WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste

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WEISS
    Magazin der Freien Liste

   No. 26, Dezember 2018

   freieliste.li

Mutig neue
Wege gehen
Kandidatinnen und Kandidaten
stellen sich vor

                               Solidarität              Aussenpolitik          Einbürgerungspolitik
                               Zivilcourage gefordert   Liechtenstein bewegt   Fünfgestirn entdeckt
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Inhalt                                                                                                    Editorial                                   Starke Demokratie

04
	
– Die Demokratie verteidigt sich nicht alleine –                                                                                                         Die Demokratie verteidigt
                                                                                                                                                           sich nicht alleine
Kein Selbstläufer: Conny Büchel Brühwiler
argumentiert für eine starke Demokratie, die
das Thema Gleichstellung endlich ernst nimmt
und vorantreibt.

05                                                                                                                                                                               Text Conny Büchel Brühwiler, praesidium@freieliste.li Foto Klaus Schädler
   – Kandidaten und Kandidatinnen stellen
sich vor – Sie sind bereit, für die Zukunft ihrer
Gemeinde einzustehen: Einige unserer                                      Sozialer                                                                                               Gleichstellung von Frau und Mann ist für viele anscheinend kein Thema mehr. Noch immer
                                                                                                                                                                                 höre ich die gängige Meinung, heutzutage hätten doch alle, Mädels wie Jungs, gleiche Bil-

                                                                          «Klebstoff»
Kandidatinnen und Kandidaten erzählen,
wie sie mutig neue Wege gehen.                                                                                                                                                   dungschancen, die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen oder zu studieren. Dieses Denken
                                                                                                                                                                                 greift einfach zu kurz.
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  – Das Gefühl von Solidarität ist unteilbar – Stark
geprägt von seinen persönlichen Er fahrungen                              Text Conny Büchel Brühwiler, praesidium@freieliste.li
in Afrika während der Apartheid teilt Politiker                                                                                                                                                                  Demokratie muss sich heute mehr denn                          Stabsstelle für Chancengleichheit aufge-
und Arzt Pepo Frick seine Sicht zum Thema                                                                                                                                                                        je auch daran messen lassen, wie sie vor                      spalten und geschwächt. Diese Aufspal-
Solidarität.                                                                                                                                                                                                     allem mit dem Thema Gleichstellung umgeht.                    tung wirft Liechtenstein in seiner Entwick-
                                                                          Wir freuen uns über die Kandidatinnen und Kandidaten der                                                                               Geschlechtergleichheit geht weit über glei-                   lung zurück. Es ist Aufgabe des Staates,
14                                                                        Freien Liste für die Gemeinderatswahlen 2019. Sie sorgen für                                                                           che Bildungschancen hinaus. Haben Frau-                       konkret des Gesellschaftsministers Mauro
   – Aussenpolitik – Was kann Liechtenstein                               neue Impulse in der Partei und frischen Wind in der Gemein-                                                                            en heute die gleichen Möglichkeiten einer                     Pedrazzini, eine angemessene Beteiligung
leisten? – Anlässlich des Besuchs der Aussen-                             depolitik. Einige von ihnen stellen sich in dieser Ausgabe vor.                                                                        beruflichen Karriere? Werden sie in den                       der Frauen zu ermöglichen. Ich kann je-
politische Kommission des Landtags in New                                 Bei der Nominationsveranstaltung am 11. Januar werden wir                                                                              Betrieben wie männliche Mitarbeiter geför-                    doch nicht erkennen, dass ihm oder der
York analysiert Thomas Lageder                                            alle Kandidatinnen und Kandidaten präsentieren.                                                                                        dert? Geben Betriebe den Frauen die Mög-                      Gesamtregierung dies ein ernstes Anlie-
Liechtensteins Aussenpolitik                                                  Solidarität hat viele Gesichter und Facetten. Wenn der                                                                             lichkeit, als Mütter Karriere zu machen,                      gen ist. Es gibt keine Strategie und kaum
                                                                          Oktober-Landtag Geld für «Jugend und Musik» bewilligt, zeugt                                                                           gleich den Männern, wenn sie zu Vätern                        Unterstützung für zivilgesellschaftliche Or-
16                                                                        das genauso von Solidarität, wie wenn er Geld für LED-Projekte                                                                         werden? Und das bei gleichem Lohn? Kön-                       ganisationen, welche seit Jahren Projekte
  – Umgang mit «Fremden»: Vergeben wir eine                               spricht. Ist eine Welt ohne Solidarität nicht undenkbar? Freie-                                                                        nen Start-ups von Frauen mit der gleichen                     zur Chancengleichheit umsetzen. Es ist
Chance? – Die Einbürgerungspolitik dreht sich                             Liste-Co-Präsident Pepo Frick kennt Solidarität auch aus seiner                                                                        Finanzierungsunterstützung und dem glei-                      ebenso an den Parteien, Frauen in ihren
seit Jahren im Kreis, respektive im Fünfgestirn.                          langjährigen Tätigkeit bei SolidarMed. Natürlich wird Solidarität                                                                      chen beruflichen Netzwerk rechnen? Wer-                       Gremien zu fördern, ihnen Möglichkeiten
Wolfgang Marxers Kommentar zur doppelten                                  in Afrika anders gelebt als in Liechtenstein. Unser sinnvolles                                                                         den kompetente und erfolgreiche Frauen                        zur echten Beteiligung zu bieten. Auf die-
Staatsbürgerschaft.                                                       Spenden ermöglicht Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten.                                                                         in den Medien sichtbar gemacht?                               ser Ebene beginnen ganz zaghafte Ansätze
                                                                              Solidarität ist der soziale «Klebstoff» in jeder Gesellschaft. Wir           Conny Büchel Brühwiler, Co-Präsidentin                                                                              zu wachsen. Parteien möchten mehr Frau-
18                                                                        können auch solidarisch sein mit unseren Nächsten und unseren                    Freie Liste                                           Politische Partizipationschancen sollten für                  en auf Wahllisten. Es genügt jedoch nicht,
  – Nachhaltigkeit und Transparenz für Pensions-                          Nachbarn nebenan. Wer solidarisch ist mit seiner Familie, seinen                                                                       beide Geschlechter in gleichem Mass vor-                      ein halbes Jahr vor den Wahlen mit der
kassen – Hier tun sich neue Möglichkeiten                                 Freunden und Hilfsprojekte in der Region unterstützt, erlebt                     Ohne Geschlechtergleichheit gibt es kei-              handen sein.                                                  Kandidatinnensuche zu beginnen. Das hat
auf: Die Schaaner Gemeinderatskandidatin                                  meist im Gegenzug selbst Zuspruch und Freundschaft.                              ne offene und freie Gesellschaft. So wie              Das heisst, dass sich der Anteil der Frauen                   Alibi-Charakter. Und trotzdem, oder weil
Ute Jastrzab sensibilisiert für das Thema                                     In dieser Ausgabe geht es auch um Solidarität mit Frauen,                    der Begriff «Demokratie» keinen stati-                in der Bevölkerung (50%) in politischen                       es einfacher ist, den Fokus weg von den
Nachhaltigkeit und Transparenz bei Pensions-                              insbesondere mit jenen in der Politik, die in der Regel härter                   schen Zustand eines Landes beschreibt,                Ämtern (Gemeinderat, Landtag, Gemein-                         Parteien zu richten, getrauen sich politi-
kassen.                                                                   kämpfen und mehr leisten müssen als ihre männlichen Kollegen.                    ist auch die Gleichstellung ein Prozess,              devorstand), in Kommissionen und Verwal-                      sche Entscheidungsträger immer noch zu
                                                                          Wir werfen auch einen Blick auf die Finanzwelt, in der Fragen der                dessen Geschichtsverlauf sich ähnlich der             tungsräten abbilden muss. Nicht jede Frau                     sagen: «Die Frauen, die müssen sich halt
                                                                          Nachhaltigkeit immer wichtiger werden. Darüber hinaus beschäf-                   Demokratie nicht stetig zum Besseren                  will in die Politik, genauso wenig wie jeder                  aufstellen lassen!» Das machen sie auch,
Impressum                                                                 tigen wir uns mit Liechtensteins Aussenpolitik und der aktuellen                 entwickelt. In osteuropäischen Staaten                Mann. Aber für diejenigen, welche sich                        doch eingeladen fühlt Frau sich in diesem
   Herausgeberin Freie Liste, Liechtenstein                               Frage der doppelten Staatsbürgerschaft.                                          beobachten wir besorgt die Machtfülle                 engagieren wollen, sollen gute Rahmenbe-                      politischen Klima nicht. Dabei wäre eine
Redaktion WEISS, Birkenweg 6, 9490 Vaduz                                                                                                                   einiger Staatschefs. Einschränkung von                dingungen geschaffen werden. Eine brei-                       lebendige und gleichberechtigte Beteili-
Redaktionsleitung Alexa Ospelt, info@weissmagazin.li                      Liebe Leserinnen und Leser, das Team der Freien Liste wünscht                    Freiheit und Rechten, auch Frauenrech-                te, über gesellschaftliche Schichten hinweg                   gung am politischen Prozess Ausdruck ei-
Gestaltung Mathias Marxer, Gregor Schneider, Triesen                      Ihnen eine friedliche Weihnachtszeit, einen schönen Jahresaus-                   ten, kennzeichnen diese Staaten. Die Par-             gleiche Verteilung von Männern und Frau-                      ner offenen und freien Demokratie.
Druck LAMPERT Druckzentrum AG, Vaduz                                      klang und viel Spass bei der Lektüre.                                            teienlandschaft in Europa verändert sich              en in politischen Gremien ist ein Qualitäts-
Schrift Univers und New Baskerville                                                                                                                        sehr dynamisch und somit auch der Frau-               merkmal offener und freier Demokratie.
Papier Bavaria, 80 g/m2, FSC Auflage 20’100 Ex.                               				                                                Conny Büchel Brühwiler   enanteil in den Parlamenten und Frakti-
Titelbild, Rückseitenbild Klaus Schädler, www.photo.li                                                                                                     onen. Das sind Entwicklungen, die uns                 Chancengleichheit setzt sich nicht von
Illustration Jürgen Schremser, Wien/Vaduz                                                                                                                  «Demokratie» mit neuem Fokus diskutie-                alleine um, das wissen wir seit Jahren.
                                                                                                                                                           ren lassen.                                           Die Regierung hat jedoch vor Jahren die

