Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI

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Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
Strategischer Rahmen
der Ressortforschung
ab 2020
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
Grußwort
Liebe Leserinnen und Leser,

unsere Mobilität verändert sich rasant. Wir digitalisieren,
automatisieren und vernetzen. Gleichzeitig versuchen wir,
die Klimaschutzziele zu erreichen und unsere vollen Stra-
ßen zu entlasten. Denn eine moderne, klimafreundliche
Mobilität erhöht unsere Lebensqualität, ermöglicht Teil-
habe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben und ist
Voraussetzung für unseren Wohlstand.

Alle Verkehrsträger sind von diesem Wandel betroffen. Alle
müssen ihre Stärken ausspielen, um Mobilität bedarfsge-
recht, effizient, umwelt- und klimafreundlich zu gestalten.
Unser Anspruch ist es, diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infra-
struktur (BMVI) investiert deshalb Rekordsummen in eine
zukunftsfähige Infrastruktur sowie in klimafreundliche
und moderne Formen von Mobilität.

Innovative Ideen, kreative Konzepte, moderne Modelle
und ernstzunehmende Erkenntnisse sind uns dabei immer
herzlich willkommen. Unser Land ist innovationsstark,
geistreich und kreativ. Das gilt es auch in Zukunft weiter
auszubauen und zu nutzen: Ohne Forschung gibt es keine        lücken? Wo können wir besser werden? Die Vielfalt der
Innovation. Forschung macht neugierig, schafft eine solide    Forschungsthemen und -ziele ist groß. Kein Verkehrsträger
Informationsbasis, zeigt Lösungen auf, führt zu neuen Ent-    wird dabei vergessen. Der jährliche Forschungsplan wird
wicklungen und begeistert. Die Ressortforschung des BMVI      anhand dieses Rahmens gezielt ausgerichtet. So können wir
liefert einen wesentlichen Beitrag hierzu und ist die wis-    Forschungsergebnisse schnell umsetzen und dazu beitra-
senschaftliche Grundlage für die vielfältigen Investitionen   gen, Innovationen alltagstauglich und erlebbar zu machen.
und Maßnahmen des Ressorts.                                   Ich bin überzeugt: Der strategische Forschungsrahmen hilft
                                                              uns dabei, Mobilität neu zu denken und zu gestalten.
Mit dem vorliegenden strategischen Ressortforschungs-
rahmen legt das BMVI die Forschungsschwerpunkte im            Ihr
Ministerium und den Ressortforschungseinrichtungen            Andreas Scheuer, MdB
fest. Was bringt uns voran? Wo gibt es noch Forschungs-       Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

                                                                                                                      1
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung...................................................................................................................................................................3

2 Herausforderungen der Zukunft – Mobilität im Wandel in der Stadt und auf dem Land............................... 4

3 Forschungsschwerpunkte und Forschungsziele................................................................................................... 5

     3.1        Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur...............................................................................................................6

     3.2        Nachhaltige und sichere Mobilität..........................................................................................................................6

     3.3        Alternative Antriebstechnologien und Kraftstoffe.............................................................................................7

     3.4        Automatisierung, digitale Infrastruktur und digitale Innovationen...............................................................7

     3.5        Integrierte und vernetzte Mobilität........................................................................................................................8

     3.6        Weitere Forschungsaufgaben..................................................................................................................................8

4 Organisation der Ressortforschung........................................................................................................................ 9

     4.1        Säulen der Ressortforschung...................................................................................................................................9

     4.2        Jährlicher Ressortforschungsplan........................................................................................................................ 14

     4.3        Expertennetzwerk als verkehrsträgerübergreifendes Format in der Ressortforschung......................... 14

  4.4           Die Rolle des Wissenschaftlichen Beirats beim BMVI und der wissenschaftliche
		              Beiräte der Ressortforschungseinrichtungen.................................................................................................... 14

5 Öffentlichkeitsarbeit und Wissenstransfer.........................................................................................................15

2
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
1 Einleitung
            Politisches Handeln in den verschiedenen Aufgabenfeldern        und hierdurch ausgelöste Maßnahmen wiederum sehr
            von Verkehr und digitaler Infrastruktur, von der Erarbei-       effizient einen Beitrag zur Zielerreichung der jeweiligen
            tung von Strategien und Konzepten über die Rechtssetzung        Forschungsschwerpunkte zu leisten. Ebenfalls sind die Res-
            bis hin zu konkreten Investitionsentscheidungen bedarf          sortforschungsvorhaben Impulsgeber für vielfältige weitere
            solider wissenschaftsbasierter Entscheidungsgrundlagen.         Forschungen und Anwendungen Dritter. Die Ressortfor-
                                                                            schung des BMVI stellt damit ein notwendiges, wichtiges
            Ziel der Ressortforschung als Brücke zwischen Wissen-           und eigenständiges Element in der Mobilitätsforschungs-
            schaft und Politik ist es, Forschungsfragen gezielt mit Blick   landschaft dar.
            auf die Wahrnehmung und Weiterentwicklung der Fach-
            aufgaben und die Politikgestaltung des Bundesministe-           Das BMVI beschreibt mit dem vorliegenden strategischen
            riums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und         Forschungsrahmen die ab 2020 geltenden mittelfristigen
            seines Geschäftsbereichs zu untersuchen. Sie unterstützt        Schwerpunkte und Ziele für die Forschungsaktivitäten im
            das Ministerium und seine nachgeordneten Bundesbe-              Ressort. Diese inhaltlichen Forschungsschwerpunkte und
            hörden ganz wesentlich bei der Erfüllung der Ressortauf-        -ziele der kommenden Jahre leiten sich aus den großen
            gaben. Darüber hinaus tragen die vom BMVI initiierten           fachpolitischen Aufgaben und Herausforderungen ab. Auf
            Forschungsaktivitäten im Rahmen von Förderprogram-              der Grundlage dieses Ressortforschungsrahmens wird der
            men dazu bei, Dritte zu unterstützen, durch ihre Forschung      jährliche Ressortforschungsplan erstellt.

