AUSSEN WIRTSCHAFT CENTER PARIS - WKO

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AUSSEN WIRTSCHAFT CENTER PARIS - WKO
AUSSEN
WIRTSCHAFT
CENTER
PARIS
#Covid19: Sportinfrastruktur und Tourismus im
Zeichen von #Covid-19 in Frankreich
Autor: Das #Covid-19 Team des AußenwirtschaftsCenter Paris, T: +33(0)1 53 23 05 05
Stand: 2. April 2020 15:00

                                              AußenwirtschaftsCenter Paris
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  Unser vollständiges Angebot zum Thema Frankreich & Monaco finden Sie unter www.wko.at/aussenwirtschaft/FR
Sportinfrastruktur und Tourismus im Zeichen von #Covid-19 in
Frankreich
Unternehmen im Sport und Unterhaltungsbereich
Mit einem geschätzten Umsatzverlust von 3,1 Mrd. EUR für das erste Halbjahr und mit fast 50.000
Beschäftigten, die in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen von Kurzarbeit betroffen sind, haben die
Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen starke Auswirkungen auf
die Unternehmen in den Bereichen Sport, Freizeit, Fahrrad und Mobilität.
In Folge finden Sie die Hauptergebnisse einer Wirtschaftsumfrage, die von der UNION sport & cycle am
1. April 2020 veröffentlicht wurden.
Geschäfte, Industrien, Bauunternehmen von Freizeit- und Sportanlagen, Fitness- oder 5er Fußball, etc.
alle Akteure des Sektors sind von der Covid-19 Krise betroffen. Mehr als 900 Akteure der Branche haben
an der von der UNION Sport & Cycle Umfrage, die vom 23. bis 27. März 2020 durchgeführt wurde,
teilgenommen.

Die UNION sport & cycle ist die führende professionelle Organisation im Sportsektor. Sie vereint 1.400
Unternehmen, die mehr als 500 Marken, 80.000 Mitarbeiter und einen kumulierten Umsatz von 11
Milliarden Euro repräsentieren.

Dazu gehören
    Hersteller von auftretenden Marktsegmenten (Bsp. BIQ, Voll Climbing)
    Spezialisierte französische Hersteller (z. B. Babolat, Beuchat)
    Hersteller mit generalisierten Produkten (z. B. Rossignol, Salomon)
    Importeure (Asics, Kettler)
    Agenten
    Multi-Sport Importeure oder Vertriebsfirmen (z. B. Nike, adidas)
    Spezialisierte Händler (z.B. Endurance Shop, glisshop.com)
    Auf Multi-Sport spezialisierte Geschäfte (z.B. Decathlon, Intersport, Go Sport, Sport 2000)

Aus dieser Umfrage zieht die Union der Sport & Cycle, nachstehende Schlüsse:

Starker Einfluss auf die Umsatzzahlen
Im Vergleich zu 2019 wird der Verlust der Umsätze in der Branche auf 3,1 Mrd. EUR geschätzt.

      1,3 Mrd. EUR für den Handel
      1,260 Mrd. EUR für Industrielle
      470 Mrd. EUR für kommerzielle Freizeitaktivitäten (Fitness, Fußball 5, Klettern usw.).
      30 Mrd. EUR für Unternehmen der Sportartikelbranche

98% der Unternehmen erwarten einen Umsatzrückgang von über 30%.

      65% der Händler schätzen einen Rückgang von mehr als 30%. Davon befürchten 26% einen
       Rückgang von mehr als 50%.
      68% der Industriellen schätzen einen Rückgang von mehr als 30%. Davon befürchten 34% einen
       Rückgang von mehr als 50%.
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   61% der kommerziellen Freizeitanbieter schätzen einen Rückgang von mehr als 30%. Davon
       befürchten 14% einen Rückgang von mehr als 50%.

Produktionsstätten
Starke Verlangsamung der Produktion:
50 % der Produktionslinien befinden sich in totalem Stillstand
37 % in einem teilweisen Stillstand.

