BRANCHENSTECKBRIEF MEDIZINTECHNIK IN RHEINLAND-PFALZ - ÖKONOMISCHE BESTANDSAUFNAHME AUF BASIS DER GESUNDHEITSWIRTSCHAFTLICHEN GESAMTRECHNUNG DES ...
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MINISTERIUM FÜR
WIRTSCHAFT, VERKEHR,
LANDWIRTSCHAFT
UND WEINBAU
BRANCHENSTECKBRIEF
MEDIZINTECHNIK IN RHEINLAND-PFALZ
ÖKONOMISCHE BESTANDSAUFNAHME AUF BASIS DER GESUNDHEITSWIRTSCHAFTLICHEN
GESAMTRECHNUNG DES BUNDESMINISTERIUMS FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE, AUSGABE 2020
1Inhalt
VORWORT ......................................................................................................................................................5
1. AUSGANGSLAGE UND ZIELSETZUNG................................................................................................. 6
1.1 MAKROÖKONOMISCHE EINORDNUNG DER GESUNDHEITSWIRTSCHAFT................................ 7
1.2 EXKURS DEFINITORISCHE ABGRENZUNG UND DATENBASIS.........................................................9
2. DIE MEDIZINTECHNIKBRANCHE IN RHEINLAND-PFALZ................................................................12
2.1 VOLKSWIRTSCHAFTLICHE EINORDNUNG DER MEDIZINTECHNIK
ALS TEIL DER INDUSTRIELLEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFT.......................................................... 12
2.2 UMSATZENTWICKLUNG RHEINLAND-PFÄLZISCHER MEDIZINTECHNIKUNTERNEHMEN..... 21
2.3 ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGTENSTRUKTUR IN DER MEDIZINTECHNIK...........................24
3. TREND- UND UMFELDANALYSE DER MEDIZINTECHNIKBRANCHE IN RHEINLAND-PFALZ.... 32
3.1 BRANCHENSPEZIFISCHE UMFELDANALYSE........................................................................................32
3.2 BRANCHENSPEZIFISCHE TRENDANALYSE...........................................................................................42
3.3 BRANCHENSPEZIFISCHE HERAUSFORDERUNGEN...........................................................................45
3.4 SWOT-ANALYSE DER MEDIZINTECHNIKBRANCHE IN RHEINLAND-PFALZ................................47
4. ABLEITUNG VON HANDLUNGSFELDERN..........................................................................................51
5. FAZIT...... ................................................................................................................................................... 57
6. GLOSSAR.................................................................................................................................................. 60
7. LITERATURVERZEICHNIS...................................................................................................................... 62
STUDIE IM AUFTRAG DES MINISTERIUMS FÜR WIRTSCHAFT, VERKEHR, LANDWIRTSCHAFT UND WEIN-
BAU RHEINLAND-PFALZ
„Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Rheinland-Pfalz
herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerberinnen/Wahlbewerbern oder Wahl-
helferinnen/Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Be-
zug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als
Parteinahme der Landesregierung zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.“
2Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland....................................................................................... 7
Abbildung 2: Status quo der industriellen Gesundheitswirtschaft in Deutschland 2019.................................8
Abbildung 3: Das Schichtmodell und die gütergruppenbasierte Abgrenzung der
Gesundheitswirtschaft...........................................................................................................................9
Abbildung 4: Status quo der industriellen Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz 2018......................... 13
Abbildung 5: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der Medizintechnik und Anteil an der iGW in
Rheinland-Pfalz......................................................................................................................................14
Abbildung 6: Bruttowertschöpfungsanteil der Medizintechnik an der iGW im Bundesländervergleich..... 15
Abbildung 7: Entwicklung der Erwerbstätigen in der Medizintechnik und Anteil an der iGW in
Rheinland-Pfalz...................................................................................................................................... 15
Abbildung 8: Erwerbstätigenanteil der Medizintechnik an der iGW im Bundesländervergleich................... 16
Abbildung 9: Der ökonomische Fußabdruck der rheinland-pfälzischen Medizintechnikbranche................. 17
Abbildung 10: Indirekte und induzierte Bruttowertschöpfungseffekte der rheinland-pfälzischen
Medizintechnikbranche in andere Bundesländer..........................................................................18
Abbildung 11: Entwicklung der Exporte der Medizintechnik und Anteil an der iGW in Rheinland-Pfalz..... 19
Abbildung 12: Status quo der Exporte in der Medizintechnik im Ländervergleich...........................................20
Abbildung 13: Entwicklung der Im- und Exporte der rheinland-pfälzischen Medizintechnik........................ 21
Abbildung 14: Anzahl und erwirtschafteter Umsatz von Unternehmen der Medizintechnikbranche in
Rheinland-Pfalz....................................................................................................................................22
Abbildung 15: Entwicklung der Umsätze der rheinland-pfälzischen Medizintechnikunternehmen nach
Unternehmensgröße..........................................................................................................................23
Abbildung 16: Entwicklung der Anzahl der in Rheinland-Pfalz ansässigen Medizintechnikunternehmen..24
Abbildung 17: Entwicklung der Beschäftigten in der rheinland-pfälzischen Medizintechnik.........................25
Abbildung 18: Verteilung der Anforderungsniveaus in der Medizintechnikbranche in Rheinland-Pfalz......26
Abbildung 19: Geschlechterverteilung von sozialverisicherungspflichtig Beschäftigten der
rheinland-pfälzischen Medizintechnikbranche..............................................................................28
Abbildung 20: Beschäftigungsstärkere Berufsgruppen in der rheinland-pfälzischen Medizintechnik.........29
Abbildung 21: Anzahl der offenen Stellen in der Medizintechnikbranche im Ländervergleich..................... 30
Abbildung 22: Entwicklung der offenen Stellen in der rheinland-pfälzischen Medizintechnikbranche....... 31
Abbildung 23: Themenschwerpunkte der Umfeldanalyse....................................................................................32
Abbildung 24: Forschungsintensität in der iGW im Ländervergleich.................................................................33
Abbildung 25: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der FuE in der rheinland-pfälzischen
Medizintechnikbranche.....................................................................................................................33
Abbildung 26: Entwicklung der Erwerbstätigen in der FuE in der rheinland-pfälzischen
Medizintechnikbranche.................................................................................................................... 34
Abbildung 27: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der iGW und Anteil der Medizintechnik in
Rheinland-Pfalz...................................................................................................................................35
Abbildung 28: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der iGW und Anteil der Medizintechnik in
Rheinland-Pfalz...................................................................................................................................36
Abbildung 29: Zentrale Handlungsfelder der Medizintechnikbranche Rheinland-Pfalz................................. 51
Abbildung 30: Strategische Maßnahmen in den Handlungsfeldern...................................................................58
3Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Stärken und Schwächen am Medizintechnikstandort Rheinland-Pfalz............................. 48 – 49
Tabelle 2: Chancen und Herausforderungen am Medizintechnikstandort Rheinland-Pfalz.....................50
Infoboxen
Infobox 1: Lesebeispiel WZ-Ansatz und Güter-Ansatz......................................................................................10
Infobox 2: Datenverfügbarkeit................................................................................................................................11
Abkürzungsverzeichnis
Kürzel Bezeichnung
AG GGRdL Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomische Gesamtrechnung der Länder
BA Bundesagentur für Arbeit
BfArM Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte
BMG Bundesgesundheitsministerium
BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
DiGA Digitale Gesundheitsanwendungen
DiPA Digitale Pflegeanwendungen
DVG Digitale-Versorgung-Gesetz
DVPMG Digitale–Versorgung–und–Pflege–Modernisierungs–Gesetz
ePA Elektronische Patientenakte
FuE Forschung und Entwicklung
FZULG Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung
GAR Gesundheitsausgabenrechnung
GGR Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung
iGW Industrielle Gesundheitswirtschaft
IT Informationstechnik
IVDR In Vitro Diagnostics Regulation
KHZG Krankenhauszukunftsgesetz
KI Künstliche Intelligenz
KldB Klassifikation der Berufe
MDR Medical Device Regulation
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
p. a. per annum
Tsd. Tausend
VGR Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
WHO World Health Organisation
WSE Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz
WZ Wirtschaftszweig
4VORWORT
Die Medizintechnikbranche ist innerhalb der Ge- Der vorliegende Branchensteckbrief zeichnet ein
sundheitswirtschaft Rheinland-Pfalz besonders gegenwärtiges Gesamtbild der Medizintechnik
innovativ, wachstumsstark und zukunftsträch- in Rheinland-Pfalz und liefert wichtige Informa-
tig. Durch die hohe Nachfrage an technologisch tionen zur wirtschaftlichen Bedeutung, Struk-
hochentwickelten Geräten in der aktuellen und tur, Entwicklung sowie aktuelle und zukünftige
zukünftigen medizinischen Versorgung von Pati- Trends. Er bietet damit eine gute Orientierung,
enten erlangt die Medizintechnik damit eine hohe um auch künftig die richtigen Voraussetzungen
Bedeutung für die gesamte rheinland-pfälzische zu finden, die das Potential der rheinland-pfälzi-
Gesundheitswirtschaft. So hat sich die Medizin- schen Medizintechnikbranche weiter fördern.
