AUFBRUCH ZUKUNFT IN DIE - 15 Jahre netbank - Gründer, Macher, Wegbereiter - myplus
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44-45
04-05 Zeitzeuge 5 MATTHIAS R. SCHOLZ 86-95
Editorial „Das ist die Zukunft.“ „Wir sind erstklassig aufgestellt und jeder Tag
DR. HEINZ WINGS ist spannend.“
INTERVIEW MIT NATASCHA KLIMEK UND PEER TESKE
46-51
06-23 Zeitzeuge 6 LOTHAR MEHL 96-113
In Hamburg-Altona wird Bankgeschichte geschrieben „Zwei Männer, die über Kompetenz und So geht netbank
DIE STUNDE NULL Wagemut verfügten.“ ZU HAUSE IN HAMBURG-ALTONA
24-29 114-117
Zeitzeuge 1 FRANZ-JOSEF HÖRBELT 52-63 Zeitzeuge 9 BEATRIX JOST
„Ich war von Anfang an von der Idee „Mein Streben geht immerzu dahin, die technologischen „Auf www.netbank.de gibts alles
einer Internetbank überzeugt.“ Sprünge für neue Geschäftsmodelle im Banking zu nutzen!“ außer Barrieren.“
INTERVIEW MIT DR. HEINZ WINGS
30-33 118-120
Zeitzeuge 2 SENATOR E. H. DR. H. C. 64-77 Zeitzeuge 10 SVEN MÄRTINS
THOMAS RENNER Jetzt gehts richtig los! „Wir setzen uns auf den Stuhl unserer Kunden.“
„Dr. Wings war die treibende Kraft.“ WACHSTUM SCHRITT FÜR SCHRITT
34-35 78-81
Zeitzeuge 3 WOLFGANG EBERT Zeitzeuge 7 GERALD ARTELT 121-129
„Die Entwicklung war damals absehbar, „Der Start erfolgte auf heißen Reifen!“ Daten - Zahlen - Fakten - Menschen
die Geschwindigkeit nicht.“ 15 JAHRE NETBANK
36-43 82-85
Zeitzeuge 4 GÜNTER SCHANER Zeitzeuge 8 RALF BLOß
„Wann kann man schon mal eine Bank gründen.“ „Entscheidend war der Geist, Dinge infrage
zu stellen und Mut zum Risiko zu haben.“Liebe Leserinnen und Leser,
es waren aufregende, faszinierende und bewegende verständlich ist, wurde Schritt um Schritt erkämpft - Mit diesem Buch wollen wir Sie, liebe Leserinnen So betrachtet, wünsche ich Ihnen besonders viel
Zeiten, in denen Bankengeschichte geschrieben grundsätzlich mit Netz und doppeltem Boden. und Leser, an die Hand nehmen und gemeinsam Freude bei der Lektüre.
wurde. Als die netbank im Frühjahr 1999 als in die Gründerzeit der netbank zurückblicken.
erste reine Internetbank Europas an den Start Unter dem Strich begannen die „Geburtsvorbe- Ganz bewusst haben wir uns dabei gegen eine Herzliche Grüße
ging, gehörten Wagemut und Visionen da zu. reitungen“ der netbank schon Mitte der 90er-Jahre staubtrockene Chronik und für eine anschauliche
Da den ganz Großen damals noch der Mumm des vergangenen Jahrtausends bei der Sparda- Darstellung entschieden - passend zum höchst
fehlte, wirtschaftliches Neuland zu betreten, Bank Hamburg eG: die ersten Bankgeschäfte via lebendigen Verlauf dieser Ära wahrhaftig spannen-
machte sich unter der Federführung der Sparda- Bildschirmtext, später immer mehr online übers der Bankgeschichte. Zeitzeugen als entscheidende
Bank Hamburg eG eine vergleichsweise kleine Internet. Wegbegleiter helfen, das Bild abzurunden. Und
Gruppe von Sparda-Banken auf den Weg in die natürlich gehört gleichfalls ein Blick in die Praxis
Zukunft. Ohne Pioniergeist, ein professionell In allen Fällen gehörte die Sparda-Bank Hamburg der Gegenwart dazu: Wie funktioniert netbank
aufgestelltes, begeisterungsfähiges Team und zu den Weichenstellern der ersten Stunde. Dass heute?
felsenfesten Glauben an einen guten Verlauf wäre diese traditionsreiche, genossenschaftlich organi- Dr. Heinz Wings
der Erfolg nicht geglückt. sierte Institution mit Wurzeln von 1903 immer Uns ist bewusst: Das letzte Kapitel ist noch nicht Aufsichtsratsvorsitzender netbank AG
wieder Bahnbrechendes initiierte, war für Dritte verfasst. Denn die längst erwachsene und selbst- Vorstandsvorsitzender Sparda-Bank Hamburg eG
Damals? Gut 15 Jahre sind eigentlich keine lange bemerkenswert. Nicht nur Bodenhaftung, gepaart ständige netbank strebt mit Kräften danach,
Zeitspanne, um tatsächlich eine solche Erfolgs- mit Fortschrittsglauben, und eine effiziente auch künftig Motor der Entwicklung zu sein.
geschichte zu schreiben, doch im Verhältnis Struktur sind Voraussetzungen, sondern auch
zum rasanten Fortschritt des Internets handelt Herzblut und die Courage, neue Wege gehen zu
es sich dabei um Welten. Was heutzutage selbst- wollen.
4 5DIE STUNDE NULL
Günter Schaner und Dr. Heinz Wings Dr. Heinz Wings und Günter Schaner Pressekonferenz, 15. April 1999
S
chon im Mai 1996 erfolgte der erste Start- Homebanking im ‚Netz der Netze‘ ermöglicht“, In der Tat staunten die Pressevertreter 1996 im Bank wird Sparda den Zahlungsverkehr im
schuss durch die Sparda-Bank Hamburg hießes darin. „In Zusammenarbeit mit der Kleinen Festsaal des Atlantic Hotels nicht schlecht, Internet aufnehmen.“ Der MeChip sei unangreif-
eG, die das Netbanking für die Gruppe der Sparda-BankHamburg wurde darüber hinaus
was ihnen präsentiert wurde. Der Aufbruch in bar sicher, könne von Hackern nicht geknackt
Sparda-Banken pilotierte; die zweite Stufe eine anwenderfreundliche Benutzeroberfläche für eine neue Ära an traditionsreicher, urhanse- werden. Er werde daheim mit dem privaten
mit der Präsentation der netbank wurde dann multimediale Bankanwendungen entwickelt, die atischer Stätte, das hatte Stil. Neben Dr. Wings, Computer verbunden, verfüge über die Power
drei Jahre später von sieben Sparda-Banken richtungsweisend im Homebanking sein wird.“ dem damaligen stellvertretenden Vorstands- eines winzigen PCs und sei quasi eine kleine
gezündet. Es war ein viel beachteter, von langer vorsitzenden der Sparda-Bank Hamburg, saßen Enklave, in der alle sicherheitsrelevanten Bank-
Hand eingefädelter Auftritt von historischer DIE MEDIENVERTRETER IM ATLANTIC HOTEL Joszef Bugovicz als geschäftsführender Gesell- transaktionen bearbeitet und verschlüsselt werden.
