Strom auS erneuerbaren energien - Zukunftsinvestition mit Perspektiven - eeg-erfahrungsbericht 2007 und eeg 2009 im Überblick
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Strom auS erneuerbaren energien Zukunftsinvestition mit Perspektiven eeg-erfahrungsbericht 2007 und eeg 2009 im Überblick
imPreSSum
imPreSSum
Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Referat Öffentlichkeitsarbeit · 11055 Berlin
E-Mail: service@bmu.bund.de · Internet: www.bmu.de
Redaktion: Dr. Wolfhart Dürrschmidt, Uwe Büsgen, BMU, Referat KI III 1
(Allgemeine und grundsätzliche Angelegenheiten der Erneuerbaren Energien)
Fachliche Bearbeitung: Dr. Frank Musiol, Dipl.-Wirt.-Ing. Maike Schmidt
Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), Stuttgart
Textbearbeitung: Bernd Pieper
Gestaltung: design idee, büro für gestaltung, Erfurt
Druck: Silber Druck oHG; Niestetal
Abbildungen: Titelseite: Karl Hoffmann/VISUM/buchcover.com
S. 4: Reinhard Eisele/project photos
S. 7: S. Ernst/Bildermehr
S. 11: Daniel Schoenen/ALIMDI.NET
S. 12: Rainer Weisflog
S. 13: Miller/mediacolors
S. 15 (oben): Christian Ammering/vario images
S. 15 (unten): Th. Semmler/www.semmler24.de
S. 16: Werner OTTO
S. 19: Agentur für erneuerbare Energien
S. 22: Klaphake/teamwork
S. 23: bluemagenta
S. 25: NielsDK/ALIMDI.NET
S. 26: plainpicture/clupp images
S. 28: Rainer Weisflog
S. 29: Thomas Raupach/argus
S. 30: artvertise
S. 31: A1PIX/RAK
S. 32: Rainer Weisflog
S. 33: Bildagentur Begsteiger
S. 35: Ulrich Baumgarten/vario images
Stand: Juni 2009; Redaktionsschluss: Juni 2009
1. Auflage: 20.000 Stück
2 Strom aus erneuerbaren Energieninhalt
1. erneuerbare energien in DeutSchlanD: eine erfolgSStory 4
2. Vom StromeinSPeiSungSgeSetZ Zum eeg 2009 5
3. Die entwicklung Der StromerZeugung auS erneuerbaren energien 6
4. Die ökologiSchen unD ökonomiSchen wirkungen Der erneuerbaren energien 10
5. erfahrungSbericht im Zentrum: Die entStehungSgeSchichte DeS eeg 2009 12
6. wirtSchaftliche rahmenbeDingungen nach Dem eeg 2009 14
7. waSSerkraft: Die beStänDige 16
8. biomaSSe: Die VielSeitige 17
9. DePoniegaS, klärgaS, grubengaS: VerDiente auSlaufmoDelle 20
10. geothermie: groSSeS PotenZial im „tiefen“-Schlaf 21
11. winDenergie an lanD: bei Strom Die nr. 1 22
12. offShore-winDenergie: in Den Startlöchern 24
13. PhotoVoltaik: glänZenDe PerSPektiVen 26
14. weitere neuregelungen 28
15. ZukÜnftiger auSbau Der StromerZeugung auS erneuerbaren – PerSPektiVen 30
Strom aus erneuerbaren Energien 31. erneuerbare energien in DeutSchlanD:
eine erfolgSStory
zahlreiche Fördergesetze anderer Staaten orientieren
sich am deutschen EEG. Dabei hat sich das Prinzip
der Einspeisevergütung im internationalen Vergleich
anderen Förderinstrumenten gegenüber in Wirkung
und Effizienz als deutlich überlegen erwiesen.
Unverzichtbar ist auch der Beitrag der erneuerbaren
Energien zum Klimaschutz. Über 110 Millionen Ton-
nen CO2-Emissionen konnten im Jahr 2008 durch
ihren Einsatz in den Bereichen Strom, Wärme und
Verkehr vermieden werden. Etwa die Hälfte der Re-
duzierung ist allein auf die Wirkung des EEG zurück-
zuführen. Damit sind die Erneuerbaren nach wie vor
die wichtigste Säule des Klimaschutzes in Deutsch-
land. Eine vergleichbare Rolle könnte und sollte zu-
künftig die Steigerung der Energieeffizienz spielen.
Mit dem Aufschwung der erneuerbaren Energien
ist auch ein vitaler und leistungsfähiger neuer
Wirtschaftszweig entstanden. Dieser kann selbst in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigende Umsätze
verzeichnen, denn die Vorrangregelung, der Ver-
gütungsanspruch und klare, anspruchsvolle Ziele
nach dem EEG schaffen verlässliche Investitionsbe-
dingungen. Im Jahr 2008 wurden von der Branche
im Inland rund 29 Milliarden Euro umgesetzt, davon
waren allein 13 Milliarden Euro Investitionen in die
Errichtung neuer Anlagen. Knapp 280.000 Menschen
haben in dieser Branche inzwischen einen Arbeits-
Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutsch- platz und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum.
land ist eine weltweit beispiellose Erfolgsgeschichte. Der internationale Spitzenplatz der Erneuerbaren in
Innerhalb der vergangenen 20 Jahre konnte ihr An- Sachen Technologie spiegelt sich in ständig steigen-
teil am gesamten Endenergieverbrauch bundesweit den Exportquoten dieses Sektors wider.
mehr als vervierfacht werden. Dabei spielte der Zu-
wachs der Erneuerbaren im Strombereich, der durch
das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) und das Erneuer-
bare-Energien-Gesetz (EEG) seit dem Jahr 1991 bzw.
2000 erreicht werden konnte, die wichtigste Rolle. Auf einen Blick
Wurden Anfang der 90er Jahre noch jährlich rund Der Ausbau der erneuerbaren Energien in
18 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom aus Deutschland ist vor allem dank des Erneuerbare-
erneuerbaren Energien erzeugt, so waren es zur Energien-Gesetzes (EEG) eine weltweit beispiellose
Jahrtausendwende jährlich schon rund 30 Milliar- Erfolgsgeschichte. Aus diesem Grund orientieren
den kWh. Das EEG bewirkte eine derartige Dyna- sich viele andere Länder bei der Implementierung
misierung des Ausbaus, dass 2008 bereits über von Förderinstrumenten für erneuerbare Energien
90 Milliarden kWh oder 15 Prozent des gesamten am deutschen EEG. Mit über 110 Millionen Ton-
Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen nen vermiedener CO2-Emissionen 2008 – 56 Mil-
gedeckt werden konnten. lionen Tonnen allein aus dem EEG – sind die
erneuerbaren Energien die wichtigste Säule des
Angesichts knapper werdender Ressourcen und alar- Klimaschutzes in Deutschland und gleichzeitig
mierender Prognosen zum Klimawandel nimmt die ein leistungsfähiger Wirtschaftszweig auch in
Bedeutung der erneuerbaren Energien weltweit zu. ökonomisch schwierigen Zeiten.
Deutschland gilt dabei vielen Ländern als Vorbild,
4 Strom aus erneuerbaren Energien2. Vom StromeinSPeiSungSgeSetZ Zum eeg 2009
Mit dem StrEG wurde am 1. Januar 1991 der Grund- lasteter Netze die Einspeisung konventionell erzeug-
stein für den Ausbau der Nutzung erneuerbarer ten Stroms verringert werden. Weiterhin legte das
Energien zur Stromerzeugung in Deutschland gelegt. EEG 2000 nach Technologie und Anlagengröße
Das Gesetz verpflichtete erstmals die Netzbetreiber, differenzierte Vergütungssätze fest, die nicht länger
Strom aus Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Ener- an den durchschnittlichen Strompreis für Endver-
gien abzunehmen und zu vergüten. Die Vergütungs- braucher gekoppelt waren. Die gesetzliche Festschrei-
sätze richteten sich nach dem durchschnittlichen bung der absoluten Höhe der Vergütungssätze für in
Strompreis für Endverbraucher und betrugen da- der Regel 20 Jahre, in Verbindung mit einer fixen
von für Wasser, Biomasse, Deponie- und Klärgas prozentualen Absenkung der Anfangsvergütung je-
75 Prozent, für Wind und Photovoltaik 90 Prozent. weils zu Jahresbeginn, reduzierte aufgrund der lang-
Durch das StrEG kam vor allem der Ausbau der fristig kalkulierbar gewordenen Kapitalrückflüsse das
Windenergienutzung in Schwung. Die installierte Risiko für Investoren erheblich. Insgesamt verbesserte
Windleistung erhöhte sich bis 1999 von nur 56 auf das EEG die Rahmenbedingungen für alle erneuer-
über 4.400 Megawatt (MW). baren Energien deutlich und führte zum Boom beim
Ausbau von Windenergie- und Biomassenutzung
sowie – im Zusammenhang mit dem 100.000-Dächer-
Programm – auch bei der Photovoltaik.
