Hamburg 2020 - Chancen nutzen, Zukunft gestalten
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Hamburg 2020 –
Chancen nutzen,
Zukunft gestalten
Entwicklungsperspektiven
der Metropolregion
Hamburg im VergleichHamburg 2020 –
Chancen nutzen,
Zukunft gestalten
Entwicklungsperspektiven
der Metropolregion
Hamburg im VergleichHamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten Herausgegeben von PwC in Kooperation mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Von Andreas Borcherding (PwC), Tatjana Hansen (PwC), Nora Reich (HWWI), Silvia Stiller (HWWI) und Ulrich Zierahn (HWWI) Februar 2012, 88 Seiten, 27 Abbildungen, 11 Tabellen, Softcover Die Ergebnisse der Studie und Expertenbeiträge sind als Hinweis für unsere Mandanten bestimmt. Für die Lösung einschlägiger Probleme greifen Sie bitte auf die angegebenen Quellen und die Unterstützung der in dieser Publikation genannten Ansprechpartner zurück. Meinungsbeiträge geben die Auffassung der Autoren wieder. © Februar 2012 PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten. „PwC“ bezeichnet in diesem Dokument die PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine Mitgliedsgesellschaft der PricewaterhouseCoopers International Limited (PwCIL) ist. Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.
Vorwort
Vorwort
„Hamburg 2020 - Chancen nutzen, Zukunft gestalten“ verbindet die Szenarien
der zukünftigen Entwicklung der Metropolregion Hamburg konkret mit den
Handlungsspielräumen von Politik und Wirtschaft. Bereits 2011 hatte unsere
bundesweite Studie „Deutschland 2020“ zur Entwicklung der Erwerbstätigen
große öffentliche Aufmerksamkeit in Hamburg erregt. In vielen Gesprächen wollte
man mehr von uns über die Situation in Hamburg und das Umland wissen. Zentral
war dabei immer die Frage: Wie können wir in der Metropolregion Hamburg
noch besser werden? Deshalb haben wir uns entschlossen, uns Ausgangsbasis
und Entwicklungspotentiale der Metropolregion Hamburg noch einmal im Detail
anzusehen und haben diese Studie in bewährter Zusammenarbeit zwischen dem
HWWI und PwC erstellt.
Als führende Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft haben wir selbst ein
starkes Interesse an einer positiven Entwicklung der Metropolregion. Hamburg liegt
uns am Herzen, und wir möchten mit der Studie unseren Beitrag dazu leisten, dass
Hamburg auch in Zukunft Spitze ist.
Die vorliegende Studie stellt zunächst die Ist-Situation dar. In verschiedenen
Szenarien prognostizieren wir die Erwerbstätigenentwicklung und geben konkrete
Handlungsempfehlungen dazu, wie die Potentiale der Metropolregion Hamburg
gehoben und realisiert werden können. Das Wachstumsszenario zeigt dabei die
Möglichkeit eines beeindruckenden zusätzlichen Wachstums der Erwerbstätigen in
der Region. Gelingt es, den Anteil Hochqualifizierter weiter zu steigern, dann kann
das gute Wachstum bis 2020 um bis zu 28 Prozent zusätzlich gesteigert werden.
Wie dies zu erreichen ist, stellen wir in einer Reihe von Handlungsoptionen für
Politik und Wirtschaft dar und verstehen diese Punkte als unseren Beitrag zu einer
Diskussion um den besten Weg der Metropolregion Hamburg in eine weiterhin
erfolgreiche Zukunft.
Wir sind davon überzeugt, dass unsere Studie wichtige Impulse liefern kann und
freuen uns auf eine anregende Diskussionen mit Ihnen!
Ihr
Andreas Borcherding
PricewaterhouseCoopers AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 5Vorwort
Hamburg wird als die „schönste Stadt der Welt“ bezeichnet. Warum?
Hamburgerinnen und Hamburger erleben täglich die besonderen Stärken
ihrer Stadt: hohe Lebensqualität und eine dynamische Wirtschaft. Das sind
entscheidende Faktoren dafür, dass die Bevölkerung Hamburgs stetig wächst und
die Stadt sich zu einer internationalen Dienstleistungsmetropole entwickelt hat.
Davon profitiert die ganze Metropolregion Hamburg. Aber auch die Hansestadt
wäre bei Weitem nicht so erfolgreich ohne ihr vielfältiges Umland. Können
deswegen die Hamburger Politik und Wirtschaft gelassen in die Zukunft blicken
und auf neue Impulse für die Metropolenentwicklung verzichten? Nein! Das können
sie nicht!
Aus diesem Grund legen das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und
die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC als Fortsetzung der
bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit die neue Studie „Hamburg 2020 –
Chancen nutzen, Zukunft gestalten“ vor. Wir zeigen in der Studie auf, was die
Metropolregion Hamburg anderen Metropolregionen voraus und wo die Stadt einen
Nachholbedarf hat. Besonderes Augenmerk gilt der Demografie, der Erwerbs
tätigkeit, der Forschung und Entwicklung sowie qualifiziertem Nachwuchs. Unsere
Ergebnisse münden in konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und
Wirtschaft. Sie sollen mithelfen, die Attraktivität der Metropolregion Hamburg
weiter zu stärken.
Ich wünsche Ihnen eine interessante und lehrreiche Lektüre!