                          Strategischer Ressortforschungsrahmen
                             mittelfristige Forschungsschwerpunkte und Ziele

                         Ressort-                                  Ressort-                              Ressort-
                       forschungs-                               forschungs-                           forschungs-
                        plan 2020                                 plan 2021                             plan 2022

ngsschwerpunkte
            Abbildung 1: Strategischer Ressortforschungsrahmen

 er Forschung zur Erfüllung
chungsfelder mit Ressortbezug

                                                                                                                                      3
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
2 Herausforderungen der Zukunft –
               Mobilität im Wandel in der Stadt und auf dem Land

Mobilität ist ein Grundbedürfnis der individuellen Lebens-         Verkehrswege, effiziente Verkehrsmittel und bezahlbare
gestaltung, der Wirtschaft und des Zusammenlebens. Zu-             Mobilität sind unverzichtbare Voraussetzungen für eine
dem gehört der Mobilitätsbereich zu den forschungs- und            dynamische Volkswirtschaft und gesellschaftliche Teilha-
innovationsstärksten in Deutschland. Er trägt maßgeblich           be. Die Mobilitätsbranche befindet sich im Umbruch. Neue
zum Erhalt von Wohlstand, Beschäftigung und gleich-                Technologien, alternative Antriebe, Digitalisierung, zuneh-
wertigen Lebensbedingungen im urbanen und ländlichen               mende Automatisierung und Vernetzung prägen die Mobi-
Raum bei. Damit eng verknüpft ist die Innovationskraft             lität der Zukunft. Deshalb ist sowohl die Verbesserung der
und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Der            Verkehrsinfrastruktur als auch der digitalen Infrastruktur
Bund steht vor großen Herausforderungen im Verkehrs-               erforderlich.
und Infrastrukturbereich. Anforderungsgerechte moderne

                       Mobilität im Wandel in der Stadt und auf dem Land
                                   Mobilität im Wandel
                                   Anforderungen       in derzukunftsfähige
                                                   an eine    Stadt und auf dem Land
                                                                              Mobilität:
                                          Anforderungen an eine zukunftsfähige Mobilität

                          klimatische, globale, demographische, soziale, rechtliche und technologische
                                                    Rahmenbedingungen

                                 sicher               nachhaltig               sauber

                                                                                                                           Wirtschaft
Bürger*innen

                                                                                                                            Bedarf
   Bedarf

                                                               resilient
                          barrierefrei                                                vernetzt
                                                 verfügbar
                            schnell                                    effizient
                                                                                            bezahlbar

                                                 zuverlässig
                                                                           flexibel

Abbildung 2: Anforderungen Mobilität

                                                                                                              Referat G 12 | November 2019   6

Die Anforderungen an eine zukunftsfähige Mobilität sind            gabe des BMVI ist es, diesen Mobilitätswandel zu gestalten.
mit Blick auf den Personen- und Güterverkehr groß: Sie             Dabei ist eine systemische Betrachtung der Mobilität in
soll eine Vielzahl von Attributen erfüllen und insgesamt           einer globalen arbeitsteiligen Welt Voraussetzung für eine
bestmöglich an den Bedarf der Bürgerinnen und Bürger so-           erfolgreiche Gestaltung des Mobilitätswandels in allen Re-
wie der Wirtschaft ausgerichtet sein. Hinzu kommen weite-          gionen Deutschlands.
re wesentliche Faktoren, wie die sich verändernden klima-          Was wir brauchen ist: mehr Mobilität - bei weniger Verkehr.
tischen, globalen, demographischen, sozialen, rechtlichen
und technologischen Rahmenbedingungen. Wir befinden                Aus diesen fachlichen Herausforderungen ergibt sich der
uns mitten im Mobilitätswandel. Daraus ergeben sich auch           folgende Forschungsrahmen mit seinen Schwerpunkten
große Chancen für die individuelle Lebensgestaltung, für           und Zielen.
Wohlstand und Wertschöpfung insgesamt. Eine Kernauf-

4
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
3 Forschungsschwerpunkte
  und Ziele
Die mittelfristigen Forschungsschwerpunkte und -ziele      dem Land. Darunter lassen sich die folgenden Forschungs-
können unter der Überschrift zusammengefasst werden:       schwerpunkte für die mittelfristige Mobilitätsforschung
Gestaltung des Mobilitätswandels in der Stadt und auf      ableiten:

                                                  Verbesserung der
                                                Verkehrsinfrastruktur

           Integrierte
                                                                                         Nachhaltige und
               &
       vernetzte Mobilität                                                               sichere Mobilität

                                                Forschungs‐
                                               schwerpunkte

                        Automatisierung,                                     Alternative
                      digitale Infrastruktur                            Antriebstechnologien
                                 &                                                &
                           Innovation                                        Kraftstoffe

Abbildung 3: Forschungsschwerpunkte des BMVI

Dazu kommen dann noch die weiteren Forschungsaufga-        Die Forschungsschwerpunkte stehen nicht losgelöst ne-
ben.                                                       beneinander, vielmehr sind sie eng miteinander verknüpft
                                                           und stehen in enger Beziehung. Es gibt eine Fülle von
Unter „weiteren Forschungsaufgaben“ werden all jene        Wechselwirkungen. Sie dienen dem großen Ziel, wissen-
Forschungsaufgaben adressiert, die über die oben genann-   schaftsbasiert den Mobilitätswandel aktiv zu gestalten.
ten Forschungsschwerpunkte hinaus für die Vielzahl der
Ressortaufgaben einschließlich der Umsetzung rechtlicher
Verpflichtungen erforderlich sind.

                                                                                                                      5
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
3.1        Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur             zentrale Aufgaben einer verantwortungsvollen vorsor-
                                                              genden Politik der nächsten Jahre. Die Anforderungen an
Die gute Verkehrsinfrastruktur ist ein Standortvorteil        die Mobilität von morgen gehen über die Bereitstellung
Deutschlands. Jeder Verkehrsträger hat seine Stärken und      einer modernen Infrastruktur zur Sicherung der indivi-
seine Rolle in einem modernen Mobilitätsmix. Mit erhebli-     duellen Mobilität und des bedarfsgerechten Gütertrans-
chen Investitionsmitteln wird die Infrastruktur stetig wei-   ports deutlich hinaus. Einerseits ist ein hohes bedarfsge-
terentwickelt und verbessert. Dringender Handlungsbedarf      rechtes Mobilitätsniveau sicherzustellen, gleichzeitig aber
besteht beispielsweise beim Erhalt und sinnvollen Ausbau      auch ökonomische und soziale Ansprüche zu erfüllen und
der Straßen-, Schienen- und Wasserwege einschließlich der     Umwelt- und Klimabelastungen zu minimieren. Umwelt-
Bauwerke wie Brücken, Tunnel, Bahnhöfe und Flughäfen          freundliche Mobilitätsformen sind zu stärken. Daher ist
als Fundament für eine funktionierende Mobilität. Darüber     ein wichtiger Forschungsschwerpunkt eine nachhaltige
hinaus ist der Aufbau der notwendigen Infrastruktur für       und sichere Mobilität. Hierzu gehören beispielsweise For-
alternative Antriebstechnologien, wie z.B. Tank- und Lade-    schungen zur Energieeinsparung, zur Nutzung regenerati-
infrastruktur sowie dazugehörige Energiespeicher, voran-      ver Energien und zur Senkung der Umweltauswirkungen
zutreiben. Diese Investitionsentscheidungen bedürfen          für Anwohnerinnen und Anwohner sowie für den Schutz
solider wissenschaftlicher Entscheidungsgrundlagen. Der       der Umwelt. Bei den langen Planungsvorläufen, den hohen
Forschungsschwerpunkt zur Verbesserung der Verkehrs-          Investitionen und der Lebensdauer der Infrastruktur ist es
infrastruktur widmet sich diesem Anliegen.                    zudem unerlässlich, durch Forschung den Anpassungsbe-
                                                              darf (z. B. im Bereich Infrastruktur, Fahrzeuge, Schifffahrt)
                                                              an den Klimawandel zu ermitteln und zu berücksichtigen.
                                                              Nachhaltige Mobilität muss auch sicher sein: Eine sichere
    Die Ziele der Ressortforschung zur Verbesserung der       Mobilität ist durch Vermeidung von Unfällen und Verrin-
    Verkehrsinfrastruktur sind insgesamt ausgerichtet auf     gerung der Unfallfolgen gekennzeichnet. Zielgerichtete
    • Innovationen und Verbesserungen im Verkehrs-            Forschung dient dazu, neue Maßnahmen zur Verbesserung
        wegebau                                               der Verkehrssicherheit zu entwickeln. Der Forschungsbe-
    • Weiterentwicklung von Verfahren, Konzepten,             darf bezieht sich auf die drei Aktionsfelder der Verkehrs-
        Methoden, Datengrundlagen und Prognosen               sicherheit: Mensch, Fahrzeugtechnik und Weiterentwick-
    • Innovationen und Verbesserungen in der techni-          lung der Infrastruktur zur Erhaltung und Verbesserung des
        schen Infrastruktur                                   Sicherheitsniveaus.
    • Verlässlichkeit und Resilienz

