Geschichte der Volksbank Zeven - Von der Gründung (1926) bis zur Verschmelzung mit der Volksbank in Sittensen (1987)

 
Geschichte der Volksbank Zeven - Von der Gründung (1926) bis zur Verschmelzung mit der Volksbank in Sittensen (1987)
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                                                             Geschichte der Volksbank Zeven
                                                            Von der Gründung (1926) bis zur Verschmelzung
                                                                      mit der Volksbank in Sittensen (1987)

                                                                                                              135
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              >>             Geschichte der Volksbank Zeven
                             (1926 - 1987)
                                                                                                     lung eines prosperierenden Gemeinwesens. 1231 genießt Zeven bereits
                                                                                                     den Status eines vielbesuchten Wallfahrtsortes. Die Gebeine des heiligen
                                                                                                     Vitus, eines christlichen Märtyrers aus dem 4. Jahrhundert, zogen Pilger
                       Die Entwicklung der mittlerweile seit 25 Jahren fusionierten ZEVENER          zuhauf in den Ort. Das Kloster, Marktplatz, Armen-, Waisen- und
                       VOLKSBANK hätten sich die zwölf Handwerksmeister bei der Bankgrün-            Krankenhaus, gewann zusehends durch Schenkungen und Kauf von
                       dung im Jahr 1926 nie und nimmer träumen lassen. In der betulichen            Grund und Boden sowie aus Einkünften aus den Bistümern Bremen,
                       Kleinstadt glaubten die Bürger 1926 gerade, die Inflation endgültig über-     Verden, Minden, Braunschweig, Lüneburg und den freien Städten Bremen
                       wunden zu haben. Dabei waren die „Goldenen Zwanziger“ längst dem              und Lübeck an Bedeutung. Die Benediktinerinnen, Töchter aus Adels- und
                       Untergang geweiht: Die Weltwirtschaftskrise zeichnete sich rabenschwarz       reichen Bürgerfamilien, ergänzten mit ihrer Mitgift den ansehnlichen
                       am Horizont ab. Fast ließe sich behaupten, das verantwortliche Dutzend        Reichtum des Klosters - und weckten Begehrlichkeiten. Bis weit in das 15.
                       Zevener Handwerksmeister trotzte antizyklisch dem Trend der Zeit und          Jahrhundert hinein wurde das Kloster immer wieder überfallen und ausge-
                       sprang mutig, wenngleich mit jahrzehntelanger Verspätung, auf den fast        raubt. Als besonders grausam und berüchtigt galt die „Schwarze Garde“,
                       abgefahrenen Genossenschaftszug auf. Genossenschaftsbanken gab es             die Anno 1499 den größten Teil Zevens in Schutt und Asche legte.
                       landesweit nämlich schon seit Jahrzehnten. Dass von 30 anwesenden
                       städtischen Honoratioren zwölf über ihren Schatten sprangen, ist das          Obwohl auch durch den Dreißigjährigen Krieg schwer gebeutelt, blieb
                       Verdienst des Referenten von der Hamburger Zentralgenossenschaft. Er          Zeven vor gravierenden Zerstörungen bewahrt. Zeven, das unter schwedi-
                       überzeugte auch in der „Stadt am Walde“ die Skeptiker vom Nutzen einer        sche Herrschaft geraten war, musste der Aufhebung seines Klosters taten-
                       eigenen genossenschaftlichen Gewerbebank für den „Kreis Zeven“.               los zusehen. Königin Christine, auf dem Weg nach Rom, besuchte Zeven
                                                                                                     und beglückte den Grafen Douglas mit dem Lehen des neu gebildeten
                       In Zeven, so scheint es, haben sich die Verantwortlichen mit schnellen        Klosteramtes. Damals zählte Zeven - mit Ausnahme der Klosterinsassen -
                       Entscheidungen schon immer schwer getan - meist wurden sie ihnen aufs         ungefähr 200 Einwohner. Es waren die Zinsbauernfamilien des Klosters.
                       Auge gedrückt. Das fing schon im frühen Mittelalter an: Kurz entschlossen     Noch heute haben unter anderem die Namen Wohlberg, Trochelmann,
                       entschied der Erzbischof von Hamburg-Bremen dem Ersuchen von Probst           Schlüsing, Brunkhorst, Postels, Wichern, Warnken und andere einen ver-
                       Luidmund und Äbtissin Hedwig stattzugeben und das Kloster von                 trauten Klang in der Stadt.
                       Heeslingen nach Zeven zu verlegen. Die frommen Damen sollten in der stil-
                       len Abgeschiedenheit Zevens zu einem sittsamen Lebenswandel zurück-           Historisch bedeutsam war Zeven durch zwei hier stattfindende Ereignisse:
                       finden.                                                                       zum einen durch eine Konferenz im Mai 1694 mit Vertretern Bremens und
                                                                                                     Schwedens, bei der über den Status von Stadt und Herzogtum Bremen
                       Von Stille und Abgeschiedenheit keine Spur: Kloster und Kirche verantwor-     beraten wurde, zum anderen durch die Zevener Konvention, bei der wäh-
                       teten stattdessen in Zeven die Initialzündung zur kontinuierlichen Entwick-   rend des Siebenjährigen Krieges im September 1757 ein Waffenstillstand

                                                                                                                                                                                 137
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                       zwischen dem Befehlshaber der hannoverschen und dem der französi-
                       schen Truppen unterzeichnet wurde. Die Regelung hatte allerdings keinen
                       Bestand, da der britische König die Anerkennung verweigerte.

                       Nach dem Wiener Kongress gehörte Zeven zum Königreich Hannover. Im
                       Auftrag des hannoverschen Königs kam Carl Friedrich Gauß 1824/25 nach
                       Zeven, um die trigonometrische Landesaufnahme des Königreichs abzu-
                       schließen. Vom Kirchturm der St. Viti-Kirche aus nahm er Messungen vor.
                       Der Schriftsteller Daniel Kehlmann hat dem Mathematiker mit seinem
                       Buch: „Die Vermessung der Welt“ ein unkonventionelles literarisches, und
                       der Stadt ein fantasiebetontes Denkmal gesetzt. Ab 1866 gehörte Zeven
                       zur preußischen Provinz Hannover. Der Flecken blieb Sitz eines Landrats-
                       amtes; ab 1885 regierte in Zeven der königlich-preußische Landrat von
                       Hammerstein.

                       Die Einwohnerzahl blieb in dieser Zeit fast hundert Jahre lang konstant bei
                       rund 1.200. Insbesondere wegen der grassierenden Cholera und wegen
                       der vielen Auswanderer nach Amerika nahm die Bevölkerung nicht zu. Erst
                       zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte ein Aufschwung verzeichnet wer-
                       den. 1906 kam es zur Eröffnung der Bahnstrecke von Zeven nach
                       Rotenburg (Wümme) und Zeven erhielt eine Straßenbeleuchtung in Form
                       von Öllampen. Und Ende 1926 kam es zur Gründung der besagten
                       Gewerbebank. Damals hatte gerade Reichsaußenminister Dr. Stresemann
                       vom „Silberstreif am Horizont“ gesprochen. Denn trotz hoher Erwerbs-          In der illustrierten Sonntagsbeilage der Zevener Zeitung wurden der Kölner
                       losenzahlen, die sich nur ganz allmählich spürbar verringerten, ließ schon    Oberbürgermeister, Dr. Konrad Adenauer, und die Aufnahme Deutschlands
                       einmal die Gründung einer Bank in Zeven hoffen. Zumal im Landkreis            mit einem ständigen Sitz im Völkerbund gefeiert. Allerdings stritten die
                       Zeven nur ein Prozent der erwerbsfähigen Menschen arbeitslos war. Ein         Deutschen auch über das Schund- und Schmutzgesetz sowie über die
                       dreifacher Regierungswechsel den Reichspräsident von Hindenburg eben-         Enteignung der Fürstenvermögen. An dem damit verbundenen Volksbe-
                       so zu akzeptieren hatte, wie das ganze Land, änderte an dem Jubel der         gehren beteiligten sich im Landkreis Zeven 124 Personen, das heißt: 3,05
                       Bevölkerung über den ersten Teil der Rheinlandbefreiung nichts.               Prozent der Bevölkerung.

