Ein gutes Leben im Alter - weltweit - Innovative Projekte der Seniorenarbeit rund um den Globus - Bagso
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
PUBLIKATION NR. 51
Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisationen e. V.
Ein gutes Leben im Alter – weltweit
Innovative Projekte der Seniorenarbeit rund um den GlobusInhalt
Inhaltsverzeichnis 2
Vorwort 3
Geschäftsstelle Internationale Altenpolitik: Für ein gutes Leben im Alter – weltweit 4
Über den Tellerrand blicken: Internationale Seniorenpolitik 5
Alter in Kommune und Gesellschaft 8
Lokale Hilfezentren gegen Armut (Rumänien) 8
Seniorenfreundliche Gemeinden in der Euregio Maas-Rhein
(Belgien, Niederlande, Deutschland) 9
Info-Hotline für Ältere (Israel) 10
Aktionsplan für mehr Altersfreundlichkeit (Kanada) 10
Strategie zum Aufbau demenzfreundlicher Kommunen (USA) 11
Autonomie und Selbstbestimmung 12
Menschenrechte für ältere Frauen in ländlichen Regionen (Südafrika) 12
Actief Plus – Selbstständigkeit fördern durch Bewegung (Niederlande) 13
Ganzheitliche Unterstützung zu Hause und am Wohnort (Belgien) 14
Nichts über dich, nichts ohne dich – Selbstbestimmung per Gesetz (Irland) 15
Gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation 16
Postboten gegen die Vereinsamung (Frankreich) 16
Kochen als Zeichen der Solidarität (Kuba) 17
Laufen für mehr Akzeptanz (Japan) 18
MONALISA – Bürgerteams für ältere Menschen (Frankreich) 19
Gesundheit und Pflege 20
Sich informieren und Kontakte knüpfen per Touchscreen (Finnland, Estland) 20
PflegeKarten – bessere Koordination der Pflege im Alltag (USA) 21
Krankenhäuser als Brückenbauer (Israel) 22
Soziale Sicherung 23
Rente neu gedacht – Kwa Wazee (Tansania) 23
Mit Legehühnern Einkommen sichern (Peru) 24
Spar- und Kreditvereinigungen gegen Armut (Haiti) 25
Solidarisches Miteinander der Generationen 26
„Einmal“ – Jung und Alt finden über ein Kulturprojekt zusammen (Malta) 26
Brotbacken verbindet (Bulgarien, Serbien, Rumänien, Kroatien, Deutschland) 27
Stimmen aus der Zivilgesellschaft | Fotonachweise 28
BAGSO im internationalen Kontext 30
Links und weitere Informationen | Impressum 31
2Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
w as bedeutet ein gutes Leben im
Alter? Betrachtet man die Frage
Aber es bleibt un-
verzichtbar, über
global, würden die Menschen sie sicher- den eigenen Tel-
lich sehr unterschiedlich beantworten. lerrand zu bli-
Denn es ist ein wirklich großer Un- cken und Not
terschied, ob Menschen in Costa Rica, und Unterdrü-
Tansania, Rumänien oder in Deutsch- ckung in der
land alt werden. Welt nicht als
unabwendbar hin-
Vor allem im Globalen Süden sind viele zunehmen. Einen
ältere Menschen in Not und meilenweit solchen Blick, der Miss-
von dem entfernt, was der menschen- stände benennt und doch
rechtlichen Vorstellung vom guten Al- Mut macht, soll dieses Themenheft ver-
tern entspricht. Es mangelt an Nahrung mitteln. Es zeigt gute Praxisbeispiele
und an medizinischer Versorgung und rund um den Globus, die zum Nachah-
an Schutz vor Gewalt. Aber es fehlen men anregen. Es erläutert unterschied-
auch Selbstbestimmung, Autonomie liche Ausgangspunkte und vermittelt:
und gesellschaftliche Teilhabe. Hilfe ist möglich. Alle älteren Men-
schen, die in Not oder Unterdrückung
Weltweit arbeiten viele Menschen an leben, brauchen unsere Solidarität, auch
der Verbesserung der Lebensbedingun- die im Globalen Süden und in unseren
gen Älterer. Sie tun dies – organisiert europäischen Nachbarländern.
oder spontan, haupt- oder auch häufig
ehrenamtlich – im Rahmen von Projek- Lassen Sie uns gemeinsam neue Ideen
ten, Kampagnen oder kommunalen Ak- entwickeln, für ein gutes Altern, weltweit.
tionsplänen. Der örtliche Lebensraum, Auch hier gilt es Brücken zu bauen. n
das Dorf, die Kommune sind Dreh-
und Angelpunkte für Veränderungen,
bestenfalls im Miteinander der Gene- Ihr
rationen. Auch in Deutschland gibt es
Missstände und deshalb dringenden
Verbesserungsbedarf, was die Lebenssi-
tuation älterer Menschen angeht. Auch Franz Müntefering
hier sind Politik und Zivilgesellschaft BAGSO-Vorsitzender
gefordert. Die BAGSO unterstützt die-
ses Engagement.
3Geschäftsstelle Internationale Altenpolitik
Für ein gutes Leben im Alter – weltweit
nen, Erwerbstätigkeit, Gesundheit und
Pflege, soziale Sicherung und das Mit-
einander der Generationen.
Mit Förderung des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und Ju-
gend wurde 2017 bei der BAGSO die Ge-
schäftsstelle Internationale Altenpolitik
eingerichtet, um Seniorenorganisationen
sowie Expertinnen und Experten aus Po-
litik und Wissenschaft stärker an den in-
ternationalen Prozessen zu beteiligen. Sie
Fachtagung der Geschäftsstelle Internationale Altenpolitik, Juni 2017 informiert über die aktuellen Entwick-
lungen in der internationalen Altenpoli-
D er demografische Wandel ist ein
weltweites Phänomen. Die Zahl
der über 60-Jährigen wird sich laut An-
tik, fördert den Austausch untereinander
und bringt als Schnittstelle die Interes-
sen der Zivilgesellschaft und der älteren
gaben der Vereinten Nationen weltweit Menschen auf internationaler Ebene ein.
bis 2050 mehr als verdoppeln auf 2,1
Milliarden. Die Zahl der über 80-Jähri- Die vorliegende Publikation gibt einen
gen wird sich bis dahin sogar verdreifa- Einblick in die internationale Senioren-
chen. Zwei Drittel der älteren Menschen arbeit und stellt eine Auswahl innovati-
leben in Entwicklungs- und Schwellen- ver Projekte vor. n
ländern, im sogenannten Globalen Sü-
den, wo die Zahl älterer Menschen be-
sonders stark ansteigt. Immer häufiger
kommt es vor, dass Ältere ohne familiä- KONTAKT
Bundesarbeitsgemeinschaft der
re Anbindung leben und sie demzufolge
Senioren-Organisationen e.V.
bei Bedarf nicht von Angehörigen ver-
(BAGSO)
sorgt werden können.
Geschäftsstelle
Internationale Altenpolitik
In vielen Ländern reagieren die Politik Silke Leicht
und die Zivilgesellschaft auf den de- Thomas-Mann-Str. 2–4
mografischen Wandel und entwickeln 53111 Bonn
Strategien, um sich auf die Bedürfnisse Tel.: +49 (0)228 / 24999325
und Interessen Älterer besser einzustel- E-Mail: leicht@bagso.de
len. Dies betrifft aus Sicht der Vereinten www.bagso.de
Nationen vor allem die Bereiche Woh-
4ÜBER DEN TELLERRAND BLICKEN: INTERNATIONALE SENIORENPOLITIK
Über den Tellerrand blicken:
Internationale Seniorenpolitik
R
STE
UR
W
Silke Leicht, Leiterin der Geschäftsstelle Internationale AR
A
BARB
Altenpolitik der BAGSO im Gespräch mit Barbara Wurster,
Leiterin des Referates 314 – Internationale Seniorenpolitik im
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
T
ICH
(BMFSFJ)
LE
K
E
SIL
Frau Wurster, Sie begleiten seit Langem Wie wird die Umsetzung der
fachlich die Entwicklungen in der in- Selbstverpflichtungen überprüft?
