VERBANDS NACHRICHTEN Verband Österreichischer Höhlenforscher - Verband Österreichischer Höhlenforscher

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VERBANDS NACHRICHTEN Verband Österreichischer Höhlenforscher - Verband Österreichischer Höhlenforscher
Nr.: 4/2016
                                 Jahrgang 67

                    VERBANDS
                  NACHRICHTEN
Verband Österreichischer Höhlenforscher

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VERBANDS NACHRICHTEN Verband Österreichischer Höhlenforscher - Verband Österreichischer Höhlenforscher
Medieninhaber (Verleger),
  Hersteller und Herausgeber
    Verband Österreichischer
                                        Mitteilungsblatt
 Höhlenforscher (DVR: 0556025),         des
  Obere Donaustraße. 97/1/61,
           1020 Wien                    Verbandes Österreichischer Höhlenforscher
  Verlags- und Herstellungsort
             Wien                       Jahrgang 67, Nr. 4/2016
                                        Wien, September 2016
        Verbandszweck                   ISSN: 22257675
Förderung der Karst- und Höhlen-
kunde, Zusammenschluss aller mit
Höhlen- und Karstkunde befassten
         Organisationen.
                                        Inhalt
         Verbandsvorstand
              Präsident:                EDITORIAL ............................................................................................................ 55
   Univ. Prof. Dr. Christoph Spötl      BIOGRAPHISCHES LEXIKON DER HÖHLENFORSCHUNG IN ÖSTERREICH .. 55
           Vizepräsidenten:             FORSCHUNGSNEWS ÖSTERREICH................................................................... 56
          Günter Stummer,               FORSCHUNGSNEWS INTERNATIONAL ............................................................. 63
           Renate Tobitsch              EURO SPELEO KONGRESS 2016 ....................................................................... 63
  Schriftführer (Generalsekretäre):     NEUES AUS DER UIS ........................................................................................... 67
        Alexander Klampfer,             SICHERHEIT.......................................................................................................... 67
        Dr. Johannes Mattes             SCHAUHÖHLEN.................................................................................................... 68
     Mag. Barbara Wielander             EINLADUNG ZUR JAHRESTAGUNG 2016........................................................... 68
              Kassierin:                SPELÄOLOGISCHE VORTRAGSREIHE .............................................................. 69
           Jennifer Langer              ZEITSCHRIFTEN-REVUE DER VÖH-BIBLIOTHEK .............................................. 69
      Kassierin-Stellvertreter:         TERMINE UND VERANSTALTUNGEN ÖSTERREICH......................................... 71
            Christa Pfarr,
                                        TERMINE UND VERANSTALTUNGEN INTERNATIONAL ................................... 71
           Otto M. Schmitz

           Kontakt                      Titelbild: Quadrupelschacht in den Kalkspitzen (Niedere Tauern)
                                        Foto: Monika Schöner
    Homepage: www.hoehle.org
    VÖH-Handy: 0676/9015196
                                        Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 15.11.2016
             Redaktion
      Mag. Barbara Wielander
        Tel: 0676/4214039
      Email: vbnr@hoehle.org            Mailadressen des VÖH bzw. Zuständigkeit
                                        Generalsekretariat                                                           info@hoehle.org
       Dr. Johannes Mattes,
                                        Verbandsnachr. (Mag. Barbara Wielander)                                      vbnr@hoehle.org
        Tel.: 0676/9015196
                                        Kassierin (Jennifer Langer)                                                  kassier@hoehle.org
     Email: Johmattes@gmx.at
                                        Redaktion „Die Höhle“ (Dr. Lukas Plan)                                       die-hoehle@uibk.ac.at
                                        Ausbildung / Schulung (Christian Berghold-Markom)                            schulung@hoehle.org
                                        Schauhöhlen (Dr. Fritz Oedl)                                                 info@eisriesenwelt.at
             Druck
                                        Umweltschutzreferent (Dr. Rudolf Pavuza)                                     rudolf.pavuza@nhm-wien.ac.at
         GERINdruck,
                                        VÖH-Bibliothek (Christa Pfarr)                                               christa.pfarr@nhm-wien.ac.at
    Bahnhofplatz. 3, 4020 Linz
                                        Österr. Höhlenverzeichnis (Dr. Lukas Plan)                                   lukas.plan@nhm-wien.ac.at
                                        Emmahüttenbetreuer (Harald Auer)                                             auer.harald@twin.at
        Erscheinungsweise
                                        Hüttensubvention (Dr. Dietmar Kuffner)                                       dietmar.kuffner@aon.at
            6 x jährlich
                                        VÖH-Versicherung (Thomas Exel)                                               versicherung@hoehle.org
      (auch Doppelnr. möglich)
                                        Versand Verbandsnachr. (Otto M. Schmitz)                                     mops3@gmx.at
           Bezugspreis
 Für Mitglieder im Mitgliedsbeitrag
             inbegriffen
                                        VÖH – Produkte
            Abonnement
  € 7.-/Jahr. Bestellung bitte an die   1. Zeitschrift „Die Höhle“, Einzel-Jahresbezug: € 12.- (exkl. Versand),
         Redaktionsadresse.                Vereinsabonnements in Österreich und Deutschland: € 9.- (exkl. Versand).
 Die Redaktion behält sich Kürzun-         Versand: € 1,50 für Österreich, € 2,50 für EU-Raum und Schweiz
gen und die Bearbeitung von Beiträ-     2. Verbandsnachrichten (Jahresbezug) € 7.-
gen vor. Durch Einsendung von Fo-       3. Kollektive Freizeit- u. Unfallversicherung des VÖH (pro Person) € 5,00
tografien und Zeichnungen stellt der    4. Mitgliedsbeitrag der Vereine an den VÖH (pro Person) € 3.-
      Absender den Herausge-            5. Emmahütte am Dachstein (Obertraun):
ber/Redaktion von Ansprüchen Drit-         Reservierungen: Tel.: 0676/81212737 (Peter Neugebauer), Nächtigung für
                ter frei.                  Nichtmitglieder € 12.-, Mitglieder € 6.-, Kinder € 4.-
 Für den Inhalt namentlich gekenn-
zeichneter Beiträge sind die Autoren
            verantwortlich.

              Konto:
  IBAN: AT23 6000 0000 0755 3127
         BIC: OPSKATWW                                             54
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EDITORIAL
Liebe Verbandsmitglieder!

                                            Dass Österreichs Höhlen(forschungs)landschaft eine vielfältige ist, ist
                                            zumindest unter Höhlenforschern bekannt - nicht zuletzt 23 Mitglieds-
                                            vereine des VÖHs zeugen vom breiten Spektrum der Österreichi-
                                            schen Höhlenforschung. Damit aber nicht nur Höhlenforscher einen
                                            Einblick in die zahlreichen Facetten Österreichs „Unterwelt“ bekom-
                                            men können, hat der VÖH nun das 750 Seiten umfassende, reich be-
                                            bilderte Buch „Höhlen in Österreich“ (siehe auch Vbnr 2-3/2016,
                                            S. 48) mitherausgegeben. Es ist als erstes Buch, das die
                                            Höhlenforschung in Österreich in ihrer ganzen Bandbreite - von der
                                            Geologie über die Biologie bis hin zur Geschichte und zum
                                            Höhlenrecht - abdeckt, das erste seiner Art. Und als eine der 49
                                            AutorInnen habe ich einen kleinen Einblick davon bekommen können,
L. Plan bei der Buchpräsentation             welche ungeheuerliche Arbeit nötig war, damit dieses umfangreiche
Foto: Albin Tauber                           Buch in dieser Form realisiert werden konnte. Am 7. 9. war die
                                             offizielle Präsentation des Buches im Naturhistorischen Museum
Wiens. Nachdem die drei Herausgeber, Erhard Christian, Lukas Plan und Christoph Spötl, das Buch und die darin
behandelten Themen vorgestellt hatten, gab es einen Empfang mit Wein und geselligem Gedankenaustausch in
den ehrenwerten Hallen des Museums, bei dem auch das eine oder andere Buch signiert wurde. Es ist in der Tat
erstaunlich - von den mehr als 1000 Exemplaren, die gedruckt worden waren, sind bereits nahezu alle verkauft
worden. Wer dieses Buch, welches in einer gut sortierten höhlenkundlichen Bibliothek nicht fehlen sollte, noch
nicht sei eigen nennt, möge sich also beeilen!
                                                                                              Barbara Wielander

         BIOGRAPHISCHES LEXIKON DER HÖHLENFORSCHUNG IN ÖSTERREICH
Biografisches Lexikon der Höhlenforschung in Österreich

(Red.)