technikbranche in den letzten Jahren mehr und
mehr als wirtschaftliche Kraft in Rheinland-Pfalz Ihr
gefestigt und zu Wachstum und Wohlstand bei-
getragen. Ihre Bruttowertschöpfung ist im Zeit-
raum von 2009 bis 2018 mit 5,1 Prozent stärker
als die rheinland-pfälzische Gesamtwirtschaft
gewachsen. Dr. Volker Wissing
Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Aktuell steht die Medizintechnikbranche vor Stellvertretender Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz
großen Herausforderungen. Zum einen durch
die Corona-Pandemie, die im großen Umfang
die Bereitstellung von Schutzausrüstungen, wie
Schutzmasken und Beatmungsgeräten fordert,
zum anderen ist ab Mai 2021 die Medical De-
vice Regulation MDR-(EU) 2017/745 umzusetzen.
Gleichzeitig verleiht die Corona-Pandemie der
Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft einen
Auftrieb. Die Entstehung neuer digitaler Prozes-
se und die Entwicklung digitaler Produkte werden
die gesamte Branche nachhaltig verändern.
51. AUSGANGSLAGE
UND ZIELSETZUNG
Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen Wirkung gerät die wirtschaftliche Relevanz der
mit Gesundheitsbezug gilt als einer der Mega- Akteure, die für die Herstellung der Erzeugnisse
trends des 21. Jahrhunderts. Neben der demo- verantwortlich sind, oftmals in den Hintergrund.
grafischen Entwicklung sorgt u.a. ein steigendes Die Medizintechnikbranche gehört jedoch zu
Gesundheitsbewusstsein für eine hohe Nachfrage einem der bedeutendsten Teilbereiche der pro-
nach Gütern der Gesundheitswirtschaft.1 Die öko- duzierenden industriellen Gesundheitswirtschaft
nomische Bedeutung sowie die Entwicklung der und leistet auch in Rheinland-Pfalz einen wich-
Gesundheitswirtschaft werden anhand der Ge- tigen Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wohl-
sundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung (GGR) stand.
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Ener-
gie (BMWi) regelmäßig untersucht. Die mit der Medizintechnikbranche verbundenen
wirtschaftlichen Aktivitäten verzeichneten in den
Demnach ist die Gesundheitswirtschaft ein Wachs- vergangenen Jahren ein stetiges und überdurch-
tums- und Beschäftigungsmotor innerhalb der schnittliches Wachstum. Der branchenübergrei-
deutschen Volkswirtschaft und stellt einen sta- fende Trend der Digitalisierung prägt dabei auch
bilisierenden Faktor für den Wirtschaftsstandort die Wachstumschancen von Unternehmen in der
Deutschland dar. Medizintechnikbranche. In diesem Bereich werden
in den nächsten Jahren besonders die Künstliche
Die Dynamik und die bisherigen Auswirkungen der Intelligenz und Robotik eine entscheidende Rolle
Corona-Pandemie zeigen zudem, wie wichtig ein in der Gesundheitswirtschaft einnehmen.
stabiles und gut funktionierendes Gesundheits- Innovationen in den Feldern Sensorik, Diagnostik
system ist. Durch die Pandemie wird der Gesund- und Datenverarbeitung eröffnen in der gesamten
heitswirtschaft somit ein größerer Stellenwert in Medizintechnikbranche neue, datengetriebene
der öffentlichen Wahrnehmung zuteil. Services und Geschäftsmodelle.
Ein stützendes Element innerhalb der Gesund- Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Entwick-
heitswirtschaft ist die Medizintechnik. Ihre Er- lungen und dem digitalen Wandel in der Medizin-
zeugnisse tragen nicht nur zur Genesung von Pa- technikbranche bedarf es einer Aktualisierung des
tienten bei, sondern können darüber hinaus die Branchensteckbriefs Medizintechnik Rheinland-
Lebensqualität von Menschen verbessern sowie Pfalz aus dem Jahr 2014.2 Auf Basis des aktuali-
zur Vorbeugung von Krankheiten, bspw. durch sierten Branchensteckbriefs sollen entsprechende
moderne Diagnostikmethoden, beitragen. Vor Maßnahmen abgeleitet werden, um das Potential
dem Hintergrund der gesundheitsfördernden der Medizintechnikbranche gezielt zu fördern.
1
Vgl. Rauch & Seidel 2012.
2
Vgl. van Elkan 2014.
61.1 Makroökonomische Einordnung
der Gesundheitswirtschaft
Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland trägt als stabilisierender Faktor innerhalb der deut-
maßgeblich zur positiven Entwicklung der Volks- schen Gesamtwirtschaft präsentiert. Ob sich
wirtschaft bei. Die Bedeutung der Branche für dies auch in Anbetracht des aktuellen Pandemie-
Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum ist geschehens weiterhin der Fall sein wird, ist der-
dabei in den vergangenen Jahren kontinuierlich zeit noch nicht absehbar, da es noch an den nö-
gestiegen. Insbesondere in Zeiten wirtschaft- tigen amtlichen Daten mangelt, um eine valide
licher Krisen hat sich die Gesundheitswirtschaft Aussage zu treffen.
372,0 Mrd.
EUR 12,0 % 4,1 %
Bruttowertschöpfung Anteil an der Durchschnittliches jährliches
im Jahr 2019 Gesamtwirtschaft Wachstum seit 2010
Gesamtwirtschaft: 3,3 % (2010 – 2019)
7,5 Mio.
16,6 % 2,0 %
Erwerbstätige Anteil an der Durchschnittliches jährliches
im Jahr 2019 Gesamtwirtschaft Wachstum seit 2010
Gesamtwirtschaft: 1,1 % (2010 – 2019)
131,2 Mrd.
