Hochbauamt Didymos Einweihung Ersatzneubau - Kanton Zürich
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Inhalt 4 Ein neuer Spitalbau in den Zeiten der Maske Regierungsrat Dr. Martin Neukom, Baudirektor Kanton Zürich 6 Moderne Infrastruktur zum Wohle aller Regierungsrätin Natalie Rickli, Gesundheitsdirektorin Kanton Zürich 10 Zusammenarbeit als Schlüssel zum Projekt-Erfolg Beat Pahud, Kantonsbaumeister 14 Raum für eine zeitgemässe Gesundheitsversorgung Dr. Franz Studer, Präsident des Spitalrats Rolf Zehnder, CEO 18 Der Anteil Körper am Selbst Caroline Morand, Leiterin Fachstelle Kunstsammlung Friederike Schmid, Projektleiterin Kunst am Bau 22 Ersatzneubau Kantonsspital Winterthur – Bauen für die Gesundheit Thomas Stegmaier / Christoph Butscher ARGE RA-B Architekten, Rapp Architekten AG / Butscher Architekten AG 24 Pläne 30 Chronologie 32 Am Bau Beteiligte
Situation 1:20 000
Regierungsrat Dr. Martin Neukom
Baudirektor Kanton Zürich
Ein neuer Spitalbau in den Zeiten
der Maske Die Einweihung des KSW-Neubaus fällt in eine Zeit, in der der Zusammenhang
von Politik und Medizin so präsent ist wie noch nie. Tagtäglich erreichen uns
Zahlen zu Ansteckungen, Hospitalisierungen und Todesfällen. Regelmässig
wird der Pegelstand der verbleibenden Intensiv-Ressourcen gemeldet. Gleich-
zeitig hat sich weiten Teilen der Bevölkerung ein medizinisches Pseudowis-
sen angesammelt, das teilweise nicht nur skurril ist, sondern als Politikum von
höchstem Wert verstanden wird und eine grosse Gefahr für die allgemeine
Gesundheit darstellt. Anstelle von Empirie und Wissenschaftlichkeit treten al-
ternative Fakten und Beliebigkeit.
Von einem Grundrecht, welches der wissenschaftlichen Methodik Schutz ge-
währt, kann die Wissenschaft nur träumen. Sie steht unter einem grossen
Rechtfertigungsdruck, während die trüben Gewissheiten draussen mit viel
Selbstbewusstsein an die grosse Glocke gehängt werden. In diese Asymmet-
rie muss die Politik eingreifen. Nicht nur mittels Abwehr, indem sie Institutionen
und Personal verteidigt, sondern auch durch die Bereitstellung von Mitteln und
Infrastrukturen.
Als am 3. November 2016 auf dem Gelände des KSW der erste Spatenstich
gesetzt wurde, war die Welt noch in Ordnung. Zumindest bezüglich Corona-
Pandemie. Jahreszahlen wurden genannt: 1876 die Gründung des Bürgerspi-
tals, 1886 die Übernahme durch den Kanton. In den 1950er-Jahren kamen
die modernen Gebäude und 1968 das Hochhaus dazu. Anhand dieser Zahlen
spannte sich ein Zeithorizont von 140 Jahren kontinuierlicher Veränderungen
auf. Heute, fünf Jahre nach dem Spatenstich, möchte ich sagen: Daran, und
an der Fortsetzung dieser Kontinuität, können auch zwei Jahre Pandemie
nichts ändern, zumal diese gezeigt hat, wie wichtig eine funktionierende Ge-
sundheitsversorgung ist.
Das Hochhaus von 1968 wird alsbald nur noch Phantomschmerz erzeugen.
Dennoch war es in struktureller und planerischer Hinsicht von zentraler Bedeu-
tung. Eine der grossen Qualitäten des Siegerprojekts «Didymos» war, dass es
ohne vorgängigen Rückbau des Hochhauses realisiert werden konnte – eines
Baus mit vielen dysfunktionalen Eigenschaften, die mit dem Neubau korrigiert
werden konnten. Von dieser negativen Abhängigkeit hat sich der Neubau be-
reits jetzt emanzipiert. Wir stehen vor einem eigenständigen und begeistern-
den Bauwerk, das die Geschichte des KSW mit viel Elan fortschreibt.