ternationalen Seniorenpolitik. Was hat Alle fünf Jahre evaluieren die einzelnen
sich über die Jahre verändert? Regionen der Welt den Stand der Um-
Die Globalisierung und die weltweit setzung des MIPAA. Auf einer im Sep-
steigenden Zahlen Älterer haben un- tember 2017 in Lissabon durchgeführten
mittelbare Konsequenzen auch für Konferenz wurden diese Selbstverpflich-
ältere Menschen in Deutschland. Na- tungen von den UNECE-Mitgliedsstaa-
tionale Seniorenpolitik ist daher heut- ten erneut bekräftigt. Sie definierten
zutage nicht mehr ohne den Blick über zugleich wesentliche aktuelle Eckpunkte
die Grenzen hinaus denkbar. Ein wich- für die weitere Umsetzung des Weltal-
tiger voraussichtiger Meilenstein der tenplans in den kommenden fünf Jah-
internationalen Seniorenpolitik war der ren. Hierzu zählen z. B. Maßnahmen zur
in Madrid im Jahr 2002 verabschiede- Erkennung der Potenziale älterer Men-
te Zweite Weltaltenplan der Vereinten schen ebenso wie Maßnahmen, die ein
Nationen (MIPAA), zu dem die 56 Mit- längeres Arbeitsleben und die Erhöhung
gliedsstaaten der Wirtschaftskommissi- der Arbeitsfähigkeit Älterer fördern so-
on der Vereinten Nationen für Europa wie ein Altern in Würde sicherstellen.
(UNECE) bereits im September 2002
in Berlin auch eine Regionale Um- Seit einigen Jahren gibt es auf UN-Ebene
setzungsstrategie (RIS) verabschiede- die Diskussion darüber, wie die Rechte
ten. In den Selbstverpflichtungen des älterer Menschen weltweit gestärkt wer-
MIPAA wurden erstmalig Fragen des den können. In vielen Ländern beste-
Alterns mit anderen gesellschaftlichen hen immer noch Lücken, nicht überall
Fragestellungen verknüpft, z. B. ältere werden z. B. Ältere effektiv vor Gewalt
Menschen und deren Teilhabe an Ent- geschützt. Bekommen wir bald eine
wicklungen und Neuerungen wie Tech- UN-Altenrechtskonvention analog der
nologie oder auch die Bereiche Kultur UN-Behindertenrechtskonvention?
und Beschäftigungschancen für ältere Es ist richtig, dass die Diskussion auf
Menschen. internationaler Ebene zur Stärkung der
Rechte älterer Personen in den letzten
5UNECE-Ministerkonferenz, Lissabon 2017
Jahren an Dynamik gewonnen hat. In dung über ein geeignetes Instrument
der „Offenen Arbeitsgruppe der Ver- ist demgegenüber aktuell nicht auf der
einten Nationen zu Fragen des Alterns Agenda der nächsten Sitzung.
(OEWG-A)“ werden seit acht Jahren er-
gänzend zu dem Austausch im Rahmen Von Seiten der Zivilgesellschaft bringt
von MIPAA Erfahrungen in zentralen die BAGSO seit 2016 ihre Positionen
Themenfeldern, die die Rechte älterer dort aktiv in die Diskussion ein.
Personen betreffen, besprochen. Zwar Ja, das stimmt, Nichtregierungsorga-
deckt MIPAA alle möglichen Aspek- nisationen und auch Menschenrechts-
te des Alterns in Würde, der sozialen institute haben in der OEWG-A ein
Sicherheit und der Betreuung ab; al- Mitspracherecht und nehmen dies sehr
lerdings ist MIPAA ein politischer Ak- aktiv wahr. Wir freuen uns darüber,
tionsplan, kein bindendes Instrument. dass auch die deutschen Seniorenorga-
Die in der OEWG-A zusammenarbei- nisationen über die BAGSO eine Stim-
tenden Staaten und zivilgesellschaft- me in New York haben.
lichen Organisationen prüfen daher,
in welchen Themenbereichen und auf Wie können ältere Menschen an den
welchen Wegen eventuell eine höhe- internationalen Prozessen teilhaben?
re Verbindlichkeit zum Schutz älterer Es ist wichtig, dass Organisationen, die
Menschen erreicht werden könnte. Im die Interessen älterer Menschen vertre-
letzten Jahr waren dies Themen wie ten, sich zunächst einmal gut über diese
die Bekämpfung von Altersdiskrimi- komplexen Prozesse auf UN-Ebene in-
nierung und Vernachlässigung, Gewalt formieren können. Nur dann kann man
und Missbrauch älterer Menschen. In sich wirksam in solche Prozesse ein-
diesem Jahr stehen das Recht älterer schalten. Dazu gehört auch die realisti-
Personen mit Hilfebedarf auf Langzeit- sche Einschätzung, was man in welcher
und Palliativpflege sowie deren Recht Zeit durch welche Maßnahme bewirken
auf Autonomie und Selbstbestimmung kann. Internationale Diskussionspro-
auf der Tagesordnung. Eine Entschei- zesse erfordern viel Geduld. Von Seiten
6ÜBER DEN TELLERRAND BLICKEN: INTERNATIONALE SENIORENPOLITIK
des BMFSFJ unterstützen wir die Mit- Mit deutscher Unterstützung erhielten
wirkung und auch die Vor- und Nachbe- die Menschenrechtsinstitute in diesem
reitung z. B. für die Diskussionsprozesse Gremium ebenfalls – seit 2017 – einen ei-
in der OEWG-A. Mit der Geschäftsstelle genen Status mit Rederecht. Das BMFSFJ
Internationale Altenpolitik der BAGSO kooperiert eng mit dem Deutschen Ins-
erreichen wir viele Multiplikatorinnen titut für Menschenrechte, um die Debat-
und Multiplikatoren, die sich für die ten in der OEWG-A mit Vertretenden
Anliegen älterer Menschen auch auf ei- aus Wissenschaft und Praxis regelmäßig
ner globalen Ebene starkmachen und transparent vor- und nachzubereiten.
die gut mit Seniorinnen und Senioren in
Deutschland vernetzt sind. Aus Sicht vieler Mitgliedsländer wäre
es vielleicht wünschenswert, wenn
Immer häufiger wird die Agenda 2030 Deutschland als „ältestes“ Land in
erwähnt. Sie umfasst 17 Nachhaltig- Europa eine Vorreiter-Rolle einnähme.
keitsziele, darunter viele, die ältere Wie könnte dies konkret aussehen?
Menschen ganz konkret betreffen, z. B. Wir engagieren uns wie gesagt vor-
die globale Bekämpfung von Armut. bildlich in den wichtigen UN-Gremien
Die Prozesse zum UN-Weltaltenplan, (UNECE-WGA und OEWG-A). Dane-
zum Schutz der Rechte Älterer und zur ben stärken wir die bilaterale Zusam-
Nachhaltigkeit greifen zu großen Teilen menarbeit insbesondere mit Staaten, die
ineinander. Klar ist, dass niemand mehr eine ähnliche demografische Entwick-
die Augen vor der demografischen Ent- lung aufweisen. Dazu gehören Japan,
wicklung, nicht nur bei uns, sondern Südkorea und China ebenso wie zum
beispielsweise auch in Asien, und von Beispiel unser direkter Nachbar Frank-
den z. T. dramatischen Herausforde- reich. Auch mit Israels Ministerium für
rungen in anderen Erdteilen der Welt, soziale Gleichstellung arbeiten wir im
wie etwa in Afrika, verschließen kann. Bereich der Seniorenpolitik zusammen.
Welche Rolle spielt Deutschland in Frau Wurster, vielen Dank für das
diesen Prozessen? Gespräch.
In der internationalen Seniorenpolitik
nehmen wir eine engagierte Rolle ein.
Zwei Beispiele: Schon 2002 haben wir KONTAKT
die 56 UNECE-Mitgliedsstaaten nach Bundesministerium für Familie,
Berlin eingeladen. Das Ergebnis war eine Senioren, Frauen und Jugend
bis heute wirksame Regionale Imple- Barbara Wurster
mentierungsstrategie zum Zweiten UN- Ministerialrätin
Referatsleiterin 314 – Internationale
Weltaltenplan. Wir haben hierzu eine
Seniorenpolitik, Inklusion
Arbeitsgruppe „Altern“ (UNECE-WGA)
Rochusstr. 8–10
in Genf mit aufgebaut, in der wir über
53123 Bonn
viele Jahre wiederholt auch den Vize-
Tel.: +49 (0)228 / 9302439
Vorsitz innehatten. In einem weiteren E-Mail: barbara.wurster@
UN-Gremium, der OEWG-A, engagie- bmfsfj.bund.de
ren wir uns ebenso und unterstützen www.bmfsfj.bund.de
aktiv die offenen inhaltlichen Debatten.
