Klimaschutz Stadtgärtnern Stadtbahn aktuell Rad&Land Fernbus - 1/13 März-Juni2013

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ISSN 1612-2283 11. Jg.                              1/13    März – Juni 2013

                                      Klimaschutz
                                    Stadtgärtnern
                                 Stadtbahn aktuell
                             Rad&Land     Fernbus

                           Günstige KVV-Karten 4x im Jahr

                         PRO BAHN e.V.
                         Baden-Württemberg
2                                                                                     KVV-Jahreskarte für Mitglieder
  Inhalt:                                                                             Waben:               Preis: 3)       Startwabe:
 Weniger ist mehr – Fastenticket 2013...............2                                 ○2                     486, – €
 Vorwort......................................................................... 3
                                                                                      ○3                     645,84 € Zielwabe:
 VCD-Vorstandswahl..................................................3
 StadtgärtnerInnen in Karlsruhe.............................4                         ○4   1)
                                                                                                             788,40 €
 Klimawandel und Klimaschutz in Karlsruhe......5
 Mitgliederversammlung BUZO.............................6                             ○5   1)
                                                                                                             945, – € Name:
 Neuer OB – neue Akzente?....................................6                        ○6   1)
                                                                                                           1.096,20 €
 Die Gemeinwohl-Ökonomie..................................8
 Warum der Fernbus vernünftigem                                                       ○ Netz 1)            1.377, – € Straße:
 öffentlichen Verkehr im Wege steht!..................9                               ○ Abholen                  0, – €
 Mitgliederversammlung Pro Bahn.....................10
 Mitgliederversammlung VCD..............................10                            ○ Brief                   1,50 € Ort:
 Wirtschaft gegen Karlsruhe.................................11                        ○ Paket    2)
                                                                                                                7,50 €
 2 J. Stadtb. Germersheim – Enttäuschung......12
 Radverkehr Landkreis.............................................14                  ○ Express       2)
                                                                                                               10,50 € Tel.:
 Aufruhr im AVG-Land............................................15                    Summe:                               Mail:
 Termine.......................................................................16
 Fotos: M. Däschner, E. Fey, S. Gerner,                                               ○ BUZO ○ PRO BAHN ○ VCD                       Mitgl.nr.
 U. Haack, H. Jacobs, H. Jäger                                                          ○1.2.         ○1.5.       ○1.8. ○1.11. gültig ab
 Titel: Neue Hoffnung für NSG „Im Brühl“
 Foto: Johannes Meister …......................... s. S. 6                             15.12.          13.3.       25.6.     24.9. bezahlen
                                                                                                                                                     ✂
 Weniger ist mehr – Fastenticket 2013                                                    24.1.         24.4.       24.7.    24.10. abholen ca.
 Auch dieses Jahr verlockt die Aktion „7 Wo-                                          VCD Karlsruhe, BLZ 600 90 800,
 chen weniger Auto“ dazu, das Auto öfter mal                                          SPARDA-Bank, Kontonummer 953 695
 stehen zu lassen und auf Öffentliche Ver-                                            Verwendung: „Jahreskarte“ + Name!
 kehrsmittel umzusteigen. Machen Sie mit!
 Das Fastenticket gilt in der Fastenzeit von                                           Änderung/Einstellung d. Angebots vorbehalten.
 Aschermittwoch (13. Februar) bis Ostern sie-                                          Ohne Gewähr. Kein Anspruch auf das Angebot.
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                                                                                      ket und Express bis 500,– € versichert. 1)Beach-
Verein: BUZO                         PRO BAHN VCD
                                                                                      ten Sie u. a. die nicht übertragbare KombiCard
Konto:    924 23 55                  310 548 500 953 695                              für's gesamte KVV-Netz 72,– €/Monat! 3)Stand
BLZ:      660 501 01                 370 100 50 600 908 00                            (KVV-)Preise: 9.12.2012. Sollten sich KVV-/
Tel. 0721 / 38 05 75                 / 38 05 75     / 38 06 48                        Post-Preise etc. ändern, müssen auch unsere –
                                                                                      für Sie relevanten – Preise angepasst werden!
verein@umverka.de                    http://verein.umverka.de                         Details & Online-Bestellung: umverka.de
Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet e.V. (BUZO);
Fahrgastverband PRO BAHN, Regionalverband Mittlerer Oberrhein;
                                                                                                                   Impressum
Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Karlsruhe, alle                                               Für die Artikel sind die jeweiligen
Herausgeber: Kronenstraße 9, 76133 Karlsruhe, Tel. 0721 / 38 05 75                                         Vereine verantwortlich außer bei
Redaktion: Mari Däschner, Uwe Haack, Johannes Hertel, Heiko Ja-                                            Gastbeiträgen. umwelt&verkehr er-
cobs, Johannes Meister               E-Mail: redaktion@umverka.de                                          scheint 3x im Jahr. Der Bezugspreis
                                                                                                           ist im Beitrag enthalten. Abo f. Nicht-
www.umwelt-und-verkehr-karlsruhe.de oder kurz: www.umverka.de                                              mitglieder 10,– €/Jahr. ISSN: 1612 -
Layout: auch-rein.de Internet-Service Heiko Jacobs: Papier & online                                        2283, Auflage: 2000, hochweißes
Druck: Druckcooperative, Steinstraße 23, 76133 Karlsruhe                                                   Bilderdruckpapier 100% Altpapier
PRO BAHN e.V.
                  Baden-Württemberg                                                              3
Liebe Leserinnen und Leser,                       Auch der VCD hat wieder einige Seiten mit
                                                  gewichtigen lokalen Themen gefüllt. „Aufruhr
liebe Mitglieder,                                 im AVG-Land“, „Wirtschaft gegen Karlsruhe“,
                                                                                                     Vorwort

gleich im ersten Teil unserer umwelt&verkehr      „Radverkehr im Landkreis“ lauten hier einige
können Sie sich über den aktuellen Stand der      Schlagzeilen.
StadtgärtnerInnen-Initiative informieren, die
über den ersten Schritt des Gründungstref-        Beim Durchlesen werden Sie aber auch noch
fens bereits hinaus ist und ihre Aktivitäten      auf andere, zum Teil brisante Themen stoßen,
nun mit mehreren Stadtteilgruppen gestartet       zum Beispiel den Artikel zum Klimawandel.
hat. Das ist Neuland für uns, wir wollen die      Und drei Mitgliederversammlungen gilt es
Entwicklung, an der auch die BUZO maßgeb-         auch noch bekannt zu geben. Beachten Sie
lich beteiligt ist, zeitnah begleiten.            bitte die einzelnen Einladungen dazu.
Seit dem Jahreswechsel ist die Liberalisierung    Angenehme Lektüre wünschen
des Fernbusverkehrs Realität. Die Bahn be-
kommt nun auch noch, neben Auto und Flug-
zeug, Konkurrenz auf der Straße durch Busse.
Welche Auswirkungen sich auf dem Verkehrs-
markt auf Verkehrsverhalten und Verkehrs-
mittelwahl daraus ergeben, ist gegenwärtig
noch nicht absehbar. Pro Bahn befürchtet je-
doch eine Abwanderung von Bahnkunden
zum Bus und damit die Schwächung des Öf-
fentlichen Verkehrs aus einem Guss. Ein Mei-
nungsbild befindet sich im Pro Bahn-Teil.