Auf einen Blick
Der Grundstein für den Ausbau der Nutzung In den Folgejahren wurde das EEG mehrfach über-
erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung in arbeitet. Nach dem Auslaufen des 100.000-Dächer-
Deutschland wurde 1991 mit dem Stromeinspei- Programms wurde im Jahr 2003 mit dem so genann-
sungsgesetz gelegt. Abgelöst wurde dieses im Jahr ten Photovoltaik-Vorschaltgesetz das Prinzip der
2000 durch das EEG, welches die Förderbedingun- kostendeckenden Vergütung implementiert, was mit
gen für alle Sparten der erneuerbaren Energien einer deutlichen Erhöhung der Vergütungssätze für
deutlich verbesserte. Auch durch das dynamische Strom aus solarer Strahlungsenergie einherging.
Wachstum der erneuerbaren Energien haben sich Mit der Neufassung des EEG wurden zum 1. August
in den Folgejahren die ökonomischen Rahmen- 2004 die spartenspezifischen Vergütungssätze für
bedingungen stark verändert, so dass das EEG Strom aus erneuerbaren Energien und Grubengas
mehrfach überarbeitet wurde. Dabei wurde es den ökonomischen Rahmenbedingungen angepasst.
sowohl bezüglich seiner Wirksamkeit als auch sei- Die Einführung zusätzlicher Boni im Bereich der
ner Effizienz weiter optimiert, um die bestehende Biomasse löste eine dynamische Entwicklung dieser
Wachstumsdynamik zu erhalten. Mit der letzten Sparte aus.
Änderung wurden die Voraussetzungen dafür ge-
schaffen, dass das EEG 2009 maßgeblich dazu bei- Mit der jüngsten Neufassung des EEG zum 1. Januar
tragen kann, sein zentrales Ziel, die Deckung von 2009 wurden erneut die Vergütungsregelungen an-
mindestens 30 Prozent des Bruttostromverbrauchs gepasst. Dafür diente die Entwicklung der einzelnen
in Deutschland aus erneuerbaren Energien bis Sparten, insbesondere die der Gestehungskosten für
2020 – und anschließend den weiteren kontinuier- Strom aus erneuerbaren Energien, als Grundlage.
lichen Ausbau zu erreichen. Die Zielmarke des neuen EEG ist anspruchsvoll:
Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 30 Prozent
des Bruttostromverbrauchs in Deutschland aus er-
neuerbaren Energien bereitgestellt werden. Darüber
Am 1. April 2000 ersetzte das EEG das Stromeinspei- hinaus besteht die Verpflichtung, den Anteil der er-
sungsgesetz. Es führte die Abnahmeverpflichtung neuerbaren Energien an der Stromversorgung auch
durch die Netzbetreiber fort und ergänzte sie um den nach 2020 kontinuierlich weiter zu steigern, so dass
Vorrang für Strom aus erneuerbaren Energien und gemäß der Leitstudie 2008 des Bundesministeriums
Grubengas. Entsprechende Anlagen müssen seitdem für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
bevorzugt angeschlossen und der Strom von den (BMU) im Jahr 2030 rund 50 Prozent und Mitte des
Netzbetreibern vorrangig abgenommen, übertragen Jahrhunderts der überwiegende Teil des Bruttostrom-
und vergütet werden. Demnach muss im Falle ausge- verbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird.
Strom aus erneuerbaren Energien 53. Die entwicklung Der StromerZeugung
auS erneuerbaren energien
Bis Ende der 1980er Jahre beruhte die Stromerzeu- die Expansion bei der Photovoltaik sorgte das EEG
gung aus erneuerbaren Energien in Deutschland fast schließlich in Verbindung mit dem 100.000-Dächer-
ausschließlich auf teilweise veralteten Wasserkraft- Programm.
anlagen. Erst durch das Stromeinspeisungsgesetz
konnte sich ab 1990 mit der Windenergie allmählich Nach dem Auslaufen des 100.000-Dächer-Programms
ein zweites Standbein der Erneuerbaren entwickeln. war eine erneute Änderung der Vergütungsregelun-
Unterstützt wurde dies durch eine Änderung des gen des EEG notwendig. Die Solarstromvergütungs-
Baugesetzbuches, die ab 1996 Windkraftanlagen sätze wurden mit dem so genannten Photovoltaik-
im so genannten Außenbereich privilegierte. Die Vorschaltgesetz im Sommer 2003 angepasst, was
dadurch verbesserte Verfügbarkeit von Standorten einen Boom beim Ausbau der Photovoltaik auslöste.
gab der Windenergie einen weiteren Schub, so dass Mit dem neuen EEG von 2004 wurden zudem die
zur Jahrtausendwende bereits 1,5 Prozent des Brutto- Bedingungen für die Biomasseverstromung nochmals
stromverbrauchs mit Windenergie bereitgestellt wer- verbessert, was auch hier – insbesondere im Bereich
den konnten. der Biogasanlagen auf Basis nachwachsender Roh-
stoffe – zu einem starken Aufwärtstrend führte.
Das EEG mit seinen verbesserten Einspeisevergütun-
gen führte ab dem Jahr 2000 zu einem rasanten In der Summe erhöhte sich die Stromerzeugung aus
Ausbau der Windenergie in Deutschland. Daneben erneuerbaren Energien zwischen 1990 und 2008 von
gewann die Biomasseverstromung, die bis dahin 18,5 auf 91,4 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr
kaum eine Rolle gespielt hatte, an Bedeutung. Für (kWh/a), was einer Steigerung des Anteils erneuer-
beitrag der erneuerbaren energien zur Stromversorgung
in Deutschland 1990 – 2008
GWh
120.000
Wasserkraft Windenergie Biomasse* Photovoltaik
100.000 EEG ab
1. Januar 2009
EEG
1. August 2004
80.000
EEG
1. April 2000
Anteil am EEV 14,8 %
60.000
Novelle BauGB
November 1997
40.000
StrEG
1. Januar 1991
20.000
0
90
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93
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* feste, flüssige, gasförmige Biomasse, biogener Anteil des Abfalls, Deponie- und Klärgas; Strom aus Geothermie auf Grund geringer Strommengen
nicht dargestellt; StrEG: Stromeinspeisungsgesetz; BauGB: Baugesetzbuch; EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz; EEV Endenergieverbrauch;
Quelle: BMU-KI III 1 nach Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat); Stand: April 2009; Angaben vorläufig
Abbildung 1: Beitrag der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung in Deutschland 1990 – 2008.
6 Strom aus erneuerbaren Energienbarer Energien am Stromverbrauch von 3,4 Prozent
auf 14,8 Prozent entspricht. Allein das EEG sorgte Auf einen Blick
innerhalb von nur sieben Jahren für eine Verdrei- Bis Ende der 1980er Jahre beruhte die Stromer-
fachung. (siehe Abbildung 1) zeugung aus erneuerbaren Energien in Deutsch-
land fast ausschließlich auf teilweise veralteten
Lange Zeit konzentrierte sich der Aufschwung der Wasserkraft-Anlagen. Die Netzanschluss- und
Erneuerbaren auf die Windenergie (Abbildung 2). Stromabnahmeverpflichtung seitens der Netzbe-
War die installierte Leistung Anfang der 1990er Jahre treiber in Verbindung mit den verpflichtenden
noch gering, wurde bereits im Jahr 2004 mehr Strom Mindesteinspeisevergütungen des Stromeinspei-
aus Windenergie als aus Wasserkraft gewonnen. sungsgesetzes führten ab Mitte der 90er Jahre zu
Abbildung 3 zeigt zudem die rasante technische Ent- einem nennenswerten Ausbau der Windenergie
wicklung, die StrEG und EEG in Gang gesetzt haben: und sicherten den wirtschaftlichen Betrieb beste-
Mitte der 1990er Jahre betrug die durchschnittlich hender kleiner Wasserkraftanlagen. Das EEG
installierte Leistung pro Windenergieanlage noch 2000 und insbesondere sein Nachfolgegesetz
unter 200 Kilowatt (kW), Anlagen mit Leistungen 2004 lösten daneben einen sehr dynamischen
von 250 bzw. 500 kW waren Standard. Im Jahr 2008 Ausbau der Biomasse- und Photovoltaiknutzung
waren bereits im Schnitt 1,2 MW Leistung pro An- aus. In der Summe erhöhte sich die Stromerzeu-
lage installiert, eine moderne Standardanlage hat gung aus erneuerbaren Energien zwischen 1990
heute zwei MW. Multimegawattanlagen mit einer und 2008 von 18,5 auf 91,4 Milliarden Kilowatt-
Anlagenleistung von bis zu 6 MW werden inzwischen stunden pro Jahr. Allein das EEG sorgte ab
von vier Herstellern, insbesondere auf Basis deut- 2000 für eine Verdreifachung innerhalb von nur
scher Technologie, angeboten. sieben Jahren.
