralisierung der Arbeitsmarktpolitik und Budgets wie die
beitslosen nicht bestätigt werden. Sie sind – wie die Arbeits-     frühere „freie Förderung“ (§ 10 SGB III a.F., § 16f SGB II
losen in der Studie von Andreß/Krüger – aktiv, kooperieren         n.F.) erforderlich, um diese kontextuellen Anforderungen
und sind bereit, eine Niedriglohnbeschäftigung anzuneh-            zu berücksichtigen. Die Organisationen brauchen also einen
men. Insofern können die Akteure der Arbeitsförderung              Handlungsspielraum, den die „neue Regelsteuerung in der
und die Arbeitgeber in der Untersuchungsregion auf einen           deutschen Arbeitsverwaltung“ (Schütz 2009) wegen ihrer
Pool von motivierten Arbeitskräften trotz vergleichsweise          Orientierung an Konzeptkonformität meist nicht bietet.
niedriger Arbeitslosigkeit zurückgreifen.                          Dabei wäre eine Vielfalt arbeitsmarktpolitischer Strategien
    Um den Arbeitsuchenden die Chance zu geben, das                notwendig, die der jeweiligen regionalen Problemlage Rech-
Niedriglohnsegment zu verlassen, bedarf es beruflicher Be-         nung trägt.
ratung und beruflicher Weiterbildung, die aber selten in der
erforderlichen Qualität angeboten werden (Hielscher/Ochs           (3) Die Ergebnisse sind auch für andere Regionen relevant,
2009; Bosch 2009; Mohr 2009), weil z. B. die Förderung der         weil dort ähnliche Herausforderungen für die Arbeitsver-
beruflichen Weiterbildung häufig nur eine „Vermittlungs-           mittlung, Arbeitsuchende und Beschäftiger existieren. Die
förderung“ (Bosch 2009, S. 95) ist. Ergänzend müsste jedoch        Möglichkeit von Mobilitätshilfen, z. B. nach § 45 SGB III a.F.
auch die Kinderbetreuung durch Kindertagesstätten oder             bzw. § 44 SGB III n.F., die langjährige Praxis der Mobilitäts-
innovative Tagesmütter-Konzepte, die räumlich nahe am              förderung (dazu Bogedan et al. 2009, S. 10) und empirische
Weg des Shuttle-Busses liegen, ihre Dienstleistungsangebo-         Untersuchungen (z. B. Seibert 2008) belegen, dass regiona-
te an die branchenspezifischen Arbeitszeiten anpassen, da-         le Mobilität gefördert wurde und werden muss, weil Mobi-
mit Arbeitskräften die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im          litätsprobleme in ländlichen Regionen existieren.
Hotel- und Gaststättengewerbe ermöglicht wird.
    Gesellschaftlicher Wandel (z. B. mehr alleinerziehende         (4) Die Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten
Erwerbspersonen) und die Branchenspezifika des Hotel-              und der Industriespezifika bei der Konstitution öffentlicher
und Gaststättengewerbes lösen einen erhöhten Bedarf an             Dienstleistungsangebote erfordert ein Netzwerk von öffent-
öffentlichen oder öffentlich finanzierten Dienstleistungen         lichen Verwaltungen, Verbänden und Gewerkschaften, Un-
aus, deren Produktion den regionalen Besonderheiten (hier          ternehmungen, Selbsthilfegruppen etc., die von einem
einer Tourismusregion) angepasst werden muss. Zugleich             Broker – ähnlich wie im Zuge einer „reflexiven Netzwerk-
weist dies auf die Bedeutung von Gender-Fragen für eine            entwicklung“ (Sydow/Windeler 2003) oder der care work
aktivierende Arbeitsmarktpolitik hin, weil immer noch              im Rahmen eines „beschäftigungsorientierten Fallmanage-
eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Beziehungen,         ments“ (Göckler 2012) – moderiert werden. Nur so entsteht
Erwerbsarbeit und Gesellschaft vorherrscht. Die emanzi-            das soziale Kapital, das anschlussfähige Praktiken und einen
patorischen Aspekte aktivierender Arbeitsmarktpolitik              Vertrauensvorschuss bei riskanten Reziprozitäten ermög-
berücksichtigen Praktiker häufig noch zu wenig (Rudolph            licht. Dies ist von zentraler Bedeutung, weil in diesen Be-
2007), weil sie – wie andere Studien zeigen – mit institu-         ziehungszusammenhängen nicht immer aktuell ein Aus-
tionalisierten und organisationalen Widersprüchen kon-             gleich von Kosten und Nutzen zwischen den Akteuren
frontiert sind (Jaehrling 2009) oder etablierte Praktiken          erfolgen kann. Dies erfordert zugleich ein „thinking in
pfadabhängig fortgeschrieben werden (Dingeldey 2011).              networks“ (Mattson 1987) sowie ein entsprechendes Clus-
Des Weiteren lässt sich schlussfolgern, dass Konzepte ak-          termanagement, in dem regionalisierte Bedarfe identifiziert
tivierender Arbeitsmarktpolitik in der Regel geschlechts-          und bearbeitet werden (Duschek et al. 2010).
