SEXUALPÄDAGOGIK Basiswissen Einblicke in die beruflichen Handlungsfelder der Sexualpädagogik www.fachstelle.at - Fachstelle NÖ
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Basiswissen SEXUALPÄDAGOGIK Einblicke in die beruflichen Handlungsfelder der Sexualpädagogik www.fachstelle.at
4 9 13
Wie kommt die Sexuelle Geschlechtliche
Sexualität in die Schule? Entwicklung(en) in und sexuelle Vielfalt
Kindheit und Jugend
Die Soziologin Barbara 1,7 Prozent aller Menschen
Rothmüller beschreibt Sexualpädagogisch wird mit werden als
anschaulich die sexuelle einem breiteren Begriff für intergeschlechtlich geboren,
Bildung im historischen Sexualität gearbeitet als das was in etwa dem Anteil
Wandel. Der Verlauf der alltagssprachlich üblich ist. rothaariger Menschen ent-
Geschichte zeigt, wie es die Was versteht man unter spricht. Die Psychologin
sexuelle Aufklärung in die kindlicher Sexualität? Lena Deser schafft einen
Schule geschafft hat – und Ein Blick in die sexuelle wertvollen Einblick in das
was das für Pädagog*innen Entwicklung von Kindern ist Verständnis von Vielfalt,
bedeutet. wichtig, wenn wir mit ihnen unterlegt mit praxisnahen
sexualpädagogisch arbeiten Beispielen.
wollen.
Haben Sie Anregungen?
18 22 Dann schreiben Sie uns!
office@fachstelle.at
Pubertät 2.0 Sexualpädagogisches
Arbeiten im Kontext mit
Behinderung
Das Thema Sexualität und
Beeinträchtigung wird oft
und gerne „vergessen“ bzw.
als nicht vorhanden
wahrgenommen. Gerade
Wie wirken sich Pornografie, deshalb braucht es
Aufklärung im Internet und spezielles pädagogisches
ständig „online sein“ auf die Wissen und passende
sexuelle Entwicklung von Angebote, die Petra
Jugendlichen aus? Gefahren, Tröscher in ihrem Artikel
aber vor allem auch vorstellt. Wie kann
Chancen und neue sexualpädagogisches
Möglichkeiten werden von Arbeiten mit
der Sexualpädagogin beeinträchtigten Menschen
Sandra Ziegelwanger-Bravo aussehen?
Galarce dargestellt und
machen deutlich:
Kein Grund zur Panik!
IMPRESSUM UND OFFENLEGUNG NACH § 25 MEDIENGESETZ:
HERAUSGEBER: GRAFISCHES KONZEPT, GESTALTUNG & PRODUKTION:
Fachstelle für Suchtprävention NÖ // Marketing & Kommunikation
Brunngasse 8, 3100 St. Pölten www.mgf.at, Nadelbach 23, 3100 St. Pölten
1. Auflage: 2018 Fotocredit Cover, S. 3: ©V@elenabsl - fotolia.com
226
Wenn Gewalt zum
Thema wird
In Österreich erleben Kinder
psychische und körperliche
Gewalt meist kombiniert –
in der Schule oder in der
Familie. Mädchen sind
sexuellen Übergriffen
doppelt so häufig
ausgesetzt wie Burschen. Liebe Leser*innen!
Mögliche Handlungsschritte
für Pädagog*innen fördern Die Geschichte der Abteilung Sexualpädagogik ist eine noch
eine Sensibilisierung in recht kurze – und stellt sich somit als relativ junger Bereich der
Bildungseinrichtungen. Fachstelle NÖ vor. Seit dem Schuljahr 2014/15 führen wir sexu-
alpädagogische Veranstaltungen überwiegend an Schulen in
Niederösterreich durch. Mittlerweile ist das Team der Sexualpä-
30 dagogik gewachsen, und auch die Themen haben sich an die
Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst und wurden erweitert.
Heute können wir zu Recht von einem anerkannten Kompe-
HIV und AIDS – tenzzentrum in Niederösterreich sprechen – gerne weiterhin
(k)ein Thema? bereit, zu wachsen, zu kooperieren und zu informieren.
Eine erfolgreiche Das vorliegende Basiswissen der Sexualpädagogik ermöglicht
HIV-Therapie verhindert vor allem Pädagog*innen und Multiplikator*innen sowie allen
nachweislich die Interessierten einen guten Einblick in das berufliche Handlungsfeld
Übertragung von HIV. Dabei der Sexualpädagogik. Es ermöglicht einen ersten Einstieg in
wirft das Thema HIV und das Thema, hält aber auch für „Fortgeschrittene“ viel Neues
AIDS nach wie vor Fragen, bereit. Wir haben uns für eine aktuelle Auswahl von sieben
Zweifel und Ängste auf. Themen entschieden, die im Rahmen von Fortbildungen, Work-
Katja Grafl von der shops und Elternabenden erfahrungsgemäß immer wieder von
Aids Hilfe Wien klärt auf. Relevanz sind.
Die Fachstelle NÖ bedankt sich besonders bei den Autorinnen.
Sie kommen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen, und
bringen fachliches Wissen, praktische Erfahrung und die nötige
Hingabe mit, was in den einzelnen Artikeln sichtbar wird.
Mit diesem Basiswissen in Ihrer Hand haben Sie schon den
ersten (oder zweiten) Schritt gewagt, sich mit den gerade
wichtigsten Themen der Sexualpädagogik auseinanderzusetzen.
Lassen Sie sich inspirieren und informieren. Wir wünschen
Ihnen eine spannende Lektüre!
Dr.in Ursula Hörhan, MPH MMag.a Verena Krall
Geschäftsführung und Leitung
Suchtkoordination NÖ Sexualpädagogik
3Wie kommt die
Sexualität in die Schule?
Sexuelle Bildung im historischen Wandel
Sexualität galt lange Zeit als Privatsache. Sexuelle Aufklärung war
in erster Linie eine Angelegenheit der Eltern. Heute sind
Lehrpersonen an Schulen auch für Sexualpädagogik zuständig.
Wie und warum Sexualität Thema in der Schule wurde,
lässt sich durch einen Blick in die Geschichte der sexuellen
Bildung besser verstehen.
Warum sexuelle Bildung? Sexualpädagogik in der Schule zu unterrichten.
