Band 2 - Schulessen Saale-Orla

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Band 2 - Schulessen Saale-Orla
Schul
                 e ss e n
                               a
             saale-orl
                       und und Gut
         Regional, Ges

                 g e d a c ht
         N a c h
                           c k t
           &A    n g e p a

Band 2
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
Band 2     Nachgedacht
         Sc h u le ss e n                            & A n g ep a c k t
           sa al e- or la
                          und Gut
         Regional, Gesund

Impressum                                    Redaktion
                                             Sören Kube, Alexandra Lienig,
Herausgeber                                  Susanne Mohr, Olivia Pellenat,
LEADER-Aktionsgruppe                         Alexander Pilling
Saale-Orla e. V.
                                             Autor
Vorsitzender Thomas Franke                   Hans-Joachim Petzold, Droyßig
Bahnhofstraße 17                             www.hassel-hof14.de
07369 Remptendorf
                                             Gestaltung
Telefon 036640 – 4490                        Anke Heelemann, Weimar
buergermeister@remptendorf.de                www.vergessene-fotos.de
www.schulessen.org
                                             Illustrationen
1. Auflage 2012                              Rosa Linke, Weimar
7000 Exemplare                               www.rosalinke.de

Wir danken dem Landkreis und der Kreissparkasse Saale-Orla sowie dem Amt für
Landentwicklung und Flurneuordnung Gera, die diese Publikation ermöglicht haben.
Ein besonderer Dank gilt all denen, die ihr Fachwissen und Ihre Erfahrungen bei der
Entstehung dieser Publikation eingebracht haben.
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
I NHALT   1     Wer kümmert sich um regionales,
                gutes, gesundes Schulessen?     		                 04
          1.1     Gemeinsam für gutes Schulessen		                 05
          1.2     Wie wechselt man den Essenanbieter?		            11
          1.3     Vorteile regionaler Essenanbieter		              13
          2     Verpflegungssysteme & Qualitätssicherung           16
          2.1     Verpflegungssysteme im Überblick		               17
          2.2     Qualitätssicherung durch Zertifizierung		        19
          3     Rahmenbedingungen				                              22
          3.1     Zeit für entspanntes Essen 			                   23
          3.2     Ergänzende Speisemöglichkeiten 		                25
          3.3     Bestell- und Abrechnungssysteme		                27
          3.4     Umsatzsteuer für die Essenausgabe		              28
          4     Vom Speiseraum zum "Schulrestaurant“		             30
          4.1     Die Essenausgabe				                             31
          4.2     Einrichtung des Speiseraums			                   35
          4.3     Lautstärke im Speiseraum			                      36
          4.4     Licht und Geruch im Speiseraum		                 37
          4.5     Personal					                                    38
          5     Schulessen im Unterricht			                        40
          5.1     Möglichkeiten der Einbindung in den Unterricht   43
          5.2     Hauswirtschafts- und Projektküchen		             45
          5.3     Projekte und Projektwochen 			                   46
          5.4     Der Bauer in der Schule – die Schule
                  auf dem Bauernhof				                            47
          6     Partner für gute und gesunde Schulernährung        50
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
e in l e it u n g                           Ausgehend von vielen praktischen Erfah-
                                            rungen und erfolgreichen Praxisbeispie-
                                            len werden im Buch

 Im Frühjahr 2012 erschien Band 1 zum       – die Rahmenbedingungen des Schul-
 Thema „Schulessen – Regional, Gesund         essens dargelegt sowie verschiedene
 und Gut“, dem nun Band 2 folgt. Beide        Verpflegungssysteme vorgestellt
 Publikationen richten sich an alle, die    – Ratschläge und Anregungen gegeben,
 Einfluss auf die Verbesserung der Schul­     wie man vom Speiseraum zum „Schul-
 essenangebote nehmen wollen. Eltern          restaurant“ gelangen kann
 bilden dabei die größte und wichtigste     – Überlegungen angestellt, wie sich
 Gruppe. Oft wissen sie zu wenig darüber,      die Themen Schulessen in den
 wie die Prozesse um das Schulessen           ­schulischen und außerschulischen
 ablaufen, wie Zuständigkeiten geregelt        Unterricht integrieren lassen
 sind und an welchen Stellen sie mit
                                            – regionale Verarbeiter und regionale
 welchen Mitteln eingreifen können.
                                              Produzenten benannt, die aktive Weg-
 Wichtiges Vorhaben der Herausgeber ist,      begleiter auf dem Weg zu besserem
 dass regionale Produkte eine deutlich        Schulessen sind oder werden können
 stärkere Rolle im Schulessen und darüber   – Institutionen, Organisationen und
 hinaus einnehmen sollen. Gutes Essen         Personen genannt, die sich aktiv und
 darf sich nicht ausschließlich über Ge-      kenntnisreich mit dem Thema Schules-
 sundheit, Ausgewogenheit und Inhalts-        sen befassen und als Ansprechpartner
 stoffe definieren. Kenntnisse über die       zur Verfügung stehen.
 Herkunft und somit die Darstellung der
 regionalen Stoff- und Wertkreisläufe
 erscheinen unerlässlich.
 Neben den Eltern sind auch Lehrer und
 Schulverwaltung, regionale Essenanbie-
 ter und regionale Produzenten gefordert,
 sich intensiver mit dem Thema zu befas-
 sen und Partner für mögliche Kooperatio-
 nen näher kennen zu lernen.

                                                                                      02
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
KAPITEL 1

  c h u le s s e n g e ht
S
     a l l e an
            Soll Schulessen besser werden, müssen
            sich viele bewegen. Es liegt nicht am Koch
            allein. Die Möglichkeiten der Einfluss-
            nahme sind größer, als mancher glaubt.
            Regionalität sollte dabei ein wichtiges
            Kriterium sein.
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
gu te s sc hu le ss e n
1.1 . Ge m e in sa m fü r
     Was könne n Schül er beitragen?
 – bilden sich eine sachlich fundierte      – Schüler aus höheren Klassenstufen
   Meinung (z. B. durch eine regelmäßige      wählen „Speiseraum-Scouts“ aus, die
   Fragebogenaktion oder Küchenbesuche)       die Abläufe während der Essenausgabe
 – leiten konstruktive Vorschläge an          im Blick haben und regulieren helfen;
   Fachlehrer, Klassenlehrer, Schüler­        dabei schulen sie ihre sozialen Kompe-
   sprecher und Elternsprecher weiter –       tenzen und sorgen eigenverantwortlich
   Meinungsäußerung ist wichtig!              für Verbesserung

 – bitten Eltern und Lehrer, den Kontakt    – kochen regelmäßig zu bestimmten
   zu Produzenten zu suchen, um mit           Projekten für Mitschüler, Lehrer
   diesen ins Gespräch über die Produkte      oder Eltern („Schüler kochen für…“)
   zu kommen                                – richten Schülercafés für die Pausen-
 – schlagen Lehrern Ideen für Projekttage     verpflegung ein und betreiben diese
   zum Thema Schulessen vor
 – sammeln Ideen, um ihren Speiseraum
   praktischer einzurichten, gemütlicher
   zu machen, zu verschönern, suchen
   dazu das Gespräch mit dem Schulleiter
   oder dem Kunsterziehungslehrer
 – bewegen ihre Eltern dazu, bei einer
   notwendigen Verschönerung des
   Speiseraums zu helfen
 – überlegen, wie Abläufe während
   der Essenausgabe verbessert werden
   können, damit mehr Behaglichkeit
   einzieht und der Service stimmt

05
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
1 s c h u l e s s e n g e ht a ll e a n

Was könne n Elter n beitragen?
– tauschen sich regelmäßig über die         – übermitteln Fach- oder Klassenlehrern
  Zufriedenheit ihrer Kinder mit dem          Ideen oder Anregungen für Projekte
  Schulessen aus                              rund um das Thema Schulessen
– erörtern bei Elternabenden oder Eltern-   – stellen Kontakte zu regionalen
  stammtischen sowie mit dem Klassen-         Produzenten her, um Hofbesuche,
  lehrer konstruktive Hinweise oder           Gartenbesuche, Betriebsbesuche
  Verbesserungsvorschläge ihrer Kinder        zu organisieren
– lassen dem Schulelternsprecher            – geben Überschüsse an Obst, Gemüse,
  Verbesserungsvorschläge zukommen,           Beeren aus den eigenen Gärten nach
  die dieser in der Schulkonferenz zur        Absprache an die Schulen, um dort das
  Diskussion stellt                           gemeinsame Zubereiten von Speisen
                                              zu unterstützen
                                            – kümmern sich in den Ferienmonaten
                                              um Schulgärten, ernten dort Obst
                                              und Gemüse, pflegen den Garten
                                            – unterstützen die Schule bei der
                                              Umgestaltung der Speiseräume
                                              durch Mitarbeit und Spenden
                                            – motivieren ihre Kinder, sie zu bestimm-
                                              ten Gelegenheiten zu Hause oder in der
                                              Schule zu bekochen („Heute koche ich
                                              für meine Eltern“, „Jugend kocht“)
                                            – gründen mit anderen, die an regionaler,
                                              gesunder, guter Ernährung interessiert
                                              sind, kleine Netzwerke und gehen
                                              entsprechende Projekte an