                                                                Die Ziele der Ressortforschung für eine nachhaltige
3.2        Nachhaltige und sichere Mobilität
                                                                und sichere Mobilität sind insgesamt ausgerichtet auf
                                                                • emissionsarme Mobilität und Stärkung des Um-
Wohlstand, Wachstum, internationale Verflechtungen,
                                                                    weltschutzes
veränderte Lebenseinstellungen und technologische Ent-
                                                                • klimaneutrale Mobilität und Stärkung des
wicklungen führen zu einer mobileren Wirtschaft und
                                                                    Klimaschutzes
Gesellschaft und neuen Mobilitätsoptionen. Gleichzeitig
                                                                • Anpassung an den Klimawandel
sind die Erreichung der Energie- und Klimaschutzziele
                                                                • Nachhaltigkeit
der Bundesregierung, die Verbesserung des Umwelt- und
                                                                • Verbesserung der Sicherheit (Safety)
Lärmschutzes und Anpassungen an den Klimawandel

6
Strategischer Rahmen der Ressortforschung - ab 2020 - BMVI
3.3      Alternative Antriebstechnologien und                  Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur auf Straße,
         Kraftstoffe                                           Schiene, Wasserwegen und im Luftverkehr werden den
                                                               Verkehr revolutionieren. Hierzu gehört auch die Verbes-
Heute ist der Verkehr noch zu mehr als 90 Prozent von          serung der Hafenlogistik und die Entwicklung innovati-
erdölbasierten Kraftstoffen abhängig. Zur Erreichung der       ver Seehafentechnologien, um u. a. die deutschen See- und
Klimaschutzziele muss sich die Energiebasis des Verkehrs       Binnenhäfen wettbewerbsfähiger zu machen, die Um-
bis 2050 schrittweise hin zu klimafreundlichen alternati-      schlagsleistungen der Hafenterminals zu erhöhen sowie die
ven Kraftstoffen und vor allem hin zu mehr erneuerbaren        digitale Infrastruktur und Hafentechnologien für den Um-
Energien entwickeln. Ein besonderes Augenmerk muss             welt- und Klimaschutz zu verbessern. Wesentliche Voraus-
gleichzeitig der Energieeffizienz der Verkehrsträger gelten.   setzung für die Automatisierung und digitale Vernetzung
Der Forschungsschwerpunkt „Alternative Antriebstechno-         von Fahrzeugen und Infrastruktur und damit verbundenen
logien und Kraftstoffe“ widmet sich im Wesentlichen der        Fortschritten ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur, ins-
Fragestellung, wie alternative Antriebssysteme und Kraft-      besondere der Glasfasernetze und des Mobilfunkstandards
stoffe unter Berücksichtigung der zugehörigen Versor-          5G. Der Forschungsschwerpunkt dient daher der verant-
gungsinfrastruktur im Verkehr schrittweise implementiert       wortungsvollen Gestaltung der digitalen Transformation.
werden können, um die Klimaschutzziele im Verkehrssek-
tor zu erreichen.                                              Ebenfalls ist es Ziel der Forschung, kritische Infrastruktu-
                                                               ren, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig
                                                               wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der
                                                               öffentlichen Sicherheit oder andere schwerwiegende Fol-
  Die Ziele der Ressortforschung zu Antriebstechnologi-        gen eintreten würden, noch besser zu schützen und Risiken
  en und Kraftstoffen sind insgesamt ausgerichtet auf          zu minimieren. Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist
  • alternative Antriebstechnologien bei allen Ver-            eine Kernaufgabe staatlicher Sicherheitsvorsorge und ein
      kehrsträgern                                             wichtiger Baustein der Sicherheitspolitik. Die Infrastruk-
  • fortschrittliche Kraftstoffe                               tur erweist sich auf Grund des hohen Technisierungsgra-
                                                               des und der zunehmenden Vernetzung von Anwendungen
                                                               als besonders schutzbedürftig beispielsweise hinsichtlich
3.4      Automatisierung, digitale Infrastruktur und           Cyber-Angriffen.
         digitale Innovationen

Die Digitalisierung führt zu weitreichenden Umbrüchen
                                                                 Die Ziele der Ressortforschung zur Gestaltung des
sowohl in der Mobilitätsnachfrage als auch in der Art und
                                                                 digitalen Wandels sind insgesamt ausgerichtet auf
Weise, wie Mobilität ermöglicht und realisiert wird. Auch
                                                                 • Automatisierung und digitale Vernetzung
bei der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz wird auf die
                                                                 • Verbesserung des Datenzugangs, datenbasierte
zunehmende Digitalisierung gesetzt. Durch digitale Ent-
                                                                     Anwendungen
wicklungen entstehen viele Chancen und Herausforderun-
                                                                 • Förderung der Künstlichen Intelligenz und
gen. Die Künstliche Intelligenz gilt als einer der wichtigs-
                                                                     digitaler Systeme
ten Wachstumstreiber der nächsten Jahre und als Schlüssel
                                                                 • Erhöhung der Sicherheit (Security)
zur Wettbewerbsfähigkeit. Automatisierung und digitale

