Boris Papandopulo Works for Piano & Strings - Triendl Coeytaux Szigeti Ionit,a - Chandos Records

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Boris Papandopulo Works for Piano & Strings - Triendl Coeytaux Szigeti Ionit,a - Chandos Records
Boris Papandopulo
Works for Piano & Strings
 Triendl · Coeytaux · Szigeti · Ionit, ă
Boris Papandopulo Works for Piano & Strings - Triendl Coeytaux Szigeti Ionit,a - Chandos Records
Boris Papandopulo 1906–1991
          Works for Piano & Strings

        Concertino in modo antico op. 56                                   15' 43
        for two Violins, Violoncello & Piano
1    		 Overture                                                            5' 50
2    		 Aria                                                                6'12
3    		 Tarantella                                                          3'41

          Fantasy for Violin & Piano                                       18' 35
4    		   Allegro appassionato                                              6'49
5    		   Andante tranquillo                                                7' 50
6    		   Tempo libero, quasi cadenza – Allegro con fuoco                   3' 56
                                                                                    All rights of the producer and of the owner of the work reserved.
        Lyrical Trio for Violin, Violoncello & Piano                       16' 22
                                                                                    Unauthorized copying, hiring, renting, public performance and broad­
7    		 Overture                                                            5'47
                                                                                    casting of this record prohibited.
8    		 Elegy                                                               6' 34
9    		 Danse                                                               4' 01
                                                                                    cpo 555   106–2
                                                                                    Co-Production: cpo/Deutschlandfunk
          Rapsodia Concertante for Violoncello & Piano                     13' 35
                                                                                    Recording: Kammermusiksaal Deutschlandfunk Köln, February 1–4, 2016
10 		     Introduzione. Tempo libero, quasi improvisato                     5' 02
11
                                                                                    Recording Producer, Digital Editing, Balance Engineer: Musikproduktion
          Arioso. Andante sostenuto                                         4' 07
12
                                                                                    Stephan Reh, Mettmann; www.musikproduktion-reh.de
          Danza. Allegro non troppo                                         4' 26
                                                                                    Recording Engineer: Christoph Rieseberg (Deutschlandfunk)
                                                                                    Producers: Burkhard Schmilgun/Christoph Schmitz
          Three Musical Movements for Orlando for Piano Trio               13' 20
                                                                                    Publishers or owner of the material: Croatian Music Information ­
13 		     Allegro moderato                                                  5'12
14
                                                                                    Centre, ­Vatroslav Lisinski Concert Hall; Croatian Association of Orchestral
          Andante tranquillo                                                5' 50
15
                                                                                    & ­Chamber Musicians
          Allegro vivace                                                    2'18
                                                                                    Cover Painting: Ljubo Babić: »Pred oluju« (Before the Tempest), 1930,
                                                                                    © Property of the National Museum of Modern Art, Zagreb, Croatia
                                                               Total time: 77' 40
                                                                                    ­(Nacionalni muzej moderne umjetnosti, Zagreb)
                                                                                     Photo: Goran Vranić; Design: Lothar Bruweleit
          Oliver Triendl Piano
                                                                                     cpo, Lübecker Straße 9, D–49124 Georgsmarienhütte
          Amaury Coeytaux Violin
                                                                                     ℗ 2021 – Made in Germany
          Vanessa Szigeti Violin (2nd violin: Concertino in modo antico)
          Andrei Ioniţă Violoncello
Boris Papandopulo
Boris Papandopulo                                           Rolle in der intellektuellen und musikalischen Entfaltung    in Split (1968 bis 1974) fort. Als ständiger Gast dirigier­
                                                            des angehenden Komponisten. Seinen ersten großen             te er auch im Zagreber Komödientheater und leitete das
Boris Papandopulo, zweifellos einer der bedeutendsten       Erfolg erlebte Boris Papandopulo als Komponist anläß­        Symphonieorchester in Kairo. Papandopulo war eben­
kroatischen und südslawischen Musiker und Komponis­         lich einer Aufführung seiner Kantate Slavoslovije [= Lau-    falls als Musikschriftsteller und Publizist, Musikkritiker,
ten des 20. Jahrhunderts, war ein Sohn des aus Staw­        damus] für Soli, Chor und Orchester im Wiener Musik­         Pianist und Korrepetitor tätig.
ropol gebürtigen russischen-griechischen Aristokraten       verein (1928), die die damalige Kritik mit jubelndem Bei­         Papandopulos musikalisches Œuvre ist imposant:
Konstantin Papandopulo und der berühmten kroati­            fall würdigte. Der damals junge (professionelle Dirigent)    in seinem mehr als 450 Kompositionen umfassenden
schen Opernsängerin Maja Strozzi, die von Thomas            Papandopulo verstand dies als Ansporn zum Schaffen           Werkverzeichnis befinden sich instrumentale Werke
Mann in seinem Doktor Faustus mit Bewunderung als           neuer Werke. Nach der Rückkehr vom zweijährigen              (Orchesterkompositionen, konzertante Werke, Solo­
»heute vielleicht die schönste Sopranstimme beider          Studienaufenthalt in Wien beendet Papandopulo sein           stücke, Kammermusik) und vokal-instrumentale Werke
Hemisphären« (Die Entstehung des Doktor Faustus,            Studium in Zagreb und leitet seine langjährige Tätig­        (Solostücke und Chorwerke), Bühnenmusik und Film­
Fischer Verlag, 1974, S. 534) erwähnt wird. Er wurde am     keit als Chorleiter und Dirigent mehrerer Ensembles ein.     musik. In all diesen Gattungen und Genres hinterließ er
25. Februar 1906 in Bad Honnef am Rhein geboren, kam        1928 bis 1934 und 1938 bis 1946 Dirigent des Kroatischen     eine ganze Reihe musikalisch überaus wertvoller Kom­
aber 4 Jahre nach dem Tod seines Vaters (1908) bereits      Gesangsvereins »Kolo«, von 1931 bis 1934 Dirigent des        positionen.