und raumlos sind und unbedingt durch eine geschlech-
tersensible und sozialräumliche Perspektive erweitert wer-         (5) „Projektnetzwerke“ (Sydow/Windeler 1999), in denen
den müssten.                                                       projektbezogen und projektübergreifend zusammengear-
    Diese Befunde haben eine Reihe von praktischen Im-             beitet wird sowie Praktiken der Kooperation entwickelt und
plikationen für die Arbeitsmarktpolitik und die Akteure im         institutionalisiert werden, sind eine geeignete Koordinati-
Feld der Arbeitsförderung:                                         onsform für eine reflexive Regionalentwicklung. Sie

                                                                https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606                                           6 11
                                                         Generiert durch IP '46.4.80.155', am 16.10.2021, 09:18:14.
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FORSCHUNG AKTUELL

ermöglichen mittels des Zugriffs auf einen Pool von Organisationen „Fle-               menspiel mit Arbeitsvermittlung ermöglicht. Die eingesetzten Methoden
xibilität durch Stabilität“ (Sydow 2000) und damit eine Anpassung an un-               erweisen sich als adäquat. Sinnvoll wäre aber die Ergänzung um eine qua-
terschiedliche Anforderungen. Diese regionalisierten Projektnetzwerke                  litative und quantitative Längsschnittuntersuchung, mit der die Umsetzung
generieren also eine „strategische Flexibilität“ (Sydow 1992, S. 114).                 und die Ergebnisse dieses Projekts evaluiert werden könnten.

(6) Die Kooperation zwischen Unternehmungen und öffentlichen Verwal-
tungen in der Region ist auf anschlussfähige Sicht-, Handlungs- und Legi-
timationsweisen auf mehreren Ebenen angewiesen. Würde beispielsweise
                                                                                       LITERATUR
eine für das Gelingen wichtige Organisation eine eher kurzfristige Kosten-
                                                                                       Andreß, H.-J./Krüger, A. (2006): Ausstiege aus dem unteren Einkommensbe-
senkungsperspektive verfolgen, wären Investitionen, die sich ökonomisch
                                                                                       reich. Institutionelle Hilfe, individuelle Aktivitäten und soziale Netzwerke, Ber-
nur langfristig amortisieren können, und der Aufbau von Sozialkapital, z. B.           lin
in Form von „eingespielten Beziehungen“ in der Region, auf die zu einem                Bogedan, C./Bothfeld, C./Sesselmeier, W. (2009): Arbeitsmarktpolitik in der so-
späteren Zeitpunkt im Projektnetzwerk wieder zurückgegriffen werden                    zialen Marktwirtschaft – Vom Arbeitsförderungsgesetz zum Sozialgesetzbuch II
                                                                                       und III. Eine Einleitung, in: Bothfeld et al., a.a.O., S. 7 – 18
kann, nahezu unmöglich. Genauso könnten einzelne, sehr machtvolle Per-
                                                                                       Bosch, G. (2009): Berufliche Weiterbildung in Deutschland 1969 bis 2009: Ent-
sonen wirken und damit eine Organisations-, Netzwerk- und Regionalent-                 wicklung und Reformoptionen, in: Bothfeld et al., a.a.O., S. 94 – 111
wicklung be- und sogar verhindern. Mit anderen Worten: Die Anschluss-                  Bothfeld, S./Sesselmeier, W./Bogedan, C. (Hrsg.) (2009): Arbeitsmarktpolitik in
fähigkeit der Praktiken der jeweiligen Akteure auf unterschiedlichen                   der sozialen Marktwirtschaft. Vom Arbeitsförderungsgesetz zum Sozialgesetz-