Dimension. Und als Bühne wurde eines der vor- STAUNTEN NICHT SCHLECHT schafter des Leipziger Technologieentwicklers
nehmsten Gebäude der Hansestadt Hamburg Die Sparda-Bank Hamburg, so die anfangs ESD sowie Thorsten Wüste als Vertreter der EIN KLEINER BLAUER KASTEN BAHNTE DEN WEG:
ausgewählt. wahrlich nicht für jedermann nachvollziehbare Firma Siemens Business Services auf dem Podium. DER MeCHIP
Spätestens bei der Pressekonferenz der Sparda- Mitteilung, biete künftig zahlreiche Finanzdienst- Was sie vorstellten, war klein und blau, hatte In Kombination mit dem Datenübertragungskanal,
Bank Hamburg eG am 30. Mai 1996 wurde es leistungen im Internet, die sowohl an SB-Terminals es aber in sich: der MeChip. Dieser Minikasten dem Internet, und der Datenverarbeitung seiner
publik. In einem Schreiben vom 8. Mai des be- in den Filialen als auch im Homebanking via bahnte den Weg in die Zukunft rasend schneller Bank ergebe sich eine sehr verbraucherfreund-
treffenden Jahres lud die Sparda-Bank Hamburg PC genutzt werden können. Systemintegra- Bankgeschichte. Was heute völlig normal ist, galt liche Lösung. Anträge für Kontoeröffnungen in
die Medien zu einer Pressekonferenz in das tor war Siemens Business Services, eine Tochter vor knapp zwei Jahrzehnten als buchstäblich der neuen Welt würden ab sofort via Internet
Atlantic Hotel Kempinski an der Außenalster ein. der Siemens Nixdorf Informationssysteme bahnbrechende Neuerung, quasi eine techno- angenommen. Sodann erfolge die Auslieferung
Die auch per Mail verbreitete Einladung weckte AG. Das Ergebnis, ein Homebankingangebot, logische Revolution. „Wir haben das Home- des Netbanking-Pakets von Sparda per Post.
Neugierde. „Mit dem MeChip steht erstmals eine wollten die beteiligten Unternehmen nunmehr banking neu erfunden“, sagte Heinz Wings schon Wings’ Fazit während dieser historischen
Hardwarelösung zur Verfügung, die sicheres gemeinsam vorstellen. im Mai 1996 selbstbewusst. „Als erste deutsche Pressekonferenz im Atlantic: „Die elektronische
8 9Revolution schreibt die Regeln neu. Und nur auf einem anderen Blatt, zum Beispiel im Ende Wings für neue Geschäftsmodelle, die erst durch
flexible und innovative Banken werden überleben.“ 2013 erschienenen Buch zum 110. Gründungstag neue Technologien möglich wurden.
Entsprechend groß fiel das Medienecho aus. der Sparda-Bank Hamburg. Darin wird die Ent-
Auch wenn die Berliner Zeitung in ihrer Über- stehungsgeschichte des Unternehmens aufgezeigt – In Eschweiler-Dürwiß geboren und heutzutage
schrift noch leicht skeptisch fragte: „Sicher wie von der Eisenbahn auf die Datenautobahn. Denn das in Uetersen vor den Toren Hamburgs wohnhaft,
Fort Knox?“ Die Antwort wurde im Text darunter ursprünglich als Eisenbahner-Bank gewachsene hatte der Diplom-Kaufmann, Bankfachwirt und
gegeben: nach aktuellen Institut vollbrachte das Kunst- Finanzstratege rasch Karriere gemacht. 1987
Erkenntnissen ja. stück, auf höchst bodenstän- wechselte er nach Hamburg in den Vorstand
An dieser Stelle sei erneut ein
Einschub gestattet. Dass der
Fortschritt und der Aufbruch
in eine neue Zeit insbeson- „
DIE RASANTE ENTWICK-
LUNG DER INFORMATIONS
TECHNOLOGIE DURCHBRICHT
SCHALLMAUERN.
“ digem Fundament innovative
Ideen auf die Gleise zu stellen
und den Technologiezug mit
Volldampf losfahren zu lassen.
der dortigen Sparda-Bank. Schwerpunkt unter
anderem: elektronischer Zahlungsverkehr. 1991
stieg er zum stellvertretenden Vorstandsvor
sitzenden auf. Als Motto seines Schaffens erfand
Dr. Heinz Wings
dere mit dem Namen Heinz Den ganz Großen der Banken- er früh das Kürzel TDI, das für Tradition, Dynamik,
Wings verbunden ist, war gilde mangelte es damals Innovation steht.
alles andere als ein Zufall. In zahlreichen Grund- mit ihren schwerfälligen Apparaten und allen
satzartikeln in allen möglichen Fachzeitschriften möglichen Bedenkenträgern an Mumm. Dort war DIE WURZELN STAMMEN AUS DEM JAHR 1995
hatte der damals stellvertretende Vorstands- man eher zaghaft. Doch der Aufsichtsrat der Die Richtung skizzierte er beispielsweise im Leit-
chef der Sparda-Bank Hamburg seine Gedanken Sparda-Bank Hamburg hatte Vertrauen in die artikel des Bankmagazins im September 1995.
öffentlich kundgetan. Dass ihn anfangs nicht Innovationskraft und in den Spürsinn seines Überschrift „Cyber-Banking: Bankgeschäfte mit
jeder verstand oder ihm Glauben schenkte, steht stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Heinz Chips und Multimedia“. Damit wurde gedanklich
1019 Neuland betreten. Es ging zügig los, auch
in diesem Artikel: „Die rasante Entwicklung
der Informationstechnologie durchbricht Schall-
mauern. Sie verändert unser Leben beträchtlich.
Und insbesondere unsere Arbeitswelt.“ Bereits
1995 würden weltweit mehr PCs als Autos
hergestellt. Die Zauberformel für Banken lautet:
„Cyber-Banking auf dem Information-Super-
Highway.“
Dr. Wings, im September 1995 ja noch stell-
vertretender Vorstandsvorsitzender der Sparda-
Bank Hamburg, war mit seinen Ideen und
Visionen der Zeit voraus. Schon damals schrieb
er von videogestützten Beratungsgesprächen,
die unabhängig seien von Schalteröffnungs-
zeiten und Filialen. Die Chiptechnik bereite den
Weg für digitales Bargeld: Das elektronische
Portemonnaie lasse bequemes und anonymes
Bezahlen zu. Wie gesagt: Nicht jeder konnte
oder wollte das glauben.
Heinz Wings indes ließ sich von Bremsern und
Skeptikern nicht beirren. „Chip, Chip, hurra!“,
brachte er seine Meinung auf den Punkt. Seine
Auffassung, früh formuliert: „Technologieschübe
bringen frischen Wind.“ Multimedia durchbre-
che Horizonte, das Home- und Office-Banking
werde sich durchsetzen. Konsequenz: Die klas-
sische Bankfiliale verliere ihre Omnipotenz; der
Direkt- beziehungsweise Internetbank gehöre
die Zukunft. Unter dem Strich, so Wings, ergäben
sich dadurch neue Arbeitsfelder. Um die neuen
Produktfelder zu vermarkten, seien gut ausge-
bildete Vertriebs- und Marketingexperten erfor-
derlich. Sein Fazit, damals schon: „Die künftigen
Erfolge einer Bank und die Zukunft der Arbeits-
plätze werden immer mehr von der Innovations-
freudigkeit und der Servicequalität abhängen.“
Bis zur Pressekonferenz mit der öffentlichen
Präsentation der netbank am 15. April 1999,
wiederum im Atlantic Hotel zu Hamburg, war es
indes noch ein weiter Weg. Anhand der Akten in
der Zentrale der Sparda-Bank Hamburg in der
Präsident-Krahn-Straße direkt neben Gleis 12
des Bahnhofs Altona kann er rekonstruiert wer-
den. Ohne es kompliziert machen zu wollen,
sollen nur einige Meilensteine erwähnt werden.
12 1325.AUG
Entscheidende Zeitzeugen kommen anschließend
ausführlich zu Wort.
ANFANGS WAR DIE NEUE WELT NOCH FREMD
Die Saat wurde im Februar 1995 gelegt, als
Heinz Wings die weltweit größte Software-Messe
„Online“ nahe dem Hauptbahnhof der Hansestadt
als normaler Gast besuchte. Anfangs verstand er
in den branchenfremden technologiebasierten
Foren wenig und fühlte sich wie ein einsamer
Wolf. In Wings schlummerte fortan eine Idee: Von
überall auf der Welt ins eigene Konto schauen
und Überweisungen tätigen zu können zum
Beispiel, das wäre es. Was anfangs einem Hirn-
gespinst ähnelte, setzte sich in seinem Kopf
fest. „Dieser Gedanke elektrisierte und fesselte
mich gleichzeitig“, erinnert sich Wings. „Er ließ
mich nicht mehr los.“ Gut, dass es nicht bei
Fantasien blieb, sondern dass Taten folgten.