Wie bereits in der letzten Ausgabe berichtet wurde, arbeitet Johannes Mattes an einem „Biografischen Lexikon der
Höhlenforschung in Österreich“, das 2017 in der Beihefte-Reihe z.Z. „Die Höhle“ publiziert werden soll.
Eine besondere Herausforderung stellt auch die Sammlung von abdruckreifen Porträtfotos dar. Mit Hilfe der Leser
konnten bereits zahlreiche Fotos gesammelt werden, nach wie vor fehlen jedoch zu den unten aufgelisteten Per-
sonen entsprechende Bilder in guter Auflösung. Johannes Mattes bittet deshalb alle Leser, die ein Porträtfoto der
angeführten Personen besitzen, um Hilfe und Zusendung einer digitalen Kopie an seine E-Mail-Adresse
johannes.mattes@univie.ac.at.

    Abrahamczik, Walter                     Eunike, Paul                             Hegewald, Erika
    Agapito, Girolamo                       Fasching, Josef                          Hell, Martin
    Aigner, Engelbert                       Fielhauer, Helmut                        Helmut, Frank
    Andrain-Werburg, Leopold                Fischer, Helene                          Hertodt von Todtenfeld, Jo-
    Angermayer, Erwin                       Frank, Leopold                           hann Ferdinand
    Ausobsky, Albert                        Freytag, Gustav                          Hinterer, Leopold
    Berr, Eugen                             Friesen, Robert                          Hirsch, Peter
    Boček, Antonín                          Gaisberger, Johann                       Hobelsperger, Alois
    Brand, Hans                             sen. (1902-1983)                         Hobelsperger, Fritz
    Breuer, Margarethe                      Gaisberger, Johann                       Hoffelner, Erich
    Bruckenberger, Josef                    jun. (1931-2010)                         Hü(l)dl Hans
    Brunello, Max                           Gamsjäger, Peter                         Hubmayr, Gerald
    Buchholtz, Georg(ius) jr.               Gaunersdorfer, Gustav                    Hütter, Franz
    Caspart, Julius                         Gressel, Walther                         Hüttner, Erwin
    Čeč, Luka                               Gruber, Hermann                          Jordán, Karoly
    Cermak, Ernst                           Hacker, Aquilin                          Kai, Ingeborg
    Cramer, Klaus                           Hacker, Leopold                          Kai, Ottokar
    Divald, Kàroly                          Hamann, Otto                             Karner, Lambert
    Duller, Franz                           Handl, Leo                               Katzer, Friedrich
    Eberau, Lise                            Hauser, Ernst                            Kießling, Ernst
    Ertl-Bergthaller, Käthe                 Hauser, Ludwig                           Kirchschlager, Matthias
                                                       55
VERBANDS NACHRICHTEN Verband Österreichischer Höhlenforscher - Verband Österreichischer Höhlenforscher
Kittel, Erika                            Oppenheimber, Theodor                    Schinnerl, Maria
   Konviczka, Ruggero                       Patek, Peter                             Schmidt, Ferdinand Josef
   Koppenwallner, Franz Xaver               Petschar, Josef                          Schoßleitner, Karl
   Körber, Otto                             Pfandl, Karl                             Šeber, Maks, auch Schäber
   Kunaver, Josip                           Pilz, Karl                               Segl, Johann
   Lammer, Hildegard                        Pilz, Roman                              Šerko, Alfred d. J.
   Lämmermayr Ludwig                        Pollak, Julius                           Siegl, Hans
   Lechner, Heinrich                        Posselt-Csorich, Anton von               Siegl, Walter
   Lejhanec, Franz                          Pretner, Egon                            Spöcker, Richard
   Lenz, Anton                              Raisz, Keresztély (Christian)            Stipic, Oskar
   Limberger, Gunter                        Reisenauer, Josef jun.                   Strauß, Ernst
   Lindner, Anton Friedrich                 Reisenauer, Josef, sen.                  Strömpl, Gábor
   Lorencovà, Antonie                       Reitzelsdorfer, Franz                    Svetina, Jakob
   Makoter, Viktor                          Repis, Willi                             Teißl, Ludwig
   Makowsky, Alexander                      Resch, Johann                            Thalhammer, Michael
   Mali, Alois (Luis)                       Rettich, Franz                           Trotzl, Karl
   Mayer, Heinz                             Rihl, Hermann                            Vass, Imre
   Mayer, Hermann                           Rose, György                             Vigsius, Martin Alexander
   Mörk, Alexander von                      Rudczinsky, Carl                         Waldner, Franz
   Morocutti, Albert                        Rudolf, Ivan                             Wallisch, Franz
   Mottl, Maria                             Salzer, Heinrich                         Weirather, Leo
   Mutschlechner, Georg                     Sandri, Beate                            Wernher, Gyõrgy
   Neuherz, Franz Heinz                     Sartori, Franz                           Wiener, Leopold (Poldi)
   Nuck, Karl                               Sartory, József                          Wiesinger, Gabriele
   Oberegger, Egelbert                      Sawicki, Ludomir                         Wimmer, Franz
   Oedl, (Franz) Robert                     Schadler, Josef                          Zippe, Wilhelm
   Oedl, Friedrich (+1969)                  Schafelner, Franz
   Oedl, Friedrich (+2006)                  Schauberger, Othmar

                                  FORSCHUNGSNEWS ÖSTERREICH
JungforscherInnentage Kalkspitzen 20.-24.8.2016

Barbara Wielander

                                                      Ende August fanden erstmals die vom Wiener
                                                      Höhlenverein in Kooperation mit dem VÖH initiierten
                                                      „JungforscherInnentage“ in den Kalkspitzen (Niedere
                                                      Tauern) statt. Der Name dieser Forschungsaktion ist
                                                      vielleicht etwas irreführend, richtete sich die Ausschreibung
                                                      doch an alle an der Gegend interessierten Forscher - egal
                                                      ob jung oder alt. Ziel der Tour war vor allem, einem etwas
                                                      stiefmütterlich behandelten Gebiet die Aufmerksamkeit zu
                                                      schenken, die es verdient, aber auch, Forschern mit
                                                      weniger Erfahrung die Gelegenheit zu geben, gemeinsam
                                                      mit erfahrenen Forschern ins Gelände zu gehen.

                                                      Insgesamt     forschten    zehn    „Höhlenkundler“     aus
                                                      Niederösterreich, Wien, der Steiermark, aus Salzburg und
                                                      sogar aus England, namentlich Chris Coram, Edgar Dachs,
                                                      Eckart Herrmann, Christine Mrkos, Walter Mühlbacher,
„Jung“forscherInnen in den Kalkspitzen                Michael Nagl, Monika Schöner, Johannes Wallner, Johanna
vlnr: Eckart Herrmann, Barbara Wielander, Walter      Wiedlak und Barbara Wielander, fünf Tage lang in dem
Mühlbacher, Johanna Wiedlak, Johannes Wallner,        wirklich außerordentlichen Gebiet zwischen Steirischer und
Monika Schöner, Christine Mrkos, Chris Coram          Lungauer Kalkspitze, Stützpunkt war dabei die an einem
                                                      malerischen Bergsee gelegene Giglachseehütte, wo wir
                                                      überaus herzlich aufgenommen wurden.

Der Samstag (20.8.) war noch sommerlich warm und sonnig, also wurde er zur ersten Geländebegehung genutzt,
wobei auch schon ein paar Schächte in unmittelbarer Nähe zum Wanderweg befahren werden konnten. Misstrau-
isch von Wanderern und Murmeltieren beäugt, verschwanden bunt beschlazte Forscher in einem kleinen Loch ne-
ben dem Weg, welches es immerhin auf stolze 16 m Ganglänge brachte. Wenige Höhenmeter bergauf, ebenso

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neben dem Weg gelegen: der Schwarzforscherschacht. Ein großäumiges, bisher nicht im Kataster vermerktes Ob-
jekt, in welchem jedoch kurioser Weise alte Spit und Laschen gefunden werden konnten (Ganglänge: 48 m).