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                       Wie die politische Großwetterlage gebärdete sich auch die Natur: Das Jahr    Handschlag 720 Tiere den Besitzer. Allerdings zu mäßigen Preisen. Geld
                       1926 begann mit Sturm und Regen und anschließenden Überschwem-               war knapp und demzufolge teuer. Der Spitzenpreis für ein edles Ross lag
                       mungen. Die Flüsse führten Hochwasser wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die     bei 500 Reichsmark; für ein durchschnittliches Arbeitspferd bei 200
                       Mehdebrücke zwischen Brauel und Offensen trieb zerstört in den Fluten;       Reichsmark.
                       die Ostebrücke überstand das Hochwasser schwer angeschlagen. Noch
                       Ende März stieg das Thermometer nachts nicht über fünf Grad minus. Der       Im übrigen wurde 1926, veröffentlichte die Zevener Zeitung, die Zeitein-
                       Herbst wütete erneut mit Sturm, Regen und Hochwasser. Die Ernteein-          teilung von 0.00 bis 24.00 Uhr festgelegt. Darüber hinaus galt die „Mark“
                       bußen waren gewaltig. Lediglich die Steck- und Runkelrüben gediehen bis      als verpönt; „Reichsmark“ müsse es heißen - entschied ein Gericht. In der
                       zu einem Gewicht von zwölf bis 14 Pfund. Die Kreuzottern liefen bei den      heutigen Zeit, die sich in der IT-Branche förmlich überschlägt, zur
                       Wetterunbilden zur Höchstform auf und vermehrten sich sprunghaft. Der        Erinnerung: 1926 wurde auf einer internationalen Versammlung die
                       Landrat sah sich gezwungen, eine Fangprämie auszusetzen. Kassiert            Wellenverteilung für die Rundfunksender festgelegt. Damals war der
                       wurde sie von einem Zevener, der an einem Tag 19 tote Tiere anlieferte;      Hörfunk das Maß aller technischen Dinge; die Zuhörer waren technisch
                       ein Sittenser präsentierte 71 getötete Kreuzottern in einem Monat.           interessiert und fasziniert zugleich. Über mangelnden Umsatz an Radios
                                                                                                    und Zubehörteilen konnten sich Roose und Nienstedt nicht beklagen. Die
                       Ein Höhepunkt des Jahres 1926 war in Zeven zweifelsohne die 5.               Zahl der Hörer kletterte auf eine Million im Deutschen Reich, Schwarzhörer
                       Nordhannoversche Landesversammlung der deutsch-hannoverschen                 mussten mit empfindlichen Strafen rechnen.
                       Partei. Der Landtagsabgeordnete Kurt Biester aus Langenhagen hielt ein
                       leidenschaftliches Plädoyer gegen die Auflösung hannoverscher Landkrei-      Selbst Amokläufer sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bei einem
                       se. Der Landkreis Zeven mit seinen 20.700 Bürgern sollte sechs Jahre spä-    Attentat auf einen D-Zug flogen zwischen Berlin-Köln Dutzende von
                       ter von der Auflösung betroffen sein. Der flammende Protest des Politikers   Menschen in die Luft; über 20 Opfer konnten nur noch tot geborgen wer-
                       Biester endete in einem einstimmigen wie nutzlosen Votum gegen die           den. Wer die Attentäter waren und warum sie den Zug entgleisen ließen,
                       Auflösung: 1932 wurde der Landkreis Zeven dem Landkreis Bremervörde          scheint nicht feststellbar. Obwohl die Zeppeline erfolgreich den Luftraum
                       zugeschlagen. Eine bittere Niederlage.                                       mit Passagieren und Fracht eroberten, galt 1926 die Erkundung der
                                                                                                    Ostasien-Route für die Deutsche Luftfahrt mit „normalen“ Flugzeugen für
                       Zeven war nämlich eine ausgesprochen quirlige Kreisstadt. Was sich schon     den Linienverkehr als wichtiger.
                       daraus ablesen lässt, dass auf zwölf Märkten um die Gunst der Kunden
                       gebuhlt wurde. Wenn auch mit Einschränkungen: Wegen der Maul- und            Bei Müller und Stuhlmacher flimmerten die „Nibelungen“ von Fritz Lang
                       Klauenseuche durften nämlich auf den Viehmarktplätzen keine Paarhufer        oder „Der letzte Mann“ mit Emil Jannings sowie Otto Gebühr als Friedrich
                       wie Rinder, Schweine, Schafe aufgetrieben werden. Der Pferdehandel glich     der Große in „Die Mühle von Sanssouci“ über die Leinwand. Olga
                       die Einschränkungen jedoch aus: Auf dem Herbstmarkt wechselten per           Tschechowa mauserte sich zum Filmstar. Selbst die Schüler im Landkreis

                                                                                                                                                                                 139
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                       Zeven waren von bewegten Bildern fasziniert; in ihren Bildungseinrichtun-    aus dieser gravierenden Fehlentscheidung gelernt. Nicht immer, aber
                       gen wurden die ersten Bildgeräte installiert.                                immer öfter!

                       Ziemlich unfassbar für die heutige Zeit: In Zeven gab es eine Fülle von      Parallel gelernt am Beispiel von Friedrich Wilhelm Raiffeisen hatte auch der
                       mehr als 50 Vereinen und Verbänden, die rege Tätigkeiten entfalteten. Der    Begründer des gewerblichen Genossenschaftswesens Hermann Schulze-
                       Zevener Schützenverein von 1848 empfing mit den Schützenkönigen              Delitzsch. Der studierte Jurist hatte sich im 19. Jahrhundert, als Vertreter
                       Diedrich Müller und Johann Peters in den Jahren 1925 und 1926 sogar          im Amt seines Vaters, frühzeitig mit den Sorgen und Nöten des Hand-
                       Abordnungen aus New York. Mitglieder des plattdeutschen Zevener Clubs        werks und Gewerbes auseinandergesetzt. Schulze-Delitzsch hatte er-
                       in den USA überbrachten die Grüße persönlich.                                kannt, dass Handwerk und Gewerbe zu Opfern der Industrialisierung zu
                                                                                                    werden drohten. Die ersten Eisenbahnen, die durchs Land rollten, bewirk-
                       Ein Thema, mit dem sich Zeven 1926 immer wieder beschäftigte, war der        ten eine geradezu revolutionäre Wende im Geflecht wirtschaftlicher
                       Hansakanal, der das Ruhrgebiet mit Hamburg verbinden, und durch Zeven        Beziehungen. Unter „Dampf“ produzierten Werkzeuge und Maschinen für
                       führen sollte. Der Bau der Wasserstraße sollte Arbeitsplätze schaffen und    die damalige Zeit ungeheure Industriegüter. Sie konnten deutlich billiger
                       Geld in die auch damals schon klammen Kassen der Kommunen spülen.            als handwerkliche Einzelanfertigungen verkauft werden. Eisenbahnen und
                       30 Jahre hatten sich Politiker mit diesem Projekt beschäftigt. Ähnlich       Dampfschiffe transportierten massenhaft erforderliche Rohstoffe und
                       lange, wie mit der Stadtkernentlastungsstraße. Im Gegensatz zu ihr wurde     belieferten mit Fertigprodukten nicht nur den einheimischen, sondern auch
                       aus dem Hansakanal allerdings nichts. Außer Spesen nichts gewesen; nur       den internationalen Markt.
                       zwei Straßennamen: Kanal- und Hansastraße.
                                                                                                    Die Banken entdeckten die Industrie als lukrativen Kundenkreis und war-
                       Als Kulturbanausen machten die Ratsmitglieder von sich reden:                ben um sie mit großzügigen Krediten. Der etablierte Mittelstand mit sei-
                       Kommentarlos nahmen die 15 Abgeordneten zur Kenntnis, dass die               nem Handwerk und Kleingewerbe sowie auch der mittelständische Han-
                       umfangreichen Sammlungen des Universalkulturschaffenden Hans                 del drohten ausgetrocknet zu werden; ihnen standen keine annehmbaren
                       Müller-Brauel von der Stadt Wesermünde gekauft wurden und an das             Kreditkonditionen zur Verfügung - nur die Dienste der Geldverleiher, die
                       Morgenstern-Museum gingen. Ein Verlust für Zeven, von dem sich die           Bares nur zu horrenden Zinsen rausrückten. 1850 entstand in Delitzsch der
                       Stadt nie wieder erholt hat. Die Zevener Zeitung mahnte zwei Tage vor der    erste Vorschussverein, der als Urzelle der heutigen Volksbank gilt. Ein paar
                       unsäglichen Entscheidung: „ . . . Wichtig dürfte es aber sein, wenigstens    Jahrzehnte später wurde das Genossenschaftsgesetz neu gefasst, d. h. die
                       jetzt alle neueren Funde dem Kreise auf irgendeine Weise zu erhalten . . .   deutsche Genossenschaftskasse durfte durch Mitgliedschaft von
                       Noch ist es nicht zu spät. Der Weg muss begangen werden von Seiten des       Einzelgenossenschaften regionale Zentralkassen bilden. Pionierarbeit lei-
                       Kreises, des Fleckens oder schließlich von privater Seite mit Hilfe von      steten die Volksbanken im deutschen Kreditwesen schließlich mit der
                       Sammlungen.“ Seit 1926 weiß Zeven, was damals verloren ging - und hat        Einführung des Scheckverkehrs.

