Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen

 
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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Nr. 149 • Juni bis August 2021

         Gemeindebrief der ev. Kirchengemeinde Watzenborn-Steinberg

Orgelreise                       durch das Ev. Dekanat Gießen
                                 (siehe S. 23)

2/2021
Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Impressum
 Impressum
 Herausgeber
 Ev. Kirchengemeinde
 Watzenborn-Steinberg
 Zur Aue 30
                                                                         Liebe Leserin,
                                                                         lieber Leser,
                                                                                                                       Juni-August 2021
                                                                                                                       Leben hervorbringt. So spürt man in der    manches Problem kann bei einem ge-
 35415 Pohlheim
                                                                                       „Geh aus mein Herz und          Natur Gottes Kraft, die diese Erde be-     meinsamen Spaziergang eine Lösung
 Tel 06403/963190
                                                                                       suche Freud in dieser           wegt. Bei einem kleinen Spaziergang        finden. So manchen Kummer kann
 Fax 06403/963194
 www.christuskirche-pohlheim.de                                                        lieben Sommerzeit an            kann ich mich ein wenig erholen von        man sich von der Seele reden. Manch-
                                                                                       deines Gottes Gaben.“           den betrüblichen Seiten, die das Leben     mal vielleicht noch besser, wie wenn
 Redaktion                                                                                                             in der Pandemie so mit sich bringt. So     man sich in einem Raum gegenüber-
 Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß (V.i.S.d.P.),                                                                            erging es Paul Gerhardt auch, als er das   sitzt. Wie oft bin ich gestärkt von ei-
 Dr. Ernst-Ulrich Huster, Roger Schmidt,
                                                                                        So beginnt das fröhliche
                                                                                        Sommerlied von Paul            Lied geschrieben hat. Es klingt so fröh-   nem solchen Spaziergang im vergan-
 Adelheid Wehrenfennig, Sybille Orth-Boll
                                                                                        Gerhardt, das einen            lich und man könnte glauben, er wäre       genen Jahr schon zurückgekommen,
 Gestaltung und Satz                                                                                                   ein glücklicher, unbeschwerter Mensch      mit viel Freude und neuem Mut im
 Saarbourg Design Print + Web                                                           Spaziergang durch die
 Pohlheim • Tel. 06403-97 95 329                                                        Natur beschreibt und in        gewesen. In Wirklichkeit aber prägt der    Herzen. Wie schön, dass es Sommer
 www.saarbourgdesign.de                                                  den Sommergottesdiensten nicht                dreißigjährige Krieg sein Leben. Dörfer    ist. Ich freue mich auf neue Spazier-
                                                                         fehlen darf (Evangelisches Gesang-            und Städte liegen in Schutt und Asche.     gänge und wünsche auch Ihnen Zeit
 Druck
 Druckhaus Harms e.K.                                                    buch 503). Da geht jemand mit Acht-           Dem Krieg folgt der schwarze Tod, die      und Muße draußen in der Natur, in
 Martin-Luther-Weg 1 • 29393 Gross Oesingen                              samkeit spazieren und nimmt die               Pest. Paul Gerhardt muss geliebte          der sie Kraft tanken können.
 www.gemeindebriefdruckerei.de                                                                                         Menschen gehen lassen – ein Leben
 Auflage: 2500 Exemplare                                                 Bäume wahr, die im vollen Laub stehen,                                                   Es grüßt Sie herzlich
                                                                         die Lerche, die sich in die Lüfte schwingt,   lang. Schon als Kind verliert er seine
                                                                                                                                                                  Pfarrerin J. Hofmann-Weiß
 Fotos/Illustrationen                                                    die Bienenschar auf der Suche nach            Eltern. Vier seiner fünf Kinder muss er
 Titel ................... Felice Meer/chordesign.de                     Nektar und vieles mehr. Und derjenige,        zu Grabe tragen, ebenso seine Frau.
 S. 3, 27 ........................................EKHN-Fundus                                                          Der Pastor und Barockdichter zieht sich
 S. 6 ................................................... L. Schäfer     der da spazieren geht, kann gar nicht
 S. 7, 37, 38 ................... envato-elements.com                    anders, als Gott zu loben und darum           oft zurück in seine „Schwermuthöhle“,
 S. 8+9 ................................... J. Hofmann-Weiß              heißt es im Lied: “ich singe mit, wenn        wie er es nannte. Aber sein Glaube gibt
 S. 10+11, 19, 24, 28, 33........ adobe-stock.com                                                                      ihm Kraft und Hoffnung – über den Tod
 S. 12 ................................................R. Schmidt
                                                                         alles singt.“ Ich mache immer gerne
 S. 16-18, 34-35 .............. Stadtjugendpfarramt                      Spaziergänge und in dieser Zeit der           hinaus.
 S. 22 ...................................................C. Scobel      Pandemie sind sie mir noch einmal             Dieses Vertrauen in Gott wird gestärkt
 S. 25 ........................................................... EKD
                                                                         besonders wichtig geworden. Darum             beim Sommerspaziergang. Auch dann,
 S. 31-32 .................................Kinderwerk Lima
                                                                         freue ich mich wie in kaum einem              wenn nicht bei allen Spaziergängen
 Konto: IBAN:DE07 5135 0025 0242 0026 84
                                                                         anderen Jahr auf schönes Wetter und           das Beobachten der Natur im Mittel-
 BIC-/SWIFT-Code:SKGIDE5FXXX                                             meine Spaziergänge.                           punkt steht, sondern eher das, was uns
 Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben                               Zum einen tanke ich Kraft durch das           Menschen gerade an Sorgen im Herzen
 in erster Linie die Meinung der Autorin bzw.                            Beobachten der Natur. Die Natur hat           bewegt. Ich habe mich in diesen Pande-
 des Autors und nicht unbedingt die der
                                                                         eine heilsame Wirkung auf meine               miezeiten ganz bewusst mit Freundin-
 Redaktion wieder.
                                                                         Seele. Ich staune, wie vielfältig und         nen oder Gemeindemitgliedern zum
 Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe:
                                                                         wunderbar Gott seine Schöpfung ge-            Spaziergang verabredet. Ein schöner Aus-
 26. Juli 2021
                                                                         macht hat, die immer wieder neues             gleich für die fehlenden Kontakte. So

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Unser Gemeindebrief

    Vier Mal im Jahr kommt unser Gemeindebrief „Unsere Kirche“ zu Ihnen nach Hause.
    Ein bisschen versetzt zum Kalenderjahr, denn wir orientieren uns am Kirchenjahr,
    das mit dem Advent beginnt. Im Konzept unserer Öffentlichkeitsarbeit ist uns der
    Gemeindebrief als sogenanntes „Printmedium“ neben der Homepage, die gerade
    eine Neugestaltung erfährt, sehr wichtig. Eine Vielzahl von guten Gründen für unser   viele Gemeindemitglieder teilgenom-
    schönes Heft gibt es.                                                                 men haben geben Gelegenheit, sich           zum „Hängenbleiben“. Etwas fürs Auge
                                                                                          zu erinnern, sich noch einmal zu freuen     – hier einen besonderen Dank an Eva
                                               schlagen und man hat die gesuchte          und oft anhand von Bildern die Veran-       und Marie Saarbourg, die seit vielen
                                               Telefonnummer des Gemeindebüros            staltung nachzuerleben.                     Jahren unseren Gemeindebrief grafisch
                                               gefunden oder welche Jugendlichen                                                      und mit der Auswahl von passenden
                                               in diesem Jahr konfirmiert werden.         Und dann gibt es immer in unserem           Bildern gestalten – und etwas fürs Herz,
                                                                                          Gemeindebrief Artikel zu verschiedenen      für die Seele und für den Kopf.
                                               Im Gemeindebrief sind unsere Gottes-       Themen des christlichen Lebens. Unser
                                               dienste aufgeführt, er gibt Auskunft       Gemeindebrief als „Medium zur Ver-          Und so möchten wir gerne, dass unser
                                               über „Freud und Leid“. Es wird grund-      kündigung“ trägt die christliche Bot-       Gemeindebrief eine Visitenkarte
                                               sätzlich darüber informiert, was in        schaft in die Häuser und zu den Men-        unserer Gemeinde ist und wir freuen
                                               unserer Gemeinde „los ist“, was der        schen unserer Gemeinde, und das ist         uns darüber, wenn sich auch Menschen
                                               Kirchenvorstand berät, oder es gibt        uns im Redaktionsteam ein wirklich          für „Unsere Kirche“ interessieren, die
                                               auch übergreifende Informationen wie       wichtiges Anliegen. Das kann mit Hilfe      von außerhalb kommen.
                                               z. B. zu den jährlichen Fastenaktionen     eines schönen Gedichts sein, einer kurzen
                                               „7 Wochen ohne“. Aktuell gibt es Infor-    Auslegung zur Monatslosung oder zu          Vielleicht werden uns auch mal Artikel
                                               mationen zum Verfahren der Wahl für        einem Kirchenlied. Es können histori-       aus der Gemeinde zugetragen oder uns
                                               den neuen Kirchenvorstand.                 sche Themen sein wie beispielsweise         erreichen Fragen und Anregungen, die
                                                                                          zu Sophie Scholl oder zur Madonna von       unseren Gemeindebrief noch interes-
                                               Im Gemeindebrief gibt es immer auch        Stalingrad. Die Botschaft dahinter: Gott    santer, bunter und lesenswerter machen
    „Unsere Kirche“ ist ein wunderbares        Artikel unter dem Thema „Rückschau“.       verknüpft seinen Weg mit unserem Leben.     können. Wir vom Redaktionsteam neh-
    Kommunikations- und Informationsmittel     Der Blick zurück auf ein gelungenes        Wir im Redaktionsteam möchten unse-         men Ihre Impulse gerne entgegen.
    für alle Termine und Veranstaltungen,      Konzert, auf einen besonderen Gottes-      ren Leserinnen und Lesern ein buntes
    die es in unserer Gemeinde gibt. Es ist    dienst, auf ein Gemeindefest, die KiBiWo   Kaleidoskop von Gedanken anbieten.          Sybille Orth-Boll
    schnell zur Hand genommen, aufge-          oder andere Veranstaltungen, an der        Etwas zum Durchblättern und etwas

