Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung

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Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
Forschungsstudien:
Klimawandel
und Gehölze
• Eignung der Gehölze in der Landschaft
  und Konsequenzen für die Verwendung

• KLimaArtenMatrix für Stadtbaumarten:
  Gehölzartenwahl im urbanen Raum
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
| 2 | Vorworte |

   Forschungsstudien im Auftrag des BdB

   Klimaveränderung – wie reagieren die Gehölze?
   Eine offene Frage?
     Das Thema „Klimawandel“                                                                          Standorte verändern. Die be-
   beschäftigt eine Vielzahl                                                                          stehende Landschaft in ihrer
   von Branchen, da der zu er-                                                                        jetzigen Vielfalt für die Zu-
   wartende Wandel umfang-                                                                            kunft zu „konservieren“, wird
   reiche Veränderungen in                                                                            möglicherweise nur noch an
   vielen Bereichen nach sich                                                                         sehr wenigen ausgesuchten
   ziehen wird. Angekündigt                                                                           Standorten machbar sein.
   sind u.a.:                                                                                           Wir haben uns darauf ein-
   • Erhöhungen der Durch-                                                                            zustellen, dass sich sowohl
     schnitts- und Extremtem-                                                                         in der „freien Landschaft“
     peraturen,                                                                                       als auch im „städtischen
                                            BdB-Präsident
   • Verschiebungen in der Nie-             Karl-Heinz Plum
                                                                                                      Raum“ das Gehölzspektrum
     derschlagsverteilung mit                                                                         in Teilen wandeln wird. Die-
     langanhaltenden Trocken-                                                                         ser Prozess muss seitens der
     perioden einerseits und                                                                          Baumschulwirtschaft aktiv
     vermehrtem Starkregen an-                                                                        begleitet werden, will man
     dererseits und                 dem Titel: „Auswirkungen des     Eigenschaften der Gehölze in     verhindern, dass der gesamte
   • veränderte Windverhäl t-       zu erwartenden Klimawandels:     Bezug auf die Klimafaktoren      „Grün-Haushalt“ in Stadt und
     nisse.                         Eignung der heimischen und       und geben damit eine erste       Land nachhaltig leidet und
   Die damit verbundenen Aus-       möglicher nichtheimischer Ge-    Einschätzung zu möglichen        es damit zu einer weiteren
   wirkungen auf die Gehölz-        hölze in der Landschaft und      Entwicklungen und Verände-       Verstärkung der Symptome
   standorte sind ein Grund         Konsequenzen für die Verwen-     rungen im Gehölzsortiment.       des Klimawandels kommt.
   dafür, dass auch der BdB die     dung“ in Auftrag gegeben,          Die BdB-Fachgremien sind         Ich empfehle allen BdB-
   Thematik in den Mittelpunkt      deren Ergebnisse nunmehr         nunmehr aufgerufen, die          Mitgliedern eine intensive
   seiner Aktivitäten rücken        vorliegen. Sie werden in         Studien aus ihrer Sicht zu       Beschäftigung mit den vorlie-
   wird.                            diesem Sonderheft der BdB-       bewerten und Vorschläge          genden Studien, hoffe auf ei-
     Wie reagieren unsere Pflan-    Verbandszeitschrift „Grün ist    für eine weitere Bearbei-        ne engagierte Unterstützung
   zen auf sich verändernde         Leben“ veröffentlicht und so     tung der Thematik – ggf.         der Verbandsarbeit auch im
   Klimabedingungen und wie         allen Mitgliedsbetrieben zur     unter Einbeziehung der Wis-      Hinblick auf die Darstellung
   reagieren wir als Baumschulen    Kenntnis gegeben. Ergänzt        senschaft – zu machen. Der       der Leistungen von „Grün“
   in der Sortimentsgestaltung      werden die Ergebnisse der        Verband beabsichtigt, die        im Zusammenhang mit den
   und im Hinblick auf künftige     vom BdB beauftragten Studie      in diesem Zusammenhang           angekündigten Klimaverän-
   Pflanzempfehlungen?              durch die Veröffentlichung der   neu formulierten Fragen zu       derungen und bitte darum,
     Wie groß ist die Anpassungs-   Inhalte einer vom Titel nahe-    beantworten, um damit den        weiterführende Hinweise zu
   fähigkeit der Gehölzarten und    zu gleichlautenden Arbeit, die   Mitgliedsunternehmen Fak-        Nutzung der Ergebnisse der
   -sorten und ab wann ist mit      sich jedoch im Schwerpunkt       ten an die Hand geben zu         Studie der BdB-Geschäftsstel-
   einem Ausfall der Pflanzen       mit den städtischen Gehölz-      können, die helfen, die rich-    le oder den jeweils zustän-
   zu rechnen?                      standorten und -sortimen-        tigen Entscheidungen für die     digen Gremienvorsitzenden
     Diese und ähnliche Fragen      ten befasst und daher einen      zukünftige einzelbetriebliche    bzw. -sprechern mitzuteilen,
   werden wir standortbezogen       anderen Ansatz verfolgt als      Entwicklung – insbesondere       damit diese zum Wohl der ge-
   in naher Zukunft beantworten     er für die freie Landschaft      im Hinblick auf die Sortimen-    samten Baumschulbranche
   müssen.                          sinnvoll ist.                    te – zu treffen.                 in die weiteren verbandli-
     Um Lösungen zur betriebli-       Die in diesem Heft veröf-        Es wird sich zeigen, dass es   chen Aktivitäten einfließen
   chen Anpassung an die anste-     fentlichten Ergebnisse bei-      zukünftig nicht mehr mög-        können.
   henden Veränderungen finden      der Forschungsstudien geben      lich sein wird, an bewährten
   zu können, muss zunächst das     einen aktuellen und umfas-       „Rezepten“ der Sortiments-       Ihr
   vorhandene Wissen gebündelt      senden Überblick über zu er-     gestaltung und -verwendung       Karl-Heinz Plum
   und übersichtlich aufbereitet    wartenden Veränderungen für      festzuhalten. Sortimente         BdB-Präsident
   werden. Hierzu hat der BdB       nahezu alle Gehölzstandorte.     werden und müssen sich
   eine Forschungsstudie unter      Sie ordnen die vorhandenen       im Hinblick auf nahezu alle

                                                                                                                 Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
| Vorworte | 3 |

                                                                        ■    INHALT
Große Chance für die                                                     4 Auswirkungen des zu erwartenden
Baumschulwirtschaft                                                        Klimawandels: Eignung der heimischen
                                                                           und möglicher nichtheimischer Gehölze
                                                                           in der Landschaft und Konsequenzen
  Seit einiger Zeit beschäf-        ihrem versammelten Fachver-            für die Verwendung
tigt alle mit Gehölzen Be-          stand gefordert: Baumschul-
fasste die Frage, wie bei der       praktiker haben wie kaum                 Andreas Roloff und Matthias Meyer
Artenwahl und Verwendung            ein anderer Berufszweig
sinnvoll auf den prognos-           jahrzehntelange Erfahrun-
tizierten Klimawandel zu            gen im Umgang und mit der
reagieren ist. Während sich         Verwendung von Gehölzen in
zunächst bisweilen eine ge-         Stadt und Landschaft. Diese
wisse Ratlosigkeit ergab, sind      wertvollen Erfahrungen gilt
                                    es, nun noch mehr als bis-
                                    her für die Verwendung von
                                    Bäumen und Sträuchern auch
                                    unter dem Aspekt des Klima-
                                    wandels nutzbar zu machen.
                                    Wenn wir dies mit unserem
                                    Beitrag befördern können,
                                    sind wir zufrieden. Zudem           30 Vorstellung der KLimaArtenMatrix
                                    hoffen wir, mit den Ergeb-             für Stadtbaumarten (KLAM-Stadt)
                                    nissen unserer Studien eine            Gehölzartenwahl im urbanen Raum
                                    gewisse Hilfe bei der kom-             unter dem Aspekt des Klimawandels
                                    plexen Fragestellung liefern
                                    zu können.                               Andreas Roloff, Sten Gillner und Stephan Bonn
                                      Ich danke dem BdB für sein
                                    Interesse und seine Förde-
                                    rung unserer wissenschaft-
         Prof. Dr. Andreas Roloff
                                    lichen Arbeit.

