Ein Jahrhundert für Hamburg - Bücherhallen Hamburg
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Inhalt
Grußwort von Senator
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Dr. Carsten Brosda
Bücherhallen Hamburg — mehr als 100 Jahre
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alt und immer am Puls der Zeit Hella Schwemer-Martienßen
Die Gründer — Zusammenarbeit mit
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der Patriotischen Gesellschaft Dr. Willfried Maier
Großstadtbibliothek
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der ZukunftFrauke Untiedt
Forever young —
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Bücherhallen Hamburg Ansgar Wimmer
Bücherhallen als Orte
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Susanne Wilkin
kultureller Teilhabe
Warum wir
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Bücherhallen brauchen Kirsten Boie
Bürgerschaftliches Engagement —
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Vielfalt und Partizipation Uta Keite
Die Bücherhallen Hamburg
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als Orte des interkulturellen Dialogs Petra Lotzkat
Für MENTOR e. V. ein sicherer Hafen —
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die Bücherhallen Hamburg Sandra Weis
Digitalisierung im Spiegel der Bibliothek —
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neue Veranstaltungsformate Thilo Lübker, Gabriele Rösch
Mit Bibliotheken zu
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digitaler Mündigkeit Vera Marie Rodewald
Wunderbares Miteinander — Wechselwirkung
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Buchhandlung und Bücherhalle Stefanie Krawehl
Warum Bibliotheken für
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Autor*innen so wichtig sind Petra Oelkernetarbeitsplätze, After-Work-Konzerte Die Digitalisierung hat auch unser
und vieles mehr hinzugekommen. Verhältnis zur Bibliothek signifikant
Dr. Carsten Brosda
Und obwohl die Ausleihe von Büchern verändert: Die Tatsache, dass wir rein
rückläufig ist, kommen täglich mehr theoretisch alles im Internet erledigen
Besucherinnen und Besucher, als wir können, schien die Bibliotheken zu-
Grußwort von Senator
es uns zur Jahrtausendwende hätten nächst überflüssig zu machen, weckt
träumen lassen. Sie kommen aus al- in uns aber die Sehnsucht nach der
len Altersgruppen und aus allen Mili- realen Begegnung mit anderen Men-
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
eus, sie sprechen die verschiedensten schen an ganz konkreten Orten. Bib-
Sprachen, interessieren sich für die liotheken werden also immer mehr zu
verschiedensten Dinge und manche Orten, an denen sich die Gesellschaft
100 Jahre
100 Jahre
Dr. Carsten Brosda, kommen einfach nur deshalb, weil sie als Gesellschaft begegnet – in all ihrer
Senator für Kultur und Medien die Atmosphäre mögen oder ihr Handy Vielfalt. Im Zentrum der neuen Biblio-
aufladen wollen. theken steht daher ganz und gar fol-
Buchstabenlabyrinth, Kathedrale des gerichtig nicht das Buch, sondern: der
Geistes oder Geheimkammer des Wis- Ist also alles anders in den Bibliothe- Mensch.
sens? Lange umwehte Bibliotheken ken der Gegenwart? Ja und nein. Ja,
die Aura der Exklusivität. Sie schienen denn das Angebot ist deutlich breiter Diesen Weg ist die Stiftung Hambur-
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Orte für Eingeweihte zu sein. In Um- aufgestellt. Nein, denn Bibliotheken ger Öffentliche Bücherhallen mit Bra-
berto Ecos meisterlichem Buch ‚Der waren früher und sind bis heute Lern- vour gegangen. Gegründet wurden Republik waren geprägt von finanzi-
Name der Rose‘ ist diese Vorstellung orte – aber die Inhalte und die Wege die Öffentlichen Bücherhallen bereits ellen Nöten und Diskursen über den
zu einem dichten Kriminalroman ge- zu diesem Wissen sind in jeder Zeit im Oktober 1899 im Geiste der aufge- Bildungsauftrag der Bibliotheken. Es
ronnen, in dem es von versteckten andere. klärten Bürgergesellschaft mit einem folgten die verbrecherischen Jahre des
Büchern, Geheimtüren und verwir- Grundstock von 6.000 Büchern von Nationalsozialismus, in denen die Stif-
renden Registern nur so wimmelt. Die Digitalisierung hat unser Verhält- der Patriotischen Gesellschaft. Rund tung gleichgeschaltet und der Buch-
Heute sind Bibliotheken das genaue nis zum Buch signifikant verändert: 20 Jahre später, am 14. August 1919, bestand radikal „gesäubert“ wurde. In
Gegenteil davon: Sie sind einladende Früher war das Lesen eine einsame wurde das erfolgreiche, aber finanziell den 1950er Jahren schaffte man einen
und heitere Begegnungsorte – offen Angelegenheit, wenn ich mit einem prekäre Bibliothekssystem selbststän- grundlegenden Wiederaufbau, doch
für alle! Buch zum Beispiel im Sessel oder in dig und die Stiftung privaten Rechts auch danach musste die Stiftung noch
einer Ecke der Bibliothek saß. Heute errichtet, um diese wichtige Instituti- so manche Klippe umsegeln, finanziel-
Umberto Ecos moderner Klassiker ist das Lesen von Texten vernetzt und on der Volksbildung dauerhaft zu si- le Engpässe verwalten, Schließungen
steht vermutlich immer noch in jeder kooperativ, wenn beispielsweise mein chern. Doch auf die mit der Verselbst- von Stadtteilbibliotheken und Gebüh-
gut sortierten Bibliothek, so auch in E-Book mir zeigt, welche Stellen an- ständigung erhoffte Erhöhung der renerhöhungen verantworten sowie in
Hamburg. Zur klassischen Buchaus- dere Leserinnen und Leser interessant staatlichen Zuwendung mussten die der jüngeren Zeit den technologischen
leihe sind allerdings Bastelräume, fanden, oder sich per Hyperlink ver- Bücherhallen noch eine ganze Weile Wandel gestalten und ins Unbekannte
Gaming-Kurse, Lounge-Ecken, Inter- schiedenste Diskurse öffnen. warten. Auch die Jahre der Weimarer aufbrechen.sohn feiert
Ende der 1990er Jahre hielten der mit Offenheit und Neugier andere Le- bo re n: Wilhelm Simon
19 19 ge Geburtstag.
erste Online-Katalog und öffentliche bensstile und andere Gedanken ken- B üc he rh al le n seinen 100.
mit den
Computerplätze Einzug. Es folgte ein nenlernen können. Unseren Bibliothe-
konsequenter Innovationsprozess, der ken, Museen und Theatern, aber auch
e N a h r u n g is t ebenso
die Hamburger Bibliotheken zu einem den Stadtteileinrichtungen und Ver- „Geistig
modernen Mediendienstleister mach- einen kommt daher zunehmend eine
ie E s s e n . Ic h bin den
te. Damit war das zeitgemäße Funda- wichtige Funktion zu. Diese Orte gilt wichtig w
ment für ihre eigentliche Aufgabe ge- es, jenseits ökonomischer Betrachtun-
h a ll e n s e hr dankbar!“
Bücherhallen Hamburg
schaffen, Orte des Lernens und Orte gen, weiter zu stärken und zu fördern. Büc h e r
unde
langjähriger K
der Begegnung zu sein. Nicht als eine verbissen ernste Ange-
o n so h n is t
legenheit, sondern mit einem heiteren Wilhelm Sim m seine
mers bringt ih
100 Jahre
Die Stiftung Hamburger Öffentliche Lächeln – offen für alle! en ,
‘ G er d R ei
der ‚Medienbot namtlichen
Bücherhallen kooperiert dafür über
se . E
r h ol t m ithilfe des ehre
Hörbücher nac
h Hau e Zeit hatte:
nge Jahre kein
Ressortgrenzen hinweg mit anderen Mein Dank geht an die Mitarbeite-
gewünschten eute nach , w of ü r er la
Einrichtungen in den Bereichen Bil- rinnen und Mitarbeiter der Stiftung
ücherhallen h Zwischen
dung, Kultur und Soziales. Das einsti- Hamburger Öffentliche Bücherhallen Projekts der B e u n d ru ss is che Literatur.