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Schau auf das Samenkorn                                                                     Monatsspruch
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;                JUNI 2021
                     wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12,24
                      Ein neues Licht erleuchtet die Dunkelheit. Ostern schenkt             MAN MUSS GOTT MEHR GEHORCHEN

                                                                                                                                      «
                      neues Licht und neue Kraft. Besonders in dieser Zeit, die uns
                                                                                            ALS DEN MENSCHEN.
                      allen viel abverlangt, kann uns dieses Licht der Osterkerze
                      auf unserem Weg leuchten.                                             APOSTELGESCHICHTE 5, 29
                      Auf unserer neuen Osterkerze habe ich dieses Jahr ein
                      Samenkorn abgebildet. Aus diesem kleinen Korn wächst
                      neues Leben und trägt reiche Frucht. Eine unvorstellbar kraft-   Beim ersten Lesen dieses Verses musste ich     lieben von ganzem Herzen und deinen
                      volle Wirkung hat ein keimendes Samenkorn, aus dem eine          spontan an den erhobenen Zeigefinger und       Nächsten wie dich selbst (Lukas 10, 27).
                      Pflanze wächst. Sie schenkt uns bunte Farben und reiche          den strengen Blick meiner frommen Groß-
                                                                                                                                      Mit seinen Lehren und seinen Taten hatte
                      Frucht. Gottes Kraft zeigt sich in diesem kleinen Wunder         mutter denken.
                                                                                                                                      Jesus viele Menschen so tief berührt, dass
                      und ist uns ein Sinnbild dafür, dass Leben immer wieder
                                                                                       So vieles war verboten, so viele Regeln        sie glaubten, dass er Sohn Gottes sei. Nach
                      neu erblühen kann. So kann aus dem winzigsten Korn etwas
                                                                                       waren zu beachten, und jeder Ungehorsam        seinem Tod können Petrus und seine Freunde
                      Großes entstehen.
                                                                                       wurde von Gott gesehen. Heute – nach Jah-      nicht aufhören, von Jesus und seiner befrei-
                      Auf Vieles mussten wir im vergangenen Jahr verzichten und        ren des Abstandes – hinterfrage ich diese      enden Liebe zu predigen. Als die Hohe-
                      niemand kann mit Sicherheit sagen, ob unser gewohnter All-       Form des Gehorsames.                           priester ihn bedrohen und ihm die Predigt
                      tag wiederkommen wird. Wie ein Samenkorn, das in die Erde                                                       verbieten, sagt Petrus: „Nein, ich werde
                                                                                       Was bedeutet „gehorchen“, vor allem im
                      fällt und erstirbt, haben wir Dinge loslassen müssen, die uns                                                   nicht gehorchen, ihr seid nur Menschen.
                                                                                       Zusammenhang unseres Textes?
                      wichtig sind.                                                                                                   Ich werde nicht aufhören, von dem zu spre-
                                                                                       In „gehorchen – Gehorsam“ steckt das Wort      chen, was ich von Jesus tagein-tagaus
                      Ich wünsche mir, dass in Zukunft dieses Samenkorn beginnt                                                       gehört habe. Ich gehorche nur Gott allein.“
                                                                                       „hören“. Nicht nur hören was die Ohren
                      zu keimen und Neues erwachsen lässt. Es braucht Mut, neue
                                                                                       wahrnehmen, sondern horchen, bewusst
                      Schritte zu gehen, aber ein Neuanfang bringt auch die Chance                                                    Der ängstliche Petrus, der Jesus verleugnet
                                                                                       hinhören auf etwas, das wichtig ist.
                      mit sich, neue Frucht hervorzubringen. Der Vers aus Johannes                                                    hatte, stellt sich nun mutig gegen die
                      12 schenkt Hoffnung auf ein neues Blühen, um gestärkt in         Petrus war frommer Jude und lebte in der       Mächtigen und geht den Weg, den er
                      die Zukunft gehen zu können.                                     Tradition der Gebote, die den Alltag regel-    als einzig richtigen erkannt hat:
                                                                                       ten. Dann war Jesus in sein Leben getreten     Gott von ganzem Herzen lieben und ver-
                      Wir alle können dazu beitragen und der kleinen Pflanze beim                                                     trauen und den Menschen dienen mit der
                                                                                       und hatte ihn in seine Nachfolge gerufen.
                      Wachsen helfen. Lasst uns gemeinsam den Blick schärfen für                                                      befreienden Verkündigung des Glaubens.
                                                                                       Und Jesus lehrte, dass es neben den zehn
                      die Samenkörner, die in Zukunft keimen werden und ihnen
                                                                                       Geboten nur ein einziges, wichtiges gibt,
                      Wasser, Licht und Liebe schenken, damit sie stark werden.                                                       A. Wehrenfennig
                                                                                       das alle anderen beinhaltet: „Du sollst Gott
                      Laura Schäfer
                                                                                       2/2021                                                                                    7
Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Auf dem
    Osterweg
    Ein zweites Ostern ohne Präsenzgottesdienst, ohne den Zuruf: "Der Herr ist aufer­
    standen!“, ohne ein von den Kindern mit Blumen geschmücktes Osterkreuz.
    Ein Ostern ohne ein gemeinsames Osterfrühstück mit der Gemeinde und ohne
    ein Zusammenkommen in der Familie. Traurige, coronabedingte Umstände, die
    hinzunehmen waren. Es fehlte mir unter diesen Bedingungen die Osterfreude.

    Ich habe mich an Ostermontag auf den        nicht nur kindgerecht den Jüngsten,
    Weg gemacht, auf den in der Gemeinde        sondern jedem, der sich auf dem Weg
    vorbereiteten Osterweg, um doch noch        zur Begegnung befand, vor Augen füh-
    eine Osterfreude zu suchen. Bei leider      ren. Aber wirklich sehr berührt wurde
    trübem Wetter und schließlich Regen         ich von einer ganz persönlichen Begeg-
    habe ich die Stationen aufgesucht. Diese    nung an der Kreuzstation. Ich fühlte mich
    waren stark auf die Bedürfnisse der Kin-    so stark und bewusst wie selten vor
    der ausgerichtet, es sollte ein Angebot     dem diesjährigen Osterkreuz in der
    für Familien sein, da ja auch der Famili-   Begegnung mit Jesus.
    engottesdienst ausfallen musste. Trotz-
    dem konnte jede Station einen Aspekt        Das beschriftete Holzherz, auf das ich
    der Beziehung Jesu mit den Menschen         meinen Namen schreiben durfte, konnte
                                                dieses Jahr statt der Blumen das Kreuz
                                                schmücken. Meinen Namen buchstäb-
                                                lich mit ans Kreuz zu hängen hat den
                                                Bezug des Todes Jesu zu meinem Leben
                                                sehr spürbar werden lassen. Da war
                                                eine sichtbare, fühlbar direkte Verbin-     ein warmes, friedliches, geborgenes          und das Gebet konnten die Unruhe in mir
                                                dung! Und da waren die anderen Her-          Gefühl, das mich auszufüllen begann.        befrieden. Ich habe ein anderes als das
                                                zen, die bereits das Kreuz schmückten.      Eine etwas andere Osterfreude als            gewohnte, aber ein sehr intensives Os-
                                                Das Kreuz trug uns alle, so, wie wir zum    sonst, aber sehr persönlich! Danach saß      tererlebnis auf diesem Weg gefunden.
                                                Kreuz gekommen waren. Jeden Einzel-         ich noch lange in der Kirche und habe        Neue Wege gehen kann tiefe Erfahrun-
                                                nen und in der Gemeinschaft. Ich stand      den Duft des Ostergartens als ein Zei-       gen eröffnen und dafür danke ich Gott.
                                                eine Weile vor diesem Kreuz und ließ        chen des Lebens in mich aufgenommen.
                                                diese Eindrücke auf mich wirken. Es war     Die Stille in der Kirche, die Geborgenheit                               Kerstin Keil

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
KRAFT IN DER KRISE
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                                                                                                                                                          GIESSEN

