SOMMER 2021 // LET'S TALK - Katholische Kirche Vorarlberg
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
KOMMUNIKATION
FÜREINANDER
EDITORIAL
Let’s talk about racism. Sind diese Hindernisse ge-
fallen kommt das nächste: Kann
Kommunikation ist der ich das Gehörte annehmen und
Schlüssel für ein gutes Mitei- in etwas Besseres umsetzen?
nander. Eigentlich wäre es so Warum fällt es uns so schwer
einfach, herauszufinden, wie es andere Sichtweisen auf die Welt,
dem Gegenüber geht und doch zu akzeptieren? Weil wir alle ir-
fällt es uns schwer, ehrlich zu gendwie rassistisch sind. Da sind
CORINNA PETER fragen und zu antworten. wir und dort die anderen. Das
Chefredaktion, müssen wir ändern und der ein-
PR & Kommunikation „Wie geht es dir?“, oder zige Weg zu einer großen Ge-
„Woher kommst du?“ meinschaft ist Kommunikation.
Wir müssen darüber reden wie
„Darf man das so sagen?“, es anderen geht und unsere Ein-
oder „Das wird man ja wohl noch stellung auch gegenüber uns
sagen dürfen?“ selbst ändern.
Darauf ehrlich antworten, Also, lass uns drüber re-
oder dem Konflikt besser aus den.
dem Weg gehen?
IMPRESSUM
MEDIENINHABER: KATHOLISCHE CHEFREDAKTION: Corinna Peter DRUCK: Jochum Druck GmbH & Co KG
JUGEND UND JUNGSCHAR REDAKTION: Mona Pexa, Fabian Jo- Alte Landstraße 39
A-6800 Feldkirch, Bahnhofstraße 13 chum, Andrea Gollob, Sabrina Wachter, A-6700 Bludenz
T 05522 / 3485 - 127 Pete Ionian, Simon Friedle www.jochumdruck.at
ZVR: 056876760 LEKTORAT: Brigitte Dorner, Simon
DVR: 0029874/1200 Friedle Die OFFENLEGUNG gemäß §25 Me-
anstoesse@junge-kirche-vorarlberg.at TITELBILD: unsplash diengesetz ist unter www.kathfish.at/
www.kathfish.at FOTOS: unsplash anstoesse abrufbar.
BANKVERBINDUNG:
BTV - 3 Banken Gruppe Namentlich gekennzeichnete Beiträge
IBAN: AT22 1633 0001 3314 3025 geben die Meinung der Verfasserin
BIC: BTVAAT22 bzw. des Verfassers wider und müssen
Empf.: Kath. Jugend und Jungschar Vor- sich nicht mit der Meinung der Redak-
arlberg, Verw.zweck: anstösse tion decken.
2INHALT
4 // 19 // 34 //
LIEBE WEISSE KIRCHE JUGENDGOTTESDIENST KJJS-NEWS
7 // 23 // 36 //
WERTSCHÄTZUNG IN KINDERGOTTESDIENST NÄCHSTENLIEBLE
MEDIEN, POLITIK UND
BILDUNG 26 // 37 //
MINIS TERMINE
10 //
VERBINDUNG HERSTELLEN 28 // 38 //
KINDERARBEIT STOPPEN TEAMNEWS
13 //
DIALOG GEGEN RASSISMUS 31 // 39 //
GRUPPENSTUNDE TEAM
15 //
PERSPEKTIVENWECHSEL 33 //
FIRMUNG 4.0
17 //
BISCHOFSBLOG
3LIEBE
WEISSE
KIRCHE
INTERESSANTES ÜBER DIE
HEILIGE SCHRIFT
Geboren in Oberhausen, woher ich eigentlich komme. Das
aufgewachsen mitten im Ruhr- nervt, ich bin Deutsche, da gibt
gebiet - trotzdem ist die 35-jäh- es nichts zu hinterfragen.
rige Sozialpädagogin Sarah Ve-
cera schon ein Leben lang mit BLASSE HAUT, BRAUNES,
der Frage konfrontiert, wo sie LEICHT GEWELLTES HAAR,
denn „eigentlich“ herkommt, mit TEILWEISE SOGAR BLAUE
ihrer dunklen Hautfarbe. Mitt- AUGEN – SO SIEHT UNSER
lerweile nervt sie der gedan- JESUS AUS, WENN MAN
kenlose Alltagsrassismus auch IHN GOOGELT. WENN MAN
gegenüber ihren Kindern.
ALLERDINGS VON SEINER
HERKUNFT AUSGEHT, HAT
BITTE STELLE DICH KURZ
ER SO WAHRSCHEINLICH
VOR. WIE WÜRDEST DU
NICHT AUSGESEHEN (IST
DICH SELBST BESCHREIBEN?
DIESE ANNAHME AUCH
Hallo, mein Name ist Sa- IRGENDWIE RASSISTISCH?).
rah Vecera. Ich arbeite bei der WIE UND WARUM WURDE
Vereinten Evangelischen Mis- JESUS WEISS?
sion als Bildungsreferentin für
Rassismus und bin auch als Re- Das liegt an unserem wei-
ligionspädagogin tätig. Auf In- ßen Blick auf die Kirche. Gene-
stagram blogge ich über mein rell gilt das für sehr viele Be-
Leben und damit einher auch reiche unseres Lebens. Googelt
über Rassismus. Außerdem bin man zum Beispiel „schöne Frau“,
ich verheiratet und habe zwei bekommt man fast ausschließ-
Kinder. Geboren bin ich im Ruhr- lich weiße Frauen zu sehen. Wir
gebiet, wo ich bis heute wohne. haben eine eurozentrische Brille
Mein Vater kommt ursprünglich auf, die wir nicht so schnell ab-
aus Pakistan. Daher sehe ich legen können. In vielen bebil-
nicht aus wie die Durchschnitts- derten Bibeln wird Jesus auch
deutsche und werde oft gefragt, nicht als Jude dargestellt. Seine
4Jünger hingegen sind durchwegs möglichen Hautfarben sieht.
männlich und tragen eine Kippa Adam und Eva werden also nicht
– was es zur Zeit Jesu noch gar mit Modelmaßen abgebildet. 20
nicht gab. Es stimmt also noch verschiedene Geschichten aus
mehr nicht, als nur die Hautfar- dem neuen und dem alten Testa-
be. ment. Dabei versuchen wir auch
Von klein auf werden wir den jüdischen Ursprung mit ein-
alle rassistisch erzogen, ohne zubeziehen und die Kleidung
dass wir es merken. Das liegt da- der Menschen im Buch dement-
ran, dass sich dieses Verhalten sprechend darzustellen.
vor 500 Jahren etablierte und
wir es als normal ansehen. Die VOR WELCHEN PROBLEMEN
Kirche sieht das Problem nicht. STEHT DIE „WEISSE KIRCHE“,
Bei uns in Deutschland sind fast DIE SIE NOCH GAR NICHT
alle namhaften Persönlichkeiten SIEHT BZW. VERDRÄNGT?
weiß. Jemand der anders aus-
sieht, hat keine Bezugspersonen. Das Problem ist, dass die
weiße Kirche nicht weiß, oder
THEMA BEZUGSPERSONEN: wahrhaben will, dass sie ras-
SOWEIT ICH WEISS, ARBEI- sistisch ist. Mit Rassismus wird
TEST DU AN EINER RASSIS- meistens auch Rechtsradikalis-
MUSKRITISCHEN KINDER- mus gemeint, und so will ja kei-
BIBEL. WIE WIRD DIESE ne*r sein. Es ist aber nunmal so,
AUSSEHEN? dass die Angestellten der Kirche
noch kein Abbild der Gesell-
Die Bibel soll allgemein schaft sind.
sehr inklusiv werden. Das heißt,
dass man dort auch zum Bei-
spiel Menschen mit einer Behin-
derung, kleine und große, dicke
und dünne Menschen und alle
5WAS MUSS SICH IN DEN
CHRISTLICHEN KIRCHEN
ÄNDERN? WAS KÖNNEN
WIR ALLE DAZU BEITRAGEN?
