Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN

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Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN
Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler,
 Johannes Schamel und Manuel Woltering
 Regionalwirtschaftliche Effekte
     durch Naturtourismus

              BfN-Skripten 431
                    2016
Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN
Regionalwirtschaftliche Effekte durch
     Naturtourismus in deutschen
    Nationalparken als Beitrag zum
Integrativen Monitoring-Programm für
          Großschutzgebiete

              Hubert Job
            Cornelius Merlin
             Daniel Metzler
           Johannes Schamel
            Manuel Woltering
Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN
Titelbild:      Wegenutzung und Wegschwierigkeit im Nationalpark Berchtesgaden auf Basis des aktions-
                räumlichen Verhaltens der Nationalparkbesucher (eigene Darstellung J. Schamel)
Adressen der Autorin und der Autoren:
Univ.-Prof. Dr. Hubert Job         Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Dr. Manuel Woltering               Institut für Geographie und Geologie
Dipl.-Geogr. Cornelius Merlin      Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung
Dipl.-Geogr. Johannes Schamel      E-Mail: hubert.job@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Daniel Metzler               Hochschule für Angewandte Wissenschaften
                                       München, Fakultät für Tourismus
                                       E-Mail: daniel.metzler@hm.edu
Fachbetreuung im BfN:
Beate Job Hoben                        Fachgebiet I 2.2 „Naturschutz und Gesellschaft“

Diese Veröffentlichung wird aufgenommen in die Literaturdatenbank „DNL-online“ (www.dnl-online.de).
BfN-Skripten sind nicht im Buchhandel erhältlich. Eine pdf-Version dieser Ausgabe kann unter
http://www.bfn.de/0502_skripten.html heruntergeladen werden.
Institutioneller Herausgeber:   Bundesamt für Naturschutz
                                Konstantinstr. 110
                                53179 Bonn
                                URL: www.bfn.de
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digkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die in den Beiträgen geäußerten An-
sichten und Meinungen müssen nicht mit denen des institutionellen Herausgebers übereinstimmen.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der
engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des institutionellen Herausgebers unzu-
lässig und strafbar.
Nachdruck, auch in Auszügen, nur mit Genehmigung des BfN.
Druck: Druckerei des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Gedruckt auf 100% Altpapier
ISBN 978-3-89624-167-2
Bonn - Bad Godesberg 2016
Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN
Inhaltsverzeichnis
Basisanforderungen für die Erfassung der Frequentierung und
tourismuswirtschaftliche Wirkungsanalyse in Nationalparken......................................... 3
1      Einleitung ..................................................................................................................... 4
2      Daten und Methoden ................................................................................................... 6
2.1    Überblick über empirische Erhebungen ......................................................................... 6
2.2    Inflationsausgleich ......................................................................................................... 8
3      Regionalökonomische Effekte ................................................................................. 10
3.1    Besucherzahlen, soziodemographische und aufenthaltsbezogene Merkmale ............. 10
3.2    Vergleich der Nationalparkaffinität ............................................................................... 15
3.3    Vergleich der Ausgabenwerte ..................................................................................... 19
3.4    Regionale Beschäftigungswirkungen ........................................................................... 23
4      Vergleich der Primärerhebungen und Hochrechnung zu regionalökonomischen
       Effekten des Naturtourismus in deutschen Nationalparken .................................. 27
4.1    Ursprüngliche Destinationstypologie zur Hochrechnung .............................................. 27
4.2    Gegenüberstellung der Ergebnisse ............................................................................. 28
4.3    Anmerkungen zum ursprünglich verwendeten Destinationsschema ............................ 31
5      Diskussion und ToDos.............................................................................................. 33
5.1    Anmerkungen zur Methodik......................................................................................... 33
5.2    Fazit und Desiderata ................................................................................................... 34
5.3    Epilog .......................................................................................................................... 36
6      Literaturverzeichnis .................................................................................................. 37
7      Anhang....................................................................................................................... 41

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Besucherzahlen und -strukturen in deutschen NLP .........................................11
Abbildung 2: Affinität und Kenntnisstand der Marke NLP......................................................17

Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Überblick empirische Erhebungen in deutschen NLP............................................ 8
Tabelle 2: Meist frequentierte Standorte in den Wald-NLP ...................................................11
Tabelle 3: Soziodemographie Merkmale der NLP-Besucher I...............................................13
Tabelle 4: Soziodemographie Merkmale der NLP-Besucher II..............................................14
Tabelle 5: Standortspezifische Affinität in deutschen NLP ....................................................19
Tabelle 6: Ausgaben pro Kopf und Tag nach Affinität ...........................................................22

1
Regionalwirtschaftliche Effekte - Hubert Job, Cornelius Merlin, Daniel Metzler, Johannes Schamel und Manuel Woltering - BFN
Tabelle 7: Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen
Nationalparken (alle Touristen).............................................................................................24
Tabelle 8: Regionalökonomische Effekte des Tourismus bezogen auf
NLP-Touristen im engeren Sinn ...........................................................................................25
Tabelle 9: Besucherzahlen in der Hochrechnung und der Empirie ......................................28
Tabelle 10: NLP-Affinität in der Hochrechnung und der Empirie ...........................................29
Tabelle 11: Ausgabenwerte in der Hochrechnung und der Empirie ......................................30
Tabelle 12: Einkommensäquivalente in der Hochrechnung und der Empirie ........................31

Kartenverzeichnis
Karte 1: Besucherzahlen und -struktur, Affinitäten und Einkommensäquivalente
in deutschen Nationalparken ................................................................................................26

Abkürzungsverzeichnis
BfN                    Bundesamt für Naturschutz
BMUB                   Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
BNE                    Bildung für nachhaltige Entwicklung
BUND                   Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
DZT                    Deutsche Zentrale für Tourismus
ÖPNV                   Öffentlicher Personen Nahverkehr
NABU                   Naturschutzbund Deutschland
NLP                    Nationalpark(e)
NN                     Nationale Naturlandschaften
UG                     Untersuchungsgebiet
UNESCO                 Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur
                       (englisch: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization)
VCD                    Verkehrsclub Deutschland
VDN                    Verband Deutscher Naturparke