     Holger Claes, Leiter des Diakonischen Werkes Gießen, erinnert sich: Es war der 30. April   und was wir damals an Unterstützung       Es ist nach 10 Jahren gut, sich zu erin-
     2011, ein Samstag, an dem ich früh geweckt wurde durch einen Anruf unseres ehren-          erlebt haben.                             nern. Ich bin sehr dankbar für alles, was
     amtlichen Organisators der Gießener Tafel. Mit den Worten: „Holger, die Tafel ist abge-                                              wir (vor allem unsere Ehrenamtlichen)
     brannt,“ hat er mich geweckt und natürlich sofort in Alarmstimmung gebracht.               Noch an jenem Samstag kamen neben         geleistet haben und alles das, was wir
                                                                                                der Feuerwehr auch die Helferinnen        noch leisten. Auch in der Krise der Pan-
     Wir haben an jenem Tag erfahren müssen,       konnten. Es sind umfangreiche Aktionen       und Helfer des THW und haben die          demie zeigt sich, wie widerstandsfähig
     dass Brandstifter die Tafelidee in Gießen     gemacht worden zum Saubermachen,             einsturzgefährdeten Teile abgerissen      und wie wichtig die Arbeit der Tafel ist.
     fast zunichte gemacht haben. Bis heute        Schulklassen kamen, soziale Einrichtungen    und dafür gesorgt, dass wir schon am      Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
     ist nicht bekannt, wer das getan hat.         sind zu uns gekommen und haben uns           gleichen Tag mit Zuversicht weitergehen   strengen sich an, damit es Anderen et-
     Eine feige Tat, zu der niemand gestanden      unterstützt, auch unsere Tafelnutzenden      konnten. Viele Verantwortliche in der     was besser geht.
     hat und bei der natürlich die Gefahr          halfen uns in dieser Zeit. Nach einer Wo-    Stadt, im Kreis und darüber hinaus ha-
     bestand, dass das Aus der Tafelarbeit in      che bereits haben wir in den Räumen          ben uns deutlich gemacht, dass wir        Und auch im Nachhinein lässt sich fest-
     Gießen gekommen ist.                          der Jugendwerkstatt eine Übergangs-          nicht alleine sind.                       stellen, von einigen wenigen lässt sich
                                                   möglichkeit gefunden, die drei Monate                                                  eine tolle Idee nicht kaputt machen. Wir
     Doch zum Glück hat sich eine große            später dann in die gründlich renovierten     Für all das, was ich/was wir damals an    müssen aber dagegenhalten und uns
     Soli­daritätswelle gezeigt. Viele, viele      neuen Räume der Tafel führte.                Unterstützung und Solidarität erfahren    mit guten Zielen solidarisch erklären,
     Menschen haben uns unterstützt. Noch                                                       durften, bin ich immer noch sehr dank-    damit wir gut vorankommen. Also nicht
     an diesem Samstag sind viele Tafelmit-        Bis heute ist dieses so und ich bin sehr     bar. Es wird mir nicht bange in einer     nur in der Tafelarbeit.
     arbeitende zur Tafel geeilt und haben         dankbar in der Erinnerung, wie viele         solchen Umgebung, in einer bunten
     geschaut, wie sie helfen können. Nach         Menschen gezeigt haben, dass sie die         Stadt, in einem tollen Landkreis mit so   Seien Sie ganz herzlich gegrüßt.
     nur einer Woche hatten wir sämtliche          Tafelidee unterstützen. Ich erinnere         wunderbaren Menschen zu sein, und         Ihr Holger Claes
     Dinge gerettet, die gerettet werden           mich, wie viele sehr betroffen waren         weiter positiv in die Zukunft zu gehen.

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Zwei in einem – das geteilte Blatt des Ginkgos erinnert auch an unseren
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                                                                                 unter den Menschen gelebt und er hat alles erlebt, was auch wir erleben:
                                                                                 Freude und Tränen, Liebe und Hass, Leid und Zuwendung, Tränen und
                                                                                 Freude, Angst und Mut, Tod und Leben. Wir Christen glauben: Er war
                                                                                 Gott und Mensch. An seinem Reden und Handeln können wir gleichzeitig

     Baum der Hoffnung
                                                                                 Gottes Liebe zu uns erkennen. Gott hat ihn auferweckt vom Tod zu
                                                                                 neuem Leben.

                                                                                 Zwei in einem – wir sind durch die Taufe mit ihm verbunden, er schenkt
                                                                                 uns seinen Segen und damit tragen wir alle so etwas wie einen
                                                                                 göttlichen Funken in uns. Wir machen uns als Menschen immer wieder
     Eine Baumspende in Form eines Ginkgo-Baumes übergab die Pohlheimer          schuldig und leben doch aus seiner Vergebung. Wir müssen alle sterben
                                                                                 und dürfen darauf vertrauen, dass wir in Gottes Ewigkeit mit ihm leben
     Bürgerin Irene Schäfer gemeinsam mit ihrer Enkelin Anna-Pauline             dürfen. Und so gibt uns die Liebe Gottes ganz viel Kraft zum Leben und
     Kühn an die evangelische Kirchengemeinde Watzenborn-Steinberg.              zum Handeln in seinem Namen.
     Mitarbeiter des städtischen Bauhofes, darunter die Gärtner Steffen
     Mühl und Holger Tews, hatten die dafür vorgesehene kircheneigene
                                                                              Für Irene Schäfer ist die Spende eine       Um den Baum, der bis zu 40 Meter hoch­
     Fläche zwischen Christuskirche und Rathaus entsprechend vorbereitet.     Herzensangelegenheit, denn der Baum         wachsen kann, soll noch eine Rasensaat
                                                                              soll Hoffnungsträger sein für die Men-      ausgebracht und Blumenzwiebeln
                                                                              schen in Zeiten der Pandemie. Der Ginkgo    gesetzt werden. Mit Blumen in grüner
                                                                              ist ein Hoffnungsbaum, da es ihn seit       Wiese drum herum kann der Baum in
                                                                              Millionen Jahren gibt und er unterschied­   Zukunft die Besucher erfreuen, kündig-
                                                                              liche Zeitalter überstanden hat. Ginkgos    ten die Bauhof-Mitarbeiter an, die für
                                                                              waren schon Zeitgenossen der urzeit­        die Pflege der Anlagen verantwortlich
                                                                              lichen Dinosaurier. Eine besondere          sind. Pfarrerin Hofmann-Weiß bedankte
                                                                              Robust­heit zeichnet ihn aus. Seine Wirk-   sich bei Irene Schäfer und dem Bauhof.
                                                                              stoffe haben zudem heilende Wirkung.        „Solch einen schönen symbolischen
                                                                              Alle diese Eigenschaften haben ihm den      Baum der Hoffnung neben der Kirche,
                                                                              Beinamen „Weltenbaum“ eingebracht.          in unmittelbarer Nähe zum Genozid
                                                                              Und auch in der dichtenden Kunst wie in     Denkmal und dem Friedhof zu haben,
                                                                              Johann Wolfgang von Goethes Versen          ist wunderbar. Möge der Baum uns
                                                                              „Ginkgo Biloba“ wurde er verewigt.          allen und zu jeder Zeit Kraft und Hoff-
                                                                              Goethe ließ sich von seiner besonderen      nung schenken und uns daran erinnern,
                                                                              Form des zweiteiligen Blattes als Zei-      dass das Leben siegt.“ so Pfarrerin
                                                                              chen von Frieden und Freundschaft für       J. Hofmann-Weiß.
                                                                              seine Geliebte Marianne von Willemer
                                                                              inspirieren.                                Roger Schmidt