nach Zagreb in die Geburtstadt seiner Mutter. So wuchs      Vereinsorchesters des Kroatischen Musikvereins sowie              Kennzeichnend für Papandopulos Frühwerk ist
er in einer Familie auf, die immer schon mit Musik und      Chorleiter des Lehrergesangsvereins »Ivan Filipović«,        das Zurückgreifen auf die Merkmale des sogenannten
Theater eng verbunden war (seine Großmutter Marija          dessen Gründer er 1933 war. Von 1935 bis 1938 unter­         »Nationalstils«, programmatisch angelehnt an uraltes
Ružička-Strozzi war als namhafte Tragödin eine Kult­        richtet er an der Staatlichen Musikschule in Split; außer­   (heidnisches) Brauchtum, Aufgreifen von Mustern aus
figur des kroatischen Theaters); sein Onkel Tito Stroz­     dem wirkt er als Dirigent des »Musikalischen Vereins         der Folkloremusik (direkte Zitate, aber auch die Folklore­
zi war einer der bedeutendsten kroatischen Regisseu­        »Zvonimir«. In der Zeit von 1940 bis 1945 ist er Dirigent    musik selbst als ungeschliffener Baustoff mit modalen
re und Schauspieler seiner Zeit; im Salon seiner Mut­       bei der Zagreber Oper (1943 bis 1945 Operndirektor);         Tonleiter- und Harmoniestrukturen archaischen Bei­
ter versammelte sich die intellektuelle und künstlerische   gleichzeit dirigiert er das Orchester des Zagreber Rund­     klangs, mit homophonen Formalblöcken, mit reihenar­
Elite des damaligen Zagreb). Schon sehr früh wendet         funks (1942 bis 1945).                                       tig repetitiven melodisch-rhythmischen Z   ­ ellen) – eines
er sich der Musik zu; zuerst nimmt er privaten Klavier­          Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Papando­                Eigenstils, der unter dem Einfluß Strawinskys und
unterricht und studiert dann Dirigieren und Komposi­        pulo im neugeschaffenen Staat Jugoslawien wegen              Janáčeks erarbeitet wurde. Parallel dazu sind auch
tion an der Musikakademie in Zagreb. (1929 Diplom           der angeblichen »Kollaboration mit den Besatzungs­           »kosmopolitische« Einflüsse feststellbar – nach sei­
in Komposition bei Blagoje Bersa, einem bedeutenden         mächten« vorläufig aus dem musikalischen Leben aus­          nen eigenen Worten jene der russischen »Fünf«, aber
kroatischen Komponisten, der ebenfalls einer der ersten     geschlossen (eine kurze, bizzare Strafe absolviert           auch der französischen »Groupe de Six«; hinzu kommt
kroatischen Musikpädagogen europäischer Provenienz          er als Fahrer eines alten Fordson-LKWs der UNRA              die Anwendung kompositionstechnischer Verfahren
in Kroatien war). Da Igor Strawinski mit Maja Stroz­        (= ­
                                                               Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Ver­             (und Elemente) des Neoklassizismus und des Neo­
zi (später verheiratete Pečić) befreundet war (sie lern­    einten Nationen) durch ganz Kroatien, wird aber nach         barock – polyphone Fakturen, barocke Motorik und
ten sich 1919 in der Schweiz kennen), förderte er den       kurzer Zeit zum Operndirektor in Rijeka (1946 bis 1948       rhythmische Lebhaftigkeit mit »Berührungen« von Ele­
jungen Papandopulo und ermöglichte ihm mittels eines        und 1953 bis 1959) ernannt. 1948 kommt er nach Sara­         menten des impressionistischen und expressionistischen
Empfehlungsschreibens das Studium bei dem damals            jevo, wo er bis 1953 als Operndirektor und Hochschul­        Idioms. Nebst virtuoser, spieltechnisch anspruchsvoller
bekannten niederländischen Professor und Dirigen­           professor tätig war. Danach setzt er wieder seine Lauf­      Behandlung der Instrumente lassen sich der Optimismus
ten Dirck Fock in Wien und spielte auch eine wichtige       bahn als Operndirigent in Zagreb (1959 bis 1968) und         und die Heiterkeit feststellen, von denen diese Musik
nahezu nahtlos durchdrungen wird. Profunde Kenner                Mit der Zeit wird die Musik Papandopulos zu­neh­       usw.). Nach 1950 schöpft er seine Inspiration kurioser­
seiner Werke aus der früheren (jugendlichen) Schaffens­      mend dissonanter, harmonisch und melodisch herber.         weise aus anscheinend diametral entgegengesetzten
periode heben als die gelungensten Kompositionen die         Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts inte­   Weltanschauungen: religiös anmutende Kompositio­
bereits erwähnte Kantate Laudamus, die Sinfonietta für       griert er in sein kompositionstechnisches Arsenal Ele­     nen mit spezifischen Elementen der kroatisch-katholi­
Streichorchester (verlegt bei Breitkopf und Härtel), Zlato   mente der Zwölftontechnik, des Jazz (intensiver gegen      schen Liturgie, die auf glagolitischen Gesängen basiert
(= Gold), Balettpantomime mit Gesang und Orchester,          Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre;         (Osorski rekvijem [= Requiem von Osor], Poljička pučka
das brillante und bravouröse Concerto da camera für          Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, Mosaik für        misa [= Volksmesse von Poljice], die Kantate Jubila-
Sopran, Violine, Klavier und sieben Bläser (Universal        klassisches Streichquartett und Jazzquartett, Capric-      te, eine Reihe kleinerer Sakralwerke) entstehen gleich­
Edition, Wien) und die wohl bedeutendsten kroatischen        cio für Solo-Violine und Jazzquartett, Ein Orchester-      zeitig mit monumentalen Werken des sozialistischen
Sakralwerke gegen Ende dieser Schaffensperiode –             mosaik usw.), später auch der Popmusik und anderer         Realismus (inspiriert durch Ideologie und Poetik des
Oratorium für Soli und gemischten Chor a cappella,           kompositionstechnischer Trends der zeitgenössischen        Volksbefreiungskampfes und der Nachkriegsrevolution)
Die Passion unseres Herrn Jesu Christi sowie Kroatische      musikalischen Avantgarde, wenngleich er im Hinblick        wie beispielsweise die musikalisch-poetische Kompo­
Messe für Soli und gemischten Chor a cappella hervor.        auf manche dieser Strömungen kritische Distanz bei­        sition Pasija po srcu [= Die Herzenspassion], die poe­
    In seiner »reifen« Schaffensperiode behält Papan­        behält und zuweilen dazu neigt, sie zu ironisieren oder    tisch-musikalische Vision Credo, 1943, (ein Liederzyklus
dopulo Elemente des Folkloreidioms bei, läßt jedoch          sogar zu parodieren.                                       nach Versen des kroatischen Dichters I. G. Kovačić),
musikalische Errungenschaften der europäischen                   Die Entstehung der Kompositionen aus den sechzi­       aber auch Kompositionen, die von der kroatischen Zeit­
Moderne keineswegs außer Acht; so übernimmt er               ger und siebziger Jahren hängt mit Gastauftritten Papan­   geschichte inspiriert sind (die Kantaten Libertas, Poh-
gelegentlich Kompositionsmuster und manche typi­             dopulos im damals geteilten Deutschland zusammen,          vala Dubrovniku [= Lob an Dubrovnik], Non bene pro
schen Charakteristiken der vom sozialistischen Realis­       wo er sowohl in der Bundesrepublik als auch in der ehe­    toto libertas venditur auro, Mila Gojslavića, Triptychon
mus geprägten Musik, »ohne sich dabei von traditio­          maligen DDR oft Gelegenheit hatte, außergewöhnlichen       für gemischten Chor und großes Symphonieorchester
nellen Formanten musikalischer Zellen, von der üblichen      künstlerischen Persönlichkeiten zu begegnen und das        Istarske freske [= Die Fresken aus Istrien] usw.).
motivisch-fakturellen Entfaltung oder von den fest­          europäische Musikleben kennenzulernen. Besonders zu             Intensiv und schwungvoll komponierte Papando­
gefahrenen Bewegungsgesetzen der Melodik loszu­              erwähnen sind in diesem Zusammenhang die Ensemb­           pulo 65 Jahre lang, sozusagen bis zu seinem Todes­
trennen« (D. Detoni). Diese Periode, durch die die zeit­     les Camerata musica Berlin, das Rostocker Nonett, der      tag. In allen Werken bewährt er sich immer wieder als
liche Achse des endenden Zweiten Weltkriegs (1945)           in Gelsenkirchen tätige Dirigent Ljubomir Romansky, der    Meister in seinem Metier – ein geistreicher Musiker mit
verläuft, dauert ungefähr bis 1956 an. In dieser Zeit ent­   Schriftsteller Kurt Barthel oder der Maler Paul Struck.    schier unerschöpflicher und stets frischer Inspiration, ein
stehen mehrere sehr gelungene Kompositionen, die                 Ideologische und ästhetische Anschauungen              tadelloser Kenner kompositionstechnischer Verfahren,
durch die aktuelle Zeitgeschichte gekennzeichnet sind:       haben Papandopulo niemals daran gehindert, außer­          musikalischer Gattungen und nicht zuletzt auch spiel­
Gründung eines neuen Staatsgebildes, der Föderativen         musikalische Sujets für seine eigenen Werke aus­           technischer Möglichkeiten der Instrumente und der
Volksrepublik Jugoslawien und das Geschehen rund um          findig zu machen. Überall konnte er immer wieder uni­      Vokaltechnik.
den sogenannten Volksbefreiungskampf (Symphonie              verselle Ideen und zutiefst menschliche Werte ent­              Ungeachtet der Entstehungszeit und der stil­
Nr. 2, Das Neretva-Poem, Stojanka majka Knežopol-            decken. Bereits am Anfang seines Schaffens stößt er auf    bezogenen Ausdruckskraft verschafft sich die Musik
jka, ein musikalisches Poem für Sopran, Chor und             außermusikalische Anregungen in Themen, die mit älte­      Papandopulos sehr leicht und überaus spontan einen
großes Orchester, Obnova [= Wiederaufbau], sym­              ren Schichten der Folkloretradition verbunden sind: »In    unmittelbaren Weg sowohl zum Publikum als auch
phonisches Bild für großes Orchester usw.).                  Legenden, Riten und Mythen« (Svatovske [= Hochzeitlie­     zu ihren Interpreten, von denen sie nach wie vor gern
                                                             der], Dodolice, Zlato, Utva Zlatokrila [= Goldflügelfee]   gespielt wird.