Strom aus erneuerbaren Energien 7Eine wahre Explosion löste das EEG mit seinen ver- stoffpreise, so dass Ende 2008 gut 2,7 GW installier-
besserten Einspeisevergütungen ab 2004 bei der ter Leistung zur Stromerzeugung zur Verfügung
Photovoltaik aus (Abbildung 4). Waren noch Ende standen.
2002 insgesamt nicht viel mehr als 250 MW Leistung
installiert, so betrug allein der Zubau des Jahres 2008 Die Entwicklung im Bereich der geothermischen
rund das Sechsfache. Stromerzeugung ist – verglichen mit den anderen
Sparten – durch wesentlich längere Entwicklungszeit-
Die Verstromung von Biomasse erlebte in den Jahren räume geprägt. Zwar ist die Geothermie daher bis
2005 bis 2007 einen Aufschwung. Die installierte heute vergleichsweise unbedeutend, dennoch konn-
Leistung verdreifachte sich in diesem Zeitraum von ten durch die Vorgaben des EEG eine ganze Reihe
rund 0,9 auf 2,6 Gigawatt (GW). Hierzu trugen ins- von Projekten angestoßen werden. So gingen in den
besondere Biogasanlagen auf der Basis nachwach- Jahren 2007 und 2008 die beiden ersten bedeuten-
sender Rohstoffe bei, die mit dem EEG 2004 verstärkt den Stromerzeugungskapazitäten ans Netz, in den
gefördert wurden. Der Ausbau verlangsamte sich kommenden Jahren ist mit weiteren zu rechnen.
jedoch im Jahr 2008 durch steigende Agrarroh-
entwicklung der Stromerzeugung aus der windenergienutzung in Deutschland 1990 – 2008
GWh
45.000
EEG ab
1. Januar 2009
40.000
40.400
39.713
EEG
August 2004
35.000 30.710
EEG
April 2000
27.229
30.000
25.509
25.000
18.859
20.000
15.786
15.000 StrEG: Januar 1991 – März 2000
10.509
7.550
10.000
5.528
4.489
3.000
2.200
5.000
1.800
940
670
230
140
40
0
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StrEG: Stromeinspeisungsnetz; EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz
Quelle: BMU-KI III 1 nach Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat); Stand: April 2009; Angaben vorläufig
Abbildung 2: Entwicklung der Stromerzeugung aus der Windenergienutzung in Deutschland von 1990 – 2008.
8 Strom aus erneuerbaren Energienanzahl der windenergieanlagen und installierte leistung in Deutschland 1990 – 2008
Anlagenzahl MW
30.000
20.287
22.000
Anlagenanzahl, kumuliert
19.460
installierte Leistung, kumuliert (MW)
18.685
20.000
17.574
25.000
16.543
18.000
15.387
16.000
13.752
20.000
14.000
11.438
12.000
15.000
9.359
10.000
7.861
8.000 6.185
10.000
5.178
6.000
4.326
3.528
4.000
2.467
5.000
1.675
1.084
2.000
700
405
0 0
90
91
92
93
94
95
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Quelle: C. Ender: Status der Windenergienutzung – Stand 31.12.2008, DEWI Magazin No. 34, Februar 2009; Deutsches Windenergie-Institut (DEWI)
Abbildung 3: Anzahl der Windenergieanlagen und installierten Leistung in Deutschland 1990 – 2008.
GWh installierte leistung und energiebereitstellung aus Photovoltaikanlagen in Deutschland 1990 – 2008 MWp
4.500 5.500
Energiebereitstellung (GWh)
installierte Leistung (MWp) 5.000
4.000
4.000
4.500
3.500
4.000
3.000
3.075
3.500
2.500 3.000
2.000 2.500
2.220
2.000
1.500
1.500
1.282
1.000
1.000
500
188
557
500
116
64
42
32
16
26
11
313
3
6
8
1
2
0 0
90
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92
93
94
95
96
97
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20
20
20
20
20
Quelle: BMU-KI III 1 nach Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat); Stand: April 2009; Angaben vorläufig
Abbildung 4: Installierte Leistung und Energiebereitstellung aus Photovoltaikanlagen in Deutschland 1990 – 2008.
Strom aus erneuerbaren Energien 94. Die ökologiSchen unD ökonomiSchen
wirkungen Der erneuerbaren energien
Die Wirkungen des Ausbaus der erneuerbaren Ener- es bereits rund 1,3 Milliarden Euro. Je nach Preisent-
gien gehen viel weiter als der reine Beitrag zur wicklung können die jährlich durch die Vermeidung
Energieversorgung. So sparen die Erneuerbaren Ener- fossiler Brennstoffimporte erzielten Einsparungen
gieimporte ein, führen zur Reduzierung von Treib- bis zum Jahr 2020 deutschlandweit eine Höhe von
hausgasemissionen und sind längst ein bedeutender 4,9 – 6,2 Milliarden2 Euro erreichen.
Wirtschaftsfaktor geworden.
Für den Klimaschutz in Deutschland sind die erneu-
Während die konventionelle Energieversorgung erbaren Energien bis heute die mit Abstand wich-
überwiegend auf den Import fossiler Energieträger tigste Säule. Mehr als 110 Millionen Tonnen CO2-Emis-
angewiesen ist, stammen erneuerbare Energien aus sionen wurden durch ihren Einsatz im Jahr 2008
heimischen Energiequellen. Ihr Einsatz trägt zur vermieden. Der Löwenanteil entfällt dabei mit über
Verringerung der Importabhängigkeit bei, erhöht so 70 Millionen Tonnen auf den Strombereich, wovon
die Versorgungssicherheit und vermindert ökonomi- wiederum rund 56 Millionen Tonnen allein auf die
sche Risiken durch Energiepreissteigerungen. 2006 Wirkungen des EEG zurückzuführen sind. Ohne den
beliefen sich die durch den Ersatz fossiler Energie- bisherigen Ausbau der erneuerbaren Energien wäre
träger eingesparten Kosten für die deutsche Volks- Deutschland weit davon entfernt, seine Kyoto-Ziele
wirtschaft auf etwa 0,9 Milliarden Euro.1 2007 waren zu erreichen. In diesem Zusammenhang ist auch die
Vermeidung von Schadenskosten durch den Klima-
wandel als weiterer gesamtwirtschaftlich relevanter
Nutzeneffekt des EEG zu nennen. Durch das EEG
Auf einen Blick wurden 2006 rund 3,4 Milliarden Euro3 Schadens-
Erneuerbare Energien wirken mehrfach positiv auf kosten, die durch die klimaschädigende Wirkung von
die Volkswirtschaft: Sie sparen Energieimporte CO2- und Schadstoffemissionen verursacht worden
ein – 2007 etwa 1,3 Milliarden Euro. Sie führen wären, vermieden. Basis der Berechnung ist eine
zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, 2008 Studie für das BMU, die die Schadenskosten aus der
über 110 Millionen Tonnen CO2, davon 56 Millio- Emission einer Tonne CO2 mit 70 Euro pro Tonne3
nen Tonnen aus dem EEG, bei gleichzeitiger angibt. Für 2008 ergeben sich entsprechend vermie-
Vermeidung von externen Schadenskosten (2008 dene Schadenskosten in Höhe von 4 Milliarden Euro.4
rund 4 Milliarden Euro). Sie sind ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor, denn die Umsätze mit erneuer- Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gehören
baren Energien konnten in den vergangenen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen zu den
Jahren stetig gesteigert werden. 2008 wurde mit wichtigsten Entscheidungsgrundlagen für Investitio-
rund 29 Milliarden Euro ein neuer Rekord aufge- nen. Das EEG bietet mit seiner für 20 Jahre garantier-
stellt. Dies hatte direkten steigernden Einfluss auf ten Einspeisevergütung (mit Ausnahme der großen
die Beschäftigung im Bereich der erneuerbaren Wasserkraft, für die diese Vergütung 15 Jahre lang
Energien, so dass die Branche mittlerweile knapp gewährt wird) und anspruchsvollen Ausbauzielen
280.000 Personen Arbeit gibt. Dank der hohen solche verlässlichen Bedingungen. Unterstützend
Investitionssicherheit durch das EEG und der dazu hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
politischen Kontinuität stehen auch in wirtschaft- zusammen mit der Bundesregierung umfangreiche
lich schwierigen Zeiten die Zeichen weiter auf Kreditprogramme zur Finanzierung von Projekten
Wachstum. zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
aufgelegt.