hische Werk in Leben.
ge Kerngeschäft – die Freude am Lesen und ihrer Einrichtungen sowie insbe- is to ri sc h e B ü cher, philosop ze ugte Pazifist se
h et d er ü b er
eichn
und Lernen zu wecken und zu fördern sondere auch an die langjährige Bib- eden – so bez
Krieg und Fri ona,
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– ist der Stiftung Hamburger Öffentli- liotheksdirektorin Hella Schwemer-
se n al s A d op tivkind in Alt
che Bücherhallen dabei bis heute ein Martienßen, die die Hamburger Bü- Aufgewach Flugzeug-
10 0 -J äh ri ge hat viel erlebt: d w urde als Soldat
zentrales Anliegen geblieben. Sie be- cherhallen während ihrer mehr als Der fast u ge n d u n
zur Hitlerj Vater verlor er
durch
treibt außerschulische Leseförderung 20-jährigen Vorstandstätigkeit zu ei-
am er al s ju n ger Elbesegler en jü d is ch en
k Willen. Se in erfreund-
und Sprachförderung für Geflüchtete, ner der innovativsten Bibliotheken
re r b ei d er L uftwaffe wider en ei n en Fe stakt der Völk
sie fördert ehrenamtliches Engage- Deutschlands gemacht hat. füh chte er in Pol trat vor zwei
Jah-
az is . N ac h d em Krieg besu ie N A T O u n d
ment mit vielen eigenen Projekten, die N hmidt über d Simonsohn
sie positioniert sich als inklusiver Ort Für die nächsten 100 Jahre wünsche d is k u ti er te mit Helmut Sc u lt . W enn Wilhelm
schaft, burg ans R ed n er p
er fast blind
unserer Stadtgesellschaft, an dem ge- ich der Stiftung Hamburger Öffentli-
ren beim G20
-Gipfel in Ham te n se in e A ugen, obwohl
lingt, was sonst immer seltener zu fin- che Bücherhallen weiterhin gutes Ge- spricht, leuch ucht er Schule
n und
er P ol it ik u n d Geschichte Z ei tz eu ge b es
den ist: die Begegnung verschiedens- lingen immer am Puls der Zeit! üb Heute. Als r ihn
ter Menschen an einem Ort. er äl te re H er r lebt ganz im ts ch ät ze n k önnen, was fü
ist. D damit sie wer
ju n ge n Menschen, r Bildung.
Solche ‚Dritten Orte‘ jenseits der eige- sprich t m it
L eb en in F ri eden mit gute
ut ist: ein
nen Wohnung und des Arbeitsplatzes das höchste G
bzw. der Schule sind eine wichtige Vor-
aussetzung für das voraussetzungslose Dr. Carsten Brosda,
gesellschaftliche Gespräch, in dem wir Senator der Behörde für Kultur und Medienw
Die Bücherhallen
Hamburg beschäftigen
insgesamt 420
Mitarbeiter*innen.
Die durchschnittliche
Betriebszugehörigkeit
beträgt 22 Jahre – ein
Qualitätsmerkmal für
einen Arbeitgeber.1__Die Zweigstelle
Mitte in der Möncke-
bergstraße wurde
1915 fertiggestellt.
eine Jahrhundertgeschichte
Der Entwurf des
Gebäudes stammt
von dem Architekten
Fritz Schumacher.
2__In der Landesbank-
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
Galerie in der
Spitalerstraße war
die Zentralbibliothek
100 Jahre
100 Jahre
von 1971 bis 1986 zu
Hause.
Zentralbibliothek —
3__Hitlerbüste in der
Mönckebergstraße,
1930er Jahre: Für die
Nationalsozialisten
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waren Bibliotheken
ein wichtiges Instru-
ment zur Indoktrina-
1__ 3__
tion der Bürger*innen.
4__Domplatz,
Entwurf von 2006:
Nach dreijähriger
intensiver Planungs-
zeit scheiterte das
Projekt einer neuen
Zentralbibliothek am
Geschmack bedeuten-
der Hamburger.
2__ 4__es natürlich auch im Hamburg des Gesellschaft angehörten, und vor al- den sichtbar anzeigte, welche Medien
100 Jahre alt und immer am Puls der Zeit
19. Jahrhunderts. Fakt ist, dass es die lem regelmäßigeren Zuwendungen ausgeliehen oder verfügbar waren, auf
Patriotische Gesellschaft von 1765 um ausgestattet. Ein Katalog von Lesege- der Mailänder Weltausstellung prä-
den Juristen Eduard Hallier war, die bühren wurde sofort eingeführt, um sentiert und mit höchster Auszeich-
im Spätherbst 1899 nach dem Vorbild die Kundschaft an den Kosten zumin- nung prämiert – ein frühes Zeugnis
der englischen und amerikanischen dest symbolisch zu beteiligen; diese effektiver Arbeitsorganisation. Bereits
Public Libraries die Gründung der Bü- Praxis wurde seither nie mehr infrage 1910 wurde die Freihandausleihe ein-
cherhallen als hochmoderne Dienst- gestellt. Die eine Frage, wie viel die geführt, ein kühnes Unterfangen in der
leistungseinrichtungen durchsetzte, Bücherhallen als Organisation der deutschen Bibliothekswelt, das noch
Bücherhallen Hamburg — mehr als
nachdem alle Versuche gescheitert Daseinsvorsorge für die Hamburger viele Jahre brauchte, bis es Usus wur-
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
Hella Schwemer-Martienßen, waren, den Hamburger Senat dazu zu Bevölkerung denn nun kosten dürf- de. Während des Ersten Weltkriegs
Bibliotheksdirektorin 1994 –2019 bewegen, der Allgemeinheit, das heißt ten, wurde allerdings unzählige Male präsentierten die Bücherhallen flugs
vor allem der arbeitenden Bevölke- neu gestellt. Auch über die Gesell- bedeutende Bestände über Flotte,
100 Jahre
100 Jahre
Die Bücherhallen Hamburg waren von rung, einen Zugang zu Literatur und schaftsform wurde weiter diskutiert. Heer und Heimat. 1915 wurde der vom
Anfang an ein Spiegelbild der sozialen, Alltagsbildung zu verschaffen. Kernpunkt der Debatte, der sich die berühmten Baumeister Fritz Schuma-
ideologischen und politischen Identi- meisten Parlamentarier anschlossen: cher entworfene Bücherhallentempel
tät Hamburgs. Am 14. August 1919 gründete die Pat- Man wolle den Bücherhallen nicht mit Brunnen an der Mönckebergstraße
riotische Gesellschaft dann die ‚Stif- die Freiheit nehmen. Der Gedanke eröffnet, ein Gebäude, in dem nach
Es ist müßig, sich die Frage zu stellen, tung Öffentliche Bücherhalle‘, knapp der Stiftung trägt also bis heute: Das Auszug der Bücher Jahrzehnte später
ob es die Bücherhallen ohne die Patri- 20 Jahre nach der Eröffnung der ers- passt wiederum bestens zu Hamburg Fast Food zum Verzehr verkauft wurde
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otische Gesellschaft von 1765 und ihr ten Bücherhalle im Lombardsgebäude und zu den Herausforderungen, denen und heute neben Kaffee auch die ra-
Engagement zur Thematisierung und in den Kohlhöfen und der Errichtung sich die Bücherhallen in der Folge zu ren Karten für die Konzerte in der Elb-
Lösung stadt- und zivilgesellschaftli- weiterer fünf Bücherhallen. Organisa- stellen hatten. philharmonie, ebenfalls eine typische
cher Probleme überhaupt gäbe. Trotz torisch war dies kein großes Problem, Hamburgensie. Diskursfähig, kritisch
der Skepsis des damaligen Bürger- aber die alles entscheidende Frage, Der Geist der Patriotischen Gesell- und bisweilen tollkühn ist das System
meisters Johann Georg Mönckeberg wie diese Stiftung denn nun dauerhaft schaft, entstanden aus dem bürger- bis heute, dazu später etwas mehr.