In der Erziehung von Kindern findet beiläufig Lange Zeit, und teilweise bis heute, nahmen
immer auch sexuelles Lernen statt. Innerhalb darüber hinaus religiöse Organisationen maß-
der letzten 250 Jahre wurde Sexualität jedoch geblich Einfluss auf sexuelle Bildung. Religiöse
wiederholt ein explizites und wichtiges Thema Autoritäten sind in vielen Ländern u.a. mit der
absichtlicher Erziehungsbemühungen in Bewältigung sexueller Wertfragen und Bezie-
Europa. Die Gründe, warum Sexualität in der hungsberatung betraut. Im Schulunterricht
Schule thematisiert wird, haben sich im 20. Jahr- wurden sexuelle Themen, wenn überhaupt,
hundert stark verändert. Ging es dem Staat meist von Religionslehrer*innen aufgegriffen,
anfangs um die Steuerung des Bevölkerungs- und Priester waren Ansprechpersonen für
wachstums und um Geburtenkontrolle, wurden gläubige Erwachsene. Daneben waren aber
Gesundheitserziehung und Sexualität im Kon- auch Ärzte und Ärztinnen sowie Hebammen
text von Prostitution, sexueller Ausbeutung wichtige Wissensvermittler*innen. In Österreich
und „Rassen“-Lehre während der Weltkriege bestimmte eine christliche Sicht lange Zeit
zentral. Im späteren Verlauf des 20. Jahrhun- die Perspektive auf Sexualität und Sexualauf-
derts verschoben sich die Motive erneut: Eine klärung. Seit den 1960er Jahren hat sich die
geschlechtsdifferenzierte Erziehung zu Mann Perspektive um liberale und emanzipatorische
und Frau und zu „Liebesfähigkeit“ wurde als Ansätze maßgeblich erweitert.
wichtig angesehen, um die traditionelle Klein-
familie zu stützen und die Scheidungsrate zu Medien vermitteln ebenfalls sexuelles Wissen
reduzieren. Ab den 1970er Jahren sollten vor und sind für Jugendliche nicht zuletzt deswe-
allem Teenager-Schwangerschaften und gen wichtig, weil ansonsten kaum sexuelle In-
Abtreibungen verhindert werden, ab den formationen verfügbar sind, die der jugendli-
1980er Jahren rückten AIDS-Prävention und chen Lebenswelt entsprechen. Die Panik vor
Prävention sexueller Gewalt in den Mittelpunkt der negativen Beeinflussung der Jugend durch
staatlicher Interessen. sexuelles Bildmaterial in den Medien hat dabei
eine lange Geschichte: Während Erwachsene
Wer ist überhaupt früher einen „schlechten Einfluss“ der Jugend-
für sexuelle Bildung zuständig? romane und Illustrierten und später der Kino-
Der Staat war historisch jedoch nicht die filme und Jugendzeitschriften befürchteten,
einzige – und auch nicht immer wichtigste – ist heute das Informationsangebot im Internet
Instanz in der Entwicklung der Sexualpäda- und dabei vor allem Pornografie der Haupt-
gogik. In den 1970er Jahren waren es vor grund pädagogischer Besorgnis. Eine alters-
allem Studierende, Lehrer*innen, politische gerechte Begleitung der sexuellen Entwicklung
Bewegungen und die Frauenbewegung, die erfordert daher auch, sich mit konkurrierenden
in den deutschsprachigen Ländern forderten, Informationsangeboten auseinanderzusetzen
4und an die Lebensrealität von Kindern und nur in Österreich ein Problem; auch in vielen
Jugendlichen anzuschließen. anderen Ländern vermeiden Lehrer*innen und
Pädagog*innen sexualpädagogische Aufgaben.
War sexuelle Aufklärung ursprünglich vor allem Die internationale Forschung zeigt dafür
der Familie vorbehalten, begann in den 1960er zumindest zwei historische Gründe auf (Zim-
Jahren Kritik an der mangelhaften Aufklärung merman 2015). Einerseits war das kindgerechte
der Jugend aufzukommen. Lehrer*innen er- Sprechen über Sexualität bei vielen Lehrer*in-
schienen zunehmend als die besser geeigneten nen nicht Teil ihrer Ausbildung. Andererseits
Sexualpädagog*innen, weil die Eltern das The- gab es Ängste, dass ihre eigene Sexualität –
ma Sexualität oft nicht mit ihren Kindern be- etwa bei unverheirateten oder homosexuellen
sprechen wollten. Seit 1970 ist in Österreich Pädagog*innen – kritisch kommentiert würde.
ein Erlass in Kraft, der vorschreibt, dass alle In diesem Zusammenhang ist interessant zu
Foto-Credit: ©yanlev - stock.adobe.com
Pädagog*innen in allen Unterrichtsfächern wissen, dass 2004 der Diskriminierungsschutz
altersadäquat mit Kindern (auch) über Se- in der österreichischen Arbeitswelt ausgedehnt
xualität sprechen sollen (Grundsatzerlass Se- wurde: Im Job darf niemand aufgrund der
xualpädagogik 2015). Trotz staatlichem Auftrag sexuellen Orientierung benachteiligt werden.
unterrichteten Lehrer*innen in der Praxis dieses Das gilt natürlich auch für Lehrer*innen. Darüber
heikle Thema jedoch oft nicht, beziehungsweise hinaus hat sich die Akzeptanz sexueller Bildung
wenn, dann deutlich eingeschränkter, als es erhöht und es gibt eine Vielzahl sexualpäda-
der staatliche Auftrag vorsieht. Das ist nicht gogischer Fortbildungsangebote in Österreich.
5Was ist sexuelle Bildung?
Historisch hat sich nicht nur
stark verändert, wer für se-
xuelle Bildung zuständig ist,
sondern auch, was darunter
überhaupt verstanden wird.
Zu Beginn des 20. Jahrhun-
derts wurde menschliche Se-
xualität noch kaum im schu-
lischen Kontext besprochen.
Es war jedoch durchaus üb-
lich, über die Fortpflanzung
von Pflanzen und Tieren zu
sprechen – in der Hoffnung,
die Kinder würden daraus
schon ihre eigenen Schlüs-
se ziehen. Außerdem wurde
angenommen, dass es für Kinder besser sei,
wenn ihre Neugier nicht „geweckt“ würde und adressiert wurden, weibliches Begehren jedoch
Fragen unbeantwortet blieben, um ein früh- nicht thematisiert wurde. In Unterrichtsmate-
zeitiges Erwachen der Sexualität und einen rialien wurden außerdem die weiblichen Ge-
etwaigen Schaden zu vermeiden. Diese Sicht schlechtsorgane oft nicht korrekt dargestellt
wird von Sexualpädagog*innen bereits seit und benannt. Dazu kam, dass sexuelle Orien-
vielen Jahren nicht mehr vertreten: Kinder tierungen wie etwa Homosexualität als ab-
werden durch externe Einflüsse nicht ursprüng- weichendes Verhalten charakterisiert und his-
lich „sexualisiert“, sondern sie sind von Geburt torisch oft in einem Atemzug mit Inzest oder
an sexuelle Wesen, die in ihrer Entwicklung – Pädophilie thematisiert wurden. Erst in den
auch ihrer sexuellen Entwicklung – begleitet letzten Jahren wurden die Vielgestaltigkeit
werden müssen (siehe Kapitel „Sexuelle Ent- biologischer und sozialer Geschlechtlichkeit
wicklung(en) in Kindheit und Jugend“). Sie (mehr als zwei Geschlechter) sowie sexueller
haben ein Recht auf Informationen und sexual- Orientierungen und Begehren (Sexualitäten
pädagogische Begleitung von frühester Kind- in der Mehrzahl) zum allgemeinen sexual-
heit an. Wissenschaftliche Forschungen zeigen, pädagogischen Wissen (siehe Kapitel „Ge-
dass sexuelle Bildung sexuelle Aktivitäten von schlechtliche und sexuelle Vielfalt“).