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                       76 Jahre nach Delitzsch, am 1. Dezember 1926, bezog die „Gewerbebank      vermarkten wusste. Sein luftiges Mürbeteig-Sahne-Gebilde wurde
                       Zeven, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht“ im       sonntags per Bahn in die Hansestadt Bremen geschickt und an private
                       damaligen Handwerksamt in der Zevener Gartenstraße 188 Quartier. Mit      Kunden für den Sonntagskaffee ausgeliefert. Zumeist handelte es sich bei
                       „verwaltet“ wurde die Gewerbebank in Bürogemeinschaft von dem dama-       den Torten-Kunden um Bremer Bürger, die Zeven bereits als Ziel für einen
                       ligen Sekretär des Handwerksamtes im Nebenamt. Die Geburtswehen der       Tag in der Sommerfrische entdeckt, und sich in der Langen Straße im Café
                       Gewerbebank wurden begleitet von den Auswirkungen des 1. Weltkrie-        Müller die Himmelstorte auf der Zunge zergehen lassen hatten. Weitere
                       ges, von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not. Der Verfall der       Aufsichtsratsmitglieder waren Buchbindermeister Justus Wischhusen, bei
                       Währung, als 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation in                      dessen Nachkommen die Zevener noch heute die Schulbücher für ihre
                       Billionen gerechnet wurde, war knapp überstanden, die                                Kinder bestellen, sich mit Schreibutensilien und Spielzeug ein-
                       Reichsmark gerade eingeführt. Im Schneckentempo                                                             decken. Oder Friseurmeister Thies, des-
                       bewegte sich die Zevener Gewerbebank vorwärts. Der                                                         sen Laden in der Fußgängerzone, im
                       Fortschritt machte sich im Zeitlupentempo bemerkbar.                                                      Laufe der Jahrzehnte immer wieder mo-
                       Zum einen lag es wohl daran, dass das Geldinstitut                                                        dernisiert, heute noch zu den ersten
                       „nur“ nebenamtlich geleitet wurde, und zum anderen,                                                      Adressen dieses Gewerbes zählt. Oder
                       dass vertrauensbildende Maßnahmen kaum erkenn-                                                          Schneidermeister Hinrich Hinck dessen
                       bar waren. Die Gewerbebank in Zeven schob „Dienst                                                      Kinder und Kindeskinder die Schneiderei zu
                       nach Vorschrift“. Das Musterstatut für gewerbliche                                                    einem etablierten Modehaus für Jung und
                       Kreditgenossenschaften des Deutschen Genossen-                                                        Alt gestalteten. Die Modenschauen im Mode-
                       schaftsverbandes wurde von den Mitgliedern lei-                                                      haus Hinck sind zwar inzwischen Legende,
                       denschaftslos akzeptiert. Revisionsmäßig erfolgte                                                   prägten aber ganze Generationen modebe-
                       der Anschluss an den Niedersächsischen                                                             wusster Menschen in der Region.
                       Genossenschaftsverband. Das allererste Ge-
                       schäftsjahr lief vom 1. Dezember 1926 bis zum                                                    Der erste Vorstand, dem Schlachtermeister
                       31. Dezember 1927. Danach wurde das                                                              Wilhelm Roose und Schmiedemeister Friedrich
                       Geschäftsjahr zeitlich an das Kalenderjahr                                                      Lange angehörten, hinterließ nachhaltige Spuren in
                       gekoppelt.                                                                                     der Stadt. Der Name Roose steht nicht nur für zwei
                                                                                                                     spätere Fleischfabriken in Aspe, sondern auch für
                       In den ersten Aufsichtsrat rückte unter                                                      Sanitäranlagen und für Schmuck. Mit dem Namen
                       anderem Bäckermeister Diedrich Müller ein. „Der“                                            Lange verbinden die Zevener vornehmlich Mercedes-
                       Bäckermeister, der die Zevener Himmelstorte erfand und sie geschickt zu                     Lange, angesiedelt auf dem heutigen Volksbankgelän-

                                                                                                                                                                              141
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                       de. 1929 wurde Zeven der Übergang zur städtischen Verfassung gestat-
                       tet. Und 1929, am sogenannten „Schwarzen Freitag“, brach im Herbst die
                       New Yorker Börse zusammen - mit verheerenden Auswirkungen für den
                       Rest der Welt. Auch die blutjunge Zevener Gewerbebank geriet in den Sog
                       der Ereignisse und hatte Rückschläge zu verkraften. Die nächste
                       Katastrophe zeichnete sich mit dem Run auf die Banken 1931 ab. Die
                       angesehene „Darmstädter und Nationalbank“ wurde geschlossen. Andere
                       große Banken gerieten ins Schleudern und an den Rand des Abgrundes.
                       Zevens Gewerbebank wurde erneut in ihrer Entwicklung ausgebremst. Die
                       Mitglieder zogen im Verlauf der Generalversammlung im Jahr 1931 auch
                                                                                                 Dass der Landkreis Zeven 1932 aufgehoben und mit Bremervörde zu
                       wegen des „Schwarzen Freitags“ an der New Yorker Börse die Reißleine.
                                                                                                 einem neuen Landkreis Bremervörde zusammengeschlossen wurde, trug
                       Ausländische Kredite wurden flächendeckend aus Deutschland abgezo-
                                                                                                 nicht unbedingt zur Erbauung der Genossenschaftsmitglieder in Zeven bei.
                       gen, auf Teile ausländischen Geldes mussten deutsche Banken wegen des
                                                                                                 Eine allgemeine Wiederbelebung der Wirtschaft ließ sich trotzdem 1933
                       unaufhaltsamen Zuwachses der NSDAP verzichten. Aus naheliegendem
                                                                                                 erkennen - leider im Jahr von Hitlers Machtergreifung. Gleichwohl ist es
                       Grund begrenzte demzufolge die Volksbank in Zeven die Kredit-
                                                                                                 das Verdienst der damaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, dass
                       höchstgrenze auf 20.000 Reichsmark. Die Obergrenze für Anleihen wurde
                                                                                                 die Volksbank Zeven diese krisengeschüttelten Zeiten überstanden hat.
                       auf hunderttausend Reichsmark festgesetzt. Einstimmig übrigens. Die Ge-
                                                                                                 Zum 50-jährigen Bestehen des Geldinstitutes wurden die Gründungsmit-
                       nossenschaft kämpfte in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit schlichtweg
                                                                                                 glieder der Bank dafür ausdrücklich gelobt. Wenn auch die meisten
                       ums Überleben.
                                                                                                 posthum. Ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend, war die
                                                                                                 Gewerbebank schon zweimal umgezogen, und zwar nach kurzem
                                                                                                 Aufenthalt vom Haus des Buchbindermeisters Justus Wischhusen in der
                                                                                                 Schulstraße in die erstrebte Geschäftslage in die Lange Straße - in die
                                                                                                 eigens ausgebauten Räume im Haus des Schlachtermeisters Wilhelm
                                                                                                 Roose.