VCD-Vorstandswahl
Am 9. April findet unsere Mitgliederversamm-
lung statt. Wie üblich treffen wir uns im Um-
weltzentrum, die Veranstaltung beginnt um        Informationsabend „Klimafreundlich mobil – gewusst
19:30 Uhr. Wichtigster Tagesordnungspunkt        wie“ im Umweltzentrum in Zusammenarbeit des VCD
ist die Vorstandwahl. Der Vorstand setzt sich    mit dem Amt für Umwelt- und Arbeitsschutz und dem
aus dem Vorsitzenden, 2 Stellvertretern und      ADFC.     Foto: Susanne Gerner.   Nähere Infos über
dem Kassenwart zusammen, zusätzlich kön-         www.karlsruhe-macht-klima.de/klimawette.de
nen bis zu 5 Beisitzer gewählt werden. Zur
                                                  zu werden. Berichte, Beiträge, Diskussionen,
Zeit sind aber nur 2 Beisitzerposten besetzt.
                                                  usw. gibt es natürlich auch, wie gewohnt auch
Unser amtierender Kassenwart wurde auf der        Brezeln und Getränke.
Bundesdelegiertenversammlung 2012 in Bad
                                                  Die offizielle Einladung mit Tagesordnung be-
Herrenalb zum Bundesschatzmeister gewählt.
                                                  findet sich auf Seite 10 im VCD-Teil dieses
Er gibt sein Amt im Kreisverband ab.
                                                  Heftes. Ich bitte um Beachtung. Unerlässlich
Die Wahl der beiden Kassenprüfer steht            ist die Teilnahme möglichst vieler Mitglieder,
ebenfalls an, so auch die des Vertreters für      das ist eine Voraussetzung für einen inter-
die Bundesdelegiertenversammlung und die          essanten und hoffentlich auch konstruktiven
Wahl der bis zu 4 möglichen Kandidaten für        Abend und letztlich auch wichtig für den
die Landesdelegiertenversammlung.                 Fortbestand unseres Kreisverbandes. Bitte
Viele Wahlen also, das verspricht spannend        kommen.                            Uwe Haack

   EU-weite Bürgerinitiative „30km/h – macht die Straßen lebenswert!“ unterstützen!
1 Million Unterschriften für EU-Volksbegehren bis 30.11.2013 nötig, dann startet EU-Gesetzes-
 initiative. Informationen, online unterschreiben, Unterschriftenlisten etc.: http://de.30kmh.eu/
4

StadtgärtnerInnen in Karlsruhe
Eine große Runde aus Stühlen füllt am Abend Vernichtung von umliegenden Lebensräumen
des 30. Januar den Raum im Umweltzentrum. und Wanderkorridoren durch die Bebauung
Die schätzungsweise 18 Menschen, die sich des neuen Stadtteils Südstadt Ost und die
darauf versammelt haben, verfolgen alle ein Baustellen der Kombilösung. Auch solche
Ziel: Öffentliches und gemeinschaftliches Probleme können künftige Stadtteilgärten
Gärtnern in Karlsruhe ermöglichen. Dies ist berücksichtigen und z. B. mit der Kultivierung
das zweite große Treffen von Interessierten, von geeigneten Futterpflanzen für Tiere de-
die sich bislang als StadtgärtnerInnen be- ren Not lindern.
zeichnen, und es soll nicht das letzte sein. Es
                                                  In der Südweststadt ist es beispielsweise der
herrscht gespannte Aufmerksamkeit, denn
                                                  Park entlang der Beiertheimer Allee, der uns
von Gruppen aus zwei Stadtteilen, der Ost-
                                                  bei seiner Betrachtung spontan an Gemüse-
stadt und der Südweststadt, werden gerade
                                                  beete denken lässt. Aber auch Teile des Fest-
Fotos und Karten von möglichen Standorten
                                                  platzes und Flächen zwischen ZKM und Bun-
für Gärten oder Beete an die Wand projiziert
                                                  desstaatsanwaltschaft haben die Stadtgärtne-
und dabei erläutert, was den Aktiven bei ih-
                                                  rInnen in ihre Überlegungen mit einbezogen
ren Besuchen der einzelnen Flächen in Karls-
                                                  – an Visionen und Fantasie mangelt es nicht!
ruhe aufgefallen ist. Manche Orte scheinen
sich besonders für den Anbau wärmelieben- Der Abend geht schließlich über in eine krea-
der Obst- und Gemüsesorten zu eignen, bei- tive Gruppenarbeit, bei der sich die Teilneh-
spielsweise die „Südhanglagen“ entlang der menden über Ziele und Orte des Projektes
neu gebauten Straßenbahnstrecke in der austauschen. Die geplanten Gärten sollen mal
Südstadt Ost. Wir träumen                                           Lernorte sein, mal mehr in-
kurz von Feigenbäumen                                               terkulturell oder generatio-
und Tomaten und wenden                                              nenübergreifend geprägt
uns dann wieder der Reali-                                          sein, dem Gemüseanbau
tät zu: Der an der Kapellen-                                        dienen oder eher bunte
straße gelegene Alte Fried-                                         Blumenoasen werden, allen
hof mit seiner parkähnli-                                           Ideen gemeinsam ist wohl
chen Struktur und vielen                                            der gemeinschaftliche und
großen Bäumen wirkt ziem-                                           mehr oder weniger öffentli-
lich schattig und könnte                                            che Charakter. Und der
dennoch an einzelnen Stel-                                          Wunsch nach mehr Grün
len Raum für Beete bieten.                                          und nach aktiver Mitgestal-
Der Zaun entlang der Schu-                                          tung des Stadtbildes ist all-
le ist ein ideales Kletterge-                                       gegenwärtig. Am Ende des
rüst für Bohnen oder ande-                                          Abends wird klar: Es ist eine
re rankende Pflanzen. Am                                            neue Stadtteilgruppe ent-
Beispiel dieses Areals kom-                                         standen – künftig wird auch
men wir auf einen ökologi-                                          im Gebiet Weststadt/Mühl-
schen Aspekt zu sprechen,                                           burg auf Flächensuche ge-
von dem viele das erste Zweites Planungstreffen der Stadtgärt- gangen – und unser zweites
Mal hören: Die beim Alten nerInnen.             Foto: Mari Däschner großes Treffen hat uns un-
Friedhof seit langem heimischen Eichhörn- serem Ziel Gemeinschaftsgarten in Karlsruhe
chen müssen laut Beobachtungen eines auf- wieder einen Schritt weiter gebracht.
merksamen Tierfreundes in letzter Zeit Hun-
                                                  Wer Interesse hat, kann sich natürlich gerne
ger leiden und wurden stark dezimiert. Ursa-
                                                  jederzeit anschließen und informieren, z. B.
chen dafür sind vermutlich die große Zahl
                                                  über stadtgaertnerinnenka.forumieren.net
tauber und damit für die Ernährung der Tiere
wertloser Nüsse im Park und die gleichzeitige                                     Mari Däschner
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Klimawandel und Klimaschutz in Karlsruhe
Der Klimawandel hat nicht nur für entfernte      der oben genannten globalen Erwärmung um
Regionen gravierende Auswirkungen. So liegt      3 Grad steigt deren Zahl im Zentrum auf 36,
Karlsruhe an keiner Küste, an der der Klima-     also auf das Vierfache an. Aber es werden
wandel Überflutungen hervorrufen kann. Da-       auch andere Wirkungen prognostiziert, wie
für ist die Stadt aber, im Oberrheingraben ge-   z. B. die Häufung von Extremwetterlagen. Das
legen, eine der wärmsten Regionen Deutsch-       sind aber Themen für sich.
lands. Eine weitere Erwärmung führt nicht nur    Kleinräumige Unterschiede
für ältere Menschen zu besonderen Belastun-
gen. Deshalb muss konsequent gegengesteu-        innerhalb der Stadt
ert werden. Die Stadt Karlsruhe versucht dies    Wer einmal mit dem Rad in einer warmen
mit unterschiedlichen Ansätzen. Doch wie         Sommernacht aus der Stadt an den Stadtrand
wirkungsvoll diese Maßnahmen sind, wird          geradelt ist, weiß, dass dort die Temperatur
erst die Zukunft zeigen. In unregelmäßiger       deutlich niedriger ist. Der Unterschied beträgt
Folge wollen wir über Klimawandel und Kli-       z. B. zwischen der Freifläche Alter Flugplatz
maschutz in Karlsruhe berichten. Dabei soll      und der westlichen Innenstadt bis zu 7 Grad.
mal ein Überblick gegeben werden, und ein        Ursache ist das starke Aufheizen der bebau-
anderes Mal möchten wir ein Thema etwas          ten und der häufig für den Verkehr mit As-
eingehender vorstellen. Starten wir zunächst     phalt „versiegelten“ Flächen. Die Folgen für
mit einem „Zoom“ vom Großen ins Kleine.          die Stadtbevölkerung sind also deutlich grö-
                                                 ßer als für Bewohner des Stadtrandes.
Ursache und Wirkung – Der
globale Klimawandel in 5 Sätzen                  Handlungsmöglichkeiten für
                                                 Stadt, Gewerbe, Hauseigentümer
Ursache für den Klimawandel sind die vom
Menschen eingebrachten Treibhausgase, von        Ziel muss es daher sein, einer weiteren Flä-
denen Kohlendioxid, Methan und Lachgas           chenversiegelung entgegenzuwirken. Ver-
den größten Anteil ausmachen. Dabei entste-      netzte Grünzüge müssen erhalten und neu
hen die Treibhausgase nicht nur durch Indus-     geschaffen werden. Jeder Baum, jede Wiese
trie, Verkehr und Energieerzeugung, sondern      und jede Bepflanzung an und auf Gebäuden
z. B. auch durch Viehzucht. Alles dies trägt     hilft, das Aufheizen der Innenstadt zu redu-
dazu bei, das Gleichgewicht zwischen Ein-        zieren. Im Vergleich ist es der Straßenbaum,
strahlung der Sonne und Wärmeausstrahlung        der den größten Beitrag zur Abkühlung leis-
in den Weltraum zu stören. Durch die Treib-      ten kann.
hausgase wird in der Summe mehr Energie          Doch es ist nicht nur ein Handeln der Stadt-
zurückgehalten. Die Folge ist ein Temperatur-    verwaltung gefragt. Auch der Haus(mit)eigen-
anstieg, der nach den Prognosen der Wissen-      tümer kann durch den Erhalt von Vorgärten
schaft im Zeitraum von 2000 bis 2100 je nach     und Dach- und Fassadenbegrünung einen
menschlichem Handeln voraussichtlich zwi-        wichtigen Beitrag leisten. Mehr noch gilt dies
schen 1,5 und 4 Grad liegen wird.                für Unternehmen, da die Ausdehnung ihrer
                                                 Gebäude und Verkehrs- und Lagerflächen ei-
Die Folgen für uns –                             nerseits einen hohen Beitrag zur Belastung,
Der lokale Klimawandel                           aber gleichzeitig auch ein hohes Potenzial für
Temperaturen über 20 °C werden von uns am        eine Verbesserung bieten.
Tag als angenehm, in der Nacht jedoch als        Hangnahe Stadtteile profitieren von lokalen
belastend empfunden. Diese Schwelle dient        Windsystemen, die kühle Luft aus dem Um-
dem Meteorologen der Definition einer „Tro-      land in die Siedlungen bringen. Vorausset-
pennacht“. Deren Anzahl im Jahr ist ein an-      zung: Die Luftströmungen werden nicht
schauliches Maß für die Wärmebelastung ei-       durch hohe riegelförmige Gebäude ausge-
nes Ortes. Heute haben wir im Zentrum von        bremst. Diese Gefahr besteht aber besonders
Karlsruhe bis zu 9 Tropennächte im Jahr. Bei     im Osten der Stadt, wo sich die Gewerbeflä-
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chen nach wie vor weiter ausbreiten. Die Fol-    wandels zu erkennen und entsprechend zu
gen davon lassen sich dann auch langfristig      handeln. Doch darüber berichten wir im
kaum noch abwenden.                              nächsten Beitrag der Serie.
Wo soll der Hebel                                                             Johannes Meister
angesetzt werden?                                Hinweis: Die quantitativen Angaben stammen
                                                 aus der Präsentation „Stadtplanung im Klima-
Zugegeben, die genannten Maßnahmen sind
                                                 wandel“ anlässlich des Stadtbauforums vom
ein Herumdoktern an den Symptomen.
                                                 14. April 2011, siehe Internetseite des Nach-
Nichtsdestotrotz sind sie wichtig für den Er-
                                                 barschaftsverbands Karlsruhe:
halt einer lebenswerten Stadt. Entscheidend
                                                 http://nachbarschaftsverband.karlsruhe.de/
ist und bleibt jedoch, die Ursachen des Klima-
                                                 pdf/110414_ExWoSt-SBF.pdf

