Horizon Report 2014 - Edition Bibliotheken - u1 - B.I.T. online
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1 Der NMC Horizon Report > 2014 – Edition Bibliotheken untersucht, wie sich Schlüsseltrends, signifikante Herausforderungen und neue Technologien im globalen Kontext auf Hochschul- und Forschungsbibliotheken auswirken.
2 iii
Inhaltsverzeichnis > Klicken Sie auf ein Thema um zur Seite zu springen.
Einführung 16
Trends, die die Anwendung neuer Technologien in Hochschul-
und Forschungsbibliotheken beschleunigen 410
Kurzfristige Trends (ein bis zwei Jahre)
> Zunehmender Fokus auf Forschungsdatenmanagement für Publikationen 612
> Priorisierung von mobilen Inhalten und deren Bereitstellung 814
Mittelfristige Trends (drei bis fünf Jahre)
> Der Entwicklungscharakter wissenschaftlicher Portfolios 1016
> Zunehmende Zugänglichkeit von Forschungsinhalten 1218
Langfristige Trends (fünf Jahre und darüber hinaus)
> Ständige Fortschritte bei Technologie, Standards und Infrastruktur 1420
> Zunahme neuer Formen interdisziplinärer Forschung 1622
Herausforderungen, die den Einsatz neuer Technologien in Hochschul-
und Forschungsbibliotheken behindern 1824
Lösbare Herausforderungen: Sie sind verständlich und lösbar
> Einbettung von Hochschul- und Forschungsbibliotheken im Curriculum 2026
> Überdenken der Funktionen und Fähigkeiten von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren 2228
Schwierige Herausforderungen: Sie sind verständlich, aber schwer lösbar
> Erfassung und Archivierung digitaler Forschungsergebnisse im Bibliotheksbestand 2430
> Konkurrenz durch alternative Informationssuche 2632
Komplexe Herausforderungen („Wicked Challenges“): Sie sind nicht definierbar,
Lösungsansätze liegen nicht vor
> Bereitwillige Annahme radikaler Veränderungen 2834
> Unterstützung von kontinuierlicher Integration, Interoperabilität und Gemeinschaftsprojekten 3036
Für Hochschul- und Forschungsbibliotheken wichtige technologische Entwicklungen 3238
Zeithorizont bis zur Anwendung: ein Jahr oder weniger
> Electronic Publishing 3440
> Mobile Apps 3642
Zeithorizont bis zur Anwendung: zwei bis drei Jahre
> Bibliometrie- und Zitationstechnologien 3844
> Open Content (Offene Inhalte) 4046
Zeithorizont bis zur Anwendung: vier bis fünf Jahre
> The Internet of Things (Das Internet der Dinge) 4248
> Semantisches Web und Linked Data 4450
Der Expertenbeirat für Bibliotheken des 2014 NMC Horizon Project 4752
Fußnoten und Links 4854Missing Link | Internationale Versandbuchhandlung
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Bibliothek. Information. Technologie.
Der NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
ist ein Gemeinschaftsprojekt von The NEW MEDIA CONSORTIUM,
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK UND WIRTSCHAFT (HTW) CHUR, TECHNISCHE
INFORMATIONSBIBLIOTHEK (TIB), HANNOVER, und der ETH-BIBLIOTHEK ZÜRICH.
Die Forschungsgrundlage für den NMC Horizon Report: 2014
– Edition Bibliotheken ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen
dem New Media Consortium (NMC), der Hochschule für
Technik und Wirtschaft (HTW) Chur, der Technischen
Informationsbibliothek (TIB) in Hannover und der ETH-
Bibliothek Zürich. Die ausgesprochen wichtige Rolle, die alle
Beteiligten bei der Entstehung dieses Berichts gespielt haben
sowie deren große Unterstützung für das NMC Horizon Project,
werden dankbar gewürdigt.
Übersetzung in die deutsche Sprache von: Angelika Welt-
Mooney
© 2014, The New Media Consortium
ISBN 978-0-9906415-1-3
Der Report kann über die internationale Lizenzbestimmung
Creative Commons Attribution 4.0 frei reproduziert, kopiert,
verteilt und übertragen werden, wenn die Zuschreibung
nach dem in der Folge beispielhaft aufgeführten Zitat
erfolgt. Eine Kopie dieser Lizenz erhalten Sie entweder über
creativecommons.org/licenses/by/4.0/ oder auf schriftliche
Anfrage an Creative Commons, 559 Nathan Abbott Way,
Stanford, California 94305, USA.
Zitate
Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A.
(2014). NMC Horizon Report: 2014 Library Edition. Austin, Texas:
The New Media Consortium.
Foto - Titelseite
BigStock Photography
Fotos – Vorderseite des Umschlags (innen) und Rückseite
BigStock Photography5
NEU in der Nomos eLibrary
OPEN ACCESS
Zeitschriften
Recht in Afrika
Law in Africa
Droit en Afrique
Zeitschrift der Gesellschaft für afrikanisches Recht
17. Jahrgang
2014
KAS
African Law Study Library
Librairie Africaine d’Etudes Juridiques
1. Jahrgang
2014
SC|M Studies in Communication | Media
Herausgegeben von Aus dem Inhalt: Herausgegeben von Aus dem Inhalt:
Gegründet im Auftrag der SCHWERPUNKTHEFT
Gesellschaft für Abhandlungen • Articles • Articles Konrad-Adenauer- Mit Beiträgen von/Avec la partici- Deutschen Gesellschaft für Von analog nach digital – Journalismus und Technik
afrikanisches Recht e.V. Stiftung e.V. Publizistik- und Kommuni-
Adalbert Sango Mukalay
pation de/With contributions by
kationswissenschaft e. V.
L’Etat de droit et la démocratie en (DGPuK).
Aus dem Inhalt:
NDJEKO KALUME L’AEA ALEXIS et MWAPE
Afrique – Le « jurisfascisme positiviste »
NGOSA,
EDITORIAL
en question Established on behalf of Michael Brüggemann, Wiebke Loosen & Christoph
Didier MUSONDA BWALYA et Dieudonné Deutsche Gesellschaft für Neuberger
Hanri Mostert MUNDALA MUNDALA, Publizistik- und Kommuni-
The ‘Thing’ Called ‘Mineral Right’ kationswissenschaft e. V. FULL PAPER
Jean Salem Israël Marcel KAPYA KABESA et
Re-examining the nature, content and (DGPuK). Nele Heise
Justin KYUNGU NSENGA,
scope of a rather confounding concept in “Bridging Technologies” – Conceptualizing
LWEU KAFUTSHI et Alexis MUSOYA MAZUWA,
South African law technological objects as interfaces between journalism
Baudouin WIKHA TSHIBINDA et Robert
Hanifa T. Massawe / Mwajuma Kadilu and audience
NKUMISONGO, „Brückentechnologien“ – Technologische Objekte als
Combatting Insider Trading in Tanzania:
Pierre DIMANDJA KALONDA et Albert KYEMBE Schnittstellen zwischen Journalismus und Publikum
The Adequacy of the Capital Markets
MULUMBWA,
and Securities Act of 1994 and the Jörg Haßler, Marcus Maurer & Thomas Holbach
Joseph MAKUNGU KANANGE et Betty Vorsprung durch Technik? Die Analyse journalistischer
Companies Act of 2002
MUTUKA KIMPINDE, Online-Angebote mit Hilfe automatisierter Verfahren
Ibrahima Diallo Advancement through technology? The analysis of
MUMBA KAKUDJI MARTIAL,
Les évolutions récentes du droit public journalistic online-content by using automated tools
Ghislain TSHESU MBAYO,
économique sénégalais
2 2014
Laurent NGOY NDJIBU, Thomas Roessing
Enzyklopädie-Amateure als Amateur-Journalisten:
Clément MUFUNDJI TSHINAT-KARL et Aimé
Wikipedia als Gateway für aktuelle Ereignisse
BANZA ILUNGA, Amateur encyclopedia editors as nonprofessional
3. Jahrgang
Pascal KAKUDJI YUMBA, journalists: Wikipedia as a gateway for breaking news
Seite 145 – 252
Brigitte Hofstetter & Philomen Schönhagen
ISSN 2192-4007
Wandel redaktioneller Strukturen und journalistischen
Handelns
Changing newsroom structures and journalistic
routines
„Recht in Afrika“ ist die 1998 gegrün- Die KAS African Law Study Library Das E-Journal der Deutschen Gesell-
dete Zeitschrift der Gesellschaft für veröffentlicht vorwiegend Artikel jun- schaft für Publizistik- und Kommuni-
afrikanisches Recht e.V., die seit 2014 ger afrikanischer Wissenschaftler zu kationswissenschaft e. V. (DGPuK)
online erscheint. Sie ist ein Informa- aktuellen Themen rechtsstaatlicher präsentiert Beiträge und Analysen aus
tions- und Diskussionsforum für die Entwicklung im afrikanischen Kon- allen Forschungsrichtungen der Dis-
unterschiedlichen Ausprägungen von text. Die Artikel untersuchen prak- ziplin. SC|M veröffentlicht empirische
Recht, das auf dem afrikanischen Kon- tisch relevante Fragen, gehen auf wie theoretische Studien des Faches,
tinent zur Anwendung kommt. Die politische und wirtschaftliche Bezüge setzt mit aktuellen Erkenntnissen
aktuelle Rechtsentwicklung wird be- ein und erarbeiten eigenständige Impulse, reflektiert den internationa-
sonders gewürdigt. Lösungsvorschläge. len Forschungsstand und informiert
über Kontroversen.