                           2 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                                                                      WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 3
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Einige unserer Kandidatinnen und                                           Sie stehen ein für die Zukunft                                                  Gemeinderatswahlen 2019 - Triesen
Kandidaten für die Gemeinderats-                                           ihrer Gemeinde und die Zukunft
wahlen 2019 stellen sich vor.                                              unseres Landes.
Nominationsveranstaltung Gemeinde-
                                                                                                                                    Mutig neue Wege gehen.
ratskandidatinnen und -kandidaten:
                                                                                                                                                           Text Joachim Batliner, j.batliner@adon.li Foto Klaus Schädler
Freitag, 11. Januar 2019. Details wer-
den anfangs Januar bekanntgegeben.
                                                                                                                                                            Der Wahlkampfslogan der Freien Liste reizt zum Widerspruch. Wäre es nicht angebracht,
                                                                                                                                                            erst mal vor allem Sorgen und Ängste zu haben? Sorgen und Ängste, dass wenig von dem,
                                                                                                                                                            was uns lieb ist und wichtig erscheint, Bestand haben wird?

                                                                                                                                                                                            Schon heute entspricht unsere Landschaft
                                                                                                                                                                                            nicht mehr den romantischen Bildern, die
                                                                                                                                                                                            wir uns von ihr machen. Die Verwandlung
                                                                                                                                                                                            in den kommenden 20 Jahren wird tief-
                                                    Manuel Kieber, Vaduz                         Bettina Eberle-Frommelt, Balzers                                                           greifender sein als die Verwandlung, die
                                                                                                                                                                                            in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat.
                                                                                                                                                                                            Nicht anders ist es mit der Gesellschaft.
                                                                                                                                                                                            Fühlen wir uns noch als Teil von ihr? Ha-
                                                                                                                                                                                            ben sich nicht viele schon zurückgezogen
                                                                                                                                                                                            in ihren eigenen Kreis? Mit vielem, was um
                                                                                                                                                                                            uns ist, können wir uns nicht mehr identi-
                                                                                                                                                                                            fizieren.
                                                                                                                                                                                                Identifikation ist ein zentraler Bestand-      Teil davon sind oder nicht. Vorgefertigte
                                                                                                                                                                                            teil unseres Zusammenlebens. Je kleiner            Identitätsangebote sind identitäre Ideolo-
                                                                                                                                                                                            der Raum wird, auf dem wir gemeinsam               gien, Blasen voller Scheingefühle.
                                                                                                                                    Joachim Batliner, GR-Kandidat für die Freie             stehen, desto weniger vermag er uns zu                 Es genügt nicht, dass die Gemeinden
                                                                                                                                    Liste in Triesen                                        tragen und Freiheit zu geben. Ein Ort,             Bänke auf Dorfplätzen aufstellen und
                                                                                                                                                                                            mit dem sich immer weniger Menschen                gelegentlich zu Workshops oder Bürger-
                                                                                                                                                                                            identifizieren, spendet keine Identifika-          gesprächen einladen. Die allabendlichen
Joachim Batliner , Triesen                          Patrick Risch, Schellenberg                                                                                                             tion mehr. Er verkommt zur verwalteten             Gespräche am Dorfbrunnen oder Stamm-
                                                                                                 Rahel Rauter, Vaduz
                                                                                                                                                                                            Infrastruktur. Wir wissen nicht, wie unsere        tisch sind Geschichte. Die Gemeinden
                                                                                                                                                                                            Gemeinden in Zukunft aussehen werden.              müssen sich Gedanken machen, wie sie
                                                                                                                                                                                            Aber sicher werden sie funktionieren,              wieder ein Teil ihrer Einwohnerinnen und
                                                                                                                                                                                            wenn sich alle, die darin wohnen, soweit           Einwohner werden. Die Gemeinden müs-
                                                                                                                                                                                            als möglich mit ihnen identifizieren kön-          sen dafür sorgen, dass sie erlebt werden
                                                                                                                                                                                            nen.                                               können. Sie sollen sich mit neuen Ideen
                                                                                                                                                                                                Wo holen wir unsere Identität? Es gibt         aufdrängen, zum Widerspruch herausfor-
                                                                                                                                                                                            neuerdings wieder Leute, die versprechen           dern. Dann entsteht Auseinandersetzung,
                                                                                                                                                                                            uns, dass die Identifikation gelingt, wenn         und mit ihr Identität.
                                                                                                                                                                                            nur wieder eine möglichst reine Leitkultur
                                                                                                                                                                                            da ist, die für alle verbindlich ist. Dass wie-
                                                                                                                                                                                            der heimatliche Wir-Gefühle aufkommen,
                                                                                                                                                                                            wenn nur alles verschwindet, was fremd ist.
                                                                                                                                                                                            Diese Leute verkennen, dass jede und je-
                                                                                                                                                                                            der Einzelne sich ihre oder seine Identität
Ute Jastrzab, Schaan                                Alexander Hilzinger, Schaan                                                                                                             selber schafft: Woher wir unsere Identität
                                                                                                                                                                                            beziehen, womit wir sie verbinden, ist im-
                                                                                                                                                                                            mer Ergebnis der konkreten Erfahrung.

         Mutig neue Wege gehen.                                                   sozial                                                                                                    Das, was wir erleben, die Menschen, denen
                                                                                                                                                                                            wir begegnen, bringen uns dazu, uns mit

                 Für unsere Zukunft.                                              demokratisch                                                                                              etwas zu identifizieren oder gerade nicht.
                                                                                                                                                                                            Wir erleben etwas und erkennen, ob wir

          Für unser Land.                                                         ökologisch
                       4 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                                          WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 5
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Gemeinderatswahlen 2019 - Balzers                                                                                                                  Gemeinderatswahlen 2019 - Vaduz

«Die Dinge aus einer anderen                                                                                                                        «An Vaduz schätze ich die
Perspektive anschauen»                                                                                                                              Kleinheit und das Vertraute»
                      Text Bettina Eberle-Frommelt, b.eberlefrommelt@gmail.com Foto Klaus Schädler                                                                       Text Rahel Rauter, rrrahel@hotmail.com Foto Klaus Schädler