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                       Nicht nur das Geschäftsvolumen der inzwischen offiziell bezeichneten          Der Aufschwung folgte sozusagen auf dem Fuß: Bald reichten die
                       Volksbank Zeven kletterte in den Vorkriegsjahren steil nach oben. Die Zahl    Geschäftsräume nicht mehr aus, um den laufenden Betrieb störungsfrei zu
                       der Mitarbeiter tat es auch. Bis Ausbruch des Krieges stieg die               gewährleisten. Die Volksbank Zeven zog in das Geschäftshaus von Alma
                       Bilanzsumme auf stolze 500.000 Reichsmark. Und danach rasant weiter.          Dreyer in die Lange Straße 8 und residierte dort bis Ende der 1950er Jahre.
                       Unter anderem, weil die Nationalsozialisten das Sparen als „Kraftquelle       Die spitzen Bleistifte wurden abgeschafft und die Maschinenbuchhaltung
                       der Nation“ propagierten, das „Bauernsparbuch für den zweiten Sohn“           eingeführt. 1958 wechselte die Volksbank in ein eigenes Bankgebäude in
                       und das „Eiserne Sparen“ für eine Rückerstattung nach dem „Endsieg“ ein-      die Lange Straße 32. Schuhmachermeister Georg Bammann hatte der
                       führten. Wegen des Zweiten Weltkrieges nahm die Volksbank in Zeven in         Bank Grundstück und Immobilie verkauft. Das Innere des Gebäudes wurde
                       einem unerhörten Tempo Fahrt auf, ebenso die Wirtschaft. Bis zum Ende         entkernt und kundenfreundlich und technisch auf den neuesten Stand
                       des Zweiten Weltkrieges hatte die Bilanzsumme in der Zevener Bank die         gebracht. Die großzügige Schalterhalle schuf Nähe und Distanz gleicher-
                       Zweimillionengrenze weit überschritten. Am Tag der Befreiung im Mai           maßen, so dass Kundengespräche auch mit der notwendigen Diskretion
                       1945 war mit einem Schlag alles vorbei: Die Volksbank in Zeven fiel - wie     geführt werden konnten.
                       alle anderen Geldinstitute auch - ins Bodenlose. Mitarbeiter und Mitglieder
                       standen vor dem erbärmlichen Rest einer Bilanzsumme von 200.000
                       Mark.

                       Es blieb den Volksbankangehörigen nichts anderes übrig, als die Ärmel
                       hochzukrempeln: Mit einer großen Portion Optimismus und eisernem
                       Willen machten sich Mitarbeiter und Mitglieder an den Wiederaufbau, der
                       mehr als erforderlich war. Bis Ende 1949 hatte die Volksbank in Zeven
                       zwar ihre Bilanzsumme auf 400.000 Deutsche Mark verdoppeln können,
                       gleichwohl litt sie darunter, dass der Bank die wirklich gut ausgebildeten
                       Fachkräfte fehlten; von Bankvorständen ohne Ärmelschoner ganz zu
                       schweigen.

                       Erst durch eine Reorganisation der Verwaltungsorgane im Jahr 1951 zeich-
                       nete sich eine neue Weichenstellung ab. Auf Weisung des Niedersächsi-
                       schen Genossenschaftsverbandes und der Zentralkasse in Hamburg wurde
                       die Volksbank in Zeven verpflichtet, die Leitung des Hauses mit einem
                       hauptamtlichen, qualifizierten Mitarbeiter zu besetzen.

                                                                                                                                                                                   143
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                       Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Zeven 3.233 Einwohner. Nach dem                die damalige Vereins- und Westbank - sogar Filialen in der Stadt am
                       Krieg hatte sich diese Zahl durch den Zuzug von Flüchtlingen fast verdop-      Walde unterhielten. Den Mittelstand deckte überproportional die
                       pelt. Die Stadt wurde von britischen Truppen besetzt, die sich ebenfalls in    Kreissparkasse Bremervörde ab. 1963 zog die Volksbank die Konsequen-
                       die Wohnräume einquartierten, so dass es in der Stadt zu einem großen          zen, trennte sich von Mitarbeitern und änderte das Anforderungsprofil für
                       Mangel an Wohnraum kam. Der Ausbau der Stadt stand daher in den                leitende Bankangestellte. Der damalige Bankvorstand hatte beileibe nicht
                       Nachkriegsjahren im Vordergrund.                                               das gehalten, was sich die Volksbank und ihre Mitglieder davon verspro-
                                                                                                      chen hatten. Die Einbußen durch Missmanagement waren heftig.
                       Zeven entwickelte sich dank seiner umsichtigen Kommunalpolitik in der
                       Nachkriegszeit auch zu einem wichtigen regionalen Industriestandort. Die       Aufgefangen wurden sie vom neuen geschäftsführenden Vorstand Karl
                       Weichen wurden gestellt für das bemerkenswert geschlossene Industrie-          Eikenberg. Gut ein Jahr später wurde zum 1. Oktober 1964 Heinz Niemeyer
                       gebiet auf dem Areal des ehemaligen Munitionslagers in Aspe, im Süden          als Vorstand in die Geschäftsführung eingebunden.
                       der Stadt. Es beherbergt noch heute eine Anzahl überregional bekannter
                       Industriebetriebe, wie z.B. die MAPA. Das internationale Unternehmen
                       beliefert weltweit den Markt mit Kondomen, Schnullern, Saugern und                                                                    Karl Eikenberg

                       diversen weiteren Kautschukartikeln. SANOVO, Nordmilch (nach der
                       Verschmelzung mit Humana heute Deutsches Milchkontor), LISEGA,
                       MT-Energie etc. kamen hinzu.

                       Mit den Industrieansiedlungen stieg die Zahl der Einwohner; Zeven mau-
                       serte sich zu einer prosperierenden Kleinstadt. Ein weiteres Industriegebiet
                       wurde im Norden der Stadt angesiedelt (Nord-West-Ring), in dem sich
                       vornehmlich kleinere und eher mittelständische Unternehmen angesiedelt
                       haben. Bei Neujahrsempfängen der Industrie- und Handelskammer in
                       Stade flachsen Unternehmer gern: „In Zeven wird das Geld verdient, das
                       in Rotenburg und Bremervörde sowie im Rest des alten Regierungsbezirks
                       Stade ausgegeben wird.“

                       Von diesem rasanten Wirtschaftsaufschwung in Zeven profitierte die
                       Volksbank in einem überschaubaren Rahmen: Die Industrie wählte meist
                       die größeren, überregionalen Geldhäuser zu Partnern, die zum Teil - wie

                                                                                                                                                                                  145
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                       Die beiden Vorstände sorgten in den ersten Jahren ihres Wirkens mit Elan    Bereits 1965 kam es zur Gründung der Samtgemeinde Zeven. Die Ge-
                       dafür, dass die Scharte ihres Vorgängers mit Erfolg ausgewetzt wurde. Das   burtswehen waren schmerzhaft. Heeslingen behielt zwar fast noch ein
                       Bilanzvolumen stieg von 6,4 Millionen Mark im Jahr 1964 auf 13 Millionen    weiteres Jahrzehnt seinen Status als Samtgemeinde, verlor aber trotz der
                       Mark im Jahr 1970. Zum 50-jährigen Jubiläum der Volksbank Zeven 1976        Bezirkssportschule, Fricke, Heins-Bau, Timmermann & Co. zunehmend an
                       begeisterten sich Aufsichtsrat, Vorstand, Mitglieder und Kunden, dass das   Einfluss. Spannungen in der Politik und bei den Bürgern gab es später auch
                       Bilanzvolumen von 25 Millionen geknackt und Umsätze von 400 Millio-         bei der Aufteilung im Kirchspiel Rhade, unter anderem weil Glinstedt der
                       nen Mark erreicht wurden. Die Mitgliederzahl stieg von bescheidenen 542     Einheitsgemeinde Gnarrenburg zugeschlagen wurde. Spannungen zwi-
                       im Jahr 1963 auf satte 1.259 Mitglieder Ende 1975.                          schen Rhade und Zeven sollten sich einige Jahre später wiederholen, als
                                                                                                   es um den Zwang zur Fusion zwischen den Volksbanken ging.

