Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020

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Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
konzept ruhr & wandel als chance

konzept ruhr &
wandel als chance //
Perspektive 2020

                              Regionalverband Ruhr
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
Titelbild: Europa im Parlamentarium, Brüssel
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
konzept ruhr & Wandel als Chance //Perspektive 2020

                                            inhalt
                                            Beteiligte                                               5
                                            Einleitung                                               6

                                            n   Teil 1:
                                                Herausforderungen bis 2020                           8
                                                1.1: Horizontale und vertikale Zusammenarbeit       12
                                                1.2: Stadt – Bildung – Klima                        13
                                                1.3: Integrierte Projektentwicklung                 15
                                                1.4: Kommunale Projekte in der EU-Förderperiode
                                                     2007 bis 2013                                  18

                                            n   Teil 2:
                                              Konzept Ruhr/Wandel als Chance 2007 – 2013            20
                                              2.1: Anlass für die Zusammenarbeit                    23
                                              2.2: Entwicklung Konzept Ruhr                         24
                                            	2.3: Projektmonitoring                                26
                                              2.4: Entwicklung Wandel als Chance                    27

                                                Gemeinschaftliche Folgeprojekte                     30
                                                2.5: Bildungsregion Ruhr                            30
                                                2.6: Gewerbliche Flächenentwicklung                 32
                                                2.7: Vereinbarung Bergbauflächen                    33

                                            n   Teil 3:
                                                Projektübersicht                                    34
                                                3.1: Erläuterungen zur aktuellen Projektübersicht   36
                                                3.2: Entwicklung der Projekte 2007– 2013            38

                                                Projektübersicht 2013                               40

                                            Ansprechpartner                                         66
                                            Impressum                                               70

                                                                                                          |3
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
Metropole Ruhr

               Nordrhein-Westfalen

               Deutschland

4   Perspektive 2020
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
konzept ruhr & Wandel als Chance //Perspektive 2020

  Beteiligte
  An der Erarbeitung von „Konzept Ruhr // Wandel als Chance –                n Der Regionalverband Ruhr (RVR)
  Perspektive 2020“ haben mitgewirkt:                                        n Die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH (wmr)
                                                                             n	
                                                                               Die Wirtschaftsförderung des Kreises und die Städte
  n	
    Die Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen,                     ­Ibbenbüren und Mettingen im Kreis Steinfurt
                                                                             n	
                                                                               Das Büro GseProjekte (Dinslaken) zur Unterstützung bei
    ­Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr
     und Oberhausen                                                            ­Konzeption, Text und Umsetzung.
  n	Der Ennepe-Ruhr-Kreis und die Städte Hattingen, Herdecke,
     Wetter und Witten                                                       Die Koordination der interkommunalen Arbeitskreise wird durch
  n Der Kreis Recklinghausen und alle Kommunen im Kreisgebiet                die Stadt Herne wahrgenommen. Mitglieder der interkommuna-
  n Der Kreis Unna und alle Kommunen im Kreisgebiet                          len Arbeitskreise sind jeweils Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
  n	Die Wirtschaftsförderung des Kreises Wesel und die Städte/              Planungsämter und/oder der Wirtschaftsförderung. Die Koordi-
     Gemeinden Dinslaken, Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn,            nation mit den zuständigen Stellen des Landes sowie die Verant-
     Schermbeck                                                              wortung für die Druckfassung des Berichts liegt beim Referat
  n Die Arbeitsgemeinschaft Städteregion Ruhr 2030                           ­„Europäische und regionale Netzwerke Ruhr“ des RVR.

                                                                                               KREIS
                                                                                               RECKLINGHAUSEN

                                                    KREIS
                                                    WESEL

                 Partner Konzept Ruhr                       Wesel

                                                                    Voerde

                                                                                                                                           KREIS
                                                                                                                                           UNNA

                                        Mettingen   KREIS
                                      Ibbenbüren    STEINFURT

                                                                                                  ENNEPE-
                                                                                                  RUHR-
                         KREIS
                                                                                                  KREIS
KREIS                    RECKLINGHAUSEN
WESEL

                                                                                          KREIS
                                                        DORTMUND                          UNNA

                                                                                             Partner Wandel als Chance

                                                                                                                                                   |5
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
einleitung

      Innenhof der ehemaligen Zeche Nordstern – Gelsenkirchen

6   Perspektive 2020
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
konzept ruhr & Wandel als Chance //Perspektive 2020

Einleitung
Die Metropole Ruhr – mit rund 5 Millionen Menschen                   Seit Mitte 2012 sind die Städte und Kreise mit den Vorbereitungen
­einer der gröSSten Ballungsräume in der Europäischen                auf die nächste EU-Förderperiode befasst. Dabei orientieren
                                                                     sie sich an den Prioritäten der Strategie EUROPA 2020 für intelli-
Union – ist eine Region der Zusammenarbeit. Das zeigen
                                                                     gentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Ziel ist es,
die realisierten Projekte der IBA Emscher Park, der                  ­Maß­nahmen zur Verbesserung der Beschäftigungssituation,
­Kulturhauptstadt 2010 oder die gemeinschaftliche Aus-                die ­Steigerung der Energieeffizienz, die Anhebung des Bildungs­
gestaltung des Emscher Landschaftsparks. Damit ver-                   niveaus, die Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung mit der
                                                                      ­Entwicklung der Städte zu verknüpfen. Deshalb beteiligt sich die
bunden sind regelmäSSige öffentliche GroSSereignisse.
                                                                      Metropole Ruhr – unter Einbeziehung fundierter Analysen zu den
Derzeit bereitet sich die Metropole Ruhr mit eigenstän­               Stärken und Schwächen der Region – mit eigenen Vorschlägen
digen Projekten und einer besonderen Organisations-                   an der Diskussion zur Vorbereitung der „Operationellen Program-
struktur auf ihren Beitrag zur Klima EXPO Nordrhein-                  me“ und formuliert regionale Perspektiven für den Zeitraum
                                                                      2014 – 2020.
Westfalen 2022 vor.

In den 53 Städten und 4 Kreisen gibt es rund 370 Kooperationen       Diese „Perspektiven 2020“ stehen im Mittelpunkt des aktuellen
in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Regionale Entwick-       ­Berichts. Sie werden ergänzt durch eine abschließende Darstel-
lungsstrategien werden über interkommunale Arbeitskreise, den         lung der Projekte, die in den vergangenen Jahren realisiert oder
Lenkungskreis Städteregion Ruhr 2030, die Arbeitsgemeinschaft         auf den Weg gebracht werden konnten.
der Wirtschaftsförderer, regelmäßige Treffen der Oberbürger-
meister und Landräte und den Regionalverband Ruhrgebiet ab-
gestimmt. Im Bereich der Wissenschaft arbeiten die Hochschulen
der Region in der „Universitätsallianz Metropole Ruhr“ zusammen.

Seit 2007 sind die gemeinsamen Ziele der Stadt- und Regional-
entwicklung über das „Konzept Ruhr“ zusammengefasst und mit
konkreten Projekten verbunden. Das Konzept Ruhr wird seit 2008
ergänzt durch die Zusammenarbeit im Rahmen der Arbeits­
gruppe „Wandel als Chance“. Hier haben sich zusätzlich diejeni-
gen Kommunen zusammengeschlossen, die von der Stilllegung
des Steinkohlenbergbaus bis 2018 besonders betroffen sind.

Anlass für die Arbeit am „Konzept Ruhr“ war ursprünglich der
Startschuss für die EU-Förderperiode 2007– 2013. Die Städte und
Kreise der Metropole Ruhr haben seither ihre Vorstellungen zur
Regionalentwicklung und ihre Vorhaben in die Umsetzung der
„Operationellen Programme“ eingebracht.

 Die Realisierung aller kommunalen Projekte, die in der laufenden
 Förderperiode aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regional-
 entwicklung (EFRE) mitfinanziert wurden, kann kontinuierlich über
 jährliche „Statusberichte“ verfolgt werden. Hier sind auch Vorha-
 ben aufgeführt, die mit öffentlicher Förderung, aber ohne den
 Einsatz von EU-Mitteln auf den Weg gebracht wurden. Über das
Projektmonitoring hinaus haben die Städte und Kreise ihre
­strategischen Ansätze zur nachhaltigen Stadt- und Regional­
 entwicklung ständig weiterentwickelt und in den Statusberichten
 dargestellt.