Wir müssen eine Diskus-
sionskultur entwickeln. Viele set-
zen sich zwar gegen Rassismus
ein, sind aber trotzdem selbst
rassistisch. Dieses System ist
über 500 Jahre alt, wir merken
gar nicht mehr, wenn wir rassis-
tisch handeln. Oft höre ich auf
meine Kritik hin die Antwort:
„Das wird man ja wohl noch sa-
gen dürfen!“
Wir als Kirche haben die
Chance, eine gute Gesprächs-
kultur in dieser Hinsicht auf-
zubauen. Ich glaube an uns
Christ*innen, darum mache
ich auch meine Arbeit. In den
„IHR HABT ES GUT GEMEINT UND HABT MICH FREMD GE-
Paulusbriefen steht, dass die MACHT.“
unterschiedlichsten Kulturen zu- MIR GEFÄLLT DIESER SATZ SEHR GUT, DENN ER ZEIGT EINEN
sammenkommen sollen. Wir als TEIL DES PROBLEMS. JEMAND DER ES GUT MEINT, WIRD SEIN
Kirche können Vorreiter*in sein. HANDELN KAUM HINTERFRAGEN, OBWOHL ES MANCHMAL
Dazu gehört aber zum Bei- ANGEBRACHT WÄRE.
spiel auch, einige alte Kirchen- WIE KANN DIE „WEISSE KIRCHE“ GUT GEMEINTES IN RICH-
lieder zu hinterfragen, in denen TIG GUTES UMWANDELN?
etwas nicht politisch korrekt
ausgedrückt wird. Oder Leute Die häufigste, gutgemeinte Frage ist wahrscheinlich: „Wo
anderer Kulturen oder People kommst du her?“ Damit wird mir schon impliziert, dass ich mit mei-
of Colour in die Gemeinde ein- nem Aussehen gar nicht aus Deutschland kommen kann. Dazu muss
zubinden. Sich auch mit ihren ich allerdings sagen, dass man in dieser Hinsicht schon vorsichtiger
Themen auseinanderzusetzen. geworden ist und mir diese Frage nicht mehr so oft gestellt wird. Wie
Wenn man niemanden in dieser schon gesagt: Wir brauchen mehr People of Colour in der Kirche.
Hinsicht kennt, dann kann man Menschen, die uns auf Fehler aufmerksam machen und mit denen
ja mal ein paar Leuten auf In- wir an einer Lösung für das Problem arbeiten können.
stagram folgen, um ihre Pers-
pektive wahrzunehmen.
Wir müssen uns einfach
auf die Veränderung einlassen,
Bildungsangebote schaffen, Dy-
namiken und Emotionen verste- AUF INSTAGRAM FINDEST
hen sowie Lösungsansätze und DU SARAH UND IHREN
Worte füreinander finden. SPANNENDEN CONTENT
UNTER MOYO.ME
SARA VECERA
Sozialpädagogin
6WERTSCHÄTZUNG
IN MEDIEN,
BILDUNG UND
POLITIK
EINE DISKRIMINIERUNGSFREIE
GESELLSCHAFT
Simon INOU studierte in Duala (Kamerun)
Soziologie und in Wien Publizistik. Von 1992 bis
1995 war er Mitbegründer und Redakteur von „Le
Messager des Jeunes“, der ersten Jugendzeitung
Kameruns. Er flüchtete aus politisch-journalisti-
schen Gründen nach Österreich, wo ihm Asyl ge-
währt wurde. INOU war Chefredakteur von Radio
Afrika International in Wien (1998-2005), Mit-
begründer und Chefredakteur von Afrikanet.info
(2003 bis heute). Er war Koordinator diverser
(Medien-)Projekte (u.a. für die „Wiener Zeitung“
und „Die Presse“), organisierte die „Medien.Messe.
Migration“ (2008-2015) und gründete 2007 den
Verein zur Förderung interkultureller Medienar-
beit M-MEDIA. Mitarbeit an Projekten wie „Dis-
kriminierungsfreie Schulbücher für Österreich“
und „AfrikanerInnen im KZ Mauthausen“. Zurzeit
beschäftigt er sich im Rahmen des Projekts „3RRR
- RESTITUTION, REHABILITATION and RECON-
CILIATION“ mit den Fragen der Restitution Af-
rikanischer Kulturgüter. Er ist bei Radio ORAN-
GE 94.0 Leiter der Ausbildung sowie des Bereichs
Diversity. Diverse Auszeichnungen, u.a. 2008 mit
dem Bundes-Ehrenzeichen.
Aufgrund seiner spannenden Biographie
habe ich ihm einige Fragen zu den Rollen von Po-
litik, Medien und Bildung auf dem Weg zu einer
diskriminierungsfreien Gesellschaft gestellt.
7VIELE SPRECHEN VON sellschaftsschichten zusammen-
EINER SPALTUNG DER GE- zubringen. Dabei geht es nicht
SELLSCHAFT DURCH DIE nur um People of Colour oder
AKTUELLEN EREIGNISSE WIE generell die Herkunft der Men-
ZUM BEISPIEL CORONA schen, sondern auch um Alte und
ODER AUCH DEN POLITI- Junge, oder Frauen und Männer.
SCHEN GESCHEHNISSEN. Wenn wir den Zusam-
WIE SIEHST DU DAS? GIBT ES menhalt der Gesellschaft nicht
NOCH EINE MITTE? fördern, dann werden wir gro-
ße Schwierigkeiten haben, eine
Was ist eigentlich die Mit- richtige Mitte zu finden.
te? Ich würde sagen, das ist al-
les jenseits der Polarisation. Ich Ich finde, die einzelnen
würde sagen, der Großteil der Parteien sollten wieder zurück
Bevölkerung steht in der Mitte. zu den eigentlichen Werten
kommen, seien sie sozial oder
Es wird immer eine Mit- wirtschaftlich geprägt. Wenn sie
te geben, zumindest, wenn wir sich an ihre Worte an die Öf-
nicht ausschließlich ideologisch fentlichkeit halten, dann stehen
orientiert sind. Diese Diskussio- sie alle in der Mitte und polari-
nen die wir momentan führen, sieren nicht.
führen wir immer anhand von
Ideologien. Diese werden von
Parteien verbreitet, die wissen
sollten, dass diese Ideologien
der Vergangenheit angehören.
Wir haben Themen die für un-
sere Gesellschaft wichtiger und
weniger polarisierend sind. DU HAST DAS ZUSAMMENBRINGEN VER-
SCHIEDENSTER GESELLSCHAFTSSCHICHTEN
Solche Themen werden ERWÄHNT. WAS MUSS SICH IN UNSERER BIL-
leider von den meisten Parteien DUNG ÄNDERN, DAMIT DAS FUNKTIONIERT?
nur oberflächlich thematisiert.
Für mich wird es immer Eine geeinte Gesellschaft fängt bei der Bil-
eine Mitte geben, solange wir dung und Erziehung an. Wir müssen eine zusam-
uns nicht hardcoremäßig nur um menhaltende Tradition pflegen. Bei der Schulbil-
die Propaganda der verschie- dung zum Beispiel, sollten wir uns die Schulbücher
densten Volksparteien kümmern. genauer ansehen. Wie und welche Leute werden
Ab dem Zeitpunkt, an dem wir dort dargestellt? In den Schulen muss ein diverses
der Polarisation zu viel Gewicht Abbild unserer Gesellschaft verbreitet werden. Wir
geben, ohne dass wir eine Mitte brauchen diskriminierungsfreie Unterrichtsmate-
aufgreifen, wird es keine Mitte rialien. Das geht vom Kindergarten bis hin zu den
mehr geben. Die Mitte versucht Universitäten. Damit können wir eine neue Gene-
immer, beide Seiten zusammen- ration von Menschen aufbauen, die nicht gegen-
zuführen. einander sein werden.
Sobald eine Partei ihre Für mich ist es wichtig, in Richtung Bildung
Werte nicht mehr vertritt – z.B. viel zu investieren. Wir brauchen eine diskriminie-
Parteien, die sich auf christliche rungsfreie Bildung in Österreich, damit wir die Ge-
Werte berufen und dann aber sellschaft von morgen fit machen.
nicht christlich handeln – wird
die Mitte ebenfalls verloren ge- Neben der Bildung spielen auch die Medien
hen. eine sehr wichtige Rolle, weil sie diejenigen sind,
die massenweise bestimmte Inhalte verbreiten. Sie
Politik muss immer versu- können Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft
chen, die verschiedensten Ge- schüren oder auch nicht.
8INWIEFERN KOMMT DA DIE MEDIENKOMPE-
TENZ JUNGER LEUTE INS SPIEL?
Die Medienkompetenz spielt eine wichtige
Rolle, vor allem, wenn man die Entwicklung von
Fake News in Social Media ansieht. Wenn junge
Menschen medienkompetent sind, dann stellen sie
das, was sie lesen, in Frage und verbreiten nichts
weiter, was nicht stimmt. Das bezieht sich auch auf
menschenunwürdige Inhalte. Wer sowas kritisiert,
wird es auch nicht weiter teilen. Medienkompetenz
gehört auch zu Bildung dazu. Ohne Medien gibt es
keine Bildung, denn die Schulbücher sind beispiels-
weise auch Medien. Medien gehören zu unserem
Alltag, darum ist Medienkompetenz ein Schlüssel
zu einer diskriminierungsfreien Gesellschaft.
WAS SIND DEINE WÜNSCHE
AN ÖSTERREICH? WIE SOLL
SICH ÖSTERREICH ENTWI-
CKELN?
