Journal - Fit for Partnership with Germany

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Journal - Fit for Partnership with Germany
Journal
             Fit for Partnership with Germany                                                                                AUSGABE 13
                                                                                                                                DEUTSCH

M A N A G E R F O RT B I L D U N G S P R O G R A M M D E S B U N D E S M I N I S T E R I U M S F Ü R W I RT S C H A F T U N D E N E R G I E

                                                          Im Fokus: 20 Jahre MP

                                 Türöffner und Karriere-Booster
                                                                                                       2                  YEARS

                                                                                                       Algorithmen aus der Cloud
                                 Ukrainische Unternehmer starten                                       Künstliche Intelligenz bietet
                                 dank MP durch                                                         zahlreiche Chancen für KMU
                                 Seite 30                                                              Seite 59
Journal - Fit for Partnership with Germany
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INHALT

                                                                    YEARS

    IM FOKUS:
    20 Jahre Managerfortbildungsprogramm: Rückblick, Ausblick, Status quo         Seite 32

    EDITORIAL                                           5    S. 6                                Chile: Fortsetzung
                                                                                      nach erfolgreicher Pilotphase

    NACHRICHTEN                                        6-7
    Chile: Fortsetzung nach erfolgreicher Pilotphase    6
    Neue Publikation zu Managementkompetenzen           6
    MP mit Georgien bis 2021 verlängert                 7
    Iran: Partnerschaft bekräftigt                      7

    DEUTSCHLAND                                        8-9
    Neue Fortbildungspartner garantieren
    regionale Diversität                                8
                                                             PARTNERLÄNDER                                    10-31
    Fünf Nationen, ein Ziel                             9
                                                             Russland: Seit zwei Jahrzehnten starke Partner      10
                                                             China: Moderne Unternehmensführung                  13
                                                             Familienbetriebe als Rückgrat
                                                             der indischen Wirtschaft                            14

2     JOURNAL Ausgabe 13
Journal - Fit for Partnership with Germany
INHALT

                                                  Seit zwei Jahrzehnten macht das Managerfort-
                                                  bildungsprogramm Führungskräfte aus aller Welt
                                                  fit für das Geschäft mit deutschen Unternehmen.
                                                  Kaum erahnen ließ sich beim Start mit Russland
                                                  1998, dass das Programm einmal auf 19 Part-
                                                  nerländer anwachsen würde. Doch das MP ist
                                                  mehr ist als ein reiner Wirtschaftsaustausch – es
                                                  verbindet Kulturen und prägt persönliche Lebens-
                                                  wege. Im Fokusteil dieser Ausgabe ziehen Alumni,
                                                  Unternehmer, Partner und Programmverantwort-
                                                  liche Bilanz, beschreiben Meilensteine und
                                                  schauen zurück auf die Anfänge des MP. Einen
                                                  ganz anderen Blick auf die 20 Jahre des
                                                  Programms bietet eine Wissenslandkarte
                                                  (S. 40), die zum Entdecken, Wiedererkennen und
                                                  Schmunzeln einlädt.

Kirgisistan: „Unternehmer plauderten                       S. 14                  Familienbetriebe als Rückgrat
auch mal aus dem Nähkästchen“                        16                           der indischen Wirtschaft
Vietnam: Tor zum südostasiatischen Markt             18
Usbekistans Zukunft: High Potentials                 20
Mongolei: Wachsende Branchenvielfalt
zwischen Gobi und Altai                              22

S. 9

                                                           Georgien: „Wir erwarten einen Spillover-Effekt“        24
                                                           Aserbaidschan: KMU-Förderung am
                                                           Kaspischen Meer                                        26
                                                           Chile: /FVF8BDITUVNTNÊSLUF                            28
                                Fünf Nationen, ein Ziel
                                                           Ukraine: Von Suschki, Fahrrädern und Krediten          30

                                                                                                                       3
Journal - Fit for Partnership with Germany
INHALT

    IM FOKUS                                                    32-41                S. 34
    Im Fokus: 20 Jahre MP                                             32
    „Das Programm steht für Kontinuität,
    Dynamik und Offenheit“                                            33
    Ein Leuchtturm der internationalen Zusammenarbeit 34
    Der Anstoß kam aus Moskau                                         37               Ein Leuchtturm der
                                                                                       internationalen Zusammenarbeit
    Wissenslandkarte                                                  40

    S. 46                                                                           ALUMNI                                                              42-47
                                                                                    Mexiko: Volle Alumnipower voraus!                                        42
                                                                                    Kasachisches Netzwerk wird erweitert                                     44
                                                                                    Ein Wiedersehen auf der MEDICA                                           46
                                 Ein Wiedersehen auf der MEDICA
                                                                                    Iran: Aus Alumni werden Botschafter                                      47

    ERFOLGSGESCHICHTEN                                          48-58                S. 56
    Turkmenistan: Ein Pionier der Geflügelzucht                        48
    Ägypten: Neue Projekte in Millionenhöhe                           50
    Qualität „Made in Iran“                                           51              Mit Kunstfasern
                                                                                      auf Erfolgskurs
    MP-Absolvent fördert ukrainische Unternehmer                      52
    Tunesien: Wachstum dank Hightech                                  54            FACHTHEMEN                                                          59-62
    Belarus: Mit Kunstfasern auf Erfolgskurs                          56            Künstliche Intelligenz:
                                                                                    Arbeitsplatzvernichter oder Kreativitätsverstärker?                      59
    Moldau: Ersatzteilhändler setzt auf
    langfristige Kooperationen                                        57            Foresighting: Der Zukunft auf der Spur                                   61

IMPRESSUM
Journal                                           Mitwirkende:                                               Übersetzung (englische Ausgabe):
„Fit for Partnership with Germany“                Irina Alexiadis, Tim Aretz, Thomas Arzner, Jennifer        Joanne Chapman-Rose, Norah Schmidt, Sarah
Managerfortbildungsprogramm des Bundes-           Bligh, Babette Bolz-White, Saskia Eversloh, Verena         Smithson-Compton, Thomas Swinehart
ministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)    Freynik, Isolde Heinz, Dr. Angela Leeke, Ljudmila          Übersetzung (russische Ausgabe):
Ausgabe 13                                        Metzdorf, Adriana Nunes-Hänel, Jörg Schreiber,             Jurij Aleksejew, Natalja Safronowa, Tomarenko
                                                  Dr. Svetlana Stepashchenko, Verena Striebinger, Julian     Fachübersetzungen
Herausgeber:                                      Teetzen, Karin Weber, Journalistenbüro Wortwert
Deutsche Gesellschaft für Internationale                                                                     Erscheinungsweise:
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH                         Bildnachweis:                                              zweimal im Jahr
                                                  Victor Abujatum Sepulveda (S.2, 6o), Adobe Stock
BMWi-Managerfortbildungsprogramm                  (S. 10, 15, 30, 43, 48, 53o, 54, 57o), BMWi (S. 7o,        Redaktionsschluss der vorliegenden Ausgabe:
Reimut Düring, Leiter Managerfortbildungs-        35l), BMWi/A. Blumentritt (S. 34), BMWi/Monika             Dezember 2018
programm des BMWi                                 Stienecker (S. 22l, 23r), CORFO (S. 28), Klaus             Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck – auch teilwei-
E-Mail: mp-pr@giz.de                              Dombrowsky (S. 20), EMAAC (S. 45), Georgia                 se – nur mit vorheriger ausdrücklicher Genehmi-
                                                  Enterprise (S. 24u), GIZ (S. 5, 35o), Harald Kahn          gung. Trotz größtmöglicher Sorgfalt keine Haftung
Internet: www.managerprogramm.de                                                                             für den Inhalt. Die kartographischen Darstellungen
                                                  (Titel, S. 4o, 32, 35u, 36) Dumitru Sufrai (S. 4l, 46o),
Verantwortlich:                                   IHK Akademie München und Oberbayern (S. 3,                 enthalten keine völkerrechtliche Anerkennung von
Anne Jach-Kemps                                   9), KazGer (S. 45), K.H. Witte Anlagenbau (S. 49),         Grenzen und Gebieten.
Redaktion:                                        MONEF (S. 22u, 23o), www.thomas-bareiss.de (S.             Gefördert durch das Bundesministerium für
Katrin Schomaker (verantwortlich), Anke Flören,   33), Shutterstock (S. 7, 13, 18, 24, 26, 27, 34, 38, 44,   Wirtschaft und Energie.
Karina Gabrielyan, Dr. Gerd Schimansky-Geier      47, 49, 50, 53u, 57u, 58, 59, 60, 61, 62) Anton Skoro-
                                                                                                             ISSN 2195-870X
Gestaltung:                                       bogatov (S. 10, 37, 39o), Leon Tsvasman (S. 60)
Diamond media GmbH, Miria de Vogt

4     JOURNAL Ausgabe 13
Journal - Fit for Partnership with Germany
EDITORIAL

                                             Die Weichen für die Zukunft des
                                             MP sind gestellt. Themen wie Neue
                                             Technologien, Digitalisierung und
                                             E-Mobilität wollen wir stärker in
                                             das Programm integrieren. Die
                                             Interessen der Unternehmen und
                                             Programmteilnehmer sollen dabei
                                             noch mehr in den Vordergrund
                                             rücken.