                                                                                                                                          |7
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
1

                TEIL 1   Herausforderungen
                         bis 2020

8   Perspektive 2020
Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

                             Rheinpark Duisburg

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Konzept ruhr & wandel als chance // - perspektive 2020
1

    Herausforderungen bis 2020
      Emscherkunst 2013 – Tomás Saraceno – Ring Bell – The Solar Orchestra and the Wind Structures – Nordstern – Gelsenkirchen

    Die Metropole Ruhr hat den wirtschaftlichen Struktur-           Doch der Strukturwandel ist nicht abgeschlossen. Die Stadtland-
    wandel durch den Rückgang des Bergbaus und der                 schaften verändern sich. Der demografische Wandel und die
                                                                   Veränderung von Sozialstrukturen durch Zuwanderung und
    Stahlproduktion bislang gut bewältigt. Viele neue Ar-
                                                                   ­fortschreitende Armut bedeuten neue Herausforderungen. Viele
    beitsplätze sind vorwiegend im Bereich der Dienstleistun-       Wohnungsbestände sind technisch überaltert, nicht für neue
    gen entstanden. Die Lebensqualität in den Städten hat           Wohnformen geeignet und durch problematische Eigentums-
    sich nachhaltig verbessert. Der interkommunal ent­              strukturen belastet. Durch die bereits beschlossene, vollständige
                                                                    Stilllegung des Steinkohlenbergbaus bis 2018 und den aktuellen
    wickelte, groSSräumige Emscher Landschaftspark hat
                                                                    Strukturwandel in anderen Wirtschaftszweigen entstehen zusätz-
    ­vielfältige, zusammenhängende Erholungsflächen im             liche Industriebrachen. Zugleich wächst der Druck zur Schaf-
    Ballungskern geschaffen und zusammen mit der Positio-          fung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze. Auf Grund der
    nierung der ­Industriekultur ein weltweit beachtetes neues     ­Siedlungsdichte und der Spätfolgen des Strukturwandels ist die
                                                                   Metropole Ruhr von diesen Veränderungen wesentlich stärker
    Verständnis der urbanen Kulturlandschaft geprägt.
                                                                   betroffen als andere Teile des Landes Nordrhein-Westfalen.

10 Perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

                                                                   „integrierte Projekte“, die ökonomische, ökologische und soziale
                                                                   Ziele auf nachhaltige Weise verbinden.

                                                                   In Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Ruhr und der Wirt-
                                                                   schaftsförderung metropoleruhr GmbH haben die Städte und Krei-
                                                                   se wesentliche Grundlagen geschaffen, um den neuen Heraus­
                                                                   forderungen zu begegnen und integrierte Projekte zu entwickeln.
                                                                   Dazu gehören im Wesentlichen: Die Analyse des regionalen
                                                                   Wohnungsmarkts, die regionale Klimaanalyse, der Bildungsbe-
                                                                   richt Ruhr, das Gewerbliche Flächenmanagement Ruhr, der
                                                                   Wirtschaftsbericht Ruhr mit den dort formulierten „Leitmärkten“,
                                                                   der Emscher Landschaftspark 2020+ und das „Konzept Ruhr“ als
                                                                   gemeinschaftliche Plattform für die nachhaltige Stadt- und Re-
                                                                   gionalentwicklung. Der künftig einheitliche Regionalplan Ruhr
                                                                   mit Zielaussagen für die langfristige räumliche Entwicklung der
                                                                   Region wird in Verantwortung des Regionalverbands Ruhr (RVR)
                                                                   im Dialog mit allen beteiligten Gebietskörperschaften erarbeitet.
                                                                   In den Entwicklungsprozess fließen auch die Ergebnisse des 2013
                                                                   durchgeführten Ideenwettbewerbs „zukunft metropole ruhr“ein,
                                                                   an dem sich neben fünf internationalen Planungsteams auch
                                                                   viele Bürger sowie soziale und wissenschaftliche Institutionen
                                                                   und Verbände beteiligt haben.

                                                                   Die Metropole Ruhr ist auf die neuen Herausforderungen gut
                                                                   vorbereitet: Mit gemeinsam erarbeiteten Perspektiven, Trans­
                                                                   parenz in Verfahren, organisierter Mitwirkung in Planungspro­
                                                                   zessen und abgestimmtem Handeln im Dialog mit den staat­
                                                                   lichen Ebenen.

                                                                   Damit entwickelt sich die Region zu einem Modell für das euro-
                                                                   päische Prinzip des „Multi-Level-Governance“ – der eigenstän-
 Daraus folgt: Die klassischen Instrumente der Stadtentwicklung    dig verantworteten Zusammenarbeit von öffentlichen und priva-
 müssen ergänzt und erweitert werden. Neben der Aufwertung         ten Akteuren auf den regionalen und kommunalen Ebenen.
 von Stadtteilen und Stadtzentren gewinnen Maßnahmen zu
 ­Armutsbekämpfung und Verbesserung der Bildungsangebote,
 zur Sicherung der Wohnungsbestände, zur Bereitstellung ge-
 werblich-industrieller Bauflächen oder zur Steigerung der Ener-
gieeffizienz an Bedeutung. Zudem müssen alle Vorhaben
­darauf ausgerichtet sein, die ökonomische und technologische
 Basis der Metropole Ruhr zu stärken.

Im Fokus stehen dabei nicht mehr einzelne Stadtteile, sondern
Perspektiven für – oftmals stadtübergreifende – „Quartiere“ mit
vergleichbaren Sozialstrukturen, Wohnungsbeständen, öffentli-
chen Infrastrukturen oder Unternehmensbesatz. Notwendig sind

                                                                                                                                       | 11
1

    1.1

    Horizontale und vertikale
    ­Zusammenarbeit
    Dieses Prinzip setzt sich auf der Realisierungsebene fort durch      n	Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und
    ­gemeinschaftlich definierte Handlungsfelder und die Entwicklung         ­Innovation
     integrierter Projekte, die zur Bewältigung komplexer Aufgaben       n	Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU

     ­geeignet sind.                                                     n	Förderung der Bestrebungen zur Verringerung der CO -­
                                                                                                                                2
                                                                             Emissionen
    Die Entwicklung „integrierter“ Projekte ist dabei sowohl „horizon-   n	Nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung

    tal“ als auch „vertikal“ zu leisten – und muss neben der kommu-
    nalen auch die staatlichen Ebenen mit einbeziehen.                   Die Auswahl dieser Schwerpunkte bildet im Grundsatz ein gutes
                                                                         Fundament zur Entwicklung integrierter Projekte in der Metro­
    Auf der Ebene der Städte und Kreise führt dies zur Entwicklung       pole Ruhr. Notwendig bleibt eine Flankierung derartiger Vor­
    von Projektgruppen, die noch stärker als bisher Kompetenzen          haben durch kombinierbare Fördermöglichkeiten aus den För-
    und Ressourcen verschiedener Verwaltungsstränge zusammen-            derprioritäten des Europäischen Sozialfonds (ESF).
    führen und auf die Mitwirkung lokaler Akteure setzen. Alle Vorha-
    ben werden regional abgestimmt und in wachsendem Umfang              Die Eckpunkte zu dem OP des ESF in NRW sehen die folgenden
    auch interkommunal durchgeführt.                                     vier inhaltlichen Prioritätsachsen vor:

    Derartige Ansätze können jedoch nur umgesetzt werden, wenn           n	Dauerhafte Eingliederung von jungen Menschen ohne
    die Fördermöglichkeiten auf den staatlichen Ebenen ebenfalls             ­Arbeitsplatz oder Beschäftigung
    integrierbar gedacht sind und mit neuen Finanzierungsformen          n	Anpassung der Arbeitskräfte, Unternehmen und Unternehmer

    verbunden werden können. Dazu werden Förderangebote                      an den Wandel
    ­benötigt, die über Programmgrenzen hinweg kompatibel und            n	Förderung des Zugangs zum lebenslangen Lernen sowie

     kombinierbar sind. Gleichzeitig ist die Bearbeitung von Förder-     n	Aktive sozialen Eingliederung und Bekämpfung der Armut.