Recht in Afrika erscheint halbjährlich online KAS erscheint vierteljährlich online und SC|M erscheint vierteljährlich online und
und enthält Beiträge in deutscher, englischer veröffentlicht Beiträge in englischer und fran- veröffentlicht Beiträge in englischer und
und französischer Sprache. zösischer Sprache. deutscher Sprache.
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Einführung
D
ie international anerkannte Reihe NMC Horizon Report Beispielen zur Vertiefung des Themas. Diese Ressourcen sind
und die regionale Publikation NMC Technology Outlooks zusammen mit einer umfangreichen Sammlung anderer in
gehören zum NMC Horizon Project, das 2002 ins Leben diesem Kontext interessanter Projekte und Literaturhinweise
gerufen wurde und jedes Jahr die technologischen über die Open-Content-Projektdatenbank zugänglich, auf die
Entwicklungen ermittelt und beschreibt, die während man mit der kostenlosen NMC Horizon EdTech Weekly App
der kommenden fünf Jahre weltweit einen großen Einfluss für iOS1 und Android zugreifen kann.2 Sämtliche Materialien
auf den Bildungsbereich ausüben werden. Diese Ausgabe, für den NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
der NMC Horizon Report: 2014 Edition Bibliotheken, untersucht einschließlich der Forschungsdaten, der Vorauswahl, der
Schlüsseltrends, signifikante Herausforderungen und neue Themenvorschau und dieser Publikation können kostenlos
Technologien im Hinblick auf ihre potenziellen Auswirkungen über iTunes U.3 heruntergeladen werden.
auf Hochschul- und Forschungsbibliotheken in aller Welt.
Wenngleich viele lokale Faktoren auf Bibliotheken einwirken,
so existieren doch auch Problemstellungen, die regionale
Grenzen überschreiten, sowie Fragen von allgemeiner
Ein Expertenbeirat bestimmte 18
Gültigkeit – und die Entstehung dieses Reports ist genau
auf diese Fragen zurückzuführen. Der Horizon Report: 2014 –
Themen, die sich sehr wahrscheinlich
Edition Bibliotheken entstand in Zusammenarbeit des NMC mit
der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur, der auf die Technologieplanung und
Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover und der
ETH-Bibliothek Zürich. Entscheidungsfindung auswirken
Jede der vier globalen Ausgaben des NMC Horizon Report
— Hochschulbildung, K-12 Bildung, Hochschul- und
werden: Sechs Schlüsseltrends,
Forschungsbibliotheken und Museen — beleuchtet sechs
neue Technologien oder Praktiken, die sich wahrscheinlich sechs signifikante Herausforderungen
innerhalb der kommenden fünf Jahre in ihren jeweiligen
Schwerpunktbereichen etablieren werden. Bedeutende und sechs wichtige technologische
Trends und Herausforderungen, die sich während dieses
Zeitraums auf die derzeitige berufliche Praxis auswirken Entwicklungen.
werden, bilden den Rahmen für diese Diskussionen. Für den
NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken bestimmte
ein Expertenbeirat 18 Themen, die sich höchstwahrscheinlich Das Verfahren, das für die Erforschung und die Zusammenstel-
auf die Technologieplanung und die Entscheidungsfindung lung der Publikation NMC Horizon Report: 2014 – Edition Biblio-
auswirken werden: Sechs Schlüsseltrends, sechs signifikante theken angewandt wurde, hat seinen Ursprung in den Metho-
Herausforderungen und sechs wichtige technologische den, die für alle Forschungsaktivitäten im Rahmen des NMC
Entwicklungen. Diese Diskussionen von Trends und Horizon Projects verwendet werden. Sämtliche Ausgaben der
Technologien sind in drei Kategorien mit einem speziellen Publikation NMC Horizon Report stützen sich auf Ergebnisse
Zeithorizont unterteilt – die Herausforderungen werden auf der Primär- und Sekundärforschung. Dutzende bedeutsamer
ähnliche Weise unterteilt und in einem dreiteiligen Zeitrahmen Trends, Herausforderungen und neuer Technologien werden
diskutiert, der auf das Ausmaß der Herausforderung bezogen daraufhin untersucht, ob sie in den Bericht einfließen sollen.
ist.
Jeder Bericht schöpft aus dem umfangreichen Fachwissen
Für den vorliegenden Bericht wurde ein internationaler eines internationalen Expertenbeirats, der zunächst eine
Expertenbeirat aus den Bereichen Bibliotheksmanagement, große Bandbreite von Schlüsseltrends, signifikanten
Bildung, Technologie und aus anderen Bereichen gebildet. Herausforderungen und neuen Technologien zusammenstellt,
Im Frühjahr 2014 einigte sich der Expertenbeirat 2014 Horizon
um sie dann genauer in Augenschein zu nehmen und die
Project Library innerhalb von drei Monaten auf die Themen, die
Themen weiter einzugrenzen, bis eine abschließende Auswahl
der NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken behandeln
von Trends, Herausforderungen und Technologien feststeht.
sollte.
Das gesamte Verfahren findet online im Wiki des NMC Project
Jeder Themenbereich endet mit einer kommentierten statt. Das Wiki ist als vollkommen transparentes Fenster
Literaturempfehlungen und zusätzlichen weiterführenden konzipiert, das Einblicke in die Projektarbeit gewährt, die7
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2 NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
Arbeit in Echtzeit zeigt und zusätzlich alle Aufzeichnungen Experten waren seit 2002 an einem Beirat oder mehreren
des Verfahrens für alle verschiedenen Ausgaben des Reports Beiräten beteiligt. Für jede Ausgabe des Berichts ist mindestens
enthält, die seit 2006 veröffentlicht wurden. Das Wiki für den ein Drittel der Mitglieder neu im Gremium, um den Fluss neuer
NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken findet sich Perspektiven jedes Jahr aufs Neue zu gewährleisten. Vorschläge
unter library.wiki.nmc.org. für Mitglieder in den Expertenbeiräten sind willkommen unter:
go.nmc.org/horizon-nominate.