Es wird seine Flexibilität sein, die im Gegensatz zu den starren Strukturen sei-
nes Vorgängers ein langes Fortbestehen erwarten lässt. Die Idee, die Primär-
struktur aus Beton so zu gestalten, dass die Sekundärstruktur im Trockenbau
und modular eingebaut werden kann, ist genial und wird es noch lange blei-
ben. Ebenso überzeugend sind die Arbeitslandschaften und die Umsetzung
des Ziels, die brachliegenden Flächen mittels flexibler Zuteilung von Arbeits-
plätzen möglichst klein zu halten.
Ich möchte abschliessend sagen: Freuen wir uns, gerade in dieser seltsamen
Zeit! Ich danke allen, die zu diesem wichtigen Projekt ihren Beitrag geleis-
tet haben, den Architektinnen und Architekten, den Planerinnen und Planern,
den ausführenden Firmen und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des
Hochbauamts.
4Regierungsrätin Natalie Rickli
Gesundheitsdirektorin Kanton Zürich
Moderne Infrastruktur zum
Wohle aller
Ich kann mir vorstellen, dass es für Architekten, Planer und Bauunternehmen
sinnstiftend sein mag, ein Spital zu planen bzw. zu bauen. Sie erstellen eine
Umgebung, in welcher Menschen geholfen wird, in welcher Menschen wieder
gesund werden. Aber auch in welcher Menschen geboren werden. Wie ich
vor 45 Jahren im Kantonsspital Winterthur KSW. Spitalbesuche hinterlassen
bleibende Eindrücke bei Gross und Klein: Dies beginnt beim herzlichen Emp-
fang an der Patientenaufnahme, geht über die behandelnde Ärztin resp. den
behandelnden Arzt bis hin zu den Mitarbeitenden der Pflege, welche uns Pa-
tientinnen und Patienten mit viel Empathie versorgen.
Gewiss, es sind die Menschen, welche Gebäude beleben. Aber es sind auch
passende Infrastrukturen, welche es den Menschen ermöglichen, sich wohl zu
fühlen. Dies wiederum ist eine wichtige Voraussetzung, um gute Arbeit zu leis-
ten. Oder anders formuliert: Eine kontinuierliche Investition in eine moderne
und zeitgemässe Spitalinfrastruktur fördert die Motivation der Mitarbeitenden,
wovon die Patientinnen und Patienten profitieren. Und darum geht es letztlich:
Als Gesundheitsdirektorin ist es mir ein Anliegen, dass die Bevölkerung einen
guten Zugang zu sichereren und qualitativ hochstehenden medizinischen Leis-
tungen hat.
Und der Kanton Zürich hat eine hervorragende Gesundheitsversorgung. Die
grosse Zürcher Spitalplanung 2012 war Vorreiterin für die ganze Schweiz. Die
spezialisierte und hochspezialisierte Medizin ist über die Kantonsgrenzen hin-
aus bestens anerkannt. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass das Zürcher Ge-
sundheitswesen schweizweit ein solch hohes Ansehen geniesst. Erfreulich ist,
dass die Zürcher Patientinnen und Patienten seit Jahren sehr zufrieden sind
mit den Spitälern, wie die Zufriedenheitsbefragung der Gesundheitsdirektion
zeigt.
Die Bevölkerung wird immer älter. Damit nehmen chronische Erkrankungen
und Multimorbidität zu. Man lebt länger, leidet aber tendenziell an mehreren
Krankheiten gleichzeitig. Dies führt zu komplexeren Behandlungen und erhöh-
ten Anforderungen an die Gesundheitsversorgung. Mit dem Neubau verfügt
das KSW über eine hochmoderne Infrastruktur, die es erlaubt, diesen Anforde-
rungen gerecht zu werden.
Und dies ist wichtig, denn das KSW versorgt die Region Winterthur und damit
ein Einzugsgebiet von über 250 000 Menschen. Insbesondere in dieser Versor-
gungsregion kommt dem KSW als Zentrumsspital eine besondere Bedeutung
zu. Diese spiegelt sich in einem breiten Leistungsspektrum – von Grundversor-
gung bis hin zu spezialisierter Medizin – wieder. Damit verbunden verfügt das
KSW auch über ein vielfältiges Aus- und Weiterbildungsangebot, was gerade
heute vor dem Hintergrund von fehlenden Fachleuten in bestimmten Berei-
chen des Gesundheitswesens ein hohes Gut ist. Gemäss Versorgungsplanung
wird die Nachfrage nach stationären Leistungen in der Region Winterthur wei-
ter zunehmen. Dank dem Neubau, der flexibel und interdisziplinär ausgerichtet
ist, kann das Kantonsspital diesem Wachstum gerecht werden.