     anträgen so zu regeln, dass komplexe Anträge der Kommunen
     zügig und aus einer Hand bearbeitet werden.                         Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat eine Reihe von An-
                                                                         regungen aus der Metropole Ruhr zur Ausgestaltung der „Opera­
    Ein besonderer Stellenwert kommt in diesem Zusammenhang              tionellen Programme“ aufgenommen. Dazu gehören Grundsatz-
    den Regionalfonds EFRE, ELER und ESF der Europäischen Union          beschlüsse zur administrativen Vereinfachung und wechselseitigen
    mit den dazu gehörenden Operationellen Programmen für                Durchlässigkeit von EFRE, ELER und ESF sowie zur inhaltlichen Aus-
    Nordrhein-Westfalen zu. Anders als nationale Programme bieten        gestaltung des Operationellen Programms für den EFRE.
    die Regionalfonds ein inhaltlich breites und regional spezifisches
    Spektrum von Fördermöglichkeiten an. Diese können aber nur
    dann optimal genutzt werden, wenn fördersäulenübergreifende
    Anträge innerhalb eines Fonds und auch fondsübergreifende
    Anträge möglich und im administrativen Vollzug handhabbar
    sind.

    Deshalb beteiligen sich die kommunalen Gebietskörperschaften
    und regionalen Institutionen intensiv am Diskussionsprozess zur
    Ausgestaltung der Operationellen Programme 2014-2020 in NRW.

    Von Bedeutung für kommunal gesteuerte Investitionen in der
    Metropole Ruhr ist vor allem der EFRE-Fonds. Der Entwurf der
    Landesregierung sieht vier Prioritätsachsen für die Förderung vor:

12 Perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

                                                                                                                                1.2

Stadt – Bildung – Klima

                                                                          Oberbürgermeister/in und Landräte in Brüssel – 23.01.2013

Die Metropole Ruhr ist eine zusammenhängende Stadtland-                Wandel, die Veränderung der Sozialstrukturen, innovative
schaft mit rund 4.400 km² und mehr als 5 Millionen Menschen.           ­Prozesse bei Produktion und Dienstleistungen und neue Anfor-
Hier gibt es rund 2,3 Millionen Erwerbstätige, die in kleinen Unter-   derungen an die Mobilität sind in der Metropole Ruhr besonders
nehmen bis hin zu weltweit operierenden Konzernen arbeiten.            sichtbar. Das führt zu neuen Anforderungen an Politik und
Rund 238.000 ­Studenten studieren an 21 Hochschulen. Hier le-          ­Verwaltung – bietet aber zugleich auch neue Chancen der
ben rund 560.000 Menschen mit Migrationshintergrund aus 200            ­wirtschaftlichen Entwicklung. Die Europäische Union hat dies
Nationen. Der ­Anteil von Bürgern über 60 Jahre beträgt bereits         ­erkannt und mit ihrer Entscheidung „zur Stärkung der städte­
27,6 % und wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Ar-           politischen Dimension“ in der Kohäsionsstrategie bestätigt.
beitslosigkeit ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen,
liegt aber mit Werten von mehr als 10 % immer noch deutlich            Deshalb ist die nachhaltige Umgestaltung der gesamten „Stadt-
über dem Durchschnitt der Bundesrepublik Deutschland.                  landschaft“ eine zentrale Herausforderung für die Akteure der
                                                                       ­Region. Dazu gehören viele Module, die konzeptionell gedacht
In den Stadtzentren, den Stadtteilen, den Gewerbegebieten              und in integrierten Projekten umgesetzt werden müssen.
und Freiräumen zeigen sich die Vorteile, aber auch die Heraus­
for­derungen des Zusammenlebens vieler Menschen auf engem              Der Städtebau zur Aufwertung von Stadtzentren oder Stadtteilen
Raum. Innovative Ideen, Projekte und Maßnahmen zur Gestal-             wird ergänzt durch Maßnahmen zur Bewältigung des demogra-
tung der Zukunft gehen von den Menschen in den Städten aus             fischen Wandels, zur Bekämpfung der Armut und zur Integration
und werden in den Städten umgesetzt. Der demografische                 von Zuwanderern. Dies verbindet sich mit Ansätzen zur Steige-

                                                                                                                                        | 13
1

    1.2
    rung des Bildungsniveaus, zur beruflichen und sozialen Quali­         Handlungsfelder Stadt
    fizierung besonders in den Quartieren, die von Verwahrlosung          Drei Handlungsfelder untersetzen diesen Bereich. Dazu gehören
    bedroht sind. Hinzu kommt die räumliche Integration von Hoch-         die nachhaltige Entwicklung gemeindeübergreifender Stadträu-
    schulen und Forschungseinrichtungen in die Stadtgefüge und            me; neue Finanzierungsformen zur Bewältigung der Herausfor-
    die Nutzung ihrer Kompetenzen für die Entwicklung von Inno­           derungen in problematischen Stadtteilen und die regional ab-
    vationen, die dann in der Region selbst erprobt und marktfähig        gestimmte Bereitstellung von Gewerbe- und Industrieflächen
    gemacht werden.                                                       durch konsequente Neunutzung von Industriebrachen.

    Als Motor für Forschung und technische Innovation werden in           Handlungsfelder Klima
    den nächsten Jahren vor allem solche Projekte wirken, die zu          Die klimaorientierte Entwicklung von Stadtquartieren schließt
    einer Steigerung der Energieeffizienz und zur Verbesserung der        Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs ebenso ein
    Klimasituation beitragen. Die Stadtlandschaft in der Metropole        wie Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz durch innovative
    Ruhr ist auf Grund ihrer Siedlungsdichte prädestiniert für Modell-    Mess- oder Speichersysteme sowie der Nutzung von Fernwärme
    vorhaben sowie die serielle Anwendung neuer Technologien in           und den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien aus Sonne,
    diesem Bereich.                                                       Wind oder Biomasse. Bei Neubauten wird grundsätzlich auch
                                                                          das Thema der umweltverträglichen Baustoffe mit gedacht.
    Vor diesem Hintergrund leiten die Städte und Kreise aus den ge-
    meinschaftlich erarbeiteten Analysen drei Schwerpunktthemen           Innerhalb der ausgewählten Stadtquartiere liegen nicht nur
    ab, die als „Perspektiven 2020“ im Mittelpunkt der nachhaltigen       Wohnungsbestände, sondern auch bestehende Gewerbe­
    Stadtentwicklung in der Metropole Ruhr stehen:                        areale oder neu zu nutzende Industriebrachen.

    Stadt – Bildung – Klima.                                              Module zur Senkung von Verbrauchskosten oder zur Steigerung
                                                                          der Energieeffizienz sind auch in Projekten der Handlungsfelder
                                                                          Stadt enthalten.
             Stadt
                                                                          Handlungsfelder Bildung
             Bildung                           Ruhr 2020+                 Die Handlungsfelder im Bereich Bildung setzen auf dem Bil-
                                                                          dungsbericht (2012) und der Leitidee der Bildungsregion Ruhr
             Klima                                                        auf, deren Entwicklung durch ein regionales Bildungsmonitoring
                                                                          untersetzt wird.

