Gemeinsames Kochen allein erzeugt noch kein Team

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Gemeinsames Kochen allein erzeugt noch kein Team
Team
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Gemeinsames Kochen allein
erzeugt noch kein Team
Outdoor-Trainings mit
Hochseilgarten und
                          K     ochen im Team – das ideale Rezept,
                                um als Team besser zusammen zu
                          wachsen! Ob ich das einfach unhinterfragt
                                                                          wenn es um eine andere Art der Aufga-
                                                                          be ging.
                                                                        Genau diese beiden Sätze widersprechen
                          glauben kann? TRAiNiNG 2/10 verriet in        einander auf den ersten Blick. Genau die-
viel Action! So sahen     einem Seminarbericht (S. 42, »Die einge-      se beiden Sätze sind es, die ich hinterfrage.
                          brockte Suppe auch selber auslöffeln«, ctc-   Ich hinterfrage sie hinsichtlich … lassen Sie
Teamtrainings noch vor    Academy) die Sicht einer – sehr zufriede-     mich laut denken:
wenigen Jahren aus.       nen – Teilnehmerin des Koch-Seminars.         Im Unternehmensumfeld sind die Kom-
                          Die Schlusssätze dieses Beitrags lauten:      petenz-Level klar festgelegt – nehmen
Was davon blieb und       ••Es war für mich erstaunlich, wie authen-    wir zum Beispiel eine Führungskraft, drei
                            tisch alles war – vieles war genauso wie    Fachkräfte, zwei Assistenten. In der neuen
wohin der Trend geht,       bei uns im Büro.                            Situation – in diesem Fall Kochen – wer-
                          ••Verblüffend war allerdings die Entde-       den die Rollen neu verteilt. Nehmen wir
hinterfragte Eva Selan.     ckung veränderter Beziehungsqualitäten,     an, ein Assistent und eine Fachkraft sind