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
WÄHLEN SIE!
                                  Kirchenvorstandswahlen – ein evangelisches Markenzeichen
     Für die nächste Kirchenvorstandswahl in der Evangelischen Kirche in Hessen                weniger als die Hälfte der abgegebenen       Wir hoffen, dass möglichst viele Men-
     und Nassau (EKHN) ist Sonntag, der 13. Juni, als Wahlsonntag vorgesehen. Bei              Stimmen erhalten haben. Werden nicht         schen ihre Stimme abgeben. Für die
     uns in der Kirchengemeinde wird es kein Wahllokal geben, denn wir haben uns               alle Kandidat*innen gewählt, müssen          Gemeinde ist es wichtig, durch eine
     bereits Anfang des Jahres für eine Briefwahl entschieden. Alle Gemeindemit-               ganz neue Kandidat*innen innerhalb           hohe Wahlbeteiligung ihrem neuen
     glieder, die wahlberechtigt sind, werden eine Wahlbenachrichtigung in Form                kurzer Zeit gefunden werden, um die          Kirchenvorstand einen breiten Rückhalt
     eines Briefwahl­scheins bekommen. Sollten Sie bis Mitte Mai keinen Briefwahl-             fehlenden die Plätze zu besetzen, was        zu geben. Nach evangelischer Auffas-
     schein bekommen haben und dennoch wahlberechtigt sein, melden Sie sich                    aufgrund unserer Erfahrung nicht aus-        sung trägt der Kirchenvorstand die Ver-
     bitte im Gemeindebüro bei Frau Hickmann. Uns liegt ein aktuelles Wählerver-               sichtsreich ist. Eine weitere Möglichkeit    antwortung für das gesamte Gemeinde-
     zeichnis vor und wir können gegebenenfalls noch Briefwahlscheine ausgeben.                wäre dann, die Zahl der Plätze im Kirchen-   leben. Der Entscheidungsrahmen reicht
     Wir wissen aus Erfahrung, dass auch die Computersysteme nicht unfehlbar sind.             vorstand durch Beschluss zu verringern,      von inhaltlichen über finanzielle bis hin
     Briefwahlscheine können noch am Wahltag vormittags im Gemeindebüro ab-                    dabei würde dann die umfängliche Arbeit      zu personellen Entscheidungen. Der Kir-
     geholt werden.                                                                            und die vielfältigen Aufgaben auf den        chenvorstand hat die Aufgabe, Orientie-
                                                                                               Schultern weniger Personen ruhen.            rung zu geben, Menschen zusammenzu-
     Am Sonntag, den 13. Juni, werden die       stand angehören sollen. Das sind 13            Das wünschen wir uns nicht.                  führen und miteinander Entscheidungen
     Briefwahlscheine ab 18.00 Uhr ausge-       Personen. Wir sind sehr dankbar für                                                         herbeizuführen. Das können wir nur mit
     zählt. Dafür haben wir einen Wahlvor-      alle, die bereit sind, diesen wichtigen                                                     vielen gemeinsam tun und darauf freuen
     stand gewählt, der die Wahl begleitet.     Dienst für unsere Kirchengemeinde zu                                                        wir uns.
     Die Auszählung ist öffentlich und findet   übernehmen und freuen uns, dass wir
     im großen Saal des Thomashauses statt,     aus allen Bereichen unseres Gemeinde-                                                                           Jutta Hofmann-Weiß
     sofern das unter Corona Bedingungen        lebens Menschen unterschiedlichen
     möglich ist.                               Alters gefunden haben, die sich enga-
                                                gieren wollen.
     Bei uns in der Kirchengemeinde haben
     sich für die Kirchenvorstandswahl nur so   Sie, die Wählerinnen und Wähler, haben
     viele Kandidat*innen für die Wahl ge-      die Möglichkeit die ganze Liste aller Kandi­
     funden, wie dem nächsten Kirchenvor-       dat*innen mit einem Kreuz zu wählen.
                                                Wählen Sie nur einzelne Kandidat*innen
                                                so sind diejenigen nicht gewählt, die

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
R  , Z  O O M , C H A T ,
 MENTIMETE                                           N D ,…
                      U M  M E R , A C T I O N B O U
 KENNWO R T , I D - N
                                                                                            „nur“ noch online via Zoom. Wir hoffen
                                                                                            sehr, dass die Konfis in diesen heraus­
     All diese Wörter wären in den Erzählungen der Konfis vor zwei                          fordernden Zeiten trotz des geänderten
     Jahren noch nicht vorgekommen. Für unsere jetzigen Konfis                              Konzepts bis jetzt etwas von der
     sind das Wörter, die ihre Konfizeit mitprägen.                                         Menschenfreund­lichkeit Gottes erlebt
                                                                                            haben, und dass sie ihren Glauben zum
                                                                                            ersten Mal oder aber auch neu entde­        Auch die Gemeinschaft kam zu kurz.
                                                                                            cken konnten.                               Beides ist uns aber unwahrscheinlich
                                                                                                                                        wichtig. Daher haben wir mit den Eltern
                                                                                            Viele Gedanken haben wir uns mit ihnen      im Februar darüber nachgedacht, die
                                                                                            darüber gemacht, was unser Glaube in        Konfirmationen zu verlegen. Wir möchten
                                                                                            unserem Alltag für eine Bedeutung ge­       noch etwas Zeit gewinnen. Zeit für Ge­
                                                                                            winnen kann. Wir haben uns darüber          meinschaft, für gemeinsames Erleben
                                                                                            ausgetauscht, wie gut es ist beten zu       und für Gesichter ohne Masken.
                                                                                            dürfen oder miteinander Abendmahl
                                                                                            zu feiern. Die Konfis haben sich intensiv   Wir haben mit den Eltern unserer Konfir­
                                                                                            mit ihrer eigenen Taufe beschäftigt und     mand:innen in Watzenborn-Steinberg
                                                                                            dazu auch spannende Gespräche mit           entschieden, dass der Konfirmations­
                                                                                            ihren Eltern, Patinnen und Paten ge­        gottesdienst auf den 11. Juli 2021 ver­
     Konfi in Pandemiezeiten ist so ganz an­     auf andere und auf Fragen des Glaubens     führt. Welche Bedeutung hat eigentlich      schoben wird. Den Vorstellungsgottes­
     ders, als wir uns alle das noch vor einem   einzulassen. Ein wichtiges Element der     heute noch die Bibel für unser Leben?       dienst planen wir zusammen mit allen
     Jahr vorgestellt haben. Als Laura Schäfer   Konfizeit sollte daher das Erleben von     Dieser Frage sind wir ebenfalls nachge­     Konfis – auch aus Petersweiher, Garben­
     und ich gefragt wurden, ob wir die Konfi­   Gemeinschaft sein. Wir wollten den         gangen. Wir haben in den letzten Monaten    teich und Hausen – am 4. Juli 2021.
     zeit für Garbenteich, Hausen und Peters­    Konfis ermöglichen zu erleben, dass der    oft Gottesdienste miteinander gefeiert.
     weiher in der Elternzeit von Pfarrerin      Glaube in dieser Gemeinschaft Halt gibt.   Den ersten konnten wir noch gemein­         Wir freuen uns auf die verbleibende ge­
     Marisa Mann übernehmen könnten,                                                        sam in der Reithalle auf dem Sameshof       meinsame Zeit mit tollen Konfis und
     haben wir ein Konzept entwickelt, das       Leider konnten wir an keinem einzigen      erleben, alle anderen danach online und     einem super ehrenamtlichen Team aus
     unter anderem vier intensive und ab­        Wochen­ende gemeinsam wegfahren.           sehr interaktiv. In unserem ursprüngli­     Garbenteich, Hausen, Petersweiher und
     wechslungsreiche Wochenenden auf            Aber trotz­dem haben wir uns an den ge­    chen Konzept sollte das gemeinsame          Watzenborn-Steinberg.
     dem Flensunger Hof vorgesehen hatte.        planten Wochenenden getroffen – zu         Singen wichtiger Bestandteil werden.
     Solche Wochenenden bieten einen             Beginn noch persönlich und auf Abstand     Dies konnten wir leider bis jetzt nicht     Laura Schäfer, Dekanatsjugendreferentin
     Rahmen, der es ermöglicht, sich intensiv    – dann in den letzten drei Monaten         miteinander erleben.                        Alexander Klein, Stadtjugendpfarrer

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Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
Monatsspruch
                                                                JULI 2021

                                                                GOTT IST NICHT FERNE VON UNS.

     WIR WERDEN KONFIRMIERT:
                                                                                                         «
                                                                DENN IN IHM LEBEN, WEBEN
                                                                UND SIND WIR.

     Aydin, Laetizia             Müller, Pauline                APOSTELGESCHICHTE 17, 27

     Becker, Jan                 Rinn, Julius
                                                           Der Apostel Paulus ist nach Griechenland   Weben – eine alte, wichtige Handwerks-
     Czap, Marlene               Schäfer, Jette            gereist und nach Athen gekommen, dem       kunst. Wer webt, stellt ein Gewebe her,
                                                           geistigen Zentrum der antiken Welt.        verknüpft Fäden zu Mustern, und so ent-
     Dietz, Marie Julie          Schiefer, Anton
                                                                                                      steht ein schönes Tuch oder ein kunst-
                                                           Hier steht er mitten auf dem Areopag,
     Häuser, Luca Elias          Schlosser, Samuel         einem großen Platz mit vielen Altären
                                                                                                      voller Teppich. Das Bild vom Weben
                                                                                                      verbindet Paulus mit dem Leben.
     Happel, Tim                 Schmidt, Paul             für die verschiedenen Götter, unter an-

                               UNSERE
                                                           derem auch einem Altar für den unbe-       Wie der Weber verknüpfen wir die Tage
     Heddrich, Luis              Schweiger, Merit Sophie   kannten Gott.                              unseres Lebens zu einem Ganzen. Ob
                                                                                                      es gut und schön wird, hängt vom
     Hofmann, Destiny-Joanna     Steidl, Romy              Paulus spricht zu den versammelten
                                                                                                      Weber ab, von der Anzahl der Fäden, der
                                                           Athenern und sagt ihnen: Ich kenne

                                KONFIS
                                                                                                      Farben und vom Muster, das entstehen
     Hucht, Charlotte Louise     Wächter, Silas            diesen unbekannten Gott und diene
                                                                                                      soll. Da kann auch mal was durcheinan-
                                                           ihm. Er hat die Welt geschaffen. Durch
                                                                                                      dergeraten.
     Kosaca, Juli Eileen         Walther, Tim              ihn sind die Gestirne, die Pflanzen, die
                                                           Tiere und die Menschen gemacht wor-        Aber wenn Gott mit uns am Webstuhl
     Kosempel, Maren             Willbond, Nika Marleen

                                 20/21
                                                           den. Allen hat er ihre Ordnungen und       unseres Lebens sitzt, wird unser Lebens-
                                                           Lebensräume gegeben. Er ist ihnen na-      teppich am Ende wohl geraten, schön
     Krause, Emilia              Wohlfeil, Lee Sophie
                                                           he, erhält und beschützt sie.              und kunstvoll sein – ein Unikat.
     Lux, Justus                 Zettlitzer, Erik          Beinahe poetisch klingen seine Worte:      A. Wehrenfennig
                                                           In ihm leben, weben und sind wir.