                                                                                                      06
Band 2 - Schulessen Saale-Orla
Was könne n Lehre r beitragen?

 – fassen das Thema Schulverpflegung
   als wichtigen Teil der Schulkultur auf
   und beleben es gemeinsam mit den
   Schülern
 – nehmen mit ihrer Teilnahme am ge-
   meinsamen Essen Vorbildfunktion ein;
   schätzen dabei Service, Abläufe und
   Räumlichkeiten kritisch ein               – nutzen Unterricht und/oder Projekttage,
                                               um Rahmenbedingungen für das Schul­
 – fassen Schulverpflegung als Teil
                                               essen zu verbessern (z. B. Raumgestal-
   ihrer eigenen Gesundheit auf
                                               tung, Fragebogenaktionen, Schulgarten)
 – diskutieren mit ihren Schülern die
                                             – treten in Kontakt zu Schulküchen der
   Essenqualität, Abläufe im Speiseraum,
                                               Region und regionalen Produzenten,
   Zufriedenheit mit dem Essen, Bestell-
                                               um einen lebendigen Austausch herzu-
   und Abrechnungssystem und sammeln
                                               stellen, der zu besserem gegenseitigen
   Verbesserungsvorschläge
                                               Verständnis beiträgt
 – arbeiten im Kollegium ihre Standpunkte
                                             – achten darauf, neben dem Wissen
   zum Schulessen, zum Speiseraum und
                                               zum gesunden und guten Essen auch
   zu Abläufen rund um das Essen heraus,
                                               Methoden zu praktizieren, die zur
   bringen diese in der „Mensa-Runde“
                                               Änderung von Gewohnheiten führen:
   oder „Essen-AG“ ein
                                               beispielsweise Zeit für Kochen und
 – behandeln das Thema Regionales              Essen nehmen, mehr Wert auf regionale
   Schulessen in vielfältiger und schmack-     Produkte legen
   hafter Weise regelmäßig im Unter-
                                             – machen das Thema „Essen“ für Jungen
   richt und vertiefen es im Rahmen
                                               und Mädchen gleichermaßen schmack-
   von ­Projekttagen
                                               haft, brechen dadurch das duale System
                                               „Mädchen kochen – Jungen machen
                                               was anderes“ auf

07
1 s c h u l e s s e n g e ht a ll e a n

Was kann die Schul kon-                       ... was die Schul förde rvere ine?
  feren z beitragen?                           – können als Zusammenschluss enga-
                                                 gierter Eltern, Bürger und Unternehmen
  Die Schulkonferenz setzt sich aus Vertre-      Aufgaben zum Thema Schulessen über-
  tern der Eltern, der Schüler, der Lehrer       nehmen (vgl. Abschnitt Eltern)
  und dem Schulleiter zusammen. Sie berät      – können Gelder sammeln, die für
  Fragen, die alle vertretenen Interessen-       Projekte eingesetzt werden
  gruppen berühren, entscheidet auch über
  die Auswahl des Schulessenanbieters.         – können bei der Umgestaltung des
  Die Schulkonferenz                             Speiseraums mitwirken, Projektwochen
                                                 initiieren, begleiten und ausgestalten
  – kann kritische Hinweise, Verbesserungs-
    vorschläge oder Änderungswünsche           – können Schulfeste mitorganisieren
    zum Thema Schulessen aufgreifen              und ausgestalten

  – gibt Empfehlungen und trifft Entschei-
    dungen, unter anderem zu Fragen            ... und was der Fachdienst
    der Pausenverpflegung, der Aufstel-              Schulverwaltung?
    lung von Verpflegungsautomaten, zu         Da eine staatliche Schule keine Rechts-
    außerunterrichtlichen Angeboten, zur       person ist, tätigt der Fachdienst Schul-
    Zusammenarbeit mit außerschulischen        verwaltung im Landratsamt die geschäft-
    Einrichtungen, zu baulichen Fragen an      lichen und juristischen Angelegenheiten
    der Schule                                 der Schule. Dabei ist er für wesentliche
                                               Bereiche des Schulessens zuständig:
                                               – Abschluss von Liefer- und Leistungs
                                                 verträgen mit Schulessenanbietern im
                                                 Auftrag der Schulkonferenz
                                               – Ausstattung der Speiseräume
                                                 und Projektküchen
                                               – Vertragsgestaltung für Pausenversorgung
                                                 und Automaten im Auftrag der Schulen
                                               – Abstimmung der Schülerbeförderung

                                                                                                          08
Wa s kön nen Re gio na le                        ... und was Regionale
  Es sen an bie ter bei tragen ?                      Produzenten?
  – halten einen „heißen Draht“ zu den         – stellen dauerhaft Kontakte zu den-
    Schulen, für die sie kochen                  jenigen her, die ihre Produkte kaufen
  – machen sich ihren Gästen bekannt           – erläutern die Qualitäten ihrer Produkte
  – besuchen zu bestimmten Gelegen­              offen und durchdacht, stellen deren
    heiten die Schule und stehen als             Vorzüge dar
    Gesprächspartner zur Verfügung             – prüfen, ob und wie sie Produktion und
  – erkunden die Zufriedenheit ihrer             Logistik für die Versorgung der regiona-
    Gäste durch regelmäßige Abfragen,            len Schulküchen verbessern können
    Meinungsbriefkasten und Gespräche,         – denken gemeinsam mit regionalen
    um darauf reagieren zu können;               Verarbeitern (Schulküchen) darüber
    überlegen dabei, ob und wie sie              nach, wie sie durch verstärkte Zusam-
    Schüler für eine Verbesserung der            menarbeit wirtschaftliche Vorteile
    Abläufe gewinnen                             erzielen können
  – schulen ihr Personal im Hinblick auf       – unterbreiten für Schulklassen attraktive
    Service, Organisation und Hygiene,           Angebote wie Hofbesuche, Projekttage
    wenn dieses auch die Essenausgabe            oder Informationsgespräche, um leben-
    tätigt                                       dige Partnerschaften zu entwickeln, die
  – kooperieren mit regionalen Produzen-         über den Schulalltag hinaus reichen
    ten, um auf beiden Seiten wirtschaft-      – informieren sich über veränderte
    liche Vorteile zu erzielen                   Essgewohnheiten junger Menschen
  – streben eine Zertifizierung ihrer Unter-     und reagieren mit ihren Produktions­
    nehmen an, um durch die damit ein-           linien darauf (z.B. essen junge Frauen
    hergehende Qualitätsverbesserung             mehr Obst und Gemüse, weniger
    und Transparenz entsprechende Preise         Fleisch)
    begründen zu können                        – begreifen Schulessen gemeinsam
                                                 mit Schule und Eltern als Lernfeld

 09
1 s c h u l e s s e n g e ht a ll e a n

                                         ... und was die LEADER-
                                             Aktionsgruppe Saale-Orla?
                                               Der Verein LEADER-Aktionsgruppe Saale-
                                               Orla hat die Aufgabe, die strategische
                                               Entwicklung in der Saale-Orla-Region mit-
                                               zusteuern und zu fördern. Mitglieder der
                                               LEADER-Aktionsgruppe sind der Saale-
                                               Orla-Kreis, die Kreissparkasse Saale-Orla,
                                               Städte und Gemeinden, Vereine, Verbän-
                                               de, Betriebe und Privatpersonen. Auf der
                                               Basis einer gemeinsamen Strategie entwi-
                                               ckelt der Verein Projekte und unterstützt
                                               regional bedeutsame Vorhaben.
                                               Im Jahre 2009 initiierte die LEADER-
                                               Aktionsgruppe Saale-Orla das Projekt
Was kann der Kreistag                          „Schulessen – Regional, Gesund und Gut“.

