Streuobstwiesen - mehr als nur Obst - Kalender 2019 - BUND Schleswig ...
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Netzwerk Streuobstwiesen Schleswig-Holstein
Das im Jahr 2016 gegründete Netzwerk befasst Der BUND fordert
sich mit den Streuobstwiesen im Land zwischen G Erhaltung & ökologische Aufwertung von bestehenden Streuobstwiesen
den Meeren. G Nachhaltige & fachgerechte Ausgestaltung von neuen Streuobstanlagen
Ziele und Inhalte des Projektes G Gewährleistung der Obstbaumpflege, z. B. durch regelmäßige Schnittmaßnahmen
Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern G Kultivierung von alten Obstsorten als Erweiterung des dürftigen Supermarktangebotes
und BUND-Aktiven vor Ort setzen wir uns für die G Bewahrung & Verbreitung des vorhandenen Fachwissens rund um Streuobst
Erhaltung der Streuobstwiesen in Schleswig-Hol-
Die Fotos in diesem Kalender sind im Rahmen des Fotowettbewerbs „Streuobstwiesen – mehr als nur Obst“
stein ein. Neun BUND-Gruppen kümmern sich um
entstanden. Die besten Bilder aus rund 140 Einsendungen präsentieren wir Ihnen auf den nächsten Seiten.
circa 750 Obstbäume auf eigenen oder gepachte-
Ausgewählt wurden diese von unserer Fachjury in den Kategorien Landschaft, Tiere & Pflanzen, Menschen
ten Flächen.
und Ernährung. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen – leider reicht der Platz in diesem Kalender
Wir erfassen erstmals den Bestand in Schles-
nicht aus, um alle eingesandten Bilder zu veröffentlichen.
wig-Holstein und lenken die Aufmerksamkeit der
Bevölkerung und der Kommunen mit Infomateri-
alien und Veranstaltungen wie Seminaren, Vorträ- Unsere Partner: Freundliche Bereitstellung der Preise durch:
gen oder Exkursionen auf diese artenreichen und
bedrohten Biotope. Gleichzeitig bieten wir Fortbil-
dungen wie Schnitt- oder Sensenkurse für Ehren-
Pomarium Anglicum Pomarium Anglicum
amtliche und interessierte Bürger*innen an.
www.netzwerk-streuobstwiesen.sh
* Interaktive Karte mit öffentlichen Standorten
Alte Obstwiese Neumünster e.V.
* Norddeutscher Veranstaltungskalender Wir werden
* Kostenlose Tauschbörse rund um Streuobst gefördert durch:
* Themen, Materialien & Hintergründe2019
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Streuobstwiese im Winter
PLATZ 3 – Verena HollandEin besonderer Lebensraum
Was ist eine Streuobstwiese? gen Bäume (Kronenansatz: 80 – 100 cm) dicht an
Eine Streuobstwiese ist eine lockere Anordnung dicht. Die buschartigen Plantagenbäume lassen
von hochstämmigen Obstbäumen (Kronenansatz: sich so leichter beernten als hochstämmige Obst-
mindestens 180 cm) verschiedenen Alters und bäume. Sie sind jedoch derart mit großen Früchten
unterschiedlicher Sorten. Die Bäume stehen hier, überladen, dass sich kaum Geäst oder Blattwerk
anders als auf einer Plantage, so weit auseinan- ausmachen lässt. Der Boden wird regelmäßig mit
der, dass jeder Baum ausreichend Platz hat, um künstlichem Dünger aufbereitet, um den Ertrag
zu seiner vollen Größe auszuwachsen. Durch das weiter zu optimieren. Durch das schlechte Verhält-
unterschiedliche Alter der Obstbäume, die extensi- Streuobstwiese mit alten, ausladenden Obstbäumen
nis zwischen Holz, Blatt und Frucht lassen sich viele
ve Nutzung der Wiese und den Verzicht auf synthe- Substanzen auch direkt im Obst wiederfinden. Bei
tische Substanzen entsteht ein sehr struktur- und freundliche Mahd mit Sense oder Balkenmäher (je großen, gesunden Bäumen auf Streuobstwiesen
artenreicher Lebensraum. Streuobstbestände sind nach Standort 1 – 3 Mal pro Jahr) wird sicherge- hingegen, bilden das Holz und die Blätter eine Art
vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften. stellt, dass die Wiesen nicht verbuschen und da- Puffer. Außerdem wird dort auf chemisch-syntheti-
Ihr Erhalt kann daher nur gesichert werden, wenn mit langfristig erhalten werden können. Ihr Arten- sche Pestizide und künstlichen Dünger verzichtet.