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Alumnus des Managerfortbildungsprogramms meinte kürzlich,         Pilotphasen für weitere Jahre verbunden. Details dazu finden Sie
das Programm biete unendliche Möglichkeiten zum Lernen. Wie           unter den Nachrichten. Was sich die verschiedenen Alumni-Verei-
recht er damit hat! In den nun 20 Jahren seines Bestehens hat sich    nigungen für ihre Arbeit vorgenommen haben, lesen Sie in diesem
das MP immer wieder an neue Rahmenbedingungen angepasst und           Heft ebenso wie neue Erfolgsgeschichten unserer Teilnehmer. Au-
wir haben zusammen mit unseren Partnern in den Ländern Jahr für       ßerdem werfen wir einen Blick in die Zukunft und erläutern, wel-
Jahr dazugelernt. Ebenso haben wahrscheinlich auch Sie durch das      chen Nutzen Künstliche Intelligenz für klein- und mittelständische
Programm viele neue Impulse bekommen und Ihren Lernhorizont           Unternehmen hat. Wie sich KMU für die Aufgaben angesichts be-
erweitern können.                                                     schleunigter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen
                                                                      wappnen können, erklärt ein Beitrag zur Methodik der Zukunfts-
Anlässlich des 20-jährigen Programmjubiläums haben wir im Okto-       werkstatt.
ber in Berlin Bilanz gezogen und die Weichen für die nächsten Jahre
gestellt – darüber berichten wir in dieser Ausgabe ausführlich. Wie   Im ganzen Heft finden Sie Zitate von Alumni, Partnern und vielen
1998 alles mit Russland begann und welchen Anteil die damaligen       anderen Menschen, die Berührungspunkte mit dem Programm ha-
Staatsoberhäupter Helmut Kohl und Boris Jelzin daran hatten, er-      ben. Erkennen Sie sich darin wieder? Und was ist Ihr persönliches
zählte uns Gerd Schimansky-Geier im Interview. Einen Überblick        Highlight, wenn Sie an das Managerfortbildungsprogramm den-
über die dynamische Entwicklung seit dem Start bietet die Wissens-    ken? Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir dazu gern.
landkarte auf den Seiten 40-41. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen     Gute Lektüre wünsche Ihnen
Sie den kompletten Programmzyklus dieses „Terminals der Begeg-
nungen“, zu dem das MP mit der Zeit geworden ist.

Große Freude herrschte bei uns zum Jahresende auch über die Ver-
längerung der Kooperationen mit einer Reihe von Ländern: Chile,       Reimut Düring
Georgien und der Iran bleiben dem Programm nach erfolgreichen         Programmleiter des Managerfortbildungsprogramms

                                                                                                                                       5
Journal - Fit for Partnership with Germany
NACHRICHTEN

Roberto Ampuero Espinoza, Außenminister der Republik Chile, und Dr. Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im BMWi, bei der Unterzeichnung des MoU (v.l.)

        Fortsetzung nach erfolgreicher Pilotphase
Chile und Deutschland setzen ihre Zu-                       Pilotphase des Programms dar. Seit 2017                     te in Form von handfesten Geschäftsbezie-
sammenarbeit im Rahmen des Manager-                         ist Chile Partnerland des MP und konn-                      hungen. Die Pilotphase hat gezeigt, dass es
fortbildungsprogramms fort. Beide Län-                      te seitdem 41 chilenische Führungskräfte                    großes Interesse bei den Unternehmen auf
der unterzeichneten im Oktober 2018                         nach Deutschland schicken. Neben dem                        deutscher und chilenischer Seite gibt. Mit
ein entsprechendes Memorandum of Un-                        themen- und branchenübergreifenden                          der neuen Absichtserklärung werden die
derstanding (MoU). Die Übereinkunft                         Austausch mit deutschen Unternehmen                         Voraussetzungen für eine langfristige und
stellt den Abschluss einer erfolgreichen                    trug die Programmteilnahme erste Früch-                     nachhaltige Zusammenarbeit geschaffen.

                                                                                                        Kompetent verpackt
                                                                                                        Neue Publikation zu Managementkompetenzen

                                                                                               Wie wird man fit für die Zusammenarbeit mit Deutschland?
                                                                                               Alles Wissenswerte über erfolgreiche Unternehmensführung
                                                                                               fasst der kürzlich erschienene Kompetenzreader des Manager-
                                                                                               fortbildungsprogramms zusammen. Er wendet sich an Pro-
                                                                                               grammteilnehmer, die ihre Fortbildung in Deutschland und
                                                                                               in der deutschen Wirtschaft absolvieren – zur Einstimmung
                                                                                               und Vorbereitung sowie zum Vertiefen ausgewählter Kom-
                                                                                               petenzen. Der Reader gibt einen ersten Einblick, wie die Ma-
                                                                                               nagementkompetenzen in der deutschen Wirtschaft gelebt
                                                                                               werden. Alle Artikel sind praxisnah und enthalten konkrete
                                                                                               Beispiele, Handlungsempfehlungen sowie Hinweise auf wei-
                                                                                               terführende Literatur.

                                                                                                         Der Kompetenzreader steht zum kostenlosen Download
                                                                                                         bereit unter:
                                                                                                         https://www.managerprogramm.de/publikationen/buecher/

6    JOURNAL Ausgabe 13
Journal - Fit for Partnership with Germany
NACHRICHTEN

  WUSSTEN SIE SCHON?

13.000
  Führungskräfte aus aller
  Welt haben seit 1998 am
  MP teilgenommen, jähr-
  lich kommen etwa 1.000
                                            Thomas Bareiß und Genadi Arveladze unterzeichneten das MoU (v.l.)
  neue hinzu. Jeder zehnte
  Teilnehmer schließt
  bereits während seines                            MP mit Georgien bis 2021 verlängert
  Deutschlandaufenthalts
  Verträge mit deutschen                    Georgien und Deutschland arbeiten auch zukünftig im Managerfortbildungsprogramm
  Unternehmen ab.                           zusammen. Darauf verständigten sich beide Länder am 18. Oktober 2018 in Berlin im
                                            Rahmen eines Treffens des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) und des georgischen
                                            Ministeriums für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung. Genadi Arveladze, stellvertre-
                                            tender Wirtschaftsminister Georgiens, und Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekre-
                                            tär beim BMWi, unterzeichneten ein entsprechendes MoU. Die Kooperationsvereinbarung
                                            ermöglicht Georgien die Teilnahme am MP bis Ende 2021. Seit 2016 ist Georgien Partner-
                                            land des Programms, 56 georgische Führungskräfte nahmen seitdem an einer Fortbildung
                                            in Deutschland teil. Viele konnten gewinnbringende, nachhaltige Geschäftsbeziehungen zu
                                            deutschen Unternehmen aufbauen.

      Partnerschaft bekräftigt

Nach erfolgreichem Abschluss der etwa       von Claudia Dörr-Voß, Staatssekretärin                     Partnerland des Programms. Seitdem ha-
zweijährigen Pilotphase haben Deutsch-      im Bundesministerium für Wirtschaft                        ben fünf Gruppen iranischer Führungs-
land und der Iran beschlossen, die beste-   und Energie (BMWi), und Sadegh Najafi                      kräfte eine Fortbildung in Deutschland
hende Kooperation im Rahmen des Ma-         Khezerlou, Stellvertretender Wirtschafts-                  absolviert, eine davon im Jahr 2018 mit
nagerfortbildungsprogramms zwischen         minister und Vorsitzender der iranischen                   einem Branchenfokus auf Erneuerbare
den beiden Ländern fortzusetzen. Das        Unternehmervereinigung ISIPO, in Ber-                      Energien.
erste MoU wurde am 17. Oktober 2018         lin unterschrieben. Der Iran ist seit 2016
                                                                                                                                            7
Journal - Fit for Partnership with Germany
DEUTSCHLAND

Neue Fortbildungspartner
garantieren regionale Diversität
Ab Januar 2019 ergänzen fünf neue Fort-   In der Metropolenregion Stuttgart be-      Die nun insgesamt 18 deutschen Fort-
bildungszentren die Reihe der Bildungs-   treuen nun sowohl die Industrie- und       bildungszentren richten ihre Trainings
einrichtungen, die das Managerfortbil-    Handelskammer Region Stuttgart als         speziell auf die Anforderungen der
dungsprogramm im Auftrag der GIZ in       auch das Konsortium Baden-Württem-         MP-Teilnehmer aus. Durch ihre regiona-
Deutschland umsetzen. Gleich zwei Part-   berg International – ICUnet.ag die Teil-   le Verankerung und erfahrene Experten
ner konnten in Berlin dazugewonnen        nehmer des MP. In Nordrhein-Westfalen      und Trainer tragen sie entscheidend dazu
werden: Commit Project Partners sowie     wurde mit der IMAP GmbH in der Lan-        bei, dass sich die ausländischen Unter-
das Konsortium Bildungswerk der Wirt-     deshauptstadt Düsseldorf das regionale     nehmer sowohl fachspezifisch als auch
schaft Berlin und Brandenburg – Bil-      Netzwerk weiter ausgebaut.                 deutschlandweit vernetzen können.
dungswerk der sächsischen Wirtschaft.
8   JOURNAL Ausgabe 13
Journal - Fit for Partnership with Germany
DEUTSCHLAND

Vier Wochen auf Stippvisite in Bayern                                                                                   ersten Blick gar nicht mehr zu erkennen,
                                                                                                                        dass die Teilnehmer tatsächlich verschie-
                                                                                                                        denster Herkunft sind.

