Falter 1/2010 Kantonsschule Zug - Kanton Zug
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Editorial
Kern und Hülle – nah und fern
Liebe Leserin, lieber Leser sen des Gymnasiums, neue Lehrpläne
und Fächerkombinationen, neue eidge-
Was bildet den Kern eines Gymnasiums nössische Vorgaben für die Form der
– einer Schule überhaupt? Unterricht, Maturaarbeit, Qualitätsentwicklung
Lehrpersonen, Schülerinnen und Schü- gemäss kantonalem Rahmenkonzept
ler – und der Raum, der pädagogische und der Auftrag zur Erstellung eines
und der reale, in denen diese Interaktion Raumprogrammes für eine Schule
stattfindet. 2020. Es sind grosse Prozesse mit
Blick in die Ferne, die uns aktuell be-
In diese Räume ist Bewegung geraten, schäftigen.
und zwar eine gegenläufige. Der päda-
gogische Raum wird zunehmend weiter, In einer Schule geht es aber nicht primär
der reale Raum an der Kanti hingegen um Gebäude und Prozesse, sondern um
immer enger. Auf der einen Seite die Menschen – diese sind uns nahe, in der
grosse Zahl an pädagogischen Neue- täglichen Begegnung im Unterricht, in
rungen, gesellschaftlichen Anforderun- unserem Kerngeschäft. Aber auch aus-
gen, bildungspolitischen Veränderungen, serhalb der Lektionen, in der Mensa
auf der anderen Seite die steigenden oder auf dem Flur. Davon berichten unser
Schülerzahlen. Beides spüren wir deutlich. Schwerpunktthema, das Porträt und die
Kolumne.
Zunehmend fehlen uns Räume, insbe-
sondere Fachzimmer für den Unter- Die Balance zu finden und zu halten, rich-
richt. Dass unsere Schule wächst, ist tig zu gewichten und die unterschiedli-
erfreulich, aber auch eine Herausforde- chen Raumdimensionen angemessen
rung. Seit diesem Schuljahr sind wir zu berücksichtigen, das ist uns wichtig.
eine Schule mit zwei Standorten. Einige Es gilt, den nahen Kern zu pflegen und
unserer Klassen werden nicht mehr an die ferne Hülle gleichermassen im Auge
der Kanti, sondern ausserhalb unseres zu behalten, denn beide prägen den
Geländes unterrichtet. Für die nahe Alltag und die Qualität unserer Schule.
Zukunft ist dies eine mögliche Lösung,
für die fernere ist sie wenig tauglich. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht
Die Hülle, welche unsere Schule und Ihnen
unser Schulleben zusammenhält, ist
die schöne Anlage am Lüssiweg – hier Dr. Peter Hörler, Direktor
liegt der Kern der Kantonsschule Zug.
Räume machen Schule, das ist eine
längst bekannte Wahrheit. Sie gilt im
wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Hier die Raumnot, dort der weite Raum
des bildungspolitischen und pädagogi-
schen Wandels: Dazu gehören eine
neue Stundentafel für kommende Klas-
Falter 1/2010Schwerpunkt Falter 1/2010
Schwerpunkt
Träumen von der Kanti 2020
Die Kantonsschule Zug wächst und findet seit diesem Schuljahr an drei ver-
wächst. Zumindest, was die Zahl der schiedenen Standorten statt. Doch
Schülerinnen und Schüler angeht. Be- auch für andere Fächer mussten Klas-
suchten im Schuljahr 2002/03 noch sen während eines Halbtages in die
1350 Schülerinnen und Schüler die Kan- Räume der Zuger Techniker- und Infor-
ti, sind es aktuell über 1600. Diese un- matikschule ausquartiert werden. Nach-
gebrochene Beliebtheit des Langzeit- holbedarf besteht schliesslich, was
gymnasiums ist einerseits erfreulich, Gruppenräume und Arbeitsnischen an-
schafft aber auch ein Problem: Raum- geht. Während in anderen Zuger Schulen
not. Vor sechs Jahren glaubte man, mit Räume für individualisiertes Lernen und
der Eröffnung des neuen Traktes 9 den erweiterte Lernformen vorhanden oder
«Schlussstein» gesetzt zu haben. Jetzt geplant sind, muss sich die Kanti mit ganz
wird bereits ein Raumprogramm für ei- wenigen Gruppenzimmern begnügen.