                                                                                                                           Vorstand und Aufsichtsrat im Jubiläumsjahr 1976.
                                                                                                                           obere Reihe:
                                                                                                                           Werner Hansen, Wilmar Rollfinke, Willi Lange,
                                                                                                                           Hinrich Eckhoff, Werner Warncke, Fritz Martens

                                                                                                                           untere Reihe:
                                                                                                                           Hinrich Wichern, Karl Eikenberg, Fritz Busse, Heinz Niemeyer
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                       1976, im Jahr des 50-jährigen Bestehens der Volksbank Zeven, schien der       seitigem Vertrauen getragene Zusammenarbeit. Schwiebert verabschiede-
                       Zwang zur Fusion offiziell noch weit entfernt. Die Zevener Volksbanker fei-   te sich aus Altersgründen von seinen Aufgaben bei der Volksbank zum
                       erten sich und ihr Geldinstitut, lobten insbesondere Schlachtermeister        Ende des Jahres 1973. Abgelöst wurde Schwiebert als Aufsichtsratsvor-
                       Wilhelm Roose, der von der Gründung der Gewerbebank Ende 1926 bis             sitzender von Otto Lühmann, Meister des Kfz-Handwerks und Innungs-
                       1964 ununterbrochen ehrenamtlich im Vorstand der Volksbank Zeven              Obermeister. 25 Jahre, nämlich seit 1952, wirkte Hinrich Eckhoff im
                       tätig war. Bei seinem Ausscheiden wurde ihm die silberne Ehrennadel des       Aufsichtsrat. Der Oldendorfer Bürgermeister und Landwirt wurde für sei-
                       Genossenschaftsverbandes verliehen. Ebenfalls mit der silbernen Ehren-        nen unermüdlichen Einsatz von der Volksbank gelobt. Ebenfalls gelobt
                       nadel ausgezeichnet wurde Georg Freudenthal, der im Vorstand der              wurde Fritz Busse, Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts Konrektor an
                       Gewerbebank und der Volksbank von 1938 bis 1948 und von 1951 bis              der Realschule, der den Vorsitz des Aufsichtsrats auch noch als
                       1964 tätig war.                                                               Ruheständler wahrnahm.

                       Bäckermeister Diedrich Müller kam das Verdienst zu, 23 Jahre seines           Insgesamt lassen sich die 60er und 70er Jahre der Volksbank als kontinu-
                       Lebens als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Zevener Volksbank von          ierlich erfolgreich skizzieren. Sogar die Weichen für eine bauliche Weiter-
                       1926 bis zu seinem Tod 1949 begleitet zu haben. Im Hauptberuf war             entwicklung des Unternehmens wurden bereits vor 50 Jahren mit dem
                       Müller, wie bereits erwähnt, Bäckermeister - aber auch Obermeister seiner     Erwerb des Fachwerkhauses „Auf dem Graben 1“ gestellt, obwohl es noch
                       Zunft und Vorsitzender des Handwerksamtes. Müller und den damaligen           keine konkrete Vorstellung für die Verwendung des Grundstücks gab. Das
                       Verwaltungsmitgliedern gebührt das Lob, die Gewerbebank durch die             523 Quadratmeter große Grundstück wurde von sechs Garagen begrenzt
                       Untiefen der Anfänge und die spätere Volksbank sicher durch die               und für 12 Parkplätze genutzt.
                       Kriegsjahre und die katastrophalen Nachkriegsjahre gesteuert zu haben.
                                                                                                     Um möglichst nah beim Kunden zu sein, schuf die Volksbank 1965 sogar
                       Wechselseitig in beiden Gremien und in der Geschäftsführung der Bank          eine Zweigstelle im Haus des Maurermeisters Dietrich Jeschke in der „Hohe
                       war Fritz Schwiebert tätig. Von der Spar- und Darlehnskasse Selsingen         Luft“. Jeschke fiel zwanzig Jahre später als Aufsichtsratsvorsitzendem die
                       kommend, übernahm Schwiebert am 1. Februar 1934 die Geschäftsfüh-             Rolle zu, den drohenden Untergang der Volksbank abzuwenden.
                       rung der Gewerbebank. Allerdings nur bis 1939, da diente Schwiebert für
                       Volk und Vaterland. Seine Rückkehr aus dem Krieg wurde 1951 mit dem
                       Vorsitz des Aufsichtsrates belohnt. Schwiebert machte sich in dieser
                       Funktion bis 1959 einen Namen von gutem Ruf. Sein Ausscheiden aus
                       dem Aufsichtsrat war durch seine Berufung in den Vorstand des
                       Geldinstitutes erforderlich geworden. Der hauptamtliche Vorstand
                       bescheinigte Schwiebert nach zehnjährigem Wirken eine gute, von gegen-

                                                                                                                                                                                   147
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                       Eine zweite Filiale richtete die Volksbank in Zeven ebenfalls 1965 im frü-
                       heren Büro der Verwaltung des E-Werkes in Tarmstedt ein.

                       Das 50-jährige Jubiläum der Volksbank Zeven richteten Mitte der 70er
                       Jahre 17 Angestellte aus. Die von Jahr zu Jahr umfangreichere Aufgaben-
                       stellung wurden als Mehrarbeit von der Stammbelegschaft aufgefangen.
                       In Zevens Mitte hatte sich die Volksbank als wirtschaftliche Mittelstands-
                       Institution durchgesetzt, die sich langsam aber stetig weite Bevölkerungs-
                       kreise der Stadt und des Umlandes als Kunden erschloss.

                                                                                                    Udo Schulz (62 Jahre) ist inzwischen der „Abwicklungsbeauftragte“ der
                                                                                                    Zevener Volksbank. Sein Spezialgebiet sind Firmen- und Privatinsolvenzen
                                                                                                    sowie Zwangsversteigerungen. Sein Schreibtisch steht in Sittensen, aber
                                                                                                    eigentlich ist Schulz ein „alter“ Zevener. Der gebürtige Oldendorfer begann
                                                                                                    seine Banklehre am 1. 4. 1967 unter Karl Eikenberg. Damals, erinnert sich
                                                                                                    Schulz, gab es neben der Hauptstelle in der „Langen Straße 32“ auch eine
                                                                                                    Zweigstelle der Volksbank in der „Hohe Luft“. Im Haus von Dietrich
                                                                                                    Jeschke trat Schulz nach Beendigung seiner Ausbildung morgens zum
                                                                                                    Dienst an. „Freitagmittags“ erinnert er sich, „ging es dort immer wie im
                                                                                                    Taubenschlag zu. Unsere vielen niederländischen Kunden, Soldaten aus
                                                                                                    Seedorf und ihre Familien tätigten ihre Bankgeschäfte und hoben das Geld
                                                                                                    für das Wochenende ab – Automaten gab es ja noch nicht.“ „Damals“,
                                                                                                    sagt er, „haben wir jeden Tag nach Dienstschluss die Buchungsbelege des
                                                                                                    Tages und das Kassenbuch von der Hohe Luft in die Lange Straße ge-
                                                                                                    bracht - zu Fuß.“ Auch in Tarmstedt war der heute in Badenstedt lebende
                                                                                                    Banker eine kleine Weile mit von der Partie. „Wir waren da zu dritt. Eine
                                                                                                    gemütliche Zeit.“ Nach langjähriger Tätigkeit im Kreditbereich als
                                                                                                    Kreditsachbearbeiter und Kundenberater ist Schulz nunmehr seit elf Jahren
                                                                                                    „Leiter für kaputte Kredite“, wie er es nennt. Sie werden ihn wohl in seinen
                                                                                                    Ruhestand begleiten.