Kurzarbeit
Starke Nutzung von Kurzarbeit zur Bewältigung der Krise. Fast 50.000 Beschäftigte der Branche sind
während der Quarantäne in Kurzarbeit.
    69% aus Sportartikelgeschäften
    71% in der Industrie
    84 % bei kommerziellen Freizeitaktivitäten (Fitness, Fußball 5, Klettern…)

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass etwa 20% der Unternehmen freiwillig Maßnahmen ergriffen
haben, um 100% der Gehälter ihrer Mitarbeiter zu erhalten.

„Tele Working“ wird angeboten bei:
    85% der Industrie
    35% der kommerziellen Freizeitbetriebe
    nur 12% im Handel

Sportvereine
Laut der Studie unterstützen mehr als die Hälfte aller Sportunternehmen einen Sportverein. Die
Fortsetzung dieser Partnerschaften wird voraussichtlich nach der Krise stark zugehen.
    60% der Unternehmen, die einen Sportverein unterstützen, sagen uns, dass sie diese
       Unterstützung im neuen Schuljahr wahrscheinlich nicht aufrechterhalten können.
    27% werden weitermachen, aber sagen, dass sie ihre Unterstützung verringern wollen
    Nur 14% planen die Unterstützung unverändert fortzusetzen.

Decathlon und die Easybreath-Tauchmaske
Nach dem Erfolg der Änderungen an der Easybreath-Tauchmaske durch das italienischen Start-up-
Unternehmen Isinnova beschloss Decathlon, diese Maske aus dem Verkauf zu nehmen und ihre
Bestände französischen Krankenhäusern anzubieten, die ein Notfall-Atemgerät benötigen.
Die von Decathlon verkaufte Schnorchel- (oder Flachwasser-) Maske Easybreath kann mit
Ansatzstücken und Schläuchen, die durch 3D-Druck erhalten wurden, leicht modifiziert werden, um eine
herkömmliche Atemmaske zu ersetzen. Die Idee ist in ganz Europa auf Tournee gegangen und hat nun
offiziell Frankreich erreicht. Nachdem die Sportgeräte-Vertriebsgesellschaft eine gewisse
Zurückhaltung gezeigt hat, indem sie den lokalen Gebrauch der Easybreath-Maske betont hat, wird sie
sich nun endlich voll und ganz der Verwirklichung dieser Idee widmen.
Decathlon hat daher beschlossen, den Verkauf dieser Masken auf seiner Website zu blockieren, um den
gesamten verfügbaren Bestand für das Pflegepersonal zu reservieren. Insgesamt sollen 30.000
Easybreath-Masken sowie 30.000 Schwimmbrillen demnächst vorrangig an Krankenhäuser geliefert
werden sollen. Decathlon hat für Interessenten eine E-Mail-Adresse eingerichtet: easybreath-
covid19@decathlon.com

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Wintersport - Einbruch der Skisaison
Nachdem am 12. März 2020 die französische Berginfrastrukturmesse Mountain Planet abgesagt wurde,
die vom 22. - 24. April 2020 in Grenoble stattfinden hätte sollen, und wo auch ein österreichischer AC
Gruppenstand geplant war, wurden am Wochenende des 15. März 2020 sämtliche französischen
Wintersportorte und Skigebiete geschlossen.
Laut der französischen Zeitung La Tribune hat das Observatoire Savoie Mont Blanc Ende März erste
Schätzungen vorgenommen um den Einkommensverlust beziffern zu können.
Nach Angaben der Organisation, die 112 Urlaubsorte in Savoyen und der Haute-Savoie zusammenfasst,
wird der Einkommensverlust der Tourismusfachleute auf ihrem Gebiet auf mehr als 800 Mio EUR
geschätzt. Man rechnet mit fast

      10 Millionen verlorenen Übernachtungen (alle Unterkünfte zusammengenommen)
      6 Millionen nicht in Anspruch genommene Skifahrertage (das entspricht durchschnittlich 15%
       der Aktivität der Skilifte in den Skigebieten)

Departement Isère - Umsatzrückgang allein für den Monat März
Ferienanlagen, die noch eine Auslastung von 70 bis 80% aufweisen könnten und die traditionell erst
zwischen Mitte April und Mai geschlossen werden, mussten am Wochenende des 15. März 2020 abrupt
schließen.
Der Direktor Vincent Delaitre von Isère Tourisme rechnet mit Verlusten von fast 118 Mio. EUR für alle
touristischen Akteure des Gebiets Isère und dies nur für den Zeitraum vom 15. bis 31. März 2020. Der
Sektor erwirtschaftet mit fast 23.000 Beschäftigten in ungefähr 15.000 Unternehmen einen
Jahresumsatz von fast 2 Mrd. EUR. Er basiert seine Schätzungen auf eine vor zwei Jahren durchgeführte
Analyse, die das Gewicht des Tourismussektors auf die Wirtschaft im Departement Isère aufzeigt.