Fünf Nationen, ein Ziel                                                                                                 Auch für die IHK Akademie München
                                                                                                                        und Oberbayern war die Organisation,
                                                                                                                        Durchführung und Begleitung dieser
Gelebte interkulturelle Kompetenz: Das war vier Wochen lang das täglich                                                 Gruppe etwas Besonderes: „Norma-
Brot von 19 Teilnehmern des Managerfortbildungsprogramms. Denn die                                                      lerweise kommen die Teilnehmer im
Führungskräfte aus fünf Ländern verbrachten ihre Fortbildung zusammen                                                   Programm nur aus einem Land zu uns.
in Bayern und lernten nicht nur deutsche Unternehmer, sondern sich auch                                                 Dass es diesmal gleich fünf Nationen
untereinander kennen.                                                                                                   waren, bedeutete eine ganz neue Her-
                                                                                                                        ausforderung. Verschiedenste Geschmä-
                                                                                                                        cker, Menschen und ihre Wünsche und
                                                                                                                        Bedürfnisse galt es, unter einen Hut zu
                                                                                                                        bringen“, so Sandra Dirnberger, Projekt-
                                                                                                                        managerin der IHK Akademie. „Die
                                                                                                                        Teilnehmer mussten sich aber auch ab
                                                                                                                        und zu kompromissbereit zeigen. Umso
                                                                                                                        mehr freuen wir uns, dass es so reibungs-
                                                                                                                        los funktioniert hat – und auch die be-
                                                                                                                        rühmte deutsche Pünktlichkeit von allen
                                                                                                                        Teilnehmern akzeptiert und sogar umge-
                                                                                                                        setzt wurde“, fügt Dirnberger schmun-
                                                                                                                        zelnd hinzu.

                                                                                                                        Beim feierlichen Abschluss wurde allen
                                                                                                                        MP-Teilnehmern bewusst, dass sie nicht
                                                                                                                        nur etwas über die Zusammenarbeit mit
„Netzwerken“ stand für die Gruppe ganz oben auf der Agenda.                                                             Deutschen gelernt – sondern vor allem
                                                                                                                        auch „Freunde fürs Leben aus verschiede-
„Die unterschiedlichen Auffassungen                           neu. Neu bei dieser Gruppe war jedoch,                    nen Ländern gefunden“ haben, so der in-
und Herangehensweisen an dieselbe Si-                         dass die Teilnehmer nicht nur aus einem,                  dische Teilnehmer Anil Rajveer Sharmaa.
tuation und dasselbe Problem zu erfah-                        sondern gleich fünf verschiedenen Län-                    Und wer weiß – vielleicht werden wir
ren, war für mich das Wichtigste“, so das                     dern kamen: Aserbaidschan, Indien, Me-                    bald nicht nur die ein oder andere Brezel
Fazit des mongolischen Unternehmers                           xiko, der Mongolei und Russland. Damit                    mexikanischer Art hier beim Bäcker fin-
Otgonbayar Ulaankhuu. Das gegensei-                           trafen verschiedene Kontinente, Religio-                  den, sondern auch in Aserbaidschan oder
tige Kennenlernen und Schätzen der                            nen, politische Ansichten und Weltbil-                    Indien. „Persönlich habe ich sehr viel
verschiedenen Kulturen und Ansichten                          der aufeinander.                                          gelernt über die deutsche Kultur, Busi-
war zentraler Bestandteil des Programms                                                                                 nessethik und Managementtechniken“,
und wurde schon allein durch die inter-                       Vier Wochen auf unbekanntem Terrain                       resümiert Sharmaa. „Aber auch die Mög-
nationale Zusammensetzung der Gruppe                          mit anfangs fremden Menschen schweißt                     lichkeit, Teil einer internationalen Grup-
über vier Wochen hinweg gelebt. Das                           natürlich zusammen. Anscheinend noch                      pe zu sein, hat meinen Horizont deutlich
Auftreten im interkulturellen Kontext                         stärker, wenn die „Kollegen“ aus unter-                   erweitert“. Also dann: Bis bald, see you
vertieften die Führungskräfte zudem in                        schiedlichen Nationen stammen: Saßen                      soon, udakhgüi uulzana uu, jald hee mi-
Trainings.                                                    in den ersten Trainings die Inder stets                   lenge, yaxında görürsən, hasta luego, do
                                                              zusammen und getrennt von den Mon-                        swidanja und do skorogo!
In Westerham, südöstlich von München,                         golen, so war am Closing Day auf den                      Autor: Tim Gottschlag, IHK Akademie München und Oberbayern
startete die Reise für die internationale
Gruppe. Knapp einen Monat lang besuch-
ten sie Unternehmen und Weiterbildun-
gen, zogen auf eigene Faust los, um mit
Firmen aus ganz Deutschland Kontakt
aufzunehmen. Alle Teilnehmer hatten da-
bei das gleiche Ziel: fit zu werden für die
Zusammenarbeit mit deutschen Partnern.

Dass das Managerfortbildungsprogramm
als „Sprungbrett“ zur Vernetzung mit
der deutschen Wirtschaft dient, ist nicht                     Die Firma Strama-MPS Maschinenbau gewährte Einblick hinter die Kulissen.

                                                                                                                                                                                 9
Journal - Fit for Partnership with Germany
PARTNERLÄNDER

v.l.: Alexej Bunkin (Kommission für die Organisation der Managerfortbildung in Russland), Yıldız Götze (BMWi)                      Wassilij Pushkin
Matthias Schepp (AHK Russland), Anzhelika Veremeenko (Regionales Ressourcenzentrum Kemerowo)

Rüdiger von Fritsch                                 v.l.: Dr. Oleg Luschnikov, Dr. Gerd Schimansky-Geier, Isolde Heinz (GIZ), Wladimir Bogdanov (GIZ)

                                                                                                                                 Dr. Heinz Hetmeier
PARTNERLÄNDER

Seit zwei Jahrzehnten                                                                             Wassilij Pushkin, Abteilungsleiter im
                                                                                                  russischen Wirtschaftsentwicklungsmi-
                                                                                                  nisterium, würdigte auf der 20-Jahr-Feier
                                                                                                  in Moskau die Zusammenarbeit und un-