(Lacht) Wir sind schon in uns erholen können und dann
der Zukunft drinnen. Ich glaube mit Schwung weitermachen kön-
Zukunft findet jeden Tag statt. nen. Wir müssen lernen, kreativ
Zukunft bedeutet auch, dass wir zu sein und uns mit andren zu
junge Menschen brauchen, die Kulturen beschäftigen, oder mal
WIR BRAUCHEN nicht zu allem „Ja“ sagen und wieder einen Brief schreiben.
JUNGE alles runterschlucken. Wir brau- Schreibt Postkarten. Überlegt,
chen junge Menschen, die Sa- was ihr schreiben wollt. Findet
MENSCHEN, DIE chen in Frage stellen, die fähig einen Sinn.
SACHEN IN sind, Nachrichten zu überprü-
fen. Weil es nicht darum geht, Wir müssen auf dieser
FRAGE STELLEN, dass wir eine Gesellschaft auf- Erde nicht alles erreichen. Wir
bauen, wo alle wie Roboter alles gehen alle einen Teil eines lan-
DIE FÄHIG SIND, akzeptieren. Wir brauchen kri- gen Wegs. Irgendwann ist unser
NACHRICHTEN ZU tisch denkende junge Menschen, Abschnitt fertig, und andere ge-
die Medien in Frage stellen und hen den Weg weiter.
ÜBERPRÜFEN. respektvoll mit allen umgehen
können. Wir müssen das Ganze
entspannt sehen.
Respekt bedeutet auch,
,sich manchmal zurück ziehen
zu können und sich Zeit zu neh-
men. Sich einmal eine Pause zu
gönnen und nachzudenken, be-
vor man weitergeht. Nicht im-
mer nach dem Motto „Ich will
hier und jetzt alles machen“ zu
leben.
So ist das Leben. Wir brau-
SIMON INOU
Soziologe, Journalist, Redakteur
chen alle mal Pause. Darum ha-
ben wir auch Ferien, damit wir
9VERBINDUNG
HERSTELLEN
WIE EINE IDEE EINE GRUPPE
VON MENSCHEN BEGEIS-
TERTE UND SCHLUSSEND-
LICH ZU EINEM VORZEIGE-
PROJEKT WURDE.
Let‘s talk! Ein Appell, eine
Aufforderung miteinander ins
Gespräch zu kommen, sich aus-
zutauschen und wahrzunehmen.
Da geht es um Handlungsmög-
lichkeiten von jedem und jeder
von uns. Anstatt nur zu lamentie-
ren, wie schlimm alles geworden
ist. Darüber, wie salonfähig Ras-
sismus wurde und wie ausgren-
zend unsere Gesellschaft gera-
de tickt. Schön, wenn man sich
diesem Thema ausnahmsweise
mal positiv annähern möchte.
Also habe ich mich umgesehen,
was es denn für reale Beispiele
gibt, die einen solchen Zugang
haben. Die Verleihung des dies-
jährigen Vorarlberger Integra-
tionspreises hat mich dann auf gen und alles andere Denkbare,
die richtige Fährte gebracht. das unsere Gesellschaft so bunt
macht.
Connecthumans ist ein
Format zur Förderung eines VIELFALT IN STÄDTE & DÖR-
wertschätzenden und respekt- FER BRINGEN
vollen Miteinanders. Ein Zusam-
menleben kulturell diverser Ge- Das Grundkonzept ist es,
sellschaften, die genau dadurch diese unterschiedlichen Viel-
Potentiale haben, will gefördert falten in der Realisierung von
werden. Es geht dabei nicht nur Projekten mitzudenken. Connec-
um Flüchtlinge und Migration. thumans arbeitet mit Gemein-
Die Diversität und Inklusion, die den oder Regionalverbänden
hierbei abgebildet werden will, zusammen, die ein Thema oder
umfasst neben Herkunft, Kultur eine Frage haben, beispielswei-
und Religion auch die Vielfalt se mit der Jugend oder dem Al-
in Sachen Gender, Alter, Ge- ter. Diese Frage wird dann her-
sundheit, sexuelle Orientierun- genommen und mit dem Blick
10SCHÖNE FOTOGRAFIEN
UND GUTE FRAGEN
Julia Beck konnte als zwei-
te Projektleitung gewonnen wer-
den, denn vier Augen sehen mehr
und eine gemeinsame Reflexion
sei sehr wertvoll für den Prozess
gewesen. Gemeinsam wurde das
Konzept ausgearbeitet und so-
mit das Gerüst geschaffen. Das
Medium Fotografie hat sich
förmlich aufgedrängt, um einen
niederschwelligen Zugang zum
Thema zu finden, weil es mit
einer gewissen Leichtigkeit die
Verbindung zwischen den Men-
schen herstellen kann. Gerade
bei einem Thema, das sonst oft
eher schwer und anstrengend
ist. Und auch schnell politisch
wird. Also kamen Martin Scha-
chenhofer und Nina Bröll als
Fotograf*innen dazu. Es ging
also viel auch um Bilder und wie
Bilder auf uns wirken, welche
Zuschreibungen wir auch den
Bildern geben.
Alle Fotos: Connecthumans Gemeinsam waren connect-
humans in der Stadt unterwegs
mit Kamera und vorher erstell-
der Vielfalt betrachtet. Identität Schwung in die Sache gebracht. ten Fragekarten. Darauf waren
und Zugehörigkeit waren für Alleine fühlt man sich oft macht- zehn Fragen für die Menschen,
die Initiatorin Dragana Baloni- los, traut sich nicht zu, ein gro- die zehn Grundemotionen ent-
vic schon immer ein großes The- ßes Projekt umzusetzen. sprechen:
ma, aufgrund ihrer persönlichen Was macht dir Angst?
Biographie, während ihres Stu- Darüber zu reden ändert Wofür bist du heute dankbar?
diums und auch heute noch. Für das. Durch das gemeinsame Ge- Wann wird dir warm ums Herz?
sie wurde es zum Herzensthema. spräch und die Bereitschaft an- Was berührt dich? Womit hast
derer, das mitzutragen und mit- du zuletzt jemanden glücklich
DARÜBER REDEN REALISIERT zugestalten, ist connecthumans gemacht? Was ist dein größtes
zustande gekommen. Durch das Talent? Wie gehst du mit Trauer
Team wurde die Idee Realität. um? Was erfüllt dich mit Wert-
Die Initiatorin ist mit Schon alleine das sei eine er- schätzung?
der Idee zuerst mal zwei Jahre füllende, schöne Erfahrung ge-
schwanger gegangen und hat wesen. Und das alleine schon IM KONTAKT SICH SELBST
sie auch niemandem erzählt. sollte Schule machen. Wenn du BEGEGNEN
Irgendwann war ihr klar: Wenn also eine Idee hast, die dir am
das jemals zur Welt kommen Herzen liegt, dann rede darüber.
soll, muss sie darüber reden. Finde Gleichgesinnte, Begeiste- Diese Karten wurden dann
Durch den Austausch mit im- rungsfähige, Mitspieler*innen von den Menschen gezogen und
mer mehr Menschen, hat sich und Unterstützer*innen. Und haben einen spielerischen Zu-
ein Team von zehn Personen zu- schon kann aus einer Idee Wirk- gang eröffnet. So sind Gesprä-
sammengefunden, die alle be- lichkeit werden. Let‘s talk! che entstanden, denn diese Fra-
geistert wurden. Das hat den gen stellen wir uns alle von Zeit
11zu Zeit. Ganz oft kam dann die Rückfrage, ob sie VERANSTALTUNGSTIPP!
von einer Partei kämen oder von einer Einrichtung.
Dass man das aus Eigeninitiative gemacht hat, HYBRIDE WELTEN
sich da die Zeit genommen hat dafür, weil das VORARLBERGER THEATER-
Thema ein Anliegen war, hat viele Türen geöffnet. LABOR
Dabei wurden Fotos gemacht und die Aussagen
notiert. Die Menschen wurden auch bewusst auf Mo 30. August 2021, 9 Uhr -
ihre Vielfalt hin ausgewählt. Es wurden auch die Do 2. September 2021, 17 Uhr
Lebenshilfe und ein Altersheim besucht. Grafikerin
Verena Marte hat dann diese Bilder umgesetzt, Let‘s play! Im Theaterlabor brin-
Alexander Stark erstellte einen Gestaltungsleit- gen wir Theaterspiel auf ein
faden. Daniela Kohler und Frank Blau machten neues Level. Wir starten eine
Videodokumentationen. Die Ergebnisse wurden in Expedition ins Unbekannte,
recht großem Format gedruckt und im öffentlichen wandern zwischen den Welten,
Raum an verschiedenen Standorten ausgestellt. eröffnen neue Räume, erkunden
Grenzen und überwinden sie.