Das Segment Bergwirtschaft macht durchschnittlich 60% der Tourismuseinnahmen des französischen
Départements Isère aus.

Das Gaststättengewerbe weist die höchsten Verluste auf, da diese fast die Hälfte der
Tourismuswirtschaft des Départements ausmacht. 5.000 Restaurants erleiden einen Verlust von fas 66
Mio. EUR. Das Beherbergungsgewerbe, wo eine Anzahl der Besucher auf Grund der fehlenden
Transportmöglichkeiten noch einige Tage länger beherbergt wurden, verzeichnet Verluste von fast 20
Mio. EUR in innerhalb 15 Tagen.
Es folgen der Transport- und Reisebürosektor, der allein im März 18 Mio. EUR Umsatz verlieren wird
und der Freizeitsektor mit einem Minus von 15 Mio. EUR.
Die Prognosen für den Monat April werden mit 135 Millionen Euro chiffriert.
Hauptsaison im Departement Isère ist jedoch die Periode Dezember bis März.

Domaines Skiables de France
Die Domaines Skiables de France (DSF) ist ein französischer Liftbetreiberverband, der landesweit fast
200 Skiliftgesellschaften, davon zwei Drittel in den Nordalpen, vereint. Laut der Qualitätszeitung La
Tribune wurden fast 15% der jährlichen Skilifttätigkeit für Skiliftunternehmen, die 95% ihres Umsatzes
in den fünf Wintermonaten erzielen, gekürzt.
Laut Laurent Reynaud, Generaldelegierte von DSF, sei die Situation noch kritischer für die Ferienorte
des Zentralmassivs und der Vogesen. Diese waren während der gesamten Saison durch den
Schneemangel benachteiligt und befanden sich bereits vor dem Stopp in einer wirtschaftlichen
Krisensituation. Er meint weiter, dass es nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Existenz einiger
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dieser Resorts in Frage gestellt wird. Ausschlaggebend werden die Unterstützungsmaßnahmen sein, die
von den lokalen Behörden in Betracht gezogen werden.
Er weist weiters darauf hin, dass von dieser Krise die Haupteinnahmequellen der Berggemeinden
betroffen sind. Insgesamt wären es 1,5 Mrd. EUR an touristischen Ausgaben, alle Bereiche
zusammengenommen, die in der gesamten Bergwirtschaft in Frankreich fehlen werden.

La Compagnie des Alpes
Laut dem Großunternehmen La Compagnie des Alpes, das rund 30% des Marktanteils der französischen
Skigebiete hält und damit der weltweit größte Betreiber von Skigebieten ist, lief die Saison, die teilweise
bis zum 8. Mai 2020 geplant war, in den französischen Alpen vor der Schließung der Wintersportorte gut.
Was den Sektor der Skigebiete betrifft, sind die Prognosen pessimistisch. La Compagnie des Alpes
erwartet einen Umsatzrückgang von 20% mit ungefähr 85 bis 90 Mio. EUR Verlust.

Sommersaison
Die Sommersaison, die in der Regel Mitte Juni beginnt und bis Mitte September andauert, nimmt bereits
erste Formen an. Es wird sich zeigen, ob die Verluste gedämpft werden können. Laut den
Verantwortlichen, die sich in der Qualiltätszeitung La Tribune dazu äußern, sind die verschiedenen
Bereiche unterschiedlich betroffen.
Einige Akteure wie zum Beispiel die Skilifte erwirtschaften 98% ihres Umsatzes im Winter (außerhalb
des Skigebiets von Chamonix), andere Sektoren wie das Hotel- und Gaststättengewerbe oder die
Freizeitindustrie können paradoxerweise ihr Sommergeschäft durch den aktuellen Kontext teilweise
angekurbelt sehen.