Einladung Mitgliederversammlung BUZO
Liebe Mitglieder,                                Tagesordnung:
hiermit laden wir Euch zur diesjährigen Mit-     1.   Begrüßung, Ergänzung der Tagesordnung
gliederversammlung ein. Sie findet statt am      2.   Jahresbericht Vorstand und Perspektiven
Montag, 8. April 2013, 19:00 Uhr, wie ge-        3.   Bericht über Arbeit des Umweltzentrums
wohnt im Umweltzentrum Kronenstraße 9.           4.   Kassenbericht 2012
Den Abend wollen wir mit Brezeln & Geträn-       5.   Bericht der Kassenprüfer
ken ausklingen lassen. Wir würden uns über       6.   Aussprache
eine rege Teilnahme sehr freuen.                 7.   Entlastung des Vorstands
                                Der Vorstand     8.   Verschiedenes

Neuer OB – neue Akzente?
Das entscheidende Ereignis Ende letzten Jah- striche gemacht werden und der Bereich
res war die Wahl des neuen OB Dr. Frank nördlich des Herdwegs zwischen Hagsfeld
Mentrup. Bereits im ersten Wahlgang konnte und Grötzingen als Freifläche vollständig er-
der gemeinsame Kandidat von SPD, GRÜNE, halten bleibt. Insgesamt wird die BUZO die
KAL und der Piratenpartei die erforderliche 8 Jahre dauernde Amtszeit kritisch begleiten,
Mehrheit erzielen. In einer Podiumsdiskussi- damit diese Chance, neue ökologische Ak-
on, mitorganisiert von der BUZO, hat er im zente zu setzen, auch wirklich genutzt wird.
Vorfeld klar Position bezogen gegen eine
                                                                         Johannes Meister
durchgehende Nordtangente, gegen die ak-
tuelle Rheinbrückenplanung und für
mittelfristiges Null-Wachstum beim
Flächenverbrauch. Einmal schüt-
zenswert festgelegte Flächen sollen
dann nicht immer wieder als poten-
tielle Gewerbegebiete in die Dis-
kussion gebracht werden. Auf einer
öffentlichen Fahrradtour zur Gieß-
bachniederung zwischen Hagsfeld
und Grötzingen hat er sich, wie die
GRÜNEN und die BUZO, für die
Ausweisung der Gießbachniede-
rung als Landschaftsschutzgebiet
ausgesprochen. Entscheidend ist für Angeregte Gespräche beim diesjährigen Ökofrühstück am
die BUZO, dass nun auch keine Ab- 2. Februar im Umweltzentrum mit leckeren Brötchen und
                                    Kuchen, gespendet von der Fasanenbäckerei.
                                                                             Foto: Uwe Haack
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Die Gemeinwohl-Ökonomie: Eine Erfolg
versprechende Alternative zur gegenwärtigen Wirtschafts(un)ordnung?
Unser Wirtschaftssystem, das primär auf Kon-     Als entscheidendes Prinzip wird Kooperation
kurrenz und Gewinnmaximierung basiert und        berücksichtigt, im Gegensatz zu Konkurrenz
das inzwischen weitgehend durch die globa-       und Verdrängungswettbewerb.
len Finanzmärkte dominiert wird, erweist sich    Ausführlichere Darstellungen und Begrün-
zunehmend als Hindernis für die Lösung der       dungen des gesamten Ansatzes finden sich in
drängendsten Probleme der Welt:                  dem Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ von
Wachsende Ungleichheit und Unsicherheit,         Christian Felber. Im Internet findet sich unter
Umweltzerstörung und Raubbau der natürli-        www.gemeinwohl-oekonomie.org eine lau-
chen Ressourcen, Gefährdung der Demokra-         fend aktualisierte Darstellung des Projekts
tie durch übermächtige Kapitalinteressen.        „Gemeinwohl-Ökonomie“, das inzwischen
Seit langem werden neben der dominieren-         (vor allem in Österreich) von einem wachsen-
den Profitwirtschaft weltweit auch alternative   den Kreis von Privatpersonen, PolitikerInnen,
Formen des Arbeitens und Wirtschaftens           Organisationen/Vereinen und Unternehmen
praktiziert, bei denen Konkurrenz und Ge-        unterstützt wird.
winnstreben zugunsten humanerer Arbeits-         Auch in Karlsruhe hat sich ein Kreis von Per-
bedingungen und einer Orientierung auf das       sonen zusammengefunden mit dem Ziel, zur
Gemeinwohl zurückgedrängt werden: Ver-           Diskussion und Verbreitung dieses zukunfts-
schiedene Formen des Genossenschaftswe-          trächtigen Wirtschaftsmodells beizutragen.
sens und der Solidarischen Ökonomie.             Wir wollen damit auch der oft geäußerten
Aus unterschiedlichen Gründen, nicht zuletzt     These entgegentreten, es gäbe keine positive
auf Grund fehlender Unterstützung durch          Alternative zur herrschenden Wirtschaftsord-
Staat und Politik, haben diese Ansätze bisher    nung.
kein großes Gewicht im gesamten Wirt-            Eine Umorientierung der Wirtschaft auf
schaftsgeschehen erlangt.                        demokratisch vereinbarte Gemeinwohlzie-
Ein neuer Ansatz, die „Gemeinwohl-Ökono-         le ist das Gebot der Zukunft!
mie“, die von Christian Felber (Mitbegründer     Gastbeitrag des Förderkreises
von Attac-Österreich, www.christian-felber.at)   Gemeinwohl-Ökonomie Karlsruhe, Kontakt:
zusammen mit einer Reihe engagierter Unter-      Karlsruhe@gemeinwohl-oekonomie.org
nehmerInnen entwickelt wurde, zielt dagegen      Hinweis: Das Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“
auf eine umfassende Umorientierung des Ar-       von Christian Felber kann im BUZO-Umwelt-
beitens und Wirtschaftens: Kern des Ansat-       zentrum ausgeliehen werden!
zes ist, Unternehmen unterschiedlichster Art
und Eigentumsform über ein neues Anreiz-
system dazu anzuregen, sich – im Rahmen ei-
ner Marktwirtschaft – möglichst gemeinwohl-
orientiert zu verhalten.
Dies soll anhand der sogenannten „Gemein-
wohlbilanz“ erfolgen, in der gemeinwohlori-
entiertes Verhalten definiert und quantitativ
erfasst wird, so dass es angemessen belohnt
werden kann, z. B. über Steuernachlässe und
günstige Kredite oder auch durch Informati-
on von Kunden und Öffentlichkeit.
Die wesentlichen Prinzipien dieser Gemein-
wohlbilanz sind: Menschenwürde, Vertrau-
en, Solidarität, Soziale Gerechtigkeit, Öko-
logische Nachhaltigkeit, Demokratische
Mitbestimmung.
PRO BAHN e.V.
8                          Baden-Württemberg