und diverser anderer Politiker: Irgend- finanziert werden sollte, war noch un- lichen Impuls, Gutes für das je defi-
wann hätte auch der Hamburger Senat beantwortet. Zwar hatte die Stadt die nierte Gemeinwohl zu tun, wirkte für Über die Zwischenkriegsjahre ist we-
ein Öffentliches Bibliothekssystem Bücherhallen von Beginn an finanziell die Bücherhallen mit allen Implikatio- nig bekannt: Außer der Stiftungsur-
geschaffen, allein schon, weil man in gefördert, allerdings sporadisch und nen, die das 20. Jahrhundert und den kunde von 1919 und den Protokollen
Hamburg um keinen Preis jemals als mit hanseatischer Zurückhaltung. Beginn des 21. Jahrhunderts prägen: der Bürgerschaft über die Debatten
rückständig gelten wollte. Bürgerliche Nach langen Debatten in der Bürger- Selbstverantwortung, zeitgemäße bis zur Zukunft der Bücherhallen in den
Lesegesellschaften, Leihbüchereien schaft wurde die rechtsfähige Stiftung mitunter allzu vorausschauende An- 1920er Jahren sind infolge von Kriegs-
mit vorwiegend suspekten Trivialro- privaten Rechts 1920 von der Politik passungsmentalität, Modernität und verlusten lediglich Dokumente über
manen und die bescheidenen Samm- schließlich anerkannt und fortan mit ökonomische Effizienz bestimmten beeindruckende Nutzungszahlen und
lungen der Arbeiterbildungsvereine einem Verwaltungsrat und einem Ar- ihre wechselvolle und bewegte Ent- Neugründungen von Bücherhallen
– allesamt potenzielle Provenienzen beitsausschuss, dem weiterhin füh- wicklung. 1906 wurde zum Beispiel trotz permanenten Geldmangels er-
für Öffentliche Bibliotheken – gab rende Mitglieder der Patriotischen der Schülke’sche Indikator, der für je- halten.Tradition der Jahrzehnte davor fort:
Unzählige Neuanfänge und Schlie-
ßungen kennzeichneten das System.
Ab den 1950er Jahren bis in die Mit- lautstarke Dispute, und vielfältige Ak-
te der 1980er Jahre wuchsen die Bü- tionen wurden in sympathisierender
cherhallen auf bis zu 75 Standorte an, Öffentlichkeit erdacht und praktiziert,
zahllose Neueröffnungen und Umzü- um das zu behalten, was man sicher
ge, zuerst zusammen mit Badeanstal- hatte. Das war eine ungemütliche Zeit
ten, dann in neuen Wohnungsbauten für alle Beteiligten. Auch die Versuche
Eifrig war die Gleichschaltung an die und Bürgerhäusern und später in Ein- Jahre gab es die Zentralbibliothek mit von Kulturbehörde und Stiftungsrat,
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
nationalsozialistische Ideologie: sehr kaufszentren, aber es entstanden auch Musikbibliothek, 59 Stadtteilbücher- Mitte der 1990er Jahre mittels einer
frühe Aussonderung ‚zurückzustellen- eindrucksvolle Solitäre. hallen, drei Bücherbusse und 82 ne- bekannten Unternehmensberatung
der Bestände‘ schon im März 1933, der benamtlich geleitete Ausgabestellen einen Prozess der betrieblichen Befrie-
100 Jahre
100 Jahre
am 15. Mai die erste Bücherverbren- Parallel dazu geriet das System in Un- durch die Fachstelle, davon 19 in Jus- dung über demokratische Leitungs-
nung in Hamburg folgte, völkische ruhe. Seit den frühen 1970er Jahren tizvollzugsanstalten. prinzipien zu vermitteln, erwiesen
Bestandserneuerung im Zeitraffer, war das Kollegium zeitangemessen sich als wenig hilfreich, im Gegenteil:
die jüdischen Mitarbeiter*innen wur- politisiert. In der zweiten Hälfte der Von da an war das Kollegium sehr miss- Das System musste sich am Ende ein-
den sehr schnell entlassen. Nach dem 1980er Jahre waren zum ersten Mal trauisch allen Sparplänen der Direktion mal mehr selbst helfen.
Groß-Hamburg-Gesetz 1937 wurden Bücherhallen von der Schließung be- gegenüber und suchte gleichzeitig –
die städtischen Büchereien Altona, droht, nachdem gerade etliche neue gelegentlich überaus erfolgreich – den Ab 1996 gab es dann tatsächlich bin-
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Harburg und Wandsbek mit Zweig- in Stadtentwicklungsgebieten ent- Schulterschluss mit der politischen nen zweier Dezennien durch Schlie-
stellen sowie die ältere Musikbiblio- standen waren. Aus Kostengründen Öffentlichkeit und den Fraktionen ßungen, Zusammenlegungen und
thek in das System integriert. 1941 sollten vor allem kleine Bücherhal- der Bürgerschaft und der Bezirksver- Umzüge konsolidierungsbedingt 60
gab es 18 Stadtteilbücherhallen und len geschlossen werden. Im Zuge der sammlungen. Selbstverantwortung Änderungen im Adressbuch der Bü-
57 von der Fachstelle geleitete, meist EDV-Einführung sollte das System an und Kreativität der Direktion waren cherhallen – bei nahezu einer Halbie-
ehrenamtlich betreute Büchereien im Verkehrsknotenpunkten modernisiert einmal mehr gefragt, wurden aber rung der Einträge. Das erforderte zu-
Stadtgebiet, von denen nur zwölf und und konzentriert werden. Die Empö- gleichzeitig von allen Seiten infra- nächst auch aus dem eigenen Budget
einige Bücherhallen dem Bombenha- rung darüber war in Kollegium und ge gestellt. Alles, was ‚von dort oben‘ aufzubringende Investitionen für den
gel bei Kriegsende entgingen. Öffentlichkeit gleichermaßen heftig, kam, wurde erst mal rigoros abge- Abbau und die Rückgabe der aufgege-
es gab Demonstrationen und Unter- lehnt. Zuerst war man im Kollegium benen Mietflächen in Millionenhöhe,
Ab 1949 begann mit Verve der Wie- schriftensammlungen, die schnell auf grundsätzlich gegen die Automatisie- die sich erst später auszahlten. Ohne
deraufbau. Die Geschichte der Bü- 10.000 und mehr ‚Protest-Postkarten‘ rung, die den Menschen beherrschte, eine einzige betriebsbedingte Kündi-
cherhallen in Hamburg ist auch eine dokumentiert wurden. Das machte das sollte doch umgekehrt sein. Und gung wurden in diesem Zeitraum weit
Geschichte vom Entstehen und Ver- nicht nur Eindruck, sondern zeigte dann ging es auch um den permanen- über 200 Vollzeitstellen abgebaut,
gehen von Orten und Räumen in den auch Wirkung. Politiker*innen woll- ten Veränderungsdruck im Kontext noch mehr Kolleg*innen hatten sich
Stadtregionen, jetzt Ausdruck des ten gewählt werden, die Schließungs- von mehr Service bei gleichzeitigem meist zunächst ungewollt an ein ande-
Wirtschaftswunders allenthalben. Die- pläne wurden schließlich (vorläufig) Personalabbau und tatsächlichen res Kollegium zu gewöhnen. Dennoch
se Entwicklung setzte lediglich die zurückgenommen. Anfang der 1990er Schließungsplänen. Darüber gab es konnte die Leistung über Jahre hinwegsetzenden digitalen Produkten, die erhoben das Wort aus ästhetischen | Stiftungsurkunde
Öffnung der Bücherhallen für Vielfalt Erwägungen dagegen und die Elbphil- vom 14. August 1919.
und Interkulturalität, schließlich die harmonie wurde auch immer teurer.