Der öffentliche Raum ist der Ort, wo wir die- Ein Abenteuer wartet auf uns, in
sem Thema im Alltag begegnen. Wir laufen anei- dem wir einander begegnen und
nander vorbei, ohne Kontakt aufzunehmen. Jede*r gemeinsam unsere eigenen Ge-
bleibt für sich. Dieses Projekt ist ein schönes Bei- schichten schreiben, um sie dann
spiel dafür, wie wertvoll und sinnstiftend es sein interaktiv in Szene zu setzen.
kann, Kontakt aufzunehmen und ins Gespräch Eine Kooperation von freigeist
zu kommen. Im Kontakt mit Menschen oder eben arbogast mit dem Vorarlberger
mit diesen Bildern und Aussagen erlebt man sich Landestheater.
selbst. So können wir in der Vielfalt das Verbin-
dende finden. Zielgruppe
Jugendliche im Alter von 12 bis
16 Jahren
Kosten Übernachtung
Vollpension € 120,00
Kosten pro Person
Kursbeitrag € 120,00
PETE IONIAN
freigeist arbogast
12DIALOG GEGEN
RASSISMUS
VORARLBERG? RASSISTISCH?
Wir bauen die Gegenwart WOHER KOMMT RASSISMUS?
auf unserer Vergangenheit auf.
In den letzten 500 Jahren hat Im 17. Jahrhundert kam der Arzt Francois
sich eine gesellschaftliche Struk- Bernier auf die Idee, das Konstrukt der „Rasse“
tur aufgebaut, die auf einem auf den Menschen anzuwenden. In diesem Kon-
rassistischen Konzept basiert. zept steht der weiße Mann an der Spitze und die
Durch diese Strukturen sind wir schwarze Frau ganz unten. Dass das nicht biolo-
ALLE rassistisch erzogen wor- gisch begründet ist, muss man wohl kaum sagen.
den. Warum das so ist, was die Zum Beispiel: Die Sklavenhändler waren an sich
Kirche damit zu tun hat und was nicht rassistisch. Sie wollten nur Gewinn machen,
wir alle dagegen tun können, und, um gut zu schlafen, schoben sie das Rassen-
das fragt sich auch die Junge konzept vor. Mit diesem Konzept der „Rassentheo-
Kirche Vorarlberg. Gemeinsam rie“ dehumanisierten sie „Black, Indigenous & Peo-
mit Lester Soyza von der Cari- ple of Colour“. Die Kirche und die Wissenschaft
tas Flüchtlingshilfe will sie die- haben damals dieses Konstrukt in die Gesellschaft
se Fragen beantworten. Lester getragen. Als gläubiger Christ ist es sehr verlet-
kennt sich mit der Materie bes- zend zu wissen, welche negative Rolle die Kirche
tens aus. Durch seine Arbeit mit dabei gespielt hat.
Flüchtlingen und weil er, eine Bis heute ist das „Rassendenken“ erhalten
Person of Colour, schon seit 30 geblieben. Obwohl jeder weiß, dass es nur „One
Jahren in Vorarlberg lebt, ist er World and One People“ gibt. Rassen hat es nie
ständig mit Rassismus konfron- gegeben. Es ist ein Konstrukt, ein Konzept das wir
tiert. abbauen müssen.
WIE SIEHST DU ALS CHRIST DIESE SITUA-
TION?
Ich glaube, für uns alle ist es wichtig, immer
im Dialog und beim Thema Rassismus kritisch zu
sein. Das hat schon Jesus praktiziert, und darauf
baut der christliche Glaube auf. Wir müssen uns
selber bei der Nase nehmen und uns ständig dar-
an erinnern, dass es keine Rassen gibt. Menschen
sind keine Österreicher*innen sie kommen aus Ös-
terreich, genauso wenig gibt es Sri Lanker*innen,
sie kommen aus Sri Lanka. Wir sind Menschen.
13Menschen in Österreich die Zu-
kunft schwermachen – Stichwort
„keine Beschäftigungsmöglich-
keit“.
WAS KÖNNEN WIR ALLE ZU
EINEM FAIREN MITEINAN-
DER BEITRAGEN?
Wir müssen erkennen,
dass unsere profitorientier-
te Gesellschaft auf Rassismus
aufbaut. Wenn jemand Gewinn
macht, heißt das immer, dass je-
mand verliert. Lerne über Lesen,
Workshops, auf YouTube alles,
was du über Rassismus rausfin-
den kannst. Rassismus-kritisches
Wissen ist noch nicht im Main-
stream angekommen. Es liegt
in deiner Verantwortung. Sprich
Rassismus an, wenn du ihn er-
kennst. Immer. Wir möchten
nicht in einer Gesellschaft leben,
Rassismus salonfähig wird. Hör
ehrlich zu. Das Wichtigste, das
du tun kannst, ist gut zuzuhören,
wenn dir Menschen vom Rande
der Gesellschaft ihre Geschich-
te erzählen. Falle dabei aber
nicht in die Verteidigungshal-
ÜBER WAS SOLL GEREDET Kommunikation aber auch stän- tung, wenn du etwas erfährst,
WERDEN? diges Hinterfragen der eigenen was du nicht hören willst. Dieser
Worte sind Wege in die richtige christliche Grundgedanke ist
Wir, Black, Indigenous & Richtung. der Schlüssel zu einer vorurteils-
People of Colour, müssen viele freien Welt. Der Kampf gegen
kleine Mückenstiche ertragen. WO WIRD RASSISMUS Rassismus beginnt beim Hinter-
Zum Beispiel die Aussage „Oh, SICHTBAR? fragen des eigenen Privilegs. So
du sprichst ja Deutsch“, oder beginnen wir eine inklusive Ge-
die Frage „Woher kommst du sellschaft aufzubauen.
ursprünglich?“ ist verletzend. Vor allem anhand der
Meine Kinder sind in Österreich Flüchtlingsdebatte wird Rassis-
geboren und trotzdem bekom- mus sichtbar. Außerdem zeigt
men sie täglich anhand dieser dieses Thema wie sich Sprache
Fragen suggeriert, dass sie nicht darauf auswirkt. Es wird in der
hierher gehören. Das ist zutiefst Politik nicht mehr von Men-
verletzend. Oft ist es so, dass je- schen, die geflüchtet sind, ge-
mand der diese Aussagen tätigt, sprochen, sondern von illegalen
niemanden verletzen will. Trotz- Einwanderern. Hier sehen wir
dem tut es weh. Eine weiße Per- den gleichen Prozess wie im 17.
son wird ja auch nicht ständig Jahrhundert. Wir dehumanisie-
damit konfrontiert. Die Lösung? ren Menschen und machen sie
Erinnre dich daran, dass Öster- zu einem Objekt, damit wir mit
reicher*innen nicht nur weiß sind. ihnen machen können, was wir LESTER SOYZA
Seit mehreren 100 Jahren leben wollen. Außerdem ist es sehr Caritas Flüchtlingshilfe
People of Colour in Österreich. rassistisch, dass wir geflüchteten
14PERSPEKTIVEN-
WECHSEL
WIE MICH MEIN VOLONTARIAT
VERÄNDERT HAT
Genug in der Schule gesessen. Ich mach‘ ein
Volontariat! So oder so ähnlich waren meine Ge-
danken, als ich mich nach meiner Matura 2018
entschlossen habe, ein freiwilliges soziales Jahr
zu machen. Ich hatte es satt, einfach nur dazu-
sitzen, zu lernen und tagein, tagaus dem Alltags-
trott nachzugehen. Meine größte Sorge war es, in
meiner kleinen privilegierten Welt als weiße, au-
tochthone Österreicherin meinen Freizeitstress in
diversen Vereinen und die Schule unter einen Hut
zu bringen. Ich dachte, dass ich aufgeschlossen sei,
Weltoffenheit lebte und Vorurteile hatte ich natür-
lich auch nicht, weil ich ja wusste, dass diese zu
vorschnellen Schlüssen führen. Somit waren auch
in meiner kleinen, heilen, ländlichen Welt Rassis-
mus und rassismuskritisches Denken kaum präsent.
Mit dieser Einstellung meldete ich mich für
einen Freiwilligeneinsatz bei der Organisation
VOLONTARIAT bewegt an. Schon in der Vorbe-
reitung wurde an meinem Weltbild gerüttelt und
versucht, mir eine realistische Vorstellung von mei-
nem Freiwilligendienst zu geben. Doch insgeheim
wollte ich immer noch ein wenig die Welt retten,
meine Zeit anderen „schenken“ und der Welt etwas
„zurückgeben“.
AB NACH ÄTHIOPIEN
Im Zuge meines Volontariats durfte ich dann
in einem Jugendzentrum der Salesianer Don Bos-
cos in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba
mithelfen. Dort waren meine Hauptaufgaben im
Kindergarten mit den Kindern zu spielen, zu sin-
15gen, zu basteln, zu turnen und ihnen auch ein we-
nig Englisch beizubringen. Weiters durfte ich mir
für die Hausübungsbetreuung kreative Aktivitäten
überlegen. Doch schnell wurde mir bewusst, dass
ich es eigentlich war, die dort am meisten profitier-
te. Klar steckte ich all meine Energie ins Projekt
und überlegte mir kreative Unterrichtsmethoden
und Spiele, doch eigentlich wurden mir in diesem
Jahr die Augen geöffnet.