sie regelmäßig gepflegt und bewirtschaftet wer- reichtum sichert auch nach der Obstbaumblüte die
den. Dabei steht heutzutage oft weniger der Ertrag Nahrungsversorgung bestäubender Insekten.
als eher der Naturschutzaspekt im Vordergrund.
Unterschiede zu intensiv genutzten Plantagen
Erhaltung von Streuobstwiesen durch Pflege Auf modernen Obstplantagen findet man im Ge-
Nur durch fachkundige Pflege können Streuobst- gensatz zu Streuobstwiesen nur wenige ausge-
bestände ein hohes Alter erreichen und ihr volles wählte Sorten. Diese sind zwar sehr ertragreich,
Potential entfalten. Dazu zählt nicht nur die Pflege dafür aber auch weniger robust als alte Sorten und
der Bäume, sondern auch die des dazugehörigen müssen deshalb bis zu 18 Mal pro Jahr gespritzt
Grünlandes. Durch Beweidung oder eine insekten- werden. Darüber hinaus stehen die niederstämmi- Intensive Apfelplantage2019
Februar
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Opfergaben
PLATZ 3 – Sabine Thieme-BytomGeschichte des Streuobstes
Die Anfänge Die Hochzeit und der Rückgang
Wilde, primitive Obstarten gibt es wahrscheinlich Ab 1830 stieg die Nachfrage nach Obst in den
bereits seit 65 bis 70 Millionen Jahren. Der Weg größeren Städten enorm, welche durch neue Stra-
von diesen bis zu den heutigen Streuobstarten war ßen und Eisenbahnlinien nun auch über größere
allerdings lang. Zunächst wurde vermutlich das Distanzen hinweg gedeckt werden konnte. Ihren
Wildobst mit den günstigsten Eigenschaften ge- Höhepunkt erreichte die Streuobstkultur etwa in
sammelt, in kleinen Gärten angebaut und weiter den 1920/30er Jahren. Zu dieser Zeit hatte par-
selektiert. Der kultivierte Anbau begann im 6. Jahr- allel bereits schon die effizientere Obstplantagen-
hundert vor Christus im Perserreich und mit den wirtschaft begonnen. Der große Rückgang von
Griechen; vor allem aber die Römer entwickelten Streuobstwiesen erfolgte ab den 1960er Jahren,
in der Folge den Obstbau weiter. Sie beherrsch- als diese als „wirtschaftlich unrentabel“ eingestuft
ten bereits die Kunst des Veredelns von Obst. Eine wurden. Die Rodung wurde sogar mit Landesmit-
richtige Gartenkultur existierte allerdings noch nicht teln gefördert, um Platz für Obstplantagen oder
und Früchte galten als exklusive Lebensmittel. Bauland zu schaffen.
Neue Lagertechniken sowie der Transport via Luft
Die Weiterentwicklung und Wasser ermöglichen bis heute ein ganzjähri-
Im Mittelalter übernahmen dann vor allem Klöster die ges Angebot an Obst, selbst wenn dies bedeutet,
Anlage und weitere Züchtung von Obstsorten, wo- dass beispielsweise Äpfel eine halbe Weltreise von
durch in ihrer Nähe die ersten größeren Obstwiesen Neuseeland bis nach Deutschland zurücklegen.
