PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE

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PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
45. Jg. / 2020-21 / Nr. 3

                                 PFARRZEITUNG
                                  PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE

Und er nahm Brot,
sprach das Dankgebet,
brach das Brot
und reichte es ihnen
mit den Worten:
Das ist mein Leib,
der für euch
hingegeben wird.
Tut dies
zu meinem Gedächtnis!
Ebenso
nahm er nach dem Mahl
den Kelch und sagte:
Dieser Kelch
ist der Neue Bund
in meinem Blut,
das für euch
vergossen wird.
                 (Lk 22, 19f.)
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Inhalt dieser Ausgabe
Angedacht   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  3           Jugendmesse  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  44
Abschiedsmesse   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  7            Kinderseite  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 46
Am ersten Tag der Woche  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 8                       Haben Sie schon ...  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  48
Was ist Kultur?   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 11        Festival Kirch‘Klang  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 50
Kaplan Feiyan Xu  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  17             Sozialmarkt Mondsee  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  51
Pfarrer Reinhard Bell  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 18               Sonntag vor 70 Jahren  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 52
Abschied Kaplan   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  19             Zum Weltelterntag  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  53
Spielräume der Freiheit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  20                  Katholisches Bildungswerk  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  54
Was den Sonntag zum Sonntag macht  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  24                                   Kirchenchor  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  55
Kleine Dinge  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  27        Mondseeland hilft   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  56
Seelsorge im SWH-Mondsee  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  28                          Bogdan Tyshchenko   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  58
Willkommensdienste  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 30                     Yvonne Marzinke  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  58
Altartuch  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  31     Caritas-Haussammlung 2021  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  59
Liturgie  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  32   Taufen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 60
Pfarrbücherei  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  35          Trauungen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  60
Schafbergmesse   .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  35              Die Gabe der Herzensgüte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 60
Gottesdienst  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 36            Wallfahrt nach Altötting  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 61
Erstkommunion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37                                       Jubelpaare  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  61
Firmung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 42        Wir beten für unsere Verstorbenen  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  62

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    Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 31. 7. 2021. Später eingelangte Beiträge werden nicht berücksichtigt!

2            Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Angedacht
   Für einen Menschen,
   der das Geheimnis lebt

   S
         olltest du dich als ein Mensch    dass gerade im Fehlen des Geheim-
         unter vielen Menschen ver-        nisses mein Leben durch ein „Du“,
         stehen, der mit dem inners-       ein „Gegenüber“ aufleuchtet.
   ten Geheimnis seines eigenen We-        Dieses innerste Empfingen zeigt
   sens leben kann, dann darf nun die      mir das Geheimnis und lässt es als
   große Spannung beginnen, dass es        Licht leuchten, das mich wärmt und
   an der Zeit ist, an Gott zu denken.     strahlen lässt: unbekümmert und
   Das innerste Empfinden bleibt als       schön!
   ein Geheimnis bestehen, auch wenn
   es in den Bewegungen der Emoti-         In eben diesem Geheimnis entwirft
   onen sich auszudrücken versucht         sich der Gottesgedanke als eine
   und nach einer Erfahrung ringt. Es      Dynamik, als ein Werden, welches
   bleibt sich selbst verborgen, jedoch    nie endet, als ein Licht für die Welt
   in der Sehnsucht einer erahnten         und für das menschliche Leben. Er
   Möglichkeit des Empfindens regt         ist zugleich ein hoffnungsfrohes
   es sich und bricht aus sich heraus,     Licht, eine Strahlkraft, die den Geist
   durchbricht den rauen Kern mei-         des Menschen nicht blendet. Er ist
   nes Selbst und wirbelt den Staub,       ein Geheimnis, das das Gerüst der
   der mein Leben verdunkelt, auf,         Sprache zwar braucht, aber den-
   führt mich an die Grenzen meiner        noch nicht davon abhängig ist. Die
   Belastungen, zeigt mir in den un-       aktuell gängigsten philosophischen
   terschiedlichen Horizonten meines       Zugänge eines Weltverständnisses,
   Lebens die Unerreichbarkeit mei-        das vom Naturalismus geprägt ist,
   nes Selbst und lässt mich erahnen,      sagen, dass es nur das gibt, was

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PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
sich durch die Erfahrung, besonders durch die wissen-          deutlich, wie groß die Sprachlosigkeit über die Religi-
schaftliche Erfahrung, erklären lässt. Natürlich gehört        osität geworden ist. Die alten kirchlichen Formeln wi-
zu einem solchen Verständnis nicht der Gottesgedan-            derstehen nur schlecht dem Zeitgeist und trotzen mit
ke. Er ist vielmehr ein überflüssiger Fremdkörper im           wenig Sachverstand der Auseinandersetzung unserer
Konstruktivismus einer menschlichen Sprache. Der               Zeit, wenn es um die Frage nach Gott geht. Die Kompe-
Naturalismus kann jedoch die Erfahrungswelt nicht              tenz der Kirche schwindet, weil sie sich „einigelt“ und
beweisen, sondern vielmehr geht er über das sogar hi-          „einlullt“ in ihrem ureigenen Kerngeschäft der Offen-
naus oder hinweg, was Erfahrungen und wissenschaft-            barung Gottes als bloße Interpretin des Wortes Got-
liche Erfahrungen uns lehren. Ich möchte dich persön-          tes. Sie übersieht dabei fast gänzlich die Komplexität
lich ermutigen zu einer Renaissance der Gottesfrage,           des Ausdrucks des Geheimnisses und der in ihm leben-
die am philosophischen Gottesgedanken festhalten               den Sehnsucht des Menschen nach Gott. Die von der
will, ohne sich in den Widerspruch zu den Ergebnissen          katholischen Kirche beauftragte Sinus-Milieustudie
der Wissenschaft setzen zu müssen.                             hat offengelegt: „Diejenigen haben recht, die von der
                                                               Verdunstung des Glaubens sprechen. Der Glaube hat in
Blicken wir in die verschiedenen Milieus, dann wird            der Spätmoderne seinen Aggregatzustand verändert.