                       «Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.» Dieser Spruch von                                                             Mutig neue Wege gehen bedeutet für mich, immer wieder etwas aus der Reihe zu tanzen,
                       Francis Picabia (1879–1953), einem französischen Schriftsteller, Maler und Grafiker, beglei-                                                      Dinge zu tun, die andere als unmöglich ansehen. Mein Motto dazu ist: «Nichts ist unmöglich,
                       tet mich seit Jahren. In meiner ersten Zeit als Psychologin hing er an meiner Bürowand.                                                           wenn du es wirklich willst.»
                       In meinem Beruf bin ich stets gefordert, mich in die Situation und das Denken anderer
                        Menschen hineinzuversetzen. Oft ist es nötig, die Dinge aus einer anderen Perspektive
                       anzuschauen, neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen und
                       die eigenen gewohnten Denkmuster zu verlassen.                                                                               So bin ich mutig von der Steiner-Schule
                                                                                                                                                    über die 5. Klasse Primarschule, Oberschu-
                                                                                                                                                    le, Realschule ins Gymnasium gehüpft.
                                                                                                                                                    Jedoch hatte ich als Teenie alles andere
                                                     werden sollte, und die Unterstützung mei-       gegenüber gelehrt und anzunehmen, was          im Kopf, als Lateinvokabeln und Algebra
                                                     ner Familie und meines jetzigen Mannes          kommt, das Beste aus allem zu machen           zu büffeln. Ich wollte die Welt kennenler-
                                                     liessen mich den vorgezeichneten Weg            und zu erkennen, wenn es Zeit ist, etwas       nen. So war ich ein Jahr in Quebec, um
                                                     verlassen und nach Wien aufbrechen. Das         zu ändern. So veränderte sich auch meine       gleich danach in Costa Rica zu landen. So
                                                     brauchte Mut, denn in meinem ganzen             berufliche Situation wieder. Heute habe        darf ich neben Deutsch auch Französisch,
                                                     privaten Umfeld gab es keine einzige Frau,      ich im Verein Kindertagesstätten Liechten-     Spanisch und Englisch zu meinem Sprach-
                                                     die jemals eine Universität von innen gese-     stein die Stabsstelle Pädagogik inne.          schatz zählen. Zurück in Europa absolvier-
                                                     hen hatte. In in einer Grossstadt zu leben,         Ich bin, geprägt von einer politisch       te ich eine Lehre an der Gastgewerblichen
                                                     war mir ebenfalls sehr neu und fremd.           engagierten Mutter, in einer Familie auf-      Fachschule in Chur. Darauf habe ich mich
                                                         Aus verschiedenen Gründen war es            gewachsen, in der über alles offen ge-         mutig nochmals an der Matura versucht
                                                     notwendig, den Studienort zu wechseln.          sprochen werden konnte. Es wurde viel          und sie mit Schwerpunkt Bio/Chemie be-
                                                     Meinen Universitätsabschluss machte ich         diskutiert, man durfte anderer Meinung         standen. Plötzlich standen mir alle Türen           Rahel Rauter, GR-Kandidatin für die Freie Liste
                                                     dann an der Universität Bern. Die erste         sein, wenn man diese auch anständig und        offen, und so habe ich mutig viel angefan-          in Vaduz
                                                     Anstellung als Psychologin fand ich im          konstruktiv vertreten konnte. Nur aus          gen und fast so viel wieder abgebrochen …
                                                     Amt für Soziale Dienste in Schaan. Nach         Prinzip gegen etwas oder «die anderen»         Von Anthropologie an der Uni Fribourg                   Meine Leidenschaft liegt schon seit            Ich habe die Möglichkeit, innerhalb kür-
Bettina Eberle-Frommelt, GR-Kandidatin für           fünf Jahren kam ich wieder an eine Wegga-       zu sein, wurde nicht als Argument akzep-       über Lebensmitteltechnologie an der                 jeher beim Essen und bei den Lebensmit-            zester Zeit zu Fuss oder mit dem Velo über-
die Freie Liste in Balzers                           belung und machte mich als Kinder- und          tiert. Es war für mich schon früh klar, dass   ZHAW bis zu einer Kochschule in Buenos              teln. Diese Liebe wollte ich auch beruf-           all hinzukommen. Es ist sauber, sicher, ich
                                                     Jugendpsychotherapeutin in eigener Pra-         in meinem politischen Denken die sozia-        Aires. Schliesslich bin ich durch ein Prak-         lich verankern. Heute studiere ich an der          bin in fünf Minuten in der Natur. Es geht
Zu diesem mir so vertrauten Zitat passt das          xis selbstständig.                              len Themen, Ökologie, Umweltschutz und         tikum im Gartenbau gelandet. So kennt               Fernfachhochschule Schweiz Ernährung               mir gut und mir fehlt es an nichts. Mich
Motto der Freien Liste – «Mutig neue Wege                Mein Mann hat mich immer begleitet          Nachhaltigkeit, Solidarität mit Menschen       man mich auch besser als «d’Gärtneri».              und Diätetik. Nebenbei arbeite ich in der          freuen die kleinen Dinge im Leben, ein
gehen» – gut. Ich würde mich eigentlich              und unterstützt. Seit mehr als dreissig Jah-    in aller Welt und Gleichberechtigung und                                                           «Specki»-Küche und organisiere spora-              Lächeln von Menschen, denen ich begeg-
nicht als besonders mutig, im Sinne von              ren gehen wir unsere Wege gemeinsam.            Gleichwertigkeit aller Menschen Priorität                                                          disch einen Mittagstisch.                          ne, einige nette Worte, ein Sonnenstrahl,
risikofreudig, bezeichnen. Aber meine be-                Sie waren auch privat immer wieder          haben. Deshalb fand ich schon in jungen                                                                Einen weiteren mutigen neuen Weg               das Gezwitscher der Vögel. Gerne verbrin-
ruflichen und privaten Wege haben mich               sehr herausfordernd. Gerade unsere Fa-          Jahren meine politische Heimat in der                                                              gehe ich mit der Kandidatur zur Gemeinde-          ge ich Zeit mit meinem Hund Flaco auf
immer wieder an Kreuzungen und Wegga-                milienplanung war alles andere als ge-          Freien Liste. Für die FL war ich in der Für-                                                       rätin. Für mich ist dieses Gebiet Neuland.         Wildschloss oder im Iraggell. Einer meiner
belungen geführt, an denen ich gefordert             radlinig. Unsere langjährige ungewollte         sorgekommission und bin aktuell im Ge-                                                             Wieso ich mich aufstellen lasse? Weil ich          Lieblingsplätze ist der Teich hinter dem
war, eine mutige Entscheidung zu treffen.            Kinderlosigkeit liess uns gemeinsam den         meindeschulrat der Gemeinde Balzers.                                                               in einem Land leben möchte, in dem ich             Schwimmbad.
    Das erste Mal bin ich mutig einen neu-           neuen Weg der Adoption beschreiten. Die-            Ich sage, was ich denke, stehe zu mei-                                                         als Frau auch politisch repräsentiert werde.           Dinge, die ich nicht mag, sind zu viele
en Weg gegangen, als ich mich entschie-              ser Weg führte uns nach Äthiopien und           ner Meinung und bin bereit, Verantwor-                                                             Ich möchte als Beispiel vorangehen und             Autos und zu viel Verkehr – obwohl ich selbst
den habe, Psychologie zu studieren. Meine            schenkte uns zwei wunderbare Söhne. Als         tung zu übernehmen.                                                                                den Frauen in Liechtenstein Mut geben              ab und zu Auto fahre –, unfreundliche Men-
Ausbildung zur Primarlehrerin bot eine si-           ich 42 war, stellte sich heraus, dass das Le-       Es ein wenig gedauert, bis ich voller                                                          und zeigen, dass wir eine Stimme haben             schen, Rücksichtslosigkeit, Abfall, schlechte
chere Basis und so erfüllte ich mir meinen           ben eine weitere Herausforderung für uns        Energie ja sagen konnte zu einem grösse-                                                           und dass wir diese auch nützen müssen.             Luft, Stillstand, Ungerechtigkeit.
Traum von einer weiteren Ausbildung. Die             parat hatte. Unser jüngster Sohn kam mit        ren politischen Mandat. Jetzt ist es aber so                                                           Dinge, die ich an Vaduz, aber auch
Sicherheit, wieder unterrichten zu kön-              Trisomie 21 auf die Welt. Unsere Famili-        weit. Ich möchte mutig diesen neuen Weg                                                            ganz Liechtenstein schätze, sind die Klein-
nen, wenn das mit dem Studium nichts                 engeschichte hat mich Demut dem Leben           gehen!                                                                                             heit und das Vertraute. Man kennt sich.

                      6 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                                                       WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 7
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Gemeinderatswahlen 2019 - Vaduz                                                                                                               Gemeinderatswahlen 2019 - Schellenberg

«Das Dorfleben darf wieder                                                                                                                       «Eine wunderbare Landschaft,
attraktiver werden»                                                                                                                              die es zu schützen gilt»
                       Text Manuel Kieber, manuel.kieber@gmx.com Foto Martin Walser                                                                                  Text Patrick Risch patrick.risch@landtag.li Foto Klaus Schädler

                       Für mich bedeutet «Mutig neue Wege gehen», seine eigene Komfortzone zu verlassen, um                                                           Schon seit knapp acht Jahren bin ich für die Freie Liste im Schellenberger Gemeinderat
                       sich weiterzuentwickeln. Das habe ich schon ein paar Mal gemacht, zum Beispiel bei der                                                         aktiv und habe an einigen interessanten Projekten mitgearbeitet. Dabei konnte ich oftmals
                       Berufswahl und während meiner Zeit für den europäischen Freiwilligendienst in Grossbri-                                                        eine andere Sichtweise mit in die Diskussionen einbringen.
                       tannien. Auch mit der Kandidatur für den Gemeinderat Vaduz weist sich mir ein neuer Weg.