                                                                                                                            2
Basisanforderungen für die Erfassung der Frequentierung und touris-
    muswirtschaftliche Wirkungsanalyse in Nationalparken
    Besucherzahl
    =   Zentrale Größe im Besuchermonitoring
       Zu erfassen sind jahreszeitliche Schwankungen (Saisonalität) und Unterschiede im
        Wochen- sowie Tagesverlauf.
       Zu unterscheiden sind Besuche (Aufenthalte im GSG) und Besucher (Personen): Au-
        tomatische Zählstellen erfassen Besuche, keine Besucher!
       Für die regionalwirtschaftlichen Effekte sind schlussendlich Besuchstage die Grund-
        lage. Es handelt sich dabei um Tage, an denen das GSG durch eine Person (u.U. auch
        mehrfach) besucht wurde.
       Erhebungen erfolgen über Stichproben an ausgewählten Terminen und Standorten
        (vgl. für das abweichende Vorgehen in Meeres- und Küstenparks Fußnote 2 auf S.7):
        - Zeitlich Streuung: Stichtage sind über das Jahr (Haupt- und Nebensaison) und
             mindestens über Wochentage vs. Wochenende zu verteilen, idealerweise wird
             auch das Wetter berücksichtigt.
        - Räumliche Streuung: Doppelzählungen müssen weitgehend vermieden werden.
    Besucherstruktur
    =   Wesentliche Größe für das Management von Besuchern
       Die Struktur wird aus regionalwirtschaftlicher Sicht maßgeblich durch die touristische
        Klassifikation in Tagesgäste vs. Übernachtungsgäste beschrieben.
       Diese Struktur ist zwingend über eine echte Zufallsstichprobe (Blitzinterviews) reprä-
        sentativ zu erfassen, um verlässliche Strukturdaten für die Hochrechnung zu gewinnen.
       Weitere Komponenten der Struktur können sein:
        - Affinität zum Nationalpark als Schutzgebietsprädikat (NLP-Touristen im engeren
            Sinn vs. sonstige NLP-Touristen)
        - Freizeitaktivitäten
        - Soziodemographische Merkmale, wie Alter, Beruf, Herkunft (z.B. PLZ-Regionen)
        - Einstellungen und Motivationen
        Diese Komponenten lassen sich sinnvoll meist nur in ausführlichen Interviews erheben.
       Die Besucherstruktur ist zeitlich sehr variabel und muss deshalb kontinuierlich, neben
        der Besucherzahl, erfasst werden.
    Ausgaben/Verhalten/Merkmale/Einstellungen
    =   Variablen, die für die Berechnung der regionalwirtschaftlichen Effekte und für die Aus-
        gestaltung des Besucherangebots relevant sind
       Häufig variieren diese Variablen mit der Struktur und sind innerhalb der Klassen zeitlich
        verhältnismäßig stabil.
       Im Gegensatz zur Besucherzahl und -struktur können diese Variablen wegen der rela-
        tiven Stabilität seltener erfasst werden.
       Die GSG-Orientierung ist für die korrekte Zuordnung der Effekte wesentlich und des-
        halb zwingender Bestandteil der Erhebungen.
       Die Ausgaben sind nach vorgegebenen Kategorien zu erfassen: Die Einhaltung des
        Kategorienschemas ist für die Berechnung der Effekte notwendig!
       Die Erfassung der Ausgaben erfolgt über längere strukturierte Interviews.
       Da die echte Besucherstruktur über die Blitzinterviews bekannt ist, können diese län-
        geren Interviews über eine Quotenstichprobe erfasst werden. Nachträglich werden
        dann die daraus erfolgenden Berechnungen durch eine Gewichtung an die echte Struk-
3       tur angepasst.
1 Einleitung
Einem globalen Trend folgend werden von Seiten des Managements deutscher Nationalparke
(NLP) vermehrt Anstrengungen unternommen, Naturtourismus in ihr Aufgabenspektrum ein-
zubinden. Damit soll neben den zentralen Naturschutzanliegen auch ein Beitrag zur Förderung
der regionalen Wirtschaft geleistet werden. Da die NLP-Regionen i.d.R. in den peripheren
strukturschwachen Gebieten Deutschlands liegen, soll das dabei verfolgte Ziel eine dem Pa-
radigma der Nachhaltigkeit gerecht werdende Regionalentwicklung sein. Es gilt somit, NLP
nicht länger als „weiße Flecken“ auf der regionalen Landkarte anzusehen, sondern die endo-
genen Potenziale mit Hilfe eines nicht-konsumtiven Naturtourismus zu erschließen. Ange-
sichts tendenziell eher zunehmender Disparitäten innerhalb Deutschlands und einer entspre-
chend dem Globalisierungsdruck von außen sich wandelnden Regionalpolitik, die stärker auf
„Europäische Metropolregionen“ als „die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ setzt, be-
sitzt dieses Faktum zugleich eine regionalwirtschaftliche wie gesamtgesellschaftliche Dimen-
sion.
In Deutschland begann diese zielgerichtete Inwertsetzung der NLP-Regionen als touristische
Destinationen erst ab der Jahrtausendwende. Besonders das Jahr des Ökotourismus der Ver-
einten Nationen 2002, das damit verbundene Aktionsjahr der Deutschen Zentrale für Touris-
mus (DZT) „Lust auf Natur“ sowie das Projekt „Fahrtziel Natur“ der Deutschen Bahn rückten
das touristische Potenzial der NLP gleichermaßen in den Fokus der Schutzgebietsverwal-
tungen und der Tourismusbranche. Seit 2005 existiert zudem die Dachmarke „Nationale Na-
turlandschaften“ (NN) unter der sämtliche deutsche Großschutzgebiete firmieren, um sich ein-
heitlich am Markt zu positionieren und dadurch weitere Potenziale einer naturtouristischen In-
wertsetzung zu erschließen. Viele Reiseveranstalter und Dienstleister in den jeweiligen Regi-
onen haben NLP inzwischen als wichtige Alleinstellungsmerkmale aufgegriffen und zeigen da-
mit, dass ihr eigenes wirtschaftliches Interesse mit dem des Naturschutzes durchaus im Ein-
klang steht. Als Alleinstellungsmerkmal steht das Prädikat „Nationalpark“ somit für einen
strategischen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Destinationen (vgl. HANNEMANN U. JOB
2003). Die DZT hat das Jahr 2016 unter das Motto „Faszination Natururlaub“ gestellt und eine
erneute Themenkampagne gestartet, um die NN, darunter besonders die NLP, gezielt für den
Incoming-Tourismus zu bewerben.
Als touristische Kernkompetenz der NLP ist das Erlebbarmachen von – im Sinne des betrie-
benen Prozessschutzes – möglichst ursprünglicher Natur und im Falle Mitteleuropas sekun-
därer Wildnis anzusehen. In Verbindung mit Maßnahmen zur Bildung für eine nachhaltige Ent-
wicklung (BNE), offerieren NLP eine wesentliche Grundlage für die touristische Leistungser-
stellung im Kontext wichtiger touristischer Trends. Die zunehmende Bedeutung der Umwelt-
qualität für die Reiseentscheidung sowie die wachsende Sensibilisierung für das Thema Um-
welt begann ab den 1990er Jahren und hält bis heute an. Gründe sind zum einen die „Sehn-
sucht nach Wildnis“ als Flucht aus dem Alltag stark kulturell und von Technologie geprägter
Lebensräume (Weinzierl 2010: 12), zum anderen das Versprechen eines individuellen Nut-
zens beispielsweise in Form der Gesundheitsvorsorge (vgl. BIEGER 2005). Demnach gefällt
zwei Dritteln der Deutschen die Natur umso besser, je ursprünglicher und wilder sie ist. Im-
merhin rund 40% wünschen sich mehr Wildnis in Deutschland (vgl. BMUB & BFN 2014). Es
ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung mittelfristig weiter anhält, da der Tourismus
und insbesondere der Naturtourismus weiterhin als ein Wachstumsmarkt gilt (vgl. HALL et
al. 2009).
Der staatlich sanktionierte Status NLP bietet dementsprechend die Chance, dass zum einen-
Ansprüche des Naturschutzes, zum anderen wirtschaftlichen Interessen in der Region Rech-
nung getragen wird (vgl. MAYER 2013). Im Idealfall kommt es dadurch zu einer, wie häufig

                                                                                            4
gefordert, synergetischen Kooperation zwischen Naturschutz und Tourismus. Allerdings schei-
tern solche Vorhaben noch häufig an der distanzierten oder gar ablehnenden Haltung der orts-
ansässigen Bevölkerung gegenüber NLP. Deren Verwaltungen sehen sich nach wie vor Prob-
lemen gegenüber, die von mangelnder Akzeptanz dieses Flächenschutzinstruments bei poli-
tischen Entscheidungsträgern zeugen. Insbesondere die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit wird
in solchen Diskussionen von den meisten Akteuren angezweifelt. NLP gelten hier eher als
Bremser möglicher Entwicklungen. Die Ermittlung der ökonomischen Effekte durch den
Naturtourismus soll hier Abhilfe schaffen und für mehr Akzeptanz vor Ort sorgen.
Bei einer Pilotstudie wurden für den Alpenpark Berchtesgaden im Jahr 2002 erstmals die re-
gionalökonomischen Effekte eines deutschen NLP bestimmt (vgl. JOB et al. 2003). Auf Basis
dieser Pilotstudie wurde in der Folgezeit ein standardisiertes Verfahren zur Ermittlung re-
gionalökonomischer Effekte von Großschutzgebieten entwickelt (vgl. JOB et al. 2006), wel-
ches inzwischen in 15 der gegenwärtig 16 NLP Deutschlands Anwendung fand (vgl. JOB et al.
2009, JOB et al. 2010, Metzler et al. 2016).1 Die Untersuchungen haben nicht nur den Ent-
scheidungsträgern vor Ort interessante Einblicke ermöglicht, sondern lassen auch den Quer-
vergleich im Sinne eines Benchmarking zwischen den betroffenen Regionen zu und künftige
NLP-Projekte planbarer werden (vgl. JOB 2010).
Auf Basis der nun vorliegenden umfänglichen empirischen Daten werden im vorliegenden Be-
richt aktuelle Kennzahlen zum deutschen NLP-Tourismus präsentiert sowie die 2009 bzw.
2012 vorgenommene Hochrechnung der regionalökonomischen Effekte (anhand der zum
damaligen Zeitpunkt untersuchten NLP) rückwirkend evaluiert. Ein zweites Ziel des For-
schungsvorhabens besteht in der Vereinfachung des umfänglichen empirischen Forschungs-
designs und somit der Entwicklung eines Verfahrens für die Einbindung in ein allgemeines,
langfristiges sozioökonomisches Monitoring. Damit sollen die NLP-Verwaltungen in die
Lage versetzt werden, dieses Instrument künftig eigenständig und kostengünstig anzuwenden.
Unter Zuhilfenahme der nun vorliegenden Datenbank geht es um die Etablierung dieses ein-
heitlichen, standardisierten sozioökonomischen Monitoring-Systems in den deutschen NLP.
Dieses versteht sich als originärer Beitrag zu dem Integrativen Monitoring-Programm für deut-
sche NLP und Biosphärenreservate, wie es vom BfN initiiert wurde.
Aufgrund der durchgeführten ökonomischen Analysen mit regionalem Bezug, kann der Bericht
wertvolle Informationen für lokale Akteure liefern. Zum einen als Vergleichsmöglichkeiten für
die einzelnen NLP-Verwaltungen, sowie für die Dachorganisation der NN, zum anderen für
touristische Organisationen auf lokaler und regionaler Ebene als Grundlage für eine verstärkte
Kooperation zur weiteren Inwertsetzung der vorhandenen, z.T. ungenutzten Potentiale. In der
bundesweiten Gesamtdarstellung richten sich die Ergebnisse an die jeweiligen Landestouris-
musorganisationen sowie die DZT um Initiativen im Sinne einer qualitativen Stärkung des Tou-
rismus in den NLP selbst zu fördern. Für politische Akteure kann der Bericht als Grundlage
dienen, die oftmals emotional geführte Debatte um Kosten und Nutzen der NLP mit wissen-
schaftlich fundierten Ergebnissen zu versachlichen.