Kindern nicht negativ beeinflusst (WHO/BZgA
2011, S. 24). In vielen europäischen Ländern Generell wurden Sexualität, sexuelles Begehren
orientiert sich das schulische Angebot deshalb und Pubertät lange Zeit nur als „Risiko“ und
an einer sogenannten „holistischen Sexualpä- „Gefahr“ gesehen: Es drohten Geschlechts-
dagogik“, die Menschen ganzheitlich in ihrer krankheiten, ungewollte Elternschaft oder
sexuellen Entwicklung begleitet (WHO/BZgA sexuelle Gewalt. Sexualpädagogik wollte hier
2011). durch Information und Aufklärung Abhilfe
schaffen. Die Bedrohungen sollten die einzelnen
Foto-Credit: ©sepy - stock.adobe.com
Trotz der medial verbreiteten Sexualisierung Jugendlichen für sich zu meistern lernen. Das
von jugendlichen Frauenkörpern war das „Risikomanagement“ bestand vor allem darin,
Sprechen über die Sexualität von Frauen lange an Jugendliche zu appellieren, Sexualität zu
Zeit viel stärker tabuisiert als die Sexualität einer „wohlüberlegten autonomen Entschei-
von Männern. Bereits 1988 wurde in einem in- dung“ zu machen. Das emotionslose Entschei-
ternational viel beachteten Forschungsartikel dungsverhalten im Trockentraining hatte jedoch
von Michelle Fine kritisiert, dass Mädchen im oft wenig mit der Realität sexueller Erfahrungen
sexualpädagogischen Unterricht zwar als Opfer zu tun. Auch ungleiche soziale Bedingungen
6sexueller Entscheidungs- und Handlungsmacht stimmung zu verwirklichen, müssen auch die
wurden dabei nicht berücksichtigt: Sozial ein- sozialen und kulturellen Bedingungen sexueller
flussreiche Personen können sich der Sexualität Selbstbestimmung gefördert werden (Fields
oder auch der Beschämung bedienen, um et al. 2015; WHO/BZgA 2011). Sexualpädagogik
Macht auszuüben – und sozial benachteiligte muss daher Benachteiligung und soziale
Personengruppen sind dafür besonders ver- Hierarchien berücksichtigen – etwa zwischen
letzlich. Jugendlichen mit unterschiedlichem Begehren,
sozialem oder biologischem Geschlecht und
Die Forschung zeigt demgegenüber, dass se- sozioökonomischen Ressourcen genauso wie
xuelle Risiken nur sinnvoll zu reduzieren sind, mit unterschiedlicher Religion, Hautfarbe oder
wenn offen auch über Emotionen wie Lust Sprache sowie mit Behinderungen. Sexuelle
und Begehren, Ängste und Scham gesprochen Bildung hat im 21. Jahrhundert deshalb –
werden kann (Fine 1988; IPPF 2016, S. 9). Um neben den sexologischen und pädagogischen
für mehr Menschen mehr sexuelle Selbstbe- Grundlagen – sowohl einen psychologischen
als auch einen gesellschaftswissenschaftlichen
Hintergrund.
Sie hat sich von der Risikoprävention und den
früheren Gefahrenbotschaften wegentwickelt
und versteht sich heute als Begleitung der
sexuellen Entwicklung (siehe Kapitel „Sexuelle
Entwicklung(en)“). Sexuelle Bildung bezieht
sich damit auf den ganzen Lebenslauf, wobei
Sexualpädagogik in Schulen davon nur ein
Teil ist.
Wie wird sexuelle Bildung unterrichtet?
Die international führenden sexualpädagogi-
schen Organisationen haben sich in den letzten
Jahren von Wertfragen stark distanziert. Wert-
haltungen sind sehr unterschiedlich, sowohl
bezogen auf Sexualität allgemein als auch auf
die Frage, wie sexuelle Bildung aussehen soll
(Jones 2011). Es gibt also verschiedene Zugänge
zu dem Thema, weshalb sexualpädagogisch
tätige Personen ihre eigenen, aber auch ge-
sellschaftliche Werthaltungen kritisch reflek-
tieren müssen (WHO/BZgA 2011, S. 35). Ab-
gesehen von einer klaren Positionierung gegen
Zwang, Diskriminierung und Gewalt ist Sexu-
alpädagogik daher respektvoll und offen ge-
Foto-Credit: ©daynamore - stock.adobe.com
genüber unterschiedlichen sexuellen Werthal-
tungen. In den letzten Jahren ist vor allem
eine „interkulturelle Sexualpädagogik“ zu einem
Thema geworden, das in Österreich besonders
politisiert ist. Tatsächliche und vermutete Un-
terschiede zwischen den Werthaltungen in
verschiedenen Ländern lenken den Blick nicht
nur auf „die Anderen“ – auch innerhalb Öster-
reichs gibt es verschiedene sexuelle „Kulturen“:
7Die historischen Auseinandersetzungen um
eine professionelle Sexualpädagogik in Öster-
reich zeigen, dass sexuelle Werthaltungen sehr
unterschiedlich und ein kontroverses Thema
sind. Kontroverse Werthaltungen kommen
auch regelmäßig auf, wenn es um das noch
wenig beachtete Thema „Sexualität und Be-
hinderung“ geht (siehe Kapitel „Sexualpäda-
gogisches Arbeiten im Kontext mit Behinde-
rung“). Einer ganzheitlichen Sexualpädagogik
ist es daher ein Anliegen, sich mit unterschied-
lichen Werten und diskriminierenden Haltungen
auseinanderzusetzen – gemeinsam mit Päda-
gog*innen, Erwachsenen und Betreuungsper- Eine holistische Sexualpädagogik berücksichtigt
sonen, wie auch mit Kindern und Jugendlichen. daher neben Wissen auch Emotionen und Be-
Die in der Sexualpädagogik angewandten di- ziehungen, und unterstützt die Entwicklung
daktischen Methoden zielen darauf ab, dort von Körperkompetenzen im Alltag (Grundsatz-
anzuschließen, wo die Kinder, Jugendlichen erlass 2015). Ein positiver und lustorientierter
oder Erwachsenen stehen – und das ist je Zugang zu Sexualität wird mit sexuellen Rechten
nach Gruppe sehr unterschiedlich. Daher sind und wechselseitiger Zustimmung (siehe Kapitel
Referent*innen flexibel – ein wichtiger Unter- „Wenn Gewalt zum Thema wird“) verbunden.
schied zu sexualpädagogischen Programmen,
die auf die Vermittlung klarer Werte, Verhal-
tensnormen und Gefahrenbotschaften abzie- Dr.in Barbara Rothmüller
len. ist Soziologin mit Schwerpunkt
Geschlechter- und Sexualitäts-
Die Fachstelle orientiert sich dabei an interna- forschung sowie Bildungsungleichheiten;
tionalen Standards einer ganzheitlichen Se- Universitätslektorin am Institut für Soziologie
xualpädagogik und dem österreichischen der Universität Wien und dem Institut für
Grundsatzerlass, über deren Qualität ein hoher Erziehungswissenschaft der Universität
Konsens besteht. Sexualpädagogik definiert Innsbruck; Mitarbeiterin im Projekt
sich darin als entwicklungsbegleitende Arbeit „Imagining Desires“ am Institut für Kunst- und
an Menschenrechten, Geschlechtergerechtig- Kulturpädagogik der Akademie der bildenden
keit, Respekt und Anerkennung von Vielfalt Künste Wien.