Gründung einer Tochtergesellschaft Man kann schließlich nicht alles ha-
für die Etablierung des Bürgerschaftli- ben. Nachdem nach der Filmabtei-
chen Engagements, um nur das Wich- lung auch die Kinderbibliothek sowie
stetig gesteigert werden, durch höhere tigste zu benennen, sind zweifellos die Jugendbibliothek Hoeb4U nach
Nachfrage und den Einsatz von Tech- anerkannte Pionierleistungen, die das Zwischenstationen an anderen Orten
nik. Diese sprunghafte Dynamik und Kollegium mit der Zeit gelassen, mu- Platz im Haus gefunden haben, ist
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
zwischenzeitlich auch heftige Proteste tig und sogar latent einvernehmlich der Hühnerposten erstmals in der Ge-
in den betroffenen Stadtteilen halten getragen hat, obwohl dafür bisweilen schichte der Bücherhallen ein Ort für
die Hamburger*innen bis heute nicht lieb gewonnene Gewohnheiten aufge- alle Generationen und Kulturen. Ein-
100 Jahre
100 Jahre
davon ab, sich mit ihren Bücherhallen geben werden mussten. ziges Defizit: Für eine Großstadt wie
zu identifizieren. Das mag vor allem Hamburg ist diese Zentralbibliothek
daran liegen, dass die Bücherhallen Ein Beispiel für unbekümmert Neu- viel zu klein. Allen Zweifler*innen aufrücken. Es entspricht dem Geist
sich immer zeitgemäß präsentieren: es ist auch die Geschichte der Zent- dieser Anschauung sei ein Besuch der Hansestadt, kaufmännische Spar-
mit ihren Beständen und Programm ralbibliothek am Hühnerposten, die in Amsterdam, Aarhus, Birmingham samkeit und Modernisierung in einem
angeboten, in ihrer Möblierung und im Januar 2004 ohne vorherigen Be- oder Oslo, um nur wenige aktuelle Bei- Zug zu denken und zu tun: Von nichts
technischen Ausstattung und meist an schluss der politischen Gremien und spiele zu nennen, empfohlen! kommt nichts und das ist richtig so.
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den richtigen Orten – und wenn ein- damit auch ohne zusätzliche Mittel Heute sind die Bücherhallen Hamburg
mal nicht: Umzüge sind Routine. nach harten Verhandlungen mit dem Das ist keine Politikschelte, keines- Deutschlands größtes zusammenhän-
Vermieter für geplant fünf Jahre mit falls. Nachdem erste Erfolge der gendes Öffentliches Bibliothekssys-
Und auch das: Aller Irritationen, Wi- einem Flächenvolumen von 1.000 Konsolidierung und Erneuerung des tem – modern, innovativ, flexibel, of-
derstände und Diskussionen zum Quadratmetern mehr gegenüber dem Systems auch von Hamburger Ent- fen für alle und äußerst leistungsstark.
Trotz oder vielleicht gerade deswe- vorherigen Standort im Kontorhaus- scheidern nicht mehr übersehen wer- Und zukunftsfähig sowieso.
gen beweist das System seine Erneu- viertel und ohne Budget für Umzug den konnten, weil die Bücherhallen
erungsfähigkeit. Veränderung ist im und Möblierung bezogen wurde, ob- einen veritablen Ruf in der Branche er- Ein persönliches Wort zum Schluss
Laufe der Zeit ein Zustand geworden, wohl gleichzeitig die Realisierung ei- reicht hatten und sowohl der Landes- sei mir als Berichterstatterin erlaubt:
die ausgeprägte Bereitschaft, Neues nes Neubaus auf dem Domplatz nach rechnungshof und eine Expertenkom- Öffentlichkeit, Politik, Netzwerken,
und auch mal finanzielle Risiken ohne einem Beschluss von Senat und Bür- mission dies ab Mitte der 2000er Jahre Nutzer*innen und insbesondere dem
sofortige Deckung zu wagen, wird gerschaft 2003 bis ins Detail geplant nur bestätigen konnten, wurde der Kollegium der Bücherhallen Ham-
Programm. Überdies wird das ‚Wie‘ worden war. Aus dem in Aussicht ge- Prozess von der Stadt gleichzeitig mit burg danke ich ganz ausdrücklich und
und das ‚Was‘ der eigenen Arbeit per- stellten Neubau, der 2008 bezogen Mitteln für weitere außergewöhnliche persönlich dafür, dass ich über ein
manent reflektiert. Flächendeckende werden sollte, wurde am Ende dann Offensiven begleitet und die Bücher- Vierteljahrhundert dabei sein konnte,
Komplementärleistungen für Schulen leider nichts, wie schon mehrfach zu- hallen Hamburg konnten nachhaltig in dieses Kleinod Hamburger Kultur zu
und Kitas, die frühe Einführung von vor bei solchen ehrgeizigen Planungen die Spitzengruppe der deutschsprachi- begleiten.
für Öffentliche Bibliotheken maßstab- der Stadt. Wichtige Hamburger Bürger gen Öffentlichen Bibliothekssystemein Hamburg gegründet wurde, durch Auch für die Patriotische Gesellschaft
Beschluss der ersten durch allgemei- sind unter diesem Gesichtspunkt
ne und freie Wahlen zustande gekom- die Bücherhallen unverzichtbar. Mit
menen Bürgerschaft im Jahre 1919 auf die „dauernde Mitwirkung und dem Diesterweg-Stipendium betrei-
– gleichzeitig mit der Universität und Opferfreudigkeit größerer Kreise von ben wir das erste Familienbildungs-
der Volkshochschule. Privaten“. Die Folge war eine ständige stipendium in Deutschland, das sich
Finanznot, die dann allerdings auch in an begabte Kinder von 10 bis 14 Jah-
Freilich gibt es eine Vorgeschichte, demokratischen Zeiten bis heute die ren und an ihre Familien richtet. Alle
mit der Patriotischen Gesellschaft
und da kommen wir, die Patriotische Bücherhallen Hamburg immer wieder Stipendiat*innen werden an einem
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
Gesellschaft, ins Spiel. Schon in vor- begleitet hat. Akademietag in die Benutzung der
Die Gründer — Zusammenarbeit
demokratischer Zeit gab es in der Bücherhallen eingeführt und alle Sti-
Dr. Willfried Maier, Stadtrepublik Hamburg die erste Bü- Heute müssen die Bücherhallen unter pendiaten-Kinder sowie ein Elternteil
100 Jahre
100 Jahre
1. Vorsitzender cherhalle des Typs, der nachher zur neuen medialen Bedingungen und bei erhalten eine Bücherhallen-Kunden-
der Patriotischen Gesellschaft
unverzichtbaren und meistbesuch- veränderten Lese- und Sehgewohn- karte. Die Bücherhallen sind Koopera-
ten kulturellen Einrichtung der Stadt heiten ihren Weg finden. Geschichten tionspartner des Diesterweg-Stipen-
Bibliotheken gibt es schon lange, seit geworden ist. Am 7. Dezember 1898 werden seltener gelesen und häufi- diums, eines der wichtigsten Projekte
der Erfindung der Schrift vor 5.000 bis entschloss sich die Patriotische Ge- ger im Film angeschaut. Das Internet unserer Gesellschaft.
6.000 Jahren. Die Stiftung Hambur- sellschaft zu dieser Gründung und im bietet einen unmittelbaren Zugriff auf
ger Öffentliche Bücherhallen gibt es Oktober 1899 wurde auf Veranlassung Wissen und Geschichten schon von zu Aus der langen historischen Verbin-
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seit 100 Jahren. Es muss sich also um der Gesellschaft die erste Bücherhalle Hause aus. Die sozialen Medien eröff- dung zwischen unseren beiden Insti-
einen besonderen Typ von Bibliothek in einem staatlichen Gebäude an den nen weitverzweigte, aber häufig auch tutionen hat sich bis heute auch eine
handeln, der aus Zeitbedürfnissen der Kohlhöfen 21 in der Neustadt eröffnet. sektenmäßig verengte Kommunikati- Zusammenarbeit ihrer Gremien erhal-
Moderne hervorgegangen ist. Keine onsmöglichkeiten für Millionen Ein- ten: Die Patriotische Gesellschaft hat
Bibliothek für besondere Menschen- Schon diese erste Bücherhalle bot dem zelne. Sitz und Stimme im Stiftungsrat der
gruppen wie Kloster- und Gelehrtenbi- Publikum sowohl mehrere Leseräume Bücherhallen Hamburg, die wiederum
bliotheken, keine fürstliche Gründung. als auch die Ausleihe der Bücher nach Da ist es von wachsender Bedeutung, eine*n Delegierte*n in den Beirat der
Vielmehr eine öffentlich zugängliche Hause, lange Öffnungszeiten, fach- dass die Bücherhallen nicht kommer- Patriotischen Gesellschaft entsenden.