                                                                                                                           7
3.5        Integrierte und vernetzte Mobilität                3.6      Weitere Forschungsaufgaben

Die unterschiedlichen Herausforderungen an die Mobilität
                                                                Die Ressortforschung für weitere Forschungsaufgaben
erfordern eine systemische Betrachtung der Mobilitätsan-
                                                                ist insgesamt ausgerichtet auf
gebote und -möglichkeiten in den einzelnen Regionen,
                                                                • Wettbewerb, Wirtschaftswachstum, Beschäftigung
bundesweit und auch im globalen Kontext. Mit einer kon-
                                                                • Förderung von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
sequenten Vernetzung der Verkehrsträger und dem Ein-
                                                                • fachwissenschaftliche Unterstützung bei der
satz intelligenter Verkehrssysteme kann ein wesentlicher
                                                                     Rechtssetzung und bei technischen und nicht-
Beitrag für einen umwelt- und sozialverträglichen Verkehr
                                                                     technischen Regelwerken
geleistet werden. Die Vernetzung hilft auch dabei, den Ver-
                                                                • europäische und internationale Zusammenarbeit
kehrsfluss intelligent zu lenken. Hierzu bedarf es innova-
                                                                • Partizipation und Wissenstransfer von Informatio-
tiver Mobilitätskonzepte, beispielsweise zur Bewältigung
                                                                     nen und Ergebnissen
der ersten bzw. letzten Meile, Verbesserung der Akzeptanz,
                                                                • Verbesserung meteorologischer und hydrologi-
Betriebs- und Angebotsqualität umweltfreundlicher Mo-
                                                                     scher Vorhersagen
bilitätsformen einschließlich der Taktung der peripheren
                                                                • integrierte Meerespolitik
Verkehrsströme und Gestaltung der Pendlerverkehre. So
                                                                • Investitionsplanung
können unter anderem multimodale Mobilitätsplattfor-
men bzw. integrierte digitale Angebote zu einer weiteren
Attraktivitätssteigerung der öffentlichen Verkehrsmittel
und somit der individuellen Mobilität insgesamt beitragen.    Diese Forschungsaufgaben dienen der Erfüllung von
Forschungsmaßnahmen zur verbesserten Koordination der         Kernaufgaben des Ressorts. Das Schwerpunktthema bei
Güterflüsse durch eine intelligente Verkehrssteuerung für     der Forschung zur intergrierten Meerespolitik befasst sich
Logistik-Verkehre (Bündelung, Lenkung, Vermeidung) die-       mit übergreifenden Fragen, z. B. zur Identifizierung von
nen dazu, den wachsenden Gütertransportanforderungen          möglichen Indikatoren für alle Bereiche der Meerespoli-
einerseits und einer Reduzierung der Immissionsbelastung      tik (Wirtschaft, Umwelt, Soziales) zwecks Evaluierung und
andererseits gerecht zu werden. Mit seiner Forschungsför-     Ermittlung von möglichen Nachsteuerbedarfen, die von
derung in diesem Schwerpunkt trägt das BMVI maßgeblich        den herkömmlichen meeresbezogenen Forschungspro-
dazu bei, dass viele sowohl systemisch-technische als auch    grammen des BMVI und der anderen Ressorts nicht erfasst
vertraglich-organisatorische Voraussetzungen für eine re-     werden.
gionale und bundesweite integrierte und vernetzte Mobili-
tät geschaffen werden.

    Die Ziele der Ressortforschung für eine integrierte und
    vernetzte Mobilität sind insgesamt ausgerichtet auf
    • integrierte Güterverkehrskonzepte,
        Förderung der Logistik und des Kombinierten
        Verkehrs
    • Vernetzung, intelligente Verkehrssysteme und
        alternative Mobilitätskonzepte
    • Verbesserung der Mobilität in der Fläche
        (gleichwertige Lebensverhältnisse)

8
4 Organisation der Ressort-
  forschung
4.1       Säulen der Ressortforschung                            schung (Fremdforschung) auf der Basis von Förderrichtlini-
                                                                 en/Zuwendungen (Antragsforschung) und externer Verga-
Das BMVI stützt sich zur Beantwortung der Vielfalt von           ben (Auftragsforschung) herangezogen wird. Dabei sind die
Forschungsfragen auf qualitativ hochwertige wissen-              Ressortforschungseinrichtungen des BMVI unverzichtba-
schaftliche Expertise, die einerseits durch das Fachperso-       re Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Politik. Ihre

            Säulen der BMVI-Ressortforschung
nal in den Ressortforschungseinrichtungen (RFE) selbst
(Eigenforschung) und darüber hinaus durch externe For-
                                                                 Expertise ermöglicht die Überführung wichtiger Innovati-
                                                                 onen in die Anwendung.

   Eigenforschung                                                                   Fremdforschung

           der BMVI‐                                                                      Antragsforschung
                                                             Impulse                       (Zuwendungen)
         Ressortforschungs‐
           einrichtungen

                                                                                         Auftragsforschung
                                                                                            (Vergaben)

                                     Forschung Dritter
      z. B. Wirtschaftsunternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen,
      Einrichtungen des Bundes und der Länder, kommunale Gebietskörperschaften,
      Ingenieurbüros, Konsortien/Verbünde
Abbildung 4: Säulen der Ressortforschung

                                                                                                                          9
Das BMVI deckt mit seinen sechs Ressortforschungseinrichtungen (RFE) eine breite Palette an wissen-
schaftsbasierten Fachaufgaben im Verkehrsbereich ab:

     Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)

     Das BSH ist eine wissenschaftlich-technische Bundesober-
     behörde im Geschäftsbereich des BMVI mit Aufgaben auf
     den Gebieten der Seeschifffahrt, der Hydrographie, der
     Ozeanographie, der Meeresnutzungen sowie im Meeres-
     umweltschutz. Die FuE-Aktivitäten umfassen u.a. Untersu-
     chungen zu Auswirkungen der Klimaveränderungen der
     Nord- und Ostsee, die Entwicklung der Offshore-Wind-
     parkssowie die Weiterentwicklung von Navigations- und
     Kommunikationssystemen in der Seeschifffahrt, von Ver-
     fahren zur langfristigen Untersuchung der Meeresumwelt
     und zur Seevermessung. Daten und Informationsprodukte
                                                              Messstation Fehmarn-Belt © BSH – Claudia Thomson
     spielen dabei eine herausragende Rolle.