 Saale-Orla-Kreis beitragen?                   Sie ließ hierzu ein Konzept erarbeiten, das
                                               derzeit gemeinsam mit dem Landkreis
  Der Kreistag ist das höchste beschlie-       und weiteren Partnern umgesetzt wird.
  ßende Organ im Landkreis. Landrat und        In einer Strategiegruppe wirken Vertreter
  Landkreisverwaltung sind zur Erfüllung       aller betroffenen Interessengruppen mit.
  der Kreistagsbeschlüsse verpflichtet. So     Der Verein steuert den Entwicklungspro-
  kann der Kreistag beispielsweise finanzi-    zess, initiiert Wettbewerbe oder Projektta-
  elle Mittel zur Verbesserung der Situation   ge und vernetzt die betroffenen Schulen.
  der Schulessenversorgung beschließen,        Zudem ist er mit der Fördermittelbeschaf-
  ebenso als Träger des ÖPNV auch Einfluss     fung befasst und beteiligt sich an der
  auf den Schulbusverkehr nehmen. Eine         Finanzierung vernetzter Projekte.
  detaillierte Untersetzung der Finanzen
  übernimmt der Fachdienst Schulverwal-
  tung, der dem Kreistag gegenüber rechen-
  schaftspflichtig ist.
                                                                                                          10
1.2 Wie wec hselt man Den Esse nanb iete r?
 Eltern haben eine Palette von Möglich-
 keiten, um Veränderungen beim Es-
 senanbieter zu bewirken. Wer sich für
 besseres Essen einsetzt, erzielt nicht nur
 einen Gewinn für sein Kind, sondern für
 viele Kinder und auch für die Lehrer.
 Bevor ein Wechsel des Essenanbieters
 vollzogen wird, sollte die Schulkonfe-
 renz Möglichkeiten einer verbesserten
 Kommunikation suchen. Gespräche
 zwischen Schule (Lehrer, Schüler- und
 Elternvertreter), Essenanbieter und
 Ausgabepersonal sind ein probates
 Mittel, um die Erwartungen des Part-
 ners auszuloten und Probleme zu
 besprechen. Die kurzen Wege zu Anbie-
 tern sind zu nutzen.
 Führen die Gespräche nicht zum ge-
 wünschten Ergebnis, kann die Schul-
 konferenz einen Anbieterwechsel
 beschließen. Der Entschluss wird dem
 Fachdienst Schulverwaltung beim Land-
 ratsamt mitgeteilt. Dieser kündigt
 daraufhin den Liefer- und Leistungsver-
 trag mit dem Essenanbieter. Die Kündi-
 gung muss spätestens bis 30.04. für das
 folgende Schuljahr erfolgen.

11
1 s c h u l e s s e n g e ht a ll e a n

Für die Bindung an den neuen Essenan­      Bei der Auswahl sollte die Schulkonferenz
bieter gilt das gleiche Prinzip. Hat die   – Kriterien diskutieren, nach denen
Schulkonferenz einen neuen Anbieter          der neue Essenanbieter ausgewählt
ausgewählt, teilt sie dem Fachdienst         werden soll
Schulver­waltung ihre Entscheidung mit,
der die vertragliche Beziehung regelt.     – Erfahrungen anderer Schulen
                                             einholen
                                           – Testessen veranstalten
                                           – das direkte Gespräch mit den
                                             regionalen Anbietern suchen
                                           – die Möglichkeit der kurzen Wege
                                             nutzen und die in Frage kommenden
                                             Betriebe besichtigen

                                           Die LEADER-Aktionsgruppe ­­Saale-Orla e.V.
                                           und die Schulverwaltung setzen sich für
                                           regionale Essenanbieter und die Verwen-
                                           dung regionaler Produkte ein. Wer sich
                                           für einen regionalen Essenan­bieter
                                           entscheidet, sollte beachten, dass vor
                                           allem kleinere Betriebe begrenzte Kapazi-
                                           täten haben. Diese Partner brauchen eine
                                           gewisse Zeit, um sich auf die neue Situa-
                                           tion einzustellen, können auf die Gege-
                                           benheiten der jeweiligen Schule aber in
                                           der Regel besser eingehen.

                                                                                                      12
na le r
1.3 Vo rt e il e re gi o
     Ess e na nb ie te r
  „Bitte warten – sie werden verbunden.“
  Große Unternehmen beeindrucken oft
  mit imposanter Außendarstellung, glän-
  zenden und perfekten Lösungen. Die
  Realität ist mitunter anders. Dann erweist
  sich der weit entfernte Firmensitz als
  Nachteil. Kontakte bleiben unpersönlich,
  worunter die Verständigung über strittige
  Fragen leiden kann.
  Bei regional verankerten, zumeist kleinen
  Essenanbietern ist die Nähe zum Kunden
  ein unschätzbarer Vorteil. Diesen poten-
  ziellen Vorteil in realen Gewinn umzu-
  wandeln, muss sowohl Anliegen der
  Schule als auch der Schulküche sein.         – Mit dem regionalen Anbieter ist man
                                               kurz verdrahtet. Um ein Problem zu
  Welche Vorteile bietet der regionale         be­heben, genügt manchmal ein Anruf
  Essenanbieter?                               oder ein kurzes, klärendes Gespräch.
  – Mit der Chefin oder dem Chef eines         – Mit dem regionalen Essenanbieter
  regional verankerten Essenanbieters ist      lassen sich Projekttage oder Projektwo-
  man persönlich bekannt, kennt oft auch       chen zu Themen wie Ernährung, Kochen,
  die Mitarbeiter des Unternehmens. Sie        Gesundheit umsetzen. Gemeinsame
  können sich ohne größeren Aufwand            Aktionen festigen die Partnerschaft,
  regelmäßig in der Schule vorstellen. Die     schaffen Vertrauen und binden anein­
  Mitarbeiter gehören zur Region und sind      ander.
  daher auf ihren guten Ruf bedacht.

 13
1 s c h u l e s s e n g e ht a ll e a n

– Der regionale Anbieter kann spezielle        – Die Erfahrungen der Essenteilnehmer
Wünsche der Schule besser bedienen. Im         können regelmäßig im direkten Gespräch
Thüringer Eichsfeld wird zum Beispiel          ausgetauscht werden. Das führt zu grö-
freitags von vielen kein Fleisch gewünscht     ßerer Klarheit und beugt Missverständ-
(Fastentag). Im Saale-Orla-Kreis ist in man-   nissen vor.
chen Gegenden donnerstags Kloßtag. Wer   – Regionale Anbieter bedeuten regionale
solche Wünsche bedient, leistet ausge-   Wertschöpfung und regionale Arbeits-
zeichneten Service.                      plätze. Wirtschaftlich gefestigte Unter-
– Gut funktionierende Partnerschaften    nehmen sind ein Gewinn für die Region.
zwischen Schulen und regionalen Essenan- Wer den Nachbarn unterstützt, wird von
bietern können über den Speiseraum       dessen Gewinn profitieren.
hinaus wirken. Auch die Darstellung in
regionalen Medien oder im Schulalltag
bedeutet Gewinn für beide Seiten.
KAPITEL 2

       f l e g u n gs -
V e rp
 s yst e m e &
    Qua l itäts -
       si c h e ru n g
             Die heutige Gemeinschaftsverpflegung
             wird von Technologien beherrscht, die
             man kennen muss. Gleichzeitig sind die
             Qualifikation der Köche, die Hygiene,
             eine nachhaltige Wirtschaftsweise
             sowie Service und Kommunikation von
             Bedeutung. Eine Zertifizierung des
             gesamten Prozesses stellt ein ganz
             besonderes Gütesiegel dar.
yst e m e
2. 1 V e rp fl e gu ngss
        im Üb e rb li ck
   Verpflegungssysteme unterscheiden sich
   danach, ob am gleichen Ort gekocht und
   gegessen wird, oder ob Essen in warmer
   oder gekühlter Form an Ausgabestellen
   transportiert wird. Bei vorschriftsmäßiger
   Anwendung bieten alle drei nachfolgend
   genannten Systeme ausgezeichnete             – Systeme benötigen viel Platz für eine
   Essensqualität.                                vollständig ausgestattete Küche
   In der Praxis finden sich Kombinationen        sowie viel Fachpersonal
   der Systeme. Ein Produzent kann bei-         – erledigen Einkauf, Lagerung,
   spielsweise an einem Standort kochen           Vorbereitung, Zubereitung, Ausgabe,
   und ausgeben (Frisch- und Mischkostsys-        Reinigung, Entsorgung
   tem), gleichzeitig aber auch andere          – können auch Zentralküchen sein,
   Ausgabestellen beliefern (Warmverpfle-         die andere Orte mit fertig gekochtem
   gungssystem).                                  Essen beliefern (Warmverpflegung)

   a) Frisch- und Mischkostsystem               b ) Kochen und Warmhalten (Cook and
                                                Hold, Warmverpflegungssystem)
   Bei Frisch- und Mischkostsystemen
   werden die Speisen direkt in der Schule      Nach dem Kochen in der Küche werden
   zubereitet und ausgegeben. Damit             die heißen Speisen zur Schule transpor-
   entfallen Transporte.                        tiert und dort ausgegeben.