    Die drei Schwerpunkthemen sind inhaltlich eng verbunden und           Es sind ebenfalls drei Handlungsfelder vorgesehen. Dazu gehö-
    ergänzen sich wechselseitig. Die Akteure in der Metropole Ruhr        ren eine Neubewertung der Bedeutung von Bildung und Wissen
    stehen damit gemeinschaftlich für einen Innovationsbegriff,           für die Entwicklung der Metropole Ruhr einschließlich der Ver-
    der soziale, kulturelle, technologische, ökonomische, ökolo­          knüpfung bestehender oder neu zu errichtenden Hochschulen
    gische und infrastrukturelle Komponenten enthält.                     mit dem Stadtgefüge, die Zusammenführung von Maßnahmen
                                                                          der Stadterneuerung und einer zielgerichteten Verbesserung
     Für alle drei Bereiche gilt: Die Städte und Kreise verfügen eigen-   der Bildungsangebote in problematischen Stadtteilen und die
     ständig über erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten, die in lokaler     Nutzung der Kompetenzen von Hochschulen und außeruniversi-
     Verantwortung und regionaler Zusammenarbeit – gemeinsam              tären Forschungseinrichtungen für innovative Projekte der Ener-
     mit vielen Partnern aus der Bürgerschaft und der Wirtschaft –        gieeffizienz, der CO2-neutralen Mobilität oder der Optimierung
    wahrgenommen werden. Alle Akteure sind allerdings darauf              des Einsatzes umweltgerechter Baustoffe.
    ­angewiesen, das die entsprechenden Förderprogramme und
     rechtlichen Rahmensetzungen des Landes Nordrhein-Westfalen,
     des Bundes und der Europäischen Union die Umsetzung integ-
     rierter Maßnahmen ermöglichen.

    Gemeinschaftlich entwickelte Handlungsfelder untersetzen die
    drei Schwerpunktthemen. Sie werden integriert gedacht und
    Schritt für Schritt mit entsprechenden Projekten ausgefüllt.

14 Perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

                                                                                                                                         1.3

Integrierte
­Projektentwicklung
                                                                                                        Spatenstich Lohberg – 15.07.2013

Auf dem Fundament der Schwerpunktthemen Stadt – Bildung –                   Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den Sozial-
Klima und der entsprechenden Handlungsfelder entwickeln die                 partner stimuliert werden, die insbesondere auf die Potentiale
Städte schrittweise integrierte Projektansätze, deren Module sich           der starken Wirtschaftszweige Chemie und Energie zielt.
gegenseitig ergänzen.
                                                                       n   	B7 >17 (Hagen/Ennepe-Ruhr-Kreis/Gevelsberg/Ennepetal/
Gemeindeübergreifende Stadträume                                              Schwelm): Städtebauliche Aufwertung entlang der B7;
Die gemeindeübergreifenden Stadträume sind charakterisiert                    Neunutzung von Industriebrachen und Bestandssicherung für
durch besondere Benachteiligungen mit gleichartigen – räum­                   Unternehmen; Durchgängigkeit für Fußgänger und Radfahrer
lichen, ökonomischen, ökologischen oder sozialen – Gegeben-                   entlang der Ennepe; Optimierung von Radverbindungen und
heiten. Gemeinsame Ziele werden über interkommunale Ent­                      lokaler Eisenbahn; Verbesserung des Kleinklimas
wicklungsstrategien und Handlungskonzepte formuliert. Die
entsprechenden Teilprojekte werden lokal im Sinne der gemein-          n   	Entwicklungsraum Emil Emscher – Welheimer Mark (Essen/
samen Ziele umgesetzt.                                                        Bottrop): Zusammenhängende Entwicklung von Gewerbe-
                                                                              und Industrieflächen auf Brachen mit besonderer Berücksich-
Beispiele dafür sind:                                                         tigung der Energieeffizienz; Durchgängigkeit für Fußgänger
n	Emscher-Lippe-Raum (Kreis Recklinghausen/Bottrop/­                        und Radfahrer entlang der Emscher; Einbettung in den groß-
    Gelsenkirchen): Der Emscher-Lippe-Raum ist besonders stark                flächigen Emscher Landschaftspark
    durch die schrittweise Stilllegung des Steinkohlenbergbaus bis
    zum Jahr 2018 betroffen. Neben der Aufbereitung von Brach­         n   	Stadtteilübergreifende Zusammenarbeit für die Stadtteile
    flächen zur Mobilisierung ausreichender Gewerbeflächen steht              ­Gelsenkirchen-Hassel und Herten-Westerholt/Bertlich. Integrier-
    vor Allem die gezielte Stimulierung von wirtschaftlichen Innova-          te Projektentwicklung zweier Städte zur Schaffung von mehr
    tionen im Vordergrund. Dies soll durch eine Intensivierung der            Lebensqualität in vergleichbar strukturierten Stadtteilen unter

                                                                                                                                                 | 15
1

    1.3
        besonderer Berücksichtigung e  ­ iner energetisch ausgerichte-          das Quartier besteht darin, den Wandel vom früheren Stadt­
        ten Stadtsanierung. Im Gesamtprojekte enthalten ist die                teilzentrum zu einem Wohngebiet zu gestalten. Dazu sollen im
        Neunutzung der ehemaligen Zeche Westerholt. Dieses Vor­                Rahmen eines integrierten Handlungskonzeptes unter aktiver
        haben ist Teil der „Vereinbarung Bergbauflächen“ von Kommu-            Einbindung der Herner Stadtentwicklungsgesellschaft auch
        nen, Region, Land NRW, RAG AG und RAG Montan Immobilien.               ­aktive Maßnahmen zum Erwerb, Abriss oder Sanierung von
                                                                                Schrottimmobilien durchgeführt werden.

     Stadtentwicklung mit neuen Finanzierungsformen:
     Ziel ist die Schaffung von flexiblen Instrumenten für Aufkauf,       Gewerbliche Flächenentwicklung:
     ­Sanierung und Weiterveräußerung minderwertiger Wohnungs-            Die kurz-, mittel- und langfristig verfügbaren Potentiale für Ge-
     bestände in Problemquartieren. Angestrebt wird eine Kombi­           werbe- und Industrieflächen sowie die Restriktionen zur Flächen-
     nation von Fördermitteln für unrentierliche Maßnahmen mit            nutzung sind über das „Gewerbliche Flächenmanagement
     ­Förderdarlehen und privaten Mitteln. Dies bedingt neue Formen       Ruhr“ (GFM) umfassend analysiert. Zur Vermeidung von Engpäs-
    der Mittelbewirtschaftung und –Abrechnung zur Erhöhung der            sen bei der Verfügbarkeit ist insbesondere die gemeinschaftlich
    Flexibilität. Als Rahmensetzung und finanzielle Grundlage für         verabredete Neunutzung von Industriebrachen erforderlich.
    ­derartige Maßnahmen bietet sich ein entsprechend ausgestal-
    teter „Stadtentwicklungsfonds“ an.                                    Beispiele sind:
                                                                          n	
                                                                            Vereinbarung Bergbauflächen (Kommunen/Region/Land/RAG-
    Beispiele sind:                                                         Konzern): Für 20 bereits stillgelegte oder demnächst still­zulegende
    n	Stadterneuerungsgesellschaft Gelsenkirchen (SEG): Im                Flächen mit städtebaulicher Relevanz ist eine gemeinsame Ver-
         ­Rahmen einer übergreifenden Auffangstrategie für vernach­         einbarung des Landes, des RAG-Konzerns und der Kommunen
         lässigte Immobilien sollen neben der Instandsetzung und Mo-        abschließend verhandelt. Die Vereinbarung regelt Verantwort-
         dernisierung von Gebäuden auch Abriss- und Neubaumaß-              lichkeiten und Verfahren bei der Vorbereitung und Durchführung
        nahmen um­gesetzt werden – in Übereinstimmung mit einem             der Flächenaufbereitung. Im Rahmen der Vereinbarung werden
        strategischen Masterplan und nach detaillierter Gebäude­            rund 1.000 ha ehemaliger Bergbau­fläche erfasst, die auf der Ba-
        untersuchung. Nach Sanierung oder der Realisierung einer            sis integrierter Konzepte in den nächsten 10 Jahren einer Neunut-
        ­öffentlichen Folgenutzung sollen die Immobilien wieder repri­      zung als Gewerbe- und Industrieflächen, Freizeit- und Erholungs-
         vatisiert werden. Entsprechende Einnahmen werden in weitere        räume oder Wohnbauflächen zugeführt werden sollen.
         Immobilienankäufe und städtebauliche Projekte investiert.
                                                                          n   	
                                                                               Opel I-III (Bochum): Ein definiertes Verfahren zur Neunutzung
    n   Quartiersentwicklung Solbad und Wanne-Süd (Herne): An                der drei Standorte der Adam Opel AG ist eingeleitet. Die Kon-
          ­diesem Standort sind erhebliche städtebauliche Funktionsver-        zeption zielt darauf ab, die zentral im Ruhrgebiet liegenden
           luste und Missstände zu verzeichnen. Eine schwierige sozio­         ­Flächen zusammen mit den Nachbarkommunen, der IHK, der
           demografische Entwicklung, hohe Leerstandsquoten, Schrott­           RUB und der Hochschule Bochum zu international bedeut­
           immobilien, fehlende Nahversorgungsqualitäten sowie die              samen Standorten zu entwickeln. Die Flächen bleiben Industrie-
           Schließung eines Krankenhauses und des Hallenbades kenn-             und Gewerbegebiet und bieten auf Grund Ihrer Größe die
           zeichnen die prekäre Situation. Die planerische Aufgabe für          Chance eines differenzierten Vorgehens. Neben der Produk­