                                                                                                                                                 Schellenberg verfügt über eine wunder-
                                                     tete ich auch vormittags bei einem weite-                                                   bare Landschaft, die es zu schützen gilt.
                                                     ren Projekt der Schulsozialarbeit mit, bei                                                  Wie ich in den ersten Jahren als Gemein-
                                                     welchem ich mich um Schülerinnen und                                                        derat feststellen musste, wurde dazumal
                                                     Schüler mit Lernschwierigkeiten kümmer-                                                     bei der Festlegung der Bauzonengebiete
                                                     te. Ausserdem traf ich mich etwa zweimal                                                    kein Augenmerk auf die einzigartigen Ma-
                                                     pro Monat mit meinen Arbeitskollegin-                                                       gerwiesenbestände Schellenbergs gelegt.
                                                     nen und -kollegen und wir gestalteten ein                                                   Einige der schönsten Magerwiesen Liech-
                                                     Wochenende für eine Gruppe speziell für                                                     tensteins liegen heute in der Bauzone und
                                                     Vollwaisen.                                                                                 können so langfristig nicht für künftige
                                                         Die Zeit in Wales hat mich sehr geprägt                                                 Generationen erhalten werden, es sei
                                                     und mir beruflich eine neue Perspektive                                                     denn, die Gemeinde bemüht sich aktiv da-
                                                     aufgezeigt. Nach meiner Rückkehr nach                                                       rum, diese zu schützen.
                                                     Liechtenstein machte ich ein zweijähriges                                                       Vor gut fünf Jahren wurde das Projekt
                                                     Praktikum in der Jugendwohngruppe in                                                        «Wohnen im Alter» mit den Gemeinden
                                                     Vaduz und absolvierte anschliessend die                                                     Ruggell und Gamprin-Bendern gestartet.               Patrick Risch, GR-Kandidat für die Freie Liste
Manuel Kieber, GR-Kandidat für die Freie Liste       vierjährige berufsbegleitende Ausbildung                                                    Nach einigen Jahren Vorarbeit konnten                in Schellenberg
in Vaduz                                             zum Sozialpädagogen. Während der Aus-                                                       nun dieses Jahr erste Massnahmen präsen-
                                                     bildung arbeitete ich für zwei Jahre mit                                                    tiert und umgesetzt werden. Für mich ist             die Berufstätigen ins Tal zur Arbeit, die
Nach mehreren Jahren temporärer Arbeit,              Erwachsenen in schwierigen Lebenssituati-     duzen. Das Gespräch wird somit gleich et-     es sehr wichtig, dass wir in unserem Dorf            Schüler der Sekundarstufe müssen nach
                                                                                                                                                                                                                                                                Zu zweit im Gemeinderat?
in der ich meine Berufung suchte, fass-              onen zusammen und inzwischen habe ich         was familiärer und die Unterhaltung fin-      alt werden und möglichst lange selbststän-           Eschen in die Schule und der grosse Ein-
                                                                                                                                                                                                                                                                Zu zweit lässt sich mehr bewirken. Liebe
te ich Mut und ging 2010/2011 für neun               auch im heilpädagogischen Bereich, d.h.       det auf Augenhöhe statt. Ich würde gerne      dig zu Hause in den eigenen vier Wän-                kauf findet ebenso nicht im Schellenberg
                                                                                                                                                                                                                                                                Schellenbergerin, lieber Schellenberger,
Monate ins Ausland. In Wales machte ich              mit körperlich und kognitiv behinderten       mehr Zeit im Vaduzer Städtle verbringen.      den leben können. Und wenn dies nicht                statt. Daher ist es sehr wichtig, dass die Ge-
                                                                                                                                                                                                                                                                würde es dich reizen, mit mir für die nächs-
einen Einsatz für den europäischen Frei-             Menschen, zusammengearbeitet.                 Was ich verbessern und verändern würde,       mehr möglich ist, zumindest im Dorf, in              meinde alles daransetzt, dass der öffentli-
                                                                                                                                                                                                                                                                ten Gemeinderatswahlen zu kandidieren?
willigendienst und sammelte dort erste                   Wenn ich heute an die Zeit zurückden-     ist die Atmosphäre. Vor allem abends wirkt    einem Haus mit betreutem Wohnen. Die                 che Verkehr erhalten bleibt und sogar ver-
                                                                                                                                                                                                                                                                Melde dich noch vor Jahresende bei mir.
Erfahrungen im sozialen Bereich. Zum                 ke, als ich nach der Oberschule eine Lehre    das Städtle wenig lebendig, das ändert sich   Gemeinde ist daher gefordert, das Projekt            bessert werden kann. Die Gemeinde muss
                                                                                                                                                                                                                                                                Die Arbeit im Gemeinderat macht Spass
Beispiel gestaltete ich verschiedene sozia-          als Büroangestellter abschloss und danach     nur, wenn Events wie Filmfest, Jahrmarkt,     «Wohnen im Alter» voranzutreiben und                 aber auch darum besorgt sein, im Zent-
                                                                                                                                                                                                                                                                und ist sehr spannend – zu zweit wird
le und sportliche Aktivitäten mit Jugend-            viele verschiedene Berufe ausprobierte,       das Fürstenfest, Beachvolleyball stattfin-    die Möglichkeiten weiterzuverfolgen.                 rum mit Gestaltungsrichtlinien und einer
                                                                                                                                                                                                                                                                es noch spannender!
lichen. Wir zeigten Unterschiede und                 bin ich schon öfters mutig neue Wege ge-      den. Hier könnten wir unter Einbezug der          Die Lage Schellenbergs – auf dem Rü-             entsprechenden Zonenplanung Geschäfte
Gemeinsamkeiten unserer beiden Länder                gangen, bis ich letztlich meine Berufung      Bevölkerung im Gemeinderat mehr Ideen         cken des Eschnerbergs – ist Fluch und                und Gewerbe anzusiedeln.
auf, gestalteten verschiedene Musikaben-             als Sozialpädagoge gefunden habe.             entwickeln. Das Dorfleben darf wieder at-     Segen zugleich. Aufgrund des gegebenen
de, an denen wir Instrumente ausprobier-                 Ich verbringe gerne Zeit in der Natur.    traktiver werden.                             Geländes lässt sich in Schellenberg keine
ten, und es gab viele sportliche Anlässe             Dort kann ich mich auspowern und erho-             Im Ausland werde ich öfters auf Liech-   Gewerbezone realisieren. Aus demselben
wie zum Beispiel Rugby, Fussball, Billard,           len. Ich schätze die Ruhe beim Training       tensteins «Grösse» angesprochen und da-       Grund ist auch der Mobilfunkempfang
Wettbewerbe im Skatepark und einen Ori-              im Wald oder auch beim gemütlichen Spa-       für belächelt. Doch die meisten staunen       teilweise schlecht. Die Lösung ist aber
entierungslauf. Nach etwa zwei Monaten               ziergang am Kanal oder am Giessen ent-        nicht schlecht, wenn sie hören, wie kurz      nicht einfach eine weitere Mobilfunkan-
unterstützte ich den Deutschunterricht               lang. Was ich an Vaduz schon immer sehr       und unkompliziert bei uns die Wege sind,      tenne. Hier gibt es inzwischen interessan-
als Aushilfslehrer und betreute meine ei-            geschätzt habe, ist das Persönliche. Ich      um Anliegen und Fragen deponieren zu          te Alternativen. Schellenberg ist eine ty-
genen Klassen. Während dieser Zeit arbei-            mag es sehr, dass wir uns in Liechtenstein    können. Das sehe ich als grosse Stärke.       pische Wohngemeinde. Jeden Tag fahren

                       8 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                                                     WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 9
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Gemeinderatswahlen 2019 - Schaan                                                                                                                Gemeinderatswahlen 2019 - Schaan

«Hier möchte ich mitwirken                                                                                                                       «Kulturell hat die Gemeinde jetzt
und mitgestalten»                                                                                                                                schon einiges zu bieten»
                     Text Alexander Hilzinger Foto Martin Walser                                                                                                     Text Ute Jastrzab, jastrzab.ute@outlook.com Foto Emmi Wohlwend

                      Ich möchte mich für meine Gemeinde einsetzen, damit wir auch in Zukunft noch Werte                                                              Ich mag den lebendigen Ortskern in Schaan. Im Dorf ist immer etwas los. Ob schnell auf ei-
                      haben, auf die wir Schaaner stolz sein können. Es gibt auch Dinge in unserer Gemeinde,                                                          nen Kaffee oder zum Einkaufen, mit dem Rad bin ich blitzschnell dort. Ich liebe es, auf Alpila
                      die anders oder vielleicht sogar besser laufen könnten. Genau da möchte ich mitwirken                                                           zu übernachten. Das ist ein Weg, der sich immer lohnt. Da wir direkt am Riet wohnen, gehe
                      und versuchen, neue bzw. andere Ansichten in den Gemeinderat einfliessen zu lassen: Die                                                         ich dort viel joggen und spazieren. Oft kann man Rehe sehen, das ist wunderbar!
                      Ansichten meiner Generation.