nen möglichen Aus- oder auch Neubau
am Lüssiweg entworfen, der 2020 eröff- Die Schulleitung und die Lehrerinnen
net werden könnte. und Lehrer nehmen die Herausforderun-
gen, die ihre wachsende Schule an sie
Dass die Kanti an die Kapazitätsgrenzen stellt, sportlich: Sie entwerfen mit Enga-
stösst, zeigt sich überdeutlich in der gement eine Vision für die Kanti 2020,
Auslastung der Fachräume für Musik, überlegen sich, wie zeitgemässer gym-
Bildnerisches Gestalten, Sport oder Bio- nasialer Unterricht in zehn Jahren aus-
logie, aber auch in den Warteschlangen sehen wird, und träumen von einer
vor der Mensa. Im Sport ist das Raum- Schule mit viel Raum – Raum für Men-
problem besonders akut: Der Unterricht schen, Raum zum Denken.
Entwicklung Zahl Schülerinnen und Schüler KSZ
1650
1600
1550 Juli 2001: Ende 7-jähriges
Gymnasium, zwei
Maturajahrgänge
Zahl Schülerinnen, Schüler
1500
1450
1400
1350
1300
1250
1200
97/ 98 98/ 99 99/ 00 00/ 01 01/ 02 02/ 03 03/ 04 04/ 05 05/ 06 06/ 07 07/ 08 08/ 09 09/ 10
Schuljahr
Falter 1/2010Schwerpunkt
«In der Grösse liegt auch eine Stärke»
Michael Truniger, in der Privatwirtschaft
würde man sich Wachstumszahlen wie
an der Kantonsschule Zug wünschen. Als
Bildungsverantwortlicher betrachtet man
eine stete Zunahme von Schülerinnen-
und Schülerzahlen sicher mit gemisch-
ten Gefühlen.
Michael Truniger: Eigentlich haben wir
ein Luxusproblem. Wir verfügen mit
dem Langzeitgymnasium über ein Ange-
bot, das ausgesprochen gefragt und
qualitativ sehr gut ist. Andererseits
führt das Wachstum dazu, dass die Kan-
ti aus allen Nähten platzt.
Für Aussenstehende dürfte dies über-
raschend sein, wurde doch 2004 mit der
Eröffnung des Traktes 9 der so genannte
«Schlussstein» gesetzt. Hat man sich in
der Planung vertan und bespielsweise
den Zulauf an die übrigen Mittelschulen
überschätzt?
Truniger: Die drei anderen Schulen der
Sekundarstufe II, also das Kantonale
Gymnasium Menzingen, die Fachmit-
telschule und die Wirtschaftsmittel-
Michael Truniger schule, entwickeln sich wie geplant. Es
hat sich aber gezeigt, dass das Lanzeit-
Seit Oktober 2009 ist Michael Truniger gymnasium ein sehr gesuchter Weg
Leiter des Zuger Amtes für Mittelschu- bleibt. Das hohe Bevölkerungswachtum,
len. Der 41-jährige Germanist und Histo- das der Kanton Zug erlebt, schlägt sich
riker war von 2001 bis 2009 Prorektor in den steigenden Schülerinnen- und
an der Kantonsschule Frauenfeld und Schülerzahlen an der Kanti nieder.
seit 2007 auch Ausbildungslehrperson
Sekundarstufe II der Pädagogischen Eine Rolle spielt aber sicher auch, dass
Hochschule Thurgau. Er ist verheiratet die Quote der Zuweisungen von der Pri-
und Vater von drei Kindern. Dem Amt marschule an die Kanti in den letzten
für Mittelschulen sind neben der Kan- Jahren gestiegen ist.
tonsschule das Kantonale Gymnasium
Menzingen, die Wirtschaftsmittelschule Truniger: Das ist richtig. Allerdings gehe
und die Fachmittelschule unterstellt. ich aufgrund der moderaten Zahl von
Falter 1/2010Schwerpunkt
Austritten im Gymnasium Unterstufe die Option eines Neubaus an einem
nicht davon aus, dass viele Schülerin- zweiten Standort geprüft?
nen und Schüler an die Kantonsschule
kommen, die nicht dafür geeignet sind. Truniger: Wir gehen von einem Ausbau
Wir überlegen uns aber, wie wir die am Lüssiweg aus. Es ist aber nicht aus-
Schülerinnen- und Schülerströme in zuschliessen, dass diese Frage ange-
Zukunft besser steuern können. sichts des effektiven Raumbedarfs wie-
der aufs Tapet kommt.