Am 25. August 1995 nahm ein Arbeitskreis der
Sparda-Banken „Direct Banking“ unter Feder-
führung von Dr. Heinz Wings seine Arbeit auf.
Wolfgang Ebert, Franz-Josef Hörbelt, Thomas
Renner, Konrad Burk und Manfred Dauner
gehörten als weitere Mitglieder zum Teilneh-
merkreis. Diese eingeschworene Gruppe legte
die Basis für den technologischen Durchbruch in
ein neues Bankzeitalter.
ZEITZEUGEN DOKUMENTIEREN
DIE ENTWICKLUNG
Um die Entwicklung der netbank aus mehreren
Blickrichtungen zu beleuchten und nachvollzie-
hen zu können, werden in diesem Buch auf den
folgenden Seiten nach und nach Zeitzeugen ihre
Sicht der Dinge zu Protokoll geben. Neben Dr.
Wings und den im vorigen Absatz erwähnten
Franz-Josef Hörbelt und E. h. Dr. h. c. Thomas
Renner handelt es sich dabei um Wolfgang Ebert
vom Verband der Sparda-Banken, um den Per-
sonalberater Lothar Mehl, Gründungsvorstand
Günter Schaner sowie um den Hamburger Rechts-
anwalt Matthias R. Scholz.
Die Vorstandsmitglieder der heutigen netbank,
Natascha Klimek und Peer Teske, sowie Frau
Klimeks Vorgänger Ralf Bloß und Gerald Artelt,
ein Mitarbeiter der ersten Stunde, Beatrix Jost
und Sven Märtins – Mitarbeiter der netbank aus
jüngsten Zeiten – geben einen Eindruck vom
heutigen Leben und Arbeiten in der Bank,
runden mit ihren Erinnerungen und Aussa-
gen den Informationsfundus ab. Denn nur so
kann man verstehen, warum und wie es derart
entschlossen und bahnbrechend zur Sache ging.
Zurück in die Mitte der 90er-Jahre des vergangenen
Jahrtausends. Die Sparda-Bank Hamburg wurde
bis zur Gründung der netbank aus dem Regional-
prinzip des genossenschaftlichen Sparda-Banken-
Verbundes entlassen. Gleichfalls im Februar 1996
15beschloss der Aufsichtsrat der Sparda-Bank logisch anmutet, als greife planmäßig ein Räd- zunehmend Notiz von dem, was die Banken- einer Persönlichkeit aus Franken zu, der gleich
Hamburg den Internetauftritt. Die Weichen waren chen ins andere, ist tatsächlich eine mühselige zukunft inspirieren soll. Neben vielen anderen noch ein eigenes Kapital gewidmet wird: Günter
nun gestellt. Die Kosten der virtuellen Bank- Strecke, deren Ziel noch keiner genau kennt. Die berichten die Tagesschau der ARD und das heute Schaner. Eigentlich verlebt er seinen beruflichen
filiale, auch das soll nicht verschwiegen werden, Richtung allerdings steht, und Mut wie Pionier- Journal des ZDF über die Pioniertat der Sparda- Ruhestand, doch glückt Heinz Wings mit der ihm
beliefen sich auf umgerechnet eine Million geist sind allemal vorhanden. Außerdem treiben Bank. Nach wie vor mag nicht jeder an diese eigenen Begeisterung und konsequenter Über-
Euro. Zur Erinnerung: Damals gab es noch die Wings & Co. den Fortgang grundsätzlich mit Revolution glauben. Kann das funktionieren? zeugungsarbeit seine Rückkehr ins Berufsleben.
D-Mark. Netz und doppeltem Boden voran (siehe Inter- Oder ist das alles Teufelswerk?
view). Einen Flop darf sich die Genossenschaft FRÄNKISCHE GASTFREUNDSCHAFT
HEINZ WINGS LEGT BASIS FÜR ENTWICKLUNG nicht leisten. Bei allem Elan und einer starken GEHEIMTREFFEN IN „BÖHM’S HERRENKELLER“ Ort dieser Weichenstellung ist „Böhm’s Herren-
Während die Vorbereitungen auf Hochtouren Portion Zukunftsglauben wird Achtsamkeit groß- Von wegen! Die Zahl eingeweihter Überzeu- keller“, ein ebenso gediegenes wie gepflegtes
liefen, legte Heinz Wings auch persönlich und geschrieben. Sollte es einen Rückschritt geben, gungstäter nimmt zu, beseelt von den ersten auf- Restaurant in der Nürnberger Altstadt. „500 Jahre
inhaltlich die Basis für die jetzt anstehende Ent- den keiner erwartet, ist eine dämpfende Matte munternden Ergebnissen. Die Sparda-Schwester- fränkische Gastfreundschaft“ ist das Motto in der
wicklung: An der Universität Regensburg begann da, die den Sturz mildert. banken in Karlsruhe, Stuttgart, Wuppertal, Theatergasse 19. Die Fassade mit uraltem Holz
er bei Professor Dieter Bartmann seine Promotion. Dem Presseauftritt Ende Mai 1996 mit Darstellung Nürnberg, Saarbrücken und Regensburg be- und prachtvollen Verzierungen lässt einen ersten
Thema: „Strategisches Bankmanagement - ein des Internetauftritts der Sparda-Bank Hamburg kunden Interesse, der Idee aus Hamburg zu fol- Eindruck vom Gehalt innen aufkommen. Im
technologiebasierter Ansatz.“ Was theoretisch schließt sich ein Vierteljahr später die Vorstel- gen. Heinz Wings wird nicht müde, seine Vision Weingewölbe werden erlesene Tropfen kredenzt;
auf dem Papier stand, bereitete das Szenario lung der Anwendung auf der Computermesse zu proklamieren. Ständig ist er unterwegs, um auf der Speisekarte stehen Spezialitäten wie
für eine Internetbank vor. Bis zur Gründung der CeBIT Home im benachbarten Hannover an. Der sein Leitbild zu transferieren. Bundesgenossen, Schäufele, gebackener Karpfen und natürlich
netbank sollen noch gut drei Jahre vergehen. Sparda-Stand ist dicht umlagert. Auch die Medien, bei denen auch menschlich die Chemie stimmt, frisch gegrillte Rostbratwürste mit Kraut. Denn
Im Sauseschritt gehts voran. Was im Nachhinein nicht nur aus Deutschland und Europa, nehmen helfen dabei. Eine entscheidende Rolle kommt Heinz Wings versteht nicht nur die Arbeit, sondern
16 17verfügt über ein Faible für die schönen Facetten wird ebenso wie seine späteren Kollegen Beatrix
des Lebens. Gute Speisen und Getränke gehören Jost und Sven Märtins noch detailliert Zeugnis
dazu. Angenehm für beide Seiten, dass Schaner ablegen von einer spannenden Zeit.
ähnlich denkt und fühlt. Credo: leben und leben
lassen. Kein Wunder, dass dieses wegbereitende „HIGH NOON“ IN ALTONA
Duo Schaner/Wings auch heutzutage in herzlicher Während Rechtsanwalt Scholz den juristischen
Freundschaft verbunden ist. Rahmen für die Beantragung der Bankerlaubnis
steckt, werden die Gründungsunterlagen geprüft.
DIE ERSTEN BEIDEN MITARBEITER Am 22. Januar 1998, pünktlich um 12 Uhr, also
WERDEN ANGEHEUERT „High Noon“, steht die Gründungsversammlung
Bevor Günter Schaner die Vorbereitungen der der netbank auf dem Kalender. In Anwesenheit
netbank-Geburt, den Startschuss und die An- des Hamburger Notars Detmar Brandi, dessen
fangsära aus eigener Sicht schildert, seien der Kanzlei sich damals in der benachbarten Bier-
Vollständigkeit halber noch weitere wichtige natzkistraße befindet, wird in den Geschäfts-
Stationen beschrieben. Denn nach dem Engage- räumen der Sparda-Bank am Bahnhof Altona
ment von Schaner im November 1997 und der rechtlich fixiert, was so lange angebahnt wurde.