Ihr
Thomas Straubhaar
Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH
6 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenInhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Vorwort.................................................................................................................... 5
Abbildungsverzeichnis............................................................................................. 8
Tabellenverzeichnis................................................................................................10
A Hamburg im Vergleich....................................................................................11
B Hintergrund...................................................................................................17
1 Ökonomische Bedeutung von Metropolregionen............................................17
2 Die Wissenswirtschaft setzt Impulse für Metropolenwachstum......................19
C Die ökonomische Dynamik der Metropolregion Hamburg
im interregionalen Vergleich......................................................................... 25
1 Ökonomische Eckdaten................................................................................. 25
2 Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigkeit................................................... 26
3 Produktivität und Sektorstruktur.................................................................. 29
4 Rolle wissensintensiver Sektoren....................................................................31
D Spezialisierungsvorteile der Metropolregion Hamburg................................. 34
1 Wirtschaftsstruktur....................................................................................... 34
2 Funktionale Arbeitsteilung in der Metropolregion......................................... 38
E Arbeitskräfte der Zukunft – Hamburgs Position im Standortvergleich............45
1 Die steigende Bedeutung qualifizierter Arbeitskräfte für
die regionale Entwicklung..............................................................................45
2 Demografische Trends................................................................................... 46
3 Strukturelle Merkmale der Erwerbstätigkeit..................................................49
4 Zentrale Bildungsindikatoren im Vergleich.................................................... 56
5 Die Rolle von Forschung und Entwicklung......................................................59
F Szenarien zur Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen in
der Metropolregion Hamburg bis zum Jahr 2020........................................... 62
1 Dynamik der Metropolregionen im Basisszenario.......................................... 62
2 Wachstums- versus Polarisierungsszenario................................................... 66
3 Suburbanisierung.......................................................................................... 68
G Zentrale standortpolitische Handlungsfelder.................................................70
1 Förderung von Forschung und Entwicklung...................................................70
2 Sicherung von Fachkräften: Potenziale heben und Zuwanderer anziehen..... 71
3 Nutzung der Vorteile funktionaler Arbeitsteilung...........................................74
4 Ausbau der Informationsbasis.........................................................................75
Literaturverzeichnis................................................................................................76
Anhänge................................................................................................................ 80
Ihre Ansprechpartner............................................................................................. 86
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 7Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Betrachtete Metropolregionen............................................................... 20
Abb. 2a Beschäftigte in Finanzierung, Vermietung und
Unternehmensdienstleister 2010............................................................21
Abb. 2b Beschäftigte im Sektor Industrie 2010................................................... 22
Abb. 3 Wachstum der Bruttowertschöpfung zwischen 2000 und 2008..............27
Abb. 4 Wachstum der Erwerbstätigkeit zwischen 2000 und 2008..................... 28
Abb. 5 Wachstum der Produktivität zwischen 2000 und 2008.......................... 29
Abb. 6 Produktivität 2008................................................................................. 33
Abb. 7 Anteil des produzierenden Gewerbes an der regionalen
Bruttowertschöpfung 2008.....................................................................35
Abb. 8 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in wissensintensiven
Industrien 2010...................................................................................... 36
Abb. 9 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in
wissensintensiven Dienstleistungen 2010.............................................. 38
Abb. 10 Anteil regional sozialversicherungspflichtig Beschäftigter an den
bundesweit Beschäftigten in wissensintensiven Industrien 2010........... 40
Abb. 11 Anteile der Metropolregionen an den bundesweit
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten
wissensintensiven Dienstleistungsbranchen 2010 (Teil 1)......................41
Abb. 12 Anteile der Metropolregionen an den bundesweit
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten
wissensintensiven Dienstleistungsbranchen 2010 (Teil 2)......................42
Abb. 13 Anteile der Metropolregionen an den bundesweit
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten
wissensintensiven Dienstleistungsbranchen 2010 (Teil 3)..................... 43
Abb. 14 Bevölkerungsprognosen für die Metropolregionen
2010 bis 2020..........................................................................................47
Abb. 15 Wanderungssaldo der Kreise der Metropolregionen
2001 bis 2009........................................................................................ 48
Abb. 16 Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamt-
bevölkerung in den größten Städten der Metropolregionen 2009...........49
Abb. 17 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach
Altersgruppen 2009................................................................................51
8 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenAbbildungsverzeichnis
Abb. 18 Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
an der Bevölkerung 2009........................................................................52
Abb. 19 Durchschnittliche jährliche Nettomigrationsrate nach
Qualifikation 2000 bis 2007.................................................................. 54
Abb. 20 Pendlerzahlen 2010................................................................................55
Abb. 21 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
nach Bildungsabschluss 2010................................................................. 56
Abb. 22 Schulabgänger nach Schulabschluss 2009..............................................57
Abb. 23 Wachstum der Angestelltenzahl in ausgewählten Berufen
wissensintensiver Dienstleistungen und Industrien in der
Metropolregion Hamburg 2000 bis 2010.................................................61
Abb. 24 Entwicklung der Erwerbstätigenzahl in den Metropolregionen............. 65
Abb. 25 Jährliche Wachstumsrate der Erwerbstätigenzahl
in der Metropolregion Hamburg............................................................ 66
Abb. 26 Anstieg der Erwerbstätigenzahl von 2008 bis 2020.................................67
Abb. 27 Wachstumsrate der Erwerbstätigkeit in den Kreisen der
Metropolregionen 2008 bis 2020 (Basisszenario).................................. 69
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 9Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tab. 1 Platzierung der Metropolregionen im direkten
Vergleich der ökonomischen Rahmendaten............................................11
Tab. 2 Platzierung der Metropolregionen im direkten
Vergleich der demographischen Daten....................................................12
Tab. 3 Platzierung der Metropolregionen im direkten
Vergleich der Daten zur Erwerbstätigkeit................................................13
Tab. 4 Platzierung der Metropolregionen im direkten
Vergleich der Daten zu Forschung und Entwicklung...............................14
Tab. 5 Platzierung der Metropolregionen im direkten
Vergleich der Daten zu Bildung und Ausbildung......................................15
Tab. 6 Metropolregionen – Funktionen und abgeleitete Merkmale....................18
Tab. 7 Eckdaten von Metropolregionen in Deutschland1.................................. 25
Tab. 8 Demografische Eckdaten der Metropolregionen.................................... 46
Tab. 9 Eckdaten zur Erwerbstätigkeit und Beschäftigung
in den Metropolregionen....................................................................... 50
Tab. 10 Eckdaten zu Ausbildungsplätzen, Universitäten und
Forschungseinrichtungen in den Metropolregionen............................... 58
Tab. 11 Eckdaten zu Beschäftigung und Ausgaben in Forschung
und Entwicklung in den Metropolregionen............................................ 60
10 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHamburg im Vergleich
A Hamburg im Vergleich
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Hamburgs liegt nur im Mittelfeld
Die Metropolregion Hamburg, von Cuxhaven bis Lauenburg und Dithmarschen bis Hamburg kann mehr!
Uelzen, ist eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen Deutschlands. Das „Tor zur
Welt“ hat dabei deutlich mehr zu bieten als Transport- und Logistikdienstleistungen
rund um den Globus. Im Großraum Hamburg sind hochspezialisierte Industrie
unternehmen ebenso zuhause wie verschiedenste Zukunftstechnologien und
innovative Dienstleister. Dennoch gilt Hamburg nicht als die Boomregion
Deutschlands. Andere Großräume, allen voran München, entwickeln sich noch
deutlich dynamischer. Woran liegt das? Und was kann Hamburg tun, um noch
besser zu werden und auch in Zukunft den Anschluss an die Spitze nicht zu
verlieren?
Unsere gemeinsam mit dem HWWI erstellte Studie zeigt: Im Vergleich zur Hamburg ist auf einem guten Weg, kann
prognostizierten Entwicklung im Bund und in den anderen Metropolregionen aber noch besser werden
Deutschlands entwickelt sich der Großraum Hamburg bis 2020 wenig dynamisch;
lediglich Berlin-Brandenburg schneidet schlechter ab. Gelingt es aber, die
Attraktivität der Metropolregion Hamburg für hochqualifizierte Arbeitskräfte
weiter zu erhöhen, kann der Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Region um bis zu
28 Prozent gesteigert werden. Hamburg würde dann den Anschluss an die rasante
Entwicklung in den Metropolen München, Stuttgart, Rhein-Ruhr und Rhein-Main
nicht verlieren und könnte sich im Vergleich zu den anderen Wachstumsregionen
Deutschlands verbessern.