Ich gratuliere dem KSW ganz herzlich zum Neubau «didymos» und danke al-
len Beteiligten für die gute, vorausschauende Planung und Umsetzung. Den
Mitarbeitenden wünsche ich viel Freude und Erfüllung an ihrem neuen und
modernen Arbeitsplatz.
6Beat Pahud
Kantonsbaumeister
Zusammenarbeit als
Schlüssel zumDie Entwicklung des Areals des Kantonsspitals Winterthur ist seit seiner Grün-
dung im Jahr 1876 geprägt von steter Ergänzung und Erneuerung. Die Ansprü-
Projekt-Erfolg
che an das Gesundheitswesen haben sich fundamental verändert. So hat sich
die Lebenserwartung des Menschen seit der Gründung des Spitals bis heute
beinahe verdoppelt. Die technischen und medizintechnischen Entwicklungen
wie auch neue gesellschaftliche Ansprüche sowie die Zunahme ambulanter
Behandlungen prägen die verschiedenen Ausbauetappen.
Als wesentlicher baulicher Zwischenschritt erfolgte 1958 eine Neukonzeption
durch den Architekten Edwin Bosshard, dessen Neubauten noch heute die
Grundstruktur des Areals prägen. 1968 wurde im Geist der damaligen Spi-
tal-Philosophie ein isoliert stehendes Spitalhochhaus mit städtebaulicher Aus-
strahlung erstellt. Die wachsenden Bedürfnisse im Bereich Untersuchung und
Behandlung führten zu diversen An- und Erweiterungsbauten. Eine Machbar-
keitsstudie aus dem Jahre 2008 zeigte auf, dass für das Spitalhochhaus zwar
dringend eine technische und bauliche Gesamterneuerung erforderlich war,
die erforderlichen effizienten betrieblichen Abläufe in der bestehenden Struk-
tur jedoch nicht geschaffen werden konnten und Erweiterungen nicht möglich
waren.
Im Architekturwettbewerb für einen Ersatzneubau erhielt 2010 das Projekt
«Didymos» der Arbeitsgemeinschaft RA-B Architekten (Rapp Architekten
AG, Butscher Architekten AG) den Zuschlag. Es versprach nicht nur in seiner
Grundstruktur einen nachhaltigen Betrieb, sondern konnte ohne grössere Be-
einträchtigung des laufenden Betriebes erstellt werden. In Abänderung zum
Wettbewerbsprojekt wurde die Radio-Onkologie in einen seperaten Neubau
ausgelagert. Der gewonnene Raum wurde für eine angemessene Eingangs-
situation und einen Konferenzbereich genutzt.
Das Gebäude zeichnet sich dadurch aus, dass es flexibel nutzbar ist und auf
zukünftige veränderte Bedürfnisse reagieren kann. Nebst der üblichen, kon-
sequenten Trennung der Tragstruktur von den Ausbauten ist beispielsweise
der Operationsbereich mit über 17 Metern überspannenden Stützenabständen
sehr flexibel umnutzbar und so auf allfällige spätere Spitalkonzepte optimal
vorbereitet. Auch wurde planerisch darauf geachtet, dass die Einbett-Zimmer-
struktur einfach und schnell in eine Dreibett-Zimmerstruktur überführt werden
kann.
Das Gebäude leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden sowohl der
Patienten wie der Mitarbeiter. Gute Lichtverhältnisse in allen Bereichen, ein ho-
her Bezug zum Aussenraum, ökologische und langlebige Materialien und eine
sorgfältige Farbgebung leisten ihren Beitrag zur Genesung und Gesunderhal-
tung. Das Spital hat mit der Ostvorfahrt einen neuen Haupteingang erhalten
und die ehemalige riesige Parkplatzfläche ist zugunsten einer grossen Wie-
se verschwunden. Der dem Bettenhaus vorgelagerte Park mit einem dichten,
Lärm abschirmenden Grünsaum aus grosskronigen Bäumen und einer zum
Flanieren einladenden Wegführung ist nicht nur für Personal und Patienten,
sondern auch für das angrenzende Quartier eine Oase der Erholung.