entstanden. Die eigentliche Entstehungszeit des Versorgung der Bevölkerung eine größere Rol- Der traditionelle und klimaschonende Streuobstan-
Streuobstanbaus lag im 17. und vor allem im 18. le. Durch verbesserte Wohlstandsbedingungen, bau ist somit leider zur Seltenheit geworden be-
Jahrhundert, als die absolutistischen Staaten den Liberalisierung und Stabilisierung entwickel- ziehungsweise wird vor allem nur noch aus kultur-
Obstanbau förderten und teilweise sogar erzwangen. te sich eine Tendenz zur Subsistenzwirtschaft. historischen Gründen oder zu Naturschutzzwecken
Ab diesem Zeitpunkt spielte der Obstanbau für die Was übrig blieb, wurde regional gehandelt. betrieben.2019
März
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Schaf auf Streuobstwiese
PLATZ 2 – Verena HollandSummende Streuobstwiese – die Wildbienen
Bedeutung und Gefährdung Notwendige Ressourcen für Wildbienen Streuobstwiesen als Zuhause
Die bekannteste aller Bienen, die Honigbiene, ist Streuobstwiesen mit altem Baumbestand, Hecken Streuobstwiesen sind halbnatürliche Lebensräu-
nur eine Bienenart unter vielen. In Deutschland gibt und Totholz stellen einen wichtigen verbleibenden me, da diese ähnlich wie viele Heidelandschaften
es circa 560 weitere frei in der Natur lebende Ar- Lebensraum von Wildbienen dar. Sie finden hier erst durch den Menschen entstanden sind. Viele
ten – die Wildbienen. Allein bei uns im nördlichsten alle drei zum Überleben notwendigen Ressourcen: Wildbienenarten finden hier bei entsprechender
Bundesland kommen knapp 300 Wildbienenarten GG den Nistplatz, also den Ort, an dem die Ausgestaltung gute Lebensbedingungen: Freie,
vor. Zu ihnen gehören neben Hummeln, Sand- Wildbienen ihr Nest bauen können; sonnige Bodenflächen und Totholz dienen als Nist-
und Mauerbienen auch zahlreiche unauffälligere GG die Nistrequisiten, also geeignete Materia plätze, um Brutröhren anzulegen. Und die Obst-
Arten. Zusammen mit den Honigbienen und wei- lien für den Bau des Nestes; bäume und krautigen Wildpflanzen im Unterwuchs
teren blütenbesuchenden Insekten, wie Schmet- bieten ein hervorragendes Nahrungsangebot für
GG die Nahrung, also Pollen und Nektar von
terlingen, sind die Wildbienen unentbehrlich für Bienen und andere blütenbestäubende Insekten.
Blütenpflanzen für ihre eigene Ernährung
die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie Gerade bei neu angelegten Streuobstwiesen mit
und die ihrer Nachkommen.
erhalten dadurch die Pflanzenvielfalt und sichern jungem Baumbestand können künstliche Nisthil-
die landwirtschaftlichen Erträge – und damit unser fen als zusätzliche Nistplätze für oberirdisch nis-
aller Ernährung. Allerdings gilt über die Hälfte der tende Arten angeboten werden. Am besten ist es
Wildbienenarten in Schleswig-Holstein als gefähr- jedoch, immer die natürlichen Nistplätze zu erhal-
det. Die Ursachen für die Bedrohung sind vielfäl- ten und zu fördern.