Der Expertenbeirat setzte sich aus 47 Bibliotheks- und
Technologiefachleuten aus 16 Ländern von fünf Kontinenten Nachdem sich das Gremium für eine bestimmte Edition
zusammen. Namen und organisatorische Zugehörigkeit der gebildet hat, beginnt die Arbeit mit einer systematischen
Beteiligten sind am Ende dieses Berichts aufgeführt. Trotz Auswertung von Pressemeldungen, Berichten, Essays
ihres unterschiedlichen Hintergrunds und unterschiedlicher und anderen Materialien, die sich mit dem Wachstum
beruflicher Erfahrungen teilen sie alle die Auffassung, dass und der Entwicklung neuer Technologien befassen.
die vorgestellten Technologien in den kommenden fünf Mitglieder werden zu Projektbeginn mit umfangreichem
Jahren einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung von Hintergrundmaterial ausgestattet und werden gebeten,
Hochschul- und Forschungsbibliotheken in der gesamten Welt dieses Material zu kommentieren, besonders interessante
haben werden. Die Perspektive der Expertinnen und Experten Quellen hervorzuheben und die Sammlung mit eigenen
zeigt sich außerdem in den Schlüsseltrends, die den Einsatz Beiträgen zu ergänzen. Die Gruppe diskutiert Einsatzbeispiele
und die Nutzung der Technologien voranbringen, sowie bei neuer Technologien und identifiziert durch Brainstorming
den erheblichen Herausforderungen, denen die Bibliotheken neue Nutzungsmöglichkeiten. Ein Schlüsselkriterium für die
sich stellen müssen, wenn sich diese Technologien erfolgreich Einbeziehung eines Themas in diese Edition ist dessen mögliche
in der Praxis etablieren sollen. Relevanz für Hochschul- und Forschungsbibliotheken. Eine
sorgfältig aus einer großen Anzahl relevanter Publikationen
Die Themenauswahl des Berichts beruht auf einem
zusammengestellte Auswahl von RSS-Feeds stellt sicher, dass
modifizierten Delphi-Prozess, der während der zwölf Jahre, in
die Quellen mit Hintergrundinformationen während des
denen die Reihe NMC Horizon Report bereits erschienen ist, stetig
Projektverlaufs auf dem neuesten Stand bleiben. Sie bieten
verbessert wurde. Am Anfang stand die Zusammenstellung
Nahrung für das Denken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
des Expertenbeirats. Die ausgewählten Expertinnen und
Experten haben unterschiedliche Hintergründe, nationale Im Anschluss an diese Auswertung konzentriert sich der
Zugehörigkeiten und Interessen. Sie bringen jedoch alle Expertenbeirat auf den zentralen Schwerpunkt seiner Arbeit:
Fachkenntnisse mit, die für das Gremium relevant sind. Über die Beantwortung der ordnenden Fragen, die den Kern des
1.000 international renommierte Fachleute, Expertinnen und NMC Project bilden. Diese Fragen wurden konzipiert, um eine
Key Trends Model
Fast vs Mid- and Long-Range Trends
FA S T
1-2 years in each direction
MI D - R AN G E
3-4 years in each direction
LON G- R A N G E
5 years or more in each direction
PAST PRESENT FUTUREEinführung 93
umfassende Übersicht aller Technologien, Herausforderungen zu gewichten und zu kategorisieren. Die Ergebnisse werden
und Trends zu erhalten, die für den Beirat von Bedeutung sind: in einem kollektiven Ranking zusammengestellt und die
Antworten mit den meisten Übereinstimmungen kristallisieren
1Welche Trends werden weltweit innerhalb der
kommenden fünf Jahre wesentliche Auswirkungen auf
Hochschul- und Forschungsbibliotheken haben?
sich schnell heraus.
Aus der umfassenden Auflistung von Trends,
Herausforderungen und Technologien, die zunächst für
2 Was sind Ihrer Ansicht nach in den kommenden fünf
Jahren weltweit die wesentlichen Herausforderungen
für Hochschul- und Forschungsbibliotheken?
jeden Bericht berücksichtigt wurden, wird das Dutzend, das
sich aus dem anfänglichen Ranking-Prozesses ergibt, weiter
untersucht und die Betrachtung ausgeweitet. Wenn diese
Zwischenergebnisse feststehen, untersucht die Gruppe, wie
3 Welche der im NMC Horizon Project behandelten Schlüs-
seltechnologien wird innerhalb der nächsten fünf Jahre
für Hochschul- und Forschungsbibliotheken die größte Be-
sich diese Themen auf Hochschul- und Forschungsbibliotheken
auswirken. Ein erheblicher Teil der verfügbaren Zeit wird
darauf verwendet, reale und potenzielle Nutzungsformen für
deutung haben? jedes der Themen zu erforschen, die in der Praxis von Interesse
sein könnte. Nach Abschluss dieses Arbeitsschritts werden
4 Welche Schlüsseltechnologien fehlen in unserer Auflis-
tung? Bedenken Sie in diesem Zusammenhang die fol-
genden Fragen:
alle als Zwischenergebnis ermittelten Themen zur Voransicht
ausgearbeitet. Die Themen der Zwischenergebnisse werden
nun erneut eingestuft – dieses Mal jedoch in umgekehrter
Reihenfolge. Die Themen, die der Expertenbeirat abschließend
> Welche etablierten Technologien, die bereits von
ausgewählt hat, werden in diesem NMC Horizon Report: 2014 –
einigen Hochschul- und Forschungsbibliotheken
Edition Bibliotheken ausführlich vorgestellt.
genutzt werden, würden Sie für eine
weitgehende Nutzung durch alle Hochschul- und
Forschungsbibliotheken nennen?
> Welche Technologien mit einer soliden Nutzerbasis
in der Konsumgüter-, der Unterhaltungsbranche
oder anderen Bereichen sollten Hochschul- und
Forschungsbibliotheken in Augenschein nehmen
und aktiv nach Nutzungsmöglichkeiten suchen?
> Was sind Ihrer Ansicht nach neue
Schlüsseltechnologien, die so weit entwickelt sind,
dass Hochschul- und Forschungsbibliotheken in den
kommenden fünf Jahren von Ihnen Notiz nehmen
sollten?
Im ersten Schritt werden die Antworten auf diese
Forschungsfragen systematisch von jedem Mitglied des
Expertenbeirats eingestuft und anhand eines Systems
mehrfacher Abstimmung in verschiedene Zeithorizonte der
Anwendung und Nutzung neuer Technologien eingeordnet.
Dieses Wahlsystem ermöglicht den Mitgliedern, ihre Auswahl
Significant Challenges Model
Solveable vs
Difficult/WickedChallenges
YES
WICKED SOLVA B L E
SOLVAB LE
WICKED D I F F I CULT
NO YES
UNDERSTANDABLE4
10 NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
Trends, die die Anwendung neuer Technologien in
Hochschul- und Forschungsbibliotheken beschleunigen
D
ie auf den folgenden Seiten beschriebenen sechs Trends Entwicklung eines effektiven Protokolls initiiert. Beispielsweise
wurden vom Expertengremium des Projekts im Rahmen wird der Open-Access-Ansatz der University of Pennsylvania
einer Reihe von delphi-basierten Abstimmungszyklen von dem Strategiepapier Penn Compact 2020 unterstützt und
ausgewählt. Jeder Abstimmungszyklus wurde von die im Zuge der Umsetzung dieses freien Zugangs entworfenen
Sekundärforschung, Diskussionen und einer weiteren Richtlinien werden dafür sorgen, dass mehr Nutzerinnen und
thematischen Eingrenzung begleitet. Die Trends, von denen Nutzer außerhalb der Hochschule von den Ressourcen der
die Mitglieder des Expertenbeirats überzeugt waren, dass Institution profitieren können. Die Initiative wird von den Penn
sie höchstwahrscheinlich die technologische Planung und Libraries federführend betreut.5
Entscheidungen in diesem Bereich in den nächsten fünf Jahren
vorantreiben werden, wurden in drei Kategorien unterteilt:
Kurzfristige Trends, die sich in ein bis zwei Jahren auswirken,
sowie zwei Kategorien mit Trends, die sich langsamer
Das Modell des NMC Horizon Projects
entwickeln und sich erst in den kommenden drei bis fünf
Jahren auswirken werden. Eine Grafik in der Einführung bestimmte drei Metadimensionen, um
auf Seite 2 veranschaulicht die Trendkategorien. Alle hier
aufgeführten Trends wurden bezüglich ihrer Auswirkungen die Diskussionen jedes Trends und
auf Hochschul- und Forschungsbibliotheken im Rahmen einer
Reihe von Online-Diskussionen untersucht: library.wiki.nmc. jeder Herausforderung zu fokussieren:
org/Trends.