und Gesundheitsförderung. Sexuelle Gesundheit
ist definiert als Literaturverzeichnis:
• BMBF – Bundesministerium für Bildung und Frauen (2015):
ein Zustand körperlichen, emotionalen, men- Grundsatzerlass Sexualpädagogik. Online unter:
https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2015_11.pdf?61edq8
talen und sozialen Wohlbefindens in Bezug • Fields, Jessica / Gilbert, Jen / Miller, Michelle (2015): „
Sexuality and Education: Toward the Promise of Ambiguity.“
auf Sexualität; es ist nicht nur die Abwesenheit In: DeLamater, John / Plante, Rebecca (Hg.): Handbook of the
Sociology of Sexualities. Springer, S. 371-387.
von Krankheit, Funktionsstörungen oder • Jones, Tiffany (2011): „A sexuality education discourses framework:
Conservative, liberal, critical, and postmodern.“
Schwäche. Sexuelle Gesundheit erfordert In: American Journal of Sexuality Education 6(2): S. 133-175.
• Koch, Friedrich (2013): „Zur Geschichte der Sexualpädagogik.“
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einen positiven und respektvollen Umgang In: Schmidt, Renate-Berenike / Sielert, Uwe (Hg.): Handbuch
Sexualpädagogik und sexuelle Bildung. 2. Aufl. Weinheim:
mit Sexualität und sexuellen Beziehungen Beltz Juventa, S. 25-40.
• IPPF International Planned Parenthood Federation (2016):
sowie die Möglichkeit, lustvolle und sichere Everyone’s Right to Know: Delivering Comprehensive Sexuality
Education for All Young People. London.
sexuelle Erfahrungen frei von Zwang, Dis- • Michelle Fine (1988) Sexuality, Schooling, and Adolescent Females: The
Missing Discourse of Desire. Harvard Educational Review: April 1988,
kriminierung und Gewalt zu machen. Um Vol. 58, No. 1, pp. 29-54.
• WHO Regional Office for Europe & Bundeszentrale für gesundheitliche
sexuelle Gesundheit zu erreichen und zu Aufklärung (2011): Standards für die Sexualaufklärung in Europa.
Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger,
bewahren, müssen die sexuellen Rechte aller Bildungseinrichtung, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten.
Köln. Online unter: https://www.bzga-whocc.de/fileadmin/user_upload/
Menschen respektiert, geschützt und realisiert WHO_BZgA_Standards_deutsch.pdf
• Zimmerman, Jonathan (2015): Too hot to handle: A global history of sex
werden (WHO/BZgA 2011, S. 19). education. Princeton, MA: Princeton University Press.
8Sexuelle Entwicklung(en)
und Entwicklungschancen in
Kindheit und Jugend
Die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
verläuft nicht nur sehr unterschiedlich.
Auch der Blick auf kindliche Sexualitäten hat sich in den letzten
Jahrzehnten sehr stark verändert.
Kinder wurden lange Zeit entweder als asexuell rationen gesehen: Sexuelle Praktiken markieren
oder als „kleine Erwachsene“ betrachtet. Es die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen
wurde nicht systematisch zwischen kindlicher (ebd.). Weder auf der Basis wissenschaftlicher
und erwachsener Sexualität unterschieden. Forschungen noch pädagogischer Beobach-
Demgegenüber wird heute davon ausgegan- tungen lässt sich diese Sichtweise jedoch auf-
gen, dass sich zwar die Sexualitäten von Er- rechterhalten. Häufig handelt es sich dabei
wachsenen aufbauend auf den kindlichen und um ein Missverständnis: Die Zurückweisung
jugendlichen Erfahrungen entwickeln. Erwach- kindlicher Sexualität beruht teilweise darauf,
sene Sexualität wird jedoch als qualitativ dass Sexualität alltagssprachlich mit Ge-
grundsätzlich anders strukturiert gesehen als schlechtsverkehr gleichgesetzt wird, der für
kindliche Sexualität (Quindeau/Brumlik 2012). Kinder tatsächlich keine Rolle spielt. Die kind-
liche Sexualität orientiert sich nämlich an an-
Dass Kinder überhaupt eine eigene Sexualität deren Parametern als jene der Erwachsenen.
haben sollen, wird von „besorgten Eltern“ und Nichtsdestotrotz sind Kinder bereits ab dem
Pädagog*innen in den letzten Jahren immer Beginn ihrer Existenz sexuelle Wesen. Sie er-
wieder bestritten. Eine glückliche Kindheit werben von klein auf Kompetenzen und ma-
scheint für sie darauf zu beruhen, dass diese chen Erfahrungen, die ihre Sexualität prägen
asexuell verläuft: Sexualität wird zum päda- (Quindeau/Brumlik 2012). Sexualpädagogisch
gogischen Bedrohungsszenario (König 2017). wird davon ausgegangen, dass sexuelle Ent-
Sexualität zu haben oder nicht zu haben wird wicklungen mit der menschlichen Existenz
als zentraler Unterschied zwischen den Gene- beginnen und auch im Erwachsenenalter nicht
Foto-Credit: ©weedezign - stock.adobe.com
9in manchen Bereichen – wie etwa der
Selbststimulation – ein ähnliches Se-
xualverhalten bei Kindern wie bei Er-
wachsenen beobachtet werden kann
(was wissenschaftlich als homologes
Modell kindlicher Sexualität bezeichnet
wird), besteht insbesondere auf der
Ebene der Bedeutung sexuellen Ver-
haltens ein großer Unterschied. Kinder
spüren zwar bereits sehr früh soziale
Werte und Normen im Verhalten der
Betreuungspersonen, trotzdem sind
ihnen diese für die emotionale und
körperliche Gestaltung noch nicht
verfügbar. Während Erwachsene also
kindliches Verhalten als sexuell inter-
pretieren und einordnen, wird das-
selbe Verhalten von Kindern wohl
eher als ein unmittelbares Lusterleben
erfahren, womöglich zur Kompen-
sation von Frustrationserfahrungen
(Wanzeck-Sielert 2013, S. 355). Die
Bedeutung von Sexualität und se-
xuellem Verhalten unterscheidet sich
somit qualitativ zwischen Kindern
abgeschlossen sind. Die Rede von einer Sexu- und Erwachsenen, was als heterologes Modell
alisierung von an sich asexuellen Kindern ist kindlicher Sexualität bezeichnet wird.
daher irreführend. In welcher Weise sich kind-
liche und erwachsene Sexualität dennoch un- Die sexuellen Entwicklungen von Kindern und
terscheiden, wird in der Folge näher ausge- Jugendlichen sind dabei Teil ihrer Gesamtent-
führt. wicklung, die maßgeblich vom sozialen Umfeld
geprägt wird. So unterschiedlich wie die Le-
Sexualpädagogisch wird mit einem breiteren bensbedingungen des Aufwachsens von Kindern
Sexualitätsbegriff gearbeitet als das alltags- sind, so unterschiedlich verlaufen auch die se-
sprachlich üblich ist. Sexualität meint prinzipiell xuellen Entwicklungen. Es gibt daher keine
die menschliche Fähigkeit zur sexuellen Erre- „Normalentwicklung“ von Sexualität, von der
gung und bezieht sich auf emotionale, kör- sich „Fehlentwicklungen“ abgrenzen ließen.