Neben einer Vielzahl von Konzerten und solistischen     unmöglich. Der zeitgenössische kroatische Kompo­                 Ein ungewöhnliches Schicksal war Boris Papando­
Werken für verschiedene Besetzungen hinterließ Papan­        nist Dubravko Detoni versuchte dies jedoch folgender­        pulos Concertino in modo antico für zwei Violi­
dopulo einen bedeutungsvollen Beitrag zur Ballett- und       maßen zu formulieren: »Sollte diesbezüglich doch             nen, Violoncello und Klavier op. 56 beschieden. Da der
Opernproduktion seiner Zeit: seine sechs Opern (Amfi-        eine Definition ausgesprochen werden, müßte man die          Komponist seine Autographen gern den Künstlern über­
trion, Rona, Sunčanica, Madame Buffault, Kentervilski        Zusammenfassung des von Papandopulo geschaffenen             ließ, die sie zur Aufführung brachten (und die ohnehin
duh [= Das Gespenst von Canterville], Požar u operi          Opus in einer Art Synthese aller wichtigeren, neuen welt­    seine persönlichen Freunde und die Widmungsträger
[= Der Brand in der Oper] und 15 Ballette (Žetva [= Die      musikalischen Einflüsse mit rhythmisch-melodisch-har­        der Werke waren), ohne daß er jemals um die Rück­
Ernte], Tri kavalira gospođice Melanjie [= Drei Kavalie-     monischen Charakteristiken des kroatischen volkstüm­         gabe der Manuskripte oder Kopien derselben gebeten
re von Fräulein Melanie], Teuta, Horoskop (Ballettsuite      lichen Melos suchen.«                                        hätte, waren viele Stücke lange Zeit verschollen oder
für zwei Klaviere), Veze [= Beziehungen] (Ballettskizzen          Wegen seines heiteren Naturells, des Charmes und        falsch abgelegt und wurden erst nach Jahren wieder­
für Kammermusikensemble), Zlato [= Gold] Balettpan­          insbesondere wegen des unwiderstehlichen Humors              entdeckt. Deshalb sind viele seiner Werke anscheinend
tomime mit Gesang und Orchester, Kći dalmatinskih            und der Zugänglichkeit unter seinen Musikerkollegen          noch immer unauffindbar und möglicherweise für immer
planina [= Die Tochter des dalmatinischen Gebirges],         und Freunden beliebt, wurde Papandopulo bereits zu           verloren. Die originale und einzige Partitur des Concer-
Intermezzo, Beatrice Cenci, Gitanella, Dr. Atom, Kralje-     Lebenszeiten zu einer Kultfigur und zu einem der hervor­     tino, über deren Verbleib man seit sechzig Jahren nichts
vo [= Königlicher Jahrmarkt], Prsten [= Der Ring], Men-      ragendsten Tonkünstlern im ganzen ehemaligen Jugo­           wußte, konnte der Autor des vorliegenden Textes nach
schen im Hotel, Der Königsreiher) beweisen deren             slawien. Heutzutage gilt er zweifellos als einer der         einer Suche, die eines Sherlock Holmes würdig gewesen
anthologischen Wert durch zahlreiche abermalige Auf­         bekanntesten kroatischen Komponisten.                        wäre, in der deutschen Gemeinde Weiler-Simmerberg
führungen auf den Bühnen in Kroatien und in der gan­              Boris Papandopulo spielte ebenfalls eine große          (Landkreis Lindau) unter den nachgelassenen Papie­
zen Welt. Papandopulo schrieb szenische Musik für            Rolle als Bearbeiter volkstümlicher Gesänge und Lieder       ren des bekannten deutschen Pianisten Udo Dammert
mehrere Theaterstücke und Filme; manche seiner Werke         aus der umliegenden Region (Südosteuropa und Bal­            (1904–2003) aufspüren. Dieser hatte das Werk 1947 mit
widmete er Kindern und Jugendlichen (Puppenspiele,           kan) sowie als Popularisator und Bearbeiter von Wer­         drei Mitgliedern des Lenzewski-Streichquartetts bei den
Instrumentalstücke und Konzerte).                            ken anderer Komponisten, was sich insbesondere auf           Internationalen Zeitgenössischen Musiktagen Darm­
     Mehrere Werke des Komponisten kennzeichnet              anthologische Kompositionen der kroatischen Konzert-         stadt aufgeführt, und seither hatte es bis zu seiner Ent­
ein origineller, für Papandopulo charakteristischer,         und Opernmusik bezieht, wodurch er einige Komposi­           deckung im Jahre 2008 auf Dammerts Dachboden in
ansteckender Humor (in einer großen Spannweite von           tionen revitalisiert und in eigener Bearbeitung inszeniert   einem Partiturenschrank gelegen, ohne daß jemand
heiterem Tonspiel bis hin zur Persiflage, zur herben musi­   hatte (z. B. Werke von Vatroslav Lisinski, Ivan Zajc und     danach gefragt hätte.
kalischen Groteske), wobei auch Themen anderer Kom­          Franjo Krežma).                                                  Diese auf dieser CD enthaltene Ersteinspielung des
ponisten zitiert werden (Groteske für Tuba, Klavier und           Papandopulo starb am 16. Oktober 1991 in Zagreb.        Concertino wird freilich zeigen, daß es sich in Wahr­
Schlagzeug, Pop-Konzert für zwei Klaviere und Orches-                                                                     heit um ein kleines Meisterstück des kroatischen Neo­
ter, Die Zauberflöte, Papandopuliade, Divertimento alla             Davor Merkaš                                          klassizismus handelt. Papandopulo schrieb das Werk
pasticcio usw.).                                                                                                          1935, als er in Split an der Städtischen Musikschule unter­
     Eine zusammenfassende, aussagekräftige und                                                                           richtete. Da die Komposition relativ einfach gehalten
umfassende Einschätzung des von Papandopulo                                                                               und sowohl in technischer als auch in musikalischer
geschaffenen Gesamtwerks ist aus der heutigen Per­                                                                        Hinsicht nicht allzu kompliziert ist, dürfte sie für Unter­
spektive infolge des immer noch eingeschränkten                                                                           richtszwecke geschrieben worden sein – was überdies
Zugangs zum ganzen Notennachlaß derzeit noch                                                                              daraus erhellt, daß der dritte Satz, die Tarantelle, noch
im Entstehungsjahr von Musikschülern aus Split urauf­      Eine meisterhafte Motivarbeit, Glanz und Schwung und        Introduzione mit ihren erregten, wechselhaften Melodie­
geführt wurde. Die Premiere des vollständigen Werkes       eine echte, ehrliche Spielfreude kennzeichnen diese         linien, ihren arabeskenartigen Ranken und ihrer »exo­
fand 1938 in Zagreb statt. Es spielten Zlatko Topolski,    anspruchslose Komposition, die leicht den Weg in die        tisch« grundierten Harmonik, die zu einem guten Teil
Milan Graf und Umberto Fabbri vom Zagreber Quar­           Herzen der Musiker und des Publikums findet.                aus der sogenannten »Zigeunertonleiter« besteht. Wie
tett sowie der Komponist am Klavier.                            Eine ungewöhnliche Laufbahn hatte auch die Rap-        im Mittelsatz des Concertino, so bildet auch im Ario-
     Das Concertino in modo antico greift, wie der Titel   sodia concertante für Violoncello und Klavier, die          so der konzertanten Rhapsodie eine inspirierte, brei­
bereits andeutet, formal und inhaltlich auf historische    Papandopulo ursprünglich als »Introduzione, Arioso e        te, alle Lagen des Instruments durchschreitende, neo­
Vorbilder zurück. Die Ouvertüre, eine frei aufgefaß­       Danza« bezeichnet und deren Manuskript er dem Zag­          romantische Melodie das Zentrum des Geschehens,
te Sonatenform, erinnert an ähnliche Formen des Spät­      reber Cellisten Aleksandar Fučkar überlassen hatte.         während die Begleitung aus einfachen Akkorden
barock und der Vorklassik. Sie pulsiert in einem leb­      Doch erst der junge, später berühmt gewordene Cel­          besteht, die oft arpeggiert sind und dergestalt die klang­
haft-motorischen Rhythmus und fußt auf der polyphonen      list und Lehrer Valter Dešpalj äußerte wirkliches Inter­    lichen Qualitäten und Farben einer Harfe erreichen.
