Leipziger Universitätsverlag - AVA - Akademische Verlagsanstalt NEUERSCHEINUNGEN 2018 - Leipziger Universitätsverlag
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1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 1
Leipziger Universitätsverlag
AVA – Akademische Verlagsanstalt
NEUERSCHEINUNGEN 20181. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 2
Liebe Freunde des Hauses,
wenn die Leipziger Buchmesse 2018 ihre Pforten senen und nun ihnen zustehenden Teil der Tantie-
öffnet, liegt die Bundestagswahl fast taggenau ein men zu verzichten. Dies geschah in einem anonymi-
halbes Jahr zurück; aber wir haben immer noch keine sierten Verfahren und führte im Fall unseres Hauses
Regierung. Nun könnte man sich bequem zurückleh- dazu, dass sich die Forderung, die zum 31. August
nen und sagen, dass das nicht besorgniserregend ist. 2017 eingetrieben worden ist, auf 11.713,67 EUR
Schließlich funktioniert das Land in seiner Gesamt- reduzierte.
heit und noch dazu versichern uns die Nachrichten, Das war für uns eine enorme Marscherleichte-
dass die Wirtschaft unverändert „brummt“. Also rung und wir möchten allen Herausgebern und Auto-
alles bestens? ren, die zugunsten unseres Hauses auf ihnen infolge
Nein, das wäre für uns Verlage sehr kurzsichtig des sogenannten Vogel-Urteils nun zustehendes
geurteilt, denn es stehen drängende Probleme im Geld verzichtet haben, sehr herzlich danken. Insbe-
Raum: Ein Fortbestand der Rechtewahrnehmung sondere vor dem Hintergrund, dass wir inzwischen
von Autoren und Verlagen in einer Verwertungs- wissen, dass von der im Raum stehenden Gesamt-
gesellschaft wie der VG Wort ist dringend zu regeln, summe von 80 Millionen EUR insgesamt 5,8 Millio-
wozu auch in Brüssel deutsche Aktivität vonnöten nen EUR bei den Verlagen verbleiben konnten, sind
ist. Denn ein Reformpaket der EU-Kommission in wir mit der faktischen Verminderung der Rückzah-
dieser Sache liegt auf dem Tisch, nun bedarf es ge- lungssumme auf ein Drittel der ursprüngliche Forde-
meinsamer Anstrengungen, eine alle Seiten befrie- rung sehr zufrieden. Wir sehen dies, da es zweifellos
digende Lösung zu verhandeln. Daneben und ebenso nicht allen Herausgebern und Autoren so gut geht,
bedeutsam: Am 1. März tritt hierzulande das Urhe- dass sie nicht wüßten, wohin mit ihrem Geld, als
berrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz in Kraft, das eine großartige solidarische Geste. Es ist zudem eine
eine deutliche Ausdehnung der Nutzung von Schrift- phantastische Geste der Ermutigung, zeigt sie doch,
gut vorsieht, ohne dass Verlage an der Vergütung be- das auch sie, unsere Herausgeber und Autoren, der
teiligt werden. Auch hier besteht Handlungsbedarf, Überzeugung sind, dass wir einander brauchen und
ein „Runder Tisch“ zur Erörterung und Regelung aller dass das gute Buch nur im Miteinander gelingt, bei
damit zusammenhängenden Fragen war schon in der dem sie uns auf diese Weise großes Vertrauen
vorhergehenden Legislaturperiode im Gespräch. schenken.
Freilich bedarf es, damit er verwirklicht werden kann, Nicht zuletzt auch diese Generosität ermutigt
auch dazu der neuen Regierung, und noch wissen uns, in diesen turbulenten Zeiten, deren Geistesferne
wir nicht einmal, wie sie aussehen wird ... zuletzt immer lauter beklagt worden ist, dennoch vor
Mit dem Stichwort VG Wort kommt zugleich die allem optimistisch in die Zukunft zu schauen, an un-
zurückliegende Entwicklung in den Blick, die hier un- sere Herausgeber und Autoren und natürlich die
bedingt Erwähnung finden sollte, denn in diesen für Leser zu glauben, weshalb wir in Zukunft in bewähr-
die Verlage turbulenten Zeiten war sie mit einer über- ter Weise weiterarbeiten möchten. Denn es ist un-
aus optimistisch stimmenden Erfahrung verbunden. sere feste Überzeugung, dass das Buch auch künf-
Sie alle kennen die Konstellation: Durch ein Gerichts- tighin gebraucht wird, gerade das schön gestaltete
urteil aus dem April 2016 wurde eine Rückzahlung und solide ausgeführte Buch ...
der in den vorangegangenen Jahren erhaltenen
Tantiemen der Ausschüttung der VG Wort unver- Ich wünsche Ihnen stets eine gute Zeit mit Büchern
meidlich. Dem Leipziger Universitätsverlag ist zu-
nächst eine Forderung in Höhe von 35.275,25 EUR Ihr
zugestellt worden. Es war zeitgleich die Möglichkeit
geschaffen worden, Herausgeber und Autoren zu
bitten, auf den ursprünglich ihren Verlagen überwie-1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 1
Neuerscheinungen 1
NEUERSCHEINUNGEN
Alexander Zirr
Die Schweden in Leipzig
Die Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg (1642–1650)
(Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Leipzig, Band 14)
Vor vier Jahrhunderten begann in Prag ein Konflikt, in
dem sich lang angestaute politische, religiöse und reichs-
konstitutionelle Spannungen entluden. Er löste einen ver-
heerenden Krieg aus, der rasch den Großteil des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation erfasste und in
30 Jahren schier endloses Leid für die Bevölkerung, eine
enorme Zahl von Toten und eine massive Vernichtung
von Werten mit sich brachte. Mit dem Eingreifen auswär-
tiger Mächte, namentlich des Königreiches Schweden,
gewann dieser Krieg eine gänzlich neue, eine europäi-
sche Dimension.
Das Buch von Alexander Zirr widmet sich der schwe-
dischen Besetzung Leipzigs von 1642 bis 1650, die bisher
weder in der allgemeinen Forschung zum Dreißigjähri-
gen Krieg noch in der Leipziger Stadtgeschichtsschrei-
bung eingehender untersucht worden ist. In jenem Krieg
war die schon damals finanzstarke Stadt ein Messe- und
Handelsplatz von überregionaler Bedeutung, der heftig
umkämpft wurde. Kaiserliche und schwedische Truppen
standen sich hier mehrfach gegenüber, die Belagerun-
2018, 939 Seiten, Hardcover
gen mündeten dabei stets in erbittert geführte Kämpfe.
98,00 EUR
Nach der zweiten Schlacht von Breitenfeld im Herbst
° ISBN 978-3-96023-169-1
1642 nahmen die Schweden die Stadt ein und hielten sie
bis zur endgültigen Bezahlung der in den Friedensver-
handlungen zu Münster und Osnabrück ausgehandelten Satisfaktionsgelder im Sommer 1650 besetzt.
Anhand der reichen Bestände in deutschen und schwedischen Archiven zeichnet der Autor diese
Geschehnisse nach, untersucht die Struktur und die Funktionsweisen der schwedischen Militärverwal-
tung sowie die politischen, ökonomischen und militärischen Folgen der Einnahme Leipzigs. Dabei wird
einerseits dem spannungsreichen Verhältnis zu den städtischen Institutionen und zur Bevölkerung der
Pleißestadt nachgegangen, andereseits wird den zugleich auch stabilisierend wirkenden Elementen
der Besatzungsherrschaft Aufmerksamkeit geschenkt.