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PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Er ist von einem festen, in kirchlichen Formeln und For-             aber es schenkt uns „Ansehen“ – eine Würde –, die
men fassbaren, Zustand in einen fluiden oder gar gas-                auch immer ein Risiko bleiben wird. Und immer bleibt
förmigen übergegangen. Der verdunstete Glaube liegt                  das Bewegungsfeld einer Dynamik der frei-persönli-
buchstäblich in der Luft.“                                           chen und geheimen Beziehung meiner Menschensee-
                                                                     le mit ihrem Schöpfer. Heute ist von uns ein intensives
Heute müssen wir in der religiösen Offenbarung den                   „Neu-Denken“ der Gottesfrage gefordert und zugleich
Weg finden, der es erlaubt, bewusst das zu wählen,                   ein verändertes behutsames Sprechen von Gott!
was im Innersten und Wesentlichsten bereits ist. Ich
muss meine Zustimmung und mein Eingeständnis mit-                    Erfahrungen mit Gott, Visionen und zugleich das Entde-
tels des Glaubens in meinem Dasein – in meinem Her-                  cken von Geheimnissen, die immer auch dennoch Ge-
zen – vollziehen. Wenn ich das lebe, dann finde ich zu               heimnis bleiben dürfen, rühren uns Menschen an und
meiner höchsten Würde, einer Würde jenseits weltli-                  lassen uns nie an ein Ende kommen. Sie bringen uns auf
cher Begriffe und Wertschätzung, und zugleich bleibt                 einen Weg, der zu Überraschungen, Umbrüchen und
wesentlich das Geheimnis meines vollkommenen Mich-                   Neubeginnen führt. Gerade ob dieser Tatsache sind
Entfaltens und Reifens.1 Henri Boulad besticht nun im                wir Menschen immer ein Stück weit angespannt, ner-
weiterführenden Gedanken mit der Aussage, dass das                   vös und „kribbelig“.
„Ja“ Gottes, welches er gibt, mein Schritt zur vollen                Der Alttestamentler Erich Zenger (1939-2010) ge-
Menschwerdung ist, meine frei-bewusste Selbstbestä-                  braucht, dem hebräischen Original entsprechend, die-
tigung in meiner tiefsten und persönlichsten Wesens-                 se Aussage für den sich offenbarenden Gott: „Er ist
zone, worin ich die Freiheit durch den Glauben und die               da, und er will da sein, so, wie er von seinem tiefsten
Geborgenheit in Gottes „Ja“ finde. Dieser Gedanke                    Wesen her da sein will: nämlich als der, der befreit und
Gottes drängt sich niemandem auf, er lässt sich nicht                vom Tod zum Leben hinüberführen kann und will.“2
durch die Bahnen der Gehirnströme drängen, mani-
festiert sich nicht in der Objektivierung einer Art bio-             Hier steckt eine bemerkenswerte Dynamik, die der jü-
logischen Stromes. Nein, der Gedanke Gottes drängt                   dische Religionswissenschaftler Pinchas Lapide (1922-
sich niemandem auf, wie jemand auf der Straße lärmt                  1997) einmal so erklärt hat: „Ein Wirksam-Sein, ein
und auf sich aufmerksam macht, oder wie ein heftiger                 Quicklebendig-Sein, ein Mit-Sein und ein Sich-Erweisen
Sturm, der dreinfährt und alles durcheinanderbringt.                 …, die allesamt als ein pausenloser Werdegang erfah-
Der Gedanke Gottes ist persönlich. Er geschieht frei                 ren werden. […] Es gehört zu Gottes dynamischem We-
und bewusst, indem er mit unserer Zustimmung wei-                    sen, dass es im Werden ist und sich im innerweltlichen
terlebt oder unsere Verweigerung ihm gegenüber ak-                   Wirken äußert.“3 Die heute notwendige Offenheit und
zeptiert. Doch sagt dies nichts über die Wirklichkeit                Unbegrenztheit kommt dem Nach-Gott-Ausschau-
des Gottesgedankens aus! Das Geheimnis Gottes bleibt                 Halten sehr hilfreich entgegen. Unsere eigenen kon-
den Erfahrungswelten von uns Menschen entzogen,
                                                                     2 Vgl.: Christian Kuster, Gott, wo bist du? Erinnerungen an Gott, 2014,
1 Vgl.: Henri Boulad, Dimensionen der Liebe. Persönliche Aufzeich-     S. 57.
  nungen; übersetzt von Hidda Westenberger,41999, S. 73.             3 Ebd., S. 57.

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PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
kreten Erfahrungen mit Gott müssen neu, in Freiheit             Greifbares, und doch erweist er sich als Fata Morgana,
und entgegen kirchlicher Lehrmeinungen ins Gespräch             wenn wir ihn fassen wollen. Wenn wir uns fortbewe-
kommen.                                                         gen, bewegt sich auch der Horizont. Sobald wir auch
                                                                nur einen kleinen Hügel erklimmen, weitet sich unser
Pierre Teilhard de Chardin, französischer Jesuit, Pa-           Horizont, aber er bleibt eine Begrenzung und wird nie-
läontologe, Anthropologe und Philosoph (1881-1955)              mals zu einem Ding, das man zu greifen vermag.“ Es
hält andererseits fest: „Der lebendige und fleischge-           bleibt uns nicht nur, uns ein geduldiges Ausharren in
wordene Gott ist nicht weit von uns. Er ist nicht außer-        Bezug auf Gott eingestehen zu müssen, sondern viel-
halb der greifbaren Sphäre. Er erwartet uns vielmehr            mehr die Dynamik der Nichtverfügbarkeit als ein Ge-
jederzeit im Handeln, im Werk des Augenblicks. Er ist           heimnis, das uns Menschen antreibt, uns immer selbst
gewissermaßen an der Spitze meiner Feder, meiner                im Geheimnis zu Gott zu sehen, der mit uns die Täler
Hacke, meines Pinsels, meiner Nadel - meines Herzens,           und Hügel, das Dunkle und Lichte und das Wahre und
meines Gedankens.“ Es gibt „für einen, der zu sehen             Falsche durchlebt. Diese nichtpersonalen Metaphern
versteht, auf der Welt kraft der Schöpfung … nichts             können das heilige Geheimnis besser umschreiben als
Profanes“. 4 Die profanen, weltlich-nüchternen Spra-            persönliche Bilder, wenn es darum geht, uns im säkula-
chen (etwa Naturwissenschaften) sind geeignet, religi-          ren Raum zu bewegen. Heute begegnen die Menschen,
öse Inhalte darzustellen wie sakrale Sprachen. Jedoch           die Glauben lernen oder sich damit auseinandersetzen
sind die sakralen Sprachen heute dem Bewusstsein                wollen, den persönlichen Bildern mit Skepsis und zum
der Zeitgenossen mehr und mehr fremd geworden. Er               Teil auch mit Argwohn und Ablehnung, da sie darin
sieht geradezu eine Notwendigkeit, religiöse Inhalte in         eine menschliche Projektion erkennen und damit Gott
profanen, weltlichen Sprachen vorzustellen, wenn der            menschengestaltig aufzufassen ist.
Gottesglaube nicht in der Sprachlosigkeit der tradier-
ten religiösen Floskeln und theologischen Leerformeln           Mit diesen Gedanken will ich Sie nun weiter auf den
verloren gehen soll.                                            Weg bringen, sich mit der Offenbarung Gottes zu be-
                                                                schäftigen, sich auf Gott einzulassen und dabei niemals
Erich Fromm (1900 – 1980), ein deutsch-US-amerikani-            zu vergessen, dass es ein spannender Weg werden
scher Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsycho-             wird, der Sie über Ihre Grenzen des Denkens hinaus-
loge, beschreibt Gott in seinem Buch „Psychoanalyse             führt und in eine ganz neue Weise der Erfahrung mit
und Religion“ als „ein Symbol für alles, was im Men-            Gott bringt.
schen liegt und was dennoch der Mensch nicht ist; ein
Symbol einer geistig-seelischen Realität, die in uns zu         Es könnte sein, dass Sie die Aussage machen: „Gott sei
verwirklichen wir streben können und die wir den-               Dank!“
noch niemals beschreiben oder definieren können.
Gott gleicht dem Horizont, der unserem Blick Grenzen
setzt. Dem naiven Gemüt erscheint dieser als etwas
                                                                                         Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen allen
4 Ebd., S. 58.                                                                                         Pfarrer Ernst Wageneder

6       Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Abschiedsmesse
mit Pfarrer Ernst Wageneder,
Kaplan Johannes
und Schwester Gerarda

L
      iebe Pfarrgemeinde, mit Dankbarkeit und Zu-            150 Jahre lang prägten die Schwestern der Franziska-
      versicht sehen wir dem Pfarrerwechsel am 1.            nerinnen das Leben im Mondseeland – im Kranken-
      September in Mondsee entgegen. 16 Jahre lang           haus, in der Volksschule, im Kindergarten und im Al-
prägte und bereicherte Pfarrer Ernst Wageneder das           tersheim waren die fleißigen und fürsorglichen Hände
Leben in unserer Pfarre. Seine quirlige, umtriebige Art,     der Schwestern nicht wegzudenken. Mit Schwester
seine Eloquenz, seine Belesenheit, seine Fähigkeit,          Gerarda verlässt nun die letzte Schwester der Franzis-
mit Jung und Alt auf einer Wellenlänge zu kommuni-           kanerinnen Mondsee. Bis zuletzt verrichtete sie zahl-
zieren, seine Mut und Freude zusprechenden Worte             reiche, wertvolle Dienste für die Pfarre. Ihre eiligen
für angehende Ehepaare, seine Worte des Trostes und          Schritte prägten das Straßenbild von Mondsee. Ihre
der Stärkung im Angesicht von Krankheit und Tod von          Bescheidenheit und ihr Humor waren beeindruckend.
Mitmenschen, ja das und vieles mehr zeichnet Ernst           Wir werden sie sehr vermissen.
Wageneder aus. Auch mit Kritik an manchen Irrwegen
von Kirche und Politik hielt er nicht hinter dem Berg.       Auch Kaplan Johannes Feiyan Xu, der fernöstliches
„Wir sind eine christliche Gemeinschaft, die froh und        Flair in die Pfarre brachte, wird in der Diözese andern-
beherzt, frech und weltzugewandt Jesu Wort lebt und          orts dringend gebraucht. Auch ihm gilt unser Dank,
weitererzählt“, war einer der Leitsätze unseres Pfar-        sein freundliches Lachen und seine herzliche Art wer-
rers.                                                        den uns fehlen.