Imitation zahlreicher kurzer Motive, die den gesamten      esse an dem Stück, nachdem er Anfang der siebziger          Auch dieser Satz schaut poetisch und lichterfüllt nach
Satz durchziehen und in einem kleinen Fugato enden.        Jahre von seinem amerikanischen Studienaufenthalt in        innen und ist von einer beinahe transzendenten Schön­
Die zentrale Aria ist in einer einfachen ABA-Form kom­     die Heimat zurückgekehrt war. Daraufhin ließ sich der       heit. Die Danza ist eines der unverwechselbaren Scherzi,
poniert und enthält eine schöne, gesangliche, von heite­   Komponist seine Handschrift von Fučkar zurückgeben,         in denen Papandopulo den Volkstanz durch das Prisma
rem Sonnenschein erfüllte Melodie, die sich auf einfache   die allerdings bei der großen Überschwemmung, die           seiner eigenen Inspiration betrachtet und transformiert
Begleitakkorde stützt, wobei der gesamte Satz wie eine     Zagreb 1964 heimgesucht hatte, völlig durchnäßt wor­        hat. In ihrer Leidenschaft und ihrem Feuer erweist sich
ruhige Meditation oder Träumerei, wenn nicht gar wie       den und teilweise nicht mehr lesbar war. Papandopu­         diese stilisierte Danza als eine entfernte Verwandte der
ein mit großer Liebe gesungenes Wiegenlied wirkt. Die      lo sah sich genötigt, einige Teile des Werkes zu rekonst­   Bizet’schen Aragonaise und als das Werk eines Voll­
abschließende Tarantella bewegt sich in dem Rhyth­         ruieren. Indessen übernahm er einige interpretatorische     blutmusikers, der von der ersten bis zur letzten Note
mus des bekannten süditalienischen Volkstanzes, der        und technische Vorschläge Dešpaljs, der die Rapsodia        sein Temperament versprüht. Auch hier läßt die Harmo­
nach der im Mittelmeerraum lebenden Giftspinne glei­       1979 in Split aus der Taufe hob und die Noten 1988 bei      nik von Ferne die Folklore der Balkanhalbinsel durch­
chen Namens (Lycosa tarantula) benannt ist. Der Tanz       der International Music Company of New York heraus­         schimmern, doch im Mittelteil des Satzes können wir
soll so etwas wie eine Therapie gewesen sein: Wenn         gab. Seither haben viele Cellisten in aller Welt das        darüber hinaus die Einflüsse der urbanen Musiktradition
ein Unglücklicher von der Tarantel gestochen worden        Stück in ihr Repertoire aufgenommen.                        Dalmatiens vernehmen – was nicht überrascht, wenn
war, kamen Musiker in (oder vor) sein Haus, um für ihn          Die Rapsodia concertante entstand in der ersten        man weiß, mit welch erstaunlicher Empfänglichkeit und
zu spielen. Das Opfer der Tarantel tanzte dann einen       Hälfte des Jahres 1938 in Split. Die Introduzione ist wie   nahezu chamäleonartiger Fähigkeit Papandopulo sich
wilden Tanz, bis es völlig erschöpft war und auf diese     eine notierte Improvisation gedacht und verrät einige       in seine jeweiligen Lebensumgebungen einzufühlen und
Weise das Gift möglichst schnell aus dem Körper aus­       orientalische Einflüsse. Papandopulo hat zwar keine         deren Volksmusik, wie im vorliegenden Falle, destillie­
geschieden wurde. Diese Idee eines hemmungslosen,          schriftlichen Hinweise auf die Entstehung und die           rend in sich aufzunehmen verstand. Die Rapsodia con-
beinahe frenetischen Tanzes hat Papandopulo im Fina­       Ursprünge des Werkes hinterlassen, wurde aber               certante ist nicht nur eine wirkungsvolle und attraktive
le seines Concertino exzellent aufgegriffen. Über die      anscheinend unter anderem durch die Musik der               Komposition, in der drei kontrastierende Sätze gekonnt
Jahrhunderte konnte man die kulturelle Nähe zwischen       sephardischen Juden inspiriert, die Ende des 15. Jahr­      miteinander verbunden sind; sie ist auch ein technisch
Split und Italien beobachten, die sich in demselben        hunderts von Spanien nach Bosnien kamen, das damals         anspruchsvolles, vollendet ausgeführtes Virtuosenstück,
südländischen Temperament manifestiert, das hier mit       zum osmanischen Reich gehörte. Man spürt diese Ele­         das jedem Cellisten, der es tadellos beherrscht, einen
aller Kraft und Schönheit aus der Musik hervorbricht.      mente vor allem in dem rezitativischen Charakter der        großen Publikumserfolg garantiert.
Seine Fantasie für Violine und Klavier hat              Skalenbildung und Motivfragmente zeigt. Im zweiten           verwandt hatte. Der erste Satz ist im neoklassizistischen
Boris Papandopulo 1950 während seines fünfjährigen           Satz liegt das hauptsächliche Augenmerk des Kompo­           Stil geschrieben, der zweite hingegen enthält Elemente
Aufenthalts in Sarajevo geschrieben und seinem Freund,       nisten wieder auf dem Gesang: Das in den Tiefen ver­         der Zwölftontechnik, und das strukturelle Material des
dem ausgezeichneten Geiger Aleksandar Szegedi,               borgene Wesen des Musikers Papandopulo äußerst               dritten ist aus der Volksmusik gewonnen. Auf diese Weise
gewidmet, der das Werk auch am 13. Januar 1951 zur           sich hier durch eine ausdrucksstarke, intensive Elegie,      verliert das Gesamtwerk seine Kohärenz, doch der
Uraufführung brachte. Während Papandopulo seine              die die Züge eines Trauermarsches erkennen läßt und          krasse Kontrast zwischen den einzelnen Sätzen erzeugt
musikalische Ausdrucksweise in früheren Schaffens­           im weiteren Verlauf des Satzes einen geheimnisvollen         eine weitaus größere Spannung und Unberechenbar­
phasen eher auf den Neobarock gründete, befleißigte          Charakter annehmen wird. Im ersten Teil des Satzes ist       keit. Auch die Einheiten innerhalb der einzelnen Sätze
er sich inzwischen einer neoromantischen Sprache, die        der Klavierpart klanglich auf einfache, leichte Akkord­      sind recht heterogen und wie Filmszenen durch schar­
zum Teil auf die politisch und ideologisch motivierte For­   stützen reduziert, um die Aufmerksamkeit so wenig wie        fe Schnitte voneinander getrennt. Der Beginn des Kopf­
derung nach einem »sozialistischen Realismus« zurück­        möglich von der Kantilene der Violine abzulenken. Der        satzes (Ouvertüre) basiert auf polyphonen Imitatio­
ging. Zwar hatte Josip Broz Tito, der damalige Füh­          musikalische Fluß ist zudem durch starke Harmonie­           nen des Hauptthemas, das plötzlich und unerwartet
rer Jugoslawiens, Josef Stalin schon 1948 erfolgreich        wechsel geprägt, ist dabei aber auch auf würdevolle          erscheint und in einen beinahe impressionistischen
die Stirn geboten und den »eisernen Griff der Hand«          Weise von folkloristischen Elementen gefärbt. Der dritte     Klang getaucht ist. Stellenweise nimmt die Musik den
gelockert, die in fast allen osteuropäischen Staaten ihre    Satz verwandelt sich nach seiner flackernden, deutlich       Charakter eines tänzerischen Scherzos an, doch die
fatalen, katastrophalen Folgen auf die freie Entwicklung     orientalisch getönten Einleitung, bei der es sich eigent­    musikalischen Bilder und Stimmungen verändern sich mit
der Kunst und Musik gezeitigt hat – doch über Nacht          lich um ein freies Rezitativ handelt, wieder in einen glü­   der Rasanz eines Filmes oder wie die Landschaften bei
ließen sich die ästhetischen Vorschriften nicht aus­
­                                                            henden, stilisierten Tanz, dessen Ausführung der Kom­        der Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug. Am Ende
löschen.                                                     ponist in die Hände außergewöhnlicher Violinvirtuosen        des Satzes liegt der Schwerpunkt noch einmal auf dem
     Der erste Satz der Fantasie bringt also ein leiden­     à la Paganini legt. Erneut erkennt man die Merkmale          Hauptthema, das sich – sogar augmentiert – in kanoni­
schaftlich-berauschendes, von der Volksmusik gefärbtes       der Tarantella, und es scheint, als habe der Geiger ein      schen Imitationen zu Worte meldet. Für einen Moment
Thema, dessen hymnischer Grundton den gesam­                 weiteres Mal den Auftrag erhalten, mit seinem wilden         benutzt der Komponist Elemente der istrischen Volks­
ten Satz durchzieht und »aromatisiert«. Neben die­           Spiel einen »von der Tarantel gestochenen« Menschen          musik (mit ihrer sogenannten »istrischen Tonleiter«), die
sem Gedanken erscheint ein zweites, sehr expressives         zu solch frenetischen Tanzbewegungen anzustacheln,           sehr harte und dissonante Klänge kennt.