starke Partner                                                                                    terstrich den wirtschaftlichen Nutzen für
                                                                                                  die Entwicklung der russischen Regionen:
                                                                                                  „Das Programm existiert nur deshalb so
                                                                                                  lange und erfolgreich, weil es immer wie-
Vor 20 Jahren startete das Managerfortbildungsprogramm mit Russland:                              der aktuelle Themen der wirtschaftlichen
Seitdem bereitet es russische Fach- und Führungskräfte auf Geschäfts-                             Entwicklung aufgreift. Derzeit sind das
                                                                                                  insbesondere     Produktivitätssteigerung
anbahnungen mit deutschen Firmen vor – ein Erfolg für beide Seiten.
                                                                                                  und Digitalisierung.“ Diese und viele wei-
                                                                                                  tere aktuelle Themen wurden auch in den
                                                                                                  Paneldiskussionen während der Festver-
                                                                                                  anstaltung aufgegriffen.
„Es ist uns eine Ehre, dass Sie unserer       Aktuelle Themen: Digitalisierung und
Einladung so zahlreich gefolgt sind. Das      Produktivitätssteigerung                            Erfolgsgeschichten: Bäckerei und Farben-
Managerfortbildungsprogramm ist von                                                               firma erschließen neue Märkte
großer Bedeutung für die Zusammen-            Dabei haben die Unternehmer beider
arbeit deutscher und russischer Unter-        Länder dasselbe Ziel: erfolgreich den               Ehemalige Teilnehmer präsentierten auf
nehmer. Sie alle haben einen schwieri-        Platz ihres Unternehmens im internatio-             der Feier in Moskau ihre wirtschaftlichen
gen Auswahlprozess auf sich genommen          nalen Wettbewerb stärken. Denn Früch-               Ergebnisse und verwiesen auf die Ver-
und damit eine bewusste Entscheidung          te dieses Programms sind vor allem neue             änderungen, die ihnen dieses Programm
für Deutschland getroffen“, begrüßte          Geschäftskontakte, passgenaue Manage-               gebracht hat: ein neues Denken, neues
Botschafter Rüdiger von Fritsch die 170       mentkompetenzen und interkulturelle                 Verständnis, neue Sichtweisen – und un-
Gäste aus Deutschland und ganz Russ-          Kompetenzen.                                        endlich viele neue Ideen für das eigene
land im Dezember 2018 zum 20-jährigen                                                             Unternehmen. Ein gutes Beispiel dafür
Jubiläum des Managerfortbildungspro-                                                              ist Tatjana Tutatschikova, die 2013 eine
gramm (MP) in der Deutschen Botschaft                                                             kleine Bäckerei im sibirischen Chakas-
in Moskau.                                                                                        sien eröffnete und 2015 im Rahmen
                                                                                                  des MP an einer Fortbildung mit dem
Unter dem Motto Fit for Partnership                                                               Schwerpunkt Lebensmittelverarbeitung
with Germany nehmen russische Fach-                                                               in Deutschland teilnahm. So wurde ihre
und Führungskräfte seit 1998 jährlich an                                                          neue Geschäftsidee geboren: Die Spezia-
dem praxisorientierten Programm teil,                                                             lisierung auf Naturkost und Bio-Lebens-
knapp 6.000 haben es seitdem erfolgreich                                                          mittel in Kooperation mit regionalen
absolviert. „Diese nunmehr zwanzigjäh-                                                            Landwirtschaftsbetrieben. Mit der neuen
rige bilaterale Kooperation zählt zu den                                                          Ausstattung für ihre Backstube, die sie von
erfolgreichsten gemeinsamen Program-                                                              deutschen Kooperationspartnern kaufte,
men unserer beiden Länder“, so Dr. Heinz                                                          konnte sie durchstarten: Sie verdoppelte
Hetmeier, zuständiger Unterabteilungs-        2006 traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im     ihren Umsatz innerhalb eines Jahres, stell-
leiter des deutschen Bundesministeriums       westsibirischen Tomsk mit MP-Absolventen            te neue Mitarbeiter ein und eröffnete zehn
für Wirtschaft und Energie (BMWi). „Es
ist eine auf Wirtschaftskooperation aus-
gerichtete Partnerschaft auf Augenhöhe
und ein wichtiges, attraktives und interna-
tional anerkanntes Programm der Außen-
wirtschaftsförderung.“                        Das MP mit Russland in Zahlen

Umgekehrt laden die russischen Ko-            • Seit 1998 haben über 5.800 russische Fach- und Führungskräfte aus 52 Regionen Russlands im
operationspartner unter dem Titel Fit           Rahmen des MP einen Deutschlandaufenthalt absolviert (Fit for Partnership with Germany)
für das Russlandgeschäft seit 2006 auch       • Seit 2006 haben 410 deutsche Fach- und Führungskräfte Fortbildungen und Unternehmen in Russ-
deutsche Fach- und Führungskräfte nach          land besucht (Fit für das Russlandgeschäft)
Russland ein, wo sie kleine und mittel-       • Allein zwischen 2015 und 2017 wurden Im Rahmen von Fit for Partnership with Germany 177
ständische Unternehmen besuchen. Au-            Verträge zwischen russischen und deutschen Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 45 Mio.
ßerdem finden Expertengespräche zu den          Euro abgeschlossen.
Möglichkeiten eines wirtschaftlichen En-      • Die Alumni-Vereinigungen des russischen Präsidentenprogramms sind heute in etwa 40 Regionen
gagements in Russland und Treffen mit           Russlands aktiv. Die GIZ hat 124 Alumni-Veranstaltungen mit über 5.000 Teilnehmenden unter-
hochrangigen Vertretern der russischen          stützt, u.a. durch das Entsenden von Experten, Referenten, Moderatoren, Trainern sowie durch Stu-
Regionalverwaltungen statt.                     dienreisen nach Deutschland zum Thema Vereinsmanagement.

                                                                                                                                              11
PARTNERLÄNDER

neue Filialen in Abakan und Krasnojarsk.
Außerdem veranstaltet sie im Sinne einer
„transparenten Produktion“ Betriebsfüh-
rungen für Schüler und Studenten, um zu                                                                                  Lesen Sie mehr über
zeigen, unter welchen Bedingungen und                                                                                    20 Jahre Manager-
aus welchen Rohstoffen sie ihre Backwa-                                                                                  fortbildungspro-
ren produziert. Bereits zum zweiten Mal                                                                                  gramm im Fokus
in Folge ist sie mit ihrer Bäckerei Gewin-                                                                               ab Seite 32
nerin des Wettbewerbs „Made in Chakas-
sien“ geworden.

Auch für Maxim Savinkov war die Ma-
nagerfortbildung ein Türöffner. Er ist
Geschäftsführer eines Unternehmens aus
Barnaul, Hauptstadt der russischen Regi-
on Altai, das Farbsortierer entwickelt und
herstellt. 2013 nahm er am MP teil, baute
Geschäftskontakte zu Deutschland auf und
kaufte dort auch die Ausrüstung, um die                  Setzt mit ihrer Bäckerei auf Naturkost und Bioware:
Qualität der Produkte zu erhöhen und neue                MP-Absolventin Tatjana Tutatschikova
Märkte zu erschließen. Darüber hinaus
fand er einen deutschen Vertragshändler,                 Unternehmer – etwa, um die wirtschaftli-              in Moskau, die sie „mit einem großem
der seine Farbsortierer bis heute verkauft.              che Entwicklung in ihrer Region voran-                Familientreffen“ verglich: „Die vielen
Inzwischen hat er zehn Vertragshändler und               zubringen, Lobbyvertretungen zu etab-                 Beispiele erfolgreicher Kooperation, die
liefert seine Maschinen in 25 Länder der                 lieren, soziale Projekte zu unterstützen,             Nachhaltigkeit des Programms und das
Welt. Wichtig ist für ihn nach wie vor der               Qualifizierungsbedarf abzudecken und                  große soziale Engagement der Alumni
Kontakt zu seiner Fortbildungsgruppe, die                Dialogforen einzurichten. Unterstützend               sind sehr beeindruckend und unterstrei-
sich seit 2013 jährlich in der Altai-Region              wirken die regionalen Alumni-Vereini-                 chen, dass die Weiterführung politisch
zum Erfahrungsaustausch trifft.                          gungen zudem bei der Durchführung des                 und wirtschaftlich wichtig und richtig ist.“
                                                         Fortbildungsprogramms Fit für das Russ-               Aber nicht nur wirtschaftliche Koopera-
Aktive Alumni: Russische Manager sind                    landgeschäft, das deutsche Führungskräfte             tionen seien in den 20 Jahren Manager-
gut vernetzt                                             nach Russland einlädt: Die Alumni in den              fortbildungsprogramm mit Russland ent-
                                                         Regionen öffnen ihre Unternehmen, um                  standen, sondern auch viele persönliche
Einen besonderen Stellenwert im Pro-                     die deutschen Unternehmer zu empfan-                  Kontakte und Freundschaften. Und das
gramm nimmt die Alumniarbeit in Russ-                    gen und mit ihnen neue Geschäftspartner               nicht zuletzt wegen der „Frauenpower“,
land ein: Die GIZ hat vor mehr als 15 Jah-               zu finden. Sie geben Einblicke in ihre rus-           die in Russland Tradition habe. So war die
ren auf Bitte der russischen Partner den                 sische Geschäftskultur und die Besonder-              Party nach dem Festakt auch mehr als ein
Aufbau von landesweiten Netzwerken –                     heiten des jeweiligen regionalen Marktes.             deutsch-russisches Geschäftstreffen und
den Alumnivereinigungen – unterstützt.                                                                         glich in der Tat einer herzlichen und fröh-
Mitglieder sind neben den Absolventen                    20 Jahre MP: Wie eine große Familie                   lichen Familienfeier.
des MP vor allem Alumni des nationalen,
russischen Weiterbildungsprogramms, des                  Yıldız Götze, zuständige Referatsleiterin
sogenannten Präsidentenprogramms. In                     im BMWi, zeigte sich begeistert von der
diesen Zusammenschlüssen vernetzen sich                  Atmosphäre der Jubiläumsveranstaltung

170 Gäste begingen in Moskau das 20-jährige Jubiläum des Programms mit Russland.

12 JOURNAL Ausgabe 13
PARTNERLÄNDER

                                                                                               ternationalisierungsbemühungen, insbe-
                                                                                               sondere auf dem deutschen und dem euro-
                                                                                               päischen Markt, sehr große Hilfe geleistet.
                                                                                               Hinweise zum Umgang mit eventuell auf-
                                                                                               tretenden interkulturellen Konflikten hel-
                                                                                               fen gerade bei Kooperationen sehr, Fehler
                                                                                               zu vermeiden.