                                                               Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)

                                                               Die BfG ist das wissenschaftliche Institut des Bundes für
                                                               Forschung, Begutachtung und Beratung auf den Gebie-
                                                               ten Hydrologie, Gewässernutzung, Gewässerbeschaffen-
                                                               heit sowie Ökologie und Gewässerschutz. Die BfG hat
                                                               vielfältige Forschungsschwerpunkte, die sich primär mit
                                                               dem Schutz und der Nutzung von Bundeswasserstraßen
                                                               (schiffbare Flüsse, Kanäle und Küstengewässer) befassen.
                                                               Zu den Schwerpunkten zählen die Erforschung neuer An-
                                                               sätze der integrierten Gewässerentwicklung, die Entwick-
                                                               lung innovativer Methoden für aktuelle qualitative und
     Probennahme an der Elbe © BfG
                                                               quantitative Fragestellungen sowie die Aufklärung von
                                                               Wasser- und Stoffströmen in den Bundeswasserstraßen.

     Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)

     Die BASt ist die praxisorientierte, technisch-wissenschaft-
     liche Forschungseinrichtung des Bundes auf dem Gebiet
     des Straßenwesens. Sie widmet sich den vielfältigen Auf-
     gaben, die aus den Beziehungen zwischen Straße, Mensch
     und Umwelt resultieren. Ihr Auftrag ist es, die Sicherheit,
     Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Leistungs-
     fähigkeit der Straßen zu verbessern. Die Aufgaben reichen
     von Planung, Koordinierung und Durchführung mehrjäh-
     riger Forschungsprojekte bis zur kurzfristigen Beantwor-
                                                                 Fußgänger-AEB (Notbremsautomatik) © BASt
     tung von Fragen zur Unterstützung der aktuellen Arbeit
     des BMVI. Sie arbeitet führend im Netzwerk der nationalen und europäischen Spitzenforschungsinstitute auf dem Ge-
     biet des Straßenwesens und wirkt weltweit maßgeblich bei der Ausarbeitung von Vorschriften und Normen mit.

10
Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)

Als technisch-wissenschaftliche Bundesoberbehörde
führt die Bundesanstalt für Wasserbau verkehrswasser-
bauliche Forschung und Entwicklung (FuE) auf den Gebie-
ten der Bautechnik, der Geotechnik und des Wasserbaus
im Binnen- und Küstenbereich durch. Die BAW bearbeitet
eigene FuE-Vorhaben, die insbesondere auf die Verbesse-
rung der Verkehrssicherheit auf den Wasserstraßen, die
Optimierung des Betriebs, der Unterhaltung und des Aus-
baus sowie die Optimierung der Verfahren und Methoden
abzielen.
                                                            Hydraulik Zugabebecken © BAW

                                                            Deutscher Wetterdienst (DWD)

                                                            Als nationaler Wetterdienst der Bundesrepublik Deutsch-
                                                            land erbringt der DWD meteorologische Dienstleistungen
                                                            zur Daseinsvorsorge, einschließlich Bevölkerungsschutz
                                                            und Katastrophenvorsorge, zur Sicherung der Luft- und
                                                            Seeschifffahrt und zur Grundversorgung der Bevölkerung.
                                                            Schwerpunkte von Forschung und Entwicklung sind ent-
                                                            sprechend seiner Aufgabenstellung Verfahren zur Wetter-
                                                            vorhersage einschließlich numerischer Wettervorhersage-
                                                            modelle, Verfahren zur Wetter- und Klimaüberwachung
                                                            und Beratungsverfahren.
Erde-Klima-Datennetz © DWD

Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim
Eisenbahnbundesamt (DZSF/EBA)

Das DZSF/EBA bearbeitet die zentralen Fragestellungen
des Schienensektors, wie sie im Bundesforschungspro-
gramm Schiene definiert sind und stellt dafür Lösungen
bereit. Die Forschung soll die weitere Entwicklung des
Schienenverkehrs in Deutschland unterstützen. Es sind
gerade die innovativen, die neu gedachten Lösungen, die
der Schiene zu Entwicklungssprüngen verhelfen. Das
Bundesforschungsprogramm Schiene verfolgt einen inte-
grativen Ansatz. Es werden die Themen Wirtschaftlichkeit,
Umwelt und nachhaltige Mobilität und Sicherheit in den
Fokus gestellt.
                                                            Messung an der Zugstrecke © EBA - Christoph Jöckle