Tab. 1 Platzierung der Metropolregionen im direkten Vergleich der ökonomischen Rahmendaten
Berlin- Frankfurt/
Ökonomische Rahmendaten Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart
+ BIP/Kopf 4 6 2 1 5 3
+ BIP-Wachstum 5 6 3 1 4 2
+ Produktivität (BIP pro Arbeitsplatz) 3 6 2 1 5 4
+ Wachstum Erwerbstätigenzahl 2 6 4 1 5 3
+ Anteil wissensintensiver Industrien 1 5 6 2 4 3
+ Anteil wissensintensiver Dienstleistungen 5 6 2 1 4 3
Hinweis: + = je höher, desto besser; – = je niedriger, desto besser.
Die klassischen Indikatoren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zeigen: Die
Region Hamburg liegt im Metropolen-Vergleich nur im Mittelfeld. Obwohl der
Anteil wissensintensiver Industrien und auch das Wachstum der Erwerbstätigen
in Hamburg Spitze sind, erreichen sowohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als
auch die Produktivität in Hamburg aktuell nur einen Platz im hinteren Mittelfeld.
Die zukünftige Entwicklung des Großraums Hamburg hängt vor allem davon
ab, dass in den Bereichen Demographie, Arbeitskräfte, Standortattraktivität und
Bildung die Voraussetzungen für Wachstum und Wohlstand nachhaltig gestärkt
werden. Insbesondere die Zahl der Arbeitsplätze für Hochqualifizierte, das zeigt
unsere Studie eindrucksvoll, hat einen enormen Einfluss auf die Dynamik der
wirtschaftlichen Entwicklung einer Region. Der Strukturwandel von einer vor
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 11Hamburg im Vergleich
allem auf industrieller Produktion basierenden hin zu einer Dienstleistungs
wirtschaft wird auch in Hamburg weitergehen. Die Chance liegt in der Gestaltung
dieses Wandels. Im jüngsten Wirtschaftsaufschwung sind in Hamburg zwar viele
Arbeitsplätze entstanden, jedoch vor allem in den Wirtschaftszweigen mit relativ
geringer Wertschöpfung. Um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten und
das BIP pro Kopf zu steigern, muss Hamburg den Anteil wissensintensiver Dienst
leistungen an der Wirtschaftsleistung deutlich steigern. Vor allem forschungsnahe
Dienstleistungen bieten sich für Hamburg an. Denn in den Bereichen Medizin-
und Biotechnologie, im Ingenieurswesen ebenso wie in Medien, Informations
technologie und Beratung kann die Metropolregion Hamburg auf einer guten
Grundlage aufbauen. Erste Schritte in die richtige Richtung sind bereits getan. Eine
intelligente Clusterpolitik z. B. für die Cluster Lifescience, IT & Medien und Neue
Energien, eine nachhaltigere und effizientere Förderung über eine Investitionsbank
in Verbindung mit Exzellenzinitiativen und Investitionen in Schulen und
Hochschulen können die Wachstumspotentiale der Metropolregion Hamburg
entfalten.
Hamburg ist attraktiv und wächst
Damit hat die Metropolregion Hamburg die Weichen für das Wachstum der
Wissenswirtschaft gestellt. Nun gilt es, die bereits erzielten Erfolge in eine
dynamische Entwicklung umzusetzen. Dazu müssen geeignete politische
Maßnahmen die vorhandenen Potentiale in den Handlungsfeldern Demographie,
Arbeitskräfte, Standortattraktivität und Bildung entfalten helfen.
Tab. 2 Platzierung der Metropolregionen im direkten Vergleich der demographischen Daten
Berlin- Frankfurt/
Demographische Daten Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart
+ Bevölkerungswachstum 2 5 4 1 6 3
+ Anteil unter 20 Jahren 4 6 3 2 5 1
– Anteil 65 + Jahre 4 5 2 1 6 2
+ Nettoimigrationsrate Hochqualifizierter1 2 3 5 1 4 6
+ Wanderungssaldo 2 6 3 1 4 5
+ Pendlersaldo 1
1 6 1 3 5 4
1
nur Städte; Werte für die Landkreise nicht berücksichtigt
Hinweis: + = je höher, desto besser; – = je niedriger, desto besser.
Der Vergleich der Metropolregionen zeigt deutlich, dass Top-Kennzahlen im Bereich
der Demographie stark mit sehr guten ökonomischen Daten korrelieren. Um die
Wachstumschancen auch in tatsächliches Wachstum umsetzen zu können, müssen
ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Im Zuge des demografischen
Wandels stehen die Regionen im Wettbewerb um begehrte und knapper werdende
Arbeits- und Fachkräfte. Vor allem der Binnenwanderung kommt dabei eine
große Bedeutung zu. Wenn Hamburg seine Wachstumspotentiale ausschöpfen
möchte, ist eine intelligente Zuwanderungspolitik notwendig. Schon heute steht
Hamburg auf diesem Handlungsfeld gut da: Platz zwei bei der Nettomigrationsrate
Hochqualifizierter und beim Wanderungssaldo. Hamburg ist also attraktiv für die
Zuwanderung – insbesondere auch Hochqualifizierter.
12 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHamburg im Vergleich
Das Wachstum der Bevölkerung in Hamburg hat einen weiteren positiven Effekt:
die Einnahmen steigen, denn die Steuereinnahmen werden relativ höher liegen.
So vergrößert sich auch der Handlungs- und Gestaltungsspielraum der Metropol
region.
Im Vergleich zu den dynamischen Metropolregionen München und Stuttgart
zeigt sich, dass in Hamburg die unter 20-Jährigen relativ geringer und die
über 65-Jährigen relativ stärker vertreten sind. Die Unterschiede zwischen den
Metropolregionen sind dabei allerdings nicht all zu groß. Dennoch muss die
Metropolregion Hamburg auf die Alterung der Bevölkerung reagieren und für
jüngere Menschen attraktiver werden sowie die Zuwanderung von Familien
fördern.
Die Handelskammer Hamburg hat in ihrer Initiative „Hamburg 2030“ eine Reihe
von Ideen vorgestellt, wie Hamburg seine Attraktivität für junge Familien steigern
kann. Neben Bildung und Beruf sind auch die Versorgung mit Kindergartenplätzen
und Ganztagsschulen entscheidende Standortvorteile im Wettbewerb um junge
Hochqualifizierte mit Kindern. Aber auch kulturelle Angebote und Leuchtturm
projekte als wirtschaftliche Impulsgeber sind notwendig, um Hamburg von den
anderen Metropolregionen abzusetzen. Hamburg hat mit der Entwicklung der
Hafen-City, dem größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt Europas und
dem Bau der Elbphilharmonie ein entsprechendes Projekt gestartet. Die in Hamburg
begonnenen Maßnahmen werden auf die gesamte Metropolregion ausstrahlen.