        Umbau Borbecker Mühlenbach

16 Perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

     tionswirtschafts und dem Anlagenbau sollen sich auf den                   über einen neu angelegten Park. Nutzung der angrenzenden
     ­insgesamt rund 160 ha großen Flächen auch weitere Schwer-                Haldenlandschaft zur Produktion von Biomasse.
      punkte wie die Umwelt-, Klima- und Energiewirtschaft ent­
      wickeln. Es ist beabsichtigt, zukunftsfähige und innovative         n   	
                                                                               Untersuchungsbereiche West & Ost (Bochum): Integrierte Pla-
      ­Produktion mit F­ orschung, Entwicklung und Dienstleistung zu           nungskonzeptionen für zwei 60 000 bis 90 000 Einwohner große
      verzahnen. Erste Schritte zur Aufbereitung der Flächen müssten           Stadteile, in denen energetische Maßnahmen im Bestand und
      aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe erfolgen. Die inhalt­               Klimaprojekte mit Wohnraumstrategien, Nahmobilität, Sozialprä-
      liche Qualifizierung und die Unterstützung der Ansiedlungen              vention und Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen kom-
      könnten ergänzend aus dem künftigen Operationellen Pro-                  biniert werden. Von den Kindergärten über die Schulen bis hin zu
      gramm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung                   den Senioreneinrichtungen werden die verschiedensten Einrich-
      (OP EFRE) 2014 – 2020 ­unterstützt werden.                               tungen und Institutionen in die Entwicklung mit eingebunden. Ziel
                                                                               ist es, eine Vielzahl unterschiedlich wirkender Maßnahmen mit­
                                                                               einander zu kombinieren. Dies gilt auch für die Förderansätzen:
Klimaorientierte Quartiersentwicklung:                                         EFRE-Förderung, KfW-Mittel und Fördermittel des Bundes können
Diese Vorhaben zielen auf eine Steigerung der Energieeffizienz,                verbunden werden mit Maßnahmen der Arbeitsverwaltung so-
die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Verbesserung des                     wie Teilbereichen, die nach Städtebauförderung, dem Programm
lokalen Klimas durch umfassende Maßnahmen an Baubestän-                        „Soziale Stadt“ oder „Stadtumbau West“ angegangen werden.
den und klimaneutrale Neubauten sowie den Einsatz und die
Kombination innovativer Technologien für die Erzeugung und
­Verteilung von Strom und Wärme.                                          Stadt und Wissen:
                                                                          Der Neubau von Fachhochschulen, die Modernisierung von
Beispiele sind:                                                           Hochschuleinrichtungen und die Erweiterung von Universitäten
n Innovation City (Bottrop): Ein stadtteilübergreifendes Areal mit       mit zusätzlichen Instituten bieten die Chance, zur innovativen
   rund 70.000 Einwohnern wird sich in den kommenden Jahren               städtebaulichen Verknüpfung von Hochschulflächen mit den
   zum Musterquartier für Energie-Effizienz wandeln. Das konkrete         umliegenden Stadtteilen.
   Ziel: Der Energiebedarf im Pilotgebiet soll, bei gleichzeitiger Ver-
   besserung der Lebensqualität, bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent          Beispiele sind:
   reduziert werden. Die Idee zu dem Projekt wurde im Initiativkreis      n Entwicklungsachse Stadtzentrum/Universität (Bochum)

   Ruhr entwickelt, einem Zusammenschluss von knapp 70 führen-               Die Ermittlung des zukünftigen Bedarfes für Entwicklungsprofile
   den Wirtschaftsunternehmen aus der gesamten Region.                       und wissenschaftliche Cluster können zu mittel- und langfristi-
   Grundlage des Gesamtprozesses ist ein umfassender Master-                 gen Anforderungen synthetisiert werden. Die Planwerke bieten
   plan, der sich querschnittsorientiert mit den Themen des                  die Chance den systematischen Ausbau der akademischen
   ­Gebäudebestandes (Wohnen, Gewerbe, Handel) und der                       Einrichtungen voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass mit der
    ­energetischen Erneuerung, dem Ausbau von dezentralen                    akademischen Forschung und Entwicklung verbundene Inno-
     Energieerzeugnissysthemen, der Mobilität und Freiraumentwick-           vation über vorhandene Unternehmen oder Neugründungen
     lung bis zur Wasserwirtschaft auseinandersetzt. Der zu erarbei-         umgesetzt und in Patenten gesichert werden.
     tende Masterplan wird nach entsprechender politischer Bera-
     tung zudem neue Impulse für die Bauleitplanung und die               n   	Neubau einer Fachhochschule als Ankerpunkt für die
     städtebauliche Entwicklung auslösen. Die Stadt Bottrop konnte             Neunutzung eines Zechengeländes (Kamp-Lintfort):
     den Wettbewerb für sich entscheiden, da eine gute Übertrag-               Der Neubau einer Fachhochschule übernimmt Scharnierfunk­
     barkeit des Masterplanprozesses auf andere Ruhrgebietsstädte              tion für die Verknüpfung der Innenstadt mit dem neu zu nutzen-
     gewährleistet ist.                                                        den Gelände des Bergwerks West. Eine neue Eisenbahnstrecke
                                                                               soll Personen- und Güterverkehr aufnehmen und Innenstadt,
n   	CO2-neutrale Quartiersentwicklung Lohberg (Dinslaken):                   Hochschule sowie neue Dienstleistungs- und Gewerbebereiche
     ­Flächendeckender Einsatz von erneuerbarer Energie, umwelt-               mit dem großräumigen Schienennetz verbinden.
      verträglich erzeugter Fernwärme sowie Erprobung von Spei-
      chertechnologien zur Versorgung eines Stadtquartiers mit rund       n   	
                                                                               Nutzung der Kompetenzen von Hochschulen und außeruni-
      6.000 Bewohnern, denkmalgeschützter Gartenstadt und neu                  versitären Forschungseinrichtungen für innovative Projekte der
      entwickeltem Zechengelände mit Gewerbe, wissensbasierten                 Energieeffizienz, der CO2-neutralen Mobilität oder der Optimie-
      Dienstleistungen und Werkstätten und neuen Wohnungen. Ver-               rung des Einsatzes umweltgerechter Baustoffe im Rahmen von
      bindung zum Freiraum und zum überregionalen Radwegenetz                  Projekten in der gesamten Metropole Ruhr.