Steht dabei auch ein Numerus clausus,
also eine Kontingentierung der Plätze im Sind Sie zuversichtlich, dass der Kan-
Gymnasium Unterstufe, zur Diskussion? tonsrat einem weiteren Ausbau der Kanti
zustimmen wird?
Truniger: Nein, das ist aus heutiger
Sicht kein Thema. Mögliche Steue- Truniger: Ich denke, die Fakten spre-
rungsmassnahmen sind aber beispiels- chen für sich. Wenn man sich die Zah-
weise die konsequente Mittelschulvor- len und die heute zum Teil prekäre
bereitung in der Sekundarschule oder Raumsituation ansieht, wird klar, dass
die Überprüfung der Übertrittsverfah- es zusätzlichen Raum braucht. Das sind
ren. Gleichzeitig gilt es, der Bevölke- wir der Kanti, welche als einzige kanto-
rung zu zeigen, dass der Weg über die nale Schule nicht über ein zeitgemässes
Sekundarschule an eine Mittelschule Raumangebot verfügen würde, schuldig.
ebenfalls attraktiv ist.
Thomas Heimgartner
Es gibt Stimmen, die sagen, dass die
Kanti jetzt schon zu gross sei. Wie gross
darf sie aus Ihrer Sicht noch werden?
Truniger: Eine Schule kann sicher zu
gross werden im Hinblick auf die Orga-
nisierbarkeit. Wo diese Grenze liegt, ist
schwierig zu sagen. Wir dürfen aber nicht
vergessen, dass in der Grösse auch eine
Stärke liegt. Grösse ermöglicht einen
fruchtbaren fachlichen und methodi-
schen Austausch, ermöglicht ein breites
Angebot an Schwerpunktfächern und
Freifachkursen. Sicher aber hat die Kanti
mit 80 Klassen eine Grösse erreicht, bei
der die Frage berechtigt ist, ob ein weite-
res Wachstum sinnvoll ist.
Heisst das, es wird bei der Planung zu
einem Ausbau der Kantonsschule auch
Falter 1/2010Aktuell
Medea im Kanti-Theater: Nachdem Rahmenkonzept für Qualitätsent-
sich Jason von Medea zurückgezogen wicklung: Die Direktion für Bildung
hat, um Glauke zu heiraten, schmiedet und Kultur und das Volkswirtschaftsde-
die Kolcherin blutige Rachepläne gegen partement haben ein gemeinsames
ihren treulosen Mann. Leidenschaft, Rahmenkonzept zur Qualitätsentwick-
Hass und Machtgelüste stehen im Vor- lung für die Sekundarstufe II herausge-
dergrund des Kanti-Theaters und wer- geben. Das Konzept definiert acht Quali-
den vom Paparazzi-Chor sensationsgeil tätselemente, die für die Qualitätsarbeit
ausgeschlachtet. Alle Neuigkeiten im dieser Schulen verbindlich sind: Indivi-
Hause Kreons mischen sich mit den dualfeedback, kollegiale Unterrichts-
übrigen Nachrichten und werden per entwicklung, Leitbild, Qualitätskonzept
Video auf Korinth News Network repro- und Qualitätshandbuch, Mehrjahres-
duziert. Premiere ist am 7. April. planung, Mitarbeiterinnen-/Mitarbei-
tergespräch, Schulevaluation, Bil-
Trend zu Naturwissenschaften: Die dungscontrolling und -monitoring.
Zweitklässlerinnen und Zweitklässler
haben ihre Schwerpunktfächer ge- Externe Evaluation: Unsere Schule
wählt. Gliedert man das Spektrum der soll auch von aussen begutachtet wer-
Fächer in drei übergreifende Wahlberei- den; dazu nimmt die Interkantonale
che, so ergibt sich folgendes Bild: Rund Fachstelle für Externe Schulevaluation
30 Prozent haben ein Fach aus dem (IFES) zurzeit die Strukturen, Prozesse
sprachlich-musisch-gestalterischen und Qualitäten der Kanti Zug genauer
Schwerpunktbereich gewählt, gut 20 unter die Lupe und wird Empfehlungen
Prozent haben sich für Wirtschaft und zur Entwicklung der Schul- und Unter-
Recht entschieden. Die Wahl der restli- richtsqualität formulieren. In die Befra-
chen knapp 50 Prozent ist auf Biologie gung einbezogen sind Lehrpersonen,
und Chemie sowie Physik und Anwen- Schülerinnen und Schüler, die Schul-
dungen der Mathematik gefallen. kommission und das Personal der Kanti.