Didymos ist als einer der ersten Spitalbauten Minergie-P-Eco zertifiziert. Der
Nachhaltigkeitsgedanke wird mit dem bevorstehenden Rückbau des Hoch-
hauses weitergeführt, indem die Materialien weitgehend rezykliert und als Bau-
stoffe wieder in den Bauprozess eingeschleust werden. Mit dem frei werden-
den Raum entsteht eine Brache, auf der eine nächste Etappe der Erweiterung
und Erneuerung des Kantonsspitals Winterthur realisiert werden kann.
Vom Kreditantrag bis zur Fertigstellung sind rund sieben Jahre vergangen –
eine grosse Zeitspanne, in der sich die Bedürfnisse, Anforderungen und die
Medizintechnik stetig weiterentwickelt haben. Diese Projekteinflüsse stellten
höchste Anforderungen an das Projektmanagement. Im ständigen Dialog mit
den Verantwortlichen des Kantonsspitals und den Planungspartnern wurden
Lösungen gefunden und umgesetzt, die es ermöglichten, das Projekt «Didy-
mos» selbst unter den widrigen Umständen der Corona-Pandemie innerhalb
der Zeit- und Kostenvorgaben umzusetzen.
Im Namen des Hochbauamtes Kanton Zürich danke ich allen Projektbetei-
ligten für ihren ausserordentlichen Einsatz, ihre Ausdauer und ihre Fähigkeit
zur konstruktiven und zielorientierten Zusammenarbeit als Basis des Projekt-
erfolges. Dem Kantonsspital Winterthur als Bauherrschaft sowie seinen Mit-
arbeitern wünsche ich viel Freude am neuen Gebäude, den Patientinnen und
Patienten eine nachhaltige Genesung.
10Dr. Franz Studer, Präsident des Spitalrats
Rolf Zehnder, CEO
Raum für eine zeitgemässe
Gesundheits-«Wir sind überglücklich», heisst es jeweils in Geburtsanzeigen. Das sind auch
wir. Mit der Eröffnung des langersehnten Spitalneubaus verfügt das KSW über
versorgung eine hochmoderne Infrastruktur, um die Bevölkerung der Region Winterthur
auch in Zukunft effizient und mit fortschrittlichen medizinischen Dienstleistun-
gen zu versorgen. Das funktional durchdachte Gebäude unterstützt uns dabei,
die Anforderungen zu meistern, die auf uns zukommen: Die Komplexität der
Behandlungen wird aufgrund von Individualisierung und Spezialisierung in der
Medizin sowie der Polymorbidität einer immer älter werdenden Bevölkerung
zunehmen; mehr Patienten werden für durchschnittlich immer kürzere Be-
handlungsintervalle das Spital aufsuchen.
Der Spitalneubau schafft zudem Freiraum für neue Modelle der interprofes-
sionellen Zusammenarbeit und die Vereinfachung von Behandlungsabläufen.
Einzelbüros mit Namensschildern und Zutrittsbeschränkungen, wie sie im Bet-
tenhochhaus aus den 60er Jahren anzutreffen sind, entsprechen längst nicht
mehr den heutigen Bedürfnissen. Im Neubau wurde das veraltete Konzept
durch helle, freundlich gestaltete Open-Space-Bereiche ersetzt. Ärztinnen und
Ärzte sowie Mitarbeitende aus Pflege, Therapie und Administration teilen sich
die Sprechstundenzonen und die Büroflächen. Ganz im Sinne von Activity Ba-
sed Working sind die Fachleute, mit digitalen Tools ausgerüstet, viel unterwegs
auf den Stationen und erledigen administrative Aufgaben mobil.
Durchdacht und zeitgemäss konzipiert sind auch die neuen Patientenzimmer.
Die im Neubau zur Verfügung stehenden Einbettzimmer decken einerseits das
Bedürfnis nach Individualität und Privatsphäre ab. Gleichzeitig ermöglichen
Einzelzimmer eine effizientere Belegung, insbesondere bei Kurzaufenthalten:
Es bleibt kein Bett frei, weil Frau und Mann nicht gemeinsam in einem Dop-
pelzimmer untergebracht werden können oder jemand isoliert werden muss,
aus welchen gesundheitlichen Gründen auch immer. Separate Besprechungs-
zimmer sind nicht mehr notwendig und Angehörige können besser integriert
werden.