EUR
8,3 % 6,1 %
Exporte Anteil an der Durchschnittliches jährliches
im Jahr 2019 Gesamtwirtschaft Wachstum seit 2010
Gesamtwirtschaft: 4,5 % (2010 – 2019)
Abbildung 1: Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland
Quelle: BMWi (2020a), Berechnung und Darstellung WifOR
Aus Abbildung 1 geht hervor, dass die deut- der Gesundheitswirtschaft durchweg überdurch-
sche Gesundheitswirtschaft im Jahr 2019 eine schnittliche Wachstumsraten auf.3
Bruttowertschöpfung von rund 372 Milliarden
Euro generierte. Das waren rund 12 Prozent der Ein wichtiger Teilbereich der Gesundheitswirt-
gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung schaft ist die industrielle Gesundheitswirt-
Deutschlands. Dies entspricht in etwa jedem schaft. Diese generierte im Jahr 2019 eine Brut-
achten Euro des deutschen Bruttoinlandspro- towertschöpfung von 81,2 Milliarden Euro. Dies
dukts und mehr als einer Milliarde Bruttowert- entspricht einem Anteil von 21,8 Prozent der
schöpfung pro Tag. Gleichzeitig beschäftigte gesamten Bruttowertschöpfung der Gesund-
die Gesundheitswirtschaft 7,5 Millionen Men- heitswirtschaft. Darüber hinaus arbeitete ein
schen in Deutschland und trug mit ihren Exporten Anteil von 14,0 Prozent der deutschen Gesamt-
zu rund 8,3 Prozent des gesamtdeutschen Außen- wirtschaft, ca. 1,0 Millionen Personen, in der in-
handels bei. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft dustriellen Gesundheitswirtschaft.
weisen die zentralen ökonomischen Kennzahlen
3
Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 2020a.
7STATUS-QUO DER INDUSTRIELLE
GESUNDHEITSWIRTSCHAFT IN DEUTSCHLAND
2019
Industrielle Gesundheitswirtschaft
Medizinische Versorgung
81,2
€
Mrd.
EUR
Bruttowertschöpfung (in 2019)
€ 21,8%
372,0 Mrd.
EUR
Anteil an der Bruttowertschöpfung
der Gesundheitswirtschaft
7,5 Mio.
1,0 Mio.
Erwerbstätige (in 2019)
14,0 %
Weitere Teilbereiche Anteil am gesamten Arbeitsmarkt
der Gesundheitswirtschaft
Abbildung 2: Status quo der industriellen Gesundheitswirtschaft in Deutschland 2019
Quelle: BMWi (2020a), Berechnung und Darstellung WifOR
Neben diesen Forschungsergebnissen auf natio- Die vorliegende Untersuchung basiert auf dieser
naler Ebene wurde im Auftrag des BMWi in den Datenbasis, übersteigt jedoch die Ergebnisse der
vergangenen Jahren eine Vielzahl von bundesland- BMWi-Berichterstattung in Bezug auf Analysetiefe
spezifischen Forschungsarbeiten zur Gesundheits- und gesamtwirtschaftliche Einordnung.
wirtschaft sowie einzelnen Teilbereichen der Bran-
che durchgeführt.4 Seit dem Jahr 2017 existiert Bevor im Kapitel 2 der Fokus speziell auf die Be-
eine einheitliche Datenbasis zur Quantifizierung deutung der Medizintechnikbranche in Rheinland-
der ökonomischen Bedeutung der Gesundheits- Pfalz gelegt wird, folgt zunächst ein methodischer
wirtschaft in den einzelnen Bundesländern. Diese Exkurs zur definitorischen Abgrenzung der Daten-
wird durch die jährlich aktualisierte Berichterstat- basis.6
tung zur Gesundheitswirtschaft für alle Länder in
einer Broschüre des BMWi dokumentiert.5
Vgl. u.a. Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) 2020; Gerlach, Hryhorova & Legler 2019; Landeszentrum Gesund-
4
heit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) 2018; Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes (MWAEV) 2019.
5
Vgl. u.a. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 2018a; 2019; 2020b.
6
Anmerkung: Ein ausführliches methodisches Vorgehen kann darüber hinaus dem Anhang entnommen werden.
81.2 Exkurs Definitorische Abgrenzung
und Datenbasis
Den Ausgangspunkt sowie die grundlegende Da- Statistischen Bundesamtes erfasst. Mit der Fort-
tenbasis für die vorliegende Studie bildet die Ge- entwicklung der GGR ging auch die Verfeinerung
sundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR) des Schichtmodells der Gesundheitswirtschaft (s.
des BMWi. Im Auftrag des BMWi wurden in meh- Abbildung 3 links) hin zu einer gütergruppenba-
reren Forschungsprojekten, u.a. durch WifOR, die sierten Abgrenzung (s. Abbildung 3 rechts) einher.
Definition und Abgrenzung der Gesundheitswirt-
schaft erarbeitet und das darauf basierende Modell Im Unterschied zu wirtschaftszweigbezogenen
kontinuierlich weiterentwickelt.7 Abgrenzungen werden bei der gütergruppenba-
sierten Abgrenzung (Güteransatz) sämtliche Wa-
Von Anfang an wurde dabei die Gesundheitswirt- ren und Dienstleistungen mit Gesundheitsbezug
schaft in den Kategorien der amtlichen Volks- im Sinne der VGR erfasst. Bei dieser Abgrenzung
wirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) des werden die Wertschöpfungs- und Erwerbstä-
Humanarzneimittel
Humanarzneimittel
Medizinprodukte und Medizintechnische Großgeräte
Krankenhäuser
Gesundheitswirtschaft
Vorleistungs- und Vorsorge- und Reha-
Medizintechnik
bilitationseinrichtungen
Kernbereich der
Zulieferindustrien Einzelhandelsleistungen des Kernbereichs
Vertrieb und
(Teil-)stationäre
Großhandel
Pflegeeinrichtungen
Krankenversicherungen und öffentliche Verwaltung
Arztpraxen Körper-, Hygiene-
und Pflegeprodukte
Dienstleistungen stationärer Einrichtungen
Zusatzversicherungen
Sport- und
Zahnarztpraxen
OTC-Arzneimittel
Fitnessgeräte
Biotechnologie
Dienstleistungen von nicht-stationären Einrichtungen
Gesundheits-
Beratung
Stationäre und ambulante
Versorgung und Pflege Praxen sonstiger wirtschaft
Großhandelsleistungen des Kernbereichs
Industrielle
Forschung &
medizinischer
Entwicklung
Berufe
Ambulante
Waren zur eigenständigen Gesundheitsversorgung
E-Health
Erweiterter Bereich der
Gesundheitswirtschaft
Pflege
Sport-, Wellness- und Tourismusdienstleistungen
Krankenversicher-
ungen u. öffentliche Sonstige Dienstleistungen der
Verwaltung Gesundheitswirtschaft
Sonstige Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft
Waren zur eigenständigen Einzelhandelsleistungen
Gesundheitsversorgung
Sport-, Wellness- und
Investitionen Tourismusdienstleistungen
Zweiter
Gesundheitsmarkt
E-Health
Abbildung 3: Das Schichtmodell und die gütergruppenbasierte Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft,
Quelle: BMWi (2018b), Berechnung und Darstellung WifOR
7
gl. u.a. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 2015; Hilbert, Fretschner & Dülberg 2002; Schnei-der, Ostwald, Karmann,
V
Henke & Braeseke 2015.
9Ausgangslage: Ein Unternehmen erbringt 49 Prozent seiner Wertschöpfung durch die Herstel-
lung von pharmazeutischen Erzeugnissen und 51 Prozent der Wertschöpfung durch die Erstellung
von chemischen Erzeugnissen.
WZ-Ansatz: Nach wirtschaftszweigseitiger Abgrenzung erfolgt die Verortung der Wertschöp-
fungsbeiträge ausschließlich im Wirtschaftszweig der chemischen Erzeugnisse, da diese den an-
teilsmäßig größeren Produktionsschwerpunkt repräsentieren.