                                                                                               Gibt es spezifische Bedürfnisse oder Wün-
                                                                                               sche, die chinesische Firmen bei der Zu-
                                                                                               sammenarbeit mit deutschen Unterneh-
                                                                                               men haben?
                                                                                               Es ist vermutlich kein spezifisch chinesi-
                                                                                               sches Bedürfnis, aber es bewegt auch un-

Moderne                                                                                        sere Führungskräfte in besonderem Maße:
                                                                                               Wie begegnet man den unsichtbaren
                                                                                               Konflikten, die aufgrund kultureller Un-
                                                                                               terschiede bei Geschäftsverhandlungen

Unternehmensführung                                                                            auftreten?

                                                                                               Ihre Vision: Wie geht es mit dem MP in
                                                                                               China weiter?
China befindet sich auf einem steilen Wachstumspfad. Dazu gehört die Ab-                        Die Komplementarität beider Volkswirt-
kehr vom Image eines Billigproduzenten. Der Fokus liegt jetzt auf neuesten                     schaften trägt entscheidend dazu bei, dass der
                                                                                               Zusammenarbeit zwischen den chinesischen
Technologien und Innovationen – eine Welt, die untrennbar mit modernem
                                                                                               und deutschen KMU eine gute Zukunft be-
Management und effizienten Unternehmensführungsmethoden verknüpft                               vorsteht. Wir wünschen uns für die Zukunft
ist. Im Interview erklärt Zhang Xiaohui, stellvertretender Generalsekretär                     ein gemeinsames „Chinesisch-deutsches Ko-
der MP-Partnerorganisation ProSME und Leiter des MP-Büros beim                                 operationsmodell“. Wir wünschen uns auch,
chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT),                     dass dieses Modell größere internationale
wie das Managerfortbildungsprogramm dazu beiträgt, moderne Unterneh-                           Ausstrahlung entfaltet und zu einem Vorbild
mensführungsmethoden in China zu etablieren.                                                   für die internationale Zusammenarbeit im
                                                                                               Bereich Fortbildung wird.

                                              Gruppenbesuchen bei Benchmark-Unter-
                                              nehmen und maßgeschneiderten individu-
                                              ellen Unternehmenskontakten kommt bei                   Die Unternehmensbesuche sind
                                              unseren Teilnehmern sehr gut an. Das zei-             besonders hilfreich, da wir dadurch
                                              gen auch die Ergebnisse: der positive Effekt         persönliche Kontakte zu lokalen Firmen
                                              auf den bilateralen Handel und die Wirt-            in Deutschland haben. Wir besuchten
                                              schaftsbeziehungen ist deutlich erkennbar          Betriebe unterschiedlicher Branchen und
                                                                                                 erfuhren, wie sie ihre Produktionsanlagen
                                              und weitreichend.
                                                                                                 modernisieren und erhielten beispielsweise
                                                                                                 Einblick in ihre Personalsysteme. Dieses
                                              541 chinesische Führungskräfte haben               Wissen kann ich dann in meinem eigenen
                                              mittlerweile das MP absolviert. Gibt es             Unternehmen anwenden.
                                              Inhalte und Themen, die bei chinesischen              Gao Qian (China), MP-Teilnehmerin 2018
                                              Managern besonders beliebt sind?                       Vice President, Changsha Dewater Machi-
                                              Das MP deckt ein breites Angebot an The-                 nery Technology Co. Ltd.
                                              men ab, aber es gibt tatsächlich drei Aspekte,
                                              für die sich unsere Teilnehmer ganz beson-
                                              ders interessieren: Innovationsmanagement,
                                              wie man Geschäfte mit Deutschen macht
                                              und interkulturelles Management.
Das Managerprogramm mit China
läuft nun seit zehn Jahren. Wie bewer-        Haben diese Trainings die MP-Teilneh-
ten Sie es?                                   mer bei einer modernen Unternehmens-
Das Programm hat ein sehr gutes und effizi-   führung unterstützt?
entes Format. Die Mischung aus Seminaren      Definitiv. Diese Fortbildungen haben den
und Trainings zu Managementmethoden,          chinesischen Unternehmen bei ihren In-
                                                                                                                                          13
PARTNERLÄNDER

Mritunjay Kumar leitet das Deutsch-Indische Managerfortbildungsprogramm bei FICCI

Familienbetriebe als Rückgrat
der indischen Wirtschaft
Ein Großteil der über 700 indischen Führungskräfte, die seit 2008 das MP                            plätzen entscheidend und tragen in allen
durchlaufen haben, sind Familienunternehmer der zweiten oder dritten Ge-                            Branchen zum Wachstum bei. Der Brut-
                                                                                                    toproduktionswert dieser Unternehmens-
neration. Mit neuen Ideen aus Deutschland bringen sie ihre Betriebe voran                           form macht derzeit 90 Prozent der indi-
und kurbeln damit die indische Wirtschaft an. Vor welchen Herausforderun-                           schen Industrieproduktion, 79 Prozent
gen sie in ihrer Heimat stehen und wie sie ihr Unternehmertum gestalten,                            der gesamten Branchenbeschäftigung und
beschreibt Mritunjay Kumar, der das MP für die indische Industrie-und                               27 Prozent der Gesamtbeschäftigung aus
Handelskammer FICCI koordiniert.                                                                    und wird lediglich durch Unternehmen
                                                                                                    der öffentlichen Hand übertroffen. Seit
                                                                                                    2006 erzielen Familienbetriebe in Indien
                                                                                                    bessere Ergebnisse als Unternehmen, die
Familienbetriebe zählen nicht nur in In-                   multinationalen Konzernen mit globaler   nicht in Familienbesitz sind. Dennoch
dien, sondern weltweit zur Kategorie der                   Präsenz geworden sind. In Indien sind    zeigt sich, dass in Indien wie auch weltweit
Kleinst-, kleinen und mittleren Unterneh-                  Familienunternehmen bei der Nationen-    Familienunternehmen oft um ihr Überle-
men, obwohl viele im Laufe der Zeit zu                     bildung und der Schaffung von Arbeits-   ben kämpfen. Global betrachtet, werden
14 JOURNAL Ausgabe 13
PARTNERLÄNDER

nur 30 Prozent dieser Betriebe vom Grün-
der an die zweite Generation übergeben
und nur knapp zehn Prozent werden auch
in dritter Generation weitergeführt.