Darüber hinaus sind aber auch die anderen Städte und Gemeinden im Großraum
dazu aufgefordert, dem Beispiel Hamburgs zu folgen und zielgerichtete Initiativen
zu starten.
Jobs schaffen – vor allem für Hochqualifizierte
Hamburg hat es in den vergangenen Jahren geschafft zu einer Musical-Stadt von
internationalem Rang zu werden und so bedeutende Impulse zu setzen. Auf dem
Erreichten kann sich Hamburg allerdings nicht ausruhen, sondern muss weiterhin
intelligente Wege und Partnerschaften finden, um im Wettkampf um die Talente
von morgen attraktiv zu bleiben. Dazu kann es auch beitragen, internationale
Kongresse und Messen vermehrt nach Hamburg zu holen und die Stadt und ihre
Wirtschaft so gezielt auf neue Technologien und Zukunftsmärkte auszurichten.
Auch die Bewerbung um die nächsten Olympischen Spiele in Europa kann wichtige
Impulse in der Region freisetzen. Die Entwicklung von Barcelona hat gezeigt,
welche positiven Effekte für eine Stadt daraus entstehen können.
Tab. 3 Platzierung der Metropolregionen im direkten Vergleich der Daten zur Erwerbstätigkeit
Berlin- Frankfurt/
Entwicklung Erwerbstätige Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart
+ Erwerbsquote Männer 4 5 3 6 2 1
+ Erwerbsquote Frauen 2 1 4 5 6 2
– Arbeitslosenquote 4 6 3 1 5 2
+ Anteil beschäftigter Ausländer an
5 6 3 2 4 1
erwerbsfähigen Ausländern
– Teilzeitquote Männer 5 6 2 2 2 1
– Teilzeitquote Frauen 4 1 4 2 3 4
+ Ausbildungsplätze/100 Bewerber 4 6 3 1 5 2
Hinweis: + = je höher, desto besser; – = je niedriger, desto besser.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 13Hamburg im Vergleich
Ein genauer Blick auf die Struktur der Erwerbstätigkeit in den Metropolregionen
Deutschlands zeigt, der Großraum Hamburg steht zwar gut da, wenn es um die
Beschäftigung von Frauen geht, insgesamt aber müssen eine ganze Reihe von
Problemen angepackt und gelöst werden. Vor allem der Großraum Stuttgart kann
als Vorbild dienen.
Hamburg muss daran arbeiten, die Arbeitslosenquote zu senken. Es müssen also
neue Arbeitsplätze geschaffen werden und die vorhandenen Arbeitskräfte besser
vermittelt werden. Andere Regionen gehen mit gutem Beispiel voran und bieten in
den Job-Centern nicht nur die Vermittlung von Arbeitsplätzen an, sondern ebenso
auch die Vermittlung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Die Erwerbstätigkeit
könnte durch die zusätzliche Vermittlung von Pflegekräften weiter positiv
beeinflusst werden. Dies könnte insbesondere in Hamburg, der Anteil der in Teilzeit
beschäftigten Mütter ist mit zwei Dritteln höher als bei erwerbstätigen Männern
oder kinderlosen Frauen, bisher ungenutzte Potentiale heben helfen. Denn für mehr
als die Hälfte dieser Mütter sind Betreuungsnotwendigkeiten der Hauptgrund für
ihre Teilzeittätigkeit.
Hamburg muss zu einem Zentrum für Forschung und
Entwicklung werden
Hamburg weist hohe Teilzeitquoten auf. Zwar ist die Beschäftigung in Teilzeit
häufig aus familiären Gründen selbst gewählt. Allerdings sind die Karriere
aussichten und die Entlohnung, selbst pro Stunde, meist schlechter als in Vollzeit
stellen. Die hohen Teilzeitquoten sind daher zum Teil ein Indiz dafür, dass zu
viele Arbeitsplätze in Hamburg im Niedriglohnbereich liegen, also vor allem
Geringqualifizierte beschäftigt werden und somit auch eine vergleichsweise
geringe Wertschöpfung erzielt wird. In dieses Bild passt der niedrige Anteil
der beschäftigten Ausländer. Durch eine bessere Ausbildung und eine gezielte
Zuwanderung kann hier gegengesteuert werden. Dazu wird ein gezieltes
Monitoring der vorhandenen und benötigten Fachkräfte, wie es etwa die IHKs
in Süddeutschland bereits leisten, notwendig sein. Erste Maßnahmen wie das
Hamburger Welcome Center mit allen relevanten Ansprechpartnern unter einem
Dach gehen in die richtige Richtung. Aber noch immer gibt es hohe bürokratische
Hürden bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen und Abschlüsse. Der
Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht in einzelnen Angeboten und Maßnahmen,
sondern in einem abgestimmten, übergreifenden und pragmatischen Betreuungs
angebot.
Tab. 4 Platzierung der Metropolregionen im direkten Vergleich der Daten zu Forschung und Entwicklung
Berlin- Frankfurt/
Forschung und Entwicklung Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart
+ F&E Beschäftigte je 1000 Erwerbstätige 5 6 3 2 4 1
+ Entwicklung F&E Beschäftigte 2 6 3 5 4 1
+ unternehmensinterne F&E Ausgaben
5 6 3 2 4 1
je 1000 Erwerbstätige
+ Entwicklung F&E Ausgaben
2 6 4 5 3 1
Unternehmen
Hinweis: + = je höher, desto besser; – = je niedriger, desto besser.
Hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind ein Indikator für bereits heute
bestehende wissensintensive Industrien und Dienstleistungen. Ohne diese in die
Zukunft gerichteten Investitionen ist eine positive Entwicklung nicht vorstellbar.
Innovationen sind unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.
14 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHamburg im Vergleich
Hamburg liegt im Metropolenvergleich bei den Ausgaben für Forschung und
Entwicklung abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Im Gegensatz zu Berlin
sind in der Hansestadt und ihrem Umland aber die Zeichen der Zeit erkannt und
die Weichen auf Wachstum gestellt worden: Hamburg weist nach Stuttgart die
zweithöchsten Zuwachsraten sowohl bei den Beschäftigten in Forschung und
Entwicklung als auch bei den unternehmensinternen Ausgaben in diesen Bereich
je 1000 Erwerbstätigen aus. Selbstverständlich wachsen die Investitionen dabei in
Hamburg von einem sehr viel niedrigeren Niveau aus. Werden die Investitionen in
Forschung und Entwicklung auch in den nächsten Jahren nachhaltig gesteigert,
kann Hamburg im Vergleich der Metropolen an Boden gewinnen und noch
attraktiver werden.
Exzellenz in Forschung und Lehre notwendig
Nur vordergründig sind diese Anstrengungen eine reine Aufgabe der Unternehmen.