perliche, kognitive und soziale Dimensionen Obwohl in der Literatur sexuelle Entwicklungs-
sexuellen Erlebens. Im Lebensverlauf ändern stufen beschrieben werden (vgl. etwa WHO
sich sexuelle Fantasien, Anziehungen, Begehren, 2011), sind diese nur als häufige, oft ähnlich
sexuelle und romantische Präferenzen, Werte, verlaufende Phasen zu verstehen, von denen
Verhalten und Praktiken, Körperkompetenzen, alle Individuen in mehr oder weniger starker
Identitäten und Beziehungsformen. Kindliche Weise abweichen. Wie sich sexuelle Erfahrungen
Sexualität wird üblicherweise von einer er- jeweils biografisch in einem bestimmten Kontext
Foto-Credit: ©Verena Krall
wachsenen Sexualität dadurch abgegrenzt, aufschichten, kann mit dem wissenschaftlichen
dass Kinder Lust-Erfahrungen mit dem ganzen Modell sexueller Entwicklung nicht vorhergesagt
Körper und ichbezogen erleben. Sexuelles Ver- werden. In der pädagogischen Arbeit mit Kin-
halten wie beispielsweise genitale Selbststimu- dern und Jugendlichen ist diese Offenheit der
lation hat für sie eine andere Bedeutung als für Entwicklungen und ihre Abhängigkeit von den
Jugendliche oder Erwachsene. Während also Deutungen und Interventionen der Betreu-
10ungspersonen zu berücksichtigen. Dies gilt bei- im engeren Betreuungskontext wie auch in der
spielsweise auch für den Verlauf geschlechtlicher Auseinandersetzung mit anderen Kindern und
Entwicklungen oder für die Bewältigung sexu- Erwachsenen sowie den Medien.
eller Gewalterfahrungen im Lebensverlauf.
In den ersten Lebensjahren sind alle Formen
Nähe und Zuwendung werden in der frühen des lustvollen Bewegens des Körpers wie
Kindheit sehr stark über die Haut erfahren. Schaukeln und Hüpfen oder Singen und Tanzen
Eine liebevolle und verlässliche Befriedigung auch als sexualpädagogische Entwicklungs-
von Bedürfnissen ist zentral, damit vertrauens- erfahrungen einzuordnen. Sauberkeitserziehung
volle Bindungen, stabile Ich-Entwicklung und wird zu einer Art erstem Testlauf von sozialer
eine positive Haltung zum eigenen Körper und Autonomie und körperlicher Selbständigkeit,
zu Lust aufgebaut werden können. Angenehme in dem Scham-, Lust- und Machtgefühle bei
Körpererfahrungen bzw. der Umgang mit Frus- Kindern teilweise stark ausgeprägt werden.
tration prägen die weiteren psychosexuellen Im Kontext von sozialen Gruppen werden (u.a.
Entwicklungen, u.a. beim Wickeln, Nacktsein, geschlechtliche) Abgrenzungen und (u.a. se-
Baden oder Nuckeln an Brust bzw. Fläschchen. xualisierte) Provokationen relevant: Eine se-
Dabei erfahren schon Babys Anspannung und xualisierte Sprache und Schimpfwörter werden
Entspannung als fundamentale Lustprinzipien. in der mittleren Kindheit oft enthusiastisch
Kleine Kinder sind neugierig und entdecken verbreitet und markieren, dass sich Kinder mit
ihren eigenen Körper, die Welt und zunehmend sexuellen Themen auseinandersetzen. Auch
auch soziale Beziehungen u.a. in Rollenspielen. werden nach und nach explizite Fragen zu
Es finden wichtige Prägungen auf der psycho- Sexualität formuliert. Weniger wahrnehmbar
sozialen und körperlichen Ebene statt, sowohl sind demgegenüber oft die kindlichen Initiativen
zur Entdeckung ihres Kör-
pers und des Körpers an-
derer Kinder. Die als Fami-
lien- oder „Doktorspiele“
bekannten Erkundungsspie-
le werden häufig vor Er-
wachsenen verborgen, was
darauf hinweist, dass Kinder
früh spüren, dass diese Spie-
le tabuisiert sind. Inwieweit
Körperscham in der mittle-
ren Kindheit zunimmt, ist
sehr kontextspezifisch, je-
doch ebenfalls ein häufig
beobachtbares Phänomen
(Schurke 2005).
Die pubertären Körperver-
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änderungen stellen Jugend-
liche schließlich vor vielfäl-
tige Herausforderungen.
Gruppenpositionen werden
häufig ausgehandelt, indem
das soziale Geschlecht über-
steigert dargestellt wird: Der
Druck, ein „echter“ Mann
oder eine „richtige“ Frau zu
11werden, erzeugt Druck auf Jugendliche, sich – Ausgrenzung wegen Armut oder Rassismus,
meist affirmativ – zu den traditionellen Männ- aber auch Homo- oder Transphobie sowie die
lichkeits- und Weiblichkeitsnormen sowie zu Unsichtbarkeit sexueller Minderheiten ungleiche
Erwartungen an körperliche Attraktivität und Entwicklungschancen sexueller Gesundheit
Heterosexualität zu verhalten. Dabei entziehen (siehe Kapitel „Wie kommt die Sexualität in
sich Jugendliche oft der Auseinandersetzung die Schule?“). Nachdem Sexualpädagogik der
mit sexuellen Themen im Familienkontext: In- entwicklungsbegleitenden Förderung sexueller
timität, Vertrauen und Distanz werden im Be- Gesundheit verpflichtet ist, liegt es auch im
treuungssetting neu ausgehandelt. Was es se- Aufgabenbereich von sexualpädagogisch Tä-
xuell zu wissen und zu tun gilt, vermitteln zu- tigen, diese fördernden Rahmenbedingungen
nehmend Freund*innen und spezielle Medien- sexueller Entwicklungen sicherzustellen.
angebote.
Eltern, Pädagog*innen und Lehrpersonen kön- Dr.in Barbara Rothmüller
nen sexuelle Entwicklungsprozesse durch pas- ist Soziologin mit Schwerpunkt
sende Bewegungsangebote, Wissensvermitt- Geschlechter- und Sexualitäts-
lung sowie emotionale und soziale Bildungs- forschung sowie Bildungsungleichheiten;
angebote begleiten. Um die Eigenlogik kind- Universitätslektorin am Institut für Soziologie
licher und jugendlicher sexueller Entwicklungen der Universität Wien und dem Institut für
überhaupt wahrnehmen zu können, ist eine Erziehungswissenschaft der Universität
Reflexion von Werthaltungen ein wichtiger Innsbruck; Mitarbeiterin im Projekt
erster Schritt. Denn biografisch entwickelte „Imagining Desires“ am Institut für Kunst- und
Überzeugungen und gesellschaftliche Wert- Kulturpädagogik der Akademie der bildenden
haltungen beeinflussen, wie sexuelle Aus- Künste Wien.
drucksformen von Kindern und Jugendlichen
in der pädagogischen Praxis bewertet werden – Literaturverzeichnis:
• König, Julia (2017): „Der sexuelle Kinderkörper. Erkenntnistheoretische
und damit auch die möglichen Verläufe sexu- und historische Annäherungen.“ In: Zeitschrift für Soziologie der
Erziehung und Sozialisation 37(1): S. 10-24.
eller Entwicklungen. Darüber hinaus prägen • Quindeau, Ilka / Brumlik, Micha (Hg.) (2012):
Kindliche Sexualität. Beltz Juventa.