Güteransatz: Im Gegensatz dazu ist es durch eine güterseitige Abgrenzung der Wertschöpfungs-
effekte möglich, den jeweiligen Anteil der Produktionsschwerpunkte gesondert voneinander zu
betrachten und unterschiedlichen Wirtschaftszweigen zuzuordnen.
Infobox 1: Lesebeispiel WZ-Ansatz und Güter-Ansatz
tigeneffekte der einzelnen Geschäftsfelder der Wie aus der vorherigen Abbildung 3 (rechts) er-
Unternehmen, gemäß des Gesundheitsbezugs sichtlich wird, kann die Gesundheitswirtschaft in
der in diesen Bereichen erzeugten Güter und er- drei Teilbereiche unterteilt werden: Medizinische
brachten Dienstleistungen, in die GGR einbezo- Versorgung, industrielle Gesundheitswirtschaft
gen (s. Lesebeispiel in Infobox 1). Die Abgrenzung und weitere Teilbereiche.
führt daher zu einer genaueren Erfassung der
Gesundheitswirtschaft und ermöglicht exaktere Die im Fokus dieses Branchensteckbriefs stehen-
und differenziertere Berechnungen. Ausschließ- de Medizintechnikbranche ist in dieser Dreiteilung
lich wirtschaftszweigbezogene Abgrenzungen im- innerhalb der industriellen Gesundheitswirtschaft
plizieren hingegen, dass wirtschaftliche Akteure verortet. Dazu zählen neben der Medizintechnik
und deren Beiträge gemäß ihrer Hauptaktivität auch die Herstellung von Humanarzneimitteln,
nur dem Wirtschaftszweig, dem die Hauptaktivi- Körper-, Mund- und Zahnpflegeprodukten, Sport-
tät eines Unternehmens zuzurechnen ist, zuge- und Fitnessgeräten, E-Health, Forschung & Ent-
ordnet werden. Sämtliche Sekundärproduktionen wicklung sowie der Großhandel und Vertrieb dieser
von Akteuren, die ein breites Portfolio von Waren industriellen Güter. Weiterführende Erläuterungen
und Dienstleistungen anbieten, werden somit dem und Lesehilfen zur Datenbasis der Gesundheits-
Wirtschaftszweig der Haupttätigkeit zugeordnet, wirtschaftlichen Gesamtrechnung können auch in
auch wenn einige per se keinen Bezug dazu haben. einer durch das BMWi veröffentlichten Broschüre
Besitzt ein Unternehmen bspw. zwei Geschäftsfel- eingesehen werden.8
der, so erfolgt bei der wirtschaftszweigbezogenen
Abgrenzung die Einordnung seiner gesamten Wert-
schöpfungsaktivitäten und Beschäftigten entspre-
chend der Hauptaktivität und somit wird nur eines
der beiden Geschäftsfelder berücksichtigt. Ein ge-
sundheitswirtschaftlicher Bezug des zweiten Ge-
schäftsfeldes bleibt unberücksichtigt.
8
Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 2018b.
10Datenbasis GGR des BMWi
Hinsichtlich der Aktualität der Datenbasis des BMWi ist grundsätzlich zwischen Länderebene und
nationaler Ebene zu unterscheiden. So erreicht die nationale Berichterstattung stets einen aktu-
elleren Beobachtungszeitraum als die zu den Ländern. Die aktuellen Daten auf nationaler Ebene
liegen bis zum Jahr 2019 vor, die auf regionaler Ebene bis zum Jahr 2018. Dies ist auf die Daten-
verfügbarkeit der amtlichen Daten von Seiten des Statischen Bundesamtes und der Statistischen
Landesämter zurückzuführen, die immer mit einem gewissen Zeitversatz veröffentlicht werden.
Trotz unterschiedlicher Beobachtungszeiträume beziehen sich alle Vergleiche, die auf regiona-
ler Ebene zur nationalen Ebene gezogen werden, auf den jeweils einheitlichen Betrachtungszeit-
raum/-punkt.
Weitere Daten und Fakten
Ergänzend zur Datenbasis der GGR werden im Rahmen des Branchensteckbriefs auch weiterfüh-
rende Kennzahlen zur Charakterisierung der Branche herangezogen. In Anbetracht dieser Fülle an
Informationen kann nicht gewährleistet werden, durchweg einen einheitlichen Untersuchungs-
zeitraum zugrunde zu legen. Auch hier ist die Datenverfügbarkeit durch die Veröffentlichungen
der statistischen Ämter beeinflusst.
Infobox 2: Datenverfügbarkeit
112. DIE MEDIZINTECHNIK-
BRANCHE IN RHEINLAND-
PFALZ
In diesem Kapitel erfolgt zunächst eine wirt- Auf die Höhe der Export- und Importanteile von
schaftsspezifische Betrachtung der Medizintechnik Medizinprodukten und medizintechnischen Groß-
in Rheinland-Pfalz. Hierzu werden die volkswirt- geräten wird ebenso eingegangen, wie auf die Um-
schaftlichen Beiträge der Branche als zentrales sätze, die von Unternehmen in der Medizintechnik-
Element entlang der Wertschöpfungskette Ge- branche in Rheinland-Pfalz erwirtschaftet werden.
sundheit und als stabilisierender Wirtschaftsfaktor Zudem wird die Beschäftigtenstruktur der Medi-
innerhalb der Gesamtwirtschaft dargestellt. zintechnik beschrieben und Vergleiche mit der ge-
samtwirtschaftlichen Entwicklung gezogen.
Anhand verschiedener volkswirtschaftlicher Kenn-
zahlen erfolgt eine Erweiterung der verfügbaren
regionalen Ergebnisse der Gesundheitswirtschaft- 2.1 Volkswirtschaftliche Einordnung der
lichen Gesamtrechnung. Hierdurch wird ein tiefge- Medizintechnik als Teil der indust-
hender Einblick in wirtschaftliche Zusammenhän- riellen Gesundheitswirtschaft
ge in Rheinland-Pfalz gewonnen.
In der rheinland-pfälzischen industriellen Gesund-
Neben den direkten ökonomischen Beiträgen der heitswirtschaft (iGW) arbeiteten rund 47.100 Be-
Medizintechnik zu Wachstum und Beschäftigung in schäftigte im Jahr 2018. Somit waren 14,1 Prozent
Rheinland-Pfalz, können darüber hinaus auch jene aller Beschäftigten in der Gesundheitswirtschaft in
Impulse analysiert werden, die bedingt durch wirt- Rheinland-Pfalz im Bereich der industriellen Ge-
schaftliche Aktivitäten der Branche bei Zulieferern sundheitswirtschaft tätig.
entstehen. Diese s.g. indirekten und induzierten
Effekte stellen einen zusätzlichen ökonomischen
Faktor dar, welcher der gesamten rheinland-pfälzi-
schen Wirtschaft zugutekommt.9
Anmerkung: Eine weiterführende Erläuterung zu den hier erwähnten indirekten und induzierten Effekten kann dem Glossar entnommen
9
werden.
12STATUS-QUO DER INDUSTRIELLEN
GESUNDHEITSWIRTSCHAFT IN RHEINLAND-PFALZ
2018
Industrielle Gesundheitswirtschaft
Medizinische Versorgung
4,6
€
Mrd.
EUR
Bruttowertschöpfung (in 2018)
€ 27,2%
17,1 Mrd.