Alexander Zirr studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaften und Historische Hilfs-
und Archivwissenschaften in Leipzig und Uppsala. Mit der hier vorgestellten Arbeit promovierte er
2015 in Leipzig. Derzeit ist Alexander Zirr an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel tätig.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 2
2 Neuerscheinungen
1000 Jahre Leipzig –
Die große vierbändige Stadtgeschichte
Zum Jahre 1015 notierte Bischof Thietmar von Merseburg den Ort Libzi in seiner Chronik. Aus
Anlass des tausendjährigen Jubiläums dieser ersten schriftlichen Erwähnung Leipzigs erscheint
eine moderne vierbändige Stadtgeschichte, die sich an einen breiten, historisch interessierten
Leserkreis wendet. Die Gesamtdarstellung vermittelt anschaulich die wechselvolle Geschichte
der Stadt und ihrer Bewohner von den Anfängen bis zur Gegenwart. Das Spektrum der behan-
delten Themen umfasst die politische Geschichte ebenso wie die Wirtschafts-, Sozial- und Kirchen-
geschichte bis hin zur Kultur- und Alltagsgeschichte, wobei die prägenden Kräfte städtischen
Lebens besonders im Blick stehen. Zahlreiche farbige Abbildungen, Karten, Grafiken und Tabel-
len erläutern die Darstellung.
Der erste Band der „Geschichte der Stadt Geschichte der Stadt Leipzig
Leipzig“ ist im Winter 2015 erschienen, Herausgegeben im Auftrag des
jährlich folgt ein Band. Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig
von Enno Bünz, Detlef Döring (†),
Die Gesamtausgabe inklusive Schmuck- Ulrich von Hehl und Susanne Schötz
schuber wird im Jahr 2018 vorliegen.
Gesamtausgabe in vier Bänden
ca. 3900 Seiten, 196,00 Euro
Leineneinband mit Schutzumschlag
° ISBN 978-3-86583-810-0
Gesamtausgabe im Schmuckschuber
ca. 3900 Seiten, 211,00 Euro
Leineneinband mit Schutzumschlag
° ISBN 978-3-86583-811-7
Lichterfest in Leipzig1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 3
Neuerscheinungen 3
DIE HERAUSGEBER
E N N O B Ü N Z ist Inhaber des Lehrstuhls für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig und
Direktoriumsmitglied des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. in Dresden. Seine Forschungs-
schwerpunkte bilden die deutsche und vergleichende Landesgeschichte, die Geschichte des Hoch- und Spät-
mittelalters und der Reformationszeit sowie die Historischen Hilfswissenschaften.
DETLEF DÖRING (†) war Außerplanmäßiger Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität
Leipzig und leitete zudem die Arbeitsstelle „Edition des Briefwechsels von Johann Christoph Gottsched“ bei der
Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Der Fokus seiner Forschungen lag auf der Wissenschafts-
und Universitätsgeschichte der Frühen Neuzeit, der europäischen Geistes- und Ideengeschichte und auf der
Geschichte der Leipziger Aufklärung.
ULRICH VON HEHL war von 1992 bis 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an
der Universität Leipzig. Die Schwerpunkte seiner Forschung bilden die Geschichte des Nationalsozialismus, die
Geschichte der Weimarer Republik und des Kaiserreichs, Universitätsgeschichte und Katholizismusforschung
sowie die Leipziger Stadtgeschichte.
SUSANNE SCHÖTZ ist Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Technischen Universität
Dresden. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf die Geschichte des Handels, das Verhältnis von Arbeit
und Herrschaft sowie auf die historische Frauen- und Geschlechterforschung.
Historische Stadtansichten Leipzigs1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 4
4 Neuerscheinungen
Band 1 Band 2
G E S C H I C H T E D E R S TA D T L E I P Z I G G E S C H I C H T E D E R S TA D T L E I P Z I G
Von den Anfängen bis Von der Reformation bis
zur Reformation zum Wiener Kongress
herausgegeben von Enno Bünz herausgegeben von Detlef Döring (†)
▪ Naturräumliche Grundlagen, Landschaft ▪ Stadtverfassung und Stadtverwaltung
und Klima ▪ Handwerk, Manufaktur und Handel
▪ Archäologische Spuren aus der Vor- und ▪ Stadtbefestigung, Vorstädte und Leipziger
Frühgeschichte Umland
▪ Slawen im Leipziger Raum ▪ Kirchliches und religiöses Leben
▪ Leipzig als Burgwardmittelpunkt ▪ Gesundheitswesen, Hospitäler, Armenwesen
▪ Entstehung der Stadt (12./13. Jahrhundert) ▪ Leipzig als Messeplatz
▪ Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelalter ▪ Buchhandel, Verlage und Bibliotheken
▪ Stadtverfassung und Stadtverwaltung im ▪ Universität, Schulen und Sozietäten
späten Mittelalter ▪ Architektur und Stadtbild
▪ Stadtbefestigung, Vorstädte und ▪ Bildhauerkunst und Malerei
Leipziger Umland ▪ Musikalisches und literarisches Leben
▪ Anfänge des Messeplatzes Leipzig ▪ Leben in der Stadt, Alltag und
▪ Kirchliches Leben, Religiosität und Frömmigkeit soziale Zustände
▪ Bildung, Schulwesen, Universität ▪ Leipzig im Dreißigjährigen Krieg
▪ Architektur, bildende Kunst, Musik, ▪ Napoleonische Herrschaft, Freiheitskrieg,
literarisches Leben Völkerschlacht
▪ Der lange Weg zur Reformation 1517–1539 ▪ Dörfer im späteren Leipziger Stadtgebiet
2015, 1055 Seiten, 49,00 Euro 2016, 1039 Seiten, 49,00 Euro
Leineneinband mit Schutzumschlag Leineneinband mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-86583-801-8 ISBN 978-3-86583-802-51. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 5
Neuerscheinungen 5
Band 3 Band 4
G E S C H I C H T E D E R S TA D T L E I P Z I G G E S C H I C H T E D E R S TA D T L E I P Z I G
Vom Wiener Kongress bis zum Vom Ersten Weltkrieg
Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart
herausgegeben von Susanne Schötz herausgegeben von Ulrich von Hehl
▪ Leipzig nach der territorialen Neuordnung von 1815 ▪ Erster Weltkrieg und Novemberrevolution
▪ Stadtverfassung und Stadtverwaltung ▪ Weimarer Republik und Ende der
▪ Bauliche Entwicklung, Architektur, Wandel Bürgergesellschaft
des Stadtbildes ▪ Stadtentwicklung, Architektur und
▪ Der Messe- und Finanzplatz Leipzig Denkmalpflege
▪ Leipzig als Zentrum des deutschen Buchhandels ▪ Stadtverwaltung und Kommunalpolitik
▪ Handwerk, Gewerbe, Industrialisierung ▪ Wirtschaft, Leipziger Messe, Verkehr
▪ Leipzig im Eisenbahnfieber ▪ Kultur, Bildung, Alltag und Freizeit
▪ Die Stadt in der Revolution von 1848/49 ▪ Kirchliches und religiöses Leben
▪ Kirchliches und religiöses Leben ▪ Leipzig als Buchstadt und als Sportstadt
▪ Universität, Schulen und Bildung ▪ Universität, Schulen und Bildung
▪ Musikalisches Leben, Bildende Kunst, Museen, ▪ Kriegsjahre 1939–1945
Ausstellungen ▪ Bezirksstadt unter SED-Herrschaft
▪ Literarisches Leben, Pressewesen, Bibliotheken ▪ Stagnation, Krise, Friedliche Revolution
▪ Leben in der Stadt, Alltag und soziale Zustände ▪ Selbstbehauptung nach dem Ende der
▪ Zentrum der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung deutschen Teilung
▪ Wiege der Frauenbewegung ▪ Leipzig im 21. Jahrhundert
▪ Werden und Wachsen der Großstadt im Kaiserreich
2017, 1096 Seiten, 49,00 Euro 2018, ca. 900 Seiten, 49,00 Euro
Leineneinband mit Schutzumschlag Leineneinband mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-86583-803-2 ISBN 978-3-86583-804-91. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 6
6 Neuerscheinungen
Sönke Friedreich
Der Weg zur Großstadt
Stadtentwicklung, bürgerliche Öffentlichkeit und symbolische
Repräsentation in Plauen (1880 –1933)
(Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde, Band 57)
Das vogtländische Plauen erlebte in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts einen beschleunigten Wachstums-
und Modernisierungsprozess. Die Industrie- und Han-
delsstadt entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte
zu einem Zentrum der Stickereiindustrie und der Spitzen-
herstellung, so dass sie in der zweiten Hälfte des 19. und
im frühen 20. Jahrhundert zu den am stärksten wachsen-
den Städten im Königreich Sachsen zählte.