Foto-Credit: ©Verena Krall
aber auch ungleiche soziale Bedingungen des • Schuhrke, Bettina (2005): Kindliche Körperscham und familiale
Schamregeln: eine Studie im Auftrag der BZgA. 9. Aufl. Köln.
Aufwachsens sowie Diskriminierungsstrukturen • Wanzeck-Sielert, Christa (2013): „Sexualität im Kindesalter.“ In: Schmidt,
Renate-Berenike / Sielert, Uwe (Hg.): Handbuch Sexualpädagogik und
sexuelle Entwicklungsprozesse: Die sexuelle sexuelle Bildung. 2. Aufl. Weinheim: Beltz Juventa, S. 355-363.
• WHO Regional Office for Europe & Bundeszentrale für gesundheitliche
Entwicklung lässt sich nicht von der allgemeinen Aufklärung (2011): Standards für die Sexualaufklärung in Europa.
Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger,
Entwicklung abtrennen. Daher bedingen sowohl Bildungseinrichtung, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten.
Köln. https://www.bzga-whocc.de/fileadmin/user_upload/WHO_
ungleiche Geschlechterverhältnisse, soziale BZgA_Standards_deutsch.pdf.
12Geschlechtliche und
sexuelle Vielfalt
in der sexuellen Bildung
Mit unterschiedlichen Zugängen und Schwerpunkten ist in den
vergangenen Jahren die Vielfalt in die Pädagogik eingekehrt.
Unter Vielfalt wird die geschlechtliche, kulturelle leinerziehenden Eltern oder in Patchwork-
und soziale Verschiedenheit von Menschen Familien leben, die schwule, lesbische oder
verstanden (vgl. Perko 2015, S. 69). Menschen bisexuelle2 Eltern oder Verwandte haben oder
können in Bezug auf unterschiedliche, gesell- selbst so empfinden, die intergeschlechtlich3
schaftlich zugewiesene Kategorien – wie z.B. sind oder sich nicht mit dem Geschlecht iden-
Alter, geographische Herkunft, soziale Her- tifizieren, das ihnen bei der Geburt zuge-
kunft/Klasse, Migration, kulturelle Herkunft, schrieben wurde (vgl. Vasold 2016, S. 7).
Religionszugehörigkeit, Aussehen, Hautfarbe,
Behinderung, Gender/Queer oder sexuelles Zweigeschlechtlichkeit
Begehren – Diskriminierungen erfahren. Diese und Heterosexualität als Norm
Kategorien nehmen Einfluss darauf, inwieweit Die geschlechtliche und sexuelle Identität eines
Menschen diskriminiert oder privilegiert werden. Menschen umfasst „die Vielfalt von möglichen
Der folgende Artikel thematisiert aus diskri- Geschlechterrollen, sexuellen Orientierungen
minierungskritischer1 Perspektive Herausfor- und Lebensweisen in unterschiedlichen Lebens-
derungen und Möglichkeiten im Umgang mit phasen“ (LI Hamburg 2014, S. 9). Demgegen-
geschlechtlicher und sexueller Vielfalt im Kon- über ist in Österreich wie auch weltweit die
text sexueller Bildung. Vorstellung von zwei biologisch angeborenen
und nicht veränderbaren Geschlechtern vor-
Der 2015 neu überarbeitete Grundsatzerlass herrschend. Von feministischen Wissenschaft-
Sexualpädagogik verankert die „Vielfalt der ler*innen wurde der Begriff „gender“ eingeführt,
Lebensformen“ in der schulischen Sexualpä- um die subjektive Geschlechtsidentität einer
dagogik in Österreich: „Sexualpädagogik (…) Person – also ob und wie sehr sie sich männlich,
soll sich am Prinzip der Gleichstellung der Ge- weiblich oder als etwas anderes fühlt – sowie
schlechter sowie der Vielfalt der Lebensformen die gesellschaftlichen Erwartungen, die an
(z.B. sexuelle Orientierung, Geschlechteriden- „männlich“ oder „weiblich“ gestellt werden,
titäten) orientieren (…) und an internationalen zu beschreiben. Der englische Begriff „sex“
Menschenrechten ausgerichtet sein“ (Grund- hingegen steht für das biologische Geschlecht,
satzerlass Sexualpädagogik 2015). Die harmlos welches sich auf Chromosomensätze, Keim-
klingende „Vielfalt“ ist dabei keineswegs un- drüsen, Hormone und Geschlechtsorgane be-
umstritten. Konservative und rechtspopulisti- zieht. Doch biologische Forschungen erschüt-
sche Gruppierungen attackieren emanzipato- tern auch die Existenz zweier eindeutiger bio-
rische Sexualpädagogik als „Indoktrinierung“, logischer Geschlechter, indem sie die große
„Früh- und Zwangssexualisierung“, „Schwulen-
1
Hintergrundinformationen, Literaturhinweise und Ressourcen zum
propaganda“ oder gar als „Kindesmissbrauch“ diskriminierungskritischen Bildungskonzept „Social Justice and
Diversity-Konzept“ (Czollek/Perko/Weinbach) finden sich auf der
(vgl. Karlheinz Valtl & Verein liebenslust* 2017; Website des Instituts für Social Justice und Diversity:
www.social-justice.eu
Vasold 2016). 2
Als schwul wird die gleichgeschlechtliche romantische und/oder
sexuelle Anziehung von Männern bezeichnet. Als lesbisch wird die
gleichgeschlechtliche romantische und/oder sexuelle Anziehung von
Frauen bezeichnet. Als bisexuell bezeichnen sich Menschen, die sich
Doch geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist romantisch und/oder sexuell zu mindestens zwei Geschlechtern
hingezogen fühlen.
Realität: Als Pädagog*innen begegnen wir all- 3
Intergeschlechtliche Menschen werden mit genetischen und/oder
anatomischen und/oder hormonellen Geschlechtsmerkmalen geboren,
täglich Kindern und Jugendlichen, die mit al- die nicht den Geschlechternormen von Mann und Frau entsprechen.
13Vielfalt von „männlichen“ und „weiblichen“ vom UN-Komitee gegen Folter als Menschen-
Körpern aufzeigen (vgl. Voß 2013). Neben rechtsverletzungen verurteilten, geschlechts-
einer großen Differenz innerhalb der Kategorien verändernden Eingriffen.