Warum das neue Fernbusangebot einem                                                 Busbf KA hinter Hbf:
vernünftigen öffentlichen Verkehr im Wege steht!                                    Erweiterung geplant!

ÖV aus einem Guss                                 Besser weniger als mehr Systeme,
Nachdem bis Anfang der 90er Jahre des ver-        zu viele Köche verderben den Brei
gangenen Jahrhundert nur die allergrößten         Nun leben wir in einer Zeit, in der das Wort
Ballungsräume Verkehrs- und Tarifverbünde         Innovation einen sehr hohen Stellenwert be-
hatten, wuchs die Erkenntnis bei den Verant-      sitzt. Fast täglich ist der Presse zu entnehmen
wortlichen, dass aller öffentlicher Verkehr       welche „segensreiche“ Entwicklungen im
(ÖV) aufeinander abgestimmt und miteinan-         E-Bereich zu verzeichnen sind. Dabei dreht
der verknüpft werden sollte. Dabei entstan-       sich alles um den batteriebetriebenen Indivi-
den fast in ganz Deutschland flächendecken-       dualverkehr (IV). ÖV, der schon lange elek-
de Verbünde. Nicht nur einheitliche und           trisch verkehrt, ist da außen vor. Noch nicht
durchgängige Tarife wurden angestrebt und         einmal der elektrische O-Bus schafft es in die
größtenteils auch verwirklicht, auch die Fahr-    verbreitete Diskussion zu kommen. Da steht
pläne wurden aufeinander abgestimmt.              die weit verbreitete Windschutzscheibenper-
Schlagwörter wie „mit einer Fahrkarte durch       spektive wieder einmal Pate. Ausgesprochen
Stadt und Land“ oder „öffentlicher Verkehr        effektiv sind Schienenfahrzeuge ab einem ge-
aus einem Guss“ waren fast überall zu hören.      wissen Aufkommen an Fahrgästen. Sehr be-
So ist z. B. im ÖPNV-Gesetz von Baden-Würt-       währt haben sich für schwächere Anschluss-
temberg von 1995 folgendes zu lesen:              relationen abgestimmte Busanschlüsse. Erst
                                                  für ganz schwach besiedelte Gebiete (Streu-
Öffentlicher Personennahverkehr soll im ge-
                                                  siedlungen, einzelne Weiler) passen beide
samten Landesgebiet im Rahmen eines inte-
                                                  Systeme nicht mehr. Jetzt kommt der Anruf-
grierten Gesamtverkehrssystems als eine voll-
                                                  bus, das Anruftaxi oder auch der Bürgerbus
wertige Alternative zum motorisierten Indivi-
                                                  ins Spiel. In jüngster Zeit wird für diese letz-
dualverkehr zur Verfügung stehen.
                                                  ten Strecken das Pedelec angedacht. Mehr
Interessant ist die Passage: „integriertes Ge-    braucht das öffentliche Verkehrssystem nicht!
samtverkehrssystem“, die keinen anderen           Innovation ja, aber passend: Park
Schluss zulässt, als dass der ÖV, auch fahr-
planmäßig, aufeinander abgestimmt werden          & Bike, Radverkehr, Park & Ride,
muss. Eigentlich müsste das in Deutschland        Kiss & Ride, Car to go, u. v. m.
ausreichen: flächendeckender Fernverkehr im       Integrierte Verkehrssysteme und integrierte
Takt und darauf abgestimmt der regionale          Verkehrsmittelnutzung sind derzeit bei vielen
und lokale Nahverkehr. Warum wir das noch         Verkehrsveranstaltungen im Vordergrund der
nicht überall haben, liegt daran, dass Bund,      Diskussionen. Die Verknüpfung öffentlicher
Länder und Kreise nicht genügend Mittel für       Verkehrsmittel mit den Fahrzeugen des IV hat
den ÖV zur Verfügung stellen. Die Kreise, die     natürlich schon einen gewissen Reiz. Dabei
für den Stadt- und Busverkehr zuständig sind,     wird aber verkannt, dass das private Fahrzeug
versuchen inzwischen, einzelne Leistungen zu      ja nicht jedem zur Verfügung steht und nicht
kürzen oder gar manche Buslinien ganz ein-        an allen ÖV-Haltestellen Leihfahrzeuge vor-
zustellen. Jüngstes Beispiel ist die Streichung   gehalten werden können. Also ist der Zugang
von Angeboten auf der Schwarzwaldhoch-            zu individueller Fahrzeugnutzung begrenzt.
straße. Man bedenke, das bereits dünne An-        Die Mitnahme von Fahrrädern in den öffentli-
gebot wurde noch mehr gekürzt, obwohl ge-         chen Verkehrsmitteln stößt schon aus Kapazi-
rade im zukünftigen Nationalpark Nord-            tätsgründen an seine Grenzen und nicht jeder
schwarzwald ein attraktives Busangebot vor-       will und kann immer auf ein Fahrrad zurück-
gehalten werden sollte! Besser die Busse fah-     greifen. Im Übrigen fühlen sich zunehmend
ren auf der Schwarzwaldhochstraße als im          Fahrgäste durch die Radmitnahme belästigt!
Rheintal parallel zur Rheintalbahn.               Bei der neuesten Variante, dem Park & Bike,
PRO BAHN e.V.
           Baden-Württemberg                                                                      9
            also eine Verknüpfung von Auto und     suchen. Was sein wird, sind Rosinenpickerei-
F:          Fahrrad, ist der ÖV ganz außen vor.    en, die dazu führen werden, dass wegen Ein-
Ja Diese ganzen Maßnahmen binden unnötig           nahmeverlusten im parallelen Schienenver-
   viele Gelder und Kapazitäten, die eher dafür    kehr dessen Angebot auf schwach frequen-
   verwendet werden sollten, um den eigentli-      tierten Strecken und zu Schwachlastzeiten
   chen ÖV flächendeckend anbieten zu können.      schlechter werden wird. Gerade dort und
                                                   dann wird aber kein privater Bus zur Verfü-
   Je mehr Individualität,
                                                   gung stehen. Das ÖV-System wird sich noch
   desto weniger Zuverlässigkeit                   weiter von einem flächendeckenden zeitlich
   Die jetzt eingeführten Fernbuslinien verspre-   ausgedehntem Angebot entfernen.
   chen dem einzelnen Fahrgast mehr individu-      Zusammenfassung:
   elle Betreuung während seiner Fahrt als mit     Regelmäßige Angebote, Verlässlichkeit
   dem herkömmlichen Schienenverkehr. Und          und flächendeckende integrale Taktver-
   mit Sicherheit wird es bei nachfragestarken     kehre! Der Fahrgastverband Pro Bahn hat
   Relationen und Zeiten gute Angebote geben.      schon immer angebotsorientierten öffent-
   Auch preislich wird der Fernbusverkehr bes-     lichen Verkehr gefordert, der den Schie-
   ser als die Bahn abschneiden. Die Gründe lie-   nenverkehr und den ergänzenden Busver-
   gen auf der Hand: Während für jeden Zugki-      kehr in hervorragender Weise miteinander
   lometer Trassengebühren und an den Halten       verknüpft, so dass in Deutschland ein flä-
   Stationsgebühren anfallen, fährt der Bus auf    chendeckendes ÖV-System aus einem Guss
   allen Straßen umsonst. Es gibt auch für den     vorgehalten werden kann, auch zu abend-
   Bus kein Eisenbahnbundesamt (EBA), das mit      lichen Schwachlastzeiten und am Wochen-
   scharfen Sicherheitsauflagen die Kosten beim    ende. Dabei ist selbstverständlich, dass
   Schienenverkehr in die Höhe treibt und den      Fahrpläne und Tarife aufeinander abge-
   Betrieb erschwert.                              stimmt werden.
   Trotzdem wird der Fernbus kein flächende-       Der Fernbus kannibalisiert dieses System
   ckendes Angebot bieten und auch in              und wird deshalb von Pro Bahn abgelehnt.
   Schwachlastzeiten wird man ihn vergeblich                                    Gerhard Stolz