Eine aktive Cluster- und Bildungspolitik, die auf eine bessere Vernetzung von
Universität und Unternehmen hinwirkt, kann weitere Investitionen anziehen, die
kritische Masse erhöhen und den Innovationsprozess beschleunigen. Gemeinsame
Forschungsaktivitäten staatlicher Forschungseinrichtungen und Unternehmen
sowie universitätsnahe Forschungszentren können politisch gefördert werden. Eine
moderne Investitionsbank, die das nötige Kapital für die Verwirklichung zukunfts
weisender Ideen bereitstellt, und zeitgemäße Förderprogramme, deren Mittel im
Erfolgsfall zurückgezahlt werden müssen, können wesentliche Impulse für eine
nachhaltige Entwicklung geben.
Tab. 5 Platzierung der Metropolregionen im direkten Vergleich der Daten zu Bildung und Ausbildung
Berlin- Frankfurt/
Bildung Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart
+ Anzahl Hochschulen 6 2 3 5 1 4
+ Exzellenzinitiative, Anz. Förderungs
6 1 3 2 4 5
zusagen in Runden 1 u. 2
+ Lehrende/1000 Stunden 4 2 3 1 6 5
+ Studierende/1000 Einwohner 4 1 6 3 2 5
+ Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
6 3 2 1 5 4
mit Hochschulabschluss
– Schulabgänger ohne Hauptschul
5 6 3 2 4 1
abschluss
Hinweis: + = je höher, desto besser; – = je niedriger, desto besser.
Der Blick auf die Hochschullandschaft in Hamburg zeigt im Metropolenvergleich
signifikante Schwächen. Auf diesem wichtigen Gestaltungsfeld der Landes
politik ist nicht die Anzahl der Hochschulen entscheidend, sondern vor allem die
Qualität von Forschung und Lehre in den höchsten Bildungsanstalten. Weder
bei der Anzahl der Studierenden pro Einwohner, noch im Betreuungsverhältnis
in den Hochschulen, noch bei der Zahl der Exzellenzzentren landet Hamburg
in der Spitzengruppe. Hinzu kommt, dass Hamburg im Vergleich die wenigsten
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Akademiker und – am anderen
Ende der Bildungsbandbreite – nach Berlin die meisten Schulabgänger ohne
Hauptschulabschluss hat. In Sachen Bildung gibt es also viel zu tun.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 15Hamburg im Vergleich
Das Beispiel Berlin, das insbesondere im Bereich der Hochschulen Spitzenwerte
vorweisen kann, zeigt deutlich, alleine die Ausbildung von Hochschulabgängern
bedeutet nicht zwangsläufig auch ökonomischen Erfolg. Nur wenn der Hochschul
ort attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten für die Hochqualifizierten in
ausreichender Zahl bietet und darüber hinaus als lebenswert und attraktiv
empfunden wird, können die Investitionen in die Ausbildung auch in der Region
selbst in wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand umgemünzt werden. In einem
sich verstärkenden Wettbewerb um die besten Fachk räfte könnte es jedoch fatal
sein, auch zukünftig so stark auf die Attraktivität der Hansestadt zu setzen und gut
ausgebildete Erwerbstätige aus anderen Regionen anzulocken. Ebenso wird man
sich eine hohe Zahl an Schulabgängern ohne Abschluss nicht mehr leisten können.
Die vorhandenen Arbeitskräftepotentiale müssen besser ausgeschöpft werden.
Für Hamburg wird es schwer, die Hochschulen kurz- bis mittelfristig auf
ein entsprechend höheres Niveau zu heben. Investitionen – wenn die Mittel
vorhanden wären – und Strukturveränderungen benötigen viel Zeit, bis sie ihre
Wirkung zeigen. Langfristig muss es das Ziel der Metropolregion Hamburg sein,
mit anderen Städten und Spitzenuniversitäten gleichzuziehen. So wächst nicht
nur die Attraktivität der Region für Hochqualifizierte weiter, sondern auch die
Voraussetzungen für Innovationen und damit neue Wachstumsmöglichkeiten
verbessern sich. Eine erfolgversprechende Strategie für Hamburg könnte sein, zu
jedem der bereits existierenden Cluster zumindest einen entsprechenden Lehrstuhl
von internationaler Bedeutung in Hamburg zu entwickeln und diesen eng an das
jeweilige Cluster und die dort tätigen Unternehmen anzubinden.
16 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHintergrund
B Hintergrund
Weltweit stehen Wirtschaftsräume in einem sich verschärfenden
Standortwettbewerb, in den auch die Metropolregion Hamburg
eingebunden ist. Entscheidend dafür, welche Metropolregionen
in Deutschland zukünftig die Nase vorn haben werden, ist ihre
Attraktivität als Standort für Unternehmen der Wissenswirtschaft.
Für welche generellen Herausforderungen hat sich die Metropolregion
Hamburg hierbei zu wappnen?
1 Ökonomische Bedeutung von Metropolregionen
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Standortwettbewerb zwischen Metropolregionen sind Wachstums
einzelnen Regionen verschärft, unter anderem aufgrund des Abbaus von Grenz- motoren
und Mobilitätshemmnissen sowie der fortschreitenden europäischen Integration.
Dies trifft auf Metropolregionen zu, die wegen ihrer vielfältigen Strukturen
intensiv in das globale Wirtschaftsgeschehen eingebunden sind. Gleichzeitig
ist der ökonomische Erfolg von Wirtschaftsräumen, die über die Ausdehnung
einzelner Städte hinausgehen, zunehmend bedeutsam für die Wettbewerbsfähigkeit
ganzer Volkswirtschaften. So hat die deutsche Ministerkonferenz für
Raumordnung (MKRO) mit ihrem Beschluss zum Raumordnungspolitischen
Handlungsrahmen 1995 die Bedeutung der Metropolregionen in Deutschland
unterstrichen: „Als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Entwicklung sollen sie die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit
Deutschlands und Europas erhalten“.1 Auch in Deutschland konzentriert sich das
Wirtschaftsgeschehen zunehmend auf die großen Städte und die sie umgebenden
Regionen.2
Die Abgrenzung von Metropolen gegenüber anderen Räumen in der Metropolregion
ergibt sich unter anderem aus den Funktionen, die sie bereitstellen. Dazu zählen
Entscheidungs- und Kontrollfunktionen, Innovations- und Wettbewerbsfunktionen
sowie Gateway-Funktionen (vgl. Tabelle 1). Diese Funktionen stehen nicht nur
der Metropole selbst, sondern auch deren Umland zur Verfügung. Dadurch
ergibt sich eine enge Verflechtung der Metropole mit ihrem Umland. Um ihre
Metropolfunktionen für die regionale Wirtschaft bereitzustellen, ist die Metropole
auf Arbeitsteilung in der Region angewiesen.3
1
Vgl. MKRO in Blotevogel, 2002, S. 345.
2
Vgl. BBSR, 2011.