„Mann“ und „Frau“ werden laut Intersex Human
Rights Australia 1,7 Prozent4 aller Menschen Die Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit
als intergeschlechtlich geboren, was in etwa blendet vielfältige Geschlechtsidentitäten – z.B.
dem Anteil rothaariger Menschen entspricht trans5, intergeschlechtlich, queer6 oder non-
(Dalhoff/Eder 2016, S. 88). Obwohl interge- binary7 – aus und ist eng mit der Vorstellung
schlechtlich geborene Kinder genauso gesund von Heterosexualität als Norm verknüpft. He-
sind wie weibliche oder männliche Babys, wer- terosexualität8 wird als einzige oder einzig „nor-
den sie häufig kurz nach ihrer Geburt mit male“ Sexualität überall vorausgesetzt. Lesbi-
massiven, irreversiblen geschlechtsverändern- sche, schwule, bi-, pan9- oder asexuelle10 Le-
den medizinischen Eingriffen und in den meis- bensweisen werden als „krank“ oder „unnatür-
ten Fällen ohne jegliche medizinische Not- lich“ abgewertet, als „neugierige und vorüber-
wendigkeit geschlechtlich normiert (Hechler gehende Phase“ nicht ernst genommen oder
2012, S. 127). Der „Verein intergeschlechtlicher als promiskuitiv diffamiert – und sind in Öster-
Menschen Österreich“ und die Plattform „In- reich heterosexuellen Lebensweisen rechtlich
tersex Österreich“ fordern ein Verbot dieser, auch im Jahr 2018 nicht gleichgestellt. Studien
4
zeigen, dass mehr als 85 Prozent der befragten
Je nachdem wie eng oder weit die Definition von
Intergeschlechtlichkeit gefasst wird, variieren Schätzungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter-
1 bis 4 Prozent. (vgl. Gruber 2018)
5
Als trans bezeichnen sich Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht geschlechtlichen und queeren (LSBTIQ) Ju-
dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht.
6
Queer heißt auf Englisch „schräg“ oder „falsch“ und galt lange Zeit als gendlichen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung
Foto-Credit: ©raquel - stock.adobe.com
Schimpfwort vor allem für Schwule. Schwulen- und Lesben-
bewegungen haben sich den Begriff mittlerweile positiv angeeignet. oder ihrer Geschlechtsidentität Diskriminierung
Dadurch wurde queer zu einer Selbstbezeichnung für all jene, die sich
von der als Zwang empfundenen Zweigeschlechtlichkeit und in Form von verbalen Übergriffen, Mobbing
Heterosexualität abgrenzen und gesellschaftliche
7
Selbstverständlichkeiten in Frage stellen wollen. und Cybermobbing – insbesondere im Eltern-
Als non-binary bezeichnen sich Menschen, die sich weder eindeutig
weiblich noch eindeutig männlich fühlen, sondern dazwischen, jenseits, haus, in der Schule und am Arbeitsplatz –
sowohl als auch oder situativ unterschiedlich.
8
Heterosexualität bezeichnet die romantische und/oder sexuelle erleben oder erlebt haben (Krell 2013, S. 10f.).
Anziehung zu Personen des anderen Geschlechts im Rahmen der
9
Zweigeschlechtlichkeit. Zudem berichten Studien über ein bis zu sechs-
Pansexualität bezeichnet die sexuelle und/oder romantische Anziehung
10
zu Menschen unabhängig von deren geschlechtlicher Identität. fach erhöhtes Suizidrisiko von LSBTIQ-Jugend-
Als asexuell bezeichnen sich Menschen, die immer oder phasenweise
kein sexuelles Begehren empfinden. lichen (Nordt & Kugler 2012, S. 40).
14Herausforderungen und Möglichkeits-
räume in der Thematisierung sexueller
und geschlechtlicher Vielfalt
Kinder und Jugendliche brauchen ein infor-
miertes, stärkendes und unterstützendes Um-
feld, das ihre vielfältigen Lebensrealitäten
gleichberechtigt anerkennt und sie dabei be-
gleitet, eine selbstbestimmte sexuelle und ge-
schlechtliche Identität zu entwickeln, sowie
Verbündete, die Diskriminierungen erkennen,
bei Ausgrenzung und Grenzverletzungen ein-
greifen und klar Stellung beziehen. Für Päda-
gog*innen entstehen dabei Herausforderungen,
aber auch spannende neue Handlungs- und
Möglichkeitsräume.
Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt meint
dabei weit mehr als LSBTIQ-Lebensweisen.
Anstatt intergeschlechtliche Geschlechtsorgane
als alleiniges Beispiel für Vielfalt heranzuziehen,
kann die generelle Vielfalt von Geschlechts-
organen als Ausgangspunkt für Diskussionen
rund um Schönheitsideale genommen werden.11
So können zum Beispiel beim Kneten vielfältiger
Geschlechtsorgane aus Salzteig Gespräche
über Anatomie, Lust, Selbstbefriedigung, aber
auch die Angst, nicht „normal“ oder „schön“
zu sein, entstehen. Wenn Kinder und Jugend-
liche korrekte Bezeichnungen für ihre eigenen
Geschlechtsorgane kennen, mit denen sie sich
auch wohl fühlen, und über den anatomischen
Aufbau ihrer Geschlechtsorgane Bescheid wis- geschlossen werden, die sich in den Kategorien
sen, erhalten sie Kompetenzen, um eine lustvolle „Mädchen“ und „Junge“ nicht wiederfinden.
eigene Sexualität zu entwickeln und Wünsche, Auch ist eine geschlechterhomogene Gruppe
Ängste und Grenzen kommunizieren zu kön- nicht automatisch ein geschützter Raum, da
nen. Menschen aufgrund vielfältiger Diskriminie-
rungsformen privilegiert und diskriminiert sein
In der Sexualpädagogik wird aus der Annahme können. Dennoch können geschlechtshomo-
geteilter Erfahrungen häufig in geschlechts- gene Räume als „paradoxe Intervention“ Sinn
homogenen Mädchen- und Burschen-Gruppen machen, wenn sie widersprüchliche Erfahrun-
gearbeitet. Dabei besteht jedoch die Gefahr, gen und Differenzen zulassen, eine Zuteilung
dass Geschlechterklischees festgeschrieben nach Selbstdefinitionen ermöglichen und durch
werden, beispielsweise, wenn mit Mädchen- vielfältige weitere Angebote (wie spezifische
gruppen vor allem zu Zyklus, „Jungfräulichkeit“12 Angebote für queere Jugendliche) sowie an-
Foto-Credit: ©Verena Krall
und Verhütung gearbeitet wird, während lust-
volle Aspekte rund um Sexualität ausgespart 11
Vielma bietet vielfältige sexualpädagogische Materialien, wie bunte
Vulven, Penisse und intergeschlechtliche Genitalien aus Gips:
werden, und mit Jungengruppen hingegen http://www.vielma.at/materialien.html
12
Der Mythos, dass Menschen mit Vulva ein „Jungfernhäutchen“ besitzen,
vor allem Pornografie, Selbstbefriedigung und welches beim Sport, Benutzen eines Tampons oder ersten vaginalen
Geschlechtsverkehr reißt, ist weit verbreitet. Ausführliche Informationen
Orgasmus thematisiert werden. Weiters besteht zur Aufdeckung dieses Mythos sind beispielsweise in der Broschüre
„Mythos Jungfernhäutchen“ von Holla e.V. zu finden, bestellbar unter:
das Risiko, dass Kinder und Jugendliche aus- http://holla-ev.de/broschuere
15dere Gruppeneinteilungen – beispielsweise Vielfalt und sexuelle Orientierungen in leichter
nach thematischen Interessen – ergänzt werden Sprache erklärt werden können (Leicht Lesen
(vgl. Vinke 2015, S. 25). 2018).