7ALTER IN KOMMUNE UND GESELLSCHAFT
D
ALTER IN ie Lebensbedingungen älterer Menschen rund um den
KOMMUNE UND Globus unterscheiden sich. Ein Blick über den Tellerrand
GESELLSCHAFT zeigt das Beispiel Wohnen im Alter: Der Anteil der Menschen
ab 60 Jahren, der allein oder mit Partnerin bzw. Partner zu Hau-
se lebt, variiert je nach Land: Laut UN-Angaben (Stand 2017)
tun dies in den Niederlanden 93,4 Prozent, in Afghanistan aber
nur 2,3 Prozent. Dort leben die meisten Älteren mit ihren Kindern
und Enkelkindern zusammen. Auf lokaler und nationaler Ebene werden Stra-
tegien erprobt, wie Ältere vor Ort konkret unterstützt werden können. Die
Vernetzung der Akteure und die Beteiligung aller Menschen und Institutionen
vor Ort nehmen an Bedeutung zu. Dies zeigen die folgenden Beispiele aus
verschiedenen Ländern.
Lokale Hilfezentren gegen Armut
(Rumänien)
D as Einkommen vieler älterer Men-
schen in Rumänien reicht für Le-
bensmittel, medizinische Versorgung
bensbedingungen ein. Ihr gehören 137
Mitgliedsorganisationen an. Für aktuel-
le Informationen aus den verschiedenen
und andere alltägliche Dinge des Le- Hilfezentren und aus dem Dachverband
bens, wie z. B. einen Friseurbesuch, hat OMENIA einen eigenen Fernsehka-
nicht aus. Lokale Hilfezentren bieten in nal eingerichtet: www.omeniatv.ro. n
Rumänien kostengünstige Dienstleis-
tungen und fördern gesellschaftliche
Teilhabe. Über 1,4 Millionen Menschen
KONTAKT
nutzen das Angebot, das auch in entle-
Federatia Nationala Omenia
genen Regionen zur Verfügung steht. Str. Amurgului, nr. 53, sector 5
051983 Bucuresti
Die Hilfezentren für Ältere sind in dem Rumänien
Dachverband OMENIA zusammenge- Tel.: +40 (0)21 / 4231749
fasst. Die Nichtregierungsorganisation E-Mail: secretariat@fn-omenia.ro
vertritt die Interessen der Älteren und www.fn-omenia.ro; www.omeniatv.ro
setzt sich für die Verbesserung der Le-
8ALTER IN KOMMUNE UND GESELLSCHAFT
Seniorenfreundliche Gemeinden
in der Euregio Maas-Rhein
(Belgien, Niederlande, Deutschland)
I m September 2016 startete die Stif-
tung euPrevent das dreijährige Pro-
jekt „Seniorenfreundliche Gemeinden
sessment-Berichts wählt jede Kommune
die für ihre Bedürfnisse passenden, nie-
derschwelligen Aktivitäten aus einem
(euPrevent-SFC)“, an dem 32 Gemein- „Aktivitäten-Buffet“ aus und setzt sie mit
den und weitere Partner aus der Eure- Hilfe der Anbieter um. Insgesamt stehen
gio Maas-Rhein (EMR) beteiligt sind. 15 von den Projektpartnern angebotene
Das grenzüberschreitende Projekt be- Aktivitäten zur Auswahl. Daran schließt
fasst sich mit dem aktiven Altern in sich eine Evaluationsphase an, auf deren
seniorenfreundlichen Gemeinden und Basis ein Nachhaltigkeitsplan für jede
legt dabei den Schwerpunkt auf die Kommune erstellt wird. Dieser Schritt
psychische Gesundheit älterer Men- gewährleistet die Nachhaltigkeit der
schen mit Fokus auf die Krankheitsbil- Maßnahmen auf kommunaler Ebene.
der Demenz und Altersdepression. Den
theoretischen Bezugsrahmen bildet das Das euregionale Projekt „Senioren-
Konzept „Aktiv Altern“ der Weltge- freundliche Gemeinde (euPrevent-
sundheitsorganisation (WHO). SFC)“ wird im Rahmen des Interreg
V-A Förderprogramms der Euregio
Ziel des Projektes ist die Schaffung von Maas-Rhein umgesetzt. n
seniorenfreundlichen Gemeinden, in
denen eine gute generationenübergrei-
fende Versorgung sowie die Umsetzung
KONTAKT
des Inklusionsgedankens eine Selbst-
Stiftung euPrevent EMR
verständlichkeit sind.
Brigitte van der Zanden
Postbus 33
In der ersten Projektphase erfolgt eine
6400 AA Heerlen
Bedarfsanalyse in Form eines Capacity Niederlande
Assessments in den teilnehmenden Kom- Tel.: +31 (0)6 / 36062039
munen. Ergänzt wird diese Erhebung E-Mail: info@euprevent.eu
durch sogenannte „Mystery Guests“, die www.euprevent.eu/de/
inkognito das bereits bestehende Ange- senior-friendly-communities/
bot überprüfen. Auf der Basis des As-
9ALTER IN KOMMUNE UND GESELLSCHAFT
Info-Hotline für Ältere
(Israel)
M it Mitteln des Ministeriums für
soziale Gleichstellung wurde
2008 ein nationales Informationszent-
Team über ein sehr dezidiertes Wissen
über die Lebenslagen älterer Menschen
in Israel und ist daher ein zentraler An-
rum mit einer telefonischen Info-Hot- sprechpartner für die politisch Verant-
line für Seniorinnen und Senioren und wortlichen. n
ihre Familienangehörigen eingerich-
tet. Bis Ende 2015 wurden bereits rund
KONTAKT
700.000 Anfragen beantwortet. Die
Ministry of Social Equality
Themen reichen von Gesundheit, Woh-
Bracchi Dalitzki
nen, Armut und Renten, Vorbereitung 3 Kaplan St, Hakirya
auf den Ruhestand, Verbraucherschutz, Jerusalem 9195017
Kultur bis hin zur Freizeitgestaltung. Israel
Bei Bedarf werden weitere Hilfen ver- E-Mail: bracchid@pmo.gov.il
mittelt. Das 30-köpfige Team spricht alle www.gov.il/en/Departments/
relevanten Sprachen. Aufgrund der gro- ministry_for_social_equality
ßen Anzahl von Kontakten verfügt das
Aktionsplan für mehr Altersfreundlichkeit
(Kanada)
I n der kanadischen Stadt London,
Provinz Ontario, wird die Zahl der
über 65-Jährigen von 64.000 auf vo-
liche Teilhabe, Inklusion, kommunale
Versorgung und Gesundheit. n
raussichtlich 103.000 im Jahre 2036
steigen. Bereits 2013 gründete die KONTAKT
Kommune ein Netzwerk und erarbei- City of London –
tete den ersten Aktionsplan für mehr Agefriendly London Action Plan
Altersfreundlichkeit. Heute besteht Michelle Dellamora
300 Dufferin Avenue
das Netzwerk aus 245 Einzelmitglie-
London Ontario, PO Box 5035
dern und über 40 Organisationen, die
N6A 4L9
konkrete Maßnahmen umsetzen. Im
Kanada
Juni 2016 wurde der Aktionsplan „Al-
Tel.: +1 (0)519 / 66124897208
tersfreundliches London (2017–2020)“ E-Mail: agefriendlylondon@london.ca;
verabschiedet. Acht Arbeitsgruppen mdellamo@london.ca
beschäftigen sich kontinuierlich mit www.london.ca/residents/Seniors/
einzelnen Aspekten des Aktionsplans, Age-Friendly/Pages/default.aspx
z. B. Mobilität, Wohnen, gesellschaft-
10ALTER IN KOMMUNE UND GESELLSCHAFT
Strategie zum Aufbau demenzfreundlicher
Kommunen
(USA)
W ie können sich Kommunen auf
die steigende Zahl von Menschen
mit Demenz einstellen und die Bevöl-
kerung sensibilisieren? Eine Strategie,
die auf die Beteiligung aller Bürgerin-
nen und Bürger wie auch Organisatio-
nen und Institutionen setzt, kommt aus
den USA: Die Organisation „ACT on
Alzheimer’s“ hat eine Strategie entwi-
ckelt und erprobt, die Kommunen da-
bei unterstützt, demenzfreundlicher zu
werden. Ein sogenanntes Aktionsteam
– bestehend aus Menschen mit Demenz,
ihren Angehörigen, Bürgerinnen und
Bürgern aus allen Bevölkerungsgrup-
pen sowie aus Institutionen und Verei-
nen – steuert und begleitet den Prozess. Demenzfreundliche Kommune
Kommunen, die mit dem kostenlo- Bisher haben über 40 Kom-
sen „Dementia Friendly Communi- munen mit Förderung des
ties Toolkit” arbeiten, durchlaufen vier ACT den Prozess durchlau-
Phasen: In den ersten Monaten wer- fen. Für Interessierte steht
den wichtige Akteure des kommuna- kostenloses Begleitmaterial
len Lebens über Demenz informiert. online zur Verfügung. n
Das Aktionsteam gründet sich. In der Aktionsteam
folgenden Phase wird geschaut, wel-
che Angebote bereits vorhanden sind
und wo es noch Lücken gibt. Für diese
KONTAKT
Selbstevaluation steht ein Fragebogen
Metropolitan Area Agency on Aging
zur Verfügung. Im Anschluss diskutiert
ACT Action on Alzheimer’s
das Aktionsteam die Ergebnisse mit al-
Emily Farah-Miller
len Interessierten in der Kommune und
2365 N. McKnight Road,
definiert erste Handlungsfelder. Am North St. Paul, MN 55109
Ende steht ein Maßnahmenkatalog, der USA
z. B. die pflegerische Versorgung, sozi- Tel.: +1 (0)651 / 2452927
ale Dienstleistungen und sonstige Un- E-Mail: info@ACTonALZ.org
terstützungsformen für Menschen mit www.ACTonALZ.org
Demenz und ihre Angehörigen umfasst.