                                      Prof. Dr. habil. Andreas Roloff
inzwischen viele interessante             Lehrstuhl für Forstbotanik
Vorschläge für den Umgang                         an der TU Dresden
mit dem Thema ergangen. In               roloff@forst.tu-dresden.de
dem nun vorliegenden Sonder-
heft der Verbandszeitschrift
„Grün ist Leben” stellen wir
die Ergebnisse zweier ein-
jähriger umfangreicher For-
                                                                        Impressum
schungsstudien vor, die es aus
                                                                        Bund deutscher Baumschulen (BdB), Hrsg., 2008: Klimawandel und
unserer Sicht verdienen, im                                             Gehölze. Sonderheft Grün ist Leben, 42 S. Pinneberg.
Bund deutscher Baumschulen
(BdB) e.V. diskutiert zu wer-                                           ■ Herausgeber Bund Deutscher Baumschulen (BdB) e. V., Bismarck-
den. Denn sie bieten vielfälti-                                         straße 49, 25421 Pinneberg ■ Verantwortlich RA Jürgen Pfaue,
                                                                        BdB-Hauptgeschäftsführer ■ Redaktion Helmuth G. Schwarz, (BdB)
ge konstruktive Ansatzpunkte
                                                                        Bismarckstraße 49, 25421 Pinneberg, Tel. 04101 2059-15, Fax
für ein zukunftsgerichtetes                                             04101 2059-31, E-Mail: schwarz@bund-deutscher-baumschulen.de,
Handeln.                                                                Internet: www.bund-deutscher-baumschulen.de
  Letztlich kann man die Er-                                            ■ Verlag und Anzeigen signum[kom Agentur für Kommunikation
                                                                        GmbH, Richard-Wagner-Str. 18, 50674 Köln, Tel. 0221 92555-12,
gebnisse damit zusammen-                                                Fax 0221 92555-13, E-Mail: kontakt@signum-kom.de, Internet:
fassen, dass das Thema eine                                             www.signum-kom.de
sehr große Chance für die                                               ■ Druck Garcia GmbH, Stauffenbergstraße 14-20, 51379 Leverkusen
gesamte Baumschulbranche                                                ISSN 1861-7077
bietet, wird sie doch mit all

Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
| 4 | KLimaArtenMatrix für die freie Landschaft |

   Auswirkungen des zu erwartenden Klimawandels:

   Eignung der heimischen und möglicher
   nichtheimischer Gehölze in der Landschaft                                                            in der Landschaft und für die
                                                                                                        Baumschulen wird der Klima-
   und Konsequenzen für die Verwendung                                                                  wandel deshalb beträchtliche
                                                                                                        Auswirkungen haben.
                                                                                                          Wünschenswert wäre eine
   Andreas Roloff und Matthias Meyer
                                                                                                        genaue Vorhersage darüber,
                                                                                                        welche Arten in Deutschland
                                                                                                        auf welche Weise reagieren
   Zusammenfassung                                                                                      werden. Eine solche Vorher-
                                                                                                        sage bedürfte aber einer viel
     In der vorliegenden Exper-                                                                         genaueren Kenntnis der künf-
   tise wird die Eignung von in                                                                         tigen Bedingungen in den
   Deutschland einheimischen                                                                            einzelnen Landschaften als
   sowie etablierten nicht ein-                                                                         das heute möglich ist. Zudem
   heimischen und fremdländi-                                                                           ist die heutige Reaktionsfä-
   schen Gehölzarten für die Ver-                                                                       higkeit bei weitem noch nicht
   wendung in der freien Land-                                                                          für alle Gehölze beschrieben.
   schaft (kein Rechtsbegriff)                                                                          Zum Teil ist die Reaktionsfä-
   evaluiert. Wenn auch kein                                                                            higkeit selbst, etwa durch ge-
   Anspruch auf Vollständigkeit                                                                         netische Anpassungen, auch
   der Artenlisten erhoben wer-                                                                         mit wissenschaftlichen Me-
   den kann, deckt diese Studie                                                                         thoden (noch) nicht abseh-
   ganz Deutschland ab und be-                                                                          bar. Somit kann auch keine
   rücksichtigt erstmals neben                                                                          eindeutige Verwendbarkeits-
   Bäumen (175 Arten bzw. Taxa)                                                                         vorhersage für Gehölze mög-
   auch Sträucher (181), Zwerg-     Andreas Roloff und Matthias Meyer                                   lich sein. Allerdings kann aus
   und Halbsträucher (49) sowie                                                                         dem heutigen Wissen darüber,
   Klettergehölze (11). Haupt-      rent“ und „eher im Nachteil“        de Baumaßnahmen, Über-          wie sich der Gehölzbestand in
   Bewertungskriterien sind die     bieten eine wichtige Grund-         düngung, Landschaftsfrag-       Deutschland bei bestimmten
   Trockenheits- bzw. Trocken-      lage zur Vermeidung von             mentierung und der Anstieg      Bedingungen verhalten hat,
   stresstoleranz und die Frost-    Fehlentscheidungen bei der          der Zahlen eingeschleppter      abgeleitet werden, welche
   bzw. Spätfrosthärte. Weiter-     Planung von Gehölzpflanzun-         (Schad-)Organismen überla-      Gehölze eine breitere Re-
   hin werden Eigenschaften der     gen in der freien Landschaft        gern die Auswirkungen des       aktionsnorm aufweisen und
   Wurzelsysteme, genetische        unter den vorherge sagten           Klimawandels oder ergänzen      deshalb, ohne dabei für eine
   Eigenschaften sowie ökolo-       klimatischen Bedingungen            diese. Der Klimawandel übt      Region oder einen speziellen
   gische Strategien der Arten      in Deutschland.                     gemeinsam mit diesen lokal      Standort spezifisch zu wer-
   soweit möglich berücksich-                                           sehr unterschiedlich aus-       den, allgemein besser anpas-
   tigt, um die physiologische                                          geprägten Einflüssen einen      sungsfähig erscheinen.
   Anpassungsfähigkeit an wär-      Einleitung                          Selektionsdruck auf den Ge-       Die vorliegende Expertise
   meres und extremeres Stand-                                          hölzbestand aus. Einige heute   unternimmt eine Einordnung
   ortklima zu beurteilen.            Der Klimawandel ist nicht         die Landschaftsbilder bestim-   der in Deutschland einhei-
     Vor dem Hintergrund der        nur wissenschaftlich erwie-         mende Gehölzarten werden        mischen (indigenen) und der
   hohen Anpassungsfähigkeit        sen, sondern beginnt im All-        diesem Selektionsdruck we-      etablierten nicht einheimi-
   der Gehölze kommt die vor-       tag vieler Bürger fühlbar zu        niger standhalten und nur mit   schen Gehölzflora
   gelegte Studie zu einer vor-     werden. Dazu gehört auch ein        größerem Aufwand kultiviert     1. in Arten, deren Eigen-
   sichtig optimistischen Ein-      Wandel der von kultivierten         werden können. Andere, die         schaften unter den zu
   schätzung über die Eignung       und wildwachsenden Pflanzen         in der Lage sein werden, sich      erwartenden veränderten
   der einheimischen (51 % der      bestimmten Landschaftsbil-          anzupassen, werden überle-         Klimabedingungen zu einer
   Arten „eher im Vorteil“) und     der. Der Einfluss des Klima-        ben. Wieder andere Arten           eher unproblematischen
   etablierten Arten (63 % „eher    wandels scheint allerdings          werden von den veränderten         Verwendbarkeit in der
   im Vorteil“). Die erarbeite-     nicht sofort ersichtlich. Wei-      Bedingungen sogar profi-           Landschaft führen („eher
   ten Listen der untersuchten      tere anthropogene Einflüsse,        tieren und deshalb leichter        im Vorteil“),
   Arten mit der Einstufung als     wie Schadstoffimmissionen,          kultiviert werden können. Für   2. in jene Arten, deren Ver-
   „eher im Vorteil“, „indiffe-     Grundwasser beeinflussen-           die Verwendung von Gehölzen        wendung in der Landschaft
                                                                                                                    Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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Dünenvegetation an der Nordsee (Texel)                                    Straßenbegleitgrün (bei Tharandt)