                                                                                                                                                 «Mutig neue Wege gehen» heisst für mich,
Meine Vergangenheit ist sportlich geprägt.                                                         und Weise die Führungspersonen über-          Chancen wahrnehmen, wenn sie sich bie-
Dank dem sportlichen Elan meiner Eltern                                                            zeugen, in meiner Abteilung bleiben zu        ten. Einen Entschluss fassen und bereit
durften meine Schwester und ich viele tol-                                                         können, und darf heute mit einem super        sein, das Nötige zu tun. Manchmal muss
le und vor allem lehrreiche Momente erle-                                                          Team zusammenarbeiten.                        man gewohnten Pfade und die Komfort-
ben. Bereits mit drei Jahren stand ich zum                                                             In meiner Vergangenheit habe ich          zone verlassen, um vorwärts zu kommen.
ersten Mal auf den Skiern. Es faszinierte                                                          schon mehrere Male mutig neue Wege            Dies beinhaltet auch Vertrauen in die ei-
mich und ich wollte immer mehr. Ich                                                                eingeschlagen. Ich bin mit meinen Ent-        genen Fähigkeiten und Einstehen für eine
konnte viel Zeit mit meiner Familie beim                                                           scheidungen zufrieden und bin stolz auf       Sache. Dazu gehört die Bereitschaft mitzu-
Skifahren in Malbun verbringen, oft bis                                                            das, was ich erreicht habe und wo ich heu-    arbeiten und dabei keine Angst zu haben,
zur letzten Fahrt der Skilifte. Schon bald                                                         te stehe.                                     unbequeme Standpunkte zu vertreten.
war ich Mitglied im Skiclub Schaan. Wie                                                                Neben dem Sport liegt mir unter an-           Unzufriedenheit führte mich 1998
das bei Geschwistern so üblich ist, eiferte                                                        derem auch das Verkehrsthema sehr am          von Berlin nach Liechtenstein. Viel Mut
meine drei Jahre jüngere Schwester mir                                                             Herzen – ganz besonders in Schaan, dem        brauchte ich nicht, da ich nur gewinnen
nach. Skifahren war für uns das Grösste.                                                           Nadelöhr von Liechtenstein. Ich lasse         konnte. Nach ein paar Jahren als Servier-
    Damals besuchten wir die Primarschule                                                          mich für den Gemeinderat nominieren,          tochter und in meinem erlernten Beruf             Ute Jastrzab, GR-Kandidatin für die
Resch in Schaan. Dann kam der erste Punkt,          Alexander Hilzinger, GR-Kandidat für die       weil mir Schaan viel bedeutet. Hier bin ich   als Friseurin schlug ich einen neuen Weg          Freie Liste in Schaan
an dem eine grosse Entscheidung anstand:            Freie Liste in Schaan                          aufgewachsen, hier möchte ich mitwirken       ein. Über die Matura an der BMS in Va-
Ich wollte unbedingt in den Liechtensteini-                                                        und mitgestalten!                             duz sowie ein Wirtschaftsstudium an der           den unterschiedlichsten Menschen. Diese               de und das Leben im Dorf. Kulturell hat
schen Skiverband. Dieses Ziel erreichte ich,        wuchsfahrer auf den Sprung in den Liech-                                                     Hochschule Liechtenstein fand ich in den          haben mich auf meinem Weg immer wie-                  die Gemeinde jetzt schon einiges zu bie-
und so nahm alles seinen Lauf. Nach der             tensteinischen Skiverband unterstützen                                                       Finanzdienstleistungssektor. Das war schon        der ermutigt und bestärkt. Gemeinsam ist              ten. Das ist eine Entwicklung, welche un-
Primarschule stieg ich in die Sportschule           und vorbereiten konnte.                                                                      eine grössere Herausforderung. Aber ich           es einfacher.                                         bedingt weiterverfolgt werden sollte. Der
Liechtenstein (Realschule Schaan) ein und               Nach einem erfolgreichen Jahr im                                                         hatte von Anbeginn ein tolles Umfeld mit              Mehr Mut erforderte der Weg zur Ein-              Spagat zwischen Verkehrsnadelöhr und
später in das Sportgymnasium Dornbirn.              Skiclub durfte ich das folgende Jahr als                                                                                                       bürgerung über die Abstimmung in der                  einem lebenswerten Schaan mit viel Na-
Dort absolvierte ich die Matura.                    Assistenztrainer im Skiverband den Nach-                                                                                                       Gemeinde. Aber ich wollte unbedingt wäh-              turflächen scheint mir eine der grössten
    Eine Karriere im Spitzensport bringt            wuchskader trainieren und den Athleten                                                                                                         len können und die Gesellschaft, in wel-              Herausforderungen der Gemeinde. Mit
viele Herausforderungen mit sich und oft            mein Wissen und Know-how weitergeben,                                                                                                          cher ich lebe, mitgestalten.                          Interesse verfolge ich seit Jahren die Raum-
ging ich hart an meine Grenzen und dar-             was mir sehr viel bedeutete.                                                                                                                       Und nun kandidiere ich auch noch für              entwicklung in Schaan. Gerne möchte ich
über hinaus. Schliesslich kam der Tag, an               Schon bald stand meine Berufsent-                                                                                                          den Gemeinderat. Diese Chance zu ergrei-              nun meinen Beitrag leisten und die an-
dem ich meine Skier an den Nagel häng-              scheidung an. Ich sah viele Möglichkeiten.                                                                                                     fen, war für mich persönlich meine mutigs-            stehenden Herausforderungen mit anpa-
te. Ehrlich gesagt, ich habe den Entscheid          Nach reiflichem Überlegen entschied ich                                                                                                        te Entscheidung.                                      cken.
eine ganze Weile bereut. Heute kann ich             mich für eine Lehre als Konstrukteur bei                                                                                                           Wenn ich an Schaan denke, dann fal-
die Zeit im Spitzensport als wertvolle Er-          der Hilti AG und reichte meine Bewer-                                                                                                          len mir als erstes die Menschen ein. Ob
fahrung betrachten.                                 bung ein. Ich hatte Glück, bekam die Stel-                                                                                                     in direkter Nachbarschaft oder im Dorf,
    Nach meinem Rücktritt blieb ich dem             le und konnte, dank meiner Matura, eine                                                                                                        man kommt schnell ins Gespräch, wenn
Skisport weiterhin verbunden und arbei-             verkürzte Lehre absolvieren.                                                                                                                   man will. Ich erlebe die Schaaner als sehr
tete beim Skiclub Schaan als Trainer der                Nach zwei tollen Jahren in der Hilti-Be-                                                                                                   offen, freundlich und diskussionsfreudig.
Renngruppe, wo ich die Schaaner Nach-               rufsausbildung konnte ich mit meiner Art                                                                                                       Sie interessieren sich sehr für die Gemein-

                     10 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                                                    WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 11
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Solidarität – die politische Dimension des Mitgefühls

«Das Gefühl von Solidarität                                                                                                                                Pepo Frick, Co-Präsident Freie Liste

ist unteilbar»
                       Text Alexa Ospelt, info@weissmagazin.li Porträt Klaus Schädler Fotos Pepo Frick

                       Pepo Frick, Co-Präsident der Freien Liste, war viele Jahre Vize-Präsident von Solidarmed
                       und für diese NGO auch als Arzt von 1984-87 in Lesotho, im südlichen Afrika, tätig. Das
                       Weiss Magazin hat mit ihm über seine Ansichten und Erfahrungen zum Thema Solidarität
                       gesprochen.