tig, gehen jedoch fast immer auf den Menschen Da Wildbienen, anders als die Honigbiene, nur ei-
zurück, der durch Flächenverbrauch sowie Stra- nen sehr eingeschränkten Flugradius von oft nur
ßen- und Siedlungsbau blüten- und strukturreiche wenigen hundert Metern besitzen, sind Streuobst-
Kleinstlebensräume zerstört oder beeinträchtigt. wiesen mit allen benötigten Ressourcen auf engem
Auch die Intensivierung der Landwirtschaft mit ih- Raum gut geeignete Wildbienenbiotope. Idealer-
ren Monokulturen und dem hohen Pestizideinsatz weise sind Streuobstwiesen als sogenannte Tritt
trägt maßgeblich zum Artenschwund bei. Auch die sozialen Hummeln zählen zu den Wildbienen steine im Biotopverbund der Region eingebunden.2019
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Apfelblütenhonig
PLATZ 2 – Clemens BrandFrühlingserwachen auf der Streuobstwiese Die Streuobstwiese ist nicht nur im Sommer und Auch der Igel erwacht aus seinem Winterschlaf. Er Wenn die Temperaturen steigen, schießen auch die Frühherbst ein gut besuchter und belebter Ort. überwintert ab November gerne in Laub- und Rei- ersten Pflanzen aus dem Boden. Als Frühblüher Wenn sich der Frühling nach dem endenden Win- sighaufen und verliert im Winter bis zu 40 Prozent lassen sich auf Streuobstwiesen beispielsweise ter einstellt, erwachen die ersten Lebewesen aus seines Körpergewichts. Normalerweise sind Igel vor Märzbecher oder Scharfer Hahnenfuß finden. Die ihrer Winterruhe oder -starre. allem nachtaktiv; im Herbst vor Beginn des Winter- Wiese unter den Bäumen färbt sich saftig grün und So zum Beispiel der Laubfrosch. Dieser senkt sei- schlafs müssen sich aber insbesondere die Jungtie- wird in den folgenden Wochen ihren Farbton noch ne Körperaktivität während seiner bis zu sechsmo- re noch einige Fettreserven anfressen, weshalb sie mehrmals ändern. Mit dem Erblühen der ersten natigen Winterstarre auf ein Minimum und schützt dann auch tagsüber beobachtet werden können. Je Krokusse zieht es meistens auch die ersten Bienen sich durch Zuckereinlagerungen vor dem Erfrieren. nach Wetterlage nutzen Igel ihr Winterquartier bis in zurück ins Freie. Frühblüher stellen die erste Nah- In Schleswig-Holstein kommt er nur sehr selten vor den April und Mai. Auch Igel sind aus verschiedenen rungsgrundlage für viele Insekten im Frühling dar. und gilt hier als gefährdete Art. Gründe hierfür sind Gründen gefährdet, ihre Beobachtungen gingen in Darüber hinaus beginnen natürlich die Obstbäume unter anderem die Zerschneidung der Landschaft den letzten Jahren deutlich zurück. Insbesondere selbst zu blühen und verwandeln die Streuobstwie- und Entwässerungsmaßnahmen. Straßen können für Igel zur Todesfalle werden. sen so in ein Meer aus weißen und rosa Blüten.
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Blütenrausch
PLATZ 1 – Wilhelm Flade-KrabbeWohnzimmer Streuobstwiese
Streuobstwiesen sind mehr als nur Obst – sie sind Robuster Greis
Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten und Jedem bekannt ist der ungefährdete Zitronenfal-
zählen zu den artenreichsten Biotopen in Mittel- ter. Dieser ist bereits ab März zu beobachten und
europa. Diese Lebensräume mit ihrer einzigarti- zählt somit zu den allerersten Frühlingsboten unter
gen Kombination aus Offenland und großkronigen den heimischen Schmetterlingen. Als eine von we-
Obstbäumen werden je nach Zustand, Größe und nigen Schmetterlingsarten in Europa überwintert
Standort von bis zu 5.000 Organismen, darunter er ohne jeglichen Schutz frei an Zweigen oder im
seltenen und gefährdeten Arten, besiedelt. trockenen Laub am Boden und kann dabei Tempe-
raturen von -20 °C überstehen. Mit einer Lebens-
Schnabel als Werkzeug dauer von 12 Monaten besitzt der Zitronenfalter
Viele Spechte sind solche seltenen Arten, darunter außerdem die höchste Lebenserwartung aller mit-
auch der Wendehals. Der Grünspecht als Vertre- teleuropäischen Schmetterlinge.
ter der Echten Spechte ist häufig auf trockenen
Streuobstwiesen zu beochbachten. Er meißelt Jäger der Lüfte
seine Höhle zur Aufzucht der Jungen im Früh- Auch Fledermäuse wie der Große Abendsegler
jahr in alte Laubbäume. Seine Nahrung sucht der sind auf Streuobstwiesen heimisch. Etwa 8 der
Grünspecht vor allem am Boden und hackt somit 15 in Schleswig-Holstein vorkommenden Arten
deutlich weniger an Bäumen als andere Spechte. können auf Streuobstwiesen angetroffen werden.