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                       Ganz allmählich drehte sich im Laufe der Jahrzehnte für die Volksbank          übernachtet hat, wurde ihr mit dem „Königin-Christinen-Haus“ ein
                       Zeven das Blatt. Nahezu unmerklich rutschte das Geldinstitut auf die           Denkmal gesetzt. Der Bremer Architekturprofessor Müller-Menckens sorg-
                       „schiefe Bahn“. Der Institution fehlten in einer sich wandelnden Zeit glei-    te dafür, dass das Haus zu einem musealen und lebendigen Kleinod
                       chermaßen fach- wie sachkompetente Visionäre. Den beiden Vorständen            wurde.
                       Eikenberg und Niemeyer gelang es nicht, die Erfolge der Anfangsjahre
                       kontinuierlich auszubauen.                                                     Ebenso wie das ehemalige Kloster Zeven, dessen rudimentäre Überreste
                                                                                                      optisch geschickt miteinander verbunden und an die St. Viti-Kirche ange-
                       Ebenfalls auf der Verliererseite befand sich wieder einmal Zeven: Bei der      glichen wurden. Auch wenn sich die Zevener längst an den „neuen“
                       Gebietsreform. In deren Verlauf wurde der Landkreis Bremervörde 1977           Gebäudekomplex von Rathaus und Sparkasse gewöhnt haben, trauern
                       aufgelöst; Zeven gehört seitdem zum Landkreis Rotenburg (Wümme). Die           eine ganze Reihe noch der „alten“ Bebauung des Stuhlmacherschen
                       geografische Mitte des neuen Landkreises Rotenburg (Wümme), bekam              Grundstücks nach. Den „68ern“ fehlt das „Strohstübel“ im
                       den heiß ersehnten „Kreissitz“ nicht zurück. Zeven wurde damit getröstet,      Schüttenbergschen Gasthof, der aus der Zeit gefallene Gemüseladen von
                       kommunale Behörden zu erhalten - was sich nicht bestätigte. Und auch           Döring, die erste Eisdiele in der Stadt.
                       Bremervörde hat bis heute den Verlust des Kreissitzes nicht verkraftet; es
                       leidet noch unter dem Auszehrungsprozess zu Gunsten von Rotenburg,             „Freudenthal“ gegenüber, die nächste große Baustelle im Herzen der
                       das zur Verwaltungshochburg aufstieg.                                          Stadt, rief jahrelang Kritiker auf den Plan. Die ursprünglich geplante
                                                                                                      Bebauung wurde aus Kostengründen nicht realisiert, und dem jetzigen
                       So wenig, wie sich Zeven die geografische Mitte des Landkreises abstrei-       Gebäudekomplex könnte ein bisschen mehr „Leben“ nicht schaden.
                       ten lässt, so wenig lässt sich am wirtschaftlichen Erfolg der Stadt rütteln.
                       Nicht zuletzt wird er alljährlich bei den Haushaltsberatungen des Land-           Lange Straße
                       kreises deutlich. Wegen seines Steueraufkommens gilt Zeven als begehr-            in den 70er Jahren

                       ter Nettozahler bei der Kreisumlage. Es ist ein bisschen so wie in der
                       Europäischen Union mit der Bundesrepublik Deutschland.

                       Zeven brachte die Kreishandwerkerschaft dazu, an der Alten Posthalterei,
                       in der einst Gauß kurze Zeit gewohnt hat, ein Exempel deutscher Hand-
                       werkskunst zu statuieren. Das historische, unter Denkmalschutz stehende
                       Gemäuer gilt seitdem als Vorzeigeobjekt der Kreishandwerkerschaft. Un-
                       abhängig vom Wahrheitsgehalt, ob die schwedische Königin Christine auf
                       ihrem Weg nach Rom in dem ältesten Profanbau der Stadt tatsächlich

                                                                                                                                                                                 149
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                       Die 1980er Jahre begannen in Zeven mit der Einweihung des in Berlin          Darüber hinaus verlor die Volksbank im Herbst des Jahres 1980 durch eine
                       preisgekrönten Rathauses. Die Stadt hatte sich zu einer blühenden            Tragödie ihr zweites Vorstandsmitglied Heinz Niemeyer. Die Umstände für
                       Kommune gemausert und konnte sich das neue Gebäude leisten. Das              das mysteriöse Ableben des Bankvorstandes wurden nie bekannt.
                       Gesicht der Stadt um ein paar Solitärbauten ergänzt, zeichnet sich durch
                       Wirtschaft und Verkehr, das schulische, kulturelle und soziale Leben sowie
                       durch eine stadtbildprägende Architektur aus, die nicht über drei
                       Stockwerke hinaus reicht. Auch die Volksbank in Zeven hielt sich mit dem
                       Um- und Anbau ihrer Hauptgeschäftsstelle an die baulichen Vorlagen.
                       Auch wenn die Baukosten sich in einem akzeptablen Rahmen bewegten,
                       konnte das Jahr 1980 für die Volksbank in Zeven nicht über gravierende
                       Probleme hinwegtäuschen. Und das lag nicht nur an der politischen
                       Großwetterlage. Die Wirtschaft kämpfte mit dunklen Wolken am
                       Horizont: Die private Nachfrage war unzureichend, die Investitionsneigung
                       tendierte nach unten. An der Talfahrt hatte die sprunghafte Verteuerung
                       des Erdöls maßgeblichen Anteil. Sie stellte die Wirtschaft vor erhebliche
                       Anpassungsprobleme, die sich konjunkturdämpfend auswirkten.

                                                            Feierlichkeiten zur Einweihung 1981     Weniger rätselhaft stellt sich die Epoche des Führungsduos Klaus Matthias
                                                            Maurermeister Werner Duddek,
                                                                                                    und Gerhard Fitschen dar. Matthias wechselte für Heinz Niemeyer in den
                                                            Gerhard Fitschen und Klaus Matthias
                                                                                                    Vorstand. Ein halbes Jahr später löste Gerhard Fitschen den aus
                                                                                                    Altersgründen ausscheidenden Vorstand Karl Eikenberg ab. Das
                                                                                                    Vorstands-Duo Matthias und Fitschen hatte mit einer geschickt am Markt
                                                                                                    operierenden Volksbank in Heeslingen im sich überschneidenden Einzugs-
                                                                                                    gebiet eine auf Erfolg getrimmte Konkurrenz bekommen. Heeslingen
                                                                                                    installierte an neuralgischen Punkten wie vor der Kaserne in Seedorf oder
                                                                                                    in Zeven-Aspe die ersten Geldautomaten und etablierte sich mit einer flo-
                                                                                                    rierenden Filiale in der Schulstraße - gleich gegenüber von Rathaus, Polizei
                                                                                                    und AOK. Die Volksbank Zeven dümpelte im Vergleich zu den benachbar-

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                       ten Geldinstituten hingegen auf eher bescheidenem Erfolgsniveau vor sich
                       hin. Gerhard Fitschen fiel aus Krankheitsgründen mehr und mehr aus. Er
                       kehrte nach langer Krankheit nicht mehr zurück. Als Einzelkämpfer ließ sich
                       das operative Geschäft für Klaus Matthias kaum stemmen, wie Verbands-
                       prüfer Urban aufmerksam registrierte.