HORIZONT
Ich konnte einfach so in ein Land auf einem
anderen Kontinent fliegen, in einem Sozialprojekt
mitarbeiten und mich verwirklichen, ohne irgend-
etwas Spezielles dafür getan zu haben, außer ein
bisschen Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen zu sammeln und das Vorbereitungs-
programm bei VOLONTARIAT bewegt zu absol-
vieren. Anders auszusehen als die Mehrheit rund
um mich, das hatte ich davor noch nie so erlebt. Zu
meinem Glück wurden meine äußerlichen Unter-
schiede stets mit positiven Attributen verbunden.
„Wie muss es Menschen gehen, die befremdliche
Blicke, blöde Bemerkungen, Ausgrenzungen, Be-
nachteiligungen, etc. im eigenen Land, tagtäglich
erfahren?“, dachte ich. Wie klein war mein Horizont
bis dahin, dass ich erst aus meiner Heimat weg- WIR HABEN EIN PROBLEM
musste, um mir diese Gedanken wirklich zu Herzen
zu nehmen und ernsthaft darüber nachzudenken? Ich kann mich hierbei einbringen, indem ich
Weshalb ist mir nicht schon in Österreich bewusst versuche, andere zu unterstützen. Ich kann versu-
geworden, wie ungerecht unsere Gesellschaft dies- chen, in der weißen, europäischen Gesellschaft Be-
bezüglich ist und wie blind ich dafür war? wusstsein dafür zu schaffen, dass wir ein Problem
mit Rassismus haben und unser Handeln kritisch
DISKRIMINIERUNG hinterfragen müssen. Wir sind diejenigen, die sich
eingestehen müssen, dass wir durch unsere Privile-
Meine Zeit in Äthiopien möchte ich auf kei- gien ein rassistisches System aufrechterhalten.
nen Fall missen. Die Erfahrungen, die ich machen
durfte, die Menschen, welche ich kennen und lieben Mir ist bewusst geworden, dass für mich
gelernt habe, und Freundschaften, die dadurch mein Volontariat nur Sinn macht, wenn ich mich in
entstanden sind, werden mich sicherlich mein gan- Österreich mit diesen Thematiken weiter beschäf-
zes Leben lang prägen. Doch, wenn ich will, dass tige und mich in diesem Bereich engagiere. Ich will
die Ungerechtigkeiten in unserer Welt weniger autochthone Österreicher*innen zu kritischerem
werden, muss sich etwas ändern: Menschen müs- Denken anregen, Anreize dafür setzen, über den
sen als Menschen gesehen werden und dabei dür- eigenen Tellerrand zu schauen und die eigenen
fen nicht ihre äußeren Merkmale, die Hautfarbe Privilegien zu hinterfragen. Deshalb habe ich mich
oder Herkunft im Vordergrund stehen. Menschen entschlossen, nach meinem Auslandsaufenthalt
dürfen nicht aufgrund der Herkunft ihrer Vorfah- ein Teil des freiwilligen Bildungsteams von Jugend
ren diskriminiert, benachteiligt und rassistischen Eine Welt zu werden. Gemeinsam halten wir Work-
Äußerungen ausgesetzt sein. shops, vor allem in Schulen, zu Themen im globalen
Bildungskontext, wie Kinderrechte, Elektroschrott,
16Ernährungssouveränität oder
auch Rassismuskritik. Das Ziel
der Workshops ist es, über diese
BISCHOFS-
BLOG
wichtigen Thematiken gemein-
sam zu diskutieren, damit sie
präsenter werden. Den Teilneh-
mer*innen und uns werden somit
die Aktualität und gesellschaft-
liche Relevanz nähergebracht
und durch kreative, spielerische
Methoden Handlungsperspek-
tiven eröffnet, damit nicht nur
theoretisches Wissen vermittelt
wird, sondern wir auch ins Tun RASSISMUS: NICHT ANGEBOREN,
kommen.
SONDERN MENSCHENGEMACHT
Um Rassismus zu dekon-
struieren, muss er als gesell-
schaftliches und strukturelles
Problem in den Köpfen aller
Menschen erkannt und aner- „Rassismus ist ein Virus“,
kannt werden und Handlungs- hat Papst Franziskus vor kur-
bedarf gesehen werden. Dafür zem getwittert. Mit dieser klaren
muss man nicht unbedingt ein Position schließt er sich nicht
Volontariat machen, aber für nur entschieden dem Kampf
mich war es eine horizonterwei- gegen Rassismus an, sondern
ternde Erfahrung. weist auch darauf hin, dass Dis-
kriminierung und Fremdenhass
eine schleichende Gefahr für die
ganze Gesellschaft darstellen.
Denn wie ein Virus lauert Rassis-
mus oft im Verborgenen, breitet
sich unbemerkt aus und kann so
umso größeres Unheil anrich-
ten. Trotz allen Einsatzes für
Menschenrechte, Demokratie,
Gleichheit und Freiheit in der
heutigen Zeit ist die Ausgren-
zung und Herabsetzung von
Menschen anderer Hautfarbe
keineswegs beseitigt. „Rassismus
DEBORAH ZÖCHLING gibt es, weil es Rassisten gibt“,
Voluntärin schreibt die Theologin Regina
Polak und weist darauf hin, dass
Rassismus von Menschen ge-
macht ist: ein Resultat bewusst
betriebener Diskriminierung und
Ausgrenzung.
WENN VIELFALT ZUM PROB-
LEM WIRD
Es ist zu beobachten, dass
die verschiedenen Formen von
Rassismus oft einen bestimmten
Auslöser haben. Kulturelle oder
17religiöse Vielfalt ist nicht von der eigenen Sprache erkennen das Eintreten für Menschen, die
Haus aus ein Problem. Sie wird und benennen zu können. Das ungerechtfertigt an den Rand
vielmehr zu einem gemacht, kann ein durchaus schmerzli- gedrängt werden, ist eine Form
wenn der eigene Status oder cher, aber auch heilsamer Lern- der „Option für die Armen“, die
Wohlstand bedroht scheinen. prozess sein, bei dem es um im Zentrum der Botschaft Jesu
In solchen Zeiten sind nicht nur Fragen geht wie: Wo sehe ich steht. Sie ist auch uns als Kirche
People of Colour, sondern alle in meinem Umfeld die gleiche in die DNA geschrieben.
Minderheiten besonders gefähr- Würde aller Menschen bedroht?
det, als Sündenböcke hingestellt Wo gehe ich Denk- und Hand-
zu werden. Schuld sind dann lungsmustern auf den Leim, in
schnell „die Anderen“: jene, die denen Menschen ungleich be-
einer „fremden“ Kultur, Religion handelt werden?
und Sprachgruppe angehören.
Zweitens benötigen wir
SELBSTKRITIK – BEGEGNUNG Formen der Begegnung, in denen
– OPTION FÜR DIE ARMEN sich Menschen aus unterschied-
lichen sozialen und kulturellen
Rassismus ist nicht an- Milieus treffen und austauschen
geboren, sondern menschenge- können. Gerade der persönliche
macht. Das bedeutet auch, wir Kontakt fördert gesellschaftli-
können etwas tun: eintreten, auf- che und politische Teilhabe. Wer
treten, Widerstand leisten. Was Rassismus bekämpfen will, muss
aber kann ethnische, politische daher das Gemeinsame und Ver-
und religiöse Vielfalt stärken bindende, das alle Menschen zu
und so jeder Art von Rassismus einer Menschheitsfamilie macht,
den Boden entziehen? Neben als positives Zukunftsbild in den
vielen anderen sind zumindest Mittelpunkt stellen.
folgende drei Punkte aus meiner
Sicht wesentlich: Und nicht zuletzt sehe ich
unsere Aufgabe als Christinnen
Zunächst braucht es fort- und Christen darin, die Sicht
währende Selbstkritik, um ras- der Opfer einzubringen und Ge-
sistische Tendenzen auch in der schichte und Gegenwart von den BENNO ELBS
eigenen Umgebung, vielleicht Armen, Benachteiligten, Ausge- Bischof
sogar in eigenen Ansichten oder grenzten her zu verstehen. Denn
18JUGEND-
GOTTESDIENST
IT`S BLACK OR WHITE
MATERIALIEN:
Beamer, Box ect. für Film
Papier und Stifte
für Schreibarbeit
wenn möglich: Feuerstelle
EINSTIEGSVIDEO: SCHREIBARBEIT: GEBET:
„All that we share“ Wir möchten uns nun ein paar Gott, wir sind nun hier vor Dir.
www.youtube.com/watch?v=Zvf- Minuten Zeit nehmen und uns So wie wir sind. Mit all dem, was
NiFPAuE mal ganz ehrlich unsere Vorur- uns belastest und uns Sorgen
teile anderen Menschen gegen- macht. Mit dem, was uns trau-
BEGRÜSSUNG: über bewusstmachen. Schreibt rig macht. Und auch mit all den
sie für euch auf einen Zettel. glücklichen Momenten, die uns
Wie ist es euch bei diesem Video tief innen mega glücklich ma-
ergangen? chen.