                                                                                                        Fotolia.com © Franck Boston

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Gemeinsames Kochen allein erzeugt noch kein Team
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Hobbyköche, die Führungkraft hatte noch
nie einen Kochlöffel in der Hand und der
Kompetenz-Level der anderen liegt irgend-
wo dazwischen. Das Verteilen der Rollen
im Koch-Seminar funktioniert ganz auto-
matisch. Und genau im »automatisch« liegt
das spannende Element:
Übernimmt die Führungskraft die Füh-
rung, auch wenn sie keine Ahnung vom
Geschehen hat? Im Zweifelsfall könnte sie
ausschließlich die Position des Delegierens
                                                               Günther Mathé                   Yvonne van Dyck                 Gunhard Keil
besetzen. Übernimmt der Hobbykoch, der
täglich »nur« als Assistent fungiert, jetzt
eine Führungsrolle oder ist er weiterhin       training gestartet wurde, begleiten und zu-   die Teamphänomene nachvollziehbar ma-
»Zuarbeiter«? Akzeptieren die anderen die      lassen. Mathé weiter: »Leider wurden vie-     chen und praktisches Üben an Situationen,
neue Rollenverteilung?                         le Methoden in den letzten Jahren durch       die möglichst nahe der Praxis-Situation
Was sagt die neue Rollenverteilung über        selbst ernannten ›Trainer‹ in ein schlechtes  sind«, und somit genau diese beiden Ebe-
die künftige Zusammenarbeit aus – dann,        Licht gestellt. Eine gute Köchin sollte nicht nen vereinen. Rattay: »Für Projektmanager
wenn eben nicht das Kochen, sondern wie-       Kochen im Team anbieten, nur weil sie gut     und deren Teams sind Simulationen von
der das Alltagsgeschäft im Fokus steht?        kocht und eine Malerin kein Teammalen         Projekten zu empfehlen, wie zum Beispiel
Angenommen, die Führungskraft über-            und dann wird zwanghaft versucht irgend-      die Errichtung eines technischen Objekts
nimmt auch hier das Sagen, ist dann die        etwas ›herbei zu interpretieren‹.             (als Muster), bestehend aus mehreren von-
Erkenntnis dieses Trainings, dass sie im       Daher achten wir immer darauf, dass wir       einander abhängigen Teilen, die wie in der
Unternehmen auch an der richtigen Posi-        mit Profis in ihrem Spezialgebiet zusam-      Praxis in Teilteams zu planen und zu ge-
tion ist? Angenommen, sie akzeptiert die       menarbeiten, wenn es erforderlich ist, und    stalten sind. Wenn sich zusätzlich noch ein
Expertise der Hobbyköche und begnügt           die Reflexion und Transferarbeit beim pro-    tiefer gehender Sinn oder ein realer Nutzen
sich mit dem Klein-Schneiden des Gemü-         zessleitenden Trainer und Coach bleibt.«      mit der Projektsimulation verbinden lässt,
ses – bedeutet das, dass sie im realen Leben                                                 ist der nachhaltige Wert erfahrungsgemäß
besser keine Führungskraft wäre? Oder be-      Die Reliabilität eines Teamtrainings ist eng am höchsten. Dafür eignen sich z. B. klei-
deutet es das Gegenteil: dass sie sehr wohl    verbunden mit dem erwünschten Output, ne Sozialprojekte – wie Errichtung eines
einschätzen kann, worin ihre Stärken lie-       der Zielsetzung des Team-Workshops. Ge- Baumhauses für eine karitative Einrich-
gen und wann besser andere die Führung         nerell finden sich unter dem Titel »Team- tung, der Bau eines Hochbeets für ein Be-