18                                                         2/2021                                                                                19
Neues aus der Kirchengemeinde
                       Nicht nur eine Pandemie stellt uns als Kirchengemeinden vor                Personalsituation
                       neue Herausforderungen. Auch andere Entwicklungen fordern
                                                                                                  Zurzeit leider weniger erfreulich ist die    Gottesdienste halten. Da aber Frau Kuhn
                       neue Entscheidungen und binden Kräfte.
                                                                                                  Personalsituation im Kooperationsraum.       nur mit einer halben Stelle Vertretungs-
                                                                                                  Hier sind momentan von vier Pfarrstellen     dienste übernehmen kann, müssen Auf-
     Gemeinsames Gemeindebüro                                                                     nur zweieinhalb Stellen besetzt. Seit 1.     gaben noch anderweitig aufgeteilt werden.
                                                                                                  März ist aus gesundheitlichen Gründen        Die Stelle in Garbenteich und Hausen
     Die Gemeinden Steinbach/Albach,               cher Beratung seitens der Landeskirche
                                                                                                  von Pfarrer Merten Teichmann die Stelle      wird auch voraussichtlich erst wieder
     Gar­benteich/Hausen und Watzenborn-           statt, denn es gibt sehr viel zu bedenken
                                                                                                  in Garbenteich und Hausen wieder unbe-       zum 1. Januar 2022 besetzt sein. Pfarrerin
     Steinberg bilden seit längerem einen          und zu planen. Anstatt kleiner Büros an
                                                                                                  setzt. Pfarrerin Claudia Kuhn war für Ver-   M. Mann ist nur mit 10 Prozent ihres Auf-
     sogenannten „Kooperationsraum“. Das           jedem Ort mit nur ganz wenigen Büro-
                                                                                                  tretungsdienste von Pfrn. M. Mann hier       trages im Dienst. Ab Januar 2022 werden
     bedeutet, dass die Pfarrkolleg*innen sich     stunden und entsprechend wenig Öff-
                                                                                                  in Watzenborn-Steinberg eingesetzt, und      es 50 Prozent sein und in ca. einem Jahr
     gegenseitig bei Urlaub und im Krankheits­     nungszeiten, wird es in Zukunft ein
                                                                                                  ihr Dienst wird jetzt verständlicherweise    wird sie wieder auf ihre Vollzeitstelle zu-
     falle vertreten. Es bedeutet auch, dass       Gemeindebüro geben, indem zwei bzw.
                                                                                                  dringender in Garbenteich und Hausen         rückkehren. So die Planung. Wir sind sehr
     die Gemeinden an so manchen Stellen           drei Sekretärinnen mit insgesamt 40
                                                                                                  benötigt. Sie wird noch ab und zu einen      dankbar, dass die Kolleg*innen aus den
     im Gemeindeleben zusammenarbeiten.            Stunden in der Woche gemeinsam die
                                                                                                  Gottesdienst in unserer Gemeinde halten.     Nachbargemeinden, Leihgestern, Großen
     Wir denken an die gemeinsamen Passions­       Büroarbeit erledigen, die in vielen Arbeits­                                                Linden und Langgöns sich bereit erklärt
                                                                                                  Das ist nur möglich, da der Kirchenvor-
     andachten mit Garbenteich, an das Kin-        prozessen für alle Gemeinden gleich ist.                                                    haben, Vertretungsdienste für Bestattun-
                                                                                                  stand in Garbenteich und Hausen be-
     dermusical mit Hausen und auch an den         Auch die Arbeit in einem Gemeindebüro                                                       gen mit zu übernehmen, bis alle Stellen
                                                                                                  schlossen hat, während der Vakanzzeit
     Diakoniesonntag, den wir seit vielen Jahren   hat sich verändert im Laufe der Jahre und                                                   wieder besetzt sind. Wir bitten um Ihr
                                                                                                  um 11.15 Uhr abwechselnd in Garbenteich
     alle gemeinsam feiern. Zum ersten Mal         erfordert eine hohe Qualifikation und fach­
                                                                                                  oder Hausen Gottesdienst zu feiern. So       Verständnis für diese besondere Situation,
     werden die Konfirmand*innen dieses            gerechte Ausbildung. Das kann nur gewähr­
                                                                                                  können Kolleg*innen oder Prädikant*-in­      die für alle zusätzliche Belastungen dar-
     Jahrgangs von Garbenteich/Hausen und          leistet werden, wenn ein Arbeitsplatz in
                                                                                                  nen an zwei Orten nacheinander               stellt.
     Watzenborn-Steinberg gemeinsam unter-         einem Gemeindebüro auch eine entspre-
     richtet. In der Entwicklung von kirchen-      chende Arbeitszeit umfasst. Außerdem
     gemeindlichen Strukturen ist es für die       gewährleistet das Gemeindebüro auch
                                                                                                  Gemeindepädagoge
     Zukunft wünschenswert, dass Gemeinden         eine viel höhere Erreichbarkeit und die
     in möglichen Arbeitsfeldern enger zu-         Möglichkeit, Arbeitsprozesse zu bündeln                                                     Linden. Der Kinder- und Jugendbereich
     sammenarbeiten. Im Rahmen dieser Ent-         und damit effizient zu sein. Der Prozess       Eine sehr erfreuliche Nachricht ist, dass    freut sich sehr über die Unterstützung,
     wicklung fördert die Landeskirche finan-      zur Einrichtung des neuen Gemeindebü-          ab 1. September Gemeindepädagoge             neue Ideen und Projekte, vielleicht auch
     ziell auch die Einrichtung eines gemein-      ros ist fast abgeschlossen und wir freuen      Ulrich Berk in unserer Kirchengemeinde       gemeinsam mit den Nachbargemeinden.
     samen Gemeindebüros. Vor einigen Mo-          uns auf die gemeinsame Arbeit. Das neue        tätig sein wird. Er ist seit vielen Jahren   Im nächsten Gemeindebrief wird er sich
     naten hat sich in unserem Kooperations-       Gemeindebüro wird in Watzenborn-Stein-         im Dekanat angestellt und wird mit 30        noch vorstellen.
     raum bereits eine Arbeitsgruppe dazu          berg in den bereits vorhandenen Büro-          Prozent Stellenanteil bei uns tätig sein.
     gebildet. Der Prozess findet unter fachli-    räumlichkeiten des Thomashauses sein.          Darüber hinaus arbeitet er auch in der                            Jutta Hofmann-Weiß
                                                                                                  Kirchengemeinde Hausen und in Großen

20                                                                                                2/2021                                                                                     21
Orgelreise durch das Ev. Dekanat Gießen
                                                                                              Die Orgel wurde von den Landesmusikräten
                                                                                              zum „Instrument des Jahres 2021“ gewählt.
                                                                                              Orgelmusik und Orgelbau ist durch die
                                                                                              UNESCO als Immaterielles Kulturerbe aner­
                                                                                              kannt und die „Königin der Instrumente“
                                                                                              fasziniert und begleitet seit vielen Jahr­hun­