                                                                                     Sonntags (21.8.) kam dann
                                                                                     der erwartete Wettersturz,
                                                                                     das eher spätherbstliche
                                                                                     Wetter       sollte       bis
                                                                                     Dienstagvormittag anhalten.
                                                                                     Bei        Nebel         und
                                                                                     Schneeregen       verspürten
                                                                                     die Forscher wenig Lust,
                                                                                     die    gemütlich    beheizte
                                                                                     Hütte zu verlassen. Aber da
                                                                                     Höhlenforscher nicht aus
                                                                                     Zucker sind, begab man
                                                                                     sich               wetterfest
                                                                                     „angeschlazt“ auf den Weg.
 Höhlensuche…                                   … und Vermessung
 Fotos: E. Herrmann                             B.Wielander
                                                                                     Heutiges Ziel war die alt
                                                                                     bekannte Durchgangshöhle
(2622/2) am Südgrat der Steirischen Kalkspitze, sicher eines der spannendsten der bereits im Kataster vermerkten
Objekte. Die Ganglänge wird im Salzburger Höhlenbuch mit „zw. 320 und mehr als 1000 m“ angegeben, bei einer
erfolgten (unvollständigen) Neuvermessung kamen nun rund 290 m an Ganglänge zusammen. Die geschätzten
1000 m Ganglänge dürften eindeutig zu hoch gegriffen sein. Wenig unterhalb der Durchgangshöhle gelegen befin-
det sich die ebenso etwas mysteriöse 4. Etage (2622/5), welche Ende der Siebziger Jahre als wenige Meter lan-
ger, niederer Schluf, aus dem den Forschern ein eisiger Windhauch entgegen wehte, beschrieben worden war. Der
Luftzug verleitete die Forscher damals zu der Vermutung, die 4. Etage könne mit der Durchgangshöhle zusammen
hängen und somit ein tieferes Niveau letzterer darstellen, was zur Namensgebung führte.

                                                     Die Höhle war rasch gefunden, der Eingang war durch zwei
                                                     meterhohe Steinmänner markiert, welche schon seit den
                                                     Siebzigern die Höhle bewachten. Der niedere Schluf in Ein-
                                                     gangsnähe war auch noch da, er war aber offenbar ausge-
                                                     räumt worden. Dahinter kommt man in eine geräumige Halle
                                                     mit Eisboden, wo ein schmaler Canyon und dahinter wieder
                                                     ein unbefahrbar niederer Schluf (mit eisigem Windhauch)
                                                     ansetzen - davon war in der alten Raumbeschreibung keine
                                                     Rede. Es scheinen auch hier die unbekannten Höhlenfor-
                                                     scher zugeschlagen zu haben.

                                                     Drei Stunden Graben bei Eiseskälte und auch dieser Schluf
                                                     war bezwungen. Acht Meter Ganglänge konnten ausgeräumt
                                                     werden, dahinter tut sich ein wahres Labyrinth an Gängen
Johanna Wiedlak im Eingangsbereich der 4. Etage      und Canyons auf. Eine Vermessung desselben in mehreren
Foto: E. Herrmann                                    Teams   während der nächsten Tage brachte zwar nicht die
                                                     erhoffte Verbindung zur Durchgangshöhe (die Höhle ist also
doch keine „4. Etage“), aber immerhin eine Ganglänge von rund 500 m - und das alles weitgehend horizontal! Die-
se Höhle ist ein Eldorado für Schlufbegeisterte. Bis zum Ende der Expedition konnten nahezu alle offenen Fra-
gezeichen abgeklärt werden, ein paar kleinere Löcher im Labyrinth könnten allerdings noch näher begutachtet
werden, denn woher nun der eisige Lufthauch wirklich kommt, konnte immer noch nicht geklärt werden. Vielleicht
gibt es die sagenhafte Verbindung ja doch?

Am Dienstagnachmittag riss dann schließlich der Nebel auf, und wir konnten wieder einen Blick auf die wunder-
schöne Bergwelt der Niederen Tauern werfen. Zum Abschluss der Expeditionswoche standen ein paar Schächte
auf dem Programm, wobei vor allem der Quadrupelschacht auf der Lungauer Kalkspitze (siehe auch Titelbild die-
ser Ausgabe) erwähnenswert ist. Dieser war durch vier kreisrunde, nebeneinander gelegene Löcher am Orthofoto
aufgefallen und tatsächlich bilden diese vier Löcher Einstiege zu einem einzigen „Schachtsystemchen“, welches
bisher auf eine Ganglänge von 53 m vermessen werden konnte (Fortsetzung folgt!).

Insgesamt konnte während dieser fünf Tage bei bester Laune aller Teilnehmer knapp 1 km in 8 Höhlen vermessen
werden, 17 Objekte wurden mit Koordinaten erfasst und es ist nicht auszuschließen, dass auf diese erfolgreiche
Expedition weitere folgen werden.

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Neues von der Sulzfluh / Weißplatte

Alexander Klampfer

                                                            Von 1. bis 10.9.2016 fand heuer bereits zum 9. Mal
                                                            das     traditionelle  Forschungslager       auf   der
                                                            Tilisunahütte im Rätikon (Vlbg) statt. Mit dabei waren
                                                            wieder Mitglieder der Ostschweizer Gesellschaft für
                                                            Höhlenkunde (OGH) sowie des Vorarlberger
                                                            Höhlenvereins. Im Schnitt waren stets 8 Forscher
                                                            während der Woche vor Ort.

                                                            Obwohl die ganz großen Entdeckungen uns heuer
                                                            leider etwas verwehrt geblieben sind, kann das
                                                            heurige Lager als durchaus erfolgreich bezeichnet
                                                            werden:

                                                            Endsiphon der Mäanderhöhle
                                                            Foto: Christian Fritz

   Ω   Neuvermessung der extrem wassergefährdeten „Nassen Schächte“ in der Mäanderhöhle und Abstieg bis
       zum Endsiphon (-502 m).
   Ω   Weiterforschung in den Schloten im Biwakgang sowie Reststreckenvermessung in der Mäanderhöhle.
   Ω   Erfolgreiche Tauchgänge im Siphon des Biwakgangs der Mäanderhöhle (rund 250 m unterhalb des Ein-
       gangs zur Höhle) sowie in der Unteren Seehöhle (CH).
   Ω   Rund 400 m Neuland in der Unteren Seehöhle (GL: > 1 km) und Aufarbeitung von Reststrecken.
   Ω   Entdeckung von insgesamt 30 neuen Klein- und Mittelhöhlen an der Sulzfluh sowie Weißplatte.
   Ω   Aufarbeitung unzähliger Portale im teils extremen Steilgelände an der Sulzfluh (Bereich Schengenhöhle).
   Ω   Neubearbeitung des Schachts K6 an der Sulzfluh (-135 m).

Wie bereits letztes Jahr war die Woche vom Wetterglück gesegnet und bis auf wenige blaue Flecken verlief die
gesamte Forschungswoche trotz intensiver Arbeitseinsätze unfallfrei. Ein großer Dank gilt wieder einmal dem Hüt-
tenteam der Tilisunahütte für die gewohnt perfekte Bewirtung sowie bei der Hilfe beim Materialtransport!

Teilnehmer: Mathias Andreatta, Michel Bovey, Andy Dickert, Frèdy Fleury, Christian Fritz, Christian Galehr, Bene-
dikt Hartmann, Alex Klampfer, Roland Lutz, Ewald Mäder, Andi Münger, Thomas-Jan Waller, Yvo Weidmann