Weiss: Liechtensteins Medianlohn liegt bei            bewerben, aber nicht zuletzt auch Flücht-          sind dort überlebensnotwendiger als bei           zen Welt leben Solidarität in ihrer unmit-
6603 Franken. Wir haben nahezu Vollbeschäf-           linge, die in ihrem Heimatland Grauen              uns. Nach wie vor gibt es in Lesotho kei-         telbaren Umgebung. Ohne ein solidari-
tigung und generell einen hohen Lebensstan-           und Schrecken und Hoffnungslosigkeit er-           ne allgemeine Krankenversicherung oder            sches Sich-Einsetzen in seiner Heimat sind
dard. Ist da Solidarität mit Menschen in Liech-       lebt haben. Prekäre Arbeitsbedingungen             eine ausgebaute AHV, ein Krankheitsfall           meiner Meinung nach Solidaritätsbekun-
tenstein nicht überflüssig bzw. ein Luxus?            (Eurolöhne, zunehmend unsichere An-                erfordert häufig den finanziellen Einsatz         dungen anderswo aufgesetzt.
Pepo Frick: Ganz und gar nicht. Wir haben             stellungsverhältnisse durch Leihfirmen)            der ganzen Verwandtschaft, das Altwerden
auch hier im Land immer mehr Menschen                 und eine Gesetzgebung mit Lücken vor al-           geschieht im Kreise der Familie, ergänzen-        Ist es deiner Ansicht nach sinnvoll, mit jedem
und Schicksale, die dringend unsere So-               lem für Einkommensschwache der LANV                de Unterstützung oder Altersheime gibt es         Mitmenschen solidarisch zu sein, der um sei-
lidarität und unser Mitgefühl brauchen,               kann ein Lied davon singen.                        praktisch nicht.                                  ne Rechte kämpfen muss und schlechter ge-
nicht nur, aber auch im finanziellen Be-                                                                                                                   stellt ist als du selbst?
reich. Seniorinnen und Senioren, denen                Als Arzt, der mit seiner Familie in Afrika ge-     Du hast bei anderer Gelegenheit erzählt, dass     Als Grundeinstellung JA im Sinne der
die AHV zum Leben nicht mehr reicht,                  lebt und gearbeitet hat, kennst du Solidarität     deine Bekannten in Lesotho wegen ihrer            UNO-Menschenrechte. Im Alltag ist es
Familien und Alleinerziehende, die unter              sicher auch aus einer ganz anderen Perspek-        Hautfarbe diskriminiert wurden.                   aber wichtig, solidarisches Miteinander
oder knapp über der Armutsgrenze leben                tive. Erinnerst du dich an konkrete Situatio-      Nicht in Lesotho selbst, dort war der Kon-        zuerst in der Familie, im Freundeskreis,
(was noch härter sein kann), Patienten                nen?                                               takt zwischen Einheimischen und Weissen           in seiner Heimat zu leben. Auch als politi-
und Patientinnen, die ihre KK-Prämien                 In Liechtenstein wird Solidarität anders           herzlich und problemlos. Dieses kleine            scher Mensch kann man sich täglich gegen
nicht mehr bezahlen können, und ältere                gelebt als in Afrika. Starke familiäre Bande       Land ist zwar unabhängig, aber umgeben            verletzende Gedanken und Worte wehren,
Arbeitslose, die sich jahrelang vergeblich            und verwandtschaftlicher Zusammenhalt              von Südafrika. Während meinem Einsatz             ich denke an die pauschale Verurteilung
                                                                                                         herrschte noch die Apartheid, Mandela             von sogenannten Sozialschmarotzern oder
                                                                                                         sass noch mit einer lebenslangen Haftstra-        die unmenschliche Verunglimpfung von
                                                                                                         fe im Gefängnis. Für meine Bekannten mit          Flüchtlingen und Asylanten. Ein undif-
                                                                                                         schwarzer Hautfarbe war es in Südafrika           ferenziertes Herumhacken auf vermeint-
                                                                                                         nicht erlaubt, mit mir in ein Restaurant          lichen Randgruppen scheint sich auszu-                                    SolidarMed engagiert sich für die Gesundheit
                                                                                                         oder Schwimmbad zu gehen, Sitzbänke wa-           breiten, hier sind wir alle mit Zivilcourage                              der Menschen im südlichen Afrika und
                                                                                                         ren gekennzeichnet mit «Nur für Weisse»,          gefordert. Zwei nachhaltige Erfahrungen                                   verbessert die Gesundheitsversorgung von

«In Liechtenstein wird
                                                                                                         die Schulen waren nach Rassen getrennt.           hat mir mein Afrikaaufenthalt mit auf den                                 1,5 Millionen Menschen in Lesotho, Moçam-
                                                                                                         Das hat meine persönliche Einstellung zu          Weg gegeben: Dankbarkeit, dass ich in die-                                bique, Tanzania, Zambia und Zimbabwe.
                                                                                                         Gerechtigkeit und Solidarität «arg strapa-        sem Teil der Welt leben darf (Gnade der
                                                                                                         ziert».                                           Geburt), und Bescheidenheit, die auch

Solidarität anders gelebt
                                                                                                                                                           Raum gibt für Solidarität und das Über-
                                                                                                         Braucht Solidarität letztlich geographische       leben unseres wunderschönen Planeten
                                                                                                         Abstufungen, d.h. ist es wichtiger, solidarisch   (überdimensionierter ökologischer Fuss-
                                                                                                         zu sein mit dem diskriminierten Liechtenstei-     abdruck in unserer westlichen Konsumge-

als in Afrika.»
                                                                                                         ner oder mit dem Mitmenschen in Syrien, des-      sellschaft). Solidarität und Mitgefühl sind
                                                                                                         sen Leben direkt bedroht ist?                     gerade in der heutigen Welt wieder sehr
                                                                                                         Ich glaube, das Gefühl von Solidarität ist        gefragt, sowohl national als auch interna-
                                                                                                         unteilbar. Sehr viele Menschen in der gan-        tional.

                       12 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                        WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 13
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Liechtenstein und die Vereinten Nationen                                                                              Liechtenstein und die Vereinten Nationen

                                                                                                                       Themengebiet ist der sogenannte Syrien-         Errungenschaft darf aber sicher gewertet
                                                                                                                       Mechanismus anzusiedeln. Der Syrien-            werden, dass der Mechanismus auf ande-
                                                                                                                       Mechanismus ist zwar kein Gerichtshof,          re Konflikte Anwendung finden wird, was
                                                                                                                       aber bezweckt, die Verantwortlichen für         seine Relevanz und sein Potenzial zur Auf-
                                                                                                                       die grössten Kriegs- und Menschenrechts-        arbeitung von Konflikten unterstreicht.
                                                                                                                       verbrechen im Syrien-Konflikt für ihre              Die Mitgliedschaft Liechtensteins bei
                                                                                                                       schrecklichen Taten zur Rechenschaft zu         den Vereinten Nationen ist als elementa-
                                                                                                                       ziehen. Der Mechanismus sammelt und             rer Eckstein der Souveränität Liechten-
                                                                                                                       verwertet Beweise für schwerste Verbre-         steins zu sehen. Liechtenstein kann, nein,

Aussenpolitik – Was kann
                                                                                                                       chen in Syrien – darunter Folter, Exeku-        Liechtenstein bewegt etwas mit seiner Ar-
                                                                                                                       tionen, Massentötungen von Zivilisten,          beit bei den Vereinten Nationen. Liech-
                                                                                                                       Chemiewaffeneinsätze und dergleichen.           tenstein könnte aber auch mehr tun. Zum

Liechtenstein leisten?
                                                                                                                       Ziel ist es, dass die Hauptverantwortli-        einen z.B. mit einem grösseren (finanzi-
                                                                                                                       chen für diese Gräueltaten vor einem Ge-        ellen) Engagement in der Entwicklungs-
                                                                                                                       richt zur Verantwortung gezogen werden.         zusammenarbeit, die die von Macron ins
                                                                                                                       Ohne strafrechtliche Aufarbeitung dieser        Zentrum gestellten Ungleichheiten effek-
                                                                                                                       Verbrechen wird es in Syrien keinen nach-       tiv bekämpfen würde. Aber zum anderen
                      Text Thomas Lageder, thomas.lageder@landtag.li Foto Mission New York                             haltigen Frieden geben. Die Aussenminis-        auch mit der Ratifikation des Atomwaf-
                                                                                                                       terin leitete dazu eine Konferenz. Der Saal     fensperrvertrags, der in Kraft treten wird,
                                                                                                                       war proppenvoll. Verschiedene namhafte          sobald ihn 50 Nationen ratifiziert haben.
                      Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges mündeten in der Gründung der Vereinten Nationen            Nationen sagten ihre Unterstützung nicht        Das wäre ein kleiner Schritt für Liechten-
                      (United Nations), mit dem Ziel, den Frieden in der Welt dauerhaft zu sichern. Ein hehres Ziel,   nur inhaltlich, sondern auch finanziell         stein, aber ein grosser für die Sicherung
                      an dem 193 Länder, darunter auch Liechtenstein, mehr oder weniger hart arbeiten.                 zu. Liechtenstein wurde überschwänglich         des Friedens auf der Welt. Packen wir es
                                                                                                                       für sein Engagement gelobt. Als grösste         an.