Die schwere Krise der Textilindustrie nach 1912,
die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges sowie die
politische und wirtschaftliche Instabilität der Weimarer
Republik bedeuteten einen abrupten Abbruch der Ent-
wicklung und stellen einen unübersehbaren Kontrast zu
diesem Zeitraum dar.
Dieser einerseits so dynamische, andererseits dabei
aber auch widersprüchliche und konfliktbeladene Weg
zur Großstadt stellte die bürgerliche Öffentlichkeit Plauens
vor große Herausforderungen.
Wie die vorliegende Studie zeigt, waren nicht nur die
bauliche Entwicklung und die Errichtung einer groß-
2017, 356 Seiten, Hardcover
städtischen Infrastruktur, sondern auch der Diskurs um
39,00 Euro
Plauen als Großstadt, die Ausstattung des öffentlichen
° ISBN 978-3-96023-133-2
Raumes mit Symbolen bürgerlichen Geltungsbewusst-
seins und die Definition plausibler Selbstbilder zu gestal-
ten. In der Rekonstruktion dieser kulturellen Repräsen-
tation wird exemplarisch der Entwurf des Städtischen in der klassischen Moderne erkennbar, wie er
zeitgleich auch in zahlreichen anderen wachsenden Städten – nicht nur in Sachsen – verhandelt wurde.
In diesem Wechselspiel von Aufstieg und Krise wuchsen diskursive und mentale Strukturen, die bis
heute nachwirken.
Sönke Friedreich studierte Volkskunde/Europäische Ethnologie, Mittlere und Neuere Geschichte sowie
Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Göttingen und Marburg. 1999 –2000 war er wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen,
seit 2001 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in
Dresden.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 7
Neuerscheinungen 7
Wolfgang Hesse, Holger Starke (Hg.)
Arbeiter | Kultur | Geschichte
Arbeiterfotografie im Museum
(Bausteine aus dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Band 37)
Was zeigen die Fotografien proletarischer Amateure der
Weimarer Zeit als „Geschichte“? In welcher Beziehung
stehen sie zu den anderen Bildmedien? Wie prägt der
Sammlungskontext die Erkenntnismöglichkeiten?
Unter diesen und weiteren Leitfragen hatte die vom
Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde und
dem Stadtmuseum Dresden konzipierte und organisierte
Tagung „Arbeiter | Kultur | Geschichte. Arbeiterfotografie
im Museum“ am 27./28. März 2015 in Dresden Vertreterin-
nen und Vertreter von Geschichtswissenschaft, Kunst-,
Film- und Fotografiegeschichte, Museologie und Euro-
päischer Ethnologie zusammengeführt. Die Ergebnisse
dieser Zusammenkunft und davon inspirierte weitere
Aufsätze führen zu diesem opulent ausgestattetem Buch,
in dessen Zentrum die Rekonstruktion einer untergegan-
genen Alltagskultur im Rahmen regionaler Geschichte
steht. Hierzu werden die Bildwelten der Amateuere, der
Berufskünstler und der illustrierten Presse mit Techniken
verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zu einem weit
gefassten Panorama der Weimarer Republik verknüpft.
2017, 500 Seiten, Broschur
Darüber hinaus erschließt die Analyse der überliefer-
29,90 Euro
ten Objekte in ihrer je eigentümlichen Erscheinung wie
° ISBN 978-3-96023-131-8
in ihren Gebrauchsweisen exemplarisch Fotografien als
komplexe Quellen der Sozial- und Mentalitätsgeschichte
der Medienmoderne. Damit bietet der Band vielgestal-
tige Anregungen zur Diskussion von Theorie und Praxis
kulturhistorisch orientierter Museumsarbeit mit bild-
lichen Überlieferungen.
Wolfgang Hesse hat in Tübingen Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaft studiert. Nach
Tätigkeit am dortigen Stadtmuseum arbeitete er von 1994 bis 2017 in Dresden für verschiedene Kul-
turinstitutionen. Er hat seit 1983 mit Ausstellungen, Vorträgen und Publikationen zur Entwicklung der
fotohistorischen Forschung beigetragen, u.a. als Gründer und Herausgeber der Fachzeitschrift „Rund-
brief Fotografie“.
Holger Starke studierte Geschichte an der Universität Leipzig und promovierte zur Industrialisierung
des sächsischen Braugewerbes an der TU Chemnitz. Er ist Herausgeber von Band 3 der „Geschichte
der Stadt Dresden“, Kustos für Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte am Stadtmuseum Dresden
und forscht zur Sozial- und Wirtschafts-, Politik- und Mediengeschichte der Neuesten Zeit.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 8
8 Neuerscheinungen
Sächsisches Klosterbuch
Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden
im Gebiet des Freistaates Sachsen
Herausgegeben von Enno Bünz in Zusammenarbeit mit Sabine Zinsmeyer und Dirk Martin Mütze
Klöster und Stifte haben die Geschichte Europas nach-
haltig geprägt. Sachsen wurde im Mittelalter von allen
wichtigen religiösen Bewegungen, Orden und Gemein-
schaftsformen erfasst. Jahrhundertelang haben sie in
der Landesgeschichte eine bedeutende Rolle gespielt.
Das Sächsische Klosterbuch dokumentiert nun um-
fassend die Geschichte aller 73 Klöster, Stifte und Kom-
menden, die in Sachsen vor der Reformation bestanden
haben und zum Teil auch heute noch bestehen. Mehr als
sechzig Autoren unterschiedlicher Fachdisziplinen be-
schreiben in enger Zusammenarbeit die einzelnen Institu-
tionen erstmalig systematisch. Die Artikel zielen auf Ver-
gleichbarkeit und enthalten neben der Beschreibung der
allgemeinen Geschichte auch Aspekte der Wirtschafts-,
der Bau- sowie der Geistes- und Bildungsgeschichte.
Neben den Darstellungen beinhaltet das alphabe-
tisch sortierte Handbuch zahlreiche Siegelabbildungen,
Luftbilder, Lagepläne und Besitzkarten. Grundrisse bieten
darüber hinaus detailreiche Informationen zur Bauge-
schichte. Jeder Artikel ist mit einem Quellen- und Litera-
– in Vorbereitung –
turverzeichnis ausgestattet, das den aktuellen Forschungs-
ca. 1100 Seiten, Hardcover
stand zur jeweiligen Einrichtung widerspiegelt.
2 Halbbände, 199,00 Euro Das Sächsische Klosterbuch richtet sich nicht nur an
° ISBN 978-3-86583-816-2 das Fachpublikum, sondern möchte aufgrund seiner An-
2 Halbbände im Schmuckschuber, lage und aufwendigen Gestaltung einen breiten Leser-
219,00 Euro kreis ansprechen.