Tauchgänge im Biwakgang der Mäanderhöhle. Fotos: A. Klampfer

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Neues aus dem Gesäuse

Eckart Herrmann

Selten schön - 16.-18.7.2016
                                              „Selten schön“ - so lautet der Titel des heurigen Nationalpark-
                                              Kalenders, und die Texter hätten sich niemals träumen lassen, auf
                                              welch unglückliche Weise sich dieser Titel im Gesäusewetter 2016
                                              bestätigen sollte. Der Wirt von der Haindlkarhütte fand unsere Witze-
                                              lei darüber jedenfalls gar nicht lustig.
                                              Wir glauben diesmal fest an den guten Wetterbericht und steigen am
                                              Samstag ins Ödsteinkar auf, auch wenn sich die Wände nach oben
                                              hin schon in dunklen Wolken verlieren. Gleich am Beginn des An-
                                              stiegs finden wir eine kleine Hangschuttbrekzienhöhle, den
                                              Mitteriedldurchgang. Weiter oben pfeift ein eiskalter Nordwester und
                                              der totenstarr daliegende Karwinkel zwischen den „himmelhohen“
                                              Pfeilern von Ödsteinkante und Ödsteinkarturm ist erfüllt von dumpfem
                                              Heulen und Brausen. Das Ödsteinkar ist der düsterste Winkel auf
 Streng genommen auch eine Höhle              Erden. Kein Bühnenbildner könnte sich eine derart dräuende
 Foto: Reinhard Fischer                       Szenerie ausdenken. Die Bedrückung steigert sich ins Äußerste,
                                              wenn man in den innersten Karwinkel unter die rotbrüchige
Ödsteinkarwand hinaufsteigt, in dem alles vom Steinschlag zertrümmert ist und sich ein Riesenzipfel neben der
Nordwestschlucht dieses Wandmonsters so weit nach außen beugt, als wolle er jeden Moment zur Tiefe stürzen,
und hier noch einmal alles zerschmettern.
Tom und Reinhard nehmen sich ein Portal vor, das an der Schichtgrenze zwischen Dachsteindolomit und Raibler
Schichten ausgewittert ist (Raiblerloch), Michi und ich vermessen eine von Johannes Wallner entdeckte Höhle un-
ter der Ödsteinkante, die es immerhin auf 37 m bringt. Weiter oben, am Preußeinstieg, finden wir noch die Preu-
ßeinstiegkammer, in der vermutlich die Bergrettung einen Plastikkanister deponiert hat. Ein fast senkrechter
Schuttwall, vermutlich nach Abschmelzen des Firnfeldes entstanden, macht das Betreten der innen gemütlichen
Höhle zu einer heiklen Angelegenheit. Den höhlenkundlichen Abschluss des Tages bildet die Gsengkogelspalte in
den Dolomitschrofen unter der Ödsteinkarturm-Nordwestwand. Wir haben noch den unangenehmen Überstieg ins
Haindlkar zu nehmen, wo wir einmal mehr den Wirten bezüglich unseres morgigen Tagesziels verwirren: Wir grü-
beln über die beste Zustiegsvariante zum Portal in der Ödsteinkarturm-Nordostwand, und er möchte uns beharrlich
eine Standardtour schmackhaft machen, am besten den Peternpfad, weil ja nun doch Regen vorhergesagt ist. Erst
als er in seiner Verzweiflung den Naturkundlichen Kletterführer daherschleppt und ich ihm darin die Seite „Höhlen
in den Hochtorwänden“ zeige, scheint er irgendwie zu verstehen, dass wir narrisch sind, und als sich dann Michi
außerdem noch als der Sohn seines extremberglaufenden Vaters aus Hieflau zu erkennen gibt, ist auch mensch-
lich der Bann gebrochen.
Anderntags steigen wir bei Nebelreißen in die Schmittvariationen ein, die mit ihren modernen Bohrhaken auch für
den Fall eines Regens einen sicheren Rückzug versprechen. Zwölf nasse Seillängen über dem Einstieg folgt die
Ernüchterung, da die erhoffte Querung über Bänder zum Portal durch eine senkrecht durchziehende Schlucht ver-
sperrt ist. Versperrt ist durch den dichten Nebel auch die Sicht, und so drehen wir missmutig um. Mit dem Beginn
der Abseilerei beginnt es auch schlagartig zu schütten, und es zeigt sich, dass der so schön feste Wandstreifen,
durch den die neue Bohrhakenlinie gelegt wurde, von einem Sturzbach geschaffen wurde, der nun unsere Ab-
stiegslinie vorgibt…
                                                    Reinhard stellt unten unsere Disqualifizierung fest: Klettern ok,
                                                    Canyoning passabel, aber Höhle: null Punkte!
                                                    Auf der Haindlkarhütte wird unser triefendes Gewand über den
                                                    Suppentöpfen in der Küche aufgehängt. Ich ärgere mich beim
                                                    Abstieg ins Tal fast darüber, weil das immer noch feuchte Zeugs
                                                    nach drei Tagen Wirtshaus riecht. Erst dann kommt mir der
                                                    grausige Gedanke: Wir haben derweil eine ziemlich würzige
                                                    Fritattensuppe gegessen und der Wirt hat uns währenddessen
                                                    noch glücklich erzählt, dass zu Mittag 40 tropfnasse Wanderer
                                                    auf die Hütte gekommen sind und deren Hosen ebenfalls trocken
                                                    gelegt werden mussten!?
                                                    Für Tom und mich läuft der Tag entspannt aus: Wir hängen noch
                                                    den Montag dran und haben die Chance, noch ein paar Meter
Wieder eine Bürgelkluft. Foto: E. Herrmann
                                                    gut zu machen. Zwecks Gemütlichkeit, und um auf Nummer Si-
                                                    cher zu gehen, peilen wir dafür die Bürgelklüfte (1711/1) an. Wir
verlängern die Bürgelklüfte um 15 m, stoßen aber gleich daneben auch auf zwei nicht damit zusammenhängende
Spalten (was uns namensmäßig in ein Dilemma bringt), Länge 24 m (mit Zehnermeter langer Oberflächenspalte)
und 26 m. In eine davon kann man nur in ein Huflattich-verhangenes Wurmloch im Wiesenboden einschlüpfen. An
seinem Grund liegen die Knochen einer Kuh, die hier dereinst spurlos abgetaucht sein dürfte. Für Maulwürfe wie
Tom und sorglose Wanderer besteht hier noch ein großes Potential an unerwarteten Entdeckungen.

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An diesem Tag sind wir übrigens gleich drei Mal nass geworden: ein wenig beim Aufstieg im Regen, deutlicher in
den tropfnassen Klüften und noch einmal bis auf die Haut in einem Wolkenbruch am Abstieg…
Mit dabei waren Reinhard Fischer, Thomas Gundacker, Eckart Herrmann und Michael Kopitsch.

Auf Hasitschkas biblischer Spur - 5.-7.8.2016
Unlängst – von knapp 10 Jahren… – hat Sepp Hasitschka mit seinem Sohn Peter
das untere Steinkarl hinter dem Zinödl begangen und über die schon aus dem
obersten Kar und am Orthofoto gut sichtbaren Schächte berichtet. Während seine
Namensvorschläge „Josefbrunnen“ (für Josef von Ägypten, der von seinen Brüdern
in einem tiefen Brunnen eingesperrt wurde) und „Die drei Eisheiligen“ durchaus
nachvollziehbar sind, bleibt seine „Petruspforte“ unverständlich: Wenn die
Himmelstür so ein finsterer Schlund ist, möchte ich über mein postvitales Ziel gerne
noch einmal nachdenken!
Josefsbrunnen (27 m) und Petruspforte (35 m) werden von uns gleich befahren und
vermessen, bei den Eisheiligen plage ich mich erstmal mit der Planaufnahme der
ausgedehnten Einstiege ab. Nebstbei: Die nicht gegenderte katholische Tradition
zählt bei uns ja meist nur drei Eisheilige: Pankratius, Servatius und Bonifatius,
grenzt aber die danach in Erscheinung tretende „Kalte Sopherl“ aus. Ebenso zählte
Hasitschka nur drei zusammenhängende Schächte. Übersehen hat er den großen
Tagschacht „Kalte Sophie“ auf der nächsthöheren Schichtstufe, der mit einem win-
digen Canyon mit den erstgenannten Schlünden in Verbindung steht. Zusammen
kommt das als „Eisheiligenschächte“ in den ewigen Kataster eingehende Objekt
jedenfalls auf über 100 m Länge, wovon am Ende unseres Forschungstages 91 m
vermessen sind. Der Pankratiusschacht zieht zumindest 30 m senkrecht in die Im Josefsbrunnen
Tiefe, ein Zehnermeter hoher, morscher Firnpfropfen und daneben gleich zwei Foto: E. Herrmann
Tröpferlbäder verleiden uns aber den Abstieg in größere Tiefen. Nikola erkundet
das Umfeld und stellt fest, dass es vor weiteren Einstiegen nur so wimmelt, die Mehrzahl ist aber verstürzt.
Da der direkte Zugang von der Goß ins Steinkarl als beschwerlich und mühsam empfunden wurde, entschieden wir
uns dazu, den Rückweg über den Jagdsteig zum Antoniboden, von dort weglos querend und schließlich über den
Handhabensteig zur Goß ansteigend zu bewältigen. Es wird ein Marsch von epischer Breite, der uns nach dreiein-
halb Stunden, vielen neuen Eindrücken aus der wunderschönen Karstlandschaft und sehr vielen Höhenmetern erst
nach Einbruch der Dunkelheit zurück zur Heßhütte bringt.
Der Hüttenabend wird wieder einmal lang und wir kriechen am Sonntag erst spät und recht faul aus den „Betten“.
Nur allernächst gelegene Objekte kommen an diesem Tag für uns in Frage: Also inspizieren wir nochmals (erfolg-
los) den sperrenden Block am Ende der Schneckenhöhle (1713/39) und beim Abstieg nach Johnsbach die Stein-
karhöhle (1713/1), in der noch ein wenig fotografiert wird. Mit dabei waren Eckart Herrmann, Jennifer Langer, Niko-
la Pletikosic und Johannes Wallner.