                                                                            Rahmen von Kompensati-            der Arten fußt auf Belegen,
                                                                            onsmaßnahmen bzw. von             die entweder auf Erfahrungs-
                                                                            Pflege- und Entwicklungs-         wissen und Beobachtungen
                                                                            plänen,                           über die Anpassungsfähigkeit
                                                                          • Wind- und Erosionsschutz-         von Gehölzen beruhen, oder
                                                                            hecken,                           in Einzelfällen auch auf Er-
                                                                          • Flurgehölzreihen, -gruppen        gebnissen wissenschaftli-
                                                                            und -solitäre,                    cher Versuchsanbauten und
                                                                          • Wallhecken (Knicks, bzw.          Tests.
                                                                            Redder),                            Die Auswirkungen des Kli-
                                                                          • ingenieurbiologische Ge-          mawandels können erst in
                                                                            hölzpflanzungen z.B. zum          den kommenden Jahrzehnten
                                                                            Ufer- und Fließgewässer-          endgültig untersucht werden,
                                                                            verbau, oder zur Hangsiche-       wobei Korrekturen von jetzi-
                                                                            rung,                             gen Vorhersagen anhand des
Feldgehölze (bei Göttingen)                                               • Begleitpflanzungen entlang        tatsächlichen Anpassungs-
                                                                            von Wegen des Schienen-,          verhaltens von Arten und
   nur mit besonderem Auf-               bei sämtliche nicht forstlich,     Straßen- und Schiffsverkehrs      Ökosystemen vorgenommen
   wand möglich sein wird                landwirtschaftlich oder gärt-      (auch Alleen außerhalb von        werden müssen (HOLT UND KEITT
   („eher im Nachteil“),                 nerisch genutzten Bestände         Siedlungen),                      2005; PARMESAN et al. 2005).
3. und in jene Arten, für                außerhalb geschlossener Sied-    • Waldsaumpflanzungen,                Da in der Forschung zum Kli-
   die keine Veränderun-                 lungsbereiche bezeichnet.        • Landschaftsparks,                 mawandel die größten Unsi-
   gen er war tet werden                 Der hier verwendete Begriff      • industrielle Rekultivierungs-     cherheiten in den Vorhersagen
   („indifferent“).                      der „freien Landschaft“ ent-       pflanzungen.                      und der Folgenabschätzung
                                         spricht also keinem Rechts-                                          für die regionale Klimaent-
  Die vorhergesagten klimati-            begriff. Vielmehr wurden           Weitere, speziellere Gehölz-      wicklung bestehen (RAHMSTORF
schen Veränderungen bergen               bestimmte Gehölzbestände         pflanzungen in der „freien          & SCHELLNHUBER 2006), können
außerdem möglicherweise ei-              unter rein naturwissen-          Landschaft“ können z.B. zur         auch keine wirklichen Belege
ne Chance zur Verwendung                 schaftlichen Aspekten ohne       Sicherung von Dünen und Küs-        für die künftige Eignung in
von bisher nicht kultivier-              Rücksicht auf etwaige natur-     tenstreifen oder zur biotech-       Form von Messungen „unter
baren Arten aus verschiede-              schutzrechtliche, baurechtli-    nologischen Reinigung von           Realbedingungen“ am Gehölz
nen Teilen der Erde. Deshalb             che oder raumplanerische Re-     Böden angelegt werden. Für          in verschiedenen mitteleu-
stellt diese Studie auch eine            gelungen oder außergesetzli-     diese werden jedoch Gehölze         ropäischen Landschaften
Auswahl möglicher fremd-                 che Normen eingeordnet. Die      mit speziellen Eigenschaften        vorliegen. Deshalb darf die
ländischer, bisher nicht in              wichtigsten Bestände dieser      wie etwa Salztoleranz oder          vorliegende Studie nicht als
Deutschland etablierter Arten            Art, die unter dem Begriff       die Fähigkeit zur Umsetzung         endgültige Einordnung, sehr
zusammen, deren Eigenschaf-              „freie Landschaft“ nach der      oder Aufnahme von Schad-            wohl aber als Hilfe zur Ver-
ten für eine Verwendung in               hier verwendeten Definition      stoffen benötigt, weshalb           meidung von Misserfolgen
der Landschaft günstig ein-              im Rahmen von Pflanzungen        diese Pflanzungen hier keine        und schwerwiegenden Fehl-
gestuft werden können.                   entstehen bzw. erneuert oder     gesonderte Beachtung fin-           entscheidungen bei der Ar-
  Als Gehölzpflanzungen in               ergänzt werden, sind:            den. Die dieser Expertise zu        tenwahl verstanden werden.
der Landschaft, werden hier-             • Gehölzpflanzungen im           Grunde liegende Einschätzung
Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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   Voraussetzungen                    biete, etwa den Schwarzwald,
   und Methoden                       zwar höhere Temperaturen,
                                      aber auch mehr Niederschlag
   Klimawandel und                    erwartet werden (SPEKAT et al.
   Konsequenzen für die               2007; STOCK 2005; UMWELTBUN-
   Gehölzartenbewertung               DESAMT – UBA 2007; WEHRY &
     Derzeit herrscht ein welt-       ENKE 2001).
   weiter Konsens darüber, dass         Ebenso besteht ein welt-
   die durchschnittlichen Tem-        weiter Konsens über eine
   peraturen auf der Erde stei-       Zunahme an Klimaextremen,
   gen werden und damit auf der       z.B. Dürren, Starkregen mit
   Nordhalbkugel eine nordwärts       Hochwässern u. a. (DELLA-MAR-
   gerichtete Verlagerung der         TA et al. 2007a; DELLA-MARTA
   Biome der Vegetationszonen         et al. 2007b; GLASER 2001;
   erwartet werden kann (IPCC         IPCC 2007; LUTERBACHER et al.
   2007; R AHMSTORF & SCHELLN-        2007; R AHMSTORF & Schellnhu-
   HUBER 2006). Trotz der Unsi-       ber 2006). Es ist außerdem,
   cherheiten regionalisierter        auch wenn eine deutliche
   Vorhersagemodelle muss mit         durchschnittliche Erwärmung
   einer an Sicherheit grenzen-       des Klimas in Deutschland
   den Wahrscheinlichkeit von         eintritt, zu beachten, dass      BAB-Raststätten-Bepflanzung (bei Leipzig)

   einer durchschnittlichen Er-       dann immer noch Fröste und/
   wärmung auch in Deutsch-           oder lange Winter auftreten      mit absoluter Sicherheit ge-                von den Niederschlägen, aber
   land ausgegangen werden.           werden. Letztendlich wird auf    klärt werden. Ebenso ist die                auch von den Bodeneigen-
   Dennoch bedeutet das nicht,        den Baum bzw. das Gehölz in      Eignung von nichtheimischen                 schaften abhängig. Über die
   dass „nur einfach“ Pflanzen        der Landschaft eine Vielzahl     Arten schwer abzuschätzen,                  Entwicklung unserer Böden
   südlicherer Regionen Euro-         neuer Faktoren einwirken,        insbesondere dann, wenn über                (z.B. Wasserhaltefähigkeit,
   pas für den Landschaftsbau         weil das hiesige derzeitige      deren Verhalten in Mitteleu-                Humusgehalte, CO2-Gehalte
   in Deutschland ausgewählt zu       Klima nicht einfach nordwärts    ropa sehr wenig bekannt ist.                u.ä.) unter den Bedingungen
   werden brauchen. Regionali-        verschoben wird, sondern         Letztendlich lässt sich für das             des Klimawandels ist noch
   sierungsmodelle weisen für         sich um einige Klimaerschei-     Wachstum von Gehölzen aus                   wenig bekannt. Somit kann
   einige Regionen Deutschlands       nungen „erweitern“ wird. Ob      dem weltweit bestehenden                    der letztgenannte Faktor nur
   (z.B. Brandenburg, Mecklen-        unsere derzeitigen Arten an      Konsens über den Klimawan-                  schwer erfasst werden und
   burg-Vorpommern, Sachsen)          diese neuen Bedingungen an-      del nur ableiten, dass bedingt              findet in dieser Expertise
   zukünftig höhere Temperatu-        gepasst sind bzw. genügend       durch eine durchschnittliche                keine explizite Beachtung.
   ren und weniger Niederschlag       Anpassungsfähigkeit aufwei-      Erwärmung der Atmosphäre                    Die steigende Temperatur
   aus, während für andere Ge-        sen, kann im Vorhinein nicht     und eine Zunahme von Extre-                 wird neben ihrer indirekten
                                                                       men auch eine Zunahme von                   Wirkung auf die Pflanze über
                                                                       abiotischem Stress sowie eine               die Wasserverfügbarkeit auch
                                                                       Veränderung der biotischen                  direkt einen entscheidenden
                                                                       Umweltfaktoren eintreten                    Einfluss haben. So sind ins-
                                                                       wird.                                       besondere strenge Fröste zu
                                                                         Was eine Spezies unter                    nennen, die auch künftig
                                                                       diesen Bedingungen leisten                  nicht unwahrscheinlich sind.
                                                                       können muss, um zu über-                    Nichtheimische Arten mit
                                                                       leben und als Landschafts-                  südlicher Herkunft und hö-
                                                                       gehölz geeignet zu sein, ist,               herer Trockenstresstoleranz
                                                                       wie oben angedeutet, nicht                  müssen deshalb auch auf ih-
                                                                       abschließend zu sagen. Den-                 re Frosttoleranz hin geprüft
                                                                       noch ist aus dem Grunde der                 werden, wenn man deren Eig-
                                                                       Wasserabhängigkeit aller phy-               nung für die Verwendung in
                                                                       siologischen Prozesse absolut               der Landschaft einschätzen
                                                                       klar, dass für alle Gehölze in              möchte.
                                                                       der Regel am ehesten der Fak-                 Für die vorliegende Exper-
                                                                       tor der Wasserverfügbarkeit                 tise erfolgte die Abschätzung
                                                                       bestimmend sein wird. Die                   der Konsequenzen für die Ver-
                                                                       Wasserverfügbarkeit ist so-                 wendung im Landschaftsbau
  Haldenbegrünung (bei Bad Schlema)                                    wohl von der Temperatur und                 ausschließlich anhand von
                                                                                                                               Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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                                                                            auch viele Gehölzstandor-            teilweise in Deutschland wild
                                                                            te in der Landschaft (nach           wachsen (SCHMIDT & KLAUSNIT-
                                                                            der anfangs für diese Studie         ZER 2002). Die Liste der für
                                                                            genannten Definition des             Deutschland geeigneten nicht
                                                                            Begriffes Landschaft) nicht          einheimischen und auch nicht
                                                                            gesetzlichen Bestimmungen            etablierten Arten geht auf
                                                                            oder Anbauempfehlungen               eigene Studien zurück (ROLOFF
                                                                            unter liegen, werden eben-           et al. 2008a, 2008b).
                                                                            so in Deutschland etablier-
                                                                            te fremdländische Arten              Trockenstresstoleranz
                                                                            berück sichtigt, die derzeit            Trockenstresstoleranz ist
                                                                            als potenziell geeignet für          eine Eigenschaft von Pflan-
                                                                            die Verwendung in Deutsch-           zen, die im Allgemeinen nicht
                                                                            land angesehen werden. Die           ohne weiteres messbar oder
                                                                            in der vorliegenden Studie           beschreibbar ist. Es können
                                                                            verwendeten Artenlisten be-          viele deutlich verschiedene
                                                                            inhalten daher zunächst alle         Strategien auftreten, die bei
                                                                            Arten der heimischen Gehölz-         unterschiedlichen Gehölzar-
                                                                            flora Deutschlands von 1995          ten zu dem gleichen Ergebnis
                                                                            (S CHMIDT & WILHELM 1995).           führen können. Als gegenüber
Prunus serotina mit Invasionspotenzial                                      Hierbei werden Einschränkun-         Trockenstress unempfind-
                                                                            gen auf pflanzensoziologisch         lichste heimische Baumart
wissenschaftlichen, (öko-)-              Bewertung werden im weite-         bedeutende, weit verbreite-          gilt in Mitteleuropa nach
physio logischen, geneti-                ren Verlauf erklärt. Keinen Ein-   te Arten bzw. im Falle von           wie vor die Gemeine Kiefer
schen, phänologischen und                gang fanden Eigenschaften,         besonders großen Artzahlen           (Pinus sylvestris). Weiterhin
anatomisch-morphologischen               die im Zusammenhang mit der        innerhalb einer Gattung auf          müssen zumindest jene Ar-
Kriterien, die eine ausreichen-          praktischen Handhabbarkeit         Artengruppen vorgenom-               ten genannt werden, die zu
de Toleranz der untersuchten             der Gehölze stehen. So kann        men (z.B. Sorbus latifolia           den natürlichen Pflanzen-
Gehölzarten für die Gesamt-              zum Beispiel nicht auf die         agg., Rubus fruticosus agg.).        gesellschaften der Trocken-
heit der neuen Klimabedin-               Entwicklung des baumschu-          Die Liste der in Deutschland         standorte zählen. Das sind
gungen erwarten lassen. Es               lischen Verfahrensaufwandes,       etablierten Arten beinhaltet         zum Beispiel Trauben-Eiche
sei an dieser Stelle noch ein-           der Verpflanzbarkeit oder der      ein Verzeichnis von Arten, die       (Quercus robur subsp. sessi-
mal darauf hingewiesen, dass             Markt preise für Saat- oder        in Deutschland neuheimisch           liflora), Sand-Birke (Betula
dabei von heutigen ökophy-               Pflanzgut der betreffenden         sind (KOWARIK 1992; LOHMEYER         pendula), Gemeiner Wacholder
siologischen Strategien der              Arten unter den veränderten        und SUKOPP 1992, 2001) mit           (Juniperus communis), Heide-
einzelnen Art ausgegangen                Klimabedingungen eingegan-         Ergänzungen nicht einheimi-          kraut (Calluna vulgaris) und
wird, und nur sofern Wissen              gen werden.                        scher Arten, die zumindest           einige Rosaceen (z.B. Schlehe
über das voraussichtliche
zukünftige Anpassungsver-                Gliederung der Gehölzarten
halten vorhanden war, dieses               Gerade unter den Bedingun-
auch einbezogen wurde. Es                gen des Klimawandels möchte
kann beispielsweise nicht mit            der Gesetzgeber in Deutsch-
absoluter Sicherheit gefolgert           land heimischen Ar ten
werden, dass eine Art, die               aus naturschutzrechtlichen
heute trockenstresstolerant              Gründen und zum Erhalt der
ist, auch in Zukunft trocken-            einzigartigen biologischen
stresstolerant sein wird, denn           Vielfalt der heimischen Ge-
sie kann unter veränderten               hölze in der Landschaft be-
Bedingungen auch von ihrer               sonderen Vorrang geben. In
heutigen ökophysiologi-                  einigen Bundesländern wird
schen Strategie abweichen.               der rechtliche Rahmen für die
Im Rahmen dieser Expertise               Bepflanzung landeseigener
wird aber davon ausgegan-                Flächen in der Landschaft
gen, dass eine grundlegende              oder für öffentlich geförderte
Veränderung der ökophysiolo-             Pflanzungen ausschließlich
gischen Arteigenschaften nur             heimische Gehölze regionaler
selten eintreten wird.                   Herkunft (gebietsheimische
  Die einzelnen Kriterien zur            Gehölze) zulassen. Da aber         Quercus palustris