Feedback an Schulleitung: Das Quali- Mathematisches Känguru: Das Kän-
tätsleitbild der Kantonsschule sieht vor, guru der Mathematik ist ein Multiple-
dass Lehrpersonen regelmässig Feed- Choice-Wettbewerb für mehr als
back zum Unterricht einholen. Die 5,5 Millionen Jugendliche in vielen
Feedbackpflicht gilt nicht nur für Lehr- europäischen und aussereuropäischen
personen, sondern auch für die Schul- Ländern. Dieses Jahr beteiligen sich
leitung. Anfang dieses Jahres konnten 184 Schülerinnen und Schüler der
die Lehrpersonen ein umfassendes Kantonsschule Zug daran. Alle Teilneh-
Feedback zur Leitung der Kantonsschu- menden erhalten ein Diplom, die drei
le abgeben. Anlässlich einer internen besten jeder Kategorie zudem einen
Konferenz werden die Ergebnisse der Buchpreis. Der Wettbewerb findet am
Umfrage mit allen Beteiligten bespro- 18. März statt.
chen und Handlungsempfehlungen
formuliert.
Falter 1/2010Porträt
Lukas Hess
Falter 1/2010Porträt
Die Ruhe selbst
Um halb sieben geht es los. Zwar sind ärgert ihn mehr, als wenn zu viel übrig
zuerst die Sandwiches dran, was ein bleibt, was dann in den Abfall wandert.
relativ sanfter Übergang vom Morgen-
kaffee in die Küche sei, findet Lukas Neben dem Kochen gibt es anderes im
Hess, Chefkoch der SV-Mensa an der Leben: Fussball, viel Fussball, im SC
Kanti Zug. Aber spätestens um halb acht Cham ist er Stürmer, seine Freunde, ab
Uhr kommen die grossen Töpfe und und zu eine Reise, Lesen und – auch
Pfannen an die Reihe: Heute sind es Kochen, für sich und die Freundin. Dann
unter anderem 25 Kilo Pouletgeschnet- ist er der Geniesser, legt er Wert auf
zeltes, 1 Kilo Zwiebeln für die Sauce und absolute Topprodukte, an die er aus
10 Liter Milch, 14 Kilo Reis und in dieser Kostengründen in der Mensa nicht ein-
Grössenordnung geht es weiter. Hess mal denken darf. Ein Filet Stroganoff
dreht und wendet und rührt, es brutzelt, mit Champignons zum Beispiel, ein Ri-
brodelt und zischt. Jeder Handgriff sitzt, sotto – «ich bin ja ein absoluter Risotto-
daneben erzählt er. fan» – al dente, sämig, schön buttrig
oder ein Roastbeef, das auf der Zunge
Dass er in seinem immer wieder auch zergeht. Aber auch zu Hause hält Hess
hektischen Job gelassen bleiben und von der Schickimicki-Küche nicht viel:
alles recht ruhig nehmen kann, habe «Die Rüebli in Blümchenform zu schnit-
damit zu tun, dass er nicht ein Koch zen und alles dramatisch hochzutür-
sei, «der sich mit einem 18-Stunden- men auf dem Teller ist nicht so mein
Tag brüsten muss und darauf hofft, Ding.»
dass er mit 60 am dritten Herzinfarkt
vor der Bratpfanne tot umfällt». Er be- Gerne lässt er sich auch bekochen und
zeichnet sich als leidenschaftlichen, geht daher oft mit der Freundin ins Re-
aber nicht als Vollblutkoch. Für diesen staurant. Das lässt er sich dann etwas
Job, das sei klar, dürfe man keine Diva kosten. Natürlich freut er sich auch
sein. Wer hier arbeitet, verwirklicht über Einladungen von Freunden. Leider
sich nicht selber, muss Kompromisse hat das einen Haken. Plötzlich bekom-
eingehen. So stehen dem Koch pro me das Selbstbewusstsein des besten
Person und Essen Fr. 3.25 zur Verfü- Hobbykoches Risse, sagt Hess. Er mer-
gung. Er muss genau kalkulieren, wobei ke, dass bei einigen das Gefühl auf-
er sich letztlich nur auf sein Gefühl kommt, seinen Ansprüchen nicht zu
verlassen kann: Im Sommer, wenn es genügen. «Als würde ich nur Trüffeln,
schön ist, sieht alles anders aus als im Gänseleber und Rinderfilet essen!»