     Neues aus der Kirchenmusik
                                                                                              derten Groß und Klein. Auch in unserem
                                                                                              Dekanat soll die Orgel in diesem Jahr eine
                                                                                              besondere Rolle spielen. Meine Kollegen
                                                                                              Marina Sagorski, Christoph Koerber und ich
     Liebe Gemeinde,                                                                          stellen auf einer virtuellen Orgelreise jeden
                                                                                              Monat eine besondere Orgel aus unserem
     die große Corona-Zwangspause scheint                                                     Dekanat vorstellen.
     noch eine Weile anzudauern. Für die
                                                                                              Mit Videos und weiteren Aktionen stellen wir die Instrumente vor – meist sind
     Kirchenmusik bedeutet das, sich weiter­
                                                                                              es kleinere Orgeln, die als Instrument, mit ihrem Klang, ihrer Bauweise oder
     hin in Geduld zu üben, bis in Gottes­
                                                                                              ihrer Historie hervorstechen und bemerkenswert sind. Unser Ziel ist es, Neugier
     diens­ten wieder gesungen werden kann,
                                                                                              und Aufmerksamkeit auf die vielen Facetten dieses faszinierenden Instruments
     bis Chorstimmen wieder das Thomas­
                                                                                              zu lenken. Ein besonderer Höhepunkt, auch im Ev. Dekanat Gießen, wird der
     haus erfüllen und Konzerte die Menschen
                                                                                              „Tag der Orgel“ am 12. September 2021 sein. Reisen Sie mit und lernen Sie
     in die Christuskirche locken. Aber die Not
                                                                                              schöne Kirchen und besondere Orgeln in unserer Region kennen. Sie finden
     macht auch erfinderisch und so ent­-
                                                                                              die Videos auf dem Youtube-Kanal „Kirchenmusik in Gießen“.
     s­tehen auch oder gerade in dieser Zeit
     viele neue Ideen. Gospelchor, Kirchen­
     chor und auch der Kinderchor treffen sich
     seit Februar in regelmäßigen Abständen                                                die Lieder noch zu finden auf dem             In diesem offiziellen „Jahr der Orgel“
     auf der Kommunikationsplattform Zoom                                                  Youtube-Kanal „Osterweg 2021 - EVKG           soll auch unsere Orgel in der
     zum Singen und In-Kontakt-bleiben. Die                                                Watzenborn-Steinberg“.                        Christuskirche in den Vordergrund
     Digitalisierung ermöglicht diese wun­der­                                                                                           rücken. Nach vielen Jahren
     bare Form des Beisammenseins mit             melden Sie sich gern bei mir, wenn Sie   Ein Offenes Osterliedersingen, das ich        ihres treuen Dienstes steht
     Distanz. Jeder singt im eigenen Wohn­        Interesse haben.                         am 10. April per Zoom angeboten hatte,        nun wieder einmal eine
     zimmer – man kann sich zwar nicht                                                     zeigte ebenfalls, dass es nicht unmöglich     gründliche Reinigung und
     gegenseitig hören, aber sehen und auf        Für den Osterweg haben die Chöre drei    ist, in diesen Zeiten gemeinsam Zeit          Überholung des
     Distanz für eine Stunde musikalische         Lieder eingesungen, die man sich an      singend zu verbringen und unseren             Instrumentes an,
     Gemeinschaft erleben. Die Zoom-Proben        den verschiedenen Stationen mit dem      großen Liederschatz auf diese Weise           die wir zusammen
     sind natürlich offen für neue Mitsänger –    Handy anhören konnte. Auch jetzt sind    im Herzen zu bewahren.                        mit einigen

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WIR SUCHEN DIE TOP 5 FÜR DAS NEUE GESANGBUCH
                                                                                         Welches Lied singst Du am liebsten im Gottesdienst? Was ist Dein persönlicher Hit?
                                                                                         Genauer gefragt: Was ist Deine TOP 5? Denn genau die suchen wir. Und zwar für das
                                                                                         neue Gesangbuch, das bis 2030 erscheinen soll. Zunächst digital, später auch in
                                                                                         gedruckter Form.

                                                                                         Dabei kannst Du uns unterstützen. Schick uns Deine Lieblingshits und zwar von Platz 1
     klanglichen Verbesserungen in der          Kanälen bereichernde musikalische Er­-   bis 5. Also genau die Songs, die auf jeden Fall im neuen Gesangbuch stehen müssen. Bis
     kommenden Zeit in Angriff nehmen           l­ebnisse für unser Leben und unseren    Ende Juli kannst Du Deine Vorschläge eintragen. Ob die Lieder bereits im aktuellen
     wollen.                                    Glauben bekommen können. Alle            Gesangbuch stehen oder nicht - ganz egal! Sollte zu Deinen persönlichen Top 5 ein Lied
                                                aktuellen Informationen zur Kirchen­     gehören, das bisher in noch keinem Liederbuch zu finden ist, schick uns am besten die
     Singen und Proben per Zoom, Zoom-          musik finden Sie auch auf den Seiten     Noten mit Verfasser*in und Rechteangaben davon an impulsegesangbuch@ekd.de.
     Gottesdienste, Orgelvideos, Video-         unserer neuen
     Gottesdienste, Tonaufnahmen, YouTube-      Gemeinde-Homepage.                       Mit allen genannten Liedern wird sich der Liederausschuss der Gesangbuchkommission
     Kanäle, soziale Medien – dies alles sind                                            beschäftigen. Natürlich werden aber neben diesen Liedvorschlägen auch noch die vielen
     spannende, neue Arbeitsbereiche, die       Herzliche Grüße                          bereits bestehenden Gesang- und Liederbücher geprüft werden. Die gemeinsamen Top
     sich für meine Arbeit in den letzten Mo­   Kantorin                                 5 findest Du voraussichtlich Ende des Jahres in der Liederapp Cantico.
     naten aufgetan haben. Ich bin gespannt,    Cordula Scobel
     wo diese Reise noch hinführt. Und ich                                               Wir freuen uns auf Deine Vorschläge.
     freue mich, wenn viele Menschen mit­
     reisen und wir auf alten und neuen                                                             Weitere Infos: www.ekd.de/evangelisches-gesangbuch.
                                                                                                              Der QR-Code führt Dich direkt zur Homepage
                                                                                                                 mit der Umfrage und vielen weiteren Infos.

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                                                                                                                                                          EVKD-0001 Schick uns Dein Lied (ohne Logo) 210420.indd 1
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders!“
                                                                              Kirchenpräsident der EKHN                  dies vor Kaiser und Reich in Worms tun
                                                                                                                         soll. Heute würden wir es vielleicht so
                                                                              Dr. Volker Jung schreibt zu                sagen: Er zeigt Haltung und Zivilcourage.
                                                                              diesem Ereignis:
                                                                                                                         Er bleibt bei dem, was er als wahr er­
                                                                                                                         kannt hat, obwohl er weiß, dass ihn dies
                                                                                                                         persönlich in große Bedrängnis bringen
                                                                                                                         kann. Von außen betrachtet kann dies als
                                                                                                                         herausragende menschliche Leistung
                                                                                                                         einer beeindruckenden Persönlichkeit
                                                                                                                         verstanden werden. Das wird aber dem
                                                                                                                         nicht gerecht, was Luther selbst geglaubt
                                                                                                                         und erlebt hat. Er hat das Evangelium
                                                                                                                         nicht nur als Glaubenswahrheit entdeckt,
                                                                                                                         sondern als Glaubenskraft erfahren.
                                                                              Martin Luther vor dem Reichstag in Worms
                                                                              – das ist eine bis heute be­eindruckende   Glaubenswahrheit und Glaubenskraft ist
                                                                              Geschichte vom Mut eines einzelnen         das Evangelium bis heute. Das will ich
     Am 18. April 1521 steht Martin Luther auf dem Wormser Reichstag vor      Menschen. Luther stellt sich gegen die     verdeutlichen. Im Evangelium hat Luther
                                                                              mächtigsten Institutionen seiner Zeit.     immer wieder Halt und Kraft gesucht
     dem Kaiser und den päpstlichen Gesandten und erklärt mutig, dass
                                                                              Das tut er nicht, um eine persönliche      und gefunden – als Menschen sich gegen
     er seine Kritik an der damaligen Kirche nicht widerrufen wird: eine      Meinung oder eigene Interessen durch­      ihn gestellt haben und ihn bedroht haben
     Sternstunde der Menschheit! Schließlich verkündet der Theologe           zusetzen. Er hat intensiv die Heilige      und auch in anderen schweren Zeiten.
     damit zugleich: Staat und Kirche besitzen kein Wahrheitsmonopol.         Schrift studiert und erfahren, dass ihn    Für ihn war klar: Das Evangelium ist kein
                                                                              die frohe Botschaft von der Gnade und      Schutz vor Rückschlägen, schweren
     Es ist wichtig, selbst zu denken, sein Gewissen zu befragen und zu
                                                                              Liebe Gottes aus eigenen Ängsten be­       Lebenserfahrungen, auch nicht vor
     wissen, an welchen Werten man sich orientiert – in Luthers Fall an der   freit hat. Dabei ist in ihm die Überzeu­   Leiden und Tod. Aber es ist eine große
     Bibel. 500 Jahre später feiert die Evangelische Kirche dieses Ereignis   gung gereift, dass die Wahrheit des        Kraft, in all dem nicht zu verzweifeln.
     in dem Bewusstsein, dass es zu allen Zeiten Menschen braucht, die        Evangeliums in der Kirche seiner Zeit      Mehr noch: Es ist eine Kraft, standhaft
                                                                              verdunkelt ist. Vor seinem Gewissen        bleiben zu können und aufrecht. Und es
     für ihren Glauben und ihre Überzeugungen einstehen … und die             sieht er sich dieser Wahrheit verpflich­   ist eine Kraft, für andere da zu sein –
     bereit sind, sich einem offenen Dialog zu stellen.                       tet. Deshalb widerruft er nicht, als er    auch in großer Not.