EUR
Anteil an der Bruttowertschöpfung
der Gesundheitswirtschaft
334 Tsd.
47.100
Erwerbstätige (in 2018)
14,1 %
Weitere Teilbereiche Anteil am gesamten Arbeitsmarkt
der Gesundheitswirtschaft
Abbildung 4: Status quo der industriellen Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz 2018
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es noch Medizintechnik. Die hohe Nachfrage an techno-
38.700 Beschäftigte – der Anteil von Beschäf- logisch hochentwickelten Geräten in der aktuel-
tigten in diesem Teilbereich der Gesundheits- len und zukünftigen medizinischen Versorgung
wirtschaft stieg demnach bis 2018 um ca. 21,7 von Patienten macht die Medizintechnik- und
Prozent. Ferner wurde durch die iGW eine Brutto- Medizinproduktebranche zu einem Kernstück der
wertschöpfung in Höhe von 4,6 Milliarden Euro iGW. Deutsche Unternehmen aus dieser Branche
im Jahr 2018 generiert. Dies machte 27,2 Prozent haben national wie international ein hohes An-
an der gesamten Bruttowertschöpfung in der sehen. Nachfolgend wird auf den Stellenwert ein-
Gesundheitswirtschaft aus. Ein bedeutender Teil gegangen, den die Medizintechnik in Rheinland-
der industriellen Gesundheitswirtschaft ist die Pfalz einnimmt.
Die Medizintechnikbranche hat sich in der Vergangenheit als stabilisierender
Wirtschaftsfaktor erwiesen und in den Zeiten ökonomischer Krisen zur Sicherung
inländischer Wertschöpfung und Arbeitsplätzen beigetragen.
13Während die Bruttowertschöpfung, die durch die jährlichen Wachstumsrate der industriellen Ge-
Medizintechnik in Rheinland-Pfalz generiert wur- sundheitswirtschaft von 4,4 Prozent. Der Anstieg
de, im Jahr 2009 noch bei 294 Millionen Euro lag, dieser volkswirtschaftlichen Kenngröße verdeut-
betrug sie im Jahr 2018 insgesamt 459 Millionen licht, dass sich die Medizintechnik in den letzten
Euro und ist somit um 56,0 Prozent gewachsen. Jahren mehr und mehr als wirtschaftliche Kraft in
Die Bruttowertschöpfung verzeichnete ein jährli- Rheinland-Pfalz gefestigt hat und zu Wachstum
ches durchschnittliches Wachstum von 5,1 Prozent und Wohlstand beiträgt.
zwischen 2009 bis 2018. Dabei ist jedoch zu be-
rücksichtigen, dass die Bruttowertschöpfung nicht Die Bruttowertschöpfung, die durch die Medizin-
in jedem Jahr kontinuierlich anstieg. So ist bspw. technik generiert wurde, machte einen Anteil von
von 2017 auf 2018 ein Minus von vier Millionen 9,9 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung
Euro zu beobachten. der industriellen Gesundheitswirtschaft in Rhein-
land-Pfalz im Jahr 2018 aus. Dieser Anteil schwankt
Insgesamt stieg die Bruttowertschöpfung der seit 2009 zwischen neun und zehn Prozent.
rheinland-pfälzischen Medizintechnik im Zeitraum
von 2009 bis 2018 mit 5,1 Prozent sogar stärker Wird dieser Wert mit den anderen Bundesländern
an als die rheinland-pfälzische Gesamtwirtschaft. verglichen (s. Abbildung 6), so zeigt sich, dass die
ENTWICKLUNG
Diese wies ein Wachstum DER von durchschnittlich Bruttowertschöpfung im Bereich Medizintechnik
ca. 3,6 Prozent pro Jahr (von 2009 bis 2018) auf. in Rheinland-Pfalz unter dem Durchschnittswert
BRUTTOWERTSCHÖPFUNG
Zudem lag die jährliche Wachstumsrate der Brut-
IN DER
von 18,5 Prozent lag und den geringsten Anteil an
MEDIZINTECHNIK UND ANTEIL
towertschöpfung der Medizintechnik über der AN DER IGW
der industriellen Gesundheitswirtschaft aufwies.
IN RHEINLAND-PFALZ
Bruttowertschöpfung in der Medizintechnik Rheinland-Pfalz
+165 Mio.
EUR + 5,1% + 3,6% + 4,4%
Wachstum absolut Wachstum Medizintechnik Wachstum Gesamtwirtschaft Wachstumsrate iGW
seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009
500 463 459 50%
437 442
421
392 392 386
Bruttowertschöpfung
400 40%
Anteil an der iGW
363
in Mio. Euro
294
300 30%
200 20%
9,0% 10,0% 10,3% 9,0% 10,0% 10,0% 10,0% 9,0% 10,0% 10,0%
100 10%
0 0%
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Abbildung 5: Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der Medizintechnik und Anteil an der iGW in
Rheinland-Pfalz, Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
14MEDIZINTECHNIK AN DER IGW IM
BUNDESLÄNDERVERGLEICH
Bruttowertschöpfungsanteil der Medizintechnik an der iGW im Ländervergleich
[in 2018]
Bayern 27,7%
Thüringen 26,4%
Mecklenburg-V. 22,5%
Schleswig-Holstein 20,9%
Baden-Württemberg 19,7%
Niedersachsen 18,9%
Sachsen 18,8%
DE 18,5%
Saarland 18,4%
Nordrhein-Westfalen 16,9%
Bremen 15,6%
Brandenburg 14,2%
Hamburg 14,0%
Berlin 13,8%
Hessen 13,4%
Sachsen-Anhalt 12,5%
Rheinland-Pfalz 9,9%
0% 10% 20% 30%
Abbildung 6: Bruttowertschöpfungsanteil der Medizintechnik an der iGW im Bundesländervergleich
ENTWICKLUNG DER ERWERBSTÄTIGEN
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR IN
DER MEDIZINTECHNIK UND ANTEIL AN DER
IGW IN RHEINLAND-PFALZ
Hohe Anteile waren etwa in Bayern mit 27,7 Pro- Somit lässt sich feststellen, dass in der Branche in
zent, in Thüringen mit 26,4 Prozent und in Meck- Rheinland-Pfalz noch Wachstumspotential be-
lenburg-Vorpommern mit 22,6 Prozent zu verorten. steht.
+480 + 0,9% + 0,8% + 2,2%
Wachstum absolut Wachstum Medizintechnik Wachstum Gesamtwirtschaft Wachstumsrate iGW
seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009
8.000 50%
7.000 6.670 6.710 6.580 6.630
6.390 6.310 6.470 6.430
5.950 6.020 40%
Anteil an der iGW
6.000
Erwerbstätige
5.000 30%
4.000
3.000 15,0% 15,0% 16,0% 15,0% 15,0% 15,0% 15,0% 14,0% 14,0% 14,0% 20%
2.000
10%
1.000
0 0%
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Abbildung 7: Entwicklung der Erwerbstätigen in der Medizintechnik und Anteil an der iGW in
Rheinland-Pfalz, Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
15Die wirtschaftliche Stabilität der Medizintechnik trägt zur Sicherung
von über 6.000 Beschäftigungsverhältnissen bei.
Im Jahr 2018 waren 6.430 Erwerbstätige in der bis 2018 nur marginal verändert und schwankte
Medizin Rheinland-Pfalz beschäftigt – dies waren zwischen 14 und 16 Prozent.