Ganz eindrücklich wird uns da Wir wollen nun hier sein. In
gezeigt, wie stark der erste Ein- Deiner liebevollen Gegenwart.
druck zählt. Wir sehen einen Amen.
Menschen und innerhalb we-
niger Sekunden haben wir uns
ein Bild von ihm gemacht. Und
diese erste Vorstellung und Mei-
nung bestimmt unser Verhalten
ihm gegenüber. Wir stecken
ihn gedanklich in eine Schubla-
de und können ihm dann nicht
mehr offen begegnen. Vorurteile
anderen gegenüber bestimmen
unser Leben. Einerseits helfen
sie uns, in einer komplexen Welt,
diese zu kategorisieren und sie
sich etwas einfacher zu machen.
Andererseits verhindern sie mas-
siv, dass wir anderen ganz offen
begegnen können.
19AKTION:
Wie ging Jesus eigentlich mit Was ist die besondere Pointe
Vorurteilen um? Dazu hören wir in dieser Geschichte? Wie gehen wir nun mit unseren
nun ein Gleichnis, das Jesus er- Der jüdische Zuhörer von da- Vorurteilen um? Man wird sie ja
zählte. mals hatte die feste Erwar- nicht einfach plötzlich los.
tungshaltung, dass der Priester Ganz wichtig ist es, als einen
BIBELSTELLE (LK 10, 10-37) oder der Levit dem Verletzten ersten Schritt, sie sich bewusst
– DER BARMHERZIGE SAMA- hilft. Beide waren sehr angese- zu machen. Das haben wir ja am
RITER hene Leute. Anfang der Feier gemeinsam
Doch zur Überraschung ist der gemacht.
Ein Mann ging von Jerusalem einzige, der dem Verletzten hilft, Wir möchten sie nun gemeinsam
nach Jericho hinab und wur- der Samariter. Die Samariter verbrennen und laden euch ein,
de von Räubern überfallen. Sie wurden damals von den Juden die Zettel in diese Feuerstelle zu
plünderten ihn aus und schlugen als Abtrünnige verachtet. werfen. Wir möchten mit diesem
ihn nieder; dann gingen sie weg Doch genau dieser ist es, der Zeichen Gott bitten, offen allen
und ließen ihn halbtot liegen. barmherzig handelt. Menschen zu begegnen.
Zufällig kam ein Priester densel- Jesus Botschaft lautet also: Es (Zettel werden verbrannt.)
ben Weg herab; er sah ihn und ist völlig egal, zu welcher Volks-
ging vorüber. Ebenso kam auch gruppe du gehörst, wichtig sind
ein Levit zu der Stelle; er sah deine Taten.
ihn und ging vorüber. Ein Sama-
riter aber, der auf der Reise war,
kam zu ihm; er sah ihn und hatte
Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl
und Wein auf seine Wunden und
verband sie. Dann hob er ihn auf
sein eigenes Reittier, brachte ihn
zu einer Herberge und sorgte für
ihn. Und am nächsten Tag holte
er zwei Denare hervor, gab sie
dem Wirt und sagte: Sorge für
ihn, und wenn du mehr für ihn
brauchst, werde ich es dir bezah-
len, wenn ich wiederkomme. Wer
von diesen dreien meinst du,
ist dem der Nächste geworden,
der von den Räubern überfallen
wurde? Der Gesetzeslehrer ant-
wortete: Der barmherzig an ihm
gehandelt hat. Da sagte Jesus
zu ihm: Dann geh und handle
du genauso!
20VATER UNSER! - ODER UN-
geheilt, Hungernde gespeist,
TERBRICH MICH NICHT! ICH
Trauernde getröstet und Gefan-
BETE! gene befreit werden. Denn alles,
was du diesen Leuten tust, tust
Mensch: „Vater unser, der du du dann für mich.“
bist im Himmel ...“ Mensch: „Warum hältst du das
Gott: „Ja?“ ausgerechnet mir vor? Was
Mensch: „Unterbrich mich nicht! meinst du, wie viel stinkreiche
Ich bete!“ Heuchler in den Kirchen sitzen?
Gott: „Aber du hast mich doch Schau die doch an!“
angesprochen!“ Gott: „Entschuldige, ich dachte,
Mensch: „Ich dich angespro- du betest wirklich darum, dass
chen? Äh ... nein, eigentlich nicht. mein Herrschaftsbereich kommt
Das beten wir eben so: Vater und mein Wille geschieht. Das
unser im Himmel!“ fängt nämlich ganz persönlich
Gott: „Da, schon wieder! Du bei dem an, der darum bittet.
rufst mich an, um ein Gespräch Erst wenn du dasselbe willst wie
zu beginnen, oder? Also, worum ich, kannst du ein Botschafter
geht‘s?“ meines Reiches sein.“
Mensch: „Geheiligt werde dein Mensch: „Das leuchtet mir ein.
Name ...“ Kann ich jetzt mal weiterbeten?
Gott: „Meinst du das ernst?“ Unser tägliches Brot gib uns
Mensch: „Was soll ich ernst mei- heute ...“
nen?“ Gott: „Du hast Übergewicht,
Gott: „Ob du meinen Namen Mann! Deine Bitte beinhaltet
wirklich heiligen willst? Was be- die Verpflichtung, etwas dafür
deutet denn das?“ zu tun, dass die Millionen Hun-
Mensch: „Es bedeutet ... es be- gernden dieser Welt ihr tägli-
deutet ... meine Güte, ich weiß ches Brot bekommen.“
nicht, was es bedeutet. Woher Mensch: „Und vergib uns unsere
soll ich denn das wissen?“ Schuld, wie auch wir vergeben
Gott: „Es heißt, dass du mich eh- unseren Schuldigern ...“
ren willst, dass ich dir einzigartig Gott: „Und dein Arbeitskollege?“
wichtig bin, dass dir mein Name Mensch: „Jetzt fang auch noch
wertvoll ist.“ von dem an! Du weißt doch, dass
Mensch: „Aha, hm, das verstehe er mich öffentlich blamiert; dass
ich. Dein Reich komme, dein Wil- er mir jedes Mal dermaßen ar-
le geschehe, wie im Himmel also rogant gegenüber tritt, dass ich
auch auf Erden ...“ schon wütend bin, bevor er sei-
Gott: „Tust du das wirklich?“ ne herablassenden Bemerkun-
Mensch: „Dass dein Wille ge- gen äußert. Das weiß er auch!
schieht? Natürlich! Ich gehe re- Er nimmt mich als Mitarbeiter
gelmäßig zum Gottesdienst, ich nicht ernst, er tanzt mir auf dem
zahle Kirchenbeitag und Mis- Kopf herum, dieser Typ hat ...“
sionsopfer.“ Gott: „Ich weiß, ich weiß! Und
Gott: „Ich will mehr: dass dein dein Gebet?“
Leben in Ordnung kommt, dass Mensch: „Ich meine es nicht so!“
deine Angewohnheiten, mit de- Gott: „Du bist wenigstens ehr-
nen du anderen auf die Nerven lich. Macht dir das eigentlich
gehst, verschwinden, dass du Spaß, mit so viel Bitterkeit und
von anderen her und für andere Abneigung im Bauch herumzu-
denken lernst, dass allen Men- laufen?“
schen geholfen wird und sie zur Mensch: „Es macht mich ganz
Erkenntnis der Wahrheit kom- krank.“
men, auch dein Vermieter und Gott: „Ich will dich heilen. Vergib
dein Chef. Ich will, dass Kranke ihm doch, und ich vergebe dir.