Bibliothek und Leseräume für alle lich geschultes Personal und geringe zielle, öffentliche Räume in der Stadt In allen Veränderungen, welche die
Einwohner*innen in verschiedenen bis keine Gebühren. Der starke Publi- bieten; Orte, wo man sich aufhal- Bücherhallen Hamburg gestaltet ha-
Stadtteilen. Sie eröffnet den Zugang kumszuspruch schon im ersten Jahr ten und treffen kann, an denen man ben, haben sie ihren Gründungsim-
zum Wissen und zu den Geschichten sprach für einen gelungenen Stapel- einzeln oder in Gruppen lernen und puls bewahrt: das Wissen und die
der Welt für alle und jede/jeden. lauf. zugleich mit der ganzen Welt in Ver- Geschichten der ganzen Welt allen
bindung sein kann. Sie sind in einer Einwohner*innen der Stadt zugäng-
Eine solche Einrichtung gehört ins Dennoch konnte sich der Senat vor ethnisch heterogeneren Stadt auch lich zu machen und sie dabei zu be-
demokratische Zeitalter, und so ist der Revolution nicht dazu durchrin- Orte, an denen sich die Verschiedenen gleiten, sich diese Schätze anzueignen.
es kein Zufall, dass sie erst nach der gen, diese neuen Einrichtungen insge- treffen können und miteinander um- Das ist in Zeiten neuer Verengungen
demokratischen Revolution von 1918 samt zu finanzieren, sondern verwies gehen lernen. und Blödigkeiten eine frohe Botschaft.Bücher und Sprachen spielen im Le-
ben von Lisa Golze eine große Rolle.
„
Nach ihrem literaturwissenschaftli-
chen Magisterstudium, einem län-
geren Auslandsaufenthalt und einer
Ausbildung zur Lehrerin für Deutsch
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
als Fremdsprache/Zweitsprache
In der Nähe von Büchern hat sich Sandra Mac
unterrichtete sie zunächst an einer
immer wohlgefühlt. 2003 begann sie ihre Ausbil-
In der
„
Sprachschule. Anschließend war sie
100 Jahre
100 Jahre
dung bei den Bücherhallen und arbeitet heute an
als Lektorin für verschiedene Kinder-
Bücherhalle und Jugendbuchverlage tätig.
zwei Standorten: dem größten und dem kleinsten.
Wenn sie nicht gerade in der Zentralbibliothek
gibt’s Seit 2017 arbeitet sie bei den Bücher-
eine Veranstaltung vorbereitet, fährt sie Bücher-
Bücher für hallen Hamburg und ist dort für
bus. Der 16-Tonner macht ihr keine Angst – 2017
23
22
erwarb sie mühelos den Führerschein für die Fahr-
alle!“ das Lektorat deutscher und fremd-
sprachiger Kindermedien zuständig.
Öffentliche bibliothek und sitzt seitdem am Steuer.
Bilderbücher haben es ihr besonders Bibliotheken sind Sandra Mac hat eine sichere Hand für moderne
angetan, denn Bilder sprechen für die
Lektorin eine universelle Sprache.
besondere Orte – Technik, schätzt aber noch mehr den Umgang mit
In ‚Bücherhalle‘ stecken für sie vor die Menschen den Kund*innen. So ist es im Bus sehr persönlich,
viele Menschen kommen über Jahre, man sieht
allem die Worte Bücher und alle.
Dass sie einen Beitrag dazu leisten kommen mit Kinder groß werden und kennt sich. In der Zen-
tralbibliothek dagegen ist es sehr vielfältig und
kann, allen Kindern einen Zugang einer großen international. Menschen zu helfen, denen die Ver-
zum Lesen zu ermöglichen, macht sie
einfach glücklich. Offenheit und ständigung in deutscher Sprache schwerfällt, liegt
ihr besonders am Herzen.
Neugierde.“1__Heute undenkbar:
Handarbeit bestimmt
den Alltag. Eine Mitar-
beiterin widmet sich
sorgfältig der Buch-
pflege, 1980er Jahre.
2__An der Schreib
maschine werden
Rückentitel für Bücher
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
geschrieben, um 1980.
3__Geschäftiges
100 Jahre
100 Jahre
aus der Arbeitswelt
Treiben in den Großen
Bleichen: Beratung
und Ausleihe vieler
Kund*innen an der
Servicetheke, 1990.
4__Nadeln in Loch
24
25
karten, 1980: Das
halbautomatische
Mahnverfahren
3__
Schlaglichter
wurde 1993 zuletzt
in der Bücherhalle
Mopsberg eingestellt.
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2__das Bild der Bibliothek als Ausleihsta- Automatisierungsprozesse ermögli- Zentralbibliothek am Hühnerposten
tion mit den Bildern der tatsächlich chen es dem Personal, während der für die oben beschriebenen Entwick-
der Zukunft
dort stattfindenden vielfältigen Ak- eigenen Anwesenheit die Kommuni- lungen umgebaut werden. Weitere elf
tivitäten zu überschreiben. Dies mag kation mit Kund*innen in den Mittel- Stadtteilbibliotheken werden eben-
auch damit zusammenhängen, dass punkt der Arbeit zu stellen und nicht falls mit Mitteln aus dem Sanierungs-
Großstadtbibliothek
die Leistung dieser Orte jahrzehnte- nur über eine Vernetzung im Stadtteil, fonds umziehen oder an bestehen-
lang unter dem Gesichtspunkt der sondern mit eigenen Angeboten diese den Standorten modernisiert werden
Ausleihzahlen betrachtet wurde, die Interaktion zu gestalten. Zusätzliche können. Das System der Bücherhallen
– auch dank immer besserer Unter- Öffnungsstunden ohne Personal stel- Hamburg ist gut aufgestellt.