Hell’s Mountains III - Höllengebirgsexpeditionswoche des Vereins für Höhlenkunde Ebensee / LV Höhlen-
kunde Wien, 14.-17.7. 2016 und 28.8.2016

Barbara Wielander

Heuer fand bereits zum dritten Mal die Höllengebirgsforschungswoche mit
Stützpunkt am Feuerkogel als gemeinsame Aktion des Ebenseer und Wiener
Höhlenvereins statt. Bei regnerischem, trübem, nebligem Wetter im Juli und
brütender Hitze im August wurden insgesamt 5 Tage im Höllengebirge verbracht.
Dabei konnten 287 m vermessen und folgendes geleistet werden:

    Ω   Fertige Erforschung und Vermessung der letztes Jahr begonnenen
        Südlichen Kaisersteigkluft (1567/148). 2015 konnte die Kluft bis zu einer
        Felsmauer, welche die Höhle in den weniger tiefen, hellen
        Gehilfenschacht und einen zweiten, wesentlich tieferen Schacht teilt,
        befahren werden. Jenseits der Felsmauer zieht der zweite,
        kluftgebundene, etwas schummrig-düstere Schacht spektakuläre 30 m in
        die Tiefe, wo er an einer unbefahrbar engen Spalte endet.
    Ω   Fund und Vermessung des Juhu-Schachtes (1567/171) am Hochschneid,
        welches ein rund 10 m tiefes „Schachtsystemchen“ mit 4 Einstiegen ist. Im
        hinteren Teil konnte nach mühsamer Erweiterung einer Engstelle in eine
        kleine Halle mit schöner Schichtfugendecke gelangt werden.
                                                                                     D. Allhuter beim Befahren der
    Ω   Erkundung des Riederhüttenschachtes (1567/46), welche leider etwas
                                                                                     südlichen Kaisersteigkluft.
        enttäuschend verlief, da die versprochenen sagenhaften Fortsetzungen Foto: M. Wuits
        sich alle als deutlich weniger interessant als erwartet entpuppten. Der laut
        alten Berichten angebliche 40-m-Schacht war nur 10 m tief und die Gangfortsetzung jenseits der Schacht-
        querung nur eine Auskolkung…

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Ω   Höhlensuche im Gelände, bei der im Edltal zwei mäßig interessante Objekte gefunden werden konnten.

Aber jetzt der Höhepunkt... tadaaa! Oberhalb des Kaisersteiges wurde auf Initiative von Didi Allhuter im steilen
Latschengelände des Hochschneid-Südosthanges eine riesige Doline gefunden, die Nebelmonsterdoline (Länge
ca. 60 m, Breite ca. 30 m, Tiefe ca. 30 m). Am Dolinengrund befindet sich ein ca. 40 m dicker Eispfropfen, an der
Dolinen-Südwand konnte daran vorbei in einen tiefen Schacht mit Eiswänden abgeseilt werden, dabei passierten
wir eine Brücke aus Schnee und Eis. In rund 60 m Tiefe erreichten wir eine geräumige, die Doline unterlagernde
Halle, an deren Nordende ein toter Eichelhäher gefunden wurde, der durch eine kleine, weit über uns liegende
Schlotöffnung herab gefallen war. Der Boden der Halle war aus Eis bzw. Firn, am Südende der Halle war ein weite-
rer Schacht einsehbar. Doch hier war im Juli leider Endstation für uns, da wir nicht genügend Seil zur Weiterfor-
schung mit uns führten. Didi war völlig aus dem Häuschen und meinte, die Eishöhle sei (fast) schöner als die
Schwarzmooskogel-Eishöhle. Und auch Stajgr lachte (nach der Enttäuschung im Riederhüttenschacht) verzückt.
Es war klar: Wir müssen bald wieder kommen!
Im August war es dann so weit: In einer sechsstündigen Aktion konnte die im Juli entdeckte Höhle, welche wir
Hochschneid-Eishöhle (1567/172) nannten, weiter erforscht und vermessen werden. Bei der herrschenden Hitze
draußen (wir waren schließlich in der Hölle unterwegs) war das Eis in der Höhle eine willkommene Abwechslung,
aber bis wir endlich dort waren, mussten wir uns noch eine halbe Stunde fluchend durch undurchdringliche Lat-
schen kämpfen.

Impressionen aus der Hochschneid-Eishöhle. V.l.n.r.: Nebelmonsterdoline, Einstiegsschacht mit Schneebrücke, Eis-
formationen im Eissalon. Fotos: M. Wuits

Unser im Juli unter Latschen verstecktes Seil war Gott sei Dank noch vor Ort, und auch die Nebelmonsterdoline
war rasch gefunden. Die Schneebrücke war schon bedeutend schmäler geworden und knackste unheimlich, als wir
daran vorbei abseilten. Unter einer Tonne brüchigem Altschnee zu hängen ist nichts für schwache Nerven, zumal
sich auch gelegentlich Schneebrocken lösten und von oben herab polterten. Weiter ging’s in die Tiefe. Der
Schacht, der den Forschungsendpunkt im Juli dargestellt hat, war im Prinzip nur eine Randkluft. Vorbei an mächti-
gen Eiswänden geht’s weiter in die Tiefe, zuerst senkrecht, dann schräg, immer dem Eis entlang.
In rund 100 m Tiefe erreicht man dann endlich Felsboden, dieser ist allerdings von einer massiven Eisschicht über-
zogen - man steht also auf einem spiegelglatten Eissee. An der dem Schachtabstieg gegenüber liegenden Wand
findet man wirklich unbeschreiblich schöne Eisfiguren - einen 20 m hohen Eiswasserfall, eine Eisskulptur, die wie
ein gefrorener Springbrunnen aussieht, Eiskeulen (eine davon ähnelt ein bisschen einem „Stinkefinger“), Eiszapfen
in allen Formen und Größen, überall glitzert und glänzt es. Weiter hinten in der Halle trifft man wieder auf „unseren“
Eisblock (zur Erinnerung: das ist derselbe, den wir eben entlang hinunter abgeseilt sind). Dort kann man eine ca.
3 m hohe Eisstufe in die Höhe steigen und erreicht eine Kammer, wo man einen komplett im Eis angelegten klei-
nen Gang findet, welcher einem Iglu ähnelt. Stajgr schlug mit seinem Hammer Stufen in die Eiswand und zeigte
uns solcherart, dass er sich nicht nur Fels sondern auch Eiswände in die Höhe arbeiten kann.
Die gute Nachricht: Wir sind mit dem Vermessen nicht fertig geworden, werden also spätestens kommenden
Sommer wieder kommen. Die schlechte Nachricht: Offensichtliche Fortsetzung haben wir keine gefunden - aber
ein paar kleinere Löcher im Eis oder am Rand desselben sind noch offen.
Großer Dank geht an das gesamte Höhlenforscherteam, namentlich Dietmar Allhuter, Peter Kollersberger, Vladka
Kratka, Jiri (Stajgr) Vokac, Barbara Wielander und Manfred Wuits; an die Hüttenwirte des Feuerkogelhauses für die
nette und unkomplizierte Bewirtung und dafür, dass wir auch zu später Stunde noch reichlich und gut bekocht wor-
den sind sowie an Andi Kuhn für hilfreiches Feedback den Plan betreffend.

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FORSCHUNGSNEWS INTERNATIONAL
Das Pha Soung-Höhlensystem in Laos erreicht eine Ganglänge von 22 km

Liviu Valensas

                                                  Das Höhlenforscher-Team „Z“ , das im Januar 2015 einige Höh-
                                                  len der Provinz Khammouane in Zentrallaos im Rahmen einer
                                                  Expedition erforschte, veranstaltete im Januar und Februar 2016
                                                  erneut eine internationale Expedition, an der neun
                                                  Höhlenforscher aus sieben europäischen und zwei Forscher aus
                                                  asiatischen Ländern teilnahmen und die von Alexander (Liviu)
                                                  Valensas geleitet wurde. Dabei war das Ziel die Höhle Tham
                                                  Khai Nau, welche bereits 2015 auf einer Länge von 2 km
                                                  erforscht werden konnte. Von dieser Höhle aus startend gelang
                                                  es, zwei spektakuläre Verbindungen mit den Höhlen Tham Hay
                                                  und Tham Guan Muh herzustellen. Das daraus hervorgehende
                                                  neue System erhielt den Namen Pha Soung-System und wurde
Im Pha Soung-Höhlensystem.                        bei dieser Expedition auf ca. 15 km erforscht (11.240 m
Foto: L. Valensas                                 topographiert, Höhenunterschied: +53 m). Das Höhlensystem
                                                  weist 26 Eingänge auf und ist durch ein riesiges Labyrinth an
Gängen, endlose Seen, spektakuläre Galerien und Säle charakterisiert.
Im April 2016 führte eine neuerliche von Liviu geleitete internationale Expedition, an welcher vor allem Höhlenfor-
scher aus Laos und Thailand beteiligt waren, in das Pha Soung-Höhlensystem, dabei konnte das Höhlensystem
bis auf 22 km Ganglänge erforscht werden (16.750 m vermessen, +71 m Höhenunterschied). Das Höhlensystem
zählt somit zu den sechs längsten Höhlen Laos’, die nächste Expedition soll im Januar 2017 folgen. Nur 70 m
nordwestlich vom Pha Soung-Höhlensystem gelegen befindet sich die 916 m lange und +57 m tiefe Tham Kamma-
tan Höhle. Ein Zusammenschluss dieser mit dem Pha Soung-Höhlensystem scheint wahrscheinlich und wird eines
der Ziele der nächsten Expedition 2017 sein.