1Der NLP Hamburgisches Wattenmeer nimmt eine Sonderstellung ein. Es handelt sich um ein Gebiet,
dass aufgrund seiner geringen terrestrischen Regionsgröße (erschlossen ist ausschließlich die Insel
Neuwerk) touristisch in die Destination Niedersächsisches Wattenmeer fällt und mit den Analysen des
dortigen NLP abgedeckt wurde (vgl. W OLTERING 2012: 87). Der 2015 gegründete NLP Hunsrück-Hoch-
wald befindet sich zum Zeitpunkt der Niederschrift der vorliegenden Veröffentlichung im Jahr „Null“ und
kann daher in der vorliegenden Synthese nicht berücksichtigt werden.
5
2 Daten und Methoden
2.1 Überblick über empirische Erhebungen
Im Rahmen der seit dem Jahr 2002 maßgeblich vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) initiier-
ten und dem Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
(BMUB) finanziell geförderten Reihe von Projekten zur Ermittlung der ökonomischen Effekte
des Tourismus wurde stets mit der gleichen Methodik vorgegangen. Diese kann nachgelesen
werden unter JOB et al. 2005, 2006 und 2009. Im Folgenden geschieht insofern nur eine
knappe Darstellung der wichtigsten methodischen Grundlagen, um den Erhebungsumfang al-
ler Projekte verdeutlichen zu können.2
Erhebungsinstrumente
Die eingesetzten Erhebungsinstrumente umfassen drei Komponenten:
   Zählungen mit Blitzinterviews: Eine stichprobenartige Zählung der Besucher zur Ermittlung
    der Grundgesamtheit der Gäste wird mit Blitzinterviews zur repräsentativen Erfassung der
    Besucherstruktur kombiniert (vgl. Anhang 2).
   Lange Interviews: Dieser deckt Fragen zum aktionsräumlichen Verhalten, zur Prädikatisie-
    rung des jeweiligen NLP im Hinblick auf die Motivation des Besuchs (Affinität zum NLP als
    Schutzgebiets-Label), zum Ausgabeverhalten sowie zur Soziodemographie ab (vgl. An-
    hang 3).
Erhebungszeitraum
Die Untersuchungen in unterschiedlichen NLP umfassen umfangreiche Erhebungen in Form
von Besucherzählungen und ausführlichen -befragungen. Die Besucherzahl touristischer Ziel-
gebiete variiert sowohl zeitlich und saisonal als auch im Wochen- und Tagesverlauf. Deshalb
wurde das Befragungsjahr anhand von Daten aus der amtlichen Fremdenverkehrsstatistik in
folgende Abschnitte unterteilt, wobei Nebensaison I und II später rechentechnisch zusammen-
gefasst werden:
   Wintersaison (15.11. - 14.03.; 120 Tage)
   Nebensaison I (15.03. - 14.06.; 92 Tage)
   Sommersaison (15.06. - 14.09.; 92 Tage)
   Nebensaison II (15.09. - 14.11.; 61 Tage)
Diese Aufteilung bietet sich für ländliche Regionen in Deutschland prinzipiell an, da der saiso-
nale Verlauf in der Regel grob diesen Abschnitten folgt. In den Gebieten wurde an jeweils 20
Tagen befragt, verteilt auf die verschiedenen Saisons sowie Wochen- und Wochenendtage.

2Die Darstellung der Methodik und der Ergebnisse basiert auf folgenden Quellen: J OB et al. (2009), JOB
et al. (2010) sowie den Berichten JOB et al. (2014a), JOB et al. (2014b), JOB & KRAUS (2015a), JOB &
KRAUS (2015b), REIN et. al. (2008), STEINGRUBE & JESCHKE (2011). Auf die Nennung der Quellen an den
entsprechenden Stellen wird im Folgenden aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet.
                                                                                                     6
Erhebungsstandorte
Um einerseits das Aktivitätsspektrum der Besucher im jeweiligen NLP widerzuspiegeln und
andererseits auch zu gewährleisten, dass tatsächlich die meisten Besucher an den Befra-
gungstagen erfasst werden – ohne jedoch Passanten doppelt zu zählen – ist eine exakte to-
pographische Verortung der Zähl- bzw. Befragungsstandorte notwendig. Zum einen bieten
sich hier unterschiedlich stark frequentierte Zugänge, zum anderen mehr oder weniger vielbe-
suchte Attraktionen unterschiedlichster Art an. Die gesamte Anzahl der möglichen Standorte
im jeweiligen Untersuchungsgebiet (UG) richtet sich nach Größe und Raum- sowie der Besu-
cherstruktur des NLP3. Für die genaue Verortung wurde im Vorfeld stets auf das im Manage-
ment vorhandene Wissen zurückgegriffen; d.h. die Fixierung der Geländestandorte erfolgte
unter Begleitung von erfahrenen Rangern.
In den flächenmäßig kleineren NLP wie z.B. Hainich, Kellerwald-Edersee oder Jasmund wurde
an fünf bis sechs Standorten erhoben, in den größeren bzw. mit überdurchschnittlich vielen
Zugängen ausgestatteten an elf bis zwölf Standorten (Wattenmeer-NLP, Vorpommersche
Boddenlandschaft). Im Schnitt wurden in den UG jeweils an neun Standorten Besucher er-
fasst, wodurch insgesamt 162.927 Kurzinterviews und 23.478 lange Interviews geführt werden
konnten (vgl. Tabelle 1). Ein Überblick über die jeweiligen Erhebungen sowie Projektname und
Fördermittelgeber findet sich in Anhang 1.

3In den Gebieten Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sowie der Vorpom-
merschen Boddenlandschaft können bei weitem nicht alle Zugänge zum NLP abgedeckt werden, so
dass zur Ermittlung der Besucherstrukturen neben den Zählungen mit Blitzinterviews, der Einbezug der
Sekundärstatistik (amtliche, Kurstatistiken etc.) unabdingbar war. Eine genaue Darstellung der Methodik
wie in den drei Gebieten vorgegangen wurde, findet sich für die Region Niedersächsisches Wattenmeer
beispielhaft bei W OLTERING 2012 (192ff.).
7
Tabelle 1: Überblick empirische Erhebungen in deutschen NLP4

    NLP                                   Erhebungs-   Standorte   Kurze Interviews   Lange Interviews
                                             jahr
    Müritz                                  2010          12           3.5055              1.710
    Bayerischer Wald                        2007          12           11.140              1.990
    Eifel                                   2007          7            10.250              1.651
    Hainich                                 2007          6            15.099              1.168
    Kellerwald-Edersee                      2007          7             4.566              1.173
    Niedersächsisches Wattenmeer            2007          12           23.026              2.830
    Unteres Odertal                         2008          7             4.674               505
    Sächsische Schweiz                      2009          7             6.481              1.469
    Berchtesgaden                           2014          8             9.460              1.681
    Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer    2012/13        12           24.023              2.191
    Harz                                   2012/13        11           14.404              1.779
    Jasmund                                2013/14        5             6.973              1.245
    Vorpommersche Boddenlandschaft         2013/14        11           18.432              2.066
    Schwarzwald                            2014/15        9            14.399              2.020
    Mittelwert/Summe                                      9,0          162.927            23.478