Beim Modell des NMC Horizon Project haben sich drei Strategie, Führung und Praxis.
Metadimensionen etabliert, um die Diskussionen zu jedem
Trend und jeder Herausforderung zu fokussieren: Strategie,
Führung und Praxis. Strategie bezieht sich in diesem Kontext Führung. Alle Trends wirken sich darauf aus, wie das Thema
auf formelle Gesetze, Vorschriften, Regeln und Richtlinien Führung künftig definiert wird. Zwei der Trends sind jedoch
für Bibliotheken; beim Thema Führung geht es um die besonders gut geeignet, die Ausgangsbasis für innovative
Expertenvision einer künftigen Infrastruktur für Bibliotheken Visionen zu sein. Einerseits ermutigt der Entwicklungscharakter
sowie deren Serviceangebot auf der Grundlage von Forschung wissenschaftlicher Portfolios Bibliotheken dazu, Informationen
und tiefgreifenden Analysen und bei der Praxis geht es um die in neuen, verbesserten Formaten zu teilen. Führende
Umsetzung in Bibliotheken und ähnlichen Settings. Bibliotheksorganisationen regen kritische Diskussionen
rund um dieses Thema an. Die Association of European
Strategie. Alle Trends hatten direkte Auswirkungen auf Research Libraries richtete kürzlich einen Workshop aus,
die Strategie. Von zwei Trends wird in ganz besonderem der die Zukunft der Wissenschaft auf der Grundlage von
Maße erwartet, dass sie sich während der kommenden fünf Forschungsergebnissen des Online Computer Library Center
Jahre strategisch auswirken werden. Es herrscht weitgehende (OCLC) beleuchtete. Die Keynote-Präsentation prognostizierte
Übereinstimmung, dass für Bibliotheken die Bedeutung des eine Wegbewegung von traditionellen wissenschaftlichen
Forschungsdatenmanagements für Publikationen immer Zeitschriften hin zu einem „Web of Objects”6 (Netz der Objekte).
mehr zunehmen wird. Große Organisationen wie die National
Darüber hinaus wächst das Bewusstsein dafür, dass die
Science Foundation verlangen bereits von allen Bibliotheken,
Technologie, die Standards und die Infrastruktur von
die eine finanzielle Förderung beantragen, dass diese eine
Bibliotheken kontinuierlich aktualisiert werden müssen, um
tragfähige Forschungsdatenmanagementstrategie in ihre
mit den Anforderungen der Kundinnen und Kunden sowie
Anträge integrieren. Die schnelle Ausbreitung dieses Trends
der Forschenden Schritt halten zu können. Fortschritte in
war ein Ansporn für die Association of Research Libraries,
diesem Bereich erfordern eine entsprechende Führung und
einen Leitfaden zur Standardisierung des Prozesses zu
Ressourcen, um die Bibliotheken durch den betrieblichen
veröffentlichen.4
Wandel zu lenken. Im Vereinigten Königreich Großbritannien
Während die Mitglieder des Expertenbeirats außerdem und Nordirland (kurz: UK) hat JISC diese Rolle durch
der Ansicht sind, dass der Trend zu einer zunehmenden Einführung des „Digital Infrastructure Program“ übernommen.
Zugänglichkeit von Forschungsinhalten in Hochschul- und Diese Initiative gibt Bibliotheken Tipps zur Entwicklung
Forschungsbibliotheken innerhalb der nächsten drei bis effektiver Arbeitsabläufe für die Erhaltung digitaler Inhalte und
fünf Jahre seine maximale Wirkung entfalten wird, haben informiert sie über neue Technologien und Prozesse, die sie in
Entscheidungsträger bereits wichtige Maßnahmen zur ihre Infrastruktur und ihr Serviceangebot einbauen können.7Schlüsseltrends 115 Praxis. Jeder der vom Expertenbeirat ermittelten sechs Trends hat zahlreiche Auswirkungen für Hochschul- und Forschungsbibliotheken, und in vielen Fällen sind aktuelle Beispiele aus der Praxis leicht zu finden. Die Zugänglichkeit von Bibliotheksinhalten für Studierende, Lehrende und Forschende hat sich verbessert, weil flächendeckend ein Schwerpunkt bei der mobilen Verbreitung gesetzt wurde. Die Duke University Libraries arbeiten beispielsweise mit dem App „BrowZine”, die eine verbesserte Darstellung von wissenschaftlichen Zeitschriften und anderen Bibliotheksressourcen auf den Mobilgeräten der Bibliotheksnutzerinnen und Bibliotheksbenutzer ermöglicht.8 Abschließend entwickeln sich in einer Zeit, in der Branchen wie Architektur und Biologie Wissen und Fähigkeiten aus anderen Bereichen nutzen, um Ziele wie beispielsweise eine verbesserte Nachhaltigkeit von Gebäuden oder die Suche nach neuen Behandlungsmethoden für genetisch bedingte Krankheiten umzusetzen, in der gesamten akademischen Welt neue Formen interdisziplinärer Forschung. Um diese Form der Arbeit zu fördern und ihr Raum zu geben, entwickeln sich in Bibliotheken und auf dem Universitätscampus vieler Hochschulen spezielle Bereiche. An der Brown University bringt das Institute for Molecular and Nanoscale Innovation Lehrende aus neun verschiedenen Fachbereichen zusammen, um wichtige Entdeckungen im Bereich Environmental Health und zu den Auswirkungen der Nanotechnologie9 zu ermöglichen. Es folgt nun eine Diskussion aller vom diesjährigen Expertenbeirat mit besonderem Augenmerk hervorgehobenen Trends. Jeder Trend wird im Überblick vorgestellt und seine Auswirkungen werden aufgezeigt – gefolgt von speziell zusammengestellten Empfehlungen für eine weiterführende Lektüre zum Thema.
12
6 NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
Zunehmender Fokus auf Forschungsdatenmanagement
für Publikationen
Kurzfristiger Trend (ein bis zwei Jahre)
D
ie zunehmend gute Verfügbarkeit von hierbei Muster großer Datensätze zu ermitteln, die zu einem
Forschungsberichten durch Online-Datenbanken von Durchbruch bei der Genauigkeit und Effizienz der Recherche
Bibliotheken erleichtert Studierenden, Lehrenden führen können.12
und Forschenden mehr denn je den Zugang zu
Während Universitäten und andere lernfokussierte
bereits existierenden Gedankengängen und
Institutionen im Laufe der Zeit mehr Daten generieren, sind
Arbeiten, auf die sie sich stützen können. Die Archivierung
Hochschul- und Forschungsbibliotheken gut darauf eingestellt,
von Beobachtungen, die zu neuen Ideen führten, ist zu
die Manager und Kuratoren dieser Informationen zu sein.
einem entscheidenden Bestandteil der Verbreitung von
Genau wie Beziehungen zwischen Menschen durch einen
Berichten geworden. Erweiterte Formate und Arbeitsabläufe
Familienbaum dargestellt werden können, so sind Bibliotheken
beim elektronischen Publizieren haben es ermöglicht,
nun in der einzigartigen Situation, die Verbindungen
dass Experimente, Tests und Simulationsdaten durch
zwischen Forschungsdaten unterschiedlicher Studien und
Audio- und Videoformate sowie andere Medien und
Initiativen beleuchten zu können. Indem sie die Datensätze
Visualisierungsformen dargestellt werden.10 Das Aufkommen
jeder Publikation, in der sie auftauchen, digital archivieren,
dieser Formate hat bei den Bibliotheken dazu geführt, die
sie mit Metadaten und Schlagworten kennzeichnen und sie
Prozesse für ihr Datenmanagement und die Verlinkung
durchsuchbar machen, können Datenbanken von Bibliotheken
zwischen unterschiedlichen Publikationen zu überdenken.