Pädagog*innen sind gefordert, eigene Annah- Und was ist beispielsweise gemeint, wenn von
men, Zuschreibungen und Selbstverständlich- „Sex“ die Rede ist? Wann fängt Sex an, wann
keiten zu hinterfragen und dazu beizutragen, ist er zu Ende? Was ist mit „Vorspiel“ gemeint,
Vorurteile und Klischees abzubauen. So wird wenn es das ist, was für viele Menschen viel-
beispielsweise Transidentität häufig damit er- leicht sogar den lustvollsten Teil ihrer Sexualität
klärt, dass sich Trans-Personen im „falschen darstellt? Was bedeutet es für queere Ju-
Körper“ fühlen. Diese Vorstellung setzt die gendliche, wenn Sex allein auf heterosexuellen
persönliche Geschlechtsidentität mit den Ge- Vaginalsex beschränkt wird? Oder für Kinder
schlechtsorganen gleich. Doch kein Körper ist aus Regenbogenfamilien, wenn Kinderkriegen
„falsch“, und kein Körper zwingt zu einem allein auf heterosexuelle Eltern begrenzt wird?
Leben in einem bestimmten Geschlecht. „Der Das Bilderbuch „Wie entsteht ein Baby?“
eigene Körper bildet die Grundlage dafür, um – (Silverberg/Smyth/Brugger 2018) erzählt die
mit oder ohne Anpassungen – jedes Geschlecht Geschichte von Schwangerschaft und Geburt
verkörpern zu können. Er ist nicht „falsch’, so, dass sich auch Adoptiv-Familien, gleich-
sondern flexibel.“ (WASt 2013, S. 16.) Auch geschlechtliche Elternpaare und mit künstlicher
möchten nicht alle Trans-Personen das Ge- Befruchtung gezeugte Kinder darin wieder-
schlecht von männlich zu weiblich oder um- finden.
gekehrt wechseln (ebd.: S. 17). Die Broschüre
„Frau. Mann. Und noch viel mehr“ liefert An- Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ernst zu
regungen, wie Themen rund um geschlechtliche nehmen, bedeutet, diese nicht in einem eigenen
Kapitel oder zusätzlichen Workshop als „Extra“
hinzuzufügen oder allein in der Sexualaufklä-
Geschlechtergerechte Sprache rung abzuhandeln, sondern vielmehr, sie als
Unsere Sprache ist ein Spiegelbild unseres selbstverständliche und alltägliche Lebens-
Zusammenlebens. Wir erlernen mit ihr Werte realität von Kindern und Jugendlichen anzu-
und Normen unserer Gesellschaft und repro- erkennen, und dadurch positive und nicht-
duzieren diese zugleich. Unsere häufig an problematisierende Zugänge zu ermöglichen.
männlichen Begriffen orientierte Sprache ist Dazu können Biografien von queeren Persön-
das Ergebnis einer über Jahrhunderte wäh- lichkeiten13 oder Comics zu Coming-out-Er-
renden gesellschaftlichen Ungleichbehandlung fahrungen von LSBTIQ-Personen14 aufgegriffen,
von Frauen und Männern sowie eines binären aber auch tagespolitische Debatten diskutiert
Verständnisses von Geschlecht, welches nur werden: In Österreich konnte die Öffnung der
Frauen und Männer kennt. Das Sternchen (z.B. Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erst 2017
Freund*innen) soll auch jenen Menschen vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) er-
sprachlich gerecht werden, die nicht in das bi- stritten werden. Ab 2019 wird die Ehe nun für
näre Geschlechterschema hineinpassen (wol- alle geöffnet sein (vgl. Arends 2017). Und im
len). Anregungen für eine geschlechtergerechte Juni 2018 entschied der VfGH in Österreich
Sprache finden sich z.B. in der Publikation nach einer Klage der intergeschlechtlichen
„Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Or- Person Alex Jürgen*, dass Österreich in offi-
tungen statt Tatenlosigkeit!“ der AG Feminis- ziellen Dokumenten einen dritten Geschlechts-
tisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität eintrag schaffen muss (vgl. Haller 2018).
zu Berlin:
http://feministisch-sprachhandeln.org/ 13
Auf der Website http://www.queerhistory.de stehen Unterrichts-
entwürfe und Videointerviews zu queerer Geschichte zur Verfügung.
wp-content/uploads/2015/04/ 14
In bislang zwei Büchern sowie auf ihrer Website
http://www.achsoistdas.com/ veröffentlicht Martina Schradi
sprachleitfaden_zweite_auflage.pdf biografische Comicreportagen über Erfahrungen von LSBTIQ.
Auf der Website stehen auch ausgearbeitete Arbeitsaufträge zum k-
(letzter Zugriff: 01.07.2018). ostenlosen Download zur Verfügung.
16Im Internet findet sich eine Vielzahl von Mate- öffnen, in welchen vielfältige Lebensweisen
rialien, die den Umgang von Jugendlichen mit jenseits der Norm selbstverständlich und
Geschlechterrollen, Sexismus, Coming-out, Ho- gleichberechtigt verankert sind, fühlen sich
mophobie, Sexualitäten oder Formen des Zu- Kinder und Jugendliche mit ihren Belangen
sammenlebens thematisieren, Mut machen angenommen und willkommen. Vielfalt kann
und Sichtbarkeiten schaffen.15 Auch eigene erst dann sichtbar werden, wenn sie sein darf,
Methoden lassen sich neu überarbeiten – auch und wenn es eine Sprache für diese Vielfalt
oder insbesondere dann, wenn es nicht explizit gibt.
um geschlechtliche oder sexuelle Vielfalt geht:
mit Beispielen und Bildern, die vielfältige Lie-
bes- und Lebensformen abbilden oder mit Lena Deser, MA
Namen, die nicht eindeutig auf ein Geschlecht hat Psychologie und
schließen lassen. Internationale Entwicklung
studiert und arbeitet als Referentin für
Häufig wird der Thematisierung sexueller und sexualpädagogische Workshops und freie
geschlechtlicher Vielfalt entgegengesetzt, dass Trainerin in der diskriminierungskritischen
diese an einer Schule, in einer Klasse oder in und geschlechterreflektierten Bildungsarbeit
einem Jugendzentrum kein Thema sei. Doch zu Themen sozialer und globaler
erst wenn wir als Pädagog*innen Räume er- Gerechtigkeit.
Literaturverzeichnis: 15
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Ehe-fuer-alle-in-Oesterreich-Fragen-und-Antworten Geschichten von trans-Jugendlichen in Deutschland:
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