Die bauliche Erneuerung ist nur eines der zentralen Themen auf unserer Road-
map. Wir erarbeiten gezielt Strategien, die uns dabei unterstützen, attraktiv für
qualifiziertes Personal zu sein, hohe Qualitätsstandards zu erfüllen oder die
wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Ein aktuelles Projekt ist die Weiterentwick-
lung der Führungsorganisation. Die Fachbereiche erhalten teils deutlich mehr
unternehmerische Eigenverantwortung als bisher, damit sie sich erfolgreich
entfalten können. Für die übergeordneten Themen, die das ganze Spital oder
eine Gruppe von Fachbereichen betreffen, ist seit Januar 2022 eine sechsköp-
fige Geschäftsleitung verantwortlich. Sie ist mit Mitgliedern der bisher 13-köp-
figen Spitalleitung besetzt. Unsere Ziele sind klare Entscheidungswege, die
Regelung von Kompetenzen und ein starkes Führungsteam, das genügend
Zeit für die unabhängige Bearbeitung strategischer Betriebsthemen findet.
Der Ersatzneubau «Didymos» ist der erste Meilenstein in der baulichen Erwei-
terung des Kantonsspitals Winterthur. In den kommenden Jahrzehnten wer-
den, wie bereits im Masterplan und im Richtplan festgehalten, weitere Bau-
projekte folgen – denn wir wollen mit der Entwicklung der Patientenzahlen und
der Medizin Schritt halten.
Ein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten, insbesondere an die Planer und
Mitarbeitenden auf der Baustelle, die zum Gelingen der ersten Etappe bei-
getragen haben. Speziell danken wir dem Hochbauamt, das uns bei der Um-
setzung des Masterplans weiterhin unterstützen wird. Zusammen mit unseren
Mitarbeitenden freuen wir uns darauf, Leben in die neuen «vier Wände» zu
bringen und die Chancen zu nutzen, die uns der Neubau bietet.
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17
Caroline Morand, Leiterin Fachstelle Kunstsammlung
Friederike Schmid, Projektleiterin Kunst am Bau
Der Anteil Körper
am Selbst Gerade im Spitalbereich ist man sich heute der Bedeutung von Kunst und ihrer
Wirkung auf Menschen, ihr Wohlbefinden und ihre Genesung, sehr bewusst.
Eine 2019 von der WHO publizierte Metastudie «What is the evidence on the
role of the arts in improving health and well-being?» belegt erstmals in einem
breiten und international recherchierten Umfeld den konkreten Einfluss von
Kunst auf ein heilungsförderndes Umfeld sowie deren Impulse auf die Heilung
Einzelner.
Dort knüpft auch die Arbeit des multimedial tätigen Künstlers Yves Netzham-
mer (*1970) an. Im Rahmen eines Studienauftrags für den Ersatzneubau des
KSW realisierte er 2021 das Kunst-am-Bau-Projekt «Der Anteil Körper am
Selbst», bei dem er in der für ihn typischen Arbeitsweise verschiedene Dimen-
sionen seines künstlerischen Schaffens installativ miteinander verknüpfte. Das
mehrteilige Werk führt von einer durch eine Schablonenprojektion überlager-
ten, gravierten Zeichnung im Eingangsbereich weiter zum Bettenhaus, wo auf
vier Stockwerken über vier Glasfronten zweifarbige Sandstrahlzeichnungen
das Innen mit dem Aussen verbinden.
Netzhammers Werk ist von einem ständigen Fluss von Formen, Materialien
und Ausdruckweisen geprägt, immer auf dem schmalen Grat zwischen Illu-
sion und Realität oszillierend. Er thematisiert mit hoher Empfindsamkeit die
körperlichen Befindlichkeiten der Menschen in einem Spital sowie das Thema
des Körpers und der Körpergefühle. In seiner figurativen Bildsprache lotet er
die Grenzen des Körpers aus und stellt Fragen zu Lust, Schmerz, Verletzung
und Heilung. Seine Herangehensweise zeugt von viel Respekt gegenüber der
Nutzerschaft, die sich oft in einer komplexen persönlichen Situation befindet
und dadurch auf Bilder wesentlich empfindsamer reagiert als ein Museums-
publikum.