Thema von lyrisch-sanftem Charakter, das einen wei­          daß dieser mit dem Leben davon kommt. Tatsächlich                 Die Elegie ist der Knotenpunkt des gesamten Wer­
ten Tonraum durchmißt. Das Hauptthema nimmt im               tobt in dieser Musik so etwas wie ein Kampf auf Leben        kes. Sie fußt auf einem expressiven Thema, das aus den
Laufe des Satzes immer neue rhythmische und melodi­          und Tod. Das Ganze wirkt wie eine tänzerische Phantas­       Tiefen eines kalten Universums zu kommen scheint, denn
sche Gestalten an, wobei die Variation das wichtigste        magorie von ungeheurer Energie, die in einem einzigen        es ist eine Zwölftonreihe, die hernach im Krebsgang
kompositionstechnische Mittel der charakterlichen Ver­       großen Atemzug dahinfegt – wie ein unwirklicher, sehr        wiederholt wird und – ähnlich dem Thema des Kopf­
änderung ist. Der in einer Üppigkeit und Opulenz an          aufregender, höchst intensiver Traum.                        satzes – nach dem Prinzip der polyphonischen Imita­
Brahms erinnernde Klavierpart spielt im musikalischen            Das Lyrische Trio für Violine, Violoncello und Kla­      tion alle Stimmen durchwandert. Wieder verändert sich
Geschehen eine wichtige Rolle; sein reiches Passagen­        vier entstand 1982 in Tribunj und Opatija an der Adria,      die musikalische Landschaft: Die Melodielinien wer­
werk und sein Umgang mit dem thematischen Material           wo Papandopulo damals lebte. Es ist ein Musterbei­           den wärmer und wirken stellenweise wie die Fragmente
ist der Violinstimme durchaus ebenbürtig. Erneut ist ein     spiel für das spätere Schaffen des Komponisten, in dem       eines Rezitativs. Das zwölftönige Hauptthema meldet
imaginäres Folklore-Element zu beobachten, das sich          man eine Reihe verschiedener Stile und Kompositions­         sich im Gewande einer wohligen Klavierbegleitung,
hier eher auf der Ebene des rohen Baumaterials, der          techniken entdeckt, die er nacheinander in seiner Kunst      gefriert dann aber in einem Orgelpunkt, den das Klavier
beharrlich wiederholt. Der Mittelteil des Satzes ist des­     Papandopulo hat die Bruchstücke mit höchster Kunst­          Komponisten um seine letzten musikalischen Ideen auf­
halb so interessant, weil durch das unisono der beiden        fertigkeit zu einem Ganzen verdichtet, das wir als Para­     zuzeichnen.
Streichinstrumente eine weitaus fülligere Stimme ent­         doxon erleben, da das Material hier, wie auch in den               Vom ersten Ton an offenbart das Werk eine äußerst
steht, die ihren expressiven Gesang vor dem Hinter­           beiden voraufgegangenen Sätzen des Werkes, von               dramatische und expressive Substanz. Das Hauptthema
grund rascher, ungewöhnlicher Klavierakkorde und              denkbar heterogener Art ist. Der rhapsodisch angelegte       des ersten Satzes besteht aus einer aufwühlenden, har­
-passagen entfaltet. Das Zwölftonthema dominiert im           Tanz bezieht seine Energie, seinen Elan und seine            ten Melodielinie von großer Intensität und Weite und
letzten Teil der Elegie, die sich in den süßlichen Spitzen­   Begeisterung aus den sympathischen, charmanten Zita­         enormen Intervallsprüngen, an deren Ende alle drei
tönen der beiden Streichinstrumente auflöst.                  ten, die mit großer Virtuosität und stellenweise in kano­    Instrumente in ihre tiefsten Lagen hinabstürzen – eine
    Der abschließende Tanz enthält drei Themen, von           nischer Imitation verarbeitet sind. Einmal mehr erweist      Geste, die uns einen Sturz in die Tiefen starker seeli­
denen zwei Zitate sind. Bei dem ersten handelt es sich        sich Papandopulo als ein Vollblutmusiker, dem dank           scher Wirkungen und eindringlicher Emotionen verrät.
um ein Fragment aus der Oper Koštana des bekannten            der Vitalität seiner Werke ein fester Platz auf den inter­   Das Thema wird in allen Stimmen imitativ behandelt und
serbischen Komponisten Petar Konjović – genauer               nationalen Konzertpodien sicher ist. Das Lyrische Trio       tritt im weiteren Verlauf – mitunter fragmentiert und oft
gesagt um den sogenannten Großen Kjutschek (oder              wurde am 17. Dezember 1985 in Zagreb von der Pianistin       in polyphonischen Imitationen der einzelnen Motive –
»Čoček«), einen Volkstanz, der in der ersten Hälf­            Ljerka Pleslić Bjelinski, der Geigerin Maja Dešpalj und      immer wieder in Erscheinung. Es gibt in diesem Satz
te des 19. Jahrhunderts im türkischen Militär entstand        der Cellistin Snježana Rucner uraufgeführt.                  weitere thematische Episoden, von denen sich zwei wie
und sich auf dem Balkan besonders unter den Roma                   Drei musikalische Sätze für Orlando für                 vermeintliche Scherzi gebärden, die wir im Rahmen des
großer Beliebtheit erfreute. Die Premiere von Košta-          Klaviertrio war Boris Papandopulos letztes Werk. Es          dramatischen, unruhigen und düsteren Ganzen als Gro­
na fand 1931 in Zagreb statt, wo Konjović einige Jahre        entstand im Oktober 1990 für die drei großen Musi­           tesken und als erzwungenes Lachen empfinden.
als Direktor der Oper und des Kroatischen National­           ker Vladimir Krpan, Tonko Ninić und Andrej Petrač,                 Der zweite Satz ist von ganz anderer Art als der
theaters wirkte. Er war mit Papandopulos Mutter Maja          die 1985 ihr Trio Orlando gegründet hatten und die           erste und führt uns mit seiner transzendenten Schön­
Strozzi-Pečić befreundet und widmete ihr mehrere Lie­         ihnen gewidmete Komposition am 6. August 1991 beim           heit in jenseitige Sphären, zu denen nur die Musik
der, die sie mit großem Erfolg aufführte – Papandopu­         Osor-Musikfestival auf der Insel Cres uraufführten. Der      Zugang hat. Die luftige, vollkommene, liebliche Ruhe
los könnte sein Zitat demnach als eine Hommage an             inzwischen 84-jährige Papandopulo war zwar immer             der einleitenden Takte wird bald durch einen härte­
Konjović oder eine Erinnerung an die freundschaft­            überaus kreativ, klar und inspiriert, hatte aber, nachdem    ren Ton beeinträchtigt. Zeitweilig macht sich eine bei­
lichen Familienbeziehungen gemeint haben. Bei dem             er einige Jahre zuvor operiert worden war, einen gro­        nahe impressionistische Stimmung breit, die aber durch
zweiten Zitat handelt es sich um das nordmazedonische         ßen Teil seines Sehvermögens verloren und die Musik          plötzlich aufflammende Leidenschaften und unerwartet
Go pratile dedo vo planina (»Der Großvater wurde in           nur mit viel Mühe zu Papier bringen können. Für einen        rasches Passagenwerk an Kraft gewinnt. Im Zentrum des
die Berge begleitet«). Die Herkunft des dritten Themas        Mann, der jeden Tag Musik geschrieben und komponiert         Satzes glauben wir eine Uhr schlagen zu hören – ein
läßt sich zwar nicht bestimmen, doch es könnte durch­         hatte, muß das ein schwerer Schicksalsschlag gewesen         Symbol für die Zeit, die unaufhaltsam im Stundenglas
aus das Fragment eines volkstümlichen Kolo sein, der          sein (in einem Interview hatte er einmal erklärt, für ihn    verrinnt und sich ihrem Ende nähert. Nach einer weite­
unter Berücksichtigung aller Aspekte vermutlich aus           gelte das Lebensmotto »nulla dies sine linea« des grie­      ren, sehr kurzen und erregten Episode breitet sich erneut
dem Süden des ehemaligen jugoslawischen Staaten­              chischen Malers Apelles). Die Noten des letzten Satzes       die Stimmung des Anfangs aus, an deren einzigartiger
bundes stammt. Diese drei Elemente sind so in den             sind zum Ende hin immer weniger zu entziffern. Papan­        Schönheit wir uns erfreuen, bis der Satz in einem weh­
Satz integriert, daß die zwei Teile des mazedonischen         dopulo benutzte am Schluß große Blätter mit besonders        mütigen Dialog ätherischer Geigenflageoletts und ruhi­
Volksliedes – wie auch das Thema von Konjović – von­          großen Linien – die letzten Seiten des Autographs sind       ger Klavierakkorde verklungen ist.