Er hat sich auf Ameisen spezialisiert, die er mit sei- Die Höhlen in den Stämmen alter Obstbäume sind
ner 10 Zentimeter langen Zunge aus ihren Gängen wertvolle Brut- und Ruheplätze sowie Vorratsver-
im Boden angelt. Durch zunehmende Überdün- stecke. Durch Ultraschall können sich die Insek-
gung des Grünlandes verschwinden extensive Le- tenräuber auch nachts orientieren. Sie sind der na-
bensräume wie Magerwiesen – und damit werden türliche Feind vieler Schadinsekten und tragen so
auch die Wiesenameisen immer seltener. Der farbenfrohe Grünspecht bevorzugt trockene Obstwiesen zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes bei.2019
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Wendehals im Zwetschgenbaum
PLATZ 1 – Björn SchottaObst bildet: Streuobstwiesen als Lernorte
Erlebnis Streuobstwiese Kinder als Naturschützer von morgen Lernen und Genießen – ein Leben lang
Von Streuobstwiesen können Groß und Klein ler- Kinder können auf Spurensuche gehen und erfor- Auch Erwachsene können auf Streuobstwiesen et-
nen. Von ihrer Vielfältigkeit profitiert nicht nur die schen, welche Lebewesen so eine Streuobstwiese was erleben. In Workshops und Seminaren können
Umwelt und eigene Erholung, sondern sie eignet eigentlich bevölkern: Wo lebt der Grashüpfer? Was sie die Anlage und Erhaltung von Streuobstwiesen
sich auch bestens dafür, mit Menschen jeden Al- frisst eine Schnirkelschnecke? Welcher Schmetter- erlernen. Schnittkurse vermitteln den richtigen Um-
ters geteilt und erlebt zu werden. Mit Schulklassen ling ist das? Woher hat der Kleiber seinen Namen? gang mit Werkzeug und die fachgerechte Pflege
und Gruppen von Interessierten können Aktionen Auf Streuobstwiesen erleben Kinder hautnah, wie der Obstbäume. Das so erworbene Wissen soll und
verschiedenster Art durchgeführt werden. Dabei vom Frühling bis zum Herbst aus bestäubten Apfel- kann gerne weitergegeben werden, um das Ver-
wird vermittelt, wie wichtig intakte Ökosysteme für blüten reife Äpfel am Baum entstehen. Das Apfel- ständnis für Streuobstwiesen zu erhöhen und de-
den Menschen sind und wie viel von dieser Natur saftpressen zur Erntezeit ist dann der Höhepunkt, ren Erhalt zu sichern. Bei Exkursionen kommt man
und Vielfalt uns täglich umgibt. Besonders wichtig bei dem die jungen Menschen selbst Hand anlegen den Bewohnern der Streuobstwiese ganz nah. Und
ist natürlich auch aufzuzeigen, wie diese artenrei- können. lecker kann das Ganze auch noch sein, wenn das
chen Lebensräume erhalten werden können. Ebenso als spannendes Thema eignen sich die vier Obst zu Saft oder Marmelade weiterverarbeitet wird.
Jahreszeiten. Hier kann zum Beispiel beantwortet
werden, wann welche Obstbäume blühen und die
entsprechenden Früchte am Baum hängen. Und
da die Streuobstwiese je nach Jahreszeit sehr un-
terschiedlich aussieht, lohnen sich auch mehrere
Besuche. Die Streuobstwiese kann dabei mit allen
Sinnen erlebt und vor allem zur passenden Jah-
reszeit auch probiert werden. So haben die Kinder
Birte Lindner/BUND SH
Spaß am Lernen und behalten das Erlernte länger.
Eine spannende Abwechslung zum Klassen- oder
Kinderzimmer ist es allemal.2019
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Kinder auf der Streuobstwiese
PLATZ 3 – Ulrich PraedelVielfältige Streuobstwiese
ô Schon gewusst?