Ernst Wageneder war in den letzten Jahren schon ein          Wir feiern die Abschiedsmesse mit Pfarrer Ernst Wa-
Suchender. Er ließ immer wieder durchblicken, dass er        geneder, Kaplan Johannes und Schwester Gerarda am
sich noch einmal eine große Veränderung wünscht,             Festtag Mariä Himmelfahrt, den 15. August um 10 Uhr
einiges hat sich wieder zerschlagen, mit seiner neuen        in der Basilika. Den neuen Pfarrer Reinhard Bell begrü-
Stelle in der Erzdiözese Salzburg erfüllt sich für ihn je-   ßen wir dann am Sonntag, 5. September um 14 Uhr. Zu
doch ein Traum, mit dem er alle seine vielfältigen Ta-       beiden Festen ist die gesamte Pfarrgemeinde herzlich
lente einsetzen kann und wird. Wir wünschen ihm für          eingeladen.
seine neue Aufgabe alles Gute und Gottes Segen!                                                     PGR-Obmann Klaus Hager

                                                             Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3     7
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Am ersten Tag der Woche
seid alle fröhlich!
In der syrischen Lehre der Apostel heißt es im                nicht auf, sondern wird vielmehr erfahren im gemein-
3. Jahrhundert, dass wir alle fröhlich sein sol-              samen Singen und Sprechen der Gebete und führt hin-
len am ersten Tag der Woche. In der sich von                  ein in das Hören des Wortes Gottes, worin wir unsere
unserer westlichen Liturgie unterscheiden-                    gemeinsame Sprache und das gemeinschaftliche Le-
den maronitischen Liturgie singt der Diakon                   ben erfahren. Die Freude hat mit einem lauten Gefühl
am Anfang der Messe: „Gelobt sei der, der                     nichts gemein. Die Freude des Glaubens im Leben von
den großen Tag des Sonntags über alle Tage                    uns Menschen ist vielmehr ein inneres Leuchten, ein in-
erhoben hat. Himmel und Erde, Engel und                       neres Strahlen. Diese Freude ist nicht nur einfach Spaß
Menschen geben sich der Freude hin.“                          oder Lust, sondern eine in sich ruhende Kraft und eine
                                                              erlebbare Leichtigkeit, worin Gleichgewicht zu erfah-
                                                              ren ist, das die Qualität des Lebens hebt. Wenn wir als

D
       iese himmlische Freude soll in der Gemein-             Christen am Sonntag das Wort Jesu hören, weckt es
       schaft der Gläubigen leben. Sie sollen sich er-        in uns die Freude an Gott und an seinen wundervollen
       heben und der Freude in der Feier des Gottes-          Werken. Jede Verkündigung des Wortes Gottes zielt
dienstes Ausdruck verleihen. Diese Freude drängt sich         darauf hin, dass die Hörenden Freude an Gott finden.
                                                                                  Nach der gemeinsamen Feier des
                                                                                  Sonntagsgottesdienstes       sollten
                                                                                  möglichst alle mit Freude im Herzen
                                                                                  nach Hause gehen.

                                                                                 Die Grundmelodie
                                                                                 unseres Glaubens
                                                                                 In uns Menschen lebt eine unbe-
                                                                                 schreibliche Sehnsucht, die immer
                                                                                 wieder, selbst in den allergrößten
                                                                                 Glücksmomenten im Leben, da
                                                                                 ist. Auch wenn wir noch so glück-
                                                                                 lich sind durch Reichtum, Ansehen
                                                                                 und Glückserfahrungen, wollen wir
                                                                                 immer noch mehr und, dass diese

8     Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
Momente des Glücks niemals aufhören. Wer die Erfah-         Schmerz, Not und Angst des Herzens gar nichts weiß;
rung gemacht hat, dass tief in seinem Inneren ein un-       dies hat keinen Bestand und kann nur für Augenblicke
stillbarer Durst nach Freude da ist und nach Liebe, der     betäuben. Die Freude Gottes ist durch die Armut der
hat die Freiheit erfahren und die Sehnsucht nach einer      Krippe und die Not des Kreuzes gegangen; darum ist
unbegreiflichen Weite. Ich erfahre das immer wieder         sie unüberwindlich, unwiderleglich. Sie leugnet nicht
als eine Grundmelodie des Glaubens, in der Gott durch       die Not, wo sie da ist, aber sie findet mitten in ihr, ge-
mich durchtönt und durch die alles mit Leben erfüllt        rade in ihr, Gott; sie bestreitet nicht die ernste Sünde,
wird, durch die es zu blühen beginnt und die Bewe-          aber sie findet gerade so die Vergebung; sie sieht dem
gung des Lebens seinen Beginn findet. Am Sonntag            Tod ins Auge, aber sie findet gerade in ihm das Leben.
wird Gott erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen        Um diese Freude, die überwunden hat, geht es. Sie al-
- der Gott, der uns erschaffen hat, nicht um uns zu quä-    lein ist glaubwürdig, sie allein hilft und heilt.“1
len, sondern weil er uns seine Freude schenken will. Die
Erfüllung dieser tiefen Sehnsucht nach Freude finden        Am Sonntag erinnern wir uns als Christen an diese
wir in keiner noch so großen Freude dieser Welt. Ich        Freude, die uns trägt und Leben schenkt. Wir halten
darf sie in Gott finden, da er die Fülle meines Lebens      Ausschau nach Gott, um ihn zu bitten bei uns zu sein,
ist, die meine Sehnsucht stillt und mich wunschlos          ihm zu danken für die kommende Woche, ihn zu loben
glücklich macht schon in dieser Welt. Die Freude ist die    und zu preisen für die Gabe des Lebens.
Sehnsucht, die im Herzen von uns Menschen lebt. Sie
ist das Empfinden der ursprünglichen Einheit mit Gott       Die Vorfreude auf das Kommende –
wie im verloren gegangenen Paradies. Diese mensch-          den Himmel
liche Sehnsucht nach Freude verweist auf Gott selbst.
                                                            Um diese Freude zu erfahren, muss es in einem selbst
Die Freude wird mir nicht geraubt                           innerlich geworden sein, um den leisen Klang dieses
                                                            Wortes überhaupt zu hören. Dietrich Bonhoeffer rede-
Sollte die Welt meinem Leben zustimmend oder gar            te davon, dass die Freude von der Stille lebt und vom
ablehnend entgegentreten, sollte ich der Welt nicht         Unbegreiflichen, da das Begreifliche nie Freude macht.
entsprechen und sie sich mir feindlich zeigen, sollte mir   Für ihn ist das Unbegreifliche das Wahre, das Wirkliche,
die Schönheit verblassen und der Sinn nach Erfüllung        das Lebendige, woran sich die Freude entzündet. Für
des Lebens schwinden, auch wenn mir aller Reichtum          ihn ist die echte Freude immer etwas Unbegreifliches.
entzogen würde, all das kann mir die Freude nicht rau-      Daher ist es einleuchtend, wenn wir Christen am Sonn-
ben. In den tiefsten und hässlichsten Erschütterungen       tag die „Himmelfahrtsfreude“ leben. Hier wird von
meines Lebens bleibt sie, die Freude, bei mir! Dietrich     Christi Erhöhung über alle Welt und von seiner Wieder-
Bonhoeffer sagt: „Bei Gott wohnt die Freude, von ihm        kunft geredet und gesungen. Christus selbst begegnet
kommt sie herab und ergreift Geist, Seele und Leib,         uns am Sonntag, er selbst begegnet seiner freudig
und wo diese Freude einen Menschen gefasst hat,
dort greift sie um sich, dort reißt sie mit, dort sprengt   1 Jørgen Glenthøj, Ulrich Kabitz und Wolf Krötke, Dietrich Bonhoef-
sie verschlossene Türen. Es gibt eine Freude, die von         fer, Konspiration und Haft 1940-1945, DBW Band 16, S. 373.