einander getrennt an verschiedenen Stellen erklingen.         daher ein erschütterndes Dokument des Kampfes des
Nach diesem beeindruckenden, tief empfundenen
Schluß können wir den dritten Satz beinahe wie ein
Zugeständnis an die in der Tradition verwurzelte Drei­
sätzigkeit auffassen. Die verspielte Tanzmusik und die
harlekineske, ein wenig angestrengte, künstliche Fröh­
lichkeit des Satzes verrät einen gewissen Galgenhumor,
der sich mit markanten Passagen verbindet, aus denen
wir auf eine Art von Travestie oder mephistophelischer
Posse schließen können. Auf diese Weise wirkt das Ende
des Satzes inszeniert und gezwungen – vielleicht blieb
dem Komponisten gar nichts anderes übrig als die Musik
so schroff abreißen zu lassen. Dessen ungeachtet bilden
die Drei musikalischen Sätze für Orlando ein Werk von
echter, authentischer Inspiration, dessen ungewöhn­
liche, originelle Substanz mit all ihren jähen Wendun­
gen und ihrer intensiven emotionalen Spannung nie­
manden unberührt lassen wird.

       Davor Merkaš
       Übersetzung: Eckhardt van den Hoogen
Oliver Triendl                                             Tetzlaff, Radovan Vlatković, Jan Vogler, Antje Weit­        Toulouse, in der Carnegie Hall und im Kennedy Center
                                                           haas, Carolin und Jörg Widmann sowie den Quartet­           sowie Aufzeichnungen bei CBC Radio Ottawa, France
Man kann sich kaum einen engagierteren Fürsprecher         ten Apollon musagète, Artis, Atrium, Auryn, Carmina,        Musique und beim TV-Sender TF1.
für vernachlässigte und selten gespielte Komponis­         Danel, Keller, Leipziger, Mandelring, Meta4, Mingu­             Als Kammermusiker ist er regelmäßiger Gast renom­
ten vorstellen als den Pianisten Oliver Triendl. Sein      et, Prazák, Signum, Sine Nomine, Škampa, Talich und         mierter Festivals wie Santa Fe, Deauville oder Cor­
unermüdlicher Einsatz – vornehmlich für romantische        Vogler.                                                     des-Sur-Ciel und arbeitet mit herausragenden Kolle­
und zeitgenössische Musik – spiegelt sich in mehr              Oliver Triendl – Preisträger mehrerer nationaler und    gen wie Joseph Silverstein, Pinchas Zukerman, Joseph
als 100 CD-Einspielungen. Der Umfang seines Reper­         internationaler Wettbewerbe – wurde 1970 in Mallers­        Kalichstein, Michael Tree, Marielle Nordman, Nicho­
toires ist wohl einzigartig und umfasst etwa 90 Klavier­   dorf (Bayern) geboren und absolvierte sein Studium bei      las Angelich und zahlreichen französischen Top-Solis­
konzerte sowie Hunderte von kammermusikalischen            Rainer Fuchs, Karl-Heinz Diehl, Eckart Besch, Gerhard       ten zusammen.
Stücken. Viele davon hat er erstmals auf die Bühne         Oppitz und Oleg Maisenberg.                                     Im Jahr 2008 wurde Coeytaux zum Ständigen
gebracht bzw. auf Tonträger dokumentiert.                      Er konzertiert erfolgreich auf Festivals und in zahl­   Solisten des Orchestre d’Auvergne ernannt. Bei vielen
    Solistisch arbeitete Oliver Triendl mit zahlreichen    reichen Musikmetropolen Europas, Nord- und Süd­             Gelegenheiten leitete er dort Orchesterkonzerte ohne
renommierten Orchestern, u. a. Bamberger Sympho­ni­        amerikas, in Südafrika und Asien.                           Dirigent und übernahm auch die Doppelrolle als Solist
ker, NDR-Radio-Philharmonie, Gürzenich-Orchester,              www.oliver-triendl.com                                  und Dirigent für Aufführungen der Konzerte von Bach,
Münchner Philharmoniker, Rundfunk-Sinfonieorchester                                                                    Vivaldi, Haydn und Mendelssohn. Seit 2012 ist er zudem
Berlin, Deutsche Radio Philharmonie, Münchner Rund­                                                                    ständiger Solist des Orchestre Philharmonique de Radio.
funkorchester, Staatskapelle Weimar, Münchener,            Amaury Coeytaux                                                 Amaury Coeytaux spielt eine Guadagnini-Violine
Stutt­garter und Württembergisches Kammerorchester,                                                                    aus dem Jahr 1773.
Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks, Orchestre       Seit seinem gefeierten Debüt 2004 in der New Yorker
de Chambre de Lausanne, Mozarteum-Orchester Salz­          Carnegie Hall 2004 konzertierte der vielseitige franzö­
burg, Tonkünstlerorchester Niederösterreich, Nether­       sische Geiger Amaury Coeytaux auf den renommier­            Vanessa Szigeti
lands Symphony Orchestra, Tschechische Staatsphil­         testen Bühnen, u. a. Weill Hall (New York), Kennedy
harmonie, National-Sinfonieorchester des Polnischen        Center (Washington), Center Ottawa (Kanada), Salle          Vanessa Szigeti entstammt einer Familie mit langer
Rundfunks, Sinfonia Varsovia, Georgisches Kammer­          Gaveau (Frankreich), sowohl kammermusikalisch als           musikalischer Tradition und wurde schon als Fünfjährige
orchester, Camerata St. Petersburg, Zagreber Solisten,     auch als Solist mit so herausragenden Orchestern wie        von ihrem Vater Florin Szigeti, einem Gründungsmit­
Shanghai Symphony Orchestra.                               dem Orchestre du Capitole de Toulouse, dem Kiev Phil­       glied des Enesco Quartetts, im Geigenspiel unterrichtet.
    Als leidenschaftlicher Kammermusiker konzertier­       harmonic Orchestra und dem Orchestre RTVE Madrid            Nachdem sie am Regionalen Konservatorium von Paris
te er mit Musikerkollegen wie Christian Altenburger,       unter Dirigenten wie Tugan Solkhiev, Arie Van Beek,         (CNR) studiert hatte, kam sie in die Klasse von Olivier
Eduard Brunner, Ana Chumachenko, Patrick Demen­            Jean-Jacques Kantorow u. a.                                 Charlier am Conservatoire National Supérieur de Musi­
ga, David Geringas, Ilya Gringolts, Frans Helmer­              Es folgten Konzerte in Frankreich, Spanien, der         que de Paris, wo sie im Jahre 2007 graduierte und ihre
son, Sharon Kam, Isabelle van Keulen, Pekka ­Kuusisto,     Ukraine, in Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Italien,      Ausbildung dann im cycle de perfectionnement bei
François Leleux, Lorin Maazel, Mihaela Martin, Paul        der Schweiz, in Österreich, Kanada, den Vereinigten         Jean-Jacques Kantorow sowie bei Svetlin Roussev fort­
Meyer, Sabine und Wolfgang Meyer, Pascal Moragu­           Staaten, der Dominikanische Republik, Südkorea,             setzte. Ihren Magister erwarb sie schließlich bei Pavel
ès, Charles Neidich, Arto Noras, Christian Poltéra, Ale­   Japan und Taiwan mit Orchestern wie dem Orchestra           Vernikov an der Musik und Kunst Privatuniversität der
xander Sitkovetsky, Baiba Skride, Christian und Tanja      Filarmonica di Roma oder dem Orchestre National de          Stadt Wien.