21Vielleicht vergebe ich dir auch und dann das zu tun, was mein
schon vorher. Dann sind Arro- Wille ist. Wenn sie merken, dass
ganz und Hass seine Sünde und ihr Wirken für das Kommen
nicht deine. Vielleicht verlierst meines Reiches letztlich selbst
du Geld; ganz sicher verlierst du glücklich macht.“
ein Stück Image. Aber es wird
dir Frieden ins (Clyde Lee-Hereng)
Herz bringen.“ aus Beten durch die Schallmau-
Mensch: „Hm, ich weiß nicht, ob er. Impulse und Texte, (Neuss:
ich mich dazu überwinden kann.“ KJG Bundesstelle e.V., 11. über-
Gott: „Ich helfe dir dabei!“ arbeitete Auflage 200), S. 11 – 13
Mensch: „Und führe uns nicht in
Versuchung, sondern erlöse uns
von dem Bösen ...“
Gott: „Nichts lieber als das. Mel-
de bitte Personen oder Situatio-
nen, durch die du versucht wirst.“
Mensch: „Wie meinst du das?“
Gott: „Du kennst doch deine
schwachen Punkte: Unverbind-
lichkeit, Finanzverhalten, Sexua-
lität, Aggression, Erziehung. Gib
der Versuchung keine Chance.“
Mensch: „Ich glaube, dies ist das
schwierigste Vater-unser, das ich
je betete. Aber es hat zum ers-
ten Mal etwas mit meinem all-
täglichen Leben zu tun.“
Gott: „Schön! Wir kommen vor-
wärts. Bete ruhig zu Ende.“
Mensch: „Denn dein ist das
Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“
Gott: „Weiß du, was ich herrlich Zum Abschluss beten wir nun
finde? Wenn Menschen wie du ganz bewusst gemeinsam das
anfangen mich ernst zu nehmen, Vaterunser.
echt zu beten, mir nachzufolgen
VATERUNSER
SEGEN
Und so segne und behüte uns
Gott, im Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen
Geistes. Amen.
STEFFI KRÜGER
Junge Kirche Dornbirn
22KINDER-
GOTTESDIENST
DIE WELT IST BUNT
ERÖFFNUNG: Geist Gottes, sei bei uns, Pause machen?“, fragte er sich.
wenn wir für eine Welt eintreten, Da entdeckte er zwischen
Es ist niemand zu groß die die Würde aller Menschen den grauen Betonklötzen etwas
(Davidino Nr.1) achtet. - Herr, erbarme dich. Grünes. Der Storch flog tiefer
und entdeckte eine Wiese mit ei-
BEGRÜSSUNG GLORIA nem blauen See daneben. Er be-
schloss, dort Pause zu machen.
Gott hat uns alle erschaf- Gloria, wir singen froh Was er nicht wusste: Er war mit-
fen, jede*r von uns ist einzig- (Davidino Nr. 14) ten im Zoo gelandet!
artig. Gerade als der Storch sei-
TAGESGEBET nen Durst am See löschen woll-
Unsere Welt ist bunt. te, bemerkte ihn ein Pfau, der
Nicht nur die Pflanzen machen Lieber Gott, auf der Wiese im Zoo lebte.
die Welt bunt mit ihren farbigen Du bist der Schöpfer der Welt. Der Pfau musterte den Fremden
Blüten, auch wir Menschen ma- Jeder Mensch ist einzigartig. ganz genau. Der Storch hatte
chen die Welt bunt. Lass uns deine Schöpfung ein weißes Federkleid, das an
In einigen Dingen unter- achten und jeden Menschen so den Flügelenden schwarz war.
scheiden wir uns voneinander: annehmen, wie er ist. Die Federn des Pfaus hingegen
manche haben dunkle Haare, Das bitten wir durch Christus, waren blau-grün gefleckt.
manche helle, manche sind groß, unseren Bruder und Herrn. Der Pfau ging langsam
manche klein, manche interes- Amen auf den Storch zu. Er öffne-
sieren sich für Fußball, andere te dabei seine Schwanzfedern
für Musik. LESUNG: zu einem Rad, damit er größer
Und doch haben wir auch wirkte.
vieles gemeinsam: alle Kinder Der Zugvogel im Zoo „Was willst du hier?“, ga-
lieben es, zu spielen, singen, la- (gekürzt) ckerte der Pfau. „Du kommst
chen – überall auf der Welt. Ein Storch flog schon seit wohl nicht von hier…. So einen
Stunden über die endlos wir- wie dich hab ich hier noch nie
KYRIE kende Millionenstadt. Er war gesehen. Am besten, du machst
seit Tagen in Richtung Norden gleich wieder den Abflug!“
Gott, du liebst alle Men- unterwegs. Er kam aus einem Der Storch verstand die
schen als deine Kinder. - Herr, Land im Süden, wo er überwin- Sprache des Pfaus nicht. Es war
erbarme dich. tert hatte. Auf seiner Reise hatte eine Fremdsprache für ihn.
Jesus Christus, du bist un- er schon viele Länder überquert. Mit seinem Schnabel klap-
ser Bruder und Freund und hast Durch den langen Flug waren perte er: „Ich bin ein Storch und
uns vorgelebt, was Liebe bedeu- seine Flügel müde geworden. seit Tagen unterwegs…“
tet. - Christus, erbarme dich. „Wann kann ich denn endlich
23Der Pfau verstand die um der Pfau ihn plötzlich so at- ähnlich aus. Bis auf die Farbe
Sprache des Storchs ebenfalls tackierte. der Federn sind wir ziemlich
nicht und schaute hilflos. Er wehrte sich mit seinem gleich“, murmelte der Pfau. „Un-
Er erklärte dem Storch langen Schnabel und riss dem sere Gemeinsamkeiten sind viel
ganz langsam: „Das hier ist das Pfau dabei eine Feder aus. Auch größer als unsere Unterschiede.
Land von uns Pfauen. Aber du der Pfau brüllte vor Schmerz Unter der Oberfläche sind wir
siehst nicht aus wie ein Pfau. und er pickte so lange nach gleich! Wir sind ja beide Vögel.“
Fremde sind hier unerwünscht!“ dem Storch, bis der ein Büschel Der Pfau dachte weiter
„Diese Sprache kenne ich Federn verloren hatte. nach: „Und ohne Federn, mit
nicht…“, klapperte der Storch So kämpften die beiden nackter Haut, sehen wir lang-
und schüttelte den Kopf. Vögel, bis beide alle Federn ver- weilig aus. Es sind erst die Un-
Das Kopfschütteln miss- loren hatten. Am Ende standen terschiede, die uns interessant
verstand der Pfau. Er wurde sie sich nackt gegenüber. machen!“ Der Pfau beschloss, ab
wütend und pickte nach dem Der Pfau betrachtete sein jetzt toleranter zu sein.
Storch, um ihn zu vertreiben. nacktes Spiegelbild im Was- Der Storch versuchte, ohne
Weil der Storch aber immer ser des Sees. Daneben sah er Federn in die Luft zu steigen,
noch nicht wegflog, zwickte ihn das Spiegelbild des gerupften schaffte es aber nicht.
der Pfau in die Seite. Storchs. „Bleib doch hier“, lud der
Der Storch schrie auf vor „Ohne Federn sehen unse- Pfau den Storch ein. Er legte sei-
Schmerz. Er verstand nicht, war- re Flügel und unsere Beine sehr nen Flügel sanft auf die Schul-
ter des Storchs und verkündete:
„In diesem Land ist doch genug
Platz für uns beide.“
Nach: Wolfgang Wam-
bach: „Der Zugvogel im Zoo –
Fabeln der Großstadt“, Verlag
epuli GmbH, Berlin,2014
HALLELUJA
Halleluja, Jesus ist bei uns
(Davidino Nr. 23)
EVANGELIUM
Barmherziger Samariter
(Lk 10, 25-37)
ANREGUNG
So wie die Vögel unter
dem Federkleid, sind auch wir
Menschen einander sehr ähn-
lich. Die Unterschiede sind nur
oberflächlich.
Der Pfau hat Angst vor
dem Storch, weil er anders ist.
Sie verstehen einander nicht,
weil sie verschiedene Sprachen
sprechen. Erst durch die Nackt-
heit ist die Ähnlichkeit zu sehen.
Und da erkennt der Pfau, wie
wertvoll die Unterschiede sind.
Erst dadurch wird das Leben
bunt.
24Wenn wir einander ansehen, können wir
unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede ent-
decken.
Aufgabe: Finde eine positive Sache an der
Person neben dir und sage sie ihm*ihr.
GLAUBENSBEKENNTNIS
FÜRBITTEN:
Guter Gott, du liebst alle Menschen, deshalb
bitten wir dich:
• Zeige allen Menschen, dass ein friedliches Mit-
einander ein besserer Weg für alle ist.
• Schenke allen Menschen Offenheit füreinan-
der, damit keiner den anderen wegen seiner
Hautfarbe, seiner Herkunft, seiner Religion
oder anderer Unterschiede missachtet.
• Zeige uns, dass die Vielfalt der Menschen eine
Bereicherung in unserem Leben ist.
• Gib uns den Mut, uns für andere einzusetzen,
die ausgeschlossen werden.
• Lass unsere Verstorbenen bei dir Geborgen-
heit finden.