   Merkmale für Frisch- und Mischküchen         Merkmale der Warmverpflegung

   – verwenden hauptsächlich unverarbeitete     – Zubereitung der Speisen in Frisch- oder
     oder nur gering verarbeitete Lebens-         Mischküchen; Auslieferung in Wärme-
     mittel und verzichten weitgehend auf         transportbehältern zur Ausgabestelle
     vorgefertigte Produkte                     – Kerntemperatur des Essen muss bis
   – in Mischküchen kommen auch                   zum letzten Essenteilnehmer über
     vorgefertigte Produkte zum Einsatz           65° C liegen
 17
2 v e r p fl e g u n g s s y s t e m e & Q ua lität s s i c h e r u n g

– Warmhaltezeiten von mehr als 3 Stunden      – In den Ausgabestellen werden Speisen
  (maximal erlaubte Warmhaltezeit) nach         mit Heißluftöfen/Kombidämpfern
  der Abfüllung führen zu Qualitätsver-         schnell erwärmt (regeneriert) und
  lusten in Bezug auf Nährstoffgehalt,          sind ausgabefertig
  Geschmack, Farbe und Konsistenz             – bleiben viele wertvolle Eigenschaften
– geringerer Platz- und Energiebedarf           der Lebensmittel erhalten
  für Ausgabestelle                           – ist die Einhaltung der vorgeschriebenen
– geringere Personalkosten, da Fach-            Warmhaltezeit unproblematisch, wenn
  personal in der Küche, aber nicht             an der Ausgabestelle regeneriert wird
  an der Ausgabe benötigt wird                – entstehen hohe Investitionskosten
– geringerer Organisationsaufwand               (Gerätetechnik) und hohe Energie-
  an der Ausgabestelle                          kosten
                                              – besteht größerer Raumbedarf
c) Kochen und Kühlen / Kochen und               für Kühlschränke und Öfen
Gefrieren (Cook and Chill / Cook and          – ist keine tägliche Anlieferung nötig,
Freeze)                                         wodurch sich Transportkosten reduzieren
In der Küche werden die Speisen nach          – ist eine flexible Anpassung der Portions-
dem Kochen schnell abgekühlt. Im An-            mengen und eine bessere Anpassung an
schluss erfolgt der Transport zur Schule.       sich ändernde Teilnehmerzahlen möglich
Dort werden sie erwärmt oder fertig           - können Rezepturen nicht kurzfristig
gegart und ausgegeben.                          geändert werden
Merkmale                                      – ist die Produktqualität konstant
                                              – muss strikt auf die Einhaltung
– die Speisen werden nach der Zuberei-          der Kühlkette geachtet werden
  tung in der Zentralküche schnell abge-      – fällt mehr Verpackungsmüll an
  kühlt (Schockkühlung: innerhalb von         – fallen geringere Personalkosten
  2 Stunden auf 1° bis 3° C; Schockfros-        an der Ausgabestelle an
  ten: in sehr kurzer Zeit auf -18°C)         – ist geschultes Personal wichtig
– Speisen/Komponenten sind bei Kühl-
  kost ca. 5 Tage, bei Tiefkühlkost
  mehrere Wochen haltbar
                                                                                                                      18
2.2 Qual itätssi cherung durc h Zerti fizie rung
  Die Hochschule Niederrhein hat im          Eine Zertifizierung
  Auftrag der LEADER-Aktionsgruppe           – ist eine Anerkennung von neutraler
  Saale-Orla e.V. ein Zertifizierungspro-      Stelle, die die erbrachten Leistungen
  gramm für regionale Schulküchen              und Qualitäten anerkennt
  erstellt. Neben Hygieneanforderungen,
  Prozessabläufen, Fortbildungen u.a.        – belegt, dass vorgegebene Leistungs-
  wird dabei auch der Einkauf regionaler       merkmale eingehalten werden
  Produkte dokumentiert. Die Zertifizie-     – wirkt vertrauensbildend und verschafft
  rung ist zunächst für Schulküchen im         Sicherheit, wenn sie regelmäßig erfolgt
  Saale-Orla-Kreis gedacht. Eine Auswei-     – legt die Leistungsfähigkeit
  tung ist möglich. Regionale Schulkü-         des Anbieters offen
  chen, die sich durch die Hochschule
  Niederrhein zertifizieren lassen, können   –kann helfen, Arbeitsprozesse
  sich mit dem erreichten Qualitätssiegel     zu optimieren
  am Markt platzieren. Für Schüler, Lehrer   Die Essenanbieter lassen im Zertifizierungs­
  und Eltern bedeutet das Qualitätssiegel    prozess u.a. folgende Kriterien prüfen:
  eine Orientierung.
                                             – Herstellung und Transport (z.B. Qualifi-
                                               kation der Mitarbeiter, Wareneinkauf,
                                               Speiseplangestaltung, Menüzusammen-
                                               stellung, Nährwert, Kennzeichnung,
                                               Warmhaltezeiten)
                                             – Hygiene (z.B. Temperaturkontrolle,
                                               Warmhaltezeiten, Küchen- und
                                               Personalhygiene)
                                             – Kommunikation (z.B. Gästebefragung,
                                               Beschwerdemanagement, Kunden-
                                               betreuung)
                                             – regelmäßige Weiterbildung der
                                               Mitarbeiter, Schulungen
 19
2 v e r p fl e g u n g s s y s t e m e & Q ua lität s s i c h e r u n g

Im Bereich Menüzusammenstellung           – maximal 8 mal im Monat Fleischgerichte
und Einkauf werden u.a. folgende          – mindestens 4 mal im Monat
Normen gefordert:                           Fischgerichte
– zwei bis dreimal frisches Obst          – mindestens 20% des Wareneinkaufs
  pro Woche                                 stammen von Betrieben einer erstellten
                                            Liste regionaler Erzeuger oder aus maxi-
– jedes Menü mit gegartem Gemüse
                                            mal 50km vom Küchenstandort ent-
  oder Gemüserohkost
                                            fernten Betrieben (Randgebiete des
– Beilagensalat mindestens                  Landkreises). Dieser Wert wird mittels
  zweimal pro Woche                         Lieferscheinen nachgewiesen.
– maximal zweimal im Monat frittierte     Interessenten wenden sich bitte an das
  oder gebratene Kartoffelspeisen         LEADER-Management Saale-Orla.

                                                                                                                  20
KAPITEL 3

RAHMEN-
  BEDINGUNGEN
            Die Umstände, unter denen in der
            Schule gegessen wird, unterscheiden
            sich von Ort zu Ort. Sowohl die jeweili-
            ge Schulform als auch Angebote der
            Pausenverpflegung, das Bestell- und
            Abrechnungssystem sowie steuer­
            lichen Fragen bestimmen mit darüber,
            unter welchen Umständen das Essen
            eingenommen wird und wie viele
            daran teilnehmen.
en
3.1 Ze it fü r en tspan nt es Ess
                                       ch ul e
      – Au f de m We g zu r Ga nztagss
  Was steht entspanntem Essen und mehr       Wer nach dem Essen in einer Müdigkeits-
  Teilnehmern am Schulessen oft im Wege?     phase Räume zur Erholung aufsuchen
  Gedränge im Speiseraum, Schlangen an       kann, wird danach wieder besser lernen,
  der Ausgabe, Hektik und Lärm, zu kurze     spielen und begreifen können. Ein solches
  Essenszeiten, lange Wege zum Speise-       Schulkonzept ist nicht von heute auf
  raum, Lehrermangel und nicht zuletzt die   morgen realisierbar, verspricht aber
  Fahrpläne der Schulbusse.                  mittel- und langfristig beste Erfolge, nicht
  Wer ernsthaft Verbesserungen anstrebt,     zuletzt im Hinblick auf eine Esskultur, die
  muss zuerst das Schulkonzept betrachten.   diesen Namen verdient.
  Ganztagsschulen legen ihre Personal-,
  Zeit- und Raumorganisation so an, dass
  Pausenzeiten deutlich länger sind. Ent-
  spannung und Rhythmuswechsel mit
  genügend Zeiten für Ruhe und Erholung
  – auch und gerade beim Essen! – sind
  Kernbestandteile dieses Konzeptes.