° ISBN 978-3-86583-856-8
Enno Bünz ist Inhaber des Lehrstuhls für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig und
Direktoriumsmitglied des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. in Dresden. Seine
Forschungsschwerpunkte bilden die deutsche und vergleichende Landesgeschichte, die Geschichte
des Hoch- und Spätmittelalters und der Reformationszeit sowie die Historischen Hilfswissenschaften.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 9
Neuerscheinungen 9
Werner Greiling
Verlagsstrategien zur Schulverbesserung und Volksbildung
im 19. Jahrhundert
Gustav Friedrich Dinter und Johann Karl Gottfried Wagner
Eine elementare Volksbildung und die Verbesserung des
Schulwesens sowie der Lehrerausbildung waren im
19. Jahrhundert zentrale Anliegen von Pädagogen und
Politikern. Dabei kann über einen engen Zusammenhang
dieser Bestrebungen mit dem Buchdruck und dem
literarischen Markt kein Zweifel bestehen. Folgerichtig
wurden um und nach 1800 intensive publizistische
Debatten über die Kriterien einer modernen Pädagogik
geführt, während die Nachfrage nach Schul- und Lehr-
büchern rasant anstieg.
Einer der bekanntesten und produktivsten Autoren
dieser Branche war Gustav Friedrich Dinter (1760–1831).
Wie kaum ein zweiter namhafter Pädagoge seiner Zeit
verfügte er als Pfarrer und „Schulmann“, Lehrerbildner
sowie Konsistorial- und Schulrat über vielfältige Praxiser-
fahrungen und reüssierte sowohl in Sachsen als auch in
Preußen. Dinters enorme Ausstrahlung begünstigte
zudem, dass sein Verleger Johann Karl Gottfried Wagner
(1763–1831) verstand, eine ebenso facettenreiche wie
wirksame Publikationsstrategie zu entwickeln. Nicht an
einem Medienzentrum, sondern von einem peripheren
Standort – der kursächsischen und seit 1815 großherzog- 2017, 383 Seiten, Hardcover
28,00 Euro
lich-sächsischen Kreisstadt Neustadt an der Orla – aus
° ISBN 978-3-86583-798-1
setzte sich Wagner auf einem zunehmend umkämpften
Spezialmarkt durch.
Wie dieser enorme buchhändlerische Erfolg zustande
kam, der beiden Protagonisten zudem einen beträcht-
lichen wirtschaftlichen Ertrag bescherte, ist neben der
Annäherung an Leben und Werk Dinters das zentrale
Thema dieses Buches.
Werner Greiling studierte Geschichte und Germanistik in Jena und wurde 1984 mit einer Arbeit über
Karl August Varnhagen von Ense promoviert. Nach Forschungsaufenthalten am Max-Planck-Institut für
Geschichte Göttingen, am CNRS in Paris und am Historischen Kolleg München habilitierte er sich 1996
in Jena. Einer Lehrstuhlvertretung in Leipzig folgte 2004 die Ernennung zum Professor für Geschichte
der Neuzeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 10
10 Neuerscheinungen
Siegfried Kuntsche
Die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften
1951–1990
Dokumente und Untersuchungen
Am 21. Oktober 1951 trat mit einem Festakt der Regie-
rung der DDR in Berlin die Akademie der Landwirtschafts-
wissenschaften in die Öffentlichkeit. Die Gründung
erfolgte in Abgrenzung zum Lyssenkoismus, den die
sowjetische Kontrollmacht durchsetzen wollte. Grün-
dungsväter waren der international bekannte Genetiker
Hans Stubbe und der Agrarpolitiker Kurt Vieweg.
In der Einheit von Gelehrtengesellschaft und For-
schungseinrichtungen repräsentierte die DAL einen
neuen Akademietypus und war somit ein Novum in der
deutschen Wissenschafts- und Agrargeschichte. In vier
Jahrzehnten trug die Akademie als Zentrum der anwen-
dungsorientierten Agrarwissenschaften zur Entwicklung
einer leistungsfähigen modernen Land- und auch Forst-
wirtschaft bei.
Als eine dem Landwirtschaftsminister unterstellte
staatliche Einrichtung war sie an Grenzen gebunden, die
ihr die Volkswirtschaft und insbesondere die politische
Führung des Landes setzten. In der politischen Umbruch-
phase 1989 bekannte sich das Akademiepräsidium dazu,
2017, 2 Halbbände, 973 Seiten
einerseits wesentlichen Anteil an der Leistungsentwick-
Hardcover, 98,00 Euro
lung der Landwirtschaft zu haben, andererseits aber
° ISBN 978-3-86583-928-2
auch Mitverantwortung für Fehlentwicklungen zu tragen.
Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurde die
Akademie trotz ihrer wissenschaftlichen Potenzen und
ihrer beispielgebenden Brückenfunktion zwischen Wis-
senschaft und landwirtschaftlicher Praxis aufgelöst.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Publikation stehen
Dokumente aus den Archiven. Ein historischer Abriss, er-
gänzt durch eine Zeittafel, vermittelt einen detaillierten
Überblick über eine wechselvolle Geschichte.
Siegfried Kuntsche studierte Geschichte und Archivwissenschaft und war bis 1979 im Mecklen-
burgischen Landeshauptarchiv tätig. Im Anschluss leitete er den Geschichtsbereich im Institut
für Ausländische Landwirtschaft und Agrargeschichte an der Akademie der Landwirtschafts-
wissenschaften der DDR (AdL) und ist seit 1993 freiberuflich tätig.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 11
Neuerscheinungen 11
Ulrich Stottmeister
Eberhard Leibnitz (1910 –1986) und die Chemie
Mitteldeutschlands in Forschung und Lehre
Unzweifelhaft zählen etwa der „Wissenschaftspark“ in der
Leipziger Permoserstraße und die „Hochschule Merse-
burg“ heute zu den leistungsstärksten Forschungs- und
Bildungseinrichtungen Mitteldeutschlands mit beträcht-
licher Ausstrahlung weit über die Grenzen Deutschlands
hinaus. Gerade angesichts dieses hohen Ansehens und
der großen internationalen Wertschätzung ist auffällig,
dass über deren Gründungsgeschichten bislang eher
wenig bekannt ist. Wendet man sich der Historie dieser
beiden Institutionen zu, tritt sofort eine Persönlichkeit in
das Zentrum der Aufmerksamkeit: Eberhard Leibnitz.
Der 1910 geborene herausragende Wissenschaftler,
exzellente Hochschullehrer und umsichtige Organisator
hat, von einer vorzüglichen fachlichen Ausbildung in den
zwanziger und dreißiger Jahren zehrend, unter den
schwierigen Bedingungen der ersten Nachkriegsjahre
und in der frühen DDR wie kein Zweiter vermocht, auf
seinem Fachgebiet leistungsfähige Forschungseinrich-
tungen zu schaffen, in mehreren Hohen Schulen eine
ganze Generation von künftigen Naturwissenschaftlern
heranzubilden und die studentische Ausbildung mit-
2018, 155 Seiten, Hardcover,
geprägt. 24,00 Euro
Gerade weil die chemische Forschung in der frühen ° ISBN 978-3-96023-166-0
DDR vor schier erdrückenden Aufgaben stand und sie
unter anderem ein besonderes Maß an Improvisations-
vermögen benötigte, bestach die Fähigkeit von Eberhard Leibnitz, auch unter widrigen äußeren Um-
ständen den Anschluss an das internationale Niveau zu fordern und zu finden und dabei mit eigenen
Arbeiten Maßstäbe zu setzen. Den zuweilen hemmenden Rahmenbedingungen in Form von hinder-
lichen dirigistischen Eingriffen trotzte er dabei mit Blick auf die Lösung komplexer Aufgaben, so dass
er in unterschiedlichen Funktionen und als Leiter schließlich legendären Ruf erlangte. Sein vielgestal-
tiges Wirken in der DDR bis in die achtziger Jahre machte ihn auch weit über die Fachwelt hinaus
bekannt, er zählte zu schließlich zu den bekanntesten Wissenschaftlern im Lande.