2.1 Inflationsausgleich
Wie zuvor erwähnt, verteilten sich die Erhebungen in allen NLP auf einen Zeitraum von insge-
samt acht Jahren, beginnend unter anderem im NLP Bayerischer Wald im Jahr 2007 bis hin
zur letzten Untersuchung im NLP Schwarzwald im Jahr 2014/15. Um eine vergleichende Dar-
stellung der zentralen Kenngröße der Ausgabenwerte zu ermöglichen, ist es notwendig, die
allgemeine Entwicklung der Verbraucherpreise in diesem Zeitraum durch einen Inflationsaus-
gleich zu berücksichtigen. Dieser wird mit dem Basisjahr 2014 durchgeführt, d.h. sämtliche
Ausgabenwerte werden auf die Preise von 2014 bezogen.
Die Veränderungen der Verbraucherpreise wurden aus amtlichen Datenquellen entnommen
(vgl. DESTATIS 2015a). Dabei wurden die Ausgabenkategorien, wie sie in den Befragungen
ermittelt wurden (vgl. Anhang 3 Frage 11) soweit möglich in die Klassifikation der Verwen-
dungszwecke des Individualkonsums des Statistischen Bundesamtes eingeordnet. Beispiels-
weise wurden die Ausgaben für Unterkunft in den jeweiligen Gebieten mit der Preissteige-
rungsrate für Beherbergungsdienstleistungen inflationsbereinigt. Neben den Ausgaben für Un-
terkunft konnten die Ausgaben für Gastronomie, Lebensmittel, Eintritte/Ausgaben für Sehens-
würdigkeiten/Freizeitaktivitäten/Unterhaltung und die Verkehrsdienstleistungen spezifischen

4Die Präsentation der Ergebnisse stützt sich jeweils auf die aktuellsten verfügbaren Daten, die mit dem
Standardverfahren nach JOB et al. (2006) entsprechender und nachvollziehbarer Methodik erhoben
wurden, auch wenn die Studie durch Dritte durchgeführt wurde. Dies ist für die NLP Müritz (STEINGRUBE
& JESCHKE 2011) und Unteres Odertal (REIN et al. 2009) der Fall.
5   Anzahl der Blitzinterviews aus dem Erhebungsjahr 2004 (vgl. JOB & METZLER 2005)
                                                                                                         8
Verwendungszwecken zugeordnet werden, was einem Großteil der Gesamtausgaben ent-
spricht. Alle sonstigen Ausgabenarten wurden aufgrund ihrer Heterogenität mit der allgemei-
nen Veränderungsrate der Verbraucherpreise inflationsbereinigt. Beim Vergleich der Ausga-
benwerte in Preisen von 2014 ist jedoch zu beachten, dass es sich um eine Berechnung ba-
sierend auf bundesweit ermittelten Preissteigerungsraten handelt, somit werden regionale Un-
terschiede nicht beachtet, wodurch die Ergebnisse mit gewissen Unsicherheiten verbunden
sind.
Auf die Bestimmung weiterer Kenngrößen, wie der Bruttoumsätze und letztlich der Einkom-
mensäquivalente mit aktualisierten Ausgabenwerten wird verzichtet, da aus Sicht der Regio-
nalökonomie die inflationsbedingt gestiegenen Ausgabenwerte für die Ermittlung der Beschäf-
tigungseffekte nur bedeutsam werden, wenn sie deutlich von der Entwicklung der regionalen
Primäreinkommen pro Kopf abweichen. Da sich beide Kenngrößen in den untersuchten Zeit-
räumen sehr ähnlich entwickelt haben, sind von der inflationsbedingten Steigerung der Aus-
gabenwerte nur sehr geringe Effekte auf die Größe der Einkommensäquivalente zu erwarten.

9
3. Regionalökonomische Effekte
3.1 Besucherzahlen, soziodemographische und aufenthaltsbezogene Merkmale
Im Folgenden wird der durchschnittliche deutsche NLP-Tourist skizziert. Darüber hinaus wird
bei den Auswertungen aus mehreren Gründen auch eine Differenzierung zwischen Meeres-
und Küsten-NLP sowie den terrestrischen Wald-NLP angewandt. Gründe hierfür lauten: Zum
einen stellen sich die Meeres- und Küsten-NLP hinsichtlich ihrer Flächenausdehnung und ihrer
Besucherzahl sowie der dort vorherrschenden traditionell dominanten Stellung des Seebäder-
tourismus strukturell anders dar und die Berechnung der gesamtdeutschen Kennzahlen des
NLP-Tourismus wird maßgeblich von den hohen Besucherzahlen in diesen Gebieten beein-
flusst. Zum anderen musste in diesen Gebieten aufgrund der genannten Flächenausdehnung
und der zahlreichen Zugänge zur Küste sowie den vorgelagerten Inseln ein anderer methodi-
scher Zugang unter Verwendung von Übernachtungszahlen aus der Sekundärstatistik (sowohl
amtliche Daten als auch Kurstatistiken) gewählt werden.6
Für die 15 untersuchten deutschen NLP wurden 53,09 Millionen Besuchstage ermittelt. Blei-
ben die Meeres- und Küsten-NLP mit überwiegendem Wasserflächenanteil unberücksichtigt
(Schleswig-Holsteinisches- und Niedersächsisches Wattenmeer, Vorpommersche Bodden-
landschaft), so reduziert sich die Besuchszahl auf insgesamt 9,06 Mio. Besuchstage alleine in
den Wald-NLP. Wie erwähnt, fallen die beiden Wattenmeer Parke mit Besucherzahlen von
18,64 Mio. im Schleswig-Holsteinischen Teil bzw. 20,65 Mio. im Niedersächsischen Teil deut-
lich aus dem Gesamtrahmen heraus. Bei den Wald-NLP liegen die Sächsische Schweiz und
der Harz mit jeweils etwa 1,7 Mio. Besuchstagen an der Spitze, knapp gefolgt vom NLP
Berchtesgaden mit 1,6 Mio. gezählten Besuchstagen. Die NLP Hainich, Unteres Odertal und
Kellerwald-Edersee bilden mit jeweils unter 300.000 Besuchstagen die Schlussgruppe (vgl.
Abbildung 1).
Zieht man die jeweilige Größe des Gebietes in Betracht, stellt sich die Reihung der NLP anders
dar. Der NLP Jasmund ist aufgrund seiner geringeren Größe mit 283,6 Besuchern je Hektar
der Wald-NLP mit der höchsten Besucherdichte mit deutlichem Abstand vor dem NLP Säch-
sische Schweiz mit 183,1 Besuchern je Hektar (vgl. Abbildung 1). In beiden Parks bestehen
erhebliche Konzentrationstendenzen an den Standorten Königsstuhl und Bastei, wo jeweils
75,8 % bzw. 53,7 % der Gesamtbesucher gezählt wurden. Letzteres gilt ähnlich für den NLP
Berchtesgaden, wo über die Hälfte der Besucher (55,3 %) am Königssee (Seelände) auftreten,
und im NLP Harz, wo fast zwei Drittel der Gäste auf dem Brockenplateau oder am Torfhaus
erfasst wurden (vgl. Tabelle 2).
Der Tagesgastanteil variiert erheblich zwischen den Meeres- und Küsten-NLP, wo er im Mittel
nur bei 16,3 % liegt und den Wald-NLP, wo durchschnittlich fast jeder zweite Besuchstag ei-
nem Tagesgast zuzurechnen ist (48,8 %). Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass der Ta-
gesgastanteil von der Lage des NLP zu den Verdichtungsräumen sowie der Tradition und
Reichweite der Destination abhängt. In Regionen, in welchen die Destination noch am Beginn
ihrer Entwicklung steht und meist erst mit der NLP-Ausweisung begonnen hat, ist der Tages-
gastanteil generell höher. Als Beispiele dafür können der Kellerwald-Edersee, der Hainich so-
wie das Untere Odertal genannt werden. In tradierten Tourismus-Regionen wie Berchtesga-

6Der NLP Jasmund wird trotz seiner Küstenlage und eines Wasserflächenanteils von 22 % zu den
Wald-NLP gezählt. Der Badetourismus ist in diesem Gebiet nur von sehr untergeordneter Bedeutung,
der Großteil der Besucher hält sich stattdessen in den Buchenwäldern auf. Zudem konnten aufgrund
der sehr geringen Flächenausdehnung des Gebietes alle Zugänge mit der Standardmethodik erfasst
werden.
                                                                                             10
den, dem Bayerischen Wald, der Vorpommerschen Boddenlandschaft oder den Wattenmee-
ren, fällt er weitaus geringer aus. Im NLP Eifel z.B. beläuft sich der Tagesgastanteil aufgrund
der hohen Bevölkerungskonzentration im Einzugsgebiet des NLP auf über drei Viertel; umge-
kehrt nimmt er im Jasmund, aufgrund der räumlich sehr peripheren Lage, den geringsten Wert
an (vgl. Abbildung 1).