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Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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   (Prunus spinosa), Holz-Birne        Einzelfall unter dem Aspekt            Gehölze erfolgte anhand ihres        potenziell für eine Verwen-
   (Pyrus pyraster), Hunds-Rose        ihrer großen Ausbreitungs-             heutigen Vorkommens, das             dung unter den Bedingungen
   (Rosa canina), Felsenkirsche        tendenz, besonders unter tro-          von Konkurrenz beeinflusst           des Klimawandels geeignet
   (Prunus mahaleb)). Unter an-        cken-warmen Bedingungen,               ist. Von K IERMEYER (1995) und       zu klassifizieren, die unter
   deren neuheimischen Arten           geprüft werden muss (s.a.              ROLOFF & BÄRTELS (2006) ange-        heutigen Bedingungen (incl.
   ist die Robinie (Robinia pseu-      Kapitel „Ökologische Strate-           gebene Hauptgruppen der Ge-          Konkurrenz) auf trockenen
   doacacia) zu nennen, deren          gie“ und Artenliste 2).                hölze wurden übernommen,             Standorten vorkommen (Ta-
   Verwendbarkeit allerdings im          Eine erste Einteilung der            um zunächst jene Gehölze als         belle 1).
                                                                                                                     Gehölze der Hauptgrup-
   Tabelle 1: Definitionen von Haupt- und Untergruppen (entsprechend den Lebens-                                   pen 1, 2 und 7 (Moor- &
   bereichen und Bodenfaktoren) nach K IERMEYER (1995) und ROLOFF & BÄRTELS (2006)                                 Sumpfgehölze, Auen- und
                                                                                                                   Ufergehölze, Gehölze kühl-
   Hauptgruppe                  Untergruppe                                                                        feuchter Wälder) wurden als
   (entspricht Lebensbereich    (entspricht Bodenfaktoren nach K IERMEYER 1995, ROLOFF & BÄRTELS 2006)             eher im Nachteil, die Arten
   nach K IERMEYER 1995,                                                                                           der Hauptgruppen 3, 4, 8, 9
   ROLOFF & BÄRTELS 2006)
                                                                                                                   als indifferent (artenreiche
   1 Moor- und Sumpfgehölze     1 moorig und nass-torfig                                                           und -arme Wälder, Bergwälder
                                2 Bruchwälder, Feucht- und Nasswiesen, Sumpfstandorte
                                                                                                                   und alpine Sträucher, Hecken-
   2 Auen- und Ufergehölze      1 frisch bis feucht, sauer bis neutral, sandig-kiesig                              und Strauchfluren) und jene
                                2 frisch bis feucht, schwach sauer bis alkalisch, Sand, Kies, Schotter
                                3 mäßig trocken, frisch bis feucht, schwach sauer oder neutral, sandig
                                                                                                                   Gehölze der Hauptgruppen 5
                                4 mäßig trocken, frisch bis feucht, neutral bis alkalisch, sehr nährstoffreich,    und 6 (Heiden- und Dünen-
                                  sandig-kiesig                                                                    gehölze, Steppengehölze und
                                5 mäßig trocken bis frisch, schwach sauer bis stark alkalisch, nährstoffreich,     Trockenwälder) als eher im
                                  sandig, kiesig, lehmig                                                           Vorteil eingestuft. In drei der
   3 Artenreiche Wälder         1 robuste, stadtklimaverträgliche Gehölze, mäßig trocken bis frisch, schwach       neun Hauptgruppen (2, 3, 4)
     und Gehölzgruppen            sauer bis alkalisch, nährstoffreich, kein Sand oder Ton                          werden Gehölze durch ROLOFF
                                2 anspruchsvolle Gehölze, frisch bis feucht, sauer bis neutral, sandig-humos
                                  oder lehmig-humos
                                                                                                                   & BÄRTELS (2006) wiederum
                                3 anspruchsvolle, aber anpassungsfähige Gehölze, frisch bis feucht,                Untergruppen zugewiesen,
                                  schwach sauer bis alkalisch, gute bis beste, meist lehmige Böden                 die ebenfalls auf eine po-
   4 Artenarme Wälder           1 mäßig trocken bis frisch, sauer bis neutral, sandig                              tenzielle Eignung hinweisen.
     und Gehölzgruppen          2 trocken bis frisch, sauer bis schwach alkalisch, sandig-humos                    So wurden jene Gehölze mit
                                3 mäßig trocken bis feucht, schwach sauer bis schwach alkalisch, kiesig- oder      den folgenden Hauptgrup-
                                  sandig-lehmig                                                                    pen-/Untergruppen-Kombi-
   5 Heiden- und                1 trocken bis frisch, nährstoffreich, schwach sauer bis stark alkalisch,           nationen (HG/UG) als eher
      Dünengehölze                sandig bis feinkiesig                                                            im Vorteil bewertet, obwohl
                                2 mäßig trocken bis frisch, mäßig nährstoffhaltig, sauer bis schwach sauer,
                                  sandig bis humos
                                                                                                                   die Hauptgruppe allein nicht
                                3 trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich, schwach sauer bis schwach              zu dieser Bewertung geführt
                                  alkalisch, sandig-kiesig, sandig-humos                                           hätte:
   6 Steppengehölze             1 trocken bis frisch, nässeempfindlich, nährstoffreich, schwach sauer
     und Trockenwälder            bis stark alkalisch, sandig, sandig-kiesig oder -lehmig                          HG 2 (Auen- und Uferge-
                                2 mäßig trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich, sauer bis neutral,               hölze)
                                  sandig bis sandig-humos                                                           / UG 3 (mäßig trocken,
                                3 mäßig trocken bis frisch, nährstoffreich, schwach sauer bis alkalisch,
                                  sandig-lehmig bis lehmig
                                                                                                                    frisch bis feucht, schwach
                                4 frisch, mäßig nährstoffreich, schwach sauer bis schwach alkalisch,                sauer bis neutral, sandig)
                                  sandig-lehmig bis lehmig                                                          / UG 4 (mäßig trocken,
   7 Gehölze kühlfeuchter       1 mäßig trocken bis frisch, nicht zu nährstoffreich, schwach sauer bis alkalisch    frisch bis feucht, neutral bis
     Wälder                     2 durchlässig, frisch bis feucht, mäßig nährstoffreich, sauer bis neutral,          alkalisch, sehr nährstoff-
                                  sandig- oder kiesig-humos, empfindlich gegen höheren Kalkgehalt                   reich, sandig-kiesig)
                                3 schwach sauer bis alkalisch, nährstoffreich, humos- oder sandig-lehmig            / UG 5 (mäßig trocken
                                4 sauer bis schwach alkalisch, nährstoffreich, humos, sandig-lehmig bis lehmig
                                                                                                                    bis frisch, schwach sauer
   8 Bergwälder und Sträucher   1 frisch bis feucht, sauer bis neutral, sandig-humos, -kiesig, felsig,              bis stark alkalisch; nähr-
     alpiner Bereiche             flachgründig
                                2 mäßig trocken bis frisch, schwach sauer bis stark alkalisch, sandig-kiesig,
                                                                                                                    stoff reich, sandig, kiesig,
                                  -lehmig, felsig, flachgründig                                                     lehmig)
   9 Gehölze der Hecken         1 trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich, schwach sauer bis stark alkalisch,
      und Strauchflächen          sandig- oder lehmig-humos                                                        HG 3 (Artenreiche Wälder und
                                2 frisch bis feucht, nährstoffreich, sauer bis neutral, sandig- bis lehmig-humos   Gehölzgruppen)
                                3 frisch bis feucht, nährstoffreich, schwach sauer bis alkalisch,                   / UG 1 (robuste, stadtkli-
                                  alle Substrate außer ärmste Böden                                                 maverträgliche Gehölze,
                                                                                                                               Sonderausgabe Grün ist Leben
Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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Prunus avium                                                      Pyrus pyraster