Die Aussenpolitische Kommission des                  der eine flammende Rede für den Mul-                                                                                                                              Von links nach rechts: Eugen Nägele (APK),
Landtages (APK) wohnte der diesjährigen              tilateralismus hielt. Er appellierte an die                                                                                                                       Thomas Lageder (APK), Albert Frick (APK),
UNO-Generaldebatte sowie verschiedens-               Versammlung, zusammenzustehen, die                                                                                                                                Ursula Müller (Beigeordnete Generalsekretärin
ten weiteren sogenannten «Side Events»               wirtschafts-, finanz-, umwelt- und klimapo-                                                                                                                       für humanitäre Angelegenheiten bei den Verein-
bei. Sie liess sich aus erster Hand über die         litischen Herausforderungen gemeinsam                                                                                                                             ten Nationen), Manfred Kaufmann (APK) und
umfangreichen Tätigkeiten der Mission in             anzugehen und die immer stärker wer-                                                                                                                              Georg Sparber (Mission New York).
New York informieren und nahm aktiv an               dende Ungleichheit zu bekämpfen, die er
einigen Debatten teil.                               als Wurzel der zunehmenden Konflikte als
    Eindrücklich war vor allem die Ge-               auch der Erstarkung des Populismus iden-
neraldebatte, bei der je eine Vertreterin            tifizierte. Seine Rede, die bis zum Letzten
oder ein Vertreter jedes Landes eine Rede            durchkomponiert war, fast schon einem
hält. So führte Generalsekretär António              Gedicht glich, erntete minutenlangen Ap-
Guterres in seiner Rede aus, wie er in-              plaus und stellte einen starken Gegenpol
nerhalb eines Jahres den Frauenanteil in             zu den von nationalem Egoismus getriebe-
seinem Stab auf 50 Prozent anhob. Ohne               nen Aussagen des US-Präsidenten dar.
jeglichen Qualitätsverlust, wie die Liech-
tensteiner Mission versichert, eher das Ge-
genteil sei der Fall.                                Liechtensteins Beitrag:
    US-Präsident Donald Trump hinge-                 Der Syrien-Mechanismus
gen, der zu spät kam, alle Nationen warten               Liechtensteins Aussenministerin Aure-
liess, hielt sich vor allem mit Selbstbeweih-        lia Frick referierte über die Kernpunkte
räucherung auf, die zu grossem Gelächter             der Tätigkeiten Liechtensteins in der Aus-
im Plenum führte. Ich kann dem geneig-               senpolitik generell und speziell bei den
ten Leser versichern, die Anwesenden                 Vereinten Nationen. Hervorzuheben ist
haben nicht mit ihm gelacht. Im Kern je-             dabei sicherlich der Einsatz Liechtensteins
doch stellte er den multilateralen Ansatz            für die Rechtsstaatlichkeit (rule of law). So
der UNO infrage, dass alle Nationen an               geht die Definition des Verbrechens der
einem Tisch versuchen, Lösungen zu er-               Aggression im Rahmen des Internatio-
arbeiten. Ganz im Gegensatz zum franzö-              nalen Strafgerichtshofs massgeblich auf
sischen Präsidenten Emmanuel Macron,                 das Konto von Liechtenstein. Im selben

                      14 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                 WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 15
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Kommentar zur dppelten Staatsbürgerschaft                                                                           Kommentar zur dppelten Staatsbürgerschaft

                                                                                                                  Doppelte Staatsbürgerschaft                   lich Mühe, sich auf etwas einzulassen oder        Privilegierte und weniger Privilegierte, mit
                                                                                                                 Gegenwärtig warten die Abgeordneten            nur schon in Erwägung zu ziehen, was auf          mehr oder weniger Staatsbürgerschaften,
                                                                                                                 und wohl auch Teile der Bevölkerung            der Welt, in Europa, in Nachbarländern            mit mehr oder weniger Rechten auf Ge-
                                                                                                                 auf die 2. Lesung der Gesetzesvorlage im       gang und gäbe (und gut!) ist und zuneh-           meindeebene, Liechtensteiner mit mehr
                                                                                                                 Landtag.                                       men wird: Die Zulassung der doppelten             oder weniger Stimm-/Wahlrechten, Steu-
                                                                                                                                                                Staatsbürgerschaft bei Einbürgerung.              erzahler mit Stimmrecht und Steuerzahler
                                                                                                                  Verkürzung der Wohnsitzpflicht                    Eine doppelte Staatsbürgerschaft ist in       ohne Stimmrecht, Personen, welche Liech-
                                                                                                                 Die Motion zur Verkürzung der Frist bei        den meisten Staaten der Normalfall, sogar         tenstein als persönliche Chance sehen,
                                                                                                                 der Einbürgerung Alteingesessener im           in Liechtenstein – allerdings nur für Liech-      und Personen, welche Liechtenstein als

Umgang mit «Fremden»:
                                                                                                                 Mai 2016 wurde vornehmlich von der FBP         tensteinerinnen und Liechtensteiner! Eine         Enttäuschung erleben, Bewohner, welche
                                                                                                                 abgelehnt.                                     Wohnsitzpflicht von 30 Jahren ist ein ex-         sich einbringen würden, und Bewohner,
                                                                                                                                                                tremer Ausreisser weltweit, das Ausländer-        welche wir gezielt ausschliessen – in der
                                                                                                                  Stimm- und Wahlrecht für Ausländer/in-

Vergeben wir eine Chance?
                                                                                                                                                                Stimm- und -Wahlrecht auf Gemeinde-               vermeintlichen Annahme, damit unsere
                                                                                                                 nen auf Gemeindeebene                          ebene nach fünf Jahren Wohnsitz ist im            Privilegien zu sichern.
                                                                                                                 Dieser Punkt wird vonseiten der FBP immer      Unionsrecht in Europa der Standard. Und               In der Debatte zur 1. Lesung der Ge-
                                                                                                                 mal wieder gerne als Alternative, als gang-    dass Staatsbürger, die im Ausland woh-            setzesvorlage zur doppelten Staatsbürger-
                                                                                                                 barer Weg erwähnt, um alles andere (dop-       nen, in ihrem Heimatland das Stimm- und           schaft standen vor allem die Erhöhungen
                  Text Wolfgang Marxer, wolfgang.marxer@landtag.li                                               pelte Staatsbürgerschaft, Senkung Wohn-        Wahlrecht haben, ist ebenfalls die Norm.          der Eintrittshürden im Vordergrund, also
                                                                                                                 sitzpflicht, Stimm-/Wahlrecht auf Landes-          Klar, man kann zu jedem dieser The-           quasi neue, zusätzliche Bedingungen, un-
                                                                                                                 ebene für Ausland-Liechtensteiner) «auf-       men Ausnahmen auf diesem Planeten su-             ter denen man die Zulassung der Doppel-
                  Sind wir vielleicht gar nicht jene offene Gesellschaft, für die wir uns halten? Sind wir       zuwiegen» – selbstverständlich ohne dass       chen, und man wird sie auch finden. Aber          ten Staatsbürgerschaft für Einbürgerungs-
                  gegenüber Anderen vielleicht gar nicht so christlich grossherzig, so an Gleichberechtigung     danach je ein politischer Vorstoss in diese    es bleiben Ausnahmen. Grundsätzlich stellt        willige überhaupt ins Auge fassen will.
                  und Chancengleichheit interessiert? Ein Blick auf die Einbürgerungspolitik der letzten Jahre   Richtung folgt.                                sich die Frage: Weshalb tut sich Liechten-            Dies lässt für die abschliessende Be-
                  wirft Fragen auf.                                                                                                                             stein mit jedem einzelnen dieser Themen           handlung dieser Gesetzesvorlage wenig
                                                                                                                  Gemeindebürgerrecht                           so schwer – und offensichtlich sogar mit          Gutes erahnen. An der Freien Liste jedoch
                                                                                                                 Allein schon die Einreichung eines Postu-      der Zeit immer schwerer?                          wird die Vorlage auf keinen Fall scheitern.
                                                                                                                 lats betreffend die Bedeutung und Sinn-            Doch nicht nur dies. Besonders perfi-
                                                                                                                 haftigkeit des Gemeindebürgerrechts wur-       de – klarerer Ausdruck für ‚durchsichtig, ja
Was sich in der Einbürgerungspoli-                                                                               de von einer klaren Mehrheit der FBP- und      gar heimtückisch‘ – ist, dass das eine gegen
tik in den letzten Jahren abgespielt,                                                                            DU-Abgeordneten abgelehnt, jedoch mit          das andere mehr oder weniger geschickt
oder vielmehr nicht abgespielt hat,                                                                              den Stimmen von VU und FL mit 13:12 im         ausgespielt wird. Abgesehen davon, dass
verdeutlicht das folgende 5er-Ge-                                                                                April 2014 an die Regierung überwiesen.        zuerst einmal immer alles «zum falschen
stirn meiner Situationsanalyse:                                                                                                                                 Zeitpunkt» kommt, ist es dann «zu restrik-
                                              Verkürzung der                                                       Stimm- und Wahlrecht auf Landesebene         tiv», «zu offen», «zu weitgehend» – oder
                                                                                      Stimm- und Wahlrecht       für Ausland-Liechtensteiner                    was auch immer an vermeintlich sachli-
                                              Wohnsitzpflicht                                                    Das Postulat wurde im April 2013 vom           chen Argumenten vorgebracht wird. Und
                                                                                     für Ausländer/innen auf     Landtag einstimmig überwiesen. Erst nach       genau hier drehen wir uns dann mit obi-
                                                                                                                                                                                                                   Landtags-Talk
                                                                                         Gemeindeebene           einem Spiessrutenlauf wurde eine Vorlage       gen fünf Punkten im Kreis: Wer immer zu            im Coworking Space am
                                                                                                                 im Landtag überhaupt behandelt. Im Mai         einem einzelnen Punkt einen Vorstoss ein-          11. Dezember um 18.30 Uhr
                                                                                                                 2016 wurde das Anliegen an der 2. Lesung       bringt, bekommt zu hören: «Zuerst müssen
                                                                                                                 der Gesetzesvorlage ohne eine einzige          wir uns doch der Frage xy annehmen.» xy
                                                                                                                 Wortmeldung der FBP «versenkt».                = ein frei wählbarer anderer Punkt des Ge-         Politische Informationen aus erster Hand.
                                                                                                                                                                stirns.                                            FL-Landtagsabgeordnete informieren zeitnah
                                                                                                                 Alle diese fünf Punkte gehören zu ein und          Das Resultat: In keinem der Punkte ge-         über die Debatten im Dezember-Landtag,
                                                                                                                                                                                                                   (inkl. Imbiss, hausgemachte Suppe und Brot).
                        Doppelte                                                         Gemeindebürgerrecht     demselben Themenkomplex, bei dem es            schieht etwas, in keinem der Punkte wird
                                                                                                                 letztlich um eines geht: Wie halten wir es     etwas unternommen, zu keinem der Punk-
                   Staatsbürgerschaft                                                                            mit dem Anderen, dem Fremden, dem              te, welcher angeblich «zuerst» folgen muss,        Um Anmeldung wird aus organisatorischen
                                                                                                                 Ungewohnten, dem Neuen? Und weil es            geschieht etwas, alles bleibt beim Alten –         Gründen gebeten. Email: info@freieliste.li
                                                                                                                 hier immer auch um Menschen geht: Wie          und dies seit gefühlten Jahrzehnten.
                                                                                                                 halten wir es mit denjenigen, welche keine         Ich schreibe bewusst nicht: «Und alles
                                                                                                                 so lupenreine Liechtensteiner Biografie        bleibt, wie es ist.» Denn das Letzte, was wir
                                                                                                                                                                                                                   Aktuelle Themen auf www.
                                                            Stimm- und Wahlrecht auf                             haben, die viele von uns für einzig richtig
                                                                                                                 halten?
                                                                                                                                                                mit unserer restriktiven Haltung erreichen
                                                                                                                                                                werden, ist, dass alles bleibt, wie es ist.        freieliste.li oder www.face-
                                                                Landesebene für                                                                                     Vorläufig allerdings gilt unverändert,         book.com/freieliste.li/
                                                                                                                 Doppelte Staatsbürgerschaft als Normalfall     dass wir x Kategorien von Bewohnerinnen
                                                             Ausland-Liechtensteiner                             Das offizielle Liechtenstein hat offensicht-   und Bewohnern Liechtensteins haben –