                                                            Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3           9
PFARRE ST. MICHAEL MONDSEE
wartenden Gemeinde im Sakrament. Diese Freude ist                    tagskultur. Das Erlebnis der gemeinsamen Feier des
verhalten, da ihr die Welt Angst macht und auch das                  Sonntags in einem Gotteshaus, das sollen wir draußen
fehlerhafte Verhalten der Menschen. Dennoch muss                     zeigen, damit die Welt entflammt wird für die Freude
festgehalten werden, dass sie – die Freude – da ist und              an Gott, die unsere Kraft für das Leben ist. Durch die
diese Freude erwartet wird von den Christen, die des                 Feier des Sonntags kommen Menschen mit der Kirche
Nachts wachen und Ausschau halten bei brennenden                     in Berührung und je nachdem, ob und wie sie begeis-
Kerzen, bis Christus kommt. Bonhoeffer hält fest, dass               tert werden, bleiben sie dauerhaft oder kommen nur
die Christusfreude in der Welt die Vorfreude ist und                 ab und zu! Wäre es nicht eine wunderbare Aufgabe,
dass es keine größere Freude geben kann als die in der               sich für die Kultur des Sonntags verantwortlich zu füh-
Erwartung der letzten Dinge. Denn Jesus Christus, den                len? Die Eltern und Kinder für ihre familiäre Sonntags-
wir nicht sehen, aber dennoch liebhaben, wird kom-                   kultur, die politische Gemeinde für die Förderung der
men, um uns zu sich zu rufen und um mit uns Mahl zu                  Erholungskultur und die Pfarrgemeinde für die „erhe-
halten im himmlischen Hochzeitssaal!2                                benden“ Feiern, die uns entflammen für die Freude an
                                                                     Gott, die uns alle in den Alltag hineinführt.
Die Sonntagskultur
                                                                     Liebe Pfarrgemeinde Mondsee, liebe Urlaubsgäste
Wir müssen als sonntägliche Feiergemeinde immer „in-                 und alle, die im Tourismus tätig sind!
niger“ zusammenwachsen, dem gemeinsamen Feiern                       Von Herzen wünsche ich eine gesegnete Sommerzeit
mehr Raum geben, um miteinander im gemeinsamen                       und wunderbare Erholung sowie Freude bei der Arbeit
Hören und Beten das Verbindende zu erleben. Der                      und mit den Gästen!
Sonntag muss vorbereitet werden in der Vorfreude auf
die Zusammenkunft, in der Vorfreude auf den gemein-                  Kommen Sie und feiern Sie den Sonntag in der Basilika
samen Sonntag. Mit allen Sinnen zu feiern und für das                Mondsee mit!
Göttliche zu sensibilisieren, sind Merkmale einer Sonn-

                                                                                                                    Ihr Pfarrer
2 Carsten Nicolaisen und Ernst-Albert Scharffenorth, Dietrich Bon-
  hoeffer, Berlin 1932-1933, DBW Band 12, S. 458.                                                              Ernst Wageneder

   Öffnungszeiten im Pfarrbüro der Pfarre St. Michael, Mondsee

   Montag bis Freitag
   von 8.00 bis 11.30 Uhr

10      Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
Was ist Kultur?
Brauchen wir für das 21. Jahrhundert
noch Kultur?
Kultur ist das Element, in dem wir leben. Sie              ist: „Kunst und Kultur haben eine herausragende Be-
ist wie das Wasser für den Fisch - in der Weise,           deutung für die Gesellschaft. Sie spiegeln gesellschaft-
wie ein Fisch erst dann spürt, dass er Wasser              liche Debatten wider, sie bieten Reibungsflächen zur
braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt.                Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, sie weisen
Wir leben und atmen durch die Kunst!                       über das alltägliche Geschehen hinaus. Kunst und Kul-
                                                           tur sind Ausdruck des menschlichen Daseins. Die Aus-
                                                           einandersetzung mit Kunst und Kultur verweist auf
                                                           die Vergangenheit und den Umgang mit überbrach-

D
        er Begriff „Kultur“ wird vom lateinischen Wort     ten Werten, sie hat zugleich eine zukunftsgerichtete
        „colore“ abgeleitet und bedeutet „bebauen,         Dimension und beinhaltet Visionen einer künftigen
        bestellen, pflegen“. Auf unser Leben übertra-      Gesellschaft. Im Umgang mit Kunst und Kultur zeigen
gen bedeutet dies auch die Art und Weise, wie wir als      sich also die Diskurse der Gesellschaft. Kunst und Kul-
Menschen unser Leben gestalten und pflegen. Die Kul-       tur wird eine herausragende Bedeutung für die gesell-
tur kommuniziert durch die Sprache, die Musik, den         schaftliche Entwicklung beigemessen. In einer multi-
Gesang, durch das Verhalten. Sie ist nach der Definiti-    ethnischen Gesellschaft gewinnen Kunst, Kultur und
on des Duden „die Gesamtheit der geistigen, künstleri-     kulturelle Bildung eine zunehmende Bedeutung, um
schen und wissenschaftlichen Leistungen, die ein Volk      Integration zu befördern und die positiven Elemente
und/oder eine Epoche charakterisiert“. Sie ist die Ver-    kultureller Vielfalt herauszustellen. […] Für jeden ein-
wirklichung des Menschen und wird für unser Leben          zelnen Menschen sind Kunst, Kultur und kulturelle Bil-
nicht nur charakteristisch, sondern sie ist das Element,   dung wesentlich. Kulturelle Bildung eröffnet neue Wel-
in dem wir leben, und zwar in der Weise wie ein „Fisch“,   ten, sie bietet die Möglichkeit der Auseinandersetzung
der erst dann spürt, dass er Wasser braucht, wenn er       mit sich selbst und mit der Kunst. Kulturelle Bildung ist
nicht mehr darin schwimmt. Somit darf zum Ausdruck         eine der Voraussetzungen für individuelle Kreativität
gebracht werden, dass die Kultur für uns Menschen          und eigenes künstlerisches Schaffen.“
wie „Wasser für den Fisch“ ist. Wir leben und atmen
durch die Kunst!                                           Die Kultur führt uns Menschen zusammen und lässt
                                                           uns gemeinsam in aller Unterschiedenheit zusammen-
Der Deutsche Kulturrat hat im Jahr 2010 eine kurze         stehen. Sie bietet Verständigung an zwischen den Na-
und prägnante Antwort darauf gegeben, was Kultur           tionen und verwurzelt Leben.