 23
3 r a h m e n b e di n g u n g e n

Und wenn das bestehende Schulkon-               Das Essen wird in Terrinen und Schüs-
zept einer entspannten Esseneinnahme            seln vorportioniert, an den Tischen
zu wenig Zeit und Raum gibt?                    bedienen sich die Schüler selber.
In diesen Fällen sollte derjenige, der         – Schüler bringen sich in die Speiseplan-
mit dem aktuellen Zustand hadert, in             gestaltung ein, äußern Wünsche und
anderen Richtungen nach Verbesse-                entwickeln Ideen für neue Gerichte
rung suchen. Ein Erfolg versprechender           oder Menüs.
Lösungsansatz ist Beteiligung. Essen
                                               – Schüler oder Schülerfirmen organi-
stiftet Gemeinschaft. Es lohnt, dafür
                                                 sieren eine Salat- oder Obst-Bar,
Partner und Unterstützer zu suchen,
                                                 bereichern den Speiseplan, sorgen
denn wo sich viele engagieren, werden
                                                 damit für qualitativ besseres Essen
die Aufgaben für jeden Einzelnen
                                                 und erzielen Einnahmen.
weniger. Zudem kommt es dem Ge-
rechtigkeitssinn Jugendlicher entge-           – Schüler kochen für Schüler: Es kann
gen, wenn bei bestimmten Aufgaben                immer Gelegenheiten geben, mit einer
„alle mal dran sind“.                            vorhandenen Schulküche zu bestimm-
                                                 ten Gelegenheiten die Mitschüler zu
Beteiligung – Anregungen aus der Praxis          versorgen.
– An einer Schule reduziert sich die           – In einem internen Schulwettbewerb
  Zahl der Lehrer. Im Oberstufenbereich          wird die beste Gestaltungsidee für den
  werden deshalb „Speiseraum-Scouts“             Speiseraum gesucht. Schüler setzen
  eingesetzt. Sie fungieren als stille Beob-     sie in einer gemeinsamen Aktion um.
  achter, stehen für Fragen oder bei Pro-
                                               – Es fehlt an Abstellmöglichkeiten für
  blemen zur Verfügung. Dabei können
                                                 Schulranzen. Ranzen, Taschen und
  sie ihre sozialen Kompetenzen schulen.
                                                 Beutel liegen herum. Schüler bauen
– Schüler übernehmen Aufgaben im                 im Werkunterricht geeignete Regale.
  Speiseraum, zum Beispiel: Kontrolle
                                               – Schüler erfragen die Meinungen der
  der Chipkarten oder Essenmarken,
                                                 Essenteilnehmer zum Essen.
  Tische reinigen, Beteiligung am
  Pausenverkauf, Bestücken von Buffets         – Schülervertreter werden zu Gesprächs-
                                                 runden zwischen Anbieter, Lehrer- und
– Es gibt nicht genügend Kräfte an der
                                                 Elternvertretern hinzugezogen.
  Essenausgabe. Ein anderes Tischkon-
  zept ermöglicht mehr Beteiligung.
                                                                                                        24
3.2 Ergä nzen de Speis emö glic hkeit en –
                                      Schü lercafés, Bistros,
 Junge Menschen sind begeisterungsfä-
 hig. Mit einer guten Kombination aus
                                              Schü lerf irme n
 interessantem Projektansatz, Übertra-
 gung von Verantwortung und kluger
 Kontrolle können sie das Handlungsfeld
 „Essen in der Schule“ mitgestalten, eige-
 ne Akzente setzen und neue Esskulturen
 entwickeln.
 Was ist nötig? Und was ist möglich?
 – Am Anfang steht eine Analyse aller
   Verpflegungsangebote außerhalb der
   warmen Mittagsmahlzeit. Man erkun-
   det, wo die Produkte herkommen und
   welche Qualitäten sie haben.
 – An manchen Schulen besteht die Pau-
   senverpflegung überwiegend aus süßen
   Riegeln, Kuchen, Pizza, belegten Brötchen
   und Hot Dogs. Solche Angebote sind
   kritisch zu hinterfragen. Man überlegt,
   wie Verbesserungen zu erreichen sind.
 – Geht man daran, die Pausenverpfle-
   gung zu verbessern, dürfen Angebote
   nicht dem Zufall oder persönlichen
   Vorlieben überlassen werden. Für
   Schüler wichtige Kriterien wie „peppig“,
   „knusprig“, „cool“, „frisch“ sind bewusst
   mit Anforderungen wie Ausgewogen-
   heit, Gesundheit und regionale Her-
   kunft zu kombinieren.

25
3 r a h m e n b e di n g u n g e n

– Schüler entwickeln pfiffige Ideen, um
  mit ihren Angeboten gleichzeitig für
  eine bessere Esskultur zu werben.
– Schüler gründen unter Mithilfe von
  Lehrern ein Schülercafé, ein Schüler-
  bistro, eine eigene Pausenverpflegung.
  Dabei erwerben sie wichtige Fähigkeiten
  in Bereichen wie Kalkulation, Abrech-
  nung, Catering, Präsentation, Hygiene,
  Umgang mit Kunden.
– Die Gestaltung der entsprechenden
  Räume sollten die Jugendlichen nach
  Möglichkeit selber vornehmen. Sie
  müssen sich mit „ihrem“ Café, Bistro,
  Restaurant identifizieren.
– Schülerfirmen können solche Einrich-
  tungen nicht nur mit Kompetenz-
  gewinn betreiben, sondern dürfen
  in gewissem Umfang Gewinn machen,
  da sie eine pädagogische Zielsetzung
  verfolgen.
– Ortsansässige Firmen oder der Eltern-
  verein können die Einrichtung des
  Schüler-Bistros sowohl materiell als
  auch finanziell unterstützen. Es sind
  Aktionen denkbar, die Geld einbringen
  (Kuchenbasar, Schüler kochen für
  Sponsoren).
– Es gibt Senioren, die ihr Fachwissen
  oder ihre freie Zeit gern in solche
  Anliegen einbringen.
                                                         26
3.3 Best ell- und Abre chnu ngss yste me
  Das Bestell- und Abrechnungssystem ist     Was ist für Essenanbieter wichtig?
  ein sehr wichtiger Baustein im Verpfle-    – Vereinfachung von Bestellung
  gungssystem. Für regionale Anbieter ist      und Abrechnung
  ein landkreisweit einheitliches Bestell­
                                             – einfaches, zeitsparendes Einpflegen
  system anstrebenswert. Aktuelle Erfah-
                                               der Angebote
  rungen belegen, dass einige der aktuell
  verwendeten Systeme recht personal-        – geringe Kosten des Systems
  und zeitaufwändig zu hand­haben sind,      – einfache Handhabung
  wodurch lästige Nacharbeiten anfallen.     – Beschwerdemanagement

  Grundsätzlich sollte ein solches System    Was ist für Eltern wichtig?

  – intuitiv zu erfassen sein                – hohe Transparenz
  – für alle Altersklassen anwendbar sein    – Kostenkontrolle
  – den unterschiedlichen Anforderungen      – von zu Hause aus bedienbar,
    verschiedener Nutzer gerecht werden        einfache Handhabung
                                             – ausführliche Informationen
  Was ist für Schüler wichtig?
  – einfache Bedienbarkeit
  – schnelles Auffinden der Informationen
  – Verfügbarkeit von Zusatzinformationen
  – optimale Darstellung der Inhalte
    für alle Altersklassen