                       Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich Jeschke beraumte eine Generalver-
                       sammlung der Volksbank Zeven im Rathaussaal an. Bei drei Gegen-
                       stimmen votierten die Volksbankmitglieder für die Fusion mit einer be-
                       nachbarten Bank. Nach längeren Verhandlungen fand sich in Sittensen
                       ein starker Partner. Ohne Verschmelzung hätte Zeven schweren Zeiten
                       entgegengesehen. Der junge Zevener Werner Bruns bekam als Inte-
                       rimsvorstand seine Chance, begleitet vom ehrenamtlichen Vorstand
                       Fritz Martens, die Volksbank Zeven abzuwickeln und in die Sittenser
                       Volksbank zu überführen. Dietrich Jeschke: „Eine schlimme Zeit für alle
                       Beteiligten.“

                       Im Nachhinein eine gute Zeit für Zeven, denn ohne Fusion gäbe es heute
                       keine Zevener Volksbank, die einzige Bank von Rang übrigens, die den
                       Namen der Stadt in ihrem Logo führt, und mit ihrem Hauptgebäude im
                       Herzen Zevens, neben den Stadtwerken, und gegenüber von Post und
                       Wochenmarkt am Vitus-Platz unübersehbar präsent ist.

                       Bei der Tausendjahrfeier 1986 in der Partnerstadt Skara hatte im Verlauf
                       eines Festmenüs Schwedens Königin Silvia dem damaligen Zevener
                       Bürgermeister Günter Weigel höflich versprochen, „zur nächsten Tausend-
                       jahrfeier komme ich bestimmt nach Zeven.“ Vielleicht gibt es 2986 in
                       Zeven ja noch die Volksbank. Sie könnte dann das schwedische Königs-
                       haus mit einer Gegeneinladung zu einem Festessen zur 2000-Jahr-Feier
                                                                                                     >>
                                                                                                     Für die ehemalige Volksbank in Zeven
                       der Städte Skara und Zeven im eigenen Haus beglücken.                         geriet die Fusion zum Segen.

                                                                                                                                            151
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                                                            Werner Wahlers.

                                                            Wenn Anke Wahlers ihren Mann mit einem milden Lächeln und einem
                                                            leicht verzweifelten „Oh nein, nicht schon wieder!“ an der Haustür emp-
                                                            fängt, ist zweierlei ziemlich sicher: Es ist Sonntagnachmittag, und
                                                            Volksbanker Werner Wahlers, Jahrgang 1957, war mal wieder erfolgreich
                                                            auf Beutezug.

                                                            „Ich bin ein unverbesserlicher Schnäppchenjäger“, gesteht der Zevener.
                                                            Und so vergeht kaum ein Wochenende, an dem der gebürtige Ostertimker
                                                            nicht unterwegs ist, um auf irgendeinem Flohmarkt in der näheren und
                                                            weiteren Umgebung nach mehr oder weniger seltenen Preziosen zu stö-
                                                            bern. Landschaftsbilder von Ernst Kossol mit seinen Zevener Ansichten hat
                                                            Wahlers in den vergangenen 20 Jahren ebenso erstanden, wie altertümli-
                                                            che Gerätschaften und Antiquitäten vieler Art und Beschaffenheit. Dafür
                                                            steht er dann auch gerne um fünf Uhr morgens auf, um möglichst als einer
                                                            der ersten vor Ort zu sein. Denn Werner Wahlers weiß: „Die guten Sachen
                                                            sind meistens schnell weg.“

                                                            „Nein“, sagt er, „das Sammeln ist so ziemlich mein einziges Hobby. Ich bin
                                                            ansonsten ein echt unspektakulärer Typ“. Als Familienmensch bezeichnet
                                                            sich der Ur-Volksbanker aus Zeven. Er hat vier Kinder, „zwei Jungs und
                                                            zwei Mädels“, wie er sagt. Er ist seit 1983 glücklich verheiratet mit Anke.
                                                            Nein, die Anke sei keine Kollegin gewesen. In sie habe er sich schon als
                                                            Junge verliebt, die Nachbarstochter aus Ostertimke.

                                                            Warum er Banker geworden sei? Werner Wahlers überlegt: „Ich glaube,
                                                            meine Mutter hat gesagt: ,Geh doch zur Bank´." Also verließ er den hei-
                                                            mischen Hof, um am 1. August 1973 bei der Volksbank in Zeven eine
                                                            Lehre zu beginnen. Aus dem eher zufällig ergriffenen Beruf wurde

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                       Berufung. „Ich habe sehr gerne mit Menschen zu tun“, sagt Wahlers, der        Löns mit Originalsignatur ergattern konnte. Oder das von Dönitz, mit der
                       in der wechselvollen Geschichte der Zevener Volksbank mal hier mal da         Unterschrift des Wehrmacht-Admirals. Sind die wohl wertvoll, solche
                       hinterm Tresen stand, um seinen Kunden den besten möglichen Service zu        Bücher? „Oh“, glaubt Wahlers, der nebenberuflich im Internet mit seinen
                       bieten. In der Filiale in Tarmstedt war er, in Zeven sowieso, im Moment       Büchern handelt, „dafür gibt es schon ein bisschen“. „Nein“, lacht er,
                       kümmert er sich wechselweise um die Volksbank-Kunden in Lauenbrück            „Reichtümer lassen sich damit sicher nicht anhäufen“.
                       und Nartum. „Als die Stelle in Nartum vor sechs Jahren vakant wurde,
                       kamen die Bosse sofort auf mich zu“, erinnert sich Werner Wahlers. Und        Apropos anhäufen: Anke hat ihren Werner jetzt dazu verdonnert, mal
                       das hatte einen Grund: „Nach Nartum sollte jemand, der richtig gut            ordentlich für Ordnung zu sorgen in ihrem Häuschen. Frühjahrsputz! „Na
                       Plattdeutsch kann.“ Und da sind wir schon beim zweiten großen Hobby           ja“, gibt Wahlers zu, „ist schon ein bisschen wie in einem Museum bei uns,
                       von Werner Wahlers, der seine Nartumer Kunden auf Plattdeutsch duzt.          mit all’ den Sachen, die so rumstehen…“
                       „Mir mussten sie in der Schule erst Hochdeutsch beibringen“, lacht er. Die
                       große Liebe zu „seinem“ Dialekt, Werner Wahlers hat in seinem Leben bis-
                       lang 2000 plattdeutsche Bücher zusammengetragen, mag erklären, was
                       landläufig unter einem bodenständigen Menschen verstanden wird. Nein,
                       Urlaub im Ausland, das interessiere ihn nun wirklich nicht. Unter einer
                       Palme am Strand zu liegen, das sei ihm und seiner Frau einfach zu lang-
                       weilig. Einmal, zu Beginn ihrer Ehe, seien sie in Tunesien gewesen. Doch
                       seitdem touren die Wahlers´ Jahr für Jahr durch Deutschland.

                       Selten besuchen sie dabei einen Ort zweimal: „Es gibt einfach so viele
                       schöne Flecken und Landschaften in diesem Land“, sagt Wahlers. Nur zum
                       Kaiserstuhl ins Badische, da fahren sie öfter hin. „Unsere Tochter ist dort
                       Winzerin geworden“, freut sich der 55-jährige, der Tochter und Schwieger-
                       sohn mit seiner Gattin regelmäßig an Deutschlands wärmstem Berg
                       besucht.

                       Jetzt freut sich Werner Wahlers auf die anstehende Sommersaison.
                       „Macht mehr Spaß, im Warmen über die Flohmärkte zu schlendern“, meint
                       er. Mal sehen, ob es diesmal wieder mit einem herausragenden
                                                                                                     >>     Werner Wahlers: Ein unverbesserlicher
                       Schnäppchen klappt. Wie seinerzeit, als Wahlers ein Buch von Hermann                 Schnäppchenjäger.

                                                                                                                                                                                  153
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                                                            Dietrich Jeschke.