                                                           Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3   11
Die Sonntagskultur                                             Die „Allianz für den Sonntag“
des 21. Jahrhunderts
                                                               Seit der Gründung der österreichischen Allianz für den
Am 3. März 2021 wurde der staatliche Sonntagsschutz            freien Sonntag vor rund 20 Jahren werde „für den Er-
1700 Jahre alt. Dies ist ein Grund, um die Bedeutung des       halt dieses letzten verbliebenen freien Tages für mög-
Sonntags erneut in den Blickpunkt zu nehmen. Der ge-           lichst viele Menschen in Österreich gekämpft“. Dieses
meinsame arbeitsfreie Sonntag wird als Tag der Christen,       Eintreten für den Sonntag fördert unsere Lebensge-
als Tag des Herrn und als Tag für den Menschen gefeiert        meinschaft und schenkt uns den Atem des Lebens, das
und immer noch hoch geschätzt. Doch die zunehmen-              Feuer in unserem Herzen und ist für uns wie der Lun-
de Sonntagsarbeit und Ökonomisierung bedrohen den              genflügel, den wir brauchen, um überleben zu können!
Sonntag.
                                                               Der Sonntag ist der Tag der Befreiung
Viele von uns im Mondseeland sagen: „Gott sei Dank,
es ist Sonntag!“ Der Sonntag ist für uns Menschen et-          Viele Menschen leben heute unter Zwängen und leiden
was Besonderes. Er ist ein Tag der Familie, eine Zeit für      zunehmend an dieser bedrohlichen Lebenssituation.
das Miteinander, ein Tag der Entspannung und der Ru-           Sie bemängeln ihren Zustand und können dennoch
hezeit, der Erholung, und die Jugend sagt: „Ich chille         nicht ausbrechen aus den vielen Zwängen und Pflich-
meine Basis.“ Der Sonntag ist ein Tag der christlichen         ten, die ihnen auferlegt worden sind. Wir müssen uns
Kirchen und Gemeinschaften. An diesem Tag rückt                tagtäglich um unsere Existenzsicherung kümmern, um
auch die Gesundheit in den Vordergrund. Der Sonntag            den Erhalt unserer Familie, unseres Besitzes und Anse-
ist ein Tag der Solidarität, des liebevollen Umgangs und       hens. Daher hören wir sehr oft den erleichterten Stoß-
der Achtsamkeit füreinander, da wir einander in unse-          seufzer: „Endlich ist Sonntag.“
ren Häusern besuchen. Wir gehen mit Aufmerksamkeit             Blicken wir ein wenig auf die Geschichte der Befreiung
zu unseren kranken und alten Mitmenschen. Durch                des Volkes Israels aus der ägyptischen Fronarbeit und
unsere Gemeinschaft mit ihnen zeigen wir ihnen un-             Knechtschaft, den Ursprung des jüdischen Sabbats!
sere Wertschätzung und bringen unseren Dank für ihr
Dasein zum Ausdruck. Wenngleich der Gottesdienst-              Der Gott JAHWE spricht zu Mose: „Ich habe das Elend
besuch sehr stark zurückgegangen ist und die Sonn-             meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Kla-
tagsarbeit zunimmt, müssen wir uns eingestehen, dass           ge über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein
dieser Tag nicht nur wichtig ist, sondern dass wir den         Leid. Ich bin herabgestiegen, um es aus der Hand der
Sonntag für unser „Überleben“ brauchen. Wir werden             Ägypter zu entreißen.“1 Dieses Ereignis findet 1300
erst dann merken, dass wir ihn nötig brauchen, wenn            Jahre vor Christus statt. Daraufhin feiert Israel auf
er uns fehlt, wenn er uns abhandengekommen ist. Der            dem Weg ins Gelobte Land in der Wüste das große
Sonntag ist bedroht durch die Ökonomisierung!                  Fest der Väter, den Sabbat des Herrn als ewiges Fest
                                                               der Befreiung. Für uns Menschen des 21. Jahrhunderts,
Darum geht mein Ansinnen in diesem Aufsatz darauf
hin, dass wir unseren Sonntag gemeinsam schützen!              1 Exodus 3,7-8.

12     Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
denke ich, hat diese Befreiung die Bedeutung der Erin-    gegen die vielfältige Versklavung, sondern wir holen ei-
nerungskultur zum einen, ist zum anderen jedoch auch      nen tiefen Atemzug an diesem Tag, um gestärkt in die
ein Einstehen für die Manifestation der Befreiung aus     kommende Woche gehen zu können.
der Versklavung durch den Druck und die Zwänge, die
wir Menschen uns aufbürden! Wir leiden zusehends          Wir Christen tanken an diesem Tag auf und nehmen alle
durch die „Selbstversklavung“. In der Medizinethik        Menschen mit hinein in die Kultur des Sonntags – ob
stellen sich vielfach Fragen danach, wann Menschen        gläubig oder nicht gläubig – da wir doch alle zusammen
ihre Selbstbestimmung verlieren bzw. ob und wann sie      leben, um uns gemeinsam den Kraftstoff der Liebe für
auf sie verzichten dürfen. Der Einzelne wird „Sklave“     die Woche zu holen. Papst Franziskus sagte, dass der
seines „Herrn“! Er unterwirft sich, bringt sich in eine   Sonntag ein Tag der Heilung der Beziehungen sei, der
vollständige fremde Verfügungsgewalt und übereig-         Beziehung zu mir selbst, der Beziehung zur Welt und
net sich, inklusive zentraler Rechte, wie etwa der kör-   der Beziehung zu Gott.
perlichen Unversehrtheit oder des Rechts auf freie
Entscheidung. Von dieser Unterwerfung müssen wir          Der Sonntag ist ein Tag des Dankens
uns befreien. Sie zerstört unser Leben, da wir einander   und der Wertschätzung für die Welt.
abhängig machen.
                                                          Am ersten Tag der Woche wollen wir Christen das Lob
Jahrhunderte später feiert Jesus Christus, der selbst     Gottes feiern. Wir wollen uns der Liebenswürdigkeit
durch und durch Jude war, vor seinem Kreuzestod           und der großen Taten Gottes nicht nur erinnern, son-
dasselbe Paschafest der Juden mit seinen engsten Ver-     dern sie uns vergegenwärtigen. Dieses Lob Gottes ist
trauten. Jesus, der Sohn Gottes, gibt sich hin für die    für uns wie die Luft, die wir zum Atmen brauchen und
Schuld und Sünde der Welt und befreit die Menschheit      wie das Pochen des Herzens, um zu leben. Wir Men-
von der Macht des Todes und den Übergriffen des Bö-       schen erholen uns am Sonntag. Doch nicht nur der
sen.                                                      Mensch! Die gesamte Schöpfung soll ausruhen dürfen.
                                                          Von neuem wird uns durch den Sonntag bewusst, dass
Heute verkörpert der Sonntag die Bedeutung der uni-       wir Verantwortung für die Schöpfung haben, da auch
versalen Befreiung des Menschen, der Freiheit von         sie sich erholen muss.
ausbeuterischer Arbeit, der Befreiung von Schuld und
Sünde, der Unterwerfung durch zweite oder gar drit-       Gönne dir Zeiten,
te, der Befreiung der Selbstverurteilung und der Be-      zu denen du einfach
freiung vom Selbstgericht des Menschen. Gott selbst       nicht erreichbar bist!
ist im Kommen, um uns Menschen zu erlösen von den
Strukturen des Bösen. Der Sonntag als Tag des Herrn                           endlich abschalten,
mahnt die Kultur der Muse ein, die Kultur der Unbe-                           endlich nichts tun,
kümmertheit, weil wir alle unsere Sorgen auf den                             endlich für mich sein,
Herrn werfen dürfen. Wir legen unsere Hände nicht in                          endlich Feierabend,
den Schoß, so als ob wir nichts unternehmen könnten                            endlich Sonntag

                                                          Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3   13
Der Sonntag wird mehr und mehr geschätzt als ein Tag                 –, schon lange verstorben ist. Als Pfarrer von Mondsee
des Abschaltens, als ein Tag der Nicht-Erreichbarkeit                habe ich versucht, diese Weite und Tiefe der Gemein-
und als ein Tag, um den Kopf freizubekommen.                         schaft der Menschen als Christen untereinander vor-
                                                                     zuleben. Oftmals wurde ich angeklagt ob meiner Of-
Wie kam es zum Sonntag?                                              fenheit und theologischen Weite, doch das Interesse
                                                                     am Glauben der Kirche in unserer Gemeinde Mondsee
           Der Sonntag war nicht immer Sonntag.                      hat sich dennoch verstärkt. Hab keine Angst, mit Men-
               Es dauerte einige Jahrhunderte, bis der               schen zusammenzuleben, die den Glauben der Kirche
                Sonntag zum Sonntag wurde. Den                       kritisch hinterfragen, zum Teil auch ablehnen und der
                  Christen wurde der Sonntag als ar-                 Kirche feindlich gegenüberstehen! Lebst du das Ge-
                   beitsfreier Tag geschenkt durch die               bot der Hingabe, wie es Jesus uns vorgelebt hat, dann
                    staatliche Gewalt. Erst am 3. März               wirst du viele Menschen befähigen, den Glauben an
                    des Jahres 321 nach Christus mach-               Jesus Christus anzunehmen. Hier erkenne ich den heu-
                    te Kaiser Konstantin für das römi-               tigen Missionsauftrag und die Taufsendung der Kirche.
                    sche Reich den „dies solis“, den Tag
                    der Sonne, zum Staatsfeiertag. Im                Haben wir den Mut und die Stärke, eine missionarische
                   Edikt 2 des Kaisers Konstantin heißt              Kirche zu werden, um die Menschen für die Freude am
                  es: „Alle Richter, Stadtleute und Ge-              Glauben zu gewinnen, damit sie die Zuversicht erlan-
                 werbetreibenden sollen am vereh-                    gen, die Hürden und Herausforderungen, die Dramatik
              rungswürdigsten Tag der Sonne ruhen.“                  und die Geworfenheit des Lebens zu bewältigen! Der
        Seit dieser Zeit ist der Sonntag in den christlich           Glaube der Kirche bestärkt die Menschen, da sie in ihr
geprägten Ländern der wöchentlich wiederkehrende                     einen Raum der Heilung und der Stärkung erfahren.
Feiertag!
                                          Die frühen Judenchristen gedachten des
In der Feier der Eucharistie ist kein Sabbats und hielten ihn als Ruhe- und
Mensch ausgeschlossen, es sei denn, je- Friedenstag ein.
mand schließe sich selbst aus, weil er
sich als elitär, nicht erlösungsbedürftig Im Alltag von uns Christen hat die Erinnerung an Jesus
und nicht erlösungsfähig versteht.        Christus einen besonderen Wert erhalten. Wir schöp-
                                                                     fen aus dem Lesen der Heiligen Schrift und aus der Fei-
Dieser Satz klingt immer noch in mir nach, obgleich                  er der Eucharistie Kraft und Zuversicht. Schon im Alten
mein Professor für Dogmatik, Lothar Lies – ein Jesuit                Testament dürfen wir dieser Erinnerung gedenken, wo
                                                                     Gott vom Ruhetag spricht und diesen Tag den Men-
2 Ein Edikt (von lat. edicere „verordnen“, „bekanntmachen“) be-      schen ans Herz legt:
  zeichnet im römischen Recht öffentliche Erklärungen des Magist-
  rats, besonders die der Prätoren zu Grundsätzen der Anwendung
  des Rechts (Rechtsschutzverheißung) während ihrer Amtszeit. Spä-   „8Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! 9Sechs Tage
  ter wurden damit auch Gesetze des Kaisers bezeichnet.              darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. 10Der siebte