Vanessa Szigeti war neun Jahre alt, als sie mit dem       Vanessa Szigeti setzt sich auch für die Komposition     Berlin, der Elbphilharmonie Hamburg und der Tonhalle
Pariser Concours de Lutèce ihren ersten Wettbewerb         und Verbreitung neuer Werke ein. Unter anderem hat          Zürich, wurde eingeladen zum Verbier Festival und zum
gewann. Es folgten die ersten Preise beim Concours         sie mit Pierre Boulez, Oscar Bianchi, Sofia Gubaiduli­      Martha Argerich Festival.
Vatelot-Rampal (Paris 2005), beim Französischen Musik­     na, Alexandre Fontaines, Thomas Larcher, Alberto Posa­          Auf seiner hoch gelobten Debüt-CD präsentiert And­
wettbewerb (2007) und beim Streichersolisten-Wett­         das, Miroslav Srnka zusammengearbeitet. Sehr aktiv ist      rei Ioniţă eine Uraufführung von Brett Dean mit Bach
bewerb (2008) an der ISA Österreich sowie beim Con­        die Künstlerin auch als Vermittlerin musikalischer Kennt­   und Kodály. 1994 in Bukarest geboren, war er Schüler
cours Flame (Paris 2008) und der Prix de la Ville de       nisse. Sie hat sich zunächst im Orchestre de Chambre        von Ani-Marie Paladi in Bukarest und Prof. Jens Peter
Ciboure an der Maurice Ravel Akademie (2008).              des Jeunes de Paris an mehreren pädagogischen Pro­          Maintz an der Universität der Künste in Berlin. Als Sti­
     Neben ihrem Studium besuchte Vanessa Szigeti          jekten beteiligt und gibt inzwischen in Europa und dar­     pendiat der Deutschen Stiftung Musikleben spielt er auf
die Meisterkurse großer Musiker und Pädagogen wie          über hinaus Meisterkurse für Violine und Kammermusik.       einem Violoncello von Giovanni Battista Rogeri (Bres­
Ana Chumachenco, Mauricio Fuks, Ida Haendel, Boris             Vanessa Szigeti arbeitet derzeit als Stimmführerin      cia 1671).
Kuschnir, Vladimir Mendelssohn und Hatto Beyerle.          der zweiten Violinen beim Tonhalle Orchester Zürich.
Dabei wurde sie von der Fondation Meyer sowie durch
Stipendien der Adami-Stiftung und der Génération Spe­
didam unterstützt. Durch die Förderung der Fondation       Andrei Ioniţă
Meyer konnte sie 2009 auch ihre erste CD einspielen,
die der französischen Musik und ihren Lehrern Olivier      Als Gewinner des Internationalen Tschaikowsky-Wett­
Charlier und Jean-Jacques Kantorow gewidmet ist.           bewerbs 2015 sowie Preisträger des ARD-Wettbewerbs,
     Die begeisterte Kammermusikerin Vanessa Szige­        des Feuermann- und des Chatschaturian-Wettbewerbs
ti hat in verschiedenen Formationen mit Künstlern wie      ist Andrei Ioniţă einer der meist beachteten jungen
Amaury Coeytaux, Franz Helmerson, Yves Henry,              So­listen auf seinem Instrument weltweit. Der rumäni­
Michel Lethiec, Vladimir Mendelssohn, Jeremy Menu­         sche Cellist war BBC New Generation Artist von 2016
hin, Jérôme Pernoo, Svetlin Roussev und Hagai Sha­         bis 2018 und Artist-in-Residence bei den Symphonikern
ham musiziert. Sie ist in der Salle Gaveau, der Salle      Hamburg in der vergangenen Saison.
Cortot, im Théâtre des Bouffes du Nord und der Cité              Höhepunkte der letzten Jahre waren seine Auf­
de la Musique, im Wiener Musikverein, in der Londo­        tritte mit den Münchner und Dresdner Philharmonikern,
ner Wigmore Hall, im Auditorio Nacional von Mad­           dem Philharmonia Orchestra London, BBC Philharmo­
rid, auf Schloss Elmau, im venezianischen Palazetto Bru    nic und BBC National Orchestra of Wales, dem Royal
Zane und im Athener Megaron Mousikis aufgetreten           Scottish National Orchestra, Danish National Sympho­
und gastierte bei der Saison Musicale de l’Epau, beim      ny und Turku Philharmonic, dem Russischen National­
Festival Berlioz, beim Festival Pablo Casals in Prades,    orchester und den Philharmonikern St. Petersburg, San
beim Kammermusikfestival im finnischen Kuhmo und bei       Diego Symphony und Orchestre symphonique de Mon­
Musica in Strasbourg, bei Organa, bei den Ravéliades,      tréal. Dabei arbeitete er mit Dirigenten wie Valeriy Ger­
beim Musikfest auf Schloss Weinzierl, bei der Biennale     giev, Kent Nagano, Omer Meir Wellber und John Stor­
von Venedig und anderen Festivals.                         gårds. Andrei Ioniţă spielte Soloabende an der Car­
                                                           negie Hall und der Wigmore Hall, dem Konzerthaus
Vanessa
Szigeti
Andrei
Ioniţă
Amaury
Coeytaux
Boris Papandopulo                                            development. Papandopulo witnessed his first major                 Papandopulo produced an impressive body of
                                                             success in 1928 at a performance of his cantata Slavo-        music encompassing more than 450 works, among
Boris Papandopulo is unquestionably one of the major         slovije (“Laudamus”), for solo voices, choir, and orches­     which we find instrumental compositions (orchestral
Croatian and southern Slavic composers of the twen­          tra, at the Vienna Musikverein. The reviews were ecstatic,    pieces, concertos, solo works, chamber music), vocal-­
tieth century. His father, Konstantin Papandopulo, was       and Papandopulo, at that time still a young professional      instrumental works (solo pieces and choral music), the­
a Russian aristocrat of Greek ancestry born in Stav­         conductor, took this as an incentive to create new works.     ater music, and film music. In each of these genres he left
ropol, his mother the famous Croatian opera singer           After returning from his two years of study in Vienna,        behind a large number of highly valuable compositions.
Maja Strozzi, whom Thomas Mann, in his novel Dok-            he completed his degree in Zagreb and began a life­                Papandopulo’s early works are marked by a
tor Faustus, immortalized as “perhaps the most beauti­       long career as a choir director and a conductor of var­       recourse to features from the so-called ”national style.”
ful soprano voice of our time in either hemisphere” (Die     ious ensembles. Besides heading the Croatian Choral           Here he drew on ancient heathen rites and adopt­
Ent­stehung des Doktor Faustus, Frankfurt: Fischer, 1974,    Society “Kolo” (1928 to 34 and 1938 to 46), the orches­       ed patterns from folk music, whether as direct quota­
p. 534). Papandopulo was born in Honnef am Rhein             tra of the Croatian Musical Institute (1931 to 34), and the   tions or as rough material, with archaically tinged mod­
(renamed Bad Honnef in 1960) on 25 February 1906,            Ivan Filipović Teachers’ Choral Society, which he found­      al scales and harmonies, homophonic blocks of sound,
but following the death of his father in 1908 he moved to    ed in 1933, he also taught at the State School of Music       and serially reiterated melodic-rhythmic cells. In this
his mother’s native Zagreb at the tender age of six. He      in Split (1935 to 38) and conducted the Zvonomir Musi­        way he worked out a distinctive style beholden to the
thus grew up in a family that had always been closely        cal Association. Later he conducted the Zagreb Opera          influence of Stravinsky and Janáček. At the same time
associated with music and the theater: his grandmoth­        (1940 to 45, director from 1943 to 45) and the Zagreb         we can also note ”cosmopolitan” influences, including,
er, Marija Ružička-Strozzi, was a leading actress and        Radio Orchestra (1942 to 45).                                 by his own admission, the ”Mighty Handful” from Rus­
cult figure on the Croatian stage, his uncle Tito Strozzi         After the Second World War, Papandopulo was tem­         sia and ”Les Six” from France. To this were added com­
one of the foremost Croatian actors and theater direc­       porarily blacklisted from musical life in the newly formed    positional devices and elements from Neo-Classicism
tors of his generation. Zagreb’s intellectual and artistic   state of Yugoslavia owing to his alleged ”collaboration       and the Neo-Baroque style (contrapuntal textures and a
élite assembled in his mother’s salon. At a very early       with the occupying powers.” As a brief, bizarre pun­          Baroque propulsion and rhythmic vitality) with ”admix­
age Boris turned to music, first taking private piano les­   ishment, he drove an antiquated Fordson truck through­        tures” from Impressionism and Expressionism.