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vor Rückschlägen und Gefahren. Der
                                                   Glaube kann aber Kraft geben, in
                                                   Spannungen und Anspannungen, in                 Die Sorgen an den Himmel werfen
                                                   Sorgen und Angst nicht zu zerbrechen.
                                                                                                   Sommer – die Erlaubnis,
                                                   Und der Glaube leitet an, die Vernunft
                                                   einzusetzen und in einem guten,                 sich leicht zu fühlen.
                                                   helfenden Sinn füreinander da zu sein           Am Morgen schon einstimmen
                                                   und Verantwortung zu übernehmen für             ins Lied der Amsel.
                                                   die Gesellschaft und für unsere Welt.           Den Tau unter den Füßen spüren,
                                                                                                   als könne man
                                                   Ich bin überzeugt: Ein solcher Glaube           auf seinem Glitzern gehen,
     Ein Beispiel: Als 1527 in Wittenberg die      macht stark – nicht nur in Zeiten einer         Rosenduft
     Pest ausgebrochen war, schreibt Luther        weltweiten Pandemie. Dieser Glaube              durch Nase und Seele wehen lassen.
     sehr konkret, was dies heißt. Vieles klingt   gibt Halt und hat orientierende Kraft in        Staunen
     heute in Zeiten der Corona-Pandemie           ganz persönlichen Krisen und Herausfor­         über das Rot des Klatschmohns.
     erschreckend bekannt. Zum einen geht          derungen. Und auch in den großen                Die Sorgen an den Himmel werfen
     es darum, vorsichtig zu sein. Er schreibt:    Aufgaben, die wir als Menschheit in             und mit den Wolken
     „Ich will räuchern, die Luft reinigen hel­    dieser Welt haben. Wir brauchen Mut,            weiterziehen lassen.
     fen, Arznei geben und nehmen, Orte und        Zuversicht und den Willen zur Verän­de­-
     Personen meiden, da man meiner nicht          r­ung, um ein gutes Leben miteinander           Im Sommer fließt Gottes Liebe über.
     bedarf, auf dass ich mich selbst nicht        zu gestalten. Dazu gehört, verantwor­           Er verschwendet sich an uns.
     verwahrlose und dazu durch mich               tungs­voll mit den Ressourcen dieser            Den Blumen gibt er Farben und Duft.
     vielleicht viele andere vergiften und         Welt umzugehen und dem Klimawandel              Dem Sonnenlicht
     anstecken und ihnen so durch meine            entgegenzuwirken. Und dazu gehört               schenkt er Wärme und Kraft.
     Nachlässigkeit Ursache des Todes sein         auch, politischem Totalitarismus und            Im Rauschen des Bachs
     möchte.“ Zum anderen ist für ihn aber         religiösem Fundamentalismus entge­              klingt ein leises Lied
     auch klar: „Wo aber mein Nächster mein        genzutreten.                                    und die Wipfel der Bäume
     bedarf, will ich weder Orte noch Perso­                                                       wiegen sich sanft im Wind.
     nen meiden, sondern frei zu ihm gehen         Das Evangelium ist Ruf und Berufung
     und helfen“. Und er zieht ein Fazit:          Gottes, als freie Menschen verantwo­r­          Der Sommer erzählt uns
     „Siehe, das ist ein rechter, gottes­fürch­    tungs­voll und gewissenhaft miteinander         von Gottes Liebe:
     tiger Glaube, der nicht dummkühn noch         zu leben. So leben wir als Menschen aus         Großzügig, verschwenderisch,
     frech ist und auch Gott nicht versucht.“      der Kraft der Liebe, der wir das Leben          leise und sanft:
                                                   und diese Welt verdanken. Dieser Glaube         so verschenkt er sich an uns.
     Die Pest dauerte mehrere Monate,              geht mit Zuversicht und Hoffnung an die
     Luthers Haus wurde auch für etliche           Aufgaben jedes Tages und in die Zukunft.        Tina Willms
     Kranke ein Zufluchtsort. Da wird doch
     sehr deutlich: Der Glaube schützt nicht                          (aus: wagemutig.de)

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Unsere Patenschaft
                                                   mit dem Kinderwerk Lima
     Seit fast 50 Jahren unterstützen wir als Kirchengemeinde das Kinderwerk Lima.
     In Paraguay, Burundi und Peru werden Kinder, Jugendliche und Familien
     durch verschiedene Projekte unterstützt. Ein großes Problem der Pandemie
     ist, dass Spendengelder wegbrechen z. B. durch die fehlenden Kollekten aus
     den Gottesdiensten. Gleichzeitig nimmt aber die Notwendigkeit der Hilfe in
     der Pandemie zu, wie ein Spendenprojekt zeigt. Es heißt: Sauerstoff – Luft
     zum Leben. Ein Bericht dazu über Nancy, die als alleinerziehende Mutter mit
     ihren Kindern Joe (9 Jahre) und Emily (3 Jahre) in Lima lebt.

     Vor zwei Jahren hat sie sich von ihrem       Nach Luft ringend und hustend wand
     Mann getrennt, der nicht gut zu ihr          sie sich im Bett. Es gelang ihr, ihren
     war. Joe besucht die Gutenberg-Schule        Mann per Handy zu erreichen. Er kam
     des Kinderwerkes im Stadtteil Comas.         sofort. Sie riefen einen Arzt, der ins Haus
     „Er ist eigentlich gut in der Schule - vor   kam. Der riet ihnen, ein Krankenhaus
     allem in Mathe“, sagt die Mutter. „Aber      aufzusuchen. Aber wie sollte Nancy da
     als sein Vater auszog, wurden seine          hinkommen? Ein Krankenwagen würde
     Noten immer schlechter. Und dann kam         nicht kommen. Und mit ihren starken
     auch noch die Pandemie hinzu…“ Joe           Hustenanfällen würde sie kein Taxifahrer
     hat seit über einem Jahr kein Klassen-       mitnehmen. Vor der Klinik angekommen
     zimmer mehr von innen gesehen. Doch          müsste sie sich in eine lange Warte-
     die Schulprobleme wurden nebensäch-          schlange einreihen - völlig unmöglich.
     lich, als sich alle drei mit Corona infi-    Der Arzt stellte Rezepte aus für Schmerz­
     zierten. Joe und die dreijährige Emily       mittel. Nancy brauchte unbedingt Sau-
     zeigten leichte Symptome: Halsweh,           erstoff. „Aber die Schlangen vor den          sämtliche Händler ab von denen er             Nancy nickte vielsagend: „Er hat mich
     Husten, etwas Fieber. Die Mutter steckte     Gashändlern sind noch länger als vor          wusste. „Das rechne ich ihm hoch an“,         praktisch gepflegt. Sie müssen wissen,
     sie ins Bett und pflegte sie. Schon nach     den Kliniken“, sagt Nancy. 50 Liter me-       sagt Nancy. Und tatsächlich erklärte          dass einem die Nachbarn hier nicht
     ein paar Tagen ging es ihnen wieder          dizinischer Sauerstoff können in Lima         sich eine Privatklinik bereit, eine Sauer-­   helfen, wenn man Covid hat. Jeder hat
     besser. Dann ging es Schlag auf Schlag.      derzeit bis zu 600 US-Dollar kosten. Das      stoffflasche auszuleihen. Natürlich ge-       Angst, sich anzustecken.“
     Zu Beginn der zweiten Woche bekam            ist mehr als ein Monatslohn. Doch der         gen Bezahlung. Während der folgen-
     die Mutter selbst starken Husten und         Vater setzte alle Hebel in Bewegung. Er       den Tage war es der neunjährige Joe,          Der Pastor der Gutenberg-Schule schaute
     hohes Fieber. Binnen 24 Stunden wurde        rief weitere Ärzte an. Lieh sich Geld bei     der den Haushalt übernahm und sich            regelmäßig vorbei. Und die Eltern von
     ihr Zustand lebensbedrohlich.                Verwandten und Freunden. Er klapperte         um seine kleine Schwester kümmerte.           Joes Klasse brachten Lebensmittel vorbei.

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Monatsspruch
                                                                                                 AUGUST 2021
                                                                                                 NEIGE, HERR, DEIN OHR UND HÖRE!

                                                                                                                                            «
                                                                                                 ÖFFNE, HERR, DEINE AUGEN
                                                                                                 UND SIEH HER!