  mäßig trocken bis frisch,      keit, sich an diese periodisch   Lebensbereich-/Bodenfakto-        Verwendung finden sollen,
  schwach sauer bis alkalisch,   bis mittelfristig schwanken-     reneinordnung allein ergab        neben der Toleranz gegenüber
  nährstoffreich, kein Sand      den Lebensbedingungen an-        hier ausnahmsweise keine          den aus einer durchschnitt-
  oder Ton)                      zupassen und Wasser offen-       ausreichende Infor mation,        lichen Erwärmung resultie-
                                 bar in kürzeren Phasen der       so dass die Einzelbewertung       renden Bedingungen auch
HG 4 (Artenarme Gehölzgrup-      Verfügbarkeit auszunutzen,       der Trockenheitstoleranz un-      in Zukunft eine ausreichen-
pen oder Wälder)                 wurde als sehr vorteilhaft       ter anderem anhand der un-        de Winter- bzw. Frosthärte
 / UG 1 (mäßig trocken bis       für die Verwendbarkeit in der    ter Konkurrenz von der Art        aufweisen müssen. Bereits
 frisch, sauer bis neutral,      freien Landschaft unter den      bevorzugten Klimafaktoren         heute sind in einigen Regi-
 sandig)                         Bedingungen des Klimawan-        erfolgte. Neben Publikatio-       onen der Erde verlängerte,
 / UG 2 (trocken bis frisch,     dels angesehen. Eine weitere     nen über wissenschaftliche        früher beginnende Vegetati-
 sauer bis schwach alkalisch,    Ausnahme bilden die HG / UG-     Tests an einzelnen Arten wur-     onsperioden zu verzeichnen,
 sandig-humos).                  Einsortierungen                  de hierzu außerdem Literatur      weil die dazu nötigen Wetter-
                                                                  mit Einstufungen des Wertes       bedingungen schon zeitiger
  Mit dieser Modifizierung       HG 7 (Gehölze kühl-feuchter      von Gehölzarten für trocke-       im Frühjahr erreicht werden
der Hauptgruppen-Bewertung       Wälder)                          ne Standorte ausgewertet          (MENZEL 1997). Das bedeu-
wurde der Tatsache Rechnung       / UG 1 (mäßig trocken bis       (BÄRTELS 2001; HIEKE 1989;        tet aber nicht automatisch,
getragen, dass besonders an       frisch, nicht zu nährstoff-     KIERMEYER 1995; KOWARIK 1992;     dass auch das Ende des Zeit-
den Rändern der Lebensbe-         reich, schwach sauer bis        KRÜSSMANN 1983, 1987; MEYER       raumes mit Spätfrostgefahr
reiche (Hauptgruppen 2, 3         alkalisch)                      1987; SAKAI & L ARCHER 1987;      ebenfalls im Jahresverlauf
und 4) Arten vorkommen, die                                       SCHÜTT et al. 2007; SKINNER &     vorrückt. Somit zeichnet sich
schwankenden Bedingungen         HG 9 (Gehölze der Hecken-        WILLIAMS 2004; SOMMER 2007;       generell eine längere Periode
ausgesetzt sind. Zum Beispiel    und Strauchflächen)              WARDA 2001).                      der Spätfrostgefährdung in
finden sich unter der Einsor-     / UG 1 (trocken bis frisch,                                       Mitteleuropa ab. Die Unemp-
tierung HG 2 / UG 5 die Arten     mäßig mährstof freich,          Frosttoleranz                     findlichkeit der jungen Trie-
Amorpha fruticosa, Clematis       schwach sauer bis stark al-       Da auch unter den vor-          be von Gehölzen gegenüber
vitalba, Malus sylvestris, M.     kalisch, sandig- oder lehmig    hergesagten veränderten           Spätfrösten könnte deshalb
domestica oder auch Populus       humos).                         Klimabedingungen davon            in Zukunft einen bestim-
x canescens, die an den Rän-                                      auszugehen ist, dass lange        menden Faktor für dessen
dern von Auen periodisch gut       Arten mit dieser Einordnung    Winter oder stärkere Frost-       Verwendbarkeit darstellen.
wasserversorgt, aber in den      wurden einzeln anhand von        ereignisse in Mitteleuropa        Für die Einteilung der Gehölz-
Vege tationsperioden auch        Erfahrungsberichten sowie        weiterhin kennzeichnend           arten nach deren Frosthärte,
größeren Trockenheiten auf       wissenschaftlicher Literatur     für das Klima in Deutschland      die auch unter veränderten
kiesigen oder sandigen Böden     evaluiert und meist als „eher    sein werden, werden alle Ge-      Klimabedingungen nötig ist,
ausgesetzt sind. Die Fähig-      im Vorteil“ eingestuft. Die      hölze, die in der Landschaft      wurde die Einteilung in Win-
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Klimawandel und Gehölze - Forschungsstudien: Eignung der Gehölze in der Landschaft und Konsequenzen für die Verwendung
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   Abbildung 1: Winterhärtezonen Europas (aus ROLOFF & BÄRTELS 2006),
   Erläuterungen der Temperaturbereiche in Tabelle 2.