                                                                                                                      11
Die RFE nehmen neben den originären Fachaufgaben auch        Die thematische Bandbreite der FuE-Vorhaben ist an-
mit eigenem Personal und Sachmittelaufwand ressortbezo-      gesichts der vielfältigen Aufgaben des BMVI notwendig.
gene Forschungsaufgaben wahr. Darüber hinaus setzen die      Gleichwohl sind eine starke Konzentration allein schon aus
Einrichtungen klassische Auftrags- und Förderforschung       Gründen der Begrenztheit der verfügbaren Haushaltsmit-
für das BMVI um. Alle Forschungsprojekte fließen in Ab-      tel und eine deutliche Koordinierung notwendig. Hierfür
stimmung mit den fachaufsichtsführenden Referaten des        dient auch dieser strategische Ressortforschungsrahmen
BMVI in den jährlichen Ressortforschungsplan ein.            mit der breit abgestimmten Festlegung von Forschungs-
                                                             schwerpunkten und Forschungszielen, die für das gesamte
Grundsatzfragen zur Ressortforschung werden in gemein-       Ressort, also Ministerium und nachgeordnete Ressortfor-
samen Besprechungen der Ressortforschungseinrichtun-         schungsbehörden, gelten.
gen mit der Forschungsbeauftragten des BMVI abgestimmt.
                                                             Die Ressortforschung bleibt innovativ und entwickelt sich
Die BMVI-Ressortforschung bezieht sich auf ressortspe-       stetig weiter. So besteht beispielsweise ein wachsendes In-
zifische Fachaufgaben (angewandte Forschung). Sie hat        teresse an Mikrodaten der amtlichen Statistik und anderer
in den meisten Fällen einen unmittelbaren Praxisbezug        öffentlicher Stellen. Um für Forschungszwecke auch Ana-
und dient als Entscheidungsgrundlage für konkrete Um-        lysemöglichkeiten von im Ursprung personenbezogenen
setzungsmaßen. Außerdem haben die FuE-Aufgaben der           bzw. anderen schutzbedürftigen Daten zu ermöglichen, hat
Ressortforschungseinrichtungen vielfach eine gesetzliche     sich seit der Jahrtausendwende eine Forschungsdateninfra-
Grundlage (Beispiel § 4 Abs. 2 DWD-Gesetz: „Zur Erfüllung    struktur in Form von Forschungsdatenzentren etabliert.
seiner Aufgaben betreibt der Deutsche Wetterdienst wis-      Geeignete Anonymisierungsverfahren und technisch-orga-
senschaftliche Forschung im Bereich der Meteorologie und     nisatorische Maßnahmen gewährleisten die Anforderun-
verwandter Wissenschaften und wirkt bei der Entwicklung      gen des Datenschutzes. Das BMVI finanziert ein Projekt, im
entsprechender Standards und Normen mit.“).                  Zuge dessen im Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) das erste For-
                                                             schungsdatenzentrum im Ressort geschaffen wurde. Das
Die spezifischen Haushaltstitel für FuE-Vorhaben des BMVI    kürzlich durch den Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten
sind daher in der Regel auf ein konkreteres Erfüllungsziel   (RatSWD) vorläufig akkreditierte Forschungsdatenzentrum
ausgelegt und zweckgebunden.                                 im KBA bietet unter www.kba.de die ersten Mikrodaten
                                                             samt Begleitdokumentation als Produkte der Statistik für
Darüber hinaus ist die Ressortforschung auch Impulsgeber     die Nachnutzung an.
für Dritte (z.B. Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft,
Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrich-         Das BMVI ist zudem mit seinen Förderprogrammen und
tungen, Einrichtungen des Bundes und der Länder, kom-        einzelnen Vorhaben in die wesentlichen Innovationsstra-
munale Gebietskörperschaften, Ingenieurbüros, Konsor-        tegien der Bundesregierung eingebunden und steht daher
tien/Verbünde), damit diese durch ihre Forschung und         in enger Abstimmung mit den einschlägigen Fachressorts
hierdurch ausgelösten Maßnahmen wiederum zur Ziel-           sowohl hinsichtlich der unterschiedlichen Felder der Mobi-
erreichung der jeweiligen Forschungsschwerpunkte des         litätsforschung als auch im Kontext der Forschungsaktivi-
BMVI-Ressortforschungsrahmens beitragen. Ebenfalls           täten zur Digitalen Gesellschaft. Bis 2025 wird gemeinsam
bauen auf den Ressortforschungsvorhaben des BMVI und         mit den Ländern und der Wirtschaft eine Erhöhung der
seines Geschäftsbereichs vielfältige weitere Forschungen     Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,5 Prozent
und Anwendungen Dritter auf.                                 des Bruttoinlandsprodukts angestrebt. Die Ressortfor-
                                                             schung des BMVI trägt zu diesem Ziel mit seinen For-
Da die FuE-Vorhaben in direktem fachlichen Kontext der       schungsprogrammen und zur Verfügung stehenden Haus-
Arbeit der Fachabteilungen stehen, werden die Festlegung     haltsmitteln für Forschung und Innovation bei.
der Forschungsvorhaben und die Bewertung der wissen-
schaftlichen Ergebnisse und deren Verwertbarkeit im ope-     Die im Sommer 2018 verabschiedete Hightech-Strategie
rativen Geschäft durch die Fachabteilungen geleistet.        der Bundesregierung (HTS) www.hightech-strategie.de

12
bildet das strategische Dach der Forschungs- und Innova-       cen, angefangen bei einem Plus an Sicherheit und Effizienz
tionsförderung und formuliert ressortübergreifend Ziele,       im Straßenverkehr bis hin zu Konzepten für eine emissi-
Schwerpunkte und Meilensteine der Forschungs- und In-          onsarme, intelligente und innovative Mobilität. Um den
novationspolitik der kommenden Jahre. Ziel der Strategie       Einsatz automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen im
ist es, dass die Forschungsergebnisse noch effektiver in die   ländlichen und städtischen Bereich unter Einbeziehung des
Anwendung kommen, der Transfer gestärkt, offene Innova-        öffentlichen Verkehrs und des Güterverkehrs zu erforschen
tionsformen unterstützt und die Entstehung von Sprun-          und vorzubereiten, wurden mehrere digitale Testfelder ein-
ginnovationen, Unternehmergeist und Innovationskraft im        gerichtet. Das BMVI fördert zudem die grenzüberschreiten-
Mittelstand befördert sowie die Einbindung der Ergebnisse      de Erprobung von Technologien für das automatisierte und
in europäische und internationale Netzwerke und Innova-        vernetzte Fahren auf dem Digitalen Testfeld Deutschland-
tionspartnerschaften intensiviert werden. Die Beteiligung      Frankreich-Luxemburg.
des BMVI an den HTS-Missionen „Eine sichere, vernetzte
und saubere Mobilität“ sowie „Künstliche Intelligenz in die    Die Bundesregierung unterstützt die Entwicklung der Was-
Anwendung bringen“ befördert diesen so wichtigen Aus-          serstoff- und Brennstoffzellentechnologie seit 2007 gezielt
tausch bei Zukunftsthemen unserer Gesellschaft, die syste-     im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und
misch anzugehen sind.                                          Brennstoffzellentechnologie (NIP). Wasserstoff und Brenn-
                                                               stoffzellen gelten dabei als Schlüsseltechnologien für die
Das BMVI arbeitet auch im Rahmen anderer Strategien            Elektrisierung der Verkehrsantriebe. Das BMVI fördert im
mit anderen Ressorts intensiv zusammen. Die "Strategie         Rahmen des ressortübergreifenden Programms techno-
Künstliche Intelligenz der Bundesregierung" (KI-Strategie)     logieoffen diese alternativen Antriebstechniken für die
setzt beispielsweise einen Rahmen für eine ganzheitliche       Zukunft der Mobilität. Fördermaßnahmen wie die Ent-
politische Gestaltung der weiteren Entwicklung und An-         wicklung, Marktvorbereitung und Beschaffung von Was-
wendung der KI in Deutschland. Die neuen KI-Technologi-        serstoff- und Brennstoffzellentechnologie für den Einsatz
en bilden auch im Verkehr die Basis für zahlreiche For-        im Verkehr, die Forschung zur Wasserstoffproduktion aus
schungsinitiativen. Das BMVI fördert die Umsetzung der         erneuerbaren Energien oder die Integration von Wasser-
KI-Strategie der Bundesregierung und hat dazu einen Akti-      stoff in das Kraftstoffportfolio haben das Ziel, die Wasser-
onsplan „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der     stoff- und Brennstoffzellentechnologie wettbewerbsfähig
Mobilität“ vorgelegt. Damit sollen die Unternehmen dabei       im Verkehrssektor zu etablieren. Die Forschung zielt darauf
unterstützt werden, die aus der Forschung erwachsenden         ab, Kosten weiter zu reduzieren und die anwendungsorien-
Potenziale der KI-Technologien stärker zu erschließen, um      tierte Marktaktivierung fortzusetzen.
erfolgreich im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
                                                               Die Ressortforschung fließt zudem in die Arbeit internatio-
Mit der in 2015 beschlossenen „Strategie automatisiertes       naler Organisationen und europäischer wie internationaler
und vernetztes Fahren – Leitanbieter bleiben, Leitmarkt        Ausschüsse ein. Über die von der Europäischen Kommis-
werden, Regelbetrieb einleiten“ (Strategie AVF) werden für     sion für den STRIA Prozess (Strategische Forschungs- und
das automatisierte und vernetzte Fahren Potenziale wie         Innovationsagenda der EU) ins Leben gerufene Governance
die Steigerung der Verkehrseffizienz, die Erhöhung der         Gruppe und Mitwirkung in dem Horizont 2020 Transport
Verkehrssicherheit, die Reduzierung mobilitätsbedingter        Programmausschuss gestaltet das BMVI die europäische
Emissionen und die Stärkung des Innovations- und Wirt-         Forschungsstrategie im Mobilitätsbereich maßgeblich mit.
schaftsstandorts Deutschland definiert, welche das BMVI        Das BMVI vertritt die Bundesregierung zudem im For-
bei der Umsetzung der Strategie nutzen will. Seit Juni 2019    schungsausschuss des Weltverkehrsforums (ITF). Das BMVI
bündelt der neue Aktionsplan „Forschung für autonomes          und seine RFE beteiligen sich dort nicht nur aktiv an der
Fahren – Ein übergreifender Forschungsrahmen von BMBF,         strategisch-thematischen Ausgestaltung der Arbeitspro-
BMWi und BMVI“ Schwerpunkte und Leitlinien für die             gramme, sondern wirken auch an Arbeitsgruppen und
künftige Ausrichtung der Forschungsförderung für das au-       Round Tables des ITF mit.
tonome Fahren. Der Aktionsplan bietet vielfältige Chan-