                                                                                                 2. KÖNIGE 19, 16

     „Das hat gutgetan. Tagsüber kam auch        Schwierigkeiten, ausreichend Impfstoff     Da geht es einem Menschen sehr schlecht,        winziger, unsichtbarer, heimtückischer Virus.
     eine Schwester von mir und schaute          zu beschaffen. Immer mehr Krankheits-      seine Lage ist bedrohlich.                      Vielen Menschen geht es sehr schlecht:
     etwas nach dem Rechten.“                    und Todesfälle gibt es auch in den Fa-     Es ist der König Hiskia aus dem Alten Tes­      körperlich, wirtschaftlich und seelisch.
                                                 milien der Schüler und Angestellten        tament. Er hat einen Drohbrief des Königs
     Nancy ist inzwischen über dem Berg.         der Gutenberg-Schulen in Peru. Dabei
                                                                                                                                            Viele haben Freunde, Angehörige, die
                                                                                            der Assyrer bekommen, in welchem er ihm         Gesundheit, ihre Existenz verloren.
     Aber sie braucht noch viel Ruhe. „Bei       könnten manche tragischen Todesfälle
                                                                                            die Vernichtung des Volkes Israel ankündigt.
     der kleinsten Anstrengung komme ich         einfach durch die Bereitstellung von                                                       Ausgeliefert und wehrlos fühlen wir uns.
                                                                                            In seiner Verzweiflung nimmt Hiskia das
     sofort außer Atem. Aber ich bekomme         Sauerstoff verhindert werden. Die
                                                                                            Schreiben, geht zum Tempel und legt Gott        Was können wir, neben der Einhaltung aller
     jetzt wieder besser Luft.“ Zur Sicherheit   Gutenberg-Schulen in Lima haben die
     hat sie die Sauerstoffflasche eine wei-     Möglichkeit, mehrere Sauerstoffkon-        den Brief hin.                                  Hygieneregeln, noch tun?
     tere Woche gemietet. Joe ist weiterhin      zentratoren und Sauerstoffflaschen         Er sagt: „Gott, mach deine Ohren auf! Hör       Machen wir es wie Hiskia, nicht nur jetzt,
     der Mann im Haus und kümmert sich           zu kaufen. Sie sollen an Erkrankte mit     auf das, was ich dir zu sagen habe! Gott,       sondern in allen Lebenskrisen, und gehen
     um alles: „Ich wünsche mir, dass mei-       Atemproblemen ausgeliehen werden.          mach deine Augen auf! Sieh hin und lies         zu Gott, breiten vor ihm unsere Sorgen aus
     ne Mama wieder ganz gesund wird,"           Ein Konzentrator kostet rund 1.500 Euro.   was hier geschrieben steht. Wir werden          und sagen:
     sagt er.                                    Sauerstoffflaschen mit 50 Liter Inhalt
                                                                                            untergehen, wenn du nicht hilfst.“              „Gott, höre zu, was ich dir zu sagen habe.
                                                 kosten derzeit rund 500 Euro pro Stück.
     Die Coronazahlen in Peru steigen wieder     Jede weitere Füllung kostet rund 200       Der König vertraut auf Gottes Hilfe, weiß,      Gott, mach deine Augen auf und sieh
     auf beängstigende Höhen. Peru hat           Euro Dazu kommen noch Zubehörteile.        dass nur Gott alleine das Volk und ihn retten   genau hin.
                                                                                            kann aus den Händen dieser übermächtigen
                                                                                                                                            Gott, erkenne meine schwierige Lage.
                                                                                            Feinde.
         Sie können Spenden über das Konto unserer Kirchengemeinde für dieses
                                                                                                                                            Gott, mir geht es schlecht.
         oder auch für andere Projekte.                                                     Und Gott hilft auf wunderbare Weise.
                                                                                                                                            Gott, ich will dir vertrauen wie der alte
                                                                                            Die Gedanken zu diesem alttestamentlichen
         Mehr Informationen finden sie auf der Homepage:                                                                                    Könige Hiskia.
                                                                                            Text schreibe ich auf während sich die Lage
         www.Kinderwerk-Lima.de                                                                                                             Gott, du wirst mich nicht enttäuschen.“
                                                                                            in der Corona-Krise immer mehr zuspitzt.
                                                                                            Uns bedroht kein äußerer Feind, sondern ein     A. Wehrenfennig

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Hier die vier Formate, die es zurzeit regelmäßig gibt

                                                      Pray and eat                             JuKi Lounge
                                                      Jesus Christus sagt: „Bittet, so wird    Du bist auf der
       Was für ein tolles Ergebnis! Im De­z­ember     euch gegeben.“ Dieser Verheißung         Suche nach
       2020 haben wir die Spenden­a ktion für die     möchten wir vertrauen. Darum wol­        Gemeinschaft, hast
       Renovierung und Neu­a nschaffungen der         len wir die neue Woche gemein­sam        Lust auf Spiele,
       Jungen Kirche Gießen, die in der wun­der-      beginnen. Mit einem Kaffee oder Tee      Kochen und
                                                      in der Hand, einem Lied, einem guten     einfach eine gute
       schönen Lukaskirche eine Heimat gefunden
                                                      Gedanken und dann wird miteinan­         Zeit? Alle zwei
      hat, gestartet. Am 31. März 2021 hatten wir
                                                      der, füreinander und für diese Welt      Wochen donnerstags von 19.00 –
      unser Spendenziel in Höhe von 33.333,33 €       gebetet. Nach 30 Minuten gehst du        21.00 Uhr treffen wir uns. Unser
        erreicht. Wir sind von der Un­terstützung     dann hoffentlich gestärkt und ge­        Programm wird ab­wechs­lungsreich
     überwältigt. Ganz viele private Spender:innen,   lassen in die neue Woche. Herzliche      sein - schau doch ein­fach mal
      aber auch viele unserer Kirchengemeinden        Einladung mit uns gemeinsam in           vorbei. Du bist herzlich eingeladen.
     im Deka­nat und einige Unternehmen in und        die neue Woche zu starten.
                                                                                               Zielgruppe: Jugendliche und junge
      um Gießen haben uns geholfen. Dafür sagen       Zielgruppe: Jugendliche und              Erwachsene
         wir an dieser Stelle ein dickes Danke!       junge Erwachsene bis Mitte 30

        In den letzten Monaten ist viel pas­siert.
                                                                                               Aperitivo
                                                      Brunchgottesdienst                       Einen Input zu einem Thema, Ge­
     Der Umzug des Stadtjugend­pfarr­a mtes von
                                                      Gemeinsam brunchen, gute Ge­dan­         danken, die du mit anderen teilen
 der Südanlage in die Löberstraße hat prima
                                                      ken miteinander teilen, auf Lieder       kannst, ein leckeres Getränk und
     geklappt. Die Umbaumaßnahmen sind fast           hören, zusammen beten und lachen.        gute Gespräche - das soll unser
      komplett abgeschlossen. Die Lukas­kirche                                                 neues Format bieten.
                       erstrahlt in neuem Glanz.      Zielgruppe: Junge Erwachsene
                                                      bis Mitte 30                             Einen Aperitif kennt man als Be­
Die jungen Men­schen könnten jetzt kommen!
                                                                                               grüßungsgetränk vor einem ge­
     Doch leider lässt das die momentane Situa­        Genauere Infos, Termine und             meinsamen Essen um den Appetit
 tion noch nicht zu. Das Team der Jungen Kirche        Zugangsdaten zu allen                   anzuregen. Ein Aperitif hat aber
     Gießen möchte aber dennoch durchstarten.          Veranstaltungen gibt es hier:           auch einen geselligen Charakter und
Darum haben wir entschieden: Bis wir uns in                                                    bietet Platz für Austausch und
                                                       Internet: juki-giessen.de
     der Juki vor Ort treffen kön­nen, bieten wir                                              Gespräche.
                                                       Instagram: juki.giessen
             Online-Formate zur Begegnung an.          Facebook: JuKi Giessen                  Zielgruppe: Junge Erwachsene
 Zu diesen Formaten sind alle jungen Menschen          Youtube: JuKi Giessen                   bis Mitte 30
                        sehr herzlich eingeladen.      Linktree linktr.ee/Juki_Giessen
     Einfach mal„vorbei­schauen“. Es lohnt sich!
                                                      Laura Schäfer, Dekanatsjugendreferentin und Alexander Klein, Stadtjugendpfarrer

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Unsere Gottesdienste & Termine
                               Liebe Gemeinde                                                                       Juli 2021
     Wir haben folgenden Gottesdienstplan erstellt. Wie in der Vergangenheit         So. 25.07. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. C. Kuhn)
     auch, hoffen wir, dass wir Gottesdienste in der Kirche feiern können. Aber
     wir wissen alle nicht, wie sich die Pandemie entwickelt. Darum achten
     Sie bitte auf die Aushänge, die Homepage und die Veröffentlichungen in
     den Pohlheimer Nachrichten.
                                                                                                                  August 2021
                                                                                    So. 01.08. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. J. Hofmann-Weiß, Vikarin S. Guder)

                                     Juni 2021                                      So. 08.08. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. C. Kuhn)

                                                                                    So. 15.08. 10.00 Uhr Gottesdienst (M. Rohlehr)
     So. 06.06. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. J. Hofmann-Weiß)
                                                                                    So. 22.08. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. J. Hofmann-Weiß, Vikarin S. Guder)
     So. 13.06. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. C. Kuhn)
                                                                                    So. 29.08. 10.00 Uhr Gottesdienst (Pfrn. J. Hofmann-Weiß, Vikarin S. Guder)
     So. 20.06. 10.00 Uhr Gottesdienst (Präd. M. Rohlehr)
                                                                                    Am Sonntag, den 05.09. um 10.00 Uhr findet die Einführung des neuen
     So. 27.06. 10.00 Uhr Gottesdienst (Vikarin S. Guder)
                                                                                    Kirchenvorstandes statt.

                                      Juli 2021

     So. 04.07. 10.00 Uhr Vorstellungsgottesdienst der Konfirmand:innen
                             (Pfr. A. Klein, Gemeindepäd. Laura Schäfer)
                             In der Christuskirche, eventuell auch draußen

     So. 11.07. 10.00 Uhr Konfirmationsgottesdienst
                             (Pfr. A. Klein, Gemeindepäd. Laura Schäfer)
                             In der Christuskirche, eventuell auch draußen

     So. 18.07. 10.00 Uhr Gottesdienst (Präd. M. Rohlehr)

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