14      Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.     in Alexandria), durch Ignatius von Antiochia (um 110 in
An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn       Asien), durch Justin den Märtyrer und durch Irenäus
und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und      von Lyon (um 180) dieser Tag als ein besonderer Tag
dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren. 11Denn in     bezeugt:
sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer ge-        ■■ „Wenn ihr aber am Herrentag zusammen-
macht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte        kommt, dann brecht das Brot und sagt
er. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und ihn           Dank, nachdem ihr zuvor eure Übertretun-
geheiligt.“ (Exodus 20,8–11)                                 gen bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.“
                                                             Didache (zwischen 80 und 180)
Dieser Ruhe- und Gebetstag wurde von den Heiden-          ■■ „Deshalb begehen wir auch den achten Tag [den
christen im Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi        Sonntag, den ersten Tag der neuen Woche] in Freu-
auf den dies solis verlegt. Weil die Auferstehung nach       de, an dem auch Jesus von den Toten auferstanden
den Evangelien am dritten Tage nach der Kreuzigung           und, nachdem er sich geoffenbart hatte, in den Him-
Christi, das heißt nach dem Sabbat, erfolgte, wurde          mel aufgestiegen ist.“ Barnabasbrief, Alexandria (um
dieses Tages von den Heidenchristen als des „Tags des        100)
Herrn“ gedacht.                                           ■■ „Sie pflegten sich an einem bestimmten Tage vor
In vielen romanischen Sprachen lebt diese Bezeich-           Sonnenaufgang zu versammeln, Christus als ihrem
nung heute noch als Name für den Sonntag fort: Das           Gott einen Wechselgesang zu singen […] Hernach
französische Dimanche, das italienische Domenica und         seien sie auseinandergegangen und dann wieder zu-
das spanische Domingo leiten sich von dies dominicus         sammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen
bzw. dies dominica, der lateinischen Übersetzung des         […]“ Plinius, Kleinasien (um 110)
griechischen kyriake heméra, ab.                          ■■ „An dem nach der Sonne benannten Tage findet die
Allmählich entwickelt sich die Bedeutung des Sonn-           Zusammenkunft von allen, die in Städten oder auf
tags als eigenständiger Feier- und Ruhetag. Bereits für      dem Lande herum weilen, an einem gemeinsamen
den Beginn des 2. Jahrhunderts wird durch die Dida-          Ort statt. Es werden die Aufzeichnungen der Apos-
che (Datierungen zwischen 80 und 180 nach Christus),         tel und die Schriften der Propheten vorgelesen, so-
später auch durch Plinius, den Barnabasbrief (um 100         weit es die Zeit erlaubt. Wenn dann der Vorleser auf-

                                                          Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3   15
gehört hat, hält der Vorsteher eine Ansprache, in der        tiererischer Gruppen verkommen lassen dürfen, da wir
  er ermahnt und auffordert, diesen schönen Lehren             ansonsten der Kirche den Auftrag zu Mission und Taufe
  und Beispielen nachzufolgen. Sodann stehen wir alle          nehmen. Wir sollten nicht selektieren und aussondern,
  zusammen auf und schicken Gebete zum Himmel *                sondern vielmehr ermutigen und fördern, mit uns als
  für uns selbst […] und für alle anderen auf der gan-         Christen die eucharistische Gabe zu empfangen. Die
  zen Welt, auf dass wir würdig werden, […] auch in            Gabe des Brotes will dazu führen, die konfessionellen
  Werken als gute […] Menschen und als Beobachter              Widerstände zu überwinden, um zu dem einen Gast-
  der Gebote befunden zu werden, um so das ewige               mahl des Herrn zu kommen.
  Heil zu erlangen. Nachdem wir die Gebete beendet
  haben, grüßen wir einander mit einem Kusse. Dann             Die Gemeinschaft der Kirche lädt zur Feier der Eucha-
  wird dem Vorsteher der Brüder Brot gebracht und              ristie ein, da die Sehnsucht und die Freude, mit Gott
  ein Becher mit einer Mischung von Wasser und                 vereint zu sein, groß und beglückend ist. Somit kön-
  Wein. Dieser nimmt es, sendet durch den Namen                nen wir keine Eigenbrötler sein, da uns die Eucharistie
  des Sohnes und des Heiligen Geistes Lob und Preis            in eine universale Essensgemeinschaft aufnimmt.3 Wir
  zum Vater aller Dinge empor und verrichtet eine lan-         werden zu „eucharistischen Kosmopoliten“ verwan-
  ge Danksagung dafür, dass wir dieser Gaben von ihm           delt oder zu „eucharistischen Kumpanen“4 , die sich um
  gewürdigt wurden. Ist er mit den Gebeten und der             den Tisch des Herrn versammeln, um miteinander das
  Danksagung zu Ende, stimmt das ganze anwesende               Brot des Lebens zu teilen.
  Volk ein, indem es spricht: Amen. Nachdem der Vor-
  steher die Dankhandlung vollbracht und das ganze             Der Gottesdienst der Christen am Sonntag will hinaus-
  Volk eingestimmt hat, reichen die Diakone, wie sie           wirken in die Welt, und er will vor allem unsere alltägli-
  bei uns heißen, jedem Anwesenden vom dankgeseg-              chen Beziehungen verwandeln. Es gewinnt nicht mehr
  neten Brot und vom mit Wasser vermischten Wein               die Tendenz der Absonderung und der Trennung die
  zum Genuss dar und bringen davon auch den Abwe-              Oberhand, sondern wir alle werden ermutigt, mitein-
  senden.“ Justin der Märtyrer, Rom, erste Apologie            ander zum Heil der Welt zu wirken, damit Friede und
  (um 150)                                                     Gerechtigkeit die Welt erfüllt.

Diese eucharistische Speise ist für alle Menschen be-          Wir gehen am Sonntag in die Kirche, um uns zusam-
reitet, nicht nur für die Anwesenden, sondern auch             men vor Gott hinzustellen, ihm zu dienen und den Se-
für die Abwesenden. Das Wesen der Eucharistie, von             gen zu empfangen, damit wir den Menschen hilfreich
sich aus niemanden auszuschließen, ist im universa-            zur Seite stehen können, weil wir uns von Gott getra-
len Heilstod Christi begründet und dadurch auch im             gen wissen.
universalen Heilswillen des dreieinigen Gottes. Nicht          Gottes Begehren, mitten unter uns Menschen zu sein,
neuartig, sondern biblisch fundiert und durch die Tra-
dition der Kirche immer wieder neu in die jeweilige Zeit
                                                               3 Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis
übertragen, bedeutet dies für uns heute, dass wir die            lebt, Herder 2003, S. 51.
eucharistische Speise nicht zur Speise elitärer und sek-       4 Ebd., S. 52.