                                                                                                                         13
4.2      Jährlicher Ressortforschungsplan                 Ziel ist es, die Kompetenzen der beteiligten Behörden auf
                                                          eine breitere gemeinsame Basis zu stellen, sich intensiver
In den jährlich aufzustellenden Ressortforschungsplan     miteinander zu vernetzen und Wissens- und Technologie-
werden alle Fachabteilungen durch die Forschungsbeauf-    transfer zu fördern. Das BMVI-Expertennetzwerk widmet
tragte des BMVI eingebunden. Grundlage für die Anmel-     sich in einer interdisziplinären und multimodalen Perspek-
dungen ist dieser Ressortforschungsrahmen mit seinen      tive den drängenden Verkehrsfragen der Zukunft.
Forschungsschwerpunkten und Forschungszielen. Der
Ressortforschungsplan wird auf Staatssekretärsebene ge-
nehmigt.                                                  4.4      Die Rolle des Wissenschaftlichen Beirats
                                                                   beim BMVI und der wissenschaftlichen
                                                                   Beiräte der Ressortforschungseinrichtungen
4.3      BMVI-Expertennetzwerk als verkehrs-
         trägerübergreifendes Format in der               Der Wissenschaftliche Beirat beim BMVI wurde bereits
         Ressortforschung                                 1949 als unabhängiges Gremium eingerichtet, um den
                                                          Bundesminister für Verkehr in allen Fragen des Verkehrs zu
Das BMVI-Expertennetzwerk ist ein verkehrsträgerüber-     beraten und dazu beizutragen, die Erkenntnisse der Wis-
greifendes Forschungsformat in der Ressortforschung.      senschaft sowohl in die verkehrspolitische wie auch fach-
Unter dem Leitmotiv „Wissen – Können – Handeln” haben     liche Arbeit einzubringen. Ihm gehören bis zu 18 hochka-
sich die sechs Ressortforschungseinrichtungen und eine    rätige wissenschaftliche Mitglieder aus unterschiedlichen
Fachbehörde des BMVI zu einem Forschungsnetzwerk zu-      Fachdisziplinen an. Sie verfassen gutachterliche Stellung-
sammengeschlossen.                                        nahmen als Gemeinschaftsarbeit zu konkreten fachpoli-
                                                          tischen Fragestellungen ebenso wie Stellungnahmen aus
Die am BMVI-Expertennetzwerk beteiligten Behörden
                                                          eigener Initiative.
sind:
                                                          Der Schwerpunkt der Arbeit des Wissenschaftlichen Bei-
„„ das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
                                                          rats liegt auf dem Verkehrsbereich. Das Thema Digitalisie-
   (BSH)
                                                          rung, das seit 2013 zum Geschäftsbereich des BMVI gehört,
„„ die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
                                                          stellt die Verkehrspolitik vor neue Herausforderungen und
„„ das Bundesamt für Güterverkehr (BAG)
                                                          nimmt eine immer bedeutendere Rolle ein, mit der sich
„„ die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
                                                          auch die Wissenschaftler im Beirat beschäftigen. Auch ak-
„„ die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)
                                                          tuelle Fragestellungen zu weiteren Querschnittsthemen,
„„ der Deutsche Wetterdienst (DWD) und
                                                          wie z.B. Energie und Umwelt, fließen in die Beurteilung der
„„ das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung
                                                          Wissenschaftler für eine moderne Verkehrspolitik ein.
   beim Eisenbahnbundesamt (DZSF/EBA)

                                                          Die BMVI-Ressortforschungseinrichtungen werden meist
Die behörden- und verkehrsträgerübergreifende Forschung
des BMVI-Expertennetzwerks ist auf operativer Ebene in    durch die Expertise eines unabhängigen (wissenschaftli-
sechs Themenfeldern organisiert:                          chen) Beirats unterstützt. Die Beiräte sprechen insbeson-
                                                          dere bei grundsätzlichen, strategischen Angelegenheiten
„„ Verkehr und Infrastruktur an Klimawandel und extre-    Empfehlungen aus und beraten die Behörden aus einer
   me Wetterereignisse anpassen                           unabhängigen Position heraus. Die Ernennung und Zu-
„„ Verkehr und Infrastruktur umweltgerecht gestalten      sammensetzung der Beiräte wird in jeder Behörde unter-
„„ Verlässlichkeit der Verkehrsinfrastruktur erhöhen      schiedlich gehandhabt: In der Regel setzen sich die Beiräte
„„ digitale Technologien konsequent entwickeln und an-    entweder ausschließlich aus Professoren relevanter Fach-
   wenden                                                 richtungen zusammen (wissenschaftliche Beiräte) oder es
„„ Einsatzpotenziale erneuerbarer Energien für Verkehr    handelt sich um ein Gremium aus hochrangigen Wissen-
   und Infrastruktur verstärkt erschließen                schaftlern, Experten und Anwendern.
„„ verkehrswirtschaftliche Analysen

14
5 Öffentlichkeitsarbeit und
  Wissenstransfer
Die Ergebnisse der FuE-Vorhaben fließen im Rahmen der         der Politik, Wirtschaft, in Planungsbüros und der Wissen-
angewandten Forschung unmittelbar in die Arbeit des           schaft und bei weiteren Akteuren für die Vorbereitung und
BMVI ein, da sie wesentlich zur Erledigung der Fachaufga-     Umsetzung von Entscheidungen und für weitere wissen-
ben dienen.                                                   schaftliche Untersuchungen zu nutzen. Die Verbreitung
                                                              der Erkenntnisse ist auch ausschlaggebend für die politisch
Ziel der Forschung des BMVI ist es auch, Forschungser-        besonders wichtige schnelle Überführung von Innovatio-
gebnisse möglichst weit zu verbreiten, um den Mehrwert        nen in die Anwendung. Die Forschungsergebnisse sind für
der Forschungserkenntnisse zu teilen und vielfältig z.B. in   Bürgerinnen und Bürger ebenfalls von Interesse.