1 Wenzel, B.: Kosten- und Nutzenwirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Im Auftrag des BMU. November 2007.
2 Wenzel, B.; Nitsch, J.: Ausbau erneuerbarer Energien im Strombereich – EEG-Vergütungen, -Differenzkosten und -Umlage
sowie ausgewählte Nutzeneffekte bis zum Jahr 2030. Im Auftrag des BMU Dezember 2008.
3 Krewitt, W.; Schlomann, B.: Externe Kosten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
im Vergleich zur Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern. Gutachten im Auftrag des BMU.
4 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Strom aus erneuerbaren Energien – Was kostet
uns das?; April 2009.
10 Strom aus erneuerbaren EnergienSo konnten die Umsätze mit erneuerbaren Energien
in den vergangenen Jahren stetig gesteigert werden.
Auch im Jahr 2008, in dem sich in vielen Branchen
die konjunkturelle Abkühlung im letzten Quartal
bereits bemerkbar machte, wurde mit einem Um-
satz von rund 29 Milliarden Euro ein neuer Rekord
erzielt. Davon wurden rund 13 Milliarden allein in
Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und
damit in den weiteren Ausbau investiert – ebenfalls
ein neuer Höchststand.
Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum, auch in
der Krise. So legte der zu Bosch gehörende Photo-
voltaik-Hersteller ErSol im März 2009 den Grund-
stein für eine 530-Millionen-Euro-Investition in neue
Fertigungskapazitäten im thüringischen Arnstadt.
Die Erneuerbaren haben das Zeug zum Fels in der
Brandung wirtschaftlicher Turbulenzen. Das belegen
auch positive Signale aus der Kreditwirtschaft.
Dies alles bestätigt den positiven Einfluss, den das
EEG als Auslöser, Impulsgeber und Wachstumsmotor
im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung auf
Innovation, Umsatz und Wertschöpfung in Deutsch-
land hat. Hiermit verbunden ist die Entstehung einer
erheblichen Anzahl zukunftsfähiger Arbeitsplätze.
Im Jahr 2006 beschäftigte die gesamte Erneuerbare-
Energien-Branche insgesamt 236.000 Personen,
wovon 134.000 direkt dem EEG zuzurechnen waren. mechanismen auf dem deutschen Strommarkt
Die Gesamtzahl der branchenweit Beschäftigten der vergangenen Jahre zurückzuführen. Für das
erreichte 2008 278.000.5 Entsprechend dürfte sich Jahr 2006 ließ er sich auf bis zu 5 Milliarden Euro6
auch der dem EEG zuzurechnende Anteil weiter beziffern.
erhöht haben. Bei einer Entwicklung gemäß der Leit-
studie 2008 sollen bis zum Jahr 2020 etwa 400.000 Über den Nutzen des Merit-Order-Effekts lassen
Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien sich keine Langfristprognosen erstellen, da er sich
zur Verfügung stehen. lediglich zur Einschätzung kurzfristiger Preiseffekte
eignet.
Als weiterer Nutzeffekt des EEG wird dessen deutlich
dämpfender Einfluss auf die Stromhandelspreise in Der gezeigte gesamtwirtschaftliche Nutzen des EEG
Deutschland diskutiert. Dieser so genannte Merit- unterstreicht seine Bedeutung für die deutsche Wirt-
Order-Effekt ist auf die speziellen Preisbildungs- schaft heute und in Zukunft.
5 ZSW, DLR, DIW, GWS: Erneuerbare Energien: Arbeitsplatzeffekte 2006. Abschlussbericht „Wirkungen des Ausbaus der
erneuerbaren Energien auf dem deutschen Arbeitsmarkt – Follow up“ und Folgeveröffentlichungen; im Auftrag des BMU.
2007 – 2009.
6 DIW, DLR, ZSW, EWI Universität Köln, FhG-ISI Karlsruhe, Lehrstuhl für Energiewirtschaft Universität Duisburg-Essen:
Thesenpapier zum Fachgespräch Merit-Order-Effekt im BMU am 7. September 2007.
Strom aus erneuerbaren Energien 115. erfahrungSbericht im Zentrum:
Die entStehungSgeSchichte DeS eeg 2009
Die Umsetzung des Prinzips der „kostendeckenden cherschutz (BMELV) vorzulegen war. Darüber hinaus
Vergütung“ im EEG bewirkt eine große Dynamik sollte jeweils nach einem Zeitraum von vier Jahren
im Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren erneut ein Erfahrungsbericht erstellt werden. Der
Energien. Hierdurch wird ein intensives Monitoring nächste EEG-Erfahrungsbericht ist daher bis Ende
der Förderung erforderlich. Denn nur wenn die 2011 vorzulegen.
bestehenden Regelungen vor dem Hintergrund der
tatsächlich eingetretenen Entwicklung regelmäßig Der geforderte Berichtsinhalt wurde um ökologische
überprüft und im Bedarfsfall angepasst werden, kann Auswirkungen des Ausbaus erneuerbarer Energien
eine dauerhafte Effizienz der Förderung bei gleich- zur Stromerzeugung sowie um den Entwicklungs-
zeitig minimalen Übergangskosten für die Volkswirt- stand von Speichertechnologien erweitert. Zusätzlich
schaft erzielt werden. wurde eine Auskunftspflicht für Anlagen- und Netz-
betreiber implementiert, die eine Ermittlung und
Dieser Tatsache trug bereits das erste Erneuerbare- transparente Darstellung der Kostensituation ermög-
Energien-Gesetz Rechnung, in dem es regelmäßig lichen sollte.
einen Erfahrungsbericht an den Deutschen Bundes-
tag vorschrieb. Das EEG 2004 übernahm diese Re- Das BMU begann bereits 2005 mit der Ermittlung
gelung unter Anpassung des Berichtszeitraums, so und Beschreibung des Berichtsauftrags und vergab
dass dem Deutschen Bundestag spätestens zum im Oktober 2005 ein Forschungsvorhaben „Vorberei-
31. Dezember 2007 ein Erfahrungsbericht zum EEG tung und Begleitung bei der Erstellung eines Erfah-
durch das BMU im Einvernehmen mit den Bundes- rungsberichts gem. § 20 EEG“. Dies beinhaltete die
ministerien für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Erarbeitung eines wissenschaftlichen Hintergrund-
sowie für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau- berichts als Fundament für den eigentlichen EEG-
Erfahrungsbericht des BMU. Den Auftrag erhielt ein
aus acht Partnerinstitutionen zusammengesetztes
Forschungsteam, das unter der Leitung des Zentrums
für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung
Baden-Württemberg (ZSW) die gesamte Bandbreite
der Thematik auf höchstem Niveau abdecken konn-
te. Entsprechend bildete der Abschlussbericht des
Forschungsteams, der dem BMU im Juni 2007 über-
geben wurde, die wichtigste Grundlage für den
Entwurf des BMU-Erfahrungsberichts. Dieser wurde
im Juli 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Dessen
Endfassung wurde nach erfolgter Ressortabstimmung
am 7. November 2007 als EEG-Erfahrungsbericht
im Bundeskabinett beschlossen und zusammen mit
dem wissenschaftlichen Hintergrundbericht des
Forschungsteams veröffentlicht.