Tabelle 2: Meist frequentierte Standorte in den Wald-NLP
                       Untersuchungs-                      Besucherzahl am   Anteil an Gesamtbesu-
                                            Standort
                            jahr                              Standort               cherzahl
Sächsische Schweiz          2009             Bastei            919.000              53,7%
Berchtesgaden               2014           Königssee           874.000              55,3%
Harz                     2012/2013          Torfhaus           631.000              36,1%
Harz                     2012/2013          Brocken            583.000              33,4%
Jasmund                  2013/2014         Königsstuhl         515.000              75,8%

Abbildung 1: Besucherzahlen und -strukturen in deutschen NLP
Die abgefragten soziodemographischen Merkmale (vgl. Tabelle 3 und Tabelle 4) der Besucher
umfassen deren Alter, Geschlecht und ausgeübten Beruf. Das durchschnittliche Alter eines
NLP-Besuchers in Deutschland liegt bei 44,6 Jahren, was fast exakt dem Durchschnittsalter
in Deutschland im Jahr 2014 mit 44,3 Jahren entspricht (DESTATIS 2015b: 17). Der Anteil an
weiblichen Besuchern beträgt 52,3 %, wobei Unterschiede zwischen den Wald-NLP, in denen
weibliche Besucher mit 48,5 % in der Unterzahl sind, zu Meeres- und Küsten-NLP (53,0 %
weibliche Besucher) existieren. Etwas mehr als ein Viertel aller NLP-Besucher befindet sich in
Rente bzw. Pension, wobei hier erhebliche Unterschiede zwischen den Parks bestehen: Wäh-
rend es beim Jasmund nur 15,8 % sind, sind es im NLP Eifel ein Drittel (33,7 %).

11
Neben den soziodemographischen Attributen der NLP-Touristen sind aus tourismuswirtschaft-
licher Sicht vor allem Merkmale zum jeweiligen Aufenthalt vor Ort interessant. Bei der Wahl
des Verkehrsmittels zur Anreise in die betreffende Region ist eine eindeutige Dominanz des
motorisierten Individualverkehrs festzustellen. Fast drei Viertel aller NLP-Touristen reisen mit
dem PKW an, in einzelnen Parks wie dem Bayerischen Wald, dem Jasmund oder der Vor-
pommerschen Boddenlandschaft sind es sogar fast 90 %. Der ÖPNV scheint auch bei gege-
benem Bahnanschluss für viele Schutzgebietsbesucher keine attraktive Alternative darzustel-
len (vermutlich aufgrund geringer Mobilität bzw. Flexibilität vor Ort), mit entsprechend negati-
ven Folgen für die Ökobilanz des NLP-Besuchs (z.B. im NLP Berchtesgaden). Die bestehen-
den Marketingkampagnen, bspw. „Fahrtziel Natur“ durch die Deutsche Bahn (in Kooperation
mit BUND, NABU, VCD) müssten in diesem Sinne weiter forciert werden, um ein höheres
Bewusstsein für die Erreichbarkeit der peripher gelegenen NLP mit öffentlichen Verkehrsmit-
teln zu erzielen. Die im Zuge der Kampagnen erstellten Angebote müssen vor Ort stärker aus-
gebaut werden, so dass die Mobilität in der jeweiligen Region mit dem ÖPNV quasi automa-
tisch gegeben ist (z.B. über die (Kur-)Gästekarte). Außerdem sind höhere Gebühren für den
ruhenden Verkehr notwendig (z.B. an Wanderparkplätzen oder bei den Info-Zentren), die auch
entsprechend zu sanktionieren sind.
Die durchschnittliche Gruppengröße, in der sich die Personen im NLP bewegen, liegt in allen
untersuchten Gebieten bei 2,7, wobei hier keine Unterschiede zwischen Meeres- und Küsten-
NLP und den Wald-NLP auftreten. In einem Großteil der Parks schwankt die Gruppengröße
nur geringfügig zwischen 2,4 und 2,9, einzig die NLP Unteres Odertal und Schwarzwald zeigen
deutlichere Abweichungen. Bei den ausgeübten Aktivitäten nimmt in allen NLP das Wandern
bzw. Spazierengehen mit Abstand die Spitzenposition ein, so werden in der Sächsischen
Schweiz und Berchtesgaden fast ausschließlich diese Aktivitäten ausgeübt. Andere Aktivitä-
ten, wie z.B. das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz (unter 3 % der Gesamtbesucher)
spielen trotz ihrer bundesweiten Bekanntheit nur eine sehr untergeordnete Rolle. Lediglich
10,5 Prozent aller Befragten sind mit dem Rad im NLP unterwegs. Ursächlich für den geringen
Anteil an Radfahrern dürfte unter anderem der Mittelgebirgscharakter vieler Wald-NLP sein,
der eher sportlich ambitionierte Radfahrer als Gelegenheitsradler anziehen dürfte. Zudem ist
das Mountainbike fahren in vielen NLP nur stark eingeschränkt möglich.
Selten werden die NLP zum ersten Mal aufgesucht. Nur bei 17,8 % aller Gäste stellt ihr Besuch
den ersten Aufenthalt in der Region dar. Die NLP Hainich, Müritz und Unteres Odertal können
hier proportional am meisten „Erstbesuche“ für sich verbuchen. Die NLP Schwarzwald, Eifel,
Kellerwald-Edersee und Harz profitieren hingegen anteilig am meisten von regional sehr er-
fahrenen Besuchern mit mehr als zehn Besuchen, was sicherlich auch auf den größeren Anteil
an Tagesgästen zurückzuführen sein dürfte, die naturgemäß eine höhere Wiederbesuchsrate
an den Tag legen.
Besucher von Meeres- bzw. Küsten-NLP und Wald-NLP zeigen sich strukturell unterschied-
lich, wenn es um die Wahl der Unterkunft geht. Ferienwohnungen haben in den Meeres- und
Küsten- NLP eine dominante Stellung – mehr als die Hälfe der Übernachtungsgäste (58,0 %)
nächtigt ihn ihnen. In den Wald-NLP wird hingegen das Hotel am häufigsten als Unterkunft
gewählt, wo etwas mehr als ein Drittel der Übernachtungsgäste ihren Aufenthalt verbringt. In
den jüngeren Destinationen wie Hainich oder Kellerwald-Edersee spielen zudem Verwandten-
und Bekanntenbesuche sowie Camping eine größere Rolle. Das ist ein deutlicher Hinweis
darauf, dass das Beherbergungsgewerbe in diesen Gebieten noch erhebliche Entwicklungs-
potentiale hat und die allgemeinen Tourismusstrukturen erst einmal ausgebaut werden müs-
sen, um somit zukünftig regionalwirtschaftlich mehr Wert schöpfen zu können.

                                                                                             12
Tabelle 3: Soziodemographie Merkmale der NLP-Besucher I

13
     NLP             Anteil    Ø       Berufsgruppe           Verkehrs-    Ø Größe Aktivität          Anzahl der Be-   Unterkunftsart   Ø Auf-      Anteil    Fahrzeit Fahr-
                     weibli-                                  mittel       der                        suche                             enthalts-   auslän-   TG (Min) zeit ÜN
                     cher      Alter                                       Reise-                                                       dauer in    discher            (Min)
                     Besu-                                                 gruppe                                                       Näch-       Besu-
                     cher                                                                                                               ten*        cher