Verevkina-Höhle (Abchasien) erreicht eine Tiefe von 1 km

(Red.)

                                                  Das Kaukasus-Gebirge in Abchasien ist bekannt für seine tiefen
                                                  Höhlen, schließlich befindet sich die tiefste Höhle der Welt, die
                                                  Voronja-Höhle, eben in diesem Gebiet. Nun ist Abchasien um
                                                  eine    extrem    tiefe   Höhle    reicher.    Die   traditionelle
                                                  Sommerexpedition russischer Höhlenforscher (Perovo-Speleo
                                                  und Perowski-Höhlenverein) führte auch heuer im August wieder
                                                  in die auf einer Seehöhe von 2300 m gelegene Verevkina-
                                                  Höhle. Diese wird seit dem Jahr 2000 systematisch erforscht,
                                                  wobei bei den bisher durchgeführten 14 Expeditionen nie tiefer
                                                  als -400 m gelangt werden konnte - in dieser Tiefe endeten alle

Karst in Abchasien. Foto: www.incave.org
                                                 möglichen Fortsetzungen in Sackgassen. Doch heuer gelang
                                                 endlich der Durchbruch, sodass die 1-km-Marke geknackt
                                                 werden konnte.
Weitere Informationen (auf Russisch) findet man hier: http://incave.org/pervyj-kilometr-v-peshhere-verevkina/

                                    EURO SPELEO KONGRESS 2016
 th
5 European Speleological Congress - Austwick, Yorkshire Dales, UK

Ernest Geyer

                                               Der 5. European Speleological Congress fand von 13. bis 20. Au-
                                               gust 2016 in Austwick, in den sog. Yorkshire Dales, UK statt. Die
                                               Veranstaltung wurde mit Unterstützung der British Caving Associa-
                                               tion und der European Speleological Federation von folgenden
                                               Vereinen organisiert: Craven Pothole Club CPC, The Yorkshire
                                               Ramblers Club YRC, Yorkshire Subteranean Society YSS und der
                                               Cave Rescue Organisation CRO.
                                               Das Gebiet der Yorkshire Dales gehört zu den bedeutendsten
                                                        63
Höhlengebieten in Großbritannien und befindet sich im
Norden von England. Das Gebiet ist überwiegend aus
Kalkstein aufgebaut und rund 2000 Höhleneingänge
sind bekannt. Das sog. Three Counties System ist mit
89 km Länge die größte Höhle der Northern Dales und
Großbritanniens (Hd: 253 m). Der Yorkshire Dales
National Park besteht bereits seit 1954 und umfasst
eine         Fläche        von         1.765       km².
(www.yorkshiredales.org.uk/). Charakteristisch für die
Gegend sind die kilometerlangen Steinzäune.
Insgesamt 1300 Höhlenforscher aus 36 Nationen
weltweit nahmen an diesem Kongress teil, der im
Dealsbridge Zentrum durchgeführt wurde. Die Dele-
gation aus Österreich bestand aus Jennifer Langer,
Taraneh Khaleghi, Anna u. Peter Ludwig, Dr. Fritz
Oedl, Franz Eder, Thomas Resch, Markus Karstlandschaft bei Ingleton. Foto: E. Geyer
Schafheutle und dem Verfasser. Die Tagung selbst
war sehr gut organisiert - großteils fand die Veranstaltung in Zelten statt. Auch das Wetter spielte mit - typisch briti-
sches Wetter stellte sich erst am Ende der Tagungswoche ein und verwandelte das Gelände in eine Schlammpis-
te, das der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat. Mit Gummistiefeln war man jedenfalls gut gerüstet. Das Cate-
ring leistete gute Arbeit und für das leibliche Wohl zu günstigen Preisen war gesorgt. Der Bierkonsum konnte sich
sehen lassen - 130 Barrels of Beer, dies entspricht 21.281 Liter! Aufgrund der großen internationalen Beteiligung
gab es ausreichend Gelegenheit sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
Das Vortagsprogramm war sehr umfangreich: In Summe wurden 121 Vorträge, Workshops und Fachexkursionen
durchgeführt, alle Themen der Höhlenforschung wurden behandelt. Vorträge mit Österreich-Bezug standen auch
auf dem Programm - über die neuesten Forschungen des CUCC am Schwarzmooskogel und über die Bulgari-
schen Forschungen im Tennengebirge seit 1980 wurde berichtet.
Im Zuge dieser Veranstaltung wurde auch das 4. EuroSpeleoProtection Symposium abgehalten. Das Team um
Jean-Claude Thies (Luxemburg), Bärbel Vogel (Deutschland) und Andrew Hide (UK) organisierte ein umfangrei-
ches Vortragsprogramm zum Thema „Höhlen und Karst - Schutz und Erhaltung unter EU-Recht“, welches generell
sehr gut besucht war. Dr. Fritz Oedl berichtete in diesem Rahmen über „Umwelt- und Höhlenschutz in Schauhöh-
len“.
Die Exkursionen führten in die Höhlen der Umgebung, welche aber nach Anmeldung auch selbständig besucht
werden konnten. Viele der Höhlen sind wasserführend. Zu den bedeutendsten Höhlen zählt die Gaping Gill. Der
Fell Beck-Bach entspringt oberhalb der Höhle und fließt in den großen Eingangsschacht. Der erste Abstiegsver-
such wurde von John Birkbeck im Jahr 1842 gemacht, er erreichte damals eine Tiefe von etwa -55 m. Der erste
vollständige Abstieg wurde 1895 von Édouard Alfred Martel durchgeführt. Der Eingangsschacht ist 105 m tief, der
Abstieg erfolgt entlang des Wasserfalls und führt in eine große Halle. 1983 gelang es Mitgliedern der Cave Diving
Group die Unterwasserverbindung zur Ingleborough Cave (Schauhöhle) nachzuweisen. Das Gaping Gill Höh-
lensystem hat eine Länge vom 16,9 km bei einer Tiefe von -197,5 m, zählt zu den längsten und komplexesten Höh-
lensystemen Großbritanniens und hat neben den Hauptschacht zwanzig weitere Eingänge. Vom Bradford Pothole
Club und Craven Pothole Club wird zweimal im Jahr eine Winde am Eingangsschacht für Besucher betrieben, die
den Ab- und Aufstieg erleichtert. Englands längste Schauhöhle, die White Scar Cave (L: 5955 m, Hd:73 m), befin-
det sich auch in der Region Ingleton.

                                                        Unter großer Beteiligung fanden auch die Speläo-Wettbe-
                                                        werbe satt. Die Ausstellungen zu den Themen Höhlenfo-
                                                        tographie, Höhlenpläne, Kunst und Video erfreuten sich
                                                        großer Beteiligung. Ausgezeichnet wurden u.a. Taraneh
                                                        Khaleghi (Verein für HK in Obersteier) für die beste
                                                        künstlerische Arbeit „Darkness“ (Judged Art Category) und
                                                        das beste Cartoon „Bat and Man“ (Delegate Ballot), und im
                                                        Bereich Fotographie Thomas Resch (LV Wien/NÖ) für das
                                                        Bild „Jenny-Bat“ (Digital File Category).
                                                        Im kommenden Jahr findet der UIS-Kongress in Sydney,
                                                        Australien vom 23. bis 29. Juli 2017 statt, eine größere
                                                        Delegation Australischer Höhlenforscher war vor Ort und
                                                        machte entsprechende Werbung. Weiterführende Details
                                                        finden      sich       auf        der     Kongress-Webseite
                                                        (www.speleo2017.com). Die Vorstandssitzungen der UIS
                                                        fanden unter der Leitung von Kyung Sik Woo (Süd-Korea) in
                                                        Dealsbridge statt.
                                                        Die Generalversammlung der European Speleological
Mitgliedsländer der FSE, Stand August 2016              Federation (FSE), an der Delegierte aus 17 FSE-Mit-
                                                        gliedsländern teilnahmen, wurde am Sonntag, den 14.