Zusammenhänge und Muster bei verschiedenen Studien
Dadurch kristallisieren sich Verbindungen zwischen
sichtbar machen und die gesamte Wachstumskurve einer Idee
Forschungspublikationen heraus, die es Forscherinnen und
aufzeigen. Bibliometrische Tools unterstützen laut Diskussion
Forschern ermöglichen, zu erkennen, wie sich die Ergebnisse
in dem Kapitel „Wichtige technologische Entwicklungen“
einer Studie auf eine andere Studie ausgewirkt haben.
den Prozess, indem sie die Häufigkeit ermitteln, mit der eine
Forschende können sich so ein besseres Bild machen, wie
Publikation zitiert wurde, so dass Bibliotheken das gesamte
sich eine Idee im Laufe der Zeit entwickelt hat, während sie
Ideengebäude erkennen können, das auf dieser Publikation
sie aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Fortschritte
aufbaut.13
beim digitalen Datenmanagement führen letztendlich zu
genaueren Suchergebnissen und Zitationen und ermöglichen Einer der wichtigsten Aspekte dieses Trends ist seine
Bibliotheken, auf effektivere Weise relevante Ressourcen für Einflussnahme auf den Prozess der wissenschaftlichen
ihre Nutzerinnen und Nutzer zu pflegen und zu vermitteln. Forschung. Die Forschungsgruppe AKSW (Agile Knowledge
Engineering and Semantic Web), unter der Leitung der
Überblick Universität Leipzig und des Instituts für Angewandte
Seit vielen Jahren haben Hochschulbibliotheken Online- Informatik, startete das Projekt „Analyzing Cognitive Evolution
Datenbanken für die Lehrenden und die Studierenden Using Linked Data“, um aufzuzeigen, auf welche Weise
gepflegt, damit sie Bücher und Forschungsergebnisse nach die Abfrage von Daten, die aus verschiedenen Disziplinen
Themen, Schlagworten und mit anderen Suchfunktionen angehäuft wurden, komplexe Fragen zur Kognition
finden konnten. Laut einem kürzlich in The Chronicle of beantworten kann. Die Studie beinhaltet die Verknüpfung
Higher Education erschienen Artikel des Ubiquitous Librarian von Daten zur Evolutionsgeschichte der Gene mit den
empfinden einige Lehrende diese Datenbanken nicht mehr als Arten von Krankheiten, als deren Verursacher sie bekannt
so nützlich, wie sie es eigentlich sein könnten – insbesondere, sind. Der Forschungsansatz bedient sich einer Kombination
da Studierende zu viel Zeit auf die Suche und nicht genügend aus Genetik, Biomedizin und anderen Datenbereichen. Im
Zeit auf die Lektüre verwendeten.11 Die Suche nach Ergebnis verwendete AKSW zwölf verschiedene Datensätze
grundverschiedenen Ressourcen für eine bestimmte Aufgabe und fügte sie in einer einzigen Online-Datenbank zusammen,
und der Versuch, diese Quellen mit anderen relevanten um die verbesserte Effizienz aufzuzeigen, mit der kognitive
Publikationen zu verknüpfen, verlangsamt die Recherche Erkrankungen von den Forscherinnen und Forschern erkannt
und hat für Bibliotheken eine Möglichkeit aufgezeigt, wie sie und verstanden werden konnten.14
ihr Datenmanagement und die Recherche nach Daten neu
konzipieren können. Bibliotheken und Organisationen mit Auswirkungen auf Strategie, Führung und Praxis
einem Schwerpunkt in der Informationsvermittlung, zum Wichtige Geldgeber wie die National Science Foundation
Beispiel die European Library (Europäische Bibliothek), die (NSF) haben erkannt, wie entscheidend ein effektives
Library of Congress (US-amerikanische Kongressbibliothek), Datenmanagement für Forschungsinitiativen ist und
Mendeley, CORE und die Elsevier Labs organisieren Workshops, dementsprechend ihre Vergabestrategie für Bibliotheken
um neue Tools für das Dataminig aus wissenschaftlichen geändert, um Datenmanagementpläne für alle Anträge
Publikationen zu untersuchen und zu entwickeln und verbindlich einzubeziehen. Infolgedessen hat die AssociationKurzfristiger Trend 137
for Research Libraries (Verband der Forschungsbibliotheken) Technologie von Microsoft auf die Gesten der Nutzerinnen
einen Leitfaden für Bibliothekarinnen und Bibliothekare und Nutzer reagiert. Wandbilder zeigen von der Universität
herausgegeben, der diese Regelungen zum besseren kuratierte Datensätze zu unterschiedlichen Themen – von
Verständnis erläutert.15 Die Zusammenstellung von mittelalterlichen Manuskripten über Sternensysteme.
Forschungsdaten aus vielen unterschiedlichen Quellen in einer Beispielsweise können Studierende lernen, wie sie Galaxien
einzigen Publikation erfordert außerdem ein umfassendes manipulieren können, indem sie alle Daten zu den
Wissen über die aktuelle Gesetzgebung zu Copyright und zu Sternensystemen auf der Visualisierungswand manipulieren.20
geistigem Eigentum. Weiterführende Ressourcen zum Thema Solche Innovationen lassen Bibliotheken wie die University
„Research Ethics Education“ (Forschungsethische Bildung) of Oxford Library über neue Formen zur Veröffentlichung der
stellt eine Auflistung von Regelungen für Bibliotheken Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und
mit einer Reihe von Themen mit Forschungsbezug zur darüber nachdenken, wie Bibliotheken sie in allen Phasen ihrer
Verfügung, zum Beispiel Datenmanagement, Teilen von Forschung unterstützen können – angefangen beim Bestand
Daten und Veröffentlichung von Arbeitsabläufen.16 Für das über die Kennzeichnung und Präsentation dieser Daten bis
Forschungsdatenmanagement ist die Standardisierung der zu Überlegungen, wie bereits existierende Datensätze durch
Nennung von Autorinnen und Autoren sowie Forschenden Visualisierungen aufgewertet werden können. Der leitende
von grundlegender Bedeutung. Die UMass Amherst Libraries Bibliothekar der Oxford Library sieht Bibliothekarinnen und
stellen Richtlinien zu Rechten der Weiterverbreitung und des Bibliothekare als „Mit-Schaffende neuen Wissens.” 21
Zitierens, zu alternativen Formen der Lizenzierung und zur
Rechtssprache für die faire Wiederverwendung (fair re-use) Literaturempfehlungen
von Daten für Forscherinnen und Forscher zur Verfügung.17 Weiterführende Literatur zur zunehmenden Konzentration auf
das Forschungsdatenmanagement für Publikationen:
Darüber hinaus erfordern Forschungsdatenmanagementmo-
delle visionäre Führung, um festzulegen, wie 11 Case Studies Released on Research Data Management
Datenverknüpfungen am besten in Bibliothekskataloge zu in Libraries
integrieren sind. Das Harvard-Smithsonian Center for Physics go.nmc.org/elev
and Astronomy ist in diesem Zusammenhang beispielhaft. Das (Association of European Research Libraries, Zugriff: 16.