3
Vgl. Küpper, 2008.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 17Hintergrund
Tab. 6 Metropolregionen – Funktionen und abgeleitete Merkmale
Entscheidungs- und Kontrollfunktion
Privatwirtschaft Unternehmenszentralen großer nationaler und transnationaler Unternehmen, Finanz
wesen: Banken, Börse usw., breites Spektrum hoch spezialisierter Dienstleister
Staat Regierung
sonstige Organisationen supranationale Organisationen (EU, UN), internationale NGOs
Innovations- und Wettbewerbsfunktion
wirtschaftlich-technische Innovationen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Universitäten, wissensintensive
Dienstleister
soziale und kulturelle Innovationen kulturelle Einrichtungen (Theater, Museen, Großveranstaltungen usw.), Orte sozialer
Kommunikation (Gaststätten, Sport usw.)
Gateway-Funktion
Zugang zu Menschen Fernverkehrsknoten, insbesondere Luftverkehr, ICE-Knoten und Autobahnknoten
Zugang zu Wissen Medien (Fernsehen, Printmedien usw.), Kongresse, Bibliotheken, Internetserver
Zugang zu Märkten Messen, Ausstellungen
Quellen: Blotevogel, 2002, S. 346; HWWI.
Zu den Metropolregionen in Deutschland zählt auch die Hansestadt Hamburg
gemeinsam mit 14 Kreisen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen
(Dithmarschen, Herzogtum Lauenburg, Pinneberg, Segeberg, Steinburg, Stormarn,
Cuxhaven, Harburg, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Rotenburg, Heidekreis,
Stade, Uelzen) sowie dem Kreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern als
Partnerkreis. Derzeit ist eine Erweiterung der Metropolregion Hamburg geplant,
nach der der bisherige Partnerkreis Ludwigslust offiziell Teil der Metropolregion
würde und zudem die Metropolregion um die Städte Neumünster und Lübeck sowie
die Kreise Ostholstein und Nordwestmecklenburg erweitert würde. Dies könnte
bereits im Jahr 2012 der Fall sein.4
Metropolregionen im Standort Ebenso wie andere Regionen steht die Metropolregion Hamburg permanent vor
wettbewerb der Herausforderung, sich im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsräumen um
mobile Produktionsfaktoren zu behaupten. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die
ökonomische Entwicklung in Deutschland vielerorts von einem wissensbasierten
Strukturwandel geprägt ist, der sich auch zukünftig fortsetzen wird und in
dessen Verlauf die Bedeutung von wissensintensiven Wirtschaftszweigen für den
ökonomischen Erfolg zunimmt.5 Die wissensintensiven Zweige der Industrie sind
die wichtigsten Lieferanten von Technologien und umfassen alle Bereiche, in denen
überdurchschnittlich wissensintensive Güter produziert werden. Wissensintensive
Dienstleistungen werden unter anderem anhand des Einsatzes von Akademikern
sowie den Aufwendungen für bzw. dem Personal in Forschung und Entwicklung
klassifiziert.6
4
Vgl. o. V., 2011.
5
Siehe die Anhänge A 1 und A 2, die eine Übersicht wissensintensiver Wirtschaftszweige geben. In
dieser Studie wird auf die Klassifikation wissensintensiver Wirtschaftszweige von Gehrke et al., 2010,
zurückgegriffen.
6
Vgl. Gehrke et al., 2010.
18 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHintergrund
In der vorliegenden Studie wird die Metropolregion Hamburg den fünf Wissenswirtschaft konzentriert sich in
bevölkerungsreichsten Metropolregionen in Deutschland – Berlin-Brandenburg, Großstädten
Frankfurt/Rhein-Main, München7, Rhein-Ruhr und Stuttgart – gegenübergestellt
(vgl. Abbildung 1), um Standortstärken und -schwächen der Metropolregion
Hamburg zu identifizieren und darauf basierend standortpolitische Handlungs
empfehlungen zu entwickeln.8 Damit werden die sechs größten deutschen
Metropolregionen europäischen Maßstabs verglichen.9 Im Hinblick auf die Analyse
der Standortpotenziale der Wissenswirtschaft ist die Betrachtung von verdichteten
und urbanen Regionen von besonderem Interesse, weil sich wissensintensive
Arbeitsplätze in größeren Städten und ihrem Umland konzentrieren.10
2 Die Wissenswirtschaft setzt Impulse für
Metropolenwachstum
Im Zuge des wissensbasierten Strukturwandels wächst der Anteil der Arbeitsplätze
im Dienstleistungssektor, was die Bedeutung von Städten für das Wirtschafts
wachstum stärkt. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vergleich der
räumlichen Verteilung der Industrie- und Dienstleistungsarbeitsplätze. Industrie
arbeitsplätze sind gleichmäßiger im Raum verteilt als beispielsweise Arbeitsplätze
im Sektor Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister (vgl.
Abbildung 2a und 2b).
7
Der Landkreis Erding ist nicht Teil der Metropolregion München, obwohl er von der Metropolregion
München umschlossen wird (vgl. Abbildung 2). Die Entwicklung der Bruttowertschöpfung und der
Erwerbstätigkeit im Landkreis Erding verlief im Analysezeitraum besser als in der Stadt München.
Insofern würden sich die Ergebnisse für die Metropolregion München unter Einbezug des
Landkreises Erding noch besser darstellen als sie ohnehin sind.
8
Die Metropolregion Halle/Leipzig-Sachsendreieck wird hier nicht dargestellt, da sie nur dann
zu den fünf größten Metropolregionen in Deutschland zählt, wenn ihr (ländlich geprägter)
Kooperationsraum berücksichtigt wird.
9
Vgl. Motzkus, 2000.
10
Vgl. Geppert/Gornig, 2010.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 19Hintergrund
Abb. 1 Betrachtete Metropolregionen
Kiel
Rostock
Lübeck
Hamburg
Bremen
Berlin
Hannover Wolfsburg Potsdam
Magdeburg
Münster
Dortmund Göttingen
Essen Kassel Leipzig
Erfurt
Dresden
Köln Jena
Chemnitz
Aachen Bonn
Frankfurt am Main
Trier Würzburg
Stuttgart Ingolstadt
München
Freiburg im Breisgau
MR Hamburg MR München MR Frankfurt/Rhein-Main
MR Berlin-Brandenburg MR Rhein-Ruhr MR Stuttgart
Quelle: HWWI.