Ulrich Stottmeister studierte von 1959 bis 1964 Chemie in Leipzig und wurde 1968 promoviert. 1986
verteidigte er die Dissertation B. In den neunziger Jahren war er längere Zeit Gastprofessor in Kanada,
später unter anderem Sektionsleiter im Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Nach der Habilitation
1992 erfolgte die Berufung in die Professur 1995, zugleich wurde er Ordentliches Mitglied der Sächsischen
Akademie der Wissenschaften und weiterer internationaler Wissenschaftsorganisationen. Ulrich Stott-
meister lebt in Leipzig.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 12
12 Neuerscheinungen
Hanno Steinke (Hg.)
Atlas of Human Fascial Topography
Photography by Anna Rowedder
Die Bedeutung des Fasziensystems wurde von der
Anatomie erst vor kurzem wiederentdeckt. Am Patienten
tätige Anatomen haben bewiesen, dass es nützlich ist,
das verbindende Netzwerk der Faszien zu kennen und
dieses auch stärker in die Lehre einfließen zu lassen.
Ärzte und Physio-, Manual- und Feldenkrais-Therapeuten,
dazu Kraniosakral- und Typaldos-Therapeuten, Chiroprak-
tiker und Rolfer zeigen uns, dass Faszien vielerlei Ein-
fluss auf die verbundenen Strukturen haben. Das ergab
auch die Forschung, etwa die der Ulmer Faszienforscher
um Dr. Schleipp oder des Anatomen Andrew Vleeming.
Dieses Buch soll eine Handreichung für Praktiker
sein und richtet sich an Interessierte, die anatomisch vor-
gebildet sind. Der Atlas will in Abgrenzung zu bestehen-
den Nachschlagewerken die Fasziensysteme an weichem,
naturnah fixierten Geweben präsentieren. Mit den Präpa-
rationen möchte der Herausgeber Hanno Steinke einer-
seits die dynamische biomechanische Wirkung der Fas-
zien abbilden, andererseits ihre Topografie mit dem
Lehrkanon der Anatomie in Einklang bringen, den er seit
2018, 224 Seiten, Hardcover
Jahrzehnten vertritt. Durch die Kombination von bio-
40,00 Euro
mechanischer Forschung an Bändern und Aponeurosen
° ISBN 978-3-96023-023-6
und reicher präparatorischer Erfahrung konnten Darstel-
lungen der Fasziensysteme erreicht werden, die dem
Leser auf einen Blick die Zusammenhänge erleuchten.
Die Künstlerin Anna Katharina Rowedder ist seit Jahren damit vertraut, die Räumlichkeit der anatomi-
schen Strukturen mittels gelungener Fotografien darzustellen. Neben ihren herausragenden Foto-
grafien enthält das Buch Abbildungen dünner Plastinationsschnitte, mit denen Hanno Steinke die
Organe unter Erhalt und teilweiser Färbung von Kollagenen erforscht. Damit wird die Verbindung der
Faszienanatomie zur Topografischen Anatomie geschaffen.
Hanno Steinke ist Präparator und Fachanatom; er ist gegenwärtig als Privatdozent am Institut
für Anatomie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig tätig.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 13
Neuerscheinungen 13
Angela Grießenböck
Von Heilung, Pflege und Verwahrung
Zur Geschichte der Landesirrenanstalt in Hall in Tirol und ihrer
Patientinnen und Patienten (1882–1918)
1830 wurde in Hall in Tirol die erste „Provinzial-Irren-
anstalt“ des Kronlandes Tirol und Vorarlberg eröffnet. Im
Laufe der Zeit änderten sich sowohl ihre Zuständigkeit
als auch ihre Benennung: Aus der „Provinzial-Irrenanstalt“
wurde die „Landesirrenanstalt“ und später die „Landes-
Heil- und Pflegeanstalt“. Dies waren die auch aus dem
Abstand erkennbaren Indikatoren von Veränderungen,
denn hinter diesen wechselnden Bezeichnungen ver-
bargen sich weitreichende gesellschaftspolitische,
psychiatriehistorische sowie ökonomisch relevante Ent-
wicklungsprozesse und Transformationen.
In der vorliegenden Studie wird dies u.a. durch Ein-
blicke in den Anstaltsalltag der „Irrenanstalt“, in die Welt
des Personals und der Insassen sowie anhand detaillier-
ter statistischer Auswertungen der Insassenbewegun-
gen und Anstaltsgebarungen von 1882 bis 1918 veran-
schaulicht. Auch veränderten gesamtgesellschaftliche
Krisenzeiten wie der Erste Weltkrieg das Sozialgefüge
der Anstalt nachhaltig. So resultierten manche Turbulen-
zen aus der Mangelernährung, die mit Personal- und wei-
teren Versorgungseinschränkungen einherging. 2017, 445 Seiten, Broschur
34,00 Euro
Die hier präsentierte Untersuchung geht, gestützt
° ISBN 978-3-96023-130-1
auf das reiche empirische Material, mit besonderer Auf-
merksamkeit der Frage nach, ob sich die theoretischen
Prämissen von Erving Goffman über die Welt der Anstalten, in der eine „Totalität“ der Anstaltspraxis
und die zunehmende „Ökonomisierung“ ihres Betriebes als maßgebliche Charakteristika hervortreten
würden, am Beispiel Hall bestätigen lassen. Hier resümiert die Autorin, dass sich dieses Modell ange-
sichts ihrer Befunde nur als bedingt tragfähig erweist.
Mittels des Ländervergleichs mit der Steiermark am Beispiel der „Landesirrenanstalt Feldhof bei
Graz“ werden schließlich die unterschiedlichen Ausformungen und Prägungen der institutionalisierten
„Irrenversorgung“ durch maßgebliche ländertypische Gegebenheiten näher untersucht.
Angela Grießenböck studierte Geschichte und Germanistik in Innsbruck. Die Promotion in Geschichte
erfolgte 2009. Bis 2006 war sie als freie Mitarbeiterin der AG „Medizin- und Psychiatriegeschichte Tirol
des Innsbrucker Instituts für Geschichte und Europäische Ethnologie“ tätig, von 2009 bis 2012 Projekt-
mitarbeiterin des interdisziplinären Interreg IV-Projektes (Italien-Österreich) „Psychiatrische Landschaf-
ten. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol – Südtirol von 1830
bis zur Gegenwart“. Seit 2010 lehrt sie an der Höheren Technischen Lehranstalt für Glas und Chemie
in Kramsach.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 14
14 Neuerscheinungen
Jan Pacholski, Matthias Weber (Hg.)
Die Grafschaft Glatz
Neue Studien zu Geschichte und Literatur
(Schlesische Grenzgänger, Band 9)
Die Grafschaft Glatz zählt auch heute zu den geschicht-
lich und kulturell interessantesten Regionen Mitteleuro-
pas. Das Glatzer Gebiet, das 1459 von dem böhmischen
König Georg von Podiebrad zur Grafschaft erhoben
wurde, war über Jahrhunderte vielfältig mit Schlesien
verbunden. Ebenso wie Schlesien kam die Grafschaft
Glatz nach dem Ersten Schlesischen Krieg im Jahr 1742
an Preußen, so dass die beiden Gebiete weiter miteinan-
der verwuchsen.