Pflanzenvielfalt Als alte Obstsorten werden Sorten bezeichnet, die
Nicht nur eine Vielzahl von Tieren fühlt sich auf schon vor über 100 Jahren bekannt waren.
der Streuobstwiese wohl, sondern auch etliche
Pflanzenarten gedeihen hier prächtig. Durch die Namensvielfalt
fehlende Düngung und die seltene Mahd sind die Mit einer solchen großen Anzahl verschiedener
Wiesen meist nährstoffarm und daher besonders Obstsorten entstanden auch äußerst kreative Na-
artenreich. Je nach Bodentyp bilden sich unter- men. Man braucht daher nur kurz in einem Atlas
schiedliche Pflanzengesellschaften. Insbesondere alter Obstsorten zu blättern, um Kreationen wie den
Jochen Bock
typische Arten extensiv genutzter Wiesen und Wei- Allerweltsapfel, die Rote Schafsnase, die Schwei-
den oder Halbtrockenrasen lassen sich hier finden. zer Hose, die Bernsteinkirsche, den Hasenkopf, die
Beispiele hierfür sind die Skabiosen-Flockenblu- Sortenvielfalt Pastorenbirne oder den Französischen Katzenkopf
me, die Schafgarbe, die Wiesen-Glockenblume Auch unter den Streuobstbäumen selbst ist die zu finden. Häufig gibt es auch Synonyme für ein
oder der Wiesen-Salbei. Vielfalt enorm. Allein etwa 2.000 verschiede- und dieselbe Sorte oder eigene Regionalnamen.
ne Apfelsorten sind in Deutschland bekannt. Im
Erwerbsobstbau werden heute nur noch etwa 20
Sorten angebaut und im Supermarkt landet oft nur
noch eine Handvoll Sorten, wie Jonagold oder Pink
Lady. Dabei sind die alten Sorten oftmals wesent-
lich robuster und teilweise sogar allergikerfreund-
lich. Zudem bieten sie vielfältige Geschmacks-
nuancen und eine Fülle an Verarbeitungsformen.
Birte Lindner/BUND SH
Auf regionalen Märkten kann man alte Sorten kau-
fen oder diese direkt von der Streubstwiese in der
Nachbarschaft beziehen.2019
August
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Hornissennest im Birnbaum
PLATZ 1 – Kristina MenzelDie Ernte
Die Obsternte ist für viele sicher die Krönung des Außerdem liegen bei manchen Sorten die Pflück- Saft und Most – flüssiges Gold
Jahres auf der Streuobstwiese. Genüsslich in den und Genussreife weit auseinander. Äpfel lassen Saft wird direkt aus dem geernteten Obst herge-
ersten reifen Apfel oder die erste reife Birne zu bei- sich in Sommer-, Herbst- und Winteräpfel unter- stellt – aus 1,5 Kilogramm Äpfeln entsteht 1 Li
ßen, gehört zu den schönsten und belohnendsten teilen. Sommersorten sind bereits im Juli oder Au- ter Apfelsaft. Bei der schonenden Verarbeitung
Momenten auf der Wiese. Das Obst kann man gust pflückreif und in der Regel kaum lagerfähig. zu naturtrübem Fruchtsaft bleiben die meisten
nicht nur pur genießen, sondern zu vielen leckeren Herbstäpfel werden typischerweise im September der gesunden Inhaltsstoffe des Obstes erhalten.
Produkten weiterverarbeiten: Saft, Kuchen, Most, oder Oktober pflückreif und sind oft sofort oder Von allen Saftarten ist dabei der naturtrübe Saft
Obstbrand, Dörrobst sind hier nur ein paar Beispiele. nach kurzer Lagerzeit genussreif. Winteräpfel rei- aus Früchten der Streuobstwiesen am gesündes-
fen meist bis Oktober oder November am Baum ten und unterscheidet sich deutlich im Aroma von
Erntezeitpunkt und Reife
und sind für gewöhnlich erst nach einer Lagerzeit Massenprodukten.