Parallel und auf Grundlage des EEG-Erfahrungsbe-
richts 2007 wurde das Gesetzgebungsverfahren für
die Neufassung des EEG eingeleitet. Das federfüh-
rende BMU legte am 9. Oktober 2007 einen ersten
Referentenentwurf vor. Als Teil des Integrierten
Energie- und Klimaprogramms (IEKP) mit insgesamt
14 Maßnahmen beschloss die Bundesregierung im
Dezember 2007, das EEG neu zu fassen. Der Entwurf
des BMU diente dabei als Grundlage, die im EEG-
Erfahrungsbericht aufgeführten Anpassungsempfeh-
lungen wurden übernommen.
12 Strom aus erneuerbaren EnergienDie erste Lesung des EEG 2009 im Deutschen Bundes-
tag fand am 20. Februar 2008 statt. Die zuvor vom Auf einen Blick
Bundesrat eingereichten Änderungsvorschläge und Die große Dynamik im Ausbau der Stromerzeu-
Empfehlungen wurden dabei überwiegend abge- gung aus erneuerbaren Energien erfordert ein
lehnt. Am 5. Mai 2008 kam es zu einer Experten- intensives Monitoring der Förderung. Dieser
anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Tatsache trug das BMU mit der Vergabe des For-
Bundestages, in deren Folge sowohl von der Bundes- schungsvorhabens „Vorbereitung und Begleitung
regierung als auch vom Umweltausschuss selbst bei der Erstellung eines Erfahrungsberichts gem.
noch Änderungen vorgenommen wurden. In der § 20 EEG“ unter der Leitung des Zentrums für
zweiten und dritten Lesung am 6. Juni nahm der Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-
Deutsche Bundestag das EEG 2009 an. Der Bundesrat Württemberg (ZSW) Rechnung. Dessen Abschluss-
behandelte das EEG abschließend am 4. Juli 2008, bericht bildete die wichtigste Grundlage für den
wobei seine Zustimmung nicht erforderlich war. EEG-Erfahrungsbericht des BMU, der im Novem-
Im Oktober 2008 erfolgte die Veröffentlichung im ber 2007 vom Bundeskabinett verabschiedet und
Bundesanzeiger. Das Gesetz ist seit 1. Januar 2009 veröffentlicht wurde. Auf dieser Grundlage wurde
in Kraft. das EEG im Juni 2008 vom Deutschen Bundestag
verabschiedet und trat am 1. Januar 2009 in Kraft.
Strom aus erneuerbaren Energien 136. wirtSchaftliche rahmenbeDingungen
nach Dem eeg 2009
Das EEG ist weltweit das erfolgreichste Förderinstru- grundsätze der Vergütung
ment für die Stromerzeugung aus erneuerbaren
Energien. Nach dem Vorbild des EEG wurden mitt- Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Vergütungsanspruch,
lerweile in mehr als 40 Ländern ähnliche Einspei- den der Anlagenbetreiber ab dem Zeitpunkt der
severgütungsmodelle implementiert. Ursächlich für erstmaligen Einspeisung von regenerativ erzeugtem
diesen Erfolg sind in erster Linie die verlässlichen Strom erwirbt und der für die Dauer von 20 Jahren
Rahmenbedingungen und daraus resultierend das (15 Jahre für große Wasserkraftanlagen), zuzüglich
niedrige und kalkulierbare Investitionsrisiko sowie des Jahres der Inbetriebnahme, in gleicher Höhe be-
die verbindliche Zielsetzung, im Jahr 2020 einen stehen bleibt.
regenerativen Anteil von mindestens 30 Prozent am
Bruttostromverbrauch und darüber hinaus ein wei-
teres kontinuierliches Wachstum zu erreichen.
Auf einen Blick
netzanschluss und abnahmeanspruch Das EEG ist weltweit das erfolgreichste Förderins-
trument für die Stromerzeugung aus erneuerba-
Zentrale Bedeutung hat dabei die gesetzliche Ver- ren Energien. Zentrale Bedeutung hat dabei die
pflichtung des Netzbetreibers zum Netzanschluss Netzanschlusspflicht und die Verpflichtung zur
jedes einspeisewilligen Anlagenbetreibers, zur vor- vorrangigen Abnahme und Durchleitung regene-
rangigen Abnahme und zur Durchleitung des einge- rativ erzeugten Stroms seitens der Netzbetreiber.
speisten Stroms. Dabei sind die Kosten des Anschlus- Hinzu kommt der Vergütungsanspruch des An-
ses am nächstgelegenen Einspeisepunkt vom An- lagenbetreibers für 20 Jahre zuzüglich des Jahres
lagenbetreiber zu tragen. Darüber hinausgehende der erstmaligen Einspeisung von regenerativ
Kosten, beispielsweise bei der Wahl eines anderen erzeugtem Strom. Wichtig ist die technologie-
Einspeisepunktes, übernimmt der Netzbetreiber. Falls spezifische Ausgestaltung der Mindestvergütung:
der Anschluss der Anlage einen Ausbau des Netzes Wer heute noch höhere Kosten hat, wie z. B. die
erfordert, ist der Netzbetreiber unverzüglich und auf Photovoltaik oder Teile der Biomasse, bekommt
eigene Kosten dazu verpflichtet. eine höhere Vergütung als bereits relativ kosten-
günstige Techniken wie die Windenergie und
netzausbau und einspeisemanagement Biomasseanlagen mit Altholz als Brennstoff. Die
degressive Gestaltung der Vergütungssätze in Ver-
Bei zeitweiliger Überlastung des Netzes darf der bindung mit ambitionierten Zielvorgaben trägt
Netzbetreiber im Sinne eines Einspeisemanagements ebenfalls zu den klar umrissenen wirtschaftlichen
eine Abregelung der Anlagen vornehmen. Für die Rahmenbedingungen bei. Nicht zuletzt die ein-
entgangenen Erlöse erhält der Anlagenbetreiber eine deutige Zielvorgabe im EEG, bis 2020 mindestens
Kompensationszahlung. Dadurch wird sichergestellt, 30 Prozent des Strombedarfs mit erneuerbaren
dass eine auf der prognostizierten Stromproduktion Energien zu decken und anschließend das Wachs-
kalkulierte Finanzierung durch unvorhersehbare tum kontinuierlich fortzuführen, ist für die Inves-
Ausfälle nicht tangiert wird und etwaigen Verpflich- titionssicherheit der Anlagenhersteller von hoher
tungen finanzieller Art weiterhin nachgekommen Bedeutung.
werden kann.
14 Strom aus erneuerbaren EnergienMit dem EEG 2009 neu geregelt wurde die Option
der Direktvermarktung für solche Anlagenbetreiber,
die die hierzu gesetzlich vorgeschriebenen Mittei-
lungs- und Informationspflichten gegenüber dem
Netzbetreiber erfüllen. Der Anlagenbetreiber steigt
dabei zeitweise – für mindestens einen Monat – aus
dem EEG-Vergütungssystem aus, kann den erzeug-
ten Strom vollständig oder zu festgelegten Anteilen
selbst vermarkten und somit Erfahrungen auf dem
freien Markt sammeln. Er bleibt aber im Regime des
EEG und kann jederzeit unter Wahrung der vorge-
gebenen Fristen von der freien Vermarktung in das
System der EEG-Vergütung zurückkehren. Die Fristen
für die Information des Netzbetreibers wurden so
gewählt, dass mögliche Mitnahmeeffekte – vor allem
in Form des so genannten „Rosinenpickens“ – weit-
gehend ausgeschlossen sind.
Bei der Photovoltaik wurde zusätzlich zur Basisde-
gression eine zubauabhängige Komponente geschaf-
fen. Das EEG 2009 gibt Grenzen vor, innerhalb derer
sich der Anlagenzubau und damit das Marktwachs-
tum bewegen sollen. Werden diese über- bzw. unter-
schritten, wird im Folgejahr die Degression um einen
Prozentpunkt angehoben bzw. abgesenkt. Hierdurch
soll einerseits die zeitnahe Weitergabe von Kosten-
senkungen an den Kunden sichergestellt, anderer-
seits sollen die aus der EEG-Umlage entstehenden Be-
lastungen für die Verbraucher eingegrenzt werden.
energieintensive unternehmen
Verlässlichkeit schafft das EEG 2009 zudem für ener-
gieintensive Unternehmen und Schienenbahnen, die
über die besondere Ausgleichsregelung weitgehend
von der EEG-Umlage befreit sind und somit ledig-
lich dem Risiko der marktgetriebenen Energiepreis-
schwankungen unabhängig vom EEG unterliegen.