8,1 Prozent bzw. 480 Personen mehr als noch im
Jahr 2009 (5.950 Erwerbstätige). Die Erwerbstä- Aus nachstehender Abbildung 8 ist ersichtlich,
tigenzahl war im Jahr 2015 mit 6.710 Personen welchen Anteil die Erwerbstätigen aus der Me-
innerhalb des Zeitraums von 2009 bis 2018 am dizintechnik innerhalb der industriellen Gesund-
höchsten. Im Betrachtungszeitraum von 2009 bis heitswirtschaft in den übrigen Bundesländern
2018 verzeichnete die Branche einen jährlichen ausmachten. Dabei zeigt sich, dass Rheinland-
Erwerbstätigenzuwachs von 0,9 Prozent. Dieser Pfalz mit einem Anteil von 13,7 Prozent unter
Wert lag knapp über dem der rheinland-pfälzi- dem Durchschnittswert von 18,8 Prozent und am
schen Gesamtwirtschaft von 0,8 Prozent und un- unteren Ende im Bundesvergleich lag. Der Anteil
ter dem der industriellen Gesundheitswirtschaft von Erwerbstätigen in der Medizintechnik an der
in Höhe von 2,2 Prozent. industriellen Gesundheitswirtschaft war insbe-
ERWERBSTÄTIGENANTEIL DER sondere in Thüringen (26,1 Prozent) und Bayern
MEDIZINTECHNIK
Die 6.430 Erwerbstätigen in derAN DER IGW(24,5
Medizintechnik IM Prozent) vergleichsweise hoch. Wie zuvor in
BUNDESLÄNDERVERGLEICH
machten ca. 14 Prozent aller Erwerbstätigen in Abbildung 6 dargestellt, war in diesen Bundeslän-
der industriellen Gesundheitswirtschaft in Rhein- dern der Bruttowertschöpfungsanteil an der in-
land-Pfalz aus. Dieser Anteil hat sich von 2009 dustriellen Gesundheitswirtschaft am höchsten.
Erwerbstätigeanteil der Medizintechnik an der iGW im Ländervergleich [in 2018]
Thüringen 26,1%
Bayern 24,5%
Baden-Württemberg 20,9%
Sachsen 20,1%
Schleswig-Holstein 19,3%
Deutschland 18,8%
Nordrhein-Westfalen 17,7%
Niedersachsen 17,5%
Mecklenburg-V. 17,2%
Bremen 15,7%
Brandenburg 15,5%
Sachsen-Anhalt 15,3%
Saarland 15,1%
Hessen 14,7%
Berlin 14,1%
Rheinland-Pfalz 13,7%
Hamburg 10,3%
0% 10% 20% 30%
Abbildung 8: Erwerbstätigenanteil der Medizintechnik an der iGW im Bundesländervergleich
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
16Durch die Herstellung von Medizintechnik entstehen beachtliche
Wachstums-
DER und Beschäftigungseffekte
ÖKONOMISCHE FUßABDRUCKinDER der rheinland-pfälzischen Wirtschaft
RHEINLAND-PFÄLZISCHEN
sowie überMEDIZINTECHNIK
die Landesgrenzen hinaus.
Der ökonomische Fußabdruck der Medizintechnikbranche in Deutschland
[in 2018]
Gesamteffekte
Ausstrahleffekte
459 Mio.
EUR 289 Mio.
EUR 159 Mio.
EUR
6.430 4.324 2.532
Direkte Effekte
Indirekte Effekte
Induzierte Effekte
Abbildung 9: Der ökonomische Fußabdruck der rheinland-pfälzischen Medizintechnikbranche
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Die Medizintechnik in Rheinland-Pfalz erzeugte Dienstleistungen induzierte Effekte in Höhe von
auch über die Landesgrenzen hinweg Bruttowert- 159 Millionen Euro Bruttowertschöpfung. Die in-
schöpfungs- und Erwerbstätigeneffekte. Diese s.g. duzierten Effekte trugen zudem zur Sicherung von
Ausstrahleffekte sind in der folgenden Abbildung 9 ca. 2.530 Arbeitsplätzen bei. In Summe ergab sich
dargestellt. somit ein bundesweiter ökonomischer Fußabdruck
der Medizintechnik in Rheinland-Pfalz von 907
Durch die wirtschaftliche Aktivität der Akteure Millionen Euro Bruttowertschöpfung und ungefähr
in der Medizintechnik entstanden rund 459 Mil- 13.280 Erwerbstätige in der gesamten deutschen
lionen Euro direkte Bruttowertschöpfung sowie Volkswirtschaft.
6.430 Erwerbstätigenverhältnisse in Rheinland-
Pfalz im Jahr 2018. Durch den Bezug von Waren 636 Millionen Euro Bruttowertschöpfung bzw.
und Dienstleistungen aus vorgelagerten Zuliefe- 65,3 Prozent aller Ausstrahleffekte der Medizin-
rungsbranchen entstanden weitere 289 Millionen technik entstanden innerhalb der rheinland-pfäl-
Euro indirekte Bruttowertschöpfung, was zur Si- zischen Volkwirtschaft. In welchem Maße die
cherung von ca. 4.320 Arbeitsplätzen beitrug. In Volkswirtschaften in den übrigen Bundesländern
der dritten Stufe entstanden durch die gezahlten von der wirtschaftlichen Aktivität der Medizin-
Gehälter in den Zulieferbranchen und dem damit technik in Rheinland-Pfalz profitierten, ist in der
einhergehenden Konsum von weiteren Waren und nachfolgenden Abbildung 10 dargestellt. Über die
17INDIREKTE UND INDUZIERTE
BRUTTOWERTSCHÖPFUNGSEFFEKTE DER
MEDIZINTECHNIKBRANCHE IN DEN
BUNDESLÄNDERN
Indirekte und induzierte Bruttowertschöpfungseffekte der Medizintechnikbranche in
andere Bundesländer [in 2018 / in Mio. Euro]
7
2
15
3
12
20
11 5
66
9 5
22
636
77
3 80
Abbildung 10: Indirekte und induzierte Bruttowertschöpfungseffekte der rheinland-pfälzischen Medizin-
technikbranche in andere Bundesländer, Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Landesgrenzen hinaus wirkte sich die wirtschaftli- In den letzten Jahren sind die Exporte in der ge-
che Aktivität der Medizintechnik insbesondere auf samtwirtschaftlichen Perspektive in Rheinland-
Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nord- Pfalz kontinuierlich gewachsen und erreichten
rhein-Westfalen aus. mit einem Volumen von 60 Milliarden Euro einen
neuen Höchstwert im Jahr 2018. Dies entspricht
Dies bedeutet, dass durch die Aktivitäten der Me- einem Anstieg von 9,2 Prozent gegenüber dem
dizintechnikbranche in Rheinland-Pfalz bspw. 80 Vorjahr.10 Auch für die Exporte von Medizinpro-
Millionen Euro indirekte und induzierte Brutto- dukten und medizintechnischen Großgeräten aus
wertschöpfungseffekte in Baden-Württemberg Rheinland-Pfalz zeichnet sich ein prosperierendes
ausgelöst wurden. Wachstum innerhalb der letzten Dekade ab. Aus
der nachfolgenden Abbildung 11 geht hervor, dass
Diese Effekte entstanden aufgrund des Bezugs von durch den Export von rheinland-pfälzischen Pro-
Vorleistungsgütern, die für die Herstellung der Me- dukten der Medizintechnik 760 Millionen Euro im
dizintechnik in Rheinland-Pfalz benötigt und hier- Jahr 2018 erwirtschaftet wurden.
zu von Unternehmern aus Baden-Württemberg
hergestellt werden mussten.
Das durchschnittliche jährliche Exportwachstum der Medizintechnikbranche
liegt über dem der Gesamtwirtschaft.
10
Vgl. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2019.
18ENTWICKLUNG DER EXPORTE DER
MEDIZINTECHNIK UND ANTEIL AN DER IGW
IN RHEINLAND-PFALZ
Exporte in der Medizintechnik Rheinland-Pfalz
+376 Mio.