dortige von der NASA finanzierte SAO/NASA Astrophysics Data Juli 2014) Elf Fallstudien beschreiben die Grundsätze,
System enthält 10,7 Millionen wissenschaftliche Datensätze Herausforderungen und Strategien, die bei der Schaffung,
und bietet ein Tracking von Zitaten und der Nutzung der institutionellen Integration, dem Management der
ihrer Ressourcen, um „zukunftsweisende Möglichkeiten Serviceunterstützung und der zugrunde liegenden Infrastruktur
von Lösungen für das Forschungsdatenmanagement in
für die Suche nach Datensätzen und deren Auswertung
Bibliotheken eine Schlüsselrolle gespielt haben. > Strategie
zur Verfügung zu stellen.”18 Forscherinnen und Forscher
der Universitätsbibliothek Mannheim und am GESIS – Research Data Management Principles, Practices, and
Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften veröffentlichten Prospects
den Beitrag „Integration of Research Data and Research go.nmc.org/princi
Data Links into Library Catalogues”, um zu untersuchen, (The Council on Library and Information Resources,
inwieweit ein integriertes Suchumfeld für Publikationen November 2013.) Der Bericht erörtert die Voraussetzungen
und Forschungsdaten die Beziehungen zwischen den der National Science Foundation, der National Institutes
unterschiedlichen Berichten und Beiträgen besser beleuchten of Health und anderer US-bundesstaatlicher Behörden
könnte. Ihr System machte sich ein komplexes Mapping zur für das Datenmanagement und untersucht, wie
Zuordnung von Metadaten zwischen bereits bestehenden Forschungsinstitutionen darauf reagieren. > Strategie
Bibliothekskatalogen zunutze, hob jedoch gleichzeitig die
Ten Theses
Herausforderungen hervor, die sich daraus ergaben, dass
go.nmc.org/tenthe
es sich bei Metadaten häufig um Daten-Repositorien oder
(Klaus Tochtermann, November 2013.) Die zehn Thesen
domainspezifische Daten handelt. Jede Datenbank und
beschreiben die Faktoren, die sich auf die wissenschaftliche
jedes System mit bibliografischen Einträgen verfügt über
Informationsinfrastruktur prägend auswirken werden. Eine
eine bestimmte Form der Kategorisierung von Publikationen
Vorhersage beinhaltet, dass Technologien den Forscherinnen
und Daten, so dass ein Tool notwendig ist, das alle Arten von
und Forschern ermöglichen werden, nicht so aktiv wie bisher
Metadaten effizient interpretieren und standardisieren kann.19
nach Literatur suchen zu müssen, da ihnen die für ihre Arbeit
Da Forschungsdaten immer öfter in Publikationen und und ihre Studien relevante Literatur proaktiv übermittelt wird.
komplexe Datenbanken eingepflegt werden, ergibt sich > Führung
für Bibliotheken die Chance, zu überdenken, auf welche
Re3Data
Weise ihre Nutzerinnen und Nutzer zu neuen Informationen
go.nmc.org/inqui
navigieren und diese finden. Die Definition einer Publikation
(Re3data.org, Zugriff: 7. Juli 2014.) Das Ziel von re3data.
entwickelt sich über die Einschränkungen statischer Texte und org ist es, eine globale Datenbank zur Registrierung von
Schaubilder hinaus und geht in ein interaktiveres Format über. Forschungsdaten-Repositorien einzurichten, die eine
Die Johns Hopkins Milton S. Eisenhower Library verfügt mit der Verknüpfung zwischen dem Output und Publikationen
„Balaur Display Wall“ über eine Visualisierungswand (Maße: 2 herstellt. > Praxis
mal 4 Meter) mit Fernsehbildschirmen, die durch die Kinect-14
8 NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
Priorisierung von mobilen Inhalten und deren
Bereitstellung
Kurzfristiger Trend (ein bis zwei Jahre)
M
obilgeräte – Smartphones, Tablets und E-Reader digital verfügbare Inhalte zu lesen sowie Quellen zu finden und
– erobern einen immer größeren Teil des zu sichern, anstatt die Bibliothek persönlich aufzusuchen.31
Informationsmarktes. Laut einer Studie des In diesem Zusammenhang ist es wichtig, nicht nur alle
Pew Research Center zum Nutzungsverhalten grundlegenden Informationen der Bibliothek bereitzustellen,
US-amerikanischer Erwachsener besitzen 42 sondern auch die Aufgaben zu priorisieren, die eine
Prozent einen Tablet-Computer, 55 Prozent ein Smartphone produktive Recherche auf mobilen Endgeräten ermöglichen.
und 50 Prozent verfügen über einen E-Book-Reader.22 Die Optimierung der Suche in Bibliothekskatalogen über
Durch die verstärkte Nutzung mobiler Inhalte erwarten Mobilgeräte zählt zu den nützlichsten Funktionen32 und die
Nutzerinnen und Nutzer, Lehrende, Forscherinnen und Integration von Bibliotheksdatenbanken wie EBSCOhost,33
Forscher sowie Studierende, auf Bibliotheksinhalte immer JSTOR34 und WorldCat35 in eine mit der mobilen Nutzung
und überall zugreifen zu können. Um dieser steigenden kompatible Website oder eine App einer Hochschulbibliothek
Nachfrage zu entsprechen, integrieren Hochschul- und stellt den Bibliotheksnutzerinnen und Bibliotheksnutzern ein
Forschungsbibliotheken mobile Optionen für ihre Inhalte stabiles Tool zur Verfügung, mit dem sie auf ihrem Mobilgerät
und deren Bereitstellung in ihr Serviceangebot. Hierzu zählen an einem Ort ihrer Wahl nach Büchern und wissenschaftlichen
mobilgerechte Website-Versionen, Apps, Kataloge und Zeitschriften suchen können.
E-Books.23 Einige Bibliotheken fördern diesen Trend, indem
sie Geräte wie Tablets und E-Reader an ihre Nutzerinnen Der mobile Zugang zu digitalen Materialien nimmt stetig
zu und Hochschul- und Forschungsbibliotheken arbeiten
und Nutzer so selbstverständlich ausleihen wie die
daran, alte Inhalte für Tablets und Smartphones aufzubereiten
Druckausgaben von Büchern.24 Mit der Weiterentwicklung
und neuere Inhalte in neuen Formaten anzubieten –
mobiler Geräte und Anwendungen konzentrieren sich
beispielsweise als E-Books. Lesegewohnheiten verändern
die Bibliotheken auf langfristige, geräteunabhängige
sich mit der zunehmenden Nutzung mobiler Geräte –
Lösungen.25
hauptsächlich durch die kleinere Bildschirmgröße, für die
Inhalte leserfreundlich formatiert werden müssen.36 PDF-
Überblick
Dokumente sind zwar seit den 1990er-Jahren ein häufig
Seit 2003 hat das Forschungsteam des Fachverlags Elsevier
genutztes Format für den Zugang zu digitalen Inhalten, sie
Studien zur Benutzerfreundlichkeit von Hochschul- und
eignen sich jedoch besser für Desktop-PCs, Laptops und
Forschungsbibliotheken durchgeführt, um die beste Form
andere größere Geräte. Lösungsansätze – beispielsweise
der Gestaltung von Inhalten für die Nutzerinnen und Nutzer
die Bereitstellung von Inhalten im Format EPUB 3 – gelten
zu ermitteln.26 Auch wenn Recherchen, die Suche nach
als praktikable Option für das Lesen auf kleinen Geräten.37
Unterrichtsmaterialien und die Ermittlung von Benutzerkonten
Studierende und Forschende erwarten ebenfalls einen
und allgemeinen Bibliotheksinformationen nach wie vor zu
besseren Zugang zu digitalen Medien auf ihren Mobilgeräten,
den wichtigsten Nutzungsformen zählen,27 so hat sich die Art
unter anderem zu E-Books, Videos und Datenvisualisierungen.