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
stützung durch Automatisierung und len zumindest den Ort Bibliothek zur
beschleunigter Geschäftsgänge – stetig Verfügung, der auf diese Weise eine Für den Blick in die Glaskugel, der die
wuchsen. stärkere Sichtbarkeit in der Nachbar- Zukunft des großstädtischen Biblio-
100 Jahre
100 Jahre
Frauke Untiedt, schaft erhält. thekssystems der Bücherhallen Ham-
Bibliotheksdirektorin Und dann sanken die Ausleihzah- burg beschreiben soll, stelle ich gern
ab September 2019
len. Mit Unbehagen wurden Ausleih- Ein neues Selbstbewusstsein ist sicht- die Sätze der scheidenden Direktorin
rückgänge, die harte Währung in der bar geworden, Öffentliche Bibliothe- Hella Schwemer-Martienßen vorweg:
Wo stehen wir eigentlich und wie geht Diskussion mit kommunalen Geld- ken sind stolze Protagonisten bei der „Das Bewährte bewahren und das
es uns heute? Wie wird es uns in Zu- gebern, konstatiert. Die fachinterne Vernetzung von Stadtgesellschaft. Neue tun. Beides sollte am besten kon-
kunft gehen? Bevor ich den Blick in die Diskussion beschäftigte sich 2010 mit Der Auftrag, für alle in der Stadt da struktiv und in einer transparenten
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Glaskugel wage, der beschreiben soll, ‚armen Hunden‘ und ‚Milchkühen‘ 1, zu sein, zeigt sich vielfältiger als vor Atmosphäre gelebt werden und auch
was noch wird, möchte ich ein paar man schärfte weiter den Bestand, um Jahren. Diese Entwicklung ist keine, mit einer großen Portion Unbeküm-
Sätze zum Hier und Jetzt sagen. die mit Sorge betrachteten Ausleih- die sich auf Deutschland beschränkt. mertheit. Der Erfolg unserer Organi-
rückgänge aufzuhalten. Der Erfolg war Bibliotheken in Aarhus, Helsinki und sation ist abhängig vom Zuspruch und
Großstadtbibliotheken sind vernetzte überschaubar. Was allerdings dann bald auch Oslo erhalten neue Gebäude vom Anspruch der Kund*innen, von
Gebilde, sie überziehen ihre Stadt wie passierte und bis heute passiert, ist für ihre Zentralbibliotheken, die den der Qualität unserer Arbeit und unse-
ein Geflecht mit unterschiedlich gro- wunderbar. Die Menschen, die bereits Menschen in den Mittelpunkt stellen. rer Lernbereitschaft und last but not
ßen und kleinen Knotenpunkten, die zu uns kamen, um möglichst viel an least von der Unterstützung der Poli-
alle zueinander und zu den sie um- Information und Unterhaltung nach Die Bücherhallen sind diesen Ent- tik und der Zuwendungsgeber. Weil
gebenden Partnern in der Stadtge- Hause zu tragen, kamen weiterhin. wicklungen nah. Im Jubiläumsjahr alle Beteiligten das wissen, geben sie
sellschaft im Austausch stehen. Die Nicht nur das, sie kommen nun in 2019 sind sieben Stadtteilbibliothe- ihr Bestes.“ 2
Arbeit dieser Knotenpunkte hat sich größerer Zahl und tragen Informati- ken mit zusätzlichen servicefreien
schon immer sehr auf den sie umge- on und Unterhaltung nicht mehr nur Öffnungszeiten zugänglich. Interne Die einzelnen Themen fügen sich ein
benden Stadtteil eingestellt. Die Orte nach Hause, sondern suchen und fin- Fortbildungsreihen unterstützen die in den Dreiklang von Bestand, Ort und
einer Großstadtbibliothek sind nie ein den sie vor Ort in unseren Häusern. Weiterqualifizierung des Personals Vermittlungs- und Programmarbeit.
homogenes Gebilde, sondern spiegeln Digitale Entwicklungen verstärken im Bereich der Vermittlungs- und Pro- Ihr Verhältnis zueinander hat sich ge-
sich in ihrer Umgebung. Trotzdem den Wunsch nach echter Begegnung grammarbeit. Mit zusätzlichen Mitteln wandelt – und wird sich sicherlich auch
war es lange Zeit unendlich schwer, und die findet in Bibliotheken statt. aus dem Sanierungsfonds kann die in Zukunft immer wieder verändern.| Attraktive Räume: die
modernisierte Bücherhalle
Volksdorf, 2018.
Bestand vermittlung im Kontext schulischer plementarität von sozialer und digita-
Bibliotheken haben wichtige traditi- Kooperationen wird sich noch stärker ler Teilhabe zu unterstützen.
onelle Kompetenzen, die auch in Zu- in die schulischen Anforderungen ein-
kunft nicht an Bedeutung verlieren passen müssen. Programmunterstütz- Ort
werden. Auswahl und Angebot der te Angebote werden den Informati- Bibliotheken können nicht der Kitt
Medien (Bücher, aber auch andere Me- onsaustausch und die Begegnung von sein, der alle Teile von Stadtgesell-
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
dien, die es im Moment noch gibt, und Menschen gleichermaßen unterstüt- schaft wieder miteinander verbin-
andere, die es erst in Zukunft geben zen müssen, um erfolgreich zu sein. det. Aber sie können daran arbeiten,
wird), die eine Bibliothek unter den Programmarbeit in Bibliotheken wird gesellschaftliche Unterschiede zu
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Vorgaben der Informationsfreiheit alle Gruppen der Gesellschaft anspre- verringern, indem sie alle Teile von
und der gleichzeitigen Förderung de- chen müssen. Bibliotheken sollten Stadtgesellschaft an einem Ort will-
mokratischer Grundprinzipien anbie- auch in Zukunft das Ehrenamt stark kommen heißen.
tet, sind essenzieller Bestandteil von einbeziehen und vor allen Dingen bei
Bibliotheken. niedrigschwelligen oder ressourcen- Die Sichtbarkeit in der Stadt wird
intensiven Programmen als starken gefördert durch ein gut verteiltes Fi-
Vermittlungs- und Partner fördern. lialsystem, das in einer immer digi-
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Programmarbeit taler werdenden Welt Begegnungen
Ältestes Element der Vermittlungsar- Wer ist eigentlich ein Experte? Parti- ermöglicht und durch seine attrak-
beit ist die Leseförderung, mit der eine zipative Prozesse sollen bei der An- tiven Standorte im Alltag sichtbare
intensive Zusammenarbeit mit Kitas, gebotsgestaltung eine stärkere Be- Angebote macht. Ein Ausbau der Ver-
Schulen und Familien verbunden ist rücksichtigung finden. Dies gilt für fügbarkeit dieser Angebote und eine
und die – mit dem Bestand an Kinder- die Zusammenarbeit mit Behörden Erweiterung der Öffnungszeiten mit 1 Schade, Frauke: Die Portfolio-Analyse.
literatur im Hintergrund – immer in (Verstetigung bestehender Kooperati- und ohne Personal, im Rahmen der Ein Instrument zur Profilierung von
Bibliotheksbeständen. In: BuB 2010/5.
das Portfolio von Öffentlichen Biblio- onen) und anderen Institutionen ge- gesetzlichen Möglichkeiten auch am
theken gehören wird, auch wenn die nauso wie für die Interaktion mit den Sonntag, sind für eine solche Sichtbar- 2 Aus der editorischen Notiz für das Bibliotheks
Formate mittlerweile deutlich über Menschen, die die Angebote der Bü- keit von großer Bedeutung. konzept Bücherhallen Hamburg 2021,
Stand Februar 2018. www.buecherhallen.de/
Vorlesen und Bilderbuchkino hinaus- cherhallen nutzen. bibliothekskonzept.html?file=files/down-
gehen und sich weiterentwickeln wer- So und wahrscheinlich gleichzeitig loads/pdf/rubrik-ueber-uns/allgemein/
den. Unsere Aktivitäten und Angebote wer- ganz anders wird die Zukunft sein. bibliothekskonzept-buecherhallen-hamburg-
2021.pdf (abgefragt 10.06.2019).
den wir öfter durch korrespondieren- Wir werden in unserem Arbeitsalltag
Informationsvermittlung wird sich de digitale und virtuelle Komponen- stetig Neues lernen und uns weiter
weiter vom passiven Angebot an der ten begleiten. Dies nicht nur, um auch verändern, um in jeder möglichen Zu-
Informationstheke zu aktiven Ange- außerhalb der analogen Orte sichtbar kunft Bibliothek unverzichtbar sein zu
boten wandeln. Klassische Wissens- zu sein, sondern auch, um die Kom- lassen.Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
Forever young —
100 Jahre
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Ansgar Wimmer,
Alfred Toepfer Stiftung
Nein. Der scheinbare Antagonismus Ehrenamt und Bürgerengagement, Sprachvertiefung und Tabletkursen und beharrlich erkämpft, und zugleich
zwischen Buch und der Wucht der mit Angeboten für eine interkulturell für Senior*innen steht. Schulen, Ge- aller, die in den Teams der Stadtteilbib-
neuen Medien, das Beweinen des Nie- und demografisch vielfältige Klientel, fängnisse, Zielgruppen mit besonde- liotheken und der Zentrale auch noch
dergangs der Ausleihzahlen gebun- zentral wie dezentral, zielgruppenori- ren Bedürfnissen oder Neuhinzuge- die orientierungsloseste Frage des
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dener Bücher aus stählernen Regalen entiert, niedrigschwellig und diversi- kommene werden ebenso regelhaft letzten Kunden nach einem langen Ar-
wohllektorierter Stadtbibliotheken ist tätsoffen. Ein engagiertes, gelassenes und als Normalfall der Bibliotheksar- beitstag professionell und freundlich
schon längst nicht mehr die Agenda und in seinen Qualifikationen breit beit in den Blick genommen wie Ver- beantworten, die nach neuen Forma-
zukunftsorientierter Großstadtbiblio aufgestelltes Kollegium begegnet den anstaltungen mit unterschiedlichsten ten suchen, sich nicht zufriedengeben
theken – und ist es in Wirklichkeit Lebenslagen einer urbanen Realität Themen und Partnern in Bibliotheken mit ‚same procedure as every year‘.