                                                             terhärtezonen nach ROLOFF &        nier-, Übergangs-, Dauer- und
   Tabelle 2: Winterhärtezonen Europas für Gehölze und       BÄRTELS (2006) herangezogen        Klimaxbaumarten wurde in
   deren Temperaturbereiche mittlerer jährlicher Minimum-    (Tabelle 2, Abbildung 1). Alle     die Bewertung einbezogen.
   Temperatur nach BÄRTELS (2001) und ROLOFF & BÄRTELS       Arten der Winterhärtezonen 1       Die Eigenschaft eines Gehöl-
   (2006)                                                    bis 6 (Areal mit mittlerer jähr-   zes, eine Pionierart zu sein,
                                                             licher Minimumtemperatur           wurde positiv im Sinne der
    Zone      °F                      °C                     unter -45,5°C bis -17,8°C)         künftigen Verwendbarkeit be-
    1         < -50                   < -45.5                wurden als uneingeschränkt         wertet. Allerdings wurde eine
    2           -50 bis -40            -45.5 bis -40.1
                                                             frosthart für Deutschland          Einschränkung vorgenommen,
                                                             eingestuft. Jene Arten, die        wenn die Art besonders hohe
    3           -40 bis -30            -40.0 bis -34.5
                                                             bis maximal in der Winterhär-      Standortansprüche hat. Pio-
    4           -30 bis -20             -34.4 bis -28.9      tezone 7 (mittlere jährliche       nierbaumarten haben meist
    5           -20 bis -10            -28.8 bis -23.4       Minimumtemperatur -17,8°C          Freiflächen-Mikroklimate
    6           -10 bis    -0          -23.3 bis -17.8       bis -12,3°C) vorkommen,            zu tolerieren, was häufig
    7              -0 bis +10           -17.7 bis -12.3      wurden als indifferent einge-      durch starke Schwankungen
    8           -10 bis +20             -12.2 bis -6.7
                                                             stuft, die übrigen (WHZ ≥ 8;       oder Extreme von Tempera-
                                                             mittlere jährliche Minimum-        tur und Wasser ver fügbarkeit
    9          +20 bis +30              - 6.6 bis   -1.2
                                                             temperatur über -12,2°C) als       gekennzeichnet ist, da ein die
    10          +30 bis +40             - 1.1 bis +4.4       nicht ausreichend frosthart.       Klimaamplituden dämpfender
    11        > +40                   > +4.4                                                    Schirm oder Waldsaum bzw.
                                                             Ökologische Strategie              eine Wasser haltende Humus-
                                                               Eine von ROLOFF & PIETZARKA      schicht fehlt. Sand-Birke (Be-
                                                             (2007) vorgestellte Eintei-        tula pendula), Gemeine Kiefer
                                                             lung der Baumarten in Pio-         (Pinus sylvestris), Zitter-Pap-
                                                                                                            Sonderausgabe Grün ist Leben
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pel (Aspe, Populus tremula),       gesell schaften in verschie-
einige Weiden (Salix spp.) und     denen Biotopen gekommen
Zwergstrauchheiden (z.B. Cal-      ist. So führte zum Beispiel
luna vulgaris) sind hier als die   im Raum Berlin die invasi-
ersten in einer natürlichen        ve Ausbreitung der Robinie
Sukzession auftretenden Ge-        auf trockenen und warmen
hölze zu nennen, haben einen       Standorten zum Rückgang
ausgeprägten Pioniergehölz-        von Sandtrockenrasen-Gesell-
Charakter und sind zudem           schaften und zur Veränderung
nicht sehr anspruchsvoll ge-       der Richtung der Sukzession
genüber den Standortfakto-         (KOWARIK 1992, 2003). Der in-
ren Boden und Wasser.              vasive Pioniercharakter der
  Dazu kommen neuheimische         jeweiligen Gehölzart geht
Arten, die ebenfalls dieses        häufig auf eine rapide Wur-
Kriterium erfüllen, häufig         zelentwicklung in Verbindung
auf Ruderalflächen wie In-         mit vegetativer Vermehrung
dustriebrachen oder urbanen        über Wurzelbrut und eine
Freiflächen anzutreffen sind       hohe Wuchskraft auch unter
und sich oft bei Ungestört-        erschwerten Bedingungen
heit schnell ausbreiten. Das       zurück. Ebenso kann die ge-      Viscum album
sind in erster Linie die Robinie   netische Plastizität eine hohe
(Robinia pseudoacacia), der        Anpassungsfähigkeit der be-      Beispiel nach dem Bundes-        Wasser versorgung, die Tief-
Eschen-Ahorn (Acer negundo),       treffenden Art bewirkt haben.    naturschutzgesetz (BNatSchG      gründigkeit und die Durch-
die Spätblühende Trauben-          Diese Fähigkeit wurde in der     § 41 (2)), beachtet werden.      lüftung des Bodens. Sie ist
kirsche (Prunus serotina), in      vorliegenden Studie unter        Eine standortgemäße Ver-         unter den zu erwartenden
Siedlungsgebieten z.T. auch        dem Blickwinkel der pflanzen-    wendung dieser Arten sollte      Klimabedingungen eher als
der Götterbaum (Ailanthus al-      physiologischen Eignung als      immer einzelfallweise ge-        benachteiligte Art anzuse-
tissima). Für die letztgenann-     eher positiv für eine Verwend-   prüft werden und zwischen        hen. Ihre Standortansprüche
ten und weitere in Artenlis-       barkeit unter sich wandeln-      den Vorteilen, zum Beispiel      sind so hoch, dass sie streng
te 2 markierte Arten wurde         den klimatischen Bedingun-       der Funktionserhaltung eines     azonal verbreitet ist und an
nach ihrer Einführung auf          gen in der freien Landschaft     durch extremen Trockenstress     Flussuferökosysteme gebun-
bestimmten Standorten eine         bewertet. Daher müssen bei       bedrohten Gehölzbiotopes,        den ist, was einer positiven
so hohe Ausbreitungstendenz        diesen Arten naturschutz-        und den Risiken, die natur-      Veränderung der Lebenspro-
nachgewiesen, dass es zu pro-      fachliche Regelungen und         schutzfachliche, wirtschaft-     zesse der Art unter den Be-
blematischen Entwicklungen         unter Umständen auch eine        liche, landschaftskulturellen    dingungen des Klimawandels
der vorhandenen Pflanzen-          Genehmigungspflicht, zum         bis hin zu humanbiomedizi-       entgegenstehen dürfte.
                                                                    nischen und viele andere
                                                                    Aspekte betreffen können,        Wurzelsystem
                                                                    abgewogen werden. Als Ori-         Das Wurzelsystem ist von
                                                                    entierungshilfe zum Umgang       allen Organen bzw. Organ-
                                                                    mit invasiven Gehölzarten        systemen der Bäume bei
                                                                    liegen Listen der betreffen-     weitem am wenigsten un-
                                                                    den Arten sowie Handlungs-       tersucht. Aussagen über die
                                                                    empfehlungen unter anderem       Wurzelmorphologie einer
                                                                    seitens des Bundesamtes für      Art, auf deren Grundlage
                                                                    Naturschutz vor (BUNDESAMT       hier die Auswirkungen auf
                                                                    FÜR NATURSCHUTZ (BFN) ONLINE,    die Gehölzeignung unter den
                                                                    2008; ZENTRALVERBAND GARTENBAU   Bedingungen des Klimawan-
                                                                    E.V. (HRSG.) et al. 2008). Zum   dels eingeschätzt wurden,
                                                                    heutigen Zeitpunkt sind da-      beziehen sich auf KÖSTLER et
                                                                    rin 17 Gehölzarten genannt,      al. (1968), KuTSCHERA & L ICH-
                                                                    die sehr wahrscheinlich          TENEGGER (2002) sowie POLOM-
                                                                    künftig noch weiter ergänzt      SKI & KUHN (1998). Die Wurzel
                                                                    werden.                          eines Baumes erfüllt unter
                                                                      Andere Pioniergehölze zei-     anderem die Aufgabe, Wasser
                                                                    gen hohe Standortansprüche,      und Nährstoffe für die physio-
                                                                    so zum Beispiel die Schwarz-     logischen Prozesse aus dem
Sorbus torminalis                                                   Pappel (Populus nigra) an die    Boden aufzunehmen. Dazu ist
Sonderausgabe Grün ist Leben
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   Acer saccharum                                                      Castanea sativa