sons and then studying conducting and composition at         out the whole of Croatia for the United Nations Relief             Besides his virtuosic and technically demanding
the Zagreb Academy of Music, where he graduated in           and Rehabilitation Administration (UNRA). Before long         treatment of the instruments, we also sense an optimism
1929. There his composition teacher was Blagoje Ber­         he was appointed head of the Rijeka Opera (1946 to 48         and cheerfulness that almost seamlessly pervades his
sa, an important Croatian composer and likewise one          and 1953 to 59). In 1948 he moved to Sarajevo, where          music. The most successful pieces from this early youth­
of the first music educators of European stature in Cro­     he worked as an opera director and college professor          ful period are, in the judgment of connoisseurs, the
atia. Maja Strozzi (she later adopted the married name       until 1953. He then resumed his career as an opera con­       aforementioned cantata Laudamus, the Sinfonietta for
of Pečić) was friends with Igor Stravinsky, whom she         ductor in Zagreb (1959 to 68) and Split (1968 to 74). He      string orchestra (published by Breitkopf & Härtel), Zla-
had met in Switzerland in 1919, and who took an active       was also a regular guest conductor at the Zagreb Com­         to (Gold), a ballet-pantomime with voice and orchestra,
interest in the young Papandopulo. Stravinsky wrote a        edy Theater and headed the symphony orchestra in Cai­         the brilliant and thrilling Concerto da camera for sopra­
letter of recommendation that enabled him to study in        ro. As if that were not enough, he wrote about music,         no, violin, piano, and seven wind instruments (published
Vienna with Dirck Fock, a well-known Dutch professor         dabbled in music criticism, and worked as a pianist and       by Universal Edition in Vienna), and, toward the end
and conductor of his day; he also played an important        vocal coach.                                                  of this period, perhaps Croatia’s most important sacred
role in the budding composer’s intellectual and musical                                                                    works: The Passion of Our Lord Jesus Christ and The
Croatian Mass, both for solo voices and mixed a cap-        European music. Especially worthy of mention are the           and an impeccable connoisseur of compositional devic­
pella choir.                                                ensembles Camerata Musica Berlin and the Rostock               es, musical genres, and, not least, the technical potential
     In his “mature” period, Papandopulo retained ele­      Nonet, the conductor Ljubomir Romansky (active in              of musical instruments and the human voice. Despite its
ments of the folk idiom while paying heed to the musi­      Gelsenkirchen), the writer Kurt Barthel, and the paint­        date of origin and its style-related expressivity, his music
cal achievements of European modernism. Occasional­         er Paul Struck.                                                is readily and spontaneously accessible both to listen­
ly he adopted compositional devices and a few typical            Ideological and aesthetic philosophies never pre­         ers and to performers, who then as now are delighted
features of Socialist Realism, but “without abandoning      vented Papandopulo from finding extra-musical sub­             to play it.
his traditional hallmarks of musical cells, the customary   jects for his own works. He was capable of discovering              Besides a number of concertos and solo pieces for
motivic and textural development, or the established        universal ideas and profoundly human values every­             various combinations of instruments, Papandopulo also
laws of melodic motion” (D. Detoni). This period, cen­      where, over and over again. At the very outset of his          made a significant contribution to the ballet and opera
tered on the chronological axis of the waning Second        career, he found extra-musical stimuli in themes connect­      of his day. His six operas (Amfitrion, Rona, Sunčanica,
World War (1945), extended roughly to 1956. Among           ed with earlier layers of folk tradition, in legends, ritu­    Madame Buffault, Kentervilski duh [The Canterville
the successful compositions we find several reflecting      als, and myths, as in Svatovske (Wedding Songs), Dod-          Ghost], and Požar u operi [The Fire at the Opera])
recent history, namely, the founding of a new state (the    olice, Zlato, and Utva Zlatokrila (The Golden-Winged           and fifteen ballets (Žetva [The Harvest], Tri kavalira
Federal People’s Republic of Yugoslavia) and the events     Fairy). After 1950 he drew inspiration from, curiously,        gospođice Melanjie [Miss Melanie’s Three Cavaliers],
surrounding the so-called National Liberation War:          world-views that seem to be diametrically opposed.             Teuta, Horoskop [a ballet suite for two pianos], Veze
Symphony No. 2, The Neretva Poem, Stojanka majka            Religious pieces with specific elements from Croatia’s         (Relations), a ballet sketch for chamber ensemble, Zlato
Knežopoljka, a musical poem for soprano, chorus, and        Catholic liturgy based on Glagolithic hymns, such as           [Gold], a ballet pantomime with voices and orchestra,
large orchestra, and Obnova (Reconstruction), a sym­        Osorski rekvijem (Osor Requiem), Poljička pučka misa           Kći dalmatinskih planina [The Daughter of the Dalma­
phonic picture for large orchestra.                         (People’s Mass of Poljice), the cantata Jubilate, and a        tian Mountains], Intermezzo, Beatrice Cenci, Gitanel-
     As time marched on, Papandopulo’s music steadi­        number of lesser sacred works, rub shoulders with mon­         la, Dr. Atom, Kraljevo [The Royal Fair], Prsten [The Ring],
ly became more dissonant and acerbic in its harmony         umental edifices of Socialist Realism inspired by the ide­     Menschen im Hotel, and Der Königsreiher) can boast
and melody. In the mid-1950s his compositional arse­        ology and poetics of the National Liberation War and           of many repeat performances in the theaters of Croa­
nal came to include elements of twelve-tone technique,      the post-war revolution. The latter include the musico-        tia and the world at large, bearing witness to their high
jazz (more intensively in the late 1950s and early 1960s,   poetic composition Pasija po srcu (Passion of the Heart),      value. He also wrote music for several stage plays and
e.g. in his Piano Concerto No. 3, Mosaic for classical      the musico-poetic vision Credo, 1943 (a song cycle on          films as well as works dedicated to children and young
string quartet and jazz quartet, Capriccio for solo vio­    verses by the Croatian poet I. G. Kovačić), and piec­          people, including marionette plays, instrumental piec­
lin and jazz quartet, and Orchestral Mosaic), and lat­      es inspired by recent Croatian history: the cantatas Lib-      es, and concertos.
er popular music and other compositional trends of the      ertas, Pohvala Dubrovniku (Praise to Dubrovnik), Non                Several of Papandopulo’s works betray an origi­
contemporary avant-garde. Yet he maintained a critical      bene pro toto libertas venditur auro, Mila Gojslavića,         nal, distinctive, and infectious sense of humor ranging
detachment from some of these currents and sometimes        and Istarske freske (The Frescoes of Istria), a triptych for   widely from cheerful inflection to parody and acerbic
tended to treat them ironically or even parodistically.     mixed chorus and large orchestra.                              musical grotesqueries, sometimes with themes quoted
     Papandopulo’s music of the 1960s and 1970s arose            Papandopulo composed with energy and verve for            from other composers. Outstanding examples are Gro-
in connection with his guest appearances in Germa­          sixty-five years, practically until the day of his death.      tesques for tuba, piano, and percussion, Pop Concerto
ny, both East and West. Here he had an opportunity          Each work reveals a master of his craft, a brilliant musi­     for two pianos and orchestra, The Magic Flute, Papan-
to meet leading artistic figures and to encounter recent    cian with inexhaustible and always fresh inspiration,          dopuliade, and Divertimento alla pasticcio.
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