Guter Gott, du hörst unsere Bitten. Dafür
danken wir dir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen
VATER UNSER
SCHLUSSGEBET:
SCHLUSSSEGEN
Gott, wir freuen uns über die Vielfalt deiner
Schöpfung. Zum Schluss möchten wir Gott um seinen Se-
Wir sehen die vielen Menschen mit ihren un- gen bitten:
terschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen. Du Gott des Lebens zeigst uns, dass Bunt
Und wir sehen, wie sie die Welt zu einem deine Lieblingsfarbe ist.
bunten Ort machen. Sende deinen Geist, damit alle Menschen
Wir sehen aber auch, dass manche so eine die Schönheit der Vielfalt erkennen und sich da-
bunte Welt nicht wollen oder Angst davor haben. rüber freuen.
Und wir sehen, dass Menschen immer wieder Segne uns mit all unseren Gemeinsamkeiten
ausgeschlossen werden, weil sie anders sind. und Unterschieden. Im Namen des Vaters und des
Darum bitten wir dich: Lass alle Menschen Sohnes und des Heiligen Geistes.
erkennen, dass Bunt die schönste Farbe ist. Amen.
Amen.
SCHLUSSLIED:
Von Mensch zu Mensch (Davidino Nr. 137)
JUDITH ZORTEA
Kinderliturgie &
Erstkommunion
25MINIS
WERTSCHÄTZUNG FÜR EINEN
WERTVOLLEN DIENST -
DIVERSE ANLEITUNGEN
Ministrantinnen und Mi- EIN KLEINES GESCHENK fen angesprochen werden. Es
nistranten leisten einen wertvol- ist aber nie hilfreich, die Minis
len Dienst in der Pfarrgemeinde. Schon durch kleine Zei- dafür bloßzustellen. Ein freund-
Die Kinder und Jugendlichen as- chen der Wertschätzung, wie liches Gespräch, in dem man
sistieren dem Priester oder dem das Übergeben von kleinen Auf- auf das Missgeschick aufmerk-
beauftragten Laien bei liturgi- merksamkeiten zum Namenstag sam macht und gegebenenfalls
schen Feiern, bringen die Ga- oder Geburtstag, ein offenes das Angebot zur Unterstützung
ben zum Altar, läuten mit den Ohr bei Problemen, eine finan- (z.B. wenn die Laufwege nicht
Altarschellen oder tragen das zielle Unterstützung der inhaltli- klar waren) ist an vielen Stellen
Weihwasser und den Weihrauch. chen Arbeit der Ministrantinnen hilfreicher für die Ministrantin-
Durch ihren Einsatz sorgen sie und Ministranten oder durch nen und Ministranten als eine
für einen geordneten und dy- die Ermöglichung von gemein- Standpauke. Denn schließlich
namischen Ablauf und unter- schaftsstiftenden Aktionen, wollen Minis ihre Aufgabe ja
streichen durch ihr Handeln werden die Kinder und Jugend- selbst gut machen.
bestimmte Vorgänge. Sie sind lichen motiviert, ihren Dienst
Mitfeiernde in der Pfarrgemein- weiterhin mit Freude auszuüben EINE GEMEINSCHAFT, DIE
schaft und durch ihr Mitwirken oder neue Minis für den Dienst TRÄGT
in der Liturgie tragen sie dazu zu gewinnen.
bei, dass unsere Gottesdienste Eine gute Ministranten-
vielfältiger, festlicher und schö- FEHLERKULTUR pastoral beschränkt sich aber
ner werden. nicht nur auf den liturgischen
Teil der Wertschätzungs- Dienst, wenngleich dieser sicher-
Ihnen regelmäßig zu zei- kultur ist auch die Frage, wie lich der elementare Kern ist.
gen, wie wichtig und wertvoll ihr mit Unsicherheiten bei der Aus- Jungschar und Ministrantenpas-
Engagement für die Pfarre ist, übung des
ist für die Mädchen und Jungen Dienstes oder
ungemein motivierend. mit Fehlern
und manchem
EIN LIEBES HALLO „Ausrutscher“
umgegangen
Ein wertschätzender Um- wird. Hier gilt
gang zeigt sich beispielswei- es, sich immer
se schon in der Sakristei. Ein wieder in Er-
freundliches und herzliches „Hal- innerung zu
lo! Schön, dass du da bist!“ von rufen, dass
Mesner*in, Priester, Wortgottes- hier Kinder
dienstleiter*in oder Gruppenlei- und Jugend-
ter*in trägt sehr zur Freude der liche tätig
Minis bei, ebenso – wie bei der sind. Pannen
Verabschiedung – ein „Danke, sollen dabei
schön, dass du heute da warst!“. durchaus of-
26toral ist breiter zu denken. Es Im Lied wird vom Leuchtturm gesungen, auf den
hilft den Kindern und Jugend- wir uns auch in der Dunkelheit verlassen können,
lichen, die eigenen Talente zu auf den wir vertrauen können und der uns sicher
entdecken, Dinge auszuprobie- ans Land bringt.
ren und die persönliche Gottes-
beziehung zu vertiefen. Grup- So wie der Leuchtturm extrem wichtig ist,
penstunden, Ausflüge sowie der seid auch ihr ein sehr wichtiger Teil der Pfarrge-
Dienst am Altar ermöglichen meinde. Auf euch Minis kann man sich verlassen
Gemeinschaft mit all den ande- und ihr seid zur Stelle, wenn man euch braucht.
ren Ministrantinnen und Minis- Auch in stürmischen Zeiten des Abstandhaltens
tranten. Es schafft Räume, um habt ihr durchgehalten und seit jetzt mit Freude
über Erfahrungen zu sprechen wieder vorne am Altar dabei.
und im Glauben zu wachsen.
Dieses Gefühl, einer Gemein- BEWUSST WAHRNEHMEN
schaft anzugehören, kann un-
gemein wohltuend sein und Er- Versammelt euch wieder und lasst die Kin-
fahrungen möglich machen, die der über ihre Wahrnehmungen erzählen. Sucht
vielleicht das weitere Leben und euch anschließend gemeinsam ein Gemälde oder
das Bild von Kirche prägen. eine Heiligenstatue welches bzw. welche in eurer
Kirche besondere Bedeutung hat aus. Schaut es
euch mit der Taschenlampe genau an.
• Wie wollte der*die Künstler*in Gottes Nähe
ZEIT SCHENKEN ausdrücken?
• Wie ist der Gesichtsausdruck dieser Heiligen-
Eine Möglichkeit, euren Minis Wertschät- statue?
zung entgegen zu bringen ist, wenn ihr euch Zeit • Was will uns dieses Bild sagen?
für die Kinder nehmt und sie zu einer gemeinsa- • Wer kennt die Geschichte/die Bibelstelle
men Aktion einladet. Eine andere Option ist, den dazu?
„Arbeitsplatz“ der Ministrant*innen am Abend • Was hat diese Person Gutes getan?
oder in der Nacht einmal kennen zu lernen und
mit einem gemütlichen Essen ausklingen zu lassen. LOBEN UND DANKEN
Material: Taschenlampe, Teelichter, Musik, Danach versammelt ihr euch um die Oster-
Informationen über ein Bild oder eine Heiligensta- kerze. Jedes Kind darf seine Kerze mitbringen.
tue in der Kirche, Segenstext, Jause Wenn alle Kerzen brennen, bittest du die Kinder
ein Lob Gottes auszusprechen: „Guter Gott ich
SCHÖN, DASS DU DA BIST lobe dich, weil…! oder ich spüre Gott besonders,
wenn … Danach antworten alle: „Wir loben dich,
Alle Kinder treffen sich mit einer Taschen- wir danken dir!“ Wer etwas gesagt hat, stellt seine
lampe zum vereinbarten Zeitpunkt vor der Kirche. brennende Kerze vorsichtig vor sich ab. Das kann
Du begrüßt jedes Kind mit Namen und hältst für er auch schweigend tun (es ist ok nichts auszuspre-
jedes Kind eine kleine Kerze bereit. chen), alle antworten trotzdem. Zuletzt bleibt ein
Kreis brennender Kerzen rund um die Osterkerze.
Du bittest die Kinder, einzeln die dunkle Kir-
che zu betreten und sich einen Lieblingsplatz zu Oder ihr lest gemeinsam als Gruppe in viele
suchen. Egal, ob in der Kirchenbank, im Altarraum, kleine Textteile zerteilt das Segensgebet. Ein Kind
oder hinter einer Säule. Dort soll sich jede und je- beginnt und liest bis zum Beistrich, dann darf ein
der ruhig hinsetzen und sich dann langsam und anderes Kind, welches sich angesprochen fühlt, bis
aufmerksam umzusehen: zum nächsten Beistrich weiterlesen. Wenn mehrere
Kinder gleichzeitig zu lesen beginnen, dann lesen
• Was sehe ich von meinem Platz aus? sie den Textteil gemeinsam.
• Was höre ich?
• Was habe ich eben besonderes entdeckt? SEGENSTEXT
Das Lied „My-lighthouse“ von Rend Collecti- Gott segne dich!
ve könnte leise im Hintergrund abgespielt werden. Ich wünsch dir Gottes Segen, ich wünsch
27Sie können auch lesen