auch vielleicht nie gewesen. Längst als Ort für Wissen, Begegnung, Befähi- längst zum lebendigen Alltag gehören.
haben sie, und dabei die Stiftung gung und Teilhabe. Online-Ausleihe überprüft sich in sei- ‚Younger than ever!‘ mag man der
Hamburger Öffentliche Bücherhallen ner Relevanz und Nachfrage ebenso alten Dame Stiftung Hamburger Öf-
oftmals erfolgreich vorneweg, ganz Bibliotheken verstehen sich mehr permanent wie in Relation zu anders- fentliche Bücherhallen augenzwin-
andere Chancen ergriffen: und mehr als selbstbewusste analoge wo verfügbarem Wissen. kernd zurufen, aber so ist es doch: Die
Ankerplätze und Ausgangspunkte für Was wie eine Vision klingt, ist längst ‚HÖB‘, wie sie viele Hamburger*innen
Experimentierfreudig suchen Öffent- die Reise in das Virtuelle, bei der das Alltag, hart erkämpft unter den Be- freundlich nennen, hat nicht nur die
liche Bibliotheken nicht nur in Groß- Zurhandnehmen und Ausleihen eines dingungen rapiden gesellschaftlichen Zeichen der Zeit erkannt und nimmt
städten ihre Positionierung als ‚Third Buches gleichberechtigt neben den Wandels und permanenter Haushalts- die damit einhergehenden Herausfor-
Place‘, als bibliophile, bildungs- und Treffen von Lerngruppen, Internet- konsolidierung, nie fertig, immer auch derungen immer wieder neu an, son-
kulturaffine Stadtparks einer offe- recherchen, dem Kaffee zum Schmö- neu zu rechtfertigen und zu verargu- dern ist darin ein wichtiges Vorbild für
nen, lebendigen Stadtgesellschaft, mit kern im aktuellen Bestseller, Bilder- mentieren. Es ist das Werk ungedul- andere Kultur- und Bildungseinrich-
einer Strategie zur Einbindung von buchkino, Konversationsrunden zur diger Einzelner, zuweilen unbequem tungen der Stadt.1__Bücherhalle in
Eppendorf, Lenhartz-
straße, 1963.
2__Früher Bibliothek,
heute Schwimmbad:
die Bücherhalle in der
Bartholomäusstraße
in Barmbek-Süd, 1909.
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
3__Die Bücherhalle
in den Stadtteilen
im Wasserturm in
Winterhude. Die klare
100 Jahre
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Einrichtung der neu-
en Sachlichkeit prägte
die Bücherhallen in
den 1950er und 60er
Jahren. Fotografiert
von Ernst Scheel.
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Bücherhallen
4__Die mobile Bücher
3__ halle war stets beliebt:
Heute gibt es zwei
1__
Bücherbusse, die die
ländlichen Gegen-
den Hamburgs mit
Medien versorgen.
Fahrbücherei, 1961.
2__ 4__verständlich. Deshalb ist die Erreich- entwickeln ist ein zentrales Berufsfeld
barkeit einer öffentlichen Bibliothek geworden. Die Inhalte orientieren sich
im direkten Lebensumfeld von hoher an Bildungsempfehlungen und Bil-
kultureller Teilhabe
Bedeutung. dungsplänen.
Bücherhallen als Orte
Die Kollegien vor Ort kennen die Le- Zu den Kernkompetenzen aller Mitar
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
bensbedingungen im Quartier und beiter*innen gehören demnach heute Raumgeber
haben den direkten Zugang zu den die spielerische Vermittlung von Die Lebensumstände von Kindern und
Menschen. Im Zusammenschluss mit Schreib-, Lese- und Sprachkompe- Jugendlichen, das familiäre Umfeld
100 Jahre
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den lokalen Bildungspartnern wie Ki- tenzen, und die Wohnsituation sind je nach
tas und Schulen, mit Initiativen und die Vermittlung von souveränem Stadtteil sehr verschieden und driften
Akteuren der Kinder- und Jugendkul- Umgang mit digitalen Medien und weiter auseinander. Dies führt zu so-
tur sowie anderer gemeinnütziger Trä- Grundlagen des Codings, zialer Ungleichheit und schlechteren
ger lässt sich viel erreichen. In vielen Angebote zum Trainieren sozialer Möglichkeiten kultureller Teilhabe.
Filialen unterstützen zusätzlich Eh- Kompetenzen, zum Beispiel mit
Susanne Wilkin, renamtliche mit viel Engagement die Gesellschaftsspielen, Bibliotheken tragen als offene, einla-
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Leitung Stadtteilbibliotheken Bemühungen um einen kulturellen das Bereitstellen einer breiten dende Orte dazu bei, Ungleichheiten
Zugang für alle Kinder. Palette von Angeboten zum Mitma- überwindbar zu machen und mehr
Vor Ort chen bei MINT-Themen, Chancengerechtigkeit herzustellen.
Bibliotheken sind Orte kultureller Teil- Vermittlung Werkstattformate aller Art zum Findet bei stadtplanerischen Prozes-
habe. Dies betrifft besonders die All- Wer Kompetenzen vermitteln will, Entwickeln der eigenen Kreativität. sen eine Beteiligung Jugendlicher
tagswelt von Heranwachsenden. Es ist muss selbst kompetent sein. An- statt, fordern diese gewöhnlich eine
eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, spruchsvolle Fortbildungsreihen für Bibliotheken sind erste außerschu- Stadtteilbibliothek in ihrem direkten
jungen Menschen die ganze Bandbrei- Mitarbeitende sind für eine bedarfsge- lische Erfahrungsräume kultureller Wohnumfeld.
te solcher Erfahrungsräume zu öffnen. rechte und zukunftsweisende Biblio- Teilhabe. Sie lenken und prägen im
Dazu ist moderne und kindgerechte theksarbeit ein Muss. Wenn die Mit- besten Fall Bildungs- und Lebenswe- Oft herrschen eher beengte Wohnver-
Bildungs- und Lernumgebung nötig. arbeitenden selbst kompetent sind, ge, weil sie prägende positive Erleb- hältnisse, die ruhigem Lernen für die
Deshalb gehört zu einer zeitgemäßen dann vermitteln sie ihre Kenntnisse nisse ermöglichen. Schule nicht zuträglich sind. Immer
Bibliotheksarbeit auch das Entwi- mit Freude, viel Kreativität und uner- mehr Kinder und Jugendliche nutzen
ckeln qualitativ hochwertiger Kin- müdlichem Einsatz weiter. hierzu Arbeitsplätze in ihrer Bücher-
derprogramme. Eine wertschätzende halle. Die Eltern wissen ihre Kinder
Haltung und das ernsthafte Anliegen, Mit der Bereitstellung von Medien hier gut aufgehoben. Bibliotheken
Kindern und ihren Familien unterstüt- ist es demnach längst nicht getan. genießen in allen Kulturen Vertrauen
zend zur Seite zu stehen, sind selbst- Vermittlungsformen und -inhalte zu und hohes Ansehen.orte:
din der Elbvor nde Stoffe.