16     Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
nicht nur bei mir, sondern bei seinem ganzen Volk, zeigt   ern, sondern es muss die Quelle in Christus erfahrbar
seine Liebe für dieses von ihm gerufene Volk: „Ich wer-    werden, die unseren Durst löscht!
de mitten unter ihnen sein, für immer mein Heiligtum
errichten, und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich      Jesus Christus, der uns trägt, den tragen wir in unseren
werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“5      Händen und wir erheben ihn in unserer Personmitte –
                                                           im Herzen – zu Gott, der uns antreibt, durch ihn zum
Der Tag des Brotes und des Weines                          Heil der Menschen zu leben. Das Brot und der Wein las-
                                                           sen die Welt immer wieder neu aufatmen und Freude
Am Sonntag feiern wir uns nicht als Gemeinschaft           schöpfen für ein Miteinander in Gott, der alles zusam-
selbst, sondern, dass wir durch Gottes Geist eingela-      menhält.
den sind, teilzunehmen an seiner Gemeinschaft. Hier
geht es nicht nur ausschließlich um qualitätsvolles Fei-

5 Exodus, 37,26b-27.                                                                               Pfarrer Ernst Wageneder

Kaplan Feiyan Xu
nimmt Abschied von Mondsee
Von Herzen danke ich unserem Kaplan Feiyan                 ter und Wesen. Seine Liebe zur Liturgie und Theologie
Xu für seinen Einsatz als Pfarrseelsorger in               als Ausdruck und Form der Begegnung Gottes mit den
unserer Pfarre Mondsee. Seine ausgezeichne-                Menschen waren für mich sehr bereichernd. Dankbar
te Sprachfähigkeit, seine Liebenswürdigkeit                bin ich als Pfarrer für seine Offenheit und Bereitschaft
und Bescheidenheit trugen dazu bei, dass er                zum gemeinsamen Austausch innerhalb einer Kirche,
zu einem sehr beliebten und gern gesehenen                 die sich in den Kulturen und unterschiedlichen Traditio-
Kaplan in Mondsee wurde. Wir alle haben ihn                nen in ihrer Vielfalt zeigt.
mit dem Namen Johannes angesprochen.
                                                           Für deine neue Aufgabe wünschen wir dir weiterhin
                                                           viel Freude und Gesundheit! Natürlich freuen wir uns

J
     ohannes war in seiner Ruhe und Ausgeglichen-          immer wieder über einen Besuch von dir bei uns in
     heit immer auch ein guter Gesprächspartner im         Mondsee.
     Seelsorgeteam. Seine Konzentration auf Ausge-
glichenheit und Dankbarkeit gehört zu seinem Charak-                                               Pfarrer Ernst Wageneder

                                                           Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3     17
Pfarrer Reinhard Bell
Liebe Leserinnen und Leser
der Pfarrzeitung von Mondsee!
Wenn ihr jetzt die Sommerausgabe der Pfarr-                    sagt, bis Ostern
zeitung in Händen haltet, ist die Zeitspanne                   eine Entscheidung
bis zu meinem Neubeginn in Mondsee nicht                       zu treffen. In die-
mehr lange. Ich bitte um Verständnis, erst                     ser Phase kam der
mit Beginn meines Amtsantrittes im Sep-                        Wunsch der Verant-
tember meine Aufgabe voll wahrnehmen zu                        wortlichen für die
können, da in meinen bisherigen Pfarren St.                    Pfarre und auch der
Martin und Lacken bis zum letzten Tag sehr                     Diözese, dass ich bei der Bewerbung mit anderen Pries-
viel zu tun ist. So sind z.B. viele Einzel-Taufen,             tern in Mondsee dabei sein solle. Nach dem Hearing ist
die coronabedingt bisher verschoben wur-                       die Wahl auf mich gefallen, das hat mich sehr gefreut
den, nachzuholen. Auch was einen möglichen                     und geehrt. Nicht gerechnet habe ich damit, dass mein
Nachfolger für mich anbelangt, ist alles völlig                Propst, Johann Holzinger, mich für Mondsee zur Ver-
offen. So kommt jetzt noch vieles zusammen                     fügung stellen würde, zumal wir für unsere eigenen
und ein lang fälliger Urlaub wird auch wichtig,                vielen Pfarren viel zu wenig ordensangehörige Priester
um dann mit Schwung in Mondsee beginnen                        haben.
zu können.
                                                               Jetzt sind wahrscheinlich Erwartungshaltungen, Hoff-
                                                               nungen, vielleicht auch Ängste vorhanden, ob es mit

I
   ch wurde von mehreren Seiten ersucht, zu erklären,          dem „Neuen“ gut geht. Natürlich ist das für euch in
   wie denn mein Weg nach Mondsee zustande ge-                 Mondsee, besonders für diejenigen, die mit der Pfarre
   kommen sei. Dass ich Pfarrer von Mondsee werden             mitleben, aber auch für mich, spannend. Ein lieb ge-
darf, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes „zugefal-           meinter Gedanke dazu: Vielleicht ist es gar nicht so gut,
len“. Schon lange ist bei mir ein Veränderungswunsch           viele Erwartungen aufkommen zu lassen – von euch
da. Welche Pfarre man bei uns Augustiner-Chorherren            und auch von mir nicht. Das erste Sakrament, das wir
von St. Florian letztendlich bekommt, entscheidet der          als Christinnen und Christen empfangen, ist die Taufe.
Propst mit seinem Leitungsteam. In den letzten 1 ½             Sie bedeutet die Aufnahme in die Gemeinschaft der
Jahren waren viele Pfarren, die zum Stift St. Florian ge-      Glaubenden, die zu Jesus gehören, der die Menschen
hören, wie z. B Vöcklabruck mit Regau, im Gespräch.            bedingungslos annimmt, also „Ja“ zu jedem Getauften
Im Februar dieses Jahres hat mir mein Propst zuge-             sagt. „Angenommen sein ohne Bedingungen“ ist die

18     Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
Voraussetzung für einen guten Start, z.B. bei einem      laubt mir für meinen Start in Mondsee diesen Vergleich
Kleinkind. An ein Baby kann ich keine Erwartungen        mit dem Kleinkind! Es braucht das vorurteilsfreie, „be-
oder Bedingungen für meine Zuneigung knüpfen, z.B.:      dingungslose“ Annehmen gegenüber mir als neuem
„Ich liebe dich, mag dich, nehme dich an, wenn du in     Pfarrer und von mir euch gegenüber als neuer Pfarr-
der Nacht durchschläfst, nicht schreist oder möglichst   gemeinde (jedes Einzelnen). Wenn wir einander anneh-
nicht in die Windeln machst!“ – Solche Bedingungen       men, haben wir einen guten Start, und eine Entwick-
würden nicht funktionieren. Ein Baby will angenom-       lung in die richtige Richtung ist möglich wie bei einem
men und bedingungslos geliebt werden, um sich gut        Baby. Ich will euch voll annehmen und grüße euch von
entwickeln zu können, also einen guten Start im Leben    Herzen, der „Neue“.
zu haben. So ist die Kindertaufe ein für mich wunder-
bares Beispiel für das bedingungslose Angenommen-
sein von Seiten Gottes uns Menschen gegenüber. Er-                                                  Pfarrer Reinhard Bell

Abschied Kaplan
Mondseeland, ich muss dich verlassen
Dankbar bin ich dafür, dass ich ein Jahr als Ka-         am Irrsee bin ich spa-
plan in der Pfarre Mondsee arbeiten durfte.              zierengegangen und
Ich habe viel in der Pastoral in verschiedenen           habe viele Menschen
Bereichen gelernt und viele neue Erfahrungen             kennengelernt.
gemacht.
                                                         Mut habe ich, weiter
                                                         den Weg zu gehen, den

Z
      ufrieden bin ich mit meinem Leben, dass ich        Gott mich führt und auf
      nach meinem Studium hierhergekommen bin            dem er mich begleitet.
      und in Mondsee ein neues Leben in der Praxis
als Seelsorger beginnen konnte. Zufrieden bin ich auch   Ich wünsche Euch allen
mit mir selbst, denn ich habe das Schwimmen erlernt,     Gottes Segen und alles
den Führerschein erworben, mit dem Rad die Gegend        Gute!
erforscht. Ich bin auf den Mondseeberg, den Kolo-
mansberg und auf die Drachenwand gewandert. Auch                 Euer Kaplan Johannes