übernehmen?                                     entwicklung« die unterschiedlichsten Vor- hindertenheim oder die ›72 Stunden ohne
                                                stellungen und Er-                                                 Kompromiss‹-A k -
Kann »Kochen im Team« die reale Arbeits-       wartungen. Gunhard        Viele Auftraggeber haben tion (eine gemeinsa-
situation abbilden – in dieser anderen Um-     Keil (Geschäftsführer,                                              me Aktion von Ö3,
gebung, mit geänderten Rollen und Inhal-       5p consulting): »Geht        erkannt, dass extreme                  Caritas und der Ka-
ten, mit völlig neuen Kompetenz-Leveln?         es um den Aufbau                                                   tholischen Jungend
Oder breiter gedacht: Welche Teament-          von Vertrauen, um                Erlebnisse nicht                   Österreich, www.72h.
wicklungs-Trainings haben generell eine         die Reduktion von                                                  at).«
hohe Reliabilität?                              Spannungen oder              zwangsläufig extrem
                                               um effizientere Ko-                                                 Ein Training kann
»Die Reliabilität von diversen Trainings-       operationsprozesse?        erfolgreiche Ergebnisse                 nur dann eine hohe
methoden lässt sich nicht immer einwand-       – Je nach Zielsetzung                                               Reliabilität aufwei-
frei empirisch feststellen«, erklärt Günther   können z. B. Koch-                       liefern.                   sen, wenn es zu dem
Mathé, MBA (Geschäftsführer, careercen-         events oder andere                                                 passt, was trainiert
ter). »Kochen im Team, gemeinsames Ma-          gemeinsame Aktivitäten, die Spaß machen werden soll. Einfach auf »Standardproduk-
len, Orientierungswanderungen, Teamauf-        (Rafting, Volleyball, Theaterspielen, …) te« zurückzugreifen, weil sie vor zwei Jah-
stellungen, Teamvideodrehs – alle Metho-        dazu führen, dass Menschen erfolgreiche ren auch so großartige Ergebnisse liefer-
den haben ihre Berechtigung und ihren          Kontakte haben. Und Vertrauen entsteht ten und so viel Spaß machten, wird nicht
Erfolg. Das Angebot von kreativen Metho-       nun mal nur durch die Summe der erfolg- zum Ziel führen. »Um die Arbeitssituation
den zur Stärkung des Teams wird immer          reichen Kontakte.«                            ideal zu simulieren, ist die Recherche mit
facettenreicher.« Der Erfolg einer Methode                                                   dem Auftraggeber und gegebenenfalls dem
hängt sowohl von der Gruppe als auch von       Das heißt, wir haben zwei Ebenen der Team selbst relevant«, ist Mag. Pia Kasa
der Durchführung und Anleitung des Trai-       Teamentwicklung: eine kognitive und eine (Trainerin und Coach, mdi) überzeugt
ners ab. Inwiefern das Gelernte im Job um-      emotionale. Günter Rattay (Geschäftsfüh- und bringt ein Beispiel: »Der Auftrag eines
gesetzt wird, liegt auch an den Führungs-      rer, Primas Consulting): »Daher bieten sich Ministeriums lautete, aus zwei Lagern eine
kräften und Teamleitern. Die Vorgesetzten      Trainingsmaßnahmen an, die ›Brainfood‹ Einheit zu bilden. Die Führungskraft war
müssen den Prozess, der am und im Team-         liefern – einfache Modelle und Hilfsmittel, neu und noch wenig etabliert. Wir führ-