                  16 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                                                WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 17
WEISS - Mutig neue Wege gehen Solidarität - Freie Liste
Nachhaltigkeit in der Finanzwelt

Nachhaltigkeit und Trans-
parenz für Pensionskassen
                     Text Ute Jastrzab,jastrzab.ute@outlook.com

                     Bei Geld, das wir tagtäglich ausgeben, können wir Fairness und Nachhaltigkeit selbst in
                     die Hand nehmen. Auch was mit den Franken geschieht, die wir nicht ausgeben, sondern
                     sparen oder anlegen, können wir bestimmen. Doch wer achtet darauf, was mit dem Geld
                     passiert, das wir in die Pensionskassen einzahlen?

Jeden Tag treffen wir Entscheidungen da-             verpflichtet, über ihre ESG-Standards und     und die neue Transparenz dazu bei, dass
rüber, wie wir unser Geld ausgeben. Wir              Klimawerte zu informieren.                    sich jede Pensionskasse, wenn sie das nicht
kaufen regionale und fair gehandelte Pro-                Die ESG-Bewertung einer Anlage er-        bereits getan hat, mit der Nachhaltigkeit ih-
dukte, achten darauf, dass unsere Kleider            folgt nach dem bekannten Rating von           rer Anlagen auseinandersetzen muss.
ohne Kinderarbeit hergestellt werden,                CCC (niedrigster Wert) bis AAA (höchster          Die oder der Einzelne wird wenig dazu
verzichten auf Einwegartikel aus Plastik.            Wert). Die Faktoren, die das ESG-Rating       beitragen können, dass Pensionskassen
Auch in der Geldanlage entscheiden sich              beeinflussen, sind je nach Sektor von un-     sozial und nachhaltig agieren. Wer kann
Anleger immer öfter für «socially respon-            terschiedlicher Relevanz. Je nach Branche     sich schon seinen Arbeitgeber nach dessen
sible investing» (SRI), also den Einbezug            unterscheiden sich die Herausforderungen      Pensionskassenpolitik aussuchen? Für die
sozialer und ökologischer Kriterien in ihre          für die Unternehmen. Bei einem Energie-       Politik heisst es aber, Rahmenbedingungen
Investmententscheidungen.                            versorger hat der Umweltaspekt einen viel     zu setzen, welche die Pensionskassen in die
    Solange wie es um die persönliche Geld-          grösseren Einfluss als bei einem Finanz-      richtige Richtung führen.
anlage geht, liegt es in der eigenen Hand.           dienstleister. Die Bewertungskriterien wer-
Aber wie sieht es bei den Pensionskassen             den deshalb je nach Branche angepasst. So
aus? Eine Studie des gfs-Zürich zeigt, dass          ist der gleiche Wert für zwei Firmen unter-        E – Environment (Umwelt)
die Versicherungsnehmer in erster Linie              schiedlicher Branchen nicht gleich zu be-          Wie effizient verwaltet eine Unternehmung
eine risikoarme und sichere Anlagestra-              urteilen. In einem Umrechnungsverfahren            seine Ressourcen? Dazu können bei-
tegie von ihrer Pensionskasse erwarten,              werden die Punkte unter Berücksichtigung           spielsweise der Wasserverbrauch und die
damit das Altersguthaben möglichst hoch              des Sektors in das Rating umgerechnet.             Recycling-Policy betrachtet werden.
ausfällt. Allerdings werden auch nachhalti-                                                             S- Social (Sozial)
ge Anlagestrategien verlangt.                        Pensionskassen und ESG-Wert                        Wie fair werden die Kunden einer Unterneh-
    Doch nicht überall wo «Sustainability»           In einer Studie kritisieren Pensionskassen         mung behandelt? Wie fair und sicher sind
draufsteht, ist auch Nachhaltigkeit drin.            die fehlende Messbarkeit der Nachhaltig-           die Arbeitsbedingungen? Wie steht es mit
Eine Nachhaltigkeitsanalyse (ESG-Analyse,            keit und die höheren Kosten nachhaltiger           der sozialen Vielfalt bei Angestellten und im
siehe Kasten) soll hier für mehr Transpa-            Produkte. Auch sei der Nachhaltigkeitsbe-          Management?
renz sorgen. ESG übersetzt Nachhaltigkeit            griff in ständigem Wandel und damit einer          G – Governance (Unternehmensführung)
in die Finanzsprache. Durch die ESG-                 gewissen Beliebigkeit unterworfen. Den-            Wie ist die Unternehmensführung aufge-
Analyse wird dem klassischen magischen               noch ist der ESG-Wert als Risikokriterium          baut? Wie transparent ist die Unterneh-
Dreieck der Geldanlage «Rentabilität-                anerkannt und seine Beachtung liegt im             mung? Wir hoch ist das Korruptionsrisiko?
Liquidität-Sicherheit» ein vierter Faktor            Interesse der Versicherungsnehmer. Die             Gibt es wettbewerbswidrige Anlagen? Wie
hinzugefügt. Dies bietet die Möglichkeit,            ESG-Analyse kann auf Faktoren hinweisen,           nachhaltig sind Ihre Anlagen?
Anlagen nicht nur anhand der klassischen             welche auf längere Sicht einen positiven           www.yoursri.li
Unternehmenskennzahlen auszuwählen,                  oder oder negativen Einfluss auf die Ent-
                                                                                                        Quellen:
sondern auch Einflüsse auf Umwelt und                wicklung einer Anlage nehmen können.               Oliver Oehri, CSSP, Vaduz www.cssp-ag.com
Gesellschaft zu berücksichtigen.                         Bei aller Skepsis herrscht dennoch             https://services.complementa.com/se/upload/Complementa_
                                                                                                            Risiko_Check_up_Studie_2018_1541.pdf
                                                     breite Zustimmung, wenn es um die posi-            https://gfs-zh.ch/wp-content/uploads/2015/02/
Neue Berichtspflicht ab Januar 2019                  tive Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt               Robecosam-Pensionkassenstudie.pdf
                                                                                                        Prof. Dr. Sebastian Utz, Überinvestition oder Risikominimierung?,
Ab Januar 2019 sind Pensionskassen gemäss            geht. Nicht zuletzt tragen die wachsende               in ESG-Marktbericht, Ausgabe 2018
der EU-Pensionskassenrichtlinie (EbAVII)             Sensibilisierung der Versicherungsnehmer

                     18 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18                                                                                                          WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18 – 19
Von links nach rechts: Rahel Rauter, Vaduz; Manuel Kieber, Vaduz; Ute Jastrzab, Schaan; Andrea Matt, Mauren-Schaanwald; René Hasler, Vaduz;
Harry Hasler, Eschen-Nendeln; Bettina Eberle-Frommelt, Balzers; Stephan Gstöhl, Vaduz; Alexander Hilzinger, Schaan; Joachim Batliner, Triesen

Mutig neue Wege gehen.                                                        sozial
     Für unsere Zukunft.                                                      demokratisch
 Für unser Land.                                                              ökologisch
              20 – WEISS – Magazin der Freien Liste – 26/18
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