11AUTONOMIE UND SELBSTBESTIMMUNG
AUTONOMIE UND
SELBSTBESTIMMUNG
E in selbstbestimmtes Leben zu führen und eigenständig
Entscheidungen treffen zu können, ist für alle älteren Men-
schen wichtig – unabhängig davon, ob sie zu Hause leben oder
in einer Pflegeeinrichtung, im Globalen Süden oder beispielswei-
se in Europa. Wie können sich ältere Menschen vor Fremdbestim-
mung, Entmündigung und Eingriffen in ihre Persönlichkeitsrechte
schützen? Vor allem ältere Frauen aus allen Gruppen der Bevölkerung,
ältere Menschen aus Minderheiten und aus besonders gefährdeten Grup-
pen sind betroffen. In vielen Ländern tragen innovative Projekte dazu bei, ein
Bewusstsein für die Bedarfslagen älterer Menschen zu schaffen und deren
Interessen zu vertreten – von der gesetzlichen Implementierung der Selbstbe-
stimmung bis hin zur Autonomieförderung in der Pflege.
Menschenrechte für ältere Frauen
in ländlichen Regionen
(Südafrika)
B is zum heutigen Tag haben Frauen
in einigen Regionen im südlichen
Afrika nicht das Recht, eigenes Land
ge Sizani Ngubane wurde 2018 von dem
zivilgesellschaftlichen Ausschuss zum
Status der Frauen der Vereinten Natio-
zu erben oder zu besitzen. Auch ältere nen in New York ausgezeichnet. n
Frauen müssen einen männlichen Ver-
treter haben, der unter Umständen der
eigene Enkelsohn ist. 1994 gründete Si- KONTAKT
zani Ngubane in KwaZulu-Natal, Südaf- Rural Women’s Movement
rika, die Landfrauen-Bewegung (RWM Sizani Ngubane
– Rural Women’s Movement). Die Be- Tel.: +27 (0)738 / 405151 oder
+27 (0)721 / 100621
wegung ist heute ein Aktionsbündnis
E-Mail: ruralwomensmovement@
mit rund 500 ländlichen Gemeinden
gmail.com
und mehr als 50.000 Mitgliedern, da-
https://ruralwomensmovementblog.
runter zu 98 Prozent Mädchen und
wordpress.com/blog
Frauen. Sie kämpft gegen Armut und Youtube: https://www.youtube.com/
Gewalt gegenüber Frauen und setzt sich channel/UC43S8d6In9ojdV2dZlgB-
für Nahrungsmittelsouveränität, den D4Q/videos
Zugang zu Bildung und die Sicherung Twitter: @RWMKZNSA
der Landrechte ein. Die heute 72-jähri-
12AUTONOMIE UND SELBSTBESTIMMUNG
Actief Plus – Selbstständigkeit fördern
durch Bewegung
(Niederlande)
D as Programm Actief Plus ist das
erste Programm, das vom nie-
derländischen Komitee für Sport und
Bewegung als wirkungsvolle Interven-
tion offiziell anerkannt wurde. Ent-
wickelt von der Offenen Universität
Heerlen, wird es seit 2015 im Verbund
mit neun Gemeinden der niederlän-
dischen Provinz Limburg kostenlos
angeboten. Das niedrigschwellige
Programm dient der Gesundheitsprä-
vention. Es fördert Bewegung und die
soziale Anbindung. Ältere Menschen
Der städtische Beigeordnete Leo Jongen eröffnet im
mit Beeinträchtigungen sollen durch Januar 2018 das Actief Plus-Programm in Kerkrade.
die Teilnahme befähigt werden, so
lange wie möglich selbstständig zu
Hause leben zu können. Der Ansatz hat Erfolg: In der nieder-
ländischen Kleinstadt Kerkrade haben
In der ersten Phase des halbjährigen sich nach der Eröffnungsveranstaltung
Programms werden ältere Menschen je- im Januar 2018 bereits rund 100 Perso-
der Gemeinde dazu eingeladen, sich an nen für die Teilnahme am Programm
der Erfassung ihres Bewegungs- bzw. angemeldet. In Zukunft soll das Pro-
Kontaktverhaltens zu beteiligen. Die gramm auch auf Kommunen außer-
interessierten Teilnehmenden füllen halb der Provinz Limburg ausgeweitet
anschließend einen Fragebogen aus, da- werden. n
mit der individuelle Bedarf festgestellt
werden kann. Die maßgeschneiderten
schriftlichen Handreichungen, die die
KONTAKT
Teilnehmenden per Post oder online
Open Universiteit Heerlen
erhalten, werden mittels eines Com-
Gezondheidspsychologie
puterprogramms den demografischen
Janet Boekhout
Merkmalen (wie Alter, Geschlecht und PO-box 2960
Bildungsniveau) und den psychosozia- 6401 DL Heerlen
len Eigenschaften der Teilnehmenden Niederlande
(wie Vertrauen in die eigenen Fähig- Tel.: +31 (0)45 / 5762448
keiten) angepasst. Vermittelt werden E-Mail: janet.boekhout@ou.nl
zudem lokale Sport- und Bewegungsan- www.ou.nl/actief-plus
gebote sowie individuelles Coaching.
13AUTONOMIE UND SELBSTBESTIMMUNG
Ganzheitliche Unterstützung zu Hause
und am Wohnort
(Belgien)
Die Finanzierung der vorgesehenen Hilfs-
mittel stellt die Deutschsprachige Ge-
meinschaft Belgiens der Dienststelle zur
Verfügung. Hintergrund für dieses Vorge-
hen ist die sechste Staatsreform in Belgien,
die eine Dezentralisierung der Gesund-
heitspolitik zugunsten der Teilstaaten und
mehr Entscheidungsautonomie für Kom-
munen und Träger vorsieht. Ab 2019 wird
die Dienststelle ihren Ansatz auch auf die
Pflegeleistungen ausweiten.