Die Bespielung der mächtigen Wand im Eingangsbereich zeugt von Netzham-
mers subtiler und feinfühliger Umsetzung, thematisch sinnstiftend aber nicht
plakativ oder aufdringlich. Die Zeichnungen überziehen die gesamte Front-
fläche, verlassen diese und führen über die Seitenwände in den hinteren Teil
der Spitalkapelle. Über einen Beamer werden während 33:22 Minuten farbige
Schablonen auf die gestaltete Wand projiziert. Die Überblendungen generieren
immer wieder neue Assoziationen: Figuren erscheinen, gehen in Tierformen
über und verklingen in abstrakten Figurationen. Ein zauberhaftes Spiel von
teils blassen, teils starken Farben, von einzelnen Motiven und Körperteilen, die
in ein ganzes Wandbild gezoomt werden, um dann in eine nächste Sequenz
überzugehen. Wir suchen die Wandfläche nach Figuren ab und imaginieren
uns eine Geschichte dazu: hier ein Herz, da ein Fuss, ein gehörnter Kopf. Die
Schablonen wirken abstrahierend, so dass die Suche nach neuen Formen un-
erschöpflich ist. Wir werden verführt, viele mögliche Bildformen zu entdecken
und so auf verspielte Weise den Körper zu thematisieren.
Bei der Arbeit im Bettenhaus stellt Netzhammer einen Bezug zu den einzel-
nen Abteilungen her. Poetische, empathische und zugleich humoristische Fi-
guren und Motive, mit denen er spielerisch und ohne illustrativ zu sein über die
Schwere nachdenkt. Zwischen Abstraktion und Figuration angesiedelt, blei-
ben die Werke für die Betrachtenden lebendig und werden auch über längere
Zeit nicht langweilig. Um die Linien der Zeichnungen herum wurde das Glas
aufgeraut und undurchsichtig, bleibt jedoch transluzent, eine wichtige Geste
für diesen sensiblen Ort der Warteräume. Die verbliebenen transparenten Li-
nien verbinden sich zu Motiven des Spitalalltags.
Yves Netzhammer hat mit «Der Anteil Körper am Selbst» im Kantonsspital
Winterthur eine sowohl spielerische als auch tiefgründige Arbeit realisiert. Er
hat sich umsichtig und mit viel Empathie der Aufgabe gestellt, für die Nut-
zerschaft, Patientinnen und Patienten, Pflegende, Ärzteschaft und Publikum
eine anregende, erzählerische Bildwelt zu schaffen, welche die Betrachtenden
auch zum Schmunzeln bringen kann, Neugierde weckt und zum Nachdenken
über unsere Körper anregt.
18Bildunterschrift, möglichst
sprechend umgesetzt
20Thomas Stegmaier / Christoph Butscher
ARGE RA-B Architekten, Rapp Architekten AG / Butscher Architekten AG
Ersatzneubau Kantonsspital
Winterthur – Bauen für die
Gesundheit Mit der Überzeugung, dass Krankenhäuser sich planerisch mit einem Masterplan
auf zukünftige Ausbaustufen vorbereiten müssen, hat die Planergemeinschaft mit
ihrem Wettbewerbsbeitrag versucht, die unübersichtliche Situation zu klären und
wichtige Entwicklungsschritte für die Zukunft aufzuzeigen. Der Neubau fügt sich
präzise in die Lücke zwischen Bosshard-Bau und Hochhaus ein. Mit dieser sorg-
fältigen Setzung werden mehrere Ziele verfolgt. Der Bau kann ohne wesentliche
Beeinträchtigung des laufenden Spitalbetriebs erstellt werden; die städtebauliche
Setzung zur Stadt klärt das Erscheinungsbild und schafft mit der Belebung des
Parks einen deutlichen Mehrwert; der neu positionierte Vorplatz mit dem Gebäu-
dehaupteingang und der Eingangshalle erschliesst den Gesamtkomplex im Zen-
trum und schafft eine übersichtliche und logische Personenführung im Gebäude.