Einstellung von Thorsten Wüste wird am 1. Januar
1998 Mitarbeiter Nummer zwei an Bord der EIN NOTAR VERFASST DIE GRÜNDUNGSURKUNDE
künftigen netbank geholt: Gerald Artelt als In der notariellen Urkundenrolle vom gleichen
Bereichsleiter IT. Auch dieser „Geburtshelfer“ Tag ist notiert, dass Günter Schaner und Heinz
19Wings für die Dauer von fünf Jahren zu Vorstands- üblichen bescheidenen Art. Dass es dennoch ein
mitgliedern der netbank AG bestellt werden, einschneidender Moment ist, bleibt haften. Man
wobei Wings den Vorsitz übernimmt. Zum Vor- geht auseinander mit dem guten Gefühl, dass
sitzenden des neuen Aufsichtsrats wird Thomas Taten folgen werden.
Renner, zum Stellvertreter Gerhard Ewig ernannt. Und wie! Gut einen Monat später, am 24. Februar
Weitere Mitglieder dieses Gremiums sind Konrad 1998, wird die Bankerlaubnis beantragt. Auf einem
Burk, Peter Hering, Xaver Lehner und Günther außerordentlichen Verbandstag am 17. März
Zahn. Die beteiligten sieben Sparda- Banken 1998 wird die netbank offiziell in den Verband
leisten zusammen 20 Millionen D-Mark Grund- der Sparda-Banken aufgenommen. Unmittel-
kapital, umgerechnet knapp zehn Millionen Euro. bar zuvor war Bjoern Biedermann als dritter Mit-
Beim Gründungsakt wird die Gesellschafte- arbeiter der nunmehr gegründeten netbank
rin „Sparda-Bank Saarbrücken“ vom damaligen angestellt worden. Bis zum Marktauftritt sollte
Vorstandsvorsitzenden des Verbandes, Dr. Peter noch eine ganze Menge Weiteres passieren. die Veröffentlichung von Wings’ Grundsatzge-
Scharpf, vertreten. Er ist so von der Idee der danken zum Thema innovativer Bankgeschäfte
netbank überzeugt, dass er sich selbst am DER MACHER HEINZ WINGS mit Chips und Multimedia im Herbst 1995, der
Grundkapital beteiligt hätte, wenn es möglich ZIEHT ZWISCHENBILANZ Aufbruch mit sieben Sparda-Banken im Frühjahr
gewesen wäre. „Die Zeit verging wie im Fluge“, erinnert sich 1996 und eben die Gründung Anfang 1998. Nach
Im Anschluss an den Gründungsakt erheben die Heinz Wings heute. Zur Erinnerung in aller Kürze: dem Onlinebanking an sich mit dem MeChip
Herren ein Gläschen mit Sekt - zur Feier des Tages, Meilensteine waren die Gründung eines Unter- hatte Dr. Heinz Wings mit der netbank also
in der bei der erdverwachsenen Sparda-Bank arbeitskreises Direktbanking im Sommer 1995, Vision Nummer zwei realisiert. Seine Dissertation
21
Peer Teske und Ralf Bloßam Lehrstuhl für Informatik an der Universität als Rückhalt diente und dient.
Regensburg mit dem Direktor Prof. Dr. Dieter Und wenn Dr. Heinz Wings in eigener Sache vor-
Bartmann war übrigens eine Basis für die Bank- nehmes Schweigen vorzieht, können andere ihre
erlaubnis. Kommentare abgeben. So wie das Internetlexikon
Wings passt sich dem zurückhaltenden Charakter Wikipedia, das von einem „deutschen Bank-
der Sparda-Bank Hamburg an und spricht nicht manager“ schreibt, der „in Europa als einer der
gerne darüber. Wegbegleiter und Mitarbeiter Pioniere des Onlinebankings“ gilt. Die renommierte
jedoch berichten hinter vorgehaltener Hand Research-Agentur Lafferty in London nominierte
übereinstimmend von einem unfassbaren Zeit- ihn als „Besten Onlinebanking-Manager Europas“.
pensum, das der Macher aus Eschweiler in den „Letztlich war die netbank die logische
Gründerjahren in die Waagschale warf - von Konsequenz aus allen Aktivitäten im Bereich
immensem Herzblut ganz zu schweigen. Denn Internetbanking“, bilanziert Heinz Wings im
neben der eineinhalbjährigen Doppelbelastung Spätherbst 2014. Nach wie vor ist er Vorsitzen-
an der Spitze der Sparda-Bank Hamburg sowie der des Aufsichtsrats der netbank AG, seines
als Vorstandsvorsitzender der netbank führte Babys, wenn man so will.
der zweifache Familienvater seine Promotion
voran. Wie er zusätzlich noch an seinen privat
verfassten Büchern und diversen Artikeln
arbeiten konnte, bleibt sein Geheimnis. Oder
das seiner Ehefrau Uschi, die daheim in Uetersen
22 23Senator E. h. Dr. h. c.
Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
ZEITZEUGE 1 Franz-Josef Hörbelt
Banken zwischen 1983 und 1990 und anschließend Verband arbeitete, wusste, wie die Uhren dort
als stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden ticken. Eine Menge Fingerspitzengefühl und
Ich war von Anfang kam dem gebürtigen Coesfelder in den ent- Diplomatie gehörten dazu.
scheidenden Jahren bis 2002 große Bedeutung
an von der Idee einer zu. In der nicht immer unkomplizierten Welt VON HAUS AUS EISENBAHNER
der Sparda-Familie mit individuellen Interessen MIT HERZ UND LEIDENSCHAFT
Internetbank überzeugt.“ baute er mit am Fundament für die erfolg- Hörbelt, Eisenbahner mit Herz und Leidenschaft
reiche Gründung der ersten Internetbank des aus dem gehobenen Dienst, hatte seine Inspek-
Kontinents. „Ohne Jochen Hörbelt wäre die torenausbildung in Münster absolviert und sich
ENTSCHEIDENDE RÜCKENDECKUNG Gründung der netbank als Tochter von Sparda- später in Montabaur zwei Jahre das theoretische
VOM VERBAND IN FRANKFURT Banken nicht Wirklichkeit geworden“, bringt Wings Bankwissen zur Geschäftsleiterqualifikation einer
Ein Mittelstürmer kann nur dann ins Tor treffen das Wirken seines verbandsseitigen Mitstreiters Genossenschaftsbank angeeignet. Als Heinz
und einen Volltreffer landen, wenn die Vorlage auf den Punkt. Wings Ende der 80er-Jahre in den Vorstand der
erstklassig ist. Das ist nicht nur im Fußball so. Um das feine Netzwerken Hörbelts in der Pionier- Sparda-Bank Hamburg aufrückte, kamen sich
Keiner kennt die Bedeutung eines funktions- phase zu verstehen, muss man um die Aufgabe die beiden näher - fachlich wie menschlich. Dass
fähigen Teams besser als Dr. Heinz Wings, des Verbandes wissen: Als gesetzlicher Prüfungs- die Zentrale des Verbandes in der Hamburger
Motor der netbank-Gründung. Um im Bild zu organisiert. Womit wir - im übertragenen Sinne - verband übernahm dieser ab 1945 unter anderem Allee in Frankfurt ansässig war und ist, sei nur
bleiben: Eine entscheidende Rolle auf dem Weg bei Franz-Josef Hörbelt sind, der intern meist zusätzlich die Aufgaben einer Zentralbank. am Rande angemerkt. „Wir waren uns auf Anhieb
zum Sieg kommt dem Libero zu, der nach hinten unter „Jochen“ Hörbelt bekannt war. Und wer so wie Franz-Josef Hörbelt bis zu seinem sympathisch“, erinnert sich Hörbelt. „Der Funke
absichert und gleichzeitig den Aufbau nach vorn Als Geschäftsführer des Verbandes der Sparda- Ruhestand 2002 insgesamt 27 Jahre für den sprang rasch über.“
24 2590er
Senator E. h. Dr. h. c.
Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
Heinz Wings’ Visionen stießen auf offene Ohren. Bazillus, den dieser in Umlauf brachte. „Selbst Gedächtnis einbrannte. Diese jungen Profis Es spricht für seinen Humor und sein Selbstbe-
Vieles lief parallel bei den beiden Weichenstellern. wenn man die technologischen Möglichkeiten präsentierten ihre Vorstellungen von der Zukunft. wusstsein, dass er folgende Anekdote nicht ver-
Während der Analytiker Heinz Wings den Vor- in der Startphase noch nicht einschätzen konn- Nicht nur Hörbelt hörte erstmals von den viel- heimlicht. Kurz entschlossen und guter Hoffnung
sitz der Sparda-Arbeitskreise Zahlungsverkehr te, sagte mir mein Bauchgefühl, dass wir auf das fältigen Geschäftsmöglichkeiten des Internets erwarb Hörbelt per Onlinebanking von privatem
und Internet innehatte, übernahm Franz-Josef richtige Pferd setzten“, fügt Hörbelt im Nach- und den vielen anderen Wunderdingen. Mancher Geld für fünfmal 5.000 D-Mark Aktien von
Hörbelt auf Verbandsseite die Koordination dieser hinein hinzu. Eisenbahner verstand nur Bahnhof. „Es waren angeblich aufblühenden Start-up-Unternehmen.
Ausschüsse. Eine enge Zusammenarbeit war Hilfreich war sein persönlicher Spaß am Fort- überwältigende zwölf Stunden“, erinnert er sich. Ergebnis: 50 Prozent dieser Investition mussten
Voraussetzung für den Erfolg. Auf verschiedenen schritt. Früh beschäftigte er sich mit dem Bild- „Ehrlich gesagt, habe ich wenig verstanden, nach kurzer Zeit als Verlust verbucht werden.
Tagungen wurde leidenschaftlich über die schirmtext. Dieses BTX-Gerät daheim lief zwar aber die Begeisterung gespürt.“ Für Hörbelt war
Zukunft einer neuen Bankenwelt diskutiert. Klar, nicht immer rund, führte jedoch dazu, dass Eschborn der Schlüsselmoment, den Aufbruch DER DURCHBRUCH WURDE TEUER BEZAHLT
dass 17 einzelne, vom Grundsatz her selbst- Hörbelt einen Großteil seiner privaten Geldge- Richtung Bankenzukunft mitzugehen. Franz-Josef Hörbelt trug den Flop mit Fassung:
ständige Sparda-Banken mit unterschiedlichen schäfte zu Hause erledigen konnte. Aus diesem Und wie! Im Doppelpass mit Heinz Wings in „Für mich war es ein finanzielles Abenteuer,
Bedingungen, Personen und teilweise anderer Grund sah er nur selten eine Bankfiliale von Hamburg und weiteren seelenverwandten Mit- jedoch habe ich sehr direkt gemerkt, dass diese
Produktvielfalt nicht leicht unter einen Hut zu innen, zumindest nicht als Kunde. streitern bereitete Franz-Josef Hörbelt den neue Art Banking funktioniert.“ Unterm Strich
bringen waren. Die Überzeugungsarbeit war ein Weg bis zur Gründung der netbank und ihrem war der Durchbruch für Wertpapiergeschäfte via
schleichender, konstruktiver Prozess. SCHLÜSSELMOMENT IN ESCHBORN Marktauftritt im April 1999. Schritt um Schritt netbank vollbracht. Aus Hamburg kam Zuspruch.
„Ich war von Anfang an von der Idee einer Inter- Unvergessen ist vor allem eine Tagung mit gings voran. Als die netbank um die Jahr- „Der Verlust ist natürlich sehr ärgerlich“, kom-
netbank überzeugt“, weiß Hörbelt rückblickend. Internetprofis der ersten Stunde an einem tausendwende auch den Kauf und Verkauf von mentierte Heinz Wings, meinte indes auch: „Es
Mit Freude erinnert er sich an die Überzeu- Karfreitag Mitte der 90er-Jahre in Eschborn, die Wertpapieren offerierte, nutzte Hörbelt dieses geht! Nichts ist besser, als wenn man es macht.“
gungskraft des Heinz Wings und auch an den sich als „einschneidendes Erlebnis“ in Hörbelts Novum - und schlug zu. So betrachtet, hatte die netbank gewonnen.
26 27Senator E. h. Dr. h. c.
Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
Dass sie anfangs als Teil der Sparda-Gruppe
eingegliedert wurde, basiert gleichfalls auf dem
Einsatz von Hörbelt & Co.
Bis zu seinem Ausscheiden als stellvertretender
Vorstandsvorsitzender des Verbandes zum
31. Januar 2002 hatte Hörbelt ganze Arbeit
geleistet. „Weit über den normalen Einsatz
hinaus“, gab Heinz Wings seinem langjährigen
Weggefährten mit auf den Weg. Ob in Mainz,
wo Hörbelt seit 1975 wohnt, oder in Hamburg:
Wenn sich die beiden Partner vergangener Tage
heutzutage wiedersehen, gibt es eine Menge
zu erzählen. Es waren gute Zeiten, in denen
viel geschah.
29Senator E. h. Dr. h. c.
Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Senator E. h. Dr. h. c. Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
ZEITZEUGE 2 Thomas Renner
Freundschaft, die ihre Wurzeln im Unternehmen Nachhinein skizziert. Nach dem Wirtschafts
hat. Mit dem Job baute sich kontinuierlich ein abitur absolvierte er bei der damaligen Bundes-
Dr. Wings war die Vertrauensverhältnis auf, das auch den Start der bahn in Konstanz eine Inspektorenausbildung.
netbank begleitete. Er gehört also zu jenen Sparda-Managern, die
treibende Kraft.“ So war Thomas Renner am 22. Januar 1998 nicht nur Banker, sondern zudem mit Herz-
„High Noon“ im Sitzungszimmer der Sparda- blut Eisenbahner sind. 1980, nach acht Jahren
Bank Hamburg präsent, als es offiziell losging: am Bodensee, wechselte er zur Sparda-Bank
EIN ERFAHRENER MANN In Anwesenheit des Notars Detmar Brandi wurde ins nahe gelegene Karlsruhe. Dort stieg der
IM AUFSICHTSRAT DER NETBANK die erste Internetbank Europas gegründet – diplomierte Bankbetriebswirt, der an der
Nicht lange vor Erscheinen dieses Buches klang und Renner in den Aufsichtsrat berufen und zum Akademie Deutscher Genossenschaften in
eine Ära aus, die nachhallt: Im Oktober 2013 ersten Aufsichtsratsvorsitzenden der netbank Montabaur studiert hatte, zwei Jahre später
schied Senator E. h. Dr. h. c. Thomas Renner aus gewählt. Die Macher um Heinz Wings legten zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden
dem Aufsichtsrat der netbank aus, dem er seit Wert auf eine Persönlichkeit von Format, auf auf. 1999 folgte der Einstieg in den Vorstand der
Gründung mehr als 15 Jahre zuvor angehörte. die Verlass war. Diese Entscheidung sollte sich Sparda-Bank Baden-Württemberg in Stuttgart,
In der Riege entscheidender Weichensteller bewähren. dessen Vorstandsvorsitzender er von 2007 bis
nimmt der gebürtige Freiburger mit Wohnsitz in Kein Wunder, verfügte Thomas Renner doch über zum Ruhestand Ende 2013 war.