                                                                                                                 TRAiNiNG Nr. 3/10 | 13
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                                             Real-Time-Trainings: »Man erspart sich        ••Konsens,
                                             die mühsame und sinnlose Diskussion um        •• gutes Klima,
                                             Transferprobleme, wenn man gleich an den      •• gute Konfliktfähigkeit,
                                             ›Echtzeit-Problemen‹ des Teams direkt ar-     •• das Wissen um die Potenziale und Fähig-
   www.seminardmc.at                         beitet. Man diagnostiziert, was im Team         keiten der Kollegen,
                                             funktioniert und was nicht funktioniert       •• das Nutzen der Synergien, die sich im
  „Weiterbildung für Führungskräfte,         und setzt dort unmittelbar mit den Lear-       Team ergeben,
       die sich entwickeln und
   etwas Neues erleben möchten.“
                                             nings an.«                                   ••Zielorientierung,
             Unsere nächsten
                                                                                          •• gegenseitiges Vertrauen und Wertschät-
            offenen Seminare:                                                                zung,
        „Fundamente der Führung“             Ein eingespieltes Team                       •• Offenheit im Umgang miteinander,
              10.-11.06.2010
         „Intercultural Awareness“
                                                                                          •• das Wissen um die Aufgaben- und Ver-
                04.10.2010                   Das Ziel von Teamtraining ist, Struktu-         antwortungsbereiche der Kollegen.
   „Führen herausfordernder Gespräche“       ren und Muster zu erkennen, gegenseiti-
              21.-22.10.2010
            „Führung Kompakt“
                                             ges Vertrauen aufzubauen etc. Schlicht: ein Gunhard Keil hat in einem aufwändigen
              11.-12.11.2010                 funktionierendes, eingespieltes Team zu Verfahren (5p Teammonitor®) »folgende
         „Management & Fechten“              schaffen.                                    Erfolgskriterien erarbeitet:
              29.-30.11.2010
                                                                                          •• klare, bekannte und von allen Teammit-
       Tel.: +43-1-890 55 48-11
                                             Was aber macht ein eingespieltes Team er-       gliedern anerkannte Teamziele,
                                             folgreich?                                   •• definierte Rollen, die von den Rollen-
ten eine Teamanalyse mittels tms® (Team                                                      inhabern präsent und kompetent gelebt
Management System) und der Ist-Situation     »Ein eingespieltes Team orientiert sich an     werden,
durch, um die Situation und die Arbeits-     gemeinsamen Zielen und Teamnormen«, •• einige (meist wenige) gemeinsame ver-
bedingungen besser zu verstehen. Danach      analysiert Pia Kasa. »Jedes Team durch-         bindende und gelebte Werte sowie ein
präsentierten wir die Ergebnisse der Ist-    läuft immer wieder die unterschiedlichsten      gemeinsames Verständnis darüber,
Erhebung und stellten die Inhalte des da-    Teamphasen (Forming – Storming – Nor- •• einige (meist wenige) Kooperationsritua-
rauffolgenden Trainings vor. Im Training     ming – Performing – Reforming). Wenn            le (bekannte und gelebte Abläufe, die effi-
verwendeten wir eine Mischung aus er-        das Team eingespielt ist, kennt es die-         zient zu Teamergebnissen führen),
lebnispädagogischen und künstlerischen       se Phasen und kann leichter gemeinsam •• zeitnahe und konstruktive Lösung von
Methoden. Inhalte waren: Konflikte auf-      durchgehen. Es leistet sich Service-Stops,     Konflikten,
arbeiten, gemeinsame Team-Vision und         um auf die Beziehungsqualitäten zu schau- •• gelebte Reflexion und kontinuierliche,
Zielsetzungen finden, Weg und konkrete       en und die unterschiedlichen Erfahrun-          tatsächliche Umsetzung von Verbesse-
Maßnahmen definieren und gegenseiti-         gen zu reflektieren. Die Mitglieder feiern      rung/Effizienzsteigerung.«
ges Feedback sowie Vereinbarungen un-        gemeinsam erreichte Ziele und leiten da-
tereinander fixieren. Im Follow-up wurde     durch Motivation für die zukünftigen He- Hinzu kommt, dass es nicht rein auf Team-
die neue Qualität des Zusammenarbeitens      rausforderungen ab. Bestes Beispiel sind fähigkeit ankommt, sondern auch auf
nochmals evaluiert und vertieft. Das Team    die österreichischen Skispringer, die sich Teamwilligkeit. Gunhard Keil: »Die we-
arbeitet heute gut zusammen und entwi-       gegenseitig zu Höchstleistungen bei Olym- sentliche Frage, die sich Personen stellen
ckelt sich bestens weiter.«                  pia motiviert haben.«                        (sollten), ist nicht: Bin ich, oder sind ande-
                                                                                          re teamfähig, sondern: Will ich
Idealer Weise ist das Training so nah wie    Für Günter Rattay zeichnet sich ein erfolg- •• mit diesen Personen
möglich an der individuellen Realität des    reiches Team aus durch:                      •• zu diesen Zielen
Teams, sagt auch Yvonne van Dyck (Ge-        ••»füreinander einstehen, voller Einsatz für •• in dieser Rolle
schäftsführerin id‘ institute consulting):      das Team oder einzelne andere Teammit- •• in diesem Umfeld
»Es müssen konkrete Resultate aus den           glieder, auch wenn es einmal über den ei- •• auf diese Art
Trainings erfolgen, die nachhaltig wirk-        genen Aufgabenrahmen hinaus geht,         erfolgreich sein?«
sam sind. Kurze Impulsworkshops, die ef-     •• einen Teamspirit der Freude und des ge-
fizientes, elegantes und einfaches Lernen       meinsamen Zieles, das es zu erreichen
ermöglichen. Trainings, die die Teilneh-        gilt,                                     Heterogenes Team
mer selbst zu Lösungen kommen lassen,        •• klare Spielregeln und eine akzeptierte
die ein klares was vorgeben und in denen       Führung.                                   Grundsätzlich eignet sich nicht jedes
das wie vom Team erarbeitet wird. Trai-      ••Kreativität, Vertrauen und Verlässlichkeit Teammitglied als perfekter Teamplayer, der
nings, die sowohl die Kommunikation im       sind bestimmende Faktoren der Teamar- sich im Team bestmöglich entfalten kann.
Team, als auch zwischen den Teams und        beit.«                                       Auch das muss respektiert werden – und
darüber hinaus in einem Arbeitsgang be-                                                   auch dieses Mitglied trägt zur Heterogeni-
handeln.«                                    Darüber hinaus ist ein ganzes Arsenal an tät des Teams bei.
                                             Parametern verantwortlich dafür, dass ein
DI Gernot Stöger, MC (Geschäftsleitung,      Team gut harmoniert und funktioniert: Ein In Zeiten des Diversity Managements
Solution Management Center) spricht von      eingespieltes Team zeichnet sich aus durch spricht es sich herum, dass Unterschiede