Der richtige Erntezeitpunkt ist von hoher Bedeu-
von mindestens zwei Monaten genussreif. Bei Bir- Most hingegen entsteht durch Vergären des na-
tung. Dieser entscheidet über die Qualität und
nen verhält es sich ähnlich. Kirschen reifen nicht turreinen Saftes und enthält somit Alkohol. Der
Haltbarkeit der Früchte. Wird zu früh geerntet,
nach und sollten daher sofort verzehrt werden. Zucker wird dabei vollständig vergoren. Most ist
entfalten die Früchte ihr Aroma nicht vollständig,
während eine zu späte Ernte die Lagerfähigkeit Unterschiede von Tafel- und Mostobst deutlich länger haltbar als Saft.
verringert und den Anteil mehliger Früchte erhöht. Ebenfalls unterscheidet sich die Ernte von Tafel-
und Mostobst. Bei Tafelobst sind mehrere Ernte-
durchgänge notwendig, bei denen das Obst mög-
lichst schonend mithilfe von Pflückkörben geerntet
und in Obstkisten gelegt werden sollte.
Mostobst hingegen sollte erst geerntet werden,
wenn die meisten der Früchte bereits am Boden
liegen. Hier können die Bäume vom Boden aus
geschüttelt werden und das Obst dann vom Boden
BUND SH
aufgelesen werden.2019
September
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Obstkisten bei der Ernte
PLATZ 3 – Susanne ReinleSchleswig-Holsteiner Apfelsorten im Porträt
Der „Angelner Herrenapfel“ Die „Gelbe Schleswiger Renette“
Einer der schönsten Sommeräpfel ist sicherlich Eine echte Renette, also eine „kleine Königin“,
dieser Herrenapfel, seine genaue Herkunft ist unter den Äpfeln ist diese Sorte. Sie wurde um
allerdings unbekannt. „Herrenäpfel“ gibt es zwar 1900 in Lottorf bekannt. Der Besitzer eines klei-
auch in anderen Ländern und Regionen, allerdings nen Bauerngartens verkaufte die kleinen, gelben
haben sie nichts mit diesem gemein. Er schmeckt Äpfel regelmäßig auf dem Markt in Schleswig.
erfrischend aromatisch, ist großfruchtig, leuchtend Dort erlangten diese große Beliebtheit, wurden da-
rot und gleichmäßig geformt. Der älteste aller bis- her zunehmend vermehrt und waren vor allem in
her gefundenen Bäume dieses Apfels steht in Sö- den Nachkriegsjahren sehr begehrt. Wegen ihrer
rup (Kreis Schleswig-Flensburg) und vielleicht ist Qualität und Anspruchslosigkeit ist die Sorte auch
dieser auch der Ursprungsbaum. heute noch in der Region vertreten.
Der „Holsteiner Cox“
Dieser Apfel wurde nach seiner Entdeckung zu
der beliebtesten Apfelsorte Schleswig-Holsteins.
Seinen Namen verdankt er einem anderen Apfel,
der bereits früher in England entstanden ist und zu
dem er große Ähnlichkeiten aufweist. Dieser war
allerdings äußerst empfindlich und wuchs nur auf
bestimmten Standorten. Der Holsteiner Cox hinge-
gen hat geringere Ansprüche und wird auch heute
noch auf Grund seines Geschmacks geschätzt wie
kaum ein anderer Apfel in Schleswig-Holstein.2019
Oktober
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Der Winter kann kommen
PLATZ 2 – Kirsten GieseStreuobstwiesenpraxis – Anlage, Pflege und Erhaltung
Erhaltung durch Pflege Die Sortenwahl Das Pflanzloch muss vorbereitet und ein Stützpfahl
Zur Anlage einer Streuobstwiese gehört eine Die Wahl der Obstsorten hängt vor allem von aufgestellt werden. Bei einer geplanten Bewei-
gründliche Vorbereitung. Für die langfristige Erhal- klimatischen Bedingungen und dem Bodentyp dung durch Vieh ist es notwendig, einen Verbiss-
tung ist eine regelmäßige, fachkundige Pflege un- ab. Vorhandene Standortfaktoren wie Wind und schutz anzubringen.
erlässlich, denn nur so können Streuobstbestände Feuchtigkeit können die Auswahl häufig bereits
Das Werkzeug
ein hohes Alter erreichen und ihr volles Potential einschränken. Es sollte vorher feststehen, wie die
entfalten. Vor allem ein fachgerechter Baumschnitt anfallenden Früchte verwertet werden. Daraus er-
ist hier entscheidend. In den ersten Jahren nach gibt sich die Obstnutzung (Tafel- oder Mostobst)
der Pflanzung sind regelmäßige Schnittmaßnah- und Lagerfähigkeit. Robuste, alte Obstsorten aus
men enorm wichtig, damit sich eine stabile, gut der Region sind grundsätzlich zu bevorzugen.
belüftete und beerntbare Krone entwickeln kann.