Karlsruhe eine führende Rolle ein. „Ohne ihn“, enorme Erfahrung, diplomatisches Geschick, ein
macht Dr. Heinz Wings klar, „wäre alles nicht so lebensfrohes Naturell sowie die Tugend, ohne HOMEBANKING ALS FRÜHE SELBSTERFAHRUNG
reibungslos gelaufen.“ Seit vielen Jahren ver- Holzhammer durchsetzungsfähig zu sein – so Das Engagement in Sachen Onlinebanking be-
bindet die beiden Sparda-Chefs eine herzliche zumindest wird sein Wirken von Mitstreitern im gann viel früher. Da die Sparda-Bank bewusst
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Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
Eröffnungs-
pressekonferenz,
Zehn Jahre netbank, 15. April 2009 Senator E. h. Dr. h. c. Thomas Renner und Peter Hering 15. April 1999
ein überschaubares Filialnetz unterhält, wurde der Funktionsfähigkeit und Nutzen des Home- zierten Besetzung des Vorstandes und des Auf- Karlsruher Universität. Und die dortige Hochschule
rechtzeitig ein starker Akzent auf Bankgeschäfte bankings bereits in der Pionierphase privat sichtsrates stand nichts mehr im Wege. Es war für Musik vertritt er als Senator. Thomas Renner
via Telefon gesetzt. Seite an Seite saßen Thomas testete, zählt zu den Vorreitern der neuen Banken- alles andere als ein Zufall, dass zu dieser erzählt erst auf Nachfrage darüber. Bescheiden-
Renner und Heinz Wings in dem schon erwähnten welt. „Mir war rasch klar, dass die seinerzeit Führungsmannschaft Menschen gehörten, die heit ziert, doch gilt die Volksweisheit: Ehre, wem
Sparda-Arbeitskreis „Direct Banking“, der nach revolutionäre Technik des weltweiten Netzes sich vertrauten. Ein weiteres gutes Beispiel neben Ehre gebührt.
Antworten auf den neuen Trend, Bankdienst- und rasanter Verbindungen auch vor den Banken der Allianz Renner/Wings ist die Verbindung zwi-
leistungen von zu Hause aus abzuwickeln, nicht haltmacht“, sagt er. Im Gegensatz zu allen schen Thomas Renner und dem stellvertreten- DR. H. C. UND SENATOR E. H.
suchte - und Lösungswege fand. Einer war die möglichen anderen habe er ursprünglich wenig den Vorstandsvorsitzenden der Gründerzeit, Privat pflegt Thomas Renner Hobbys, die in
Telefon-Servicegesellschaft in St. Ingbert. Von Skepsis gehegt: „Für die Zukunft der Sparda- dem Franken Günter Schaner. Beide kennen und Harmonie zum Doktortitel h. c. und der Senatoren-
dort wurde das gesamte Telefonbanking für acht Banken war der neue Schritt ob der wenigen verstehen sich aus gemeinsamen Studientagen würde stehen. Er spielt selbst Klavier, liebt die
Sparda-Banken abgewickelt. Nummer zwei war Filialen besonders wichtig.“ in der Akademie in Montabaur. Musik und die Kunst. Erlaubt es die Zeit, reist
die Planung und spätere Gründung einer reinen Es passt ins Bild wahrhaftiger Verbundenheit, und wandert er gerne. Herrscht mal so richtig
Internetbank. AUCH BEI DER NETBANK-GRÜNDUNG dass die Kontakte nach Thomas Renners Ab- Muße, tauchen vielleicht angenehme Erinnerun-
„Dr. Wings war die treibende Kraft“, sagt Renner WAR ER PRÄSENT schied aus dem aktiven Sparda-Alltag anhalten. gen aus dem Beruf auf. Beispielsweise, wie der
rückblickend, „seine Kenntnis und seine Visionen Wie eingangs dieses Buches geschildert, folgte Das aktive Sparda-Leben, so hat Renner für sich frühere Bundesbahninspektor dazu beitrug, die
verliehen der Sache Schwung.“ Das Ergebnis ein Schritt dem nächsten - bis zum Erstauftritt entschieden, war im Dezember 2013 beendet. netbank auf die Gleise zu schieben.
lässt sich heutzutage sehen. Das Kompliment der netbank AG 1999. Dafür gab es präzise Be- Anschließend blieb mehr Zeit für gesellschaft-
Thomas Renners in Richtung des Hamburgers dingungen des Aufsichtsamtes. Auch dank des lichen Einsatz, dem sich Thomas Renner intensiv
Heinz Wings ehrt den Absender, doch könnte Know-hows des Hamburger Juristen Matthias verschrieben hat. Seinen Doktortitel übrigens
dieses Lob auch umgekehrt gelten. Denn Renner, Scholz wurden diese perfekt erfüllt. Der qualifi- erhielt er von der philosophischen Fakultät der
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Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
ZEITZEUGE 3 Wolfgang Ebert
BEIM VERBAND DER SPARDA-BANKEN IN FRANK- bank zum Thema hatte. Dabei ging es um die ist ein moderner Dienstleistungsbetrieb, der als
FURT WURDE WICHTIGE STARTHILFE GELEISTET Marktentwicklung, um ihren technischen Stand Prüfungsverband im Sinne des Genossenschafts-
Wenn verschiedene Weichensteller an einem und um mögliche Kunden. Eine Kosten - sowie gesetzes fungiert. Als Stabsstelle betreut die
Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel anstre- eine Ertragseinschätzung gehörten dazu. Unter Organisation die wirtschaftlich selbstständigen
ben, kann Gutes entstehen. Voraussetzungen dem Strich machte die Expertise des „ibi Sparda-Banken. Wolfgang Ebert war von 1989 bis
sind Sachverstand und eine präzise Planung Instituts für Bankinformatik“, verfasst von den zu seinem Ruhestand dabei, mithin ein Viertel-
hinter den Kulissen. Segensreich war bei der Mannen um Prof. Dr. Dieter Bartmann, zu denen jahrhundert. In seinem Bereich war der gelernte
netbank-Gründung die Kompetenz des Verbandes insbesondere Dr. Erhard Petzel und Dr. Carsten Bankkaufmann als Leiter Regulatorik früh in die
der Sparda-Banken mit Sitz in Frankfurt am Stockmann gehörten, den Gründervätern Mut. Entwicklung der netbank involviert.
Main. Entscheidend an der Gestaltung und Um-
setzung war mit Wolfgang Ebert ein Fachmann AUS DEM 1906 GEGRÜNDETEN REVISIONSVER- „Die Entwicklung war damals absehbar, die
beteiligt, dessen Stärke die inhaltliche Arbeit BAND ENTWICKELTE SICH EIN HOCHMODERNER Geschwindigkeit nicht“, fasst Ebert seine Erfah-
war. Als der gebürtige Kölner am 26. März 2014 DIENSTLEISTUNGSBETRIEB rungen zusammen. Und er fügt hinzu: „Dr. Heinz
in den Ruhestand trat, konnte er zufrieden auf Für die Planung der netbank war die Existenz Wings in Hamburg war Ideengeber und Antreiber
den Start und das Gedeihen der netbank AG des Verbandes der Sparda-Banken ein immenser auch der netbank. Ohne ihn wäre das so nichts
zurückblicken. Fast auf den Tag 15 Jahre zuvor Pluspunkt. Die traditionsreiche Organisation geworden.“ Folglich blickt der begeisterte Hobby-
war ihr Marktauftritt erfolgt. war am 19. Januar 1906 von einigen der bereits fotograf von seinem Wohnort im Westerwald
Die Entwicklung war Basis der netbank-Geburt war ein umfangreiches, bestehenden Eisenbahn-Spar- und Darlehens- auch im Ruhestand gespannt auf den weiteren
gut 60 Seiten starkes Papier der Universität kassen, den heutigen Sparda-Banken, in Kassel Werdegang der netbank. Er hat sie in wichtiger
damals absehbar, die Regensburg, das die Chancen einer Internet- ins Leben gerufen worden. Daraus erwachsen Funktion begleitet.
Geschwindigkeit nicht.“
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Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
ZEITZEUGE 4 Günter Schaner
1983 dort bis zu seiner Pensionierung stellver- bandstag der Sparda-Banken 1997 war Günter
tretender Vorstandsvorsitzender, der in Böhm’s Schaner offiziell verabschiedet worden. Nicht
Wann kann man schon Herrenkeller quasi ein Heimspiel absolvierte, nur sein Wegbegleiter Heinz Wings bedauerte
spitzte die Ohren - und genoss erst einmal einen diesen Schritt, hatten doch beide zuvor im
mal eine Bank gründen.“ weiteren Schluck des guten Weins. Nach und nach Sparda-Banken-Verbund kollegial und kreativ
legte Wings die Karten auf den Tisch. Schaner, zusammengearbeitet: Schaner als stellvertre-
so die Vorstellung, könne doch an seiner Seite in tender Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank
EIN EISENBAHNER UND BANKER MIT HERZBLUT den Vorstand der in Gründung befindlichen Nürnberg von 1983 bis 1997, Wings in ebendieser
STELLTE DIE WEICHEN netbank AG eintreten und somit wertvolle Start- Funktion in Hamburg.