Die Dienststelle moderiert außerdem
D ie Dienststelle für Selbstbestimmtes
Leben der Deutschsprachigen Ge-
meinschaft Belgiens koordiniert und or-
Prozesse in den deutschsprachigen
Gemeinden, um die wohnortnahe Se-
niorenpolitik und die gesellschaftliche
ganisiert seit Beginn 2017 Dienstleistun- Beteiligung älterer Menschen auf kom-
gen im häuslichen und (teil-)stationären munaler Ebene voranzutreiben. In dem
Bereich für Seniorinnen und Senioren in Interreg-Projekt „Seniorenfreundliche
Ostbelgien. Etwa 78.000 Menschen leben Gemeinden“ setzt die Dienststelle ge-
in dieser zumeist ländlichen Region. meinsam mit Partnern aus der Euregio
Maas-Rhein gemeinsame Vorhaben in
Im Fachbereich Senioren bietet die den Bereichen Altersdepression und
Dienststelle eine besondere Form des Demenz um. n
Case Managements für ältere Men-
schen an. Bei Hausbesuchen definieren
Fachkräfte aus verschiedenen Diszipli-
nen den gesamten Unterstützungsbe- KONTAKT
darf einer Person, z. B. in den Bereichen Dienststelle für Selbstbestimmtes
Leben der Deutschsprachigen
Pflege, Mobilität, Wohnumgebung und
Gemeinschaft Belgiens
gesellschaftliche Teilhabe. Daraufhin
Claire Guffens
erstellt das Team einen Unterstützungs-
Vennbahnstr. 4/4
plan, dessen konkrete Umsetzung (z. B.
B-4780 St. Vith, Belgien
die Anschaffung eines Rollators oder Tel.: +32 (0)80 / 229111
die Organisation von Hilfeleistungen) E-Mail: claire.guffens@selbstbestimmt.be
von einzelnen Case-Managerinnen und www.selbstbestimmt.be
-Managern koordiniert wird.
14AUTONOMIE UND SELBSTBESTIMMUNG
Nichts über dich, nichts ohne dich –
Selbstbestimmung per Gesetz
(Irland)
D as Recht, für sich selbst Entschei-
dungen zu treffen, ist ein wichtiges
Menschenrecht. In Irland wurde 2015
organisiert Fortbildungen und sensibi-
lisiert die irische Bevölkerung für den
Schutz der Selbstbestimmung und au-
ein neues Gesetz zur assistierten Ent- tonomen Entscheidungsfindung. n
scheidungsfindung („ADM – Assisted
Decision-Making Capacity Act“) verab- www.SageAdvocacy.ie
schiedet. Weltweit gilt dieses Gesetz als
eines der weitreichendsten Gesetze zum
Schutz der Rechte älterer Menschen
und zur Sicherstellung der Selbstbe-
stimmung und Autonomie. Es sieht vor,
dass prinzipiell jedem Menschen Ent-
scheidungskompetenz zugesprochen
wird. Daher gilt es, Entscheidungspro-
zesse kompetent und neutral zu beglei-
ten und auch neue verbale und nonver-
bale Kommunikationsformen z. B. für
Menschen mit Demenz-Erkrankungen
zu entwickeln.
Wichtiger Partner in der praktischen
Umsetzung des Gesetzes ist die Organi-
sation SAGE, die aufgrund bekannt ge-
Nothing about you / without you
wordener Missbrauchsfälle bei Älteren SAGE –
2014 mit Unterstützung von Third Age Unterstützung und Interessenvertretung
Ireland aufgebaut wurde und seit 2017
eigenständig arbeitet. Ihr Ziel ist es, die
Rechte und die Würde von verletzlichen KONTAKT
Erwachsenen, unter ihnen auch die vie- SAGE –
Support & Advocacy Service
len älteren Menschen, zu fördern, zu
Mervyn Taylor
schützen und zu verteidigen. Ihr Mot-
24–26 Upper Ormond Quay
to: Nichts über dich, nichts ohne dich
Dublin D07 DAV9
(Nothing about you, nothing without
Irland
you). Mit ihren vielen geschulten ehren- Tel.: +353 (0)1 / 5367330
amtlichen Beraterinnen und Beratern E-Mail: mervyn.taylor@sageadvocacy.ie
informiert sie über die Möglichkeiten www.sageadvocacy.ie
der assistierten Entscheidungsfindung,
15GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE UND PARTIZIPATION
I
GESELLSCHAFTLICHE n vielen Regionen der Welt erreichen Menschen zum ersten
TEILHABE UND Mal ein höheres Alter als die vorherigen Generationen. Mit
PARTIZIPATION Freude und großem Engagement nutzen viele Ältere die Chan-
cen eines längeren Lebens, organisieren Seniorentreffen und
entwickeln neue Angebote. Eine zukünftige Herausforderung
wird es sein, wie Einsamkeit im Alter verhindert oder reduziert wer-
den kann. Innovative Projekte zeigen, wie Isolation gemindert und ge-
sellschaftliche Teilhabe gefördert werden kann.
Postboten gegen die Vereinsamung
(Frankreich)
F ür viele Menschen ist der Postbote
eine verlässliche und vertraute Per-
son im Alltag. Die Post in Frankreich
Bedarf benachrichtigen zu können.
Mittels eines Online-Formulars kann
der Besuchsservice beauftragt werden.
bietet landesweit nun einen zusätzli- Die Kosten für den Besuchsservice sind
chen Service an: Der Postbote bringt gestaffelt und richten sich nach der An-
nicht nur die Post, sondern kommt auch zahl der Hausbesuche. n
ins Haus und steht für ein Gespräch
oder eine kleine „Alltagsentlastung“ zur
Verfügung. Die Idee: Die Vereinsamung
KONTAKT
von Menschen vor allem in entlegenen
La Poste France
Gebieten zu verhindern.
9 Rue du Colonel Pierre Avia
75015 PARIS
Das Angebot richtet sich an über Frankreich
60-Jährige sowie Menschen, die nicht Tel.: +33 (0)1 / 41859791
erwerbsfähig sind oder zu Hause As- E-Mail: service.presse@laposte.fr
sistenz benötigen. Die Postboten sind www.laposte.fr/particulier/
geschult, um den Menschen Tipps zu veiller-sur-mes-parents
geben und die Gesundheitsämter bei
16GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE UND PARTIZIPATION
Kochen als Zeichen der Solidarität –
für und mit älteren Menschen
(Kuba)
I n Kuba hat die Rente in den letzten
20 Jahren im Durchschnitt stark an
Kaufkraft verloren und reicht heute
noch für etwa eine Woche Grundver-
sorgung aus. Viele alte Menschen sind
daher mangel- oder unterernährt, denn
nicht immer gibt es Familienmitglieder
oder Nachbarinnen und Nachbarn, die
die alten Menschen unterstützen.
In dem Dorf Cueto kocht Imelda C.
einmal in der Woche für sich und
neun andere alte Frauen und Männer
eine warme Mahlzeit. Sie gehört ei-
nem zehnköpfigen Team an, das mit
organisatorischer Unterstützung des
Pfarrers 100 alte Menschen der Ge-
meinde einmal in der Woche versorgt.
Die Mahlzeiten werden über Spenden
finanziert.
Imelda C. in ihrer Küche
So wie der Pfarrer in Cueto bieten in
Kuba vor allem Pfarrgemeinden mit lichkeit, sich mit anderen auszutau-
Unterstützung von zumeist älteren Eh- schen und neue Kontakte zu knüpfen. n
renamtlichen einen Mittagstisch, ein
Frühstück oder einen Nachmittagska-
kao mit einem Brötchen an. Organisiert
KONTAKT
wird das Angebot in Kooperation mit
Christel Wasiek-Stiftung
Nichtregierungsorganisationen wie z. B.
Seniorenhilfe weltweit
der Caritas. Für manchen alten Men- Nestorstr. 18
schen ist der Nachmittagskakao die ers- 10709 Berlin
te Mahlzeit des Tages. Tel.: +49 (0)30 / 31015629
E-Mail: post@seniorenhilfe-weltweit.org
Das gemeinsame Essen bietet neben der www.seniorenhilfe-weltweit.org
Versorgung vor allem eins: die Mög-
17GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE UND PARTIZIPATION
Laufen für mehr Akzeptanz
(Japan)
Demenz und ihre Angehörigen, die mit
dieser Aktion ein Zeichen für mehr
Sichtbarkeit, Akzeptanz und das Recht
auf ein selbstbestimmtes Leben setzen.
Aber auch junge Menschen nehmen teil
und engagieren sich für eine offene und
respektvolle Gesellschaft.