   Einladung Mitgliederversammlung Pro Bahn
   Der Fahrgastverband PRO BAHN, Regional-         1. Begrüßung
   verband Mittlerer Oberrhein, lädt ein zu sei-   2. Bericht des Vorstands
   ner Mitgliederversammlung mit Neuwahlen         3. Kassenbericht
   am Donnerstag, dem 14. März 2013 um             4. Aussprache
   19.30 Uhr im Umweltzentrum, Kronenstraße
                                                   5. Entlastung Kassenwart, Regionalvorstand
   9. Das Ende der Mitgliederversammlung ist
   für 22 Uhr vorgesehen. Um rege Beteiligung      6. Vorschläge für neuen Regionalvorstand
   wird gebeten.                  Der Vorstand     7. Wahl des Regionalvorstands für 2 Jahre
                            Tagesordnung:          8. Verschiedenes

   Einladung Mitgliederversammlung VCD
   Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und         1.   Begrüßung, Ergänzung Tagesordnung
   Freunde des VCD-Kreisverbandes!                 2.   Wahl des Versammlungsleiters
   Hiermit laden wir euch zur diesjährigen Mit-    3.   Jahresbericht Vorstand und Perspektiven
   gliederversammlung ein. Sie findet statt am     4.   Kassenbericht 2012
   Dienstag, dem 9. April 2013 um 19.30 Uhr        5.   Bericht der Kassenprüfer
   im Umweltzentrum, Kronenstraße 9. Den           6.   Aussprache, Entlastung des Vorstands
   Abend wollen wir mit Brezeln & Getränken
                                                   7.   Haushalt 2013
   ausklingen lassen. Wir würden uns über eine
   rege Teilnahme sehr freuen.    Der Vorstand     8.   Wahl Vorstand, Delegierte, Kassenprüfer
                            Tagesordnung:          9.   Sonstiges
10

Wirtschaft gegen Karlsruhe
In der Diskussion um den Bau einer weiteren
Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth
sind es immer wieder vermeintliche Vertreter
der Wirtschaft, die politischen und medialen
Druck für die Realisierung des Neubaupro-
jekts machen. Allen voran die Industrie- und
Handelskammern Karlsruhes und der Pfalz
treten da in Erscheinung, aber auch die Mit-        Die zwei Rheinbrücken;        Foto: Heiko Jacobs
telstands- und Wirtschaftsvereinigung der         • Wer das Auto nimmt, obwohl er denselben
CDU/CSU, die dabei ganz gerne schon einmal          Weg genauso gut mit der Bahn antreten
ihre Parteizugehörigkeit verschweigt, oder          kann, denkt nicht wirtschaftlich. Jede Minute
auch eine Initiative unter dem Namen „Wirt-         im Kfz ist eine verlorene Minute, während
schaft für Karlsruhe“. Argumente für den Bau        sich die Zeit in der Bahn in aller Regel sinn-
der Brücke sind in diesen Verlautbarungen al-       voll nutzen lässt. Zudem kommen Pendler
lerdings recht dünn gesät. In erster Linie wer-     oder Geschäftsreisende üblicherweise ent-
den Ängste gegen eine mögliche Sperrung             spannter und leistungsfähiger im Betrieb an.
der bestehenden Rheinbrücke Maxau ge-
schürt. Und natürlich darf der Hinweis auf die    • Das Unfallrisiko ist im Öffentlichen Verkehr
Pendler, die im Stau stehen, nicht fehlen.          deutlich geringer als mit dem Motorisierten
Höchste Zeit also, diese Äußerungen auch            Individualverkehr. Auch die Gesundheitsbe-
einmal einem wirtschaftlichen Faktencheck zu        lastung durch Abgase und fehlende Bewe-
unterziehen.                                        gung ist im Auto höher.
                                                  • Auch Bahnunternehmen sind Wirtschaftsbe-
Einen Hinweis darauf, dass es zwischen Wörth
                                                    triebe. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Ver-
und Karlsruhe neben der Straßenbrücke auch
                                                    einigungen, die vorgeben, für die Wirtschaft
noch eine Eisenbahnbrücke gibt, sucht man
                                                    zu sprechen, die Interessen dieser Wirt-
in den genannten Verlautbarungen verge-
                                                    schaftsunternehmen völlig ausblenden.
bens. Dass die Wirtschaftsverbände sich für
eine Verlagerung von Verkehr von der Straße       • Wer auf das Auto verzichtet und stattdessen
auf die Schiene stark machen, war in der ge-        auf die Bahn umsteigt, stützt den Wirt-
samten Diskussion um das Neubauprojekt              schaftsstandort. Er sichert damit nicht nur
bislang nicht zu beobachten. Diese einseitige,      den Arbeitsplatz des Fahrers, sondern eine
nur am Autoverkehr orientierte Betrachtungs-        Vielzahl von Arbeitsplätzen, die mit der In-
weise ist entgegen allen Beteuerungen kei-          frastruktur von Schienen und Bahn zusam-
neswegs im Interesse der Wirtschaft:                menhängen. Und diese Arbeitsplätze sind
                                                    besonders wertvoll, weil – im Gegensatz zu
• Der Faktencheck „Leistungsfähige Rheinque-
                                                    vielen anderen Wirtschaftsbetrieben – nicht
  rung“ im November 2011 hat belegt, dass
                                                    die Gefahr besteht, dass sie in Billiglohnlän-
  nur in einem sehr geringen Umfang Verkehr
                                                    der abwandern können.
  von der Straßenbrücke Maxau auf die Eisen-
  bahnbrücke verlagert werden müsste, um          • Karlsruhe hat bereits jetzt eine hohe Ver-
  das Staurisiko und damit die Stauzeiten           kehrs- und Luftbelastung. Eine Rheinbrücke,
  deutlich zu verringern.                           deren Sinn nur darin besteht, eine zusätzli-
• Die geplante Neubautrasse mit Anbindung           che Trasse quer durch Karlsruhe langfristig
  an das Ölkreuz wird hingegen keine Verrin-        zu erzwingen, würde die weichen Standort-
  gerung, sondern eine Steigerung der Stau-         faktoren für die Wirtschaft noch einmal ver-
  gefahr bringen, da an dem jetzt schon kri-        schlechtern.
  tischsten Punkt künftig die Anzahl der Fahr-    All dies belegt, dass den Wirtschaftsverbän-
  bahnen nicht nur von 3 auf 2, sondern von 5     den, wenn sie die Wirtschaft wirklich stärken
  auf 2 reduziert werden muss.                    wollten, daran gelegen sein sollte, für die
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Nutzung der Bahn und für den Ausbau der           Hauptgrund für den Umzug: der vorhandene
Infrastruktur auf der Bahn offensiv einzutre-     Stadtbahnanschluss in Rülzheim!
ten. Die stiefmütterliche Behandlung der be-      Und wenn IHK-Präsident Bechtold – wie beim
stehenden zweiten Rheinbrücke zwischen            Neujahrsempfang der Karlsruher IHK – mal
Karlsruhe und Wörth kann daher nicht im In-       wieder über die „Gegner der zweiten Rhein-
teresse der Wirtschaft sein. Wie kurzsichtig      brücke“ schimpft, muss er sich fragen lassen,
diese Denkweise ist, zeigte sich im vergange-     wer die „Gegner der zweiten Rheinbrücke“
nen Jahr, als eine pfälzische Firma mit immer-    sind – ja wohl die, die ausblenden, dass es
hin 420 Mitarbeitern ankündigte, im Rahmen        bereits eine zweite Rheinbrücke gibt, und
der weiteren Expansion 2013 von Herxheim          nichts für die Stärkung des Verkehrsaufkom-
nach Rülzheim umzuziehen, und damit or-           mens über diese Brücke unternehmen.
dentlich Wirbel in der Pfalz verursachte.                                         Reiner Neises