Die beiden Herren verstanden sich vortrefflich, hilfe leisten. Eine famose Lösung sei das aus
und das lag nicht nur am urigen Charakter der der wingsschen Sicht. „Sehr viel Arbeit ist damit Beide einte die anpackende Art zielorientierter
Gastwirtschaft in der Theatergasse 19 in der nicht verbunden“, fügte Wings hinzu. „Wenn Arbeit ebenso wie ein bodenständiges Naturell.
Nürnberger Altstadt. In „Böhm’s Herrenkeller“, du einmal im Monat zu einer Vorstandssitzung Fachlich verband beide ein Faible für den elektro-
an einem ruhigen Ecktisch, wurde Gehaltvolles nach Hamburg kommst, müsste das bequem nischen Datenverkehr und die wachsende Bildschirmtext BTX sowie der elektronische Zah-
serviert. Erst in Form deftiger Hausmannskost, reichen.“ Möglichkeit, Bankgeschäfte online und im Internet lungsverkehr ebenfalls.
anschließend verbal. Das klang gut, fand auch Schaner, war jedoch erledigen zu können. Beide waren ihrer Zeit
„Günter, ich hab da eine Idee“, ging der Wahl- mit der Schwierigkeit seiner angeschlagenen so gesehen voraus und trieben ihre Ideen in VON FRANKEN ÜBER TEHERAN NACH HAMBURG
hamburger Heinz Wings an diesem 5. November Gesundheit behaftet. Eine Krankheit hatte dazu Nürnberg wie Hamburg energisch voran. Einsatz Günter Schaner hatte eine Karriere absolviert,
1997 in die Offensive. Der Franke Günter Schaner, geführt, dass der damals 52-Jährige in den vor- an Computern und Automaten, damals nicht die maßgeschneidert erschien für die 1930 ge-
seit 1980 bei der Sparda-Bank Nürnberg und ab zeitigen Ruhestand treten musste. Beim Ver- unbedingt selbstverständlich, zählte dazu, der gründete Sparda-Bank Nürnberg. In Kronach in
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Oberfranken geboren, stieg er zügig in den Kontoauszugsdruckers, eine gleichfalls bahn- zum „konspirativen“ Treffen in „Böhm’s Herren- Mitstreiter Schaner zukam. Um es vorwegzu-
gehobenen Dienst der damaligen Deutschen brechende Entwicklung. Anfängliche Tücken keller“ lud. Dennoch war Schaner zuerst erstaunt, nehmen: Bis kurz nach Marktauftritt am 15. April
Bundesbahn auf. Zwischen 1975 und 1979 wurden augenzwinkernd zur Kenntnis genom- als ihm Wings seine Idee mit dem netbank- 1999 bekleidete dieser sein Amt im Vorstand der
wirkte er für ein Projekt der Deutschen Eisen- men. So missglückte der erste Versuch am Vorstand schmackhaft machte. Schaner zögerte netbank AG.
bahn Consulting (DEC) in Teheran. 1980 wurde elektronischen Wunderapparat, heute als Geld- nicht lange - und gab sein Jawort. „Wann kann man Dass diese Gründung überhaupt plangemäß
er in den Vorstand der Sparda-Bank Nürnberg ausgabeautomat bekannt, vom damaligen Vor- schon mal eine Bank gründen“, sagte er sich. glückte, ist entscheidend Günter Schaner zu
berufen. Als Wohnort wählte er das rund 25 standsvorsitzenden persönlich vorgenommen. „Also ran an den Speck.“ Die beiden Herren gaben verdanken, der von jeher höchst aufgeschlossen
Kilometer entfernte Altdorf, eine schnuckelige Beim dritten Versuch, die persönliche Iden- sich die Hand und erhoben sodann ihre Gläser: auf Neuerungen reagierte. Mit Elan übernahm er
Ortschaft mit 15.000 Einwohnern inmitten der tifikations-Nummer (PIN) einzugeben, wurde „Prosit, hoch lebe die künftige Internetbank!“ nach dem Schlüsselmoment in Böhm’s Herren
reizvollen mittel
fränkischen Gebirgslandschaft. die Karte eingezogen. Der Betroffenheit der keller Verantwortung wie Initiative. Vorausset-
Das Altdorfer Wappen ziert der Pfälzer Löwe, der Anwesenden folgte erleichtertes Lachen, als Geradezu euphorisch, wie sich Schaner erinnert, zung war neben Know-how und Pioniergeist ein
die Insignien Nürnbergs in seinem Schild führt. die Ursache klar wurde: dreimal falsche PIN ging man auseinander. Das visionäre Duo hatte enormer Zeitaufwand; denn bis auf die Grund-
Und in Nürnberg war schon damals das Re- eingegeben. Karte weg. eine Idee, aber noch keinen einzigen Kunden. konzeption stand ja noch nicht viel. In der Praxis
chenzentrum aller deutschen Sparda-Banken Alsbald ergab sich das nächste Problem: Mit einer sah es dann so aus: Zwischen November 1997
ansässig. Es passte ins Bild, dass Günter Schaner DAS JAWORT ERFOLGTE SPONTAN Vorstandssitzung pro Monat in Hamburg war es und April 1999, mithin eineinhalb Jahre, pendelte
den Gedanken einer kundenbezogenen EDV- Unverdrossen ging es voran. Der lebensfrohe für den Ruheständler Günter Schaner nicht getan. er mit dem ICE zwischen Nürnberg und der
Organisation früh mit vorantrieb. In der Sparda- Günter Schaner und der aufgeschlossene Heinz Die Arbeit ging richtig los. Und wie! Darauf Hansestadt, am Montag gegen sechs Uhr hin,
Zweigstelle Sonnenstraße wurde 1983 der Wings harmonierten fachlich und menschlich. angesprochen, reagiert Heinz Wings heute mit freitagabends zurück. Von wegen Ruhestand.
erste Geldautomat Nürnbergs präsentiert. Im So war es also keine Überraschung, dass der einem wissenden Lächeln, sagt indes nicht viel. Das Gegenteil war der Fall.
gleichen Jahr folgte vor Ort die Premiere des Hamburger den Franken Anfang November 1997 Fraglos muss er geahnt haben, was auf seinen
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Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
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BIFI MIT BISS Bifis auf dem Tisch und lösten Probleme unkon- stellte“, weiß Günter Schaner rückblickend. Er
In der Regel bezog Schaner in der Nähe des ventionell“, berichtet Schaner. Biss zeichnete die erinnert sich an eine „unbeschreiblich interes-
Hamburger Dammtors Quartier. Von dort waren Macher der ersten Stunde aus. Den Abend ließ sante Zeit“, wobei er nie in Ichform, sondern
es mit der S-Bahn nur ein paar Stationen bis Günter Schaner meist im Elysée-Hotel ausklingen: immer als „wir“ spricht.
zum Bahnhof Altona. Vor dem Umzug in die beim Italiener dort, im rustikalen Restaurant
nahe gelegene Max-Brauer-Allee waren die nebenan oder mit einer Zeitung in einem Sessel Dieses Team wuchs nach und nach. Zu den -
netbank-Gründer ja noch in der benachbarten im Foyer. Und auch als die „Clubberer“ vom 1. FC wenn man so will - Gründervätern Wings und
Sparda-Zentrale in der Präsident-Krahn-Straße Nürnberg beim HSV im damaligen Volkspark- Schaner sowie den Herren Gerald Artelt und
untergebracht. Oft bis nach 21 Uhr saßen die stadion antraten, war der Franke Schaner Thorsten Wüste gesellten sich Frau Dickhäuser
Macher beisammen, um die Weichen Richtung präsent. Übrigens mit Kennerblick: Ende der und Herr Biedermann. Volles Engagement
Bankenzukunft zu stellen. Günter Schaner kam 60er-Jahre hatte der Banker bei verschiedenen leisteten ebenfalls Frau Coerber und Frau
rasch auf Touren. Wenn andere Feierabend zu Amateurvereinen in Oberfranken selbst auf dem Johansen. Diese beiden Damen hatten nicht
machen pflegten, kam Duzfreund Heinz Wings Rasen gestanden. Immerhin gab es dafür sogar nur im Vorstandssekretariat der Sparda-Bank
vorbei, um sich nach dem Fortschritt zu er- 250 D-Mark im Monat Aufwandsentschädigung. Hamburg, sondern zudem im Sekretariat der
kundigen: „Alles im Griff, Günter?“ So war es Natürlich wurde auch der Einsatz in Hamburg netbank alle Hände voll zu tun. Sie erledigten
zumeist. bezahlt, doch ging es darum nicht in erster diesen Spagat bravourös.