Die degressive Gestaltung der Vergütungssätze trägt
ebenfalls zu den klar umrissenen wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen bei. Dabei sinkt der Vergü-
tungssatz für Neuanlagen jährlich um einen be-
stimmten Prozentsatz. Dies verlangt eine konsequen-
te Kostensenkung, sei es durch Innovation, durch
effizientere Prozessabläufe, durch neue Verfahren
oder Materialien seitens der Anlagenhersteller.
Gleichzeitig werden so eindeutige, langfristig plan-
bare Zielwerte vorgegeben.
Strom aus erneuerbaren Energien 157. waSSerkraft: Die beStänDige
zusätzlichen Stromerzeugung von rund 700 Millio-
Auf einen Blick nen kWh/a führen wird. Seit 2004 verbindet das EEG
Wasserkraft wird in Deutschland bereits seit Jahr- zudem erhöhte Vergütungssätze mit anspruchsvollen
zehnten intensiv genutzt. Das EEG konnte hier Anforderungen an die Gewässerökologie.
wesentliche Impulse im Bereich der Modernisie-
rung und Reaktivierung von kleinen und mitt- Mit dem neuen EEG 2009 gelten die ökologischen
leren Wasserkraftanlagen geben. Der Anteil der Anforderungen für alle Anlagengrößen. Da diese
Wasserkraft am deutschen Bruttostromverbrauch beim Neubau von Kleinanlagen bislang nicht wirt-
stagniert – bei leicht ansteigendem Gesamtstrom- schaftlich umsetzbar waren, wurden die Vergütungs-
bedarf – bei rund 3,5 Prozent. Seit 2004 verbindet sätze in diesem Bereich angehoben. Aufgehoben
das EEG erhöhte Vergütungssätze mit anspruchs- wurde die für Wasserkraftanlagen mit einer Leistung
vollen Anforderungen an die Gewässerökologie, größer als fünf MW geltende Stichtagsregelung,
mit dem EEG 2009 gelten die ökologischen Anfor- nach der nur bei einer bis zum 31. Dezember 2012
derungen für alle Anlagengrößen. Darüber hinaus erfolgten Erneuerung ein Anspruch auf Vergütung
hat das EEG 2004 zur Belebung des Marktes im bestand, die Leistungsobergrenze und die Mindest-
Bereich der großen Wasserkraft in Deutschland leistungserhöhung bei Anlagenerneuerung/-moder-
geführt. nisierung, denn sämtliche vorhandene Potenziale
für den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten
sollen genutzt werden. Der Vergütungszeitraum für
Wasserkraftanlagen wurde mit 20 Jahren (bislang
Die Wasserkraftnutzung in Deutschland ist seit Jahr- 30 Jahre; große Wasserkraft weiterhin 15 Jahre) an
zehnten durch einen hohen Ausbaugrad gekenn- die anderen Sparten angeglichen, verbunden mit
zeichnet, so dass das EEG in der Vergangenheit zwar einer entsprechenden Erhöhung der bisherigen
Impulse für die Modernisierung und Reaktivierung Vergütungssätze.
alter Kleinanlagen gegeben, jedoch keine große Aus-
baudynamik bei der Wasserkraftnutzung insgesamt Anlagen bis 5 MW – Neuanlagen
ausgelöst hat. Ihr Anteil am deutschen Bruttostrom- Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh
verbrauch stagniert bei rund 3,5 Prozent. Der Zubau
bis 500 kW 12,67
an Stromerzeugungskapazitäten lag zuletzt durch-
schnittlich bei 20 Megawatt pro Jahr. 500 kW bis 2 MW 8,65
2 MW bis 5 MW 7,65
Mit dem EEG 2004 wurden erstmals auch große Anlagen bis 5 MW – modernisierte/revitalisierte Anlagen
Wasserkraftanlagen mit Leistungen zwischen fünf
Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh
und 150 MW in die Förderung aufgenommen, deren
Modernisierung bis 2012 abgeschlossen sein und bis 500 kW 11,67
deren bisherige Leistung um mindestens 15 Prozent 500 kW bis 2 MW 8,65
erhöht wird. Gefördert werden jedoch nur die durch 2 MW bis 5 MW 8,65
die Modernisierung zusätzlich erzeugten Strommen-
Neu und erneuerte Anlagen über 5 MW
gen. Drei solche Projekte sollen in den kommenden
drei Jahren fertig gestellt werden, was zu einer Leistungserhöhung EEG 2009 Vergütung ct/ kWh
bis 500 kW 7,29
bis 10 MW 6,32
bis 20 MW 5,80
bis 50 MW 4,34
ab 50 MW 3,50
Degression
für Wasserkraftanlagen mit einer Leistung über 5 MW nach EEG
2009: Ab 5 MW: 1,0 %. Wasserkraftanlagen mit einer Leistung
bis einschließlich 5 MW unterliegen keiner Degression.
Tabelle 1: Vergütung der Stromerzeugung aus Wasserkraft nach EEG 2009.
16 Strom aus erneuerbaren Energien8. biomaSSe: Die VielSeitige
Die Biomasse ist der vielseitigste Energieträger unter von Nachhaltigkeitskriterien geknüpft. Nicht nur
den Erneuerbaren. Man unterscheidet zwischen Fest- in Deutschland, sondern auch EU-weit sind entspre-
und Flüssigbrennstoffen sowie biogenen Gasen. chende Verordnungen in Arbeit.
Welche Stoffe definitionsgemäß als Biomasse anzuse-
hen sind und für die Verstromung welcher Biomas- Auch beim Einsatz biogener Festbrennstoffe zur
sen ein Vergütungsanspruch nach dem EEG besteht, Stromerzeugung herrschte kontinuierliches Wachs-
ist in der Biomasseverordnung geregelt. tum. Ende 2006 war bereits eine elektrische Leistung
von 920 MW installiert. Nachdem die Möglichkeiten
Im EEG 2009 ist bei Bedarf eine Überarbeitung in des Einsatzes von Althölzern der verschiedenen Kate-
Form einer neuen Verordnung vorgesehen. Gleich- gorien sowie die Anhebung der Leistungsbegrenzung
zeitig wird erstmals die Möglichkeit eröffnet, in einer auf 20 MW im EEG 2000 zunächst vor allem zu Zu-
Anlage vergütungsfähige und nicht vergütungsfähige wächsen im oberen Leistungsbereich geführt hatten,
Biomassen gemeinsam einzusetzen, wenn mittels war innerhalb des Betrachtungszeitraums von 2004
eines Betriebstagebuchs die jeweiligen Anteile nach- bis 2006 eine starke Tendenz zu kleinen und mittle-
gewiesen werden. Entsprechend erfolgt die Vergü- ren Leistungsklassen zu beobachten.
tung nach EEG.
Die eingesetzten Brennstoffe sind ausschließlich holz-
Die Stromerzeugung aus Biomasse wurde zwischen artige Biomassen, wobei es sich im Wesentlichen um
2004 (5,4 Milliarden kWh) und 2006 (etwa 12 Milliar-
den kWh) mehr als verdoppelt und stieg bis 2008 auf
etwa 18 Milliarden kWh. Die größte Dynamik zeigte
sich beim Einsatz flüssiger Biomasse in Form von Auf einen Blick
Pflanzenöl in Blockheizkraftwerken. Ausgehend von Bei Biomassen wird zwischen Fest- und Flüssig-
einem sehr niedrigen Niveau (12 MW 2004) hat sich brennstoffen sowie biogenen Gasen unterschieden,
die installierte Leistung innerhalb von zwei Jahren die Details sind durch die Biomasseverordnung
nahezu verzwanzigfacht (237 MW 2006). Der größte geregelt. Insgesamt wurde die Stromerzeugung
Zubau erfolgte bei Anlagen im Leistungsbereich aus Biomasse zwischen 2004 (5,4 Milliarden kWh)
von 100 kW bis 1.000 kW. In dieser Leistungsklasse und 2008 (etwa 8 Milliarden kWh) mehr als
wurden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit bereits verdreifacht. Die verstärkte Nutzung offenbarte
zu 80 Prozent Brennstoffe eingesetzt, die nicht aus mehrere Konfliktfelder, denen im EEG 2009 durch
heimischer Erzeugung stammen. Palmöl war hier die Implementierung zusätzlicher Regelungen
eindeutig dominierend. begegnet wurde. So sollen verstärkt Abfallstoffe
wie Gülle und Stroh zur Stromerzeugung einge-
Aufgrund der steigenden Preise für Agrarrohstoffe setzt werden. Auch soll eine Nachhaltigkeitsver-
zeichnete sich auch für Klein- und Kleinstanlagen ordnung den Einsatz nicht nachhaltig erzeugter
ein Wechsel von heimischem Rapsöl zu importier- Brennstoffe vermeiden. Für viele Biogasanlagen
tem Palmöl ab. Für den Ende 2006 installierten führten die steigenden Agrarpreise zu sinkender
Anlagenbestand wurde mit einem Palmölbedarf von Wirtschaftlichkeit. Die Folge war eine starke Ab-
340.000 Tonnen jährlich gerechnet. Hieraus ergaben schwächung des Wachstums gegen Ende des Be-
sich mehrere Konfliktfelder: Eine potenzielle Nut- trachtungszeitraums. Um diesem negativen Trend
zungskonkurrenz zum Einsatz von Palmöl als Nah- entgegenzuwirken und den zur Erreichung der
rungsmittel, der nichtnachhaltige Anbau in beste- angestrebten Anteile der erneuerbaren Energien
henden Palmölplantagen sowie die Vernichtung von an der Stromversorgung notwendigen weiteren
Regenwald für neue Plantagen in Entwicklungs- und Ausbau im Biogassektor sicherzustellen, wurden
Schwellenländern. im EEG 2009 mit einer Absenkung der Degres-
sion, mit einer Anhebung der Grundvergütung
Im EEG 2009 wurden daher Regelungen implemen- um einen Cent pro Kilowattstunde für Kleinan-
tiert, die künftig den Einsatz nicht nachhaltig er- lagen sowie mit einer Erhöhung der Boni erheb-
zeugter Brennstoffe vermeiden sollen. Der Vergü- liche Änderungen vorgenommen.