                                                                                                                                                   | 17
1

      Rheinpark – Duisburg

    1.4

    Kommunale Projekte
    in der ­EU-Förderperiode
    2007 – 2013
    Für die laufende EFRE-Periode gibt es für Nordrhein-Westfalen    In der Metropole Ruhr entfallen die größten Ausgabenblöcke auf
    innerhalb des Operationellen Programms drei Fördersäulen.        Maßnahmen zur Aufwertung ehemaliger Industriebrachen und
    Dazu gehören „Innovation und wissensbasierte Wirtschaft“, die    Projekte zur Erneuerung und sozialen Stabilisierung von Stadtteilen.
    „Stärkung der unternehmerischen Basis“ und die „Nachhaltige
    Stadt- und Regionalentwicklung“.                                 Ein Beispiel für die Aufwertung brachgefallener Industrieflächen ist
                                                                     die Neunutzung von rund 220 ha auf früheren Flächen der Stahl­
    Der Schwerpunkt bei den kommunal gesteuerten Investitionen       industrie im Dortmunder Stadtteil Hörde, die mit rund 34 Mio. Euro
    in der Metropole Ruhr liegt im Bereich der nachhaltigen Stadt-   aus EU-Mitteln unterstützt wurde. Auf den Flächen von „Phoenix-
    und Regionalentwicklung. Von 2007 bis 2012 wurden hier bislang   West“ werden rund 110 ha an neuen Gewerbe- und Industrie­
    rund 268 Millionen Euro an EU-Mitteln bewilligt.                 flächen entwickelt, deren Besiedelung durch Unternehmen bereits

18 Perspektive 2020
Herausforderungen bis 2020

begonnen hat. Im ehemaligen Bereich von „Phoenix-Ost“ wurden         derzeit sieben Stadtteile durch die Zusammenführung von bauli-
weitere 98 ha ehemaliger Stahlflächen zu einem multifunktionalen     chen Maßnahmen mit bürgerschaftlichen Aktivitäten, Bildungs-
Entwicklungsgebiet umgestaltet. Rund um einen neuen, rund 24 ha      projekten und Angeboten der Wirtschaftsförderung. Insgesamt
umfassenden See entstehen F­ lächen für rund 1.200 Wohneinhei-       profitieren rund 90.000 Bürger von den Projekten zur nachhalti-
ten und rund 5.000 Arbeitsplätze für Dienstleistung und Gewerbe.     gen Stadterneuerung. Gesteuert durch eine Koordinierungsstelle
Viele Wohneinheiten in attraktiver Lage zum See und eine ­Reihe      arbeiten alle Verwaltungsbereiche bei der Projektentwicklung
von Neubauten für ­Büros sind bereits fertiggestellt.                zusammen. Zur Finanzierung werden neben den EU-Mittel ziel-
                                                                     gerichtet auch Förderprogramme des Bundes und des Landes
Im Bereich der Stabilisierung von Stadtteilen entwickelt die Stadt   eingesetzt. Das Gesamtvolumen der öffentlichen Mittel beträgt
Gelsenkirchen im Rahmen eines gesamtstädtischen Konzepts             im Zeitraum 2010 – 2013 rund 41 Mio. Euro.

                                                                                                                                       | 19
2

        TEIL 2        Konzept Ruhr/Wandel
                      als Chance 2007 – 2013

20 Perspektive 2020
Konzept Ruhr/Wandel als Chance 2007 – 2013

                                             Neue Aussichtsterrasse Nordstern – Gelsenkirchen

                                                                                                | 21
2

      Rheinpark – Duisburg

22 Perspektive 2020
Konzept Ruhr/Wandel als Chance 2007 – 2013

                                                                                                                           2.1

Anlass für
die ­Zusammenarbeit
Anlass für das Gemeinschaftsprojekt „Konzept Ruhr“               In der Folge haben die interkommunalen Arbeitsgemeinschaf-
war im Jahr 2007 der Beginn einer neuen EU-Förder­               ten zu „Konzept Ruhr“ und „Wandel als Chance“ seit 2007 die
                                                                 nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung in der Metropole
periode. Aus Sicht der beteiligten Kommunen war es
                                                                 Ruhr mit inhaltlichen Impulsen und einer umfassenden Projekt-
­sinnvoll, vor diesem Hintergrund gemeinsame Ziele zu            dokumentation begleitet. Zu den inhaltlichen Impulsen zählen
formulieren und die entsprechenden Vorhaben unter­               die Formulierung übergreifender Entwicklungsperspektiven für
einander abzustimmen.                                            diejenigen Kommunen, die von der Stilllegung des Steinkohlen-
                                                                 bergbaus betroffen sind oder die Anregung systematischer
Anlass für das Gemeinschaftsprojekt „Konzept Ruhr“ war im Jahr   Analysen – zum Beispiel im Bereich der Bildung oder der ge-
2007 der Beginn einer neuen EU-Förderperiode. Aus Sicht der      werblichen Flächenentwicklung. Auch die Verständigung auf
beteiligten Kommunen war es sinnvoll, vor diesem Hintergrund     die aktuellen Schwerpunktthemen Stadt – Bildung – Klima geht
gemeinsame Ziele zu formulieren und die entsprechenden Vor-      auf die gemeinsame Diskussion in der Arbeitsgemeinschaft
haben untereinander abzustimmen.                                 ­Konzept Ruhr zurück.

                                                                        10. Jahrestag der Städteregion Ruhr 2030 – 07.06.2013

                                                                                                                                 | 23
2

      PhoenixSee – Dortmund

    2.2

   Entwicklung Konzept Ruhr
    Die Arbeiten zum Konzept Ruhr wurden im Jahr 2007 begonnen.         Städtebau ausgerichtete Zusammenarbeit zu kurz greifen wür-
    Konkreter Anlass war die Startphase der neuen Ziel 2-Förderperi-    de. Die Ausarbeitung des Konzepts Ruhr war daher von Anbe-
    ode. Seitens der Landesregierung wurde in diesem Zusammen-          ginn auf die Formulierung übergreifender Ziele für eine nachhal-
    hang eine Verständigung der Region über zu fördernde Projek-        tige Stadt- und Regionalentwicklung ausgerichtet. Dafür wurden
    te im Bereich der Stadterneuerung eingefordert. Zunächst            zunächst die „ruhrbasics“ als räumlich-inhaltliches Modell für
    bildeten sich drei teilregionale Arbeitsgemeinschaften – im Kreis   die nachhaltige Regionalentwicklung definiert.
    Recklinghausen, im Kreis Unna und im Rahmen der erweiterten
    Arbeitsgemeinschaft Städteregion Ruhr 2030 – die sich auf Initia-   Dazu gehören
    tive verschiedener Kommunen und der Wirtschaftsförderung            n	
                                                                          die Ost-West-Achsen entlang Ruhr, A 40, Emscher/A 42 und
    metropoleruhr GmbH nach wenigen Monaten zur „interkommu-              Lippe (ruhrlines),
    nalen Arbeitsgemeinschaft Konzept Ruhr“ zusammenschlossen.            die Qualität der Zentren und Stadtteile (ruhrcities),
                                                                        n	

    Kurz darauf traten der Ennepe-Ruhr Kreis mit einer Reihe kreisan-   n	
                                                                          die Entwicklung hochwertiger Gewerbe- und
    gehöriger Kommunen sowie eine Reihe von Städten aus dem               ­Industriestandorte (ruhrexcellence),
    Kreis Wesel der interkommunalen Arbeitsgemeinschaft bei.            n	
                                                                          die Schaffung von Rahmenbedingungen für weitere private
                                                                          Investitionen in den Entwicklungsräumen (ruhrinvest)
    In der konkreten Diskussion wurde bald deutlich, dass aus Sicht     n	
                                                                          und die darauf basierende Vorbereitung überregional
    der Städte und Kreise eine allein auf Förderzusagen im Bereich        ­wahrgenommener Ereignisse (ruhrevents).