 27
3 r a h m e n b e di n g u n g e n

                              ur er
3.4 st eu er mach t ess en te
  Die Entscheidung über die steuerliche        Es gibt für die Schulen nur eine Möglich-
  Behandlung der Essenausgabe liegt beim       keit, um ebenfalls 7% Mehrwertsteuer.
  Gesetzgeber auf Bundesebene. Er hat          zahlen zu müssen: Wird das Essen in die
  festgelegt, dass Schulessen, das vom         Schule geliefert und dort ehrenamtlich
  gleichen Anbieter zubereitet und an der      oder im Rahmen der Ganztagsbetreuung
  Schule ausgegeben wird, mit 19% besteu-      durch Mitarbeiter der Schule ausgegeben,
  ert wird. Die Fastfoodkette direkt neben     ist nur eine Mehrwertsteuer von 7% fällig.
  der Schule braucht, wie alle anderen         Das bedeutet aber einen hohen organisa-
  Straßenverkäufer auch, ihren Imbiss          torischen Aufwand für alle Beteiligten.
  jedoch nur mit 7% zu besteuern. Damit        Da diese gesetzliche Regelung schwer
  sind die Schulessenanbieter grundsätzlich    nachvollziehbar ist, wirken Vereine und
  im Nachteil, denn ihr Essen ist grundsätz-   Verbände auf eine Veränderung auf Bun-
  lich 12% teurer.                             desebene hin. Ziel ist eine Besteuerung
                                               des Schulessens unabhängig von den
                                               Ausgabebedingungen mit 7%.
                                               Und wenn Schulessen generell als päda-
                                               gogisches Ziel begriffen wird, muss künf-
                                               tig über eine Mehrwertsteuer von 0%
                                               diskutiert werden.
                                               Wer sich für eine Mehrwertsteuer von 7%
                                               auf Schulessen einsetzen möchte, kann
                                               sich auf unserer Internetseite www.schu-
                                               lessen.org unter Downloads eine Unter-
                                               schriftenliste des Deutschen Netzwerkes
                                               Schulverpflegung e.V. herunterladen. Die
                                               gesammelten Unterschriften sind an die
                                               LEADER-Aktionsgruppe Saale-Orla zu
                                               senden. Sie werden dort gesammelt und
                                               weitergeleitet.
                                                                                                        28
KAPITEL 4

Vom Speiseraum
  zum
 "Schulrestaurant“
            Manche Schule hat bereits ihren
            Wunschspeiseraum. An anderen Schu-
            len denken Eltern und ihre Kinder seit
            langem darüber nach, ihn zu verschö-
            nern und praktischer einzurichten. Eine
            umfassende und kluge Analyse ist der
            erste Schritt auf dem Weg zum „Schul-
            restaurant“.
Die Einrichtung eines „Schülerrestau-    4.1 Die Ess enau sg ab e
 rants“, das diesen Namen verdient,
 erscheint als unerreichbares Ideal.       Die zügige und auf die Bedürfnisse der
 Lohnt es, dieses Ideal Wirklichkeit       Gäste abgestimmte Verteilung des Mit-
 werden zu lassen? Aber natürlich!         tagessens stellt für jede Küche oder
 Wer möchte nicht ein Schul­restaurant     Ausgabestelle eine logistische Herausfor-
 aufsuchen, in dem man...                  derung dar. In der Schule gibt es eine
                                           große Zahl an Essenteilnehmern mit sehr
 – mit Mitschülern und Lehrern
                                           unterschiedlichen Bedürfnissen und
   entspannt und ohne Hast isst
                                           Tagesrhythmen.
 – ständig einen freundlichen Umgang
                                           Eine ganz wichtige Rolle spielt das Perso-
   mit dem Küchenpersonal pflegt
                                           nal. Während der Ausgabezeit ist es stark
 – sich auch selbst bedienen und
                                           gefordert, und jeder Handgriff muss
   ein Menü zusammenstellen kann
                                           sitzen. Küchenfrauen und Küchenmänner
 – selber bei der Planung und              sollen das Essen ansprechend herrichten,
   Gestaltung mitwirkt                     zügig ausgeben, Warmhaltezeiten beach-
 – ein einladendes Ambiente vorfindet      ten, Buffets auffüllen, hygienischen
 – nicht anstehen muss                     Standards genügen und Abrechnungs-
 – freie Blicke vorfindet                  modalitäten erledigen.
 – nach dem Essen bleibt und sich          Bei der Essenausgabe lassen sich
   ausruht, Zeit für Gespräche hat oder    im Wesentlichen vier Modelle
   einen Capuccino trinkt                  unterscheiden.
 – Rückzugsbereiche vorfindet, in denen      Ausgabetheke / „Essenluke“
   Hausaufgaben erledigt, gelesen oder       Cafeteria-Linie
   im Internet recherchiert wird
                                             Free-Flow-System
 Der Raum, in dem das Schulessen einge-
 nommen wird, benötigt ein Raum-Farb-        Tischgemeinschaft
 konzept und ein auf schulische Abläufe
 abgestimmtes Nutzungskonzept. Er kann
 multifunktional sein.

31
4 vo m SP e i s e r au m z u m „ SCh u l r e s tau r a n t “

Ausgabetheke / „Essenluke“                   Cafeteria-Linie
Die Ausgabetheke ist in vielen Schulen       Im Unterschied zum Thekensystem haben
üblich und im Detail sehr unterschiedlich    die Teilnehmer eine längere Theke vor sich.
gestaltet. In manchen Schulen erscheint      Getränke oder Desserts können selbst
sie – leider – eher als „Loch mit Mauer“     gewählt und auf ein Tablett gestellt wer-
an der Stirnseite des Speiseraums, mit       den. Die Hauptmahlzeit wird ausgereicht.
Fliesen beklebt, die das Abwischen
                                             Merkmale
erleichtern. In anderen Schulen ist dieser
zentrale Teil des Speiseraums schön          – Essenteilnehmer haben größere
gestaltet und die Theke geräumig, sind         Wahlmöglichkeiten
Geschirrrückgabe und Essenausgabe            – es kommt schnell zur Schlangenbildung
gut getrennt.                                – man benötigt mehr Personal
Das vorbestellte Essen wird auf den            für die Ausgabe
Tellern portioniert und an die Essen-        – man benötigt ein Kassiersystem
teilnehmer ausgehändigt. In der Regel
                                             Free-Flow-System
werden Dessert, Salat und Getränk mit
ausgehändigt.                                Beim “freien-Fluss-System” besteht große
                                             Bewegungsfreiheit. Es gibt keine Linie,
Merkmale                                     sondern mehrere Ausgabestellen (Buffets,
– spart Platz                                Theken) für Hauptgerichte, Salate und
– spart Personal                             Desserts. Die Essenteilnehmer treffen an
– es können wenig Teilnehmer                 allen Stellen ihre eigene Wahl.
  zeitgleich versorgt werden                 Merkmale
– es kommt zur Schlangenbildung              – Essenteilnehmer haben umfangreiche
                                               Wahlmöglichkeiten
                                             – Vorlieben, Gewohnheiten, Unverträg-
                                               lichkeiten können berücksichtigt werden
                                             – Portionsgröße wird selbst bestimmt
                                             – es entsteht weniger Abfall
                                             – zügige Abfertigung möglich
                                             – man benötigt viel Platz
                                                                                                          32
Tischgemeinschaft                    Wie erzielt man Verbesserungen des
 Bei der Tischgemeinschaft werden         bestehenden Ausgabesystems?
 Schüsseln, Platten, Saucieren und        – Grundlegende bauliche Änderungen
 Kannen an der Essenausgabe gefüllt,        sind selten auf die Schnelle zu bewerk-
 auf die Tische gestellt oder durch die     stelligen. Gemeinsam mit dem Schulträ-
 Essenteilnehmer dorthin gebracht. Am       ger, dem Schulförderverein und dem
 Tisch bedienen sich die Essenteilneh-      Essenanbieter kann man eine Analyse
 mer selbständig. Diese Art der Vertei-     vornehmen.
 lung fördert das Gemeinschaftsgefühl.    – Kombinationen der vier beschriebenen
 Merkmale                                   Ausgabesysteme sind überlegenswert.