                                                                                       buch II und III, Wiesbaden
Ebenen (Individuum, Organisation, Netzwerk, Region, Branche und Ge-                    Bourdieu, P. (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital,
sellschaft) muss vorhanden sein bzw. hervorgebracht werden, damit der-                 in: Kreckel, R. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten. Soziale Welt, Sonderband 2
artige Projekte erfolgreich abgeschlossen werden können.                               Göttingen, S. 183 – 198
                                                                                       Brenke, K./Zimmermann, K. F. (2007): Erfolgreiche Arbeitssuche weiterhin
                                                                                       meist über informelle Kontakte und Anzeigen, Wochenbericht des DIW 74 (20),
(7) Eine produktive aktivierende Arbeitsmarktpolitik stellt spezifische An-            Berlin
forderungen an das Personal. Von den Beschäftigten werden betriebswirt-                Dietz, M./Röttger, C./Szameitat, J. (2011): Betriebliche Personalsuche und
schaftliche und rechtliche Kenntnisse erwartet. Sie können strategisch Den-            Stellenbesetzungen: Neueinstellungen gelingen am besten über persönliche
                                                                                       Kontakte, IAB-Kurzbericht 26/2011, Nürnberg
ken, sind offen und sozial kompetent, stellen sich Genderfragen und
                                                                                       Dingeldey, I. (2011): Der aktivierende Wohlfahrtsstaat. Governance der Arbeits-
reflektieren über Sozialräume. Deshalb interagieren sie in Beziehungszu-               marktpolitik in Dänemark, Großbritannien und Deutschland, Frankfurt a. M./
sammenhängen konstruktiv und zielorientiert. Sie verfügen über Metho-                  New York
denkompetenzen und sind in der Lage, empirische und mikropolitische                    Duschek, S./Lerch, F./Sydow, J. (2010): Netzwerkberatung in Clustern, in:
                                                                                       Gruppendynamik & Organisationsberatung 41 (2), S. 125 – 143
Analysen durchzuführen. In ihrer Arbeit steuern sie sich selbst anhand von             Egle, F./Bens, W. (2004): Talentmarketing, Wiesbaden
Zielen. Insofern sind für eine derartige Arbeitsmarktpolitik akademisch                Fricke, W. (2010): Fallstudienforschung als Aktionsforschung, in: Pongratz, H.
qualifizierte Arbeitskräfte oder begabte Praktiker erforderlich. Dies wiede-           J./Trinczek, R. (Hrsg.): Industriesoziologische Fallstudien. Entwicklungspotenzi-
                                                                                       ale einer Forschungsstrategie, Berlin, S. 233 – 256
rum hat Konsequenzen für die Auswahlkriterien und für die Personalent-
                                                                                       Fritsche, M. (2010): Mikropolitik im Quartier, Wiesbaden
wicklung, die die Kompetenzen der Beschäftigten durch ein „Fordern und                 Giddens, A. (1984): The constitution of society. Outline of the theory of struc-
Fördern“ (Rohde et al. 2011) hervorbringt. Herausfordernde, aber ange-                 turation, Cambridge
messene Aufgaben und ein hohes Maß an Unterstützung und Vertrauen                      Giddens, A. (1998): Equality and the social investment state, in: Hargreaves, I./
                                                                                       Christie, I. (Hrsg.): Tomorrow’s politics: The Third Way and beyond, London,
sind für die Personalentwicklung unerlässlich.