2 Jahre Stadtbahn Germersheim
– eine Enttäuschung
Im Dezember 2012 jährte sich die Inbetrieb-
nahme der Stadtbahnlinie Karlsruhe – Ger-
mersheim zum zweiten Mal. Als der KVV zum
2. Jahrestag dem Kreis Germersheim Fahr-
gastzahlen vorlegte, war in der Presse von ei-      Stadtbahn Germersheim;      Foto: Herbert Jäger
nem „Erfolgsmodell“ zu lesen. Die Zahlen, die     gerade einmal rund 920 Fahrgäste pro Tag
sich auf das erste Betriebsjahr 2011 beziehen,    bedeuten. Wie viele davon vorher in Wörth
hatte der KVV allerdings bereits im Sommer        von der Regionalbahn auf andere Züge nach
veröffentlicht. 6.000 Fahrgäste täglich auf der   Karlsruhe umstiegen, ist nicht bekannt.
Stadtbahnlinie Karlsruhe – Germersheim be-
jubelte der KVV im Juni 2012. Immerhin: Die       Verwirrend sind auch die Angaben, die der
Öffentlichkeitsarbeit des Verkehrsverbunds        KVV zur Pünktlichkeit der Stadtbahn macht.
funktioniert noch ganz hervorragend. Von          Die Bahnen seien ganz überwiegend pünkt-
den 10.000 Personen, auf die der KVV die          lich unterwegs, heißt es da. Von 95,6 % der
Fahrgastzahlen im ersten Betriebsjahr gegen-      Bahnen, die pünktlich in Germersheim an-
über der früheren Regionalbahnlinie vervier-      kommen, und gar 98 % aus Germersheim, die
fachen wollte, ist dabei keine Rede mehr. Von     pünktlich in Wörth ankommen, ist da offiziell
diesem Ziel ist die von der AVG betriebene        die Rede. Gleichzeitig reißen allerdings die
Linie weit entfernt. Bei der Vorlage der Zahlen   Beschwerden der Kunden über Verspätungen
beim Landkreis Germersheim im Dezember            nicht ab. Dass seit zwei Jahren mit schöner
war dann sogar nur noch von 5.675 Fahrgäs-        Regelmäßigkeit in der Presse von Verbesse-
ten werktäglich die Rede. Gut ein Viertel der     rungen zu lesen ist, die die Stadtbahnen
Fahrgäste entfällt davon auf den innerstädti-     „jetzt“ pünktlicher machen solle, macht die
schen Verkehr. Dabei dürfte es sich ganz          offiziellen Zahlen nicht gerade glaubwürdig.
überwiegend um Fahrgäste handeln, die die         Zugleich mehren sich die Anzeichen dafür,
S52 statt einer anderen innerstädtischen Linie    dass die tatsächlichen Zeitläufe der Fahrzeu-
nutzen, weil es halt gerade die erste Bahn ist,   ge bei AVG und VBK überhaupt nicht richtig
die im Moment vorbeifährt. 40 % der Fahr-         erfasst werden.
gäste nutzen die Stadtbahn ausschließlich in-     Wollen wir nur hoffen, dass der KVV bei der
nerhalb der Pfalz auf der Strecke, die zuvor      neuen Linie 6 durch die Südoststadt, für den
von der Regionalbahn bedient wurde. Ein           er wieder eine Fahrgastzahl von 10.000 Per-
Drittel der Fahrgäste fährt mit S51/S52 über      sonen pro Tag prognostiziert, seinen eigenen
den Rhein nach Karlsruhe. 1.843 Fahrgäste         Vorgaben etwas näher kommt.
über den Rhein würden in jede Richtung also                                       Reiner Neises
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 Radverkehr Landkreis
 In der letzten u&v haben wir das Thema
 „Radfahren in Bretten“ behandelt. Die Situati-
 on in Bretten ist aber leider nur die Spitze des
 Eisberges, denn in vielen Kommunen im
 Landkreis sieht es leider ähnlich aus. Generell
 herrscht häufig die Politik vor, Gehwege, die
 etwas breiter sind als gewöhnlich, als benut-
 zungspflichtige gemeinsame Geh- und Rad-
 wege auszuweisen, auch wenn das Ergebnis
 noch so skurril wird. So z. B. zwischen Gochs-
 heim und Münzesheim:
 Wenn man nicht den Kiesweg mit Schlaglö-
 chern entlang der Bahn nehmen möchte, wird
 man gezwungen, erst in Ortsnähe einen links-
 seitigen Gehweg zu verwenden, um dann au-
 ßerorts an einer sehr unübersichtlichen Stelle
 auf die Fahrbahn zu wechseln. In Münzes-
 heim wird man dann im Bereich mehrerer
 stark befahrener gewerblicher Zufahrten wie-
 der auf den Gehweg gelotst, um diesen dann
 wieder nach nicht mal 400 m an einer nicht
 tauglichen Ausleitung verlassen zu müssen.
 Der Sinn einer solchen Radverkehrsführung,
 die gekonnt die Radfahrer immer dorthin                 der Landkreis in den letzten Jahren begonnen
 lotst, wo sie am meisten mit Gefahren rech-             hat, sein Wegweisersystem zu vereinheitli-
 nen müssen, wird wohl für immer ein Ge-                 chen. Leider traten dabei einige Probleme
 heimnis der zuständigen Straßenverkehrsbe-              auf: Zum einen verenden an mehreren Stellen
 hörde bleiben. Nach der Radwegenorm ERA                 ausgeschilderte Routen plötzlich im Nichts,
 jedenfalls soll man Radwegenden übersicht-              da Zwischenabschnitte beim Ausschildern
 lich gestalten und Radfahrer bei vielen                 vergessen bzw. falsch beschildert wurden.
 Grundstücksausfahrten lieber auf der Fahr-              Dies möchte das Landratsamt allerdings mit
 bahn fahren lassen.                                     einer systematischen Überprüfung der Rou-
 Als sehr positiv kann man anmerken, dass es             ten auf Fehler ändern, jedoch wurden auch
 in immer mehr Ortsdurchfahrten zumindest                2012 wieder Routen fehlerhaft beschildert.
 in Teilbereichen Tempo-30-Abschnitte gibt.              Ein weiterer Problempunkt ist, dass oft nicht
 Diese ermöglichen eine bessere Integration              beachtet wurde, die Routen so zu führen,
 des Radverkehrs ins Verkehrsgeschehen.                  dass man dort auch Fahrrad fahren darf. An
 Ebenfalls als positiv kann man ansehen, dass            unzähligen Stellen wird man auf für den Rad-
                                                         verkehr gesperrte Wege und teils sogar in
                                                         Fußgängerzonen geleitet. Hier werden also
                                                         durch die Beschilderung Regelverstöße von
                                                         Radfahrern geradezu provoziert.
                                                         Nicht gerade glücklich ist auch, dass die
                                                         Wegweisung sich meist nur am Bedarf des
                                                         touristischen Radverkehrs orientiert. Dies
                                                         führt dann dazu, dass z. B. zwischen Karlsdorf
                                                         und Graben der Radverkehr über Umwege,
                                                         Holperwege und enge Stege geführt wird,
Beschilderte Radrouten sind eine tolle Sache, wenn man
sie denn benutzen darf: Ubstadt-Weiher; F.: Erich Fey
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aber eben auch durch den ruhigen Wald. Da-
mit riskiert man aber, dass Alltagsradler die
fast in Luftlinie verlaufende Radverkehrsfüh-
rung über die alte B35 und entlang diverser
Straßen gar nicht finden und sich über die
Touristenroute quälen. Das Landratsamt ar-
gumentiert hier, dass Alltagsradler ihre Wege
ja kennen würden. Dies ist zwar richtig, aber
es können sich ja die Ziele ändern (z. B. neuer
Arbeitgeber), außerdem gibt es ja auch noch
„Neuradler“ und Neubürger, die sich folglich
noch nicht so gut auskennen. Daher ist eine
Beschilderung von Alltagsrouten durchaus zu
rechtfertigen.
Da auch viele Punkte der Radverkehrspolitik
von den jeweiligen Kommunen abhängen,
gibt es im Landkreis kein einheitliches Bild.
Während Kommunen wie Oberderdingen (wo
Radwege außerorts teils sogar beleuchtet
sind und im Winter auch geräumt und ge-
streut werden) schon viel erreicht haben, lie-
gen andere Kommunen leider weit zurück.
Übrigens: Auch der ADFC hat letztes Jahr den      werden oder unter www.adfc-bw.de/
Landkreis unter die Lupe genommen und             fileadmin/dateien/Landesverband/Texte/
eine Broschüre dazu herausgeben. Diese            Radverkehr-vor-Ort/Landkreis_Karlsruhe.pdf
kann über den ADFC Kreisverband bezogen           herunter geladen werden.           Erich Fey
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Aufruhr im AVG-Land                              Im Karlsruher Modell kumuliert sich nun eine
                                                 ganze Reihe von Problemen: Technische und
Für Wirbel kurz vor der OB-Wahl in Karlsruhe     rechtliche Sonderlösungen (Zweisystembah-
sorgte eine Pressemitteilung des Chefs der       nen, nicht nur für verschiedene Stromsyste-
Albtalbahn (AVG), Walter Casazza, zusammen       me, sondern auch Radsätze, mehrere Be-