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Team

der Persönlichkeiten und Hintergründe
der Menschen unbestreitbares Faktum sind.
Und genau diese Unterschiede sind der
Stoff aus dem herausragende Leistungen
entstehen, vorausgesetzt, man unterstützt
die Mitarbeiter, die Unterschiede nicht für
Streit und Stress sondern für Sy­nergien und
herausragende Ideen zu nutzen.

Lehrling versus Führungskraft                                 Günter Rattay                       Pia Kasa                  Gernot Stöger

»Teamtraining« umfasst – wie der Name
untrügerisch sagt – das gesamte Team. Üb-    Gernot Stöger: »Lehrlinge sind Teammit-        ten Methodenmix. Ein gut ausgebildeter
licher Weise. Daher muss ein und dieselbe    glieder, Führungskräfte haben zusätzlich       Trainer bietet einen Mix an Methoden an,
Entwicklungsmaßnahme für unterschied-        die Aufgabe, Teams zu entwickeln und           wozu auch erlebnispädagogische Übun-
liche Hierarchieebenen gestaltet sein. An-   damit die Plattform für gelungene Team-        gen zählen. Günther Mathé bestätigt:
dererseits nimmt nicht der gesamte Füh-      arbeit zu bilden. Dabei geht es zusätzlich     »Reine Outdoor-Trainings wie der Be-
rungsstab an derselben Maßnahme teil. So     zur sozialen Kompetenz um die Fähigkei-        such von Hochseilparcours oder Rafting
gesehen kann bzw. muss Teamtraining sehr     ten, Teamprozesse zu moderieren und zu         werden im Trainingsbereich nicht mehr
wohl auf die Hierarchieebene angepasst       strukturieren. Wichtig ist es, das generelle   so häufig eingesetzt wie z. B. vor fünf bis
sein. Nehmen wir zwei sehr unterschiedli-    Bewusstsein zu schaffen, dass mit einer ge-    zehn Jahren. Der Kick- und Wow-Effekt
che Gruppen: Lehrlinge versus Führungs-      lungenen Teamentwicklung eine positive         der Outdoor-Trainings ist hauptsächlich
kräfte.                                      Veränderung im Alltag erreicht wird, die       beim ersten Mal vorhanden. Erlebniswo-
                                             eine Qualitätssteigerung der Teamergeb-        chenenden mit Outdoor-Aktivitäten wie
Worin unterscheiden sich Teamentwick- nisse bedeutet. Das zu ermöglichen, liegt             Canyoning, Raften oder Hochseilgärten
lungs-Trainings für Lehrlinge von jenen für in der Verantwortung der Führungskraft.«        wurden in den letzten Jahren sehr stark
Führungskräfte?                                                                             und erfolgreich vermarktet und von Pri-
                                             Aufgrund des unterschiedlichen Alters und      vatpersonen und Familien angenommen.
Günther Mathé: »Teamentwicklungs-Trai- des damit einhergehenden Entwicklungs-               Wurde eine Übung bereits just for fun
nings für Führungskräfte sind mit spezi- stadiums und Erfahrungsschatzes dieser             durchgeführt, ist es schwierig, das noch
fisch entwickelten Aufgaben aus der Bran- beiden Zielgruppen, müssen sowohl Spra-           mal auf einer anderen – tiefgründigeren –
che konzipiert. Die Aufarbeitung und che, Herangehensweise, Inhalt als auch an-             Ebene zu detaillierten Reflexionszwecken
Reflexion nehmen extrem viel Zeit in An- gestrebter Output variieren.                       durchzuführen.
spruch und sind Schwerpunkte des Semi-
nars. Für Lehrlinge steht die Durchfüh-                                                     Viele Auftraggeber haben auch erkannt,
rung der Übung im Vordergrund. Sie ler- Trend                                               dass extreme Erlebnisse nicht zwangsläu-
nen im konkreten gemeinsamen Tun und                                                        fig extrem erfolgreiche Ergebnisse liefern.
Handeln. Die Reflexion darf nicht zu stark In den letzten 2 Jahren wurden viele Team­       Erlebnispädagogik mit Hand, Herz und
in die Tiefe gehen, viele Jugendliche wären events, Teamincentives, Teamreisen und          Hirn (›Outdoor light‹ von uns benannt)
sonst wegen der fehlenden Arbeitserfah- Fun-outdoor-Events veranstaltet, die als            wird bei unseren Kunden immer belieb-
rung überfordert. Besser ist es, die Art und Belohnung oder »nur zum Spaß haben«            ter. Erlebnisorientierte Übungen – wie
Weise der Übungen mehrmals zu wieder- durchgeführt werden. Events mit reinem                sie bereits von Klaus Antons (Praxis der
holen, kleine Veränderungsschritte zu pla- Incentive-Charakter existieren kaum noch.        Gruppendynamik) vor 30 Jahren vorge-
nen und noch während des Trainings im Was nicht bedeutet, dass Training keinen              stellt wurden – sind mit der richtigen Re-
geschützten Rahmen auszuprobieren.           Spaß machen soll.                              flexion und konkreten Transfermethoden
Eine Führungskraft sollte in der Lage sein, Die Outdoor-Elemente spielen nach wie           für das Unternehmen genau das Richtige,
die Erkenntnisse aus der Übung und Re- vor eine Rolle bei Trainings mit einem gu-           um die Zusammenarbeit im Team nicht in
flexion von sich aus auf den Joballtag um-
zulegen.«