20 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHintergrund
Abb. 2a Beschäftigte in Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister 2010
Kiel
Rostock
Lübeck
Hamburg
Bremen
Hannover Berlin
Wolfsburg Potsdam
Magdeburg
Münster
Dortmund Göttingen
Essen Kassel Leipzig
Erfurt
Dresden
Köln Jena
Aachen Chemnitz
Bonn
Frankfurt am Main
Trier Würzburg
Stuttgart Ingolstadt
München
Freiburg im Breisgau
> 20.000 ≤ 20.000 ≤ 16.000 ≤ 12.000 ≤ 8.000 ≤ 4.000
Quellen: Bundesagentur für Arbeit (2011); Berechnungen HWWI.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 21Hintergrund
Abb. 2b Beschäftigte im Sektor Industrie 2010
Kiel
Rostock
Lübeck
Hamburg
Bremen
Berlin
Hannover Wolfsburg Potsdam
Magdeburg
Münster
Dortmund Göttingen
Essen Kassel Leipzig
Dresden
Köln Erfurt
Jena
Aachen Chemnitz
Bonn
Frankfurt am Main
Trier Würzburg
Stuttgart Ingolstadt
München
Freiburg im Breisgau
> 20.000 ≤ 20.000 ≤ 16.000 ≤ 12.000 ≤ 8.000 ≤ 4.000
Quellen: Bundesagentur für Arbeit (2011); Berechnungen HWWI.
22 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenHintergrund
Insgesamt ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Arbeitsplätze in den Arbeitsplatzzuwächse besonders in
deutschen Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern stärker gestiegen als im Großstädten
deutschen Durchschnitt. Dies ist insbesondere auf die überdurchschnittlich positive
Entwicklung der wissensintensiven Wirtschaftszweige in Städten zurückzuführen.11
Geppert und Gornig12 führen dies auf die herausragende Stellung von Städten für
die Bereitstellung supraregionaler wissensintensiver Dienstleistungen zurück, wie
beispielsweise in den Branchen Finanzierung, Versicherung und Beratung.
Ein entscheidendes Kriterium für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der
Metropolregion Hamburg sind daher günstige Standortbedingungen für
die Entwicklung von Schlüsselbranchen im Bereich der wissensintensiven
Dienstleistungen. Aber auch wissensintensive Industrien können weiterhin
Impulsgeber für die Entwicklung der Metropolregion sein, wie die Zunahme der
Beschäftigungsverhältnisse in den wissensintensiven Industrien in Hamburg um
7 % im Zeitraum von 1999 bis 2007 verdeutlicht.13
Für Unternehmen dieser Industrie- und Dienstleistungsbranchen ist die
Verfügbarkeit von Wissen ein zentraler Produktionsfaktor. Empirische Studien
belegen, dass das in Personen gebundene Wissen – das Humankapital – ein Treiber
für das regionale Wirtschaftswachstum ist. Unter Humankapital werden die
Fähigkeiten von Menschen verstanden, welche diese durch Bildung akkumulieren
und die sich in Form besserer Einkommensaussichten auszahlen.14
Einer Analyse von US-amerikanischen Metropolregionen zufolge haben Städte mit
großem Humankapital ein überdurchschnittlich schnelles Bevölkerungswachstum
und ein überdurchschnittliches Reallohnniveau.15 Die Autoren finden klare
Anzeichen dafür, dass mit einer stärkeren Ausstattung an Humankapital eine
höhere Produktivität verbunden ist. Die Verbindung zwischen Humankapital und
Produktivität sehen Glaeser und Saiz16 darin, dass Städte mit großem Humankapital
innovativer sind und dass hoch qualifizierte Beschäftigte schneller auf
Veränderungen reagieren sowie sich leichter an diese anpassen. Die Autoren folgern
aus ihren Ergebnissen, dass das Wachstum von Städten durch Strategien verstärkt
werden kann, welche das lokale Humankapital fördern.
Es gibt zudem Argumente dafür, dass sich die Zahl der Hochschulabsolventen
positiv auf die regionale Beschäftigungsentwicklung auswirkt. Der Großteil dieses
Effekts kann Shapiro17 zufolge durch eine höhere Produktivität infolge des größeren
Humankapitals erklärt werden. Zudem wirkt sich ein größeres Humankapital
positiv auf die Lebensqualität aus, was neue Arbeitskräfte anzieht und so das
Wachstum begünstigt.18 Argumente für den positiven Zusammenhang zwischen
Humankapital und Lebensqualität sind beispielsweise, dass durch die Präsenz von
Hochqualifizierten der Servicesektor profitiert und dass Hochqualifizierte durch
politische Beteiligung versuchen, die lokale Lebensqualität positiv zu beeinflussen.19
11
Vgl. Geppert/Gornig, 2010.
12
Vgl. Geppert/Gornig, 2010.
13
Vgl. Kowalewski/Stiller, 2009.
14
Vgl. Cahuc/Zylberberg, 2004.
15
Vgl. Glaeser/Saiz, 2004.
16
Vgl. Glaeser/Saiz, 2004.
17
Vgl. Shapiro, 2006.
18
Vgl. Shapiro, 2006.
19
Vgl. Shapiro, 2006.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 23Hintergrund
Weitere empirische Belege für die Bedeutung des Humankapitals für die regionale
Entwicklung liefern Rauch20, Moretti21, Lucas22, Jovanovic und Rob23 sowie
Glaeser.24
Vor dem Hintergrund der zu erwartenden wirtschaftsstrukturellen Veränderungen
sowie deren Relevanz für die Entwicklung von Großstädten und der sie
einschließenden Wirtschaftsräume befasst sich die vorliegende Studie mit der
Frage, wie die Metropolregion Hamburg gegenwärtig in der Wissenswirtschaft
positioniert ist und wie sich die Entwicklungsperspektiven für wissensbasierte
Arbeitsplätze hier darstellen.
Aufbau der Studie Zunächst werden die ökonomischen Voraussetzungen der Metropolregion Hamburg
vor dem Hintergrund der zu erwartenden strukturellen Veränderungen bewertet.
Die Ausgangspunkte sind ein Vergleich der ökonomischen Entwicklungen in
ausgewählten Metropolregionen in der jüngeren Vergangenheit und eine
Bewertung der Spezialisierungsvorteile der Metropolregion Hamburg.
Anschließend wird die Position der Metropolregion Hamburg im Hinblick auf die
zukünftige Ausstattung mit Wissen bewertet, weil diese eine große Bedeutung für
das Wirtschaftswachstum hat. Darauf folgend werden unterschiedliche Szenarien
für die Entwicklung der Zahl der Arbeitsplätze in der Metropolregion Hamburg bis
zum Jahr 2020 dargestellt, welche das HWWI25 im Auftrag von PwC in einem
regionalökonomischen Modell entwickelt hat. Abschließend werden aus den
vorausgegangenen Analysen standortpolitische Handlungsempfehlungen
abgeleitet, die geeignet erscheinen, die Entwicklung der Arbeitsplätze in Relation
zu den genannten Szenarien positiv zu beeinflussen.
20
Vgl. Rauch, 1993.
21
Vgl. Moretti, 2004.
22
Vgl. Lucas, 1988.
23
Vgl. Jovanovic/Rob, 1989.
24
Vgl. Glaeser, 1999.
25
Vgl. für das Basisszenario auch die gemeinsame Studie von PwC und HWWI (Bräuninger et al.,
2010).