Übergabe an die nächste Generation nicht
immer reibungslos

Für den Fortbestand und den Erfolg in
zweiter und dritter Generation sind In-
novations- und Anpassungsfähigkeit ent-
scheidend. Nur Unternehmen, die sich
an Änderungen anpassen, aufgeschlossen
gegenüber neuen Technologien sind, sich
neu erfinden und interne als auch exter-
ne Einflussfaktoren im Auge behalten,
können sich halten und wachsen. Erfolg-
reiche Unternehmer der dritten Genera-
tion sind gebildet, ehrgeizig, vertrauen in dustry) und CII (Confederation of Indi-      • Xenos Impax exportiert Fahrräder an
ihre Fähigkeiten und scheuen sich nicht,    an Industry) in Zusammenarbeit mit der         verschiedene Universitäten in Europa,
kalkulierte Risiken einzugehen. Dabei       GIZ das Managerfortbildungsprogramm            darunter auch die Humboldt-Universi-
setzen einige Unternehmensnachfolger        (MP) zwischen Deutschland und Indien.          tät in Berlin. Dies läuft über ein weiteres
das Geschäft voriger Generationen er-       In den knapp zehn Jahren konnten über          Unternehmen, das nach der Programm-
folgreich fort und verbessern die strategi- 700 indische Betriebe davon profitieren.       teilnahme gegründet wurde.
sche Ausrichtung,                                                   Ein Großteil da-     • Kiran Rubbers konnte Geschäftskon-
während andere ei-                                                  von sind Famili-       takte mit deutschen Partnern aufbauen
nen diversifizierten     Erfolgreiche Unternehmer                   enunternehmer,         und liefert in Kürze die erste Bestellung
Ansatz verfolgen         der dritten Generation sind                zum Teil in der        seiner wasserdichten Membranproduk-
und neue Unter-          gebildet, ehrgeizig, vertrau-              zweiten und drit-      te. Diese neuartige Gummimembran
nehmen gründen,          en in ihre Fähigkeiten und                 ten Generation,        ist kostengünstiger und effizienter für
weitere Branchen         scheuen sich nicht, kalku-                 die in Indien die      Verleguntergründe als Bitumen oder As-
und Märkte er-                                                      Basis der Unter-       phalt-basierte Wasserabdichtungen.
                         lierte Risiken einzugehen
obern. Für jeden                                                    nehmerschaft dar-    • Machinecraft hat sich von einem deut-
indischen Unter-                                                    stellen. Durch das     schen Unternehmen im Bereich Toi-
nehmer der zweiten oder dritten Ge-         MP wird ihnen nicht nur die Bedeutung          lettenreinigung inspirieren lassen und
neration stellen sich einige Herausfor-     einer globalen Perspektive, der Wettbe-        führte das Konzept in Indien ein, um
derungen. Zu den größten gehören die        werbsvorteil durch den Einsatz moderns-        die Swachh-Bharat-Mission, eine Kam-
folgenden:                                  ter Technologie oder die Nutzung der           pagne zur landesweiten Reinigung von
                                            richtigen Ressourcen vermittelt, sondern       Straßen und Infrastruktureinrichtun-
• Mehrfachbesetzung von Führungsposi-       auch die Überwindung kultureller und           gen, der indischen Regierung zu un-
  tionen durch Familienmitglieder           sprachlicher Hürden nähergebracht. Eine        terstützen. Hinzu kommt eine neue
• Ineffiziente Nachfolgeregelungen auf-     Reihe von Best-Practice-Anwendungen            Partnerschaft mit einer bayerischen Fir-
  grund schlechter Kommunikation zwi-       werden von vielen indischen Unterneh-          ma. Machinecraft wird zukünftig FRI-
  schen der alten und neuen Generation      men heute umgesetzt. Dazu gehören hö-          MO-Maschinen unter Lizenz für den
• Entscheidungsbefugnisse obliegen aus-     here Investitionen in Infrastruktur und        asiatischen Markt herstellen.
  schließlich den Eigentümern und sind      Automatisierung ebenso wie die Schaf-
  nicht faktenorientiert                    fung einer Kultur des Kümmerns und           Die nächste Generation indischer Un-
• Fragen der Vermögensverwaltung            Teilens unter den Mitarbeitern. Verstärkt    ternehmen ist ihren Firmen eng verbun-
• Vetternwirtschaft und fehlendes Ver-      definieren Unternehmer ihre langfristigen    den und entschlossen, sie zu stärken. Sie
  trauen zu außerfamiliären Mitarbeitern    Unternehmensziele, setzen Schwerpunkte       scheut nicht davor zurück, Prozesse, Pro-
• Fehlende Innovation und fehlender Tech-   und eruieren Möglichkeiten, wie sie ihr      dukte oder Leistungen zu optimieren, um
  nologieeinsatz in Geschäftsprozessen      Wachstum über Partnerschaften steigern       global zu bestehen und geht kalkulierte
                                            können. In immer mehr indischen Firmen       Risiken ein, um neue Erfolgsgeschichten
Neues Unternehmertum dank Impulsen          etabliert sich eine Innovations- und Feed-   zu schreiben.
aus Deutschland                             back-Kultur und zunehmend wird Wert
                                            auf Lob und Anerkennung von Leistung         Über den Autor
                                                                                         Mritunjay Kumar arbeitet als Co-Direktor und Leiter des
Seit 2009 organisieren die beiden größ-     gelegt. Exemplarisch seien hier einige in-   FICCI Quality Forum, einer Sonderabteilung für Beratung und
ten indischen Industrie- und Unterneh-      dische Unternehmen genannt, die für eine     Weiterbildung der indischen Handelskammer FICCI. Seit 2017
                                                                                         leitet er das Deutsch-Indische Managerfortbildungsprogramm
merverbände FICCI (Federation of            erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem          (IGMTP) bei FICCI. Er ist Experte für Projektmanagement- und
Indian Chambers of Commerce and In-         MP stehen:                                   Qualitätsmanagementsysteme.

                                                                                                                                                   15
PARTNERLÄNDER

                        Die kirgisische Industrie- und
                        Handelskammer koordiniert
                        das MP vor Ort im Auftrag der
                        GIZ. Hauptansprechpartner für
                        Interessenten und Stakeholder
                        des Programms ist ein eigenes
                        Trainingszentrum der IHK. Dessen
                        Leiter Rustam Baltabaev hat sich
                        vier Wochen lang in Deutschland
                        umgesehen und dabei vieles über
                        deutsches Unternehmertum und
                        KMU-Förderung erfahren.

„Unternehmer plauderten
auch mal aus dem
Nähkästchen“
16 JOURNAL Ausgabe 13
                        Das Trainingszentrum der kirgisischen IHK ist auch
                        Ansprechpartner für den Einsatz im Rahmen des Senior
                        Experten Service (SES) in Kirgisistan.
PARTNERLÄNDER

Rustam Baltabaev mit Mitarbeitern des MP bei der GIZ in Bonn und Programmteilnehmern in Köln

„Die Menschen in Deutschland sind                         Unter dem Dach der IHK ist das Zentrum         Unternehmensberatung. Dies sind Spielfel-
höflich und aufgeschlossen. Das Land ist                  Hauptansprechpartner für das Manager-          der, in denen das MP gute Dienste leiste, so
mir ans Herz gewachsen.“ Rustam Bal-                      fortbildungsprogramm in dem kleinen            Baltabaev. Auch helfe das Managerfortbil-
tabaev hört sich sehr begeistert an, wenn                 zentralasiatischen Land.                       dungsprogramm direkt und indirekt, die
er über seinen Aufenthalt in Deutschland                                                                 Ziele der IHK Kirgisistan zu erreichen: An
erzählt. Der Leiter des Trainingszentrums                 Bestens gerüstet für die MP-Koordination       oberster Stelle die Förderung der heimi-
der Industrie- und Handelskammer von                                                                     schen Wirtschaft und damit verbunden der
Kirgisistan in Bischkek war allerdings nicht              Als Programmkoordinator ist Rustam             Aufbau einer marktwirtschaftlichen Infra-
als Tourist vor Ort. Er nahm an einem                     Baltabaev seit Kurzem an der Auswahl           struktur. Kirgisistan soll besser an die Welt-
Deutschlandaufenthalt teil, organisiert vom               der Bewerber für das MP beteiligt. Die         wirtschaft angebunden werden, indem die
Managerfortbildungsprogramm (MP). Als                     vierwöchige Reise nach Deutschland half        IHK gute Außenhandelsbedingungen
Programmkoordinator des MP in seinem                      ihm dabei, einen tieferen Einblick in das      schafft. Ebenso will man den Export stärker
Heimatland war dies für ihn eine beson-                   Programm zu bekommen. Das ist wichtig,         fördern und die Handels- und Wirtschafts-
dere Erfahrung.                                           denn schließlich ist seine Institution nicht   beziehungen mit dem Ausland ausweiten.
                                                          nur für die Gesamtkoordinierung des Pro-
Seine Einrichtung ist ein recht junges Kind               gramms auf kirgisischer Seite zuständig,       Nahaufnahme KMU-Förderung
der IHK in Kirgisistan: Gegründet wurde                   sondern informiert Unternehmen und
sie 2016, um den großen Bedarf der Un-                    Bewerber über das Auswahlverfahren.            97 Prozent der mehr als 1.030 Mitglieds-
ternehmen an Weiterbildungen und Infor-                   Zusammen mit der GIZ wählt das Zen-            unternehmen der IHK Kirgisistan sind
mationen zu stillen. „Wir haben uns über                  trum die Teilnehmer aus und bereitet sie       klein- und mittelständische Unterneh-
die Erfahrungen anderer IHKs informiert                   auf ihren Aufenthalt in Deutschland vor.       men – weshalb für Baltabaev der Einblick
und vieles für unsere Bildungseinrichtung                 Wichtig ist zusätzlich die Nachbereitung       in die KMU-Förderung in Deutschland
übernommen“, sagt Rustam Baltabaev. Das                   im Land, das Follow-up und die Kontakt-        besonders interessant war. „Die Firmen
Trainingszentrum besetze inzwischen eine                  pflege mit den Alumni, das ebenfalls vom       werden hier nicht mit finanziellen Mit-
wichtige Nische, Unternehmer könnten                      Trainingszentrum organisiert wird.             teln unterstützt, sondern mit speziellen
bei ihnen fortlaufend Trainings und Kur-                                                                 Angeboten bei Weiterbildungen und mit
se besuchen, die inhaltlich auf deren Be-                 Als Leiter des Trainingszentrums sei er        Informationen über neue Technologien“,
darf abgestimmt seien und qualitativ den                  verantwortlich für die Fachaufenthalte         so sein Fazit. Ebenfalls horizonterwei-
neuesten Erfordernissen, insbesondere im                  im Ausland, die Kontaktanbahnung und           ternd waren die Besichtigungen in nord-
Kontext der Globalisierung, entsprechen.                  Pflege mit ausländischen Partnern und die      rhein-westfälischen Firmen wie der Grohe
                                                                                                         AG, der WILO SE, der Trubatec GmbH,
                                                                                                         der KHS GmbH, der Monolith GmbH
                                                                                                         und Derra, Meyer & Partner Rechtsan-
                                                                                                         wälte. „Wir konnten alle unsere Fragen
                                                                                                         stellen und trafen auf große Bereitschaft,
Die Industrie- und Handelskammer von Kirgisistan                                                         für uns aus dem Nähkästchen zu plau-
                                                                                                         dern“, blickt Rustam Baltabaev zurück.
Die IHK Kirgisistan vertritt mehr als 50 Wirtschaftsverbände aus sämtlichen Branchen und allen Re-
gionen des Landes. Sie wurde im Dezember 1959, also noch zu Zeiten als Kirgisistan ein Teil der          Sein Deutschlandaufenthalt, so der Kir-
Sowjetunion war, gegründet. 1994 wurde sie vom kirgisischen Parlament, der Dschogorku Kenesch,           gise, sei organisatorisch bis ins kleinste
auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt. Die IHK ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organi-    Detail durchdacht gewesen, wofür er der
sation. Sie soll unter anderem Unternehmerinteressen gegenüber den staatlichen Behörden vertreten        GIZ und dem Fortbildungszentrum Carl
und schützen, den Export und das Image der einheimischen Wirtschaft fördern, Kontakte mit auslän-        Duisberg Centren dankbar ist. Deutsch-
dischen Unternehmen und Unternehmensverbänden anbahnen und pflegen und zu Investitionen an-               land sei ein Land, das in Bezug auf den
regen. Außerdem organisiert sie Fort- und Weiterbildungsangebote für Unternehmen und steht für die       richtigen Umgang mit Zukunftstechnolo-
Regeln der Grundsätze unternehmerischer Ethik und sozialer Verantwortung ein. In Zusammenarbeit          gien und die wirtschaftliche Entwicklung
mit den Regierungsstellen entwirft sie Strategien zur Verbesserung des Geschäfts- und Investitions-      beispielhaft sein kann: „Hier hat sich wie-
klimas. Für ihre Mitglieder organisiert sie Messeauftritte sowie Bildungsangebote und bietet ihnen       der einmal bewahrheitet, dass Perfektion
Rechtsberatung an. Die IHK führt auch eine Liste mit zuverlässigen Geschäftspartnern und hilft bei       keine Grenzen kennt.“
Streitfällen durch Mediation.