     Bayerischer                       Angestellt: 50,5%      Pkw: 89,4%             zu Fuß: 88,4%    Erster: 16,0%  Hotel: 31,9%
                      49,1%    40,5                                           2,6                                                         7,1        3,8%       50       235
     Wald                              Rentner/Pens.: 19,8%   Bahn: 5,3%             Rad: 2,3%        Über 10: 44,0% Fe.Wo.: 36,8%
                                       Angestellt: 46,3%      Pkw: 89,7%             zu Fuß: 94,9%    Erster: 20,9%  Hotel: 34,5%
     Berchtesgaden    49,3%    48,5                                           2,6                                                         7,9        15,6%      78       313
                                       Rentner/Pens.: 29,0%   Bahn: 6,2%             Rad: 2,8%        Über 10: 38,7% Fe.Wo.: 28,2%
                                       Angestellt: 40,8%      Pkw: 76,8%             zu Fuß: 87,1%    Erster: 12,2%  Hotel: 37,2%
     Eifel            49,5%    47,6                                           2,4                                                         4,6        11,7%      47       131
                                       Rentner/Pens.: 33,7%   Bahn: 7,3%             Rad: 9,1%        Über 10: 66,2% Fe.Wo.: 18,7%
                                       Angestellt: 39,7%      Pkw: 87,9%             zu Fuß: 85,7%    Erster: 33,4%  Hotel: 20,8%
     Hainich          50,9%    43,9                                           2,8                                                         3,9        1,4%       61       161
                                       Rentner/Pens.: 28,5%   Bahn: 0,9%             Rad: 5,9%        Über 10: 40,2% Fe.Wo.: 12,0%
                                       Angestellt: 49,6%      Pkw: 72,8%             zu Fuß: 85,5%    Erster: 11,7%  Hotel: 39,9%
     Harz             46,9%    46,0                                           2,8                                                         4,2        4,9%       76       164
                                       Rentner/Pens.: 20,2%   Bahn: 7,7%             Rad: 4,1%        Über 10: 57,9% Fe.Wo.: 31,6%
                                       Angestellt: 51,6%      Pkw: 87,1%             zu Fuß: 98,0%    Erster: 33,7%  Hotel: 31,2%
     Jasmund          51,7%    42,3                                           2,8                                                         6,3        7,6%       63       317
                                       Rentner/Pens.: 15,8%   Bahn: 6,4%             Rad: 1,8%        Über 10: 19,2% Fe.Wo.: 52,4%
     Kellerwald-                       Angestellt: 45,7%      Pkw: 78,0%             zu Fuß: 79,0%    Erster: 20,1%  Hotel: 16,1%
                      48,2%    40,2                                           2,7                                                         6,5        5,8%       43       125
     Edersee                           Rentner/Pens.: 22,2%   Bahn: 0,9%             Rad: 17,1%       Über 10: 59,6% Fe.Wo.: 35,5%
                                       Angestellt: 49,7%      Pkw: 68,3%             zu Fuß: 27,2%    Erster: 43,0%  Hotel: 23,5%
     Müritz*          50,2%    43,8                                           2,5                                                         7,3        1,4%       52       258
                                       Rentner/Pens.: 20,4%   Bahn: 4,7%             Rad: 58,1%       Über 10: 22,9% Fe.Wo.: 34,6%
     * Die Zahlen sind der Müritz-Studie aus 2004 entnommen, da im Bericht zur Wiederholungsstudie durch Steingrube & Jeschke (2011) wesentliche Angaben fehlen.
Tabelle 4: Soziodemographie Merkmale der NLP-Besucher II
     NLP               Anteil    Ø Al- Berufsgruppe            Verkehrsmit- Ø Größe Aktivität        Anzahl der Be-   Unterkunftsart   Ø Auf-      Anteil    Fahrzeit   Fahr-
                       weibli-   ter                           tel          der Rei-                 suche                             enthalts-   auslän-   TG(Min)    zeit ÜN
                       cher                                                 se-                                                        dauer in    discher              (Min)
                       Besu-                                                gruppe                                                     Näch-       Besu-
                       cher                                                                                                            ten*        cher

     Ns. Watten-                        Angestellt: 42,9%      Pkw: 70,7%            zu Fuß: 78,7%   Erster: 18,1%  Hotel: 22,8%
                       53,2%     42,1                                         2,5                                                         8,8       1,5%        94        208
     meer                               Rentner/Pens.: 28,3%   Bahn: 12,4%           Rad: 9,5%       Über 10: 39,5% Fe.Wo.: 47,7%

     Sächsische                         Angestellt: 45,4%      Pkw: 80,9%            zu Fuß: 96,8%   Erster: 18,3%  Hotel: 26,4%
                       46,0%     43,7                                         2,4                                                         5,2       6,3%        60        216
     Schweiz                            Rentner/Pens.: 22,0%   Bahn: 12,2%           Rad: 0,4%       Über 10: 54,8% Fe.Wo.: 26,4%

     S.H. Watten-                       Angestellt: 42,5%      Pkw: 66,7%            zu Fuß: 91,1%   Erster: 16,9%  Hotel: 12,8%
                       53,5%     46,6                                         2,9                                                         8,9       1,8%        77        301
     meer                               Rentner/Pens.: 27,9%   Bahn: 8,5%            Rad: 7,3%       Über 10: 48,6% Fe.Wo.: 66,5%

                                        Angestellt: 48,5%      Pkw: 87,5%            zu Fuß: 78,3%   Erster: 10,2%  Hotel: 50,3%                              keine     keine
     Schwarzwald       49,4%     46,1                                         3,2                                                         4,7       14,6%
                                        Rentner/Pens.: 25,8%   Bahn: 5,3%            Rad: 1,3%       Über 10: 67,2% Fe.Wo.: 14,0%                             Daten     Daten

                                                               Pkw: 68,7%                            Erster: 33,9%  Hotel: 19,6%                    keine
     Unteres Odertal   50,5%     52,6 keine Daten                             2,2    keine Daten                                          3,0                   67        202
                                                               Bahn: 17,1%                           Über 10: 29,5% Fe.Wo.: 11,0%                   Daten

     Vorp. Bodden-                      Angestellt: 46,2%      Pkw: 88,2%            zu Fuß: 56,4%   Erster: 17,5%  Hotel: 12,9%
                       51,1%     46,4                                         2,7                                                         8,3       7,0%        52        266
     landschaft                         Rentner/Pens.: 26,3%   Bahn: 5,5%            Rad: 30,8%      Über 10: 35,6% Fe.Wo.: 67,0%

                                        Angestellt: 47,4%      Pkw: 82,0%            zu Fuß: 87,1%   Erster: 19,1%  Hotel: 33,8%
     Wald-NLP          48,5%     45,2                                         2,7                                                         5,7       8,4%        63        212
                                        Rentner/Pens.: 23,4%   Bahn: 7,4%            Rad: 5,5%       Über 10: 48,7% Fe.Wo.: 28,5%

     Meeres- und                        Angestellt: 43,3%      Pkw: 71,7%            zu Fuß: 81,0%   Erster: 17,8%  Hotel: 17,5%
                       53,0%     44,5                                         2,7                                                         8,8       2,4%        81        254
     Küsten-NLP                         Rentner/Pens.: 27,7%   Bahn: 9,8%            Rad: 11,3%      Über 10: 42,4% Fe.Wo.: 58,0%

                                        Angestellt: 43,9%      Pkw: 73,2%            zu Fuß: 81,7%   Erster: 17,78%   Hotel: 20,1%
     Gesamt            52,3%     44,6                                         2,7                                                         8,3       3,4%        79        249
                                        Rentner/Pens.: 27,1%   Bahn: 9,4%            Rad: 10,5%      Über 10: 43,%    Fe.Wo.: 53,2%
     *Ausgenommen Tagesgäste