und Weise, wie jeder Einzelne auf diese Daten zugreift, durch
Um diesem Trend zu begegnen, arbeiten Hochschul- und
die rasche Ausbreitung mobiler Technologie verändert.28
Forschungsbibliotheken mit Anbietern und Verlagen an der
Hochschul- und Forschungsbibliotheken haben eine Reihe
Bereitstellung von E-Books, hauptsächlich über Perpetual
von Lösungen gefunden, um ihr Angebot auf Anwenderinnen
Access und Subskriptionsmodelle.38 Während Copyright-
und Anwender mobiler Geräte abzustimmen, unter anderem
Fragen den Zugang zu E-Books in Europa erschweren,39
durch mobile Website-Versionen, native Apps und Responsive
arbeiten Bibliothekskonsortien in den USA daran, eine andere
Webdesign.29 All dies hat Website-Inhalte gestrafft, um sie
Barriere für den Zugriff auf mobile Inhalte zu beseitigen. Es
an kleinere Bildschirmgrößen anzupassen. Während die
handelt sich um die bisher fehlende Möglichkeit, E-Books über
Priorisierung einer mobilen Bereitstellung von Inhalten
die Fernleihe anzubieten.40
in Bibliotheken an Zugkraft gewonnen hat, geht es in der
aktuellen Debatte um die effizienteste Art, die große Vielzahl
mobiler Geräte zu bedienen, über die auf die verfügbaren
Auswirkungen auf Strategie, Führung und Praxis
Bibliotheken beginnen mit der Entwicklung von Strategien
Ressourcen zugegriffen wird.30
zur Nutzung mobiler Endgeräte in ihren Räumen. Die Penn
Die wachsende Nutzung der mobilen Technologie verändert State University Libraries sehen beispielsweise die wachsende
auch die wissenschaftlichen Arbeitsabläufe. Studierende und Bedeutung, die Mobiltelefone im täglichen Leben haben und
Forschende bevorzugen es mehr und mehr, über die mobile haben deshalb spezielle Zonen eingerichtet, wo Mobiltelefone
Website einer Bibliothek oder eine spezielle App den Katalog genutzt werden können, um die Besucherinnen und Besucher
einer Bibliothek zu durchsuchen, Abstracts und vollständig davon abzuhalten, für andere störende Telefonate zuKurzfristiger Trend 159
führen.41 Zusätzlich sind Bibliotheken weltweit vom Bedarf Literaturempfehlungen
an aktualisierten Copyright-Richtlinien zur Einbeziehung Weiterführende Literatur zur Priorisierung mobiler Inhalte und
mobilfreundlicher digitaler Produkte (zum Beispiel E-Books) deren Bereitstellung:
betroffen. Die vom European Bureau of Library Information
and Documentation Associations (EBLIDA) gestartete Pathways To Best Practice Guides
Kampagne „The Right to e-Read” ist eine europaweite Initiative, go.nmc.org/jiscin
die wichtige Akteure und politische Entscheidungsträger (JISC, 23. August 2012.) Die Leitfäden stellen die Vorteile
auf die Herausforderungen aufmerksam machen soll, denen der mobilen Nutzung für Bibliotheken vor und zeigen
sich Bibliotheken im Hinblick auf E-Books und digitale verschiedene Wege auf, wie mobile Technologien wirksam
eingesetzt werden können, um die Bereitstellung von Inhalten
Inhalte aufgrund von Copyright-Fragen ausgesetzt sehen.42
und anderen Schlüsselfunktionen des Serviceangebots von
Bibliotheken in den Vereinigten Staaten halten die rechtlichen
Bibliotheken zu optimieren. > Strategie
Regelungen für den Kauf und Weiterverkauf digitaler Inhalte
sehr genau ein. Auf der Grundlage der „First Sale Doctrine“ kann An Academic Library Mobile App is Not a Technology of
die Kopie eines dem Copyright unterliegenden Werks ohne the Future: It’s a Necessity for Connecting with Students in
Genehmigung verkauft, verliehen oder entsorgt werden.43 the Present
go.nmc.org/nece
Um die Hinwendung zu mobilen Inhalten und deren
(Megan Vizzini, Boopsie Blog, 4. April 2014.) Die Autorin dieser
Bereitstellung zu ermöglichen, ist eine führende Rolle der
Publikation untersucht einen der vorherrschenden Trends im
Bibliotheksverbände, der professionellen Entwickler und
Bildungssektor – das ubiquitäre Lernen. Mobile Initiativen von
aller Hochschul- und Forschungsbibliotheken gefragt. Das
Bibliotheken bringen für diese Art des Lernens entscheidende
„JISC Mobile Infrastructure for Libraries Programme“ hat
Ressourcen direkt zu den Lernenden. > Führung
beispielsweise das Projekt „Mobilising Academic Content
Online“ (Online-Mobilisierung wissenschaftlicher Inhalte) ins Developing a Prototype Library WebApp for Mobile
Leben gerufen, um ein Good Practice Toolkit zu entwickeln, Devices
das sich mit den Herausforderungen auseinandersetzt, die go.nmc.org/aria
sich bei der Bereitstellung wissenschaftlicher Inhalte auf (Cooper Brewerton, Ariadne, 10. Juni 2013) Auf der Grundlage
Mobilgeräten ergeben.44 In ähnlicher Weise wird ein kürzlich einer Untersuchung von Traffic und Statistiken der Website
zur Finanzierung freigegebenes Projekt an der University of der Loughborough University Library spricht die Autorin
California Davis eine Roadmap zur strategischen Planung Empfehlungen für die Entwicklung von mobilfreundlichen
und für Investitionen in neue Software, Standards und Webapplikationen aus. > Führung
Expertenwissen erstellen.45 Außerdem stehen derzeit berufliche
Library Success: A Best Practices Wiki
Fortbildungsmöglichkeiten und weitere Online-Ressourcen zur
go.nmc.org/m-li
Verfügung, um Bibliothekarinnen und Bibliothekare auf den
(M-Libraries, Zugriff: 16. Juli 2014.) Das kollaborative,
neuesten Wissensstand zu bringen und ihnen das Verstehen
regelmäßig aktualisierte Wiki stellt Ressourcen, Tools
und Entwickeln mobiler Apps und Websites zu ermöglichen. und Beispiele von Bibliotheken zusammen, die mobile
Der US-amerikanische Bibliotheksverband TechSource bietet Schnittstellen oder Anwendungen anbieten. > Führung
Informationen und Training an, wie die mobile Website einer
Bibliothek optimiert werden kann.46 23 Mobile Things ist ein Mobile Strategy or ‘Online’ Strategy?