                                                            Es ist still, fast unheimlich still um den 83-jährigen, ehemaligen
                                                            Aufsichtsratsvorsitzenden der Volksbank in Zeven und der späteren
                                                            Zevener Volksbank geworden. Dabei ist Dietrich Jeschke der Mann, der
                                                            Mitte der 1980er Jahre die Entscheidung zu treffen hatte, den drohenden
                                                            Niedergang der Volksbank in Zeven durch Fusion mit Sittensen abzuwen-
                                                            den. „Habe ich mir als ehrenamtlicher Aufsichtsratsvorsitzender 1986/87
                                                            auch nicht träumen lassen“, erzählt der durch Alter und Krankheit gezeich-
                                                            nete ehemalige Kreishandwerksmeister, Innungs- Obermeister und Gebäu-
                                                            desachverständige.

                                                            Das Sprechen fällt Dietrich Jeschke wegen seiner durch Strahlentherapie
                                                            verbrannten Mundhöhle schwer. Dennoch haben ihn weder Humor noch
                                                            Selbstironie im Stich gelassen, „schließlich war ich, wenn auch wider
                                                            Willen Zögling einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt.“ Wie es dazu
                                                            kam, schildert der gebürtige Hinterpommer in gepflegter Untertreibung:
                                                            „Da standen irgendwann bei meiner Mutter in Linde, die Herren von der
                                                            Auswahlkommission in der Küche und bedeuteten ihr, dass sie mich in der
                                                            Internatsschule abzuliefern hätten; Einwände waren zwecklos.“ Mit dem
                                                            „untergeschobenen Notabitur“ trat Dietrich Jeschke 1945 die Flucht in den
                                                            Westen an. Gelandet ist er für zwei Jahre als Knecht bei einem Bauern in
                                                            Horstedt.

                                                            Der Not gehorchend, schließlich lag das Land buchstäblich in Trümmern,
                                                            hakte Dietrich Jeschke sämtliche Träume von Studium und akademischen
                                                            Weihen ab. Er lernte Maurer, von der Pike auf, bestand 1955 seine
                                                            Meisterprüfung, führte 25 Jahre sein eigenes Bauunternehmen, ehe er
                                                            Heinrich Treu aus Zeven als vereidigten, selbstständigen Brandkassen-
                                                            schätzer und Gebäudesachverständigen ablöste. Seinem Streben nach

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                       Individualität kam die neue berufliche Laufbahn durchaus zupass. Die pri-     Heute zehrt Dietrich Jeschke, der sich ab und zu auch mal mit Wegge-
                       mitive Gleichmacherei der Nationalsozialisten hatte ihn nämlich für den       fährten „kaiserlich einen gehoben“ hat, von den Erinnerungen, die als
                       Rest seines Lebens negativ geprägt. Dietrich Jeschke, verheiratet, vier       Rosen des Alters bezeichnet werden. Ihm und seiner Frau bleiben lediglich
                       Kinder, drei Enkelkinder opferte seine Freizeit für berufsständische Inte-    die Erinnerungen an ein hart erarbeitetes gemeinsames Leben und an
                       ressen in der Innung und in der Kreishandwerkerschaft; das Ehrenamt des       gemeinsame, ausgedehnte und aufregende Reisen. Mit großer Disziplin
                       Aufsichtsratsvorsitzenden der Volksbank in Zeven betrachtete er anfäng-       und einer Menge Humor bändigt Dietrich Jeschke an einem übergroßen
                       lich als so eine Art von Nebentätigkeit, die sich quasi mit links erledigen   Lesegerät seine Lebenserinnerungen in Wort und Bild. Er ist inzwischen auf
                       ließ. Dass der Verband in Hannover ihn in die Pflicht nahm und ihm Ent-       ein Leben in den eigenen vier Wänden reduziert; denn wegen seiner zur
                       scheidungen aufbürdete nach denen er sich nicht gedrängt hatte, mach-         Blindheit führenden Sehschwäche kann er nicht mehr Auto fahren, keine
                       ten Jeschke schon zu schaffen. „Die Verantwortung schien mir zu hoch“,        Speisekarte im benachbarten Restaurant mehr lesen - und aufgrund sei-
                       gesteht er. Dass er die Verantwortung mit Bravour gemeistert hat, be-         ner Strahlentherapie - auch nicht mehr essen. „Mein Mann hat nie schlech-
                       scheinigten ihm die Gremien der Volksbank bei seinem Ausscheiden aus          te Laune, und das bringt uns schon sehr viel“, versichert Frau Jeschke.
                       dem Aufsichtsrat 1996. Der damals 65-jährige Kreishandwerksmeister
                       wurde mit Lob, Anerkennung und Urkunden bedacht.

                       >>      Dietrich Jeschke:
                               Ab und zu auch mal „kaiserlich einen gehoben“

                                                                                                                                                                                  155
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     >>                Vorstandsmitglieder seit 1926
                       1926 - 1964 Wilhelm Roose

                       1926 - 1933 Friedrich Lange

                       1926 - 1930 Walter Follstich

                       1930 - 1933 Karl Behre

                       1933 - 1934 Fritz Rathjen

                       1933 - 1961 Franz Nell

                       1938 - 1948 u. 1951 - 1964 Georg Freudenthal

                       1951 - 1959 Fritz Klotz

                       1951 - 1973 Fritz Schwiebert

                       1960 - 1963 Willi Ohmke

                       1963 - 1981 Karl Eikenberg

                       1964 - 1980 Heinz Niemeyer

                       1980 - 1987 Klaus Matthias

                       1981 - 1987 Gerhard Fitschen

                       1987 - Fusion mit Sittensen Werner Bruns

                       1987 - Fusion mit Sittensen Fritz Martens, ehrenamtlich

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      >>               Aufsichtsratsmitglieder seit 1926
                       1926 - 1949 Diedrich Müller, Zeven            Vors. 1926 - 1949   1952 - 1956 Hermann Kruse, Zeven

                       1926 - 1930 Justus Wischhusen, Zeven                              1952 - 1967 Heinrich Führing, Brüttendorf

                       1926 - 1931 Wilhelm Thies, Zeven                                  1952 - 1976 Hinrich Eckhoff, Oldendorf

                       1926 - 1937 Hinrich Hinck, Zeven                                  1956 - 1980 Willi Lange, Zeven

                       1926 - 1932 Harry Cordes, Zeven                                   1956 - 1957 Heinrich Ohm, Zeven

                       1926 - 1952 Willi Ficken, Zeven                                   1959 - 1976 Werner Hansen, Zeven

                       1931 - 1937 Heinrich Roose, Zeven                                 1964 - 1973 Dr. Rudolf Eickhoff, Zeven

                       1931 - 1932 Heinrich v.d. Misten, Zeven                           1964 - 1981 Fritz Busse, Zeven              Vors. 1968 - 1981

                       1932 - 1933 Franz Nell, Zeven                                     1968 - 2002 Werner Warncke, Tarmstedt

                       1932 - 1946 Diedrich Dohrmann,Badenstedt                          1968 - 1987 Fritz Martens, Brüttendorf

                       1934 - 1937 Hinrich Grotheer, Zeven                               1969 - 1974 Walter Tantzen, Bademühlen

                       1937 - 1954 Johann Martens, Brüttendorf                           1975 - 1984 Wilmar Rollfinke, Zeven

                       1937 - 1951 Friedrich Johannes, Zeven                             1976 - 1988 Heinz Borchers, Oldendorf

                       1937 - 1940 Joh. P. Heins, Oldendorf                              1976 - 1988 Walter Viebrock, Weertzen

                       1940 - 1952 Friedrich Fitschen, Oldendorf                         1977 - 1983 Hans Hastedt, Zeven

                       1946 - 1952 u. 1959 - 1964 Rudolf Alewelt, Badenstedt/Zeven       1980 - 1995 Dietrich Jeschke, Zeven         Vors. ab 1981

                       1951 - 1977 Heinrich Wichern, Zeven                               1981 - 2001 Heinz Surger, Zeven

                       1951 - 1968 Otto Lühmann, Zeven               Vors. 1959 - 1968   1983 - 1988 Gerhard Fitschen, Zeven

                       1951 - 1959 Fritz Schwiebert, Zeven           Vors. 1951 - 1959

                                                                                                                                                         157
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