Günter Rattay: »Jugendliche wollen genau
so wie Führungskräfte anerkannt und ge-
hört werden. Auch bei den Jugendlichen
gibt es talentierte Teamworker und Ein-
zelkämpfer, die nicht automatisch mitein-
ander harmonieren. Das zu erkennen und
dafür geeignete Entwicklungsmaßnahmen
abzuleiten, ist ein wichtiger Aspekt!«

                                                                                                             TRAiNiNG Nr. 3/10 | 15
Team

der Theorie zu lernen, sondern über das       der Best und Next Practice, Einsatz von    Welche Funktion übernehmen wir? Welche
konkrete gemeinsame Tun.«                     Teamdiagnosen                              konkreten Verantwortlichkeiten und Auf-
                                            ••Teamentwicklung als Prozess: längerfris-   gaben haben wir? Was sind diesbezüglich
Der Trend geht weg vom klassischen Sin-       tig angelegte Teamentwicklung, unter-      unsere Ziele? Was sind unsere Verantwort-
gle-Trainingsansatz hin zur prozesshaften     schiedliche Stops – von halbtägigen bis    lichkeiten? Mit welchen ›Organen‹ stehen
Herangehensweise und Berücksichtigung         zweitägige Workshops.«                     wir in Verbindung? Wie kommt die Infor-
der beeinflussenden Faktoren wie: Ziel-                                                  mation zur richtigen Zeit an die richtigen
setzungen des Teams, Organisationsum- Gernot Stöger: »Meiner Meinung nach                Stellen? Wie überprüfen wir, ob wir diese
feld, Organisationsstruktur und -strategie, geht der Trend weg von spielerischen und     Funktion erfüllen? Wie können wir die
Gruppendynamik und Teamrollen sowie gruppendynamischen Trainings hin zu                  Eleganz der Teams immer weiter optimie-
individuelle Persönlichkeiten.              sehr praxis- und nutzenorientierten kom-     ren. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir
                                            pakten Designs, die in kurzer Zeit ein un-   Teams isoliert sehen konnten. Man könn-
Welche Trends sehen Sie darüber hinaus?     mittelbar im Team umsetzbares Wissen         te sagen: Die Zeit der reinen Reparaturme-
                                            vermitteln. Das bedeutet auch die Notwen-    dizin im Teamtraining ist vorbei. Die Zeit
Pia Kasa: »Auf den Punkt gebracht:          digkeit von maßgeschneiderten firmenin-      der reinen esoterischen Allheilsmethoden
••Realitätsnähe: Training mit einem realen ternen Teamtrainingsprogrammen und ei-        ist vorbei. Es geht um ganzheitliches Ler-
  Team und Arbeiten mit konkreten Fällen ner sauberen Diagnose, wo man das Team          nen von Teams und Organisationen.«
••Teamcoaching: längerer Entwicklungs- abholen muss.«
  prozess mit laufenden Service-Stops                                                    Gunhard Keil: »Die Trends liegen eindeu-
••Reflexion: Selbstreflexion des Teams mit- Yvonne van Dyck: »Ein Unternehmen ist        tig in der Anwendungsorientierung und in
  tels z. B. tms® (Team Management Sys- ein lebendiger Organismus. Jedes Team            dem Bewusstsein, dass Teamkompetenzen
  tem) sowie Reflexion der Rahmenbedin- ist wie eine Stammzelle, in der alle Infor-      und vor allem kontinuierliche Verbesse-
  gungen                                    mation und alles Potenzial vorhanden ist.    rungsprozesse ähnlich wie in Produktions-
••Zusammenarbeit in virtuellen Teams:       Jede  Stammzelle kann zum Herz, zur Le-      einheiten längst üblich, forciert gefordert
  steigender Bedarf                         ber, zur Lunge usw. werden. Alle Organe      werden. Durch immer raschere Verände-
••Benchmarks: systematischer Vergleich stehen miteinander in Verbindung. Des-            rungen wird Lernfähigkeit und Verände-
  mit anderen Spitzenteams, Ermittlung halb ist es für Teams wichtig, zu wissen:         rungswilligkeit nicht nur bei Einzelperso-