Winter, wenn die Gäste sich nicht in die
Kälte und zur Konkurrenz in der Metalli Nach der Lehre in der Hirslandenklinik
wagen. Aus der Ruhe bringen ihn nur in Cham und verschiedenen Kursen hat
Fehler, die nicht sein müssten: Poulet, er den Fachausweis zum Gastronomie-
das zu wenig durchgebraten ist, die koch gemacht, für dessen Abschluss-
Suppe, die schon um fünf vor zwölf weg prüfung der sonst so ruhige Hess rich-
ist – präzis dann, wenn der Rektor an- tig ins Schwitzen kam. Da musste er
steht und Suppe möchte. Und nichts einen Achtgänger mit Pastete «und allem
Falter 1/2010Porträt drum und dran» kochen, alles an einem Tag. «Für mich war das eine grosse Herausforderung, ich bin es gewohnt, für 200 Leute zu kochen.» Das sei einfach nicht das Gleiche wie für vier Personen zu kochen, wo es dann auf die Form jedes Zucchettistückleins ankomme. Bereits seit sechs Jahren arbeitet Hess in der SV-Kantine. So jung und schon so sesshaft? Auch wenn sein Job dafür prädestiniert ist, in einer anderen Welt zu leben und zu arbeiten, zieht es ihn nicht weg. Hier hat er seine Wurzeln. Aufgewachsen ist er in Cham, heute wohnt der 25-Jährige mit seiner Freun- din in Baar. An der Kanti gehe es ihm wohl einfach zu gut: «Es stimmt alles. Mit dem Chef läuft es gut, die Arbeits- zeiten stimmen, der Lohn ist auch gut.» Vor allem gefällt ihm die lebendi- ge Stimmung mit den Schülerinnen und Schülern. Die probierten auch ger- ne mal etwas aus, seien flexibel und vor allem sehr dankbar, sagt Hess. Er bekomme immer mal wieder ein positi- ves Feedback, was ihn natürlich freut und motiviert. Was soll er da bei einem Starkoch den Bückling machen, mit dem Druck der Konkurrenz im Nacken und einem miesen Lohn? «Diese Be- triebe haben eine Fluktuation, dass einem trümmlig wird.» Da kann der grosse, schlanke Mann nur schmun- zeln und ohne jeden angestrengten Ehrgeiz resümieren: «Vielleicht tut sich ja mal eine interessante Perspektive auf. Aber eigentlich habe ich keinen Grund, von hier wegzugehen.» Eva Gattiker Falter 1/2010
Ticker
März 22.–26. Probewoche Theater und Big Band
26. Konzert der Big Band, 20.00 Uhr, Burgbachsaal
April 2. Karfreitag (schulfrei)
3.–5. Ostern
7. Theaterpremiere, «Medea», 20.00 Uhr, Aula
9./10. Kantitheater «Medea», 20.00 Uhr, Aula
11. Kantitheater «Medea», 18.00 Uhr, Aula
17. Frühlingsferien (– 2. Mai)
Mai 5. «Jugend debattiert» – fünf Kantonsschulen in
der Aula
Falter online – Bilder: Impressionen aus den Theaterproben zur
www.ksz.ch «Medea»
(—> Aktuell, —> Falter) – Zahlen: Die Zweitklässler wählen ihr Schwer-
punktfach
– Literatur: «Das Kapitel Pakistan» von Patrick
Hugentobler
– Wissenschaft: Die Maturaarbeit «Photovoltaics»
von Julia Braun und Florence Hartmann
Kontakt Kantonsschule Zug
Lüssiweg 24, Postfach 2359, CH-6302 Zug
Telefon +41 41 728 12 12, Fax +41 41 728 12 10
www.ksz.ch
wie (Abtönungspartikel) arm (Jugendspr.)
«Da habe ich mich wie gefragt, was das Zu Jahresbeginn wurde das ernsthafte
soll», mögen sich sprachsensible Ohren Problem der Armut in der Schweiz durch
fragen, wenn sie solche Sätze hören, und verschiedene Organisationen in unser
meinen damit das «wie». Geht es darum, Bewusstsein gerufen. Unsere Jugendli-
eine vorsichtige Haltung auszudrücken chen waren den offiziellen Meldungen
oder Rücksicht zu üben, wenn Aussagen zur Armut offensichtlich voraus. In ihrem
mit der Vergleichspartikel «wie» abge- Sprachgebrauch ist das Adjektiv «arm»
schwächt werden? Die Verwendung von seit einigen Jahren sehr verbreitet. Nur
«wie» ist an der Kanti bei Schulleitern, bezeichnen sie damit nicht einen finan-
Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen ziellen Notstand, sondern drücken Miss-
und Lehrern jedenfalls gleichermassen billigung eines Verhaltens beziehungs-
beliebt. Da kann es einem manchmal so weise einer Person aus: «Hey, wie der
wie ein bisschen zu viel werden. wieder rumläuft, ist voll arm.»