mit dem damaligen OB Heinz Fenrich, die          triebsordnungen etc.) unterwegs auf DB-Glei-
beide das erfolgreiche Karlsruher Modell         sen, Pachtgleisen, eigenen AVG-Strecken, in-
durch Ausschreibungen gefährdet sahen.           nerstädtischen Strecken der Straßenbahn, …
Früher fuhren Bundesbahn oder andere Bah- Ende November 2012 stand nun das weitere
nen Schienenverkehr als Daseinsvorsorge.         Vorgehen des Landes in Sachen Ausschrei-
… oder auch nicht und es wurde stillgelegt. bungen fest und man informierte die Öffent-
Ob so „früher, wo alles besser war“, immer lichkeit und vorab u. a. auch die AVG:
die beste Lösung rauskam, sei dahingestellt. mvi.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/114877
Heute ist „Die Bahn“ privatisiert. Dabei ist sie
als „Privatier“ auf Gewinn ausgerichtet, das
klamme Land als Zahler auf Sparen. Für letz-
teres darf kein Monopol entstehen.
Soweit die Theorie, die in Baden-Württem-
berg etwas hinterherhinkt, denn die alte Lan-
desregierung hat die Bahn, die das Großpro-
jekt „Stuttgart 21“ schon aufgeben wollte, mit
einem großen exklusiven, aber wohl auch
überteuerten Verkehrsvertrag zum Weiterma- Neue Mittelflurer – Noch auf Abstellgleis: Probleme mit
chen „bewegt“ … Die neue Regierung muss Bremsen und Türen                      Foto: Heiko Jacobs
dieses Manko nun ausgleichen, die Verkehrs- Dort steht zwar einerseits, dass es in unserem
leistungen wohldosiert Netz für Netz aus- Netz (neben S-Bahn Breisgau u. RheinNeckar)
schreiben, auch hoffend bessere Preise zu er- eine problematische Kostenstruktur gäbe, die
zielen, um den hohen Nahverkehrsstandard „umfangreiche Optimierungsprozesse“ nötig
im Land zu halten oder gar noch auszubauen. mache, aber auch klar: „Für die Netze dieser
Dieses Prinzip stößt teils auf Probleme. Nicht Gruppe [incl. KA] sind aus unterschiedlichen
überall passen historisch gewachsene Struk- Gründen europaweit offene Ausschreibungen
turen zum Modell der (europaweiten) Aus- zurzeit nicht tragfähig. Es handelt sich um
schreibungen. Für Straßenbahnen, bei denen Netze, die im Hinblick … speziellen Fahrzeuge
im Verbund mit den Stadtwerken Verluste (… Stadtbahnsysteme) … derzeit nicht zielfüh-
ausgeglichen werden, gibt es nun Lösungen rend in einem offenen Vergabeverfahren aus-
ohne Ausschreibungen, wenn sie anderswo geschrieben werden können.“ Selbst der „Op-
nicht mit anderen Bahnen konkurrieren.           timierungsbedarf“ ist eher positiv zu lesen,
                                                 geht es doch darum, dass der über Landesni-
Ein weiteres Problem taucht überall dort auf, veau liegende ÖV-Standard auch durch Zu-
wo es technische Sonderlösungen gibt, die schüsse der Kommunen zustande kam dank
es nicht von der Stange gibt. Jemand, der geschickter Verhandlungen vom Ex-Chef
sich in Konkurrenz zur bisherigen Firma, die Dieter Ludwig, und wie man dies weiterführt.
ausschließlich über passende Spezialbahnen
verfügt, an Ausschreibungen beteiligt, hätte Karlsruher Modell in Gefahr? Mitnichten!
bei Erfolg ein Problem … Generell haben Klei- Trotzdem sahen Fenrich und Casazza das
ne Probleme, rechtzeitig genug Fahrzeuge zu Karlsruher Modell in ernster Gefahr, sprachen
bekommen bzw. sitzen, wenn sie in x Jahren vom Auftrennen der Linien am Bahnhof, dass
ein Netz verlieren würden, auf ihren nicht man nicht mehr umsteigefrei in die City
mehr benötigten Bahnen. Anderswo arbeitet käme, s. ka-news.de/1023461 oder KVV. Trotz
man mit landeseigenen Fahrzeugpools, die sofortiger Dementis der Karlsruher Grünen
dann vermietet werden (z. B. Niedersachsen).     und der grünen Karlsruher Staatssekretärin
„Rettungsanker“:                F:Ja                           15
im Verkehrsministerium, Gisela Splett, plap-                              Verspätungsrekord!
perte die CDU die Meldung „ihres“ OB nach.
                                                               Eventuell Grund für die Panik war
Warum die Falschmeldung? Womöglich war                         die vernichtende Bilanz der Zu-
ein Missverständnis der Auslöser. Offenbar                     verlässigkeit der AVG-Linien. Das
wurde im Zuge der Unterrichtung des Auf-          Land hat nach EU-Recht eine Berichtspflicht:
sichtsrates die theoretische Möglichkeit ange-    mvi.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/105719
rissen, eine Trennung von Eisen- und Stra-        Schon nach dem Bericht 2010 ist der Pünkt-
ßenbahnanteil könne die Ausschreibung ver-        lichkeitswert von 95 % 2007+2009 bzw. 94 %
einfachen. Klar, sowas ginge. Nur dass dies       2008 auf 90 % 2010 gesunken und liegt erst-
vom Ministerium niemand will, sollte klar ge-     mals deutlich unter den Werten anderer Netze
worden sein, wenn nicht bei der Präsentation,     (94 % bis 99 %), 2011 sank sie nochmals ½ %.
dann beim Lesen der Unterlagen! Womöglich         Natürlich wird zu Recht in Diskussionen kriti-
war die OB-Wahl drei Tage später ein Faktor,      siert, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht,
bloß wer da für wen Partei ergriff …? Wo-         wenn man die 99 % des relativ ungestört fah-
möglich ist man auch übernervös. AVG, VBK,        renden „Seehas“ mit unserem Fußgängerzo-
KASIG, KVV und damit auch ihr Chef Casazza        nenslalom vergleicht, aber bis 2009 konnten
stehen seit langem wegen Baustellen-Chaos,        wir immerhin noch Anschluss an den „großen
Verspätungen, Tariferhöhungen etc. stark in       Verkehrsvertrag“ mit auch 94 %–95 % von DB
der Kritik: Berechtigte Angst um den Job?         Regio halten! Ursachen gibt es viele, aber den
Fakt ist, dass Verträge für das Karlsruher Netz   Sprung dürften die U-Strab-Baustellen verur-
Ende 2013 enden. Im Wettbewerb kann man           sacht haben. Derzeitige „Gegenmaßname“:
es mit dem derzeitigen Modell des Eigentums       Der Fahrplan der besonders unzuverlässigen
an den Zweisystembahnen nicht ausschrei-          S5 bekam 10 min Luft in den Außenästen
ben. Andere Modelle wären nur lang- bis mit-      Pforzheim – Wörth, um die Stadtverluste dort
telfristig denkbar. In Gefahr wären die Stre-     reinzuholen, gut für Statistik und Anschlüsse,
cken, für die man keine Zweisystemer braucht      schlecht für die Konkurrenz zum Auto …
wie beim Durchfahren von Karlsruhe, Heil-
bronn, Wörth, Bad Wildbad. Das träfe derzeit      Mehr Zuschussbedarf
die Linien S31/S32 und S9. Erstere war mal für    Im Januar kam die Meldung hinzu, dass die
eine Stadtstrecke vorgesehen: Durlach –           Zuschüsse des Landkreises an die AVG dras-
„Gleisbauhof“ – Ettlinger Tor – Hauptbahnhof      tisch steigen müssen von 8 Mio. € in 2012 auf
– Ettlingen-Stadt – Bruchhausen. Das verbaut      14 Mio. € in 2013 bis „weit über 20 Mio. €“ in
man sich just am Ettlinger Tor mit der U-         Zukunft. Gründe seien laut BNN Lohnerhö-
Strab … Der Südast ist planfestgestellt, eine     hungen und Fahrzeuganschaffungen. In der
Finanzierung ist aber nicht absehbar, für den     Tat müssen die neuen Mittelflurer, bei deren
Nordast ist aber noch keine Alternative ab-       Inbetriebnahme es weiterhin Probleme gibt,
sehbar. Bekommt eventuell die „Zweite Ram-        ab 2013 bezahlt werden, und zwar voll, da die
pe am Hbf“ (ein alter Baustein der U-Strab-       Grünen ihr Wahlversprechen, die Fahrzeug-
Alternativen) eine zweite Chance? Sie wäre        förderung wieder einzuführen, leider noch
auch mit U-Strab sinnvoll, böte sie doch jeder    nicht umsetzen konnten, da derzeit noch das
Zweisystemlinie Hbf- UND City-Anbindung!          Geld dafür fehlt: 4,3 Mio. €/Bahn, davon 16
… und „rettet“ auch die S31/S32 vor Aus-          Bahnen (68,8 Mio. €) vom Landkreis. Löhne
schreibung. Die Durchfahrung Bruchsals einer      sind eigentlich nichts Überraschendes und
verlängerten S2 (incl. evtl. S9) ist dagegen      sollten in den Preiserhöhungen drin sein.
jüngst am Nutzen-Kosten-Faktor gescheitert.       Spannend wird die Meldung aber im Zusam-
Wenn sich keine Lösung fände, könnte die          menhang mit der oben erwähnten zu opti-
AVG schlimmstenfalls diese Linien verlieren,      mierenden „problematischen Kostenstruktur“,
aber zu einer Auftrennung erfolgreicher um-       denn hier stecken ja die Extrabeteiligungen
steigefreier Zweisystemlinien, für die gerade     der Kommunen drin, die es neu zu verhan-
neue Bahnen ausgeliefert werden, wird es mit      deln gilt, damit das hohe Niveau erhalten
dieser Landesregierung sicher nicht kommen!       bleibt! Ob das so klappt?       Heiko Jacobs
u&v online: www.umverka.de redaktion@umverka.de