Das Projekt hatte zunächst als kleine
Bewegung mit 171 Teilnehmenden und
einer Laufstrecke von 300 km von der
Stadt Hakodate nach Sapporo auf der
Insel Hokkaido begonnen. Vier Jahre
später waren über ganz Japan verteilt
bereits 8.000 Läuferinnen und Läufer
Laufen für die RUN-TOMO-Kampagne dabei, die eine Laufstrecke von insge-
samt 3.000 km von Hokkaido bis nach
Kyushu absolvierten. Mit seiner RUN-
U nter dem Titel „Lauf für morgen”
(RUN TOMO) hat der japanische
Freundeskreis Demenz 2011 eine na-
TOMO-Kampagne und dem dafür
produzierten Kampagnen-Film ist das
Projekt mittlerweile über Japans Gren-
tionale Kampagne für mehr Demenz- zen hinweg bekannt geworden. n
freundlichkeit ins Leben gerufen. Die
Aktion ist als Staffellauf organisiert: Vor
Ort bilden sich kleine Gruppen, beste-
hend aus Menschen mit Demenz, ihren KONTAKT
Dementia Friendship Club Tokyo
Angehörigen, Freunden, jungen und äl-
Office
teren Menschen, die sich für einen Lauf
Takehito Tokuda
online eintragen und anmelden. Sie
N-01 1-2-36
laufen oder gehen gemeinsam eine kur-
Kazinocho Koganeicity
ze oder auch längere Distanz. Am Ziel- Tokyo
ort angekommen, werden sie zumeist Japan
von einem anderen Team oder einer ZIP CODE 184-0002
Einrichtung feierlich empfangen und E-Mail: info@dfc.or.jp
übergeben dort eine Schärpe als Staffel- www.runtomo.org
Symbol. Die wichtigsten Personen in www.dfc.or.jp
den Laufteams sind die Menschen mit
18GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE UND PARTIZIPATION
MONALISA –
Bürgerteams für ältere Menschen
(Frankreich)
I n Frankreich wurde 2013 eine Kam-
pagne gegen Alterseinsamkeit ins
Leben gerufen und die MONALISA-
Charta verabschiedet. Die Charta rich-
tete sich an Vereine, Institutionen und
Firmen, die sich verpflichten, ihr Vorge-
hen zu koordinieren und die Grundsät-
ze der Charta zu verbreiten. Die Charta
enthält gemeinsame Werte und Ziele,
zu denen sich alle Teilnehmenden ver-
pflichten. Grundgedanke von MONA-
LISA ist deren Umsetzung auf nationa-
ler, regionaler und lokaler Ebene.
Austausch der Bürgerteams im Department Seine-Maritime, Februar 2018
Im MONALISA-Programm unterstüt-
zen selbst organisierte Bürgerteams vor
Ort ältere Menschen in vielfältiger Art Schwierigkeiten oder sind in die
und Weise. Dafür durchlaufen sie ein Jahre gekommen. Das MONALISA-
spezielles Fortbildungsprogramm und Team des Café des Champs will sie
gewinnen ehrenamtliche Unterstütze- als Orte des geselligen Zusammen-
rinnen und Unterstützer. seins für ältere Menschen wieder be-
leben. Seit 2016 konnten drei Cafés
Zwei Beispiele aus dem französischen (neu) eröffnet werden. n
Department Seine-Maritime:
ff Das Bürgerteam der Stadt Fécamp
KONTAKT
trägt in dem benachteiligten Stadt-
MONALISA
teil Ramponneau mit Besuchsdiens-
Valérie Leveque – Kommunikation
ten für ältere Menschen dazu bei, die 62 avenue Parmentier
soziale Isolation zu bekämpfen und 75011 Paris
das Viertel neu zu beleben. In diesem Frankreich
Jahr soll ein Café organisiert werden, Tel.: +33 (0)6 / 59119356
in dem die Älteren des Viertels eige- E-Mail: contact@monalisa-asso.fr
ne Aktivitäten planen und anbieten. www.monalisa-asso.fr
Twitter: @MONALISA_asso /
ff Viele ländliche Bistros in der Nähe # MONALISA
von Rouen stecken in finanziellen
19GESUNDHEIT UND PFLEGE
GESUNDHEIT
UND PFLEGE
F ür ein gutes Leben im Alter ist auch eine hochwertige und bezahl-
bare ärztliche und pflegerische Versorgung, eine gute Beratung
und Begleitung sowie ein unterstützendes Netzwerk aus Angehörigen,
Freundinnen und Freunden sowie professionellen Dienstleistern wichtig. Im
internationalen Vergleich gibt es jedoch große Unterschiede in der Gesund-
heits- und Pflegelandschaft. Stationäre Einrichtungen oder Pflegedienste sind
längst keine Selbstverständlichkeit. Insbesondere für die Versorgung in entle-
generen Wohnorten werden neue Modelle erprobt, die auch die Möglichkei-
ten der Digitalisierung nutzen.
Sich informieren und Kontakte knüpfen
per Touchscreen
(Finnland und Estland)
F ür entlegene und ländliche Gebiete
bietet das Projekt VIRTU (Virtual
Elderly Care Service on the Baltic Is-
programmmäßigen Sendungen besteht
die Möglichkeit, Kontakt zu anderen
Nutzerinnen und Nutzern oder zu Pfle-
lands) seit 2013 einen innovativen Ser- gefachkräften aufzunehmen. n
vice: Über ein einfaches Touchscreen-
Gerät können die Nutzerinnen und
Nutzer von VIRTU mit mehreren Perso-
KONTAKT
nen gleichzeitig über Video- und Audio-
Turku Amk – Turku University
übertragung kommunizieren. Benötigt
of Applied Sciences Ltd.
werden lediglich eine Internetverbin-
Dr. Esko Ovaska, Dr. Harri Jalonen
dung und Zugangsdaten. Die Teilneh-
Joukahaisenkatu 3
menden können an Diskussionen und 20520 Turku
Fragestunden z. B. zu Gesundheit und Finnland
Ernährung, an Bewegungsübungen E-Mail: esko.ovaska@turkuamk.fi;
oder an Singstunden teilnehmen. Das harri.jalonen@turkuamk.fi
Programm wird gemeinsam mit den www.virtuproject.fi
Teilnehmenden gestaltet. Außerhalb der
20GESUNDHEIT UND PFLEGE
PflegeKarten – bessere Koordination
der Pflege im Alltag
(USA)
I n der häuslichen Pflege sind oft un-
terschiedliche Personen und Organi-
sationen tätig, z. B. der ambulante Pfle-
gedienst, Angehörige, Bekannte und
Reinigungsdienste. Nicht selten ist die
Planung dieser Unterstützungsleistun-
gen eine echte Management-Aufgabe.
Zur besseren Koordination hat die Or-
ganisation „Atlas of Caregiving“ das In-
strument der Atlas-PflegeKarten (Atlas
CareMaps) entwickelt, um die Leistun-
gen und die Einsatzplanung für Betrof-
fene und ihre Angehörigen planbarer zu
machen.
PflegeKarte
sich z. B. im Wochenrhythmus aktuali-
sieren, abspeichern und ausdrucken.
In Workshops reflektieren Multiplika-
torinnen und Multiplikatoren sowie
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen
mittels der PflegeKarte ihre Pflege- und
Fortbildung zur Anwendung der PflegeKarte Versorgungssituation und entwickeln
im Alltag neue Lösungsmöglichkeiten. n
Die PflegeKarte kann mittels eines On-
line-Programms digital oder per Hand
KONTAKT
erstellt werden. Pflegebedürftige und
Atlas of Caregiving
ihre Angehörigen erhalten einen ge-
Rajiv Mehta
nauen Überblick, wer sie wann und wo 142 Azalea Drive
unterstützt. Sie lernen, ihre Bedürfnisse Mountain View, CA 94041
zu formulieren, um eine angemessene USA
Unterstützung zu erhalten. Mittels einer Tel.: +1 (0)650 / 8233274
grafischen Darstellung des Tagesablaufes E-Mail: rajiv@atlasofcaregiving.com
werden Termine besser darstellbar und www.atlasofcaregiving.com
Engpässe sichtbar. Die PflegeKarte lässt
21GESUNDHEIT UND PFLEGE
Krankenhäuser als Brückenbauer
(Israel)
Beratungsteams bestehen aus einer So-
zialarbeiterin bzw. einem Sozialarbeiter
und einer größeren Zahl von älteren
Ehrenamtlichen, die ihre beruflichen
und persönlichen Erfahrungen ein-
bringen und speziell für die Beratungs-
tätigkeit ausgebildet wurden. Häufig
werden die Ehrenamtlichen auch auf
andere Bedarfslagen aufmerksam und
erfahren von besonders schwierigen
Lebenssituationen. Dies ist umso wich-
tiger, als dass 96 % der Älteren zu Hau-
se leben und nur wenige in stationären
Einrichtungen. Das Krankenhaus kann
auf diese Weise als Ort genutzt werden,
um Kontakt zur älteren Bevölkerung zu
bekommen, persönliche Problemlagen
zu erkennen und zu beheben. In der
Regel arbeiten die Beratungsteams mit
kommunalen Hilfs- und Beratungsstel-
len zusammen.