 – Portionsgrößen werden                  – Die Realisierung von Veränderungen
   individuell bestimmt                     liegt bei der Schulkonferenz, dem
                                            Schulträger und dem Schulförderverein.
 – weniger Abfälle
 – stiftet Gemeinschaft
 – spart Personal
 – erfordert klare Regeln für das
   Verteilen der Schüsseln sowie
   das Verhalten am Tisch
 – hat besondere Anforderungen
   an das Bestell- und Abrech-
   nungssystem

33
4 vo m SP e i s e r au m z u m „ SCh u l r e s tau r a n t “

Was kann man mit wenig Geld, kluger    – Abstellplätze für benutztes Geschirr
Überlegung und gemeinsamer Tatkraft      im Ausgangsbereich anlegen, dass
angehen?                                 sie den Appetit für Neuankömmlinge
– hässliche Fliesen entfernen, statt     nicht verderben
  dessen Putz und Farben anbringen     – Angebot gegebenenfalls verbreitern,
– Wände künstlerisch gestalten           Wahlmöglichkeiten schaffen, Themen-
                                         wochen anbieten (z. B. regional,
– Ausgabetheken vergrößern
                                         italienisch, asiatisch, vegetarisch)
– Abläufe und Wege im Speiseraum
                                       – ein Salatbuffet oder eine Obstbar
  kreuzungsfrei gestalten
                                         einrichten, die Auswahlmöglich-
                                         keiten schaffen und individuellen
                                         Bedürfnissen Rechnung tragen
                                       – Freundlichkeit im täglichen Umgang
                                         praktizieren: nette Begrüßungen,
                                         Nachfragen, freundliche Worte und
                                         Gesten heben die Stimmung auf
                                         beiden Seiten, sorgen für Wohlbefin-
                                         den und fördern den Appetit
                                       – „Speiseraum-Scouts“ oder „Mensa-
                                         Scouts“ können als stille Beobachter
                                         helfen, auf Sauberkeit und Ordnung
                                         zu achten und im Bedarfsfall Hand
                                         anlegen

                                                                                                    34
4.2 Einrichtung
         des Speiseraums
 Von der Art der Einrichtung des Speise-
 raums hängt das Wohlfühlen entschei-
 dend ab. Ist die Art der Essenausgabe
 geklärt, sind Fragen der Einrichtung zu
 bedenken.
 Nachgedacht & angepackt:

 – Wie kann der vorhandene Platz
   noch besser genutzt werden?
 – Ist die Möbelanordnung sinnvoll
   und durchdacht?
 – Welche Altersklassen nehmen               – Gibt es ansprechende Wechsel aus
   täglich am Essen teil?                      kleinen und großen Tischgruppen?
 – Wie müssen Raum und Möbel                 – Können Schultaschen, Kleidung und
   dementsprechend gestaltet sein?             Gepäck so abgelegt werden, dass sie
 – Sind die Möbel altersgerecht,               beim Essen nicht stören? Lässt sich ein
   pflegeleicht und ergonomisch                Vorraum als Garderobe einrichten?
   angepasst?                                – Welche Funktionen hat der Raum über
 – Welche Gegebenheiten verursachen            die Esseneinnahme hinaus noch zu
   Unruhe?                                     erfüllen? Ist die Einrichtung entspre-
                                               chend variabel?
 – Lassen sich Rückzugsmöglichkeiten
   oder beruhigte Bereiche schaffen, die     – Gibt es neben den Schülern noch
   den unterschiedlichen Bedürfnissen          andere Nutzergruppen im Speiseraum?
   Rechnung tragen? (Ältere Schüler sitzen   – Lassen sich aktuelle Schülerarbeiten
   ungern neben jüngeren Schülern;             zum Thema Essen/Schulessen im Spei-
   Lehrer wünschen ruhige Bereiche.)           seraum ansprechend installieren?

35
4 vo m SP e i s e r au m z u m „ SCh u l r e s tau r a n t “

4.3 La ut st är ke im Sp eis era um
 Lärm wirkt in der Regel als Stressfaktor.   Nachgedacht & angepackt:
 In schlimmen Fällen macht er krank. So      – Wie lassen sich Abläufe an der Essen-
 schlimm ist es beim Schulessen selten,        ausgabe durch eine andere Staffelung
 aber der häufig hohe Geräuschpegel und        der Essenzeiten oder einen Wechsel des
 eine gewisse Unruhe wirken als Appetit-       Ausgabesystems optimieren?
 bremse und verhindern Erholung. Beson-
 ders Lehrer, deren Teilnahme am tägli-      – Wie können schulische Abläufe im
 chen Schulessen von Vorteil ist, führen       Hinblick auf längere (Mittags-)Pausen-
 den dort herrschenden Lärm häufig             zeiten, mehr Entspannung und weniger
 als Grund für ihre Nichtteilnahme an.         Unruhe verändert werden?
 Wer Entspannung im Speiseraum ernst         – Auf welche Weise lassen sich lärminten-
 meint, muss dort Zeit und Ruhe einzie-        sive Bereiche wie die Geschirrrückgabe
 hen lassen.                                   sinnvoll vom Speiseraum trennen?
                                             – Welche Möglichkeiten bieten Fußboden,
                                               Wände und Decke, um die Geräusch-
                                               pegel zu reduzieren?
                                             – Können Trennwände eingezogen
                                               werden?
                                             – Wie sehen „leise“ Möbel aus? Kann man
                                               vorhandenes Mobiliar „leiser machen“?
                                             – Können Pflanzen aufgestellt werden,
                                               die Geräusche dämpfen? Wer pflegt sie?
                                             – Können Schüler selber Regeln für eine
                                               Beruhigung im Speiseraum entwickeln?
                                               Lässt sich eine „Lärmampel“ aufstellen?

                                                                                                          36
um
4.4 Licht un d Ge ru ch im Sp eis era
   Wenn das Essen duftet, schmeckt es noch      – Wie kann man den Lichteinfall ver-
   einmal so gut. Sieht man deutlich, was         bessern? Machen zum Beispiel dicke
   auf dem Teller liegt oder am Buffet prä-       Gardinen den Raum dunkler?
   sentiert wird, steigt der Appetit. Unange-
                                                – Wie kann man Speiseräume, die im
   nehme Gerüche wie die von verbrannten
                                                  Keller liegen, so beleuchten, dass auch
   Speisen, angebrannter Milch oder abge-
                                                  sie Wohlfühlatmosphäre verbreiten?
   standenem Essen wirken abstoßend.
                                                – Was gibt es vor den Fenstern zu sehen?
   Nachgedacht & angepackt:
                                                  Kann man ins Grüne schauen?
   – Über welche Lichtquellen verfügt der
                                                – Welche noch nicht genutzten Belüf-
     Raum? Fällt viel Tageslicht ein oder
                                                tungsmöglichkeiten gibt es?
     benötigt man zusätzlich künstliche
     Beleuchtung?                               – Wie müßte man Küche und Speise­-
                                                  raum anlegen, damit keine Geruchs-
   – Verfügen die Beleuchtungskörper über
                                                  belästigungen entstehen?
     eine der Raumnutzung entsprechende
     Lichtfarbe (z. B. warmweiß, neutralweiß,
     tageslichtweiß)?

 37
4 vo m SP e i s e r au m z u m „ SCh u l r e s tau r a n t “

4.5 Pe rso na l
Wenn die Gäste noch am Tisch sitzen         Worauf ist im Hinblick auf Küchenpersonal
und löffeln, am Nebentisch aber bereits     und Servicekräfte im Speiseraum zu achten?
die Stühle hochgestellt werden und der      – Sind Küchenpersonal und Service-
Scheuerlappen unterm Tisch seine Bahn         kräfte sauber gekleidet?
zieht, wird es ungemütlich. Diese Arbei-
ten signalisieren: Raus aus dem Speise-     – Begegnet das Küchenpersonal
raum! Kommt so etwas öfter vor, verge-        den Schülern freundlich, offen
hen schlagartig Appetit und Lust auf          und serviceorientiert?
Essen.                                      – Ist das Personal gut organisiert
Hat derjenige, der das Essen ausgibt,         und beherrscht es die Abläufe?
häufig schlechte Laune und zeigt das        – Ist das Küchenpersonal kompetent und
obendrein, herrscht unangenehme               qualifiziert? Werden Gerichte oder Kom-
Spannung im Raum. In solcher Atmo-            ponenten richtig gegart oder sind sie zu
sphäre kann auch das beste Essen nicht        kalt oder zu heiß? Werden Tem­peraturen
mehr schmecken.                               regelmäßig gemessen und protokolliert?
Guter Service im Schulessen erfordert       – Wird bei der regelmäßigen Einschätzung
fähige und geschulte Mitarbeiter, die mit     der Essenanbieter deren Personal an der
ihren Kunden – in erster Linie den Schü-      Essenausgabe bewertet?
lern – zu kommunizieren verstehen und       – Wie wird der Service im Speiseraum
auf sie eingehen können. Erfreut sich         durch Schüler und Lehrer eingeschätzt?
das Küchenpersonal durch gute Arbeit
und freundlichen Umgang großer Be-          – Wie ist der Umgang mit Beschwerden
liebtheit, wächst die Lust auf Schulessen     und Konflikten?
erkennbar.                                  – Welche Mitarbeiter sind besonders
                                              beliebt. Warum?
                                            – Gibt es bei Lehrern und Schülern
                                              möglicherweise Hemmungen, bestimmte
                                              Missstände anzusprechen, obwohl sie
                                              allgemein bekannt sind?