24 Perspektive 2020
Konzept Ruhr/Wandel als Chance 2007 – 2013

Im Rahmen des Berichts 2010 zu „Umsetzung und Perspektiven“ des        Die kommunalen Gebietskörperschaften haben im Rahmen ih-
Konzepts Ruhr wurde das räumliche Gliederungsmodell der „ruhr-         rer Projekte eine klare Priorisierung ihrer eigenen Vorhaben im
basics“ durch den thematischen Dreiklang „Stadt – Bildung – Klima“     Hinblick auf Dringlichkeit und Finanzierbarkeit geschaffen. Diese
ergänzt. Inspiriert durch Impulse im Rahmen von Konzept Ruhr, kon-     Notwendigkeit zur Prioritätensetzung im Rahmen des Konzepts
kreten Vorhaben im Rahmen von Wandel als Chance, den regio-            Ruhr hat erheblich zu einer Beschleunigung der Entscheidungs-
nalen Wettbewerb „Innovation City“ oder die mögliche Beteiligung       prozesse in den Kommunen beigetragen.
bei europäischen Wettbewerben (European Green Capital) disku-
tieren die Städte und Kreise seither neue Formen der Projektentwick-   Die interkommunale Arbeitsgemeinschaft „Konzept Ruhr“ wird
lung und der interkommunalen Zusammenarbeit. Der Stand dieser          ihre Tätigkeit auf der Basis der neu definierten Schwerpunktthe-
Diskussion wird in dem vorliegenden Bericht wiedergegeben.             men und Handlungsfelder fortsetzen.

Im Gegensatz zu früheren Jahren standen ab 2007 keine Förder-
programme mehr ausschließlich für Maßnahmen in der Metro-
pole Ruhr zur Verfügung. Alle Projekte mussten im Wettbewerb
mit anderen Teilregionen des Landes bestehen können. Ein
­wesentliches Kriterium in diesem Wettbewerb war die regionale
 Abstimmung der Vorhaben.

                                                                                                                                           | 25
2

      Bergwerk West – Kamp-Lintfort

    2.3

    Projektmonitoring
    Wesentlicher Bestandteil des Konzepts Ruhr ist ein begleitendes –     Durch die Verschärfung der kommunalen Finanzlage wurden
    und jährlich aktualisiertes – Projektmonitoring zu denjenigen Vor-    seit 2007 viele langfristig angelegte Vorhaben gestrichen oder
    haben, die aus Sicht der kommunalen Gebietskörperschaften             bereits laufende Maßnahmen in ihrem Finanzvolumen gekürzt.
    von Bedeutung für die nachhaltige Stadt- und Regionalentwick-
    lung in den nächsten zehn Jahren sind. Dabei werden Vorhaben          Die aktuelle Projektliste zeigt, dass sich dennoch eine Vielzahl
    der gewerblichen Flächenentwicklung, der Freiraumentwicklung          von Maßnahmen in der Umsetzung befindet oder bereits abge-
    oder städtebaulich bedeutsame Maßnahmen zur Umgestaltung              schlossen werden konnte. Zudem wird sichtbar, in welchem Um-
    des Emscher-Systems ebenso einbezogen wie Projekte, die unmit-        fang die Kommunen noch mit eigenen Mitteln in Projekte der
    telbar auf die logistische Unterstützung der Kulturhauptstadt Euro-   nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung investieren – und
    pas im Jahr 2010 zielten. Zudem wurden von Anbeginn nicht nur         aus welchen Förderprogrammen im Zuge des Konzepts Ruhr
    die absehbaren Gesamtkosten oder notwendige Fördermittel,             eine Förderung aus Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln akquiriert
    sondern auch prognostizierbare private Folgeinvestitionen erfasst.    werden konnte.

    Die aktuelle Projektliste sowie umfangreiche Erläuterungen zu         Mit Vorlage des Statusberichts „Perspektive 2020“ zum Jahres-
    den kommunalen Einzelvorhaben und Projektfamilien sind mit            wechsel 2013/2014 wird das Projektmonitoring nach den bislang
    dem jeweils aktuellen Stand auch im Internet unter                    vereinbarten Kriterien mit einer zusammenfassenden Darstellung
    www.konzept-ruhr.de abrufbar.                                         abgeschlossen.

26 Perspektive 2020
Konzept Ruhr/Wandel als Chance 2007 – 2013

2.4

Entwicklung
Wandel als Chance
Das interkommunale Positionspapier „Wandel als Chance“ ent-              Gemeinschaftliche Folgeprojekte in den Bereichen Bildung und
stand im Jahr 2008 als Reaktion der betroffenen Städte und Kreise        Gewerbliche Flächenentwicklung wurden begonnen und teilwei-
der Metropole Ruhr und des Kreises Steinfurt auf die Beschlüsse von      se bereits abgeschlossen.
Bund, Land und EU zur Beendigung der Subventionierung und zur
schrittweisen Stilllegung der Steinkohlenförderung bis zum Jahr 2018.    Im Handlungsfeld „wirtschaftliche Innovation und Forschung“
                                                                         ­haben die Städte und Kreise immer wieder auf Umsetzungspro-
Ziel der jährlich fortgeschrieben Positionierung war es, den ­Wegfall     bleme in der aktuellen EU-Förderperiode hingewiesen. Dies hat
von bis zu 53.000 Arbeitsplätzen in der Metropole Ruhr und im Kreis       dazu geführt, dass die Landesregierung Nordrhein-Westfalen bei
Steinfurt durch eine vorausschauende Strategie zu kompensieren            der Vorbereitung des operationellen Programms zum EFRE-Fonds
und dafür einen Konsens mit den staatlichen ­Ebenen der Bundes-           für die Jahre 2014-2020 erhebliche Modifikationen in diesem
republik Deutschland und der europäischen Union zu finden. Das            ­Bereich vorgenommen hat.
Positionspapier „Wandel als Chance“ vom September 2008 formu-
liert drei Handlungsfelder mit insgesamt 25 Projekten, die an staatli-   Gemeinschaftliche Folgeprodukte
che Ebenen adressiert sind, aber zugleich eine Selbstverpflichtung       Aus der interkommunalen Zusammenarbeit im Rahmen von
der beteiligten Kommunen und Kreise bedeuten.                            ­Konzept Ruhr/Wandel als Chance sind „gemeinschaftliche
                                                                         ­Folgeprodukte“ entstanden, die zu den Fundamenten für die
Die drei Handlungsfelder                                                  ­Entwicklung integrierter Projekte in den Schwerpunktthemen
n	Fördern + Begleiten (Bildung)                                          und Handlungsfeldern der „Perspektive 2020“ gehören.
n	Neu nutzen + Entwickeln (Gewerbliche Flächenentwicklung
   und Vermarktung)
n	Erneuern + Erfinden (Wirtschaftliche Innovation und F­ orschung).
sind im Wesentlichen auf den Weg gebracht.

                                                                                                       Bergwerk West – Kamp-Lintfort

                                                                                                                                           | 27
2

                Konzept Ruhr 2013

28 Perspektive 2020
Projektübersicht 2013

                        | 29
2

    2.5

    Bildungs­
    region Ruhr
    Die Idee der „Bildungsregion Ruhr“ zielt darauf ab, das Thema
    Bildung als interdisziplinär gedachten Ansatz für die Entwicklung
    regionaler und interdisziplinärer Projekte – für den Bildungsbe-
    reich, aber auch für die Stadterneuerung und die Wirtschaftsför-
    derung – im gesamten Ballungsraum zu platzieren.

    Als gemeinschaftliche Grundlage wurde der „Bildungsbericht
    Ruhr“ im Auftrag des RVR – mit Unterstützung der Stiftung Merca-
    tor – durch ein wissenschaftliches Konsortium unter Federfüh-
    rung des Dortmunder „Instituts für Schulentwicklungsforschung
    (IFS)“ erarbeitet und 2012 vorgestellt. Wesentlicher Bestandteil
    des Entstehungsprozesses war ein umfassendes Beteiligungsver-
    fahren mit Institutionen und Personen des gesamten Bildungs-
    spektrums in der Metropole Ruhr.

    Der Bildungsbericht Ruhr befasst sich mit der gesamten
    ­Bildungsbiografie und bezieht sich auf folgende Module:
     n	Frühkindliche Bildung
     n	Allgemeinbildende Schulen
     n	Berufliche Bildung/Fort- und Weiterbildung
     n	Hochschulbildung und
     n	Informelles Lernen

    Auf der Basis einer umfassenden Analyse werden Empfehlun-
    gen zur Optimierung der Bildungslandschaft in der Metropole
    Ruhr gegeben, die schrittweise von den einzelnen Kommunen,
    der Gemeinschaft der Städte und Kreise oder von den Städten
    und Kreisen im Zusammenwirken mit dem Land Nordrhein-West-
    falen, Unternehmen und Institutionen umsetzbar sind.