Eine Chance für den lokalen Tourismus?
Mit dem Übergang zum Ganzjahrestourismus und der Entwicklung zahlreicher neuer Outdoor
Aktivitäten und die Renovierung oder sogar schrittweisen Aufwertung traditioneller und kollektiver
Unterkünfte, könnte es dieses Jahr nach den Ausgangsbeschränkungen ein neues Publikum in die
Berge ziehen.
„Die Franzosen werden wahrscheinlich eher zögern, ins Ausland zu gehen, aber sie werden sicherlich
nach einigen Wochen der Gefangenschaft etwas frische Luft schnappen wollen, insbesondere mit
Buchungen in letzter Minute. Dieser Trend, den wir seit einigen Jahren beobachten, könnte sich noch
verstärken", sagt Vincent Delaitre von Isère Tourisme, das die 23 Ferienorte der Isère-Region
zusammenführt. Vor allem sollen lokale Kunden angesprochen werden.
Laurent Reynaud, Isère Tourisme, erinnert jedoch daran, dass auch in Frankreich in diesem Sommer ein
Rückgang der ausländischen Touristen verzeichnen werden könnte. Dies sei derzeit jedoch schwer
einschätzbar. „Die Aussicht auf eine mögliche Verschiebung des Schulferienkalenders im Falle von
verlängerten Ausgangsbeschränkungen könnte auch Folgen für Buchungen Anfang Juli haben, eine
Periode, die normalerweise für Unterkünfte in den Bergen günstig ist", fügt er hinzu.
Isère Tourismus arbeitet derzeit an einer kürzeren aber massiven Kommunikationskampagnen, die nach
der Gesundheitskrise in Einsatz kommen soll. Es sollen darüber hinaus auch kurze und mittlere
Aufenthalte angeboten werden. Derzeit bemühen sich die Fachvertretungen jedoch um die Begleitung
der Mitglieder in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit. Sobald es an der Zeit ist würde man jedoch die
Kommunikationskampagnen wiederbeleben.

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Vieles hänge jedoch von der Regierung angekündigten Strategie zur Unterstützung der
Wirtschaftsakteure ab, da dieser Sektor sehr saisonabhängig ist und z.B. ein Aufschub der Steuern von 6
Monaten für eine große Anzahl von Akteuren von geringem Interesse ist.

Weitere Fragen
Das Team des WKÖ-AußenwirtschaftsCenter Paris ist voll operativ und steht Ihnen gerne zu allen
Wirtschaftsfragen zur Verfügung. Aufgrund einer sehr hohen Nachfrageintensität zum Thema
Frankreich und #Covid-19 sind wir bemüht Ihre Anfragen nach Dringlichkeit geordnet zu bearbeiten.
Bitte haben Sie daher etwas Geduld. Besten Dank.

Wir sind jederzeit für Sie erreichbar und zur Verfügung. Für weitere Fragen sind wir am besten über
unsere E-Mail-Adresse paris@wko.at erreichbar. Die Telefonnummer des AußenwirtschaftCenter Paris,
T +33 1 53 23 05 05, ist auf die persönliche Mobiltelefonnummer des Wirtschaftsdelegierten, Christian H.
Schierer, umgeleitet.

Die derzeitige Situation bedingt eine sehr schnelle Weiterentwicklung. Wir ersuchen um Verständnis,
dass manche Gegebenheiten sich über Nacht ändern können. Wir bleiben aber für Sie 24/7 am Ball.
Neben dem AußenwirtschaftsCenter Paris (paris@wko.at) stehen selbstverständlich auch unsere
Vertrauenskanzleien und Vertrauenssteuerberater für weitere Informationen in diesem Zusammenhang
auch an Wochenenden und Feiertagen zur Verfügung.

#Corona-Frankreich-Informationen
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auf Coronavirus: Situation in Frankreich und Monaco. Weitere Informationen finden Sie auf der
Seite Coronavirus: Wirtschaftskammer als Anlaufstelle für Unternehmen

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