Der Pflanztermin
Später sind dann nur noch Schnitte zur Überwa-
Der optimale Termin zur Pflanzung von Obstbäumen
chung notwendig.
liegt im Spätherbst. Besonders empfehlenswert
Birte Lindner/BUND SH
sind die Monate November und Dezember, bevor
der Boden gefroren ist. So können sich die Wurzeln
noch rechtzeitig etablieren. Alternativ kann man die
Jungbäume auch im Frühjahr auspflanzen. Dabei
Um Obstbäume gesund und vital zu erhalten,
darf man das Gießen natürlich nicht vergessen!
braucht es im Grunde genommen nur eine verstell-
Das Pflanzen bare Bügelsäge, eine scharfe Baumschere und
Birte Lindner/BUND SH
Auch beim Pflanzen der Bäume gibt es einiges zu ein scharfes Messer mit geschwungenem Holz-
bedenken. Bei hochstämmigen Obstbäumen wird griff sowie eine standhafte Leiter. Zur Pflege des
oft der Flächenbedarf unterschätzt. Der Pflanzab- Grünlandes eignen sich je nach Flächengröße eine
stand beträgt je nach Obstart etwa 10 – 12 Meter. Sense oder ein Balkenmäher.2019
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Bäume im Nebel
PLATZ 2 – Verena HollandWeihnachtliche Rezepte mit Produkten von der Streuobstwiese Apfelstrudel Apfelpunsch mit Zimtsahne 100 g Semmelbrösel, 50 g Butter, 140 g Zucker, 1 großer Apfel, 2 l klarer Apfelsaft, 10 Gewürznel- 10 g Zimt, 170 g Rosinen, 10 g Zitronensaft, ken, 3 Zimtstangen, 1 gehäufter TL Zimt, 3 EL 500 g Äpfel, 1 Paket Blätterteig Zucker, 400 g Schlagsahne Die Äpfel schälen, vierteln und in kleine Würfel Den Apfel waschen, vierteln, entkernen und das schneiden. Die Butter in der Pfanne erhitzen, die Fruchtfleisch sehr fein würfeln. Apfelsaft, Apfel- Semmelbrösel beimengen und goldbraun rösten. würfel, Nelken und Zimtstangen in einem großen Zimt und Zucker in einer Schale vermischen. Den Topf e rhitzen. Warm halten. Blätterteig auf Backpapier ausbreiten. Den Teig Zimt und Zucker mischen, 1 TL zum Bestreuen mit der Füllung bestreuen und vorsichtig einrollen. beiseite stellen. Sahne steif schlagen und dabei Dann den Backofen auf 190 Grad vorheizen und den restlichen Zimtzucker einrieseln lassen. den Strudel circa 15 Minuten goldbraun backen. Punsch heiß auf die Gläser verteilen. Sahne darauf Nach dem Backen den Teig sofort mit heißer But- verteilen und mit übrigem Zimtzucker bestreuen. ter bestreichen. Den fertigen Strudel 30 Minuten vor dem An- schneiden ruhen lassen und mit Puderzucker be- stäuben. GUTEN APPETIT!
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Das gewisse Etwas
PLATZ 2 – Wilhelm Flade-KrabbeImpressum
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Ann Kristin Montano } Sortentexte S. 20 in Anlehnung
Familie (ab 72 EUR/Jahr)
an: Meinolf Hammerschmidt, „Das Apfelbuch Schles-
ermäßigt (ab 24 EUR/Jahr)
wig-Holstein – Sorten, Geschichten und Rezepte“.
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108 Seiten, 2. Auflage, Wachholtz Verlag
Bund für Umwelt
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Apfelzeichnungen S. 20: Tabea Owin } Bilder im Text Straße/Hausnummer PLZ/Ort
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Oktober 2018 } Auflage 1.500 Stück } Klimaneutral Unterschrift/Datum
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