Die Startphase mit freier Hand und fast unend- Linie. Die Aussicht, grundsätzlich Neues auf die Zu Schaners Aufgaben gehörte eine satte Portion
lichen Möglichkeiten machte dem kleinen Team Beine stellen zu können, mobilisierte frische Diplomatie hinter den Kulissen. Nicht jeder im
Freude. Tagsüber kam man kaum zum Essen, Energien. „Für uns war es eine wahrhaftige Verbund der Sparda-Banken wollte auf den
so viel gab es zu tun. „Wir griffen dann zu den Herausforderung, der sich das Team mit Elan Zug der neuen Bankära aufspringen. Weitere
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Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
„WILLST DU DER OBERAFFE SEIN?“ ber des gleichen Jahres wurde die Bankener- seiner Heimat, fährt viel Rad und Ski. Außerdem
Der Name netbank war gut, doch durfte er laubnis erteilt. Wings, Schaner & Co. hatten ganze ist er im Vereinsleben aktiv, kümmert sich um
verwendet werden? In den USA operierte eine Arbeit geleistet. Bis zum Marktauftritt am Altdorfs Städtepartnerschaften unter anderem
Orga nisation mit diesem Titel. Fantasievolle 15. April 1999 war es nur noch gut ein halbes Jahr. in der Schweiz, Ungarn und Südtirol. Reisen
Denker brachten unter anderem „Monkey“ ins gehört dazu – nur nicht mehr montags um sechs
Spiel, eine Melange aus Money und Key, also Geld Zuvor, am 8. Dezember 1998, trat ein Herr Ralf Uhr mit dem ICE zur Sparda-Bank nach Hamburg.
und Schlüssel. Ganz schön pfiffig, diese Kreation. Bloß zum Vorstellungsgespräch in der Sparda-
Bis Günter Schaner, so ist intern übermittelt, zu Zentrale Hamburg-Altona an. Es ging um Schaners Der Kontakt besteht dennoch unverändert:
Wings meinte: „Heinz, willst du der Oberaffe sein?“ Nachfolge im Vorstand der netbank AG. Dass Günter Schaner und Dr. Heinz Wings, Weichen-
Unvergessen ist das. Es dauerte noch ein biss- sowohl Bloß als auch Schaner aus dem mittel- steller der Pionierphase, sind Freunde. Das war
chen, letztlich indes stand der Name netbank fränkischen Ort Altdorf stammten, wusste zu so. Das bleibt so.
fest. Während Heinz Wings zumeist das Große dem Zeitpunkt keiner der beiden „Landsleute“.
im Visier hatte, zählte zu Schaners weiteren Auch dazu ist später mehr zu lesen.
Stichworte außerordentlicher Mühen sind Einla- Aufgaben die Strategie der Kontoeröffnung,
gensicherung/Sicherungsfonds, die Beantragung ohne die es nicht an den Start gehen konnte. ENTSCHEIDENDES IST VERGANGEN –
einer Vollbanklizenz, die EDV-Logistik und Formulare mussten entwickelt, auf Datensicher- DIE FREUNDSCHAFT BLEIBT
Outsourcing, aber natürlich auch der Name heit geprüft und onlinetauglich gestaltet werden. „Mannomann, was waren das für Zeiten!“, sagt
der neuen Internetbank. Es wurde sogar eine Schritt für Schritt ging es vorwärts. Bis die Günter Schaner heute. Und was war aus dem
Agentur mit der Findung eines passenden, Wegbereiter am 22. Januar 1998 zur Gründungs- Abendessen in „Böhm’s Herrenkeller“ alles ent-
griffigen Begriffs beauftragt. versammlung zusammenkamen. Am 30. Septem- standen! Er genießt das nun ruhigere Leben in
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Thomas Renner Günter Schaner Lothar Mehl Ralf Bloß Sven Märtins
Franz-Josef Hörbelt Wolfgang Ebert Matthias R. Scholz Gerald Artelt Beatrix Jost
ZEITZEUGE 5 Matthias R. Scholz
dem traditionsreichen Curio-Haus ansässig. und Scholz legte los. Der rechtliche Rahmen war „Der Mann hat einen Topjob gemacht.“ Rechts-
Dem Juristen, von Geburt wie Habitus Hanseat, derart klug konstruiert, dass alles glattlief. anwalt Matthias R. Scholz quittiert dieses
Das ist die Zukunft.“ kam im Hause Sparda von jeher eine entschei- Kompliment aus berufenem Munde mit einem
dende Rolle zu. „Er hat das Know-how, auf das DAS RECHTSPAKET MUSSTE FILIGRAN Lächeln, mag dazu aber nicht viel sagen. Als
es ankommt“, sagt Dr. Wings zu dem mittlerweile GESCHNÜRT WERDEN Hanseat hält man sich lieber vornehm zurück.
HINTER DEN KULISSEN SCHOB ER DIE NETBANK mehr als einem Vierteljahrhundert währenden Was einfacher gesagt als getan war. So wurde Und das ist ja auch gut so.
JURISTISCH AUF DIE STARTRAMPE Geschäftsverhältnis, „und ist ein Fachmann un- hinter den Kulissen ein filigranes Paket geschnürt,
Dass ein Kraftakt wie die Gründung der ersten seres Vertrauens.“ Hinzu komme Scholz’ Sinn für das auch andere Sparda-Banken einband, also
Internetbank Europas nur mit einem schlag- die speziellen Belange der innovativen Bank. nicht nur die Hamburger Seite. Zudem musste
kräftigen Team anpackender Mitstreiter zu „Dr. Wings weihte mich früh in seine visionären die neu zu gründende netbank so vernetzt
bewältigen ist, war dem netbank-Macher Heinz Überlegungen ein“, erinnert sich Matthias angelegt werden, dass ein erheblicher Teil der
Wings klar. Folglich holte er Profis an Bord, denen R. Scholz. Entsprechend habe er nachvollziehen Tätigkeiten ausgelagert werden konnte – wie in
er auch persönlich Vertrauen schenken konnte. können, welche enorme Chance der Bankver- einem späteren Kapitel ausführlich beschrieben.
Einer von ihnen ist Rechtsanwalt Matthias kehr via Datennetz mit sich bringe. „Das ist Diese ausgeklügelte Art des Outsourcings betraf
R. Scholz, seit 1987 praktisch Hausjurist der die Zukunft“, erkannte der Jurist rasch. Folglich und betrifft übrigens außerdem die rechtliche
Sparda-Bank. Der bei Erscheinen dieses Buches gestaltete er Mitte der 90er-Jahre auch den recht- Betreuung. Weitere Stichworte der anwaltlichen
59-Jährige wirkt als Seniorpartner in der renom- lichen Rahmen des MeChip-Einsatzes und war Aktivitäten waren Klärung in den Bereichen
mierten Kanzlei Duvigneau & Scholz an der gleichfalls präsent, als die netbank auf die Start- Bankerlaubnis und Sicherungseinrichtungen.
Rothenbaumchaussee 5 in Hamburg. Seit 1996 rampe geschoben wurde. „Wie kann das juristisch „Letztlich lief auf problematischem Terrain alles
ist das zehnköpfige Team in einem Altbau neben abgesichert werden?“, wollte Wings wissen – wie am Schnürchen“, bilanziert Heinz Wings.
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