                                                                                       S. 25 – 40
                                                                                       Göckler, R. (2012): Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement. Praxisorien-
(8) Die reflexive Regionalentwicklung ist – ähnlich wie die Stadtentwicklung           tierte Betreuung und Vermittlung in der Grundsicherung für Arbeitsuchende
(Fritsche 2010) – ein politischer Prozess, in den unterschiedliche Interessen          (SGB II). Eine Einführung, Regensburg
                                                                                       Granovetter, M. (1973): The strength of weak ties, in: American Journal of So-
involviert sind. Diese entstehen z. B. durch unterschiedliche Logiken von              ciology 78 (6), S. 1360 – 1380
Organisationen, Traditionen, pfadabhängige Entwicklungen, unterschied-                 Granovetter, M. (1985): Economic action and social structure: The problem of
liche (Wahrnehmungen von) Kosten-Nutzen-Verteilungen, unterschiedli-                   embeddedness, in: American Journal of Sociology 91 (3), S. 481 – 510
                                                                                       Granovetter, M. (1995): Getting a job. A study of contacts and careers,
che Sichtweisen, Legitimationserfordernisse sowie Interessen etc. Infolge-
                                                                                       Chicago/London
dessen ist schon in der Projektentwicklung, aber auch in der Durchführung,             Hense, A./Liebig, S./Elsner, J. (2009): Die zeitweise Entlassung von Arbeits-
ein hohes Maß an politischem Geschick unerlässlich. Diese mikropolitischen             kräften als Flexibilisierungsstrategie, Forschungsbericht für die Hans-Böckler-
Fähigkeiten sind in der Umsetzung der Projektergebnisse, die in dieser                 Stiftung, Düsseldorf
                                                                                       Hielscher, V./Ochs, P. (2009): Das prekäre Dienstleistungsversprechen der öf-
Studie nicht mehr untersucht wurde, noch bedeutsamer, weil die Akteure
                                                                                       fentlichen Arbeitsverwaltung, in: Bothfeld et al., a.a.O., S. 178 – 190
die Umsetzung von Konzepten vor dem Hintergrund ihrer divergierenden                   Hiermig, B./Jaehrling, K./Kalina, T./Vanselow, A./Weinkopf, C. (2005): Stellen-
Interessenlagen begleiten. Darin kann ein Grund für das Scheitern auch                 besetzungsprozesse im Bereich „einfacher“ Dienstleistungen, Berlin
                                                                                       Jaehrling, K. (2009): Gleichstellung und Aktivierung – Wahlverwandtschaft
sehr einsichtiger Projekte liegen. Insofern sind mikropolitische Fähigkeiten
                                                                                       oder Stiefschwestern?, in: Bothfeld et al., a.a.O., S. 147 – 160
und Analysen von zentraler Bedeutung für das Gelingen und das Verständ-                Kalina, T./Weinkopf, C. (2010): Der Niedriglohnsektor in Ost- und Westdeutsch-
nis des Erfolgs oder des Scheiterns reflexiver Regionalentwicklung.                    land, Bonn
Aus einer wissenschaftlichen Perspektive hat sich die Verwendung der Struk-            Kommission für Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (2002): Moderne
                                                                                       Dienstleistungen für den Arbeitsmarkt. Bericht der Kommission, Berlin
turationstheorie bewährt, weil sie die unterschiedlichen Ansätze der Ar-
                                                                                       Liebig, B./Nentwig-Gesemann, I. (2002): Gruppendiskussion, in: Kühl, S./
beitsvermittlung zu integrieren vermag und kontextsensitiv ist, was die                Strodtholz, P. (Hrsg.): Methoden der Organisationsforschung. Ein Handbuch,
Berücksichtigung und Analyse reflexiver Regionalentwicklung im Zusam-                  Reinbek bei Hamburg, S. 141 – 174

612                                                            https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606
                                                        Generiert durch IP '46.4.80.155', am 16.10.2021, 09:18:14.
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WSI MITTEILUNGEN 8/2013

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Meuser, M./Nagel, U. (2009): Das Experteninterview – konzeptionelle Grundla-              liche Arbeitsvermittlung, in: WSI Mitteilungen 59 (2), S. 104 – 109, http://www.
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(Hrsg.): Methoden der vergleichenden Politik- und Sozialwissenschaft,                     Wirth, C. (2007): Projektnetzwerke in der Arbeitsvermittlung: Eine Organisati-
Wiesbaden, S. 465 – 480                                                                   onsform mit Zukunft?, in: Arbeit – Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsge-
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Noll, S./Heckmann, M./Rebien, M. (2009): Erscheinungsformen und Ausmaß                    tion und TV-Content-Produktion, München/Mering
ungedeckter Arbeitskräftenachfrage in der Verlaufsperspektive, IAB-For-                   Wirth, C. (2011): Beschäftigungssicherung durch Arbeitsvermittlung im inter-
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Räumliche Mobilität als Notwendigkeit zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit                 Profit Organisationen, Gemeinwesenentwicklung.
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Barthel, J./Fuchs, G./Wassermann, S./Wolf, H.-G. (Hrsg.): Virtuelle Organisatio-
                                                                                         lung, Steuerung in der Behindertenhilfe.
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ter-firm networks and interorganizational strategies, Greenwich, Conn.,                   ganisation und Netzwerke in und jenseits der Sozialwirtschaft.
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Voswinkel, S./Bode, I./Lücking, S. (1996): Im Schatten des Fordismus. Industri-                carsten.wirth@fh-kempten.de
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Frankreichs, München/Mering

                                                                  https://doi.org/10.5771/0342-300X-2013-8-606                                                       613
                                                           Generiert durch IP '46.4.80.155', am 16.10.2021, 09:18:14.
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