                                                                                                         38
KAPITEL 5

S ch u le s s e n         t
     i m U n t e r r i ch
              Schulessen soll so interessant und
              vielfältig sein, dass es jeden Tag in
              irgendeiner Form 5 Minuten im Unter-
              richt behandelt wird. Oder in der Pause.
              Oder an Projekttagen und Projektwo-
              chen. Wenn Schulessen ständig auf
              kleiner Flamme köchelt, gewinnt Esskul-
              tur einen anderen, höheren Stellenwert.
Ernährung ist ein elementares mensch­        – Was verboten wird, erscheint reizvoll.
 liches Grundbedürfnis. Jeder Mensch isst       In einer offenen Gesellschaft wie unse-
 gern. Diese Lust können sich Eltern und        rer gibt es Dutzende Möglichkeiten,
 Schule zunutze machen, um Bildung für          Verbote zu unterlaufen. Verbote erzeu-
 Ernährung vielfältig, bunt und appetitlich     gen oft gegenteilige Vorlieben!
 zu servieren.                                – Gesundheitsmotive sind für junge
 Ernährungsbildung – Anspruch und               Menschen nicht überschaubar und
 Wirklichkeit                                   meist bedeutungslos. (Kausalketten
                                                wie: „Wenn du viel Süßes isst, wirst du
 Es fehlt weder an guten Absichten, an          zuckerkrank“ sind nicht unmittelbar zu
 Förderprogrammen noch an abrufbarem            erfahren. Krank machende Folgen
 Wissen, wie man sich gesund und ausge-         treten erst 10 oder 20 Jahre später ein.
 wogen ernähren soll. Dennoch scheinen          Außerdem: „Der Opa hat geraucht und
 viele Bildungsmaßnahmen ins Leere zu           ist 92 Jahre alt geworden!“)
 laufen.
                                              – Die wichtigsten Vorbilder – Eltern und
 Warum bewirkt Ernährungserziehung, die         Lehrer – verhalten sich anders, als sie es
 auf Wissensvermittlung setzt, oft wenig?       gegenüber ihren Kindern formulieren.
 – Kinder und Jugendliche verbinden             Wenn Eltern selten oder nie kochen,
   mit dem Wort „gesund“ insbesondere           wenn Lehrer im Speiseraum nicht
   Lebensmittel, die ihnen selten               mitessen, dann werden genau diese
   schmecken.                                   Handlungen kopiert.

 – „Gesunde“ Lebensmittel werden von          – Berühmte Musiker, Sportler oder
   den Eltern/Erwachsenen verordnet.            Fernsehstars üben heute großen
                                                ­Einfluss aus. Handlungen erfolg-
 – Der Begriff „regionale Herkunft“ spielt      reicher, mächtiger Menschen werden
   für das Ernährungsverhalten von Kin-         nachgeahmt.
   dern und Jugendlichen keine Rolle.

41
5 s c h u l e s s e n i m U n t e r r i c ht

Will man im Schulalltag und im Eltern-        Kochmuffel, spätestens ab der Mittelstu-
haus Gewohnheiten ändern, sind andere         fe und Oberstufe kochen sie aber.
Methoden als die der reinen Wissensver-       Vor allem kochen sie dann gern mit
mittlung anzuwenden. Es gibt genügend         Mädchen zusammen. Beim Kochen kann
gute Beispiele, wie man das gewünschte        man auch flirten. Mädchen wirken in
Ziel erreicht und auf diesem Weg oben-        solchen Gruppen oft als Vorbilder, da
drein Freude empfindet.                       sie vergleichsweise häufiger zu Gemüse
                                              und Obst greifen.
Welche Methoden sind geeignet, um            – Nicht mit der Vokabel „gesund“ arbeiten,
Gewohnheiten zu ändern?                        dafür mit Begriffen wie „knusprig“,
– Selber kochen! Regelmäßig für sich,          „lecker“, „oberlecker“, „cool“, „würzig“.
  Mitschüler, Eltern oder andere Men-        – Beteiligung anstreben: Im Schulalltag
  schen kochen! Das motiviert, macht           kann Verantwortung rund um die tägliche
  Freude bedeutet Gemeinschaft und             Verpflegung in unterschiedlicher Art an
  Anerkennung.                                 Schüler übertragen werden. Wer Verant-
– Probieren, ausprobieren lassen,              wortung übernimmt, handelt bewusster.
  Geschmack vergleichen, abschmecken,
  sich darüber austauschen: Kinder sind
  experimentierfreudig. Was sie bei „Koch-
  Experimenten“ selber probieren dürfen
  und für sich entdecken, werden sie bei
  Gelegenheit mit Freude wiederholen.
– Raum für Spaß beim Kochen lassen,
  denn Kinder suchen Spaß.
– Etabliertes Rollenverhalten aufweichen:
  Jungen spielen Fußball und sitzen am
  Computer, Mädchen kochen und ba-
  cken. Zwar sind Jungen generell eher

                                                                                                           42
5.1 Mög lichke iten der Einbi ndun g in den Unte rrich t
      Die Beschäftigung mit dem Thema              Biologie: Wie unterscheiden sich konven-
      Schul­essen kann den Unterricht in sehr      tionelle und biologische Landwirtschaft?
      unterschiedlicher Art bereichern. Lehrer     Was bewirken Pflanzenschutzmittel? Wie
      verfügen über viele Freiheiten, um der­      lange muss man rennen, um die Energie
      artige Themen interessant und regel-         einer Thüringer Rostbratwurst umzuset-
      mäßig aufzubereiten. Ebenso ist es den       zen? Lebensmittelhygiene!
      Eltern unbenommen, interessante An-          Chemie: Lebensmitteluntersuchungen
      satzpunkte zu suchen und zu empfehlen.       vermitteln praxisrelevantes Wissen. Wel-
      Sowohl fachspezifisch als auch fächerüber-   che Inhaltsstoffe enthalten Lebens­mittel?
      greifend finden sich viele Brückenschläge    Wie steht es um die Anteile von Zucker,
      zum Essen. Dazu einige Anregungen:           Fett, Eiweiß, Säure oder ­Alkohol und was
      Heimat- und Sachkunde, Schulgarten:          bedeutet das?
      Was wächst vor dem Schultor? Wer pro-
      duziert welches Lebensmittel?
      Schulgarten: die Zubereitung und das
      Essen der selber angebauten Kulturen
      macht Freude; man kann damit sich
      selber oder Gäste bewirten. Manche
      Pflanzen nimmt man zum Würzen, mit
      anderen lassen sich Räume wunderbar
      dekorieren.
      Betriebsbesichtigungen und Exkursionen
      in landwirtschaftliche Unternehmen, in
      die Küche, die für die Schule kocht
      Fremdsprachenunterricht: Urlaubsreisen
      ins Ausland können ein Anlass sein, sich
      näher mit Essen und Esskultur zu befas-
      sen, im eigenen wie im anderen Land

 43
5 s c h u l e s s e n i m U n t e r r i c ht

Kunsterziehung: Gestaltung und Aus-   Mathematik: Ist der tägliche Verbrauch
gestaltung des Speiseraums, wechs-    an Kartoffeln, Fisch, Fleisch usw. in der
elnde Ausstellungen im Speiseraum     Schulküche schon ausgerechnet worden?
                                      Wie viele Schüler nehmen prozentual an
                                      der Schulspeisung teil? Wie viele Kilome-
                                      ter fährt ein Joghurt bis zum Schüler?
                                      Informatik/Sozialkunde: Schüler können
                                      Formulare für Online-Befragungen zum
                                      Thema „Zufriedenheit mit dem Schu-
                                      lessen“ entwickeln und die Auswertung
                                      übernehmen.
                                      Internetseiten/Blogs: Themen rund um
                                      das Essen vorstellen und diskutieren
                                      Sozialkunde: Schüler erkunden ihre
                                      eigenen Essgewohnheiten, analysieren
                                      sie und stellen die Ergebnisse dar. Was
                                      ist Nachhaltigkeit? Was bedeutet hoher
                                      Fleischkonsum für eine Gesellschaft?
                                      Worum geht es in der Diskussion „Tank
                                      gegen Teller“?
                                      Wirtschaft und Recht: Markthandeln,
                                      Marktbeziehungen, Wertschöpfung, Ge-
                                      rechtigkeit, unterschiedliche Interessen-
                                      lagen erkennen, internationaler Handel,
                                      regionale Kreisläufe, Geschäftsplan für
                                      ein Schüler-Bistro
                                      Mensch-Natur-Technik: Welche Rolle
                                      spielen regionale Wirtschaftskreisläufe

                                                                                                    44
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