    Die Umsetzung der Empfehlungen des Bildungsberichts Ruhr
    wird – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – derzeit vom RVR
    und den Kommunen sowie der Stiftung Mercator in Zusammen-
    arbeit mit ausgewählten Kommunen geleistet. Dazu gehören
    zum Beispiel die Erarbeitung einer einheitlichen Bildungsstatistik
    und der systematische Austausch zu grundsätzlichen Fragen
    der Entwicklung von Bildungsangeboten.

    In der nächsten Phase des Konzepts Ruhr wird das Thema Bil-
    dung im Rahmen der drei Schwerpunktthemen und den daraus
    abgeleiteten Handlungsfeldern weiter an Bedeutung gewinnen.
    Dabei stehen Vorhaben im Mittelpunkt, in denen die Optimie-
    rung des Bildungssystems mit Aufgaben der Stadtentwicklung
    verbunden wird.

30 Perspektive 2020
Gemeinschaftliche Folgeprojekte

                                  Neubau Hörsaalzentrum Universitätsviertel – Essen

                                                                                      | 31
2

      Gewerbepark Nordstern – Gelsenkirchen

    2.6

   Gewerbliche
   ­Flächenentwicklung
    Die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH (wmr) hat auf der         n	
                                                                            Abbau vermarktungshemmender Förderbedingungen
    Grundlage des Flächeninformationssystems ruhrAGIS (Atlas der          n	
                                                                            Mobilisierung von Betriebserweiterungsflächen
    Gewerbe – und Industriestandorte Ruhr) zunächst im Jahr 2009 die
    Analyse „Wirtschaftsflächen Ruhr“ vorgelegt. Auf der Basis einer      Im Rahmen der Phase II des GFM haben die wmr, der RVR und
    fundierten Darstellung tatsächlich verfügbarer gewerblicher Bau-      die Städte und Kreise mit der Umsetzung der Werkzeuge begon-
    flächen in der Metropole Ruhr wurde die zwischenzeitlich unterbro-    nen und ihre Wirksamkeit getestet. Als Zwischenergebnis ist fest­
    chene Förderbereitschaft des Landes zur Sanierung und infrastruk-     zuhalten, dass im Laufe des Jahres 2013 rund 75 ha restriktionsbe-
    turellen Entwicklung von Gewerbe- und Industrieflächen reaktiviert.   lasteter Flächen neu genutzt werden konnten und für rund 80 ha
                                                                          die Behebung von Restriktionen eingeleitet wurde.
    Seit 2011 läuft in Verantwortung der wmr und in enger Zusammen-
    arbeit mit Kommunen und RVR das Projekt „Gewerbliches Flä-            Die detaillierten Ergebnisse der Phase II werden zum Jahresende
    chenmanagement Ruhr (GFM)“ mit einer kontinuierlichen und             2013 in einem „Marktbericht II“ festgehalten. Diese Ergebnisse bil-
    umfassenden Analyse der gewerblichen Potentialflächen und             den die Grundlage für weitere, gemeinschaftliche Aktivitäten von
    ihrer Nutzungsrestriktionen. Der daraus Ende 2012 entwickelte         Kommunen, RVR und wmr zur Mobilisierung restriktionsbelasteter
    „Marktbericht“ kommt zu dem Ergebnis, das rund 43 % der ge-           Flächen im Jahr 2014.
    werblich- industriellen Flächenpotentiale von Nutzungsrestriktio-
    nen betroffen sind. Um einer absehbaren Verknappung von               Zudem ist vorgesehen, im kommenden Jahr in einer Phase III
    ­Flächen entgegen zu wirken, formuliert der Marktbericht sechs        die analytische Basis des GFM weiter zu stärken. Vorgesehene
     Werkzeuge zu Abbau von Nutzungsrestriktionen auf planerisch          Schwerpunkte sind eine vertiefte Analyse möglicher Flächenpo-
     gesicherten gewerblichen Bauflächen:                                 tentiale auf den vorhandenen Betriebserweiterungsflächen und
     n	Abbau hoher Preisvorstellungen                                    ein Abgleich der flächenbezogenen Daten mit den Daten der
     n	Abbau geringfügiger Restriktionen                                 „Beschäftigungsdatei“. Dieser Abgleich wird erstmals umfassende
     n	Brachflächensanierung                                             Informationen über die Zusammenhänge von gewerblich-indust-
     n	Systematischer Flächentausch                                      rieller Flächenentwicklung und den Beschäftigungswirkungen bei
                                                                          der Inanspruchnahme der Flächen durch Unternehmen liefern.

32 Perspektive 2020
Gemeinschaftliche Folgeprojekte

                                                                                                                            2.7

Vereinbarung
­Bergbauflächen
Auf Grund eines Vorschlags der interkommunalen Arbeitsge-          5.	Dorsten – ehem. Schachtanlage Fürst Leopold
meinschaft „Wandel als Chance“ verhandeln die betroffenen          6.	Dorsten – Fläche ehem. Kohlehafen
Städte und Kreise, die Landesregierung Nordrhein-Westfalen,        7.	Duisburg – ehem. Schacht Fritz im Ortsteil
RAG AG und RAG Montan Immobilien GmbH sowie der Regio-                   Rumeln-Kaldenhausen
nalverband Ruhr (RVR) eine „Vereinbarung zur vorausschauen-        8.	Essen – Emil Emscher/Hafen Coelln
den Revitalisierung bedeutsamer Bergbauflächen“.                   9. Gelsenkirchen/Herten – ehem. Bergwerk Westerholt
                                                                   10.	Hamm– ehem. Bergwerk Ost
Die Vereinbarung bezieht sich auf insgesamt 20 regionalökono-      11.	Herne – General Blumenthal XI
misch und städtebaulich bedeutsame Flächen in 17 Städten.          12.	Herten – ehem. Bergwerk Schlägel & Eisen 3/4/7
Diese – bereits stillgelegten oder zur Stilllegung anstehenden –   13.	Ibbenbüren – Bergwerk Anthrazit
Flächen liegen zentral im Stadtgebiet oder in unmittelbarer        14.	Kamp-Lintfort – ehem. Bergwerk West
Randlage zu bestehenden Siedlungsarealen.                          15. Marl – Bergwerk Auguste Victoria
                                                                   16. Mettingen – Bergwerk Anthrazit – Nordschacht
Ziel der Vereinbarung ist es, in gemeinschaftlicher Verantwor-     17.	Neukirchen-Vluyn – Niederberg 1I2I5
tung „auf der Grundlage der vorhandenen regionalen Kon­            18.	Oberhausen – Zeche Sterkrade 1/2
zepte eine nachhaltige Folgenutzung regionalökonomisch und         19.	Oberhausen – Logistikpark Waldteich
städtebaulich bedeutsamer, bereits stillgelegter oder zur Still­   20.	Recklinghausen – Gewerbliche Mitte Recklinghausen
legung vorgesehener Bergbauflächen“ anzustreben.                        ­Blumenthal

Der Entwurf der Vereinbarung bezieht sich auf folgende Flächen:    Die Gespräche wurden im November 2013 abgeschlossen. Es
1. Bergkamen – ehem. Bergwerk Haus Aden                            folgen ein Beschluss der Landesregierung und entsprechende
2. Bottrop – Bergwerk Prosper II                                   Beschlussfassungen in den Stadträten und Kreistagen sowie
3. Bottrop – Bergwerk Prosper Haniel                               bei den Bergbauunternehmen. Die Unterzeichnung der Verein-
4.	Dinslaken – Kreativ.Quartier Lohberg                            barung kann voraussichtlich zu Jahresbeginn 2014 erfolgen.

                                                                                              Spatenstich Lohberg – 15.07.2013

                                                                                                                                  | 33
3

          TEIL 3      Projektübersicht

34 Perspektive 2020
Projektübersicht

                   Lippepark – Hamm

                                      | 35
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