Das zehngeschossige Bettenhochhaus orientiert sich zum Park und zur Stadt hin
und wird von den Architekten in starker Analogie zum bestehenden Bettenhaus
verstanden. Daher auch der Wettbewerbsname «Didymos», was auf Griechisch
Zwilling bedeutet. Entgegen der Wettbewerbsausschreibung wurde das Projekt
2011 betrieblich auf eine Einbettzimmerstruktur ausgelegt und die Planung ent-
sprechend angepasst. Die Struktur aus dem Wettbewerb konnte vollständig bei-
behalten werden und zeigt somit die Vorteile einer konsequenten Trennung zwi-
schen niedrig und hochinstallierten Gebäudebereichen.
Die grosszügige, in Teilen zweigeschossige Eingangshalle mit dem zentralen
Empfang ist hell und übersichtlich. Aus dem Zentrum sind die Vertikalerschlies-
sungen in den Bestandsgebäuden und im Neubau auf kurzen Wegen erreicht.
Neben dem Südzugang über den Park befindet sich an prominenter Lage die
neue, grosszügige Cafeteria. Über die offene Treppe zum 1. Untergeschoss mit
variablen Veranstaltungsräumen und Platz für Anlässe ist das Personalrestaurant
im Bestand eingebunden.
Über der Eingangshalle sind die multifunktionalen Untersuchungs- und Behand-
lungsräume angeordnet. Die Untersuchungsräume sind von der Fassade abge-
rückt und können für zukünftige Veränderungen einfach und flexibel angepasst
werden. Die Raumschicht zwischen Fassade und Untersuchungsräumen ermög-
licht eine getrennte Erschliessung der Untersuchungsräume und eine direkte Ver-
bindung zu den Open-Space Arbeitsbereichen. Der Fassadenkorridor kann auch
als Arbeitsbereich genutzt werden und ermöglicht eine moderne, IT-gestützte
Arbeitsweise.
Über den Untersuchungs- und Behandlungsbereichen befindet sich im 5. Ober-
geschoss die OP-Landschaft mit darüberliegender Technikzentrale. Die Positio-
nierung und die Konstruktion des Technikgeschosses als Brückentragwerk er-
möglichen ein fast stützenfreies OP-Geschoss. Für zukünftige Entwicklungen
bietet diese Lösung enorme Vorteile bezüglich Flexibilität, Anpassungsfähigkeit
und Investitionskosten.
Das Bettenhochhaus orientiert sich zum Park und zur Stadt. Im Norden liegen
die gut belichteten Betriebsräume für das Pflegepersonal. Fast alle Zimmer für
die Patientinnen und Patienten sind nach Süden zum Park ausgerichtet und pro-
fitieren von der grossartigen Aussicht. In der Erkernische ist ein komfortables
Sofa als wichtiges Gestaltungselement eingefügt, welches überdies mit wenigen
Handgriffen zu einem vollwertigen Bett für Angehörige umgebaut werden kann.
Die Patientinnen und Patienten profitieren vom Panoramafenster. Die unabhängi-
geren Besuchs- und Übernachtungsmöglichkeiten entlasten auch das Personal,
da Angehörige einfache Unterstützungen selbst leisten können.
Die Materialwahl und das Farbkonzept sollen sowohl für Patientinnen und Patien-
ten wie auch für das Personal eine positive Wirkung entfalten. Im Bettenhoch-
haus wird Naturholzfurnier (Kastanie und europäischer Nussbaum) eingesetzt.
Das Lichtkonzept ist mehrschichtig und bietet ein hohes Mass an Variabilität
zwischen Funktions- und Gestaltungslicht. Die Untersuchungsbereiche sind in
schlichtem Weiss und kombiniert mit dunklen Böden gehalten. Über die Material-
und Farbsprache wird die Orientierung vereinfacht und die spezifische Funktion
zum Ausdruck gebracht. Die Kombination der sorgfältig ausgewählten Materia-
lien, kombiniert mit den vier pigmentreichen Grundfarben, zieht sich durch das
gesamte Projekt und findet in den warmen Farbtönen der Fassaden aus Travertin,
kombiniert mit eloxierten Metallen, ihren Abschluss.