   es für Gehölze unter sich ver-   Fichte (Picea abies) und die       Parameter ist aber auch für     ren Arten vorhanden sind.
   schlechternden Bedingungen       Strobe (Pinus strobus) wurden      die Gesamtheit des Zucht-         Ist die betreffende Art mit
   der Wasserversorgung infolge     bei diesem Unteraspekt als         materials bedeutend, das        anderen Arten hybridisierbar,
   von Klimaveränderungen gut,      benachteiligt eingestuft.          für die Bereitstellung neuer,   lässt sich die Züchtung von
   wenn das Wurzelsystem da-                                           angepasster Gehölzsorten        Rekombinanten durch Hybrid-
   rauf eingestellt ist, schnell    Genetische Eigenschaften           verfügbar ist.                  kreuzung oft erleichtern. Zum
   Wasser zu erschließen, aber        Obwohl der Kriterienbereich        Bei der Züchtung von          einen ist es hierbei möglich,
   auch längere Trockenperio-       der genetischen Vielfalt in        Landschaftsgehölzen kön-        sehr gegensätzliche Merk-
   den zu überstehen. Das kann      allererster Linie für den Erhalt   nen die Bedingungen des         malsträger miteinander zu
   zum einen geschehen, indem       natürlicher Populationen oder      Klimawandels durchaus in        kreuzen; zum anderen ist bei
   kurzzeitig oberflächlich vor-    Wälder unter sich rasch wan-       Betracht gezogen werden.        Hybridkreuzungen ein Hete-
   handenes Regenwasser durch       delnden Klimabedingungen           Das bedeutet, dass dann         rosiseffekt möglich. Beson-
   ein weit reichendes, boden-      wichtig sein wird, muss auch       auch Zuchtziele, die sich       ders gut hybridisierbar sind
   nahes Feinwurzelsystem gut       bei Gehölzen, die als Baum-        aus dem Klimawandel erge-       Pappeln (Populus spp.) und
   ausgenutzt wird. Bei Häu-        schulware vermehrt werden          ben werden, in die Züchtung     Weiden (Salix spp.), aber auch
   fungen von Dürren, sowie         und in der Landschaft Ver-         einbezogen werden sollten.      verschiedene Rosengewächse
   auf besonders durchlässigen      wendung finden, auf einige         Für einige Gehölze kann es      (z.B. Sorbus spp., Prunus spp.
   Böden, ist es für Gehölze zum    Faktoren geachtet werden.          nötig werden, vorhandene        und Malus spp.). Heterosis-
   anderen unabdingbar, nach          Letztendlich bedeutet das        wertvolle Sorten dahinge-       züchtung wurde bei Waldbäu-
   der Pflanzung auch tief rei-     sich wandelnde Klima einen         hend zu optimieren, dass        men vor allem bei Pappeln
   chende Wurzeln (Pfahl-, oder     erhöhten Selektionsdruck           sie z.B. trockenstress- oder    betrieben. Die Hybride euro-
   Senkerwurzeln) auszubilden,      auf alle Lebewesen auf der         spätfrosttoleranter werden.     päischer und nordamerikani-
   mit denen Grundwasser er-        Erde. Bei Gehölzen spielen         Entsprechende Resistenzen       scher Schwarz- und Balsam-
   schlossen werden kann.           vor allem der Faktor Was-          oder Toleranzen aus fremden     pappelarten zeigen oft deut-
     Ein weiterer Aspekt der        serverfügbarkeit sowie die         Populationen müssen dann        liche Heterosis mit über 10 %
   Gefährdung von Gehölzen          Resistenz gegenüber Schad-         „eingekreuzt“, d.h. mit den     höheren Wuchsleistungen.
   durch den Klimawandel ist        organismen eine bedeutende         bisher igen erwünschten         Heterosis ist nicht nur auf
   die zunehmende Windwurf-         Rolle. In natürlichen Popula-      Merkmalen rekombiniert wer-     Wuchs- oder Ertragsleistun-
   gefährdung. Diese spielt bei     tionen kommt es darauf an,         den. Voraussetzung für die      gen beschränkt, auch andere
   Bäumen eine wesentliche          dass die genetische Variation      Rekombinationszüchtung ist      quantitative Merkmale, z.B.
   Rolle. Baumarten, die tief-      ausreichend ist, um in genü-       jedoch, dass die betreffende    quantitative Resistenzen
   greifende Pfahl- oder Senker-    gender Menge phänotypische         Art entsprechend formenreich    oder die Widerstandskraft
   wurzeln ausbilden, sind weni-    Formen „zu bevorraten“, die        ist und resistente bzw. tole-   gegenüber abiotischen Fak-
   ger gefährdet als besonders      dem steigenden Selektions-         rante Kreuzungspartner aus      toren wie Trockenheit kön-
   flach wurzelnde Baumarten.       druck widerstehen können.          wilden Populationen, anderen    nen bei Heterosiszüchtung
   Beispielsweise die Gemeine       Dieser populationsgenetische       Provenienzen oder von ande-     verbessert werden.
                                                                                                                   Sonderausgabe Grün ist Leben
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                                                                    Abbildung 2: Ergebnis der Einschätzung zur Eignung
                                                                    einheimischer Gehölzarten für die Verwendung in der
                                                                    Landschaft unter den Bedingungen des Klimawandels
  Zusammenfassend kann ge-        Restbeständen innerhalb in-       (Kreisanteile zeigen Häufigkeiten)
sagt werden, dass hohe ge-        takter Flussuferökosysteme        Einheimische (indigene) Gehölze in der Landschaft
netische Variation bzw. For-      vor. Beide sind wegen ihrer       unter veränderten Klimabedingungen
menreichtum sowie einfache        hydraulischen Architektur be-
Hybridisierbarkeit die züch-      nachteiligt, die sie für dür-
terische Verbesserung einer       rebedingte Embolien in den
Gehölzart sehr erleichtern und    Saftstrom leitenden Gefäßen
damit neue, klimatolerante        sehr anfällig macht. Kronen-
Sorten für die Verwendung in      bereiche, die bei Dürre nicht
der Landschaft leichter bereit-   mehr mit Wasser versorgt wer-
gestellt werden können.           den können, sterben dadurch
                                  ab. Deshalb weisen beide be-
Ergebnisse                        reits heute in Deutschland in
                                  größerem Umfang als normal
Darstellung der Ergebnisse        Schadbilder auf, die zumin-
  Als Bewertung wird in ers-      dest teilweise dem Klimawan-
ter Linie die Frosthärte und      del zugeschrieben werden
die voraussichtliche Eignung      müssen. Ein weiteres Beispiel
anhand der Einteilung in Le-      ist die Stiel-Eiche (Quercus
bensbereiche (ROLOFF & BÄRTELS    robur subsp. robur), die im
2006) kombiniert. Arten, die      Vergleich zur Trauben-Eiche       für Gehölze in der Stadt ver-     sie in der freien Landschaft
bei beiden Kriterien als (eher)   (Quercus robur subsp. sessili-    wendet, die vor kurzem publi-     in Deutschland bisher nicht
geeignet erschienen, wurden       flora) unter den derzeitigen      ziert worden ist (ROLOFF et al.   oder nur ausnahmsweise
als insgesamt unter den Be-       Bedingungen des Klimawan-         2008a, 2008b). Dies erscheint     eingeführt sind. Somit ent-
dingungen des Klimawandels        dels stärkere Schadsymptome       sinnvoll, da das Klima in der     fallen die Bewertungen „in-
„eher im Vorteil“ eingestuft.     zeigt. Als eher im Vorteil wur-   freien Landschaft künftig         different“ und „eher im Nach-
Arten, die mindestens ein-        de die Mistel (Viscum album)      dem heutigen Stadtklima äh-       teil“. Es werden in Artenliste
mal als indifferent eingestuft    eingestuft, zu deren Gunsten      neln wird. Bei der Beurteilung    3 daher nur fremdländische
worden waren (jedoch nicht        sich das Gleichgewicht zwi-       der nicht einheimischen und       Arten mit einer potenziellen
bei dem zweiten Kriterium         schen diesem halbparasiti-        zugleich auch nicht etablier-     Eignung für Deutschland un-
negativ), wurden mit „indif-      schen Strauch und dessen          ten fremdländischen Arten         ter den vorhergesagten Be-
ferent“ bewertet. Alle Arten,     Wirtsbaumarten in den letz-       entfällt die Betrachtung, ob      dingungen des Klimawandels
die entweder keine ausrei-        ten Jahren verschob. Ursache      die Arten von ihrem bisheri-      zusammengestellt.
chende Frosthärte oder kei-       dieser Verschiebung könnte        gen Verhalten abweichen, da
nen den erwarteten künftigen      unter anderem die Eigen-
Klimabedingungen entspre-         schaft der Wintergrüne und
                                                                    Abbildung 3: Ergebnis der Einschätzung zur Eignung
chenden Lebensbereich ha-         damit eine verlängerte Vege-
                                                                    nichteinheimischer Gehölzarten für die Verwendung in
ben, bzw. Arten, die beides       tationsperiode für die Mistel
                                                                    der Landschaft unter den Bedingungen des Klimawandels
nicht aufweisen, wurden als       bei höheren Temperaturen
                                                                    (Kreisanteile zeigen Häufigkeiten)
„eher im Nachteil“ eingestuft     sowie die erhöhte Prädispo-
(Abbildung 2, Abbildung 3,        sition der Wirte z.B. durch       Neuheimische (agriophytische) und teilweise wild
Artenlisten 1 und 2).             veränderte Klimabedingun-         wachsende fremdländische (neophytische) Gehölze in
  Bei einzelnen Gehölzarten,      gen (Trockenstress) sein.         der Landschaft unter veränderten Klimabedingungen
für deren Verhalten unter den
zu erwartenden Bedingungen        Artenlisten
des Klimawandels bereits            Im Folgenden werden die
weitgehend abgesicherte Er-       untersuchten Gehölzarten
kenntnisse vorhanden sind,        getrennt nach einheimi-
wurden weitere Kriterien in       schen (indigenen) und nach
die Bewertung mit einbezo-        in Deutschland etablierten
gen. In einzelnen Fällen kam      (zumindest teilweise wild
es dadurch zu Umgruppierun-       wachsenden) Arten aufgelis-
gen von Arten. Das betraf         tet (Artenliste 1, Artenliste
beispielsweise die Pappeln        2). Für die Bewertung nicht
der Art Populus nigra und des     etablierter fremdländischer
intraspezifischen Arthybrides     bzw. nicht einheimischer Ge-
P. x canadensis. Erstere kommt    hölze (Artenliste 3) wurden
in Deutschland nur noch in        die Ergebnisse einer Studie
| 14 | KLimaArtenMatrix für die freie Landschaft |