tungsanspruch wird zukünftig an die Einhaltung
Strom aus erneuerbaren Energien 17Grundvergütung BONI für Biomasse II
Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh 3)
NawaRo-Bonus
bis 150 kWel 11,67 1) Leistungsanteil bis 150 kWel EEG 2009 Vergütung ct/kWh
150 kWel bis 500 kWel 9,18 Biomasse mit 6,00
500 kWel bis 5 MWel 8,25 Ausnahme von Biogas
5 MWel bis 20 MWel 7,79 2) Biogas 7,00
1) Auch Altanlagen. Bei mind. 30 % Gülleeinsatz 1) + 4,00
2) Nur, soweit der Strom in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt wird. Bei überwiegendem Einsatz von + 2,00
3) Grundvergütung für die Stromerzeugung aus Biogas erhöht Landschaftspflegematerial
sich um 1,0 ct/kWh für immissionsschutzrechtlich genehmigungs-
bedürftige Alt- und Neuanlagen anteilig bis 500 kW, wenn die Leistungsanteil bis 500 kWel EEG 2009 Vergütung ct/kWh
dem Emissionsminimierungsgebot der TA Luft entsprechenden 6,00
feste Biomasse
Formaldehydgrenzwerte eingehalten werden. Dies gilt nicht für
Anlagen, die aus dem Gasnetz entnommenes Gas einsetzen. flüssige Biomasse 0,00 2)
BONI für Biomasse I gasförmige Biomasse 6,00
(außer Biogas)
Technologiebonus bis zu einer Leistung von 5 MWel nach Anlage 1
Biogas 7,00
EEG 2009 Vergütung ct/kWh
Bei mind. 30 % Gülleeinsatz 1) + 1,00
Innovative Anlagentechnik 2,00
Bei überwiegendem Einsatz von + 2,00
Für Gasaufbereitung
Landschaftspflegematerial
a) max. Kapazität bis 2,00
Leistungsanteil bis 5 MWel EEG 2009 Vergütung ct/kWh
350 Nm3/Stunde:
feste Biomasse 4,00
b) max. Kapazität bis 1,00
700 Nm3/Stunde: flüssige Biomasse 0,00 2)
KWK-Bonus (nur für den Teil des eingespeisten Stroms, gasförmige Biomasse 4,00
der als KWK-Strom gilt) bei Holzverbrennung 2,50
EEG 2009 Vergütung ct/kWh bei Holzverbrennung aus 4,00
Bis Leistung von 20 MWel 3,00 1) Kurzumtriebsplantagen und
Landschaftspflegematerial
1) Gilt auch für Altanlagen, wenn diese nach dem 31.12.2008 erstmals
in KWK iSv Anlage 3 betrieben werden und für sonst. Altanlagen 1) Gilt nicht für Anlagen, die aus dem Gasnetz entnommenes
anteilig bis zu einer Leistung von 500 kW, wenn die Anforderungen Gas einsetzen.
der Anlage 3 erfüllt werden. 2) Gilt nur für Anlagen, die ab 01.01.2009 in Betrieb genommen
werden.
Degression
für Strom aus Biomasseanlagen nach EEG 2009: Ab 1. Januar 2010 jährlich 1,0 % auf Grundvergütung und Boni.
Tabelle 2: Vergütung der Stromerzeugung aus Biomasse nach EEG 2009.
Waldrestholz, Industrierestholz einschließlich anfal- betrieb, der Bonus wurde bereits 2005 von zwei
lender Sägenebenprodukte, Althölzer aller Katego- Dritteln aller Anlagen in Anspruch genommen.
rien sowie Hölzer aus der Landschaftspflege handelt.
Halmgutartige Biomassen, wie beispielsweise Stroh, Der NawaRo-Bonus bewirkte aufgrund steigender An-
kamen bislang nicht zum Einsatz. lagengrößen, daraus resultierendem Rohstoffbedarf
und der mangelnden Transportwürdigkeit von Gülle
Der Biogasbereich weist im betrachteten Zeitraum eine anteilige Verschiebung in der Zusammenset-
von 2004 bis 2006 ebenfalls sehr hohe Zuwachsraten zung der eingesetzten Substrate zulasten des Gülle-
auf, was sich in einer annähernden Vervierfachung anteils. Eine absolute Betrachtung der eingesetzten
der elektrischen Gesamtleistung auf 950 MW wider- Güllemenge belegt jedoch, dass sich die energetisch
spiegelt. Der Zubau erfolgte vor allem im mittleren in Biogasanlagen verwertete Gesamtgüllemenge
und oberen Leistungsbereich. Die Einführung innerhalb des Betrachtungszeitraums knapp verdrei-
des Bonus für nachwachsende Rohstoffe7 (NawaRo- facht hat.
Bonus) ermöglichte einen wirtschaftlichen Anlagen-
7 Nachwachsende Rohstoffe sind land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel
Verwendung finden. Sie werden stofflich, aber auch zur Erzeugung von Wärme, Strom oder Kraftstoffen genutzt.
18 Strom aus erneuerbaren EnergienDa jedoch nach wie vor große Mengen an Gülle un-
genutzt bleiben und über unkontrolliert ausgasende
Güllegruben erhebliche Mengen an Treibhausgasen
emittiert werden, empfahl der EEG-Erfahrungsbericht
2007 stärkere Anreize für die Güllenutzung über
die Ausgestaltung der Bonusregelungen – dies nicht
zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass insbeson-
dere der stark gestiegene Anbau von Mais, derzeit
mit einem Anteil von rund 80 Prozent das wichtigste
NawaRo-Substrat für den Einsatz in Biogasanlagen,
zu Kontroversen geführt hat. Die Diskussion wurde
im Zusammenhang mit Preissteigerungen auf dem Durch dieses Verfahren können die Gaserzeugung
internationalen Markt für Agrarrohstoffe und bei und die Gasnutzung räumlich getrennt werden. So
Lebensmitteln geführt. Daneben spielten auch die kann das Gas effizient dort in einem Blockheizkraft-
möglichen ökologischen Auswirkungen des intensi- werk zur Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung
vierten Maisanbaus sowie die potenzielle Beeinträch- eingesetzt werden, wo ein entsprechender Strom-
tigung des Landschaftsbildes eine Rolle. Im EEG 2009 und vor allem Wärmebedarf vorhanden ist. Dies
wurden daher die Detailregelungen des NawaRo-Bo- erhöht die Energieeffizienz und damit auch den
nus so ausgestaltet, dass insbesondere Kleinanlagen Beitrag zum Klimaschutz.
einen erheblich höheren Bonus erhalten, wenn sie
mindestens zu 30 Prozent Gülle einsetzen. Für viele Biogasanlagen führten die steigenden
Agrarpreise zu höheren Substratpreisen, somit zu
Neu ins EEG aufgenommen wurden sowohl eine steigenden Betriebskosten und folglich zu sinkender
Positiv- als auch eine Negativliste der bonusfähigen Wirtschaftlichkeit. Verstärkt wurde dieser Trend
nachwachsenden Rohstoffe. Hinzugekommen ist bei Neuanlagen noch durch die steigenden Welt-
außerdem die Möglichkeit, bei Vorlage eines Nach- marktpreise für Stahl, Kupfer und andere Rohstoffe.
weises nur einen Teil des eingesetzten Substrats über Gestiegene Anlagenpreise führten zu höheren Inves-
NawaRos abzudecken und entsprechend anteilig den titionskosten und folglich teilweise zum Verlust der
Bonus in Anspruch zu nehmen. Eine Liste möglicher Wirtschaftlichkeit im Anlagenbetrieb.