Eine der 12 Yehidat-Segula-Projektkoordinato-
rinnen (l.) mit zwei Ehrenamtlichen im Sheba- Das Projekt wirkt sich zudem spürbar
Hospital in Ramat Gan, dem mit 1.700 Betten
größten Krankenhaus in Israel
positiv auf das Arbeitsklima im Kran-
kenhaus aus. n
I n zwölf von insgesamt rund 30 is-
raelischen Krankenhäusern zur
Akutversorgung wird ein spezielles
KONTAKT
Ministry of Social Equality
Beratungsprogramm für ältere Patien-
Frau Bracchi Dalitzki
tinnen und Patienten und ihre Famili- 3 Kaplan St, Hakirya
en angeboten. In dem Projekt „Yehidat Jerusalem 9195017
Segula“ (Schutz-Einheiten) werden sie Israel
dabei unterstützt, ihre Ansprüche ge- E-Mail: bracchid@pmo.gov.il
genüber den Krankenkassen und an- www.gov.il/en/Departments/
deren relevanten Stellen im Gesund- ministry_for_social_equality
heitssystem geltend zu machen. Die
22SOZIALE SICHERUNG
SOZIALE
SICHERUNG
T rotz der Einführung von nicht beitragsfinanzierten Sozialrenten
in vielen Ländern des Globalen Südens leben viele Ältere in Ar-
mut oder ohne jegliche soziale Absicherung. Die Versorgung, Betreuung
und Pflege erfolgt vielerorts über die Familien. Dieses System bricht jedoch
aufgrund des gesellschaftlichen Wandels zunehmend auseinander. Wie kann
dennoch die Versorgung sichergestellt werden? Viele neue Lösungen entste-
hen vor Ort dadurch, dass Ältere das Zepter selbst in die Hand nehmen.
Rente neu gedacht – Kwa Wazee
(Tansania)
I n Tansania existiert kein flächen-
deckendes System der Altersversor-
gung. Armut und die Auswirkungen
von HIV/AIDS prägen das Leben der
meisten der zwei Millionen alten Men-
schen. Durch fehlende staatliche Für-
sorge sind besonders die Großmütter
die letzte Hoffnung für ihre verwaisten
oder zurückgelassenen Enkelkinder.
heit, Lebensmittelhygiene und Selbst-
Das Projekt Kwa Wazee („Für die Al- verteidigung. Das Projekt findet im
ten“) in Tansania unterstützt seit über Kooperationsverbund zwischen Kwa
zehn Jahren ältere Frauen und die in Wazee Tansania, Kwa Wazee Schweiz
ihren Haushalten lebenden (Enkel-) und HelpAge Deutschland statt. n
Kinder u.a. mit kleinen monatlichen
Renten und hat sich im Laufe der Zeit
zu einem angesehenen „Lernlabor“
KONTAKT
rund um die neu zusammengesetzten
HelpAge Deutschland e.V.
Familienstrukturen, ihre Potenziale Kerstin Zippel
und Bedarfe entwickelt. Darüber hi- Arndtstr. 19
naus fördert das Projekt die Bildung 49080 Osnabrück
von Gesprächs- und Spargruppen zur Tel.: +49 (0)541 / 58054057
gegenseitigen psychosozialen und fi- E-Mail: zippel@helpage.de
nanziellen Unterstützung in Notlagen www.helpage.de
und ermöglicht Trainings zu Gesund-
23SOZIALE SICHERUNG
Mit Legehühnern Einkommen sichern
(Peru)
Drei Schwestern in der ländlichen Region Temuco
Ein Seniorentreffen in Huarraco/Peru wird mit
einem gemeinsamen „Refrigerio“, einem Imbiss,
beendet.
I n Huarraco, im Hochland der Anden,
leben viele ältere Menschen, die dem
indigenen Volk der Aymara-Indios an-
gehören. Mit Unterstützung der Caritas wieder gestiegen. Für alle ist sichtbar,
und der Stiftung Seniorenhilfe weltweit dass sie etwas Sinnvolles für sich und
hat der Seniorenverein des Dorfes 2016 für die Dorfgemeinschaft tun. n
ein Projekt ins Leben gerufen, das durch
den Verkauf von Hühnereiern neue Per-
spektiven schafft. 30 Mitglieder haben je
KONTAKT
sechs Legehühner erhalten, die sie ver-
Christel Wasiek-Stiftung
sorgen. Durch den Verkauf eines Teils
Seniorenhilfe weltweit
der Eier haben sie ein kleines Einkom- Nestorstr. 18
men. Mit den Eiern können sie sich und 10709 Berlin
ihre Enkelkinder etwas besser ernähren. Tel.: +49 (0)30 / 31015629
Über eine kleine Abgabe wird der ört- E-Mail: post@seniorenhilfe-
liche Verein finanziert. Seit Beginn des weltweit.org
Projektes ist das Ansehen der alten Ay- www.seniorenhilfe-weltweit.org
mara-Indios in der Familie und im Dorf
24SOZIALE SICHERUNG
Spar- und Kreditvereinigungen
gegen Armut
(Haiti)
U m die ökonomische Situation von
alten Menschen und Menschen
mit Behinderung auf Haiti zu ver-
formalen Finanzdienstleistungen ha-
ben. Das Konzept ist als erster Schritt
gedacht, um den Teufelskreis von Be-
bessern, wurden dörfliche Spar- und hinderung, Alter und Armut in länd-
Kreditvereinigungen aufgebaut. Dort lichen Siedlungen zu durchbrechen. Es
kommen Menschen zusammen, die ge- richtet sich an Betroffene des Hurrikans
meinsam sparen und kleine Darlehen „Matthew“ mit dem Ziel, auf zukünfti-
aus diesen Ersparnissen nehmen. So ge Naturkatastrophen besser vorbereitet
wird es auch für arme Menschen mög- zu sein.
lich, sich ein Sicherheitsnetz aufzubau-
en. Der Zweck ist die Bereitstellung ein- Das Projekt wird im Kooperationsver-
facher Spar- und Kreditmöglichkeiten bund zwischen der Christoffel-Blin-
für Menschen, die isoliert oder in gro- denmission (CBM) Deutschland und
ßer Armut leben und dementsprechend HelpAge Deutschland durchgeführt. n
keinen einfachen Zugang zu offiziellen
KONTAKT
HelpAge Deutschland e.V.
Kerstin Zippel
Arndtstr. 19
49080 Osnabrück
Tel.: +49 (0)541 / 58054057
E-Mail: zippel@helpage.de
www.helpage.de
25SOLIDARISCHES MITEINANDER DER GENERATIONEN
SOLIDARISCHES
MITEINANDER DER
GENERATIONEN
D ie Familie und die Beziehung zu anderen Generationen ha-
ben in vielen Kulturen einen hohen Stellenwert. Dort, wo
traditionelle Versorgungsstrukturen wegbrechen, entstehen neue
Ideen für gegenseitige Hilfen und Unterstützung. In den vergangenen
Jahren wurden viele Programme entwickelt, um das Miteinander der Genera-
tionen zu stärken und Neues auszuprobieren.