14
Übernachtungsgäste verbringen im Schnitt 8,3 Nächte in den NLP-Regionen, wobei die Auf-
enthaltsdauer in den Meeres- und Küsten-NLP mit 8,8 Nächten im Schnitt deutlich länger aus-
fällt als bei den Wald-NLP mit 5,7 Nächten. Dies ist wenig verwunderlich, finden in den Meeres-
und Küsten-NLP doch häufig die klassischen mehrwöchigen Sommer- und Badeurlaube statt.
Neben den Meeres- und Küsten-NLP bleiben die Übernachtungsgäste auch in den NLP Bay-
erischer Wald, Berchtesgaden und Müritz im Schnitt etwas länger als eine Woche in der Re-
gion. Die unterdurchschnittlichen Aufenthaltsdauern in den Wald-NLP Eifel, Hainich, Harz,
Schwarzwald und Unteres Odertal mit 3,0 bis 4,7 Nächten lassen darauf schließen, dass diese
Destinationen häufig im Rahmen eines Kurzurlaubs über das (verlängerte) Wochenende be-
sucht werden. Kurzurlaubsreisen liegen generell im Trend im europäischen Tourismus. Dies
ist nicht nur aus ökologischer Sicht, aufgrund des vermehrten An- und Abreiseverkehrs prob-
lematisch, sondern resultiert auch in einer stark ungleichmäßigen Auslastung der Kapazitäten
regionaler touristischer Anbieter. Im Vergleich zur amtlichen Statistik, in der der Inlandstouris-
mus durch eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,7 Nächten (2014) gekennzeichnet
ist, bleiben also die NLP-Gäste i.d.R. länger vor Ort (DESTATIS 2015c). Dabei ist jedoch zu
bedenken, dass die amtliche Statistik nur die Betriebe berücksichtigt, die mehr als zehn Betten
anbieten und darin auch der Städtetourismus inkludiert ist.
Die geringe Aufenthaltsdauer spiegelt sich auch in einem begrenzten Einzugsgebiet dieser
Gebiete wider. So haben die Übernachtungsgäste in den NLP Hainich, Eifel und Harz eine
vergleichsweise kurze Anreise von unter drei Stunden, während Übernachtungsgäste im NLP
Berchtesgaden bereit sind, im Schnitt knapp über fünf Stunden für einen Besuch aufzuwen-
den. Ähnliches gilt für die Meeres- und Küsten-NLP, zu denen im Schnitt knapp über vier Stun-
den angereist wird. Am Ende dieses Feldes liegt hier der Kellerwald-Edersee mit einer durch-
schnittlichen Anreisezeit der Übernachtungsgäste von nur etwas über zwei Stunden. Die
durchschnittliche Anreisezeit schwankt bei den Tagesgästen zwischen 42 Minuten im Keller-
wald-Edersee und 94 Minuten im Niedersächsischen Wattenmeer bei einer mittleren Anreise-
zeit von 79 Minuten.
Konsequenterweise haben grenznahe NLP einen höheren Anteil an ausländischen Besu-
chern, insbesondere wenn jenseits der Grenze Verdichtungsräume liegen, wie beispielsweise
im NLP Berchtesgaden mit der Stadt Salzburg (A), oder bei Straßburg (F) im Falle des
Schwarzwaldes. Der Bayerische Wald und die Sächsische Schweiz werden trotz ihrer unmit-
telbaren Grenzlage weniger stark von tschechischen Gästen aufgesucht (wobei sich diesbe-
züglich die Situation in den letzten Jahren geändert haben dürfte; im erstgenannten Fall ge-
rade wegen dem großen, zwischenzeitlich dort installierten Attraktionspunkt „Baumwipfel-
pfad“).
Die Wintersaison spielt in den meisten NLP nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ausnahmen
bilden hier die NLP Bayerischer Wald (ca. 33 % Anteil Wintersaison), Schwarzwald (ca. 26 %
Anteil Wintersaison) und Harz (ca. 25 % Anteil Wintersaison), in denen wintersportliche Akti-
vitäten, wie vor allem Ski-Langlauf traditionell einen großen Stellenwert besitzen. Im einzigen
alpinen NLP Berchtesgaden sind Skitourengeher und Alpinskifahrer sowie die anderen Win-
terbesucher mit einem Anteil von ca. 7 % an der Gesamtbesucherzahl vergleichsweise weni-
ger bedeutend.
3.2 Vergleich der Nationalparkaffinität
Die von JOB et al. (2003) und JOB et al. (2005) angewandte Methodik zur Abgrenzung des
Besuchersegments mit einer hohen Nationalparkaffinität basiert auf Fragen zum Kenntnis-
stand und dessen Rolle als Motivation zu einem Aufenthalt im jeweiligen Untersuchungsgebiet.

15
NLP-Touristen im engeren Sinne wissen, dass sie sich in einem Nationalpark befinden und
selbiger spielt eine große bzw. sehr große Rolle für den Besuch7.
Der Müritz NLP führt mit einem Wert von 47,7 % das Feld an, sowohl hinsichtlich der Affinität
als auch beim Wissenstand um den Schutzstatus (vgl. Abbildung 2). Hier konnten fast neun
von zehn Befragten (89,3 %) diesen Status richtig zuordnen. Der Bayerische Wald weist mit
45,8 % ebenfalls eine sehr hohe Affinität auf. Das verwundert nicht, ist er doch der älteste NLP
in Deutschland. Nicht umsonst konnten 83,8 %8 der befragten Personen den Schutzstatus
richtig zuordnen. Erstaunlicherweise reiht sich hier noch der relativ junge Hainich ein: trotz
seines geringen Alters resultiert mit 40,5 % eine relativ hohe NLP-Affinität. Hier lässt sich eine
starke Fokussierung der Außenkommunikation auf den Schutzstatus der jungen Destination
erkennen, die besonders von dem dortigen, vielbesuchten und Deutschland weit bekannten
Baumkronenpfad gestützt wird.
Einen Anteil von jeweils knapp über 30 % an NLP-Touristen im engeren Sinn verzeichnen die
im nordöstlichen Deutschland gelegenen Parke Unteres Odertal (32,1 %9) und Vorpommer-
sche Boddenlandschaft (31,5 %). Bei letzterem fällt auf, dass für einen vergleichsweise gerin-
geren Kenntnisstand des NLP-Status (65 %) eine hohe Affinität vorherrscht. Hier zeigt sich,
dass eine etablierte Destination mit Seebädertradition das NLP-Prädikat als Marke nutzt, um
sich breiter am touristischen Markt zu positionieren.
Mit geringer Schwankungsbreite hinsichtlich der Affinitätswerte finden sich die NLP Eifel
(27,3 %), Jasmund (27,5 %), Berchtesgaden (27,7 %) und Sächsische Schweiz (28,8 %) im
Mittelfeld der untersuchten Regionen, da sich über alle Parks eine mittlere Affinität von 28 %
errechnet. Es handelt sich im Vergleich zum Bayerischen Wald oder der Vorpommerschen
Boddenlandschaft um weniger stark etablierte Destinationen. Die Tourismushistorie ist in der
Regel dennoch älter als die des NLP, so dass es sich oft um bereits eingeführte Marken auf
dem Reisemarkt handelt. Der Kenntnisstand liegt mit 77,2 % (Eifel), 76,4 % (Jasmund) und
78,8 % (Sächsische Schweiz) in einem ähnlichen Bereich wie für die NLP Hainich oder Vor-
pommersche Boddenlandschaft, stellt jedoch ein weniger wichtiges Attribut bei der Reiseent-
scheidung dar. Das kann mitunter auf die Rolle als Naherholungsgebiete (Sächsische Schweiz
und Eifel) für die nahegelegenen Agglomerationsräume zurückgeführt werden. Berchtesgaden
ist hinsichtlich des Kenntnisstands noch viel mehr traditionelle Destination, als die NLP mit
vergleichbaren Affinitätswerten, da dort der Reiseverkehr bis in die Belle Epoque-Zeit zurück
reicht. Dennoch macht sich die erfolgreiche Kommunikationspolitik der Parkverwaltung stark
bemerkbar: konnten 2002 nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten den Schutzstatus der
Region richtig benennen (55,1 %), so waren es 2014 fast drei Viertel (73,1 %). Die Entwicklung
der NLP-Affinität zeigt sich noch dynamischer. Sie stieg innerhalb von zwölf Jahren um mehr
als das 2,5-fache, von 10,1 % auf die bereits genannten 27,7 % (vgl. JOB et al. 2003; METZLER
et al. 2016). Zu den positiven Steigerungen dürften auch die Eröffnung des NLP-Besucher-
zentrums „Haus der Berge“ im Jahr 2013 und die dazu vorab sowie bei Inbetriebnahme um-
fassende Medienberichterstattung beigetragen haben.
Mit einem Anteil von 25,8 % an NLP-Touristen im engeren Sinn im Kellerwald-Edersee und
24,4 % im Harz ist das Label NLP hier nur knapp weniger Reisemotivation als in der Eifel, im

7Das genaue Vorgehen zur Abgrenzung von Nationalparktouristen im engeren Sinne und sonstigen
Nationalparktouristen findet sich bei den genannten Quellen.
8In JOB et al. 2008 wird der Kenntnisstand des NLP mit 86,1 % beziffert. Das ist darauf zurückzuführen,
dass die Kontrollfrage (vgl. Anhang 3 Frage 6a) nicht in die Auswertung mit einbezogen wurde.
9In der Veröffentlichung von REIN et al. (2009) zum NLP Unteres Odertal fehlt eine Angabe zum Kennt-
nisstand des Schutzgebietsstatus für alle Besucher des NLP.
                                                                                                    16
Jasmund oder in der Sächsischen Schweiz. Der Anteil der Personen, die sich des Schutzsta-
tus bewusst sind, liegt im Harz bei 77,8 %, im Kellerwald-Edersee bei 75,8 % und somit über
dem Durchschnitt für alle NLP von 72,2 %. Der Harz, eine tradierte Destination als ehedem
Sommerfrischegebiet nicht zuletzt der Berliner, mit ähnlicher NLP-Geschichte wie die Sächsi-
sche Schweiz, rangiert somit am unteren Ende des Mittelfeldes hinsichtlich der Verankerung
des Schutzstatus als Reisemotiv. Für den Kellerwald-Edersee, lassen sich die ähnlich hohen
Affinitätswerte dadurch erklären, dass der NLP in einer touristisch wenig tradierten Region
ausgewiesen worden ist und der Schutzstatus gut von Seiten der Touristiker aufgegriffen wird,
um sich als Alleinstellungsmerkmal in einer normalen Mittelgebirgslandschaft zu etablieren.