                                                                                                                                                    17
PARTNERLÄNDER

Vietnam: Tor zum
südostasiatischen Markt
Mitten im wirtschaftlich dynamischen Umfeld der ASEAN-Staaten gelegen,                        Einen Beitrag zu den regen Handelsbe-
bietet Vietnam mit verschiedenen Freihandelsabkommen einen der offens-                        ziehungen zwischen Deutschland und
ten Marktzugänge in ganz Asien. Davon profitieren vietnamesische und                           Vietnam leistet auch das Managerfort-
                                                                                              bildungsprogramm (MP), das die Gesell-
deutsche Unternehmer gleichermaßen, seit 10 Jahren auch im Manager-
                                                                                              schaft für internationale Zusammenarbeit
fortbildungsprogramm.                                                                         (GIZ) seit zehn Jahren gemeinsam mit der
                                                                                              vietnamesischen Industrie- und Handels-
                                                                                              kammer, der Vietnam Chamber of Com-
Deutschland ist der wichtigste europäische   Vietnam, vor allem Elektronik, Maschi-           merce and Industry (VCCI), organisiert.
Handelspartner für Vietnam. Mit dem für      nen und Anlagen, Kraftfahrzeuge und              „Dieses Programm gibt den Teilnehmern
Anfang 2019 geplanten Inkrafttreten des      Chemieprodukte. Wichtigste Importe aus           sehr viel. Ich habe mit den Managern ge-
Freihandelsabkommens mit der Europäi-        Vietnam waren 2017 ebenso Elektronik,            sprochen, die aus Deutschland zurück-
schen Union werden die wirtschaftlichen      aber auch Hardware, Textilien, landwirt-         gekommen sind: Sie haben nicht nur
Beziehungen noch einfacher. Waren „made      schaftliche Erzeugnisse und Meeresfrüch-         Skills mitgebracht, sondern auch Verträge
in Vietnam“ haben einen besonders güns-      te für 9,58 Milliarden Euro.                     abgeschlossen und die Import- und Ex-
tigen Zugang zu den größten Wirtschafts-
räumen der Welt – und internationale
Investoren können verschiedene Freihan-
delsabkommen mit vergleichsweise nied-
rigen Produktionskosten kombinieren. So
investieren in jüngster Zeit immer mehr      Über das MP in Vietnam
in- und ausländische Firmen in neue Werke
am Standort Vietnam, um von diesen Vor-      Seit 1998 nimmt Vietnam am Managerfortbildungsprogramm teil. Die vietnamesische Industrie- und
zügen zu profitieren.                        Handelskammer (Vietnam Chamber of Commerce and Industry, VCCI) ist der Durchführungspartner
                                             im Land. Jährlich reisen etwa 50 Führungskräfte nach Deutschland. Im März 2011 gründeten die
2017 exportierte Deutschland Waren           Absolventen des Programms eine Alumni-Vereinigung, um den Austausch unter den vietnamesischen
im Wert von 3,48 Milliarden Euro nach        Teilnehmenden sowie die Vernetzung mit der deutschen Wirtschaft zu fördern.

18 JOURNAL Ausgabe 13
PARTNERLÄNDER

                                              Ltd., – und eröffnet seither größtenteils      dehnung von 2.000 Kilometern, aber auch
                                              deutschen Kunden den Zugang zur asia-          die Hafenlogistik und der Ausbau regionaler
                                              tischen Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN          Flughäfen wurden schon entschieden ver-
                                              mit einem Binnenmarkt von zehn Län-            bessert. Hier will der Staat bis 2020 knapp
                                              dern und über 620 Millionen Konsumen-          vier Milliarden US-Dollar investieren.
                                              ten. „Die Managerfortbildung hat mir bei
                                              dem Sprung in die Selbstständigkeit ge-        Tiger und 3. Reisweltmeister
                                              holfen: Ich konnte an Trainings in Berlin,
                                              Dresden und Stuttgart teilnehmen. Das          Beim heutigen Entwicklungsstand ist bei-
                                              hat es mir leichter gemacht, die deutsche      nahe unvorstellbar, dass in Vietnam noch
                                              Kultur und das deutsche Geschäftsver-          1985 eine große Hungersnot herrsch-
                                              halten zu verstehen“, sagt die Unterneh-       te, die ein Auslöser für die sogenannte
                                              merin. Ihr Wissen gibt sie regelmäßig bei      Doi-Moi-Politik war – übersetzt eine Poli-
                                              den Alumni-Treffen weiter.                     tik der „Erneuerung“ –, die grundlegende
                                                                                             Wirtschaftsreformen und ein Umfeld für
                                              Auch Le Minh Hai hat am MP teilgenom-          ein relativ freies unternehmerisches Han-
                                              men. Als stellvertretender Leiter Vertrieb     deln in einer sozialistischen Republik ge-
                                              der vietnamesischen Hafengesellschaft Hai      schaffen hat. Außenpolitisch hat sich Viet-
                                              Phong Port Holding Ltd. erhoffte er sich       nam dafür stark geöffnet und nicht nur die
                                              von seinem Aufenthalt in Deutschland vor       Zusammenarbeit mit den südostasiatischen
                                              allem den Ausbau seiner Managementfä-          ASEAN-Ländern, sondern auch mit den
                                              higkeiten und die Möglichkeit, eines der       Vereinigten Staaten, der Europäischen Uni-
                                              wirtschaftsstärksten Länder Europas ken-       on sowie mit Japan und Australien gesucht.
                                              nenzulernen. Seine Erwartungen wurden          Das hat Vietnam letztlich zu einem rasan-
port-Beziehungen zwischen Vietnam und         erfüllt: „Ich habe erfahren können, wie sich   ten Wirtschaftswachstum mit einer aufstre-
Deutschland ausgebaut“, sagt Hoang Van        die Deutschen verhalten, wie sie arbeiten      benden Mittelschicht und einem seit Jahren
Anh, Deputy Director General Member-          und Geschäfte machen – und was sie von         wachsenden Bruttoinlandsprodukt über
ship und Training bei der VCCI.               ihren vietnamesischen Partnern erwarten“,      sechs Prozent (2017: 6,8 Prozent) verholfen.
                                              sagt Hai. Dieses Wissen hat er noch im
Etwa 600.000 Unternehmen sind in Vi-          Jahr der Teilnahme umgesetzt, zwei Mehr-
etnam registriert, die meisten davon eher     zweckkräne von einem brandenburgischen
kleine oder mittlere Betriebe. 530 dieser     Unternehmen gekauft und den Geschäfts-
Firmen haben seit 2008 Führungskräfte im      kontakt weiter ausgebaut.
Rahmen des MP zur Geschäftsanbahnung
nach Deutschland entsendet. Die Teilneh-      Standortvorteil junge Bevölkerung
mer kommen zu über 90 Prozent aus klei-
nen und mittelständischen Unternehmen         Nguy und Hai sind zwei von bislang 530
aus den Sektoren Produktion (42 Prozent),     Beispielen für den fruchtbaren Austausch
Handel (40 Prozent) und Dienstleistun-        im MP. Als Gründe für ein erfolgreiches
gen (16 Prozent). „Es ist sehr gut für uns,   Unternehmertum und die äußerst dyna-
Geschäftsleute aus den beiden Ländern         mische Entwicklung der vietnamesischen
zusammenzubringen. Wir möchten von            Volkswirtschaft nennt die Delegation der
anderen Ländern lernen, mehr über die         deutschen Wirtschaft in Vietnam (AHK)
Märkte und Menschen in Deutschland er-        vor allem Motivation, Lohnniveau und In-
fahren“, so Hoang Van Anh.                    frastruktur: Insbesondere die jungen und
                                              motivierten Arbeitskräfte sind ein Stand-      Hoang Van Anh koordiniert das MP bei der vietnamesi-
Mit deutschen Handelspartnern zum Erfolg      ortvorteil: Von den 93 Millionen Einwoh-       schen Industrie- und Handelskammer VCCI.
                                              nern sind 65 Prozent jünger als 40 Jahre –
Die Exportorientierung Vietnams spie-         und sie sind zunehmend besser ausgebildet.     Zu diesen Wachstumsdaten passt, dass
gelt sich auch in den regen Kooperations-     Das Lohnniveau in Vietnam ist nach wie         Vietnam sich nach Indien und Thailand
absichten der Führungskräfte wider, die       vor deutlich niedriger als in einigen ande-    zum drittgrößten Reis-Exporteur der
branchenübergreifend am MP teilgenom-         ren ASEAN-Nachbarländern oder China,           Welt entwickelt hat. Diese wirtschaftli-
men haben. So etwa Unternehmerin Anh          steigt aber kontinuierlich an. Was wiede-      che Dynamik bei einem politisch stabilen
Nguy, die im Alter von 27 Jahren zur Fort-    rum zu einem belebten Binnenmarkt mit          Umfeld spiegelt sich in den immer neuen
bildung nach Deutschland reiste. In der       wachsender Mittelschicht und dem ent-          Bezeichnungen, die für Vietnam gefun-
Acht-Millionen-Metropole Ho Chi Minh          sprechenden Konsum führt. Des Weiteren         den werden: Tigerstaat, China plus 1 oder
City arbeitete die MBA-Absolventin als        unternimmt die vietnamesische Regierung        „Next Eleven“ als ehrgeizige Nachfolger
Projektleiterin für eine deutsche Wirt-       große Anstrengungen, die Infrastruktur zu      der BRIC-Staaten.
schaftsberatung. Mit 30 Jahren gründete       verbessern: Im Vordergrund steht der Stra-
sie ihre eigene Firma, die Sanet Vietnam      ßenbau mit einer geplanten Nord-Süd-Aus-
                                                                                                                                              19
PARTNERLÄNDER