Die im 19. und 20. Jahrhundert oft klischeehaft als
idyllisches katholisches „Herrgottsländchen“ bezeich-
nete ehemalige Grafschaft bewahrte aber ebenso ihre
Verbindungen mit Böhmen, nicht zuletzt aufgrund der
weiter geltenden kirchenrechtlichen Zugehörigkeit zum
Erzbistum Prag.
Im Spannungsfeld der Großmächte gelegen, an der
Grenze zwischen dem weiterhin von Habsburg regierten
Böhmen und dem preußischen Schlesien, bewahrte die
Grafschaft ihre regionale Identität stets – selbst in der
dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung der Gründer-
2017, 238 Seiten, Hardcover
zeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, das einen
32,00 Euro
erzwungenen Bevölkerungswechsel mit sich brachte,
° ISBN 978-3-96023-173-8
kam das Glatzer Land an Polen.
Das Territorium der Grafschaft Glatz, das allein schon
durch seine Lieblichkeit jedermann sofort in seinen Bann zieht, ist heute eine Kulturlandschaft, die in
Architektur, bildender Kunst, Literatur und Musik, aber ebenso im geistigen und religiösen Leben auf
ein reiches Erbe zurückblickt und zudem manche regionale Besonderheiten aufweist. Zunehmend sich
als ein europäischer Kulturraum verstehend, entstehen hier mannigfache intellektuelle Impulse, die
eine zuletzt schnell wachsende Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Jan Pacholski studierte Germanistik an der Universität Breslau, 2001–2003 war DAAD-Stipendiat an der
FU Berlin; 2005 promovierte er zu Theodor Fontanes Kriegsberichterstattung. Seit 2005 ist er wissen-
schaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik der Universität Breslau. Seine Forschungsinteres-
sen: deutsche Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Kulturgeschichte Schlesiens u. angrenzender
Länder, Reiseliteratur.
Matthias Weber ist Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen
Europa in Oldenburg.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 15
Neuerscheinungen 15
Wojciech Kunicki und Marek Zybura (Hg.)
Geschichte der literaturwissenschaftlichen
Germanistik in Polen
Band III, Institutionen und Rahmenbedingungen
Der nunmehr vorgelegte dritte Band zur Geschichte der
literaturwissenschaftlichen Germanistik in Polen ver-
weist mit dem Untertitel auf seine Schwerpunktsetzung:
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen institutio-
nelle und weitere Rahmenbedingungen, womit die
(kultur)politischen Bedingtheiten, die rechtlichen Grund-
lagen, die politische Praxis sowie die wissenschaftlichen
Motivationen der Akteure in das Zentrum treten.
Der Band gliedert sich in vier Komplexe: Zunächst
gelten die Untersuchungen der Germanistik vor 1945.
Dabei rückt als eine aufschlussreiche Fragestellung die
Internationalisierung der germanistischen Studien in das
Blickfeld, wobei Sigmund von Lempicki eine herausge-
hobene Rolle zufällt. Hierauf folgen Untersuchungen zu
den Kontakten zwischen polnischen Germanisten und
ihren Kollegen im „Dritten Reich“, die zum Teil bislang
vollkommen unbekannte Ergebnisse zutage fördern.
Anschließend rückt die Germanistik zwischen Kriegs-
ende und etwa 1970 in das Gesichtsfeld. Die von politi-
schen Turbulenzen nicht verschonte Fachentwicklung
2018, 323 Seiten, Hardcover
vollzog sich in der Reaktivierung vormaliger Strukturein-
39,00 Euro
heiten oder der Wandlung von Lehrstühlen zu Instituten
° ISBN 978-3-96023-135-6
– diesen Prozessen wird am Beispiel von Warschau,
Krakau, Posen, Lublin, sodann auch Breslau und Thorn
nachgegangen.
Im dritten Komplex wird dem Ansatz einer möglichst genauen Rekonstruktion der obwaltenden
Rahmenbedingungen im nachfolgenden Zeitraum gefolgt, die detailreichen Forschungen konzentrieren
sich hier fallstudienhaft auf Breslau, Sosnowiec und Gdansk.
Mit einem eigenen, zugleich den Band beschließenden Abschnitt zu den Zeitschriften „Neofilolog“
und „Arbeiterstimme“ wird der Tatsache Rechnung getragen, dass diese Organe eine herausragende
Rolle bei der Entfaltung der Germanistik spielten – ein Tatbestand, der im vergleichenden Blick zur Ent-
wicklung der Disziplin andernorts als in keinem Fall zu ignorierende Besonderheit angesehen werden
muss.
Wojciech Kunicki ist Ordinarius für Germanistik an der Universität Wroclaw/Breslau und Lehrbeauf-
tragter an der Pädagogischen Hochschule Nysa/Neisse.
Marek Zybura ist Inhaber des Lehrstuhls für germanische Philologie am Willy-Brandt-Zentrum für
Deutschland- und Europastudien an der Universität Wroclaw/Breslau.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 16
16 Neuerscheinungen
Claudia Graciela Petersen
Die Tochter des „Dogen“
Das Leben und Wirken der Hamburger Bürgermeistertochter
Antonie „Toni“ Petersen
Für den Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow war
Bürgermeister Carl Friedrich Petersen der Doge der
Stadtrepublik Hamburg, für Richard Wagner der liebe
Herr Senator, der hochmächtige und vorzüglich geliebte
Herr Vater, Johannes Brahms verdankte ihm die Ehren-
bürgerschaft. Im Zentrum dieses Buches, das das ver-
dienstvolle Wirken des Stadtoberhauptes gleichsam im
Hintergrund aufscheinen lässt, steht freilich seine Toch-
ter Antonie, von allen nur Toni genannt. Ihr Leben war
dem Theater und der Musik gewidmet und sie war auch
die treibende Kraft hinter dem früh verwitweten Vater,
seine Herzenstoni, sein Spezialküken, sein geliebtes
Töchterchen, dem er keinen Wunsch wirklich abzuschla-
gen fähig war.
Toni Petersens Einsatz für die Causa Bayreuth, ihre
Freundschaft mit Cosima und Richard Wagner, von der
der überlieferte Briefwechsel eindrucksvoll Zeugnis ab-
legt, katapultierte sie in den Bannkreis des genialem
Komponisten in einer Zeit, in der er seinen Traum eines
eigenen Festspielhauses erkämpfte und die Villa Wahn-
2018, 330 Seiten, Hardcover
fried im Entstehen war. Die noch engere Freundschaft
29,00 Euro
der Dogentochter mit Hans von Bülow und seiner zwei-
° ISBN 978-3-96023-062-5
ten Frau, der Schauspielerin Marie Schanzer, in deren
Hamburger Zeit, gestattet tiefe Einblicke in die letzten
Lebensjahre des quirligen Stardirigenten und begnadeten Pianisten bis hin zu seiner schließlich
schweren Leidenszeit und dem Tod im fernen Kairo. Und noch viele andere Künstler, darunter Johannes
Brahms, waren voller Bewunderung für die so unermüdlich tätige Bürgermeistertochter, ganz so, wie
sie selbst viele von ihnen in ihr Herz geschlossen hatte.
Das Buch erzählt anhand von zahlreichen und zumeist bislang unveröffentlichten Dokumenten und
einem reichen Bildmaterial aus dem Privatarchiv der Familie Petersen vom Leben dieser ungewöhn-
lichen Frau und gestattet intime Blicke in das lebhafte Künstlerleben in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-
hunderts.