                                            FuE‐Ergebnisse
                                               FuE-Ergebnisse

                                              zum Wissenstransfer
    fließen unmittelbar
                                                  für Politik,                         zur Information der
       in die Arbeit des
                                                  Wirtschaft,                             Bürger*innen
           BMVI ein
                                                 Wissenschaft

                             Forschungsinformationssystem (FIS) des BMVI

                   Website des BMVI und der Ressortforschungseinrichtungen

       Thematisch ausgerichtete Förderplattformen und Förderportal des Bundes
Abbildung 5: Nutzung der FuE-Ergebnisse

Je nach Themenstellung werden z.B. Fachkonferenzen zu         mationen des FIS richten sich vor allem an Verantwortliche
Forschungsergebnissen durchgeführt oder es erfolgen In-       in Politik und Praxis, aber auch an Vertreter aus Wissen-
formationen an die allgemeinen Medien. Darüber hinaus         schaft und Wirtschaft sowie die interessierte Fachöffent-
werden die Ergebnisse der Untersuchungen über diverse         lichkeit. Im FIS werden laufend aktuelle Forschungser-
Fachmedien (Internet und Schriftenreihen/Fachpublikatio-      gebnisse aus dem Ressortforschungsbereich des BMVI
nen) der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.           problemlösungsbezogen aufbereitet. Als Instrument der
                                                              Politikberatung soll es den Wissenstransfer aus der Wissen-
Darüber hinaus hat das BMVI für den Bereich seiner Res-       schaft und Forschung in die Politik und Planung herstellen.
sortzuständigkeit ein umfangreiches Forschungs-Informa-       Der Unterschied zu klassischen Forschungs- und Informa-
tions-System (FIS) www.forschungsinformationssystem.de        tionsdatenbanken besteht darin, dass der Nutzer ausge-
als wissenschaftlich fundierte Informationsplattform rund     hend von einer konkreten Fragestellung durch eine intelli-
um die Themen Mobilität und Verkehr eingerichtet, die         gente Navigation auf eine wissensbasierte Problemlösung
sich eines immer größeren Nutzerkreises erfreut. Die Infor-   hin geführt wird. Hierfür helfen ihm geeignete Stichwort-
                                                              vorschläge und die Auswahl gesuchter Wissensbausteine.

                                                                                                                       15
Weiterführende Informationen zur Ressortforschung:       „„ 5G-Innovationsprogramm
                                                            www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/5g-mobil-
„„ Bundesministerium für Verkehr und digitale               funk-zukunft.html
   Infrastruktur (BMVI)                                  „„ Nationales Innovationsprogramm Wasserstoff- und
   www.bmvi.de                                              Brennstoffzellentechnologie (NIP)
„„ Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)      www.now-gmbh.de/de/bundesfoerderung-wasserstoff-
   www.bsh.de/DE/THEMEN/Forschung_und_Entwick-              und-brennstoffzelle
   lung/forschung_und_entwicklung_node.html              „„ Förderprogramm Elektromobilität vor Ort
„„ Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)                    www.now-gmbh.de/de/bundesfoerderung-elektromo-
   www.bafg.de/DE/01_Leistungen/02_F_E/forschung_           bilitaet-vor-ort
   entwicklung_node.html                                 „„ Förderprogramme im Bereich Radverkehr
„„ Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)                    www.bag.bund.de/DE/Navigation/Foerderprogramme/
   www.bast.de/BASt_2017/DE/BASt/Forschung/For-             foerder_node.html;jsessionid=9259E0202C440838277F8
   schung_node.html                                         2CF5BF5234C.live11291
„„ Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)                     „„ Forschungsinitiative mFUND (Modernitätsfonds)
   www.baw.de/DE/die_baw/forschung_entwicklung              www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/mFund/Ueber-
„„ Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung          blick/ueberblick.html
   beim Eisenbahnbundesamt (DZSF/EBA)                    „„ Forschungsprogramm Stadtverkehr (FoPS)
   www.dzsf.bund.de                                         www.fops.de
„„ Deutscher Wetterdienst (DWD)
   www.dwd.de/DE/forschung/forschung_node.html           Darüber hinaus ist das BMVI das für die Schienenverkehrs-
„„ BMVI-Expertennetzwerk                                 forschung zuständige Fachressort. Das Bundesforschungs-
   www.bmvi-expertennetzwerk.de                          programm Schiene konkretisiert die prioritären Themen
„„ Mikrodaten von Mobilitätserhebungen und Verkehrs-     und Maßnahmen der Forschung im Bereich Schiene, die in
   prognosen                                             den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen und gibt
   www.clearingstelle-verkehr.de                         zudem einen Überblick über die derzeitigen Forschungs-
                                                         programme der Bundesressorts mit Bahnbezug.
Die aktuellen Förderprogramme mit Forschungsbezug
werden meist unter einer eigens hierfür eingerichteten   Bundesforschungsprogramm Schiene
Domäne bekannt gegeben. Hierzu gehören:                  www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/E/bundes-
                                                         forschungsprogramm-schiene.pdf?__blob=publicationFile
„„ Förderprogramm Innovative Hafentechnologien
   www.innovativehafentechnologien.de
„„ Forschungsprogramm Automatisierung und Vernet-
   zung im Straßenverkehr
   www.bmvi.de/DE/Themen/Digitales/AVF-Forschungs-
   programm/Projekte/avf-projekte.html

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Impressum

Herausgeber
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Forschungsbeauftragte
Referat G 12
„Grundsatzangelegenheiten der Forschung und Entwicklung,
Forschungsförderung, Forschungsprogramme,
Wissenschaftlicher Beirat“
Robert-Schuman-Platz 1
53175 Bonn
Internet: www.bmvi.de
E-Mail: poststelle@bmvi.bund.de
Stand
Januar 2020
Gestaltung | Druck
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Referat Z 32, Druckvorstufe | Hausdruckerei
Bildnachweis
© j-mel – stock.adobe.com (Grundbild)
© sharpnose – stock.adobe.com (Zusatzpiktogramme)

Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung.
Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt.
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