   Artenliste 1:
   KLAM-Landschaft (KLimaArtenMatrix für die freie Landschaft): Voraussichtliche Verwendbarkeit / Eignung („eher
   im Vorteil“ / „indifferent“ / „eher im Nachteil“) der in Deutschland einheimischen Gehölz-Arten unter den Bedin-
   gungen des Klimawandels in der freien Landschaft (kein Rechtsbegriff), gegliedert nach Bäumen, Sträuchern, Zwerg-
   und Halbsträuchern sowie Klettergehölzen in alphabetischer Reihenfolge. (Winterhärtezone, Haupt- und Untergruppe
   einer Art nach KIERMEYER 1995, ROLOFF & BÄRTELS 2006, Erläuterung der Ziffern siehe Tabelle 1 und 2)

                                                                                                    Winter-

                                                                                                                 gruppe

                                                                                                                             gruppe
                                                                                                                 Haupt-

                                                                                                                             Unter-
                                                                                                    härte-
                                                                                                     zone
   Systematischer taxonomischer Name                       Deutsche Bezeichnung

   eher im Vorteil
   Bäume
   Acer campestre L. subsp. campestre                      Feld-Ahorn, Maßholder                      5            6           1
   Acer monspessulanum L.                                  Französischer Ahorn, Felsen-Ahorn          6            6           3
   Acer opalus MILL.                                       Schneeball-Ahorn                           6            6           3
   Acer platanoides L.                                     Spitz-Ahorn                                4            3           1
   Betula pendula ROTH                                     Hänge-Birke, Gemeine Birke, Sand-Birke     2            4           2
   Carpinus betulus L.                                     Gemeine Hainbuche, Weißbuche               5            3           1
   Fraxinus excelsior L.                                   Gemeine Esche                              4            2           4
   Malus sylvestris MILL.                                  Wild-Apfel, Holz-Apfel                     5            2           5
   Pinus sylvestris L. subsp. sylvestris                   Gemeine Kiefer, Wald-Kiefer
                                                                                                      1            4           2
   (incl. subsp. borussica, etc.)
   Populus alba L.                                         Silber-Pappel                              4            2           4
   Populus tremula L.                                      Zitter-Pappel, Espe, Aspe                  1            4           2
   Prunus avium L. subsp. avium                            Vogel-Kirsche                              5            3           3
   Prunus fruticosa PALLAS                                 Strauch-Kirsche, Steppen-Kirsche           6            6           1
   Pyrus communis agg.                                     Artengruppe Kultur-Birne                   5            6           4
   Pyrus pyraster (L.) BURGSDORF                           Wild-Birne, Holz-Birne                     5            6           4
   Quercus pubescens WILLD.                                Flaum-Eiche                                6            6           3
   Quercus robur L. subsp. sessiliflora SALISB.            Trauben-Eiche
                                                                                                      5            3           1
   (= Quercus petraea (MATTUSCHKA) LIEBL.)
   Salix caprea L.                                         Sal-Weide                                  3            4           3
   Sorbus aria (L.) CRANTZ                                 Echte Mehlbeere                            5            6           3
   Sorbus aucuparia L. subsp. aucuparia                    Gewöhnliche Vogelbeere                     3            7           1
   Sorbus badensis DÜLL                                    Badische Bastard-Mehlbeere                 6            6          3
   Sorbus decipiens (BECHST.) IRMISCH ex PETZ. & KIRCHN.   Täuschende Bastard-Mehlbeere               5            6           1
   Sorbus domestica L.                                     Speierling                                 6            6           1
   Sorbus x hybrida L. agg.                                Artengruppe Bastard-Mehlbeere              5            6           3
   Sorbus intermedia (EHRH.) PERS.                         Schwedische Mehlbeere                      5            3           1
   Sorbus latifolia (LAM.) PERS. agg.                      Artengruppe Breitblättrige Mehlbeere       5            6           1
   Sorbus torminalis (L.) CRANTZ                           Elsbeere                                   6            6          1
   Tilia cordata MILL.                                     Winter-Linde                               4            3           1
   Ulmus glabra HUDS. em. MOSS                             Berg-Ulme                                  5            2           4
   Ulmus laevis PALLAS                                     Flatter-Ulme                               5            2           4
   Ulmus minor MILL. em. RICHENS                           Feld-Ulme                                  5            2           5

                                                                                                          Sonderausgabe Grün ist Leben
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                                                                                                                        Winter-

                                                                                                                                  gruppe

                                                                                                                                           gruppe
                                                                                                                                  Haupt-

                                                                                                                                           Unter-
                                                                                                                        härte-
                                                                                                                         zone
Systematischer taxonomischer Name                               Deutsche Bezeichnung

Sträucher
Amelanchier ovalis MED.                                         Gemeine Felsenbirne                                       5        6        3
Berberis vulgaris L.                                            Gemeine Berberitze, Sauerdorn                             4        9        1
Buxus sempervirens L.                                           Buchsbaum                                                 6        6        3
Chamaespartium sagittale (L.) GIBBS (Genista sagittalis)        Flügelginster, Erdpfriemen                                6        5        3
Colutea arborescens L.                                          Gemeiner Blasenstrauch                                    6        6        1
Cornus mas L.                                                   Kornelkirsche, Herlitze                                   5        6        3
Cornus sanguinea L.                                             Blutroter Hartriegel                                      4        9        1
Corylus avellana L.                                             Gemeine Hasel                                             5        3        1
Cotoneaster integerrimus MED.                                   Gemeine Zwergmispel                                       6        6        1
Crataegus monogyna JACQ.                                        Eingriffliger Weißdorn                                    5        3        1
Cytisus scoparius (L.) LINK (incl. subsp. scoparius et subsp.   Besenginster, Besenpfriem
                                                                                                                          6        4        1
maritimus)
Daphne mezereum L.                                              Gemeiner Seidelbast, Kellerhals                           4        3        3
Euonymus europaeus L.                                           Europäisches Pfaffenhütchen                               4        2        3
Genista tinctoria L. subsp. tinctoria                           Gewöhnlicher Färber-Ginster
                                                                                                                          5        4        1
(incl. subsp. ovata)
Hippophaë rhamnoides L. subsp. rhamnoides                       Küsten-Sanddorn                                           4        5        1
Juniperus communis L. subsp. communis                           Gemeiner Wacholder                                        3        4        2
Lembotropis nigricans (L.) GRISEB.                              Schwärzender Geißklee
                                                                                                                          5        6        1
(= Cytisus nigricans)
Ligustrum vulgare L.                                            Gemeiner Liguster, Rainweide                              5        9        1
Lonicera xylosteum L.                                           Rote Heckenkirsche                                        3        3        1
Myricaria germanica (L.) DESV.                                  Deutsche Tanne, Rispelstrauch                             6        2        2
Pinus mugo TURRA subsp. mugo                                    Gewöhnliche Krummholzkiefer                               4        8        2
Pinus mugo TURRA subsp. pumilio (HAENKE) FRANCO                 Zwerg-Krummholzkiefer                                     4        8        2
Prunus mahaleb (L.) MILL.                                       Steinweichsel, Felsenkirsche                              5        6        3
Prunus spinosa L. (s. l.)                                       Schwarzdorn, Schlehe                                      5        6        3
Rhamnus cathartica L.                                           Purgier-Kreuzdorn                                         4        6        3
Rhamnus saxatilis JACQ.                                         Felsen-Kreuzdorn                                          6        6        1
Ribes uva-crispa L. (incl. subsp. uva-crispa et subsp.          Stachelbeere
                                                                                                                          5        2        4
grossularia)
Rosa agrestis SAVI                                              Acker-Rose                                                6        2        4
Rosa arvensis HUDS.                                             Kriechende Rose, Feld-Rose                                5        3        3
Rosa caesia SM. ex SOW. agg.                                    Artengruppe Lederblättrige Rose                           5        6        1
Rosa canina L. (s.l.)                                           Hunds-Rose (i.w.S.)                                       4        6        3
Rosa corymbifera BORKH. (s.l.)                                  Hecken-Rose (i.w.S.)                                      6        6        1
Rosa elliptica TAUSCH                                           Elliptische Rose, Keilblättrige Rose                      6        6        3
Rosa gallica L.                                                 Essig-Rose                                                5        6        1
Rosa glauca POURRosa                                            Rotblättrige Rose                                         3        6        1
Rosa jundzillii BESSER                                          Rauhblättrige Rose                                        5        6        1
Rosa micrantha BORRER ex SM.                                    Kleinblütige Rose                                         5        6        1
Rosa mollis SM.                                                 Weiche Rose                                               5        6        1
Rosa pimpinellifolia L. (=Rosa spinosissima L.)                 Pimpinell-Rose, Bibernell-Rose, Dünen-Rose                3        5        1
Rosa rubiginosa L.                                              Wein-Rose                                                 5        6        1
Rosa sherardii H.DAVIES                                         Unbeachtete Rose, Samt-Rose                               6        6        1
Rosa stylosa DESV.                                              Verwachsen- oder Säulengrifflige Rose                     6        6        3

Sonderausgabe Grün ist Leben
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