Usbekistans Zukunft:
High Potentials
Nabijon Kasimov

20 JOURNAL Ausgabe 13
PARTNERLÄNDER

Die usbekische Wirtschaft erlebt derzeit einen Aufschwung. Die jungen, gut                      Welche Bedeutung hat das Programm
ausgebildeten Unternehmer des zentralasiatischen Landes setzen dabei                            heute für Sie in Ihrer Tätigkeit als Bot-
zunehmend auf den europäischen Markt. Seit 2006 nimmt Usbekistan                                schafter?
                                                                                                Durch das Managerfortbildungsprogramm
an „Fit for Partnership with Germany“ teil und hat seitdem über 400                             habe ich die Mentalität deutscher Unterneh-
Führungskräfte zur Fortbildung nach Deutschland gesandt. Einer von ihnen                        mer verstehen gelernt, ich habe die deutsche
ist Nabijon Kasimov, der das Programm 2011 als Teilnehmer durchlief und                         Unternehmensphilosophie sozusagen von
heute Botschafter der Republik Usbekistan in Deutschland ist. Im Interview                      innen studiert. Die Erfahrungen und Er-
spricht er darüber, was das Managerfortbildungsprogramm (MP) für sein                           kenntnisse von damals helfen mir auch bei
Land bedeutet und wie er persönlich davon bis heute profitiert.                                  meiner heutigen Arbeit. Es ist eine Binsen-
                                                                                                weisheit, dass es für den Erfolg jeder Unter-
                                                                                                nehmung moderne Managementmethoden
                                                                                                und qualifizierte Manager mit Know-how
Herr Kasimov, welche Eindrücke sind Ih-                                                         braucht, sei es in einem Produktionsbetrieb,
nen von Ihrer Teilnahme am MP beson-                                                            einem Krankenhaus, einem Sportclub oder
ders im Gedächtnis geblieben?                                                                   eben in einer Botschaft. In meiner derzei-
Im Jahr 2011 hatte ich das Glück, an die-                                                       tigen Position als Leiter einer Auslands-
sem einzigartigen Programm teilnehmen           Alumni sollten die neuen                        vertretung besteht eine meiner wichtigsten
zu dürfen. Das Wissen, das ich damals           Kontakte nicht nur pflegen,                      Aufgaben darin, die bilateralen Wirtschafts-
erwerben konnte, die Möglichkeit, die Ar-       sondern in konkrete ge-                         und Handelsbeziehungen auf allen Ebenen
beitsweise deutscher Unternehmen und                                                            zu stärken. Dabei bemühe ich mich, mein
                                                meinsame Projekte münden
deren Managementmethoden, aber auch                                                             Wissen so einzusetzen, dass es für deutsche
die Praxis der Außenwirtschaftsförderung
                                                lassen.                                         Unternehmen attraktiv ist, mit usbekischen
kennenzulernen, haben mich bereichert                                                           Partnern zu kooperieren, beispielsweise im
und mir eine profunde Vorstellung von                                                           Handel oder auch im Investitionsbereich.
den Grundlagen des Unternehmensma-
nagements vermittelt. Ich halte das Pro-        wir ein vitales Interesse daran, das Manager-   Und was geben Sie zukünftigen Pro-
gramm für sehr effizient, besonders den         fortbildungsprogramm fortzuführen und die       grammteilnehmern und Alumni mit auf
Umstand, dass die Teilnehmer durch die          Zahl der usbekischen Teilnehmer deutlich        den Weg?
Unternehmensbesuche vor Ort das reale           zu erhöhen. Gern möchten wir usbekische         Vor allem empfehle ich jedem, die Zeit in
Tagesgeschäft der Betriebe kennenlernen.        Branchengruppen zu konkreten Wirt-              Deutschland so effizient wie möglich zu nut-
Dieser Einblick in die Praxis kann gar          schaftszweigen nach Deutschland schicken.       zen und sich genau anzusehen, wie deutsche
nicht hoch genug bewertet werden, denn          Beispielsweise würden wir gern Fachaufent-      Unternehmen arbeiten, vor allem im Marke-
schon in Goethes Faust heißt es schließ-        halte für unsere Manager in Bereichen wie       ting. Außerdem sollte man so viele Kontakte
lich: Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,    Straßenbau, Standardisierung und Zerti-         wie möglich knüpfen und sich neue Ideen zu
und grün des Lebens goldner Baum.               fizierung, Transportlogistik, Tiermedizin,      eigen machen. Den Alumni empfehle ich,
                                                Landwirtschaft, chemische Industrie oder IT     die neuen Kontakte nicht nur zu pflegen,
Usbekistan ist seit 2006 Partner des MP.        durchführen. Wir hoffen, dass es uns gelingt,   sondern in konkrete gemeinsame Projekte
Welche Rolle spielt das Programm heute          diese komplexen und sinnvollen Programm-        münden zu lassen und die deutschen Partner
für das Land?                                   aspekte mit unseren deutschen Partnern um-      aktiv von den Vorteilen einer Kooperation
Für Usbekistan sind, wie für jedes andere       zusetzen.                                       mit Usbekistan zu überzeugen. Allen ehema-
moderne Land auch, qualifizierte, fähige                                                        ligen und allen zukünftigen Programmteil-
und entscheidungsstarke Führungskräfte                                                          nehmern wünsche ich viel Erfolg und alles
von essentieller Bedeutung. Von der Teilnah-                                                    erdenklich Gute.
me am MP haben unsere Manager rundum
profitiert und somit natürlich auch die usbe-
kische Wirtschaft. Zahlreiche Unternehmer
                                                   MP Usbekistan in Zahlen
arbeiten seit ihrem Deutschlandaufenthalt
viel strategischer. Viele Firmen haben ein
                                                   Seit Programmstart 2006 fand jährlich mindestens eine
Customer-Relationship-Management und
ein Qualitätsmanagement eingeführt und             Auswahlrunde statt, an denen mehr als 1.000 Interessenten
die Zusammenarbeit mit deutschen Unter-            teilgenommen haben
nehmen ausgebaut. Dadurch konnten sie              Mehr als 400 Teilnehmer reisten zur Fortbildung nach
ihren Umsatz signifikant steigern und neue
                                                   Deutschland
Arbeitsplätze schaffen. Im Kontext des glo-
balen Wettbewerbs legen wir in Usbekistan          Die Teilnehmer kommen aus den folgenden Branchen:
besonders viel Wert auf Innovation und             65% Produzierendes Gewerbe, 22% Dienstleistungs-
bedarfsgerechte Modernisierung der Wirt-           sektor, 13% Handel
schaft, Exportförderung und Anreize für
unternehmerische Initiative. Deshalb haben
                                                                                                                                          21
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