Abbildung 2: Affinität und Kenntnisstand der Marke NLP
Mit einem Anteil von 10,9 % NLP-Touristen im engeren Sinn im Niedersächsischen und
17,1 % im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer liegen diese Parks deutlich unter dem bun-
desweiten Durchschnitt (vgl. Abbildung 2). Ähnlich sieht es mit dem Wissen um den Schutz-
status aus. Grund dafür ist zum einen die Tradition und Funktion als Bade-, Kur- und Somme-
rurlaubsdestinationen der marinen NLP, die nach wie vor den Hauptgrund für einen Besuch
der Küste darstellt. Zusätzlich sind die Wattenmeer-NLP seit 2009 als Weltnaturerbe-Stätten
ausgezeichnet, was teilweise zu Verwirrungen seitens der Besucher führt. Letzteres ist aber
Wasser auf die Mühlen der Anbieter naturtouristischer Aktivitäten, die seither immens zuge-
nommen haben. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass das nordfriesische Wattenmeer
(mit relativ aktuellen Zahlen) deutlich besser abschneidet als der ostfriesische Nachbar (wo
17
die Zahlen aus 2007 datieren, also älter sind als der Status UNESCO-Welterbestätte). Der erst
im Jahr 2014 ausgewiesene NLP Schwarzwald bildet aktuell mit einem Affinitätswert von 9,3 %
das Schlusslicht unter allen deutschen Parks. Immerhin schon über die Hälfte der Befragten
weiß jedoch um den Schutzstatus dieser Region, was auf die bundesweite mediale Berichter-
stattung im Zuge der schwierigen Ausweisung sowie die jahrelangen Vorarbeiten des dortigen
Naturschutzzentrums Ruhestein zurückzuführen ist.
Der Anteil von NLP-Touristen im engeren Sinn ist in den UG nicht gleich verteilt, sondern va-
riiert typischerweise je nach Standort (vgl. Tabelle 5). Dies ist auf folgende Faktoren zurück-
zuführen: Naturnähe, Erreichbarkeit, ausgeübte Freizeitaktivitäten, (nicht) eingesetzte Kom-
munikationsinstrumente etc. Der Standort mit der höchsten Affinität zum NLP findet sich im
Bayerischen Wald am Hans-Eisenmann-Haus (65,9 %) der Standort mit der geringsten Affini-
tät in diesem Park liegt am Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein mit 23,6 %. Wenig überra-
schend sind z.B. geringe Affinitätswerte Westerland/Sylt in Schleswig-Holstein (6,7 %), Sass-
nitz-Ortsrand im NLP Jasmund (23,2 %) oder der traditionellen Seekur- und Badeinsel Borkum
in Niedersachsen (2,9 %). Hier spielen andere Motive eine deutlich größere Rolle für den Auf-
enthalt, wie z.B. die sehr bekannte Marke der internationalen Sea-Sun-Sand-Destination Sylt
oder der ausschließlich gesundheitsorientierte Kururlaub. Standorte mit den höchsten Anteilen
an NLP-Touristen im engeren Sinn sind neben dem Hans-Eisenmann-Haus, die Sundische
Wiese (Vorpommersche Boddenlandschaft, 57,1 %) oder Hintersee/Klausbachhaus
(Berchtesgaden, 60,1 %). Für Letzteres bspw. können die hohen Affinitätswerte zum Teil auf
die vorhandenen Angebote des NLP mit einer Infostelle sowie die Rotwildfütterung im Winter
zurückgeführt werden. Ähnliches gilt für die anderen „Top“ Standorte.
Das Beispiel der Rotwildfütterung im Klausbachtal zeigt, dass die NLP-Affinität durch be-
stimmte Natur-Events beeinflusst werden kann. Dies konnte im NLP Vorpommersche Bodden-
landschaft anhand des Natur-Events Kranichzug nachgewiesen werden. Die befragten Kra-
nichtouristen wiesen mit 46,1 % eine NLP-Affinität auf, die deutlich über dem Gesamtbesu-
cherschnitt von 31,5% liegt (HERGET & JOB 2014). Ähnliches lässt sich auch für andere Natur-
Events, primär im Zusammenhang mit Zugvögeln, vor allem in den Wattenmeerparken sowie
in der Müritz vermuten.

                                                                                            18
Tabelle 5: Standortspezifische Affinität in deutschen NLP10

                              “Top-Standorte” (Anteil im enge-   „Flop-Standorte“ (Anteil im engeren
                              ren Sinne in %)                    Sinne in %)
 Bayerischer Wald             Hans-Eisenmann-Haus (65,9)         Grenzbhf. Bayerisch-Eisenstein (23,6)
 Eifel                        Wahlerscheid (42,9)                Bruechelchen (14,5)
 Hainich                      Craulaer Kreuz (55,4)              Mallinde (33,7)
 Kellerwald-Edersee           Himmelsbreite (43,3)               Brücke der Banfebucht (16,2)
 Ns. Wattenmeer               Spiekeroog (29,9)                  Borkum (2,9)
 Müritz                       Mühlensee Ankershagen (55,0)       Waren (Eingangsbereich) (31,8)
 Sächsische Schweiz           Beuthenfall (54,8)                 Lilienstein (11,1)
 Schwarzwald                  Ruhestein (17,8%)                  Badener Höhe (5,4)
 Harz                         Rabenklippen (39,2)                Zanthierplatz (15,1)
 Vorp. Boddenlandschaft       Sundische Wiese (57,1)             Barhöft (14,9)
 Berchtesgaden                Hintersee/Klausbachhaus (60,1)     Hinterbrand (7,6)
 Jasmund                      Waldhalle (46,7)                   Sassnitz (23,2)
 S.H. Wattenmeer              Hamburger Hallig (37,0)            Westerland Sylt (6,7)

3.3 Vergleich der Ausgabenwerte
Die Ausgabenwerte wurden nach der weiter oben beschriebenen Methodik inflationsbereinigt
und werden hier in Preisen von 2014 angegeben. Die Gegenüberstellung der Kennziffern er-
folgt getrennt nach den vier zentralen Zielgruppen der Tages- bzw. Übernachtungsgäste, so-
wie der NLP-Touristen im engeren Sinn und der sonstigen NLP-Touristen (vgl. Tabelle 6).
Innerhalb der vier Zielgruppen sind große gebietsspezifische Schwankungen der Ausgaben-
werte zu beobachten. Bei den Touristen mit hoher Affinität, die den NLP im Rahmen eines
Tagesausfluges aufsuchen, reicht die Spanne von 8,10 € im Unteren Odertal bis hin zu 23,10 €
im Jasmund. In dieser Gruppe sind die NLP Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft,
Harz und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer durch stark überdurchschnittliche Ausgaben-
werte gekennzeichnet, während neben dem Unteren Odertal auch der Kellerwald-Edersee nur
über sehr geringe Ausgabenwerte verfügt. Die übrigen NLP liegen mit Ausgabenwerten zwi-
schen 11,30 € und 14,10 € im Mittelfeld.
Die Reihung stellt sich bei den sonstigen Touristen unter den Tagesausflüglern etwas anders
dar. Es rangieren die NLP Unteres Odertal und Kellerwald-Edersee genauso wie die Müritz
deutlich unter dem Durchschnittsniveau in den Ausgabenwerten. Auch hier sind es wieder die
traditionellen Destinationen, wie der Harz, Berchtesgaden, der Schwarzwald, die Vorpommer-
sche Boddenlandschaft, die beiden Wattenmeer-NLP und der Jasmund, welche überdurch-
schnittliche Ausgaben zeitigen.
Bei den Übernachtungsgästen sind ebenfalls deutliche Unterschiede in den Ausgabewerten je
nach Gebiet zu beobachten. Dabei fallen die absoluten Differenzen verglichen mit den Tages-
gästen naturgemäß höher aus. Grundsätzlich stellt sich die Reihung der NLP bei den Über-
nachtungsgästen ähnlich wie unter den Tagesgästen dar. Auch hier sind in der Gruppe der

10Da die Daten für den NLP Unteres Odertal im Wesentlichen aus REIN et al. (2009) entnommen wurden
und dieser keine Auswertungen zu Standort und NLP-Affinität beinhaltet, muss in dieser Tabelle auf
eine entsprechende Differenzierung für das Untere Odertal verzichtet werden.
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