                                                                                         nen sondern auch in Teams zunehmend
                                                                                         wichtiger. Das bedeutet, dass Unternehmen
 Literatur                                                                               in Zukunft auch darauf achten müssen, Or-
                                                                                         ganisationseinheiten fraktaler aufzustellen.«
 Bohnert, Marcel (2009): Zur Veränderung der Beziehungsstruktur in Gruppen wäh-
 rend Teamtraining-Seminaren: Eine soziometrische Studie mit Auszubildenden dreier       Der Trend geht leider auch dahin, dass
 Unternehmen, Grin Verlag, ISBN 978-3640472291                                           als Veranstaltungsort vermehrt das eige-
                                                                                         ne Unternehmen gewählt wird, um Über-
 Bonkowski, Frank (2009): Gruppen formen: 55 Spiele für Gruppenprozesse, Aussaat         nachtungskosten zu sparen. Der positive
 Verlag, ISBN 978-3761554661                                                             Effekt, der große Mehrwert, den die Ent-
                                                                                         fernung zum Unternehmen bringt, wird
 Brinkmann, Ralf (2009): Offenheit und Unterstützung im Team – Ein Praxisleitfaden       unterschätzt. Der Mehrwert einer anderen
 zur Teamentwicklung, Logos Berlin, ISBN 978-3832519490                                  Umgebung ist das leichtere Verlassen ein-
                                                                                         gefahrener Muster, das freiere Denken, das
 Griesbeck, Josef (2009): Die 50 besten Gruppenspiele, Don Bosco Verlag,                 Erleichtern von neuen Gedankenwegen.
 ISBN 978-3769815207

 Vopel, Klaus (2010): Themenzentriertes Teamtraining, 4 Bde., Tl.2, Die Teammitglie-     Fazit
 der. Wie kann das Potential des einzelnen im Team wirksam werden? Iskopress Verlag,
 ISBN 978-3894036126                                                                     Kochen im Team kann das perfekte Team-
                                                                                         training sein. Wenn das Team genau die da-
                                                                                         rin enthaltenen Elemente braucht. Die Tat-
                                                                                         sache, dass es bei dem einen Unternehmen,
 Info                                                                                    der einen Abteilung die ideale Lösung war,
                                                                                         bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass
 5p consulting                                                www.5p-consulting.at       es auch für das Team XY zum Erfolg führt.
 careercenter                                                   www.careercenter.at      Nicht ein »Das klingt witzig, das wollen wir
 id‘ institute consulting                         www.id.co.at, www.cmoregroup.cc        machen!« ist das Erfolgsrezept, das Erhe-
 MDI                                                           www.mdi-training.at       ben des Bedarfs steht an erster Stelle. Da-
 Primas Consulting                                                  www.primas.at        nach werden mögliche Maßnahmen disku-
 Solution Management Center                          www.solutionmanagement.at           tiert – diese können sehr wohl witzig sein
                                                                                         und dem Team Spaß machen.

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