EUR + 7,9% + 7,7% + 7,4%
Wachstum absolut Wachstum Medizintechnik Wachstum Gesamtwirtschaft Wachstumsrate iGW
seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009 p.a. seit 2009
800 733
760 50%
689 680
700
Anteil an der iGW
40%
600 567 557
in Mio. Euro
Exporte
503
500 459
30%
384 397
400
300 20%
200 8,0% 8,5% 8,6% 8,4% 9,3% 8,4% 9,0% 8,3% 8,3% 8,3%
10%
100
0 0%
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Abbildung 11: Entwicklung der Exporte der Medizintechnik und Anteil an der iGW in Rheinland-Pfalz
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Im Jahr 2009 betrug dieser Wert noch 384 Millio- Mit Exporten von Medizintechnikprodukten in
nen Euro. Absolut ist der Wert somit um 376 Milli- Höhe von 760 Millionen Euro lag Rheinland-Pfalz
onen Euro gestiegen und hat sich seit 2009 nahezu im Bundesvergleich im Mittelfeld. Auffällig ist,
verdoppelt. Im Mittel betrug die jährliche Wachs- dass die neuen Bundesländer einen geringen Wert
tumsrate der Medizintechnik in Rheinland-Pfalz an Exporten aufwiesen. Bayern mit 6,9 Milliarden
7,9 Prozent und lag über dem durchschnittlichen Euro und Baden-Württemberg mit 6,4 Milliarden
Wachstum der industriellen Gesundheitswirtschaft Euro erwirtschafteten die höchsten Exportwerte
mit 7,4 Prozent. Zudem war der Anstieg der Expor- mit Medizintechnikprodukten.
te über dem Niveau der rheinland-pfälzischen Ge-
samtwirtschaft, die ein Wachstum von 7,7 Prozent
in den Jahren von 2009 bis 2018 aufwiesen.
19STATUS QUO DER EXPORTE IN DER
MEDIZINTECHNIK IM LÄNDERVERGLEICH
Exporte in der Medizintechnik im Ländervergleich [in 2018 / in Mio. Euro]
1.265
299
1.204
152
935
1.578
266 350
5.116
597 686
2.688
760
268 6.908
6.433
Abbildung 12: Status quo der Exporte in der Medizintechnik im Ländervergleich
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Wird der jährliche Wachstumsverlauf der Importe Trotz des kontinuierlichen Wachstums der Expor-
betrachtet (s. Abbildung 13), lässt sich konstatieren, te wurden diese im Jahr 2014 von den Importen
dass dieser ebenfalls seit dem Jahr 2009 sehr stark übertroffen. Seitdem ist ein Handelsbilanzdefizit
angestiegen ist. Lag der Wert der importierten me- festzustellen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass
dizintechnischen Produkte im Jahr 2009 noch bei die im Ausland hergestellten Medizinprodukte in
318 Millionen Euro, so hat sich dieser Wert bis zum Rheinland-Pfalz stark nachgefragt werden.
Jahr 2015 mehr als verdoppelt (729 Millionen Euro)
und betrug im Jahr 2018 ca. 806 Millionen Euro. Jedoch lässt sich die Entwicklung eines Handels-
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der bilanzdefizits nicht in der gesamten industriellen
Importe von 2009 bis 2018 betrug somit 10,9 Pro- Gesundheitswirtschaft beobachten. Dort war u.a.
zent. Bei dieser positiven Entwicklung zeigt sich, durch den hohen Exportanteil von pharmazeuti-
dass vom Jahr 2009 bis 2013 ein Handelsbilanz- schen Erzeugnissen ein Handelsbilanzüberschuss
überschuss erwirtschaftet wurde, da die Exporte von 4,9 Milliarden Euro in Rheinland-Pfalz fest-
die Importe überstiegen. zustellen. Auch in der gesamtwirtschaftlichen Be-
trachtung wurde ein Außenhandelsüberschuss in
Höhe von 20,9 Milliarden Euro erzielt.
20ENTWICKLUNG DER EXPORTE UND IMPORTE
IN DER MEDIZINTECHNIK
Entwicklung der Im- und Exporte in der Medizintechnik
-46,0
Mio.
EUR +4,9 Mrd.
EUR +20,9 Mrd.
EUR
Handelsbilanzdefizit Handelsbilanzüberschuss Handelsbilanzüberschuss
2018 2018 in der iGW 2018 in der Gesamtwirtschaft
900
806
770 760
800 729 736 733
689 680
700
567 588
600 557
Importe/ Exporte
503 523
in Mio. Euro
500 459434 443
384 397
400 355
318
300
200
100
0
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Export Import
Abbildung 13: Entwicklung der Im- und Exporte der rheinland-pfälzischen Medizintechnik
Quelle: BMWi (2020b), Berechnung und Darstellung WifOR
Importe als auch Exporte in der Medizintechnik ha- D
ie Exporte von rheinland-pfälzischen Waren der
ben im Zuge der Globalisierung und des Anstiegs Medizintechnikbranche sind um 376 Millionen
weltweiten Güteraustausches profitiert, indem Euro vom Jahr 2009 auf 2018 gestiegen.
Produkte der Medizintechnik aus Rheinland-Pfalz
global nachgefragt wurden. Das Wachstum der Im-
und Exporte in den letzten Jahren verdeutlicht das 2.2 Umsatzentwicklung rheinland-pfäl-
Potential der rheinland-pfälzischen Medizintech- zischer Medizintechnikunternehmen
nik. Somit trägt die Medizintechnik maßgeblich
zum Exportwachstum in Rheinland-Pfalz sowie in Um die vorab beschriebenen makroökonomischen
Deutschland bei. Kennzahlen zu vertiefen, folgt in diesem Kapitel
eine genauere Betrachtung der Umsätze, die von
Wichtige Ergebnisse auf einen Blick: Unternehmen in Rheinland-Pfalz in der Medizin-
Die Bruttowertschöpfung der Medizintechnik in technik erwirtschaftet wurden.
Rheinland-Pfalz betrug 459 Millionen Euro im
Jahr 2018. Um spezifische Aussagen über die Umsatzent-
Von 2009 bis 2018 lag die durchschnittliche wicklung treffen zu können, wird in den nachfol-
jährliche Wachstumsrate der Bruttowertschöp- genden Berechnungen nicht länger die Systematik
fung bei 5,1 Prozent. der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung
Das durchschnittliche jährliche Wachstum der angewandt, sondern auf amtlich zur Verfügung
Anzahl an Erwerbstätigen (von 2009-2018) be- stehende Daten des Statistischen Landesamtes
trug 0,9 Prozent. Rheinland-Pfalz zurückgegriffen. Dabei erfolgt
Durch den ökonomischen Fußabdruck der Medi- eine statistische Abgrenzung durch die Betrach-
zintechnik in Rheinland-Pfalz wurden 907 Millio- tung der zwei Wirtschaftszweige 26.6 „Herstellung
nen Euro Bruttowertschöpfung erwirtschaftet. von Bestrahlungs- und Elektrotherapiegeräten und
21Rückläufige Anzahl an Unternehmen und dennoch wachsender Umsatz.
elektromedizinischen Geräten“ sowie 32.5 „Her- Koblenz, Trier und Rheinhessen-Pfalz unterschieden).
stellung von medizinischen und zahnmedizinischen Die meisten Unternehmen (263 Unternehmen), die
Apparaten und Materialien“ (WZ 2008 Klassifikation in der Branche Medizintechnik tätig waren, lassen
des Statistischen Bundesamtes). Dieses Vorgehen sich der statistischen Region Rheinhessen-Pfalz zu-
ermöglicht eine statistische Definition der Medizin- ordnen.