24 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenDie ökonomische Dynamik der Metropolregion Hamburg im interregionalen Vergleich
C Die ökonomische Dynamik der
Metropolregion Hamburg im
interregionalen Vergleich
In der Metropolregion Hamburg ist die Zahl der Arbeitsplätze zwar
seit 2000 gestiegen, aber die Produktivität hat sich weniger positiv
entwickelt. Was sind die Hintergründe dafür und wie kann es
gelingen, in Zukunft ökonomisch (noch) erfolgreicher zu sein? Welche
Wirtschaftssektoren sind die Wachstumstreiber?
1 Ökonomische Eckdaten
Tab. 7 Eckdaten von Metropolregionen in Deutschland1
Zeit- Berlin- Frankfurt/ Deutsch-
raum Einheit Hamburg Brandenburg Rhein-Main München Rhein-Ruhr Stuttgart land
BIP pro Kopf 2008 € 34.033 24.009 37.204 40.747 31.905 34.396 30.392
Wirtschafts 2000– % 19,7 15,9 20,5 23,7 20,3 21,2 21,0
wachstum 2008
Bevölkerung 2008 Tsd. 4.413 5.954 5.524 5.363 11.432 5.294 82.120
Bevölkerungs 2000– % 2,8 –0,5 1,5 5,7 –0,8 2,0 –0,1
wachstum 2008
Erwerbstätige 2008 Tsd. 2.173 2.686 2.873 2.969 5.558 2.755 40.279
Wachstum der 2000– % 5,4 1,8 3,3 6,8 2,1 3,5 2,9
Erwerbstätigenzahl 2008
Arbeitslosenquote2 2010 % 8,1 14,3 6,9 4,9 10,7 5,6 8,6
1
Die empirischen Analysen zur Dynamik der Metropolregionen basieren auf der Regionalstatistik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des
Bundes und der Länder. Die Daten für das Jahr 2009, die Ende Juli 2011 veröffentlicht wurden, sind in den Analysen und in den Prognosen aufgrund
der konjunkturellen Besonderheiten dieses Jahres nicht berücksichtigt worden.
2
bezogen auf abhängige zivile Erwerbspersonen
Quellen: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2010, 2011a; Berechnungen HWWI.
Die betrachteten Metropolregionen bieten insgesamt Arbeitsplätze für 19 Millionen Hoher Anstieg der Erwerbstätigkeit in
Erwerbstätige, was 47,1 % aller Erwerbstätigen in Deutschland entspricht. Es Hamburg
gibt deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Entstehung von Arbeitsplätzen.
Die Metropolregion München konnte zwischen 2000 und 2008 die Zahl ihrer
Erwerbstätigen um 6,8 % steigern. Die Metropolregion Hamburg liegt mit
einem Zuwachs von 5,4 % an zweiter Stelle und damit ebenfalls deutlich über
dem Bundesdurchschnitt von 2,9 %. Lediglich in den Metropolregionen Berlin-
Brandenburg und Rhein-Ruhr wuchs die Erwerbstätigkeit langsamer als im
Bundesdurchschnitt. Das gute Abschneiden der Metropolregion Hamburg bei
der Entwicklung der Erwerbstätigenzahl ist jedoch eine vergleichsweise neue
Erscheinung: Seit Beginn der 1990er Jahre bis 2004 entsprach die Entwicklung in
Hamburg weitestgehend der durchschnittlichen Entwicklung in Deutschland und
erst ab 2005 gelang es, ein überdurchschnittliches Wachstum zu erzielen.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 25Die ökonomische Dynamik der Metropolregion Hamburg im interregionalen Vergleich
Beim Pro-Kopf-Einkommen liegt Hamburg mit 34.033 Euro pro Einwohner im
Mittelfeld der Metropolregionen, aber über dem Bundesdurchschnitt von
30.392 Euro. Die Metropolregion Berlin-Brandenburg liegt mit 24.009 Euro als
einzige Metropolregion unter dem Bundesdurchschnitt. Die Metropolregion
München weist mit 40.747 Euro das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf.
2 Bruttowertschöpfung und Erwerbstätigkeit
Der Dienstleistungssektor treibt die Die Bruttowertschöpfung wuchs in Deutschland zwischen 2000 und 2008
Bruttowertschöpfung in Hamburg um 20,6 %. Ihr Wachstum war in der Metropolregion München mit 23,3 %
am größten und in der Metropolregion Berlin-Brandenburg mit 15,5 % am
kleinsten. In Hamburg lag es mit 19,4 % im Mittelfeld. Bricht man diese
Entwicklungen auf die sektorale Ebene herunter, so wird die Spezialisierung
der Metropolregionen deutlich (vgl. Abbildung 3): So ist in der Metropolregion
Hamburg das Wachstum der Bruttowertschöpfung der Sektoren Finanzierung,
Vermietung und Unternehmensdienstleister sowie Handel, Gastgewerbe und
Verkehr am höchsten. Diese beiden Sektoren treiben somit das Wachstum der
Metropolregion. Dagegen stellt in Stuttgart das produzierende Gewerbe (ohne
Baugewerbe) den Wachstumstreiber dar, während das Wachstum der übrigen
Metropolregionen vorwiegend durch den Sektor Finanzierung, Vermietung und
Unternehmensdienstleister getragen wird.
26 Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestaltenDie ökonomische Dynamik der Metropolregion Hamburg im interregionalen Vergleich
Abb. 3 Wachstum der Bruttowertschöpfung zwischen 2000 und 2008
17,0 %
23,1 %
MR Hamburg 23,1 %
18,6 %
19,4 %
11,0 %
MR Berlin- 30,4 %
13,4 %
Brandenburg 19,2 %
15,5 %
17,4 %
28,4 %
MR Frankfurt/
24,7 %
Rhein-Main 6,9 %
20,1 %
16,6 %
33,7 %
MR München 14,2 %
25,5 %
23,3 %
16,7 %
25,1 %
MR Rhein-Ruhr 15,7 %
24,0 %
19,9 %
22,1 %
20,5 %
MR Stuttgart 19,9 %
24,1 %
20,8 %
öffentliche und private Dienstleister
Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister
Handel, Gastgewerbe und Verkehr
produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe
insgesamt
Quellen: S
tatistische Ämter des Bundes und der Länder, 2010; Berechnungen HWWI.
Trotz dieser Unterschiede gilt in allen Metropolregionen, dass die Zunahme der In allen Regionen wird die Entwicklung
Erwerbstätigkeit im Sektor Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienst der Erwerbstätigenzahl von den
leister am größten ist (vgl. Abbildung 4). Öffentliche und private Dienstleister sowie Dienstleistungen getragen
Handel, Gastgewerbe und Verkehr tragen in geringerem Ausmaß ebenfalls zur
Zunahme der Erwerbstätigkeit bei. Dagegen geht die Erwerbstätigkeit im
produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) zurück – wenn auch mit deutlichen
Unterschieden zwischen den Metropolregionen.
Hamburg 2020 – Chancen nutzen, Zukunft gestalten 27Sie können auch lesen