22Pläne
Ansicht
Ost
Ansicht
Süd
Situation
0 10 20 30 50 70 m
24
N
RA-B ArchitektenPläne
Pl
Pl
K
Pf
Erdgeschoss
0 5 10 15 20 30 m
25
N
Grundrissplan Erdgeschoss RA-B Architekten
0 5 10 15 20Pläne
Pl
Pl
K
Pf
3. Obergeschoss
Ansicht Ost N
Grundrissplan 3. Obergeschoss RA-B Architekten
Rapp Architekten AG, Butscher Architekten AG 0 5 10 15 20
26
nsicht Ost RA-B ArchitektenPläne
Pl
Pl
K
Pf
5. Obergeschoss
OP-Geschoss
Ansicht Süd N
Grundrissplan 5. Obergeschoss RA-B Architekten 0 5 10 15 20 30 m
Rapp Architekten AG, Butscher Architekten AG 0 5 10 15
27Chronologie
2010
Offener Projektwettbewerb in zwei Stufen
2011
Überarbeitung Betriebskonzept auf 1-Bett-Zimmer
2012
Vorprojekt
2013
Bauprojekt
2014 2014
Submissionsplanung und Ausführungsplanung Radioonkologie Baueingabe, Geometriephase mit Anpassung Betriebskonzept
2015
Baubeginn Radioonkologie
2016 2016
Erstellung provisorische Passerelle und provisorisches Parking Submissions- und Ausführungsplanung Ersatzneubau Didymos
2017 2017
Übergabe Radioonkologie Baubeginn Ersatzneubau Didymos, Überarbeitung Fassade
2018
Rohbauphase Ersatzneubau Didymos
Anpassungen Betriebskonzept/Raumstudien
2019
Ausbau 1 Ersatzneubau Didymos
2020
Ausbau 1 und 2 Ersatzneubau Didymos
Terminanpassung durch Coronapandemie, Verschiebung
Übergabetermin um 5,5 Monate auf den Oktober 2021
2021
Ausbau 2, Ausstattung Medizintechnik, Inbetriebnahme,
Abnahmen, Mängelbeseitigung, Übergabe an HBA/KSW
per Oktober
2022
Inbetriebsetzung KSW, Schadstoffsanierung Hochhaus,
Start Rückbau Hochhaus
2023
Rückbau Hochhaus, Neugestaltung Vorplatz Hauptzugang
30Am Bau
Beteiligte Bauherr / Besteller
KSW Kantonsspital Winterthur
Spitaldirektion
Rolf Zehnder, Spitaldirektor
Nutzer / Betreiber
KSW Kantonsspital Winterthur
Bauherrenvertretung
Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt
Beat Pahut, Kantonsbaumeister
Claus Frei, Abteilungsleitung Baubereich D
Sacha Wiesner, Teamleitung
Giuseppe Di Girolamo, Gesamtprojektleitung
Patrick Künzler, Fachprojektleitung Gebäudetechnik
Caroline Morand, Leitung Fachstelle Kunstsammlung
Felix Schmid, Leitung Fachstelle Nachhaltigkeit
Architektur / Gesamtleitung
ARGE RA-B Architekten, Münchenstein
RAPP Architekten, Münchenstein
Butscher Architekten, Basel
Fachplaner / Spezialisten
Bauingenieure: Rapp Infra, Münchenstein
Elektroingenieure: Herzog Kull Group, Aarau
L Klima-Ingenieure: Hochstrasser Glaus Partner AG, Zürich
H Kälte-Ingenieure: Waldhauser + Hermann, Münchenstein
Sanitäringenieure: Locher Sanitärplanung GmbH, Basel
Fachplanung räumliche Koordination: anex Ingenieure AG, Zürich
Fachplanung Bauphysik: Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen
Fachplanung Fassade: Emmer Pfenninger Partner AG, Münchenstein
Lichtplanung: TT Licht GmbH, Zürich
32Impressum
Inhalt:
Giuseppe Di Girolamo
Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt
Redaktion:
Markus Pfanner
Baudirektion Kanton Zürich, Kommunikation
Fotografie Gebäudeaufnahmen:
Roman Weyeneth gmbh, Basel
Fotografie Kunst am Bau:
David Aebi, Burgdorf
Gestaltung, Layout:
Kaja Affolter
Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt
Prepress / Druck:
kdmz
Projektnummer Hochbauamt:
20251
Auflage:
400 Exemplare
Herausgeberin:
© 2022 Baudirektion Kanton Zürich, HochbauamtSie können auch lesen