                                                         Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3      19
Spielräume der Freiheit
Statement bei der Pressekonferenz zum
Kirch’Klang Festival Salzkammergut 2021
23. April 2021, Bischofshof Linz                                    durch ihren Erwerbsfleiß geschaffen haben“ (ebd.) Ne-
                                                                    ben den Vertretern der staatlichen Gewalt muss man
                                                                    laut Smith noch viele andere Berufe in die Gruppe der
                                                                    unproduktiven Arbeiter einreihen: „Zum einen Geistli-

A
        dam Smith (1722–1790) 1 unterscheidet zwischen              che, Rechtsanwälte, Ärzte und Schriftsteller aller Art,
        einer „Arbeit, die den Wert eines Gegenstan-                zum anderen Schauspieler, Clowns, Musiker, Opern-
        des, auf den sie verwandt wird, erhöht“ und                 sänger und Operntänzer“ (ebd.)
einer Arbeit, „die diese Wirkung nicht hat. Jene kann
als produktiv bezeichnet werden, da sie einen Wert                  Smiths Beobachtungen sind von erstaunlicher Aktu-
hervorbringt, diese hingegen als unproduktiv“ (272).                alität. Natürlich – und das wird von Smith auch nicht
So vermehrt ein Fabrikarbeiter den Wert des Rohma-                  bezweifelt – tragen viele unproduktive Arbeiten direkt
terials, das er bearbeitet, um den Wert des eigenen                 und indirekt zur Sicherung und Erhöhung des Lebens-
Lohns und den Gewinn des Unternehmers, seine Ar-                    niveaus bei. Dies gilt für das Bildungs- und Gesund-
beit ist also produktiv. Dagegen erzeugt die Arbeit                 heitswesen ebenso wie für Kultur und Sport. Dennoch:
beispielsweise eines Dienstboten nirgendwo einen sol-               Die produktive Arbeit ist und bleibt die Grundlage und
chen Wert: „Wohlhabend wird also, wer viele Arbeiter                Voraussetzung für die Möglichkeit – oder den „Luxus“
beschäftigt, arm hingegen, wer sich viele Dienstboten               – unproduktiver Arbeit. Nur solange es Menschen gibt,
hält“ (272). Von entscheidender Bedeutung ist nun die               die „herstellen, kaufen und verkaufen“, können auch
Beobachtung Smiths, dass „auch die Arbeit einiger                   Menschen bezahlt werden, die Kinder unterrichten,
angesehener Berufsstände in einer Gesellschaft, wie                 die Kranke pflegen, die Geige spielen oder die versu-
die des Dienstboten, unproduktiv ist.“ (273) Zu diesen              chen, einen Ball ins Tor zu schießen.
„angesehenen“, aber unproduktiven Berufsständen
gehören nach Smith der Herrscher samt seinen Beam-                  Ist die Kultur „systemrelevant“ oder können bzw. müs-
ten, denn „sie alle dienen dem Staat und leben von ei-              sen wir im Notfall auch auf sie verzichten? Die Kultur-
nem Teil des Ertrages, den andere Leute übers Jahr hin              förderung wurde meist mit zwei Argumenten begrün-
                                                                    det: Kultur sei eine Art „Lebensmittel“ und Kultur sei
1 Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung sei-    ein Wirtschaftsfaktor. In der Pandemie habe sich nun
  ner Natur und seiner Ursachen, hg. mit einer umfassenden Würdi-
  gung des Gesamtwerkes von Horst Claus Recktenwald, München        gezeigt: „Die Kultur ist im Notfall weder Lebensmittel
  2009.                                                             noch Wirtschaftsfaktor. […] Die Sache sei am Ende die:

20      Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3
Niemand braucht Kultur zum Überleben. Außer diejeni-
gen, die sie machen.“2

Im Spielraum der Freiheit,
Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)
„Kultur ist der Spielraum der Freiheit.“ Dieser Satz                      wohl auch ein Christ sein, aber ob er ein voller Mensch
wird Dietrich Bonhoeffer zugeschrieben. In dieser                         ist (und insofern auch ein Christ im vollen Umfang des
Form kommt er bei Bonhoeffer so nicht vor. Es geht                        Begriffes), ist mir fraglich.“
in diesem Brief an Eberhard Bethge vom 23. 1. 1944 um                     Bonhoeffer meint, dass der „Spielraum der Freiheit“
die theologische und soziologische Einordnung der                         in der preußischen Welt von Pflicht und Gehorsam
Freundschaft.3 Bonhoeffer versteht Freundschaft als                       gegenüber Ehe, Arbeit, Staat und Kirche ganz zurück-
einen Unterbegriff des Kultur- und Bildungsbegriffs.                      getreten ist. Und er meint, dass allein von der Kirche
Zu „göttlichen Mandaten“, die in den Bereich des Ge-                      ein Verständnis für den Spielraum der Freiheit (Kunst,
horsams gehören, zählen für ihn Staat bzw. Obrigkeit,                     Bildung, Freundschaft, Spiel) wiederzugewinnen ist,
Ehe bzw. Familie, Arbeit und Kirche. „Ehe, Arbeit, Staat                  auch wenn das nicht der historischen Emanzipation
und Kirche haben ihr konkretes göttliches Mandat,                         der Kunst von der Religion entspricht. Er will die „äs-
wie steht es aber mit Kultur und Bildung?“ „Ich glau-                     thetische Existenz“ im Sinne von Sören Kierkegaard
be nicht, dass man sie (die Freundschaft) einfach dem                     nicht aus dem Bereich der Kirche verweisen, sondern
Arbeitsbegriff unterordnen kann, so verlockend das in                     gerade in ihr neu begründen. „Wer kann denn z.B. in
vieler Hinsicht wäre. Sie gehört nicht in den Bereich des                 unseren Zeiten noch unbeschwert Musik oder Freund-
Gehorsams“. Das hat überaus weitreichende Folgen,                         schaft pflegen, spielen und sich freuen? Sicher nicht
denn es ordnet die gesamte Kultur und die gesamte Bil-                    der ‘ethische‘ Mensch, sondern nur der Christ. Gera-
dung in den Bereich der Freiheit ein. Wir sind also nicht                 de weil die Freundschaft in den Bereich der Freiheit
zur Kultur und zur Bildung angehalten (mandatiert),                       (des Christenmenschen!?) gehört, muss man sie allem
sondern diese vollenden uns, sie erst machen uns in                       Stirnrunzeln der ‚ethischen‘ Existenzen gegenüber zu-
aller Freiheit zu vollen Menschen.“ Bonhoeffer entwi-                     versichtlich verteidigen.“4 Bonhoeffer traut also der
ckelt die Idee eines „Spielraums der Freiheit“, „der alle                 Kultur nicht einfach zu, sich als Spielraum der Freiheit
drei Bereiche der göttlichen Mandate umgibt“. Und die                     zu vermitteln. Er meint schließlich, allein aus dem Be-
Kultur wäre eben ein Teil innerhalb dieses Spielraums                     reich der Kirche ließe sich der Spielraum der Freiheit
der Freiheit: „Wer von diesem Spielraum der Freiheit                      verstehen. Der Satz, allein aus dem Bereich der Kir-
nichts weiß, kann ein guter Vater, Bürger und Arbeiter,                   che ließe sich der Spielraum der Freiheit verstehen,
                                                                          mag rein theoretisch theologisch seine Berechtigung
2 Dirk Peitz, Das Eine-Milliarde-Euro-Baby, in: Zeit online 20.06.2020;   haben, empirisch verifizierbar ist er aber ganz und gar
  https://www.zeit.de/kultur/2020-06/kultur-corona-hilfe-konjunk-         nicht. Der Spielraum der Freiheit ist doch eher dem
  turpaket-monika-gruetters-analyse
3 Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Auf-
  zeichnungen aus der Haft. 2. Aufl. München 131985, 102f.                4 A.a.O. 103.

                                                                          Pfarrzeitung der Pfarre St. Michael, Mondsee, 20/21-3   21
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