Claudia Graciela Petersen studierte nach einer Ausbildung zur klassischen Tänzerin an der Hamburger
Staatsoper Allgemeine Linguistik und französische, spanische und südamerikanische Literaturwissen-
schaft in Lausanne. Nach akademischen Tätigkeiten in Italien, der Schweiz und Frankreich kehrte sie
nach Hamburg zurück. Sie war zuletzt unter anderem maßgeblich am Aufbau des Internationalen
Maritimen Museums beteiligt.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 17
Neuerscheinungen 17
Bernd Weikl
Singen
In der Oper, als Therapie und in der
Post- und Postpostmoderne
Singen – die eigentlich mit diesem Wort umschriebene
menschliche Fähigkeit, seine Stimme zum feierlichen
Vortrag einzusetzen, gehört zu dessen ältesten Aus-
drucksformen, hat in der Evolution eine beträchtliche
Rolle gespielt und wird in ganz unterschiedlichen gesell-
schaftlichen Sphären bis in unsere Gegenwart in vielerlei
Gestalt wirksam.
Gesang kann einer ganz individuellen Stimmung
Ausdruck verleihen, aber ebenso in künstlerischer Aus-
prägung einem breiten Publikum hohen ästhetischen
Genuss bereiten und so zur Vervollkommnung der allge-
meinen Gesittung beitragen. Doch auch therapeutische
und medizinische Effekte lassen sich bei einem sachge-
rechten Einsatz der Stimme Betroffener erzielen. Dass
das Singen, wie übrigens auch das Beherrschen eines
Musikinstrumentes, zur musischen Bildung Heranwach-
sender beiträgt, ist unzweifelhaft ein Gemeinplatz.
Indem der Autor in einem weitgespannten Bogen
diesen mannigfachen Aspekten des Gesangs nachspürt
und jüngste bedenkliche Entwicklungen dabei scho-
2017, 132 Seiten, Broschur
nungslos analysiert, schärft er den Blick für die Gefähr-
19,90 Euro
dungen, die dem Singen durch unsere moderne Welt
° ISBN 978-3-96023-129-5
drohen. Er warnt eindringlich vor jenen kulturellen Verlus-
ten, die unumkehrbar drohen, wenn der Gesellschaft das
Bewusstsein vom Wert einer umfassenden musischen
Bildung entgleitet und ruft dazu den Bildungsauftrag, der
den Künsten grundgesetzlich in Deutschland aufge-
tragen ist, ins Gedächtnis.
Bernd Weikl wurde 1942 in Wien geboren. Er gehörte mehrere Jahrzehnte zu den renommierten und
vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten der internationalen Opernszene. Sein Repertoire umfasste etwa
hundertzwanzig Opernpartien in der jeweiligen Originalsprache. Neben seiner Opern- und Konzert-
tätigkeit macht der Künstler auch als Regisseur, Dozent und Teilnehmer an hochrangigen Disskusions-
foren sowie als Buchautor auf sich aufmerksam.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 18
18 Neuerscheinungen
Jörg Henning Hüsemann
Das Altertum vergegenwärtigen
Eine Studie zum Shuijing zhu des Li Daoyuan
(Leipziger Sinologische Studien, Band 1)
Flüsse waren seit jeher ein prägender Faktor für die Ge-
schichte und Kultur des chinesischen Kaiserreiches und
standen wiederholt im Mittelpunkt literarischer Werke,
sei es in Gedichten, Reiseliteratur, Geschichtswerken,
technischen oder geographischen Texten. So auch im
Shuijing zhu 水 經 注 des Li Daoyuan 酈 道 元 (?–527),
eines geographischen Werkes des frühen chinesischen
Mittelalters. Wie in dieser Studie gezeigt wird, ist das
Shuijing zhu jedoch mehr als nur das geographische
Werk; es ist ebenso eine wichtige und häufig vernach-
lässigte Quelle für ein besseres Verständnis der Ge-
schichte, Kultur und Literatur des frühen China.
Mit diesem Band wird die Schriftenreihe „Leipziger
Sinologische Studien“ eröffnet, die künftighin heraus-
ragenden Qualifizierungsarbeiten und exzellenten Manu-
skripten eine Plattform der Veröffentlichung bietet.
2017, 371 Seiten, Broschur
33,00 Euro
° ISBN 978-3-96023-101-1
Jörg Henning Hüsemann ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kultur und
Geschichte Chinas des Ostasiatischen Instituts der Universität Leipzig tätig.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 19
Neuerscheinungen 19
Uwe Carls, Peter Lucko, Lothar Peter, Frank Polzenhagen (Hg.)
A Dictionary of Indian English
with a supplement on word-formation patterns
This dictionary of Indian English was compiled by the
late Uwe Carls, an internationally known expert in the
field of varieties of South Asian English, and then slightly
revised and edited by his former colleagues Peter Lucko,
Lothar Peter and Frank Polzenhagen. With its more than
3800 entries, it provides extensive coverage of the lexical
peculiarities of Indian English, including loan words, loan
translations and variety-specific meanings of English
lexical items. The entries contain detailed information on
meaning, origin, pronunciation, spelling variants and
related words, and illustrate Indian English usage through
authentic text examples. Furthermore, a striking and
unique feature of this dictionary is the systematic treat-
ment of Indian English word-formations given in the
individual entries and in a detailed supplement.
2017, 432 Seiten, Broschur
33,00 Euro
° ISBN 978-3-96023-132-5
Peter Lucko (*1943) studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Anglistik/Amerikanistik und Ger-
manistik, u.a. bei Martin Lehnert, Klaus Hansen und Karl-Heinz Wirzberger. Er promovierte mit einer
Arbeit zum Perfekt im Englischen und im Deutschen und schrieb seine B-Dissertation zu Aspekt und
Aktionsart in den beiden Sprachen. Von 1993 bis 2008 war er Professor für englische Sprachwissen-
schaft am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Humboldt-Universität.
Lothar Peter (Dr. phil. 1984) ist Mitarbeiter in der Abteilung Englische Sprachwissenschaft der Hum-
boldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte lagen in der Wortbildung des Englischen
(mit einem kontrastiven Ansatz unter Einbeziehung des Deutschen) und der Phonetik und Phonologie
des Englischen. Er ist einer der Bearbeiter eines Wörterbuchs zum Westafrikanischen Englisch.
Frank Polzenhagen (PhD 2005, Habil. 2014) war Mitarbeiter im Bereich englische Sprachwissenschaft
an der Humboldt-Universität zu Berlin (2000–2005), der University of Hong Kong (2006) und der Uni-
versität Heidelberg (2007–2017) und lehrt derzeit an der Universität Koblenz-Landau.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 20
20 Neuerscheinungen
Wolfgang Schuller
Anatomie einer Kampagne
Hans Robert Jauß und die Öffentlichkeit
Im Zentrum des Buches steht das Verfahren, mit
welchem dem Konstanzer Literaturwissenschaftler Hans
Robert Jauß (1921–1997) fast zwei Jahrzehnte nach
seinem Ableben von seiner Universität und der Öffent-
lichkeit seine jugendliche Teilnahme am Zweiten Welt-
krieg als Offizier der Waffen-SS zum Vorwurf gemacht
wird. Leichthin erhobene Behauptungen, verschwiegene
Sachverhalte, Reflexe auf die Reizwörter Waffen-SS und
Kriegsverbrecher waren dabei dominant, sie entfalteten
schon bald ohne ausreichende Absicherung durch über-
zeugende Belege ein Eigenleben und steuerten die
öffentliche Meinung.