Einsatzstoffe, die in Kombination mit NawaRos einge-
setzt werden können, ohne den anteiligen Erhalt des Die Folge war eine starke Abschwächung des Wachs-
Bonus zu gefährden, wurde in den Anhang des EEG tums gegen Ende des Betrachtungszeitraums. Dem
2009 aufgenommen. wurde im EEG 2009 sowohl mit einer Absenkung der
Degression als auch mit einer Anhebung der Grund-
Der Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Bonus) vergütung um einen Cent pro Kilowattstunde für
hat zu einer stärker effizienzorientierten Nutzung Kleinanlagen Rechnung getragen, da diese von den
von Biomasse bei der Verstromung durch deren Ein- Preissteigerungen überproportional betroffen waren.
satz in Kraft-Wärme-Kopplung geführt, wenn auch Um trotz dieses negativen Trends den Biogassektor
nicht im gewünschten Maß. Da teilweise nicht die weiter auszubauen und so die angestrebten Ziele
sinnvolle Nutzung der verfügbaren Energie, sondern hinsichtlich der Stromerzeugung aus erneuerbaren
offensichtlich nur der Erhalt der erhöhten Vergütung Energien erreichen zu können, wurden bei den Boni
im Vordergrund stand, wurde zur Vermeidung von im EEG 2009 erhebliche Erhöhungen vorgenommen.
Missbrauch eine Auflistung jener Formen der Wär- Beispielsweise erfolgte eine Erhöhung des KWK-
menutzung, für die der KWK-Bonus gewährt werden Bonus, um das Kriterium der Energieeffizienz bei der
kann, ins EEG 2009 aufgenommen. Verstromung von Biomasse noch mehr in den Fokus
der potenziellen Anlagenbetreiber zu rücken. Ebenso
Dank des Technologiebonus wurden im Biogasbe- werden die Gülleverstromung und die Nutzung von
reich innerhalb des Untersuchungszeitraums von Reststoffen aus der Landschaftspflege zur Stromerzeu-
2004 bis 2006 bereits zwei Anlagen zur Aufbereitung gung durch eine erhöhte Vergütung belohnt. Dies ist
von Biogas auf Erdgasqualität und zur Netzeinspei- insbesondere vor dem Hintergrund einer möglichen
sung von Biomethan errichtet – eine Entwicklung, die Flächenkonkurrenz von Energiepflanzen mit Nah-
sich insbesondere nach der erfolgten Änderung der rungsmitteln eine Möglichkeit, das weitere Wachs-
Gasnetzzugangsverordnung kontinuierlich fortsetzt. tum der Biomassenutzung nachhaltig zu gestalten.
Strom aus erneuerbaren Energien 199. DePoniegaS, klärgaS, grubengaS:
VerDiente auSlaufmoDelle
Seit 2005 ist die Deponierung thermisch unbehan- das Wachstum hat sich erheblich verlangsamt. Die
delter Abfälle durch die TA Siedlungsabfall unter- Überprüfung der Vergütungssätze hat gezeigt, dass
sagt. Die verbleibenden Reststofffraktionen weisen im Bereich großer Grubengasanlagen Mitnahme-
damit keine organischen Anteile mehr auf, deren effekte bestehen. Um diese künftig zu unterbinden,
Abbauprozesse zur Bildung von Deponiegas führen wurde der Vergütungssatz für Anlagen mit einer
würden. Dadurch ist die Deponiegasausbeute rück- Leistung von über einem MW reduziert. Weiterhin
läufig, die Nutzung wird langfristig auslaufen. Die barg die bestehende Gesetzeslage die Gefahr der
bestehenden Deponien sind bereits mit Entgasungs- Doppelförderung von Anlagen zur Stromerzeugung
bzw. Gasnutzungsstrukturen ausgestattet. Weitere aus Deponie- und Grubengas, wenn diese gleichzeitig
Ausbaumöglichkeiten bestehen nicht. Lediglich die die Anforderungen des Gesetzes über projektbezo-
Modernisierung und der Ersatz von bestehenden gene Mechanismen nach dem Protokoll von Kyoto
Anlagen schaffen einen gewissen Bedarf. Die abneh- zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Natio-
mende Ausgasung der Deponien führt tendenziell zu nen über Klimaänderungen (Projekt-Mechanismen-
kleineren, teureren Anlagen. Folgerichtig wurde die Gesetz – ProMechG) und die des EEG 2004 erfüllten.
Vergütung im EEG 2009 für Anlagen im Leistungs- Im EEG 2009 wurde eine derartige Doppelförderung
bereich bis einschließlich 500 kW auf neun Cent explizit ausgeschlossen und eine entsprechende Än-
pro Kilowattstunde erhöht. Auch im Bereich der Klär- derung des ProMechG im Oktober 2008 umgesetzt.
gasnutzung beschränkt sich die Nachfrage auf die
Modernisierung und den Austausch alter Anlagen. Deponiegasanlagen
Da keine Entwicklungen identifiziert werden konn- Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh
ten, die eine Änderung der Vergütungssätze erfor-
bis 500 kWel 9,00
dert hätten, blieb die Vergütung von Strom aus
Klärgas somit unverändert. Beim Grubengas handelt 500 kWel bis 5 MWel 6,16
es sich nicht um eine erneuerbare Energiequelle. Klärgasanlagen
Es wurde 2000 in das EEG-Vergütungssystem aufge- Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh
nommen, um einen Anreiz dafür zu schaffen, das
bis 500 kWel 7,11
bislang ungehindert in die Atmosphäre entweichen-
de Methan bei gleichzeitiger Reduktion seiner klima- 500 kWel bis 5 MWel 6,16
schädigenden Wirkung einer energetischen Nutzung Grubengasanlagen
zuzuführen. Der gewünschte Effekt ist eingetreten. Leistungsanteil EEG 2009 Vergütung ct/kWh
Nachdem das EEG 2000 den Impuls für eine dyna-
bis 500 kWel 7,16
mische Marktentwicklung gegeben hatte, sind die
attraktiven Standorte weitgehend erschlossen und 500 kWel bis 1 MWel 7,16
1 MWel bis 5 MWel 5,16
ab 5 MWel 4,16
BONI für Deponie-, Klär- und
Auf einen Blick
Grubengas EEG 2009 Vergütung ct/kWh
Durch das Verbot der Deponierung thermisch un-
behandelter Abfälle seit 2005 ist die Deponiegas- Technologiebonus für Anlagen bis zu einer Leistung von bis
ausbeute rückläufig, die Nutzung wird langfristig 5 MWel nach Anlage 1l nach EEG 2009
auslaufen. Auch im Bereich der Klärgasnutzung Innovative Anlagentechnik 2,00
beschränkt sich die Nachfrage auf die Moderni- Für Gasaufbereitung bei Deponie- und Klärgas:
sierung und Erneuerung vorhandener Anlagen.
a) max. Kapazität bis 2,00
Beim Grubengas handelt es sich nicht um eine
350 Nm3/Stunde:
erneuerbare Energiequelle. Es wurde 2000 in das
EEG-Vergütungssystem aufgenommen, um das b) max. Kapazität bis 1,00
bislang ungehindert in die Atmosphäre entwei- 700 Nm3/Stunde:
chende Methan einer energetischen Nutzung Degression
zuzuführen. Mit den seit 2000 in Betrieb gegan- für Strom aus Deponie-, Klär- und Grubengas nach EEG 2009:
genen Anlagen ist das Potenzial zum überwiegen- 1,5 % auf Grundvergütung und Boni.
den Teil erschlossen. Tabelle 3: Vergütung der Stromerzeugung aus Deponie-, Klär- und
Grubengas nach EEG 2009.
20 Strom aus erneuerbaren EnergienSie können auch lesen