Die treuste Kun se rin mag spanne
ft li ch e Le
Die leidenscha
ü c h e r h a ll e n haben sich im
Starke Partnerschaften
„Die B
Die Vormittage sind und bleiben in al-
e r Z e it s e h r verändert: Ich
len Filialen reserviert für angemelde-
Laufe d
te und unangemeldete Kita-Gruppen
, a u ch w enn ich eher
Bücherhallen Hamburg
und Schulklassen (mehr als 6.500 Ver-
finde das to ll
anstaltungen pro Jahr).
‚k la s s is c h e ‘ Leserin bin.“
eine
100 Jahre
Die Zahl der Themen, aus denen Lehr- allen seit
a n n b es u ch t die Bücherh
Christa Herrm
kräfte und Erzieher*innen auswählen
hn klein
können, steigt ständig. Waren es bis Ja h re . D am als war ihr So
er
vor zehn Jahren hauptsächlich Klas- Ende der 1970 ch erhalle lag in
Süll-
s. Ih re B ü
Vorlesen au ge-
senführungen zur Einführung in den
si ch K in d erbücher zum w u rd en sp äter zusammen
‚Gebrauch‘ einer Bibliothek und das und sie li eh en Standorte
rook, die beid rzieherin
Vorstellen und Vorlesen guter Kinder- u n d sp ät er in Is er b
n ei n e R ei se wert: Als E
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or f al le
d r die Bücherh buchki-
literatur, kommen jetzt MINT-Themen,
. A u ch b er u flich waren ih it d en K in d ern zum Bilder
legt regelmäßig m Themen wie F
rühling
erstes Programmieren, der Gebrauch Fazit
K it a in Is er brook fuhr sie b es ti m m te
digitaler Technik, kreativer Ausdruck Die Diversität, die das Stadtleben so einer a aus, wenn ngszeit der
eh v ie le M ed ien für die Kit te damit die Anfa
und vieles mehr hinzu. Der Ansatz ist attraktiv macht, zieht Wohlstand und no. Sie li u n d er le b
t wurden – chabtei-
ganzheitlich. Weltoffenheit, aber auch soziale Un-
er W ei h n ac hten behandel Fa ch k rä ft e h eute von der Fa
od agogische
gleichheit nach sich. Die ökonomi-
ie n b ox en ‘ m it, die sich päd
‚Med nen.
Den Lesehunger und den Forscher- schen, politischen und kulturellen
sa m m en stel len lassen kön
drang junger Menschen zu bedienen, Teilhabemöglichkeiten driften stark lung Schule zu
te zuverlässig
themenbegleitende Veranstaltungen auseinander. Bibliotheken haben die
d er B ü ch er halle Elbvoror
ter*innen chen, sie
für den Unterricht und den Kita-Alltag Aufgabe, für Ausgleich und Anglei- e die Mitarbei ern und zu su
durchzuführen und so die Entwicklung chung zu stehen. Heute sehen si hs. Ihr gefä ll t es , zu st öb
ieren sie
m al in d er W oche mittwoc au ch B io gr afien interess
aller Kinder zu fördern, ist ein Kernauf- ein Fantasy, ab er b gefes-
trag, den alle Bücherhallen sehr gerne Sie arbeiten für die Bekämpfung der ir d im m er fü ndig: Krimis, h ro n ik en ‘ v on Robin Hob
w eitseher-C ere
aben sie die ‚W eine ganz and
erfüllen. Dabei ist ihnen der Ausgleich Schattenseiten einer differenzierten sehr. Zuletzt h nend u n d fü h re n in
von unterschiedlichen Startbedingun- Stadtgesellschaft und für Teilhabe. ände sind span nimmt sie gern
mit, dort
selt, alle drei B r d en A ll ta g
gen ein großes Anliegen. Sie sind kom- Sie schaffen neue Zugänge zu Bildung tschriften fü e Rezepte.
petente und verlässliche Begleiter von und Kultur und dienen im besten Sin- Welt. Auch Zei n fü r d en G arten oder toll
liche Idee
Bildungsbiografien. ne den Menschen im Quartier. findet sie nützWarum Kinder aber auch Bücher lesen
Bücherhallen brauchen
sollen, wo es doch viele andere schöne Wilhelm-Busch-Album gab. Darum
Hobbys und coole digitale Möglich- war Lesen für mich schon sehr früh ein
keiten gibt, leuchtet vielleicht nicht Sehnsuchtsziel und mit fünf Jahren
Bücherhallen Hamburg
Bücherhallen Hamburg
jedem sofort ein. brachte ich es mir selbst bei. Danach
fing ich an zu lesen und zu lesen, und
Dass ich von der unübertroffenen Be- weil in unserer Familie das Geld knapp
100 Jahre
100 Jahre
deutung von Büchern – und damit war, las ich eben dieselben wenigen
von Bibliotheken! – so unerschütter- Bücher immer wieder und wäre viel-
lich überzeugt bin, hat nicht nur mit leicht bald gelangweilt gewesen, hätte
den vielen internationalen Studien zu ich nicht irgendwann die Bücherhalle
Kirsten Boie, tun, die dem Bücherlesen eine Steige- am Barmbeker Bahnhof entdeckt.
Warum wir
Autorin rung der Intelligenz wie der Empathie
bescheinigen, sondern vor allem mit Von da an gab es einmal wöchentlich
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Gemeinsam mit 25 weiteren Ham- meinem eigenen Leben. das Paradies. Mit der blau-grün ka-
burger Erstunterzeichner*innen, da- rierten Einkaufstasche meiner Mutter durch ganz nebenbei ihr Lebensweg
runter auch Hella Schwemer-Marti- Ich komme aus einer Familie, in der ging ich bis zum Abitur jeden Don- ändert. Und wenn ein benachteiligter
enßen, habe ich im vergangenen Jahr vor mir niemand das Abitur gemacht, nerstag zum Bücherausleihen, tauchte Jugendlicher, eigentlich nur, um sich
die ‚Hamburger Erklärung – Jedes geschweige denn studiert hat: nicht ab in andere Welten, erlebte Abenteu- ein Spiel oder vielleicht eine DVD aus-
Kind muss lesen lernen!‘ auf den Weg meine Eltern, keiner meiner 32 Onkel er, lernte nebenbei vieles und wurde zuleihen, eine Bücherhalle besucht,
gebracht. Jedem leuchtet sofort ein, und Tanten oder etwa 50 Cousins und wacher für die Welt. dann wird er sich vermutlich nicht so-
dass es in einem Land wie Deutsch- Cousinen. Bei uns wurde man Bäcke- fort vor ein Bücherregal stellen. Aber
land nicht hingenommen werden reifachverkäuferin, Landwirt, Klemp- Was wäre aus mir geworden, hätte ich er hat einen Ort betreten, den er ohne
kann, wenn 18,9 % der Zehnjährigen ner, Maurer, als Mädchen vor allem nicht so viel gelesen? Was wäre aus diese Medien nie kennengelernt hätte,
nicht lesen können, weil ihnen damit Hausfrau. Dass ausgerechnet ich aus mir geworden, hätte es nicht die Bü- und dabei passiert auch etwas mit sei-
der spätere Zugang zur gesellschaft- der Reihe tanzte, hat ganz ohne Frage cherhallen gegeben? nem Selbstkonzept: Bücherhallen sind
lichen Teilhabe und zu einem qualifi- mit meiner frühen Leseleidenschaft plötzlich auch ein Ort für ihn. Und ir-
zierten Beruf versperrt ist und der Ge- zu tun und damit, dass meine Eltern, Auch für Kinder von heute können Bü- gendwann, vielleicht, greift er dann
sellschaft enorme Kosten entstehen. ohne es zu wissen, schon ganz früh cherhallen noch immer dieselbe Be- auch nach einem Buch.
Diese Kinder erlebe ich seit Jahren bei etwas richtig gemacht haben: Sie la- deutung haben. Auch heute noch gibt
Lesungen und das Thema treibt mich sen mir vor, auch wenn es für mich in es Kinder, die nur durch Bücherhallen Darum: Alles Gute für die nächsten
schon lange um. unserem Haushalt zunächst nur ein so viel Lesestoff finden, dass sich da- 100 Jahre!Sie können auch lesen