technikbranche und stellt eine Vergleichbarkeit der
Ergebnisse mit anderen Studien sicher. Nachfolgend Die in dieser Region ansässigen Unternehmen erziel-
werden die aufbereiteten Daten beschrieben. 11 ten im Jahr 2018 einen Umsatz in Höhe von 176 Mil-
lionen Euro. Im Vergleich wurde in der statistischen
In Rheinland-Pfalz ließen sich 581 Unternehmen in Region Koblenz trotz einer geringeren Anzahl von 227
den genannten Wirtschaftszweigen 26.6 und 32.5 ansässigen Unternehmen ein höherer Gesamtumsatz
im Jahr 2018 verorten. Diese erwirtschafteten einen von 284 Millionen Euro erwirtschaftet. Ausschlagge-
Gesamtumsatz von 528 Millionen Euro. Regiona- bend dürfte diesbezüglich die Ansiedlung von grö-
le Unterschiede lassen sich hinsichtlich der Anzahl ßeren Unternehmen im Norden des Bundeslandes
an Unternehmen und der Höhe der Umsätze aus- sein. In der statistischen Region Trier waren hinge-
ANZAHL UND ERWIRTSCHAFTETER UMSATZ
machen (dabei werden die statistischen Regionen gen 91 Firmen ansässig, die sich der Medizintechnik
VON UNTERNEHMEN DER
MEDIZINTECHNIKBRANCHE
Statistische Region
Koblenz:
227 Unternehmen
284 Mio. € Umsatz
Rheinland-Pfalz gesamt:
Statistische Region Trier: 581 Unternehmen
91 Unternehmen 528 Mio. € Umsatz
68. Mio. € Umsatz
Statistische Region
Rheinhessen-Pfalz:
263 Unternehmen
176. Mio. € Umsatz
Abbildung 14: Anzahl und erwirtschafteter Umsatz von Unternehmen der Medizintechnikbranche in
Rheinland-Pfalz, Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2020), Berechnung und Darstellung
WifOR; Anmerkung: Betrachtet werden die Wirtschaftszweige 26.6 und 32.5
11
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die amtlichen Daten zum Teil ein anderes Basisjahr aufweisen als die makoökonomischen Kennzahlen der
gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
22zuordnen lassen. Diese erzielten im Jahr 2018 einen Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten mach-
Umsatz von 68 Millionen Euro. Aus Abbildung 15 ten in diesen Jahren den größten Anteil der Um-
ist zu entnehmen, wie sich der Gesamtumsatz der sätze aus.12 Auffällig ist, dass auch die Kleinstun-
Medizintechnikunternehmen in den Jahren von ternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten fast
2016 bis 2018 auf einzelne Größenklassen verteilt. ein Drittel des jeweiligen Gesamtumsatzes erwirt-
Dabei ist zu erkennen, dass die Verteilung, bei stei- schafteten.
gendem Gesamtumsatz, nahezu konstant geblie-
ben ist. Der Gesamtumsatz ist von 2016 auf 2017 Während die Umsätze einen positiven Trend auf-
um 61 Millionen Euro und von 2017 auf 2018 um wiesen, ist die Anzahl an Unternehmen in der rhein-
ENTWICKLUNG DER UMSÄTZE
33 Millionen Euro gewachsen. Relativ betrachtet DER
land-pfälzischen Medizintechnik seit 2009 rück-
RHEINLAND-PFÄLZISCHEN
ist der Umsatz somit von 2016 auf 2018 um 21,7 läufig. Die Anzahl der Unternehmen ist von 665 im
MEDIZINTECHNIKUNTERNEHMEN
Prozent gestiegen. NACH
Jahr 2009 auf 581 im Jahr 2018 zurückgegangen
UNTERNEHMENSGRÖßE
Umsätze nach Unternehmensgröße [in Mio. Euro]
600
528
495
500
434
400 2016 2017 2018
in Mio. Euro
Umsätze
300
181
200 153 168 158 150
145 136 129
114 N/A N/A N/A
100
0
0-9
50 -249
0-9
0-9
insgesamt
50 -249
insgesamt
50 -249
insgesamt
10 - 49
10 - 49
10 - 49
Anzahl
250 und mehr
250 und mehr
250 und mehr
Beschäftigte
Abbildung 15: Entwicklung der Umsätze der rheinland-pfälzischen Medizintechnikunternehmen
nach Unternehmensgröße, Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2020), Berechnung und
Darstellung WifOR; Anmerkung: Betrachtet werden die Wirtschaftszweige 26.6 und 32.5
Bei den hier ausgewiesenen Umsätzen ist zu berücksichtigen, dass diese zum Teil aufgrund von Geheimhaltungspflichten nicht angezeigt
12
werden können. Die amtlichen Statistiken geben keine Auskunft darüber, wie hoch die erzielten Umsätze von Unternehmen mit mehr als 250
Beschäftigten sind (in Abbildung 15 mit „N/A“ gekennzeichnet). Unterschiede in der dargestellten Zeitreihe zu vorherigen Zeitreihen ergeben
sich aufgrund eingeschränkter Datenverfügbarkeit seitens der Statistischen Ämter (s. hierzu auch Infobox 2 auf Seite 10).
13
Vgl. Statistisches Landesamt 2020.
23ENTWICKLUNG DER ANZAHL DER IN
RHEINLAND-PFALZ ANSÄSSIGEN
MEDIZINTECHNIKUNTERNEHMEN
Anzahl der Unternehmen in der Medizintechnik Rheinland-Pfalz
Relativer Rückgang seit
-84 Absoluter Rückgang seit
2009 -12,6% 2009 -5,7%
Relativer Rückgang aller
Unternehmen (2013-2017)
700 665
634 624 625 620 607 610 601 594 581
600
500
400
Anzahl
300
200
100
0
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Abbildung 16: Entwicklung der Anzahl der in Rheinland-Pfalz ansässigen Medizintechnikunternehmen
Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2020), Berechnung und Darstellung WifOR;
Anmerkung: Betrachtet werden die Wirtschaftszweige 26.6 und 32.5
(-12,6 Prozent). Auch die Zahl aller in Rheinland- 2.3 Entwicklung der Beschäftigten-
Pfalz ansässigen Unternehmen ist leicht rückläufig struktur in der Medizintechnik
mit -5,7 Prozent (zwischen 2013 und 2017).13
In diesem Abschnitt erfolgt eine detaillierte Be-
Somit ist ein gegenläufiger Trend erkennbar, wenn trachtung der Erwerbstätigenentwicklung der
die Anzahl der in Rheinland-Pfalz ansässigen Un- rheinland-pfälzischen Medizintechnik. Dazu wer-
ternehmen und die jährlich erzielten Gesamtum- den u.a. Aussagen über die Anzahl der Beschäftig-
sätze betrachtet werden (vgl. Abbildung 15 und ten, die Verteilung nach dem Geschlecht sowie die
Abbildung 16). Anforderungsniveaus getroffen.
Wichtige Ergebnisse auf einen Blick: Analog zu dem Vorgehen in Kapitel 2.2 werden zur
In Rheinland-Pfalz waren 581 Unternehmen im Betrachtung der jeweiligen Indikatoren amtliche
Jahr 2018 in der Medizintechnikbranche tätig. Daten herangezogen, die für die zwei Wirtschafts-
Diese erzielten einen Gesamtumsatz vom 528 zweige 26.6 „Herstellung von Bestrahlungs- und
Millionen Euro im Jahr 2018. Elektrotherapiegeräten und elektromedizinischen
In der statistischen Region Koblenz war der Um- Geräten“ sowie 32.5 „Herstellung von medizi-
satz mit 284 Millionen Euro im Jahr 2018 am nischen und zahnmedizinischen Apparaten und
höchsten. Materialien“ (WZ 2008 Klassifikation des Sta-
Die Anzahl der Unternehmen war in der letzten tistischen Bundesamtes) zur Verfügung stehen.
Dekade rückläufig (-12,6 Prozent vom Jahr 2009 Dabei können Abweichungen zu den verwende-
bis 2018). ten Daten aus der Gesundheitswirtschaftlichen
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