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August 2016, abgehalten. Aktuell sind 31 europäische Länder in der FSE vertreten, in Summe sind unter diesem
Dachverband europaweit rund 38.700 Höhlenforscher vereinigt.
Dem Aufnahmeantrag der 2015 gegründeten Speleological Society of Georgia wurde stattgegeben und Georgien
wurde als neues FSE-Mitglied aufgenommen. Präsident der Speleological Society of Georgia ist Dr. Kukuri Tsika-
rishvili (https://speleologygeorgia.wordpress.com/). Mitglied der FSE kann eine anerkannte nationale, spelä-
ologische Organisation eines Landes innerhalb Europas, welches Mitglied des Europarates oder der Vereinten Na-
tionen ist, werden. Mit Georgien ist somit wieder ein Land Mitglied der FSE, welches bedeutende Karstgebiete be-
herbergt. Die Kalksteinzone von Georgien erstreckt sich über 325 km entlang des südlichen Kaukasus und umfasst
                             2
eine Fläche von 4.475 km , 7% des gesamten Territoriums Georgiens. Die Speläologie hat in Georgien eine lange
Tradition, bereits im 18. Jahrhundert wurden von Vakhushti Bagrationi die Höhlen und der Karst des Landes in der
Enzyklopädie zur Geographie Georgiens erwähnt. Das Laboratorium für Karstologie und Speläologie wurde 1958
im Institut für Geografie gegründet. 1966 wurde erstmals das Kataster der Höhlen Georgiens publiziert, in dem 300
Höhlen erwähnt wurden. Bis heute sind es bereits über 1500 Höhlen, die in diesem Land erforscht und dokumen-
tiert sind - es befindet sich auch die aktuell tiefste Höhle der Welt, die Krubera (Voronja) mit -2197 m Tiefe, in die-
sem - wenn auch politisch umstrittenen - Gebiet. Georgien hat eine interessante Geschichte und erlangte seine
Unabhängigkeit erst wieder mit dem Zerfall der UdSSR im Jahre 1991, in den Landesteilen Abchasien, Adscharien
und Südossetien gibt weiterhin Abspaltungsbewegungen.
Eine mögliche FSE-Mitgliedschaft für die Länder Weißrussland, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, und Zypern
sind weiterhin in Abklärung bzw. in Abstimmung, länderspezifische Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden.
                                                      Der Entwurf des Kooperationsvertrags der FSE mit der Asian
                                                      Union of Speleology (AUS) wurde vorbereitet und einstimmig
                                                      von der Generalversammlung akzeptiert, die Gegenzeichnung
                                                      wird von Dr. Eko Haryono (Indonesien) zu einen späteren Zeit-
                                                      punkt noch durchgeführt. Einen ähnlichen Kooperationsvertrag
                                                      gibt es auch mit der Federación Espeleológica de América La-
                                                      tina y el Caribe (FELAC) zur gemeinsamen Förderung der Spe-
                                                      läologie in allen ihren Aspekten und umfasst unter anderem
                                                      auch die Unterstützung bei EuroSpeleo-Projekten.
                                                      Im Berichtszeitraum wurden neun EuroSpeleo-Projekte durch-
                                                      geführt und von der FSE und ihren Sponsoren unterstützt - ins-
                                                      gesamt 333 Höhlenforscher aus 31 Nationen (auch 13 Österrei-
                                                      cher) nahmen an diesen Projekten teil. Dazu zählen Expeditio-
FSE-Generalversammlung                                nen in Frankreich, Montenegro, Myanmar, Laos, Kambodscha
Foto: Taraneh Khaleghi                                und Thailand, ein internationales Jugend-Ausbildungslager in
                                                      Deutschland sowie das Höhlenbären-Symposium in den
Niederlanden. Anträge für EuroSpeleo Projekte müssen spätestens vier Monate vor Beginn bei der FSE einge-
reicht werden (http://eurospeleo.eu/en/events/eurospeleo-projects-fundings.html). Bei Bedarf ist der Verfasser be-
hilflich.
In der Höhlenrettungskommission gab es eine Veränderung: Christian Dodelin trat nach vier Jahren von seiner
Funktion als Präsident zurück und Antoniya (Tony) Vlaykova aus Bulgarien wurde zur neuen Präsidentin der Euro-
pean Cave Rescue Commission (ECRC) der FSE gewählt.
Im Vorstand der FSE gab es ebenfalls Veränderungen: Die verwaiste Position des Schriftführerstellvertreters konn-
te wieder besetzt werden. Michael Laumanns (Deutschland) wurde auf eigenen Wunsch Schriftführerstellvertreter,
er wird sich jetzt verstärkt um die EuroSpeleo-Projekte kümmern. Dr. Mladen Garasic (Kroatien) wurde zum Vize-
Präsidenten der FSE gewählt, er ist auch in der UIS als einer von acht Adjunkt-Sekretären tätig. Somit ist der FSE-
Vorstand wieder vollzählig und setzt sich aktuell wie folgt zusammen:

        President:               Ged Campion (UK, 2017)
        Vice-President:          Dr. Mladen Garasic (Kroatien, 2019)
        Secretary General:       Martina Drskova (Slovakei, 2017)
        Vice-Secretary:          Michael Laumanns (Deutschland, 2019)
        Treasurer:               Henk Goutier (Niederlande, 2019)
        Vice-Treasurer:          Ernest Geyer (Österreich, 2017)

Das nächste EuroSpeleo Forum findet vom 15.-17. September 2017 in Belgien statt, der genaue Ort wird noch be-
kannt gegeben.
Vom 23.-28. August 2018 wird das EuroSpeleo Forum erstmals in Österreich ausgerichtet und vom Verein für Höh-
lenkunde Ebensee in Zusammenarbeit mit dem VÖH organisiert.
Aktuelle Information zur FSE sind auf Facebook unter „European Speleological Federation“ oder auf der FSE-Web-
seite abzurufen: http://eurospeleo.eu/en/

Literatur:
      Murphy P. (2005): Exploring the Limestone Landscapes of the Three Peaks and Malham, BCRA Cave
         Studies Series 15.
      Waltham T., Lowe D. (2013): Caves and Karst of the Yorkshire Dales, BCRA Volume 1.

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EuroSpeleo – 5. Internationaler Kongress. Bericht einer Teilnehmerin.
Dalesbridge, inmitten der Yorkshire Dales, Nordengland, 13.08-20.08.2016

Brigitte Macaria

Querfeldein durch Österreich, Deutschland und Belgien, dann mit der Fähre via Zeebrugge nach Hull; durch den
beinahe schon schottische anmutenden „North York Moores National Park” hinweg, so erreicht man weiter gen
Westen reisend den „Yorskshire Dales National Park”, wo inmitten von Schafherden und herrlichen Landschaften,
verwinkelten Landsträßchen und wundersamen Wolkenbergen die kleine Ortschaft Austwick in den Yorkshire Da-
les liegt.

                                                    Dort fanden sich diesen August ca. 1300 Personen aus 36
                                                    Ländern mit ziemlich eindeutig höhlenforscherischen Ambito-
                                                    nen ein. Die Zeltstadt auf drei großen Rasenflächen verteilt
                                                    (und mitunter etwas einsinkend) war mit beinahe 200 Stell-
                                                    plätzen recht dicht befüllt und die Sanitäranlagen des letzten
                                                    Jahrtausends trotzten tapfer knarrend und tröpfelnd den
                                                    enormen Andrängen der waschwilligen, meist etwas nässlich
                                                    aussehenden Höhlis. In einem Veranstaltungszelt wurden
                                                    über 100 Vorträge abgehalten, die auf der EuroSpeleo
                                                    Homepage auch im Nachhinein eingesehen werden können.
                                                    Ein großes Partyzelt gab es ebenfalls, dessen musikalische
                                                    Bandbreite man gratis am Zeltplatz (ja, auch auf dem soge-
                                                    nannten „ruhigen”) bis weit nach Mitternacht uneingeschränkt
                                                    mitgenießen durfte.

Impressionen vom Kongress.                           Die engagierten englischen Speleoclubs hatten vorab 30
Foto: B. Macaria                                     ausgewählte Höhlen für die Speleowoche mit Seilen und
                                                     entsprechenden Hinweisen ausgestattet; insgesamt wurden
über 700 Höhlenbefahrungen registriert; meist in internationalen Kleingruppen, die sich vor Ort zusammenfanden.
Zusätzlich wurden vor dieser Festivals-Woche und danach zusätzlich je eine Woche weitere Highlights der engli-
schen Unterwelt im ländlichen Umfeld angeboten zu befahren.

Ein besonderes Naturschauspiel der Region bietet der imposante Ingleton Waterfall – Ingleton ist das Zentrum der
Höhlenforscher der gesamten Yorkshire Region. Gut sortierte Speleo-& Outdoor-Fachgeschäfte sowie ein „Cavers
Café” dominieren den winzigen Ort mit den grauen Steinhäusern, deren Freundlichkeit stark mit der schnell wech-
selnden Wetterlage einhergeht.