Falter 1/2010Flattersatz
Von Marsmenschen
und Menschenkindern
Lehrerinnen sind auch Menschen. Unse- essen, wo die kellnernden Schülerinnen
re Schützlinge vergessen das manchmal. und Schüler bass erstaunt sind, wie aus-
Kürzlich fragte mich ein Maturand: «Sie, gelassen es zu und her geht.
gibt es unter den Lehrern auch Mob-
bing?» Ich überlegte kurz, was da die pä- Andererseits: Wie viel wissen wir eigent-
dagogisch wertvolle Antwort wäre, und lich über das Verhalten von Jugendli-
murmelte was Austariertes wie: «Wissen chen ausserhalb des Kantigeländes?
Sie, wo so viele Menschen zusammenar- Zum Glück gibt es Schulreisen, Skilager,
beiten, gibt es auch Spannungen, und die Exkursionen, denn diese extracurricula-
einen Kolleginnen mag man besser …» ren Erfahrungen sind höchst instruktiv.
Rhabarber Rhabarber. In der nächsten Sie bewahren uns davor, den viel be-
Stunde fragte mich eine Zweitklässlerin: schworenen Draht zu unserer Zielgrup-
«Was machen Sie eigentlich so über Mit- pe zu verlieren. Vor der letzten Matura-
tag?» Die Mobbing-Frage muss bei mir reise war mir beispielsweise nicht be-
noch nachgeklungen haben, denn um ein wusst, dass es 18-Jährige gibt, die Tom
Haar hätte ich geantwortet: «Ich gehe mit Waits kennen und sogar hörbar finden.
den anderen Marsmenschen essen, sehe Dass vielen Jugendlichen die konventio-
mich aber vor, nicht neben M. zu sitzen. nell-langweiligen Theaterinszenierun-
Im Gespräch mit ihm schläft mir nämlich gen am besten gefallen. Oder was ein
das Gesicht ein, und seine Brillengläser gängiges Geschenk junger Männer zum
sind so verschmiert, dass mir der Appetit 18. Geburtstag eines Kollegen dar-
vergeht.» stellt. Gut, Letzteres wollen Sie eigent-
lich nicht wissen.
Also doch: Unsere Schülerinnen und
Schüler interessieren sich für uns. Welch Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Sprechen
frohe Botschaft! Nur wissen sie offenbar Lehrerinnen und Schülerinnen, Lehrer
wenig über die allzu menschliche Seite und Schüler in der Schule denn nie über
des Lehrerinnendaseins. Wie auch? Sie Privates? Doch. Aber erstens wollen bei-
bekommen es nicht mit, wenn ich im de Seiten eines tunlichst vermeiden: sich
Lehrerzimmer über Kollegen lästere: A. in den Verdacht des Einschleimens brin-
hat das Schulzimmer mit verschmierter gen. Zweitens sind die Fünf-Minuten-
Wandtafel, vollgeschriebener Folienrolle Pausen ein schlechter Rahmen für ein
und verstellter Sitzordnung hinterlassen. vertieftes Gespräch. Und da erwischt
T. nervt meine Schüler mit völlig sinnlo- mich die typische, ganz beiläufig gestellte
sen Strafaufgaben. Und wie kommt es, Frage oft auf dem falschen Fuss: «Siii–ie?
dass P. offensichtlich glaubt, seine Kaf- Was halten Sie eigentlich von Frau B.?»
feetassen waschen sich von selbst ab? «Frau B.? Also, ich finde, wie soll ich sa-
Unsere Klassen sind nicht dabei, wenn gen? Sie ist eine interessante Kollegin.»
wir auf Geburtstage, Hochzeiten, Nach- Interessant. Geht das noch oder läuft das
wuchs anstossen und hoffen, dass dabei schon unter Mobbing?
kein Schüler an die Türe klopft und uns
beim – moderaten – Feiern erwischt. Béa R. Naise
Eine Ausnahme ist da das Weihnachts-
Falter 1/2010Sie können auch lesen