Online-Training, das die Potenziale mobiler Tools für die An Introduction to Responsive Design
Bereitstellung von Bibliotheksdiensten aufzeigt.47 go.nmc.org/respo
(Toby Plewak, Publishing Technology, 22. Juli 2014.) Es gibt
Die Priorisierung mobiler Inhalte und deren Bereitstellung vieles, was aus Sicht der Verlage für ein responsive Webdesign
zeigen sich in vielen Beispielen aus der Praxis. Die Duke spricht – unter anderem die Möglichkeit, eine Website laufend
University Libraries nutzen die App „BrowZine” für warten und aktualisieren zu können, während gleichzeitig die
Tablets, um Bibliotheksressourcen stärker auf die mobile volle Funktionalität für alle Endgeräte und Bildschirmgrößen
Nutzung abzustimmen und Bibliothekskundinnen und gewährleistet ist. > Praxis
Bibliothekskunden zu ermöglichen, aktuelle wissenschaftliche
Zeitschriften zu durchsuchen, zu lesen und zu verfolgen.48 Mobile Web Interface of Academic Libraries (PDF)
Die Bibliothek der University of Exeter stellt ebenfalls go.nmc.org/mobint
mobile Inhalte in den Vordergrund, indem sie eine Liste von (Hyejung Han und Wooseob Jeong, asis&t, Zugriff: 30. Juni
Ressourcen anbietet, die über mobile Websites und Apps 2014.) Das Autorenteam analysiert die mobilen Websites von
zugänglich sind. Mit der zunehmenden Popularität mobiler Hochschulbibliotheken, um deren Serviceangebot und deren
Websites und gerätespezifischer Apps bieten Hochschul- Benutzeroberflächen einzuschätzen und zu überlegen, wie die
und Forschungsbibliotheken außerdem geräteagnostische Bibliotheken wirkungsvoller auf Nutzerbedürfnisse eingehen
Lösungen – beispielsweise Responsive Design – für den Zugang können. > Praxis
zu mobilen Inhalten an. Websites der University of Toronto,
der Princeton University, der Bibliotheken der University of
Arizona Libraries und der ETH-Bibliothek.49 gewährleisten, dass
die Ansicht für jede Bildschirmgröße – sogar bisher noch nicht
erfundene – optimiert werden kann.5016
10 NMC Horizon Report: 2014 – Edition Bibliotheken
Der Entwicklungscharakter wissenschaftlicher Portfolios
Mittelfristiger Trend (drei bis fünf Jahre)
D
ie wissenschaftliche Kommunikation ist nicht mehr ein spezielles Toolkit zur Unterstützung von Bibliothekarinnen
auf printbasierte wissenschaftliche Zeitschriften und und Bibliothekaren an Kunsthochschulen notwendig sei.53
monografische Reihen beschränkt, sondern findet in
Zusätzlich zu Diskussionen über neue Formen
vernetzten Umgebungen statt und ist über ein großes
wissenschaftlicher Portfolios rückt stärker ins Zentrum des
Spektrum von Publishing-Plattformen verfügbar.51
Interesses, wie die verschiedenen Medien zur Publikation
Das Internet wirbelt das traditionelle System der Wissen-
einem dynamischeren Modell der Wissenschaft Platz gemacht
schaft durcheinander, das lange auf Druckerzeugnissen
haben. In einem kürzlich veröffentlichten redaktionellen
und Verteilungsprozessen beruhte. Wissenschaftliche Auf-
Beitrag mit dem Titel „Why Do We Still Have Journals?”
zeichnungen können heute direkt nach dem Peer Review
hob ein Sozialwissenschaftler die Chancen hervor, die
veröffentlich werden. Auf diese Weise findet Kommunikation
sich durch die Informationstechnologie ergeben und die
häufiger und öffentlicher als je zuvor statt. Wissenschaftli-
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine größere
ches Arbeiten ist nicht länger auf textbasierte Endprodukte
Auswahl an Publikationsformen anbieten, wobei jede
beschränkt, sondern kann Datensätze mit Forschungsdaten,
Veröffentlichungsmethode unterschiedliche Anforderungen
interaktive Programme, komplexe Visualisierungen, Artikel
(Affordanzen) mit sich bringt. Watson und Crick teilten
zu Laborergebnissen und andere nicht endgültige Inhalte
ihre Entdeckung der DNA-Struktur beispielsweise in zwölf
sowie webbasierte Kommunikationsformen, zum Beispiel.
kurzen Paragrafen, während ihr Beitrag in der heutigen Zeit
Blogeinträge, enthalten. Aus dieser Entwicklung ergeben
in einer Reihe von Blogbeiträgen veröffentlicht werden
sich tiefgreifende Auswirkungen für Hochschul- und For-
könnte. Der Autor des Artikels argumentiert, dass die
schungsbibliotheken, insbesondere jene, die Alternativen zu
Wissenschaft die Einschränkungen eines traditionellen
traditionellen Veröffentlichungsformen suchen, die als Verb-
Wissenschaftsparadigmas überwinden kann, so lange die
reitungsmethode für wissenschaftliche Erkenntnisse häufig
grundlegenden Funktionen von Fachpublikationen gewahrt
teuer sind.52 Mit zunehmender Ausbreitung neuer Arten und
sind – die Bestätigung der Richtigkeit, Zusammenstellung
Methoden wissenschaftlicher Kommunikation im Internet
und Bewahrung wissenschaftlicher Arbeit. Das Internet und
wird von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren erwartet,
die vernetzten Communities können genutzt werden, um ein
hinsichtlich der Rechtmäßigkeit dieser innovativen Ansätze
Peer-Review-Verfahren zu integrieren, durch das sichergestellt
und deren Auswirkung auf die erweiterte Forscher-Commu-
ist, dass die Forschung präzise ist und zu dem übergeordneten
nity auf dem Laufenden zu sein.
Ziel der Innovation beiträgt.54
Überblick Zu den neu aufkommenden Modellen gehört die Mini-
In kreativen Disziplinen wurde bereits häufig diskutiert, Monografie beziehungsweise das Mini-E-Book – eine
was wissenschaftliche Daten ausmacht. Im Jahr 2013 Form der Veröffentlichung, die Wissenschaftlerinnen und
veröffentlichte ein Forscherteam im Auftrag des Digital Wissenschaftlern die Veröffentlichung von Beiträgen mit der
Curation Center „Pinning it Down: Towards a Practical Definition Länge eines Artikels in einer wissenschaftlichen Zeitschrift
of ‚Research Data‘ for Creative Arts Institutions“. In dieser ebenso ermöglicht wie Beiträge, die in ihrer Länge einer
Publikation geht es darum, wissenschaftliche Methoden des typischen Monografie entsprechen. Mit dem „Palgrave
Forschungsdatenmanagements in eine konkrete Definition zu Pivot“ hat Palgrave Macmillan im Jahr 2013 ein neues,
übersetzen, die sich an Bibliothekarinnen und Bibliothekare digitales Format entwickelt, bei dem ein Beitrag innerhalb
sowie anderen Fachleute der University of the Arts in London von zwölf Wochen das Peer Review durchlaufen hat und
(UAL) wendet, die für die wissenschaftlichen Portfolios (Scholary veröffentlicht wird.55 Dieses neue Format war als Reaktion auf
Records) der kreativen Disziplinen zuständig sind. Auf der die Suche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
Grundlage von Interviews mit Recherchefachleuten UAL kam vorgesehen, die Veröffentlichungen wünschen, die nicht den
das Forschungsteam zu dem Ergebnis, dass deren Auffassung Richtlinien traditioneller Publikationsformate entsprechen.
von Daten zwar in vielerlei Hinsicht dem Datenverständnis Viele Hochschullehrkräfte gaben in einer kleinen, von The
von Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern Chronicle of Higher Education durchgeführten Studie an,
entsprach, jedoch zusätzlich eher flüchtige Eindrücke dass sie sich mehr Vielfalt in akzeptablen wissenschaftlichen
beinhalten konnte – beispielsweise die Anzahl öffentlicher Formaten wünschten – insbesondere für Doktorandinnen und
Äußerungen einer Künstlerin oder eines Künstlers zu deren Doktoranden. Einige Hochschuldozentinnen und -dozenten
künstlerischer Arbeit und dem zugrundeliegenden kreativen sind sogar der Auffassung, dass die Nutzung des neuen Formats
Prozess. Das Forschungsteam einigte sich zwar auf eine durch etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Definition von Forschungsdaten für Kunsthochschulen (wie die dem neuen Format eine Glaubwürdigkeit verleihe, die dessen
UAL), wies jedoch in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Akzeptanz fördere.56 Bibliothekarinnen und BibliothekareSie können auch lesen