Ein kleiner Einblick in die große Höhlenauswahl:
                                                    Ingleborough Cave ist eine der ältesten Schauhöhlen in den
                                                    Yorkshire Dales mit recht schönem Tropfsteinschmuck. Sie
                                                    befindet sich auf halben Weg zum imposanten Gaping Gill
                                                    System.
                                                    Dieses System ist eines der größten Höhlenräume
                                                    Großbritanniens; es liegt an der Südostflanke des Berges
                                                    Ingleborough in North Yorkshire: Über 15 km ist es lang und
                                                    bietet über mehr als 20 verschiedene Einstiege eine Befah-
                                                    rung in insgesamt ca. 190 Meter Tiefe. Fell Beck ist ein
                                                    kleiner Wasserlauf; welcher oberhalb der Höhle an der Ost-
                                                    flanke des Ingleborough entspringt und in die Höhle fließt,
                                                    wobei er mit einer Fallhöhe von 105 m den höchsten un-
                                                    terirdischen Wasserfall bildet. Am Boden der Höhle versinkt
                                                    das Wasser im Boden und fließt unterirdisch bis in die
                                                    Ingleborough Cave, die es als Clapham Beck verlässt und
                                                    dann weiter über den River Wenning in den Lune fließt.
Gaping Gill - mit der Seilwinde durch den Wasser-
fall. Foto: B. Macaria                               Der „Bradford Pothole Club“ und der „Craven Pothole Club“
                                                     ermöglichen zweimal im Jahr den Zugang zu Gaping Gill mit
der Hilfe einer Seilwinde. Für EuroSpeleo TeinehmerInnen wurde hier heuer eine zusätzliche Möglichkeit angebo-
ten, mit der Seilwinde – in einem knallgelben Metallsesselchen sitzend – die 100 Meter haarscharf an dem Was-
serfall vorbei, wahlweise rauf- und/oder runterzusausen in den imposanten Höhlenhauptraum.
Diese Option der Höhlenbefahrung wurde auch stark genutzt: Die Seilwinde schnurrte an die 400 Mal alleine an
den Wochentagen.
Natürlich bestand auch die Möglichkeit, Gaping Gill über die zahlreichen anderen Einstiege sportlich zu befahren!

                                                       66
Bullpot farm ist eine aufgelassene, entlegene Farm, heute Forscherhütte und ganz in der Nähe befindet sich der
Eintritt in eines der komplexesten und eindrucksvollsten Höhlensysteme Großbritanniens: das weitverzweigte Lan-
caster-Ease Gill Cave System.
Lancaster Hole ist ein ausgezeichneter Start auch für die häufig vorherrschenden feuchtlichen Wetter- und Was-
serverhältnisse. In unserem Fall erfolgte die Befahrung an einem starken Regentag, also musste in ein höher gele-
genes, engeres und daher eher sportliches Parallelsystem ausgewichen werden, der Ausstieg erfolgte aus dem
imposanten mäandrierenden County Pot.
White Scar Cave: Dies ist die längste Schauhöhle Großbritanniens und sie wurde 1923 entdeckt. Die Schauhöh-
lentour alleine dauert 80 Minuten und ist durchaus spektakulär; hinter dem Schauhöhlenbereich ist Neopren-Aus-
rüstung obligatorisch und das Schwimmen durch die beeindruckenden unterirdischen Seenlandschaften kann be-
ginnen: vorbei an herrlichem Tropfsteinschmuck und vielen Farbschattierungen der Ocker-Rötel-Farbpalette.
Ein wahres Elodorado auch für die malenden Höhlenforscher, für die es in Großbritannien eigene Clubs gibt!

Die Betreuung und Unterstützung bei den Planungen seitens der lokalen Speleoclubs war hervorragend!

Quellen:

    http://www.whitescarcave.co.uk
    www.eurospeleo.uk

                                           NEUES AUS DER UIS
France HABE Preis 2016

Jean Pierre Bartholeyns (Übersetzung: Red.)

Der France HABE Preis wird jährlich vom Department für Karst und Höhlenschutz der Internationalen Union für
Speläologie (UIS) verliehen. Der Preis ist nach dem slowenischen Höhlenforscher Dr. France HABE (10/12/1999)
benannt, welcher neben vielen anderen Leistungen auf dem Gebiet der Höhlenforschung von 1973 bis 1997 Präsi-
dent des Departments für Höhlenschutz der UIS war.
Ziel des Preises ist es, den Schutz von Höhlen und Karstgebieten für zukünftige Generationen zu fördern. Karst
und Höhlen sind Quellen für reichhaltige Information über die Geschichte unseres Planeten und können uns dazu
befähigen, bewusster, effizienter und nachhaltiger mit unserer Umwelt umzugehen.
Für 2016 gab es zwei Bewerbungen um den France HABE Preis: eine aus Belgien und eine aus Indonesien. Beide
Bewerbungen wurden durch ein wissenschaftliches Komitee evaluiert hinsichtlich Originalität, Darstellung der Da-
ten und wissenschaftlichem Gehalt. Der mit 250 € dotierte Preis wurde anschließend an den besten Beitrag verlie-
hen.
Der Gewinner 2016 ist die Belgische Commission Wallonne d’Etude et de Protection des Sites Souterrains
(CWEPSS) für ihren Atlas eines Karst Gebietes, welcher der sechste Band einer Reihe ist (Atlas du Bassin du
Hoyoux - 6e volume des Monographies karstiques par bassin versants).
Die Kommission dankt allen Bewerbern für ihre Bemühungen um den Höhlenschutz.

Bewerbungen für den France HABE Preis 2017 müssen spätestens bis 20. Mai 2017 eingereicht werden.
Weitere Informationen siehe www.uis-speleo.org

                                                SICHERHEIT
„FireAlert“ - Praktische Androide-App für Höhlrenrettungseinsätze

Alexandra Haslauer

Wer kennt das Dilemma nicht: Man möchte das Handy stumm schalten, um nicht gestört zu werden, aber auch
keine Alarmierung verpassen. Die ursprünglich für die Feuerwehr konzipierte App FireAlert schlägt auch bei
stummgeschalteten Handys Alarm. Sie reagiert auf zuvor selbst festgelegte Schlüsselwörter, wie z.B. „Einsatz“
oder/und „Alarmbereitschaft“. Sobald eines dieser Wörter in einer SMS vorhanden ist, schlägt das Handy einen in
Länge und Ton selbst gewählten Alarm, sodass man schneller auf einen Einsatz reagieren kann.
Die Version FireAlert 2 bietet noch etwas komplexere Möglichkeiten. Leider gibt es die App nicht für iPhones.

                                                       67
SCHAUHÖHLEN
Neues aus der Nixhöhle

Albin Tauber

                                       Seit 2009 gibt es in der Frankenfelser Nixhöhle die beliebten „Nixi-
                                       Kalksteinführungen“. Diese Führungen sind speziell für Kinder mit
                                       Begleitung gedacht. Als Auftakt gibt es ein Nixhöhlen-Schlüsselband für
                                       jedes Kind als Geschenk. Mit einer von Höhlenführer Albin Tauber
                                       erdachten Geschichte die Höhle und deren Bewohner betreffend, beginnt
                                       diese Veranstaltung. Es folgt eine vereinfachte Höhlenführung und im
                                       Anschluss daran das Höhlenquiz. Dabei können die Kids ihre Merkfähigkeit
                                       unter Beweis stellen. Alle sieben Fragen mit jeweils drei Antwortmöglich-
                                       keiten wurden im Zuge der Höhlenführung ausreichend behandelt. Nach
                                       Abgabe der Fragebögen können verschiedene Kinder aus dem Zettelberg
                                       einzelne Fragebogen herausziehen. Nach dem Überprüfen der Antworten
                                       und dem Verlesen des Namens kann das betreffende Kind aus dem bereit-
gestellten und undurchsichtigen Sack einen Preis herausziehen. Alle Kinder bekommen einen Preis und nach dem
Ende des ca. zwei Stunden dauernden Events geht Groß und Klein mit neuen Eindrücken versehen nach Hause.
Heuer konnten bei den verschiedenen Terminen fast 300 Teilnehmer begrüßt werden.

Geänderter Zustieg zur Frauenmauerhöhle

Thomas Gundacker

Der Zustieg zum Osteingang der Frauenmauerhöhle ist nur mehr zu Fuß möglich, da der Sessellift jetzt auch am
Wochenende nicht mehr in Betrieb ist.
Aktuelle Zustiegsbeschreibung: Zugang durch den Gsollgraben über Gsollalm zum Westeingang (2 Std.), oder vom
Präbichl entweder über Polsterschutzhaus und Polster (1.910m) oder über Knappensteig und Leobnerhütte zum
Hirscheggsattel (1.699m) und weiter am Fuße der Griesmauer entlang über den Neuwaldegg Sattel zum Ostein-
gang (4 ½ bzw 4h).

                              EINLADUNG ZUR JAHRESTAGUNG 2016

Ein ausführliches Programm ist in den Vbnr 1/2016 S. 5-11 erschienen.
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