                                     TERMINE
 16

Regelmäßige Treffen                         Abs.: Umweltzentrum Karlsruhe
                                            Kronenstraße 9, 76133 Karlsruhe
im Umweltzentrum:
Montag: BUZO-AG Verkehr
in der Regel jeden Montag ab 20 Uhr              Unterstützen Sie uns doch als Mitglied!
(Infos unter 0721 / 38 05 75)                    BUZO 30,– €, PRO BAHN 42,– €, VCD 50,– €
Dienstag um 19.30 Uhr:
Aktiventreffen des VCD in der Regel
am 1. Dienstag im Monat:

                                            Termine
5.3., 7.5., 4.6., 2.7., 6.8., 3.9., 1.10., 5.11.
Stammtisch des VCD: zusammen mit
der BUZO-AG Verkehr, s. o.
Mittw./Donnerst.: ADFC-Fahrradbüro
mittwochs 17–20 Uhr,
donnerstags 16–19 Uhr,
weitere Termine s. Webseite o. Aushang
Donnerstag: Fahrgastverband PRO BAHN
jeden zweiten Donnerstag im Monat,
19.30 Uhr (Infos unter 0721 / 38 05 75)
Freitag: CARLO-Ausgabe und Sprechzeit (?)
zu CARLO und o/ZB 15–17 Uhr
                                                                                              ⇐
                                                    Mitgliederversammlungen
                                                    im Umweltzentrum:
                                                       14. März 2013 19:30 Uhr Pro Bahn
                                                       8. April 2013 19:00 Uhr BUZO
                                                       9. April 2013 19:30 Uhr VCD
                                                    24. Mai 2013
                                                    In Wilhelms Garten: Besuch der Öko-Klein-
                                                    gartenparzelle von Wilhelm Knobloch. An-
                                                    meldung bitte bis 23.5. unter Tel. 380575
                                                    oder buzo@umweltzentrum-karlsruhe.de
                                                    16. Juni 2013
                                                    BUZO-MoA-Tour zum Wildkatzen-Pfad bei
                                                    Bad Herrenalb, Treffpunkt 12 Uhr beim Hbf,
                                                    Anmeldung bitte bis 13.6. unter Tel. 380575
 BUZO, PRO BAHN und VCD im                          oder buzo@umweltzentrum-karlsruhe.de
 Umweltzentrum                                      16. Juni 2013
 Kronenstraße 9                                     Mobil ohne Auto, siehe moa-bw.de
 76133 Karlsruhe                                    30. Juni 2013
                                                    Tag der Erneuerbaren Energien: Buntes
 Öffnungszeiten:                                    Programm und BUZO-Infostand auf dem
 Di–Do 9–12 Uhr, Di+Do 14–17 Uhr                    Karlsruher Energieberg
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