Der hier vorgelegte Band ist hierzu die erste Gegen-
stimme überhaupt. Geschildert werden nicht nur die
dazu zentralen Sachverhalte, in den Blickpunkt treten
ebenso die Ursachen der Kampagne und deren Folgen
für unser Geschichtsbild. Hier abgedruckte bislang unver-
öffentlichte bzw. nur schwer zugängliche Dokumente un-
termauern ein engagiertes Plädoyer für einen angemes-
senen Umgang mit diesem sensiblen Sujet.
2017, 206 Seiten, Broschur
19,90 Euro
° ISBN 978-3-96023-126-4
Wolfgang Schuller wurde zunächst als Jurist ausgebildet (Staatsexamina und Promotion) und studierte
dann Altertumswissenschaften in Hamburg und West-Berlin (Freie Universität). Nach der Habilitation
in Alter Geschichte an der FU wurde er 1972 Ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der PH Berlin
(West) und 1976 an der Universität Konstanz. 2004 wurde er emeritiert.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 21
Neuerscheinungen 21
Nicole Glocke
Erziehung hinter Gittern
Schicksale in Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR
(Schriftenreihe Auf Biegen und Brechen – Sonderband)
Sie haben keine Lobby und finden kaum öffentliche
Unterstützung. Sie wurden Opfer und sind es heute,
über Jahrzehnte traumatisiert und mit Vorurteilen kon-
frontiert, noch immer. Rund 135.000 Kinder und Jugend-
liche kamen in der DDR in die sogenannten Spezialheime
der Jugendhilfe. Zum Teil ohne Wissen der Eltern oder
gegen deren Willen sollten sie, begleitet von massiven
Übergriffen, in diesen Heimen zu sozialistischen Persön-
lichkeiten „umerzogen“ werden. Wer aufbegehrte oder
sich dem Heimkollektiv nicht unterordnete, erlebte Ge-
walt und Demütigung. Wer rebellierte, wurde verlegt.
Wer gegen die „Regeln“ verstieß, kam in den Jugend-
werkhof – im schlimmsten Fall in den Geschlossenen
Jugendwerkhof nach Torgau.
In diesem Band berichten drei ehemalige DDR-Heim-
kinder zum Teil erstmals sehr ausführlich über das
Erlebte, und sie offenbaren geradezu schockierende
Details über ein perfides System aus Disziplinierung,
Bestrafung, Kontrolle und Einschüchterung.
2017, 316 Seiten, Broschur
17,00 Euro
° ISBN 978-3-96023-136-3
Nicole Glocke lebt in Berlin. Sie arbeitete bis 2016 als freie Autorin. Nach dem Studium der Geschichte,
Germanistik und Politischen Wissenschaft war sie zunächst im politischen Bereich tätig, später publi-
zierte sie zunehmend zu Fragen der deutsch-deutschen Zeitgeschichte und hiermit verbundenen
gesellschaftlichen Themen.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 22
22 Neuerscheinungen
Lea Jakob, Paula Bögel, Sigrid Bekmeier-Feuerhahn
Neue Wege der Kulturkommunikation
Eine Studie zur Rezeption onlinebasierter Kommunikation
von Corporate Cultural Responsibility
(Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie, Band 12)
Steht der Begriff Kultur im Raum, wird das zumeist mit
dem Guten, Harmonischen und Schönen assoziiert.
Doch Kulturmanagement ist ein deshalb keineswegs ein
leichtes und allein genussträchtiges Unternehmen. Das
gilt auch und gerade für Fragen der Corporate Cultural
Responsibility und deren Kommunikation, die allzuoft mit
vordergründig „altbewährtem“ und entsprechend holz-
schnittartigen Formeln beantwortet werden. Das reicht
jedoch längst nicht mehr aus, der Markt hat schon lange
seine „Einfachheit“ verloren. Ein professionelles Kom-
munikationsmanagement in einem so sensiblen Feld wie
der unternehmerischen Kulturförderung ist dringend an-
gewiesen auf konzeptionelle Grundlagen, die auf einem
möglichst breiten Fundus theoretischer Erkenntnisse
und praktischer Erfahrungen aufbauen.
Die hier präsentierte Studie versteht sich als solch
ein Baustein aus der explorativen Grundlagenforschung,
die sich mit sozialwissenschaftlichen, kommunikations-
wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Grund-
lagen der Corporate Cultural Responsibility-Kommuni-
2017, 135 Seiten, Broschur
kation auseinandersetzt.
21,50 Euro
An der Leuphana Universität Lüneburg wird hierzu
° ISBN 978-3-96023-098-4
seit mehreren Jahren intensiv geforscht, so dass dieser
Band als Forum der Veröffentlichung gewichtiger Zwi-
schenergebnisse Beachtung beanspruchen darf – denn
diese Forschungsresultate helfen Unternehmen, die
CCR-Kommunikation besser an die Bedürfnisse ver-
schiedener Zielgruppen anzupassen und sind auch für
die Kommunikation von Kulturinstitutionen relevant.
Paula Bögel arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Human Behaviour &
Sustainable Development an der Universität Lüneburg.
Sigrid Bekmeier-Feuerhahn ist Professorin an der Universität Lüneburg. Sie ist u.a. Mitglied im Institut
für Management & Organisation sowie im Institut für Soziologie und Kulturorganisation und übernahm
2009 die Position der Koordinatorin des Majors Management & Business Development im Master-
studiengang Management & Entrepreneurship. Seit Beginn des Jahres 2016 leitet sie den neuen
Bachelorstudiengang Management & Behavior.
Lea Jakob ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Lüneburg.1. Neuerscheinungen_2018 02.03.18 17:17 Seite 23
Neuerscheinungen 23
Nicola Bünsch
Profil ja, Marke nein?
Profilierungsstrategien öffentlicher Theater- und Opernbetriebe im Kontext
der Debatte um Markenbildung im Kulturbereich
(Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie, Band 13)
Mit der Frage der Übertragbarkeit von Markenbildungs-
prozessen auf den öffentlich geförderten Kulturbereich
am Beispiel der Darstellenden Kunst setzt sich die vor-
liegende Studie auseinander. Die Untersuchungen der
Autorin gelten insbesondere den Möglichkeiten einer
Anwendbarkeit der Markenidee auf die öffentlichen
Theater.
In den Blickpunkt treten damit insbesondere Maß-
nahmen zur Identitätsfindung und zur Entwicklung jener
Merkmale, die eine Wiedererkennung auch bei öffent-
licher Institutionen sicherstellen sowie die damit ver-
bundenen Strategien zur Profilierung. Im Einzelnen wird
untersucht, ob eine Profil- oder Markenbildung von
Theatern intendiert ist, ob diese Anwendung findet und
welche positiven, aber auch negativen Effekte damit ver-
bunden sind.
Mit Hilfe eines sowohl absatzökonomische als auch
kunstsoziologische Aspekte reflektierenden theoreti-
schen Rahmens gelingt Nicola Bünsch so eine die Diszip-
lingrenzen überschreitende Analyse der identitätsorien-
2017, 287 Seiten, Broschur
tierten Markenbildung im Theater, in der die Risiken – zu
32,00 Euro
hoher Ressourceneinsatz für Marketing, Auswirkungen
° ISBN 978-3-96023-149-3
auf die Programmpolitik – aber auch die Chancen –
Potentiale zur Erhöhung von Effektivität und Professiona-
lität – kompetent diskutiert und feldtheoretisch verankert
werden.
Nicola Bünsch studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg und promovierte 2015 an der
Bauhaus Universität Weimar mit der hier vorgelegte Untersuchung zu Marken- und Profilierungs-
strategien öffentlicher Theater. Seit 2010 ist sie für die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. in Hamburg tätig.Sie können auch lesen