„Einmal“ – Jung und Alt finden über ein
Kulturprojekt zusammen
(Malta)
I m Rahmen ihrer Rolle als Kultur-
hauptstadt Europas setzt die Stadt
Valletta auf Malta 2018 einen besonde-
Ein extra Service: Das Angebot ist für
die Teilnehmenden kostenlos – die An-
fahrt wird organisiert. n
ren Akzent: An verschiedenen Orten
wird auf den maltesischen Inseln das
Mehrgenerationen-Projekt „Einmal“
KONTAKT
(„Darba Waħda“) für über 60-Jährige
Valletta 2018 Foundation
und Kinder im Alter zwischen 9 und
The Exchange Buildings
12 Jahren angeboten. In zehn aufeinan-
Republic Street
derfolgenden Wochen wird gemeinsam
Valletta VLT 1117
gespielt, gebastelt oder beispielsweise Malta
ein Theaterstück einstudiert. Kunst und Tel.: +356 (0)21242018
Kreativität stehen im Mittelpunkt des E-Mail: darbawahda@
Projektes. Das Projekt findet in Koope- valletta2018.org
ration mit teilnehmenden Kommunal- www.valletta2018.org/cultural-
verwaltungen statt und wurde bereits programme/darba-wahda/
mehrere Jahre erfolgreich umgesetzt.
26SOLIDARISCHES MITEINANDER DER GENERATIONEN
Brotbacken verbindet
(Bulgarien, Serbien, Rumänien, Kroatien, Deutschland)
I m Zentrum des Projektes „Tastes of
Danube: Bread Connects“ steht die
Förderung der Bewusstseinsbildung für
die gemeinsamen kulturellen Wurzeln
im Donauraum und in Europa sowie
die Stärkung der Donaugemeinschaft
durch die Beschäftigung mit dem The-
ma „Brot“. Durch verschiedene Akti-
vitäten sollen Bürgerinnen und Bürger
aller Altersgruppen, Ethnien und sozi-
alen Lagen eingeladen werden, Brot als
Brotback-Aktion in Ruse, Bulgarien
gemeinsames immaterielles Kulturerbe
zu erleben, das sich in vielen Facetten
des Lokalen wiederfindet. Es soll durch dem 2008 gegründeten Netzwerk über
gemeinsames Tun auf lokaler und trans- 100 zivilgesellschaftliche Organisati-
nationaler Ebene erfahrbar gemacht onen, Schulen und Universitäten an.
werden, welche Möglichkeiten das Kul- Vorwiegend ältere Menschen sind in-
turerbe Brot im Hinblick auf den Dialog volviert. Der Schwerpunkt liegt auf dem
zwischen den Generationen und Kultu- Austausch der Generationen und Be-
ren, den sozialen Zusammenhalt sowie gegnungen im Kontext der Projekte. n
die wirtschaftliche Entwicklung im Do-
nauraum und in Europa bietet.
Der internationale Verein „Danube- KONTAKT
Networkers for Europe e.V. (DANET)“ Institut für virtuelles und reales
arbeitet in den 14 Ländern der Donau- Lernen in der Erwachsenenbildung
region in den Bereichen Politik, Qua- an der Universität Ulm (ILEU e.V.)
Danube-Networkers for Europe
lifizierung von Verantwortlichen und
(DANET) e.V.
Multiplikatorinnen und Multiplikato-
Carmen Stadelhofer
ren im Donauraum und setzt transna-
Schweinmarkt 6
tionale Projekte um.
89073 Ulm
Tel.: +49 (0)731 / 37995166
Zu den Zielen des Bildungsnetzwerks Mobil +49 (0)171 / 1904099
zählt die Entwicklung und Implemen- E-Mail: carmen.stadelhofer@uni-ulm.de
tierung europäischer Politik im Bereich www.danube-networkers.eu
gesellschaftliche Entwicklung, Parti- www.bread-connects.tastes-of-
zipation, Lernen, Bildung und Dialog danube.eu
der Generationen. Mittlerweile gehören
27Stimmen aus der Zivilgesellschaft
Ein gutes Leben im Alter – weltweit.
Akteure aus der internationalen Seniorenarbeit
und Seniorenpolitik kommentieren die aktuellen
Entwicklungen und Perspektiven.
„Der demografische
Wandel ist ein weltweites
Phänomen. Damit ‚alt sein‘ nicht gleich-
bedeutend mit ‚in Not sein‘ ist, appellieren
wir an die Politik, eine UN-Altenrechtskonvention
zu verabschieden. In Zeiten der Globalisierung ist
es unabdingbar, über den Tellerrand der eigenen
Landesgrenzen zu schauen und älteren Menschen
weltweit eine Perspektive zu geben. Wir möchten
Brücken bauen zwischen den Kontinenten als Teil
der globalen Solidarität.“
LUTZ HETHEY
Geschäftsführer HelpAge
Deutschland e.V.
„Die Menschenrechte
älterer Menschen, speziell älterer
Frauen, müssen vor dem Hintergrund der
global wachsenden Lebenserwartung sowie
sich verändernder sozialer, ökonomischer und
technischer Lebensumstände genauer auf ihre mög-
liche Verletzung hin analysiert und geschützt werden.
Ein internationales UN-Menschenrechtsabkommen mit
Beschwerdemechanismus wird auch in reichen Staaten
ein zeitnahes Monitoring, eine fortlaufend partizipative
und proaktive Durchsetzung der Rechte und mehr
Rechtsschutz bewirken.“
MARION BÖKER
Präsidium Deutscher Frauenring e.V.;
Beratung für Menschenrechte &
Genderfragen Berlin
28„Es muss in Zukunft darum
gehen, das Bewusstsein für die
Situation älterer Menschen weltweit
zu schärfen, ihre Würde noch stärker als
bisher anzuerkennen und ihre Rechte global zu
sichern. Dazu kann eine UN-Konvention für die
Rechte Erwachsener – analog den Konventionen
für die Rechte von Behinderten oder von Frauen
und Kindern – beitragen.“
DR. HEIDRUN MOLLENKOPF
Vize-Präsidentin AGE Platform
Europe, BAGSO-Vorstandsmitglied
„Ein Drittes Lebensalter wie
im Westen gibt es für die meisten
Menschen im Süden nicht. ‚Ruhestand‘
ist dort das Privileg einer Minderheit. Um
wirksam die Lage alter Menschen verbessern zu
helfen, muss sich die soziale Altenarbeit von einer
‚Hilfe für alte Menschen‘ zur struktur-bezogenen Ar-
beit ‚mit alten Menschen‘ ausweiten. Wenn Alters-
armut zum Massenphänomen wird, reicht soziale
Altenhilfe allein nicht aus.“
JÖRG SIEBERT
Eine-Welt-Arbeit im Dritten
Lebensalter (ewa3/Misereor)
„Ein gutes Leben
im Alter hat zwei Seiten,
eine objektive, aber auch eine
subjektive. Zur objektiven Seite gehören
Einkommen, Ernährung, Wohnen, Zugang zu
medizinischer Versorgung und soziale Partizipation. Bildnachweis:
S. 1, 3, 4, 22: BAGSO; S. 5: Barbara
Die subjektive Seite betrifft mehr das individuelle Wurster (oben); Silke Leicht, BAGSO/
Michael Claushallmann (unten); S.
Wohlbefinden, das von der Qualität der Beziehungen zur 6: Instituto da Segurança Social und
Fundação INATEL; S. 9: euPrevent; S.
Familie und Nachbarschaft, der Pflege von Freundschaf- 11: ACT on Alzheimer’s, Minnesota,
ten, der Anerkennung und Wertschätzung durch andere USA; S. 13: Gemeinde Kerkrade; S. 14:
Syda Productions; S. 15: SAGE; S. 16:
Menschen, den Möglichkeiten aktiver Freizeitgestaltung La Poste, France; S. 17, 24, 29 (Port-
rät C. Wasiek): Christel Wasiek; S. 18:
und der generellen psycho-sozialen Situation abhängt. Dementia Friendship Club Tokyo Of-
fice; S. 19: MONALISA; S. 21: Atlas of
Beide Seiten bedingen einander.“ Caregiving (Pflegekarte); S. 21: Santa
Barbara Foundation (Fortbildung); S.
23, 25: HelpAge Deutschland e.V.; S.
CHRISTEL WASIEK 27: Emilya Velikova; S. 28 (Porträt L.
Hethey): Konrad Stöhr; S. 28 (Porträt
Vorsitzende Christel Wasiek-Stiftung M. Böker): Marion Böker; S. 29 (Porträt
Seniorenhilfe weltweit J. Siebert): Jörg Siebert; S. 29 (Porträt
Dr. H. Mollenkopf): Michael Fuchs; S.
30: Beck
29Sie können auch lesen